Diskurs 40 - Gibt es Fehler in der Bibel?




Die kirchliche Lehre über die Inspiration der Bibel. / Buch James M. Boice 00, Seite 9

Die Evangelikalen und die Lehre von der Irrtumslosigkeit.

Das Wort Gottes.

Die Übersetzungen.

Die Inspiration der Schriftautoren.

Die Inspiration der Schriftleser.

Die Auslegung der Schrift.

Kann der Heilige Geist Lügen eingeben? / Replik Josef Karpisek 00, 2002-11-16


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Die kirchliche Lehre über die Inspiration der Bibel / John H. Gerstner, Buch JB00, Seite 9+))

Das einzige Fundament für die volle Autorität der Bibel besteht darin, daß die Bibel das Wort Gottes ist. Wenn die Bibel nicht das Wort Gottes ist, besitzt sie keine göttliche Autorität. Wir wissen, daß einige, die mit der Irrtumslosigkeit der Bibel nicht einverstanden sind, doch für Teile der Bibel, für die sogenannten heilsnotwendigen Teile, an der Inspiration festhalten. Nun gut, aber dann können sie ihren Standpunkt nicht als Festhalten an der biblischen Autorität, sondern nur als Festhalten an einer eingeschränkten, partiellen biblischen Autorität bezeichnen. Und dadurch, daß sie nicht genau mitteilen können, welche Texte der Bibel inspiriert sind, fügen sie dem ohnehin schon am Wort Gottes begangenen Unrecht auch noch eine Beleidigung hinzu. Sie sprechen zwar von den „heilsnotwendigen Teilen”, aber sie teilen uns nicht mit, wo sich diese Teile befinden und wie wir sie von den nicht inspirierten, mit Irrtum behafteten und nicht heilsnotwendigen Teilen unterscheiden können. (Hervorhebungen durch Gerstner)

John H. Gerstner ist em. Professor für Kirchengeschichte am Pittsburgh Theological Seminary.

+) Der Auszug ist dem Buch „Die Unfehlbarkeit der Bibel” von James M. Boice, in Fundamentum, Verlag Schulte + Gert Asslar, ISBN 3-87739-053-6 entnommen.



Der Titel des obigen Buches: „Die Unfehlbarkeit der Bibel” ist ein Widerspruch in sich. Unfehlbarkeit – also keine Fehler machen – setzt handeln voraus. Handeln können nur natürliche Personen. Die Bibel aber ist ein Buch, damit tote Materie und kann daher nicht unfehlbar sein.

Mit dieser Ansicht stehen wir im evangelikalen Christentum ganz im Gegensatz zum Islam, wo der Koran als „von Gott vom Himmel herab gegeben”, als „ungeschaffenes Wort Gottes” geküsst wird und verehrungswürdig ist. Eine derartige – nach evangelikalem christlichen Urteil – Vergötzung von toter Materie finden wir in Ansätzen leider auch in der katholischen Kirche (Anbetung von Heiligenbildern, Reliquienverehrung etc.). Auch wenn die Vertreter dieser Kirche diese Götzenanbetung mit dem Argument verschleiern wollen, dass die „Muttergottes” und die „Heiligen” der katholischen Kirche nicht angebetet, sondern nur verehrt würden, sprechen die Tatsachen doch eine ganz andere Sprache.

Der am 2. Mai 1999 „selig” und im Mai 2002 „heilig” gesprochene KapuzinerPadre Pio, hat in seiner Heimat Apulien, Süditalien, seit 1940 große Wunder gewirkt. Durch Wunderheilungen ist er – zumindest in Westeuropa - weithin bekannt geworden und hat wahre Pilgerströme nach San Giovanni Rotondo bewirkt. Dass dieser „Heilige” der katholischen Kirche nun nicht nur verehrt sondern tatsächlich angebetet wird, beweist ein Gebet, welches dem Kirchenvolk zu beten empfohlen wurde:

„Padre Pio, mögen die Heilungen der Kranken das Zeugnis dafür werden, dass der Herr dich eingeladen hat, der seligen Gemeinschaft der Heiligen beizuwohnen. Bitte hilf mir in deiner Güte bei meinem besonderen Anliegen ...”. Dieses Zitat ist dem Buch „Die okkulte Invasion” von Dave Hunt, CLV, Bielefeld entnommen, wo auch noch weitere Zeugnisse für die okkulten Wunder des Pater Pio nachzulesen sind.

Padre Pios kleines Geheimnis

Aus Anlaß des 40. Todestages von Pade Pio - inzwischen der Heilige Pio von Pietrelcina – wird z.Z. sein Leichnam in einem Glas-Sarg in seinem Kloster San Giovanni Rotondo in Puglia, Süditalien, ausgestellt. 700,000 Pilger haben vorgebucht, um einen Blick auf den Heiligen zu werfen, der – wie er behauptete - die blutenden Wunden Jesu trug. Die Pilger könnten enttäuscht sein: von den berühmten Stigmata an seinen Händen und Füßen ist keine Spur mehr zu sehen, obwohl seine Haut noch intakt ist. 

Padre Pio hatte ein kleines Geheimnis. Er pflegte seine heiligen Wunden selbst zu kreieren – mit Karbol-Säure. Er war ein "unwissender und zur Selbstverstümmelung neigender Psychopath, der die Gutgläubigkeit der Leute ausnutzte", sagt der Gründer von Roms Katholischem Universitätskrankenhaus. Der Historiker Sergio Suzette kam Padre Pio im vergangenen Jahr auf die Schliche. Seine Forschung stützte sich auf ein Dokument, das er im Vatikan-Archiv fand. Es war die Zeugenaussage einer Apothekerin von San Giovanni Rotunda, von der der Padre Säure bezogen hatte.

Er hatte ihr eröffnet, daß er diese zur Sterilisierung von Nadeln brauchte und sie zum Stillschweigen darüber verpflichtet. Während des Prozesses seiner Beatifikation war dieses Dokument geprüft, aber zurückgewiesen worden. Der Vatikan war offenbar nicht geneigt, sich ein großartiges Wunder verderben zu lassen. Im übrigen war der damals amtierende Papst Johannes Paul II in seinen jungen Jahren selbst unter den Pilgern gewesen, die den langen Weg nach Puglia wanderten, um Padre Pios Segen zu empfangen.

Padre Pio


(Quelle: RATIONALIST INTERNATIONAL)



Aber auch Calvin bewegt sich an der Grenze des Interpretationsspielraums, wenn er sagt: „Das ist das erste, dass wir der Schrift dieselbe Verehrung entgegenbringen wie Gott, weil sie von Gott allein hergeflossen ist und keine menschliche Beimischung in sich trägt”.

Nach evangelikalem Verständnis ist aber die Bibel weder anbetungswürdig noch verehrungswürdig und auch die Eigenschaft der Unfehlbarkeit muss ihr – siehe oben - abgesprochen werden.

Im übrigen ist nur der dreieinige Gott unfehlbar. Sonst niemand. Und schon gar nicht die Bibel. Wir sollten daher in diesem Zusammenhang nicht von der Unfehlbarkeit, sondern von der Irrtumslosigkeit der Bibel sprechen.

Die Evangelikalen und die Lehre von der Irrtumslosigkeit.

Die Argumentation für und wider die Irrtumslosigkeit der Bibel füllt Bände, wenn nicht sogar Bibliotheken. Eine große Zahl internationaler theologischer Institute schließt eine Aussage über die Irrtumslosigkeit der Bibel in ihre theologischen Grundlagen ein. Viele Denominationen fordern von ihren Amtsträgern und für die Ordination zum christlichen Dienst die Verpflichtung zum Glauben und zur Lehre der Irrtumslosigkeit der Bibel.

Umgekehrt wird in diesen Kreisen oft jemand der an dieser Doktrin zweifelt, als „nicht evangelikal” eingestuft. Und hier zeigt sich schon die erste Fehleinschätzung. Gerade jene Denominationen, welche sich in dieser Beziehung besonders hervortun, haben in den letzten hundert Jahren den Begriff „evangelikal” völlig nivelliert und ausgehöhlt. Und zwar auf eine Art und Weise, dass man neben Lutheranern, Reformierten, Anglikanern, Baptisten auch alle jene Kirchen und Bewegungen als „evangelikal” bezeichnet, welche ursprünglich durch eine orthodox protestantische oder evangelische Theologie gekennzeichnet waren, jedoch ohne Rücksicht darauf zu nehmen, ob diese Gruppierungen weiter an der überlieferten evangelischen Lehre festhalten oder nicht. Unter diesem Gesichtspunkt könnte man heute fast auch schon die katholische Kirche als „evangelikal” bezeichnen.

Wenn wir uns nun fragen was „evangelikal” tatsächlich bedeutet, müssen wir an die Wurzeln dieses Begriffes in der Bibel selbst zurückkehren. Und dort finden wir das „euangelion”, die „gute Nachricht” des Christentums, als den Ausgangspunkt für dieses Wort. Was aber ist nun die „gute Nachricht”? Auch diese Bezeichnung unterliegt in unserer Zeit immer mehr einer Entleerung des Inhaltes, bis dahin, dass man darunter nur einfach eine andere Bezeichnung für die Bibel selbst sieht.

Evangelium - und davon abgeleitet „evangelikal” - hat aber ursprünglich eine ganz konkrete Bedeutung: Es ist die guten Nachricht, die frohe Botschaft von der Errettung der sündigen Menschen durch das stellvertretende und sühnende Opfer Jesu Christi am Kreuz, und damit Rettung allein aus Gnade, durch den Glauben an Jesus Christus. Ob daher jemand evangelikal ist oder nicht, hat nichts damit zu tun, ob er an die Irrtumslosigkeit der Bibel glaubt, sondern ob er an das Loskaufopfer unseres Herrn Jesus Christus glaubt oder nicht.

Was nun die Diskussion über die Irrtumslosigkeit selbst anbelangt, findet man Unmengen von theologischen Artikeln, Aufsätzen und Büchern, in welchen über das, was in der Bibel steht argumentiert wird, ohne allerdings auch nur ein einziges Wort von dem was tatsächlich drinsteht in Form eines Bibelzitates zu finden. Die Argumentation ist derart theoretisch und abgehoben, dass man sich manchmal fragt, ob hier tatsächlich noch über der Bibel gesprochen wird. Dies ist dann schließlich auch der Grund dafür, dass in seitenlangen Elaboraten ein Theologe den anderen zu widerlegen versucht, dabei aber immer mehr ins Theoretisieren kommt und damit wieder einem Dritten den Anhaltspunkt liefert um ihn zu widerlegen.

Um daher dieses Thema auf einer realistischen Basis zu analysieren, bedarf es keiner kirchlichen Dogmen oder irgendwelcher Ansichten von Kirchenvätern der vergangenen Jahrhunderte, sondern einzig und allein der Heiligen Schrift. Auch und gerade hier gilt das Prinzip „sola scriptura” und der Grundsatz, dass sich die Schrift selbst erklärt

Das Wort Gottes.

Die Bibel wird auch immer wieder als das „Wort Gottes” bezeichnet. Ohne genauere Konkretisierung ist dies nicht nur irreführend, sondern es entspricht ganz einfach nicht den Tatsachen. Als ich vor etwa 30 Jahren an Bibellesungen einer Gruppe von Katholiken teilgenommen habe, hat ein Teilnehmer einen Abschnitt vorgelesen und sprach von der „Gottesmutter und Himmelskönigin”. Nun wusste ich, dass in der katholischen Herderbibel einige Texte ziemlich von dem abweichen, was ich in meiner Lutherbibel hatte. Aber „Gottesmutter” dürfte auch in einer Herderbibel nicht vorkommen (Himmelskönigin: Jer 44). So fragte ich also den Vorlesenden, ob dies tatsächlich die Worte sind, welche dort geschrieben stehen. Und er antwortete mir entrüstet, dass ich nicht zweifeln sollte an dem, was in der Bibel steht.

