Diskurs 10 - Die Allgemeine Auferstehung am Ende der Welt: nur für Gottlose?




Die Auferstehung am Ende der Welt: nur für Gottlose? / Replik Marcus Franz 00, 2000-07-25

Warum glauben? / Werden alle Menschen auferstehen? Diskurs 96


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Die Auferstehung am Ende der Welt: nur für Gottlose? / Replik MF02, 2000-07-25)

Warum schreibt Johannes von einer ersten Auferstehung? Läßt sich vielleicht hieraus ein besonderes Geschehen, das nur für die Märtyrer gilt, ableiten?

Sicherlich meint Johannes nicht, dass es zuvor noch keine Auferstehung gab, denn unabhängig, wie man die schwierigen Berichte in Mt. 27 über die auferweckten Heiligen versteht, gab es natürlich schon eine Auferstehung, nämlich die unsers Herrn Jesus. Soweit dürften wir einer Meinung sein. Der Begriff "erste Auferstehung" ist hier im Zusammenhang zu sehen mit dem Begriff "zweiter Tod" (Off. 20, 6.14; 21, 8). Der "zweite Tod" ist nicht der natürliche Tod, der jeden Menschen - auch die Gläubigen - trifft, sondern dies ist die endgültige Verdammnis, die ewige Trennung von Gott. Ähnlich wird bei der Auferstehung unterschieden. Denn es heißt nun (Off. 20, 6) ganz allgemein (und nicht nur auf die Märtyrer bezogen), dass jeder, der teilhat an der ersten Auferstehung von dem zweiten Tod nichts mehr zu befürchten hat, sondern mit Christus tausend Jahre regieren darf. Schon Daniel schrieb (Dan. 12, 2), dass es eine Auferstehung zu ewigem Leben und eine zu ewiger Abscheu gibt. Paulus greift dies später in 1. Kor. 15 wieder auf, wenn er von einer bestimmten Reihenfolge in der Auferstehung schreibt: Erst Jesus, dann bei seiner Wiederkunft die, die ihm angehören und erst danach das Ende.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es eine Auferstehung der Gläubigen und der Ungläubigen gibt.

Schreibt Johannes hier also wirklich nur von den Märtyrern ? Auch hier ist wieder der  genaue Zusammenhang zu beachten: Bevor Johannes in Off. 20, 5 von der ersten Auferstehung spricht, schreibt er, dass die übrigen der Toten nicht leben, bis die tausend Jahre vollendet sind. Und ERST dann fährt er fort: Dies ist die erste Auferstehung.

Johannes sieht die erste Auferstehung also im Zusammenhang oder besser gesagt Gegensatz zu der "zweiten" Auferstehung am Ende der Zeit und macht folglich hier nichts anderes, als zwischen Auferstehung der Gläubigen und Ungläubigen zu unterscheiden, wie auch die anderen Bibelstellen. Nun gibt es aber fraglos genügend Bibelstellen (siehe u.a. die oben genannten), die davon sprechen, dass ALLE Gläubigen bei der ersten Auferstehung, bei der Auferstehung der Gläubigen dabei sind, nicht nur ganz bestimmte Personen oder Gruppen.

(Marcus Franz, XXXXmarcus1973@t-online.de / http://www.marcus1973.privat.t-online.de/endzeit.html ).



