Diskurs 54 - Muss Jesus uns Christen heute Heilung und Erfolg geben?




Der Abrahamitische Bund und seine Auswirkungen auf die Christenheit. / Website/Buch Jay Snell, 2003-07-07


Einer der amerikanischen Besucher von Immanuel.at, der Betreiber der Website „The Abrahamic Seed Group” [Die Gruppe des Samens Abrahams], Dr. Jay Snell, hat anläßlich seines Besuches die Einladung ausgesprochen, gegenseitig die Links auszutauschen, um den Besuchern die Möglichkeit zu bieten, die jeweilige andere Website kennen zu lernen.

Eine Prüfung dieser amerikanischen Internet-Publikation hat insofern ein positives Resultat gezeitigt, als die Argumentation an sich durchaus als schriftkonform bezeichnet werden kann. Wie der nachfolgende Beitrag zeigt, ist jedoch die Art der Interpretation sehr am Alten Testament orientiert und daher eher etwas problematisch.


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Der Abrahamitische Bund und seine Auswirkungen auf die Christenheit. / Website/Buch JS00 2003-07-07+))

Der Abrahamitische Bund garantierte für das Judentum des Alten Testaments die Segnungen von körperlicher Gesundheit und materiellem Erfolg. Die christliche Religion muss eben dies im Zeitalter des Christentums tun. Ansonsten ist der Judaismus die überlegene Religion. Wenn die christliche Religion in der neutestamentlichen Zeit nicht körperliche Gesundheit und materiellen Wohlstand anbietet und garantiert, wie sie gleichermaßen der Abrahamitische Bund in der Zeit des Alten Testaments angeboten und garantiert hat, dann ist das Christentum dem Judaismus des Alten Testaments einfach unterlegen. Es wird allerdings wenige Christen geben, welche zugestehen würden, dass das Christentum dem Judaismus des Alten Testaments oder einer anderen Religion unterlegen ist.

Um jedoch diese Behauptung zu widerlegen, müssen jene Christen, welche die Unterlegenheit des Christentums gegenüber dem Judaismus des Alten Testaments nicht anerkennen wollen, eines von zwei Dingen nachweisen. Sie müssen eindeutig beweisen dass der Abrahamitische Bund die Segnungen von körperlicher Gesundheit und materiellem Wohlstand nicht gewährleisten konnte und deshalb das Christentum es auch nicht garantieren muss. Oder, wenn sie nicht in der Lage sind nachzuweisen, dass der Abrahamitische Bund nicht Gesundheit und Wohlstand garantiert hat, müssen sie gleichermaßen Gesundheit und Wohlergehen für die Christenheit beweisen. Ansonsten ist das alttestamentliche Judentum tatsächlich dem Christentum in den Segnungen und Wohltaten überlegen, die es seinen Leuten zu gewähren vermag. (...) Körperliche Gesundheit und materieller Wohlstand sind im Abrahamitischen Bund tatsächlich garantiert.

+) Der Auszug ist der Website „The Abrahamic Seed Group” [Die Gruppe des Samens Abrahams] von Jay Snell entnommen.

Jay Snell jaysnell@jaysnell.org / http://www.jaysnell.org/ "Healing, Prosperity, Family Wellness" [Heilung, Wohlstand, Familien-Wohlergehen]



Dr. Jay Snell ist ehemaliger, sehr erfolgreicher amerikanischer Baptisten-Pastor und Evangelist. Nach Angaben seiner Gemeinde, hat er einige Rekorde zu verzeichnen: Er hält den SBC-Rekord an Evangelisationen in einer bestimmten Zeitspanne. Noch jede Gemeinde in der er diente, konnte ihr Wachstum explosionsartig ausweiten. In einem Pastorat konnte er in den ersten zwölf Monaten seines Einsatzes im Durchschnitt über fünfhundert Besucher zur Sonntagschule hinzugewinnen. Wenn man die Lage dieser Gemeinde, den Zustand der Gebäude und die schwache finanzielle Situation berücksichtigt, stellt dieser Dienst wirklich einen Rekord dar. Während dieses fünfjährigen Pastorats hat Jay Snell auch mehr Taufen gefeiert als in allen anderen Gemeinden des Bundesstaats. Nach seiner Tätigkeit als Baptistenpastor hat Jay Snell eine unabhängige „Bündnis-Kirche” [Independent Covenant Church] gegründet.

