Diskurs 38 – Was erwartet Christen und Juden bei der Wiederkunft des Herrn?




Tritt die Gemeinde Jesu Christi an die Stelle Israels? / Buch Gerhard Salomon 00, Seite 67.

Sind die 144.000 Versiegelten die glaubende Gemeinde aller Zeiten? / Buch Karl Hartenstein 00, Seite 83.

Ist die Gemeinde aller Zeiten Mitregent im Millennium? / Buch Gerhard Salomon 01, Seite 177.

Die Verwerfung Israels: die Versöhnung der Welt.

Die Annahme Israels: Leben aus den Toten.

Die Auferweckung der Toten in Christus und ihre Entrückung mit den Lebenden.

Zusammenfassung.


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(Tritt die Gemeinde Jesu Christi an die Stelle Israels? / Buch GS00, Seite 67)

Die Ablehnung der von den Aposteln verkündigten Botschaft steigerte sich (bei den Israeliten / Anm. FH) zu Hass und bis aufs Blut gehende Feindschaft. Schließlich musste Paulus erkennen, dass es jetzt nicht mehr zum vollen Durchbruch des herrlichen Gottesreiches kommen werde. Als ihm in Antiochien in Pisidien eine Welle von Neid und Widerspruch entgegenschlägt und es gar zur Lästerung kommet, teilt er den Juden ihre Beiseitestellung mit: (...) (Apg. 13,46.47).

Damit tritt an die Stelle Israels als Heilskörperschaft im Heilsplan Gottes die Gemeinde Jesu als Leib Christi.

(Gerhard Salomon: „Was bald geschehen wird”, Verlag der St.-Johannis-Druckerei, Baden)




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(Sind die 144.000 Versiegelten die glaubende Gemeinde aller Zeiten? / Buch KH00, Seite 83f)

144.000 (die Versiegelten aus Off 7,4 / Anm. FH) – das ist die glaubende Gemeinde aus allen Zeiten und aus allen Völkern, aus Israel und aus den Nationen, aus denen wir Christen alle kommen. Diese große Schar lässt Gott durchkommen. Er versiegelt sie, er bewahrt sie, er macht sie unüberwindlich auch in den großen Anfechtungen der Zeit.

Wollen wir das zusammenfassen, so möchte ich sagen: Drei wichtige Erkenntnisse ergibt uns dieses Bild (Off 7,2-8; / Anm. FH). 1. Gott bringt durch die gewaltigen Völkerstürme und die furchtbaren Völkergerichte seine Gemeinde hindurch. Er versiegelt sie. Er gibt ihr immer neu die Gewissheit durch seinen Geist: du gehörst mir, nicht der Welt, nicht der Verachtung und dem Zweifel und der Anfechtung; du gehörst mir. 2. Gott hat die Zahl gezählt und kennt sie. Er wird keinen vergessen, keinen, 12mal 12.000! 3. Diese große Gottesgemeinde auf Erden ist die Einheit zwischen (dem christlichen / Anm. FH) Israel und den Christen aus allen Nationen.

(Karl Hartenstein: „Der wiederkommende Herr”, Christliches Verlagshaus GMBH, Stuttgart).




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(Ist die Gemeinde aller Zeiten Mitregent im Millennium? / Buch GS01, Seite 177)

Zum Mitregenten (im Millennium / Anm. FH) gehört aber auch die Gemeinde, obwohl ihr Name hier (Off 20,4; / Anm. FH) gar nicht vorkommt. Durch die Entrückung (1. Thess. 4,13-18) hat sich der Herr als das Haupt mit den Gliedern seines Leibes zum vollendeten Christus vereinigt. Von da ab ist das Dasein der Gemeinde aufs engste mit Christus verbunden, sodass nun da, wo wir es mit ihr zu tun haben, ihr Name nicht zu erscheinen braucht. Wenn es in Offenbarung 20,4 heißt: „sie regierten mit Christus tausend Jahre”, so umfasst die Bezeichnung „Christus” hier auch die Glieder.

(Gerhard Salomon: „Was bald geschehen wird”, Verlag der St.-Johannis-Druckerei, Baden).



Die Verwerfung Israels: die Versöhnung der Welt

Ebenso wie die mosaisch gläubigen Israeliten an ihre Auserwählung als das „Volk Gottes” nach dem AT glauben und daher das Christentum ablehnen, gibt es unter den christlichen Denominationen eine breite Schicht, welche ausschließlich die Gemeinde Christi nach dem NT als die „Braut”, das Volk Gottes sieht und daher eine wie immer geartete Heilserwartung der mosaisch gläubigen Israeliten – es sei denn, sie bekehren sich zum Christentum – strikte ablehnen.

Nun sagt aber der Herr in Jh 10,14:

Und ich habe andere Schafe, die nicht aus diesem Hof sind.

Jh 10,14 Ich bin der gute Hirte; und ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, 10,15 wie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne; und ich lasse mein Leben für die Schafe.

10,16 Und ich habe andere Schafe, die nicht aus diesem Hof sind; auch diese muß ich bringen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde, ein Hirte sein. Jh 10,14-16;


Mit diesen anderen Schafen sind natürlich die Heiden (Nationen) gemeint. Und zwar jene Heiden, welche sich zum Glauben an Christus bekehren wollen. Und dies wird von den christlichen Exegeten auch immer wieder hervorgehoben.

Doch diese Aussage beinhaltet ja noch mehr. Wenn der Herr hier von den „anderen” Schafen spricht, „die nicht aus diesem Hof sind”, so meint das ja implizit, dass da schon Schafe sind. Nämlich die ursprünglichen Schafe, die aus „diesem Hof” sind. Und diese ursprüngliche, allererste „Schafherde”, welche bereits seit langem auf diesem Hof ist, sind natürlich die Israeliten. Und das dürfen wir als Christen nicht übersehen: Israel war das erste Gottesvolk – nicht wir!

Nun meinen aber viele christliche Ausleger, Israel sei verworfen worden und hätte jedes Anrecht verloren. Einerseits weil es seinen Messias verurteilt hat und andererseits, weil aus manchen Passagen des NT herauszulesen wäre, dass sämtliche Verheißungen für Israel auf die Gemeinde – als das „wahre Israel” – übergegangen sind. Die explizite Erwähnung des Namens „Israel” bei allen diesen Verheißungen wird als Symbolik bezeichnet. Ebenso wie auch die 144.000 Versiegelten aus Off 7,2-8 im eingangs zitierten Buchauszug von K. Hartenstein - aber auch von vielen anderen christlichen Exegeten - als „die Gemeinde aller Zeiten” interpretiert werden.

144000 Versiegelte, aus jedem Stamm der Söhne Israels.

Off 7,2 Und ich sah einen anderen Engel von Sonnenaufgang heraufsteigen, der das Siegel des lebendigen Gottes hatte; und er rief mit lauter Stimme den vier Engeln zu, denen gegeben worden war, der Erde und dem Meer Schaden zuzufügen, 7,3 und sagte: Schadet nicht der Erde, noch dem Meer, noch den Bäumen, bis wir die Knechte unseres Gottes an ihren Stirnen versiegelt haben.

7,4 Und ich hörte die Zahl der Versiegelten: 144000 Versiegelte, aus jedem Stamm der Söhne Israels.

7,5 Aus dem Stamm Juda 12000 Versiegelte, aus dem Stamm Ruben 12000, aus dem Stamm Gad 12000,

7,6 aus dem Stamm Asser 12000, aus dem Stamm Naftali 12000, aus dem Stamm Manasse 12000,

7,7 aus dem Stamm Simeon 12000, aus dem Stamm Levi 12000, aus dem Stamm Issaschar 12000,

7,8 aus dem Stamm Sebulon 12000, aus dem Stamm Josef 12000, aus dem Stamm Benjamin 12000 Versiegelte. Off 7, 2- 8;


Wir haben hier erstens eine akribisch genaue Aufzählung der zwölf Stämme Israels, aus denen diese Erstlinge für Gott und das Lamm genommen wurden, was ein Beweis dafür ist, dass sie Israeliten und keine Glieder der Gemeinde sind. Zum Zweiten ergibt sich aus den Aussagen von Off 9,3-4, dass diese 144.000 erst in der Endzeit leben werden.

Sie sollten Schaden tun allein den Menschen, die nicht das Siegel Gottes haben an ihren Stirnen.

Off 9,3 Und aus dem Rauch kamen Heuschrecken auf die Erde, und ihnen wurde Macht gegeben, wie die Skorpione auf Erden Macht haben. 9,4 Und es wurde ihnen gesagt, sie sollten nicht Schaden tun dem Gras auf Erden noch allem Grünen noch irgendeinem Baum, sondern allein den Menschen, die nicht das Siegel Gottes haben an ihren Stirnen. Off 9, 3- 4;


Hier heißt es ja, dass bei der Heuschreckenplage der 5. Posaune nur jenen Menschen Schaden zugefügt wurde, welche nicht dieses Siegel Gottes an ihren Stirnen trugen. Im Umkehrschluss bedeutet das aber, dass jene, welche dieses Siegel hatten – nämlich die 144.000 aus Israel – von diesen Plagen ausdrücklich ausgenommen wurden. Was wieder beweist, dass sie erst in dieser zukünftigen Zeit leben werden und daher auch aus diesem Grund nicht die Gemeinde aller Zeiten sein können.

