Diskurs 35 - Der präteristische Ansatz: Hat die Endzeit bereits stattgefunden? - 1. Teil




Der präteristische Ansatz: Hat die Endzeit bereits stattgefunden? / Anonym 00, 2001-05-30

Der biblische Hintergrund.

Der Tempel.

Die Große Trübsal.

Das tausendjährige Reich des Herrn Jesus Christus.

Die Nähe des Himmelreichs.

Replik Markus Mosimann 00-03, 2003-01-06 2. Teil, Diskurs 352

Replik Markus Mosimann 04-06, 2003-01-22 3. Teil, Diskurs 353

Die Große Trübsal aus der Sicht der Präteristen. - Diskurs 45


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Der präteristische Ansatz: Hat die Endzeit bereits stattgefunden? / AN 00, 2001-05-30)

Es ist mir aufgefallen, dass sie in der Analyse der sieben Sendschreiben den präteristischen Ansatz mit einem - für mein Verständnis - wenig stichhaltigen Argument ablehnen. Der im deutschsprachigen Raum kaum wirklich bekannte präteristische Ansatz wird zur Zeit in den USA und anderen Ländern intensiv diskutiert (quer durch alle Denominationen hindurch) und würde nach meiner Auffassung auch in unserer Sprachregion mehr Aufmerksamkeit verdienen. Es würde hier zu weit führen, mein präteristisches Verständnis biblischer Eschatologie ausführlich zu formulieren aber ich möchte Ihnen Mut machen, sich mit dieser Sichtweise zu befassen. Eine Sichtweise, die für mein Verständnis dem Evangelium entspricht, wo das Sichtbare letztlich im Unsichtbaren seine Erfüllung fand (Joh. 18,36: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt”). (…)

Wie die Wiedergeburt nicht ein sichtbares, äusseres Ereignis ist (wie sich das Nikodemus im Gespräch mit Jesus vorgestellt hatte), und wie der Tempel nicht wörtlich abgerissen und in drei Tagen aufgebaut wurde (wie Jesus das mit Verweis auf Kreuzigung und Auferstehung formulierte), so sind auch andere prophetische Ereignisse nach meinem Dafürhalten nicht irdischer, sichtbarer Natur sondern erfüllen sich in seinem Reich, das - wie Jesus sagte - nicht von dieser Welt ist. Mit der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. haben die sichtbaren Zeichen aufgehört. Die Not, die sich damals in Israel abgespielt hatte, ist für uns heute kaum vorstellbar und entspricht auch vom zeitlichen Rahmen her der in der Offenbarung beschriebenen Trübsal, an der Johannes - wie er in Offenbarung 1,9 schreibt - selbst Mitgenosse war. Die Ereignisse der Offenbarung werden als „nahe” beschrieben (Offb. 1,3; 22,20). Sind Ereignisse, die sich in tausenden von Jahren ereignen „nahe”? Jesus erklärte seinen Jüngern in Mt. 16,28: „Wahrlich ich sage euch: Es stehen etliche hier, die nicht schmecken werden den Tod, bis daß sie des Menschen Sohn kommen sehen in seinem Reich.” und in Mt. 10,23 „Wenn sie euch aber in einer Stadt verfolgen, so flieht in eine andere. Wahrlich ich sage euch: Ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende kommen, bis des Menschen Sohn kommt.”.

http://www.preteristarchive.com/whatsnew.html)



(Siehe auch Exkurs 02: „Die sieben Sendschreiben.”)


Der biblische Hintergrund.

Der präteristische Ansatz wird tatsächlich in weiten Kreisen (hauptsächlich in den USA) diskutiert und die Argumentation ist – wie der Autor oben sehr gut ausführt – in manchen Teilen nicht von der Hand zu weisen.

Um die obigen Aussagen richtig beurteilen zu können, soll zuerst ihr biblischer Hintergrund dargelegt und anschließend die Konsequenz dieser präteristischen Sicht analysiert werden.

Der Tempel.

Beginnen wir mit dem Tempel, von dem der Herr sagte, dass er ihn in drei Tagen aufrichten werde. Diese Äußerung hat schon die Schriftgelehrten und Pharisäer der Zeit Jesu zu Widerspruch gereizt, wie wir den folgenden Schriftstellen entnehmen können:

Und einige standen auf, legten gegen ihn falsches Zeugnis ab.

Mk 14,55 Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten Zeugnis gegen Jesus, um ihn zu Tode zu bringen; und sie fanden keins. 14,56 Denn viele legten falsches Zeugnis gegen ihn ab, und die Zeugnisse waren nicht übereinstimmend. 14,57 Und einige standen auf, legten gegen ihn falsches Zeugnis ab und sprachen: 14,58 Wir hörten ihn sagen: Ich werde diesen Tempel, der mit Händen gemacht ist, abbrechen, und in drei Tagen werde ich einen anderen aufbauen, der nicht mit Händen gemacht ist. Mk 14,55-58;

Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten falsches Zeugnis gegen Jesus.

Mt 26,59 Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten falsches Zeugnis gegen Jesus, um ihn zu Tode zu bringen; 26,60 und sie fanden keins, obwohl viele falsche Zeugen herzutraten. Zuletzt aber traten zwei falsche Zeugen herbei 26,61 und sprachen: Dieser sagte: Ich kann den Tempel Gottes abbrechen und in drei Tagen ihn wieder aufbauen. Mt 26,59-61;


Nach diesen beiden obigen Texten waren die Aussagen dieser Zeugen also falsch und sichtlich vom Hohen Rat „bestellt”. Eine derartige Aussage des Herrn lässt sich auch bei den Synoptikern nicht finden. Bei Johannes hingegen finden wir den tatsächlichen Wortlaut dieser Rede Jesu und gleichzeitig auch die Umstände, unter welchen sie geäußert wurde:

Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten.

