Diskurs 44 – Kann der Glaube Berge versetzen?




Charismatischer und evangelikaler Okkultismus. / Buch Dave Hunt 00, Seite 501ff

Die Wunderheilungen.

Der Glaube der Jünger.

Der Unglaube der Gläubigen.

Wie verhalten wir uns gegenüber dämonischen Einflüssen? / Vortrag Prof. H. Jantzen 00, Teil 1, CS-CD1 33.07.06ff

Der Glaube der Ungläubigen.

Der Glaube der Gläubigen.


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Charismatischer und evangelikaler Okkultismus / Dave Hunt, Buch DH00, Seite 501ff*)

Der Mensch hat es schon immer als hilfreich empfunden, etwas Greifbares zu haben, woran er glaubt. Ein Zauberstab ist ein magisches Instrument, das anscheinend Wunder bewirkt. Als Hilfsmittel zur Weissagung lässt sich jeder Gegenstand verwenden, der zum Kontaktpunkt mit der spirituellen Welt wird. Fetische und Talismane und römisch-katholische Skapuliere, Kruzifixe, Medaillen und Bilder wie auch orthodoxe Ikonen spielen alle dieselbe Rolle.

Andere Weissagungsmittel sind Ouijaboards, Pendel, Wünschelruten, Kristallkugeln, Tarotkarten, Tierkreiszeichen usw. Diese Gegenstände bieten etwas Sichtbares, um bei denen eine Erwartung zu erzeugen, die daran glauben. Hexerei macht magische Getränke, Kerzen und andere greifbare Gegenstände nutzbar, als Brücke in die Geisterwelt. Alle diese Objekte funktionieren natürlich gemäß den Prinzipien, die Pat Robertson als die metaphysischen Gesetze des geheimen Königreiches bezeichnet.

Der „Kontaktpunkt” der Charismatiker gehört in dieselbe Kategorie okkulter Hilfsmittel. (...) W. V. Grant hat einen Umriss seiner Füße verschickt, damit die Empfänger diesen als Kontaktpunkt verwenden und sich darauf stellen. Oral Roberts hat mehrmals einen Umriss seiner Hand versandt, damit seine Anhänger ihre Hände als Kontaktpunkt darauf legen. Andere „Glaubensheiler” habe ihre eigenen Varianten dieser Okkulttechnik – und bei Fernsehübertragungen ist der Bildschirm an sich für den Zuschauer das zu berührende Objekt.

Dieser „Kontaktpunkt”-Irrglaube rührt von einem falschen Verständnis der Aussage Jesu her, wie sie die englische King-James-Bibel wiedergibt: „Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen, berührend etwas, was sie erbitten, so wird dies ihnen werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist” (Mt 18,19 nach King James). Der Ausdruck „berührend” wird so verstanden, dass zwei Parteien wortwörtlich einen gemeinsamen Gegenstand berühren müssen, um die Kraft Gottes zu aktivieren. Doch der alte englische Begriff „as touching”, wie er im Original der King-James-Bibel steht, hat nichts mit einem physischen „Berühren” zu tun. Das griechische Wort, das hier mit „berührend” übersetzt ist, lautet peri, was soviel heißt wie „betreffs, bezüglich, hinsichtlich” und wird in anderen Übersetzungen auch so wiedergegeben.

Schlichte Unwissenheit hat zu dem Trugschluss geführt, ein etwaiger „Kontaktpunkt” sei der Schlüssel zu Wundern. Glaubensheiler haben so Millionen ihrer Anhänger in eine weitere Form des Okkultismus geführt.

* Der Auszug ist dem Buch „Die okkulte Invasion” (Originaltitel: Occult Invasion) von Dave Hunt, Christliche Literatur-Verbreitung e. V. entnommen.

(Dave Hunt, Die okkulte Invasion, CLV – ISBN: 3-89397-272-2)



In der Einleitung zu dem oben zitierten Buch schreibt der Autor u.a.:

„In der christlichen Kirche explodiert heute förmlich eine wachsende „Zeichen-und-Wunder”-Bewegung, die nicht allein Charismatiker und Pfingstler umfasst, sondern ebenso Evangelikale, die sich noch vor wenigen Jahren entschieden gegen das aussprachen, was sie damals als Täuschung bezeichnet hätten. Heute verschwendet man – Jesu und Paulus’ Warnungen zum Trotz – kaum einen Gedanken daran, dass die jetzigen Zeichen und Wunder ein Teil von genau der geistlichen Verführung sein könnten, die die Bibel ankündigt.

Als Teil der „Zeichen-und-Wunder”-Bewegung sehen wir außerdem eine florierende „Gemeinde-Wachstums”-Bewegung, eine „Beten-und-Fasten-für-Erweckungs”-Bewegung und eine „Geistliche-Kriegsführungs”-Bewegung, die alle auf dasselbe Ziel hinarbeiten. Nur wenige wagen eine Verbindung zu sehen zwischen diesen Bewegungen innerhalb der Christenheit und den falschen „Zeichen und Wundern”, die in der Bibel für die Zeit des Abfalls angekündigt sind.”


Soweit das Zitat. Es sei vorweg erwähnt, dass dieses Buch auf seinen 640 Seiten eine derartige Fülle von ausgezeichnet recherchiertem Beweismaterial für den immer mehr um sich greifenden Okkultismus in der Welt bietet, dass es für alle interessierten Christen – und nicht nur für diese – ein unbedingtes Muss sein sollte. Es werden dort aktuelle Hintergrundinformationen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Religion geboten, welche man ansonsten wohl kaum – noch dazu in einer derartigen Dichte – finden wird.

Nun aber zu den Aussagen Dave Hunts über die verschiedenen „Hilfsmittel” zum Glauben, welcher sich so manche – auch evangelikale – Prediger und „Glaubensheiler”, vorerst vorwiegend noch in den USA bedienen.

Es ist relativ schwierig die Behauptungen dieser Leute zu widerlegen, da sie sich selbst teilweise als „Propheten” und „Gesalbte des Herrn” bezeichnen und auch nicht davor zurückschrecken, ihren Kritikern mit dem „Fluch Gottes” zu drohen. Das wird zwar einen bibeltreuen Christen nicht besonders beeindrucken, die große Menge des Publikums hat jedoch – auch wenn sie vorgeben Christen zu sein – von der Bibel sehr wenig Ahnung und man kann ihnen daher ungestraft die dreistesten Unwahrheiten verkünden, ohne dass sie das tatsächlich merken würden.

Diese Unwahrheiten sind aber auch deshalb so gefährlich, weil sie immer auch einen Teil der Wahrheit beinhalten. So weiß fast jeder zivilisierte Mensch auf Erden, dass Jesus Christus zu seinen Lebzeiten Wunder gewirkt hat. Auch die Apostel nach ihm hatten teilweise diese Gabe und daher scheint es für einen Menschen, der sich mit den Aussagen der Bibel noch nie ernsthaft auseinandergesetzt hat, durchaus plausibel, dass auch heute Prediger und Glaubensheiler Wunder wirken könnten. Es ist also die Unwissenheit der Menschen die Ursache für derartige Fehlentwicklungen.

Und eine solche Fehlentwicklung hat ja auch Dave Hunt im eingangs zitierten Auszug aufgedeckt. Durch die falsche Übersetzung des griechischen Wortes „peri” wurde in der King-James-Bibel von „bezüglich” ein „berührend” und damit allen Scharlatanen Tür und Tor geöffnet um auch in christlichen Kreisen den Menschen irgendwelche „Fernwirkungen” vorzugaukeln.

Wie an diesem Beispiel zu erkennen ist, wäre eine derartige Fehlentwicklung zu vermeiden gewesen, hätte man rechtzeitig den griechischen Text – also die Urquelle – oder einfach eine andere Übersetzung konsultiert. Und dies ist nun überhaupt der Grundfehler bei der Beurteilung von Aussagen, welche angeblich biblisch sind. Es machen sich nur wenige Menschen die Mühe, diese Behauptungen auch tatsächlich in der Schrift nachzulesen und sich ein eignes Urteil zu bilden.