Diese „Versymbolisierung” von an sich eindeutigen und unmissverständlichen Aussagen ist oft auf die Unfähigkeit der Autoren zurückzuführen, diese Stellen entsprechend zu interpretieren. Sie haben keine Erklärung dafür und klassifizieren diese Stellen dann als „symbolisch”. Und nun ist es natürlich ein Leichtes, alle möglichen – und unmöglichen – Zusammenhänge hineinzudeuten. Oder aber es wird aus dogmatischen Gründen eine von den Aussagen der Schrift abweichende Sicht gewünscht, welche dann auch über den Umweg der „Symbolsprache” untergebracht werden kann. Diese Vorgangsweise zieht dann aber die Konsequenz nach sich, dass nach diesem Prinzip jede beliebige Schriftstelle – und sei sie noch so klar und eindeutig – „symbolisiert” und damit jeder gewünschten Interpretationsrichtung angepasst werden kann.

Dies hat auch Erich Sauer in seinem Buch „Der Triumph des Gekreuzigten” (R. Brockhaus Verlag, Wuppertal, S 171 f) zum Widerspruch gereizt, wenn er schreibt:

„Christus kam buchstäblich aus Bethlehem (Mi 5,1), ritt buchstäblich auf einem Esel nach Jerusalem (Sach 9,9), wurde buchstäblich um 30 Silberlinge verraten (Sach 11,12) und am Kreuz buchstäblich an Händen und Füßen durchbohrt (Ps 22,17). Buchstäblich wurden seine Gebeine nicht zerbrochen (Ps 34,21), buchstäblich seine Seite von einer Lanze durchstochen (Sach 12,10). Buchstäblich ist er gestorben und begraben (Jes 53,8-9.12), buchstäblich auch am dritten Tage wieder auferstanden (Ps 16,10; Hos 6,2) (...). - Wer gäbe uns das Recht, aus den Juden einfach die Christen, aus Jerusalem die Gemeinde (...) zu machen?”


So einfach dürfen wir uns die Dinge also nicht machen. Auch die Urgemeinde in Rom hatte sichtlich die Vorstellung, dass Israel verstoßen wäre und sie nun das alleinige Volk Gottes seien, weshalb ihnen Paulus in seinem Brief diesbezüglich Vorhaltungen machte:

Hat Gott etwa sein Volk verstoßen? Das ist ausgeschlossen!

Röm 11,1 Ich sage nun: Hat Gott etwa sein Volk verstoßen? Das ist ausgeschlossen! Denn auch ich bin ein Israelit aus der Nachkommenschaft Abrahams, vom Stamm Benjamin. 11,2 Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er vorher erkannt hat. Oder wißt ihr nicht, was die Schrift bei Elia sagt? Wie er vor Gott auftritt gegen Israel: 11,3 «Herr, sie haben deine Propheten getötet, deine Altäre niedergerissen, und ich allein bin übriggeblieben, und sie trachten nach meinem Leben.» 11,4 Aber was sagt ihm die göttliche Antwort? «Ich habe mir siebentausend Mann übrigbleiben lassen, die vor Baal das Knie nicht gebeugt haben.» Röm 11, 1- 4;


Wenn wir also in dieser Frage schon mit dem NT argumentieren wollen, dann ist diese obige Aussage eine der wichtigsten Orientierungsmöglichkeiten: Es ist ausgeschlossen, dass Gott sein Volk – und damit ist ganz eindeutig Israel gemeint – verstoßen würde.

Wenn wir nun behaupten wollten, dass diese Auserwählung Israels hinfällig sei, weil ja wir, die christliche Gemeinde, als neues Volk Gottes zu gelten hätten, führt uns Paulus auch gleich die Konsequenzen vor Augen:

Denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht geschont hat, wird er auch dich nicht schonen.

Röm 11,13 Denn ich sage euch, den Nationen: Insofern ich nun der Nationen Apostel bin, bringe ich meinen Dienst zu Ehren, 11,14 ob ich auf irgendeine Weise sie, die mein Fleisch sind, zur Eifersucht reizen und einige aus ihnen erretten möge.

11,15 Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird die Annahme anders sein als Leben aus den Toten? 11,16 Wenn aber das Erstlingsbrot heilig ist, so auch der Teig; und wenn die Wurzel heilig ist, so auch die Zweige. 11,17 Wenn aber einige der Zweige herausgebrochen worden sind und du, der du ein wilder Ölbaum warst, unter sie eingepfropft und der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaumes mit teilhaftig geworden bist, 11,18 so rühme dich nicht gegen die Zweige! Wenn du dich aber gegen sie rühmst - du trägst nicht die Wurzel, sondern die Wurzel dich.

11,19 Du wirst nun sagen: Die Zweige sind herausgebrochen worden, damit ich eingepfropft würde. 11,20 Richtig; sie sind herausgebrochen worden durch den Unglauben; du aber stehst durch den Glauben. Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich! 11,21 Denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht geschont hat, wird er auch dich nicht schonen. Röm 11,13-21;


In der Auffassung, dass nunmehr die Gemeinde das neue Volk Gottes wäre und damit Israel seine Bedeutung in der Heilsgeschichte verloren hätte, liegt genau so viel Hochmut, wie in der Ablehnung des Christentums durch die orthodoxen Israeliten.

Es sind einige der Zweige des Ölbaums herausgebrochen worden, damit wir, die wilden Zweige, eingepfropft werden konnten. So weit so gut. Doch als Zweige verdanken wir unser Leben der Wurzel dieses Ölbaums. Denn wie Paulus sagt, tragen nicht wir die Wurzel, sondern die Wurzel trägt uns.

Und diese Wurzel um die es hier geht - und die weithin bei der Interpretation dieser Frage wenig beachtet wird – wird von Paulus gleich anschließend angesprochen:

Hinsichtlich der Auswahl sind sie Geliebte um der Väter willen.

Röm 11,22 Sieh nun die Güte und die Strenge Gottes: gegen die, welche gefallen sind, Strenge; gegen dich aber Güte Gottes, wenn du an der Güte bleibst; sonst wirst auch du herausgeschnitten werden.

11,23 Aber auch jene, wenn sie nicht im Unglauben bleiben, werden eingepfropft werden; denn Gott ist imstande, sie wieder einzupfropfen. 11,24 Denn wenn du aus dem von Natur wilden Ölbaum herausgeschnitten und gegen die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft worden bist, wieviel mehr werden diese, die natürlichen Zweige, in ihren eigenen Ölbaum eingepfropft werden!

11,25 Denn ich will nicht, Brüder, daß euch dieses Geheimnis unbekannt sei, damit ihr nicht euch selbst für klug haltet: Verstockung ist Israel zum Teil widerfahren, bis die Vollzahl der Nationen hineingekommen sein wird; 11,26 und so wird ganz Israel errettet werden, wie geschrieben steht: «Es wird aus Zion der Erretter kommen, er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden; 11,27 und dies ist für sie der Bund von mir, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.»

11,28 Hinsichtlich des Evangeliums sind sie zwar Feinde um euretwillen, hinsichtlich der Auswahl aber Geliebte um der Väter willen. 11,29 Denn die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar. 11,30 Denn wie ihr einst Gott nicht gehorcht habt, jetzt aber Erbarmen gefunden habt infolge ihres Ungehorsams, 11,31 so sind jetzt auch sie dem euch geschenkten Erbarmen gegenüber ungehorsam gewesen, damit auch sie jetzt Erbarmen finden. 11,32 Denn Gott hat alle zusammen in den Ungehorsam eingeschlossen, damit er sich aller erbarmt. Röm 11,22-32;


Israel ist also ein von Gott auserwähltes Volk. Und zwar um der Väter willen! Und diese „Väter” Israels sind auch diese „Wurzel” des Ölbaums. Viele der damaligen und auch der heutigen Israeliten gehören zu den Zweigen die ausgebrochen wurden. Wir, als gläubige Christen, wurden eingepfropft. Doch geben wir uns keiner Täuschung hin: nicht wir tragen die Wurzel, sondern die Wurzel trägt uns. Wir wären alleine nicht „lebensfähig”, wenn es diese Wurzel nicht geben würde.

Und hier muss nun eine Vorstellung ausgeräumt werden, welche hauptsächlich durch das orthodoxe Israel genährt wird. Nämlich die Auffassung, dass Gott Israel als gesamtes Volk erwählt hätte und daher – wenn überhaupt - sie alle diese „Wurzel” der Christen seien. Wie Paulus oben schreibt, sind sie wohl auserwählt, aber nicht auserwählt um ihretwillen, sondern um der Väter willen.

Diese Väter aber sind Abraham, Isaak und Jakob. Und dies waren keine Israeliten! Abraham kam aus Ur in Chaldäa und war demnach Babylonier. Erst als sein Enkel Jakob von Gott den Namen Israel erhalten hatte, begann mit dessen zwölf Söhnen die Existenz des Volkes Israel! Und damit sind sie alle „Zweige” und nicht „Wurzel”. Von Ruben, dem erstgeborenen Sohn Jakobs, über jene Israeliten, welche dem Pilatus „Kreuzige ihn” zugerufen hatten, bis zu den Israelis unserer Tage.