Jh 2,13 Und das Passa der Juden war nahe, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. 2,14 Und er fand im Tempel die Ochsen- und Schaf- und Taubenverkäufer und die Wechsler sitzen.

2,15 Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus, auch die Schafe und die Ochsen; und die Münzen der Wechsler schüttete er aus, und die Tische warf er um; 2,16 und zu den Taubenverkäufern sprach er: Nehmt dies weg von hier, macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus! 2,17 Seine Jünger gedachten daran, daß geschrieben steht: «Der Eifer um dein Haus verzehrt mich.»

2,18 Die Juden nun antworteten und sprachen zu ihm: Was für ein Zeichen der Vollmacht zeigst du uns, daß du dies tust? 2,19 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten. 2,20 Da sprachen die Juden: Sechsundvierzig Jahre ist an diesem Tempel gebaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten? 2,21 Er aber sprach von dem Tempel seines Leibes. Jh 2,13-21;


Es ist also die bekannte Geschichte von der Austreibung der Opfertierverkäufer und Geldwechsler aus dem Tempel durch den Herrn. Sie waren zornig darüber, weil sie der Nazarener aus dem Tempel verjagte und ihr einträgliches Geschäft störte. Und daher fragten sie ihn, mit welcher Vollmacht er denn das tue. Und als Antwort auf diese Frage kam nun diese Aussage des Herrn: „Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten”.

Johannes fügt aber sofort hinzu: „Er aber sprach von dem Tempel seines Leibes”. Eine Erklärung, welche damals sicherlich erforderlich war, die aber für uns Heutige, die wir um Tod und Auferstehung des Sohnes Gottes wissen, ganz gewiss keine neue Erkenntnis darstellt.

Wenn man nun die obige Argumentation des Autors

„… und wie der Tempel nicht wörtlich abgerissen und in drei Tagen aufgebaut wurde …”


betrachtet, muss man auch hier – wie Johannes oben - ganz klar feststellen, dass mit dieser Aussage des Herrn ja gar nicht der Tempel – nämlich das Bauwerk in Jerusalem – gemeint war, sondern der Leib Christi, in welchem der Heilige Geist wohnte und der daher zu dieser Zeit der Tempel Gottes auf Erden war. Und wie auch im obigen Kommentar zugestanden wird, ist gerade dieser Tempel „abgerissen und in drei Tagen aufgebaut worden”, womit – leider – doch eine absolut reale Erfüllung dieser Prophezeiung des Herrn erfolgt ist.

Der Versuch, mit diesem Beispiel den Übergang von einem sichtbaren, materiellen zu einem unsichtbaren, immateriellen Ablauf der Heilsgeschichte zu beweisen, scheitert aber an einem weiteren Problem.

Es geht nach wie vor um den Tempel und um die Aussagen des Herrn darüber. In Mt 24,1-2 u. par. sagt Jesus von diesem Tempel:

Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird.

Mt 24,1 Und Jesus trat hinaus und ging von dem Tempel weg; und seine Jünger traten zu ihm, um ihn auf die Gebäude des Tempels aufmerksam zu machen. 24,2 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht ihr nicht dies alles? Wahrlich, ich sage euch: Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird. Mt 24, 1- 2;


Hätte man zu Zeiten Jesu schon den präteristischen Ansatz vertreten, hätte man auch diese Aussage so interpretieren müssen, dass hier nicht der tatsächliche Tempel gemeint war, sondern ein unsichtbarer, immaterieller Tempel.

Tatsächlich wäre dies der größte Fehler gewesen, den man hätte machen können. Rund vierzig Jahre nach dem Tod des Herrn – im Jahre 70 - wurde nicht nur Jerusalem von den Römern unter Titus erobert und zerstört, sondern auch der Tempel wurde von den römischen Soldaten – entgegen den Weisungen des Titus, der den Tempel eigentlich erhalten wollte – aus Wut und Hass über die Juden, völlig zerstört und es blieb kein Stein auf dem anderen. Und das – leider – durchaus materiell und bis heute nur allzu sichtbar.

(Siehe auch Kapitel 02: „Die Eroberung und Zerstreuung Jerusalems.”)

Die Große Trübsal.

Damit kommen wir zum nächsten endzeitlichen Ereignis, welches im präteristischen Ansatz in die Vergangenheit datiert wird: Die Große Trübsal. Der Autor des eingangs zitierten Kommentars meint:

„Mit der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. haben die sichtbaren Zeichen aufgehört. Die Not, die sich damals in Israel abgespielt hatte, ist für uns heute kaum vorstellbar und entspricht auch vom zeitlichen Rahmen her der in der Offenbarung beschriebenen Trübsal, an der Johannes - wie er in Offenbarung 1,9 schreibt - selbst Mitgenosse war.”


Und er meint damit sichtlich, dass die Prophezeiungen in der Schrift auf die Große Trübsal bereits damals ihre Erfüllung gefunden haben.

Sehen wir uns die relevanten Bibelstellen dazu an (die Bezeichnung „Bedrängnis” für die Trübsal darf hier nicht verwundern, es sind im Deutschen nur Synonyme für ein und dasselbe griechische Wort):

Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse in der Bedrängnis.

Off 1,9 Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse in der Bedrängnis und dem Königtum und dem Ausharren in Jesus, war auf der Insel, die Patmos genannt wird, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen. Off 1, 9;


Hier spricht Johannes eindeutig von einer Bedrängnis. Nun war Johannes als Opfer der Christenverfolgung jener Zeit unter Domitian auf die Insel Patmos verbannt worden. Es ist also durchaus richtig, dass jene Zeit für die Christen und besonders auch für Johannes eine schwere war. Aber auch die Israeliten wurden damals verfolgt und vertrieben und dies war ja – wie wir wissen – der Beginn der Diaspora, der Zerstreuung der Juden in die ganze Welt. Der Hinweis des Kommentators ist daher durchaus plausibel, dass „die Not, die sich damals in Israel abgespielt hatte, (…) für uns heute kaum vorstellbar” ist.

