Diskurs 143 – Schawuot: Hat Israel seinen Bund mit Gott gebrochen?




Haben die Israeliten den Alten Bund gebrochen?

Der Neue Bund im Blut des Sohnes Gottes.

Der Neue Bund Gottes mit Israel.

Klage über Zion


Haben die Israeliten den Alten Bund gebrochen?

(Haben die Israeliten den Alten Bund gebrochen und wurde dieser von Gott aufgelöst? / Kommentar Anonym, 2020-05-20)

(…) Sie schreiben in Ihrem Artikel über die "Messianischen Juden: "Der Alte Bund Gottes mit Israel ist ja durch ihre Verurteilung des Sohnes Gottes zum Tod am Kreuz, von den Juden gebrochen worden und Gott hat deshalb diesen Bund aufgelöst".

Können Sie mir sagen, wo in der Bibel Sie diese Feststellung gefunden haben, dass die Israeliten den Bund mit Gott gebrochen haben und dass Gott diesen Bund mit Israel aufgelöst hätte?

Anonym



Danke für Ihren Besuch bei Immanuel.at und Ihren Kommentar.

Bevor wir in den direkten biblischen Nachweis für den Bundesbruch der Israeliten einsteigen, sollten wir auf den Hintergrund, nämlich die Verheißungen dieses Bundes und die näheren Umstände eingehen, warum und wie die Israeliten den Bund mit ihren Gott gebrochen haben.

Zuerst einmal die Grundlage, die Verheißung dieses Alten Bundes (Schawuot, 2Mo 19): Gott verheißt hier unten, in 2Mo 19,5, in der allerersten Ankündigung dieses Alten Bundes: "Und nun, wenn ihr fleißig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet, so sollt ihr mein Eigentum sein aus allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein". Und des weiteren verheißt Gott den Israeliten das berühmte "Königreich":

Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein.

2Mo 19,1 Im dritten Monat nach dem Auszug der Kinder Israel aus dem Land Ägypten, an ebendiesem Tag kamen sie in die Wüste Sinai: 19,2 Sie brachen auf von Rephidim und kamen in die Wüste Sinai und lagerten in der Wüste; und Israel lagerte dort dem Berg gegenüber. 19,3 Und Mose stieg hinauf zu Gott; und der HERR rief ihm vom Berg zu und sprach: So sollst du zum Haus Jakob sprechen und den Kindern Israel kundtun: 19,4 Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe, wie ich euch auf Adlers Flügeln getragen und euch zu mir gebracht habe. 19,5 Und nun, wenn ihr fleißig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet, so sollt ihr mein Eigentum sein aus allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein; 19,6 und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein. Das sind die Worte, die du zu den Kindern Israel reden sollst. 2Mo 19,1-6;


Dieses Königreich – oder auch "Reich Gottes" – sollte ein einziges Weltreich sein, mit dem Messias als Herrscher und Israel als führende Nation (Haupt unter der Völkern, Jer 31,7). Als sich aber dann diese Prophezeiung erfüllen sollte und der Messias in der Person des Sohnes Gottes zu den Israeliten kam, hatten sie ihn abgelehnt.

Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat gelästert: Er ist des Todes schuldig.

Mt 26,63 Jesus aber schwieg. Und der Hohepriester sagte zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagst, ob du der Christus (Messias) bist, der Sohn Gottes! 26,64 Jesus spricht zu ihm: Du hast es gesagt. Doch ich sage euch: Von nun an werdet ihr den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den Wolken des Himmels. 26,65 Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat gelästert. Was brauchen wir noch Zeugen? Siehe, jetzt habt ihr die Lästerung gehört. 26,66 Was meint ihr? Sie aber antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig. Mt 26,63-66;


Mit der Verurteilung ihres Messias', des Sohnes Gottes, zum Tod am Kreuz, haben die Israeliten nicht nur gegen das fünfte Gebot Gottes "du sollst nicht töten" verstoßen. Das Argument, dass sie Jesus ja nicht selbst getötet hätten, sondern die Römer, ist nicht stichhaltig, da die Römer (Pilatus) ja den Herrn gar nicht töten wollten, aber die Juden bestanden darauf, indem es zum Blutschwur kam:

Da antwortete alles Volk und sprach: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!