Aber auch für uns Christen ist es interessant zu erfahren, dass – wie uns Paulus oben, in Röm 11,17-18 sagt - unser glaubensmäßiger Ursprung auf jene Männer zurückgeht, welche gemeinhin als die Väter Israels bezeichnet werden, und zu erkennen, dass dies eben keine Israeliten waren. Da stellt sich natürlich die Frage, wo nun jener Zusammenhang zu sehen ist, welcher diese Männer auch zu unseren Urvätern im Glauben macht.

Und auch hier bekommen wir von Paulus in seinem Brief an die Römer, im Kapitel 4, eine Antwort. Es geht in diesem Kapitel 4 des Römerbriefes um die Behauptung der mosaischgläubigen Juden, dass die Rechtfertigung des Menschen nur durch die Einhaltung des „Gesetzes” - also der Gebote der Thora – möglich wäre. Und sie folgerten daraus, dass jeder christliche Gläubige sich z. B. auch nach dem Gesetz beschneiden lassen muss.

Die Argumentation des Paulus ist nun ebenso elegant wie scharfsinnig. Er weist ihnen nach, dass Abraham, den sie als ihren Stammvater sehen, zu dem Zeitpunkt, als Gott mit ihm einen Bund geschlossen hatte und er die Verheißungen Gottes empfing, noch gar nicht beschnitten war. Erst später in seinem Leben, mit 99 Jahren, als ihm Gott befahl alles was männlich ist in seinem Haus zu beschneiden, ließ auch er sich beschneiden.

Nicht in der Beschneidung, sondern in dem Unbeschnittensein wurde Abraham gerechtfertigt.

Röm 4,7 «Glückselig die, deren Gesetzlosigkeiten vergeben und deren Sünden bedeckt sind! 4,8 Glückselig der Mann, dem der Herr Sünde nicht zurechnet!»

4,9 Bezieht sich diese Seligpreisung nun auf die Beschneidung oder auch auf das Unbeschnittensein? Denn wir sagen, daß der Glaube dem Abraham zur Gerechtigkeit gerechnet worden ist. 4,10 Wie wurde er ihm denn zugerechnet? Als er beschnitten oder unbeschnitten war? Nicht in der Beschneidung, sondern in dem Unbeschnittensein. 4,11 Und er empfing das Zeichen der Beschneidung als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, den er hatte, als er unbeschnitten war, damit er Vater aller sei, die im Unbeschnittensein glauben, damit ihnen die Gerechtigkeit zugerechnet werde; 4,12 und Vater der Beschneidung, nicht allein derer, die aus der Beschneidung sind, sondern auch derer, die in den Fußspuren des Glaubens wandeln, den unser Vater Abraham hatte, als er unbeschnitten war. Röm 4, 7- 12;


Und dann dreht Paulus den argumentativen Spieß um und beweist, dass der Glaube der Christen nicht der Beschneidung der Juden zu seiner Gültigkeit bedarf wie es die Juden behaupteten. Sondern dass umgekehrt, die Beschneidung erst dann eine Heilswirkung hat, wenn – wie bei Abraham – vorher der Glaube vorhanden war.

Denn nicht durch Gesetz sondern durch Glauben wurde Abraham die Verheißung zuteil.

Röm 4,13 Denn nicht durch Gesetz wurde Abraham oder seiner Nachkommenschaft die Verheißung zuteil, daß er der Welt Erbe sein sollte, sondern durch Glaubensgerechtigkeit.

4,14 Wenn nämlich die vom Gesetz Erben sind, so ist der Glaube zunichte gemacht und die Verheißung aufgehoben. 4,15 Denn das Gesetz bewirkt Zorn; aber wo kein Gesetz ist, da ist auch keine Übertretung.

4,16 Darum ist es aus Glauben, daß es nach Gnade gehe, damit die Verheißung der ganzen Nachkommenschaft sicher sei, nicht allein der vom Gesetz, sondern auch der vom Glauben Abrahams, der unser aller Vater ist. Röm 4,13-16;


Mit der letzten Aussage oben, in Röm 4,16: „Abraham, der unser aller Vater ist”, bestätigt Paulus auch die Auffassung, dass Abraham tatsächlich unser aller – Juden (nach dem Fleisch) und Christen (nach dem Glauben) – Vater ist.

Und hier lässt sich nun auch die Frage beantworten, was Abraham und Isaak auch zu unseren – der Christen – geistigen Urvätern macht. Wie Paulus oben schreibt, ist Abraham nicht seine Gesetzesgerechtigkeit – wie sie die Juden forderten – angerechnet worden, sondern sein Glaube. Und dies ist nun genau jener Glaube, aus dem auch wir Christen unsere Gerechtigkeit und unsere Errettung erhoffen.

Doch Paulus geht in seiner Argumentation noch einen Schritt weiter. In seinem Brief an die Galater, die sichtlich auch durch die Juden eingeschüchtert waren und meinten unter das „Gesetz” und die Beschneidung zurückkehren zu müssen, offenbart ihnen Paulus die Bedeutung, welche die beiden Frauen Abrahams - Sarah, die Freie und Mutter Isaaks und ihre ägyptische Magd Hagar, die Mutter Ismaels - für die Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen haben.

Ihr aber, Brüder, seid wie Isaak Kinder der Verheißung.

Gal 4,22 Denn es steht geschrieben, daß Abraham zwei Söhne hatte, einen von der Magd und einen von der Freien; 4,23 aber der von der Magd war nach dem Fleisch geboren, der von der Freien jedoch durch die Verheißung. 4,24 Dies hat einen bildlichen Sinn; denn diese Frauen bedeuten zwei Bündnisse: eines vom Berg Sinai, das in die Sklaverei hinein gebiert, das ist Hagar. 4,25 Denn Hagar ist der Berg Sinai in Arabien, entspricht aber dem jetzigen Jerusalem, denn es ist mit seinen Kindern in Sklaverei. 4,26 Das Jerusalem droben aber ist frei, und das ist unsere Mutter. 4,27 Denn es steht geschrieben: «Freue dich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierst! Brich in Jubel aus und rufe laut, die du keine Geburtswehen erleidest! Denn viele sind die Kinder der Einsamen, mehr als die derjenigen, die den Mann hat.» 4,28 Ihr aber, Brüder, seid wie Isaak Kinder der Verheißung. 4,29 Aber so wie damals der nach dem Fleisch Geborene den nach dem Geist Geborenen verfolgte, so ist es auch jetzt. 4,30 Aber was sagt die Schrift? «Stoße die Magd und ihren Sohn hinaus! Denn der Sohn der Magd soll nicht mit dem Sohn der Freien erben.» 4,31 Daher, Brüder, sind wir nicht Kinder einer Magd, sondern der Freien. Gal 4,22-31;


Paulus macht hier der Urgemeinde in Galatien klar, dass die beiden Frauen Abrahams bildlich für die beiden Bünde Gottes mit den Menschen stehen. Hagar, die ägyptische Magd der Sarah, welche dem Abraham - auf Wunsch Sarahs, die bis dahin kinderlos geblieben war - als Erste einen Sohn - Ismael – geboren hatte, steht für den alten Bund. Und ebenso wie Hagar eine Sklavin und daher gebunden und nicht frei war, ist auch der alte Bund Israels an das Gesetz gebunden und nicht frei. Isaak hingegen, der Sohn Sarahs, welchen sie mit 90 Jahren auf die Verheißung Gottes hin dem Abraham geboren hatte, ist der Sohn der Freien, der Sohn der Verheißung und er steht daher hier für den neuen Bund.

Und nun offenbart Paulus den Galatern, dass Ismael, der Sohn der Sklavin, hier für das irdische Israel steht. Wie Hagar eine Sklavin war, sind auch die Israeliten unter der Sklaverei des Gesetzes. Isaak hingegen, der Sohn Sarahs, steht für die Christen. Sie sind die geistigen Kinder Sarahs, der Freien, und damit wie Isaak Kinder der Verheißung.

Nun ist es aber sehr wichtig, hier auf die Hintergründe klar hinzuweisen. Es geht hier grundsätzlich um die Rechtfertigung des Menschen. Und zwar seine Rechtfertigung vor Gott. Diese Rechtfertigung wird behindert durch die Sündhaftigkeit des Menschen, welche Gott nicht dulden kann. Die Sündhaftigkeit des Menschen wird nach dem mosaischen Gesetz - den Geboten Gottes – beurteilt. Wer gegen diese Gebote verstößt ist in Sünde und ist damit von Gott getrennt. Er ist geistlich tot.

Um nun dennoch die Rechtfertigung vor Gott und damit die Errettung zu erlangen, hat Gott den Israeliten im alten Bund das Tieropfer gewährt. Wobei dieses Tier symbolisch für die Sünden des Menschen sterben musste und der Mensch dadurch wieder geistliches Leben und Verbindung zu Gott erlangte.

Dann aber hat Gott seinen Sohn gesandt, der sich selbst als Opfer ohne Fehler Gott dargebracht hat und für die Sünden der ganzen Welt am Kreuz gestorben ist. Es ist also kein Tieropfer für die Sündenvergabe mehr erforderlich. Was allerdings erforderlich ist, ist die Annahme dieses Opfers für seine Sünden durch den Menschen. Erst wenn er dieses Opfer des Sohnes Gottes bewusst für die Vergebung seiner Sünden vor Gott annimmt, ist diese Vergebung aus Gnade auch gültig und der Mensch vor Gott wieder gerechtfertigt.