Bei näherer Betrachtung keimen hier allerdings auch schon die ersten Zweifel auf. Wie ist das mit dem Holocaust? Dabei sind 6 Millionen Menschen – der größte Teil Juden – ums Leben gekommen. Wer die Bilder von den gequälten und ermordeten Menschen in den Konzentrationslagern gesehen hat, kommt bald zum Schluß, dass hier die Not des Volkes Israel wohl noch viel größer gewesen sein muss.

Es stimmt schon, dass damals ein ganzes Volk aus seiner Heimat vertrieben wurde. Aber hat dies nicht auch danach noch unzählige Male in der Geschichte stattgefunden – wie z. B. bei den Indios Südamerikas oder den Indianern Nordamerikas? Und erleben wir das nicht zuletzt auch in unseren Tagen: ob das nun die Volksgruppe der Sudetendeutschen 1945 in der vormaligen Tschechoslowakei (über 230.000 Tote), der Volksstamm der Tuzzis 1994 in Ruanda/Afrika (mehr als 500.000 Tote), die Bosnier im ehemaligen Jugoslawien, oder die 3,7 Millionen Palästinenser im ehemaligen Palästina und heutigen Israel sind?

Wie man sieht, ist ein wesentliches Kriterium für die Beurteilung ob die damalige Bedrängnis der Israeliten als die in der Schrift beschriebene Große Trübsal anzusehen ist, die Ausprägung dieses Ereignisses. Und hier kann uns die zweite Aussage in der Offenbarung über eine „Trübsal” helfen.

Diese sind es, die aus der großen Bedrängnis kommen.

Off 7,9 Nach diesem sah ich: und siehe, eine große Volksmenge, die niemand zählen konnte, aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen, stand vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Gewändern und Palmen in ihren Händen.

7,10 Und sie rufen mit lauter Stimme und sagen: Das Heil unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm! 7,11 Und alle Engel standen rings um den Thron und die Ältesten und die vier lebendigen Wesen, und sie fielen vor dem Thron auf ihre Angesichter und beteten Gott an 7,12 und sagten: Amen! Den Lobpreis und die Herrlichkeit und die Weisheit und die Danksagung und die Ehre und die Macht und die Stärke unserem Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

7,13 Und einer von den Ältesten begann und sprach zu mir: Diese, die mit weißen Gewändern bekleidet sind - wer sind sie, und woher sind sie gekommen? 7,14 Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind es, die aus der großen Bedrängnis kommen, und sie haben ihre Gewänder gewaschen und sie weiß gemacht im Blut des Lammes. 7,15 Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen.

7,16 Sie werden nicht mehr hungern, auch werden sie nicht mehr dürsten, noch wird die Sonne auf sie fallen noch irgendeine Glut; 7,17 denn das Lamm, das in der Mitte des Thrones ist, wird sie hüten und sie leiten zu Wasserquellendes Lebens, und Gott wird jede Träne von ihren Augen abwischen. Off 7,13-17;


Zum Unterschied vom ersten Text, in Off 1,9, spricht Johannes hier, in Off 7,14, von der „großen” Bedrängnis (Trübsal). Dies ist ein erster Anhaltspunkt dafür, dass es sich hier um zwei verschiedene Trübsalszeiten handeln muss. Den Beweis jedoch, dass es sich bei dieser „großen Trübsal” nicht um die Bedrängnis der Juden zu Ende des ersten Jahrhunderts handeln kann, bekommen wir in der Aussage einige Verse davor, in Off 7,9. Dort heißt es unmissverständlich: „Nach diesem sah ich: und siehe eine große Volksmenge, die niemand zählen konnte, aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen”. Es sind also Menschen aus „jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen” und nicht (nur) das Volk Israel. Das erklärt dann auch den Umstand, dass es sich hier um „eine große Volksmenge, die niemand zählen konnte” handelt.

Wenn wir nun in der Schrift weiter forschen, erkennen wir aber noch ein weiteres Kriterium für die richtige Beurteilung dieses endzeitlichen Ereignisses. Auch der Herr Jesus spricht ja in seinen Endzeitreden von dieser großen Trübsal und sagt:

Eine große Bedrängnis, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird.

Mt 24,21 Denn dann wird große Bedrängnis sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird. 24,22 Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden. Mt 24,21-22;


Etwas weiter vorne in diesem Kapitel, Mt 24,15, weist der Herr auf die Aussagen des Propheten Daniel hin, welcher von Gott ebenfalls eine Vision über die Ereignisse der Endzeit erhalten hatte. Und folgerichtig finden wir dann auch bei Daniel Hinweise auf diese „Große Trübsal”:

Eine Bedrängnis, wie sie noch nie gewesen ist, seitdem irgendeine Nation entstand bis zu jener Zeit.

Dan 12,1 Und in jener Zeit wird Michael auftreten, der große Fürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt. Und es wird eine Zeit der Bedrängnis sein, wie sie noch nie gewesen ist, seitdem irgendeine Nation entstand bis zu jener Zeit. Und in jener Zeit wird dein Volk errettet werden, jeder, den man im Buch aufgeschrieben findet. 12,2 Und viele von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden aufwachen: die einen zu ewigem Leben und die anderen zur Schande, zu ewigem Abscheu. Dan 12, 1- 2;


Dass es sich hier um die selbe Trübsal handelt wie jene, welche der Herr oben, in Mt 24,21 prophezeit hat, ergibt sich nicht nur daraus, dass er in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf diese Prophezeiung des Propheten Daniel hinweist, sonder ganz besonders aus dem Umstand, dass auch hier – wie in Mt 24,21 - diese „Große Trübsal” als eine solche charakterisiert wird, „wie sie noch nie gewesen ist, seit irgendeine Nation entstand”.