Schließlich stellte sich heraus, dass in seiner katholischen Bibel jedes Kapitel einen „Vorspann” hatte, in welchem die katholische Einleitung zu diesem Abschnitt untergebracht war. Obwohl nun dieser Text in unterschiedlichem Schriftformat gehalten war, war es für diesen Mann – und auch für die anderen Teilnehmer, wie ich dann feststellte - ganz klar, dass dies eine Aussage der Bibel und somit „Wort Gottes” war.

Aber wir müssen nicht erst zu den Katholiken gehen, um zu erkennen, dass der Inhalt der Bibel nicht in seiner Gesamtheit als das „Wort Gottes” bezeichnet werden kann. Wenn wir uns in unseren Bibeln die Kapitel- und Versunterteilungen oder die Überschriften von verschiedenen Abschnitten ansehen, so ist uns zweifellos bewusst, dass diese nicht zum Urtext gehören, sondern im Nachhinein eingefügt wurden. Manche Überschriften erst in unserer Zeit, bei der letzten Überarbeitung dieser Übersetzung.

Damit ist klar, dass die Bibel in ihrem Urtext wohl das Wort Gottes enthält, aber keinesfalls in ihrer Gesamtheit mit diesem gleichzusetzen ist. Nachdem es aber auch theologische Richtungen gibt, welche genau diese Formulierung gebrauchen, um auch den biblischen Urtext an sich und insgesamt zu kritisieren und seine Inspiration in Teilbereichen zu leugnen, muss hier ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass diese Beurteilung vorerst einmal nur den außerbiblischen Zusätzen gilt und noch nicht dem eigentlichen Text.

Die Übersetzungen.

Bevor wir zu diesem eigentlichen, inspirierten biblischen Text kommen, müssen wir uns noch mit einem weiteren Einflussfaktor – fast könnte man sagen einem weiteren Hindernis – bei der Beurteilung der Irrtumslosigkeit der Bibel befassen: mit den Übersetzungen.

Um die Problematik der Übersetzungen nicht auf theoretischer Ebene zu diskutieren, sollen hier einige Beispiele angeführt werden, welche die Zusammenhänge relativ anschaulich aufzeigen.

In der Kirche Santo Pietro in Vincoli, in Rom, können Besucher die weltberühmte Marmorstatue des Mose, geschaffen von Michelangelo Buonarotti bewundern. Wenn der Betrachter etwas näher tritt und genauer hinsieht, erkennt er, dass aus der Stirn des Mose zwei Hörner hervorstehen. Wieso nun Michelangelo dem Mose zwei Hörner auf die Stirn gesetzt hat, erklärt sich aus folgender Geschichte:

In 2Mo 34,29 ist die Rede von der Begegnung Moses mit Gott. Im hebräischen Urtext, welcher nur die Konsonanten, nicht aber die Vokale aufzeichnet, steht dort das Wort „KRN”. Als nun der Text (zwischen 780 und 930 n Chr.) von den Masoreten mit Vokabeln versehen wurde, wurden zwei „E” eingesetzt, sodass sich das Wort „KEREN” ergab, welches „gehörnt” bedeutet. Der Text dieses Verses lautete nun in der Übersetzung:

„Als nun Mose vom Berge Sinai herabstieg (...) wusste er nicht, dass sein Angesicht gehörnt war, weil er mit Gott geredet hatte.”


Diese Übersetzung hält sich in der Folge über Jahrhunderte und wird auch von der Vulgata (lateinische Übersetzung der Bibel von Hieronymus, Ende des 4. Jhdts.) übernommen. Und von dort hatte auch Michelangelo – wie alle Maler und Bildhauer seiner Zeit – seine Informationen.

Erst viel später, als man andere Texte zum Vergleich heranzog, erkannte man, dass nicht „E” sondern „A” einzusetzen ist und es daher nicht „KEREN” sondern „KARAN” heißen musste. Und nun bekommt diese Bibelstelle plötzlich einen anderen, verständlicheren Sinn. Das Angesicht Moses „glänzte”, nachdem er Gott gesehen hatte, wie wir es auch heute in unseren Bibeln stehen haben.

Mose wußte nicht, daß sein Angesichts glänzte, weil er mit Gott geredet hatte.

2Mo 34,29 Als nun Mose vom Berge Sinai herabstieg, hatte er die zwei Tafeln des Gesetzes in seiner Hand und wußte nicht, daß sein Angesichts glänzte, weil er mit Gott geredet hatte. 2Mo 34,29;


So wurde also der gehörnte Mose des Michelangelo zu einem steingewordenen Übersetzungsfehler.

Als nächstes Beispiel eines Übersetzungsfehlers sei hier Dave Hunt zitiert. Er beschreibt in seinem Buch „Die okkulte Invasion” ein Übersetzungsproblem in der englischen King James Bibel und dessen unglaubliche Auswirkungen.

„Der Mensch hat es schon immer als hilfreich empfunden, etwas Greifbares zu haben, woran er glaubt. Ein Zauberstab ist ein magisches Instrument, das anscheinend Wunder bewirkt. Als Hilfsmittel zur Weissagung lässt sich jeder Gegenstand verwenden, der zum Kontaktpunkt mit der spirituellen Welt wird. Fetische und Talismane und römisch-katholische Skapuliere, Kruzifixe, Medaillen und Bilder wie auch orthodoxe Ikonen spielen alle dieselbe Rolle. (...)

Der „Kontaktpunkt” der Charismatiker gehört in dieselbe Kategorie okkulter Hilfsmittel. (...) W. V. Grant hat einen Umriss seiner Füße verschickt, damit die Empfänger diesen als Kontaktpunkt verwenden und sich darauf stellen. Oral Roberts hat mehrmals einen Umriss seiner Hand versandt, damit seine Anhänger ihre Hände als Kontaktpunkt darauf legen. Andere „Glaubensheiler” habe ihre eigenen Varianten dieser Okkulttechnik – und bei Fernsehübertragungen ist der Bildschirm an sich für den Zuschauer das zu berührende Objekt.

Dieser „Kontaktpunkt”-Irrglaube rührt von einem falschen Verständnis der Aussage Jesu her, wie sie die englische King-James-Bibel wiedergibt: „Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen, berührend etwas, was sie erbitten, so wird dies ihnen werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist” (Mt 18,19 nach King James). Der Ausdruck „berührend” wird so verstanden, dass zwei Parteien wortwörtlich einen gemeinsamen Gegenstand berühren müssen, um die Kraft Gottes zu aktivieren. Doch der alte englische Begriff „as touching”, wie er im Original der King-James-Bibel steht, hat nichts mit einem physischen „Berühren” zu tun. Das griechische Wort, das hier mit „berührend” übersetzt ist, lautet peri, was soviel heißt wie „betreffs, bezüglich, hinsichtlich” und wird in anderen Übersetzungen auch so wiedergegeben.

Schlichte Unwissenheit hat zu dem Trugschluss geführt, ein etwaiger „Kontaktpunkt” sei der Schlüssel zu Wundern. Glaubensheiler haben so Millionen ihrer Anhänger in eine weitere Form des Okkultismus geführt.”


Um derartige Übersetzungsprobleme zu beheben, aber natürlich auch und vor allem um die verschiedenen Übersetzungen an das sich verändernde Sprachverständnis anzupassen, werden in Abständen von einigen Jahrzehnten Überarbeitungen durchgeführt und veröffentlicht. Daraus resultieren dann die verschiedenen revidierten Fassungen einzelner Bibelübersetzungen.

Während das obige Beispiel aus dem NT war, soll hier noch ein Beispiel aus dem AT angeführt werden, welches naturgemäß viel älteren Datums ist, jedoch trotzdem noch bis in unsere heutige Zeit für Fehlinterpretationen sorgt. Es geht dabei um das „Paradies”, in welchem angeblich Adam und Eva im Anfang lebten.

Mit dieser Bezeichnung „Paradies” – einem iranischen Lehnwort, das wörtlich „Umzäunung” heißt - wurde in der LXX (LXX= Septuaginta: die älteste Übersetzung des AT ins Griechische, der Sprache der damaligen hellenistischen Welt, etwa 3./2. Jh. v. Chr.) fälschlicherweise das hebr. „Gottesgarten” in der Schöpfungsgeschichte von 1Mo 2 übersetzt. Seitdem ist „Paradies” im griechischen Judentum ein religiöser Begriff. Im Gegensatz dazu kennt das hebräische Judentum diesen Ausdruck nicht. Er kommt auch im gesamten hebr. AT nicht vor, sondern nur die urtextliche Bezeichnung „Garten Eden” oder „Gottesgarten”.

Der Name, welcher im AT für diesen Landstrich - denn ein solcher ist es gewesen - steht, ist „Eden”. In diesem Lande Eden, und zwar im Osten dieses Landes, hat Gott einen wunderschönen, blühenden Garten geschaffen und den Menschen dort hineingebracht.

Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin.

1Mo 2,7 Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. 2,8 Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. 2,9 Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. 1Mo 2, 7- 9;


Durch die Übersetzung in der LXX hat die Bezeichnung „Paradies” die Jahrhunderte überdauert und ist bis heute ein Synonym für den Garten Eden, in welchem Adam und Eva unmittelbar nach ihrer Erschaffung lebten.

Diese falsche Übersetzung hat nun im Zusammenhang mit dem Umstand, dass auch in Offenbarung 2,7 vom (echten) „Paradies Gottes” die Rede ist, eine gewaltige Verwirrung der Ausleger bewirkt.

Der Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist.

Off 2,7 Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist. Off 2, 7;


Und auf diese, an sich falsche Übersetzung der LXX, gründen die Zeugen Jehovas bis heute eines ihrer wichtigsten Glaubensfundamente, dass sich nämlich die Neue Schöpfung aus Off 22 nicht auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, sondern eben auf diese heutige Erde, welche wieder zum Paradies Adams und Evas wird, beziehen würde, obwohl es dieses „Paradies” nach der Schrift auf dieser Erde nie gab, noch je geben wird.

(Siehe auch den Exkurs 09: „Das Paradies.”)


Die Inspiration der Schriftautoren.

Damit kommen wir zum eigentlichen biblischen Text und zu der Frage, inwieweit dessen Aussagen als irrtumslos zu beurteilen sind.

Vorweg sei festgehalten, dass nach dem eigenen Zeugnis der Bibel in 2Tim 3,14-17 „alle Schrift, von Gott eingegeben” – also jene Schriften im Urtext, welche vom Heiligen Geist inspiriert (grie. theopneustos = gottgehaucht) wurden – „nützlich ist zur Lehre zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit”.

Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nützlich zur Lehre.

2Tim 3,14 Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast 3,15 und daß du von Kind auf die heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. 3,16 Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, 3,17 daß der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt. 2Tim 3,14-17;


Um nun die Frage beantworten zu können, welche der Urtexte der Bibel inspiriert und daher fehlerfrei und irrtumslos sind, müssen wir zuerst die Frage klären, was denn „vom Heiligen Geist inspiriert” eigentlich bedeutet. Heißt das, dass ein Mensch, der vom Heiligen Geist inspiriert wird, in dem der Heilige Geist also Wohnung nimmt, dadurch fehlerlos und unfehlbar wird?

Auch dies können wir anhand der Schrift beantworten, wenn wir die Aussage des Herrn in Mk 12,35-37 betrachten:

Mk 12,35 Und Jesus begann und sprach, als er im Tempel lehrte: Wie sagen die Schriftgelehrten, daß der Christus Davids Sohn sei? 12,36 David selbst hat im Heiligen Geist gesagt: «Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter deine Füße lege!» 12,37 David selbst nennt ihn Herr. Und woher ist er sein Sohn? Und die große Volksmenge hörte ihn gern. Mk 12,35-37;


Hier bestätigt der Herr, dass David diese Aussage „im Heiligen Geist” gemacht hat. Der Heilige Geist hat sich also zu diesem Zeitpunkt in ihm manifestiert. Dass dies allerdings nur eine vorübergehende Erscheinung war, zeigt uns die Tatsache, dass David durch seine Affäre mit Batseba, der Frau Urias, des Hethiters, große Schuld auf sich geladen hat, welche keinesfalls mit dem Innewohnen des Heiligen Geistes hätte geschehen können. Die Folgerung: „einmal Heiliger Geist immer Heiliger Geist” ist daher falsch und abzulehnen.