In manchen christlichen Kreisen hat sich die Ansicht verbreitet, dass bei der Ersten Auferstehung vor dem Millennium alle Gläubigen auferstehen werden. Es ist dies eine Folge jener Interpretation, welche die Entrückung und die Erste Auferstehung zu einem einzigen Ereignis verkürzt. Man muss dann natürlich die Aussage des Paulus (1Kor 15,50-53; 1The 4,15-17), dass die Toten in Christus auferweckt und mit den noch lebenden Gläubigen entrückt werden, irgendwo auch in der Ersten Auferstehung, die uns Johannes in der Offenbarung (Off 20,4-6) überliefert hat, unterbringen. Und nachdem es dort, in Off 20,4 auch von diesen Auferstandenen heißt, dass sie im Millennium mit Christus regieren werden, kommt man nicht umhin, auch die ganze Gemeinde im Tausendjährigen Reich mitregieren zu lassen. Und dies unbeschadet der Tatsache - wie in diesem Diskussionsforum bereits zur Genüge erwähnt - dass bei der Ersten Auferstehung, in Off 20,4 nur von Enthaupteten die Rede ist und keinesfalls von der Gemeinde schlechthin, also Nichtenthaupteten.

Doch aus dieser Interpretation ergeben sich noch weitere Probleme.

-  Wenn alle Gläubigen bereits bei der Ersten Auferstehung auferstanden sind, bleiben ja für die Allgemeine Auferstehung am Ende der Welt, bei der ja nach der Schrift - wie im Anschluss aufgezeigt werden soll - sowohl Gläubige als auch Ungläubige auferstehen werden, keine Gläubigen mehr übrig.

-  Auch die Frage, was denn mit jenen gläubigen Menschen geschehen soll, welche im Millennium geboren wurden und in diesen tausend Jahren auch sterben werden (Jes 51,14; 65,20) müsste erst noch beantwortet werden.


Die folgenden Schriftstellen zeigen nicht nur deutlich, dass bei der Allgemeinen Auferstehung, am Ende der Welt, auch Gläubige auferstehen werden, und zwar auferstehen zum ewigen Leben, im Gegensatz zu den Gottlosen, die dann zum "zweiten Tod", der ewigen Verdammnis, auferstehen werden.

Damit ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet.

Mt 13,24 Er legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. 13,25 Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. 13,26 Als nun die Saat wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. 13,27 Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? 13,28 Er sprach zu ihnen: Das hat ein Feind getan. Da sprachen die Knechte: Willst du denn, dass wir hingehen und es ausjäten?

13,29 Er sprach: Nein! damit ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet.

13,30 Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheune. Mt 13,24-30;


Siehe auch das Kapitel 11: „Das Ende der Welt - das Weltgericht”.)

Speziell Mt 13,29 zeigt uns auch, dass gerade diese fälschlicherweise propagierte Trennung der Auferstehung - einmal die Gerechten bzw. der „Weizen” und ein anderes Mal die Bösen bzw. das „Unkraut” - eben nicht durchgeführt werden soll. Es soll beides miteinander wachsen bis zur Ernte. Und die Ernte ist das Ende der Welt, wie Mt 13,39 hier unten ausdrücklich sagt, also die Allgemeine Auferstehung und nicht die Erste Auferstehung!

Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel.

Mt 13,36 Da ließ Jesus das Volk gehen und kam heim. Und seine Jünger traten zu ihm und sprachen: Deute uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker. 13,37 Er antwortete und sprach zu ihnen: Der Menschensohn ist es, der den guten Samen sät.

13,38 Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die Kinder des Bösen. 13,39 Der Feind, der es sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel. 13,40 Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird es auch am Ende der Welt gehen.

13,41 Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alles, was zum Abfall verführt, und die da Unrecht tun, 13,42 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein. 13,43 Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Wer Ohren hat, der höre! Mt 13,36-43;

Am Ende der Welt werden die Engel die Bösen von den Gerechten scheiden.

Mt 13,47 Wiederum gleicht das Himmelreich einem Netz, das ins Meer geworfen ist und Fische aller Art fängt. 13,48 Wenn es aber voll ist, ziehen sie es heraus an das Ufer, setzen sich und lesen die guten in Gefäße zusammen, aber die schlechten werfen sie weg.

13,49 So wird es auch am Ende der Welt gehen; die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden 13,50 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein. 13,51 Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten: Ja. 13,52 Da sprach er: Darum gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausvater, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt. Mt 13,47-52;

Die Zeit zu ernten ist gekommen, denn die Ernte der Erde ist reif geworden.

