Diskurs 58 – Wie kannst Du wissen, ob Du errettet bist?




Wie kannst Du wissen, ob Du errettet bist? / Artikel Fritz Wolf 00, 2003-12-01

Was muss ich tun, um gerettet zu werden?

Kann ein Wiedergeborener wieder abfallen?

Die Grundlagen des Heils.

Wandeln wir im Licht oder in der Finsternis?

Tun wir Gerechtigkeit?

Lieben wir?

Haben wir den Sohn Gottes?



(Wie kannst Du wissen, ob Du errettet bist? / Artikel FW00, 2003-12-01+))

Der Autor dieses Gastbeitrages, Fritz Wolf, ist Jahrgang 1964, wohnt in Darmstadt, verheiratet, drei Kinder, Glied der Christlichen Gemeinde Darmstadt (freie Brüdergemeinde) seit 1992. Fritz Wolf ist in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen, war aktives Mitglied der Kirche und stieß während seiner Schulzeit auf Charismatiker, denen er sich nach seiner Schulzeit anschloss. Die Frage der Heilssicherheit bereitete ihm, bedingt durch seinen katholischen und charismatischen Hintergrund, immer wieder Probleme und innere Nöte. Denn auf der einen Seite standen die, welche sich trotz Sehnsucht nach einem Gott wohlgefälligen Leben ihrer Errettung nie sicher waren und auf der anderen Seite jene, die ihre „Fahrkarte zum Himmel” in der Tasche wähnten, aber sich um ein gottgefälliges Leben kaum Gedanken machten. Die Frage nach der persönlichen Heilsgewissheit ist jedoch so wichtig, dass es Gott geführt hat, dass ein komplettes biblisches Buch sich einzig und alleine mit der Frage auseinandersetzt: Wie kann ich wissen, ob ich errettet bin?

Die außerordentliche Qualität der nachstehenden Arbeit des Autors liegt in ihrer Schriftkonformität und in der Klarheit der Aussagen. Obwohl es vielleicht auf den ersten Blick nicht den Anschein hat, scheint mir eine dieser Aussagen ganz besonders wichtig zu sein: die Aufforderung „dranzubleiben”. Das deckt das ganze Spektrum des Christseins ab, von der Bekehrung, über Phasen des Zweifels und der Versuchung sich zu lösen, bis hin zur Gewissheit, dass wir mit der Hilfe des Herrn auch immer wieder die Kraft bekommen "dranzubleiben". (Fritz Horak)

+) Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Erlaubnis des Autors der Website von
http://www.bibelkreis.ch/WolfFritz entnommen.

e-mail: Fritz Wolf

__________________________________________________________________________________________

Fritz Wolf unterstützt mit anderen Geschwistern auch eine christliche Evangeliumsgemeinde in Rumänien (Crestin dupa evanghelie). Mit Spendengeldern werden dort Witwen und Waisen unterstützt und versorgt.

Spendenkonto: Verein für Mission & Diakonie / Stichwort: Rumänien
Kto.-Nr.: 4005023     Bank: Sparkasse Darmstadt     BLZ: 508 501 50
IBAN: DE41 5085 0150 0004 0050 23     BIC-Code: HELADEF1DAS
__________________________________________________________________________________________




Einleitung


Was muss ich tun, um gerettet zu werden?

„Auch viele andere Zeichen hat nun zwar Jesus vor den Jüngern getan, die nicht in diesem Buch geschrieben sind. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen” (Joh. 20,30-31)

Mit diesen Worten fasst der Apostel Johannes das vierte Evangelium zusammen. Es ist unmöglich, die 21 gehaltvollen Kapitel dieses Evangeliums in einem Artikel zusammenzufassen, doch sie haben ein bestimmtes Thema: Wie kann ein Mensch errettet werden? Sie haben eine Hauptperson: Den Herrn Jesus Christus. Der Zugang zum Himmel ist untrennbar mit der Person des Herrn Jesus verbunden. Wenn wir das Evangelium lesen, dann stellen wir fest, dass wir es hier nicht mit einer „Zehnpunkte-Checkliste” zu tun haben, sondern es wird uns eine Person vorgestellt, die einzige Person in der Geschichte der Menschheit, die uns das Heil vermitteln kann.

Der Weg in den Himmel führt über Jesus Christus, er sagt, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist und niemand kommt zum Vater als nur durch ihn (Joh. 14,6). Der Weg zum Heil führt über die Auseinandersetzung mit der Person Jesus Christus. Die Antwort auf diese Frage liegt also nicht in einer bestimmten Kirche, Lehrsystem oder dem Halten bestimmter Regeln, sondern im Glauben an den Herrn Jesus Christus. Nun sagen sehr viele Menschen, dass sie „an Gott glauben”. Das ist aber mit dem rettenden Glauben nicht gemeint.

„Glauben an den Herrn Jesus” meint nicht nur das Akzeptieren der Existenz Gottes, sondern beinhaltet die Aufnahme einer persönlichen Beziehung zum Herrn Jesus Christus. Der erste Schritt ist die Erkenntnis unserer eigenen Unwürdigkeit vor Gott, der absoluten Unfähigkeit, aus eigener Kraft Gott wohlgefällig sein zu können. Jeder Mensch ist schuldig vor Gott, da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer! (Röm. 3,10). Gott wird auch das ehrliche Bemühen nicht anerkennen, denn seine Maßstäbe sind absolut. Erst wer erkannt hat, dass er vor Gott schuldig ist und den ewigen Tod verdient hat, ist in der Lage, zu erkennen, dass wenn man nicht selbst die Schuld tragen kann, es jemand anders für ihn tun muss.

Hierzu ist der Herr Jesus vom Himmel als Mensch gekommen und aller Knecht geworden, und hat die notwendige Strafe an unserer Stelle getragen. „An ihn zu glauben” heißt, das Opfer des Herrn für sich persönlich anzunehmen. Dies bedeutet aber auch, dass wir uns dem Herrn Jesus übereignen, so dass er auch unser Herr ist, der das Recht hat, über uns zu verfügen. Den Bund Gottes der Erlösung, den er uns in Jesus angeboten hat, können wir nur komplett annehmen oder komplett verwerfen. Er ist unveränderlich und nicht nachverhandelbar.

Das Heil ist umsonst, wir brauchen Gottes Bund nur anzunehmen, ohne Vorleistungen zu erbringen. Es ist umsonst, aber es ist nicht billig. Es hat den Herrn Jesus alles gekostet, nicht weniger als sein Opfertod am Kreuz war für unsere Erlösung erforderlich. „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verlorengehen, sondern ewiges Leben haben.” (Joh. 3,16). Wir müssen den Herrn Jesus in unser Herz aufnehmen, dann schenkt er uns neues Leben, welches Voraussetzung für den Eingang in seine Königsherrschaft ist.

Dies wird als die neue Geburt aus Wasser und Geist bezeichnet, von der der Herr Jesus in Joh. 3 spricht. Es sei denn, man wird von neuem geboren, kann man das Reich Gottes nicht sehen. In unserem Naturell sind wir böse, sündige Menschen, da ist niemand ausgenommen. Wir können in uns selbst Gott nicht gefallen, deshalb müssen wir ein neues Leben aus Gott empfangen. Jesus hat den Preis für das neue Leben am Kreuz bezahlt, wir müssen es annehmen und so kann Gott uns die neue Geburt schenken. Es ist keine neue Geburt aus dem Fleisch in dem Sinn, dass man wieder in den Mutterleib zurückkehrt und wieder geboren wird, sondern es ist eine neue Geburt aus dem Geist, in der das neue Leben von Gott geschenkt wird, ohne dass dieser Vorgang von außen sichtbar ist. Nur wer dieses neue Leben hat, kann in das Reich Gottes eingehen.

Wie bereits erwähnt, kann man das Thema in der Kürze nicht abschließend behandeln, sondern ich empfehle, sich mit den 21 Kapiteln des Johannesevangeliums auseinanderzusetzen, damit Du erkennst, dass Jesus der Christus ist, der Gesalbte, den Gott gesandt hat, und dass Du in seinem Namen das ewige Leben im Glauben hast.


Kann ein Wiedergeborener wieder abfallen?