Die einzige Ausnahme dazu bildet der Herr selbst. Von ihm hat Johannes der Täufer gesagt:

Auf welchen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben.

Jh 1,33 Und ich kannte ihn nicht; aber der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Auf welchen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, dieser ist es, der mit Heiligem Geist tauft. 1,34 Und ich habe gesehen und habe bezeugt, daß dieser der Sohn Gottes ist. Jh 1,33-34;


Aus diesem Text lassen sich drei wichtige Schlüsse ziehen:

1. Wenn es dafür noch einer Bestätigung bedurft hätte – dass der Herr Jesus vollkommen ohne Sünde war.

2. Dass der Heilige Geist nur auf Menschen ohne Sünde bleiben kann.

3. Davon abgeleitet und aufgrund der Tatsache, dass alle Menschen Sünder sind: dass der Heilige Geist immer nur eine beschränkte Zeit im Menschen wohnen kann und dass der Mensch während dieser Zeit des Innewohnens des Heiligen Geistes frei von Sünde sein muss.


Wie ist aber nun die Inspiration durch den Heiligen Geist zu verstehen? Wer veranlasst dies und wie „funktioniert” das? Hier haben wir wieder ein Selbstzeugnis der Schrift. In Jh 3,6-8 erklärt der Herr dem Nikodemus das Verhalten derer, die aus dem Geist geboren sind.

Der Wind weht, wo er will, so ist jeder, der aus dem Geist geboren ist.

Jh 3,6 Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist. 3,7 Wundere dich nicht, daß ich dir sagte: Ihr müßt von neuem geboren werden. 3,8 Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; so ist jeder, der aus dem Geist geboren ist. Jh 3, 6- 8;


Obwohl hier nun nicht vom Heiligen Geist selbst gesprochen wird, sondern von jenen, die aus dem Geist geboren sind, ist die Annahme sicher zulässig, dass sich der Heilige Geist in dieser Beziehung ähnlich verhält: Er „weht wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht”. Ob daher der Heilige Geist in einem Menschen Wohnung nimmt, bestimmt nur er alleine. Und nachdem Gottvater, Sohn und Heiliger Geist in der Dreiheit eine Einheit sind, auch Gott und unser Herr Jesus Christus.

Aus menschlicher Sicht lassen sich drei Kriterien erkennen, welche für das Agieren des Heiligen Geistes in einem Menschen erfüllt sein müssen:

1. Es muss das gottgewollte Erfordernis dazu bestehen – das heißt: der Wille Gottes zum Eingreifen.

2. Es muss eine geeignete Person sein – dieser Mensch muss den rechten Glauben haben.

3. Diese Person muss in der rechten Verfassung sein – sie muss aufnahmebereit sein.


Während die beiden ersten Kriterien selbsterklärend sind, ist die dritte Voraussetzung nicht so einfach zu verstehen. Was heißt hier „die rechte Verfassung” und warum muss der Mensch in dieser Verfassung sein? Wie wir unten, in Apg 13,2-3 lesen, haben die Gläubigen der Urgemeinde gefastet und gebetet um die Hilfe des Heiligen Geistes in einer bestimmten Sache zu erbitten.

Sprach der Heilige Geist: Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werk aus.

Apg 13,2 Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe! 13,3 Da fasteten und beteten sie; und als sie ihnen die Hände aufgelegt hatten, entließen sie sie. Apg 13, 2- 3;


Während im Gebet diese Bitte Gott vorgebracht wurde, diente das Fasten der körperlichen und geistigen Vorbereitung für das Innewohnen des Heiligen Geistes und hängt damit zusammen, wie sich der Heilige Geist im Menschen manifestiert. Obwohl wir auch Zeugnisse in er Schrift haben, nach denen Menschen, welche mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden, verzückt waren und in anderen Sprachen redeten (z. B. Apg 2,4; 19,6), bleibt diese eher spektakuläre Art doch die Ausnahme. In den meisten Fällen zeigt sich der Heilige Geist in einem Menschen, indem dieser aufsteht und das, was ihm der Heilige Geist im Geist vermittelt hat, ausspricht.

Agabus, stand auf und zeigte durch den Geist eine große Hungersnot an.

Apg 11,27 In diesen Tagen aber kamen Propheten von Jerusalem nach Antiochia herab. 11,28 Einer aber von ihnen, mit Namen Agabus, stand auf und zeigte durch den Geist eine große Hungersnot an, die über den ganzen Erdkreis kommen sollte; sie trat auch unter Klaudius ein. Apg 11,27-28;

Paulus blickte, mit Heiligem Geist erfüllt, fest auf ihn hin und sprach.

Apg 13,9 Saulus aber, der auch Paulus heißt, blickte, mit Heiligem Geist erfüllt, fest auf ihn hin 13,10 und sprach: O du, voll aller List und aller Bosheit, Sohn des Teufels, Feind aller Gerechtigkeit! Willst du nicht aufhören, die geraden Wege des Herrn zu verkehren? Apg 13, 9-10;

Dies sagt der Heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden den Nationen überliefern.

Apg 21,10 Als wir nun mehrere Tage blieben, kam ein Prophet mit Namen Agabus von Judäa herab. 21,11 Und er kam zu uns und nahm den Gürtel des Paulus und band sich die Füße und die Hände und sprach: Dies sagt der Heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem so binden und in die Hände der Nationen überliefern. Apg 21,10-11;


Nachdem der Geist des Menschen vom Geist Gottes erfüllt ist, hat der Heilige Geist nicht nur Zugang zu sämtlichen Gedanken des Menschen, sondern auch zu all dem was der Mensch in diesem Zeitraum sieht, hört, fühlt und tut. In diesem Zustand kann der Mensch nicht denken, sprechen oder handeln, ohne dass der Heilige Geist nicht auch davon Kenntnis hätte. Und nachdem der Heilige Geist Sünde nicht dulden kann, gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder dem Menschen gelingt es für diese Zeit frei von Sünde (in Gedanken, Worten, Taten) zu sein, oder der heilige Geist verlässt ihn.

Die dritte Möglichkeit, welche uns unten, in Apg 5,1-12 über Hananias und Saphira überliefert ist, ist sichtlich durch die Gnade des Herrn sonst nicht mehr zur Anwendung gekommen.

Warum hat der Satan dein Herz erfüllt, daß du den Heiligen Geist belogen hast?

Apg 5,1 Ein Mann aber mit Namen Hananias, mit Saphira, seiner Frau, verkaufte ein Gut 5,2 und schaffte von dem Kaufpreis beiseite, wovon auch die Frau wußte; und er brachte einen Teil und legte ihn nieder zu den Füßen der Apostel.

5,3 Petrus aber sprach: Hananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, daß du den Heiligen Geist belogen und von dem Kaufpreis des Feldes beiseite geschafft hast? 5,4 Blieb es nicht dein, wenn es unverkauft blieb, und war es nicht, nachdem es verkauft war, in deiner Verfügung? Warum hast du dir diese Tat in deinem Herzen vorgenommen? Nicht Menschen hast du belogen, sondern Gott. 5,5 Als aber Hananias diese Worte hörte, fiel er hin und verschied. Und es kam große Furcht über alle, die es hörten.

5,6 Die jungen Männer aber standen auf, hüllten ihn ein, trugen ihn hinaus und begruben ihn. 5,7 Es geschah aber nach Verlauf von etwa drei Stunden, daß seine Frau hereinkam, ohne zu wissen, was geschehen war. 5,8 Petrus aber antwortete ihr: Sag mir, ob ihr für so viel das Feld verkauft habt? Sie aber sprach: Ja, für so viel. 5,9 Petrus aber sprach zu ihr: Warum seid ihr übereingekommen, den Geist des Herrn zu versuchen? Siehe, die Füße derer, die deinen Mann begraben haben, sind an der Tür, und sie werden dich hinaustragen.

5,10 Sie fiel aber sofort zu seinen Füßen nieder und verschied. Und als die jungen Männer hereinkamen, fanden sie sie tot; und sie trugen sie hinaus und begruben sie bei ihrem Mann. 5,11 Und es kam große Furcht über die ganze Gemeinde und über alle, welche dies hörten. Apg 5, 1-11;


(Siehe auch den Diskurs 51: „Der Empfang des Heiligen Geistes - wie geschieht das?”.)

Der Heilige Geist kann sich aber nicht nur in bestimmten Menschen manifestieren und durch sie sprechen, er kann natürlich auch Ereignisse lenken und Kontakte zwischen Menschen herstellen. So ist z. B. die Niederschrift der vier Evangelien mit Sicherheit nicht zur Gänze durch Inspiration der Evangelisten durch den Heiligen Geist erfolgt. Der Heilige Geist hat diesen Männern – soweit sie nicht selbst Aposteln waren - jene Zeitzeugen zugeführt, welche über diese Ereignisse berichten konnten.

Wie wir nun alle selbst aus eigener Erfahrung wissen, kann ein Ereignis, über dessen Hergang von mehreren Zeugen berichtet wird, ganz unterschiedlich wiedergegeben werden. Und so sind auch die Berichte in den Evangelien zu sehen. Wir haben dort z. B. abweichende Schilderungen in den Berichten über die zwei Söhne des Zebedäus, welche den Herrn gebeten haben, in seinem Reich zu seiner Rechten und Linken sitzen zu dürften. Im Evangelium des Matthäus stellt diese Frage die Mutter, bei Markus jedoch fragen die beiden Jünger den Herrn selbst.

Dann trat die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen zu ihm.

Mt 20,20 Dann trat die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen zu ihm und warf sich nieder und wollte etwas von ihm erbitten. 20,21 Er aber sprach zu ihr: Was willst du? Sie sagt zu ihm: Bestimme, daß diese meine zwei Söhne einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen mögen in deinem Reich! 20,22 Jesus aber antwortete und sprach: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie sagen zu ihm: Wir können es.

20,23 Er spricht zu ihnen: Meinen Kelch werdet ihr zwar trinken, aber das Sitzen zu meiner Rechten und zu meiner Linken zu vergeben, steht nicht bei mir, sondern ist für die, denen es von meinem Vater bereitet ist. 20,24 Und als die Zehn es hörten, wurden sie unwillig über die zwei Brüder Mt 20,20-24;

Und es treten zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus.

Mk 10,35 Und es treten zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sagen zu ihm: Lehrer, wir wollen, daß du uns tust, um was wir dich bitten werden. 10,36 Er aber sprach zu ihnen: Was wollt ihr, daß ich euch tun soll? 10,37 Sie aber sprachen zu ihm: Gib uns, daß wir einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen in deiner Herrlichkeit! 10,38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wißt nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder mit der Taufe getauft werden, mit der ich getauft werde?

10,39 Sie aber sprachen zu ihm: Wir können es. Jesus aber sprach zu ihnen: Den Kelch, den ich trinke, werdet ihr trinken, und mit der Taufe, mit der ich getauft werde, werdet ihr getauft werden; 10,40 aber das Sitzen zu meiner Rechten oder Linken zu vergeben, steht nicht bei mir, sondern ist für die, denen es bereitet ist. 10,41 Und als die Zehn es hörten, fingen sie an, unwillig zu werden über Jakobus und Johannes. Mk 10,35-41;


Auch in dem Bericht über die Kreuzigung des Herrn gibt es Unterschiede. Alle vier Evangelisten stimmen zwar darin überein, dass gemeinsam mit dem Herrn noch zwei Räuber gekreuzigt wurden. Während Matthäus und Markus jedoch in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass beide Räuber am Kreuz den Herrn schmähten, erzählt Lukas, dass nur einer der Räuber den Herrn schmähte, der andere jedoch diesen zurechtwies und vom Herrn die Zusage erhielt: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein”.

Auf dieselbe Weise schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren.