Off 14,14 Und ich sah, und siehe, eine weiße Wolke. Und auf der Wolke saß einer, der gleich war einem Menschensohn; der hatte eine goldene Krone auf seinem Haupt und in seiner Hand eine scharfe Sichel. 14,15 Und ein andrer Engel kam aus dem Tempel und rief dem, der auf der Wolke saß, mit großer Stimme zu: Setze deine Sichel an und ernte; denn die Zeit zu ernten ist gekommen, denn die Ernte der Erde ist reif geworden. 14,16 Und der auf der Wolke saß, setzte seine Sichel an die Erde, und die Erde wurde abgeerntet.

14,17 Und ein andrer Engel kam aus dem Tempel im Himmel, der hatte ein scharfes Winzermesser. 14,18 Und ein andrer Engel kam vom Altar, der hatte Macht über das Feuer und rief dem, der das scharfe Messer hatte, mit großer Stimme zu: Setze dein scharfes Winzermesser an und schneide die Trauben am Weinstock der Erde, denn seine Beeren sind reif! 14,19 Und der Engel setzte sein Winzermesser an die Erde und schnitt die Trauben am Weinstock der Erde und warf sie in die große Kelter des Zornes Gottes. 14,20 Und die Kelter wurde draußen vor der Stadt getreten, und das Blut ging von der Kelter bis an die Zäume der Pferde, tausendsechshundert Stadien weit. Off 14,14-20;

Danach das Ende, wenn er das Reich dem Vater übergeben wird.

1Kor 15,24 danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat. 1Kor 15,24;


Und es geht auch aus diesen Texten sehr klar hervor, was manche Ausleger nicht sehen wollen, nämlich dass dieses Ereignis am Ende des Millenniums - also am Ende der Welt - stattfindet und nicht vor dem Tausendjährigen Reich. Oben, in Mt 13,39 heißt es ausdrücklich: „Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel.” Auch sind die beiden vorangehenden Gleichnisse - vom Acker und vom Fischfang - weitgehend selbsterklärend und weisen auf ein einziges Ereignis und nicht auf zwei verschiedene „Ernten” oder „Fischfänge” hin.

Weiter heißt es in Mt 13,41: „Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich, alles was zum Abfall verführt”. Dieses Reich ist das Tausendjährige Reich und der Herrscher in diesem Reich wird der Herr Jesus sein. Darum sagt der Herr hier „aus seinem Reich”, während zwei Verse später, wenn er von den übriggebliebenen Gerechten spricht, welche dann in das ewige Reich auf der neuen Erde, ins neue Jerusalem eingehen, von „ihres Vaters Reich” spricht. Mt 13,43: Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich.

Und um nun auch jenes Argument zu entkräften, welches meint, bei der Ersten Auferstehung vor dem Millennium würden nicht nur die Märtyrer, sondern alle Gerechten auferstehen und am Ende der Welt, bei der Allgemeinen Auferstehung nur mehr die Ungerechten, haben wir in Mt 13,49 die eindeutige Aussage: „So wird es auch am Ende der Welt gehen: die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden”. Wenn es also zu diesem Zeitpunkt keine Gerechten mehr geben würde, bräuchte auch keine „Scheidung” mehr vorgenommen zu werden.

Siehe auch die Tabelle 13: „Das Gericht über die auferstandenen Völker”.)

Auch die nachfolgenden Aussagen bestätigen diese Auffassung:

Du Daniel, geh hin, bis du auferstehst am Ende der Tage.

Dan 12,13 Du aber, Daniel, geh hin, bis das Ende kommt, und ruhe, bis du auferstehst zu deinem Erbteil am Ende der Tage! Dan 12,13;

Am Ende der Welt werden die Engel die Bösen von den Gerechten scheiden.