Das deutliche „Nein” der Brüderbewegung wird von anderen Christen hinterfragt und stark angezweifelt. Diese Frage kann man sowohl mit „Ja” als auch mit „Nein” beantworten: „Nein”, denn ein Wiedergeborener ist vom heiligen Geist versiegelt, hat neues Leben aus Gott und Gott hat sich dafür verbürgt, dass er ihn ans Ziel bringen wird. Aber: Nicht alle, die meinen wiedergeboren zu sein, können sich des ewigen Lebens sicher sein. Ein frommes Gebet nachgesprochen, die Hand beim Aufruf erhoben bzw. ein Gefühl macht noch keinen Christen. Bestimmte Sünden schließen vom Heil aus (Gal. 5). Gewiss belegt die Schrift die Heilssicherheit (Joh. 6,39-40, Joh. 10,27-30, Phil. 1,6, Röm. 8,38-39), aber es gibt auch Stellen, die die Notwendigkeit des Ausharrens und des Dranbleibens betonen, die man nicht einfach vom Tisch wischen bzw. theologisch wegerklären kann (1. Kor. 10,12, Offb. 3,16). Die Bibel ist zwar widerspruchsfrei, jedoch enthält sie Gegensätze, die uns einen Rahmen vorgeben, was bestimmte Aussagen bedeuten und was nicht. Von der Möglichkeit, dass man sich in dieser Frage ernsthaft täuschen kann, wird in der Bibel gewarnt: Mt. 7,21-23 und Lk. 6,46.

So schwierig die Frage, ob ein Wiedergeborener verlorengehen kann, sein mag: die Konsequenz ist die gleiche: Im Himmel gibt es keine Ungläubigen und in der Hölle gibt es keine Gläubigen. Die Tatsache der Wiedergeburt zeigt sich auch in dem entsprechenden Wandel, wie später noch näher erläutert wird. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ein Wiedergeborener zwar durch ernste Krisen gehen mag, letztendlich sich aber nicht so weit vom Herrn entfernt, dass er ein Flucher oder Verleugner wird bzw. jemand, der in den in Gal. 5 beschriebenen Sünden lebt. Wenn sich jemand so entschieden von Herrn abwendet, dass er ihm völlig den Rücken zukehrt und ihn bewusst verleugnet, da habe ich ernste Zweifel, ob er ihm jemals gehört hat, gleich welches Zeugnis er vorher hatte. So ist die Frage, ob ein Wiedergeborener verloren gehen kann, eher theoretischer Natur. Im weiteren Verlauf werden wir feststellen, dass es zum Bekenntnis auch weitere wichtige Kriterien gibt, die ein „Bekenntnis ohne den entsprechenden Wandel” von vorneherein ausschließen. Die Bibel macht deutlich, dass jemand, der von neuem geboren wurde, nicht verlorengehen kann, aber es gibt auch die deutlichen Aufforderungen, auszuharren und dranzubleiben. Da die Bibel sich nicht widerspricht, gehe ich davon aus, dass jemand, der das neue Leben im Herrn Jesus Christus hat, auch jemand ist, der ausharrt und überwindet.

Ein Sünder kommt nicht in den Himmel genauso wenig wie ein Heiliger in die Hölle kommt. Ob nun der Sünder, der in die Hölle kommt, sich einmal (äußerlich) zum Herrn Jesus Christus bekannte oder nicht, ist einerlei. Ebenso ist es einerlei, ob er einmal echter Christ war oder sich und die anderen nur täuschte. Ebenso wird ein Heiliger sicher in den Himmel kommen. Ein Heiliger ist nach der Schrift jemand, der für Gott ausgesondert ist, d.h. eben durch das neue Leben für Gott ausgesondert wurde, denn nichts anderes als das ist es letztendlich. Ob es nun eine klare Bekehrung aus der Gosse oder die achte Bekehrung nach sieben falschen war ist auch hier einerlei. Wichtig ist, dass Du bekehrt bist, und nicht unbedingt wann Du Dich bekehrt hast. Wir sollen die Schrift so nehmen wie es steht und ihr praktisch folgen. Theoretische Diskussionen ohne praktische Auswirkungen sind nutzlos und kosten wertvolle Zeit und Energie, stiften Verwirrung und schaffen Streit. Wir sollten hier nicht um menschliche Dogmen, sondern um die Wahrheit der Schrift kämpfen.


Eine seelsorgerlich schwierige Frage

Die Einen, die sich die Frage nach der Sicherheit ihres Heils stellen sollten, stellen sie sich nicht, andere zweifeln ständig an ihrem Heil, obwohl sie sich eher auf die Verheißungen stützen sollten, dass Gott sie auch bis ans Ende durchträgt. Über dieses Thema in der Gemeinde zu predigen birgt die Gefahr, dass sich eine Gruppe in falscher Sicherheit wiegt während andere sich in unnötige Zweifel stürzen. Dennoch ist es ein wichtiges Thema, über das gesprochen werden muss, denn es geht um unser ewiges Leben und um unseren ewigen Tod.




Die Grundlage des Heils


Wie wird man errettet?

Apg. 16,31: Frage des Kerkermeisters, Antwort: „Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst Du und dein Haus gerettet werden.” 1. Kor 3: „Einen anderen Grund kann niemand legen welcher gelegt worden ist, welcher ist Jesus Christus”. Apg. 4,12: „Es ist in keinem anderen das Heil, denn auch kein anderer Name unter den Himmeln ist den Menschen gegeben, indem wir gerettet werden müssen.” Joh 14,6: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater als nur durch mich”.

Die Grundlage unseres Heils ist nicht ein Sakrament, eine religiöse Handlung oder eine Reihe von Taten oder Lehraussagen, sondern eine Person: Jesus Christus. Ein Haupt(neben)thema der Bibel ist die Grundlage des Heils, welches jedoch auf dem Hauptthema aufbaut: Jesus Christus. Aber es gibt keine „10 Punkte Checkliste”, anhand der man die eigene Errettung bzw. die anderer prüfen kann. Die Antworten, die Jesus und die Apostel gaben, waren je nach Situation und Herzenshaltung des Fragestellers unterschiedlich ohne sich jedoch zu widersprechen: So antwortete Paulus auf die Frage des Kerkermeisters: „Glaube an den Herrn Jesus, so wirst Du und dein Haus gerettet werden”, Jesus wies den reichen Jüngling auf die gleiche Frage (Mk. 10,17 ff) auf die Gebote hin. Als dieser meinte, dass er sie alle gehalten hat, sagte er zu ihm, dass er alles verkaufen und den Erlös den Armen geben sollte, anschließend sollte er ihm nachfolgen.

Widersprechen sich Paulus und Jesus? Nein, sondern deren Antwort hing von der Herzenshaltung der Fragesteller ab. Der Kerkermeister war sich seiner Verlorenheit bewusst, er hatte kapituliert und wollte aus dem Leben scheiden. So konnte ihn Paulus auf Jesus hinweisen, der das Leben gibt. Der reiche Jüngling wollte meines Erachtens nur die Bestätigung des Herrn, dass er schon auf dem rechten Weg sei. Er stand mitten im Leben und wollte Gottes Unterschrift darunter. Da musste der Herr Jesus erst einmal den Zustand des Herzens des Jünglings offenbar machen. Er stellte ihn die unmögliche Forderung: „Halte die Gebote”. Vermessen sagte der Jüngling, dass er sie schon immer gehalten hatte. Jesus konnte einfach beweisen, dass dem nicht so war, aber um ihn auf den wunden Punkt in seinem Leben hinzuweisen, wies er ihn darauf hin, dass er seinen Besitz hergeben soll. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir generell alles verkaufen müssen, jedoch hing das Herz des reichen Jünglings an seinem Vermögen, und man kann nicht gleichzeitig Gott dienen und dem Mammon.

