Diskurs 14 - Sind wir als Gemeinde in einer viel höheren Stellung als Johannes der Täufer?




Sind wir als Gemeinde in einer viel höheren Stellung als Johannes der Täufer? / Buch W. J. Ouweneel 00, Seite 453


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(Sind wir als Gemeinde in einer viel höheren Stellung als Johannes der Täufer? / Buch WJO00, Seite 453 +))

Johannes lebte und starb vor dem Pfingsttag, an dem die Gemeinde entstand. In dieser Hinsicht gehörte Johannes also noch zur alten Haushaltung. Der Herr Jesus sagt in Mt 11,11, dass Johannes der Größte ist ‚unter den von Frauen Geborenen’. Das heißt, dass er in der alten Haushaltung der Größte von allen, aber in bezug auf die neue Haushaltung, an der er keinen Anteil hat, geringer als der Kleinste im Reich Gottes ist. Das ist ein Beleg dafür, dass die Gemeinde eine viel höhere Stellung als die alttestamentlichen Gläubigen hat. Der Kleinste aus der neuen Haushaltung ist größer als der Größte aus der alten Haushaltung.

+) Der Auszug ist dem Buch "Das Buch der Offenbarung" von W. J. Ouweneel, Christliche Literatur-Verbreitung e. V. entnommen.

(W. J. Ouweneel, Das Buch der Offenbarung CLV)



Die Interpretation des Autors, dass Johannes zur "alten Haushaltung" gehört, mag schon ihre Richtigkeit haben. Allerdings ist dies nicht das Kriterium dafür, dass ihn der Herr als "den Größten" bezeichnet. Es heißt in Mt 11,11 ausdrücklich „… unter den von Frauen Geborenen ist kein Größerer aufgestanden als Johannes der Täufer”. Die Grundlage des Vergleiches ist also nicht irgendeine "Haushaltung", sondern die Gesamtheit derer, die von Frauen geboren wurden, das heißt also, die gesamte Menschheit.

Und nachdem wir nun einmal alle von Frauen geboren wurden, kann dies schwerlich als Beleg dafür gelten, dass „die Gemeinde eine viel höhere Stellung” hat als Johannes. Ja ganz im Gegenteil. Es besagt eindeutig, dass es auf Erden - von Kain bis zum letzten von einer Frau geborenen Menschen – keinen Größeren geben wird, als Johannes den Täufer!

Und hier scheint es angebracht, einmal grundsätzlich einige Überlegungen anzustellen, was wir als Gemeinde an Eigenschaften aufzuweisen haben, welche z. B. Johannes der Täufer nicht hätte aufweisen können.

-  Wir glauben an Jesus Christus, den Heiland der Welt. Johannes tat es auch! Mehr noch, er hat ihn kommen sehen und ihn getauft. (Jh 1,34).

-  Wir zeugen von unserem Herrn. Er tat es auch und verkündete der Welt: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!” (Jh 1,29).

-  Wir verkünden das Evangelium. Er tat es auch und bekannte: „Tut Buße! Denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.” (Mt 3,2).

-  Wir bekehren die Menschen zu Gott. Er tat es auch. Von ihm wurde bereits vor seiner Geburt prophezeit: „Und viele der Söhne Israels wird er zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren.” (Lk 1,16).

-  Wir haben als Gemeinde im Laufe der Jahrhunderte wegen unseres Glaubens so manche Not und Bitterkeit ertragen müssen. Er auch! Er verbrachte sein Leben in der Wüste und hatte nur Heuschrecken zu essen.

-  Wir haben in der Urgemeinde einige Propheten gehabt. Auch er war Prophet als er ankündigte: „der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, dessen Sandalen zu tragen ich nicht würdig bin; er wird euch mit Heiligem Geist und Feuer taufen” (Mt 3,11).

-  Wir hatten in der Gemeinde im Laufe von fast zwei Jahrtausenden viele, welche wegen ihres Glaubens ihr Leben gelassen haben. Er tat es auch und wurde von Herodes geköpft.

-  Und schließlich können wir noch anführen, dass die Gemeinde seit Pfingsten mit dem Heiligen Geist gesalbt ist. Von Johannes dem Täufer heißt es aber sogar: „er war schon von Mutterleibe an mit Heiligem Geist erfüllt” (Lk 1,15).