Mt 27,22 Pilatus sprach zu ihnen: Was soll ich dann machen mit Jesus, von dem gesagt wird, er sei der Christus? Sie sprachen alle: Lass ihn kreuzigen! 27,23 Er aber sagte: Was hat er denn Böses getan? Sie schrien aber noch mehr: Lass ihn kreuzigen! 27,24 Da aber Pilatus sah, dass er nichts ausrichtete, sondern das Getümmel immer größer wurde, nahm er Wasser und wusch sich die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen; seht ihr zu! 27,25 Da antwortete alles Volk und sprach: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder! Mt 27,22-25;


Neben dem Brechen des fünften Gebotes Gottes, haben sich die Juden damit auch gegen das einzige Gebot vergangen, für dessen Missachtung es keine Vergebung gibt: die Sünde gegen den Heiligen Geist:

Wenn jemand gegen den Heiligen Geist redet, dem wird nicht vergeben werden.

Mt 12,31 Deshalb sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden; aber die Lästerung des Geistes wird nicht vergeben werden. 12,32 Und wenn jemand ein Wort reden wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; wenn aber jemand gegen den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden, weder in diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen. Mt 12,31-32;


Die Sünde wider den Heiligen Geist ist die falsche Beurteilung, dass ein Ungeist der "Heilige Geist" oder umgekehrt, der Heilige Geist ein Dämon wäre. In Jh 8,48 wird berichtet: "Die Juden antworteten und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist und einen Dämon hast?" Da Jesus immer im Heiligen Geist gepredigt hat, war das die Sünde wider den heiligen Geist.

(Siehe auch Diskurs 64: "Was ist die Sünde wider den Heiligen Geist?.")


Das ist der eigentliche Bundesbruch der Juden, mit dem sie ihren Gott endgültig verloren hatten. Daher hat ihnen Jesus, der ja am Beginn seines öffentlichen Wirkens verheißungsgemäß nur zu den Juden predigte und auch seine Jünger "nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel" (Mt 15,21-24) gehen ließ, dann seine Verkündigung auf alle Menschen aller Nationen erweitert (Mk 16,15-16).

(Siehe auch Diskurs 142: "Die Messianischen Juden, die jüdische Religion und der christliche Glaube. / Das Christentum: eine Erfüllung der jüdischen Religion?")


Und in Konsequenz hat er auch den Juden die bittere Wahrheit verkündet: das Königreich, dieses den Juden verheißene Reich Gottes, mit Israel als Haupt, wurde von ihnen genommen und einer Nation (aus aller Welt) gegeben, die dessen Früchte bringen wird (den bibeltreuen Christen).

Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer Nation gegeben werden, die dessen Früchte bringen wird.

Mt 21,42 Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr nie in den Schriften gelesen: "Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden. Von dem Herrn her ist er dies geworden, und er ist wunderbar in unseren Augen."? Deswegen sage ich euch: 21,43 Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer Nation gegeben werden, die dessen Früchte bringen wird. Mt 21,42-43;

Aber die Söhne des Reiches (Juden ohne Jesus) werden hinausgeworfen werden in die äußere Finsternis.

Mt 8,11 Ich sage euch aber, dass viele von Osten und Westen kommen und mit Abraham und Isaak und Jakob zu Tisch liegen werden in dem Reich der Himmel, 8,12 aber die Söhne des Reiches werden hinausgeworfen werden in die äußere Finsternis: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein. Mt 8,11-12;

(Siehe auch Diskurs 94: "Das Reich Gottes und seine Erben: / Die Erben.")


In der Folge hat Gott dann beim Tod seines Sohnes, als der Vorhang des Tempels von oben bis unten in zwei Stücke zerriss, das Allerheiligste im Tempel, wo er ständig bei den Israeliten wohnte, verlassen (Mt 27,50-51). Rund 40 Jahre später hat Gott den Tempel mit dem Brandopferaltar durch die Römer unter Titus dem Erdboden gleich machen lassen.