Eine weitere Grundlage ist das stellvertretende Opfer des Herrn Jesus, das für uns absolut notwendig ist. Alle Heiligen des ATs waren sich dessen bewusst und sie wussten, dass sie sich ohne ein Opfer nicht Gott nahen konnten. Wir haben den Tod verdient durch unsere Schuld. So hat Abel ein Lamm seiner Herde geopfert, d.h. es ist stellvertretend für ihn gestorben. Kain hat das Werk seiner Hände geopfert und meinte damit, Gottes Anspruch gerecht werden zu können. Jesus Christus hat das für uns allgemein gültige Opfer gebracht, es ist ausreichend, einmalig, nicht wiederholbar und von unserer Seite nicht zu ergänzen. Wir können es komplett annehmen oder komplett verwerfen. Wollen wir es ergänzen bzw. dem aus eigener Kraft hinzufügen, so haben wir keinen Anteil daran. Das Opfer ist nur dann für uns wirksam, wenn wir uns dem Herrn Jesus Christus als Eigentum übergeben. Er hat für uns den Preis am Kreuz bezahlt, so dass wir ihm gehören und nicht mehr uns selbst. So sind wir auch verpflichtet, ihn den Herrn unseres Lebens sein zu lassen.


Die Rolle der Werke

„Denn aus Gnade seid ihr errettet, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit sich niemand rühme. Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.” (Eph. 2,8)

Errettet aus Glauben ohne Werke, aber geschaffen zu guten Werken ist der Rahmen, der die Rolle der Werke am Deutlichsten beschreibt. Dieser Rahmen schließt die Möglichkeit aus, sich die Errettung zu verdienen, wie es z.B. die Katholiken lehren, als auch das Heil in Christus als einen Freibrief zu sehen, mit dem man als Christ einem zügellosen Lebenswandel frönen kann. Gehorsam Gottes Wort gegenüber ist kein Mittel zur Errettung, aber ein Nachweis, dass man errettet ist. Wer Ihm gehört und Ihn liebt, der sein Leben für ihn gelassen hat, dem wird es kein größeres Anliegen sein, als dem zu gefallen, der ihn erlöst hat. So wie ein gesunder Apfelbaum bei optimalem Klima Äpfel hervorbringt, wird aus einem Leben aus Gott, das der Wiedergeborene erhalten hat, göttliche Frucht hervorbringen. Sie ist nicht das Mittel zum Heil, aber ein unausbleibliches Resultat.


Wie kann ich wissen ... ?


... ob ich selbst errettet bin?

„Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, die ihr an den Namen Gottes glaubt.” (1. Joh. 5,13): Der erste Johannesbrief hat diese Frage als Grundthema. Wer mit dieser Frage Probleme hat, kann nichts Besseres tun, als diesen Brief immer wieder zu lesen und sich anhand der dort aufgeführten Punkte immer wieder zu überprüfen. Auf die einzelnen Punkte will ich im einzelnen eingehen. Die Wichtigkeit dieser Frage wird dadurch besonders deutlich, dass es ein ganzes biblisches Buch nur zu diesem Thema gibt.


... ob mein Gegenüber errettet ist?

„Der Mensch sieht, was vor Augen ist, aber der Herr schaut das Herz an” ist das Wort, welches Gott an Samuel richtete und heute an Aktualität nicht verloren hat. Jesus sagt: „Anhand der Früchte werdet ihr sie erkennen”. Auch hier gibt die Bibel einen Rahmen durch gegensätzliche Schriftstellen vor. Wir sollen prüfen, dürfen aber nicht richten. Das Gericht über den Menschen steht nur Gott zu, und dies hat er auch niemandem delegiert. Andererseits werden wir deutlich genug an vielen Stellen aufgefordert, andere zu prüfen und zu unterscheiden, ob sie für die Gemeinde bzw. für bestimmte Dienste qualifiziert sind. Es gibt aber keine absolute Sicherheit in unserem Urteilsvermögen, wir haben uns in der Vergangenheit getäuscht und werden uns auch noch in der Zukunft täuschen, denn der Blick in das Herz des Menschen ist uns verwehrt. Doch gibt es eindeutige Kriterien, anhand derer wir jedoch feststellen können, das jemand definitiv nicht errettet ist und somit auch nicht z.B. an der Teilnahme am Brotbrechen berechtigt ist:

  Verharren in bestimmten Sünden (Gal. 5)

  falsche Lehre (2. Joh. 9)

  fehlende oder schlechte Frucht (Mt. 7, 15-20)

  unklares Zeugnis: Wer den Weg des Heils nicht verstanden hat, kann auch nicht errettet sein. Die Bibel kennt nicht den Weg eines „passiven Heils”, wo ein mündiger Mensch ohne bzw. gar gegen seinen Willen errettet wird.


Wir müssen jedoch anerkennen, dass der Mensch nur sieht, was vor Augen ist, der Herr aber schaut das Herz an. Wir haben uns in der Vergangenheit manchmal getäuscht und werden uns auch in der Zukunft täuschen, weil unser Urteilsvermögen begrenzt ist. Aber oftmals verhindert auch Menschenfurcht bzw. falscher menschlicher Respekt, dass wir die Kriterien, die Gottes Wort gibt, sauber und ohne Ansehen der Person anwenden. Würden wir es tun, so wäre die Gemeinde Gottes vor manchem Irrtum und manchen Irritationen bewahrt.



Welche Kriterien gibt uns der Johannesbrief?


Wandeln wir im Licht oder in der Finsternis? (1Jh 1,6-7)

Lange Zeit dachte ich, dass der Wandel im Licht einem nahezu sündlosen Wandel entspricht. Das kann aber nicht sein, weil es am Ende von Vers 7 heißt, dass das Blut Jesu uns von aller Sünde reinigt. Gott ist Licht und in ihm ist keine Finsternis. Wer in der Finsternis lebt, verbirgt seine Schuld. Im Dunkeln wirken alle schmutzigen Kleider sauber. Ziehe ich ein weißes Hemd an und halte mich im Hellen auf, dann fällt jeder noch so kleine Fleck auf, während dunkle Kleider in einer dunkleren Umgebung mit Flecken noch sauber wirken.

Setzen wir uns dem Licht Gottes aus und überprüfen ständig unser Leben nach den Richtlinien des Wortes Gottes, so merken wir recht bald, wie unwürdig und sündig wir sind. Wir merken bald, dass wir uns auf uns selbst nichts einbilden können. Setzen wir uns dagegen eher seichter Unterhaltung aus, dann verlieren wir immer mehr die Sensibilität unserer eigenen Sündhaftigkeit und denken, dass wir gar nicht so schlecht sind. Wir verlieren das Interesse an geistlichen Themen, sind uns aber immer weniger bewusst, wie unser Wandel Gott gegenüber ist.

Auch wenn es bei Gotteskindern immer wieder Phasen gibt, bei denen man sich nicht so sehr mit dem Wort Gottes auseinandersetzt, sondern lieber seichte Unterhaltung genießt, so zieht es ihn immer wieder in Gottes Gegenwart zurück. Der Gerechte fällt sieben Mal, doch er steht wieder auf, während der Gottlose in seiner Schuld liegenbleibt. Wer in der Finsternis wandelt, verbirgt seine Schuld, sie fällt nicht auf. In so einem Zustand kann man sich schnell einreden, dass man ohne Schuld ist. Man findet immer wieder Menschen, die weit mehr Dreck am Stecken haben als man selbst.

Hier zeigt sich deutlich der Unterschied zwischen einem zweifelnden Gotteskind und einem ungläubigen Bekenner: Ein zweifelndes Gotteskind fragt sich immer wieder, inwieweit sein Wandel Gottes Anspruch entspricht. Es sehnt sich danach, heilig zu wandeln und überprüft sein Leben nach den Maßstäben der Schrift. Ein ungläubiger Bekenner hingegen hält das persönliche Heil für so selbstverständlich, dass er überhaupt nicht die Notwendigkeit sieht, sein Leben immer wieder im Licht des Wortes Gottes zu überprüfen. Er hält sich lieber im Dämmerlicht auf, wo die eigenen Flecken nicht auffallen und hält sich für rein. Schuldig sind für den in erster Linie die anderen. Wer im Licht steht, bei dem sieht man die Flecken, auch wenn der, der sie sieht, im Dämmerlicht steht. Der im Dämmerlicht fällt nicht auf, die Flecken sieht man nicht und nach außen wirkt er rein, was uns gleich zum nächsten Kriterium führt:


Denken wir, dass wir keine Sünde haben oder bekennen wir unsere Sünden? (1Jh 1,8-10)

Wer meint, dass er keine Sünde hat, betrügt sich selbst. Nun wird kaum jemand so vermessen sein zu meinen, absolut sündlos vollkommen zu sein. Wer sich im Dämmerlicht aufhält, hat den Anspruch Gottes für sich so verwässert, dass er meint, er komme vor Gott damit durch. Gleichzeitig ist er der schärfste Richter seiner Mitmenschen. Dem, der im Licht wandelt, fallen seine Sünden auf. Dieser darf sich auf die Verheißung stützen, dass, wenn er seine Sünden bekennt, Gott treu und gerecht ist, dass er sie ihm vergibt.