Also was sollen wir sagen? Dass wir besser, größer, heiliger sind als er? Wohl kaum. Und dies kommt auch in der Beurteilung des Herrn zum Ausdruck, wenn er sagt „Unter den von Frauen Geborenen ist kein Größerer aufgestanden, als Johannes der Täufer”. Und nachdem wir alle von Frauen geboren wurden, steht es fest: Johannes der Täufer ist größer als wir alle, er ist größer als die Gemeinde aller Zeiten.

Und nun heißt es weiter: „der Kleinste aber im Himmelreich ist größer als er”. Nachdem also Johannes kleiner ist als der Kleinste im Himmelreich, um wie viel kleiner als dieser „Kleinste” müssen da wir sein, die wir ja noch kleiner sind als Johannes?

Der Anspruch größer zu sein als Johannes der Täufer beruht sichtlich auf der Meinung, wir hätten als Gemeinde einen „Stammplatz” im Himmelreich. Doch lässt sich diese Annahme auch mit gutem Gewissen aufrechterhalten? Wer ist dieser „Kleinste”, der im Himmelreich größer ist als Johannes, der Größte unter den von Frauen Geborenen?

Ist es ein Glaubender? Auch Johannes hat geglaubt. Ist es ein mutiger Bekenner? Johannes ist wohl der mutigere Bekenner gewesen. Ist es ein Märtyrer? Auch Johannes war Märtyrer.

Sehen wir uns einmal die diesbezügliche Textstelle genauer an.

Unter den von Frauen Geborenen ist kein Größerer als Johannes der Täufer.

Mt 11,7 Als sie fortgingen, fing Jesus an, zu dem Volk von Johannes zu reden: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht? 11,8 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die weiche Kleider tragen, sind in den Häusern der Könige. 11,9 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch: er ist mehr als ein Prophet. 11,10 Dieser ist’s, von dem geschrieben steht (Maleachi 3,1): »Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.« 11,11 Wahrlich, ich sage euch: Unter allen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner aufgetreten, der größer ist als Johannes der Täufer; der aber der Kleinste ist im Himmelreich, ist größer als er.

11,12 Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis heute leidet das Himmelreich Gewalt, und die Gewalttätigen reißen es an sich. 11,13 Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis hin zu Johannes; 11,14 und wenn ihr`s annehmen wollt: er ist Elia, der da kommen soll. Mt 11, 7-14;


Kommen wir noch einmal auf den ersten Teil von Mt 11,11 zurück: „Unter den von Frauen Geborenen ist kein Größerer aufgestanden, als Johannes der Täufer”. Wie bereits erwähnt, gibt es ja keinen Menschen und es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft keinen geben, der nicht von einer Frau geboren wäre. Und somit scheiden also alle Menschen im Vergleich mit Johannes aus. Doch auch unser Herr Jesus Christus wurde zwar vom Heiligen Geist gezeugt, jedoch eben auch von einer Frau – seiner Mutter – geboren. Und er hat sich hier ganz offensichtlich selbst nicht ausgenommen, sonst hätte er nicht von den von Frauen Geborenen, sondern eher von den von Männern Gezeugten gesprochen und wäre dann selbst nicht betroffen gewesen. War also Johannes größer als der Herr?

Nun kann man dem Johannes alles Mögliche zugute halten – der Sohn Gottes war er gewiss nicht. Dies war Jesus Christus und deshalb kann es nicht sein, dass Johannes „größer” sein sollte als der Herr selbst. Daher wäre auch diese obige Aussage des Herrn, in Mt 11,11 falsch?! Doch auch das ist nicht möglich. Der Herr würde nie eine falsche Aussage getätigt haben.

Die Lösung dieses Dilemmas zeigt uns – wie immer in der Schrift – der Text selbst auf. Im zweiten Halbsatz von Mt 11,11 ist die Rede vom Himmelreich. Dieses Himmelreich wird von manchen Auslegern als das Millennium interpretiert. Wenn wir allerdings die Verwendung dieses Terminus’ bei Matthäus untersuchen, finden wir eine andere Bedeutung.

Nehmen wir gleich den ersten derartigen Text in Mt 5,1-4:

Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.

Mt 5,1 Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm. 5,2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: 5,3 Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. 5,4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. 5,5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. Mt 5, 1- 5;


Wenn in Mt 5,3 mit „Himmelreich” das tausendjährige Friedensreich des Herrn Jesus auf Erden gemeint wäre, warum heißt es dann in Mt 5,5 „Erdreich” und was ist dann dieses „Erdreich”? Wenn allerdings mit „Himmelreich” die Ewigkeit gemeint ist, ist „Erdreich” das Millennium und die Aussagen passen zueinander.

Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden.