Und hier wird auch sehr deutlich: wenn die Israeliten damals den Sohn Gottes nicht verworfen hätten, hätte dieses stellvertretende Opfer des Gottessohnes für alle Menschen gar nicht stattgefunden und wir anderen Nationen hätten nur die Möglichkeit entweder dem mosaischen Glauben anzunehmen oder verloren zu sein.

Doch die Israeliten haben Jesus Christus als den Sohn Gottes und damit auch die Vergebung aus Gnade abgelehnt. Nachdem nun aber ein Tieropfer nach dem alten Bund nur im Tempel in Jerusalem möglich ist und dieser Tempel schon im Jahre 70 n. Chr. von Titus zerstört wurde, haben die Israeliten praktisch seit fast zweitausend Jahren keine Möglichkeit mehr, die Vergebung ihrer Sünden zu erlangen. Sie sind daher seit dieser Zeit geistlich tot.

Dies meint auch Paulus, wenn er weiter oben, in Röm 11,17-18 sagt, dass einige der natürlichen Zweige (die mosaischgläubigen Israeliten) herausgebrochen worden sind und wir (die Christen) als wilde Ölbaumzweige eingepfropft wurden. Wenn wir die abschließende Warnung des Paulus auch noch berücksichtigen, der uns in Röm 11,20-21 sagt: „Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich! Denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht geschont hat, wird er auch dich nicht schonen”, dann können wir sagen, dass wir als Christen in einer viel besseren Position als die mosaischgläubigen Israeliten sind. Wir haben den Glauben an den Sohn Gottes und dadurch die Vergebung aus Gnade. Wir benötigen daher (auch nach der Schrift) keine Beschneidung mehr. Die Auffassung der Juden hingegen: „Wir haben die Beschneidung und benötigen keinen Glauben an einen Sohn Gottes” hat – da sie ja dadurch keine Vergebung ihrer Sünden haben – keine Heilswirkung und kann sie daher auch nicht vor dem Zorn Gottes erretten. Nach den obigen Ausführungen des Paulus, ist allein der Glaube die Basis der Errettung und nichts anderes.

Und die kritische Situation, in der sich die Juden seit fast zweitausend Jahren befinden, ist der Umstand, dass sie nur eine Alternative haben: Entweder sie kommen zum Glauben an Jesus Christus, oder sie können nicht gerechtfertigt werden. Wenn sie aber zum Glauben kommen, ist das „automatisch” mit einer Anerkennung des Herrn Jesus als den Sohn Gottes und ihren Messias verbunden. Und das heißt, dass jeder mosaischgläubige Israelit nur die Möglichkeit hat entweder Christ zu werden oder verstockt und ungerechtfertigt zu bleiben.

Damit wären wir aber wieder bei der eingangs zitierten Auffassung, dass ein nicht konvertierter Israelit auch nicht zum Heil gelangen könnte.

Die Annahme Israels: Leben aus den Toten.

Nun spricht aber der Herr weiter oben, in Jh 10,14-16, von zwei Herden, welche zu einer Herde werden sollen. Manche glauben hier die Bestätigung dafür zu finden, dass eben die Juden sich zum Christentum bekehren müssten und dann auch zu dieser „christlichen Herde” gehören.

Dass hier aber nicht die Bekehrung ganz Israels zum christlichen Glauben gemeint sein kann, geht aus dem Text von Jh 10,16 hervor, wo es heißt: „Und ich habe andere Schafe, die nicht aus diesem Hof sind; auch diese muss ich bringen, ...”. Wenn man also hier schon einen Schluss ziehen wollte, dann eher den umgekehrten, dass nämlich die „anderen Schafe”, also die Christen, auf „diesen Hof”, nämlich zum mosaischen Glauben, gebracht werden sollen, was genauso unsinnig wäre.

Was ist also tatsächlich mit dieser Aussage des Herrn gemeint?

Für die Beantwortung dieser Fragen sollten wir zur Vereinfachung die gesicherten Fakten einmal ausklammern. Dass die eine Herde das Christentum, die Gemeinde ist, steht außer Zweifel. Dass die andere Herde Israel ist, steht ebenfalls fest, ist aber noch zu konkretisieren: jene Israeliten, welche sich bis zur Wiederkunft des Herrn zum christlichen Glauben bekehren, gelten demnach als Christen, haben auch die christliche Heilserwartung und stehen hier auch nicht mehr zur Diskussion.

Es geht also hier ausschließlich um jene Israeliten, welche sich bis zur Wiederkunft des Herrn nicht zum Christentum bekehren. Und von diesen sagt nun Paulus in 2Kor 3,14-16:

Aber ihr Sinn ist verstockt worden.

2Kor 3,14 Aber ihr Sinn ist verstockt worden, denn bis auf den heutigen Tag bleibt dieselbe Decke auf der Verlesung des Alten Testaments und wird nicht aufgedeckt, weil sie nur in Christus beseitigt wird.

3,15 Aber bis heute, sooft Mose gelesen wird, liegt eine Decke auf ihrem Herzen. 3,16 Dann aber, wenn es sich zum Herrn wendet, wird die Decke weggenommen. 2Kor 3,14-16;


Sie sind also verstockt und haben eine Decke des Unverständnisses über ihrem Angesicht, wenn sie die Schrift lesen. Doch wie Paulus auch sagt: dann, wenn sie sich zum Herrn bekehren, wird diese Decke weggenommen werden. Dies ist natürlich auch bei jenen Israeliten der Fall, welche sich einzeln zum Herrn bekehren. Doch Paulus meint hier nicht Einzelbekehrungen sondern er sagt: „Wenn es sich zum Herrn wendet” und meint mit diesem „es” Israel und zwar Israel als ganzes Volk.

Wir haben also hier denselben Zusammenhang, welchen Paulus auch schon weiter oben, im Römerbrief – Röm 11,25-26 – angesprochen hat, wenn er schreibt: „Verstockung ist Israel zum Teil widerfahren, bis die Vollzahl der Nationen hineingekommen sein wird; und so wird ganz Israel errettet werden.”

Diese Formulierung des Paulus „und so wird ganz Israel gerettet werden” hat nun schon die Ausleger vieler Generationen beschäftigt. Die Grundfrage ist: meint er damit nur die in der Endzeit lebenden Israeliten oder alle Israeliten welche jemals gelebt haben?

Der unmittelbar davor stehende Halbsatz „bis die Vollzahl der Nationen hineingekommen sein wird” ist ein klarer Hinweis auf das Ende der Gemeinde und damit auf die Wiederkunft des Herrn und die Entrückung. Aber in Konsequenz dann auch auf die Sammlung und Rückführung Israels in sein Land. Es ist also auch genau jener Zeitpunkt der Weltgeschichte, an dem die „Decke” vom Angesicht Israels weggenommen wird und Israel sich bekehrt und zum Herrn wendet, wie es oben 2Kor 3,16 prophezeit.

Doch Sammlung, Rückführung, auch Ausgießung des Geistes Gottes, sind Geschehnisse, welche nur die Endzeitgeneration der Israeliten erleben wird. Und wenn man den Text von 2Kor 3,16 betrachtet, heißt es ja dort auch: „Dann aber, wenn es (Israel) sich zum Herrn wendet, wird die Decke weggenommen”. Mit diesem „es” – welches ja für Israel steht – kann also eindeutig nur jene Generation gemeint sein, welche bei der Wiederkunft des Herrn auf Erden lebt.

Was ist aber mit Röm 11,26, meint Paulus dort mit „ganz” Israel auch nur diese Generation? Um diese Frage zu klären, sehen wir uns einen Text aus dem AT an:

So spricht der HERR zu diesen Gebeinen: ich bringe Odem in euch, daß ihr wieder lebendig werdet.

Hes 37,1 Die Hand des HERRN kam über mich, und er führte mich im Geist des HERRN hinaus und ließ mich nieder mitten im Tal; und dieses war voller Gebeine. 37,2 Und er führte mich ringsherum an ihnen vorüber; und siehe, es waren sehr viele auf der Fläche des Tales, und siehe, sie waren sehr vertrocknet. 37,3 Und er sprach zu mir: Menschensohn, werden diese Gebeine wieder lebendig? Und ich sagte: Herr, HERR, du weißt es. 37,4 Da sprach er zu mir: Weissage über diese Gebeine und sage zu ihnen: Ihr vertrockneten Gebeine, hört das Wort des HERRN! 37,5 So spricht der Herr, HERR, zu diesen Gebeinen: Siehe, ich bringe Odem in euch, daß ihr wieder lebendig werdet. 37,6 Und ich lege Sehnen an euch und lasse Fleisch über euch wachsen und überziehe euch mit Haut, und ich gebe Odem in euch, daß ihr wieder lebendig werdet. Und ihr werdet erkennen, dass ich der HERR bin.

37,7 Und ich weissagte, wie mir befohlen war. Da entstand ein Geräusch, als ich weissagte, und siehe, ein Getöse: und die Gebeine rückten zusammen, Gebein an Gebein.37,8 Und ich sah, und siehe, es entstanden Sehnen an ihnen, und Fleisch wuchs, und Haut zog sich über sie oben darüber; aber es war noch kein Odem in ihnen.