Wie auf seiner Website zu lesen ist, erhielt J. Snell noch während der Zeit seiner Tätigkeit als Baptistenpastor von Gott die Offenbarung, dass Heilung, Wohlstand und Wohlbefinden für unsere Familien im Abrahamitischen Bund beinhaltet und in Konsequenz nunmehr allen Christen zugänglich sind.

Dann heißt es weiter:

„Er (GOTT / Anm. FH) zeigte ihm (Snell / Anm. FH) warum Jesus uns Christen heute heilen und erfolgreich sein lassen muss. Dann hat ihm der segensreiche Herr befohlen, Nachforschungen über diese abrahamitische Offenbarung von Heilung und Wohlstand anzustellen und sie sowohl vom Griechischen her als auch aus dem Hebräischen zu dokumentieren”


Daraus ist nun dann das Buch bzw. die Website von J. Snell entstanden, welche nach Sicht des Autors die Frage beantworten sollen:

Warum muss Jesus dich jetzt heilen und erfolgreich sein lassen?

Nun ist allein schon diese Formulierung „Warum muss Jesus ...” sehr fragwürdig, denn der Herr Jesus „muss” natürlich überhaupt nichts. Wir können nichts fordern, weil wir keinen Anspruch haben. Wie Paulus in Röm 5,12 sagt, haben wir alleine Anspruch auf den Tod, weil wir alle gesündigt haben. Nur durch die Annahme des Loskaufopfers des Sohnes Gottes haben wir überhaupt die Möglichkeit zu Gott zu beten und ihn zu bitten.

Alles was wir daher vom Herrn erhalten entspringt seiner Gnade, Liebe und Barmherzigkeit und hier irgendeinen zwangsläufigen Automatismus sehen zu wollen, wäre völlig fehl am Platz.

Dennoch verdient diese Argumentation aus zwei Gründen eine besondere Aufmerksamkeit:

1. Es ist genau jene Diktion, welche - besonders in den USA - viele Christen wie ein Magnet anzieht und es manchen „Predigern” sehr leicht macht, diese zu verführen und selbst zu einem Vermögen zu kommen.

2. Dann sind aber auch die anhand der Bibel geführten Schlussfolgerungen des obigen Autors nicht ganz von der Hand zu weisen, weshalb es offensichtlich auch für so manche Christen schwer ist, sich hier ein fundiertes Urteil zu bilden.


Obwohl bibelgläubige Christen derartige „Parolen” kaum Ernst nehmen werden, ist der Ansatz im hier geführten biblischen Nachweis genau jener Punkt, mit welchem u. U. auch bibelfeste Geschwister „ausgehebelt” werden könnten.

o  Als Grundlage der Argumentation wird der Bund Gottes mit Abraham im ersten Mosesbuch und die darin enthaltenen Verheißungen angeführt (1Mo 12,1-3; 13,15-17; 15,1-21; 17,1-22; und 22,16-18;).

1Mo 17,7 Und ich werde meinen Bund aufrichten zwischen mir und dir und deinen Nachkommen nach dir durch alle ihre Generationen zu einem ewigen Bund, um dir Gott zu sein und deinen Nachkommen nach dir. 1Mo 17,7;

o  Auch die Ableitung aus 1Mo 17,7, dass demnach sämtliche Segnungen dieses Bundes Gottes mit Abraham auch und insbesondere auf seine Nachkommen - die Israeliten - bezogen seien, ist völlig schriftkonform.

o  Um nun zu den Auswirkungen dieser Segnungen auf die Christenheit zu kommen, wird - auch wieder völlig richtig - Paulus zitiert, welcher in seinen Briefen an die Römer und an die Galater nachgewiesen hat, dass nicht alle leiblichen Kinder Abrahams - nämlich aus den Israeliten - die in diesem Bund verheißenen Nachkommen seien, sondern die „Kinder der Verheißung”, also die Christen, welche nicht wegen ihrer Gesetzestreue, sondern - ebenso wie Abraham (1Mo 15,6) - wegen ihres Glaubens gerecht gesprochen werden.