Mt 27,38 Dann werden zwei Räuber mit ihm gekreuzigt, einer zur Rechten und einer zur Linken. 27,39 Die Vorübergehenden aber lästerten ihn, schüttelten ihre Köpfe 27,40 und sagten: Der du den Tempel abbrichst und in drei Tagen aufbaust, rette dich selbst! Wenn du Gottes Sohn bist, so steige herab vom Kreuz! 27,41 Ebenso aber spotteten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen: 27,42 Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. Er ist Israels König, so steige er jetzt vom Kreuz herab, und wir werden an ihn glauben. 27,43 Er vertraute auf Gott, der rette ihn jetzt, wenn er ihn liebt; denn er sagte: Ich bin Gottes Sohn. 27,44 Auf dieselbe Weise schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren. Mt 27,38-44;

Auch die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn.

Mk 15,27 Und mit ihm kreuzigen sie zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken. 15,0 (28) 15,29 Und die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten ihre Köpfe und sagten: Ha! Der du den Tempel abbrichst und in drei Tagen aufbaust, 15,30 rette dich selbst, und steige herab vom Kreuz! 15,31 Ebenso spotteten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten untereinander und sprachen: Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. 15,32 Der Christus, der König Israels, steige jetzt herab vom Kreuz, damit wir sehen und glauben! Auch die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn. Mk 15,27-32;

Einer der gehenkten Übeltäter lästerte ihn, der andere aber wies diesen zurecht.

Lk 23,39 Einer der gehenkten Übeltäter aber lästerte ihn: Bist du nicht der Christus? Rette dich selbst und uns! 23,40 Der andere aber antwortete und wies ihn zurecht und sprach: Auch du fürchtest Gott nicht, da du in demselben Gericht bist? 23,41 Und wir zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts Ungeziemendes getan. 23,42 Und er sprach: Jesus, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst! 23,43 Und er sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein. Lk 23,39-43;


Und bei Johannes wieder können wir feststellen, dass er weder das Eine, noch das Andere erwähnt, sondern nur darauf hinweist, dass den beiden Räubern schließlich die Beine gebrochen wurden, damit sie schneller starben. Diese Details fehlen wieder in den drei anderen Evangelien, ein Umstand, welchen wir durchgängig im ganzen Johannesevangelium beobachten können: Bei Johannes finden wir nicht nur einen ganz anderen Schreibstil, sondern er berichtet auch in vielen Fällen über ganz andere Ereignisse, als die drei anderen Evangelisten.

(Siehe auch die Tabelle 05: „Synopse der Endzeitreden des Herrn”.)

Und sie kreuzigten ihn, und zwei andere mit ihm, auf dieser und auf jener Seite, Jesus aber in der Mitte.

Jh19,17 Und er selbst trug sein Kreuz und ging hinaus nach der Stätte, genannt Schädelstätte, die auf hebräisch Golgatha heißt, 19,18 wo sie ihn kreuzigten, und zwei andere mit ihm, auf dieser und auf jener Seite, Jesus aber in der Mitte. Jh 19,17-18;

Da kamen die Soldaten und brachen die Beine des ersten und des anderen, der mit ihm gekreuzigt war.

Jh 19,31 Die Juden nun baten den Pilatus, damit die Leiber nicht am Sabbat am Kreuz blieben, weil es Rüsttag war - denn der Tag jenes Sabbats war groß - daß ihre Beine gebrochen und sie abgenommen werden möchten. 19,32 Da kamen die Soldaten und brachen die Beine des ersten und des anderen, der mit ihm gekreuzigt war. 19,33 Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht, 19,34 sondern einer der Soldaten durchbohrte mit einem Speer seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus. 19,35 Und der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr; und er weiß, daß er sagt, was wahr ist, damit auch ihr glaubt. Jh 19.31-35;


Ähnliche Unterschiede finden wir in den Berichten der Evangelisten hinsichtlich die Anzahl der Frauen, welche am „ersten Tag der Woche” am Grab waren: Während Johannes nur von der Maria von Magdala spricht (Jh 20,1), sind es bei Matthäus zwei (Mt 28,1), bei Markus drei (Mk 16,1-2) und bei Lukas schließlich eine größere Anzahl von Frauen (Lk 24,1.10). Und am Grab sahen diesen Frauen dann bei Matthäus (Mt 28,2) und Markus (Mk 16,5) einen Engel, bei Lukas jedoch zwei Engel (Lk 24,4).

Die Frage, wieso hier der Heilige Geist diese Leute nicht so inspiriert hat, dass sie alle gleichlautende Aussagen treffen, beantwortet sich von selbst anhand der weiter oben angeführten Kriterien:

1. Wer an Jesus Christus als den Sohn Gottes glaubt, für den ergeben sich aus diesen unbedeutenden unterschiedlichen Aussagen keine Probleme – daher ist hier der Wille Gottes zum Eingreifen nicht anzunehmen.

2. Die Informationsbringer für die Evangelisten waren nicht immer nur gläubige Menschen. Wichtig war, dass jemand den Nachweis erbringen konnte, dass er das Ereignis authentisch berichten konnte.

3. Und schließlich waren diese Menschen nicht – oder nicht immer – frei von Sünde.


Grundsätzlich gilt aber für solche Ereignisse, dass Gott in seiner Schöpfung durch seine Schöpfung wirkt. Dies lässt sich am besten bei der Speisung der Fünftausend erkennen. Sie waren eine Menge Leute und sie waren alle hungrig. Es hätte dem Herrn Jesus sicherlich keine Schwierigkeiten bereitet, im Heiligen Geist zu „veranlassen”, dass sie sofort gesättigt und ohne Hunger wären. Er hat dies nicht getan, sondern jene Art gewählt, welche zwar etwas umständlicher, dafür aber schöpfungskonform ist: er nahm die vorhandenen fünf Brote und zwei Fische und verteilte sie solange, bis auch der Letzte seine Nahrung hatte.

Wir dürfen daher nicht davon ausgehen, dass der Heilige Geist jedes geschriebene Wort der Bibel überwacht und gesteuert hat. Wo Gott es für notwendig erachtet hat ja, aber nicht dort, wo gläubige Menschen in der Lage waren, die Situation selbst zu meistern oder wo es überhaupt nicht um geistliche Dinge ging, sondern um Grüße, Mitteilungen, Ermahnungen, Lob, Tadel und andere zwischenmenschliche Informationen (z. B. Röm 15,1-23; 1Kor 16,19-24; 2Kor 13,11-13; Phil 4,21-23; Kol 4,7-18; 1The 5,23-28; 2Tim 4,9-22; usw., usw.). Hier den Heiligen Geist hinein zu reklamieren, hieße ihn falsch zu beurteilen.

Dies war offenbar auch der Grund, warum z. B. bei der Kanonisierung des NT (kath. Kirche 1546 in der Sessio IV des Konzils von Trient und in der ev. luth. Kirche 1580 in der Konkordienformel), der sogenannte „Tränenbrief” des Paulus, welchen er in 2Kor 2,3-4 und 7,8-9 erwähnt und den er sichtlich zwischen den zwei kanonischen Briefen an die Korinther geschrieben und wahrscheinlich durch Titus hatte überbringen lassen (2Kor 7,7f), nicht in den Kanon aufgenommen wurde.

Aber auch dort, wo der Heilige Geist bei der Niederschrift des Textes der Bibel mitgewirkt hat, können wir nicht davon ausgehen, dass deshalb der Inhalt völlig fehlerfrei sei. Die Schreiber waren – ähnlich wie die Propheten des AT – vom Heiligen Geist erfüllt, ohne dass sich jedoch dadurch der Mensch in seinen persönlichen Fähigkeiten und Kapazitäten verändert hätte. Wer vorher Linkshänder war, ist dies auch unter der Führung des Heiligen Geistes geblieben. Wer vorher gebildet war, ist es auch nachher gewesen. Wer vorher einen großen Sprachschatz hatte, der hatte ihn auch nachher. Und dies alles hat natürlich in der Formulierung des Textes durch diese Personen seinen Niederschlag gefunden, wie dies auch Petrus in seinem zweiten Brief von den Briefen des Paulus sagte, in denen, wie er schreibt, „einiges schwer zu verstehen” ist.

In diesen Briefen ist einiges schwer zu verstehen.

2Ptr 3,14 Deshalb, Geliebte, da ihr dies erwartet, befleißigt euch, unbefleckt und tadellos von ihm im Frieden befunden zu werden! 3,15 Und seht in der Langmut unseres Herrn die Rettung, wie auch unser geliebter Bruder Paulus nach der ihm gegebenen Weisheit euch geschrieben hat, 3,16 wie auch in allen Briefen, wenn er in ihnen von diesen Dingen redet. In diesen Briefen ist einiges schwer zu verstehen, was die Unwissenden und Ungefestigten verdrehen wie auch die übrigen Schriften zu ihrem eigenen Verderben. 2Ptr 3,14-16;


Dieser Umstand wurde ja auch später immer wieder dazu herangezogen, durch Vergleiche des Sprachstils zu versuchen, verschiedene Bücher, deren Autoren nicht eindeutig identifiziert werden können, dem einen oder anderen Verfasser zuzuordnen (z. B. den Hebräerbrief dem Paulus, Die Offenbarung dem Apostel Johannes).

Und dort, wo es in wichtigen Fällen nicht möglich ist, einen einzelnen Menschen mit allen, für eine detailgetreue Übermittlung erforderlichen Voraussetzungen und Fähigkeiten zu finden, inspiriert der Heilige Geist unter den Gläubigen mehrere Leute, sich mit ein und demselben Thema zu befassen und die Inhalte schwerpunktmäßig mit jenen Details aufzuzeichnen, welche ihrer geistigen und intellektuellen Qualifikation entsprechen.

So finden wir Hinweise auf die Endzeit bei vielen Propheten des AT, aber auch im NT – neben den Endzeitreden des Herrn in den Evangelien – bei Petrus und insbesondere in der Offenbarung des Johannes. Und gerade die Evangelien sind ein gutes Beispiel dafür, wie der Heilige Geist über wichtige Zusammenhänge mehrere, verschieden qualifizierte, gläubige Menschen berichten lässt.

So erkennen wir die Herzensgüte und Liebe zum Herrn im Evangelium des Johannes, die Wahrheitssuche und Genauigkeit bei der Auswahl der Texte bei Lukas oder auch die Fähigkeit des Matthäus, die Berichte zu sammeln, zu ordnen und in einen logischen Zusammenhang zu bringen. Und die Art und Weise, wie Paulus seine analytische und intellektuelle Begabung im Römerbrief dokumentiert, ist wohl in der ganzen Bibel unerreicht.

Und hier stoßen wir nun auf den Kern der theologischen Diskussion zwischen der orthodoxen evangelikalen Auffassung, welche darauf besteht, dass jedes Wort der Bibel einzeln eingegeben und bei der Niederschrift von Gott überwacht wurde – eine Auffassung, welche übrigens nirgends in der Bibel dokumentiert ist und welche man auch dem Text aus 2Tim 3,16: „Jede von Gottes Geist eingegebene Schrift” objektiverweise in dieser Form nicht entnehmen kann - und u. a. den Vertretern jener Ansicht, welche wohl die Inspiration durch den Heiligen Geist und auch die direkte, wörtliche Umsetzung in vielen Fällen („Sag dem Volk Israel” etc.) bestätigt, allerdings die Ausführung in anderen Fällen den Schriftautoren selbst zuschreibt und damit in dieser zweiten, ausführenden Phase, der direkten göttlichen Unfehlbarkeit entzieht.

Die Kernsätze dieser Diskussion lassen sich stark vereinfacht in folgende Aussagen zusammenfassen:

-  Die eine Seite meint auf der wörtlichen (Verbal-) Inspiration und der göttlichen Überwachung bestehen zu müssen, um dadurch den Schriftautoren und ihren Aussagen eine entsprechende Autorität zu sichern und sie vor Kritikern zu schützen.

-  Die Anderen gehen davon aus, dass sich der Heilige Geist jene Menschen, welchen er die Inspirationen gab, nach Glaubenskraft, Auffassungsgabe und persönlichen Fähigkeiten vorher ausgesucht hat, sodass er weder Wort für Wort übermitteln, noch die Niederschrift dieser Worte dann überwachen musste.