Wir wollen nun diesen Fehler nicht begehen und werden prüfen, was die Bibel über Wunder und Wunderheilungen sagt.

Die Wunderheilungen.

Obwohl in der Schrift auch von den Wundertaten der Apostel – speziell des Petrus’ und Paulus’ – berichtet wird, sollen hier nur jene Wunderheilungen zitiert werden, welche von Jesus selbst vollbracht wurden. Und zwar deshalb, weil in allen diesen Berichten der Herr abschließend eine fast identische Aussage trifft. Er weist nämlich darauf hin, dass diese Wunder nur vollbracht werden konnten, weil die Empfänger den erforderlichen Glauben hatten.

Sei guten Mutes, Tochter! Dein Glaube hat dich geheilt.

Mt 9,20 Und siehe, eine Frau, die zwölf Jahre blutflüssig war, trat von hinten heran und rührte die Quaste seines Gewandes an; 9,21 denn sie sprach bei sich selbst: Wenn ich nur sein Gewand anrühre, so werde ich geheilt werden. 9,22 Jesus aber wandte sich um, und als er sie sah, sprach er: Sei guten Mutes, Tochter! Dein Glaube hat dich geheilt. Und die Frau war geheilt von jener Stunde an. Mt 9,20-22;


Wir haben hier die wunderbare Heilung der blutflüssigen Frau. Und es ist dies – vor allen anderen Wunderheilungen – das besten Beispiel, dass der Glaube des Empfängers zusammen mit der Kraft des Sohnes Gottes das Wunder bewirkt hatte. Diese Frau hat mit dem Herrn selbst vorher kein einziges Wort gesprochen. Sie sah ihn nur vorübergehen und ging ihm nach. Sie getraute sich wahrscheinlich nicht ihn anzusprechen, aber sie sagte sich: „Wenn es mir nur gelingt einen Zipfel seines Gewandes anzurühren, so werde ich gesund”.

Und das tat sie dann auch, indem sie ihn von hinten anrührte. Obwohl nun rund um ihn die Jünger und die begleitenden Personen auf ihn einredeten, hatte Jesus bemerkt, dass eine Kraft von ihm ausgegangen war und er drehte sich um und wusste, was geschehen war. Und dann sagte er zu dieser Frau: „Sei guten Mutes Tochter! Dein Glaube hat dich geheilt”.

Der Herr hat also selbst nichts dazu beigetragen – außer, dass seine Kraft „angezapft” wurde. Es gab kein Gespräch, keine Zeichen, nichts. Nur das Anrühren der Kleidung des Sohnes Gottes und der Glaube dieser Frau, dass dieses genügen würde. Und es ist auch der Glaube der Menschen daran, dass dieser Jesus aus Nazareth die Kraft hatte, sie zu heilen, durch welchen auch die folgenden Wunder geschehen konnten.

Und Jesus sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dich geheilt!

Mk 10,46 Und sie kommen nach Jericho. Und als er und seine Jünger und eine große Volksmenge aus Jericho hinausgingen, saß der Sohn des Timäus, Bartimäus, ein blinder Bettler, am Weg. 10,47 Und als er hörte, daß es Jesus, der Nazarener, sei, fing er an zu schreien und zu sagen: Sohn Davids, Jesus, erbarme dich meiner! 10,48 Und viele bedrohten ihn, daß er schweigen sollte; er aber schrie um so mehr: Sohn Davids, erbarme dich meiner!

10,49 Und Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn! Und sie rufen den Blinden und sagen zu ihm: Sei guten Mutes! Steh auf, er ruft dich! 10,50 Er aber warf sein Gewand ab, sprang auf und kam zu Jesus. 10,51 Und Jesus antwortete ihm und sprach: Was willst du, daß ich dir tun soll? Der Blinde aber sprach zu ihm: Rabbuni, daß ich sehend werde.

10,52 Und Jesus sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dich geheilt! Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm auf dem Weg nach. Mk 10,46-52;

Dein Glaube hat dich gerettet. Geh hin in Frieden!

Lk 7,36 Es bat ihn aber einer der Pharisäer, dass er mit ihm essen möge; und er ging in das Haus des Pharisäers und legte sich zu Tisch. 7,37 Und siehe, da war eine Frau in der Stadt, die eine Sünderin war; und als sie erfahren hatte, daß er in dem Haus des Pharisäers zu Tisch lag, brachte sie eine Alabasterflasche mit Salböl, 7,38 trat von hinten an seine Füße heran, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen, und trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes. Dann küßte sie seine Füße und salbte sie mit dem Salböl.

7,39 Als aber der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so würde er erkennen, wer und was für eine Frau das ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin. 7,40 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sagt: Lehrer, sprich! -

7,41 Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner; der eine schuldete fünfhundert Denare, der andere aber fünfzig; 7,42 da sie aber nicht zahlen konnten, schenkte er es beiden. Wer nun von ihnen wird ihn am meisten lieben? 7,43 Simon aber antwortete und sprach: Ich nehme an, der, dem er das meiste geschenkt hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geurteilt.

7,44 Und sich zu der Frau wendend, sprach er zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen, du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; sie aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. 7,45 Du hast mir keinen Kuß gegeben; sie aber hat, seitdem ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. 7,46 Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat mit Salböl meine Füße gesalbt.

7,47 Deswegen sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. 7,48 Er aber sprach zu ihr: Deine Sünden sind vergeben. 7,49 Und die, die mit zu Tisch lagen, fingen an, bei sich selbst zu sagen: Wer ist dieser, der auch Sünden vergibt?

7,50 Er sprach aber zu der Frau: Dein Glaube hat dich gerettet. Geh hin in Frieden! Lk 7,36-50;

Steh auf und geh hin! Dein Glaube hat dich gerettet.

Lk 17,12 Und als er in ein Dorf einzog, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die von fern standen. 17,13 Und sie erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, Meister, erbarme dich unser! 17,14 Und als er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, während sie hingingen, wurden sie gereinigt.

17,15 Einer aber von ihnen kehrte zurück, als er sah, daß er geheilt war, und verherrlichte Gott mit lauter Stimme; 17,16 und er fiel aufs Angesicht zu seinen Füßen und dankte ihm; und das war ein Samariter.

17,17 Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die Zehn gereinigt worden? Wo sind die Neun? 17,18 Haben sich sonst keine gefunden, die zurückkehrten, um Gott Ehre zu geben, außer diesem Fremdling? 17,19 Und er sprach zu ihm: Steh auf und geh hin! Dein Glaube hat dich gerettet. Lk 17,12-19;

O Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst!

Mt 15,21 Und Jesus ging von dort weg und zog sich in die Gegenden von Tyrus und Sidon zurück; 15,22 und siehe, eine kanaanäische Frau, die aus jenem Gebiet herkam, schrie und sprach: Erbarme dich meiner, Herr, Sohn Davids! Meine Tochter ist schlimm besessen.

15,23 Er aber antwortete ihr nicht ein Wort. Und seine Jünger traten hinzu und baten ihn und sprachen: Entlaß sie! Denn sie schreit hinter uns her. 15,24 Er aber antwortete und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.

15,25 Sie aber kam und warf sich vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! 15,26 Er antwortete und sprach: Es ist nicht schön, das Brot der Kinder zu nehmen und den Hunden hinzuwerfen. 15,27 Sie aber sprach: Ja, Herr; doch es essen ja auch die Hunde von den Krumen, die von dem Tisch ihrer Herren fallen.

15,28 Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: O Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter war geheilt von jener Stunde an. Mt 15,21-28;


Wenn wir nun diese Schriftstellen analysieren und versuchen die Empfänger dieser Wunder zu beurteilen, erkennen wir, dass der blinde Bettler oben, in Mk 10,46-52 ein mosaischgläubiger Israelit gewesen sein muss. Er nannte Jesus nicht nur den Sohn Davids, sondern auch „Rabbuni”. Die Hure aus Lk 7,36-50 war möglicherweise auch Israelitin, aber sie war vor der Begegnung mit Jesus sicher nicht gläubig, sonst hätte sie diesem Beruf nicht nachgehen können.

