Diskurs 51 - Der Empfang des Heiligen Geistes - wie geschieht das?




Wann erhält der Gläubige den Heiligen Geist? / Stellungnahme TUGA 00, 2001-05-10

Der Empfang des Heiligen Geistes

Heiliger Geist und Sünde

Das Betrüben des Heiligen Geistes

Sind die Jünger aus Apg 19,1-7 keine Christen? / Kommentar anonym 2003-06-30

Ist der Heilige Geist bleibend im Gläubigen? / Kommentar B. Bollmeyer 00, 2005-07-12

Der Geist der Wahrheit wird bei euch sein in Ewigkeit. / Replik B. Bollmeyer 01, 2005-07-25

Die geleugnete, die falsche katholische und die echte biblische Dreieinigkeit.     Diskurs 107



(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Wann erhält der Gläubige den Heiligen Geist? / Stellungnahme der Leitung der Gemeinde Tulpengasse, Wien, 2001-05-10*))

Jeder Gläubige erhält zum Zeitpunkt seiner Bekehrung den ganzen Heiligen Geist (Apg 2,38; Eph 1,13). Wer den Heiligen Geist nicht hat, ist gar kein Kind Gottes (Röm 8,9). Es gibt keine zwei Klassen von Gläubigen, obwohl es fleischliche und geistliche Christen gibt. (…)

Die Fülle des Geistes:

Hier gibt es im Grundtexte zwei verschiedene Wörter, die auch eine unterschiedliche Bedeutung haben. Das erste Wort für „mit Heiligem Geist erfüllt” ist pimplemi (Lk 1,15 – Johannes; 1,41 – Elisabeth; 1,67 – Zacharias; Apg 2,3 – Pfingsten; 4,8 - Petrus; 4,31 – die Gläubigen; 9,17 – Paulus; 13,9 –Paulus). Es bedeutet eine besondere, von Gott geschenkte Bevollmächtigung einzelner Christen durch den Heiligen Geist zu einem bestimmten Zweck. Diese Art der „Geistesfülle” ist zeitlich begrenzt, kann aber auch wiederholt werden.

Das zweite Wort für „voll des Heiligen Geistes” ist pleres (Lk 4,1 – Jesus; Apg 6,3 – die Diakone; 6,5; 7,55 – Stephanus; 11,24 – Barnabas; 13,52 – die Jünger; Eph 5,18 – Befehl an alle Gläubigen). Diese Art der Geistesfülle ist ein andauernder Zustand, den die Christen bewußt anstreben sollen (Eph 5,18).Das geschieht allerdings durch ein geheiligtes Leben (Eph 4,5), Zeichen dafür sind Gehorsam und Frucht, nicht die Geistesgaben (Gal 5,22).


*) Der Auszug ist der Stellungnahme zur Charismatischen Bewegung von der Leitung der Evangelikal-Freikirchlichen Gemeinde Tulpengasse, Wien (TUGA), entnommen. http://tuga.evangelikale.at



Die hier kommentierte Stellungnahme der Leitung der Gemeinde Tulpengasse in Wien zu den Charismatischen Bewegungen ist zweifellos gerade in unserer Zeit eine Notwendigkeit in der Gemeinde. Die Geschwister müssen über mögliche Fehleinschätzungen informiert und vielleicht sogar vor Gefahren für den rechten, schriftgemäßen Glauben in diesen Denominationen gewarnt werden. Obwohl daher diese Klarstellung zu begrüßen und der Inhalt auch im Wesentlichen zu bejahen ist, enthält leider gerade der hier oben zitierte Ausschnitt dieser Stellungnahme einige Passagen, welche bei manchen Geschwistern einen problematischen - wenn nicht sogar gefährlichen - Eindruck hinterlassen könnten.

Der Empfang des Heiligen Geistes.

Zum Einen postuliert der Autor hier zwei Arten der Geistesfülle – eine bleibende und eine vergängliche - , obwohl er unmittelbar davor die Aussage trifft: „...Es gibt keine zwei Klassen von Gläubigen”. Aber auch die Aussage „Jeder Gläubige erhält zum Zeitpunkt seiner Bekehrung den ganzen Heiligen Geist” muss anhand der Schrift überprüft werden. Nehmen wir als Beispiel die allerersten Christen – die Jünger des Herrn. Hier wird üblicherweise das „Pfingstwunder” als jenes Ereignis genannt, bei welchem die Zwölf mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden.

Als der Tag des Pfingstfestes erfüllt war, wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt.

Apg 2,1 Und als der Tag des Pfingstfestes erfüllt war, waren sie alle an einem Ort beisammen. 2,2 Und plötzlich geschah aus dem Himmel ein Brausen, als führe ein gewaltiger Wind daher, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen. 2,3 Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden einzelnen von ihnen. 2,4 Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. 2,5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, gottesfürchtige Männer, von jeder Nation unter dem Himmel. Apg 2, 1- 5;


Dieser Zeitpunkt ist nun ganz gewiss nicht jener ihrer Bekehrung, welche mit Sicherheit Jahre davor und noch zu Lebzeiten des Herrn erfolgt ist. Allerdings gibt es eine andere, relativ wenig bekannte Schriftstelle, welche belegt, dass die Jünger schon weit früher mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden – und zwar durch den Herrn Jesus selbst:

Und als er dies gesagt hatte, hauchte er sie an und spricht zu ihnen: Empfangt Heiligen Geist!

Jh 20,19 Als es nun Abend war an jenem Tag, dem ersten der Woche, und die Türen, wo die Jünger waren, aus Furcht vor den Juden verschlossen waren, kam Jesus und trat in die Mitte und spricht zu ihnen: Friede euch! 20,20 Und als er dies gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und die Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. 20,21 Jesus sprach nun wieder zu ihnen: Friede euch! Wie der Vater mich ausgesandt hat, sende ich auch euch.

20,22 Und als er dies gesagt hatte, hauchte er sie an und spricht zu ihnen: Empfangt Heiligen Geist! 20,23 Wenn ihr jemandem die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben, wenn ihr sie jemandem behaltet, sind sie ihm behalten. Jh 20,19-23;


Es war unmittelbar nach seiner Rückkehr vom Vater auf die Erde, als der Herr den Jüngern zum ersten Mal erschien, und er hat hier die Jünger angehaucht und gesagt: „Empfangt den Heiligen Geist”. Dies war also jener Moment, an dem die Jünger tatsächlich das erste Mal mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden. Jedoch war auch dies natürlich nicht der Zeitpunkt ihrer Bekehrung. Auch hier waren sie schon seit Jahren bekehrt. Und daher hatten sie vom Zeitpunkt ihrer Bekehrung bis zu diesem Augenblick offensichtlich nicht bleibend den Heiligen Geist, sonst hätte ihn der Herr ja hier nicht auf sie ausgießen müssen.

Daraus können wir nun schließen, dass die obige Aussage des Autors: „Jeder Gläubige erhält zum Zeitpunkt seiner Bekehrung den ganzen Heiligen Geist” nicht schriftkonform ist. Aber was viel schlimmer ist: diese Darstellung insinuiert einen gewissen Automatismus: „Bin ich bekehrt, habe ich automatisch den Heiligen Geist”. Und damit ist bei manchen Geschwistern auch eine gewisse elitäre Selbsteinschätzung verbunden, welche dann in Konsequenz zu der nächsten Aussage führt: „Wer den Heiligen Geist nicht hat, ist gar kein Kind Gottes”. Damit wird aber jedem Gläubigen, welcher den Heiligen Geist in seinem Leben noch nicht erfahren hat, sein Glaube und seine Gotteskindschaft abgesprochen. Dies führt dann in der weiteren Folge oft zum Versuch mancher Geschwister, durch vorgetäuschte „Manifestationen” des Heiligen Geistes diesen vermeintlichen Makel auszugleichen und treibt diese Leute dann geradewegs dorthin, wovor sie der Autor in seiner Stellungnahme eigentlich bewahren will: in die Charismatischen Bewegungen.