Nicht die Kinder des Fleisches, sondern die Kinder der Verheißung werden als Nachkommenschaft gerechnet.

Röm 9,6 Nicht aber als ob das Wort Gottes hinfällig geworden wäre; denn nicht alle, die aus Israel sind, die sind Israel, 9,7 auch nicht, weil sie Abrahams Nachkommen sind, sind alle Kinder, sondern «in Isaak wird dir eine Nachkommenschaft genannt werden». 9,8 Das heißt: Nicht die Kinder des Fleisches, die sind Kinder Gottes, sondern die Kinder der Verheißung werden als Nachkommenschaft gerechnet. Röm 9, 6- 8;

Folglich werden die, die aus Glauben sind, mit dem gläubigen Abraham gesegnet.

Gal 3,6 Ebenso wie Abraham Gott glaubte und es ihm zur Gerechtigkeit gerechnet wurde. 3,7 Erkennt daraus: die aus Glauben sind, diese sind Abrahams Söhne! 3,8 Die Schrift aber, voraussehend, daß Gott die Nationen aus Glauben rechtfertigen werde, verkündigte dem Abraham die gute Botschaft voraus: «In dir werden gesegnet werden alle Nationen.» 3,9 Folglich werden die, die aus Glauben sind, mit dem gläubigen Abraham gesegnet. Gal 3, 6- 9:

Damit der Segen Abrahams in Christus Jesus zu den Nationen komme.

Gal 3,13 Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist - denn es steht geschrieben: «Verflucht ist jeder, der am Holz hängt!» - 3,14 damit der Segen Abrahams in Christus Jesus zu den Nationen komme, damit wir die Verheißung des Geistes durch den Glauben empfingen. Gal 3,13-14;


o  Die Segnungen selbst, welche der „Abrahamitische Bund” nach Ansicht J. Snells enthält, werden dann wie folgt aufgezählt:

   „-  Heilung, welche im Abrahamitischen Bund für Sie enthalten ist
-  Christlicher Wohlstand und Gedeihen, welche im Abrahamitischen Bund für Sie enthalten sind
-  Familiäres Wohlbefinden, welches im Abrahamitischen Bund für Sie enthalten ist
-  Geistige Kriegsführung, welche im Abrahamitischen Bund für Sie enthalten ist
-  Ewige Sicherheit, welche im Abrahamitischen Bund für Sie enthalten ist
-  Zeitpunkt der Entrückung, welcher im Abrahamitischen Bund für Sie enthalten ist
-  Alles dies zusätzlich zu Ihrer Rettung, welche im Abrahamitischen Bund für Sie enthalten ist.”

Abschließend heißt es dann zu dieser Darstellung:

„Alle obigen Themen werden im Lichte des Abrahamitischen Bundes dargelegt. Bedenken Sie immer: The Abrahamic Seed Group Newsletter [Der Newsletter der Gruppe von Abrahams Samen] hat nur eine Absicht: Wir möchten Ihren Glauben aufbauen, damit Sie all das erlangen, was Ihnen Gott in seinem Bund mit Abraham verheißen hat. Wir wollen Sie ausrüsten, in Ihrem eigenen Heilungsdienst tätig zu sein.”


Das sind also - kurz zusammengefasst - die biblischen Grundlagen und die Zielsetzungen dieser sehr umfangreichen und ausgezeichnet organisierten Website.

Wie man sieht, kann man diesen Leuten eine schriftgebundene Argumentation nicht so einfach absprechen. Ein erster Ansatz wäre das Faktum, dass die oben genannten Segnungen, so wie sie hier formuliert werden, natürlich nicht in der Bibel stehen. Allerdings beruft man sich hier u. a. auf den Segen Gottes für Abraham in 1Mo 12,1-3:

Und ich will dich segnen und ich will segnen, die dich segnen.