Mt 13,49 So wird es auch am Ende der Welt gehen: die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden 13,50 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein. Mt 13,49-50;

Es werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens.

Jh 5,26 Denn wie der Vater das Leben hat in sich selber, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in sich selber; 5,27 und er hat ihm Vollmacht gegeben, das Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist. 5,28 Wundert euch darüber nicht. Denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden, 5,29 und werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichts. Jh 5,26-29;

Es wird eine Auferstehung der Gerechten und der Ungerechten geben.

Apg 24,14 Das bekenne ich dir aber, dass ich nach dem Weg, den sie eine Sekte nennen, dem Gott meiner Väter so diene, dass ich allem glaube, was geschrieben steht im Gesetz und in den Propheten. 24,15 Ich habe die Hoffnung zu Gott, die auch sie selbst haben, nämlich dass es eine Auferstehung der Gerechten wie der Ungerechten geben wird. Apg 24,14-15;


Hier ist von der Allgemeinen Auferstehung die Rede, bei der alle auferstehen werden die in den Gräbern sind (Jh 5,28), am Ende der Tage (Dan 12,13), am Ende der Welt (Mt 13,49), zum Gericht (Jh 5,27), bei der sowohl Gerechte als auch Ungerechte auferstehen werden (Dan 12,2; Jh 5,29; Apg 24,15). Sodann werden die Bösen von den Gerechten ausgeschieden und in den Feuerofen geworfen. (Mt 13,49-50).

Siehe auch Kapitel 12: „Die Auferstehung”.)


Dies bringt natürlich die Vertreter von zwei qualitativ getrennten Auferstehungen - die eine für „Gute”, vor dem Millennium, die andere für „Böse”, nach dem Millennium - in Schwierigkeiten. Wenn man nun die Argumentation dieser Auslegungsrichtung analysiert, so wird offenbar, dass der Fehler in der Auslegung nicht hier, bei der Allgemeinen Auferstehung passiert ist, sondern bereits bei der Interpretation der Ersten Auferstehung. Man geht fälschlicherweise davon aus, dass bei diesem Ereignis alle Gläubigen - also alle „Guten” - auferstehen werden.

Man erkennt diesen Fehler sehr deutlich in der Argumentation („Das Buch der Offenbarung” von W. J. Ouweneel, Seite 477), welche sich auf Off 20 bezieht:

„Aus dem Zusammenhang (von Off 20 / Anm. FH) geht unzweideutig hervor, dass ‘die übrigen Toten’ nur die ungläubig Gestorbenen sein können, denn in Vers 4 sind schließlich alle Gläubigen von Abel an aus den Toten auferweckt. Diese Toten ‘aus’ deren Mitte sie auferweckt sind, sind also notwendigerweise die Ungläubigen.”


Hier der Text im Original:

Die Seelen derer, die enthauptet waren, wurden lebendig.

Off 20,4 Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und ihnen wurde das Gericht übergeben. Und ich sah die Seelen derer, die enthauptet waren um des Zeugnisses von Jesus und um des Wortes Gottes willen, und die nicht angebetet hatten das Tier und sein Bild und die sein Zeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und auf ihre Hand; diese wurden lebendig und regierten mit Christus tausend Jahre. 20,5 Die andern Toten aber wurden nicht wieder lebendig, bis die tausend Jahre vollendet wurden. Dies ist die Erste Auferstehung. Off 20, 4- 5;


Diese Auffassung übersieht, dass in Vers 4 - wie bereits weiter oben erwähnt - von den „Enthaupteten” die Rede ist. Also nicht „alle Gläubigen” werden bei der Ersten Auferstehung lebendig, sondern nur jene unter ihnen, welche für ihren Glauben getötet worden sind. Abel, der erste Mensch, der wegen seines Glaubens getötet worden ist, gehört hier sicher dazu. Aber alle jene Gläubigen, welche nicht um ihres Glaubens willen ihr Leben lassen mussten, wurden entweder zu dieser Zeit bereits bei der Wiederkunft des Herrn zur Entrückung auferweckt oder werden erst bei der Allgemeinen Auferstehung, nach dem Millennium, am Ende der Welt (Jh 6,40) und nicht hier vor dem Millennium auferstehen.