Und daher ist es hier ganz wichtig darauf hinzuweisen, dass mit der obigen Beweisführung auch diese falsche Behauptung: Kein Heiliger Geist – kein Kind Gottes, eindeutig zu widerlegen ist. Denn wenn die Jünger erst nach der Auferstehung des Herrn den Heiligen Geist erhielten, waren sie natürlich vorher – solange sie mit dem Herrn waren und bis zu seinem Tod – ohne bleibendem Heiligen Geist. Und das würde im Sinne der obigen Aussage des Autors bedeuten, dass die Jünger des Herrn diese ganzen Jahre hindurch nicht Kinder Gottes, also keine wahren Gläubigen gewesen wären. Und für den, der die Evangelien kennt, ist das sicherlich unvorstellbar.

In seiner Darstellung über die „Fülle des Geistes” entwickelt der Autor dann die Theorie zweier verschiedener Zustände des Gläubigen in Bezug auf das Innewohnen des Heiligen Geistes. Er nennt einerseits eine „zeitlich begrenzte” Geistesfülle, welche aber auch wiederholt werden kann und andererseits eine Geistesfülle als „andauernden Zustand”. Und um beim obigen Beispiel zu bleiben, müssen wir uns fragen, welche Art der Geistesfülle war hier diese Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Jünger durch den Herrn nach seiner Auferstehung? 

Aufgrund der begleitenden Aussage des Herrn: „Wie der Vater mich gesandt hat, sende ich auch euch”, musste es jene Geistesfülle sein, welche der Autor als einen „andauernden Zustand” beschreibt. Wenn die Jünger aber mit der dauerhaften Geistesfülle gesegnet waren, erhebt sich andererseits die Frage, wieso die Jünger zu Pfingsten neuerlich mit den Heiligen Geist versehen werden mussten?

Eine ganz ähnliche Situation ergibt sich bei Paulus und Barnabas. Im oben zitierten Auszug wird vom Autor Apg 13,52 als Nachweis dafür angeführt, dass die Jünger mit dem (bleibenden) Heiligen Geist erfüllt wurden. Wie wir aber gerade weiter oben gesehen haben, war das nicht Apg 13,52, sondern einmal das Pfingstereignis in Apg 2,4 und noch früher die Ausgießung des Heiligen Geistes durch den Herrn in Jh 20,22.

Und dass es in Apg 13,52 gar nicht um die 12 Jünger geht, sondern einzig um Paulus und Barnabas, welche in Antiochia in Pisidien (Apg 13,14) das Wort verkündigten, erkennen wir im Kontext dieser Stelle:

Paulus und Barnabas wurden mit Freude und Heiligem Geist erfüllt.

Apg 13,50 Die Juden aber erregten die anbetenden vornehmen Frauen und die Ersten der Stadt und erweckten eine Verfolgung gegen Paulus und Barnabas und vertrieben sie aus ihren Grenzen. 13,51 Sie aber schüttelten den Staub von ihren Füßen gegen sie ab und kamen nach Ikonion. 13,52 Die Jünger aber wurden mit Freude und Heiligem Geist erfüllt. Apg 13.50-52;


Paulus und Barnabas wurden also bei diesem Anlass mit dem Heiligen Geist erfüllt. Nun heißt es aber gerade von Barnabas schon viel früher, nämlich als er aufbrach um Saulus in Tarsus aufzusuchen, dass er bereits damals voll des Heiligen Geistes war.

Barnabas war voll des Heiligen Geistes und zog aus nach Tarsus, um Saulus aufzusuchen.

Apg 11,22 Es kam aber die Rede von ihnen zu den Ohren der Gemeinde in Jerusalem, und sie sandten Barnabas aus, daß er hindurchzöge bis nach Antiochia; 11,23 der freute sich, als er hingekommen war und die Gnade Gottes sah, und ermahnte alle, mit Herzensentschluß bei dem Herrn zu verharren. 11,24 Denn er war ein guter Mann und voll Heiligen Geistes und Glaubens; und eine zahlreiche Menge wurde dem Herrn hinzugetan. 11,25 Er zog aber aus nach Tarsus, um Saulus aufzusuchen; Apg 11,22-25;


Und daher stellt sich auch hier die Frage, wieso Barnabas, der bereits voll des Heiligen Geistes war, in Antiochia ein zweites Mal den Heiligen Geist empfangen hat. Und auch Paulus wurde nicht erst bei diesem Anlass in Antiochia in Pisidien (oben, Apg 13,52) erstmals mit dem Heiligen Geist gesalbt, sondern wie allgemein bekannt, als er noch als Saulus auf dem Weg nach Damaskus war und der Herr ihn den Hananias sandte:

Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, damit du mit Heiligem Geist erfüllt werdest.

Apg 9,15 Der Herr aber sprach zu ihm: Geh hin! Denn dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, meinen Namen zu tragen sowohl vor Nationen als Könige und Söhne Israels. 9,16 Denn ich werde ihm zeigen, wie vieles er für meinen Namen leiden muß. 9,17 Hananias aber ging hin und kam in das Haus; und er legte ihm die Hände auf und sprach: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus - der dir erschienen ist auf dem Weg, den du kamst – damit du wieder sehend und mit Heiligem Geist erfüllt werdest. 9,18 Und sogleich fiel es wie Schuppen von seinen Augen, und er wurde sehend und stand auf und ließ sich taufen. Apg 9,15-18;


Diese Stelle oben, Apg 9,17, wo Paulus in Damaskus erstmals mit dem Heiligen Geist erfüllt wurde, wird aber vom obigen Autor wieder als Beweis für eine „zeitlich begrenzte” Geistesfülle genannt, was nicht nur dem, im Kontext dargestellten Zusammenhang widerspricht – Saulus wurde zu Paulus und vom Herrn zur Bekehrung der Nationen entsandt – sondern womit auch dem Paulus diese bleibende Geistesfülle zu diesem Zeitpunkt abgesprochen wird.

Es wäre daher sehr hilfreich, wenn es gelingen würde, anhand der Schrift die Frage zu beantworten, wann der gläubige Christ tatsächlich mit dem Heiligen Geist erfüllt wird. Die vom Autor als Beweis angeführten Schriftstellen Apg 2,38 und Eph 1,13 sprechen zwar davon, dass dies nach der Bekehrung geschieht, aber es wird dort kein genauerer Zeitpunkt genannt. Es könnte sowohl sofort als auch später geschehen sein.

Und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.

Apg 2,38 Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden! Und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. 2,39 Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und allen, die in der Ferne sind, so viele der Herr, unser Gott, hinzurufen wird. Apg 2,38-39;

In Christus seid ihr versiegelt worden mit dem Heiligen Geist.

Eph 1,13 In ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils, gehört habt und gläubig geworden seid, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung. Eph 1,13;


Zudem haben wir in der Schrift noch eine weitere Art, wie der Mensch mit dem Heiligen Geist erfüllt werden kann:

Denn er wird groß sein vor dem Herrn und schon von Mutterleibe an mit Heiligem Geist erfüllt werden

Lk 1,13 Der Engel aber sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Denn dein Flehen ist erhört, und Elisabeth, deine Frau, wird dir einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Johannes nennen. 1,14 Und er wird dir zur Freude und zum Jubel sein, und viele werden sich über seine Geburt freuen. 1,15 Denn er wird groß sein vor dem Herrn; weder Wein noch starkes Getränk wird er trinken und schon von Mutterleibe an mit Heiligem Geist erfüllt werden. Lk 1,13-15;


Es ist Johannes der Täufer, von dem der Engel hier sagt, dass er schon von Mutterleibe an mit Heiligem Geist erfüllt war. Dies dürfte allerdings eine einzigartige Ausnahmesituation gewesen sein.