"Der Vorhang im Jerusalemer Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus."

Tempelvorhang

(Hanne Weitzel)

(Siehe auch Diskurs 140: "Die Hintergründe der Ermordung des jüdischen Messias’ Jesus aus Nazareth. / Die Zerstörung des Tempels.")


Weil es nun ab diesem Zeitpunkt in Jerusalem weder einen Tempel noch einen Brandopferaltar für das Sündopfer – welches in Jerusalem und nur in Jerusalem (5Mo 12,13-14) geopfert werden musste – gibt, kann der mosaische Glaube nicht mehr praktiziert werden – die mosaischen Gesetze können nicht mehr erfüllt werden.

Und weil nun aber der mosaische Glaube zur Vergebung von Sünde zwingend ein Tieropfer am Brandopferaltar im Tempel in Jerusalem vorschreibt, aber es in Jerusalem seit zweitausend Jahren weder das Eine noch das Andere gibt, sind die Juden seit eben dieser Zeit alle in ihren Sünden ohne Vergebung gestorben. Nach ihrer Auferstehung, bei Letzten Gericht, werden sie daher zur Verdammnis verurteilt werden. Und auch das hat ihnen ihr Messias prophezeit.

Wenn ihr nicht glauben werdet, daß ich es bin (der Messias), so werdet ihr in euren Sünden sterben.

Jh 8,21 Er sprach nun wieder zu ihnen: Ich gehe hin, und ihr werdet mich suchen und werdet in eurer Sünde sterben; wohin ich gehe, könnt ihr nicht hinkommen. 8,22 Da sagten die Juden: Er will sich doch nicht selbst töten, daß er spricht: Wohin ich gehe, könnt ihr nicht hinkommen? 8,23 Und er sprach zu ihnen: Ihr seid von dem, was unten ist, ich bin von dem, was oben ist; ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. 8,24 Daher sagte ich euch, daß ihr in euren Sünden sterben werdet; denn wenn ihr nicht glauben werdet, daß ich es bin (der Messias), so werdet ihr in euren Sünden sterben. Jh 8,21-24;


Auch wenn die Juden nun versuchen durch "Gebetsopfer" das Fehlen von Tieropfern zu ersetzen, indem sie stundenlang Gebete vor sich her sagen, ist das völlig nutzlos, weil sie Gott und der Heilige Geist nicht mehr hört. Das ist ja der Grund, warum diese Sünde nicht mehr vergeben werden kann: weil der Kontakt zu Gott durchtrennt wurde.

Wenn daher die Messianischen Juden lehren, dass die Juden ihre Religion nicht wechseln müssten, um von Jesus gerettet zu werden, vertreten sie nicht nur eine falsche Lehre, sondern begehen auch noch den großen Fehler, dass sie die wenigen Juden, welche umkehren und sich zu Jesus bekehren wollen, in die Irre führen.

(Siehe auch Diskurs 1114: "Die Lehre der Messianischen Juden - die Analyse.")



Der Neue Bund im Blut des Sohnes Gottes.

Als der Sohn Gottes erkannt hatte, dass ihn die Israeliten nicht annehmen werden, hat er das Evangelium den Nationen verkündet. Und Gott hat den zu erwartenden Tod seines Sohnes als Neuen Bund mit allen Menschen und als neues Sühnopfer für die Vergebung der Sünden aller Menschen, die sich zu Jesus bekehren, bestimmt.

Denn dies ist mein Blut, das des Neuen Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.