37,9 Und er sprach zu mir: Weissage dem Odem, weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Odem: So spricht der Herr, HERR: Komm von den vier Winden her, du Odem, und hauche diese Getöteten an, daß sie wieder lebendig werden! 37,10 Da weissagte ich, wie er mir befohlen hatte; und der Odem kam in sie, und sie wurden wieder lebendig und standen auf ihren Füßen, ein sehr, sehr großes Heer. Hes 37, 1-10;


Hesekiel sieht in dieser Vision ein großes Tal voll mit verdorrten Menschengebeinen. Und der Herr verheißt ihm, dass er diese Gebeine wieder zum Leben erwecken wird. In den folgenden Versen wird auch klar, wer diese Menschengebeine sind:

Und er sprach zu mir: Menschensohn, diese Gebeine, sie sind das ganze Haus Israel.

Hes 37,11 Und er sprach zu mir: Menschensohn, diese Gebeine, sie sind das ganze Haus Israel. Siehe, sie sagen: Unsere Gebeine sind vertrocknet, und unsere Hoffnung ist verloren; es ist aus mit uns. 37,12 Darum weissage und sprich zu ihnen: So spricht der Herr, HERR: Siehe, ich öffne eure Gräber und lasse euch aus euren Gräbern heraufkommen als mein Volk und bringe euch ins Land Israel. 37,13 Und ihr werdet erkennen, daß ich der HERR bin, wenn ich eure Gräber öffne und euch aus euren Gräbern heraufkommen lasse als mein Volk. 37,14 Und ich gebe meinen Geist in euch, dass ihr lebt, und werde euch in euer Land setzen. Und ihr werdet erkennen, daß ich, der HERR, geredet und es getan habe, spricht der HERR. Hes 37,11-14;


Diese Gebeine, welche der Herr wieder erwecken und lebendig werden lassen will, sind also das „ganze Haus Israel”, wie es in Vers Hes 37,11 heißt. Zwischen den beiden Texten aus Röm 11,26 und hier, Hes 37,11, gibt es demnach Übereinstimmung darin, dass in der Endzeit das ganze (Haus) Israel gerettet und wieder lebendig werden wird.

Wie nicht anders zu erwarten, scheuen fast alle Ausleger davor zurück, die Wiedererweckung dieser Gebeine des Hauses Israel wörtlich zu interpretieren. Nicht so sehr, weil der Text selbst dies nicht hergeben würde, sondern eher aus Angst davor, was sie dann mit diesem Ergebnis anfangen sollten. Die Schrift kennt – wie sie meinen - keine separate Auferstehung des Volkes Israel. Ihrer Meinung nach werden die mosaischgläubigen Israeliten aller Zeiten erst am Ende der Welt, bei der Allgemeinen Auferstehung aller in den Gräbern befindlicher Menschen auferstehen.

(Siehe auch das Kapitel 12: „Die Auferstehung.”)

Doch so schnell sollten wir die Flinte nicht ins Korn werfen. Noch dazu, wo es auch im NT einen möglichen Hinweis auf so ein Ereignis gibt. Und zwar genau in dem Abschnitt des Römerbriefes, welchen wir hier betrachten. In Röm 11,15 spricht Paulus auch vom „Leben aus den Toten”.

Was wird die Annahme anders sein als Leben aus den Toten?

Röm 11,15 Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird die Annahme anders sein als Leben aus den Toten? 11,16 Wenn aber das Erstlingsbrot heilig ist, so auch der Teig; und wenn die Wurzel heilig ist, so auch die Zweige. Röm 11,15-16;


Er spricht hier eindeutig von den Israeliten und meint, wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, d. h. dass nach der Ablehnung des Herrn Jesus durch die Israeliten, diese verworfen wurden und uns - den „Heiden” - das Heil angeboten wurde, dann muss ihre Annahme Leben aus den Toten - also eine Auferstehung sein. Es wird hier – zu Recht – darauf hingewiesen, dass damit natürlich die Auferweckung der Toten in Christus und ihre Entrückung mit den lebenden Christusgläubigen aus 1The 4,15-17 bzw. 1Kor 15,50-53 gemeint ist. Das ist übrigens ein Hinweis darauf, dass die Sammlung, Rückkehr und Umkehr des Volkes Israel zu seinem Gott zeitlich mit der Wiederkunft des Herrn Jesus und der Entrückung der Gemeinde der Endzeit zusammenfällt und daher nicht bereits im Jahre 1948, bei der Staatengründung Israels, stattgefunden haben kann, wie viele Ausleger vermuten.

Jedoch: ist damit die Aussage des Paulus „Leben aus den Toten” wirklich ausreichend erklärt? Kann man objektiverweise davon ausgehen, wenn Paulus hier von der Annahme der Israeliten spricht, dass dann mit dem folgenden „Leben aus den Toten” nur die Christen gemeint wären? Oder ist dieses „Leben aus den Toten” nicht eher ein umfassenderer Begriff, welcher möglicherweise auf alle jene verstorbenen Menschen anzuwenden ist, welchen der Herr zu diesem Zeitpunkt ihr Leben wieder geben will? Und dass Gott den Israeliten ihr Leben wieder geben will, ist oben, in Hes 37,11-12, eindeutig zum Ausdruck gekommen.

In der konventionellen Auslegung wird aber bei der Interpretation dieser Hesekielverse lieber ein Konnex zur Sammlung Israels in unseren Tagen hergestellt. Gerhard Salomon schreibt in seinem Buch „Was bald geschehen wird” (S 76):

„Mit dem Zusammenrücken der Totengebeine ist nichts anderes gemeint als die Rückkehr aus der Zerstreuung in das Land der Väter. Zwar handelt es sich noch um Totengebeine. Nach der Sprache der Bibel ist jeder, der nicht wiedergeboren ist, geistlich tot. (...) Hesekiel sieht nun, wie die Totengebeine mit Adern, Fleisch und Haut überzogen werden. Sie haben aber noch kein Leben. Diese zweite Etappe erfüllt sich dadurch, dass Israel sich einen Staat und alle Voraussetzungen für seine Existenz schafft. In diesem Geschehen sind wir heute mitten drin.”


Wenn das also tatsächlich so ist, dass wir uns mitten im Geschehen um die Annahme Israels durch seinen Gott befinden, dann müsste nach der Prophezeiung des Paulus in Röm 11,15 auch die Auferweckung der Toten – zumindest der Christen – mitten im Gange sein. Ist sie das?

Und heißt es in den Prophezeiungen tatsächlich dass „Israel sich selbst einen Staat und alle Voraussetzungen für seine Existenz schafft” oder ist nicht gerade oben, in Hes 37,12 die Rede davon, dass Gott der Herr spricht: „Siehe, ich öffne eure Gräber und lasse euch aus euren Gräbern heraufkommen als mein Volk und bringe euch ins Land Israel”?

Unabhängig davon, wie man diesen Zusammenhang nun sehen will, bleibt die Frage im Raum, ob in diesem Hesekieltext nicht doch auch eine Auferstehung der Israeliten prophezeit wird. Die Interpretation nur auf die Sammlung hin lässt nämlich einige wesentliche Aussagen unberücksichtigt.

Abgesehen von Gräbern, Toten, Gebeinen, welche man bei entsprechender „Symbolisierung” zur Not – siehe oben – noch in die Staatengründung Israels 1948 hininterpretieren kann, heißt es in Hes 37,9: „So spricht der Herr, HERR: Komm von den vier Winden her, du Odem, und hauche diese Getöteten an, daß sie wieder lebendig werden”. Es sind also nicht einfach Verstorbene, sondern „Getötete” welche hier von Gott auferweckt werden. Unter dieser Bezeichnung kann man weder die Israelis unserer Tage und ihre Rückkehr nach Israel, noch die Israeliten aller Zeiten pauschal zusammenfassen.

Und hier wird nun auch klar, warum es dann heißt: „das ist das ganze Haus Israel”. Das „Haus” Israel sind eben nicht alle Israeliten, sondern jene, welche wegen ihrer unerschütterlichen Haltung zu ihrem Gott getötet wurden. Da reicht der Bogen von den Propheten des AT, welche von den Königen Israels aus politischen Gründen hingerichtet wurden, bis zu den mosaischgläubigen Juden, welche wegen dieses ihres Glaubens von den Nazis in den Konzentrationslagern ermordet wurden.

Es sind somit die Märtyrer des Volkes Israel, welche Gott hier als „Haus” Israel bezeichnet. Und damit haben wir den Konnex zum NT und der Aussage aus Off 20,4:

Die Märtyrer werden in der Ersten Auferstehung lebendig.

Off 20,4 Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und das Gericht wurde ihnen übergeben; und ich sah die Seelen derer, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren, und die, welche das Tier und sein Bild nicht angebetet und das Malzeichen nicht an ihre Stirn und an ihre Hand angenommen hatten, und sie wurden lebendig und herrschten mit dem Christus tausend Jahre. 20,5 Die übrigen der Toten wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet waren. Dies ist die erste Auferstehung. Off 20, 4- 5;


In der Ersten Auferstehung werden nach diesem Text die Märtyrer – und nur diese wie der Text sagt – auferstehen. Es sind die Märtyrer aller Zeiten, sowohl des AT – „um des Wortes Gottes willen”, des NT „um des Zeugnisses Jesu willen”, aber auch jene Gläubigen, welche in der Endzeit im antichristlichen Reich getötet wurden: „welche das Tier und sein Bild nicht angebetet hatten”.