Ein anderes recht gutes Beispiel finden wir auch wieder in der Apostelgeschichte. In Apg 8,14-17 wird davon berichtet, dass „Samaria das Wort Gottes angenommen hatte”. Das heißt, dass im Gebiet von Samaria Menschen zum Glauben an den Herrn Jesus gekommen waren. Und sie waren daher nicht nur bekehrt, sondern sie waren auch schon getauft, wie es in Apg 8,16 heißt. Und im selben Satz wird auch bestätigt, dass sie noch keinen Heiligen Geist empfangen hatten. Hier wird nochmals ganz deutlich, dass die Behauptung des oben zitierten Autors: „Kein Heiliger Geist – keine Bekehrung” jedweder biblischen Grundlage entbehrt.

Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist!

Apg 8,14 Als die Apostel in Jerusalem gehört hatten, daß Samaria das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen. 8,15 Als diese hinabgekommen waren, beteten sie für sie, damit sie den Heiligen Geist empfangen möchten; 8,16 denn er war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus. 8,17 Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist! Apg 8,14-17;


Und dann wird hier oben berichtet, dass die Apostel Petrus und Johannes extra von Jerusalem nach Samaria gesandt wurden, damit die Geschwister dort durch Beten und Handauflegen den Heiligen Geist empfingen.

Davon können wir einmal zwei Dinge ableiten:

1. Der Gläubige empfängt weder nach seiner Bekehrung noch nach der Taufe automatisch den Heiligen Geist.

2. Eine Art, den Heiligen Geist zu empfangen, ist durch Beten und Handauflegen von glaubenstreuen Geschwistern.


Diese Vorgehensweise haben wir auch schon weiter oben, in Apg 9,17 kennen gelernt, als der Herr den Hananias zu Paulus sandte, welcher dann auch durch Handauflegen den Heiligen Geist empfangen hatte.

Einen weiteren Hinweis bekommen wir in Apg 10,44:

Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten.

Apg 10,42 Und er hat uns befohlen, dem Volk zu predigen und eindringlich zu bezeugen, daß er der von Gott verordnete Richter der Lebenden und der Toten ist.

10,43 Diesem geben alle Propheten Zeugnis, dass jeder, der an ihn glaubt, Vergebung der Sünden empfängt durch seinen Namen. 10,44 Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten.

10,45 Und die Gläubigen aus der Beschneidung, so viele ihrer mit Petrus gekommen waren, gerieten außer sich, daß auch auf die Nationen die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen worden war; 10,46 denn sie hörten sie in Sprachen reden und Gott erheben. Dann antwortete Petrus: 10,47 Könnte wohl jemand das Wasser verwehren, daß diese nicht getauft würden, die den Heiligen Geist empfangen haben wie auch wir? 10,48 Und er befahl, daß sie getauft würden im Namen Jesu Christi. Dann baten sie ihn, einige Tage zu bleiben. Apg 10,42-48;


Hier handelt es sich nicht – wie man annehmen könnte – um Ungläubige, welche durch die Predigt des Petrus erst bekehrt wurden. Diese Leute waren die Verwandten und nächsten Freunde des Hauptmanns Kornelius aus Cäsarea, von der „sogenannten italischen Schar”, welche in dessen Haus versammelt waren, um die Predigt des Petrus zu hören. Und dass Petrus dort erschienen ist, war auch kein Zufall. Dieser Hauptmann Kornelius, von welchem gesagt wird, dass er ein gerechter und gottesfürchtiger Mann und auch sein Haus fromm und gottesfürchtig war, hatte vier Tage davor in seinem Gebet zu Gott gefleht, dass er ihm Erkenntnis schenken möge. Und der Herr selbst hat dem Petrus, der in der Nähe herbergte, in einer Vision befohlen, zu Kornelius zu gehen. Und obwohl es dem Petrus große Überwindung kostete, als Jude das Haus dieses römischen Hauptmanns zu betreten, ging er hin und predigte das Wort vom auferstandenen Christus.

Und auch hier können wir zwei Erkenntnisse festhalten:

1. Auch die Predigt ist ein Mittel, um die Ausgießung des Heiligen Geistes zu bewirken, wobei auch hier Ungetaufte den Heiligen Geist empfangen haben, und

2. nachdem diese Predigt des Petrus die Antwort des Herrn auf das Gebet des Kornelius war, ist auch das Gebet zu Gott als eine der Möglichkeiten zu sehen, um die Gabe des Heiligen Geist zu empfangen.


Im nächsten Text aus Apg 19,1-7, wird uns eine Begebenheit geschildert, welche Paulus in Ephesus erlebt hat.

Als Paulus ihnen die Hände aufgelegt hatte, kam der Heilige Geist auf sie.

Apg 19,1 Es geschah aber, während Apollos in Korinth war, daß Paulus, nachdem er die höher gelegenen Gegenden durchzogen hatte, nach Ephesus kam. Und er fand einige Jünger 19,2 und sprach zu ihnen: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, nachdem ihr gläubig geworden seid? Sie aber sprachen zu ihm: Wir haben nicht einmal gehört, ob der Heilige Geist überhaupt da ist.

19,3 Und er sprach: Worauf seid ihr denn getauft worden? Sie aber sagten: Auf die Taufe des Johannes. 19,4 Paulus aber sprach: Johannes hat mit der Taufe der Buße getauft, indem er dem Volk sagte, daß sie an den glauben sollten, der nach ihm komme, das ist an Jesus. 19,5 Als sie es aber gehört hatten, ließen sie sich auf den Namen des Herrn Jesus taufen; 19,6 und als Paulus ihnen die Hände aufgelegt hatte, kam der Heilige Geist auf sie, und sie redeten in Sprachen und weissagten.

19,7 Es waren aber insgesamt etwa zwölf Männer. Apg 19; 1- 7;


Wie Vers Apg 19,1 sagt, hatte Paulus in Ephesus einige Jünger gefunden. Und es könnte hier der Eindruck entstehen, dass diese 12 Männer deshalb nicht den Heiligen Geist empfangen hätten, weil sie die falsche Taufe hatten. Sie waren nicht auf den Herrn Jesus, sondern auf die Taufe des Johannes getauft. Wie wir jedoch weiter oben wiederholt feststellen konnten, haben auch immer schon ungetaufte Gläubige den Heiligen Geist empfangen. Also kann das nicht die Ursache sein.

Was war aber nun der Grund, warum diese Männer noch keinen Heiligen Geist empfangen hatten? Der Vers Apg 19,2 gibt da die richtige Antwort: „...Wir haben nicht einmal gehört, ob der Heilige Geist überhaupt da ist”. Sie wussten also nichts vom Heiligen Geist. Aber auch das Wissen um den Heiligen Geist allein ist noch nicht ausschlaggebend, um diesen auch zu empfangen. Es ist, wie schon aus allen vorhergehenden Beispielen erkenntlich, der Wunsch und die Bitte des Gläubigen an Gott, den Heiligen Geist zu erhalten.

Wir sehen also, dass all die anderen Situationen, wie Bekehrung, Taufe, Gebet der Geschwister, Handauflegen oder auch die Predigt, nur dann tatsächlich die Segnung mit der Gabe des Heiligen Geistes bewirken können, wenn der einzelne Gläubige selbst in seinem Herzen den Herrn um den Heiligen Geist bittet. Das ist die unbedingte Voraussetzung für den Empfang des Heiligen Geistes. Und das ist es auch, was uns der Herr Jesus versprochen hat:

Wieviel mehr wird der Vater, der vom Himmel gibt, den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten.

Lk 11,11 Wen von euch, der Vater ist, wird der Sohn um einen Fisch bitten - und wird er ihm statt des Fisches etwa eine Schlange geben? 11,12 Oder auch, wenn er um ein Ei bäte - er wird ihm doch nicht einen Skorpion geben? 11,13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wißt, wieviel mehr wird der Vater, der vom Himmel gibt, den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten! Lk 11,11-13;


Der Heilige Geist und die Sünde.