Mt 26,26 Während sie aber aßen, nahm Jesus Brot, segnete, brach und gab es den Jüngern und sprach: Nehmt, esst; dies ist mein Leib. 26,27 Und er nahm den Kelch und dankte und gab ihnen diesen und sagte: Trinkt alle daraus. 26,28 Denn dies ist mein Blut, das des Neuen Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. 26,29 Ich sage euch aber: Ich werde von jetzt an nicht von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis zu jenem Tag, wenn ich es neu mit euch trinke in dem Reich meines Vaters. 26,30 Und als sie ein Loblied gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Mt 26,26-30;


Und wenn ein Neuer Bund geschlossen wird, ist es naheliegend dass der Alte Bund als aufgelöst gilt. Doch so einfach ist es nicht, weil der "Neue Bund", den unser Herr Jesus Christus gebracht hat, nicht in dem Sinne neu war, dass er den Alten Bund ersetzt hätte. Er war neu, weil er in seiner Art überhaupt neu war.

Für Gott ist zwischen Israel und dem Rest der Welt ein grundlegender Unterschied. Daher müsste ein Neuer Bund, der die Auflösung dieses Alten Bundes mit Israel bedingen würde, ein Neuer Bund mit Israel sein. Der Neue Bund mit den Nationen, mit allen Menschen, ist nur "neu" im Sinne von "noch nie da gewesen".

Sehen wir uns weitere Aussagen des Sohnes Gottes zu diesem Paradigmenwechsel vom Alten zum Neuen Bund an. In Mt 9,14-17 zum Beispie,l fragen ihn die Jünger des Täufers, warum sie sich an den mosaischen Bund halten und oft fasten, seine Jünger hingegen nicht.

Einen Flicken von neuem Tuch auf ein altes Kleidungsstück.

Mt 9,14 Dann kommen die Jünger des Johannes zu ihm und sagen: Warum fasten wir und die Pharisäer oft, deine Jünger aber fasten nicht? 9,15 Und Jesus sprach zu ihnen: Können etwa die Gefährten des Bräutigams trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, und dann werden sie fasten. 9,16 Niemand aber setzt einen Flicken von neuem Tuch auf ein altes Kleidungsstück; denn das Eingesetzte reißt von dem Kleidungsstück ab, und der Riss wird schlimmer. 9,17 Auch füllt man nicht neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißen die Schläuche, und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche verderben; sondern man füllt neuen Wein in neue Schläuche, und beide bleiben zusammen erhalten. Mt 9,14-17;


Und der Herr antwortet ihnen mit einem oder eigentlich zwei Gleichnissen. Der erste Vergleich ist ein "Flicken von neuem Tuch auf ein altes Kleidungsstück". Mit dem "alten Kleidungsstück" ist natürlich der Alte Bund gemeint und mit dem "Flicken" offensichtlich der Neue Bund, eine neue Religion.

Und nach dieser Aussage Jesu, hat der Alte Bund einen Riss. Er ist zerrissen. Und es wäre demnach auch nicht sinnvoll, auf diesen Riss einen "neuen Flicken" – also einen neuen Glauben zu setzen. Dieser würde von dem alten Kleidungsstück – dem Alten Bund – abreißen und der Riss würde schlimmer werden.

Ebenso wie man nicht neuen Wein (den neuen Glauben) in alte Schläuche (den Alten Bund) füllt, sonst zerreißt der neue Wein die alten Schläuche und der Wein wird verschüttet und die Schläuche verderben. Sondern man füllt neuen Wein (neuen Glauben) in neue Schläuche (einen Neuen Bund) und beide bleiben erhalten.

Was wir hieraus erkennen können, sind zwei Dinge: zum Einen bestätigt der Herr hier, dass der Alte Bund von den Israeliten gebrochen, "zerrissen" wurde. Die zweite Erkenntnis liegt in der Aussage Jesu: "beide bleiben zusammen erhalten". Obwohl also von den Israeliten gebrochen, bleibt neben dem Neuen Bund – dem Christentum – auch der Alte, mosaische Bund erhalten.

Diese etwas verwirrende Feststellung des Herrn, dass beide Bünde erhalten bleiben, führt dann bei manchen Auslegern zum Versuch, diese Worte des Herrn umzudeuten oder überhaupt "symbolisch" zu interpretieren, wobei man dann ungestraft alles hineindeuten kann, was man wünscht.