1Mo 12,1 Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde! 12,2 Und ich will dich zu einer großen Nation machen, und ich will dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein! 12,3 Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde! 1Mo 12, 1- 3;


Und in einer sehr breit angelegten Argumentation über die semantischen Inhalte des Wortes „Segen” in der Hebräischen und der Griechischen Sprache, bezieht man sich dann im wesentlichen auf 1Mo 24,1 und 35 um die Segnung u. a. auch mit Gesundheit und materiellem Wohlstand für alle geistigen/glaubensmäßigen Nachkommen Abrahams - also für alle Christen - nachzuweisen.

Und Abraham war alt, hochbetagt, und der HERR hatte Abraham in allem gesegnet.

1Mo 24,1 Und Abraham war alt, hochbetagt, und der HERR hatte Abraham in allem gesegnet. 1Mo 24, 1;

Der HERR hat meinen Herrn sehr gesegnet, so daß er groß geworden ist.

1Mo 24,35 Der HERR hat meinen Herrn sehr gesegnet, so daß er groß geworden ist. Er hat ihm Schafe und Rinder gegeben, Silber und Gold, dazu Knechte und Mägde, Kamele und Esel. 1Mo 24,35;


Es gibt nun einige Ansichten, welche den Fortbestand des Abrahamitischen Segens bis in unsere Zeit zu widerlegen versuchen. J. Snell führt diese auch auf seiner Website an und bringt im wesentlichen logische Argumente zur Entkräftung.

Wie sich aber weiter unten zeigen wird, gibt es für alle diese Theorien ein absolut stichhältiges biblisches Argument, sodass hier nur die Aussagen kurz zusammengefasst wiedergegeben werden sollen:


Die Erfüllungstheorie.

Diese Theorie besagt, dass der Abrahamitische Bund bereits in Josuas Tagen (etwa 1400 v. Chr.) komplett erfüllt und seitdem nicht mehr länger in Kraft war. Man stützt sich dabei auf folgende Schriftstellen:

Jos 21,45 Es fiel kein Wort dahin von all den guten Worten, die der HERR zum Haus Israel geredet hatte. Alles traf ein. Jos 21,45;

Jos 23,14 Und siehe, ich gehe heute den Weg der ganzen Erde. Und ihr wißt mit eurem ganzen Herzen und mit eurer ganzen Seele, daß auch nicht ein Wort hingefallen ist von all den guten Worten, die der HERR, euer Gott, über euch geredet hat: alle sind sie eingetroffen für euch; kein einziges Wort davon ist hingefallen. Jos 23,14;

1Kg 8,56 Gepriesen sei der HERR, der seinem Volk Israel Ruhe gegeben hat, nach allem, was er geredet hat! Nicht ein einziges Wort ist dahingefallen von all seinen guten Worten, die er durch seinen Knecht Mose geredet hat. 1Kg 8,56;


Die Ansässigkeitstheorie.

Diese Theorie behauptet, dass die Segnungen Abrahams nur so lange in Kraft waren, als seine leiblichen Abkommen im Lande waren. Man bezieht dabei die Segnungen auf das Land und meint, dass mit der Vertreibung Israels aus dem Lande wegen seines Ungehorsams Gott gegenüber, auch die Segnungen weggenommen wurden.


Die Beispielstheorie.

Hier werden die Aussagen des NT in Bezug auf Abraham und seinen Bund mit Gott nur als Beispiel für den starken Glauben Abrahams gesehen, welchem wir nacheifern sollten. Die Christen sollten dadurch nur angespornt werden, Gott so zu vertrauen, wie Abraham ihm vertraut hatte.


Die Trennungstheorie.

Diese Sicht trennt den Abrahamitischen Segen in zwei Bereiche:

-  Teil 1 ist der Erlösungsteil. Dieser Teil wäre nach dieser Theorie noch immer in Kraft und er wäre es auch, auf den sich Paulus in seinen Aussagen in Gal 3 und anderen Stellen beziehen würde.

-  Teil 2 des Abrahamitischen Bundes wären demnach jedoch alle diese Segnungen mit Land, Gesundheit, Wohlstand etc. und diese Verheißungen wären nicht mehr gültig.


