Diskurs 09 - Die Große Trübsal: Bedrängnis für die Gläubigen oder für die ganze Welt?




Die Große Trübsal: Bedrängnis für die Gläubigen oder für die ganze Welt? / Replik Marcus Franz 00, 2000-07-25


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Die Große Trübsal: Bedrängnis für die Gläubigen oder für die ganze Welt? / Replik MF02, 2000-07-25)

Zu der Finsternis: Ich halte diese Frage an und für sich nicht für so bedeutsam. Dennoch bin ich aus den von mir bereits geschilderten Gründen der Meinung, dass Off. 6, 12 nur auf eine temporäre Verfinsterung der Sonne hinweist und (zeitlich gesehen) vor Mt. 24, 29 geschieht.

Mich würde interessieren, wo Sie in Ihrer Auslegung die Verfinsterung zeitlich unterbringen, die bei dem 5. Schalengericht (Off. 16, 10) geschieht und der Wiederkunft des Herrn doch viel näher liegt als Off. 6, 12.

Wenn ich Sie richtig verstanden habe, ist Ihrer Meinung nach mit dem 6. Siegel die Bedrängnis der Gläubigen beendet. Sie bleiben hier konsequent, denn lt. Mt. 24, 29 geschieht die Verfinsterung ja erst NACH der Bedrängnis. Wenn also Off. 6, 12 und Mt. 24, 29 identisch sein sollte, muss zwingenderweise die Bedrängnis der Gemeinde mit dem 6. Siegel zu Ende gehen. Andererseits schreiben Sie aber auch (völlig zu Recht), dass die Gemeinde erst mit der 7. Posaune entrückt wird. Also finden doch auch noch zuvor die Posaunengerichte statt.

Wie passt das Ihrer Meinung nach zusammen? Wird die Gemeinde von den Posaunengerichten nicht getroffen? Stellt der Antichrist die Verfolgung der Gemeinde bereits zuvor ein? Was sagen Sie hierzu?

(Marcus Franz, XXXXmarcus1973@t-online.de / http://www.marcus1973.privat.t-online.de/endzeit.html



(Den Kommentar zu den Fragen über die große Finsternis siehe Diskurs 05: „Die Parallelität der Ereignisse von Mt 24 und Off 6 und 7.”)

Eine „Gesamtübersicht” über alle wesentlichen Ereignisse der Endzeit und der Versuch ihrer Einordnung in das endzeitliche Geschehen findet sich auf der Startseite dieser Homepage.

Der Angelpunkt in all diesen Fragen rund um die Wiederkunft des Herrn ist die Große Trübsal und ihre inhaltliche Beschaffenheit. Es wird viel von der Großen Trübsal gesprochen und geschrieben, ohne vorher zu definieren, was man genau darunter versteht. Im Kapitel 03 „Die Große Trübsal” wurde der Versuch einer derartigen Konkretisierung unternommen.

(Siehe auch Kapitel 03: „Die Große Trübsal”.)

Um es hier auf einen kurzen Nenner zu bringen kann man folgendes sagen:

Die von der Schrift mehrfach prophezeite „große Trübsal/Bedrängnis” wird wie folgt beschrieben:

Eine große Trübsal, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt.

Mt 24,21 Denn es wird dann eine große Trübsal sein, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird. Mt 24,21;


Und diese Aussage wird auch durch den Paralleltext von Dan 12,1-2 erhärtet:

Eine Zeit so großer Trübsal, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt.

Dan 12,1 Zu jener Zeit wird Michael, der große Engelfürst, der für dein Volk eintritt, sich aufmachen. Denn es wird eine Zeit so großer Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen. 12,2 Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande. Dan 12, 1- 2;


Diese große Trübsal kann sich nun nicht ausschließlich auf eine Bedrängnis der Gläubigen beziehen. Wir erkennen hier in Dan 12,1-2 eine eindeutige Parallele zu Mt 24,21. In beiden Texten, sowohl im AT als auch im NT, wird diese große Trübsal als eine Zeit der Bedrängnis bezeichnet, wie sie seit Anfang der Welt nicht gewesen ist. Und nun mag man sich unter der Verfolgung der Gläubigen noch so grausige Horrorszenarien vorstellen, man wird keine Gräueltaten finden, welche im Laufe der Geschichte durch Menschen an anderen Menschen nicht bereits verübt worden wären.

Besonders das Volk Israel hat in seiner Vergangenheit bereits alle Leiden erlitten, welche Menschen sich untereinander zufügen können. Ob das nun die Folterungen der gläubigen Juden unter Antiochus Epiphanes waren, welche wir in den Makkabäerbriefen (2Mak 7,1-42) nachlesen können, die Eroberung Jerusalems durch die Kreuzritter, die Pogrome gegen die Juden in ganz Europa oder das Verbrechen am jüdischen Volk in unserer Zeit, unter Hitler, um nur einige zu nennen.

Aber auch die Bedrängnis der Christen, beginnend mit den Christenverfolgungen im Römischen Reich, über die Inquisition der Römischen Kirche bis hin zur Gegenreformation, hat bereits alle Ausprägungen der Qual, wie Zerreißen durch wilde Tiere, Folterungen im „peinlichen Verhör” oder Verbrennen auf dem Scheiterhaufen beinhaltet.