Ein Gotteskind wird ständig von seiner eigenen Schuld übermannt werden. Es wird sich immer wieder fragen, wie man dieses (eine bestimmte Sünde) noch tun konnte. In seinem Fleisch ist jeder Mensch zu jeder Sünde fähig. Im Zusammenleben mit seiner Familie im Alltag sind solche Konfrontationen unausweichlich. Hier zeigt sich sehr deutlich, wer Gotteskind ist und wer nicht: Bekenne ich meine Schuld oder suche ich sie nur beim anderen? Überführt mich der Geist Gottes oder sehe ich meinen Auftrag darin, andere zu überführen?


Halten wir seine Gebote? (1Jh 2,3-5)

Wahr ist, dass wir nicht durch Werke gerecht werden, aber wahr ist ebenso, dass wir zu guten Werken geschaffen worden sind (Eph. 2,8-10). Wir halten nicht seine Gebote, um errettet zu werden, aber wir halten sie, weil wir errettet sind und ihn lieben. Der Herr Jesus selbst sagt in Joh. 14,21, dass wer seine Gebote hält, der ist es, der ihn liebt. Bei einem verliebten Paar ist es nicht die Pflicht, die jemanden dazu treibt, seinem Partner zu gefallen, sondern es ist die Liebe. Ein Verliebter spürt das Trachten, den Partner zu gefallen, nicht als Verpflichtung, sondern es ist ihm eine Freude.

Es ist wiederum hier keine sündlose Vollkommenheit gemeint, da dies ansonsten dem Rest der Bibel widersprechen würde, jedoch es ist der Rahmen, der ausschließt, dass man bewusst in allen Arten der Sünde leben und doch gleichzeitig errettet sein kann. Ein Gotteskind wird immer wieder versagen, aber es wird sich des Versagens auch immer wieder bewusst sein, und es hat anschließend wieder das Verlangen, dieses Versagen wieder vor Gott zu bereinigen (1Jh 1,9). Ein ungläubiger Bekenner hingegen achtet kaum darauf, ob er seine Gebote hält oder nicht. Möglicherweise hat er seine „Steckenpferde”, auf denen er gerne rumreitet, aber er stellt sich kaum der ganzen Schrift.


Liebe ich die Welt? (1Jh 2,15-16)

Weltliebe und Liebe zu Gott schließt sich gegenseitig aus. Es ist unmöglich, zwei Herren zu dienen: Entweder man wird den einen lieben oder den anderen. Es ist unmöglich, Gott zu dienen und dem Mammon. Wo unser Schatz ist, da wird auch unser Herz sein. Was ist unsere größte Sorge? Unser Vermögen oder auch nur, wie wir über die Runden kommen oder unser ewiger Zustand bzw. wie Gott unser Leben sieht? Womit verbringen wir den größten Teil unserer frei verfügbaren Zeit? Sind es die Dinge dieser Welt oder die Dinge Gottes?

Jeder wird feststellen, dass er einen Hang zu den weltlichen Dingen hat, denn so lange wir in diesem Leib leben, wird unser Fleisch uns zu den Dingen der Welt ziehen. Geben wir dem Raum? Rufen wir wie Paulus: Wer wird uns erlösen von dem Leib dieses Todes (Röm. 7,24) oder ist es uns eher gleichgültig? Wer die Welt liebt, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Johannes beschreibt die Welt in drei Aspekten:

Die Lust der Augen

Die Lust des Fleisches

Der Hochmut des Lebens



Was damit im Einzelnen gemeint ist, bedarf sicher keiner detaillierteren Auslegung, schwieriger als das zu verstehen ist, sich danach auszurichten. Es ist ein Kampf und es wird sicherlich immer ein Kampf bleiben, ob wir uns den weltlichen Dingen oder Gott zuneigen. Ein Ungläubiger empfindet dies nicht als Kampf, sondern lebt in dieser Welt für sich. Ein Gläubiger ist danach bestrebt, für den Herrn zu leben, ein Ungläubiger lebt für sich selbst, manchmal auch in einer frommen Weise.

Wonach suchen unsere Augen? Die Welt bietet heute mehr als damals viele Reize für die Augen. Überall lockt der Konsum und in der Werbung wird mit vielen Bildern der Mensch dazu verführt, Produkte zu kaufen, die er eigentlich weder braucht noch sie sich leisten kann. Die Lust des Fleisches drückt sich insbesondere in der Liste der Sünden in Gal. 5 aus, die definitiv vom Heil ausschließen: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Hader, Eifersucht, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten, Parteiungen, Neidereien, Trinkgelage, Völlereien. Auch Habsucht wird an anderer Stelle als Götzendienst bezeichnet, so dass kein Geiziger in den Himmel kommen kann.

Es geht jedoch nicht darum, dass wer sich einmal einer solchen Sünde schuldig macht bzw. z.B. einmal schwach wird oder die Nerven verliert, gleich das Heil verliert, wer aber in diesen Sünden ständig lebt, kann nach der Schrift nicht gerettet sein. Wer z.B. einmal einen Kuchen backt, der ist noch kein Bäcker. So ist jemand, der einmal von einem Fehltritt übereilt wird nicht mit dem gleichzusetzen, der gewohnheitsmäßig in diesen Sünden lebt.


Leugne ich den Vater bzw. den Sohn? (1Jh 2,23)

Bei diesem Kriterium geht es um die Lehre. Wer den Weg des Heils nicht verstanden hat, kann auch nicht errettet sein, so sehr er sich auch bemühen mag. In der Zeit, in der Johannes diesen Brief schrieb, traten Lehrer auf, die die Lehre über den Herrn Jesus verfälschten. Es wird uns hier ein klares Kriterium gegeben, wir wir wahre Lehrer von den falschen unterscheiden können. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist die Lehre über den Herrn Jesus Christus. Wer ist Jesus für Dich?

Viele halten ihn für einen Religionsstifter, einen Philosophen, einen Moralprediger. Er ist jedoch wesentlich mehr: Gottes Sohn und Herr. Er ist Gott, wie das Neue Testament an vielen Stellen bezeugt. Er kann nur Gott sein, um das reine, vollkommene, genügsame Opfer für unsere Schuld zu geben. Ein Engel könnte uns nie erlösen. Wäre er weniger als Gott, könnte er den Tod nicht besiegen. Tragischer als das offene Leugnen der Göttlichkeit Jesu wie es z.B. Jehovas Zeugen praktizieren, ist jedoch das Annehmen des Herrn Jesus als Erlöser, jedoch nicht als Herrn. Man nimmt gerne die Sündenvergebung an, nimmt aber nicht wahr, dass man durch den Neuen Bund sich ebenso verpflichtet hat, Jesus als Herrn anzunehmen. Jesus selbst sagt, dass nicht der in sein Reich eingeht, der ihn „Herr” nennt, sondern der, der seinen Willen tut.

Falsche Lehre und Bewegungen erheben den Menschen und erniedrigen den Herrn. Die religiösen Repräsentanten sind hoch angesehen, sie gelten als die nicht kritisierbaren „Gesalbten Gottes”. Wer sie kritisiert, begibt sich ins Abseits und unter dem drohenden Zorn Gottes. Mag bei den falschen Lehrern Gottes Gnade dermaßen groß sein, dass er sündige Nationen ohne Gericht segnet, so setzt sich der dem Zorn Gottes aus, der diesen „Gesalbten Gottes” antastet. Wer aber ist hier Jesus? Ein „Erfüllungsgehilfe”, der auf unsere Proklamationen nur zu springen hat. Ohne sich dessen bewusst zu sein, wird der Herr Jesus z.B. in der hier beschriebenen charismatischen Glaubensbewegung zum Diener.