Wenn wir nun diese Aussagen des Herrn Jesus und des Propheten Daniel ernst nehmen – und es gibt keinen Grund dies nicht zu tun – ist diese auch in der Offenbarung genannte „Große Trübsal” eine weltweite Katastrophe, bei der ein großer Teil der Menschheit umkommt. Dies bestätigt auch die Aussage des Herrn in Mt 24,22: „Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden”.

Nach all diesen Gegenbeweisen, bedarf es wohl keines weiteren Arguments, um die Ansicht der Präteristen zu widerlegen, dass die Große Trübsal bereits in der Vergangenheit, in Form der Zerstreuung des Volkes Israel, am Ende des ersten Jahrhunderts, stattgefunden haben soll.

Dennoch ist gerade dieses Volk Israel auch der beste Beweis dafür, dass dieses Ereignis noch in der Zukunft liegt. Oben, in Dan 12,1 heißt es von dieser Zeit: „Und in jener Zeit wird dein Volk errettet werden, jeder, den man im Buch aufgeschrieben findet”. In jener Zeit, in der die Präteristen die Große Trübsal ansetzen wollen – zu Ende des ersten Jahrhunderts - ist das Volk Israel nicht errettet worden, sondern ganz im Gegenteil, es begann sein langer und mühsamer Weg in die Zerstreuung.

(Siehe auch Kapitel 03: „Die Große Trübsal”)

Das tausendjährige Reich des Herrn Jesus Christus.

In den obigen Versen von Dan 12,1-3 ist aber auch ein anderer Aspekt zu erkennen. Neben der Aussage, dass zu dieser Zeit der Großen Trübsal das Volk Israel errettet werden soll, steht auch die Verheißung, dass es dann eine Auferstehung von vielen (nicht allen!) geben wird. Neben der Allgemeinen Auferstehung am Ende der Welt, haben wir aber in der Schrift (abgesehen von Mt 27,52-53) nur noch eine Auferstehung unmittelbar vor dem tausendjährigen Reich, dem Millennium.

Setzt man nun die Trübsal an das Ende des ersten Jahrhunderts, so kommt man nicht umhin, auch diese Auferstehung und insbesondere den Beginn des Reiches Gottes auf Erden in diese Zeit zu datieren.

Wie es nun scheint, wird dies im präteristischen Ansatz konsequenterweise auch so gesehen. Der Autor schreibt in seinem Kommentar:

„ (…) so sind auch andere prophetische Ereignisse nach meinem Dafürhalten nicht irdischer, sichtbarer Natur sondern erfüllen sich in seinem Reich, das - wie Jesus sagte - nicht von dieser Welt ist. (…) Jesus erklärte seinen Jüngern in Mt. 16,28: ‚Wahrlich ich sage euch: Es stehen etliche hier, die nicht schmecken werden den Tod, bis daß sie des Menschen Sohn kommen sehen in seinem Reich.’ und in Mt. 10,23 ‚Wenn sie euch aber in einer Stadt verfolgen, so flieht in eine andere. Wahrlich ich sage euch: Ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende kommen, bis des Menschen Sohn kommt.’.”


Nach dieser Sicht der Dinge hätten wir also folgende Situation.

-  Die Große Trübsal hat bereits am Ende des ersten Jahrhunderts stattgefunden.

-  Der Antichrist hat sein Weltreich errichtet und geherrscht.

-  Unser Herr Jesus Christus hat – in „nicht irdischer, sichtbarer Natur”, wie es oben heißt – am Ende des ersten Jahrhunderts seine tausendjährige Herrschaft angetreten.

-  Die Auferweckung und Entrückung der Gläubigen (1Kor 15,51-53; 1The 4,15-17) bei der Ankunft des Herrn ist erfolgt.

-  Die Erste Auferstehung der Märtyrer (Off 20,4) zum Herrschen mit Christus in den tausend Jahren seines Friedensreiches ist damals Realität geworden.

-  Das tausendjährige Reich ist vor etwa zweitausend Jahren angebrochen.


(Siehe auch Kapitel 06: „Die Wiederkunft des Herrn”)

(Siehe auch Kapitel 09: „Die Heimkehr der Übriggebliebenen aus Israel und den Nationen”)

(Siehe auch Kapitel 10: „Das Millennium”)

Abgesehen von all den Ereignissen, wie

o  Die sichtbare Wiederkunft des Herrn Jesus (Mt 24,29-30; 1The 4,15-17; Off 11,15-18)

Sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels.

Mt 24,29 Aber gleich nach der Bedrängnis jener Tage wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. 24,30 Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. Mt 24,29-30;


o  Die Bekehrung des Volkes Israel zu seinem Gott (Jes 10,20-21; Jer 31,31-34; 33,20-24; Röm 11,25-32)

Ein Überrest wird umkehren, ein Überrest Jakobs, zu dem starken Gott.

Jes 10,20 An jenem Tag wird es geschehen: Da wird der Überrest Israels, und was vom Haus Jakob entkommen ist, sich nicht mehr länger auf den stützen, der es schlägt, sondern es wird sich auf den HERRN, den Heiligen Israels, stützen in Treue. 10,21 Ein Überrest wird umkehren, ein Überrest Jakobs, zu dem starken Gott. Jes 10,20-21;


o  Die Ausgießung des Heiligen Geistes (Jes 32,14-15; 44,1-5; Hes 11,19-21; 36,24-32; Joel 3,1-2; Sach 12,10)

Aber über das Haus David gieße ich den Geist der Gnade aus.