Die „Paul's Dorn”-Theorie

Hier bezieht man sich auf den zweiten Brief des Paulus an die Korinther, Vers 12,7 und meint, wie denn körperliche Heilung christliches Erbteil sein könnte, wenn Paulus selbst seine Krankheit (Dorn im Fleisch) nicht heilen konnte. Man übersieht dabei natürlich vor allem die nachfolgenden Verse, in welchen dokumentiert ist, dass diese Krankheit Gottes Wille für Paulus war und daher von niemandem hätte geheilt werden können.

Darum, damit ich mich nicht überhebe, wurde mir ein Dorn für das Fleisch gegeben

2Kor 12,6 Denn wenn ich mich rühmen will, werde ich doch nicht töricht sein, denn ich werde die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber dessen, damit nicht jemand höher von mir denke, als was er an mir sieht oder was er von mir hört, 12,7 auch wegen des Außerordentlichen der Offenbarungen. Darum, damit ich mich nicht überhebe, wurde mir ein Dorn für das Fleisch gegeben, ein Engel Satans, daß er mich mit Fäusten schlage, damit ich mich nicht überhebe. 12,8 Um dessentwillen habe ich dreimal den Herrn angerufen, daß er von mir ablassen möge. 12,9 Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Sehr gerne will ich mich nun vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne. 2Kor 12, 6- 9;


Die Theorie des perfekten Kanons.

Diese Theorie besagt, dass gleichzeitig mit der Niederschrift des letzten Buches des NT - der Offenbarung des Johannes - alles Übernatürliche und alle Wunder von der Gemeinde genommen wurden. Dies inkludiert Zungenreden, Erkenntnisse, Weissagungen, Visionen etc. und man beruft sich dabei auf 1Kor 13,8-13:

Weissagungen werden weggetan werden, Sprachen werden aufhören Erkenntnis wird weggetan werden.

1Kor 13,8 Die Liebe vergeht niemals; seien es aber Weissagungen, sie werden weggetan werden; seien es Sprachen, sie werden aufhören; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden. 13,9 Denn wir erkennen stückweise, und wir weissagen stückweise; 13,10 wenn aber das Vollkommene kommt, wird das, was stückweise ist, weggetan werden. 13,11 Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind; als ich ein Mann wurde, tat ich weg, was kindlich war. 13,12 Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels, undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, wie auch ich erkannt worden bin. 13,13 Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die größte aber von diesen ist die Liebe. 1Kor 13,8-13;


Auch hier übersieht man allerdings die Aussagen der nachfolgen Verse, besonders von Vers 1Kor 13,10 und 12:

Wenn aber das Vollkommene kommt, wird das, was stückweise ist, weggetan werden.

Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels, undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, wie auch ich erkannt worden bin.”

Hier spricht Paulus von der Wiederkunft des Herrn (das Vollkommene) und dann - im Millennium - werden diese Dinge natürlich alle aufhören, weil sich die Prophezeiungen erfüllt haben und diese Gaben nicht mehr benötigt werden.

Wie aber nun bereits weiter oben angedeutet, gibt es für alle diese Theorien ein absolut eindeutiges und biblisches Gegenargument, welches von manchen Exegeten nur deshalb nicht in Betracht gezogen wird, weil sie bei ihren Auslegungen zu sehr aus ihrer eigenen, menschlichen Sicht argumentieren und dabei den Einfluss und die Absichten Gottes unberücksichtig lassen und aus dem Blick verlieren.

Wenn wir uns noch einmal die Verheißungen Gottes in seinem Bund mit Abraham ansehen, erkennen wir einige wichtige Details, welche die Wirksamkeit des Abrahamitischen Bundes nicht nur für Israel und für seine Zeit, sondern für alle Nationen und bis in unsere Zeit und darüber hinaus beweisen:

Und ich werde meinen Bund aufrichten zwischen mir und dir und deinen Nachkommen nach dir.