Viele betonen, dass Jesus unser Freund und Helfer ist. Man predigt nach den Bedürfnissen der Menschen, so dass Jesus lediglich gekommen ist, um den Menschen ein erfülltes Leben zu schenken. Sicherlich stimmt das zum Teil, aber der Aspekt, dass Gott einen Anspruch an uns hat weil er der Schöpfer ist, findet weniger Beachtung. Jesus wird zum Kumpel, dem man auf die Schulter klopft, jedoch zeigte sich der Herr Jesus z.B. in Offenbarung Kap. 1 seinem Lieblingsjünger keineswegs als Kumpel, sondern Johannes fiel hin wie tot als er ihn in seiner Herrlichkeit sah.

Es geht nicht nur um das grobe Leugnen des Herrn Jesus, indem wir offen seine Göttlichkeit leugnen, aber auch um die Feinheiten, wenn wir ein humanistisches Evangelium predigen, welches den Menschen im Mittelpunkt hat, so nach dem Motto, als könnte Gott doch froh sein, dass er uns hat. Wir sollten viel lieber auf die Knie fallen, weil er uns in seiner Gnade erwählt hat. Gott könnte uns alle verderben und wäre immer noch heilig und gerecht, aber er gab seinen Sohn auf die Erde, er gab sich selbst als Opfer hin, weil er uns liebt. Wir haben keinen Anspruch auf Errettung, Gott hat sie uns geschenkt. In der heutigen Zeit, in der der Mensch sich zum Gott erhoben hat, neigen auch wir dazu, den Menschen im Mittelpunkt der Betrachtung zu sehen, aber es ist der Herr Jesus, der im Mittelpunkt stehen sollte.


Tun wir Gerechtigkeit? (1Jh 3,1)

Dieses Kriterium steht im engen Zusammenhang mit dem Halten der Gebote. Wir sind zwar nicht errettet durch gute Werke, aber errettet zu guten Werken. Wenn wir einem heiligen und gerechten Gott folgen, so ist das Verlangen eines jeden Nachfolgers auch gerecht zu wandeln und immer wieder sich zu fragen, wie der Herr Jesus zu dem steht, was man gerade tut.


Reinigen wir uns selbst, weil wir die Hoffnung auf ihn erkannt haben? (1Jh 3,3)

Seht, welche Liebe Gott uns erwiesen hat, dass wir seine Kinder heißen. Wir sind gesegnet mit jeglicher geistlichen Segnung in der Himmelswelt. Gott hat seinen Sohn nicht geschont, um so mehr ist er bereit, uns alles in ihm zu schenken. Im Hinblick auf die Ewigkeit bleiben keine Wünsche offen. Wir haben zwar im Neuen Testament kaum Verheißungen für das Leben auf der Erde wie z.B. Gesundheit, langes und problemarmes Leben, Reichtum, aber wir haben einen herrlichen Schatz in der Himmelswelt. Alle Leiden und Probleme der Jetztzeit stehen in keinem Verhältnis zu den Dingen, die uns in der Ewigkeit bereitstehen.

Wie stehen wir dazu? Unsere Stellung ist gewaltig, schätzen wir das, was wir in ihm schon haben oder ist es uns gleichgültig. Der diesseits orientierte Mensch verachtet die himmlischen Güter. Wir jedoch dürfen eintreten in ein Reich, in dem es keine Not, kein Leid, keinen Schmerz und kein Geschrei mehr geben wird, aber auch nicht mehr das Böse und die Ungerechtigkeit. Als Bürger des Himmels sind wir demnach berufen, dieser Stellung würdig zu wandeln. Sind wir uns dieser Stellung bewusst, so ist es uns eine Freude und nicht nur eine Pflicht, sich zu reinigen wie er rein ist.


Jeder, der in ihm bleibt, sündigt nicht (1Jh 3,6)

Wer in Jesus bleibt, sündigt nicht, ein wahres Gotteskind hat keinen sündigen Lebenswandel. Selbstverständlich fallen wir immer wieder, stehen jedoch auch immer wieder auf. Wer neues Leben im Herrn Jesus Christus empfangen hat, der ist freigeworden von der Sünde und nicht mehr deren Sklave. Wer Sünde tut, ist der Sünde Knecht. Haben wir neues Leben aus Gott, so sind wir nicht mehr Sklaven der Sünde, d.h. wir stehen nicht mehr unter Zwang zu sündigen.


Lieben wir die Brüder (1Jh 3,10-19)?

Einen breiten Raum nimmt dieses Kriterium ein, ganze 10 Verse widmet Johannes, um dieses Kriterium zu erläutern. Er macht in Vers 10 zunächst deutlich, dass an der Bruderliebe erkennbar ist, ob jemand ein Kind Gottes oder ein Kind des Teufels ist. Wer nicht Gerechtigkeit tut ist nicht aus Gott, und wer nicht seinen Bruder liebt. Er bezieht sich auf Jesu Gebot in Joh. 13, dass wir einander lieben sollen. Johannes führt das weiter aus und beschreibt, worin diese Liebe besteht und worin nicht:

Wir sollen nach Vers 12 nicht so sein wie Kain, der seinen Bruder ermordete. Ein wahrer Jünger hat nicht den größten Widerstand von denen zu erwarten, die Gott leugnen, sondern von denen, die meinen, ihm zu dienen, aber wie Kain nur das Werk ihrer Hände opfern. Das größte Leid wurde der Versammlung von denen zugefügt, die meinten, Gott zu dienen, doch das Evangelium nicht verstanden haben. Ihr Zorn darüber, dass Gott ihr Opfer nicht annahm, ließen sie an denen aus, die dem Herrn nachfolgten und allein auf das Opfer des reinen Lammes vertrauten. So sind ungläubige Bekenner oftmals Unruhestifter, die an allem und jedem etwas zu kritisieren haben und gerne mit den Fingern zeigen. Da sie keine tiefe Heilsgewissheit haben, versuchen sie, sich zu beweisen, indem sie auf die verweisen, die in ihren Augen schlechter dastehen.

In Vers 14 betont Johannes noch einmal, dass wer seinen Bruder nicht liebt, noch im Tod ist. Hass wird in Vers 15 mit Mord gleichgesetzt, wie es der Herr Jesus in der Bergpredigt tat. Dabei ist zu beachten, dass das Gegenteil von Liebe nicht Hass ist, sondern Gleichgültigkeit. Wer sich nicht um die Not des anderen kümmert, ist im Tod. Dass Johannes dies in diesem kurzen Abschnitt zweimal betont, macht es sehr deutlich. Wenn wir neues Leben im Herrn Jesus haben, dann wird es sich insbesondere durch die Liebe ausdrücken, denn Gott ist Liebe. Liebe ist derart mit dem Wesen Gottes verknüpft, dass auch für jedes Gotteskind Liebe die prägende Eigenschaft ist.

Unsere Liebe hat nach Vers 16 sogar so weit zu gehen, dass wir bereit sind, für unsere Brüder unser Leben zu lassen. Wie viel mehr sind wir verpflichtet, unseren Bruder nicht nur mit Worten zu lieben, sondern in der Tat und in Wahrheit. Dies schließt auch Linderung von materiellem Mangel ein. Johannes macht deutlich, dass es nicht passt, dass der eine Christ im Überfluss lebt und sein christlicher Nachbar im Mangel. Es ist nicht nur schön für einen Christen, sich des Bruders anzunehmen, sondern Johannes erhebt diese Tugend zum Kennzeichen derer, die dem Herrn Jesus nachfolgen.

Wir sind nicht gerettet durch Werke, wer gerettet ist, zeigt aber seinen rettenden Glauben durch Werke. Wer diese Werke nicht tut, zeigt, dass er kein neues Leben hat. Wie ist es denn möglich, ein Nachfolger dessen zu sein, der vom Himmel auf die Erde kam, ein Knecht aller wurde, verspottet, verhöhnt, gegeißelt und am Ende mit der schlimmsten Hinrichtungsart zu Tode gebracht, aber man ist gleichzeitig ein Egoist, der nur für sich selbst lebt? Niemand kann Angestellter einer Firma sein und nie dort erscheinen, um seine Arbeit aufzunehmen, es sei denn er hat Urlaub oder ist krank. Es ist auch nichts Außergewöhnliches, wenn ein Angestellter in seine Firma geht und seiner Arbeit nachgeht, das ist schlicht selbstverständlich.