Und damit haben wir für diese Hesekielstelle auch eine Bestätigung aus dem NT: Diese Getöteten Israels, das „Haus Israel”, werden bei der Wiederkunft des Herrn – ebenso wie die christlichen Märtyrer - tatsächlich auferweckt werden, aus den Gräbern kommen und leiblich auferstehen, um mit Christus in seinem Reich tausend Jahre zu herrschen.

Doch dann gibt es noch jene „übriggebliebenen” Israeliten, welche beim Kommen des Herrn noch leben. Ihnen gelten diese Verheißungen der Sammlung, Rückführung, Sündenvergabe und der Ausgießung des Heiligen Geistes. Das ist das „Volk Gottes” im Millennium und das ist auch das von Paulus in Röm 11,26 erwähnte „ganz Israel”, welches dann errettet werden wird.

Und so wird ganz Israel errettet werden.

Röm 11,25 Denn ich will nicht, Brüder, daß euch dieses Geheimnis unbekannt sei, damit ihr nicht euch selbst für klug haltet: Verstockung ist Israel zum Teil widerfahren, bis die Vollzahl der Nationen hineingekommen sein wird; 11,26 und so wird ganz Israel errettet werden, wie geschrieben steht: «Es wird aus Zion der Erretter kommen, er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden; 11,27 und dies ist für sie der Bund von mir, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.» Röm 11,25-27;


Jener, der Israel sammeln und rückführen wird, ist der oben, in Röm 11,26 erwähnte „Erretter”, der aus Zion kommt und die Gottlosigkeit von Jakob (=Israel) abwenden wird. Und wie zahlreiche Schriftstellen - sowohl aus dem AT als auch aus dem NT - bestätigen, ist das natürlich der Herr Jesus. Eine dieser Verheißungen finden wir in Jes 49,1-6:

Christus wird Jakob zurückbringen und Israel zu seinem Gott versammeln.

Jes 49,1 Hört mir zu, ihr Inseln, und ihr Völker in der Ferne, merket auf! Der HERR hat mich berufen von Mutterleibe an; er hat meines Namens gedacht, als ich noch im Schoß der Mutter war. 49,2 Er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht, mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt. Er hat mich zum spitzen Pfeil gemacht und mich in seinem Köcher verwahrt. 49,3 Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch den ich mich verherrlichen will. 49,4 Ich aber dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz, wiewohl mein Recht bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott ist.

49,5 Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht bereitet hat, dass ich Jakob zu ihm zurückbringen soll und Israel zu ihm gesammelt werde, - darum bin ich vor dem HERRN wert geachtet, und mein Gott ist meine Stärke -, 49,6 er spricht: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der Heiden gemacht, dass du seiest mein Heil bis an die Enden der Erde. Jes 49, 1- 6;


Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist nicht nur das Licht der Heiden und das Heil Gottes bis an die Enden der Erde, er ist auch der Messias Israels, der kommen wird, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen.

Doch gerade dieses wollte und will Israel bis heute nicht annehmen. Dies gilt für die religiösen Führer Israels zur Zeit Jesu, die dachten Gottes Gebote zu erfüllen, indem sie den „Gotteslästerer” aus Nazareth ans Kreuz lieferten, ebenso wie für Theodor Herzl und seine Zionisten, welche meinten, nicht in der „Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten” (Hbr 3,6), sondern den Verheißungen Gottes etwas nachhelfen zu müssen, indem sie die Sammlung Israels vorzeitig einleiteten ohne auf den zu warten, von dem ihnen ihr Gott verheißen hat, dass er sie sammeln und zurückbringen wird: Jesus Christus, ihr Messias.


Israel im Lichte der Bibel.


Nach dem Alten Testament

Gott hat sein Erbarmen vom Haus Israel völlig weggenommen (Hos 1,6). Sie sind nicht mehr sein Volk (Hos 1,9). Nur das Haus Juda wird der Herr retten. Doch nicht durch Krieg, sondern durch seinen Geist (Hos 1,7). Erst im Millennium, wenn der Sohn Gottes seine tausendjährige Herrschaft auf Erden angetreten hat, (Hos 2,1.20; Hes 34,25; Jes 2,4) wird sie der Herr wieder als sein Volk annehmen (Hos 2,25; Jer 31,27-28).


Nach dem Neuen Testament

Es ist Gottes Wille, dass wir auf seinen Sohn hören (Mt 17,5). Dieser Sohn Gottes hat uns gesagt, dass jeder, der ihn verwirft, auch Gott verwirft (1Jh 2,23; Lk 10,16; Jh 5,22-23. 15,23). Das heutige Volk Israel leugnet den Sohn Gottes und beschimpft ihn als Betrüger und Gotteslästerer. Durch diese Leugnung des Sohnes hat Israel auch den Vater verworfen und ist somit ein Gott-loses Volk. (Jh 8,24)


Die "Israelfreunde" in den christlichen Gemeinden verkaufen daher ihr Erstgeburtsrecht als Jünger Christi gegen das Linsengericht eines Erfüllungsgehilfen von gottlosen Betrügern. – Es gibt für Israel keine geistliche Umkehr zu ihrem Gott und keine gottgewollte Rückkehr in ihr Land, es sei denn, sie bekehren sich zu Jesus Christus!! (Mt 23,38-39; Gal 5,4) – (Siehe auch Diskurs 111)



Und gleichwie die Kreuzigung ihres Messias’ das Volk Israel um Tausende von Jahren in seiner Heilsentwicklung zurückgeworfen hat, hat auch die eigenmächtige und vorzeitige Rückkehr den Israeliten viel unnötiges Leid und Tausende von Toten in ihrem Kampf gegen die Palästinenser gebracht.

Doch ebenso, wie damals Kaiphas und der Sanhedrin die Heilsgeschichte Gottes mit Israel zwar verzögerten und ihrem eigenen Volk Jahrtausende der Verfolgung, Ächtung und Zerstreuung brachten, dadurch jedoch die endgültige Rettung Israels durch ihren Messias nicht verhindern konnten, wird auch diese vorzeitige Sammlung in unseren Tagen den Weg Israels mit seinem Gott zwar be- aber keinesfalls verhindern können. Denn die Verheißungen Gottes für sein Volk Israel können ihn nicht gereuen und sie werden alle, bis auf die kleinste, im tausendjährigen Friedensreich ihres Messias die Erfüllung finden.

In diesem Reich, dem Millennium, wird es dann auch keine „Gläubigen” mehr geben. Die Zeit des Glaubens und der Gläubigen ist jetzt und solange, als sich der Sohn Gottes nicht geoffenbart hat. Hier haben die Menschen die Chance durch ihr bewusstes Bekenntnis im Glauben zu Jesus Christus ihre Errettung zu erwirken, wie es in Jh 20,29 heißt: „Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben!”

Wenn sich jedoch der Herr den Menschen dieser Welt in Herrlichkeit zeigen wird, ist die Zeit des Glaubens vorbei. Alle Menschen, die sich zum sichtbaren Sohn Gottes bekennen – ob aus Israel oder anderen Nationen – sind dann Volk Gottes. Alle die ihm widerstehen, werden die Folgen zu tragen haben.

Daraus ist nun recht deutlich zu erkennen, dass sich die Gemeinde und Israel nicht gegenseitig ihre Position streitig machen müssen. Die gläubigen Christen – also die Gemeinde – und das Volk Gottes in Israel haben ganz unterschiedliche und völlig voneinander getrennte Heilswege. Während die Gemeinde ihre Basis im Glauben an den Herrn Jesus Christus hat, und Glaube ja nur dann als solcher gelten kann, solange es keine Offenbarung gibt, wartet das Volk Gottes in Israel auf eben diese Offenbarung ihres Messias’, um dann umzukehren und gerettet zu werden.

(Siehe auch die Tabelle 08: „Der Heilsweg”.)

Die Auferweckung der Toten in Christus und ihre Entrückung mit den Lebenden.

Obwohl nun das Endziel beider „Herden” des Herrn gleich ist – sie werden beide im himmlischen Jerusalem in der Neuen Schöpfung vereint sein – ist der Weg dorthin auch unterschiedlich. Wie uns schon Paulus in 1The 4,15-18 und 1Kor 15,50-53 sagt, werden die „Toten in Christus” - also die verstorbenen gläubigen Christen – bei der Wiederkunft des Herrn auferweckt und mit den lebenden Gläubigen zum Herrn in den Himmel entrückt und dort allezeit beim Herrn sein.

Wir werden entrückt dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein.

1The 4,15 Denn dies sagen wir euch in einem Wort des Herrn, daß wir, die Lebenden, die übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden. 4,16 Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; 4,17 danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein. 4,18 So ermuntert nun einander mit diesen Worten. 1The 4,15-18;

Die Toten werden auferweckt unverweslich, die Lebenden werden verwandelt.

1Kor 15,50 Dies aber sage ich, Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können, auch die Vergänglichkeit nicht die Unvergänglichkeit erbt. 15,51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, 15,52 in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune; denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden, unvergänglich sein, und wir werden verwandelt werden. 15,53 Denn dieses Vergängliche muss Unvergänglichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen. Kor 15,50-53;


Auch der Herr selbst prophezeit uns dieses Ereignis in Mt 24,29:

Er wird seine Engel senden, und sie werden seine Auserwählten sammeln.