Sach 12,10 Aber über das Haus David und über die Bewohnerschaft von Jerusalem gieße ich den Geist der Gnade und des Flehens aus, und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen, wie man über den einzigen Sohn wehklagt, und werden bitter über ihn weinen, wie man bitte rüber den Erstgeborenen weint. Sach 12,10;

o  Der Bau des Tempels im irdischen Jerusalem (Hes 40, 1-49; 41, 1-26; 42, 1-20; 43, 1-27; Hag 2,6-9; Sach 6,15;14,20-21;

Von ferne werden kommen, die am Tempel des Herrn bauen werden.

Sach 6,15 Und es werden kommen von ferne, die am Tempel des HERRN bauen werden. Da werdet ihr erkennen, dass mich der HERR Zebaoth zu euch gesandt hat; und das soll geschehen, wenn ihr gehorchen werdet der Stimme des HERRN, eures Gottes. Sach 6,15;

o  Der Einzug des Herrn in diesen irdischen Tempel (Jes 52,8-9; Hes 43,4; Sach 6,12-15)

Der HERR kehrt nach Zion zurück. Seid fröhlich ihr Trümmer Jerusalems.

Jes 52,8 Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und rühmen miteinander; denn alle Augen werden es sehen, wenn der HERR nach Zion zurückkehrt. 52,9 Seid fröhlich und rühmt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst. Jes 52, 8-9;

o  Israel wohnt sicher in seinem Lande, sie haben verlernt Krieg zu führen (Jes 2,2-5; 9,4-6; Jer 23,5-6; Hos 2,18-25; Mi 4,3-5; 5,9-14; Sach 9,10)

Kein Volk wird wider das andere das Schwert erheben, sie werden nicht mehr lernen Krieg zu führen.

Jes 2,2 Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen, 2,3 und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, laßt uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, daß er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem. 2,4 Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Jes 2, 2- 4;

o  etc. etc.


abgesehen von allen diesen Ereignissen also, von welchen die Schrift verheißt, dass sie in diesem Reich Gottes erfolgen werden, stellt sich natürlich die Hauptfrage:

In Off 20,7-15 ist von der Zeit nach diesen tausend Jahren die Rede. Hier wird der Satan noch einmal losgelassen, er führt die Völker der Erde zum Kampf gegen Jerusalem, wird besiegt und in den Feuersee geworfen und dann erfolgt die Allgemeine Auferstehung und das Weltgericht.

Wenn also diese tausend Jahre, das Millennium, am Ende des ersten Jahrhunderts begonnen haben, war es nach tausend Jahren – also etwa im Jahre 1100 beendet. Danach müssen folgerichtig alle diese Ereignisse aus Off 20,7-15 stattgefunden haben.

Wir leben nunmehr im Jahre 2001 – also etwa 900 Jahre später. Wieso sind wir immer noch auf dieser Erde? Wieso haben wir von der Allgemeinen Auferstehung und dem Weltgericht nichts bemerkt? Wieso existiert diese Erde überhaupt noch, wo es doch in Off 20,11 heißt, dass nach den tausend Jahren „die Erde entfloh und der Himmel, und keine Stätte wurde für sie gefunden.”?

Es ist müßig, hier weiter zu argumentieren, diese Sicht der Dinge der Präteristen führt sich selbst ad absurdum. Noch dazu, wenn man die weiteren Postulate dieser Ansicht betrachtet:

-  der Herr ist im Jahre 70 n. Chr. gekommen,

-  das Millennium hat sich von 30 – 70 n. Chr. abgespielt,

-  in Konsequenz müssten wir uns derzeit - nach Allgemeiner Auferstehung und Weltgericht - bereits in der Ewigkeit befinden.


Wie bringen diese Leute nur die Offenbarung des Johannes unter, die erst etwa um das Jahr 90 n. Chr. geschrieben wurde und damit alle diese Prophezeiungen beinhaltet, welche sich nach den Präteristen schon 20 Jahre vorher ereignet hätten?

Die Nähe des Himmelreichs.

Jene Argumente im obigen Kommentar, welche sehr wohl stichhältig sind und nicht unterschätzt werden sollten, sind jene Schriftstellen, welche von der „Nähe” verschiedener Ereignisse sprechen. Der Autor fragt:

„Sind Ereignisse, die sich in Tausenden von Jahren ereignen ‚nahe'”?

Nun, sicherlich nicht. Aber das berechtigt noch nicht, diese Tausende von Jahren ganz einfach nach vorne zu „verlegen”. Noch dazu, wenn die Schrift voll von Ereignissen ist, welche in dieser Zeit – auf Erden! - stattfinden sollen und von deren Realisierung bis heute nichts bekannt ist.

Wir wollen aber dennoch objektiverweise die vom Autor diesbezüglich zitierten Schriftstellen analysieren und versuchen, die Texte, welche einer Auslegung zugänglich sind, von jenen Aussagen zu trennen, die wir uns heute tatsächlich noch nicht erklären können.

Hier haben wir einmal Mt 10,23:

Ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende sein, bis der Menschensohn gekommen sein wird.

Mt 10,21 Es wird aber der Bruder den Bruder zum Tode überliefern und der Vater das Kind; und Kinder werden sich erheben gegen die Eltern und sie zu Tode bringen. 10,22 Und ihr werdet von allen gehaßt werden um meines Namens willen. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden. 10,23 Wenn sie euch aber verfolgen in dieser Stadt, so flieht in die andere! Denn wahrlich, ich sage euch, ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende sein, bis der Sohn des Menschen gekommen sein wird. Mt 10,21-23;


Wenn man diese Aussage des Herrn nicht aus dem Zusammenhang reißt und gemeinsam mit ihrem Kontext betrachtet, ist leicht erkennbar, das es sich hier um eine Aussage über die Endzeit handelt. Es betrifft die Christen; dies bestätigt sowohl die Anrede in Mt 10,16, als auch der Hinweis „um meines Namens willen”, in Mt 10,22. Sie werden von allen Menschen gehasst, verfolgt, von der eigenen Familie verraten und zu Tode gebracht.