Mt 5,10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich. 5,11 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen. 5,12 Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind. Mt 5,10-12;


Die Verheißungen in Mt 5,10-12 sind im Zusammenhang zu sehen. In Vers Mt 5,10 geht es um jene Menschen, welche um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden. Ihnen wird das Himmelreich verheißen. In den Versen Mt 5,11-12 werden jene angesprochen, die um des Herrn Jesus willen geschmäht und verfolgt werden. Und ihnen sagt der Herr, dass es ihnen im Himmel reichlich belohnt werden wird.

Diese letzte Verheißung, mit dem Hinweis auf den „Himmel”, kann sich nun keinesfalls auf das Millennium beziehen. Und der zweite Satz im Vers Mt 5,12, der diese Verfolgten mit den Propheten des AT vergleicht – die ja nicht um Jesu willen verfolgt werden konnten – bestätigt, dass es hier allgemein um die Verfolgten wegen ihres Glaubens geht und daher auch das „Himmelreich” im Vers Mt 5,10 nicht als das Millennium, sondern als der „Himmel”, also die neue, zweite Schöpfung, als die Ewigkeit aufzufassen ist.

Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.

Mt 5,18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht.

5,19 Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich. 5,20 Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Mt 5,18-20;


Den Vers Mt 5,19 werden wir dann etwas weiter unten betrachten. Die Aussage in Mt 5,20 lässt sich objektiverweise nicht auf das Millennium beziehen, sondern passt viel eher zu der Verheißung an die Gerechten, dass sie das ewige Leben ererben werden.

Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen.

Mt 7,12 Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten. 7,13 Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind’s, die auf ihm hineingehen. 7,14 Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind’s, die ihn finden!

7,15 Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. 7,16 An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? 7,17 So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte. 7,18 Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. 7,19 Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 7,20 Darum: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.

7,21 Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. 7,22 Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen böse Geister ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Wunder getan? 7,23 Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter! Mt 7,12-23;


In Mt 7,13-14 ist die Rede von der engen Pforte, die zum Leben und dem breiten Weg der in die Verdammnis führt. Dies sind zweifelsfrei Hinweise auf das Letzte Gericht und seine Folgen, nämlich ewiges Leben oder ewige Verdammnis. In der Folge spricht der Herr dann in Mt 7,22-23 von den Übeltätern, die zwar in seinem Namen Wunder getan haben, aber diese Vollmacht sichtlich nicht vom Herrn erhalten hatten. Ihnen wird er an diesem Tag des Letzten Gerichts sagen: „weicht von mir, ihr Übeltäter”. Diese Leute sind jene, welche zwar „Herr, Herr” gesagt haben, aber nicht den Willen des Vaters getan haben. Und ihnen wird auch gesagt, dass sie nicht ins „Himmelreich” kommen werden.

Viele werden kommen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen.

Mt 8,11 Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; 8,12 aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern. 8,13 Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde. Mt 8,11-13;


Und schließlich gibt uns der Text aus Mt 8,11-13 nun vollends die Gewissheit, dass mit „Himmelreich” nicht das Millennium, sondern die Ewigkeit gemeint ist. Während die vom „Osten und vom Westen” mit Abraham und seinen Nachkommen zu Tisch sitzen, sind die „Kinder des Reichs” – nämlich des Reichs der Himmel in der Ewigkeit – „hinausgestoßen in die Finsternis, da wird sein Heulen und Zähneklappern”. Dies ist unverkennbar eine Bezeichnung für den feurigen Pfuhl oder Feuersee, in welchen die Ungerechten nach dem Endgericht in die ewige Verdammnis fahren. Das heißt, auch hier geht es in beiden Fällen um das Letzte Gericht und es wird den einen das ewige Leben im Himmelreich, den anderen aber ewige Verdammnis mit Heulen und Zähneklappern in der Finsternis verheißen. Einen ähnlichen Eindruck gewinnt man auch bei allen anderen Erwähnungen des „Himmelreichs” bei Matthäus.

Nach dieser Beweisführung, dass bei Matthäus mit „Himmelreich” nicht das Millennium, sondern das Reich Gottes in der Ewigkeit, die Neue Schöpfung gemeint ist, kommen wir auf unseren Text über Johannes den Täufer aus Mt 11,11 zurück. Dort heißt es im zweiten Halbsatz: „der aber der Kleinste ist im Himmelreich, ist größer als er”. Und wenn wir nun dieses „Himmelreich” als die Ewigkeit, die Neue Schöpfung interpretieren können, in welcher sich nach Allgemeiner Auferstehung und Letztem Gericht alle Gerechten aufhalten, so bekommt die Aussage von Vers Mt 11,11 einen ganz anderen Sinn.