Wenn wir das nun beurteilen sollen, geht es uns ähnlich wie einem Verleger, der sich entscheiden muss, ob er einem wenig talentierten Autor den Auftrag erteilt und dann durch das Vorwort eines berühmten Literaten das Buch an den Mann zu bringen versucht, oder ob er gleich einen fähigen Schriftsteller engagiert, dessen Buch sich dann von selbst verkauft.

Und wer wie der eingangs zitierte Autor fragt, welche Texte der Bibel inspiriert sind und welche nicht, der sollte doch einmal die Bibel lesen. Wenn er dies mit dem aufrichtigen Wunsch nach Verständnis tut, wird ihn dies der Heilige Geist gewiss lehren.

Wie nun niemand bestreiten wird, ist Inspiration ein Vorgang, welcher im Geist des Menschen, in seinen Gedanken stattfindet. Nun denkt der Mensch aber – es sei denn er denkt an Geschriebenes bzw. Gesprochenes - nicht in Worten, sondern in Bildern. Wenn ich mich an ein besonders gute Mahl erinnere, welches ich am Vortag genossen habe, so werde ich nicht in Gedanken verbal die einzelnen Gänge und die Zusammensetzung der Speisen hersagen, sondern ich habe ein Bild von diesem Erlebnis im Kopf. Ich wechsle in Bildern von der Vorspeise zu den einzelnen Gängen der Hauptspeise bis hin zum Dessert.

Und so läuft jeder Erinnerungsvorgang im Geist des Menschen ab. Man hat zuerst ein Bild im Kopf – einen lieben Menschen, den letzten Urlaub, einen neuen Bekannten – und erst dann, so erforderlich, bemüht man sich das geistig geschaute Bild in Worte und Sätze zu fassen. Dabei wird auch gleich ein weithin bekanntes Phänomen erkennbar: Auch wenn mehrere Personen dasselbe Ereignis beobachtet haben, werden ihre Schilderungen untereinander immer wieder abweichen. Bis dahin, dass man meinen könnte, manche von ihnen würden von einem ganz anderen Ereignis berichten.

Der Grund dafür ist vielschichtig. Abgesehen von Ausbildung, Intelligenz, Beobachtungsvermögen, sprachlicher Ausdrucksfähigkeit, Erinnerungsvermögen, um nur einige Faktoren zu nennen, sind unsere Denkprozesse auch teilweise sehr unterschiedlich entwickelt. Ein geschulter Denker weiß schon bei der Aufnahme der Information in welchem „Speicher” seines Geistes er sie ablegen muss, um sie bei Bedarf rasch und unverändert wiederzufinden. Er hat eine innere Struktur seines Geistes, einen automatisierten Speicher- und Zugriffsplan. Ein untrainiertes Gehirn nimmt die Daten auf und „steckt” sie einfach irgendwo in seine Erinnerung hinein. Dass hier dann bei der Wiederbeschaffung dieser Information Schwierigkeiten auftreten, ist leicht nachvollziehbar.

Und weil das so ist, dass der Heilige Geist den Menschen in seinem – des Menschen – Geist anspricht und der Mensch in seinem Geist nur in Bildern und nicht in Worten verarbeiten kann, ist eine wörtliche Inspiration gar nicht möglich. Mit einer Ausnahme: Wenn ich beispielsweise ein Gedicht auswendig lerne, dann habe ich sehr wohl Worte in meiner Erinnerung. Doch wie wir alle aus unserer Schulzeit wissen, lernt der Mensch Dinge nur dann auswendig, wenn die normale „Informationsbeschaffung” in Form einer direkten Rekonstruktion des Gedankens nicht funktioniert. Das kann nun ein Gedicht oder eine Theaterrolle sein, welche wortgetreu wiedergegeben werden müssen oder wenn man die Zusammenhänge – aus welchen Gründen immer - geistig nicht nachvollziehen kann, wenn man sie nicht versteht.

Daraus ergibt sich aber die Konsequenz, dass der Mensch nur dann auswendig – also in Worten – lernt und denkt, wenn er den Inhalt nicht versteht. Ob das nun bei Schülern manche mathematischen oder chemischen Formeln, bei vielen Damen die Funktionsweise eines Ottomotors oder bei manchen Gläubigen die Gebete in der Kirche sind. Diese Art der Wissensspeicherung hat allerdings einen wesentlichen Nachteil. Während man alle Zusammenhänge, welche man verstanden, begriffen hat, jederzeit wieder abrufen kann, sind Dinge welche wir einmal auswendig gelernt und dann vergessen haben, nicht mehr rekonstruierbar, weil die Basisinformation, das Wissen um das „Wie” fehlt.

Obwohl es nun in der Schrift eindeutig solche Verbalinspirationen gibt, nämlich dort wo z. B. der Prophet dem König oder dem Volk Israel eine Botschaft Gottes wortwörtlich zu übermitteln hat, wie hier unten in Hes 36,22:

Darum sage zum Haus Israel: So spricht der Herr, HERR.

Hes 36,22 Darum sage zum Haus Israel: So spricht der Herr, HERR: Nicht um euretwillen handle ich, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr entweiht habt unter den Nationen, zu denen ihr gekommen seid. Hes 36,22;


erfolgt die Inspiration bei Visionen (Jesaja, Hesekiel, Daniel, Micha, Petrus, Paulus, Johannes etc.) natürlich in geistigen Bildern, welche der Prophet dann mit Worten beschreibt und was dann meist von einer dritten Person aufgezeichnet wurde, wie z. B. in Off 20,1:

Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß

Off 20,11 Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß, vor dessen Angesicht die Erde entfloh und der Himmel, und keine Stätte wurde für sie gefunden. Off 20,11;


oder auch in den beiden folgenden Texten, wo wir diese beiden Arten der Inspiration durch den Heiligen Geist gemeinsam vorfinden:

Da sah ich den Herrn sitzen auf hohem und erhabenem Thron und ich hörte die Stimme des Herrn.

Jes 6,1 Im Todesjahr des Königs Usija, da sah ich den Herrn sitzen auf hohem und erhabenem Thron, und die Säume seines Gewandes füllten den Tempel.

6,2 Seraphim standen über ihm. Jeder von ihnen hatte sechs Flügel: mit zweien bedeckte er sein Gesicht, mit zweien bedeckte er seine Füße, und mit zweien flog er. 6,3 Und einer rief dem andern zu und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen! Die ganze Erde ist erfüllt mit seiner Herrlichkeit. 6,4 Da erbebten die Türpfosten in den Schwellen von der Stimme des Rufenden, und das Haus wurde mit Rauch erfüllt. 6,5 Da sprach ich: Wehe mir, denn ich bin verloren. Denn ein Mann mit unreinen Lippen bin ich, und mitten in einem Volk mit unreinen Lippen wohne ich. Denn meine Augen haben den König, den HERRN der Heerscharen, gesehen. 6,6 Da flog einer der Seraphim zu mir; und in seiner Hand war eine glühende Kohle, die er mit einer Zange vom Altar genommen hatte. 6,7 Und er berührte damit meinen Mund und sprach: Siehe, dies hat deine Lippen berührt; so ist deine Schuld gewichen und deine Sünde gesühnt.

6,8 Und ich hörte die Stimme des Herrn, der sprach: Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen? Da sprach ich: Hier bin ich, sende mich! 6,9 Und er sprach: Geh hin und sprich zu diesem Volk: Hören, ja, hören sollt ihr und nicht verstehen! Sehen, ja, sehen sollt ihr und nicht erkennen! Jes 6, 1- 9;

Ich sah in einer Verzückung eine Erscheinung, ich hörte aber auch eine Stimme.

Apg 11,5 Ich war in der Stadt Joppe im Gebet, und ich sah in einer Verzückung eine Erscheinung, wie ein Gefäß herabkam, gleich einem großen leinenen Tuch, an vier Zipfeln herabgelassen aus dem Himmel; und es kam bis zu mir. 11,6 Und als ich gespannt hineinschaute, bemerkte und sah ich die vierfüßigen Tiere der Erde und die wilden Tiere und die kriechenden und die Vögel des Himmels. 11,7 Ich hörte aber auch eine Stimme, die zu mir sagte: Steh auf, Petrus, schlachte und iß! Apg 11, 5- 7;


Wie immer man diese Dinge aber nun auch sehen will, kann es doch keinesfalls so sein, dass der Heilige Geist die Menschen zu Marionetten macht indem er ihnen Wort für Wort eingibt, sondern er sucht die Kraft ihres Glaubens und nutzt ihre Fähigkeiten und Kenntnisse. Auch wenn es da und dort einmal unbedeutende Fehler gibt. So war es damals und so ist es auch heute.

Dass sich sogar Propheten bei der Beschreibung ihrer Visionen irren können, zeigt das nachfolgende Beispiel. Hier berichtet der atl. Prophet Hesekiel von zweien seiner Visionen. Die eine am Fluss Kebar, im Land der Chaldäer, die andere in Jerusalem, wohin er vom Geist Gottes entrückt worden war.

(Siehe auch den Exkurs 11: „Der Thron Gottes”.)

Bei beiden Gelegenheiten hat Hesekiel dieselbe Vision: Er sieht die Herrlichkeit des Gottes Israels auf einem mobilen Thron. Dieses Gefährt wurde von vier lebenden Wesen bewegt. Und er erinnerte sich bei seiner zweiten Vision, nämlich der in Jerusalem, dass er genau diesen Thron und diese vier lebenden Wesen auch schon bei der ersten Vision am Fluss Kebar gesehen hatte.

Die Vision am Fluss Kebar. (Hes 1,1-28)

Hes 1,10 Und das war die Gestalt ihrer Gesichter: Das Gesicht eines Menschen und das Gesicht eines Löwen hatten die vier rechts, und das Gesicht eines Stieres hatten die vier links, und das Gesicht eines Adlers hatten die vier. Das sind ihre Gesichter. Hes 1,10;

Die Vision in Jerusalem. (Hes 8,1-4; 10,1-22)

Hes 10,14 Das Gesicht des ersten war das Gesicht eines Cherubs, und das Gesicht des zweiten war das Gesicht eines Menschen und das Gesicht des dritten das Gesicht eines Löwen und des vierten das Gesicht eines Adlers. Hes 10,14;


Und nachdem Hesekiel beide Visionen sehr genau schildert, ist es interessant festzustellen, dass die Beschreibung der vier lebenden Wesen in einem Punkt abweicht. Diese vier Gestalten hatten jede vier Gesichter, d. h. an jeder Seite ihres Kopfes ein anderes Gesicht. Dies wird dann etwas verständlicher, wenn man aus dem Kontext erfährt, dass diese vier Wesen immer nur gerade in die Direktion eines ihrer Angesichter gehen konnten. Das heißt sie konnten keine Kurven laufen, sondern, wenn sie die Richtung ändern wollten, gingen sie einfach im rechten Winkel links oder rechts weiter. Das führt auch zu der von Hesekiel geschilderten eigenartigen „zickzack”-förmigen Fortbewegungsart des Gefährts.

Und nun beschreibt Hesekiel diese vier Angesichter aus seiner Vision am Fluss Kebar, wo er diese Wesen das erste Mal gesehen hatte, folgendermaßen:

„Das Gesicht eines Menschen, das Gesicht eines Löwen, das Gesicht eines Stieres und das Gesicht eines Adlers.”

In der zweiten Vision, bei seiner Entrückung durch den Geist nach Jerusalem jedoch schreibt er:

„Das Gesicht eines Menschen das Gesicht eines Löwen, das Gesicht eines Cherubs und das Gesicht eines Adlers”

Wir sehen also, dass Hesekiel beim ersten Mal im dritten Gesicht einen Stier zu erkennen glaubte, beim zweiten Mal aber einen Cherub – also einen Engel. Und diese Korrektur wird auch von ihm bestätigt, wenn er bei seinem Bericht über diese zweite Vision in Jerusalem hervorhebt:

Und ich erkannte, dass es Cherubim waren.