Die zehn Aussätzigen dürften auch Israeliten gewesen sein, weil ihnen der Herr gebot, nach ihrer Heilung zu den Priestern zu gehen und sich zu zeigen. Die Frau schließlich hier oben, in Mt 15,21-28, welche für ihre Tochter bat, war hingegen Kanaaniterin und daher mit Bestimmtheit nicht mosaischgläubig. Wir sehen also, dass die Zugehörigkeit zum mosaischen Glauben keinesfalls Voraussetzung war, um eines Wunders würdig zu sein. Auch nicht ein frommer Lebenswandel, wie wir bei der Hure erkennen können.

Und obwohl der Herr zu der kanaanäischen Frau sagte „Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel” und ihr damit zu verstehen gab, dass sie als Nicht-Israelitin keinerlei Anspruch hatte, hat er ihre Tochter dann doch geheilt. Der Grund war einerseits ihr Glaube daran, dass Jesus Wunder wirken kann, aber auch – wie uns diese Stelle ganz deutlich zeigt – weil sie die Tatsache anerkannte, dass Israel das auserwählte Volk Gottes ist und sie als Kanaaniterin nur jenes Recht auf ein Wunder hatte, welches auch die Hunde auf ein paar Brotkrumen vom Tisch ihres Herrn haben.

Der Glaube der Jünger.

Und nun ist es recht interessant festzustellen, dass im Gegensatz zu diesem großen Glauben all dieser Menschen, an denen Jesus Wunder gewirkt hatte, der Glaube seiner eigenen Jünger immer wieder zu wünschen übrig ließ. Wir erkennen das in den folgenden Berichten sehr deutlich.

Wenn aber Gott das Gras des Feldes kleidet, wird er das nicht viel mehr euch tun, ihr Kleingläubigen?

Mt 6,28 Und warum seid ihr um Kleidung besorgt? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen: sie mühen sich nicht, auch spinnen sie nicht. 6,29 Ich sage euch aber, daß selbst nicht Salomo in all seiner Herrlichkeit bekleidet war wie eine von diesen. 6,30 Wenn aber Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wird er das nicht viel mehr euch tun, ihr Kleingläubigen?

6,31 So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen? Oder: Was sollen wir trinken? Oder: Was sollen wir anziehen? 6,32 Denn nach diesem allen trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr dies alles benötigt. 6,33 Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden.

6,34 So seid nun nicht besorgt um den morgigen Tag! Denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug. Mt 6,28-34;


Bei diesem Ereignis geht es natürlich vordergründig nicht um Wunder, sondern darum, dass die Jünger sich um Nahrung und Kleidung sorgten. Doch der Herr erkannte auch darin ihren Mangel an Glauben, wie könnten sie sonst denken, Gott würde ihnen nicht das Nötige zum Leben zukommen lassen?

Und er spricht zu ihnen: Was seid ihr furchtsam, Kleingläubige?

Mt 8,23 Und als er in das Boot gestiegen war, folgten ihm seine Jünger. 8,24 Und siehe, es erhob sich ein heftiger Sturm auf dem See, so daß das Boot von den Wellen bedeckt wurde; er aber schlief. 8,25 Und sie traten hinzu, weckten ihn auf und sprachen: Herr, rette uns, wir kommen um!

8,26 Und er spricht zu ihnen: Was seid ihr furchtsam, Kleingläubige? Dann stand er auf und bedrohte die Winde und den See; und es entstand eine große Stille. 8,27 Die Menschen aber wunderten sich und sagten: Was für einer ist dieser, daß auch die Winde und der See ihm gehorchen? Mt 8,23-27;


Hier oben, ebenso wie in der nächsten Schriftstelle, geht es dann darum, dass die Jünger – einmal mit dem Herrn, einmal ohne ihn – in einem Boot den See überquerten und dabei in einen Sturm gerieten. Nun ist dies sicherlich eine lebensgefährliche Situation, noch dazu, wenn die Jünger nicht schwimmen konnten. Doch der Herr rügt sie auch hier. Sie hätten darauf vertrauen müssen, dass sie der Herr nicht im Stich lassen würde. Und mit einem Glauben „wie ein Senfkorn” hätten sie selbst dem Wind und dem See Ruhe gebieten können.

Sogleich aber streckte Jesus die Hand aus, ergriff ihn und spricht zu ihm: Kleingläubiger, warum zweifeltest du?

Mt 14,24 Das Boot (mit den Jüngern /Anm.) aber war schon mitten auf dem See und litt Not von den Wellen, denn der Wind war ihnen entgegen. 14,25 Aber in der vierten Nachtwache kam er (Jesus /Anm.) zu ihnen, indem er auf dem See einherging.

14,26 Und als die Jünger ihn auf dem See einhergehen sahen, wurden sie bestürzt und sprachen: Es ist ein Gespenst! Und sie schrien vor Furcht. 14,27 Sogleich aber redete Jesus zu ihnen und sprach: Seid guten Mutes! Ich bin es. Fürchtet euch nicht!

14,28 Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, wenn du es bist, so befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen! 14,29 Er aber sprach: Komm! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu.

14,30 Als er aber den starken Wind sah, fürchtete er sich; und als er anfing zu sinken, schrie er und sprach: Herr, rette mich! 14,31 Sogleich aber streckte Jesus die Hand aus, ergriff ihn und spricht zu ihm: Kleingläubiger, warum zweifeltest du? Mt 14,24-31;


Der Vorfall im zweiten Teil der obigen Schriftstelle, bei dem Petrus auf Zuspruch des Herrn auf dem Wasser geht, dann aber doch versinkt, zeigt uns nun ganz deutlich den Hintergrund all dieser Situationen und den Ursprung des mangelnden Glaubens der Jünger: Es ist Zweifel – schlicht und einfach Zweifel. In erster Linie natürlich Zweifel an sich selbst. Obwohl es ihnen der Herr immer wieder gepredigt hatte, dass ihnen mit einem „Senfkorn” voll Glaubens nichts unmöglich sein würde, fehlte ihnen das nötige Selbstvertrauen.

Aber es ist auch Zweifel an ihrem Meister. Obwohl sie Jünger des Herrn waren und obwohl sie – wie Petrus bekannte – wussten, dass Jesus Gottes Sohn war, waren sie im tiefsten Herzen noch nicht voll davon überzeugt.

Und wenn der jüdische Theologe Pinchas Lapide eines seiner Bücher übertitelte „Er wandelte nicht auf dem Meer”, so kann man ihm fast keinen Vorwurf machen, wenn man bedenkt, dass auch sein Landsmann Simon Petrus schon vor zweitausend Jahren - sogar im Angesicht des Sohnes Gottes – noch zweifelte.

Dies mag aber auch für uns heutige Christen eine Lehre sein. Wie schwer fällt es uns doch am Beginn unseres Glaubenslebens, dieses Vertrauen in den Herrn und dann auch das Vertrauen in uns selbst und in unseren eigenen Glauben zu erlangen. Hier kann uns dieses Erlebnis des Petrus’ auf dem See eine hilfreiche Erfahrung sein.

Was überlegt ihr bei euch selbst, Kleingläubige, weil ihr keine Brote habt?

Mt 16,5 Und als seine Jünger an das jenseitige Ufer gekommen waren, hatten sie vergessen, Brote mitzunehmen. 16,6 Jesus aber sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!

16,7 Sie aber überlegten bei sich selbst und sagten: Das sagt er, weil wir keine Brote mitgenommen haben. 16,8 Als aber Jesus es erkannte, sprach er: Was überlegt ihr bei euch selbst, Kleingläubige, weil ihr keine Brote habt? 16,9 Versteht ihr noch nicht, erinnert ihr euch auch nicht an die fünf Brote der Fünftausend, und wie viele Handkörbe ihr aufhobt? 16,10 Auch nicht an die sieben Brote der Viertausend, und wie viele Körbe ihr aufhobt? 16,11 Wie, versteht ihr nicht, daß ich nicht von Broten zu euch sprach? Hütet euch aber vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer! 16,12 Da verstanden sie, daß er nicht gesagt hatte, sich zu hüten vor dem Sauerteig der Brote, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer. Mt 16, 5-12;

Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, wird euch nichts unmöglich sein.