Es gibt ein weiteres, weit verbreitetes Missverständnis, nämlich, dass der Gläubige, welcher einmal den Heiligen Geist empfangen hat, nicht mehr sündigt. Auch hier erkennen wir die totale Selbstüberschätzung des Menschen, welche dadurch zustande kommt, dass Ursache und Wirkung verwechselt werden.

Es ist zweifellos richtig, dass der Gläubige, in dem der Heilige Geist wohnt, ohne unvergebene Sünde sein muss. Doch es ist gewiss nicht so, dass dieser Mensch deshalb ohne Sünde ist, weil er den Heiligen Geist hat, sondern er konnte umgekehrt den Heiligen Geist nur empfangen, weil er zu diesem Zeitpunkt ohne unvergebene Sünde war. Doch ebenso wie Gott die Sünde nicht duldet, wird auch der Heilige Geist einen Menschen, in dem er Wohnung genommen hat, sofort verlassen, wenn dieser sündig wird.

Ein gutes Beispiel dafür ist der atl. König David. In Mk 12,35-37 zitiert der Herr Jesus eine Aussage des von David verfassten Psalms 110 und bestätigt, dass David diese Aussage im Heiligen Geist getan hatte:

David selbst hat im Heiligen Geist gesagt.

Mk 12,35 Und Jesus begann und sprach, als er im Tempel lehrte: Wie sagen die Schriftgelehrten, daß der Christus Davids Sohn sei? 12,36 David selbst hat im Heiligen Geist gesagt: «Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter deine Füße lege!» 12,37 David selbst nennt ihn Herr. Und woher ist er sein Sohn? Und die große Volksmenge hörte ihn gern. Mk 12,35-37;


Der Heilige Geist hat sich also zu diesem Zeitpunkt in David manifestiert. Dass dies allerdings nur eine vorübergehende Erscheinung war, zeigt uns die Tatsache, dass David durch seine Affäre mit Batseba, der Frau Urias, des Hethiters, große Schuld auf sich geladen hat, welche keinesfalls mit dem Innewohnen des Heiligen Geistes hätte geschehen können. Die Folgerung: „einmal Heiliger Geist immer Heiliger Geist” ist daher falsch und abzulehnen.

Auch die vom Autor zitierte Schriftstelle in Eph 1,13ff zeigt sehr deutlich, dass auch Menschen, die mit dem Heiligen Geist versiegelt wurden, immer wieder in Gefahr sind, Versuchungen zu erliegen.

In Christus seid ihr versiegelt worden mit dem Heiligen Geist.

Eph 1,13 In ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils, gehört habt und gläubig geworden seid, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung. Eph 1,13;


In dieser Einleitung seines Briefes an die Epheser bestätigt ihnen Paulus, dass sie bereits mit dem Heiligen Geist versiegelt worden sind. Er nennt hier keinen bestimmten Zeitpunkt, sondern sagt nur „... nachdem ihr gläubig geworden seid”.

Und nun ermahnt er sie aber in der Folge:

Wandelt nicht mehr wie die Nationen, in Nichtigkeit ihres Sinnes.

Eph 4,17 Dies nun sage und bezeuge ich im Herrn, daß ihr nicht mehr wandeln sollt, wie auch die Nationen wandeln, in Nichtigkeit ihres Sinnes. Eph 4,17;

Legt die Lüge ab und redet Wahrheit.

Eph 4,25 Deshalb legt die Lüge ab und redet Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten! Denn wir sind untereinander Glieder. Eph 4,25;

Zürnet, und sündigt dabei nicht! Gebt dem Teufel keinen Raum.

Eph 4,26 Zürnet, und sündigt dabei nicht! Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn, 4,27 und gebt dem Teufel keinen Raum! Eph 4,26-27;

Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr

Eph 4,28 Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, sondern mühe sich vielmehr und wirke mit seinen Händen das Gute, damit er dem Bedürftigen etwas mitzugeben habe! Eph 4,28;

Kein faules Wort komme aus eurem Mund.

Eph 4,29 Kein faules Wort komme aus eurem Mund, sondern nur eins, das gut ist zur notwendigen Erbauung, damit es den Hörenden Gnade gebe! Eph 4,29;


Nun können wir davon ausgehen, dass Paulus hier keine unnötigen Ermahnungen ausgesprochen hat. Es bestand – und besteht - also tatsächlich die absolut reale Gefahr für die Gläubigen, dass sie all diesen, von Paulus hier genannten Versuchungen, erliegen könnten. Und dies – wie Vers Eph 1,13 weiter oben bestätigt –, obwohl sie mit dem Heiligen Geist versiegelt worden waren. Dies bestätigt Paulus sogar nochmals am Ende dieses Abschnitts, hier unten, in Eph 4,30:

Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt worden seid.

Eph 4,30 Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt worden seid auf den Tag der Erlösung hin! Eph 4,30;


Und hier stellt sich nun die Frage, was geschieht mit dem Gläubigen, der den Heiligen Geist betrübt?

Siehe auch den Diskurs 64: „Was ist die Sünde wider den Heiligen Geist?”)


Das Betrüben des Heiligen Geistes.

Wir haben im AT, im Zusammenhang mit der Widerspenstigkeit Israels, einen ganz konkreten Hinweis auf die Folgen, welche das Betrüben des Heiligen Geistes nach sich zieht.

Sie aber, sie sind widerspenstig gewesen und haben seinen heiligen Geist betrübt.

Jes 63,8 Er sprach: Fürwahr, mein Volk sind sie, Söhne, die nicht trügerisch handeln werden. Und er wurde ihnen zum Retter 63,9 in all ihrer Not. Nicht Bote noch Engel - er selbst hat sie gerettet. In seiner Liebe und in seinem Erbarmen hat er sie erlöst. Und er hob sie auf und trug sie alle Tage der Vorzeit.

63,10 Sie aber, sie sind widerspenstig gewesen und haben seinen heiligen Geist betrübt. Da wandelte er sich ihnen zum Feind: Er selbst kämpfte gegen sie. Jes 63, 8-10;


Wie Jes 63,10 sagt, ist ihnen Gott aufgrund ihrer Widerspenstigkeit schließlich vom Freund zum Feind geworden und hat selbst gegen sie gekämpft. Aber auch im NT wird den Israeliten immer wieder vor Augen geführt, dass sie dem Heiligen Geist widerstreben. So z. B. in Apg 7,51:

Ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist; wie eure Väter, so auch ihr.

Apg 7,51 Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herz und Ohren! Ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist; wie eure Väter, so auch ihr. Apg 7,51;


Allerdings müssen wir bei diesen Aussagen beachten, dass es sich hier nicht um eine vorübergehende Betrübnis des Heiligen Geistes handelt, sondern, wie oben Apg 7,51 sagt: „Ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist”, um eine fortgesetzte und andauernde Opposition zum Geist Gottes. Und wie wir wissen, hat Israel diese Haltung bis heute nicht bereut, sondern verharrt nach wie vor darin.

Es ist also – wie auch die folgende Schriftstelle aus dem Hebräerbrief zeigt – eine absolute Negation des Heiligen Geistes.

Es ist unmöglich, diejenigen, die des Heiligen Geistes teilhaftig geworden und doch abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern.

Hbr 6,4 Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind 6,5 und das gute Wort Gottes und die Kräfte des zukünftigen Zeitalters geschmeckt haben 6,6 und doch abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern, da sie für sich den Sohn Gottes wieder kreuzigen und dem Spott aussetzen. Hbr 6, 4- 6;


Wenn also jemand des Heiligen Geistes teilhaftig geworden, aber dann vom Glauben abgefallen ist, kann er nicht zur Buße erneuert werden. Wir müssen daher unterscheiden, ob jemand, der den Heiligen Geist empfangen hat, danach vom Glauben abfällt oder ob er nur gesündigt, dies bereut und den Herrn um Vergebung gebeten hat.