Mt 24,29 Sogleich aber nach der Trübsal jener Zeit wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. 24,30 Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und dann werden wehklagen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. 24,31 Und er wird seine Engel senden mit hellen Posaunen, und sie werden seine Auserwählten sammeln von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern. Mt 24,29-31;


Der Herr wird in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit kommen und alle Menschen werden ihn sehen. Dann wird er seine Engel senden und sie werden die noch lebenden Gläubigen auf der ganzen Welt sammeln und diese werden – gemeinsam mit den auferweckten toten Gläubigen - zum Herrn in die Luft entrückt werden.

Die Sammlung dieser Auserwählten wird in der Realität innerhalb kürzester Zeit, in wenigen Minuten, weltweit erfolgen. Einen wichtigen Aspekt dieser Sammlung streicht der Herr jedoch besonders hervor:

Wer sein Leben zu retten sucht, wird es verlieren; und wer es verliert, wird es erhalten.

Lk 17,30 Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Menschen geoffenbart wird. 17,31 An jenem Tag - wer auf dem Dach sein wird und sein Gerät im Haus hat, der steige nicht hinab, um es zu holen; und wer auf dem Feld ist, wende sich ebensowenig zurück. 17,32 Gedenkt an Lots Frau! 17,33 Wer sein Leben zu retten sucht, wird es verlieren; und wer es verliert, wird es erhalten. 17,34 Ich sage euch: In jener Nacht werden zwei auf einem Bett sein; einer wird genommen und der andere gelassen werden. 17,35 Zwei werden zusammen mahlen, die eine wird genommen, die andere gelassen werden. Lk 17,30-35;


Und der Herr meint hier, in Lk 17,30-35, zweierlei: Zum Einen sollte in diesen entscheidenden Minuten niemand zurückblicken – auch und gerade nicht gedanklich – oder gar versuchen noch schnell seine Habseligkeiten zusammenzuraffen. Dort wo er nun hingeht, wird er irdische Güter nicht mitnehmen können und auch nicht mehr benötigen.

Zum Anderen sollten diese Gläubigen in diesem Moment genau dort verharren, wo sie sich gerade befinden. Ob auf dem Dach, im Haus, im Bett oder auf dem Feld. Dort wo sie gerade sind, werden sie die Engel des Herrn abholen, sie verwandeln, also „überkleiden”, wie es Paulus auch in 2Kor 5,4 formuliert, und mit sich fortnehmen, dem Herrn in den Wolken entgegen.

Dieses „Überkleiden” wird „in einem Nu, in einem Augenblick” geschehen und dabei wird „dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen”, schreibt Paulus oben, in 1Kor 15,52-53. Das heißt aber, dass diese Gläubigen in diesem Moment physisch sterben werden. Sie werden nicht tot umfallen, aber sie werden diese Phase des biologischen Todes – zwar in einem Nu, aber doch – durchlaufen und sich anschließend mit einem unsterblichen Geistleib wiederfinden. Das bestätigen uns auch folgende Bibelstellen:

Den Menschen ist es bestimmt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht.

Hbr 9,27 Und wie es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht. Hbr 9,27;

Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist.

Jh 3,6 Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist. Jh 3,6;


Diese Gläubigen der Endzeit müssen also bei der Entrückung „aus dem Geist geboren werden” und damit müssen sie im Fleisch sterben. Wer nun allerdings vor diesem Sterben flieht, und versucht sein irdisches Leben zu retten, wird dennoch seinen biologischen Körper verlieren, aber den Geistleib nicht erhalten können und daher tatsächlich physisch tot sein. Und genau davor warnt der Herr in Lk 17,33, wenn er sagt: „Wer sein Leben zu retten sucht, wird es verlieren; und wer es verliert, wird es erhalten”.

Wir sehen also, dass auch bei den Christen eine Sammlung bei der Wiederkunft des Herrn stattfindet. Und zwar eine Sammlung zum Leben beim Herrn im Himmel.

(Siehe auch Kapitel 062: „Die Entrückung”.)

Doch auch die Israeliten werden bei der Wiederkunft ihres Messias – auf Erden - gesammelt. Sie bekommen hingegen vorerst ihre irdischen Verheißungen erfüllt:

Der Überrest seiner Brüder wird heimkehren samt den Kindern Israels.

Mi 5,1 Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von der Urzeit her gewesen ist. 5,2 Indes wird er sie dahingeben bis auf die Zeit, dass die, welche gebären soll, geboren hat. Da wird dann der Rest seiner Brüder heimkehren samt den Söhnen Israels (Buber). 5,3 Er aber wird auftreten und weiden in der Kraft des HERRN und in der Macht des Namens des HERRN, seines Gottes. Und sie werden sicher wohnen; denn er wird zur selben Zeit herrlich werden, so weit die Welt ist. Mi 5, 1- 3;

Der Herr wendet die Gefangenschaft Israels und pflanzt sie wieder in ihr Land.

Amos 9,14 Denn ich will die Gefangenschaft meines Volks Israel wenden, dass sie die verwüsteten Städte wieder aufbauen und bewohnen sollen, dass sie Weinberge pflanzen und Wein davon trinken, Gärten anlegen und Früchte daraus essen. 9,15 Denn ich will sie in ihr Land pflanzen, dass sie nicht mehr aus ihrem Land ausgerottet werden, das ich ihnen gegeben habe, spricht der HERR, dein Gott. Amos 9,14-15;

Es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass ich das Geschick meines Volks wenden will.

Jer 30,3 Denn siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass ich das Geschick meines Volks Israel und Juda wenden will, spricht der HERR; und ich will sie wiederbringen in das Land, das ich ihren Vätern gegeben habe, dass sie es besitzen sollen. Jer 30, 3;

Die zerfallene Hütte Davids wird wieder aufgerichtet.

Amos 9,11 Zur selben Zeit will ich die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten und ihre Risse vermauern und, was abgebrochen ist, wieder aufrichten und will sie bauen, wie sie vorzeiten gewesen ist, 9,12 damit sie in Besitz nehmen, was übrig ist von Edom, und alle Heiden, über die mein Name genannt ist, spricht der HERR, der solches tut. Amos 9,11-12;

Die Übriggebliebenen in Israel werden auf den Namen des Herrn trauen.

Zeph 3,11 Zur selben Zeit wirst du dich all deiner Taten nicht mehr zu schämen brauchen, mit denen du dich gegen mich empört hast; denn ich will deine stolzen Prahler von dir tun, und du wirst dich nicht mehr überheben auf meinem heiligen Berge. 3,12 Ich will in dir übrig lassen ein armes und geringes Volk; die werden auf des HERRN Namen trauen. 3,13 Und diese Übriggebliebenen in Israel werden nichts Böses tun noch Lüge reden, und man wird in ihrem Munde keine betrügerische Zunge finden, sondern sie sollen weiden und lagern ohne alle Furcht. Zeph 3,11-13;

Der Herr wird die Zerstreuten sammeln und sie zu Ehren bringen unter den Völkern.

Zeph 3,19 Siehe, zur selben Zeit will ich mit allen denen ein Ende machen, die dich bedrängen, und will den Hinkenden helfen und die Zerstreuten sammeln und will sie zu Lob und Ehren bringen in allen Landen, wo man sie verachtet. 3,20 Zur selben Zeit will ich euch heimbringen und euch zur selben Zeit sammeln; denn ich will euch zu Lob und Ehren bringen unter allen Völkern auf Erden, wenn ich eure Gefangenschaft wenden werde vor euren Augen, spricht der HERR. Zeph 3,19-20;

Und ich will mein Angesicht nicht mehr vor ihnen verbergen.

Hes 39,26 Sie aber sollen ihre Schmach und alle ihre Sünde, mit der sie sich an mir versündigt haben, vergessen, wenn sie nun sicher in ihrem Lande wohnen und niemand sie schreckt 39,27 und ich sie aus den Völkern zurückgebracht und aus den Ländern ihrer Feinde gesammelt und an ihnen vor den Augen vieler Heiden gezeigt habe, dass ich heilig bin. 39,28 Dann werden sie erkennen, dass ich, der HERR, ihr Gott bin, der ich sie unter die Heiden weggeführt habe und wieder in ihr Land sammle und nicht einen von ihnen dort zurücklasse. 39,29 Und ich will mein Angesicht nicht mehr vor ihnen verbergen; denn ich habe meinen Geist über das Haus Israel ausgegossen, spricht Gott der HERR. Hes 39,26-29;

Die Übriggebliebenen aus Israel werden sich bekehren zu dem Herrn, ihrem Gott.

5Mo 4,27 Und der HERR wird euch zerstreuen unter die Völker, und es wird von euch nur eine geringe Zahl übrig bleiben unter den Heiden, zu denen euch der HERR wegführen wird. 4,28 Dort wirst du dienen den Götzen, die das Werk von Menschenhänden sind, Holz und Stein, die weder sehen noch hören noch essen noch riechen können.