Wenn man sich allerdings bemüht, eine schriftgemäße Interpretation zu finden, wird man im Alten Testament, beim Propheten Jeremia, sehr bald fündig. Jeremia hat von Gott gerade zu diesem Thema mehrere Prophezeiungen erhalten. Zuerst wird ausdrücklich festgehalten, dass Israel den Alten Bund gebrochen hat.

Der Bund, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe, diesen meinen Bund, den sie gebrochen haben.

Jer 31,32 nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand fasste, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen, diesen meinen Bund, den sie gebrochen haben; und doch hatte ich mich mit ihnen vermählt, spricht der HERR. Jer 31,32;


Hier spricht Gott selbst von jenem Alten, mosaischen Bund, welchen er mit Israel in Ägypten geschlossen hat, den die Israeliten gebrochen haben. Dies ist deshalb wichtig festzuhalten, weil Gott ja auch einen Bund mit Abraham geschlossen hat und hier Verwechslungen vermieden werden müssen.

(Siehe auch Diskurs 1111: "Die Bünde Gottes, von Jakob Damkani")


Wenn wir nun auch sicher sein können, dass sich diese Aussagen in Jer 31,32 auf den Alten, den mosaischen Bund beziehen, wissen wir noch nicht, ob es sich hier, bei diesem Bundesbruch der Israeliten, um den richtigen handelt. Israel hat diesen Bund nämlich mehrmals gebrochen (Jer 11,10).

Doch die Antwort auf diese Frage finden wir ebenso hier bei Jeremia, in der Einleitung zu den obigen Versen und unmittelbar vor dieser Aussage des Bundesbruchs:

Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da ich das Haus Israel und das Haus Juda besäen werde mit Samen von Menschen und Samen von Vieh.

Jer 31,27 Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da ich das Haus Israel und das Haus Juda besäen werde mit Samen von Menschen und Samen von Vieh. 31,28 Und es wird geschehen, wie ich über sie gewacht habe, um auszureißen und abzubrechen und niederzureißen und zu zerstören und zu verderben, so werde ich über sie wachen, um zu bauen und zu pflanzen, spricht der HERR. 31,28 In jenen Tagen wird man nicht mehr sagen: Die Väter haben unreife Früchte gegessen, und die Zähne der Söhne sind stumpf geworden; 31,30 sondern jeder wird für seine Ungerechtigkeit sterben: Jeder Mensch, der unreife Früchte isst, dessen Zähne sollen stumpf werden. Jer 31,27-30;


Das sind die Prophezeiungen Gottes für das kommende Millennium, das Tausendjährige Friedensreich seines Sohne Jesus aus Nazareth, gemäß denen die Israeliten nach ihrem Abfall wieder umkehren werden zu ihrem Gott und seinem Sohn Jesus, dem Messias Israels.

(Siehe auch Kapitel 10: "Das Millennium.")


Wenn Gott also oben, in Jer 31,32, vom Alten, mosaischen Bund (Ägypten) spricht, den die Israeliten gebrochen haben, handelt es sich zweifelsfrei um den letzten Bundesbruch vor dem Millennium, nämlich die Einschätzung des Sohnes Gottes als "Dämon" und seine Verurteilung zum Tod am Kreuz vor zweitausend Jahren.

Und im anschließenden Text bei Jeremia, unten, in Jer 31,31-34, wird diese Auffassung auch bestätigt, indem – wie in vielen anderen Bibelstellen mit Bezug auf das Millennium auch – Gott darauf hinweist, dass er in jenen späteren Tagen sein Gesetz den Israeliten in ihr Herz schreiben und ihre Schuld vergeben und ihrer Sünden nicht mehr gedenken wird.

(Siehe auch Kapitel 09: "Gottes Neuer, ewiger Bund mit Israel.")