Wir erkennen dann, dass der Herr hier keinen Vergleich zwischen Menschen – welcher „Haushaltung” auch immer – anstellt, sondern dass er die Eigenschaften der Irdischen mit jenen der Himmlischen vergleicht. Alle Irdischen – und sogar Johannes, der Größte unter ihnen – sind zu ihren Lebzeiten kleiner, als der Kleinste der himmlischen Gerechten in der Ewigkeit, im himmlischen Reich Gottes. Den Grund dafür nennt uns der Herr in seinem Gespräch mit Nikodemus, in Jh 3,3-8:

Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist.

Jh 3,3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. 3,4 Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? 3,5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. 3,6 Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist. 3,7 Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden. 3,8 Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist. Jh 3, 3- 8;


Alle Irdischen, die aus Wasser und vom Fleisch geboren sind, sind Fleisch. Alle Himmlischen sind aus Geist geboren und sind Geist. Deshalb muss zwangsläufig der Kleinste im Himmel größer sein, als der Größte auf Erden. Und wenn es einst so weit ist und wir werden für würdig erachtet, so werden wir auch Johannes im Himmelreich antreffen, und er wird dort sicherlich auch zu den Großen zählen.

Die Frage nach den „Größenordnungen” im Himmelreich hat aber sichtlich auch die Jünger schon bewegt und sie veranlasst, dem Herrn die Frage nach dem Größten im Himmelreich zu stellen.

Wer sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich.

Mt 18,1 Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich? 18,2 Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie 18,3 und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. 18,4 Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich. 18,5 Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Mt 18, 1- 5;


Und auch über die Eigenschaften des Kleinsten im Himmelreich lässt uns der Herr nicht im Dunkeln.

Wer eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich.

Mt 5,18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht.

5,19 Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich. Mt 5,18-19;


Bleibt schließlich noch die Frage zu beantworten, wieso sich der Herr bei der Beurteilung des Größten unter allen, die von einer Frau geboren sind, selbst nicht ausgenommen hat. Und hier müssen wir uns überlegen, was denn diese „Größe” des Johannes ausmacht.

Wenn der Herr den Größten auf Erden mit dem Kleinsten im Himmel vergleicht, so muss es für diesen Vergleich eine gemeinsame Basis geben. Und nachdem der Aussage zu entnehmen ist, dass es den Irdischen – bei aller Größe – nie gelingen kann, größer als der Kleinste im Himmelreich zu sein, ist es naheliegend anzunehmen, dass dieser Unterschied systemimmanent ist.

Wie wir nun oben, in Jh 3,3-8 gesehen haben, ist es die verschiedenartige „Geburt”, welche beide unterscheidet. Es ist die Geistgeburt und der Geistleib des Himmlischen, die „Behausung, die vom Himmel ist”, wie es Paulus in 2Kor 5,2 nennt, welche diesen Kleinsten im Himmelreich für uns Irdische unerreichbar machen. Während wir nur mit großem Glauben erreichen können, dass der Heilige Geist in unterschiedlicher Kraft in unseren irdischen Körpern wohnt, haben die Himmlischen dieses Stadium bereits hinter sich. Sie haben nicht nur die Fülle des Geistes in sich, sondern sind Geist, nämlich aus diesem Heiligen Geist geboren.

Die Grundlage des Vergleichs ist also der Heilige Geist. Und Johannes war zu seinen Lebzeiten deshalb der Größte unter den Menschen, weil er – wie der Engel in Lk 1,15, dem Zacharias, dem Vater des Johannes verheißen hat - schon vom Mutterleib an mit dem Heiligen Geist erfüllt worden war.

Deshalb war also Johannes der Täufer der Größte unter allen, die von einer Frau geboren sind. Und nun erkennen wir auch, dass der Herr mit seiner Aussage nicht einen Statusvergleich zwischen irgendwelchen „Haushaltungen” anstellen, sondern die Unvergleichbarkeit der irdischen mit der himmlischen Existenz darstellen wollte.

Dass sich der Herr selbst nicht ausnehmen musste, ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass er ja – obwohl ganz Mensch – gleichzeitig auch ganz Gottes Sohn und vom Heiligen Geist des Vaters gezeugt war. Er steht also naturgemäß außerhalb eines derartigen Vergleichs.

(Siehe auch Diskurs 85: „Die echte und die falsche Wiedergeburt.”.)