4,29 Wenn du aber dort den HERRN, deinen Gott, suchen wirst, so wirst du ihn finden, wenn du ihn von ganzem Herzen und von ganzer Seele suchen wirst. 4,30 Wenn du geängstet sein wirst und dich das alles treffen wird in künftigen Zeiten, so wirst du dich bekehren zu dem HERRN, deinem Gott, und seiner Stimme gehorchen.

4,31 Denn der HERR, dein Gott, ist ein barmherziger Gott; er wird dich nicht verlassen noch verderben, wird auch den Bund nicht vergessen, den er deinen Vätern geschworen hat. 5Mo 4,27-31;

Die Übriggebliebenen von Israel werden sich bekehren zu ihrem Gott.

Jes 10,20 Zu der Zeit werden die Übriggebliebenen von Israel und, was entkommen ist vom Hause Jakob, sich nicht mehr verlassen auf den, der sie schlägt, sondern sie werden sich verlassen auf den HERRN, den Heiligen Israels, in Treue. 10,21 Ein Rest wird sich bekehren, ja, der Rest Jakobs, zu Gott, dem Starken. Jes 10,20-21;

Die Israeliten werden ihren Gott und ihren König David suchen in letzter Zeit.

Hos 3,4 Denn lange Zeit werden die Israeliten ohne König und ohne Obere bleiben, ohne Opfer, ohne Steinmal, ohne Efod und ohne Hausgott. 3,5 Danach werden sich die Israeliten bekehren und den HERRN, ihren Gott, und ihren König David suchen und werden mit Zittern zu dem HERRN und seiner Gnade kommen in letzter Zeit. Hos 3, 4- 5;

Sie sollen darin wohnen für immer, und mein Knecht David soll für immer ihr Fürst sein.

Hes 37,25 Und sie sollen wieder in dem Lande wohnen, das ich meinem Knecht Jakob gegeben habe, in dem eure Väter gewohnt haben. Sie und ihre Kinder und Kindeskinder sollen darin wohnen für immer, und mein Knecht David soll für immer ihr Fürst sein. Hes 37,25;

Mein Knecht David soll der Fürst unter ihnen sein.

Hes 34,23 Und ich will ihnen einen einzigen Hirten erwecken, der sie weiden soll, nämlich meinen Knecht David. Der wird sie weiden und soll ihr Hirte sein, 34,24 und ich, der HERR, will ihr Gott sein, aber mein Knecht David soll der Fürst unter ihnen sein; das sage ich, der HERR. Hes 34,23-24;

Sie werden ihrem Gott und ihrem König David dienen, den ich ihnen erwecken will.

Jer 30,8 Es soll aber geschehen zu dieser Zeit, spricht der HERR Zebaoth, dass ich das Joch auf deinem Nacken zerbrechen will und deine Bande zerreißen. Sie werden nicht mehr Fremden dienen, 30,9 sondern dem HERRN, ihrem Gott, und ihrem König David, den ich ihnen erwecken will. Jer 30, 8- 9;

Und die Heiden sollen erfahren, dass ich der HERR bin.

Hes 36,22 Darum sollst du zum Hause Israel sagen: So spricht Gott der HERR: Ich tue es nicht um euretwillen, ihr vom Hause Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr entheiligt habt unter den Heiden, wohin ihr auch gekommen seid. 36,23 Denn ich will meinen großen Namen, der vor den Heiden entheiligt ist, den ihr unter ihnen entheiligt habt, wieder heilig machen. Und die Heiden sollen erfahren, dass ich der HERR bin, spricht Gott der HERR, wenn ich vor ihren Augen an euch zeige, dass ich heilig bin. 36,24 Denn ich will euch aus den Heiden herausholen und euch aus allen Ländern sammeln und wieder in euer Land bringen, 36,25 und ich will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet; von all eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen. Hes 36,22-25;


Zusammenfassung

Die Wiederkunft des Herrn bringt also die Auferweckung und Entrückung in den Himmel und damit das Ende der Gemeinde auf Erden und einige Jahre später die Umkehr und Sammlung des Volkes Israel in seinem Land. Die gläubigen Christen werden dann im Himmel beim Herrn sein, während das dann lebende Volk Gottes aus Israel mit den Bekehrten aus allen Nationen die folgenden tausend Jahre mit seinem Messias und seinem auferweckten König David das „Haupt unter den Völkern” auf Erden sein wird.

Obwohl also Israel das erste Volk Gottes war, hat es durch seine Verstocktheit diesen Anspruch verloren. Die gläubigen Christen werden vor dem Millennium als Erste in das Himmelreich eingehen. Damit erfüllt sich dann auch die Prophezeiung des Herrn in Mt 19,30:

Aber viele Erste werden Letzte und Letzte Erste sein.

Mt 19,29 Und ein jeder, der Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Kinder oder Äcker um meines Namens willen verlassen hat, wird hundertfach empfangen und ewiges Leben erben. 19,30 Aber viele Erste werden Letzte und Letzte Erste sein. Mt 19,29-30;


Die im Millennium lebenden Israeliten und die Bekehrten aus den Nationen werden dann erst am Ende der Welt, nach dem Letzten Gericht, das ewige Leben erhalten. Und mit ihnen auch alle jene seit Abraham verstorbenen Israeliten, welche an dem Glauben an ihren Gott bis zum Tod festgehalten haben. Da an der Auferweckung/Entrückung und der Ersten Auferstehung nur verstorbene Christusgläubige bzw. getötete Märtyrer – hier aber sowohl aus Israel als auch aus der Gemeinde – teilnehmen, müssen auch diese „normal” verstorbenen atl. Gläubigen des Volkes Israel bis zum Weltgericht warten.

Und so ist dann auch die Prophezeiung des Paulus in Röm 11,26 erfüllt, dass dadurch, dass Gott ihre Sünden wegnimmt, schließlich das ganze gläubige Israel gerettet wird.

In den tausend Jahren des Millenniums wird Israel aber in jener Ruhe auf Erden leben, welche Gott ihnen seit Anbeginn verheißen hat. Die Realität dieser noch zu erwartenden Ruhe für das Volk Israel hat der Schreiber des Briefes an die Israeliten (Hebräer) anhand der Schrift sehr gut nachgewiesen.

Also bleibt noch eine Sabbatruhe dem Volk Gottes übrig.

Hbr 4,8 Denn wenn Josua sie in die Ruhe gebracht hätte, würde er danach nicht von einem anderen Tag geredet haben. 4,9 Also bleibt noch eine Sabbatruhe dem Volk Gottes übrig. Hbr 4, 8;

(Siehe auch Kapitel 10: „Das Millennium”.)

Nach diesen tausend Jahren, am Ende der Welt, nach der Allgemeinen Auferstehung und dem Letzten Gericht, wird dann auch das ganze gläubige Volk Gottes aus Israel und den Nationen gemeinsam mit den bereits vor dem Millennium auferstandenen Christusgläubigen, aus der alten Erde und dem alten Himmel der ersten Schöpfung die vergehen wird, in die ewige Neue Schöpfung Gottes, ins himmlische Jerusalem einziehen.

Wie so oft in der Geschichte der Menschheit ist auch hier zu erkennen, dass Gott jedem das rechte Maß zuteilt, die Menschen jedoch aus Unglauben und Selbstüberschätzung die Wege Gottes verlassen und ihre eigenen Wege gehen. Damit schaden sie sich jedoch immer wieder selbst und daraus entstehen dann Zank, Feindschaft und sogar Hass.

Wir sollten daher nicht versuchen, die Verheißungen, welche Israel gelten, auf die Gemeinde hin zu interpretieren. Wir würden damit nichts gewinnen sondern viel verlieren. Nämlich unsere Verheißung, schon während des Millenniums beim Herrn im Himmel – und nicht wie Israel auf Erden - zu sein.

Und wenn nun manche Ausleger meinen, damit würde der Gemeinde die Verheißung aberkannt, im Millennium mit dem Herrn gemäß Off 20,4 auf Erden zu herrschen, so berücksichtigen sie einerseits nicht, dass diese Aufgabe im selben Satz dieses Verses nur jenen zugesprochen wird, die „enthauptet” wurden – also den Märtyrern aus Israel und der Gemeinde - und eben nicht der ganzen Gemeinde.

Andererseits muss man sich fragen, wo bei dieser Erwartung der Schwerpunkt liegt: im Millennium beim Herrn zu sein oder zu herrschen. Wenn sie beim Herrn sein wollen, dann müsste diese Verheißung des Paulus in 1The 4,17, dass wir dann allezeit beim Herrn im Himmel sein werden, für sie die Erfüllung aller Wünsche sein. Sollten sie aber nur auf Erden herrschen wollen, dann disqualifizieren sie sich gerade aus diesem Grunde selbst für diese Aufgabe.

Die Gemeinde und Israel haben zwar einen gemeinsamen Hirten und werden in der Neuen Schöpfung eine einzige Herde sein. Doch auf ihrem Weg dorthin gibt es da wie dort immer wieder Verirrungen und Verstrickungen. Wenn nun schon die gottlose Welt immer wieder erfolgreich versucht, das Volk Gottes in Israel und jenes in den Nationen – nämlich die Gemeinde – zu bekämpfen und in Zank und Streit zu verwickeln, so sollten wir uns nicht auch noch selbst gegenseitig unsere Zugehörigkeit zu dem einen und einzigen Gott, dem Allmächtigen und seinem Sohn Jesus Christus streitig machen.