Obwohl nun in den vergangenen zweitausend Jahren immer wieder Christenverfolgungen stattgefunden haben – auch die Inquisition der katholischen Kirche hat viele wahre Christen verfolgt und getötet – ist dieses Szenario, dass alle Christen von allen anderen Menschen gehasst, verraten, verfolgt und getötet werden - weder in der Vergangenheit, noch in der Gegenwart in dieser Ausprägung realistischerweise nachzuweisen.

Es kann sich daher nur um einen Hinweis für die Gläubigen der Endzeit handeln, noch dazu, wo es in Mt 10,22 heißt: „Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden”. Wären diese Worte an die Gläubigen der Zeit Jesu gerichtet, hätten sie Tausende von Jahren zu warten, um dieses Ende zu erleben.

Es sind also die in arge Bedrängnis geratenden Gläubigen der Endzeit, welchen diese Warnungen gelten. Aber auch die tröstenden Aussagen, dass sie dann mit den Städten Israels nicht zu Ende kommen werden, bis der Herr kommt und dass jene, welche bis an dieses Ende ausharren werden, errettet sein werden. Aufgrund dieser Aussagen (Städte in Israel), kann es sich hier maximal um einen Zeitraum von etwa drei bis vier Jahre handeln und dies passt durchaus zu den übrigen Prophezeiungen über die Endzeit (3 ½ Jahre).

Dann wird Mt 16,28 zitiert:

Die werden den Tod keinesfalls schmecken, bis sie den Sohn des Menschen haben kommen sehen.

Mt 16,28 Wahrlich, ich sage euch: Es sind einige von denen, die hier stehen, die werden den Tod keinesfalls schmecken, bis sie den Sohn des Menschen haben kommen sehen in seinem Reich. Mt 16,28;


Dies ist sicherlich eine jener Schriftstellen, welche die Ausleger der letzten zweitausend Jahre am meisten beschäftigt hat und wie wir sehen auch einer der Beweggründe der Präteristen, den Anbruch des Friedensreichs des Herrn Jesus an das Ende des ersten Jahrhunderts zu verlegen. Doch die Bequemlichkeit, sich mit diesem Text nicht profunder auseinander zu setzen und dafür die erstbeste Lösung aufzugreifen, führt dann dazu, dass Hunderte von Schriftstellen, welche sich auf die Endzeit beziehen „vorverlegt” werden müssen.

Analysiert man den Text genauer, ist zu erkennen, dass es insgesamt drei Möglichkeiten gibt, eine Erklärung für diese Aussage des Herrn zu geben. Die erste Möglichkeit ist jene, welche die Präteristen gewählt haben. Sie gehen sichtlich davon aus, dass der Mensch eine Lebensdauer von 80 – 90 Jahren hat und daher die vom Herrn in Mt 16,28 – etwa im Jahre 30 unserer Zeitrechnung - Angesprochenen bestenfalls noch 60 – 70 Jahre zu leben hatten. Wenn sie also den Menschensohn in seinem Reich noch zu Lebzeiten kommen sehen sollten, muss dieses Reich in dieser Zeit – also gegen Ende des ersten Jahrhunderts n. Ch. - angebrochen sein.

Die zweite Möglichkeit ist zwar eine rein theoretische, sie soll aber dennoch aufgezeigt werden, um den möglichen Interpretationsfehler im präteristischen Ansatz aufzudecken. Grundsätzlich hat ja das vorliegende Problem zwei Ansatzpunkte für eine Lösung. Entweder man geht von einer normalen Lebensdauer der angesprochenen Jünger aus und verschiebt den Eintritt des Gottesreiches nach vorne oder man lässt den Beginn des Millennium an seinem Platz – nämlich in der zukünftigen Endzeit – und postuliert eine Lebensdauer der Jünger bis zu diesem Zeitpunkt.

Dies ist zwar nicht sehr wahrscheinlich, bringt uns aber auf die dritte Lösungsmöglichkeit. Wir haben in der Schrift ein Ereignis, bei welchem – ähnlich wie bei der Entrückung der lebenden Gläubigen in der Endzeit - der Prophet Elia in den Himmel aufgefahren ist.

Und Elia fuhr im Sturmwind auf zum Himmel.

2Kg 2,11 Und es geschah, während sie gingen, gingen und redeten, siehe da: ein feuriger Wagen und feurige Pferde, die sie beide voneinander trennten! Und Elia fuhr im Sturmwind auf zum Himmel. 2Kg 2,11;


Es ist ganz eindeutig, dass Elia lebend in den Himmel aufgenommen worden ist – und vermutlich noch immer dort existiert – und daher keinesfalls den Tod geschmeckt hat. Wenn dies nun bei Elia möglich war, warum sollte dies nicht auch mit einigen der Jünger des Herrn so gewesen sein? Sie würden dann – wie Elia - zwar in den Himmel aufgefahren, aber nicht gestorben sein – aus welchen Gründen auch immer (wir wissen ja auch nicht eindeutig weshalb Elia nicht gestorben ist). Und ebenso wie Elia, würden sie die Wiederkunft des Herrn auf Erden und den Anbruch seines tausendjährigen Reiches erleben ohne den Tod geschmeckt zu haben.

Und schließlich heißt es im obigen Kommentar:

„Die Ereignisse der Offenbarung werden als ‚nahe' beschrieben (Offb. 1,3; 22,20).”


Hier die zitierten Schriftstellen in ihrem Kontext:

Glückselig, die hören und bewahren die Worte der Weissagung! Denn die Zeit ist nahe.

Off 1,1 Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab, um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muß; und indem er sie durch seinen Engel sandte, hat er sie seinem Knecht Johannes kundgetan, 1,2 der das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi bezeugt hat, alles, was er sah.