Selig ist der und heilig, der teilhat an der Ersten Auferstehung.

Off 20,6 Selig ist der und heilig, der teilhat an der Ersten Auferstehung. Über diese hat der zweite Tod keine Macht; sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre. Off 20, 6;


Auch diese Aussage von Vers Off 20,6 wird vom Autor des oben zitierten Buches sehr frei interpretiert. Da heißt es:

„aus Vers 6 ergibt sich, dass diejenigen, die bei der zweiten Auferstehung (die Allgemeine Auferstehung) auferstehen werden, nicht ‘glückselig und heilig’, sondern dem ‘zweiten Tod’ verfallen sind.”


Nun ist der Umkehrschluss schon ein ausgezeichnetes Instrument der Analyse. Allerdings ist diese Methode nur dann angebracht, wenn es sich um dezidierte Aussagen handelt, was hier nur der Fall wäre, wenn nach dem „Selig ist” ein „nur” stehen würde. Aus der Aussage: „Selig ist der und heilig, der teilhat an der Ersten Auferstehung.” kann aber keineswegs geschlossen werden, dass alle Menschen, welche an der Ersten Auferstehung nicht teilnehmen, automatisch Verfluchte seien. Sonst müssten jene Heiligen, welche beim Tod des Herrn auferstanden sind (Mt 27,52-53) ja auch im Feuersee gelandet sein.

Ebensowenig sind diejenigen, die bei der Allgemeinen Auferstehung auferstehen werden, alle dem zweiten Tod verfallen. Es wird dann - wie weiter oben dargelegt - Gerechte und Ungerechte geben. Die Ungerechten werden in den Feuersee geworfen, die Gerechten aber gehen ein in ihres Vaters Reich.

Dies ist auch durch Schriftstellen belegbar.

Sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, die Gerechten in das ewige Leben.

Mt 25,45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. 25,46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben. Mt 25,45-46;

Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich.

Mt 13,41 Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alles, was zum Abfall verführt, und die da Unrecht tun, 13,42 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein. 13,43 Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Wer Ohren hat, der höre! Mt 13,41-43;

Wer den Sohn sieht und an ihn glaubt, hat das ewige Leben und wird auferweckt am Letzten Tag.

Jh 6,39 Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich es auferwecke am Letzten Tage. 6,40 Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tage. Jh 6,39-40;

Jh 6,44 Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tage. Jh 6,44;

Jh 6,54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Letzten Tage auferwecken. Jh 6,54;


Hier, in Jh 6,39.44.54 ist eindeutig die Rede vom „Letzten Tag” (bei Luther fälschlich immer als „Jüngster” Tag übersetzt). Es ist also vom Ende der Welt die Rede und somit von der Allgemeinen Auferstehung und vom Jüngsten (Letzten) Gericht. Und hier sagt der Herr Jesus selbst, dass der, der ihn sieht - also alle, die ihn zu Lebzeiten gesehen haben - und an ihn glaubt, das ewige Leben hat. Also hat der zweite Tod keine Macht über ihn. Und der Herr wird ihn zwar nicht vor dem Millennium, bei der Entrückung, aber am Letzten Tag, bei der Allgemeinen Auferstehung, am Ende der Welt, auferwecken.

(Siehe auch den Diskurs 95: „Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben!”)


Im übrigen lässt sich auch aus den diesbezüglichen Gleichnissen des Herrn erkennen, dass die Auferstehung auch und gerade der Gläubigen bei der Allgemeinen Auferstehung, am Ende der Welt, zusammen mit den Ungerechten, absolut beabsichtigt und auch schriftkonform ist.

Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte.

Mt 13,24 Er legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. 13,25 Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. 13,26 Als nun die Saat wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. 13,27 Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? 13,28 Er sprach zu ihnen: Das hat ein Feind getan. Da sprachen die Knechte: Willst du denn, dass wir hingehen und es ausjäten?

13,29 Er sprach: Nein! damit ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet. 13,30 Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheune. Mt 13,24-30;


Wie wir oben, in Mt 13,24-30 sehen, will der Herr ausdrücklich, dass „Weizen” und „Unkraut” - also Gläubige und Ungläubige - miteinander bis zur „Ernte”, also bis zum Ende der Welt, wachsen, damit nicht etwa beim „Ausjäten” der Weizen mit dem Unkraut ausgerauft würde.

Eine der konkretesten Aussagen über dieses Thema finden wir in Off 20,11-15:.

Wer nicht in dem Buch des Lebens gefunden wurde, wurde in den Pfuhl geworfen.

Off 20,11 Und ich sah einen großen, weißen Thron und den, der darauf saß; vor seinem Angesicht flohen die Erde und der Himmel, und es wurde keine Stätte für sie gefunden.

20,12 Und ich sah die Toten, groß und klein, stehen vor dem Thron, und Bücher wurden aufgetan. Und ein andres Buch wurde aufgetan, welches ist das Buch des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben steht, nach ihren Werken.

20,13 Und das Meer gab die Toten heraus, die darin waren, und der Tod und sein Reich gaben die Toten heraus, die darin waren; und sie wurden gerichtet, ein jeder nach seinen Werken.

20,14 Und der Tod und sein Reich wurden geworfen in den feurigen Pfuhl. Das ist der zweite Tod: der feurige Pfuhl.

20,15 Und wenn jemand nicht gefunden wurde geschrieben in dem Buch des Lebens, der wurde geworfen in den feurigen Pfuhl. Off 20,11-15;


Hier wird die Allgemeine Auferstehung der Toten am Ende der Welt beschrieben. Der Tod und das Totenreich - ja sogar das Meer - , sie geben die Toten heraus, die darin sind, alle, groß und klein. Und dann werden die Bücher - nämlich die „Werksbücher” - aufgetan und Gericht gehalten. Auch das Buch des Lebens wird aufgetan, in welchem die Namen jener verzeichnet sind, die in das ewige Leben eingehen dürfen. Und jeder Auferstandene wird geprüft, und wenn jemand nicht gefunden wurde im Buch des Lebens, der wird in den feurigen Pfuhl geworfen.

Eine ganz klare und eindeutige Aussage würde man meinen. Doch der Autor des obigen Buches will es anders sehen. Er schreibt:

„in den Versen (Off) 11-15, beim Gericht vor dem großen weißen Thron, ist denn auch kein einziger Gläubiger mehr zu sehen; es gibt da nur ‘Tote’, und es ist nur vom Feuersee die Rede.”


Zum einen ist die letzte Aussage falsch, dass „nur vom Feuersee die Rede” ist. In den Versen 12 und 15 ist die Rede vom Buch des Lebens, in welchem eben alle jene eingetragen sind, die das ewige Leben ererben und über welche der zweite Tod keine Macht hat.

Zum anderen aber wird der erste Teil von Vers 15 übergangen. Hier heißt es: „Und wenn jemand nicht gefunden wurde geschrieben in dem Buch des Lebens, der wurde geworfen in den feurigen Pfuhl”. Wenn hier kein „einziger Gläubiger” mehr darunter sein würde, bedürfte es nicht dieser gewissenhaften „Kontrolle”. Sie könnten alle direkt in den Feuersee geworfen werden. Und es müsste dann folgerichtig auch heißen „Da niemand gefunden wurde ...”. Aber die Formulierung „Und wenn jemand nicht gefunden wurde..” impliziert doch eben, dass es auch solche geben wird, die „gefunden werden”, und dass also auch und gerade Gläubige an dieser Allgemeinen Auferstehung und am Weltgericht am Ende der Welt teilnehmen und ins ewige Leben eingehen werden.