Mt 17,14 Und als sie zu der Volksmenge kamen, trat ein Mensch zu ihm und fiel vor ihm auf die Knie

17,15 und sprach: Herr, erbarme dich meines Sohnes! Denn er ist mondsüchtig und leidet arg; denn oft fällt er ins Feuer und oft ins Wasser. 17,16 Und ich brachte ihn zu deinen Jüngern, doch sie konnten ihn nicht heilen. 17,17 Jesus aber antwortete und sprach: O ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! Bis wann soll ich bei euch sein? Bis wann soll ich euch ertragen? Bringt ihn mir her!

17,18 Und Jesus bedrohte ihn, und der Dämon fuhr von ihm aus; und von jener Stunde an war der Junge geheilt. 17,19 Da traten die Jünger für sich allein zu Jesus und sprachen: Warum haben wir ihn nicht austreiben können?

17,20 Er aber spricht zu ihnen: Wegen eures Kleinglaubens; denn wahrlich, ich sage euch, wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berg sagen: Hebe dich weg von hier dorthin! und er wird sich hinwegheben. Und nichts wird euch unmöglich sein. Mt 17,14-20;


Hier oben, in Mt 17,20 haben wir nun diese berühmte Aussage des Herr über den Glauben „wie ein Senfkorn”. Das Senfkorn ist von allen Samenarten die kleinste, wie es der Herr in Mt 13,32 ausdrückt. Und ein Glaube wie ein Senfkorn ist daher tatsächlich ein sehr kleines Maß an Glauben. Und wenn auch bis heute nicht überliefert ist, dass ein Christ einen Berg versetzt hätte, haben wir doch glaubhafte Berichte im NT, von den Aposteln Petrus und Paulus, über die Auferweckung von Toten und andere Wunder (z. B. Apg 3,1-9; 20,9-12). Diese Kraft des Glaubens wurde also auch von anderen Menschen außer Jesus Christus unter Beweis gestellt.

Wenn es daher uns Heutigen nicht gelingt Berge zu versetzen und Tote aufzuerwecken, so liegt das mit Sicherheit nicht daran, dass die Verheißung des Herrn hier oben, in Mt 17,20, dass uns „nichts unmöglich” sein würde, keine Gültigkeit mehr hätte, sondern ausschließlich an uns und unserem beschämenden Mangel an Glauben.

Der Unglaube der Gläubigen.

Aber nicht nur die Jünger hatten Schwierigkeiten mit ihrem Glauben, auch die Einwohner von Nazareth, der Heimatstadt Jesu, hatten ihre Zweifel an seiner Gottessohnschaft. Für sie war er der Sohn Josefs und der Maria. Seine Brüder und Schwestern lebten unter ihnen und diese waren keine Propheten und wirkten auch keine Wunder. Wieso sollte also ausgerechnet der älteste Sohn der Familie, der - wie mancher gedacht haben mag - noch dazu gar nicht der Sohn Josefs war, so gesegnet sein?

Und er tat dort nicht viele Wunderwerke wegen ihres Unglaubens.

Mt 13,53 Und es geschah, als Jesus diese Gleichnisse vollendet hatte, ging er von dort weg. 13,54 Und er kam in seine Vaterstadt und lehrte sie in ihrer Synagoge, so daß sie sehr erstaunten und sprachen: Woher hat er diese Weisheit und die Wunderwerke? 13,55 Ist er nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria und seine Brüder Jakobus und Josef und Simon und Judas? 13,56 Und seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? Woher hat er nun dies alles?

13,57 Und sie ärgerten sich an ihm. Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet ist nicht ohne Ehre, außer in seiner Vaterstadt und in seinem Haus. 13,58 Und er tat dort nicht viele Wunderwerke wegen ihres Unglaubens. Mt 13,53-58;


Lukas hat in seinem Bericht von diesem Ereignis noch ein weiteres, sehr interessantes Detail aufgezeichnet, dessen Hintergründe ebenfalls einer Betrachtung wert sind:

Und führten ihn bis an den Rand des Berges um ihn so hinabzustürzen.

Lk 4,28 Und alle in der Synagoge wurden von Wut erfüllt, als sie dies hörten. 4,29 Und sie standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn bis an den Rand des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, um ihn so hinabzustürzen.4,30 Er aber schritt durch ihre Mitte hindurch und ging weg. Lk 4,28-30;


Die Bürger der Vaterstadt Jesu waren also so erzürnt über das was er sagte, dass sie ihn ermorden wollten. Und nachdem diese Begebenheit in der Synagoge von Nazareth ihren Anfang genommen hatte, wo alle Juden am Sabbath versammelt waren – also auch die Familie Jesu -, fragt man sich, wo denn hier diese Familie – der Vater und die Brüder Jakobus, Josef, Simon und Judas - geblieben sind? Wieso haben sie zugelassen, dass man ihn die Stadt hinaus und zur Schlucht hin drängte? Wieso haben sie sich nicht gemeinsam um ihn gestellt und ihn vor der Wut des Mobs geschützt?

Sie haben ihn schändlich in Stich gelassen und die obige Aussage des Herrn in Mt 13,57 ist mittlerweile auch zum Schlagwort in fast allen Sprachen der Welt geworden: Der Prophet gilt nichts im eigenen Land. Wie man aber sieht, bezog sich der Herr hier nicht auf das Land, sondern auf die Stadt und seine Familie (sein Haus). Es gilt also das Prinzip: je näher die Menschen jemandem stehen, desto weniger akzeptieren sie Heilsberufungen.

Der Herr konnte daher dort auch keine Wunder wirken, sondern musste sich durch ein Wunder, indem er durch die Menge hindurchging als ob sie nicht vorhanden wäre, selbst vor einer Hinrichtung retten und ging aus Nazareth hinaus. (Lk 4,28-30)

Zusammenfassend können wir nun aus all den zitierten Schriftstellen über Glauben und Mangel an Glauben folgendes festhalten:

1. Der Glaube ist eine, dem Menschen innewohnende Kraft.

2. Dieser Glaube kann u. a. bewirken, dass Menschen geheilt werden.

Mt 9,22 Sei guten Mutes, Tochter! Dein Glaube hat dich geheilt.

Mk 10,52 Geh hin, dein Glaube hat dich geheilt!

Lk 7,50 Dein Glaube hat dich gerettet. Geh hin in Frieden!

Lk 17,19 Steh auf und geh hin! Dein Glaube hat dich gerettet.

Mt 15,28 O Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst!

3. Zweifel kann die Kraft des Glaubens schwächen oder gar auslöschen:

Mt 6,30 Wenn aber Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wird er das nicht viel mehr euch tun, ihr Kleingläubigen?

Mt 8,26 Und er spricht zu ihnen: Was seid ihr furchtsam, Kleingläubige?

Mt 14,31 Kleingläubiger, warum zweifeltest du?

Mt 16,8 Was überlegt ihr bei euch selbst, Kleingläubige, weil ihr keine Brote habt?

4. Starker Glaube kann Berge versetzen.

Mt 17,18 Und Jesus bedrohte ihn, und der Dämon fuhr von ihm aus; und von jener Stunde an war der Junge geheilt. 17,19 Da traten die Jünger für sich allein zu Jesus und sprachen: Warum haben wir ihn nicht austreiben können? 17,20 Er aber spricht zu ihnen: Wegen eures Kleinglaubens; denn wahrlich, ich sage euch, wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berg sagen: Hebe dich weg von hier dorthin! und er wird sich hinwegheben. Und nichts wird euch unmöglich sein.

5. Durch Unglauben wird die Kraft des Glaubens geleugnet und damit behindert.

Mt 13,57 Ein Prophet ist nicht ohne Ehre, außer in seiner Vaterstadt und in seinem Haus. 13,58 Und er tat dort nicht viele Wunderwerke wegen ihres Unglaubens.


Dies alles sind persönliche Aussagen des Herrn und daher über jeden Zweifel erhaben. Und nun gibt es eine Reihe von christlichen Theologen, welche diese Kraft des Glaubens bestreiten. Als Beispiel dafür sei hier auszugsweise aus einem Vortrag von Professor Herbert Jantzen zitiert.