1Mo 17,4 Ich, siehe, das ist mein Bund mit dir: Du wirst zum Vater einer Menge von Nationen werden. 17,5 Und nicht mehr soll dein Name Abram heißen, sondern Abraham soll dein Name sein! Denn zum Vater einer Menge von Nationen habe ich dich gemacht. 17,6 Und ich werde dich sehr, sehr fruchtbar machen, und ich werde dich zu Nationen machen, und Könige werden aus dir hervorgehen. 17,7 Und ich werde meinen Bund aufrichten zwischen mir und dir und deinen Nachkommen nach dir durch alle ihre Generationen zu einem ewigen Bund, um dir Gott zu sein und deinen Nachkommen nach dir.1Mo 17, 4- 7;


Zum Einen haben wir hier die Aussage in 1Mo 17,4: „Du wirst zum Vater einer Menge von Nationen werden”. Und diese Aussage wird dann in Vers 17,5 noch einmal bestätigt. Wenn nun aber nur die Israeliten „Kinder Abrahams” wären, würde es sich nur um eine einzige Nation handeln.

Und deshalb sagt uns auch Paulus in Gal 3,8-9:

In dir werden gesegnet werden alle Nationen.

Gal 3,8 Die Schrift aber, voraussehend, daß Gott die Nationen aus Glauben rechtfertigen werde, verkündigte dem Abraham die gute Botschaft voraus: «In dir werden gesegnet werden alle Nationen.» 3,9 Folglich werden die, die aus Glauben sind, mit dem gläubigen Abraham gesegnet. Gal 3, 8- 9;


Paulus zitiert hier 1Mo 12,3, wo Gott zu Abraham spricht: „Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!”

Dieser Segen gilt also allen christlichen Gläubigen in allen Nationen der Welt bis zur Wiederkunft des Herrn.

Zum Anderen heißt es in 1Mo 17,7 „Und ich werde meinen Bund aufrichten zwischen mir und dir und deinen Nachkommen nach dir durch alle ihre Generationen zu einem ewigen Bund”.

Und wenn wir nun auch hier wieder die Aussage des Paulus betrachten, der in Röm 9,8 schreibt:
„Das heißt: Nicht die Kinder des Fleisches, die sind Kinder Gottes, sondern die Kinder der Verheißung werden als Nachkommenschaft gerechnet”, so sind es also wieder die christlichen Gläubigen als Nachkommenschaft Abrahams, denen diese Verheißungen - und zwar auf ewig - gelten.

Jeder Ausleger, der daher diese Zusammenhänge leugnet, insinuiert damit automatisch, dass Gott nicht wüsste, was „alle Geschlechter der Erde” bzw. „ewiger Bund” bedeuten würde, leugnet die Verheißungen Gottes an Abraham in 1Mo 12,3 und 17,7 und nimmt sich damit automatisch selbst aus einer an der Bibel orientierten Diskussion.


In Bezug auf die Gültigkeit dieser Verheißungen an Abraham für die Christenheit kann man daher den Aussagen auf der Website von J. Snell nicht widersprechen, insbesondere auch, wenn man die Aussage des Paulus in Gal 3,14 berücksichtig, welche uns ebenfalls die Erbfolge des Abrahamitischen Segens für uns Christen bestätigt.

Damit der Segen Abrahams in Christus Jesus zu den Nationen komme.

Gal 3,13 Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist - denn es steht geschrieben: «Verflucht ist jeder, der am Holz hängt!» - 3,14 damit der Segen Abrahams in Christus Jesus zu den Nationen komme, damit wir die Verheißung des Geistes durch den Glauben empfingen. Gal 3,13-14;


Doch Paulus weist hier auch gleich auf die conditio sine qua non hin, welche für den Erhalt des Abrahamitischen Segens erforderlich ist: Christus Jesus, der uns losgekauft hat! Es ist also der Glaube an Jesus Christus, der die Übertragung dieses Segens erst ermöglicht.

(Siehe auch Diskurs 30: „Warum musste Jesus am Kreuz sterben?”)


Und damit kommen wir zu dem springenden Punkt in diesem Zusammenhang: Gott hat diesen Bund mit Abraham mit den Worten geschlossen (1Mo 17,7):

„Und ich werde meinen Bund aufrichten zwischen mir und dir und deinen Nachkommen nach dir durch alle ihre Generationen zu einem ewigen Bund, um dir Gott zu sein und deinen Nachkommen nach dir.”

Daraus erkennen wir einmal, dass Abraham für seine Nachkommen in allen folgenden Generationen Mittler dieses Bundes ist.