1,3 Glückselig, der liest und die hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist! Denn die Zeit ist nahe. Off 1, 1- 3;

Der diese Dinge bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald.

Off 22,18 Ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen hinzufügen, die in diesem Buch geschrieben sind; 22,19 und wenn jemand von den Worten des Buches dieser Weissagung wegnimmt, so wird Gott seinen Teil wegnehmen von dem Baum des Lebens und aus der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben ist.

22,20 Der diese Dinge bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. Amen, komm, Herr Jesus! 22,21 Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen! Off 22,18-21;


Wie man sieht, haben wir es hier eigenartigerweise mit dem Anfang und dem Ende der Offenbarung zu tun. Und noch einen weiteren diesbezüglichen Hinweis gibt es in der Offenbarung:

Und siehe, ich komme bald.

Off 22,7 Und siehe, ich komme bald. Glückselig, der die Worte der Weissagung dieses Buches bewahr! Off 22, 7;


Es ist dies eine Zusammenfassung der Aussagen von Vers Off 1,3 und 22,20.

Diese Texte der Offenbarung sind nun die einzigen Argumente im obigen Kommentar, welche einer befriedigenden Erklärung aus eschatologischer Sicht noch nicht zugänglich sind. Dennoch stehen diese Aussagen vom Typ her nicht allein. Wir haben in der Schrift öfter Prophezeiungen, in welchen Ereignisse, welche sich in der Endzeit ereignen werden, als „bald”, „nahe” oder in „wenig Zeit” bezeichnet werden.

Eine der bekanntesten Schriftstellen dieser Art ist Hag 2,6-7, wo der Prophet die Umgestaltung von Himmel und Erde in der Endzeit, vor dem Millennium, ankündigt und dies mit dem Hinweis: ”wenig Zeit ist es noch” versieht.

Noch einmal - wenig Zeit ist es noch - und ich werde den Himmel und die Erde erschüttern.

Hag 2,6 Denn so spricht der HERR der Heerscharen: Noch einmal - wenig Zeit ist es noch - und ich werde den Himmel und die Erde und das Meer und das Trockene erschüttern. 2,7 Dann werde ich alle Nationen erschüttern, und die Kostbarkeiten aller Nationen werden kommen, und ich werde dieses Haus mit Herrlichkeit füllen, spricht der HERR der Heerscharen. Hag 2, 6- 7;


Manche Ausleger meinen hier, „wenig Zeit” aus der Dimension der Ewigkeit betrachtet, würde eben in der zeitlichen Dimension Jahrtausende bedeuten und führen als Bewies 2Ptr 3,8 an, wo Petrus die Gottlosen und Ungläubigen verurteilt, welche meinen, die Wiederkunft des Herrn sei überhaupt eine Erfindung der Christen.

Daß beim Herrn ein Tag ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag.

2Ptr 3,1 Diesen zweiten Brief, Geliebte, schreibe ich euch bereits, in welchen beiden ich durch Erinnerung eure lautere Gesinnung aufwecke, 3,2 damit ihr gedenkt der von den heiligen Propheten schon vorher gesprochenen Worte und des durch eure Apostel übermittelten Gebotes des Herrn und Heilandes 3,3 und zuerst dies wißt, daß in den letzten Tagen Spötter mit Spötterei kommen werden, die nach ihren eigenen Begierden wandeln 3,4 und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Ankunft? Denn seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt alles so von Anfang der Schöpfung an.

3,5 Denn denen, die dies behaupten, ist verborgen, daß von jeher Himmel waren und eine Erde, die aus Wasser und durch Wasser Bestand hatte, und zwar durch das Wort Gottes, 3,6 durch welche die damalige Welt, vom Wasser überschwemmt, unterging. 3,7 Die jetzigen Himmel und die jetzige Erde aber sind durch dasselbe Wort aufbewahrt und für das Feuer aufgehoben zum Tag des Gerichts und des Verderbens der gottlosen Menschen.3,8 Dies eine aber sei euch nicht verborgen, Geliebte, daß beim Herrn ein Tag ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag.3,9 Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten, sondern er ist langmütig euch gegenüber, da er nicht will, daß irgendwelche verloren gehen, sondern daß alle zur Buße kommen.

3,10 Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb; an ihm werden die Himmel mit gewaltigem Geräusch vergehen, die Elemente aber werden im Brand aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr im Gericht erfunden werden. 3,11 Da dies alles so aufgelöst wird, was für Leute müßt ihr dann sein in heiligem Wandel und Gottseligkeit, 3,12 indem ihr die Ankunft des Tages Gottes erwartet und beschleunigt, um dessentwillen die Himmel in Feuer geraten und aufgelöst und die Elemente im Brand zerschmelzen werden! 3,13 Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt. 2Ptr 3, 1-13;


Und diese Ausleger (z. B. die Adventisten) konzentrieren sich hier nun auf den Vergleich: „ein Tag ist wie tausend Jahre” und schlussfolgern daraus, dass biblische Tagesangaben grundsätzlich mit tausend Jahren zu multiplizieren seien.

Betrachtet man jedoch den Text genauer, erkennt man, dass Petrus etwas ganz anderes sagen wollte. Das Beispiel mit dem einen Tag und den tausend Jahren dient ihm nur als Vergleich. Denn er kehrt ja die Argumentation auch um und sagt: „tausend Jahre sind wie ein Tag”. Und hier sind die tausend Jahre ebenfalls „beim Herrn”, also in der Dimension der Ewigkeit gemeint und der Tag auf Erden.

Wenn also sowohl ein Tag in der Ewigkeit wie tausend Jahre auf Erden, als auch tausend Jahre in der Ewigkeit wie ein Tag auf Erden sind, dann ist diese Aussage kein „Umrechnungsfaktor” sondern ganz einfach der Versuch die Unberechenbarkeit des göttlichen Zeitfaktors für den Menschen verständlich darzustellen.