(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Wie verhalten wir uns gegenüber dämonischen Einflüssen? / Herbert Jantzen, Vortrag HJ00 Teil 1, CS-CD1 33.07.06*)

Wer versetzt Berge? Nun in Amerika und in einigen anderen Ländern, wo man große Maschinen hat, da können das die Maschinen mit Menschen, die sie steuern. Da werden ganze Berge versetzt. In der Schweiz verzichtet man darauf, man bohrt ein Loch da durch oder einen Tunnel. Die Oberfläche ist einem zu schade. Aber in anderen Ländern, wo man eine größere Fläche hat, da kommt es nicht so drauf an, ob ein Berg oder zwei fehlen und da kann man schon ganze Berge versetzen. Aber sonst, einfach so mit sprechen, das kann nur Gott. Und Sie können Glauben von hier bis zum Himmel haben: Sie werden keinen Berg versetzen. Denn es ist nicht der Glaube, der das tut, es ist Gott, der das tut. Glaube hat noch nichts erreicht. Rein nichts. Der Glaube bewegt nicht den Arm Gottes, den wird er von selbst bewegen. (...) Ich meine jetzt im absoluten Sinne: Der Glaube erreicht rein nichts, er tut nichts. Verstehen Sie das? Der Glaube ist die Einstellung in einer Beziehung zu einem anderen, der etwas tun kann. Deshalb können Sie Glauben aufpumpen und es geschieht nichts – wenn Gott es nicht will. Aber bitte, wenn Gott es tut, dann müssen Sie über sein Wissen, über sein Wollen, über sein Vorhaben, über seine Pläne Bescheid wissen. Wenn Sie wissen, dass Gott vorhat, einen Berg zu versetzen und er will Sie hineinnehmen in diese ganze Handlung, dann können Sie sagen: Ja, ich glaube, dass Du das tun kannst und wenn Du das vorhast, dann wirst Du das auch tun. Aber um Glauben zu können, muss man vorher wissen. Der biblische Glaube ist ein Glaube der zuerst weiß. Glauben in der Bibel ist Vertrauen auf Wissen hin. Und es werden keine Berge von Christen versetzt – auch keine Probleme. Es sei denn, der Christ weiß, wie ist der Wille des Herrn. Und wenn mir das einmal klar ist, dann können wir sehen, „exousia” (grie. = Vollmacht / Anm.) im Gebet hat mit dieser Voraussetzung zu tun. Das heißt Vollmacht oder das Recht. Wir haben kein Recht, Berge zu versetzen, wenn das nicht im Plan Gottes ist.

* H. Jantzen war von 1970 bis 1980 Professor für Dogmatik an der Freien Evangelisch Theologischen Akademie Basel (heute „Staatsunabhängige Hochschule Basel”).


(Dieser Vortrag ist neben vielen anderen, sehr interessanten schriftlichen und akustischen Dokumentationen auf der „Christliche Software CD-1” kostenlos - gegen Portoersatz - zu erhalten bei:
Wolfgang Roth Wolfgang.Roth@web.de / http://mitglied.lycos.de/woroth0/)



Man muss H. Jantzen natürlich Recht geben: wenn es Gott nicht will, kann gar nichts geschehen. Das gilt im gesamten Universum. Ebenso muss man der Aussage zustimmen „es ist nicht der Glaube, der das tut, es ist Gott, der das tut”. Natürlich. Nur gilt auch hier: alles ist dem Willen Gottes unterstellt. Und wenn Gott nicht will, dass H. Jantzen einen Vortrag hält, wird er ihn nicht halten können. Daraus kann man aber nicht ableiten, dass dann, wenn H. Jantzen einen Vortrag hält, es Gott ist, der da spricht. Das heißt aber auch: Wenn es Gottes Wille ist, dass dem Glauben des Menschen eine besondere Wirksamkeit gegeben ist – und dies wird uns ja oben von seinem Sohn, unserem Herrn Jesus Christus mehrfach bestätigt – dann hat das seine allgemeine Gültigkeit und Gott muss nicht hinter jeder Glaubenshandlung des Menschen wachen und „seinen Arm bewegen”.

Und nun meint der Autor:

„Und Sie können Glauben von hier bis zum Himmel haben: Sie werden keinen Berg versetzen”.

Der Herr Jesus hingegen sagt uns in Mt 17,20: „denn wahrlich, ich sage euch, wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berg sagen: Hebe dich weg von hier dorthin! und  er wird sich hinwegheben. Und nichts wird euch unmöglich sein”. Und weil wir gerade vom Glauben sprechen: hier werde ich natürlich dem Sohn Gottes glauben und nicht einem Menschen. Auch nicht wenn er Theologe und Professor ist.

Und wenn es uns als Christen nicht gelingt Berge zu versetzen, so liegt das bestimmt nicht daran, dass uns der Herr hier einen Bären aufgebunden hat und Glaube nichts bewirken könnte, sondern dass unser Glaube zu klein ist. Kleiner als ein Senfkorn. Wenn wir jedoch die Barmherzigkeit, Gnade und Liebe unseres Herrn Jesus Christus mit in die Waagschale legen, bekommt auch unser winziger Glaube ein Gewicht, welches vielleicht nicht Berge versetzen, aber doch „den Arm Gottes bewegen” kann, um uns in unserer Not zu helfen.

Wenn wir dann die weitere Aussage des Autors betrachten:

„Der Glaube bewegt nicht den Arm Gottes, den wird er von selbst bewegen. (...) Ich meine jetzt im absoluten Sinne: Der Glaube erreicht rein nichts, er tut nichts. Verstehen Sie das?”

- dann stellt sich die Frage, wieso hier dem Glauben so radikal jedwede Wirksamkeit abgesprochen werden soll. Es wäre dies nicht nur im Gegensatz zu den Aussagen des Herrn, sondern auch und insbesondere zu den Erfahrungen im Leben eines Christenmenschen. Es sei denn, jemand hätte in seinem Leben noch nie eine Gebetserhörung gehabt, noch nie im Glauben zu Gott und dem Herrn Jesus um Hilfe gebetet, also noch nie erlebt, dass das Glaubensgebet im Sinne der Aussage des Herrn (Mk 11,24 Darum sage ich euch: Alles, um was ihr auch betet und bittet, glaubt, daß ihr es empfangen habt, und es wird euch werden) tatsächlich Realität geworden ist. Für den wäre eine derartige Wirksamkeit natürlich schwer vorzustellen.

Am Ende des oben zitierten Auszugs haben wir dann noch eine Aussage, welche vielleicht den Hintergrund dieser schwer verständlichen Haltung erklären könnte. Dort heißt es:

„Es sei denn, der Christ weiß, wie ist der Wille des Herrn. Und wenn mir das einmal klar ist, dann können wir sehen, „exousia” (grie.=Vollmacht / Anm.) im Gebet hat mit dieser Voraussetzung zu tun. Das heißt Vollmacht oder das Recht.”

Abgesehen davon, dass der Christ allwissend sein müsste, um den Willen des Herrn zu wissen, wird hier als Voraussetzung für das Glaubensgebet u. a. auch das „Recht” genannt. Und dies scheint nun ein großes Missverständnis zu sein. Wir haben als Christen kein „Recht” auf Gebetserhörung. Ebenso wenig, wie wir Gott gegenüber ein „Recht” auf irgend etwas anderes hätten. Es ist Gnade und Barmherzigkeit unseres Gottes, welche wir in unseren Glaubensgebeten erflehen. Nur Überheblichkeit und Selbstüberschätzung kann uns vorgaukeln, dass wir Gott gegenüber ein Anrecht auf etwas hätten.