Dennoch meinen manche, man könnte im Weinberg des Herrn angestellt sein, ohne am Weinberg zu erscheinen und dort zu arbeiten. Es ergibt keinen Sinn, wenn wir Jesus unseren Herrn nennen, aber im Leben uns nicht danach richten, was er uns sagt. Es ist wahr, dass wir keine Vorleistung erbringen müssen, um seine Jünger zu werden, sind wir dies, dann müssen wir auch solchen entsprechend leben. Wenn unser Meister ein Diener aller wurde, wie viel mehr sollte unser Bestreben sein, ein Diener aller zu werden? Dies liegt einfach an unserer neuen Natur.

Johannes schließt diese Ermahnung mit den Worten in Vers 18: „So lasst uns nicht lieben in Worten oder mit der Zunge, sondern in Tat und in der Wahrheit”. Dies macht deutlich, dass es schnell und einfach ist, sich gute Vorsätze zu machen bzw. Dinge zu versprechen, aber es ist schwer, dies auch in die Tat umzusetzen. Dies erfordert Einsatz an Zeit, Energie und Geld, ohne dass wir immer direkt einen Profit zu erwarten haben. Heutzutage ist unsere erste Frage, wenn Arbeit an uns herangetragen wird, die, was für uns rausspringt. Wir arbeiten, wenn der Lohn entsprechend ist. In großen Plakataktionen wird für den Wert ehrenamtlicher Arbeit geworben, weil sie in unserer Zeit immer weniger angenommen wird.

So soll es in Gottes Reich nicht sein, dass wie in einem weltlichen Verein nur eine Handvoll die Arbeit tun. Wie sieht es in unserer Mitte aus, wenn Arbeiten anstehen? Kann man mit uns rechnen, wenn jemand ein Bedürfnis nach Hilfe hat? Oder sind wir so sehr mit uns selbst beschäftigt, dass wir keinen Blick für den anderen bzw. für das Gemeinsame haben? Es geht nicht an, dass wir selbst im Wohlstand und Überfluss leben, Weltreisen machen und uns immer das Teuerste leisten während die eigene Gemeinde oder jemand in unserer Mitte die Mark bzw. EURO dreimal umdrehen muss, bevor er sie ausgibt. Nehmen wir Gottes Wort ernst, so haben wir auch das Wort in 1. Kor. 6,10 ernst zu nehmen, dass ein Habsüchtiger Gottes Reich nicht erben wird.

Wir nehmen Habsucht nicht so ernst, Gewalttat, Ehebruch, Unzucht, Okkultismus, falsche Lehre wiegen in unseren Augen schwerer, aber in Gottes Augen steht Habsucht auf einer Ebene mit Götzendienst und wird in 1. Tim. 6,10 als die Wurzel alles Bösen bezeichnet. So fordert uns Gott nicht nur auf, unsere Herzen zu öffnen, sondern auch unseren Geldbeutel. Nicht, damit die Reichen noch reicher werden, sondern um den Mangel zu lindern, mit dem immer noch eine Menge unserer Geschwister im Herrn konfrontiert sind. Wir sollen unsere armen Geschwister nicht wie die Hunde behandeln, die nur das bekommen, was von des Herren Tische fällt. Bei Hilfsgütertransporten erstickten wir fast in den Säcken alter Kleider, die für deren alten Besitzer nicht mehr gut genug waren, aber Geld- und Lebensmittelspenden waren vergleichbar gering. Unser Bestes sollte für den anderen gut genug sein.

Darum lasst uns nicht nur mit Worten, sondern in Tat und Wahrheit lieben.


Bekennen wir, dass Jesus ins Fleisch gekommen ist? (1Jh 4,2)

Johannes macht wieder einen Gedankensprung, bevor er in Vers 7 wieder auf die Liebe zurückkommt. Er unterscheidet jene, die die Wahrheit verkündigen von denen, die Irrtum lehren daran, ob sie bekennen, dass der Herr Jesus ins Fleisch gekommen ist. Diese Frage dürfen wir nicht oberflächlich stellen, denn dieses Kriterium beinhaltet wesentlich mehr als das schlichte Stellen dieser Frage. Es beinhaltet das korrekte Verkündigen der Lehre des Herrn Jesus. Wahres Evangelium erhebt den Herrn Jesus und stellt den Menschen in den Hintergrund während das falsche Evangelium den Menschen erhöht und den Herrn erniedrigt.

So bedeutet das Bekenntnis, dass Jesus ins Fleisch gekommen ist, auch das Anerkennen der Tatsache, dass er ewiger Gott ist und vom Himmel gekommen ist. Hier scheiden schon einige Gruppen aus, für die Jesus weniger als Gott ist wie z.B. Jehovas Zeugen. Denn wenn Jesus nicht Gott ist, dann ist er allerhöchstens ein Engel (wie das z.B. die Siebenten-Tag-Adventisten lehren / Anm. FH), und ein Engel kann nicht das fleischgewordene Wort Gottes sein. Er könnte dann auch nicht für unsere Sünden gestorben sein, wenn er nur ein geschaffenes Wesen ist und nicht Gott. Weitere Abweichungen sind darin zu finden, dass Jesus nicht wirklich ganzer Mensch war, aber auch hier bezeugt die Schrift anders.

Wesentlich bei der Betrachtung Johannes, der sich mit vielerlei Irrlehren auseinandersetzte, ist, dass er hier keine ausführliche apologetische Auseinandersetzung niederschreibt, die die Irrlehre in allen Details beschreibt und dann ausführlich nach der Schrift widerlegt, sondern einzig und alleine den Blick auf den Herrn Jesus richtet wie auch Paulus im Kolosserbrief. Wir erkennen den wahren Lehrer daran, dass er bekennt, dass Jesus im Fleisch gekommen ist.

Ein weiteres Kriterium schließt in Vers 6 an: „Wer aus Gott ist, hört uns, wer nicht aus Gott ist, hört uns nicht”. Diese Aussage ist an die gerichtet, die hier vorschnell sagen, dass Jesus ins Fleisch gekommen ist, aber dennoch nicht wahrhaftig sind. Wer aber ist mit „uns” gemeint? Hier könnte sich jedermann einsetzen, der meint, irgend eine apostolische Autorität zu haben: Vom Vatikan über die Wachtturm-Gesellschaft bis hin zu selbsternannten Apostel und Propheten. Die Schrift macht jedoch deutlich, dass es hier um die Apostel geht, die bereits zur biblischen Zeit die Grundlage gelegt haben, denn schon die neutestamentlichen Spätschriften bezeugen, dass die lehrmäßige Grundlage bereits zur apostolischen Zeit gelegt ist: Hebr. 1,1, Jud. 3 und letztendlich auch Offb. 22,18-19.

Mit „uns” sind lediglich die Apostel gemeint, die den lehrmäßigen Grund gelegt haben. Heute ist damit die neutestamentliche Offenbarung gemeint: Wer ihr folgt, ist aus Gott, wer ihr nicht folgt, sondern Aussagen entfernt bzw. eigene Aussagen hinzufügt, der ist nicht aus Gott. Hierin können wir den Geist der Wahrheit bzw. den Geist des Irrtums erkennen. Die Wahrheit steht immer außerhalb von uns selbst, jeder Mensch muss sich dieser stellen und seine Einstellungen und Lebensweisen damit messen. Niemand kann von sich behaupten, dass er die Wahrheit hat in dem Sinne, dass alles, was er sagt, Wahrheit ist. Wir müssen uns selbst immer wieder von dem Wort Gottes, welches die Wahrheit ist, immer wieder neu bemessen lassen.