Der Grund dafür ist offensichtlich: wenn jemand den Heiligen Geist kennen gelernt hat und dann dennoch vom Glauben abgefallen ist, hat er damit eine Lästerung des Heiligen Geistes begangen, eine Sünde, die – wie unten Mt 12,32 sagt – nicht vergeben werden kann.

Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben aber die Lästerung des Geistes wird nicht vergeben werden.

Mt 12,31 Deshalb sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden; aber die Lästerung des Geistes wird nicht vergeben werden. 12,32 Und wenn jemand ein Wort reden wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; wenn aber jemand gegen den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden, weder in diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen. Mt 12,31-32;


Jenen aber, welche zwar gesündigt haben, jedoch weiterhin im Glauben bleiben, sagt der Herr oben, in Mt 12,31, dass jede Sünde – sogar die Lästerung des Herrn Jesus selbst – vergeben werden kann, vorausgesetzt, sie wird bereut und die Vergebung des Herrn dafür erfleht.

Schließlich muss man auch noch darauf hinweisen, dass die eingangs zitierte Stellungnahme einen Widerspruch in sich enthält. Wenn der Autor im Zusammenhang mit den zwei Arten von Geistesfülle, welche er postuliert, von der einen schreibt:

„Diese Art der Geistesfülle ist ein andauernder Zustand ...”

dann widerspricht seine Definition der zweiten Art der Geistesfülle dieser Aussage. Denn von dieser zweiten Geistesfülle schreibt er, dass sie

„.. eine besondere, von Gott geschenkte Bevollmächtigung einzelner Christen durch den Heiligen Geist ...”

sei. Wenn also der Christ die erste Art der - andauernden - Geistesfülle besitzt, bedarf es keiner weiteren, zusätzlichen Geistesfülle. Es sei denn, bei dieser ersten Art würde nicht der ganze, sondern nur ein Teil des Heiligen Geistes empfangen. Dem widerspricht aber der Autor selbst mit seiner Aussage:

„Jeder Gläubige erhält zum Zeitpunkt seiner Bekehrung den ganzen Heiligen Geist.”

Wir können daher aufgrund der obigen Analyse anhand der Schrift folgenden Schluß ziehen:

Jeder Gläubige erhält den Heiligen Geist dann, wenn er Gott darum bittet.


Nicht früher und nicht später. Ergeht diese Bitte bei der Bekehrung, dann wird der Gläubige den Heiligen Geist bei der Bekehrung erstmals empfangen. Wird diese Bitte – wann immer auch - später ausgesprochen, erhält der Gläubige den Heiligen Geist später.

Jede begleitende Aktion, wie Handauflegen, Gebet der Geschwister, Predigt etc. ist durchaus hilfreich und wünschenswert, weil wir Menschen immer etwas Sichtbares benötigen, um das unsichtbare Wirken unseres Gottes besser annehmen zu können. Doch muss uns bewusst sein, dass es nicht diese Handlungen Außenstehender und auch keine besonderen „Manifestationen” sind, welche unsere Verbindung zu Gott herstellen. Ebenso, wie wir im menschlichen Bereich, bei wichtigen Angelegenheiten, unsere Mitmenschen persönlich und nicht durch irgendwelche „Briefträger” ansprechen, müssen wir auch unseren Kontakt zu Gott ganz persönlich, ohne Mittelsleute, herstellen.

Siehe auch den Diskurs 76: „Die Unterscheidung der Geister.”)

Und ebenso ist es auch in unserem weiteren Leben, wenn wir durch Sünde den Heiligen Geist betrübt haben und er uns verlassen hat. Auch hier müssen wir nach dem Bekennen unserer Sünden und der aufrichtigen Bitte um Vergebung, unseren Vater im Himmel bitten, dass er uns den Tröster wieder senden möge.





Zusammenfassung

Zusammenfassend kann man daher festhalten: so wichtig und notwendig es ist, die Gläubigen über die Hintergründe und Zusammenhänge in den Charismatischen Bewegungen zu informieren, so sehr müssen wir darauf achten, unsere Aussagen anhand der Schrift zu prüfen, um auch den Geschwistern die Möglichkeit zu bieten, diese Hinweise zu überprüfen und zu beurteilen. Wenn wir das nicht machen, verlieren unsere Argumente schnell an Gewicht und wir geraten leicht in den Verdacht, nicht objektiv zu sein.




Sind die Jünger aus Apg 19,1-7 keine Christen? / Kommentar anonym 2003-06-30

Ein Besucher, der seinen Kommentar nicht zur Veröffentlichung freigegeben hat und dessen Name daher auch nicht genannt werden darf, vermutet u. a., dass die Jünger aus Apg 19,1-7 noch keine Christen waren.

Gerade auf diese Frage geht auch Werner de Boor in seiner Auslegung der Apostelgeschichte ein:


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Die Jünger aus Apg 19,1-7 / Buch Werner de Boor, Seite 341ff*))

In Ephesus findet er (Paulus Anm. FH) „einige Jünger”, also einige „Christen”. (...) Wo kamen sie her? Und wie „fand” Paulus sie? Davon hören wir nichts. Doch wir sind das ja bei Lukas gewohnt und müssen uns damit begnügen, Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen, die wir nicht näher erklärt bekommen. Das gilt auch für den überraschenden Einblick, den wir in die innere Lage dieser Männer bekommen. Sie sind „Christen”, aber Paulus merkt rasch, dass es mit ihrem Christentum nicht stimmt. Es fehlen ihnen die Merkmale geistlichen Lebens.

Anm. de Boor: (...) Aber wer in wirklicher seelsorgerlicher Arbeit steht, merkt auch heute noch oft genug im Gespräch und im gemeinsamen Beten diesen ganz eigentümlichen Mangel und muss die gleiche Frage stellen wie Paulus damals: „Habt ihr Heiligen Geist empfangen, als ihr zum Glauben kamt?”


(...) Paulus stellt ihnen die klare Frage: „Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr zum Glauben kamt?” Noch einmal wird klar, es handelt sich um „Christen”. Diese Männer sind „zum Glauben gekommen”, das heißt im NT eindeutig „zum Glauben an Jesus als den Messias”. Aber noch ganz anders als bei Apollos wird der tiefe Mangel dieses Glaubens an Jesus deutlich. (...) Von dem eigentlichen Evangelium, von dem errettenden Leiden des Messias Jesus, von der bereits geschenkten Erfüllung des messianischen Heiles und der Ausgießung des Heiligen Geistes hatten sie nichts gehört, sondern sich mit ihrer Johannestaufe und ihrer endzeitlichen Erwartung begnügt. Das liegt in ihrer Antwort auf die bestimmte Frage des Paulus: „Nein, wir haben nicht einmal gehört, dass es Heiligen Geist gibt (oder: dass der Heilige Geist schon da ist).”

Anm. de Boor: Wir sollten auch unsererseits Christen, auf die wir treffen und bei denen wir Mängel spüren, viel klarer und entschiedener fragen. Welche Hilfe könnte ihnen daraus erwachsen! Dass man solches Fragen für „hochmütig” hält, darf uns nicht abschrecken. Es gibt auch heute viel „Glauben an Jesus”, der als „Glaube” anerkannt werden muss und der doch ein ganz unzureichender Glaube ist, weil er den noch gar nicht in seiner Größe und in dem Vollmaß seiner Gaben sieht, an den er glaubt. Hier müssen wir, wie Paulus es bei diesen Männer tat, zeigen, wieviel mehr Jesus für uns bereit hat.