Und es ist eben sehr wohl dieser Glaube, der etwas „tut”, der etwas „erreicht”. Er erreicht die Liebe Gottes. Er ist der Beweis und die Bestätigung dafür, dass wir Gott als unseren Vater kennen und lieben und dass er uns als seine Kinder kennt und liebt. Und auf dieser Vater-Kind Basis beruht einerseits Glaube und andererseits Gebetserhörung. Ich hatte Krebs und wurde operiert. Der Operateur hat mir später gesagt, dass diese Art von Tumor mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in sehr kurzer Zeit wieder auftritt und er hat mir gestanden, dass er einiges gewettet hätte, dass ich innerhalb weniger Monate wieder auf dem Operationstisch liegen würde. Mit einer entsprechenden Therapie sind es nunmehr schon knapp eineinhalb Jahre und – dem Herrn sei Dank – die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen sind immer noch negativ. Hier hat eine ganze Familie im Glauben gebetet und geglaubt, dass sie empfängt, was sie erbeten hat. Und es ist uns geworden. Und ich könnte hier noch von einer ganzen Reihe weiterer, zumindest ebenso dramatischer Gebetserhörungen aus meinem Leben berichten. Wer noch nie die Erfahrung gemacht hat, dass der Glaube und das Gebet „den Arm Gottes bewegen” um unsere Probleme zu lösen, der hat entweder keine Probleme oder keinen Glauben.

Der Glaube der Ungläubigen.

Eigentlich müsste es heißen: „Der Glaube der Unerretteten”, denn in den unteren Schriftstellen ist deutlich zu erkennen, dass die Kraft des Glaubens – ähnlich wie jene der Emotion - unterschiedliche Zielsetzungen haben kann. Wie ein emotionaler Mensch sowohl intensiv lieben, aber auch unerbittlich hassen kann, kann jemand, der die Kraft des Glaubens besitzt, diesen in verschiedener Weise einsetzen.

Wenn wir in den bisherigen Schriftstellen nachweisen konnten, dass u. a. auch Menschen, welche noch nicht zum rettenden Glauben an den Herrn Jesus gekommen waren, von ihm durch Wunder geholfen worden ist, so haben wir in der nachfolgenden Begebenheit einen Schriftbeweis dafür, dass derartige Menschen durch Glaubenskraft nicht nur Wunder empfangen, sondern sie auch selbst vollbringen konnten.

Wir sahen jemand Dämonen austreiben in deinem Namen.

Mk 9,38 Johannes sagte zu ihm: Lehrer, wir sahen jemand Dämonen austreiben in deinem Namen; und wir wehrten ihm, weil er uns nicht nachfolgt.

9,39 Jesus aber sprach: Wehrt ihm nicht, denn es ist niemand, der ein Wunder in meinem Namen tun und bald darauf schlecht von mir reden kann. 9,40 Denn wer nicht gegen uns ist, ist für uns. Mk 9,38-40;


Die Aussage des Johannes hier oben, in Mk 9,38, dass dieser Mann ihnen nicht „nachfolgt”, ist nun sicher nicht so zu verstehen, dass er nur nicht einer der Apostel gewesen wäre. Jene, die dem Herrn „nachfolgten”, gab es zu Hunderten, ja wahrscheinlich sogar zu Tausenden. Sie waren nicht immer bei Jesus und seinen Aposteln, aber sie gehörten zu seinen Jüngern und waren Nachfolger in der Lehre.

Dieser Mann aber, der hier im Namen Jesu Geister austrieb, war kein Nachfolger. Das heißt, er hat die Lehre Jesu nicht angenommen und folgte ihm daher auch nicht nach. Und dennoch war es ihm möglich, Wunder zu vollbringen. Wenn es eines weiteren Beweises bedurft hätte, dass der Glaube des Menschen eine vollkommen unabhängige Kraft ist, dann hätten wir ihn hier gefunden.

Allerdings zeigt uns dieser Bericht auch noch ein zweites wichtiges Element auf, ohne welches derartige Wundertaten durch Menschen nicht möglich wären. Aufgrund der bisherigen Analyse wäre es durchaus möglich zu behaupten, wenn also die Glaubensfähigkeit des Menschen unabhängig ist von seinem Lebenswandel, seiner geistigen Haltung und seinem religiösen Bekenntnis, dann würden eigentlich alle Menschen – egal welcher Weltanschauung und Religion – in der Lage sein, Wunder zu vollbringen.

Und hier müssen wir noch einmal auf die eingangs zitierte Aussage von Dave Hunt zurückkommen, in der er meinte: „Der Mensch hat es schon immer als hilfreich empfunden, etwas Greifbares zu haben, woran er glaubt”. Und in der Folge weist er dann darauf hin, dass die falschen Wunderheiler unserer Zeit Fuß- oder Handumrisse versenden um ihren potentiellen Opfern einen „Kontaktpunkt” vorzugaukeln.

Wenn wir nun die bisher zitierten Schriftstellen betrachten, dann erkennen wir, dass es in jeder einzelnen Begebenheit tatsächlich auch einen derartigen „Kontaktpunkt” gegeben hat. Und dies war weder ein Fußabdruck noch ein Handabdruck, noch überhaupt irgendein Mensch, sondern allein Jesus Christus, der Sohn Gottes. Jedes einzelne Wunder konnte nur geschehen, weil der Herr explizit oder implizit daran beteiligt war. Und auch hier, dieser unerrettete Mann, der die Glaubenskraft hatte Geister auszutreiben, konnte dies nur im Namen Jesu tun. In jedem anderen oder auch im eigenen Namen wäre ihm das nie gelungen. Und auch die Apostel (z.B. Paulus und Petrus) wirkten ihre Wunder „im Namen Jesu Christi”. Der einzige „Kontaktpunkt” für den Glauben ist also der Herr Jesus und weder Hand- oder Fußumrisse, noch Talismane, Heiligenbilder, Skapuliere, Kruzifixe, Medaillen oder Kristallkugeln.

Der Grund für diese allumfassende Macht des Sohnes Gottes ist die biblische Tatsache, dass Gott alle Schöpfung durch ihn geschaffen hat. Durch ihn wurden alle Welten gemacht und das ganze All erschaffen und daher ist ihm auch alles – das Sichtbare wie das Unsichtbare – untertan und gehorcht seinem Willen. Er ist das „Wort”, von dem Johannes unten sagt, dass es bereits am Anfang der Schöpfung bei Gott war. Und als Gott sprach: „Es werde”, war es sein Sohn, unser Herr Jesus Christus, welcher alle Dinge ins Leben rief.

Denn in ihm ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare,

Kol 1,15 Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene aller Schöpfung. 1,16 Denn in ihm ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Gewalten oder Mächte: alles ist durch ihn und zu ihm hin geschaffen; 1,17 und er ist vor allem, und alles besteht durch ihn. Kol 1,15-17;

Der Sohn, durch den der Vater die Welten gemacht hat, trägt alle Dinge durch das Wort seiner Macht.

Hbr 1,1 Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, 1,2 hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er zum Erben aller Dinge eingesetzt hat, durch den er auch die Welten gemacht hat; 1,3 er, der Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und Abdruck seines Wesens ist und alle Dinge durch das Wort seiner Macht trägt, hat sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt, nachdem er die Reinigung von den Sünden bewirkt hat; Hbr 1, 1- 3;

Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist.

Jh 1,1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 1,2 Dieses war im Anfang bei Gott. 1,3 Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist. 1,4 In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 1,5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfaßt. Jh 1, 1- 5;


Schließlich haben wir in der Schrift auch noch den Beweis dafür, dass diese Art der Glaubenskraft, mit welcher von unerretteten Menschen im Namen des Herrn Wunder vollbracht werden, mit dem wahren christlichen Glauben nicht das Mindeste zu tun hat. Genau auf diese Situation weist uns der Herr in Mt 7,21-23 hin.

Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter!

Mt 7,21 Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel hineinkommen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. 7,22 Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? 7,23 Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter! Mt 7,21-23;


Sie hatten die Glaubenskraft, im Namen des Herrn Wunder zu vollbringen. Sie haben Dämonen ausgetrieben und geweissagt. Doch sie hatten diese ihre Fähigkeit nie dazu benutzt, um den Willen des Vaters zu tun, zu bereuen, umzukehren und in ihrem Leben dem Herrn nachzufolgen. Daher hat sie der Herr auch nie gekannt und nennt sie Übeltäter.

Und hier schließt sich nun der Kreis. Die allgemeine Fähigkeit zu glauben ist zwar eine eigenständige Kraft im Menschen wie etwa Liebe, Hass, Freude oder Angst. Jedoch im Unterschied zu allen diesen menschlichen Regungen, deren Auslösemechanismen durch unterschiedliche Gegebenheiten aktiviert werden können, kann der heilswirksame Glaube nur durch die Hinwendung zum Sohn Gottes und die Übergabe des eigenen Lebens an unseren Herrn Jesus Christus bewirkt werden.