Wer nicht aus Gott ist, dem hört die Welt zu. Wer beliebt ist und wenig Kritik erfährt, sollte sich Sorgen machen, denn der Herr sagte in der Feldpredigt in Lukas 6: „Wehe, denen die Menschen wohlreden, denn dies taten sie den falschen Propheten auch”. Wenn wir das Evangelium verkündigen, dann sollten wir nicht gerade auf die „Einschaltquoten” achten - auf das was ankommt, anstatt auf das worauf es ankommt! Die Verkündigung wird auch immer Widerstand hervorrufen.


Lieben wir? (1Jh 4,7)

Es ist interessant zu sehen, dass Johannes die Liebe sowie die Rechtgläubigkeit zusammen als Einheit betrachtet. Heute steht Liebe und Rechtgläubigkeit eher im Gegensatz zueinander. In Gemeinden, in denen die Lehre nicht so stark im Vordergrund ist, sondern eher die praktische Seite des Christseins betont wird, ist oftmals eine größere Liebe und Annahme erkennbar als Gemeinden, die auf korrekte Lehre wert legen. Auch aus der Gemeinde von Ephesus erfahren wir, dass sie zwar lehrmäßig korrekt war und falsche Lehrer unterscheiden bzw. entlarven konnten, aber sie hatten die erste Liebe verlassen (Offb. 2,1-7).

Ist eine Not in der Welt, dann sind die Charismatiker zuerst da. Viele soziale Werke und Randgruppenarbeit wurden von Pfingstlern und Charismatikern ins Leben gerufen, man ist sich dort trotz aller lehrmäßigen Mängel der Verantwortung den Mitmenschen gegenüber bewusst. In lehrmäßig korrekten Gemeinden ruht man sich leider immer wieder auf den Teppich: „Lehre gut, alles gut” aus. Die Bibel macht aber im vierten Kapitel des Johannesbriefes sehr deutlich, dass zwischen Liebe und Rechtgläubigkeit ein enger Zusammenhang besteht.

Heute ist es populär zu sagen: „Lehre trennt, Liebe vereint”. Die Grundphilosophie unserer Tage, in der man sagt, dass jeder nach seiner eigenen Fasson selig werden soll, greift auch in die Gemeinden über. Unumstritten ist zwar die Lehre über den Herrn Jesus, aber in darüber hinausgehenden Fragen lässt man unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen parallel zueinander stehen, auch wenn es Fragen sind, die durchaus zentralen Charakter haben wie z.B. welche Rolle der heilige Geist im Leben eines Gläubigen spielt bzw. ob Gott noch heute durch Weissagungen redet. Ist es lieblos, wenn wir auch hier nach der Wahrheit fragen?

Auseinandersetzungen z.B. zwischen Charismatikern und Nichtcharismatikern werden als schädlich für den Leib Christi bezeichnet. Wer im Zusammenhang mit charismatischen Lehren klare Aussagen macht, wird als „Hüter der Bundeslade”, „Pharisäer” oder „Spalter im Leib Christi” verschrieen. Ist es Liebe, wenn wir über die Unterschiede „den Mantel der Liebe zudecken”? So wird falschen Lehren Tür und Tor geöffnet. Wenn man sich nicht mehr traut, die Wahrheit beim Namen zu nennen, weil man seinem Gegenüber nicht auf den Schlips treten will, dann wird Wahrheit immer mehr verwässert, bis wir am Ende wie Pilatus fragen: Was ist Wahrheit?

Im Gegensatz dazu möchte ich keiner rechthaberischen und besserwisserischen Auseinandersetzungen das Wort reden. Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass wenn wir zu Haltungen und Lehren Stellung beziehen, auch diejenigen persönlich verletzen und angreifen, die sie vertreten. Wenn wir z.B. gegen Abtreibung und Homosexualität Stellung beziehen, so fühlt sich der Homosexuelle bzw. die Frau, die abgetrieben hat, persönlich angegriffen und verletzt. Wir gelten schnell als intolerant. Wir dürfen in der Welt glauben was wir wollen, aber wehe, wir sagen, dass das, was wir glauben, nicht nur für uns persönlich gilt, sondern allgemeingültig ist! Dann gelten wir als intolerant, an der Suche nach der objektiven Wahrheit ist niemand interessiert.

Während man noch vor wenigen Jahren nach der objektiven, allgemeingültigen Wahrheit fragte, sagt man heute, dass es keine absolute, allgemeingültige Wahrheit gibt. Man hält sich zwar an die allgemeingültige Abmachung, dass man z.B. an einer roten Ampel stehen bleibt, oder dass Mord, Totschlag, Betrug, usw. strafbar ist, aber wir entziehen durch unseren Relativismus diesen Abmachungen immer mehr die philosophische Grundlage. Doch auch in den Gemeinden greift diese „Neue Toleranz” durch Schlagworte um sich wie: „Lehre trennt, Liebe vereint”.

Wenn in der Welt zwischen der Lebensanschauung und dem Menschen, der sie vertritt, nicht mehr unterschieden wird, so stellt die Bibel diesen Unterschied sehr klar heraus. Homosexualität, Unzucht, Götzendienst, Ausschweifung, Mord, Habsucht, usw. gelten als schwere Vergehen und wer in diesen Dingen lebt, schließt sich dem Heil aus. Aber Jesus ist auch für diese Menschen gestorben und streckt seine Hand zur Versöhnung aus. Er aß mit Zöllnern und Sündern, vergleichbar mit der heutigen Maffia, doch er hieß deren Praktiken nicht gut. Er nahm sie jedoch an, wie sie sind. Die rechtgläubigen Pharisäer stießen sich an der Bereitschaft des Herrn Jesus, mit der damaligen Maffia, die dazu noch Verräter am eigenen Volk waren, am Tisch zu sitzen. Doch der Herr schaute das Herz dieser Menschen an und sah in ihnen erlösungsbedürftige Menschen. Ein solcher Mafiosi, der dem Herrn begegnet ist, durfte auch das erste Buch des Neuen Testamentes schreiben: Matthäus.

Der Mensch sieht, was vor Augen ist, aber Gott schaut das Herz an. Wir sehen zwar, was ein Mensch tut und auch wie, aber in den wenigsten Fällen wissen wir warum. Setzen wir uns mit Charismatikern auseinander, so machen wir bald die Erfahrung, dass sie uns unterstellen, wir sprächen ihnen das Heil in Christus ab. Jeder, egal ob Charismatiker oder nicht, sollte sich immer wieder am Wort überprüfen, insbesondere im Johannesbrief, wenn es um die Errettung geht. Doch wir sind keine Richter, das Richten steht nur Gott zu, aber wir müssen unterscheiden, dazu haben wir den Auftrag!

So müssen wir streng zwischen einer Lehre bzw. Lebensweise und den Menschen, die sie vertreten, unterscheiden. Auch wenn wir deren Lebensweisen nicht für gut heißen, so sollen wir sie dennoch, und dafür um so mehr lieben. Nicht in einer Weise, dass wir Falsches wahr nennen, sondern sie als Menschen annehmen wie sie sind und ihren Bedürfnissen begegnen. Treffen wir jemanden, der lehrmäßig mit uns nicht auf einer Linie ist, so sollten wir ihn als Mensch annehmen, und auch als Bruder im Herrn, wenn er sich eindeutig als solchen bekennt. Letztendlich können wir nie sicher sein, ob unser Gegenüber bekehrt ist oder nicht, es gibt zwar eindeutige Kriterien, die ich in diesem Artikel u.a. auch beschrieben habe, aber im Zweifel würde ich jemanden zunächst abnehmen, dass er gläubig ist, auch wenn er lehrmäßig nicht mit mir auf einer Linie ist.

Das bedeutet aber nicht, dass ich gutheiße, was Gottes Wort verurteilt, doch unsere Erkenntnis ist begrenzt, wir wissen nicht alles. Liebe und Wahrheit sind kein Widerspruch, denn es steht geschrieben: „Die Liebe freut sich nicht der Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich mit der Wahrheit” (1. Kor. 13). Wenn wir klare Worte machen, wird man uns immer Lieblosigkeit vorwerfen, aber wir sollten die Liebe in der Tat und in Wahrheit beweisen. Sogar gegenüber unserem Feind fordert uns die Schrift auf: „Hungert dein Feind, so speise ihn, dürstet er, so tränke ihn, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln”.