Hes 10,20 Das war das lebende Wesen, das ich unter dem Gott Israels am Fluss Kebar gesehen; hatte; und ich erkannte, dass es Cherubim waren. Hes 10,20;


Obwohl Hesekiel am Fluss Kebar vom Heiligen Geist mit einer Vision Gottes ausgezeichnet wurde, war er vor der Herrlichkeit Gottes und dem Blitzen des Thrones so erschrocken, dass er in seinem Beurteilungsvermögen sichtlich eingeschränkt war. Das wäre uns allen natürlich auch passiert, es zeigt aber, dass der Prophet sogar in der Gegenwart Gottes seine menschlichen Eigenschaften nicht verloren hatte und keinesfalls fehlerfrei und unfehlbar wurde.

Doch Hesekiel befindet sich hier in bester Gesellschaft. Auch Johannes berichtet uns in der Offenbarung, dass er genau diesen Thron Gottes in einer Vision gesehen hat. Und zwar im Himmel. Und auch er war von der Herrlichkeit Gottes und der strahlenden Umgebung so beeindruckt, dass auch er dieses vierte Gesicht der Wesen in Off 4,7 als „jungen Stier” beschreibt:

Die Vision im Himmel. (Off 4,1-11; 6,1-8)

Off 4,7 Und das erste lebendige Wesen war gleich einem Löwen und das zweite lebendige Wesen gleich einem jungen Stier, und das dritte lebendige Wesen hatte das Angesicht wie das eines Menschen, und das vierte lebendige Wesen war gleich einem fliegenden Adler. Off 4,7;


Nachdem wir nun die Aussage Hesekiels haben, dass diese Wesen definitiv Cherubim waren, und beide – sowohl Hesekiel als auch Johannes - bei der ersten Begegnung das Gesicht eines Kalbs oder eines jungen Stiers zu sehen meinten, liegt die Vermutung nahe, dass es tatsächlich das originale Gesicht eines Cherubs war, welches eine entfernte Ähnlichkeit mit dem eines jungen Stieres haben könnte.

In diesem Zusammenhang scheint es nicht uninteressant, dass bei manchen semitischen Völkern die Kultform des Kälber- oder Stierdienstes sehr verbreitet gewesen ist. Dabei wurde der Stier bzw. das Stierkalb nicht als Gottheit sondern als Sinnbild für die Kraft einer Gottheit verehrt. Als das Volk Israel einst von Gott den Auftrag erhaltern hatte, die Bundeslade anzufertigen, mussten sie auch auf dem Deckel der Bundeslade zwei Cherubim aus getriebenem Gold machen. Die Anweisungen dafür sind sehr konkret in 2Mo 25,17-20 enthalten:

Und mache zwei goldene Cherubim; in getriebener Arbeit sollst du sie machen an den beiden Enden der Deckplatte.

2Mo 25,17 Dann sollst du eine Deckplatte aus reinem Gold herstellen: zweieinhalb Ellen sei ihre Länge und anderthalb Ellen ihre Breite. 25,18 Und mache zwei goldene Cherubim; in getriebener Arbeit sollst du sie machen an den beiden Enden der Deckplatte, 25,19 und zwar sollst du einen Cherub am Ende hier und einen Cherub am Ende dort machen. Aus einem Stück mit der Deckplatte sollt ihr die Cherubim machen an ihren beiden Enden. 25,20 Und die Cherubim sollen die Flügel nach oben ausbreiten, die Deckplatte mit ihren Flügeln überdeckend, während ihre Gesichter einander zugewandt sind. Der Deckplatte sollen die Gesichter der Cherubim zugewandt sein. 2Mo 25,17-20;


Es sollten also zwei Cherubim aus Gold in getriebener Arbeit und in einem Stück mit der Deckplatte gemacht werden. Wenn wir nun davon ausgehen können, dass auch damals schon die Stierangesichter der Cherubim bekannt waren, erscheint die Herstellung und die Anbetung des goldenen Kalbs durch die Israeliten nicht mehr so unerklärlich, als sie einige Zeit später in der Wüste nicht warten wollten, bis Mose vom Berg Sinai zurückkehrte. Und ebenso wie sich in der Vision Hesekiels der Thron Gottes über den Cherubim befand und Gott selbst unsichtbar war, kann man auch in verschiedenen heidnischen Darstellungen den Stier als Sockel für ein nicht dargestelltes Götterbild antreffen.

(Siehe auch die Tabelle 15: „Der Thron Gottes und seine Umgebung”.)

Der Behauptung des eingangs zitierten Autors, dass die Ablehnung der Verbalinspiration einer Beleidigung der Bibel gleichkommen würde, muss man daher folgendes entgegenhalten: wenn die Bibel einerseits Wort für Wort vom Heiligen Geist inspiriert ist und andererseits nachweislich der eine oder andere Fehler enthalten ist, würde dies bedeuten, dass hier der Heilige Geist fehlerhaft gewirkt hätte. Damit würden also die Fehler von Menschen dem Heiligen Geist angelastet werden. Und das wäre dann tatsächlich eine Beleidigung – nicht nur der Bibel, sondern vor allem des Heiligen Geistes, welchen wir als Lügner hinstellen würden! Und gerade das wäre nach dem Hinweis des Herrn in Mt 12,31-32, der größte Fehler, den wir machen könnten.

Die Lästerung des Geistes wird nicht vergeben werden.

Mt 12,31 Deshalb sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden; aber die Lästerung des Geistes wird nicht vergeben werden.12,32 Und wenn jemand ein Wort reden wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; wenn aber jemand gegen den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden, weder in diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen. Mt 12,31-32;


Das übliche Argument, welches in diesem Zusammenhang immer wieder angeführt wird, ist die Aussage von 2Ptr 1,21:

Denn niemals wurde eine Weissagung durch den Willen eines Menschen hervorgebracht.

2Ptr 1,19 Und so besitzen wir das prophetische Wort um so fester, und ihr tut gut, darauf zu achten als auf eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgenstern in euren Herzen aufgeht, 1,20 indem ihr dies zuerst wißt, daß keine Weissagung der Schrift aus eigener Deutung geschieht.

1,21 Denn niemals wurde eine Weissagung durch den Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern von Gott her redeten Menschen, getrieben vom Heiligen Geist. 2Ptr 1,19-21;


Was dabei allerdings völlig übersehen wird, ist die Tatsache, dass Petrus hier nicht von der gesamten Bibel, sondern nur von der „Weissagung” – also von Prophezeiungen, vom prophetischen Wort in der Schrift spricht. Für diesen Teil der Heiligen Schrift gilt diese Prämisse oben, in 2Ptr 1,21, ohne Abstriche.

Die Inspiration der Schriftleser.

Speziell das weiter oben angeführte Argument: „Wer an Jesus Christus als den Sohn Gottes glaubt, für den ergeben sich aus diesen unbedeutenden unterschiedlichen Aussagen keine Probleme” führt uns zu einem weiteren Kriterium für das Wirken des Heiligen Geistes in der Bibel und das richtige Verständnis der Schrift.

In der Informationsverarbeitung gibt es ein Datenverschlüsselungssystem, welches sich zweier Schlüssel bedient. Der eine, der sogenannte „public-key”, verschlüsselt die Daten von der Senderseite her und gilt für alle Empfänger. Der andere, der „private-key”, ist im Gewahrsam jedes einzelnen Benutzers. Die Daten können nur entschlüsselt werden, wenn beide Schlüssel gemeinsam eingesetzt werden.

Und dies ist – im übertragenen Sinn – auch die Situation beim Verständnis der Bibel. Der Heilige Geist, welcher die Verfasser der Bibel geleitet hat, ist sozusagen der „public-key”. Jeder einzelne Mensch aber, der die Bibel mit lauterem Herzen und dem aufrichtigen Wunsch nach Verständnis des Wortes Gottes liest, erhält von Gott den Heiligen Geist dazu, den „private-key”. Dies verheißt uns auch der Herr in Lk 11,13:

Wieviel mehr wird der Vater, der vom Himmel gibt, den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

Lk 11,13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wißt, wieviel mehr wird der Vater, der vom Himmel gibt, den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten! Lk 11,13;


Wir haben dazu in der Schrift einen sehr passenden Vergleich. Als zu Pfingsten die Jünger mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden, fingen sie an in anderen Sprachen die Botschaft Gottes zu verkünden:

Und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen.

Apg 2,1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. 2,2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 2,3 Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, 2,4 und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. 2,5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 2,6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. 2,7 Sie entsetzten sich aber alle und wunderten sich und sagten: Siehe, sind nicht alle diese, die da reden, Galiläer? 2,8 Und wie hören wir sie, ein jeder in unserer eigenen Mundart, in der wir geboren sind: 2,9 Parther und Meder und Elamiter und die Bewohner von Mesopotamien und von Judäa und Kappadozien, Pontus und Asien 2,10 und Phrygien und Pamphylien, Ägypten und den Gegenden von Libyen gegen Kyrene hin und die hier weilenden Römer, sowohl Juden als Proselyten, 2,11 Kreter und Araber - wie hören wir sie von den großen Taten Gottes in unseren Sprachen reden? 2,12 Sie entsetzten sich aber alle und waren in Verlegenheit und sagten einer zum anderen: Was mag dies wohl sein? 2,13 Andere aber sagten spottend: Sie sind voll süßen Weines. Apg 2, 1-13;


Die Zuhörer, welche zusammengelaufen waren und die Jünger jeder in seiner eigenen Sprache reden hörten, waren nach Apg 2,5 gottesfürchtige jüdische Männer aus allen Völkern. Dann gab es aber nach Apg 2,13 auch „andere” unter den Zuhörern. Ungläubige, die kein Wort von dem verstanden, was die Jünger predigten. Und sie spotteten und meinten, die Jünger wären betrunken. Daraus ist ersichtlich, dass der Heilige Geist nicht nur die Jünger erfüllt hatte, sondern dass er auch in den gottesfürchtigen Zuhörern wirkte, um dieses Hörwunder überhaupt erst zu ermöglichen. Und ähnlich ist es nun mit der Heiligen Schrift. Die Autoren waren erfüllt mit dem Heiligen Geist und schrieben das Wort Gottes nieder. Und unter den Lesern der Bibel gibt es bis heute jene, in welchen der von Gott erbetene Heilige Geist wirkt und welche daher die Schrift verstehen, und die „Anderen”, welche den Heiligen Geist nicht haben, daher nichts verstehen und meinen, die Bibel wäre ein Märchenbuch.

Und so wird nun auch manches verständlicher. Es ist völlig klar, dass vielen Menschen die Bibel wie ein „Buch mit sieben Siegeln” erscheint. Sie haben gerade mal einen Blick hineingeworfen und sind nicht bereit, sich mit diesem altmodischen „Firlefanz” auseinander zusetzen.

Andere wieder bezeichnen die Bibel als „Märchenbuch” oder bestenfalls als „trip to heaven Literatur”. Sie verstehen nicht, weil sie sich für die Bibel aus unlauteren Gründen interessieren, um deren Widersprüche aufzudecken oder die Existenz Gottes zu leugnen.

Und dann sind da jene, welche die Aussagen der Schrift für eigene Zwecke uminterpretieren. Es sind meistens Sekten, welche nicht die gesamte Schrift zur Interpretation einzelner Texte heranziehen, sondern „Sektoren”, also Teilbereiche der Bibel herauslösen und auf diesen ein unbiblisches falsches Glaubensfundament gründen.

Schließlich seien hier noch jene genannt, welche ihr Geld mit dem Schreiben von Büchern über Gott und die Bibel verdienen. Sie haben großteils die potentielle Käuferschicht im Auge und orientieren sich danach, was gerade „in” ist und was der Verlag gerade bestellt hat. In ihren Büchern findet man in seitenlangen Literaturverzeichnissen eine Unmenge von – wie ich es nenne – „Second Hand Literatur”. Nach einem Bibelstellenverzeichnis sucht man meist vergeblich, weil im ganzen Buch keine konkreten Bibelstellen angesprochen werden.

Allen diesen Leuten fehlt das Verständnis für die Schrift. Es fehlt ihnen der „private-key”. Ganz einfach deshalb, weil sie gar nicht verstehen wollen. Sie wollen ihre Ansichten nicht ändern. Sie haben keine Lust auf tiefschürfende Studien. Und die Wahrheit – was ist Wahrheit?

Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, daß sie der Lüge glauben.