Aufgrund der somit biblisch bezeugten Tatsachen, dass Israel den Alten, mosaischen Bund gebrochen hat und in Ermangelung des Tempels und des Brandopferaltars, speziell aber aufgrund ihrer Sünde wider den Heiligen Geist keine Vergebung ihrer Sünden und damit auch keinen Kontakt zu Gott mehr haben – es sei denn, sie bekehren sich zu Jesus Christus –, kann davon ausgegangen werden, dass Gott diesen Bund aufgelöst hat.



Der Neue Bund Gottes mit Israel.

Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde;

Jer 31,31 Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde; 31,32 nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand fasste, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen, diesen meinen Bund, den sie gebrochen haben; und doch hatte ich mich mit ihnen vermählt, spricht der HERR. 31,33 Sondern dies ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel schließen werde nach jenen Tagen, spricht der HERR: Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben; und ich werde ihr Gott, 31,34 und sie werden mein Volk sein. Und sie werden nicht mehr jeder seinen Nächsten und jeder seinen Bruder lehren und sprechen: „Erkennt den HERRN!“, denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht der HERR. Denn ich werde ihre Schuld vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken. Jer 31,31-34;



Nachdem der "Neue Bund", welcher unser Herr Jesus Christus mit seinem Blut gebracht hatte, nicht im Sinne eines Nachfolgers des Alten Bundes gesehen und daher ein Ende des Letzteren damit begründet werden kann, haben wir hier, in Jer 31,31, die eindeutige Aussage Gottes, dass er im Millennium mit Israel einen Neuen Bund schließen wird.

Und das ist nun einerseits das wichtigste Argument für die Auffassung, dass der Alte, mosaische Bund, von Israel gebrochen und von Gott aufgelöst wurde. Andererseits aber auch der Hinweis darauf, dass im Millennium, wenn Gott Israel seine Sünden "an einem Tage" (sach 3,9) vergeben wird und die dann lebende Generation wieder zu ihrem Gott umkehren wird, Israel wieder im Bund mit seinem Gott sein wird.

Und genau das kommt dann auch in der Prophezeiung bei Hosea ganz klar zum Ausdruck, nämlich dass Gott in jenen Tagen – also im Millennium – einen Neuen Bund mit dem Haus Israel schließen wird und er wird ihr Gott und sie werden wieder sein Volk sein.

Danach werden sich die Israeliten bekehren und mit Zittern zu dem HERRN und seiner Gnade kommen in letzter Zeit.

Hos 3,4 Denn lange Zeit werden die Israeliten ohne König und ohne Obere bleiben, ohne Opfer, ohne Steinmal, ohne Efod und ohne Hausgott. 3,5 Danach werden sich die Israeliten bekehren und den HERRN, ihren Gott, und ihren König David suchen und werden mit Zittern zu dem HERRN und seiner Gnade kommen in letzter Zeit. Hos 3, 4- 5;


Wie nun diese Analyse gezeigt hat, ist es eine biblische Tatsache, dass Israel vor zweitausend Jahren mit der Verurteilung ihres Messias Jesus aus Nazareth zum Tod am Kreuz, den Bund mit ihrem Gott gebrochen haben und Gott, der im Allerheiligsten des Tempels ständig bei den Israeliten wohnte, den Tempel verlassen und 40 Jahre später Tempel und Stadt durch dir Römer unter Titus dem Erdboden gleich machen ließ.

Durch das Fehlen des Tempels mit seinem Brandopferaltar waren aber die Voraussetzungen für eine rituskonforme Sündenvergebung nach mosaischem Glauben nicht mehr gegeben und die Juden konnten seither – wenn sie sich nicht zum Christentum bekehrt haben – keine Sündenvergebung mehr erlangen.

Nachdem die Sündenvergebung durch Gott sowohl nach mosaischem als auch nach christlichem Glauben die Voraussetzung ist, um ins ewige Leben einzugehen, sind dadurch alle Juden, die sich nicht zu Jesus bekehren, zur ewigen Verdammnis verurteilt.