(...) Es ist etwas Großes, wenn Menschen aus einem armen und engen „Christentum” herauskommen zu der eigentlichen Wahrheit und Fülle des Lebens in Christus. Es ist für alle Zeiten und gerade für unsere Gegenwart entscheidend wichtig zu wissen: Eigentliches Christsein ist Geistesempfang und Leben im Heiligen Geist. Wie vielen „Getauften” muss die Frage ins Herz gebohrt werden: „Habt ihr (den) Heiligen Geist empfangen?”

*) Der Auszug ist dem Buch „Die Apostelgeschichte - erklärt von Werner de Boor” (WStB) R. Brockhaus Verlag Wuppertal, entnommen.



Es geht ja darum, dass hier viele einen gewissen „Automatismus” sehen wollen:

Bist Du bekehrt, dann hast Du (automatisch) den Heiligen Geist.

Wie ich meine - und versuche durch Lk 11,13 und andere Bibelstellen nachzuweisen - kann das nicht sein. Wer noch nie in seinem Leben Gott um den Heiligen Geist gebeten hat, hat ihn ganz einfach nicht. Wie uns Paulus in Apg 19,1-7 zeigt, kann er dabei durchaus ein guter Christ sein - aber eben ohne das Innewohnen des Heiligen Geistes!

Die Unterscheidung der Gläubigen im at- und nt-lichen Sinne, welche auch als Begründung für diese vermeintliche „Automatik” angeführt wird, kann nicht so verstanden werden, dass die at-lichen Gläubigen den Heiligen Geist nicht gekannt hätten. Dafür haben wir zu viele Gegenbeweise in der Schrift:

David selbst hat im Heiligen Geist gesagt

Mk 12,35 Und Jesus begann und sprach, als er im Tempel lehrte: Wie sagen die Schriftgelehrten, daß der Christus Davids Sohn sei? 12,36 David selbst hat im Heiligen Geist gesagt: «Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter deine Füße lege!» 12,37 David selbst nennt ihn Herr. Und woher ist er sein Sohn? Und die große Volksmenge hörte ihn gern. Mk 12,35-37;

Der du durch den Heiligen Geist durch den Mund unseres Vaters, deines Knechtes David, gesagt hast.

Apg 4,24 Sie aber, als sie es hörten, erhoben einmütig ihre Stimme zu Gott und sprachen: Herrscher, du, der du den Himmel und die Erde und das Meer gemacht hast und alles, was in ihnen ist;
4,25 der du durch den Heiligen Geist durch den Mund unseres Vaters, deines Knechtes David, gesagt hast: «Warum tobten die Nationen und sannen Eitles die Völker? 4,26 Die Könige der Erde standen auf und die Fürsten versammelten sich gegen den Herrn und seinen Gesalbten.» Apg 4,24-25;

Und der Heilige Geist war auf ihm.

Lk 2,25 Und siehe, es war in Jerusalem ein Mensch, mit Namen Simeon; und dieser Mensch war gerecht und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels; und der Heilige Geist war auf ihm. 2,26 Und ihm war von dem Heiligen Geist eine göttliche Zusage zuteil geworden, daß er den Tod nicht sehen solle, ehe er den Christus des Herrn gesehen habe. Lk 2,25-26;

Er wird von Mutterleibe an mit Heiligem Geist erfüllt werden.

Lk 1,13 Der Engel aber sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Denn dein Flehen ist erhört, und Elisabeth, deine Frau, wird dir einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Johannes nennen. 1,14 Und er wird dir zur Freude und zum Jubel sein, und viele werden sich über seine Geburt freuen.

1,15 Denn er wird groß sein vor dem Herrn; weder Wein noch starkes Getränk wird er trinken und schon von Mutterleibe an mit Heiligem Geist erfüllt werden. Lk 1,13-15;


Jener Unterschied, welcher tatsächlich besteht, ist der Umstand, dass die Gläubigen des AT keinen aktiven Einfluss auf den Empfang des Heiligen Geistes hatten. Er kam „auf” sie je nach Erfordernis und dem Willen Gottes.

Wir nt-lichen Gläubigen hingegen haben - wie uns der Herr Jesus in Lk 11,13 sagt - die Gnade und das Vorrecht, unseren Vater im Himmel um die Segnung mit dem Heiligen Geist bitten zu dürfen.

Wieviel mehr wird der Vater, der vom Himmel gibt, den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

Lk 11,11 Wen von euch, der Vater ist, wird der Sohn um einen Fisch bitten - und wird er ihm statt des Fisches etwa eine Schlange geben? 11,12 Oder auch, wenn er um ein Ei bäte - er wird ihm doch nicht einen Skorpion geben? 11,13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wißt, wieviel mehr wird der Vater, der vom Himmel gibt, den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten! Lk 11,11-13;


Wenn nun diese Bitte aufrichtigen Herzens erfolgt, wird sie Gott gewiss erhören. Doch muss sie vom Gläubigen auch einmal ausgesprochen werden! Ebenso, wie die Bitte um Vergebung bei unserem Vater im Himmel nur dann Erfolg haben kann, wenn wir sie in unserem täglichen Gebet aussprechen, ist auch die Bitte um den Heiligen Geist nur wirksam, wenn sie vor Gott gebracht wird.

Alle jene jedoch, welche meinen, dass es den Heiligen Geist irgendwie als „Zugabe” gibt, irren! Ebenso wie jene, die meinen, dass der Heilige Geist etwas sei, mit dem man ekstatische „Schauspiele” inszenieren und sich produzieren kann (Pfingstler, Charismatische Kreise etc.). Wir müssen gerade die Fragen über den Heiligen Geist besonders genau und ehrfürchtig prüfen, da uns schon der Herr Jesus gesagt hat:

Dem aber, der gegen den Heiligen Geist lästert, wird nicht vergeben werden.

Lk 12,10 Und jeder, der ein Wort sagen wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; dem aber, der gegen den Heiligen Geist lästert, wird nicht vergeben werden. Lk 12,10;



(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Ist der Heilige Geist bleibend im Gläubigen?  / Kommentar B. Bollmeyer 00, 2005-07-12)

Aber nun zu den Bibelstellen. Eph.1,13-14: „In ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils, gehört habt und gläubig geworden seid, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung. Der ist das Unterpfand unseres Erbes auf die Erlösung (seines) Eigentums zum Preise seiner Herrlichkeit.” Eph. 4,30: „Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt worden seid auf den Tag der Erlösung hin!”

Ich verstehe diese Stellen so, dass Gott uns am Tag der Bekehrung ein „Brandmal” (ich weiß, der Ausdruck passt nicht, aber mir fällt nichts Besseres ein) als Eigentumsmerkmal, nämlich den Heiligen Geist, gegeben hat. Nun weiß ich auch, dass der Heilige Geist noch andere Aufgaben hat, aber eine ist eben auch das Pfand und Siegel. In Vers 30 werden wir aufgefordert, den Heiligen Geist nicht zu betrüben. Luther übersetzt 1.Thess. 5,19 mit : „Den Geist dämpfet nicht.” Wir sind ganz offensichtlich in der Lage (oder Verantwortung) den Wirkungsraum des Heiligen Geistes zu beeinflussen. Aber mir ist keine Stelle bekannt, die uns sagt, dass uns der Heilige Geist wieder verlässt. Wenn es solche Aussage in der Schrift, besonders im NT, gibt, sagen Sie es mir bitte, denn dann müsste ich meine Erkenntnis revidieren.

Nun folgt meine Logik: Wenn der Heilige Geist bleibend in uns ist, müsste er mit uns in die Hölle, wenn wir unser Heil verlieren, und das ist absurd!

Brunhilde Bollmeyer brunhilde.bollmeyer@gmx.de



Ihre Interpretation von Eph 1,13-14 gefällt mir sehr gut und Ihre abschließende Logik ist bestechend. Genau diese Logik ist es u.a. auch, welche mich zur gegenteiligen Erkenntnis kommen lässt: Wenn der Heilige Geist in uns ist, kann er bei der Bosheit des Menschen (alle sind im Grunde böse) nicht alle dessen Taten unterstützen.