Doch ist die eigenartige Argumentation ja nicht verwunderlich. Die Vertreter dieser Auslegungsrichtung haben nämlich das Problem, dass ihnen für das Endgericht die Gerechten abhanden gekommen sind. Sie „lassen” ja alle Gläubigen bereits bei der Ersten Auferstehung lebendig werden.

Ein ähnliches Problem ergibt sich mit jenen Gerechten, die im Millennium sterben werden. Wie wir nachstehend, in Jes 65,20-22 sehen, werden die Gläubigen im tausendjährigen Reich sehr alt werden.

Als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt.

Jes 65,20 Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht. 65,21 Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. 65,22 Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein wie die Tage eines Baumes, und ihrer Hände Werk werden meine Auserwählten genießen. Jes 65,20-22;


Aus der Aussage in Jes 65,20 kann man schließen, dass sich das Alter der Menschen - gegenüber den heutigen Verhältnissen - etwa verzehnfachen wird. Als „Knabe” gilt heute ein Junge mit etwa zehn Jahren und wird dann, im Millennium, ein Alter von etwa hundert Jahren haben. Die Gerechten werden so alt werden wie ein Baum, der heute - wenn er unbeeinflusst von menschlicher „Pflege” aufwachsen kann - ein Alter von tausend Jahren und mehr erreichen kann.

Unbeschadet dieser phantastischen Voraussetzungen heißt es aber auch in Vers Jes 65,20, dass es keine Alten geben wird, die ihre Jahre nicht erfüllen. Mit diesem „erfüllen” ist gemeint, dass sie das, ihnen von Gott zugedachte Alter erreichen und dann sterben. Ebenso heißt es dort: „als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt”. Und das ist kein „Verfluchter”, denn wie der Text sagt, werden diese nicht einmal die hundert Jahre erreichen. Es sind also Gerechte, welche auch im Millennium sterben und daher zwangsläufig erst bei der Allgemeinen Auferstehung, nach dem Millennium, am Ende der Welt, auferstehen werden.

Die Auffassung, dass im Millennium kein einziger Mensch mehr sterben wird, negiert alle diese Aussagen, nur um eben die andere falsche Theorie, nämlich jene, nach der beim Endgericht keine Gläubigen mehr erscheinen werden, aufrecht erhalten zu können. Doch wie man leicht erkennen kann, ist diese ganze falsche Hilfskonstruktion ja nur die Folge eines anderen Auslegungsfehlers, nämlich der Vorstellung, dass Entrückung und Erste Auferstehung ein einziges Ereignis seien.

Wie bereits weiter oben dargelegt, ist es so, dass Johannes in Off 20,4-5, von Enthaupteten spricht - also Märtyrern - die bei der Ersten Auferstehung lebendig werden. Ein Teil dieser Märtyrer kommt bereits in Off 6,9 zu Wort, wo sie als die Seelen derer bezeichnet werden, „die umgebracht worden waren um des Wortes Gottes und um ihres Zeugnisses willen”. Bei der von Paulus in 1The 4,16, bzw. 1Kor 15,52 prophezeiten Entrückung hingegen, werden wohl alle Toten in Christus auferweckt und mit den lebenden Gläubigen gemeinsam in den Himmel entrückt, aber sie werden nicht auferstehen, d. h. im Sinne von Off 20,4 „lebendig” werden, sondern sie werden als Seelen im Himmel bei Gott sein. Sie alle werden dann gemeinsam mit den im Millennium verstorbenen Gläubigen am Ende der Welt, bei der Allgemeinen Auferstehung lebendig werden.

(Siehe auch den Diskurs 07: „Entrückung und Erste Auferstehung: ein einziges Ereignis?”)