Erst im Millennium, dem Tausendjährigen Friedensreich des Sohnes Gottes auf Erden, werden die Israeliten wieder zu ihrem Gott umkehren und Gott wird Israel alle seine Sünden "an einem Tag" vergeben und wieder einen Bund mit ihnen schließen. Zu welchen Bedingungen allerdings dieser Bund geschlossen werden wird und ob sie vielleicht deckungsgleich mit jenen des Alten, mosaischen Bundes sein werden, wird sich erst im Millennium herausstellen.


DAS  GLEICHNIS  VOM  UNFRUCHTBAREN  WEINBERG
(Jes 5,1-7)

Singen will ich von meinem Freund, das Lied meines Liebsten von seinem Weinberg:
Einen Weinberg hatte mein Freund auf einem fetten Hügel.
Und er grub ihn um und säuberte ihn von Steinen und bepflanzte ihn mit Edelreben.
Er baute einen Turm in seine Mitte und hieb auch eine Kelterkufe darin aus.
Dann erwartete er, daß er Trauben bringe.
Doch er brachte schlechte Beeren.

~~~~~~~~~~~

Und nun, Bewohner von Jerusalem und Männer von Juda,
richtet doch zwischen mir und meinem Weinberg!
Was war an meinem Weinberg noch zu tun, und ich hätte es nicht an ihm getan?
Warum habe ich erwartet, daß er Trauben bringe, und er brachte schlechte Beeren?
Nun, so will ich euch denn mitteilen, was ich mit meinem Weinberg tun werde:

~~~~~~~~~~~

Seinen Zaun will ich entfernen, daß er abgeweidet wird,
seine Mauer niederreißen, daß er zertreten wird.
Ich werde ihn zur Wüstenei machen.
Er soll nicht beschnitten und nicht behackt werden,
in Dornen und Disteln soll er aufgehen.
Und ich will den Wolken befehlen, daß sie keinen Regen auf ihn regnen lassen.

~~~~~~~~~~~

Denn der Weinberg des HERRN der Heerscharen ist das Haus Israel,
und die Männer von Juda sind die Pflanzung seiner Lust.
Und er wartete auf Rechtsspruch, und siehe da: Rechtsbruch;
auf Gerechtigkeit, und siehe da: Geschrei über Schlechtigkeit.



(Siehe auch Diskurs 1015: „Schma Jisrael - Höre, ISRAEL: Das Urteil Gottes über sein Volk.”)



KLAGE ÜBER ZION.

Zion, du Freude und Braut Gottes (Jes 62,5), was hast du aus dir gemacht? Du hast deinen Mann (Hos 2,18-22) verraten, seinen Sohn, den er zu deiner Rettung gesandt hatte, töten lassen (Mt 26,63-68) und damit seinen Bund gebrochen (Jer 31,31-33). Nun hat Gott den Bund mit dir aufgelöst und dich dahingegeben in deinen Sünden. Der Tempel ist vernichtet, der Opferaltar zerstört. Dort wo du jeden Tag die Vergebung und die Gnade deines Gottes erwirkt hast (Ex 29,38-39), blieb kein Stein auf dem anderen (Mt 24,1-2). Seither sterben deine Söhne und Töchter alle in ihren Sünden (Jh 8,24) und gehen in die Verdammnis.
Was hast du aus dir gemacht Tochter Zion?

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Man hat deine Kinder gerufen, doch sie antworten nicht. Sie wollen nicht erkennen, dass sie verlassen (Mt 23,37) und Gott-los sind (1Jh 2,23; Jh 15,23). Sie wollen nicht umkehren (Hos 3,4-5; Mt 23,37-38) und Buße tun, damit ihr Gott sich ihrer erbarmt und ihnen in seiner Gnade vergibt (Gal 5,4), wenn sie dem Sohn zurufen: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn” (Mt 23,38-39). Anstatt dessen haben sie sich neue Gebote nach ihren eigenen Wünschen gemacht (Jer 8,7-8; 1Kö 9,6-8) und meinen damit Gott dienen zu können. Doch ihr Gott hört sie nicht mehr (Jes 1,15).
Was hast du aus dir gemacht Tochter Zion?

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Wer hat so etwas je gehört: Israel, das von Gott auserwählte Volk hat seinen Gott verworfen (Hes 5,5-8). Sie hören nicht mehr auf seine Worte, sondern setzen auf ihre eigene Kraft und Einsicht. Sie wollten nicht warten, bis ihr Gott sie wieder aus aller Welt in ihr Land bringt und haben sich selbst gesammelt. Sie haben das Land mit Krieg und Mord in Besitz genommen - jenes Land welches ihnen ihr Gott ohne Krieg, ohne Bogen und Schwert wieder anvertrauen wollte (Hos 1,7; Mi 2,12-13). Sie haben sich damit wieder ein goldenes Kalb gemacht und tanzen drum herum wie in alten Zeiten am Berg Horeb.
Was hast du aus dir gemacht Tochter Zion?

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Und es wird noch schlimmer kommen. Den Sohn, der im Namen ihres Gottes, seines Vaters gekommen ist, haben sie nicht aufgenommen. Einen Anderen, der in seinem eigenen Namen kommen wird, den werden sie dann aufnehmen (Jh 5,41-43). Der wird ihnen Macht und Einfluss bringen und sie vollends von ihrem Gott weg und in die Irre führen. Dieser Verführer wird den Tempel wieder aufbauen und sich hineinsetzen (2Thes 2,3-4). Er wird sich als Gott ausgeben und sie werden ihn als ihren Messias anbeten (Off 2,9; Mt 23,34; Christenverfolgung).
Das hat ihnen schon Mose prophezeit:
Deut 31,29 „Denn ich habe erkannt, dass ihr nach meinem Tod ganz und gar zu eurem Verderben handeln und von dem Weg abweichen werdet, den ich euch befohlen habe. Dann wird euch das Unheil treffen am Ende der Tage, weil ihr tun werdet, was böse ist in den Augen des HERRN, ihn zu reizen durch das Werk eurer Hände.” Deut 31,29.

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Und so musst du am Ende wieder zerstreut werden und es wird geschehen, wie geschrieben steht:

Deut 28,62 Als ein geringes Häuflein werdet ihr übrigbleiben, statt dass ihr wie die Sterne des Himmels an Menge geworden wärt, weil du der Stimme des HERRN, deines Gottes, nicht gehorcht hast. - 28,63 Und es wird geschehen: wie der HERR sich über euch freute, euch Gutes zu tun und euch zahlreich werden zu lassen, so wird der HERR sich über euch freuen, euch zugrunde zu richten und euch zu vernichten. Und ihr werdet aus dem Land herausgerissen werden, wohin du kommst, um es in Besitz zu nehmen.

28,64 Und der HERR wird dich unter alle Völker zerstreuen von einem Ende der Erde bis zum andern Ende der Erde. Und du wirst dort andern Göttern dienen, die du nicht gekannt hast, weder du noch deine Väter - Göttern aus Holz und Stein. 28,65 Und unter jenen Nationen wirst du nicht ruhig wohnen, und deine Fußsohle wird keinen Rastplatz finden. Und der HERR wird dir dort ein zitterndes Herz geben, erlöschende Augen und eine verzagende Seele. 28,66 Und dein Leben wird in Gefahr schweben, du wirst dich Nacht und Tag fürchten und deines Lebens nicht sicher sein. 28,67 am Morgen wirst du sagen: Wäre es doch Abend! und am Abend wirst du sagen: Wäre es doch Morgen! - wegen des Zitterns deines Herzens, mit dem du zitterst, und wegen des Anblicks dessen, was deine Augen erblicken müssen.

28,68 Und der HERR wird dich auf Schiffen nach Ägypten zurückkehren lassen, auf dem Weg, von dem ich dir gesagt habe: Du sollst ihn nie mehr wiedersehen! Und ihr werdet euch dort euren Feinden als Sklaven und als Sklavinnen zum Kauf anbieten, aber es wird kein Käufer da sein. Deut 28,62-68;

Was hast du nur aus dir gemacht Tochter Zion?