2The 2,7 Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur offenbart es sich nicht, bis der, welcher jetzt zurückhält, aus dem Weg ist; 2,8 und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft; 2,9 ihn, dessen Ankunft gemäß der Wirksamkeit des Satans erfolgt mit jeder Machttat und mit Zeichen und Wundern der Lüge 2,10 und mit jedem Betrug der Ungerechtigkeit für die, welche verloren gehen, dafür, daß sie die Liebe der Wahrheit zu ihrer Errettung nicht angenommen haben. 2,11 Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, daß sie der Lüge glauben, 2,12 damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit. 2The 2, 7-12;

Die Auslegung der Schrift.

Nachdem jeder Schriftausleger ja zwangsläufig auch Schriftleser ist, gelten hier natürlich gleichfalls die oben erwähnten Aussagen. Eine Schriftauslegung, welche sich mit den Aussagen der gesamten Schrift zu einzelnen Texten auseinandersetzt, erkennt man an der Anzahl der angeführten Bibelstellen. Allerdings nicht nur in Form von Referenzen, sondern in Volltextformat, damit sich der Leser von der Stichhaltigkeit der Argumente überzeugen kann. Es soll schon vorgekommen sein, dass Autoren irgendwelche Schriftstellen in Referenzformat angeführt haben, welche in keinerlei Zusammenhang mit der Problemstellung stehen und damit gerechnet haben, das ohnehin keiner in der Bibel nachschlägt.

Doch auch jene Interpreten, welche mit viel guten Willen und Engagement an ihre Arbeit gehen, haben oft ein grundsätzliches Problem. Zur verständlicheren Darstellung dieses Problems soll auch hier ein Beispiel angeführt werden.

Es geht hier um die siebente und letzte Posaune in der Offenbarung des Johannes:

Und der siebente Engel posaunte: Das Reich der Welt ist unseres Herrn und seines Christus geworden.

Off 11,15 Und der siebente Engel posaunte: und es geschahen laute Stimmen im Himmel, die sprachen: Das Reich der Welt ist unseres Herrn und seines Christus geworden, und er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit. 11,16 Und die vierundzwanzig Ältesten, die vor Gott auf ihren Thronen sitzen, fielen auf ihre Angesichter und beteten Gott an 11,17 und sprachen: Wir danken dir, Herr, Gott, Allmächtiger, der ist und der war, daß du deine große Macht ergriffen und deine Herrschaft angetreten hast. Off 11,15-17;


Auch Paulus schreibt den Korinthern von einer letzten Posaune:

Bei der letzten Posaune werden die Toten auferweckt werden, und wir werden verwandelt werden.

1Kor 15,51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, 15,52 in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune; denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden, unvergänglich sein, und wir werden verwandelt werden. 15,53 Denn dieses Vergängliche muß Unvergänglichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen. 1Kor 15,51-53;


In der Offenbarung wird also verkündet, dass nun, zum Zeitpunkt dieser siebenten Posaune „das Reich der Welt unseres Herrn und seines Christus geworden” ist, dass der Herr also seine Herrschaft angetreten hat. Paulus prophezeit, dass zur Zeit der letzten Posaune der Herr die Toten in Christo auferwecken und in den Himmel entrücken wird.

Die Schlussfolgerung, dass sich beide Prophezeiungen auf die letzte der sieben Posaunen Gottes in der Offenbarung beziehen und daher hier von ein und demselben Ereignis – einmal aus himmlischer, das andere Mal aus irdischer Sicht – gesprochen wird, bestreitet Fritz Hubmer in seinem Buch „Der Heilsplan Gottes” (S 150) mit folgendem Argument:

„Diese letzte Posaune, von der Paulus hier im 1. Korintherbrief schreibt, darf nicht mit der siebten Posaune in der Offenbarung des Johannes verwechselt werden. Die Johanneische Weissagung von der siebten Posaune wurde erst Jahrzehnte nach der Abfassung des 1. Korintherbriefes gegeben. Während Paulus seinen Brief im Jahre 55 oder 56 schrieb, empfing Johannes die Offenbarung um das Jahr 90.”


Es liegen also 44 oder 45 Jahre zwischen diesen beiden Weissagungen und das gibt dem Autor die Gewissheit, dass diese beiden Prophezeiungen überhaupt nichts miteinander zu tun haben.

Wenn wir uns nun den Kontext dieser beiden Schriftstellen ansehen, erkennen wir folgenden Zusammenhang:

In seinem ersten Brief an die Thessalonicher, in welchem Paulus ebenfalls über dieses Ereignis schreibt, spricht er davon, dass er durch eine Vision des Herrn davon Kenntnis erhalten hatte.

Denn dies sagen wir euch in einem Wort des Herrn, daß wir, die Lebenden, entrückt werden.

1The 4,15 Denn dies sagen wir euch in einem Wort des Herrn, daß wir, die Lebenden, die übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden. 4,16 Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; 4,17 danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein. 4,18 So ermuntert nun einander mit diesen Worten! 1The 4,15-18;


Es war also der Herr Jesus, der durch den Heiligen Geist dem Paulus diese Offenbarung geschenkt hatte.

In der Offenbarung des Johannes heißt es andererseits gleich im ersten Vers:

Offenbarung Jesu Christi.

Off 1,1 Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab, um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muß; und indem er sie durch seinen Engel sandte, hat er sie seinem Knecht Johannes kundgetan. Off 1, 1;


Auch dies ist also eine Offenbarung und auch diese ist vom Herrn Jesus. Beide Offenbarungen sind daher von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Daher können wir auch davon ausgehen, dass der Herr natürlich weiß, was er seinen beiden Aposteln hier offenbart. Auch wenn dies 45 Jahre auseinander liegt.

Aber auch wenn die Ansicht von Frtz Hubmer richtig wäre und die Texte von Off 11,15 und 1The 15,52 tatsächlich von zwei verschiedenen „Posaunen” handeln sollten, ist das eigentliche Problem, dass hier der Hintergrund nicht geprüft und sichtlich nicht erkannt wurde, dass diese Informationen nicht aus zwei verschiedenen Quellen, nämlich von Paulus und Johannes stammen, welche 45 Jahre auseinander liegen, sondern aus dem Mund des Herrn kamen.

Hier zeigt sich nun noch ein letztes Kriterium, welches für das Verständnis und die Auslegung der Schrift sehr wichtig ist und dennoch von manchen Auslegern nicht beachtet wird: die Tatsache, dass diese Prophezeiungen nicht von all den Propheten des Alten und Neuen Testaments selbst ersonnen und erdacht wurden, sondern dass es nur einen Autor gibt: Gott. Und daher ist es völlig belanglos, ob Offenbarungen Gottes 40, 400 oder 4000 Jahre zeitlich getrennt erfolgen. Es ist immer dieselbe Quelle und es ist immer dieselbe Botschaft. Manchmal aus verschiedenen Perspektiven, manchmal auch durch die unterschiedliche Ausdrucksfähigkeit der Menschen beeinflusst. Aber immer vom selben Geist Gottes.

Das ist die wahre, die echte Autorität der Bibel. Und sie garantiert uns, dass die Heilige Schrift wahr ist und dass sie uns als „Datenträger” überliefert wurde, damit wir jene Informationen daraus gewinnen können, welche wir für unseren Glauben und für die erforderliche Einsicht in den Weg, den Gott für uns als Gemeinde vorgesehen hat, benötigen.

Die Bibel enthält also das Wort Gottes. Durch menschliche Schwächen nicht unbedingt irrtumslos, aber doch so, dass wir das, was wir erkennen sollen, mit der Hilfe des Heiligen Geistes auch erkennen können - wenn wir nur wirklich wollen!

Die Inspiration und die Autorität der Bibel wird uns durch die Heilige Schrift selbst bestätigt, jedoch nicht ihre Irrtumslosigkeit.

Was ich beschlossen habe, geschieht, und alles, was ich mir vorgenommen habe, das tue ich.

Jes 46,9 Gedenket des Früheren von der Urzeit her, dass ich Gott bin. Es gibt keinen sonst, keinen Gott gleich mir. 46,10 Ich habe von Anfang an verkündigt, was hernach kommen soll, und vorzeiten, was noch nicht geschehen ist. Ich sage: Was ich beschlossen habe, geschieht, und alles, was ich mir vorgenommen habe, das tue ich. Jes 46,9-10;

Jes 34,16 Suchet nun in dem Buch des HERRN und lest! Jes 34,16;


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Kann der Heilige Geist Lügen eingeben? / Replik JK00, 2002-11-16)

Ich bin überrascht, um nicht zu sagen entsetzt darüber, dass Sie als gläubiger Christ behaupten, dass die Heilige Schrift Irrtümer enthält. Die Irrtumslosigkeit der Schrift ist eines der höchsten Güter des christlichen Glaubens und sie in Frage zu stellen heißt den christlichen Glauben in Frage zu stellen.

Denken Sie doch beispielsweise an 2. Petrus 1,21: ”Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben von dem heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet.”

Oder auch 2. Timotheus 3,16: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.”

Das können Sie doch nicht ignorieren! Auch wenn die Beispiele die Sie anführen stimmen mögen, so heißt das ja noch lange nicht, dass diese Aussagen tatsächlich vom Heiligen Geist falsch inspiriert wurden. Es kann ja auch fehlerhaft überliefert oder übersetzt worden sein.

Chikago-Erklärung zur biblischen Irrtumslosigkeit.
Artikel XIII:

Wir bejahen, dass es angemessen ist, die Irrtumslosigkeit der Bibel als theologischen Terminus in bezug auf die völlige Wahrhaftigkeit der Schrift zu gebrauchen.

Wir verwerfen die Ansicht, dass es angemessen sei, die Schrift nach Maßstäben von Wahrheit und Irrtum zum bewerten, die ihrem Gebrauch und ihrem Zweck fremd sind. Wir verwerfen ferner die Ansicht, dass die Irrtumslosigkeit von biblischen Phänomenen wie dem Fehlen modern-technischer Präzision, Unregelmäßigkeiten in der Grammatik oder der Orthographie, beobachtungsgemäßer Beschreibungen der Natur, Wiedergabe von Unwahrheiten, Verwendung von Übertreibungen und runden Zahlen, thematischer Anordnung des Stoffes, Unterschiedlicher Auswahl des Materials in Parallelberichten oder der Verwendung von freien Zitaten annulliert würde.

Josef Karpisek Josef.Karpisek@chello.at



Sehen wir uns die zitierten Schriftstellen zuerst an:

Denn niemals wurde eine Weissagung durch den Willen eines Menschen hervorgebracht.

2Ptr 1,19 Und so besitzen wir das prophetische Wort um so fester, und ihr tut gut, darauf zu achten als auf eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgenstern in euren Herzen aufgeht, 1,20 indem ihr dies zuerst wißt, daß keine Weissagung der Schrift aus eigener Deutung geschieht.

1,21 Denn niemals wurde eine Weissagung durch den Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern von Gott her redeten Menschen, getrieben vom Heiligen Geist. 2Ptr 1,19-21;

Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre.

2Tim 3,16 Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, 3,17 daß der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt. 2Tim 3,16-17;


Wie wir sehen ist in 2Ptr 1,19-21 von „Weissagungen” – also Prophezeiungen - die Rede. Dies ist einer jener Teile der Heiligen Schrift welcher tatsächlich als irrtumslos bezeichnet werden muss und welches hier ja nicht in Frage gestellt wird.

Doch der Anspruch „Irrtumslosigkeit der Bibel” bezieht sich ja auf die gesamte Heilige Schrift. Damit sind natürlich auch die Geschichtsbücher im AT, wie Richter und Chronik etc., aber auch jene Teile in den Evangelien und in den Briefen des NT zu verstehen, welche sich nicht mit Weissagungen und Prophezeiungen befassen. Und für diese Teile kann mit dem Hinweis auf 2Ptr 1,21 eine absolute Irrtumslosigkeit nicht abgeleitet werden.

Nun wird aber oben 2Tim 3,16 zitiert: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre” (wörtlich: theopneustos = gottgehaucht). Im griechischen Originaltext steht jedoch:

”Jede von Gottes Geist eingegebene Schrift ist nützlich zur Lehre”.