Man kann einzelne Menschen und auch ein ganzes Volk „nur” bis zum Tod quälen. Und genau dies ist bereits allzu oft in der Weltgeschichte geschehen. Eine Steigerung „wie sie nicht gewesen ist von Anfang der Welt bis jetzt” ist daher unter dem Titel einer Verfolgung von Menschen allein nicht vorstellbar.

Es gibt aber noch einen weiteren Hinweis im Text von Mt 24, welcher es geraten erscheinen lässt, die Große Trübsal nicht nur als eine Bedrängnis für die Gläubigen zu sehen. Dort heißt es in

Mt 24,22 Und wenn diese Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt. Mt 24,22;


Wenn also diese Tage um der „Auserwählten willen” verkürzt werden, impliziert dies ja, dass es zu dieser Zeit auch „Nicht-Auserwählte” gibt und diese eben auch durch diese Bedrängnis betroffen sein müssen. Das bestätigt auch der erste Teil des Satzes, wo es heißt, dass „kein Fleisch” gerettet werden würde. Unter der Bezeichnung „kein Fleisch” sind nun sowohl Gläubige als auch Gottlose zu subsumieren. Und die Gottlosen können ja schließlich nicht wegen ihres Christusglaubens verfolgt werden.

Diese Art der Bedrängnis - nämlich die Verfolgung der Gläubigen - kann also folgerichtig nicht jene „große Trübsal” sein, welche noch „nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird”. Damit fällt aber auch die These, dass die Große Trübsal sozusagen ein Synonym für die Verfolgung der Gläubigen während der Herrschaftszeit des Antichrists wäre und somit nur diesen Zeitraum umfassen würde. Und das ergibt nun eine völlig andere Betrachtungsweise dieses Schlüsselereignisses der Endzeit.

Die Richtigkeit dieser Überlegung wird auch durch Off 7,9-17 bekräftigt:

Die aus der großen Trübsal gekommen sind, werden nicht mehr hungern noch dürsten.

Off 7,9 Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen, 7,10 und riefen mit großer Stimme: Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott, und dem Lamm!

7,11 Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und um die vier Gestalten und fielen nieder vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an 7,12 und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 7,13 Und einer der Ältesten fing an und sprach zu mir: Wer sind diese, die mit den weißen Kleidern angetan sind, und woher sind sie gekommen? 7,14 Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind es, die gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes.

7,15 Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen. 7,16 Sie werden nicht mehr hungern und nicht mehr dürsten; es wird auch nicht mehr auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze; 7,17 denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen. Off 7, 9-17;


Hier ist die Rede von jenen „die aus der großen Trübsal gekommen sind”. Sie stehen im Himmel vor dem Thron, was einerseits voraussetzt, dass dies alles gläubige Menschen sind und andererseits, dass sie bereits von den Toten auferweckt wurden. Wenn man die Formulierung „eine große Schar, die niemand zählen konnte” ernst nimmt, dann haben wir hier schon fast die ganze Gemeinde im Himmel versammelt und für die Entrückung bei der Wiederkunft des Herrn bliebe wahrscheinlich nur ein kleiner Rest an noch lebenden Gläubigen, die mit den auferweckten Toten dann gemeinsam entrückt werden. Dies zeigt, dass wir auch hier die Relationen beachten müssen.

Was aber hier von Interesse ist, ist die Aussage von Off 7,15: „Sie werden nicht mehr hungern und nicht mehr dürsten; es wird auch nicht mehr auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze”. Es ist also hier nicht die Rede von "Verfolgung", "Marter" oder "Tötung", sondern von Hunger, Durst und Hitze. Und das bei Millionen von Menschen, wenn man die "große Schar" tatsächlich als halbwegs "unzählbar" betrachten will. Wenn man auch Hunger und Durst als Todesursachen in Konzentrationslagern auslegen könnte, bei "Sonne" und "Hitze" wird klar, dass es sich hier um klimatisch bedingte Ursachen handeln muss, wie etwa eine Dürre oder überhaupt eine Klimakatastrophe. Nachdem mit Vers 14 ein eindeutiger Nachweis erbracht ist, dass wir hier vonder Großen Trübsal sprechen und nicht von irgendeinem anderen Ereignis, stützt diese Aussage auch die Annahme, dass die Große Trübsal erstens ein weltweites Ereignis ist und zweitens die Verfolgung der Gläubigen wohl gegeben ist, aber doch eine eher sekundäre Ausprägung dieser Zeit sein dürfte.

Nachdem wir vor dieser großen Schar aus der Großen Trübsal aus Off 7,9-17, die Gottesgerichte der vier apokalyptischen Reiter in Off 6,1-8 haben, ist der Schluss naheliegend, dass es sich bei diesen - explizit als weltweite Ereignisse bezeichneten - Katastrophen um die Hauptursachen der Großen Trübsal handelt. Diese große Trübsal erstreckt sich dann über die Zeit der Siegelgerichte 1-4 und endet mit der Wiederkunft des Herrn (2The 2,8) und der Entrückung derer in Christo beim 6. Siegel.

Wenn man - wie bei dieser Auslegung - davon ausgeht, dass die Offenbarung im Wesentlichen eine chronologische Abfolge anbietet, muss zwangsläufig die Große Trübsal vor Off 7,9-17 (der Schar aus der großen Trübsal) angesiedelt werden, was wie man sieht problemlos möglich ist. Tut man dies nicht, dann kann man das Hinterste zu Vorderst kehren und das Oberste zu Unterst und einer mutwilligen Interpretation sind keine Grenzen gesetzt.