Das sagt uns auch der Herr selbst:

Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet.

Jh 3,17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn errettet werde.

3,18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Jh 3,17-18;

Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben.

Jh 3,35 Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben. 3,36 Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm. Jh 3,35-36;

Wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten.

Jh 6,35 Jesus sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens: Wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten. Jh 6,35;

Wer an mich glaubt, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen.

Jh 7,38 Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen. 7,39 Dies aber sagte er von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn noch war der Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war. Jh 7,38-39;

Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist.

Jh 11,25 Jesus sprach zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; 11,26 und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit. Glaubst du das? Jh 11,25-26;

Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird größere als diese tun.

Jh 14,12 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe. Jh 14,12;


Der Glaube der Gläubigen.

Nun ist es aber nicht so, wenn wir dem bisher Gesagten zustimmen, dass wir dann auch schon damit rechnen könnten, in unserem Leben Wunder wirken und Auswirkungen des Heiligen Geistes erwarten zu können.

Das wäre etwa so, als würden wir ein Haus bauen und die Türen schon auf der grünen Wiese aufstellen wollen. Wir müssen vorher den Boden ausheben und dann ein starkes Fundament errichten - erst dann können Mauern mit Fenstern und Türen aufgebaut werden.

Und ebenso, wie wir uns zuerst einmal grundsätzlich zum Hausbau entscheiden müssen bevor wir die Arbeiten in Angriff nehmen, müssen wir uns auch bewusst für Jesus Christus entscheiden, ehe wir mit dem Aufbau unseres Glaubens beginnen können.

Und dann müssen wir den Boden ausheben um Platz für das Fundament zu schaffen. Wir müssen den Herrn um die Vergebung unserer Sünden bitten. Und zwar aller Sünden: der gedachten, der gesprochenen, der Tatsünden, der bewussten, der unbewussten und auch der Unterlassungssünden.

Und obwohl auch das schon ein Wunder ist, dass uns der Herr alle diese Sünden vergibt, können wir dann im Glaubensleben nicht gleich damit beginnen, irgendwelche „Wunder” vom Herrn zu erbitten. In unseren Gebeten müssen wir den Herrn zuerst darum bitten, uns seinen Willen für uns zu zeigen und unser Tun nach seinem Willen zu lenken. Wir müssen ihn bitten, unseren Glauben, unser Vertrauen und unsere Liebe zu ihm zu stärken und unser Herz zu öffnen.

Wenn wir das ernsthaft und mit aufrichtiger Gesinnung tun, wird uns der Herr sicher nicht im Stich lassen, sondern uns schon sehr bald auf unserem Weg in die rechte Richtung lenken. Im täglichen Gebet werden wir dann erkennen, dass uns der Herr immer vertrauter wird und wir durch den Glauben in Christus Jesus Kinder Gottes sind und unseren Vater im Himmel tatsächlich „Abba”, lieber Vater, nennen können, wie es uns auch Paulus in seinen Brief an die Galater schreibt:

Da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.

Gal 3,23 Bevor aber der Glaube kam, wurden wir unter Gesetz verwahrt, eingeschlossen auf den Glauben hin, der geoffenbart werden sollte. 3,24 Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister auf Christus hin geworden, damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden. 3,25 Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter einem Zuchtmeister; 3,26 denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben in Christus Jesus. 3,27 Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, ihr habt Christus angezogen.

3,28 Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. 3,29 Wenn ihr aber des Christus seid, so seid ihr damit Abrahams Nachkommenschaft und nach der Verheißung Erben. Gal 3,23-29;

Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!

Gal 4,1 Ich sage aber: solange der Erbe unmündig ist, unterscheidet er sich in nichts von einem Sklaven, obwohl er Herr über alles ist; 4,2 sondern er ist unter Vormündern und Verwaltern bis zu der vom Vater festgesetzten Frist. 4,3 So waren auch wir, als wir Unmündige waren, unter die Elemente der Welt versklavt; 4,4 als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz, 4,5 damit er die loskaufte, die unter Gesetz waren, damit wir die Sohnschaft empfingen.

4,6 Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! 4,7 Also bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; wenn aber Sohn, so auch Erbe durch Gott. 4,8 Damals jedoch, als ihr Gott nicht kanntet, dientet ihr denen, die von Natur nicht Götter sind; 4,9 jetzt aber habt ihr Gott erkannt – vielmehr ihr seid von Gott erkannt worden. Gal 4, 1- 9;


Was nun die Wunder betrifft, so sollten wir – auch als bewährte Christen – es dem Herrn überlassen, wo und wann er es für richtig erachtet Wunder geschehen zu lassen. Wir haben die Möglichkeit für uns und andere zu beten. Und je aufrichtiger und ernsthafter dieses Gebet ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es erhört wird.

Alles, was immer ihr im Gebet glaubend begehrt, werdet ihr empfangen.

Mt 21,18 Des Morgens früh aber, als er in die Stadt zurückkehrte, hungerte ihn. 21,19 Und als er einen Feigenbaum an dem Weg sah, ging er auf ihn zu und fand nichts an ihm als nur Blätter. Und er spricht zu ihm: Nie mehr komme Frucht von dir in Ewigkeit! Und sogleich verdorrte der Feigenbaum.

21,20 Und als die Jünger es sahen, verwunderten sie sich und sprachen: Wie ist der Feigenbaum sogleich verdorrt? 21,21 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht allein das mit dem Feigenbaum Geschehene tun, sondern wenn ihr auch zu diesem Berg sagen werdet: Hebe dich empor und wirf dich ins Meer! so wird es geschehen.

21,22 Und alles, was immer ihr im Gebet glaubend begehrt, werdet ihr empfangen. Mt 21,18-22;


Bei dieser Aussage des Herrn in Mt 21,22 „alles, was ihr glaubend begehrt” ist der Schwerpunkt auf das „glaubend” zu legen. Auch als Christen werden wir nicht alles empfangen, was wir begehren, sondern nur das was wir glaubend erbitten. Und dieses „glaubend” meint einmal, dass wir – während wir bitten – schon glauben, dass wir es empfangen werden. Andererseits heißt das aber auch, dass wir uns unsere Bitte vorher gut überlegt haben und von der Wichtigkeit und Dringlichkeit unseres Anliegens so überzeugt sind, dass wir schon vor unserem Gebet sicher sind, dass der Vater uns erhören wird.

Alles, um was ihr auch betet und bittet, glaubt, daß ihr es empfangen habt, und es wird euch werden.

Mk 11,23 Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berg sagen wird: Hebe dich empor und wirf dich ins Meer! und nicht zweifeln wird in seinem Herzen, sondern glauben, daß geschieht, was er sagt, dem wird es werden.

11,24 Darum sage ich euch: Alles, um was ihr auch betet und bittet, glaubt, daß ihr es empfangen habt, und es wird euch werden.

11,25 Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen vergebe. Mk 11,23-25;


Deshalb sagt uns auch der Herr hier oben, in Mk 11,24: „Glaubt, dass ihr es empfangen habt” und nicht „Glaubt, dass ihr es empfangen werdet”. Hier kommt zum Ausdruck, dass Gott bereits lange vor unserem Gebet weiß, was wir benötigen. Er weiß es früher und besser als wir und er hat auch schon gehandelt, auch wenn es für uns noch nicht erkennbar ist.

Dies ist überhaupt eine wichtige Erkenntnis im Glaubensleben. Wenn man – speziell als älterer Mensch – im Geist sein Leben zurückverfolgt, erkennt man an unzähligen Erinnerungen und Begebenheiten, dass Gott immer schon vor unserem Bitten gehandelt hatte. Das geht sogar so weit, dass wir erkennen müssen, dass die Führung und die Hilfe Gottes in unserem Leben bereits vorhanden war, als wir noch weit davon entfernt waren, uns überhaupt mit Gott und dem Glauben auseinander zusetzen.