So wird uns z.B. von David oftmals in der Schrift gesagt, dass er im Heiligen Geist gesprochen hat und er daher den Heiligen Geist in sich haben musste. Als er jedoch den Urias im Kampf in die vorderste Front stellen ließ (2Sam 11), damit der getötet werde und David dessen Frau Batseba, mit der er Urias betrogen hatte, für sich haben konnte, konnte unmöglich der Heilige Geist in ihm gewesen sein. Also musste er ihn verlassen haben. Später wird uns dann berichtet, dass David wieder den Heiligen Geist hatte und im Millennium wird Gott den David wieder auferwecken, dass er wieder König Israels sei. Auch hier zeigt sich, dass nach der Schrift der Heilige Geist nicht bleibend im Menschen ist, sondern auf Wollen und Tun jedes Gläubigen entsprechend reagiert.

Zu Ihrer abschließenden Frage:

„Aber mir ist keine Stelle bekannt, die uns sagt, dass uns der Heilige Geist wieder verlässt. Wenn es solche Aussage in der Schrift, besonders im NT, gibt, sagen Sie es mir bitte, denn dann müsste ich meine Erkenntnis revidieren.”

darf ich Ihnen aus dem Neuen Testament Hbr 6,4-6 zitieren.

Es ist unmöglich, diejenigen, die des Heiligen Geistes teilhaftig geworden und doch abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern.

Hbr 6,4 Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind 6,5 und das gute Wort Gottes und die Kräfte des zukünftigen Zeitalters geschmeckt haben 6,6 und doch abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern, da sie für sich den Sohn Gottes wieder kreuzigen und dem Spott aussetzen. Hbr 6, 4- 6;


Diese Gläubigen hatten also den Heiligen Geist und sind dann doch abgefallen. Wenn daher der Heilige Geist bleibend in ihnen wäre, müsste dieser  - wie Sie das oben völlig richtig formulieren - mit ihnen in die Hölle. Und hier sind wir uns natürlich absolut einig, dass dies absurd wäre.

Demnach verbleibt jedoch die einzige Alternative, dass der Heilige Geist diese Gläubigen verlassen hat.



(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Der Geist der Wahrheit wird bei euch sein in Ewigkeit. / Replik B. Bollmeyer 01, 2005-07-25)

Danke für den Hinweis auf Hebr. 6,4ff. Die Aussage macht mir schon Schwierigkeiten in meiner Argumentation. Durch diese Stelle werden viele Fragen aufgeworfen, wie soll ich z.B. Joh.14,15-17: „Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten; und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.” verstehen?

Brunhilde Bollmeyer brunhilde.bollmeyer@gmx.de



Diese Aussagen des Herrn sind im Zusammenhang mit dem Empfang des Heiligen Geistes tatsächlich sehr interessant und Wert, sie eingehender zu analysieren. Nachdem eines der Probleme bei der Schriftauslegung die verkürzte Wiedergabe von Bibeltexten ist, wodurch dann oft Verheißungen zitiert, jedoch deren Voraussetzungen nicht berücksichtigt werden, wollen wir hier auch den Kontext dieser Stelle in unsere Überlegungen mit einbeziehen.

Wer mich liebt, den wird mein Vater lieben und wir werden Wohnung bei ihm machen.

Jh 14,18 Ich werde euch nicht verwaist zurücklassen, ich komme zu euch. 14,19 Noch eine kleine Weile, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich: weil ich lebe, werdet auch ihr leben. 14,20 An jenem Tag werdet ihr erkennen, daß ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. 14,21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren. 14,22 Judas, nicht der Iskariot, spricht zu ihm: Herr, wie kommt es, daß du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt? 14,23 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. 14,24 Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht; und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Jh 14,18-24;


In der Fortsetzung der von Frau Bollmeyer zitierten Schriftstelle erkennen wir hier oben die näheren Umstände und die Voraussetzungen unter welchen dieser „Geist der Wahrheit” - also der Heilige Geist -, gegeben wird. In Jh 14,23-24 sagt der Herr: „Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.” Die Voraussetzung ist also, dass wir den Herrn Jesus lieben und sein Wort halten, dann wird uns auch der Vater lieben. Und dann heißt es weiter, dass beide - Vater und Sohn - zu uns kommen und Wohnung bei uns machen werden. Und dieses „Wohnung machen” ist ja nun nichts anderes, als das Innewohnen des Vaters und des Sohnes durch den Heiligen Geist - also der Dreieinigkeit - in uns. Das gilt also für alle Gläubigen die den Herrn lieben und seine Worte halten.

Und dann heißt es anschließend:

Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht.

Es ist also die Negation des ersten Teils der obigen Aussage. Und dort wo diese Voraussetzung wegfällt, ist natürlich auch die Konsequenz, nämlich die Verheißung des Innewohnens des Heiligen Geistes hinfällig. Das bedeutet, dass die Gläubigen nur dann und solange mit der Manifestation des Heiligen Geistes in ihnen rechnen können, als sie den Herrn lieben und seine Worte halten.

Einige Verse davor haben wir aber nun jenen Text, welchen auch Frau Bollmeyer in Ihrer Replik zitiert und welcher auf den ersten Blick und für sich betrachtet durchaus den von ihr angesprochenen Eindruck vermitteln könnte, dass der Heilige Geist bleibend („in Ewigkeit”) in uns wohnt.

Der Vater wird euch einen anderen Beistand geben, daß er bei euch sei in Ewigkeit.

Jh 14,15 Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten; 14,16 und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, daß er bei euch sei in Ewigkeit, 14,17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. Jh 14,15-17;


Doch gerade wenn wir die Worte des Herrn halten wollen, müssen wir den Text genau lesen, um die Bedeutung dieser Worte auch richtig zu verstehen. Und hier erkennen wir sowohl in Jh 14,16, als auch in 14,17, dass der Herr davon spricht, dass der Heilige Geist bei uns sein bzw. bleiben wird. Auch der griechische Text bezeichnet hier mit dem Wort par etwas „neben” oder „in der Nähe von” jemandem. Daraus ergibt sich die Erklärung, dass der Herr nicht davon spricht, dass der Heilige Geist ewig - also bleibend - in uns ist, sondern, dass er ewig bei, neben, in der Nähe von uns sein wird. Und genau von diesem Zusammenhang spricht Johannes auch in der Offenbarung, wo er den Geist Gottes als die sieben Augen des Lammes sieht.

Die sieben Geister Gottes, ausgesandt über die ganze Erde.

Off 5,6 Und ich sah inmitten des Thrones und der vier lebendigen Wesen und inmitten der Ältesten ein Lamm stehen wie geschlachtet, das sieben Hörner und sieben Augen hatte; die sind die sieben Geister Gottes, ausgesandt über die ganze Erde. Off 5, 6;


Wir können daraus erkennen, dass der Heilige Geist Gottes über die ganze Erde ausgesandt und damit jedem Menschen nahe ist. Das meint aber nicht, dass er auch in jedem Menschen Wohnung macht. Dieses besagt nur der abschließende Hinweis in Jh 14,17 „und wird in euch sein”, wobei sich der Herr hier allerdings wieder auf jene Voraussetzungen bezieht, welche er in Jh 14,23 für das Innewohnen des Heiligen Geistes genannt hat: „Wer mich liebt und meine Worte hält”.

Daraus können wir nun wieder erkennen, dass der Heilige Geist wohl bei uns hier auf Erden ist, allerdings sein Walten in uns ist davon abhängig, ob wir den Herrn lieben und seine Worte halten. Wenn wir dieses tun, dann wird es unser größter Wunsch sein, dass der Herr in uns und wir in ihm sind. Und dann wird uns der Vater seinen Geist senden und Vater, Sohn und Geist werden in uns Wohnung machen.