Und genau das sagt uns auch der Herr in Mk 13,31-37:

Von jenem Tag aber oder der Stunde weiß niemand, nur der Vater.

Mk 13,31 Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen. 13,32 Von jenem Tag aber oder der Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern nur der Vater. 13,33 Seht zu, wacht! Denn ihr wißt nicht, wann die Zeit ist.

13,34 Wie ein Mensch, der außer Landes reiste, sein Haus verließ und seinen Knechten die Vollmacht gab, einem jeden sein Werk, und dem Türhüter einschärfte, daß er wache, 13,35 so wacht nun! Denn ihr wißt nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob des Abends oder um Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder frühmorgens, 13,36 damit er nicht, wenn er plötzlich kommt, euch schlafend finde. 13,37 Was ich aber euch sage, sage ich allen: Wacht! Mk 13,31-37;


(Siehe auch Kapitel 08: „Die Umgestaltung von Himmel und Erde”.)

Wir wissen also nicht, wann die Zeit ist. Und wie der Herr in seinem anschließenden Gleichnis warnt, sollen wir wachen und uns nicht in falscher Sicherheit wiegen und einschlafen. Sonst kommt er unerwartet, wie ein Dieb in der Nacht und wird zu uns sagen: „Ich kenne euch nicht und weiß nicht, woher ihr seid. Weicht von mir, alle ihr Übeltäter!”

Ich sage euch, ich kenne euch nicht und weiß nicht, woher ihr seid. Weicht von mir, alle ihr Übeltäter!

Lk 13,24 Ringt danach, durch die enge Pforte hineinzugehen; denn viele, sage ich euch, werden hineinzugehen suchen und werden es nicht können. 13,25 Sobald der Hausherr aufgestanden ist und die Tür verschlossen hat und ihr anfangen werdet, draußen zu stehen und an der Tür zu klopfen und zu sagen: Herr, öffne uns! wird er antworten und zu euch sagen: Ich kenne euch nicht und weiß nicht, woher ihr seid.

13,26 Dann werdet ihr anfangen, zu sagen: Wir haben vor dir gegessen und getrunken, und auf unseren Straßen hast du gelehrt. 13,27 Und er wird sagen: Ich sage euch, ich kenne euch nicht und weiß nicht, woher ihr seid. Weicht von mir, alle ihr Übeltäter! Lk 13,24-27;

So wacht nun! Denn ihr wißt weder den Tag noch die Stunde.

Mt 25,11 Später aber kommen auch die übrigen Jungfrauen und sagen: Herr, Herr, öffne uns! 25,12 Er aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht. 25,13 So wacht nun! Denn ihr wißt weder den Tag noch die Stunde. Mt 25,11-13;


Und wie uns schließlich Paulus in seinem 2. Brief an die Thessalonicher warnt, sollen wir uns nicht irreführen lassen von Behauptungen, dass der Herr schon gekommen und der Tag des Herrn schon vorbei sei.

Daß niemand euch verführe, als ob der Tag des Herrn da wäre.

2The 2,1 Wir bitten euch aber, Brüder, wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm, 2,2 daß ihr euch nicht schnell in eurem Sinn erschüttern, auch nicht erschrecken laßt, weder durch Geist noch durch Wort, noch durch Brief, als seien sie von uns, als ob der Tag des Herrn da wäre. 2,3 Daß niemand euch auf irgendeine Weise verführe! Denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, dass zuerst der Abfall gekommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit geoffenbart worden ist, der Sohn des Verderbens; 2,4 der sich widersetzt und sich überhebt über alles, was Gott heißt oder Gegenstand der Verehrung ist, so daß er sich in den Tempel Gottes setzt und sich ausweist, daß er Gott sei. 2The 2, 1- 4;

Diesen Menschen der Gesetzlosigkeit wird der Herr vernichten bei seiner Ankunft.

2The 2,5 Erinnert ihr euch nicht, daß ich dies zu euch sagte, als ich noch bei euch war? 2,6 Und jetzt wißt ihr, was zurückhält, damit er zu seiner Zeit geoffenbart wird. 2,7 Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur offenbart es sich nicht, bis der, welcher jetzt zurückhält, aus dem Weg ist; 2,8 und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft; 2,9 ihn, dessen Ankunft gemäß der Wirksamkeit des Satans erfolgt mit jeder Machttat und mit Zeichen und Wundern der Lüge 2,10 und mit jedem Betrug der Ungerechtigkeit für die, welche verloren gehen, dafür, daß sie die Liebe der Wahrheit zu ihrer Errettung nicht angenommen haben. 2,11 Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, daß sie der Lüge glauben. 2The 2, 5-11;


Es muss also zuerst der Abfall kommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit – der Antichrist - geoffenbart werden. Erst dann wird der Herr Jesus kommen und diesen Gesetzlosen mit dem Hauch seines Mundes vernichten bei seiner Ankunft.

Und ebenso, wie alle Prophezeiungen auf den Antichrist aus Off 13 sich bis heute – dem Herrn sei Dank – noch nicht erfüllt haben, ist auch die Wiederkunft des Herrn bis heute noch nicht erfolgt! Alle, die dies behaupten – wie z. B. auch die Zeugen Jehovas – begehen einen großen Fehler und laufen Gefahr, sich selbst und den Menschen, die ihnen folgen, eine Sicherheit vorzugaukeln, welche es nach der Schrift nicht gibt und nicht geben wird, bis der Herr tatsächlich – sichtbar für alle Welt!! - gekommen ist.



Replik Markus Mosimann 00-03, 2003-01-06 2. Teil, Diskurs 352

Replik Markus Mosimann 04-06, 2003-01-22 3. Teil, Diskurs353

Die Große Trübsal aus der Sicht der Präteristen. - Diskurs 45