Und nachdem Gott nicht nur früher sondern auch besser weiß, wessen wir bedürfen, sollten wir auch nicht um eine bestimmte Art der Erfüllung unserer Gebete bitten. Oft würden unsere persönlichen Vorstellungen für die Lösung eines Problems dieses nur noch erschweren anstatt es zu lösen. Wir müssen diese Entscheidung dem Herrn überlassen und können sicher sein, dass er die Dinge so lenkt, dass sie für uns und unser Problem – was immer das auch sein mag - am Besten sind. Und bei diesem allen sollten wir nicht übersehen, dass unsere wichtigste Bitte sein sollte, den Willen des Vaters zu tun.

Ob wir nun selbst für jemanden beten oder ob jemand für uns betet, das alles sollte nicht öffentlich „bekannt gegeben” werden. Jeder, der derartiges vor sich her posaunt, beweist damit nur, dass er keinen Zugang zu Gott hat und damit seine Gebete auch keine Wirkung haben können. Wie uns der Herr in Mt 6,6 sagt, sollten unsere Gebete aus unserer Kammer nicht hinausgetragen werden.

Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist!

Mt 6,5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler; denn sie lieben es, in den Synagogen und an den Ecken der Straßen stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. 6,6 Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.

6,7 Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern wie die von den Nationen; denn sie meinen, dass sie um ihres vielen Redens willen erhört werden. 6,8 Seid ihnen nun nicht gleich! Denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet. Mt 6. 5- 8;


In unseren Gebeten darf aber auch der Dank nicht fehlen. Wie wir aus dem auch schon weiter oben zitierten Beispiel von den zehn Aussätzigen, die vom Herrn geheilt wurden, erkennen, sind es neun von zehn Menschen, welche - nachdem ihre Bitten und Gebete erhört worden sind – ganz einfach zur Tagesordnung übergehen und vergessen, Gott für seine Hilfe zu danken.

Sind nicht die Zehn gereinigt worden? Wo sind die Neun?

Lk 17,12 Und als er in ein Dorf einzog, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die von fern standen. 17,13 Und sie erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, Meister, erbarme dich unser! 17,14 Und als er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, während sie hingingen, wurden sie gereinigt.

17,15 Einer aber von ihnen kehrte zurück, als er sah, daß er geheilt war, und verherrlichte Gott mit lauter Stimme; 17,16 und er fiel aufs Angesicht zu seinen Füßen und dankte ihm; und das war ein Samariter. 17,17 Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die Zehn gereinigt worden? Wo sind die Neun? 17,18 Haben sich sonst keine gefunden, die zurückkehrten, um Gott Ehre zu geben, außer diesem Fremdling? 17,19 Und er sprach zu ihm: Steh auf und geh hin! Dein Glaube hat dich gerettet. Lk 17,12-19;


Je größere Gnade wir bei Gott finden und je mehr Bitten der Herr erhört, umso mehr Danksagung ist vonnöten. Und auch das Danken ist kein „Geschäft”, wo einer erhörten Bitte ein „Dankeschön” gegenübersteht und das war es dann auch schon. Wenn uns der Herr z. B. von einer schweren Krankheit errettet hat, haben wir allen Grund jeden Tag unseres restlichen Lebens dafür zu danken.

Doch hier zeigt sich auch, ob wir unsere Bitten „im Namen des Herrn” ausgesprochen haben. Ob sie nämlich so wichtig und notwendig sind und so aufrichtig vorgebracht werden, dass auch der Herr sie akzeptieren kann. Wenn dem wirklich so ist, wird uns niemand zum Danken auffordern müssen. Wir werden mit freudigem Herzen den Herrn jeden Tag für seine Güte und Barmherzigkeit unseren Dank sagen.

Wer nun seine „Gebete” nicht nur in Briefen anbietet wie eine Ware, sondern dann auch noch Geld dafür verlangt, wie die eingangs von Dave Hunt geschilderten Prediger und Wunderheiler, kann nur jene betrügen, welche selbst die Lüge lieben und sie tun und welche von Gott verworfen sind.

Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, daß sie der Lüge glauben.

2The 2,11 Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, daß sie der Lüge glauben, 2,12 damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit. 2The 2,11-12;


Jeder der wirklich und wahrhaftig an Jesus Christus, unseren Herrn und Erlöser und an Gott den Allmächtigen, unseren lieben Vater in den Himmeln glaubt, wird nicht zuschanden werden, sondern das ewige Leben ererben und daher auch nicht derartigen Scharlatanen auf den Leim gehen.

Als bibeltreue Christen müssen wir uns auch bei unserem Widerstand gegen diese Betrüger vor einem „Fluch Gottes” ebenso wenig fürchten, wie vor irgendwelchen okkulten Angriffen dieser falschen Propheten. Hier bewahrt uns unser Herr vor allen derartigen Gefahren. Für Ungläubige oder Namenschristen jedoch, welche sich auf derartige Kontakte bewusst eingelassen haben, wird dann ein Aussteigen immer schwieriger. Und es scheint durchaus möglich, dass sich dann die erhoffte Hilfe durch diese okkulten Praktiken ins Gegenteil verkehrt und diesen Menschen dann plötzlich schlimmer Schaden zugefügt wird.

Im Zusammenhang mit solchen okkulten Praktiken scheint es nun auch ganz wichtig darauf hinzuweisen, dass jede Art von Meditation die Gefahr einer okkulten Verführung in sich birgt. Ob nun die fernöstliche TM (Transzendentale Meditation) oder andere Arten von Meditation – wie sie beispielsweise auch in der katholischen Kirche praktiziert werden: überall dort, wo wir aufgefordert werden, unseren Geist auszuschalten, begeben wir uns in die Gefahr vom Okkultismus vereinnahmt zu werden. Die Schrift sagt uns: „Gott ist Geist”. Wer daher seinen Geist ausschaltet, schaltet die Verbindung zu Gott aus. Das heißt, dem Heilige Geist wird der Zugang zum Geist des Menschen versperrt und den Geistern des Okkultismus dafür Tür und Tor geöffnet.

Abschließend möchte ich Ihnen noch eine Schriftstelle präsentieren, welche mir persönlich in meinem Gebetsleben sehr hilfreich ist. Es ist eine Aussage des Herrn in Jh 14,13-14, welche keinen Zweifel zulässt, dass der Herr unsere Gebete erhört.

Wenn ihr mich etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun.

Jh 14,13 Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn. 14,14 Wenn ihr mich etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun. Jh 14,13-14;


Ich habe diese Verheißung in meinem Leben immer wieder bestätigt bekommen. Allerdings gilt es auch hier zu beachten, dass es heißt: ”Was ihr bitten werdet in meinem Namen”. Dieser Name des Herrn ist nun nicht nur ein Hinweis, auf welchen wir uns in unseren Gebeten immer wieder beziehen sollten. Dieses „in meinem Namen” meint auch und insbesondere, dass der Inhalt des Gebetes so sein muss, dass es auch der Herr Jesus von seinem Vater erbitten könnte. Damit sind aber z. B. Gebete um einen Lotteriegewinn oder den Sieg der eigenen Fußballmannschaft und ähnliches ausgeschlossen.




Zusammenfassung

Aufgrund der obigen Analyse muss die eingangs gestellte Frage „Kann der Glaube Berge versetzen?” eindeutig bejaht werden. Dass unter Christen nicht mehr „Berge” versetzt werden, liegt nicht an der Unwirksamkeit des Glaubens, sondern an der mangelnden Glaubenskraft in den Menschen. Doch wie H. Jantzen oben sagt, können wir unter Umständen „Glauben von hier bis zum Himmel” haben, ohne dass wir damit dem Himmelreich auch nur einen Schritt näher gekommen wären. Es ist nicht die Quantität, welche im Glauben zählt, sondern die Qualität. Der heilswirksame Glaube bedarf zuerst der Umkehr, der Bekehrung, der Sündenerkenntnis, der Buße und der Sündenvergabe durch die Annahme des Loskaufopfers unseres Herrn am Kreuz. Das ist die Basis für den echten, den wahren Glauben. Alles andere ist Missbrauch und Verrat des Namens Jesu und ein Freifahrschein in die Verdammnis.