Wer den Herrn nicht liebt, wird seine Worte nicht halten und der Geist wird nicht in ihn kommen. Und das gilt nicht nur für Gottlose und Ungläubige, sondern auch für jene, welche einstmals diese Liebe zum Herrn und damit den Heiligen Geist hatten und dann davon abgefallen sind. Dies sagt uns einmal der Schreiber des Hebräerbriefes weiter oben, in Hbr 6,4-6 und das bestätigt uns auch der Herr Jesus selbst in der Offenbarung des Johannes, im Brief an die Gemeinde in Ephesus:

Aber ich habe gegen dich, daß du deine erste Liebe verlassen hast.

Off 2,1 Dem Engel der Gemeinde in Ephesus schreibe: Dies sagt der, der die sieben Sterne in seiner Rechten hält, der inmitten der sieben goldenen Leuchter wandelt: 2,2 Ich kenne deine Werke und deine Mühe und dein Ausharren, und daß du Böse nicht ertragen kannst; und du hast die geprüft, die sich Apostel nennen und es nicht sind, und hast sie als Lügner befunden; 2,3 und du hast Ausharren und hast vieles getragen um meines Namens willen und bist nicht müde geworden. 2,4 Aber ich habe gegen dich, daß du deine erste Liebe verlassen hast. 2,5 Denke nun daran, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! Wenn aber nicht, so komme ich dir und werde deinen Leuchter von seiner Stelle wegrücken, wenn du nicht Buße tust. Off 2, 1- 5;


Wie man sieht, ist also die, zugegebener Maßen sehr verlockende Formel: „einmal Heiliger Geist, immer Heiliger Geist”, ein Wunschdenken mancher Geschwister und anhand der Schrift nicht zu begründen. Leider gibt es im Glaubensleben keine derartigen Absicherungen. Wir müssen unser ganzes Leben lang darauf achten, dass wir diese Liebe zum Herrn nicht verlassen, damit jene Drohung, welche der Herr an die Gemeinde von Ephesus richtet, nicht auch für uns Realität wird.

Die Bekehrung und der Glaube an unseren Herrn Jesus Christus sowie die Annahme seines Loskaufopfers für unsere Sünden ist eine ganz persönliche Entscheidung jedes Menschen, welche aus völlig freiem Willen und ohne jeden Zwang erfolgen muss. Ein durch Gott ausgeübter Zwang wäre wider die Gerechtigkeit, Würde und Majestät des Allmächtigen. Sehen wir uns doch diese Welt an: Sieht man hier irgendwo einen Zwang Gottes? Gerade das Gegenteil ist der Fall. Eben weil Gott niemanden zwingt, einen bestimmten Weg zu gehen, sondern die Entscheidung dem Menschen frei stellt, geht die Welt dem Chaos entgegen. Und da der Herr, unser Gott niemanden zwingt sich für ihn zu entscheiden, wenn dieser nicht will, wird er auch niemanden gegen dessen Willen zwingen bei Ihm zu bleiben.

Aber auch eine Bekehrung und ein Glaube, welche durch irgendwelche „Missionare” erzwungen werden - wie etwa bei der Katholisierung der südamerikanischen Indios durch die spanischen und portugiesischen Conquistadores - ist vor Gott null und nichtig und führt die Menschen nur von einer Finsternis in eine noch größere Finsternis. Es ist wohl möglich, Informationen, Warnung und Wegweisung an die Hand zu geben, doch seine Entscheidung in dieser Frage muss jeder Mensch selbst und aus persönlicher Überzeugung treffen.

Wenn du Gottlose und Gerechte nicht gewarnt hast, werden sie um ihrer Sünde willen sterben, aber ihr Blut werde ich von deiner Hand fordern.

Hes 3,18 Wenn ich zu dem Gottlosen spreche: «Du mußt sterben!» und du hast ihn nicht gewarnt und hast nicht geredet, um den Gottlosen vor seinem gottlosen Weg zu warnen, um ihn am Leben zu erhalten, dann wird er, der Gottlose, um seiner Schuld willen sterben, aber sein Blut werde ich von deiner Hand fordern. 3,19 Du aber, wenn du den Gottlosen gewarnt hast und er ist von seiner Gottlosigkeit und von seinem gottlosen Weg nicht umgekehrt, dann wird er um seiner Schuld willen sterben, du aber hast deine Seele errettet

3,20 Und wenn ein Gerechter von seiner Gerechtigkeit umkehrt und Unrecht tut und ich einen Anstoß vor ihn lege, dann wird er sterben. Wenn du ihn nicht gewarnt hast, wird er um seiner Sünde willen sterben, und an seine gerechten Taten, die er getan hat, wird man nicht mehr denken; aber sein Blut werde ich von deiner Hand fordern. 3,21 Du aber, wenn du ihn, den Gerechten gewarnt hast, damit der Gerechte nicht sündige, und er hat nicht gesündigt, so wird er leben, weil er sich hat warnen lassen; du aber, du hast deine Seele errettet. Hes 3,18-21;

Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung!

Mk 16,15 Und er sprach zu ihnen: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! 16,16 Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird errettet werden; wer aber ungläubig ist, wird verdammt werden. Mk 16,15-16;


Und weil das nun so ist, kann uns nichts und niemand aus dieser Entscheidung und damit aus der Hand unseres Gottes (Jh 10,28-29) reißen, als wieder nur wir selbst. Daher kann jeder Gläubige diese, von ihm freiwillig getroffene Entscheidung auch freiwillig wieder rückgängig machen und vom Glauben abfallen. Und deshalb müssen wir uns nicht vor irgendwelchen satanischen Heeren fürchten und unsere Städte durch Zungengebet oder „geistlichen Kampf” von  ihnen befreien, wie das in einigen Denominationen praktiziert wird, sondern es ist unser eigener Wille, auf den wir achten müssen. Wenn wir jedoch den Herrn lieben und seine Worte halten, wird der dreieinige Gott persönlich in uns wohnen und unsere Liebe mit seiner Liebe stärken, sodass wir aus freiem Willen und in vollem Vertrauen in seiner Hand bleiben wollen.

Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.



(Siehe auch Diskurs 114: „Der Kampf gegen unsichtbare Welten für ein Europa auf christlichem Fundament?”)





Zusammenfassung

Es ist ein Faktum, dass vor Gott alle Menschen Sünder sind, wie auch Paulus in Röm 3,12 schreibt: „da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer.” Und das bezieht sich nun nicht etwa nur auf die Gottlosen, die in der Finsternis leben und Sünde auf Sünde häufen, sondern auch auf die Gläubigen, welche zwar im Licht wandeln, aber immer wieder der einen oder anderen Versuchung erliegen.

Ein weiteres Faktum ist der Umstand, dass der Heilige Geist Sünde nicht dulden kann und daher auch einen Menschen, welcher unvergebene Sünde in sich trägt, verlässt. Das beste Beispiel dafür ist der Ruf des Herrn Jesus am Kreuz (Mt 27,46): „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” Unser Herr hatte in diesem Moment die Sünden aller Menschen aller Zeiten auf sich genommen, um jene zu retten, welche dieses Loskaufopfer für sich in Anspruch nehmen wollen. Und daher musste der Heilige Geist selbst den Sohn Gottes am Kreuz verlassen.

Doch wie uns der Herr oben, in Lk 11,11-13 sagt, können wir durch die Gnade Gottes den Vater wieder um den Heiligen Geist bitten. Ebenso wie wir unseren Kindern, wenn sie uns um einen Fisch oder ein Ei - also die tägliche Nahrung - bitten, Speise geben, wird auch unser Vater im Himmel, wenn wir ihn nach dem Bekenntnis unserer Sünden darum bitten, uns wieder die geistliche Nahrung des Heiligen Geistes geben.