Nun sagt aber der Herr Jesus in Jh 8,56-59:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich.

Jh 8,56 Abraham, euer Vater, jubelte, daß er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich. 8,57 Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen? 8,58 Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich. 8,59 Da hoben sie Steine auf, um auf ihn zu werfen. Jesus aber verbarg sich und ging aus dem Tempel hinaus. Jh 8,56-59;


Dies ist einer der wichtigsten Hinweise auf die Präexistenz des Sohnes Gottes und besagt, dass der Herr Jesus vor seiner Menschwerdung und - wie der Herr unten, in Jh 17,4-5 bestätigt - sogar vor Anbeginn aller Schöpfung bei Gott und gleichzeitig auch selbst Gott war.

Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war!

Jh 17,4 Ich habe dich verherrlicht auf der Erde; das Werk habe ich vollbracht, das du mir gegeben hast, daß ich es tun sollte. 17,5 Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war! Jh 17, 4- 5;


Und auch Johannes selbst führt uns dies am Beginn seines Evangeliums vor Augen:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.

Jh 1,1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 1,2 Dieses war im Anfang bei Gott. 1,3 Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist. 1,4 In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 1,5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfaßt. Jh 1, 1- 5;


Wenn nun der Herr das „Wort Gottes” ist, dann war es auch Jesus Christus, der die Worte dieses Bündnisses mit Abraham ausgesprochen hat.

Und wenn wir die Aussagen Johannes' weiterverfolgen erkennen wir drei weitere wichtige Tatsachen:

Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.

Jh 1,9 Das war das wahrhaftige Licht, das, in die Welt kommend, jeden Menschen erleuchtet. 1,10 Er war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn, und die Welt kannte ihn nicht. 1,11 Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an; 1,12 so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; 1,13 die nicht aus Geblüt, auch nicht aus dem Willen des Fleisches, auch nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. 1,14 Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Jh 1, 9-14;


Wir haben einmal in Jh 1,14 die nochmalige Bestätigung, dass das Wort Gottes als Sohn Gottes in Jesus Christus als Mensch geboren und somit Fleisch geworden ist. Sodann sagt Johannes in Jh 1,10: „Er war in der Welt und die Welt wurde durch ihn...”. Eine, aus den vorherigen Aussagen völlig logisch entwickelte Konsequenz, welche auch durch Jh 1,1-3 bestätigt wird: „Im Anfang war das Wort (...) Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist.” Die ganze Schöpfung wurde tatsächlich durch Jesus Christus. Als Wort Gottes war er es, der am Anfang das „Es werde” Gottes des Vaters ausgesprochen und damit alles ins Sein gebracht hat.

Und schließlich erfahren wir den für uns im Zusammenhang mit dem hier diskutierten Thema wichtigsten Aspekt. In Vers Jh 1,11-12 heißt es:

„Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an; so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben;”


Wir sehen also nun: Abraham war zwar der Mittler seines Bundes mit Gott. In der Folge hat sich jedoch dieser Gott in seiner Liebe zu den Menschen herabgelassen, in seinem Sohn Jesus Christus selbst Mensch zu werden und diesen alten Bund mit Abraham durch einen neuen Bund zu erweitern. Und wie Johannes oben in Jh 1,12 sagt, ist die Voraussetzung für den Eintritt in diesen Neuen Bund nunmehr der Glaube an Jesus Christus den Sohn Gottes.

Wir haben als gläubige Christen nicht nur das Vorrecht geistige/glaubensmäßige Nachkommen Abrahams zu sein, sondern unser Gott billigt uns jetzt sogar das Recht zu, seine Kinder, Kinder Gottes zu werden, indem wir an seinen Sohn glauben.

Obwohl nun dieser Umstand auf der Website von J. Snell wohl erwähnt wird, fehlt ein weiterer, sehr wichtiger Aspekt gänzlich, nämlich der Hinweis, dass jedweder Segen nicht bedingungslos in Anspruch genommen werden kann. Ebenso wie Israel in alttestamentlicher Zeit sich immer wieder gegen seinen Gott aufgelehnt, seiner Stimme nicht gehorcht und dadurch diesen Segen vorübergehend verloren hat, können auch die Christen den Segen Gottes nur in Anspruch nehmen, wenn sie die Gebote ihres Herrn Jesus Christus halten wie uns dieser in Jh 14,21 selbst sagt:

Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt.