Stehen wir in der Diskussion über Lehrfragen, erhebe den Herrn in Worten und in der Tat! Paulus und Johannes erhoben als Antwort auf Irrlehren immer den Herrn Jesus. Gehören wir dem Herrn, so gehören wir dem, der in der Bibel als „Liebe” bezeichnet wird. Gott ist nicht nur lieb, sondern er ist Liebe. So können wir unmöglich seine Kinder sein, wenn auch unser Wesen nicht von der Liebe geprägt ist. Echte christliche Agape-Liebe ist die biblische Antwort auf die Neue Toleranz, denn beim näheren Hinsehen ist die Neue Toleranz nicht von Liebe, sondern von Gleichgültigkeit geprägt.

Was nützt es, wenn wir Falsches richtig heißen oder zumindest unwidersprochen stehen lassen? Wer meint, errettet zu sein, aber er ist es nicht, der betrügt sich selbst. Wenn wir das merken und sagen nichts, dann fühlt sich unser Gegenüber bestätigt wie es auch in Sprüche steht: „Einem jeglichen dünkt sein Weg recht, aber zuletzt bringt er ihn zu Tode”. Wenn wir jemanden ins Verderben laufen sehen, aber wir versuchen nicht, ihn aufzuhalten, dann sind wir zwar im modernen Sinne tolerant, aber gleichzeitig auch lieblos. Es ist das Paradoxon der postmodernen Herausforderung für den Nachfolger des Herrn Jesus: Lieben wir und weisen wir auf Falsches hin, dann nennt man uns lieblos. Wenn wir als Richter auftreten, dann sind wir es auch! Aber auch wenn wir Lehren bekämpfen und die Menschen lieben, die sie vertreten, dann werden wir auch als lieblos beschimpft, vielleicht mehr, als wenn wir als Richter auftreten. Gehen wir den bequemeren Weg und schweigen über Missstände, dann gelten wir als tolerant, aber wir sind am Ende doch lieblos.


Zusammenfassende Aufzählung (1Jh 5,1-6)

Johannes zählt am Ende des Briefes in Kap. 5 die Kriterien noch einmal auf. Während die Kriterien in den ersten vier Kapiteln näher erläutert werden, werden sie hier noch einmal kurz und knapp aufgezählt. Alle Kriterien sind hierbei wichtig, man kann nicht eines annehmen und das andere verwerfen, so gehören z.B. praktische Liebe zu den Brüdern (und Schwestern) sowie zu allen Mitmenschen und lehrmäßige Korrektheit zusammen. Man kann nicht das eine gegen das andere ausspielen. Es gibt vorbildliche Menschen, die sich der Nächstenliebe verschrieben haben, denen kein Opfer für Notleidende zu groß ist und die für ihre sozialen Dienste bekannt sind. Wenn sie jedoch die Grundlage des Heils nicht verstanden haben, dann können sie das Heil auch nicht erreichen. Andere betonen ihre Rechtgläubigkeit, aber das Wesen des Herrn Jesus Christus spiegelt sich im Leben dieser Menschen nicht wider. Auch hier stellt sich die Frage, ob er das neue Leben im Herrn Jesus Christus empfangen hat. Hier noch einmal die Zusammenfassung aller Kriterien nach dem fünften Kapitel des Johannesbriefes:

Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott geboren (V.1)

Wer Gott liebt und seine Gebote befolgt (V.2-3)

Alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt (V.4)

Glaube, dass Jesus der Sohn Gottes ist (V.5)



Das Zeugnis Gottes über seinen Sohn (1Jh 5,6-11)

Wir kommen noch einmal auf die Grundlage unserer Errettung zurück. Sie liegt nicht in uns selbst bzw. in unseren guten Taten, sondern im Herrn Jesus Christus. Gott zeugt auf dreierlei Weise, dass Jesus der Sohn Gottes und auch der Christus ist: Durch den Geist, durch das Wasser und durch das Blut. Wasser ist ein Symbol für die Reinigung, das Blut ein Symbol für das allgemein gültige Opfer des Herrn Jesus, das er für uns erbracht hat. Um die Grundlage der Errettung zu begreifen, müssen wir zunächst einmal begreifen, wer Jesus Christus ist. Wir müssen begreifen, wer er ist, wozu er auf diese Welt gekommen ist und welchen Auftrag er hatte. Johannes hat dies in seinem Evangelium intensiv betrachtet, so dass es meines Erachtens wichtig ist, die Evangelien, insbesondere das des Johannes zu kennen, bevor man sich mit dem ersten Brief auseinandersetzt.

Gott selbst hat durch den Geist bezeugt, dass der Herr Jesus Gottes Sohn, d.h. vom Himmel gekommen sowie Christus, der Gesalbte ist. Er bezeugte dies auf der Erde durch die Worte, die er sprach, durch die Zeichen, die er tat, indem er aller Diener wurde und zuletzt vor allem darin, dass er sündlos war, sein Leben als Lösegeld für unsere Schuld gab und am dritten Tag von den Toten auferstanden ist. Er ist die Grundlage unseres Heils, einen anderen Grund kann niemand legen als der, der gelegt worden ist, welcher ist Jesus Christus. Wir haben vier Evangelien:

Matthäus stellt uns den Herrn Jesus als den rechtmäßigen König aus dem Geschlecht Davids vor. Er zeigt auf, dass er der ist, auf den das Volk Israel gewartet hat. Markus zeigt uns Jesus als Diener aller auf, dem keine Not zu klein ist, dass er sich darum nicht kümmert, aber auch keine Not zu groß ist, dass er ihr nicht begegnen kann. Lukas stellt Jesus als vollkommenen Menschen vor, mit menschlichen Empfindungen und Regungen. Johannes betont die Göttlichkeit des Herrn Jesus, er wird vorgestellt als der, der vom Himmel gekommen ist: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort”.


Schlussfolgerung: Haben wir den Sohn Gottes? (1Jh 5,12)

Nachdem uns Johannes noch einmal an das Zeugnis Gottes über den Herrn Jesus erinnert hat, fasst er die Betrachtungen mit der Schlussfolgerung zusammen: „Wer den Sohn hat, hat das Leben, wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht.” Letztendlich hängt die Frage nach unserer Errettung alleine von unserer Einstellung zum Herrn Jesus Christus und seinem Werk ab. Einen anderen Grund kann niemand legen als der, der gelegt worden ist.

Anhand dieser Kriterien können wir überprüfen, ob wir das Leben in Christus aus Gott haben oder nicht. Zum Einen können wir nichts aus uns selbst tun, das Werk unserer Erlösung hat alleine der Herr Jesus Christus für uns auf Golgatha vollbracht. Wir können nichts zu unserer eigenen Errettung tun, es ist auch nicht notwendig, denn er hat alles für uns bereits getan. Doch auf der anderen Seite ist der rettende Glaube nicht nur Theorie, d.h. das reine Fürwahrhalten bestimmter heilsgeschichtlicher Ereignisse. Rettender Glaube ist lebensverändernd, denn wer die Hoffnung auf ihn hat, reinigt sich, wie auch er rein ist (Kap. 3,3).

Jesus sagte einmal, dass wem viel vergeben wurde, der liebt viel. Wem aber wenig vergeben wurde, der liebt wenig (Lk. 7,47). Wer Gott liebt, der hält seine Gebote, nicht aus Pflicht, sondern aus Liebe. Wer das Leben empfangen hat, stimmt mit dem Liederdichter ein, der schrieb: „Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, derer ich nicht wert”. Er liebt, weil er ihn zuerst geliebt hat. Wer in der Sünde lebt ist der Sünde Knecht und kann nicht das Leben haben. Somit gehören das richtige Bekenntnis und der richtige Lebenswandel zusammen. Fehlt davon zumindest eines, so muss das Zeugnis der Wiedergeburt hinterfragt werden.

Möchtest Du wissen, ob Du Sein bist, dann lasse Dir eine Frage stellen:

"Hast Du Jesus lieb?"


(Siehe auch den Diskurs 70: „Die Ausbreitung des Pfingstgeistes.”)

(Siehe auch den Diskurs 85: „Die echte und die falsche Wiedergeburt.”)