Und das ist ein grundsätzlicher Unterschied. Was hier mit „Schrift” übersetzt wird, ist das griechische Wort „graphe”. Und das meint nicht nur die Texte in der Bibel, sondern auch jedes andere gewöhnliche Schriftstück. „Jede ... Schrift” meint daher eindeutig, dass sich diese Aussage nicht auf die ganze Bibel, ja nicht einmal ausschließlich auf die Bibel bezieht, sondern auch wieder nur auf jene Texte, welche tatsächlich vom Heiligen Geist eingegeben wurden (wie diese Abschnitte der Bibel identifiziert werden können wurde bereits im oberen Teil dieses Diskurses erklärt). Für diese Teile der Bibel haben wir damit also einen eindeutigen Beweis sowohl für deren Inspiration als auch für ihre Autorität als Wort Gottes.

Was die wörtliche Inspiration der gesamten Bibel betrifft, müssen wir aber nun unterscheiden: Die Prophezeiungstexte der Schrift wurden zwar nach 2Ptr 1,21 immer vom Heiligen Geist eingegeben, allerdings nicht immer in einer Verbalinspiration. Eine Verbalinspiration (Wort für Wort Inspiration) ist nur für Teile der Prophezeiungen offensichtlich, wie z. B. in den Prophetenbüchern des AT „Sage zu den Söhnen Israel...”, „So spricht der Herr ...” oder im NT die Sendschreiben und die Aussagen der Engel oder anderer himmlischer Personen an Johannes in der Offenbarung etc.

Jene Teile dieser oder anderer Prophezeiungen, welche optischer Natur waren, wurden den Propheten des AT und des NT natürlich nicht Wort für Wort eingegeben, sondern vom Heiligen Geist in einer Vision gezeigt. Diese geistigen Erlebnisse haben die Propheten dann im Nachhinein geschildert und sie wurden dann – oft von einer dritten Person – niedergeschrieben.

In den nachstehenden Schriftstellen ist dies sehr gut zu erkennen:

Hes 8,2 Und ich sah: und siehe, eine Gestalt mit dem Aussehen eines Mannes: von seinen Hüften an abwärts Feuer; und von seinen Hüften an aufwärts wie das Aussehen eines Glanzes, wie der Anblick von glänzendem Metall. Hes 8, 2;

Hes 10,1 Und ich sah: Und siehe, auf dem festen Gewölbe, das über dem Haupt der Cherubim war, befand sich einem Saphirstein gleich etwas, das aussah wie ein Thron, der über ihnen sichtbar wurde. Hes 10, 1;

Dan 4,2 Ich sah einen Traum, und er erschreckte mich; und Traumgestalten auf meinem Lager und Gesichte, die ich gesehen hatte, ängstigten mich. Dan 4, 2:

Dan 10,5 Und ich erhob meine Augen und sah: und siehe, da war ein Mann, in Leinen gekleidet, und seine Hüften waren umgürtet mit Gold von Ufas. Dan 10, 5;

Sach 5,1 Und ich hob wieder meine Augen auf und sah: Und siehe, eine fliegende Schriftrolle! Sach 5, 1;

Sach 6,1 Und ich hob wieder meine Augen auf und sah: Und siehe, vier Wagen, die zwischen den zwei Bergen hervorkamen! Und die Berge waren Berge aus Bronze. Sach 6, 1;

2Kor 12,2 Ich weiß von einem Menschen in Christus, daß er vor vierzehn Jahren - ob im Leib, weiß ich nicht, oder außer dem Leib, weiß ich nicht; Gott weiß es - daß dieser bis in den dritten Himmel entrückt wurde. 2Kor 12, 2;

Off 1,12 Und ich wandte mich um, die Stimme zu sehen, die mit mir redete, und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter, Off 1,12;

Off 4,4 Und rings um den Thron sah ich vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, bekleidet mit weißen Kleidern, und auf ihren Häuptern goldene Siegeskränze. Off 4, 4;

Off 5,1 Und ich sah in der Rechten dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, innen und auf der Rückseite beschrieben, mit sieben Siegeln versiegelt. Off 5, 1;

Off 8,2 Und ich sah die sieben Engel, die vor Gott stehen; und es wurden ihnen sieben Posaunen gegeben. Off 8, 2;

Off 22,8 Und ich, Johannes, bin der, welcher diese Dinge hörte und sah; und als ich sie hörte und sah, fiel ich nieder, um anzubeten vor den Füßen des Engels, der mir diese Dinge zeigte. Off 22, 8;

Die reinen Dokumentationstexte der Bibel hingegen, wie z. B. im AT die Bücher der Chronik, Richter etc. und im NT jene Teile der einzelnen Bücher, welche nicht Prophezeiungen zum Inhalt haben, können - müssen aber nicht vom Heiligen Geist inspiriert sein. Sonst könnten wir u. a. die im Diskurs oben aufgezeigten unterschiedlichen Aussagen nicht erklären.

Das Argument oben, dass es sich hier um falsche Überlieferung bzw. Übersetzung handeln könnte, ist kein Gegenargument, sondern bestätigt ja genau diese Sicht, dass die Bibel, wie sie uns heute vorliegt - und mit Ausnahme der prophetischen Schriften - nicht irrtumslos ist.

Zudem sei hier noch einmal auf die in diesem Zusammenhang sehr oft vernachlässigte Konsequenz hingewiesen: Wie oben nachgewiesen wurde und wie jeder selbst in seiner Bibel nachprüfen kann, haben wir in der Heiligen Schrift einige wenige unterschiedliche Aussagen über ein und dasselbe Ereignis. Obwohl die Signifikanz dieser Unterschiede marginal und ihre Anzahl gering ist, lässt sich dadurch die Theorie einer allgemeinen Irrtumslosigkeit der Bibel nicht aufrecht erhalten.

Wenn wir nun dennoch behaupten, dass die gesamte Schrift vom Heiligen Geist eingegeben und daher ohne Fehler und Irrtum ist, dann hat diese unsere Aussage die logische Konsequenz, dass jene Fehler, die nun einmal für jeden sichtbar und erkennbar vorliegen, dem Heiligen Geist anzulasten wären. Und hier kommen wir nun eindeutig in die Gefahr, den Heiligen Geist als Lügner hinzustellen und die Warnung des Herrn in Mt 12,32 mit ihren Folgen:

Wenn aber jemand gegen den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden


zu missachten. Und das ist es, was wir – als gläubige Christen - tatsächlich nicht ignorieren dürfen.

Doch diese Konsequenz wird in theologischen Kreisen kaum begriffen. Ein Beispiel dafür, wie theoretisch und bar jedweder Logik die theologischen Führer unserer Zeit agieren, zeigt die im obigen Kommentar zitierte „Chikago-Erklärung zur biblischen Irrtumslosigkeit” aus dem Jahre 1978 (deutschsprachiges Mitglied des Internationalen Rates für Biblische Irrtumslosigkeit: Prof. Samuel Külling).

Im oben zitierten Artikel XIII dieses Dokumentes wird erklärt:

„Wir verwerfen die Ansicht, dass es angemessen sei, die Schrift nach Maßstäben von Wahrheit und Irrtum zu bewerten, die ihrem Gebrauch und ihrem Zweck fremd sind”.


Demnach lässt sich also die Schrift nicht nach Wahrheit und Irrtum bewerten, weil dies ihrem Gebrauch und Zweck fremd sein soll! Damit wird hier viel konkreter als von manchem Atheisten die Bibel als Märchenbuch deklariert. Ob das den Unterzeichnern dieser Erklärung bewusst war?

Und wenn andererseits im Artikel VI desselben Dokumentes erklärt wird:

„Wir bekennen, dass die Schrift als Ganzes und in allen ihren Teilen, bis hin zu den einzelnen Wörtern der Originalschriften, von Gott inspiriert wurde.”


meint das, dass die zur Gänze vom Heiligen Geist inspirierte Schrift nicht nach Wahrheit zu bewerten wäre, weil der Gebrauch von Wahrheit dem Heiligen Geist fremd sei!

Es ist dann nur eine logische Folge, dass man gleich auch die Wiedergabe von Unwahrheiten – also Lügen – als Grund für eine Einschränkung dieser Irrtumslosigkeit ausschließt.

„Wir verwerfen ferner die Ansicht, dass die Irrtumslosigkeit (der Bibel) von biblischen Phänomenen wie (...) Wiedergabe von Unwahrheiten (...) annulliert würde.” (Artikel XIII)


Diese Aussage, dass Unwahrheiten in der Schrift deren Irrtumslosigkeit nicht aufheben können, führt im Zusammenhang mit dem Bekenntnis weiter oben, dass der Heilige Geist die Schrift zur Gänze inspiriert hat (Artikel VI), zu der Auffassung, dass also der Heilige Geist Unwahrheiten verkündet, deren Aufdeckung diese guten Leute jetzt hier verhindern müssten.

Damit wird aber von diesen Vertretern einer absoluten Irrtumslosigkeit der Bibel genau das explizit ausgesprochen, was sich weiter oben vorerst nur als Schlussfolgerung ergeben hat: Jeder, der einerseits die gesamte Bibel zu einer Verbalinspiration des Heiligen Geistes erklärt und dann aber andererseits dennoch davon ausgeht, dass es Unwahrheiten in der Bibel gibt, erklärt damit automatisch den Heiligen Geist zu einem Lügner.

Und neben der bereits aufgezeigten Konsequenz, dass damit das Gebot des Herrn in Mt 12,32 - nämlich nicht gegen den Heiligen Geist zu reden - missachtet wird, fügen diese Leute ihrer großen Schuld eine weitere Sünde hinzu: sie zwingen die Gläubigen es ihnen gleich zu tun und ihren Intellekt auszuschalten um eine absolute Irrtumslosigkeit der Bibel in allen ihren Teilen zu vertreten, wo eine solche – siehe weiter oben - offensichtlich nicht gegeben ist. Dass damit natürlich auch allen jenen denkenden Menschen, welche auf dem Weg zum christlichen Glauben sind, ein fast unüberwindbares Hindernis in den Weg gestellt wird, ist nur eine weitere dramatische Folge.

Im Hinblick nun auf die im obigen Leserkommentar erwähnten „höchsten Güter des christlichen Glaubens”, muss man mit aller gebotenen Ernsthaftigkeit darauf hinweisen, dass unser höchstes Gut im christlichen Glauben nicht die absolute Irrtumslosigkeit der Bibel ist, sondern der Glaube an unseren Herrn Jesus Christus und sein Loskaufopfer am Kreuz für unsere Sünden. Dies ist es, was uns die Schrift immer wieder ans Herz legt und was es zu bewahren gilt:

Denn einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

1Kor 3,11 Denn einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. 1Kor 3,11;

Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist.

Jh 11,25 Jesus sprach zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; 11,26 und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit. Glaubst du das? Jh 11,25-26;

Dies aber sagte er von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten.

Jh 7,38 Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen. 7,39 Dies aber sagte er von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn noch war der Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war. Jh 7,38-39;


Die Bibel ist so gewiss Gottes Wort, wie die Schöpfung sein Werk ist. Wer das eine oder das andere in Frage stellt, muss sich – wie in allen Bereichen des menschlichen Lebens – mit den jeweiligen Inhalten auseinandersetzen. Wenn dies in einem aufrichtigen und objektiven Geist geschieht, kann man gar nicht anders, als zu diesem Ergebnis zu gelangen. Ist dieser aufrichtige und objektive Geist jedoch nicht die Grundlage, dann wird die Bibel eben von den Einen als Märchenbuch und von den Anderen im Gegenzug als zur Gänze verbalinspiriert und absolut irrtumslos bezeichnet.

Für gläubige Christen ist daher der Versuch, hier eine Art „Dogma der Irrtumslosigkeit” aufzustellen, unwürdig und unnötig. Bei jenen, die nicht an die Bibel als Wort Gottes glauben, wird dieser Versuch nichts an ihrer Haltung ändern - im Gegenteil. Bei jenen Geschwistern aber, für welche sich diese Frage gar nicht erst stellt, wird diese Vorgangsweise Unverständnis und Befremden auslösen.