Jh 14,21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren. Jh 14,21;


Und diese Gebote sind nach der Liebe zu Gott, unserem Vater im Himmel, die Liebe zu unseren Geschwistern. Wir Christen müssen uns nicht auf eine Segensverheißung berufen um mit „Gesundheit, materiellem Wohlstand und Wohlbefinden der Familie” im täglichen Leben gesegnet zu werden. Es ist umgekehrt: wenn wir darauf achten, dass wir von dem, das wir haben, an unsere Brüder und Schwestern weitergeben, dann wird unser Vater im Himmel durch unseren Herrn Jesus Christus dafür sorgen, dass unsere Vorräte wieder aufgefüllt werden.

Je mehr wir geben, desto mehr werden wir empfangen. Egal ob das nun der Einsatz von Gesundheit durch kostenlose Arbeit für Notleidende, die Weitergabe von materiellem Wohlstand durch Unterstützung von bedürftigen Geschwistern oder die Einbindung in das Wohlbefinden in der Familie durch Gastfreundschaft ist.

Einen fröhlichen Geber liebt Gott, der vermag euch jede Gnade überreichlich zu geben.

2Kor 9,6 Dies aber sage ich: Wer sparsam sät, wird auch sparsam ernten, und wer freigebig sät, wird auch freigebig ernten. 9,7 Jeder gebe, wie er sich in seinem Herzen vorgenommen hat: nicht mit Verdruß oder aus Zwang, denn einen fröhlichen Geber liebt Gott.

9,8 Gott aber vermag euch jede Gnade überreichlich zu geben, damit ihr in allem allezeit alle Genüge habt und überreich seid zu jedem guten Werk; 9,9 wie geschrieben steht: «Er hat ausgestreut, er hat den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.» 9,10 Der aber Samen darreicht dem Sämann und Brot zur Speise, wird eure Saat darreichen und mehren und die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen, 9,11 und ihr werdet in allem reich gemacht zu aller Freigebigkeit, die durch uns Danksagung Gott gegenüber bewirkt. 2Kor 9, 6-11;

Segnet, weil ihr dazu berufen worden seid, daß ihr Segen erbt!

1Ptr 3,8 Endlich aber seid alle gleichgesinnt, mitleidig, voll brüderlicher Liebe, barmherzig, demütig, 3,9 und vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr dazu berufen worden seid, daß ihr Segen erbt! 3,10 «Denn wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der halte Zunge und Lippen vom Bösen zurück, daß sie nicht Trug reden; 3,11 er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach! 3,12 Denn die Augen des Herrn sind gerichtet auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Flehen; das Angesicht des Herrn aber ist gegen die, welche Böses tun.» 1Ptr 3, 8-12;


Nun ist es schon richtig, dass es ungläubige Menschen gibt, die sehr reich und dabei auch noch gesund sind. Dies sollte bei uns Christen jedoch keinen Neid hervorrufen. Der Mensch, der an Jesus Christus glaubt, ist wahrscheinlich nicht so reich, hat aber dennoch - oder gerade deswegen - etwas viel Wertvolleres: er ist mit dem was er hat, auch zufrieden und glücklich.



Zusammenfassung.

Man kann daher sagen, dass die Argumentation des Autors zwar in weiten Bereichen richtig und bibelkonform ist, allerdings einen wichtigen - wenn nicht den wichtigsten - Aspekt völlig außer Acht lässt:

Für uns Christen steht der Abrahamitische Bund deshalb nicht im Vordergrund, weil wir durch den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus in einen neuen, erweiterten Bund mit Gott eingetreten sind. Wir berufen uns nicht auf die Verheißungen die Abraham gegeben wurden, sondern glauben daran und vertrauen darauf, dass wir als Kinder unseres Vaters im Himmel alle diese Segnungen - und noch viel mehr - von Gott durch unseren Herrn Jesus Christus erhalten, der uns in Jh 14,13-14 versprochen hat:

Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn. Wenn ihr mich etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun!