Diskurs 64 - Was ist die Sünde wider den Heiligen Geist?




Was ist die Sünde wider den Heiligen Geist? / Replik Christian Bollmeyer 00, 2004-01-07

Die den Geist belügen wollen.

Die den Geist beleidigen.

Die den Geist lästern.

Kann der Heilige Geist durch Scherze geleugnet werden? ? / Replik Christian Bollmeyer 01, 2004-02-14

Was ist eigentlich mit „reden wider den Heiligen Geist” gemeint? / Replik Christian Bollmeyer 02, 2004-03-02


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Was ist die Sünde wider den Heiligen Geist? / Replik ChB 00, 2004-01-07)

(…) Schließlich halte ich es für sehr wichtig, in diesem Zusammenhang auch auf die meines Wissens einzige unvergebbare Sünde, die Lästerung wider den Heiligen Geist, hinzuweisen. Bereits die oberflächliche Beschäftigung mit der katholischen Kirche, mit der ich mich allerdings recht wenig auskenne, führt diesbezüglich zu bestürzenden Ergebnissen. Dabei glauben gerade die Katholiken ja prinzipiell ebenfalls an Gott. Betrachtet man indes die Vielzahl von unbiblischen, teils absurden Dogmen, die 'rundherum' aufgebaut sind, geglaubt und praktiziert werden müssen, erinnert mich das doch sehr an die typische Arbeitsweise des Satans. Es scheint nicht unvorstellbar, dass eines Tages der Antichrist per Helikopter in Rom einschwebt, den Papst für seine selbsternannte Stellvertreterrolle bedankt und sich fortan als der 'Messias' feiern lässt. Umso mehr scheint es angebracht, gerade den Katholiken eindringlich nahezulegen, die Lehren ihrer Kirche anhand der Schrift auf ihre Vereinbarkeit damit zu überprüfen. Aber das würde das Thema an dieser Stelle wohl überfordern.

Als Anregung jedoch die Bitte, das Wesen der verhängnisvollen Worte in Mt 12,31f. bei Gelegenheit doch einmal näher zu beleuchten. Diese Stelle ist einerseits von größter Wichtigkeit und wirft viele Einzelfragen auf, man findet andererseits nur recht wenig dazu.

Christian Bollmeyer, Hamburg / bollmeyer@debitel.net



Der Hinweis von Christian Bollmeyer, dass gerade diese Schriftstelle für die gläubigen Christen - und nicht nur für diese - von größter Wichtigkeit ist, ist natürlich völlig richtig. Die Tatsache, dass man dazu andererseits nur recht wenig konkrete Aussagen findet, mag zum Teil darauf zurückzuführen sein, dass man gerade wegen der Brisanz dieses Textes es jedem Gläubigen selbst überlässt, sich hier eine eigene Meinung zu bilden. Doch wie so oft bei der Interpretation von schwierigen biblischen Texten, rührt dieser Unwille auch daher, dass man einfach - aus welchen Gründen auch immer - nicht bereit ist, sich mit diesen Aussagen intensiv auseinander zu setzen.

Nachdem dieses Thema bisher im Diskussionsforum von Immanuel.at noch nie explizit behandelt wurde, und im Hinblick auf die immer offensichtlicher werdende Aktualität dieser Frage für die Gemeinde und für jeden einzelnen Gläubigen, soll nun hier eine Analyse und der Versuch einer Interpretation durchgeführt werden.

Zu diesem Zweck sehen wir uns einmal die zitierte Stelle und ihren Kontext an:

Wenn jemand gegen den Heiligen Geist redet, dem wird nicht vergeben werden.

Mt 12,31 Deshalb sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden; aber die Lästerung des Geistes wird nicht vergeben werden. 12,32 Und wenn jemand ein Wort reden wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; wenn aber jemand gegen den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden, weder in diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen. Mt 12,31-32;


Die den Geist Gottes belügen wollen.

Wie ja der Titel dieses Diskurses schon sagt, wollen wir versuchen, die Frage zu klären, was konkret diese Sünde wider den Heiligen Geist ist - also eine Interpretation des zweiten Satzes von Mt 12,32. Wir werden dazu einige weitere Schriftstellen untersuchen und beginnen hier gleich mit den Hinweisen des Herrn unmittelbar vor dieser Aussage. Hier erfahren wir einmal in Mt 12,31, dass jede Sünde, mit Ausnahme der Lästerung des Geistes, den Menschen vergeben werden kann.

Auch das ist eine sehr wichtige Aussage und mag das Bild, welches manche Christen von ihren ungläubigen Mitmenschen haben, stark relativieren. Alles kann vergeben werden! Auch Massenmörder wie Hitler oder Stalin könnten Vergebung erlangen - wenn sie Vergebung verlangen. Also wenn sie sich noch zu Lebzeiten bekehrt hätten (haben??). Dies alles macht das Loskaufopfer des Sohnes Gottes am Kreuz möglich. Ja sogar dem, der gegen den Herrn Jesus selbst reden wird, wird die Vergebung angeboten. Keine Sünde ist zu groß, als dass sie durch Golgatha nicht vergeben werden könnte. - Außer einer einzigen: der Sünde wider den Heiligen Geist.

Und diese Zusammenhänge lassen nun diese Frage in einem ganz besonderen Licht erscheinen. Was wir in Mt 12,32 so relativ einfach stehen haben: „Wenn aber jemand gegen den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden”, kann so einfach nicht sein. Dies muss etwas Unglaubliches, Welt und Himmel Bewegendes sein, welches die Grundfesten des Glaubens und der göttlichen Gesetze erschüttert. Spätestens hier wird klar, dass es tatsächlich von größter Wichtigkeit ist, sich über die Hintergründe dieser Aussage des Herrn anhand der Schrift näher zu informieren.

Wir haben nun im NT einen Bericht über eine Begebenheit, welche in unsere Fragestellung ein wenig Licht bringen könnte. Es handelt sich um den Vorfall, welchen Lukas, der Schreiber des dritten Evangeliums und auch der Apostelgeschichte, in Apg. 5,1-11 festgehalten hat:

Warum hat der Satan dein Herz erfüllt, daß du den Heiligen Geist belogen hast?

Apg 5,1 Ein Mann aber mit Namen Hananias, mit Saphira, seiner Frau, verkaufte ein Gut 5,2 und schaffte von dem Kaufpreis beiseite, wovon auch die Frau wußte; und er brachte einen Teil und legte ihn nieder zu den Füßen der Apostel. 5,3 Petrus aber sprach: Hananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, daß du den Heiligen Geist belogen und von dem Kaufpreis des Feldes beiseite geschafft hast? 5,4 Blieb es nicht dein, wenn es unverkauft blieb, und war es nicht, nachdem es verkauft war, in deiner Verfügung? Warum hast du dir diese Tat in deinem Herzen vorgenommen? Nicht Menschen hast du belogen, sondern Gott. 5,5 Als aber Hananias diese Worte hörte, fiel er hin und verschied. Und es kam große Furcht über alle, die es hörten.

5,6 Die jungen Männer aber standen auf, hüllten ihn ein, trugen ihn hinaus und begruben ihn. 5,7 Es geschah aber nach Verlauf von etwa drei Stunden, daß seine Frau hereinkam, ohne zu wissen, was geschehen war. 5,8 Petrus aber antwortete ihr: Sag mir, ob ihr für so viel das Feld verkauft habt? Sie aber sprach: Ja, für so viel. 5,9 Petrus aber sprach zu ihr: Warum seid ihr übereingekommen, den Geist des Herrn zu versuchen? Siehe, die Füße derer, die deinen Mann begraben haben, sind an der Tür, und sie werden dich hinaustragen. 5,10 Sie fiel aber sofort zu seinen Füßen nieder und verschied. Und als die jungen Männer hereinkamen, fanden sie sie tot; und sie trugen sie hinaus und begruben sie bei ihrem Mann. 5,11 Und es kam große Furcht über die ganze Gemeinde und über alle, welche dies hörten. Apg 5, 1-11;


Aus diesem Bericht lassen sich gleich mehrere Erkenntnisse gewinnen. Wir können einmal feststellen, dass es sich bei Hananias und Saphira eindeutig um Christen handelte! Es sind also keine Ungläubigen, welche hier versucht haben den Petrus zu betrügen, sondern es sind Glieder der Gemeinde in Jerusalem. Wie wir dem Kapitel davor entnehmen können, war es damals üblich, dass die Gemeindemitglieder ihre Habe verkauften, um anderen, bedürftigeren Geschwistern zu helfen. Das wird in Apg 4,32-37 u. a. auch von Barnabas berichtet.

Und obwohl Hananias und Saphira Glieder der Jerusalemer Gemeinde und sicherlich gläubig waren, erkennen wir bei ihnen ein Phänomen, welches auch in unseren heutigen Tagen unter den Geschwistern nicht unbekannt ist. Nämlich die völlig irrige Vorstellung, man könnte vor diesem Gott und seinem Heiligen Geist irgend einen unserer Gedanken verbergen. Es gibt erfahrungsgemäß keinen Christenmenschen, der nicht in irgendeiner Weise Probleme hätte. Wie auch unsere ungläubigen Mitmenschen, haben auch wir die eine oder andere „Schlagseite”. Manche sogar mehrere.

Bei den Einen ist es das Streben nach Macht und Einfluss und wir finden sie immer auch in der Gemeinde in Funktionen, wo sie diesem Hang nachgehen können. Darauf angesprochen, würden sie natürlich entrüstet darauf hinweisen, dass sie ja nur das Wohl der Geschwister im Auge haben und das ja schließlich unentgeltlich machen (wenn es wirklich so ist). Man muss allerdings darauf hinweisen, dass es natürlich auch tatsächlich engagierte Geschwister gibt, welche frei von derartigen Ambitionen sind und in den Gemeinden schon viel gesegnete Arbeit geleistet haben. Man erkennt sie meist daran, dass sie nicht viel Aufhebens von ihrer Tätigkeit machen und - im Gegensatz zu den „Vereinsmeiern” - froh darüber sind, wenn sie entlastet werden und ihnen die eine oder andere Aufgabe abgenommen wird.

Dann haben wir - ähnlich wie oben bei Hananias und Saphira - jene Geschwister, welche sich nur schwer und sehr ungern von ihrem Geld trennen können. Damit sind nicht jene gemeint, die arbeitslos sind und zuhause Frau und Kinder zu ernähren haben, sondern Leute mit gutem Ein- und Auskommen, die lieber sammeln als austeilen. Dabei handelt es sich um Geiz und wir erkennen solche Leute am besten dann, wenn es darum geht, Geld zu geben oder irgend etwas kostenlos zu tun. Das kann nun eine Spende für bedürftige Geschwister oder aber auch ein Dienst an den Geschwistern, wie z. B. die Organisation einer Freizeit, ein Predigtdienst oder ein Vortrag in der Gemeinde sein. Wer bei Spendenaufrufen gern die Sammlung durchführt und dann ganz zufällig vergisst, selbst einen Beitrag zu leisten, wer für die Organisation von Freizeiten ständig beruflich verhindert ist, und wer den Predigt- und Vortragsdienst oder auch Seminare dazu nutzt, um gutes Geld zu machen - wie manche bekannte Prediger in den USA oder auch in der christlichen TOS in Tübingen[1] - und sich nicht der Mühe unterzieht, einer weltlichen Arbeit nachzugehen, hat hier seine Schlagseite.

(Siehe auch Diskurs 60: „Wann sollte ein Christ eine Gemeinde verlassen?”.)

Christliche Lehrer, sei es nun in der Gemeinde, in Bibelschulen oder in Mission und Evangelisation, welche in dieser Funktion tatsächlich im Vollzeitdienst stehen, müssen die gewiss notwendigen finanziellen Mitteln von ihren Förderern und nicht von ihren Schülern erhalten. Gläubige Menschen - und nur solche sollten lehren - dürfen das Wort Gottes nicht verkaufen! Denn entweder ist die Erkenntnis dieser Leute vom Heiligen Geist, dann sollten sie für das, was sie umsonst erhalten haben, keine Bezahlung verlangen, wie auch Paulus hier unten, in Apg 20,33-35, den Ältesten von Ephesus geboten und im ersten Brief an die Thessalonicher bezeugt hat. Oder ihre Lehre ist nicht vom Heiligen Geist, dann ist es falsche Lehre, und sie sollten sie überhaupt nicht verbreiten und nicht auch noch Geld dafür verlangen.

Ihr selbst wißt, daß meinen Bedürfnissen und denen, die bei mir waren, diese Hände gedient haben.

Apg 20,33 Ich habe von niemandem Silber oder Gold oder Kleidung begehrt. 20,34 Ihr selbst wißt, daß meinen Bedürfnissen und denen, die bei mir waren, diese Hände gedient haben. 20,35 Ich habe euch in allem gezeigt, daß man so arbeitend sich der Schwachen annehmen und an die Worte des Herrn Jesus denken müsse, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als Nehmen. Apg 20,33-35;

Nacht und Tag arbeitend, um niemand von euch beschwerlich zu fallen, haben wir euch das Evangelium gepredigt.

1The 2,8 So, in Liebe zu euch hingezogen, waren wir willig, euch nicht allein das Evangelium Gottes, sondern auch unser eigenes Leben mitzuteilen, weil ihr uns lieb geworden wart. 2,9 Denn ihr erinnert euch, Brüder, an unsere Mühe und Beschwerde: Nacht und Tag arbeitend, um niemand von euch beschwerlich zu fallen, haben wir euch das Evangelium Gottes gepredigt. 1The 2, 8- 9;


Dies sind nur einige Beispiele, wie gläubige Christen den Heiligen Geist belügen können. Andere, welche auch sehr verbreitet sind: Trunksucht, sexuelle Abnormitäten, Unehrlichkeit, Tratschsucht, Spielleidenschaft, Stolz, etc. etc. Wie wir nun aber oben gesehen haben, kann absolut jede dieser Sünden vergeben werden, wenn wir sie bekennen und den Herrn um Vergebung bitten. Und hier ist nun der springende Punkt: Manche der Geschwister wollen ihre Probleme nicht wahrhaben. Sie betrügen sich selbst, belügen ihre Mitmenschen und verdrängen diese Sünden in den hintersten Winkel ihres Gehirns. Und sie denken dann, dass auch Gott diese Sünden nicht wahrnehmen könnte und begehen damit die Sünde, die Petrus dem Hananias vorgeworfen hat: sie belügen den Heiligen Geist.

Auch Paulus geht auf dieses Problem in seinem zweiten Brief an die Korinther ein:

Viele, die gesündigt und nicht Buße getan haben über die Unreinheit und Unzucht und Ausschweifung, die sie getrieben haben.

2Kor 12,20 Denn ich fürchte, daß ich euch bei meinem Kommen vielleicht nicht als solche finde, wie ich will, und daß ich von euch als solcher befunden werde, wie ihr nicht wollt: daß vielleicht Streit, Eifersucht, Zorn, Selbstsüchteleien, Verleumdungen, Ohrenbläsereien, Aufgeblasenheit, Unordnungen da sind; 12,21 daß, wenn ich wiederkomme, mein Gott mich vor euch demütigt und ich über viele trauern muß, die vorher gesündigt und nicht Buße getan haben über die Unreinheit und Unzucht und Ausschweifung, die sie getrieben haben. 2Kor 12,20-21;


Es ist daher auch sehr, sehr wichtig, den Geschwistern vor Augen zu führen, dass wir möglicherweise unsere Mitmenschen - Angehörige, Geschwister im Herrn - hinters Licht führen können, bei Gott ist dies jedoch völlig undenkbar! Der Geist Gottes kennt jeden Gedanken den wir je gedacht haben und auch je denken werden. Und zwar jedes einzelnen Menschen der je gelebt hat und je leben wird - ob gläubig oder nicht. Daher ist auch das Urteil Gottes absolut gerecht. Niemand wird sich einmal beim Gericht auf ein „Missverständnis” ausreden können. Und daher muss uns klar sein: wir können Gott nicht belügen. Doch wir müssen es auch nicht! Wenn wir uns vor Menschen manchmal hüten müssen, weil sie uns verletzen, verurteilen oder verleumden, bei Gott finden wir Liebe, Gnade und Vergebung. Warum öffnen wir in unserem Gebet im stillen Kämmerlein nicht unser Herz und bekennen unserem Vater im Himmel unsere Sünden und bitten ihn im Namen Jesu Christi um Vergebung und dass er uns auf den rechten Weg bringt. Wie sollte der Gott, der genau für diese meine Sünden in seinem Sohn am Kreuz gestorben ist, mir nicht vergeben und mich nicht von meiner Schuld befreien?

Abschließend zu diesem Punkt müssen wir uns nun die Frage stellen, ob jene Menschen, welche auch heute versuchen, den Heiligen Geist zu belügen, der Sünde wider den Geist schuldig sind. Obwohl Hananias und Saphira ihren Versuch, den Geist Gottes zu belügen, mit dem Tod bezahlt haben, waren sie unbestreitbar gläubige Menschen und man hat beim Lesen dieser Schriftstelle den Eindruck, dass ihr Tod eher zu ihrer Rettung geschah. Sie wurden zwar bestraft, aber sie wurden nicht verdammt. Dies könnte auch 1Kor 3,10-15 untermauern.

Wessen Werk verbrennen wird, wird Schaden leiden, er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer.

1Kor 3,10 Nach der Gnade Gottes, die mir gegeben ist, habe ich als ein weiser Baumeister den Grund gelegt; ein anderer aber baut darauf; jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. 3,11 Denn einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. 3,12 Wenn aber jemand auf den Grund Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu, Stroh baut, 3,13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden, denn der Tag wird es klarmachen, weil er in Feuer geoffenbart wird. Und wie das Werk eines jeden beschaffen ist, das wird das Feuer erweisen. 3,14 Wenn jemandes Werk bleiben wird, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen; 3,15 wenn jemandes Werk verbrennen wird, so wird er Schaden leiden, er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer. 1Kor 3,10-15;


Hier ist einerseits die Rede von Christen, die ihre Werke mit „Gold”, „Silber” oder „kostbaren Steinen” gebaut haben. Dies sind Werke - egal welcher Art und welchen Ausmaßes oder welcher Wertigkeit - welche im rechten Glauben und aus aufrichtigem, gläubigem Herzen getan wurden. Diese Geschwister werden ihren Lohn empfangen. Andererseits gibt es aber auch solche Christen, deren Werke aus „Holz”, „Heu” und „Stroh” sind. Das sind Werke, welche aus Eitelkeit, Protzsucht oder mit der Spekulation auf Gegenleistungen (Spenden!) getan wurden. Deren Werke werden verbrennen, wie Paulus sagt, sie selbst aber werden gerettet werden, „so wie durchs Feuer”. Und zwar deshalb, weil sie das rechte Fundament - Jesus Christus - hatten. Und so wäre es auch bei Hananias, Saphira und ihresgleichen vorstellbar: Die egoistischen Motive lassen ihre Werke verbrennen, aber die Basis in Christus Jesus rettet sie.

Die den Geist Gottes beleidigen.

Kommen wir daher zu einer weiteren, subtileren Art, wie der Geist Gottes betrübt werden kann. In theologischen Kreisen gab und gibt es immer wieder Diskussionen über die Unfehlbarkeit der Bibel. Wobei man sich hier in der letzten Zeit bewusst geworden ist, dass der Terminus „Unfehlbarkeit” eine handelnde Person voraussetzt, während ein Buch - und sei es auch die Bibel - Objekt und nicht Subjekt ist. Ebenso wie eine CD nicht singen und das Radio nicht sprechen kann, kann auch die Bibel nicht unfehlbar sein. Sie ist ein Datenträger - wenn auch mit ganz besonderen Daten - welche dem Menschen als Information dienen. Man ist daher richtigerweise dazu übergegangen von der „Irrtumslosigkeit” der Bibel zu sprechen.

Die Vertreter dieser Auffassung sind der Meinung, dass sämtliche Inhalte der Bibel vom Heiligen Geist Wort für Wort den einzelnen Schreibern eingegeben worden sind. Man spricht daher auch von der „Verbalinspiration” der Heiligen Schrift. Die Argumentation für und wider die Irrtumslosigkeit der Bibel füllt Bände, wenn nicht sogar Bibliotheken. Eine große Zahl internationaler theologischer Institute schließt eine Aussage über die Irrtumslosigkeit der Bibel in ihre theologischen Grundlagen ein. Viele Denominationen fordern von ihren Amtsträgern und für die Ordination zum christlichen Dienst die Verpflichtung zum Glauben und zur Lehre dieser Irrtumslosigkeit der Bibel. Umgekehrt wird in diesen Kreisen oft jemand, der an dieser Doktrin zweifelt, als „nicht evangelikal” eingestuft. Wir erkennen also hier alle Kriterien, welche auch die katholischen Dogmen kennzeichnen, nur dass es sich eben hier um ein evangelikales Dogma handelt.

Grundlage für diese, in evangelikalen Kreisen eher unübliche Dogmatisierung, sind im Wesentlichen zwei Schriftstellen. Die erste ist 2Tim 3,16-17, wovon hier einmal jene Übersetzung der Elberfelder Bibel angeführt werden soll, auf welche sich die Vertreter einer Verbalinspiration berufen:

2Tim 3,16 Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, 3,17 damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet. 2Tim 3,16-17;


Aus dieser Übersetzung von 2Tim 3,16: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre”, wird nun abgeleitet, dass die gesamte Bibel Wort für Wort vom Heiligen Geist inspiriert (eingegeben, grie.: theopneustos) wurde. Doch was hier verschwiegen wird, ist der Umstand, dass das grie. Wort „graphe” im deutschen schlicht und einfach „Schrift” bedeutet. Ohne jeden direkten Bezug zur Bibel oder zu einer Heiligen Schrift. Und wenn wir nun diese Übersetzung genau betrachten, erkennen wir, dass hier nicht nur von einer Inspiration der Bibel durch Gott die Rede ist, sondern dass nach dieser Version „Alle Schrift” von Gott eingegeben wäre. Das heißt, dass alle schriftlichen Werke der Weltgeschichte, ob mit dem Schreibmeißel, dem Federkiel oder einem Schreibutensil der Neuzeit aufgezeichnet, vom Heiligen Geist inspiriert worden wären. Und das ist denn doch etwas zu viel. So kann das einfach nicht sein.

Betrachten wir daher jetzt den grie. Originaltext (Nestle-Aland) in einer wörtlichen Übersetzung:

2Tim 3,16 Jede von Gottes Geist eingegebene Schrift ist nützlich zur Lehre.

Abgesehen von der kaum relevanten unterschiedlichen Übersetzung mit „Alle” und „Jede”, erkennen wir hier eine ganz andere Wortstellung. Da heißt es „Jede von Gottes Geist eingegebene Schrift ist nützlich zur Lehre”. Und das macht nun Sinn. Nicht alle Schriften der Welt, sondern nur jene Schriften, welche von Gott eingegeben - also vom Heiligen Geist inspiriert - wurden, sind nützlich zur Lehre. Das ist eindeutig biblisch und hier muss man zustimmen. Zum besseren Verständnis können wir auch den Begriff „Schrift” durch „gläubiger Mensch” ersetzen. Demnach wäre die Aussage „Jeder Mensch ist gläubig und nützlich zur Lehre” ein völliger Unsinn. Es muss richtig heißen: „Jeder gläubige Mensch ist nützlich zur Lehre”.

Allerdings steht in 2Tim 3,16-17 nichts davon, dass damit ausschließlich die Bibel - und noch weniger alle Worte der Bibel - gemeint wären. Die Aussage bezieht sich auf jede, von Gottes Geist eingegebene Schrift, unabhängig davon, ob sie in der Bibel aufscheint oder nicht. Das grundsätzliche Problem, welches sich nun daraus ergibt, zu erkennen, welche Schrift vom Geist Gottes eingegeben ist und welche nicht, lässt sich leichter lösen, als man denken würde. Jeder gläubige Leser, welcher für diese Tätigkeit nach der Verheißung des Herrn Jesus den Vater um den Heiligen Geist gebeten hat, wird durch den Geist Gottes, der in ihm ist, auch erkennen können, ob eine bestimmte Schrift vom Geist Gottes eingegeben wurde oder nicht.

Wieviel mehr wird der Vater, der vom Himmel gibt, den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

Lk 11,13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wißt, wieviel mehr wird der Vater, der vom Himmel gibt, den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten! Lk 11,13;


Diese „Technik” dürfte beim Schriftstudium in den theologischen Fakultäten sichtlich unbekannt sein. Darum hat man auch Schwierigkeiten, die inspirierten Teile der Schrift von den nicht inspirierten zu unterscheiden und postuliert - weil es so einfacher ist -, dass eben alles inspiriert ist. Auch wenn es der Schrift selbst und der Logik widerspricht.

Wir dürfen daher nicht davon ausgehen, dass der Heilige Geist jedes geschriebene Wort der Bibel überwacht und gesteuert hat. Wo Gott es für notwendig erachtet hat ja, aber nicht dort, wo gläubige Menschen in der Lage waren, die Situation selbst zu meistern oder wo es überhaupt nicht um geistliche Dinge ging, sondern um Grüße, Mitteilungen, Ermahnungen, Lob, Tadel und andere zwischenmenschliche Informationen (z. B. Röm 15,1-23; 1Kor 16,19-24; 2Kor 13,11-13; Phil 4,21-23; Kol 4,7-18; 1The 5,23-28; 2Tim 4,9-22; usw., usw.). Hier den Heiligen Geist hinein zu reklamieren, hieße ihn falsch zu beurteilen.

Dies war offenbar auch der Grund, warum z. B. bei der Kanonisierung des NT (kath. Kirche 1546 in der Sessio IV des Konzils von Trient und in der ev. luth. Kirche 1580 in der Konkordienformel), der sogenannte „Tränenbrief” des Paulus, welchen er in 2Kor 2,3-4 und 7,8-9 erwähnt und den er sichtlich zwischen den zwei kanonischen Briefen an die Korinther geschrieben und wahrscheinlich durch Titus hatte überbringen lassen (2Kor 7,7f), nicht in den Kanon aufgenommen wurde.

Die zweite Schriftstelle, welche in diesem Zusammenhang als angeblicher Nachweis genannt wird, ist 2Ptr 1,21:

2Ptr 1,21 Denn niemals wurde eine Weissagung durch den Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern von Gott her redeten Menschen, getrieben vom Heiligen Geist. 2Ptr 1,21;


Auch diese Worte werden von den Vertretern einer Verbalinspiration so gedeutet, dass hier von der gesamten Bibel die Rede ist, wonach kein einziges Wort der Bibel durch den Willen eines Menschen, sondern einzig allein durch Gott hervorgebracht worden wäre. Was dabei allerdings völlig übersehen wird, ist die Tatsache, dass Petrus hier nicht von der gesamten Bibel, sondern nur von der „Weissagung” – also von Prophezeiungen, vom prophetischen Wort in der Schrift - spricht. Für diesen Teil der Heiligen Schrift gilt natürlich die Verbalinspiration ohne Abstriche. Nicht jedoch für die gesamte Bibel und für jedes Wort in der Bibel.

(Siehe auch Diskurs 40: „Gibt es Fehler in der Bibel?”.)

Dieses evangelikale Dogma von der Irrtumslosigkeit der Bibel wurde dann auf einer internationalen Gipfelkonferenz von evangelikalen Führern im Hyatt Regency O'Hare in Chicago in the fall im Jahre 1978, in der sogenannten „Chikago-Erklärung”, in allen Details beschlossen. Hier unten nun ein Ausschnitt davon, welcher gerade diese Frage betrifft:

Chikago-Erklärung zur biblischen Irrtumslosigkeit.
Artikel XIII:

Wir bejahen, dass es angemessen ist, die Irrtumslosigkeit der Bibel als theologischen Terminus in bezug auf die völlige Wahrhaftigkeit der Schrift zu gebrauchen.

Wir verwerfen die Ansicht, dass es angemessen sei, die Schrift nach Maßstäben von Wahrheit und Irrtum zum bewerten, die ihrem Gebrauch und ihrem Zweck fremd sind. Wir verwerfen ferner die Ansicht, dass die Irrtumslosigkeit von biblischen Phänomenen wie dem Fehlen modern-technischer Präzision, Unregelmäßigkeiten in der Grammatik oder der Orthographie, beobachtungsgemäßer Beschreibungen der Natur, Wiedergabe von Unwahrheiten, Verwendung von Übertreibungen und runden Zahlen, thematischer Anordnung des Stoffes, Unterschiedlicher Auswahl des Materials in Parallelberichten oder der Verwendung von freien Zitaten annulliert würde.


Um die Konsequenzen dieser Aussagen richtig beurteilen zu können, muss man wissen, dass wir in der Heiligen Schrift, neben dem allergrößten Teil der vom Geist Gottes den Schreibern eingegebenen Schriften, auch Texte haben - wie z. B. die Grußworte am Beginn und am Ende mancher Briefe des Paulus -, welche selbstverständlich keiner Inspiration durch den heiligen Geist bedurft haben. Es sind Grußformeln, wie sie die Menschen zu allen Zeiten in Ihren Briefen verwendet haben. Hier eine Wort für Wort Inspiration durch den heiligen Geist hinein zu reklamieren, hieße den Geist Gottes völlig falsch einzuschätzen. Andererseits haben wir in der Schrift auch an verschiedenen Stellen unterschiedliche Aussagen über ein und dasselbe Ereignis. Das ist verwunderlich, aber nicht weg zu diskutieren. Jeder, der eine Bibel hat und sich die Mühe macht, kann dies nachprüfen. Das hat nichts mit Bibelkritik zu tun, sondern ist eine reine Tatsachenfeststellung! (Siehe diesbezüglich auch den Diskurs 40: Gibt es Fehler in der Bibel?). 

Obwohl nun die Signifikanz dieser Unterschiede marginal und ihre Anzahl gering ist, lässt sich dadurch die Theorie einer allgemeinen Irrtumslosigkeit der gesamten Bibel nicht aufrecht erhalten. Wenn wir nun dennoch behaupten, dass die gesamte Schrift vom Heiligen Geist Wort für Wort eingegeben und daher ohne Fehler und Irrtum ist, dann hat diese Aussage die logische Konsequenz, dass jene Fehler, welche den von Menschen verfassten Teilen anhaften können und nun einmal für jeden sichtbar und erkennbar sind, dem Heiligen Geist anzulasten wären. Und hier kommen wir nun eindeutig in die Gefahr, dem Heiligen Geist eine menschliche Fehleranfälligkeit zuzuschreiben und die Warnung des Herrn in Mt 12,32 mit ihren Folgen: „Wenn aber jemand gegen den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden” zu missachten. Und das ist es, was wir – als gläubige Christen - tatsächlich nicht ignorieren dürfen.

Doch diese Konsequenz wird in theologischen Kreisen kaum begriffen. Ein Beispiel dafür, wie theoretisch und bar jedweder Logik die theologischen Führer unserer Zeit agieren, zeigt die bereits oben erwähnte „Chikago-Erklärung zur biblischen Irrtumslosigkeit” aus dem Jahre 1978 (deutschsprachiges Mitglied des Internationalen Rates für Biblische Irrtumslosigkeit: Prof. Samuel Külling).

Im oben zitierten Artikel XIII dieses Dokumentes wird erklärt:

„Wir verwerfen die Ansicht, dass es angemessen sei, die Schrift nach Maßstäben von Wahrheit und Irrtum zu bewerten, die ihrem Gebrauch und ihrem Zweck fremd sind”.


Demnach lässt sich also die Schrift nicht nach Wahrheit und Irrtum bewerten, weil dies ihrem Gebrauch und Zweck fremd sein soll! Damit wird hier viel konkreter als von manchen Atheisten, die Bibel als Märchenbuch deklariert. Ob das den Unterzeichnern dieser Erklärung bewusst war?

Und wenn andererseits im Artikel VI desselben Dokumentes erklärt wird:

„Wir bekennen, dass die Schrift als Ganzes und in allen ihren Teilen, bis hin zu den einzelnen Wörtern der Originalschriften, von Gott inspiriert wurde”


meint das, im Zusammenhang mit dem oben zitierten Artikel XIII, dass die zur Gänze vom Heiligen Geist inspirierte Schrift nicht nach Wahrheit zu bewerten wäre, weil der Gebrauch von Wahrheit dem Heiligen Geist fremd sei! Das muss man erst einmal begreifen! Welche Vorstellung haben diese Leute von unserem Gott und seinem Geist? Der Herr Jesus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben”. Von diesem Gott und seinem Geist, der selbst die absolute Wahrheit in Person ist, der Unwahrheit in keiner Form duldet, sagen diese Theologen, dass ihm Wahrheit fremd sei! Und das alles, um angeblich eine Irrtumslosigkeit der gesamten Schrift zu verteidigen.

Es ist dann nur eine logische Folge, dass man gleich auch die Wiedergabe von Unwahrheiten – also Lügen – als Grund für eine Einschränkung dieser Irrtumslosigkeit nicht gelten lässt.

„Wir verwerfen ferner die Ansicht, dass die Irrtumslosigkeit (der Bibel/Anm.) von biblischen Phänomenen wie (…) Wiedergabe von Unwahrheiten (…) annulliert würde.” (Artikel XIII)


In diesem Satz gehen die Verfasser dieser Erklärung von der Annahme aus, dass die Bibel in Form von „biblischen Phänomenen” Lügen enthält, dass jedoch diese Lügen eine Irrtumslosigkeit nicht annullieren können. Das ist eine totale Umkehr des Rechtssystems: Wer lügt hat Recht und ist ohne Fehler. Diese Aussage, dass Unwahrheiten in der Schrift deren Irrtumslosigkeit nicht aufheben können, führt im Zusammenhang mit dem Bekenntnis weiter oben, dass der Heilige Geist die Schrift zur Gänze inspiriert hat (Artikel VI), zu der Auffassung, dass also der Heilige Geist Lügen verkündet, deren Aufdeckung diese guten Leute jetzt hier durch ein Diskussionsverbot verhindern müssten.

Damit wird aber von diesen Vertretern einer absoluten Irrtumslosigkeit der gesamten Schrift genau das explizit ausgesprochen, was sich weiter oben vorerst nur als Schlussfolgerung ergeben hat: Jeder, der einerseits die gesamte Bibel zu einer Verbalinspiration des Heiligen Geistes erklärt und dann aber andererseits dennoch davon ausgeht, dass es Unwahrheiten in der Bibel gibt, erklärt damit automatisch den Heiligen Geist zu einem Lügner. Das ist unglaublich und beleidigt mit Sicherheit den Geist Gottes.

Wenn man sich dann die Schriften dieser Leute ansieht, liest man eine Menge darüber, was sie alles bekennen und verwerfen. Sie streiten sich darum, wer welchen Alleinvertretungsanspruch hat und warum. Eine Gegendarstellung folgt der anderen, worauf wieder eine Richtigstellung erfolgt. Dabei berufen sie sich auf alle möglichen theologischen „Erklärungen” und jeder, der nicht mit ihnen übereinstimmt, wird als theologischer Laie abgekanzelt. Es wird hin und her gestritten, einer wirft dem anderen vor, die Aussagen der Bibel falsch zu interpretieren ohne jedoch selbst Anstalten zu machen seine Behauptungen anhand der Bibel nachzuweisen.

Da werden dann Artikel wie der folgende gebracht:

„Prof. Dr. Samuel Külling, der Rektor der STH Basel (Staatsunabhängige Theologische Hochschule), hat sich gegen eine von Dr. Heinzpeter Hempelmann (Dr. Hempelmann ist Direktor des Theologischen Seminars der Liebenzeller Mission / Anm.) verfaßte CTL-Flugschrift gewandt, in der die STH Basel und die FTA Gießen 'getarnt verunglimpft' werden. Hempelmann behauptet: STH und FTA 'haben eigentlich nur das Ziel, deutsche (bzw. schweizerische) universitäre Theologenausbildung zu kopieren, - eben incl. aller Nachteile, die eine einseitig intellektuelle Studienorganisation mit sich bringt.' (…)”

oder auch:

„In einem Freundesbrief verweist Dr. Lothar Gassmann (Dozent Dr. theol. L. Gassmann ist Weltanschauungsbeauftragter der Arbeitsgemeinschaft für Religiöse Fragen [A.R.F.] / Anm.) auf einen IDEA-Artikel (Nr.14./5.IV.'00/16), in dem seine Kritik an den CTL-Seminaren als 'vollkommen aus der Luft gegriffen' zurückgewiesen und zugleich behauptet wurde: 'In ihrer 'Bibeltreue' will sich die Liebenzeller Mission von niemandem überholen lassen.' Dazu schreibt Gassmann: 'Dieser Artikel bedarf dringend einer Richtigstellung, zumal es hier um eine Weichenstellung geht, die Folgen für den gesamten Pietismus im deutschsprachigen Europa mit sich bringt.' (…)”


Beide Artikelauszüge sind der CTL-Dokumentation 8 (Chrischona-Tabor-Liebenzell) entnommen.

Ähnlich wie bei den Dogmen der katholischen Kirche, versucht man auch hier menschliche Vorstellungen und Meinungen, welche - siehe oben - in der Schrift keine Deckung finden, als einzig richtig und unumstößlich hinzustellen und jedwede Diskussion darüber zu verbieten. Doch es geht diesen Leuten gar nicht um Wahrheit, sonst hätten sie die Schrift studiert und zwangsläufig festgestellt, dass manche Teile der Bibel ebenso wenig vom Geist Gottes Wort für Wort eingegeben sind, wie ihre eigenen „Erklärungen”. Im Laufe ihrer theologischen Karriere haben sich diese Leute leider immer mehr der Verteidigung ihrer vorgefassten Meinung zu- und dem Bibelstudium abgewandt.

Tatsächlich bedarf die Bibel nicht der Küllings und Gassmanns, um sie zu verteidigen. Der allmächtige Gott ist durchaus selbst in der Lage sein Wort zu verteidigen und er hat das auch immer schon getan. Schon zu Lebzeiten Jesu haben die theologischen Führer der Juden, der Sadduzäer und der Pharisäer, darüber gestritten, ob es eine Auferstehung gibt. Die Pharisäer meinten es gäbe sie, die Sadduzäer bestritten das. Und dann wollten diese Sadduzäer den Herrn in eine Falle locken und stellten ihm eine Fangfrage:

Ihr irrt, weil ihr weder die Schrift kennt noch die Kraft Gottes.

Mk 12,18 Da traten die Sadduzäer zu ihm, die lehren, es gebe keine Auferstehung; die fragten ihn und sprachen: 12,19 Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: »Wenn jemand stirbt und hinterläßt eine Frau, aber keine Kinder, so soll sein Bruder sie zur Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen erwecken.« 12,20 Nun waren sieben Brüder. Der erste nahm eine Frau; der starb und hinterließ keine Kinder. 12,21 Und der zweite nahm sie und starb und hinterließ auch keine Kinder. Und der dritte ebenso. 12,22 Und alle sieben hinterließen keine Kinder. Zuletzt nach allen starb die Frau auch. 12,23 Nun in der Auferstehung, wenn sie auferstehen: wessen Frau wird sie sein unter ihnen? Denn alle sieben haben sie zur Frau gehabt.

12,24 Da sprach Jesus zu ihnen: Ist's nicht so? Ihr irrt, weil ihr weder die Schrift kennt noch die Kraft Gottes. 12,25 Wenn sie von den Toten auferstehen werden, so werden sie weder heiraten noch sich heiraten lassen, sondern sie sind wie die Engel im Himmel. 12,26 Aber von den Toten, daß sie auferstehen: Habt ihr nicht gelesen im Buch des Mose, bei dem Dornbusch, wie Gott zu ihm sagte und sprach: »Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs«? 12,27 Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Ihr irrt sehr. Mk 12,18-27;


Die Sadduzäer wollten nachweisen, dass, wenn es wirklich eine Auferstehung geben würde, es dort chaotisch zugehen würde, weil sich dann sieben Männer um eine Frau streiten würden. Der Herr hat ihnen jedoch gezeigt, dass sie im Irrtum waren und die Schrift nicht kannten, denn die auferstandenen Menschen werden nicht Mann und Frau, sondern ungeschlechtlich sein. Die Sadduzäer hatten - obwohl Schriftgelehrte und damit in der Heiligen Schrift bewandert - nichts verstanden. Und ebenso muss man die Theologen unserer Zeit, die sich darum streiten, ob die Bibel als Ganzes und Wort für Wort vom Geist Gottes eingegeben ist oder nicht, darauf hinweisen, dass sie das eigentliche Problem noch gar nicht erkannt haben.

Die Bibel erfüllt ja keinen Selbstzweck, sondern die Heilige Schrift ist den Menschen gegeben, auf dass sie zum Glauben an Gott den Allmächtigen und seinen Sohn Jesus Christus kommen. Dennoch ist im Laufe der Jahrtausende immer nur ein relativ kleiner Teil der Menschen zum Glauben gekommen. Ist das nun dem Heiligen Geist anzulasten? Sicherlich nicht! Der Grund liegt nicht beim Heiligen Geist, sondern bei den Menschen. Für viele Menschen ist die Bibel ein Märchenbuch, altmodisch, fad und voller unverständlicher Aussagen. Andere wieder sind begeistert davon, verstehen auf Anhieb jedes Gleichnis und würden am liebsten Tag und Nacht in der Bibel lesen. Und beide lesen in der selben Bibel die vom Heiligen Geist eingegeben wurde.

Daraus ist nun zu erkennen, dass nicht die Frage, ob der Heilige Geist die Autoren der Bibelbücher Wort für Wort inspiriert hat, für uns Heutige so wichtig und entscheidend ist. Die Bibel wurde den Menschen von Gott gegeben und dieser Abschnitt der Heilsgeschichte ist nach Gottes Willen beendet. Was jedoch für uns Heutige von größter Wichtigkeit ist, ist die Frage, ob wir beim Lesen der Bibel den Heiligen Geist haben. Denn dies ist genau der Unterschied zwischen jenen Theologen, welche die Bibel verstehen und den anderen, die nichts kapieren.

Wir haben dazu in der Schrift einen sehr passenden Vergleich. Als zu Pfingsten die Jünger mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden, fingen sie an in anderen Sprachen die Botschaft Gottes zu verkünden:

Und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen.

Apg 2,1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. 2,2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 2,3 Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, 2,4 und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. 2,5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 2,6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. 2,7 Sie entsetzten sich aber alle und wunderten sich und sagten: Siehe, sind nicht alle diese, die da reden, Galiläer? 2,8 Und wie hören wir sie, ein jeder in unserer eigenen Mundart, in der wir geboren sind: 2,9 Parther und Meder und Elamiter und die Bewohner von Mesopotamien und von Judäa und Kappadozien, Pontus und Asien 2,10 und Phrygien und Pamphylien, Ägypten und den Gegenden von Libyen gegen Kyrene hin und die hier weilenden Römer, sowohl Juden als Proselyten, 2,11 Kreter und Araber - wie hören wir sie von den großen Taten Gottes in unseren Sprachen reden? 2,12 Sie entsetzten sich aber alle und waren in Verlegenheit und sagten einer zum anderen: Was mag dies wohl sein? 2,13 Andere aber sagten spottend: Sie sind voll süßen Weines. Apg 2, 1-13;


Die Zuhörer, welche zusammengelaufen waren und die Jünger jeder in seiner eigenen Sprache reden hörten, waren nach Apg 2,5 gottesfürchtige jüdische Männer aus allen Völkern. Dann gab es aber nach Apg 2,13 auch „andere” unter den Zuhörern. Ungläubige, die kein Wort von dem verstanden, was die Jünger predigten. Und sie spotteten und meinten, die Jünger wären betrunken. Daraus ist ersichtlich, dass der Heilige Geist nicht nur die Jünger erfüllt hatte, sondern dass er auch in den gottesfürchtigen Zuhörern wirkte, um dieses Hörwunder überhaupt erst zu ermöglichen. Und ähnlich ist es nun mit der Heiligen Schrift. Die Autoren waren erfüllt mit dem Heiligen Geist und schrieben das Wort Gottes nieder. Und unter den Lesern der Bibel gibt es bis heute jene, in welchen der von Gott erbetene Heilige Geist wirkt und welche daher die Schrift verstehen, und die „Anderen”, welche den Heiligen Geist nicht haben, daher nichts verstehen und meinen, die Bibel wäre ein Märchenbuch.

Und hier wird dann auch deutlich, dass der Streit der Theologen völlig nebensächlich ist. Er ist tatsächlich Selbstzweck und bringt überhaupt nichts. Nicht Gott, denn der kann und braucht von uns nicht verteidigt zu werden; aber auch nicht den Menschen, denn damit wird ihr eigentliches Problem, nämlich die Ermangelung des Heiligen Geistes, weder erkannt noch behoben. Man muss daher an diese Theologen - soweit sie gläubig sind - appellieren, ihren unsinnigen Streit endlich zu beenden und die Menschen das zu lehren, was wirklich vonnöten ist: Nämlich wie sie den Heiligen Geist erhalten können.

Und dazu sei hier noch einmal die Aussage des Herrn in Lk 11,11-13 zitiert:

Wieviel mehr wird der Vater, der vom Himmel gibt, den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

Lk 11,11 Wen von euch, der Vater ist, wird der Sohn um einen Fisch bitten - und wird er ihm statt des Fisches etwa eine Schlange geben? 11,12 Oder auch, wenn er um ein Ei bäte - er wird ihm doch nicht einen Skorpion geben? 11,13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wißt, wieviel mehr wird der Vater, der vom Himmel gibt, den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten! Lk 11,11-13;


Nun ist es schon richtig, dass hier die „Kinder” den Vater bitten und man kann mit einiger Berechtigung einwerfen, dass jene Menschen, welche zum ersten Mal die Bibel lesen, wohl noch kaum gläubig und daher auch keine Kinder Gottes sein werden. Doch wie wir Gläubigen wissen, sieht Gott nicht auf das Äußere, sondern er sieht in das Herz der Menschen. Deshalb scheint es auch nicht so wichtig zu sein, ob dieser Mensch nun reich oder arm, wichtig oder unwichtig, gläubig oder noch nicht gläubig ist, sondern einzig und allein, ob er in seinem Herzen den aufrichtigen Wunsch hegt, dieses Buch zu verstehen.

Und sei es nur, um sich vorerst einmal in intellektuell redlicher Weise selbst ein Urteil zu bilden und in einer eventuellen Diskussion gut fundierte Argumente zu haben und nicht wie viele Heiden Aussagen über die Bibel zu treffen, ohne diese je in ihrem Leben in der Hand gehalten, geschweige denn darin gelesen zu haben. Das ist die zwar nicht ausgesprochene, aber von Gott dennoch gehörte Bitte. Und sie bleibt mit Sicherheit nicht unbeantwortet. Gott sendet uns den Heiligen Geist und dieser führt uns auf den Weg des Verständnisses. - Das ist der Beginn. Was dann folgt, könnte Bände füllen.

Um nun die Frage zu beantworten, inwieweit derartige Verhaltensweisen von christlichen Theologen im Sinne des hier diskutierten Themas tatsächlich ein Reden gegen den Heiligen Geist ist, wie das in Mt 12,32 vom Herrn bezeichnet wird, welches nicht vergeben werden kann, muss man Folgendes bedenken: Es wäre sicherlich dann eindeutig, wenn der Heilige Geist hier unter böser Absicht mit Lüge und Unwahrheit in Zusammenhang gebracht worden wäre. Doch dies kann man hoffnungsvollerweise ausschließen. Diese Erklärung, ebenso wie die Vorstellung einer Verbalinspiration der gesamten Bibel, rührt doch aus dem bewussten oder unbewussten Verlangen, die Bibel - das Wort Gottes - zu schützen. Dass dabei die offensichtlichen Konsequenzen nicht bedacht wurden, scheint zumindest bei den rechtgläubigen Theologen eher eine Frage des mangelnden Abstraktionsvermögens denn des mangelnden Glaubens zu sein.

Und so gilt auch hier die Aussage des Paulus, weiter oben, in 1Kor 3,10-15, dass wir Gläubigen in Christus danach gerichtet werden, was wir auf diesem Grund, der da gelegt ist und welcher ist Jesus Christus, gebaut haben. Hat jemand mit Gold, Silber und kostbaren Steinen gebaut, wird sein Werk im Feuer erhalten bleiben. Hat er mit Holz, Heu und Stroh gebaut, wird es verbrennen, er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer.

Die den Geist Gottes lästern.

Wenden wir uns schließlich jenen Argumenten zu, welche auf eine Lästerung des Heiligen Geistes - vermeintlich oder tatsächlich - hinweisen. Hier wird von manchen bibeltreuen Auslegern, in mehr oder weniger konkreten Aussagen, die Bibelkritik genannt. Was muss man sich nun als Laie unter Bibelkritik vorstellen? Wir wollen hier nicht das ganze Spektrum beleuchten, sondern nur einige Beispiele anführen, um den Hintergrund und die Beweggründe erkennen zu können.

Es geht dabei u.a. um die so genannte „Quellenscheidung”. Bereits im frühen Mittelalter wurde z.B. die Behauptung aufgestellt, dass das Buch Jesaja mit seinen 66 Kapiteln, aufgrund von sprachlichen Eigentümlichkeiten nicht von einem einzigen Autor geschrieben sein kann. Weil viele Theologen auch nicht akzeptieren wollten, dass ein Mensch Dinge vorhersagen könnte, die sich erst 150 Jahre später ereignen, hat man gegen Ende des 18. Jhdts. die Kapitel 1-39 und 40-66 je einem anderen Autor zugeschrieben. Der letztere, zweite Teil des Buches wurde dann in „Deuterojesaja” (Zweiter Jesaja) umbenannt und seine Entstehung in eine spätere Zeit datiert („Spätdatierung” ). Ende des 19. Jhdts. wurden dann sogar noch die Kapitel 56-66 abgetrennt und davon ein „Tritojesaja” (Dritter Jesaja) konstruiert.

Auch das Buch Daniel wurde wegen der unterschiedlichen Inhalte der Kapitel 1-6 bzw. 7-12 als von zwei verschiedenen Autoren geschrieben eingestuft. Zusätzlich hat man wegen der erstaunlichen Genauigkeit, mit welcher Daniel in den Kapiteln 11 und 12 Prophezeiungen auf teilweise Jahrhunderte in der Zukunft liegende Geschehnisse gemacht hat, diesen Teil als „vaticinia ex eventu”, also als eine „Prophezeiung”, welche erst nach Eintritt der Ereignisse niedergeschrieben wurde (Fälschung) bezeichnet. Damit werden aber die prophetischen Inhalte dieser Texte - und wenn man schon einmal dabei ist, warum nicht auch gleich der ganzen Bibel - geleugnet.

(Siehe auch Tabelle 04: „Die Offenbarung aus dem Buch der Wahrheit”.)

Da es derartige Versuche auch immer wieder bei dem einen oder anderen Buch des NT gibt, befürchten manche bibeltreue Theologen zu Recht eine Aushöhlung der Heiligen Schrift bis gar nichts mehr glaubwürdig sein würde. Doch in dieser sicherlich berechtigten Sorge schießen diese Leute weit übers Ziel hinaus. Um diesen Angriffen auf die Bibel sozusagen ein für alle Mal einen Riegel vorzuschieben, stellen sie die Behauptung auf, dass die gesamte Bibel Wort für Wort vom Heiligen Geist eingegeben und daher irrtumslos ist. Und zwar „nicht nur in allen Fragen des Glaubens und Lebens, sondern auch in naturwissenschaftlicher, geographischer und historischer Hinsicht”, wie der bereits oben zitierte Dr. Lothar Gassmann schreibt. Und damit bieten sie ihren Gegnern - die ja lesen können und auch eine Bibel zuhause haben - natürlich erst recht Angriffspunkte.

Die Probleme, welche der objektive Bibelleser mit dieser Sicht hat, wurden weiter oben schon ausführlich dargestellt. Bevor wir uns nun mit jenen Problemen auseinandersetzen, welche die andere Seite, also die moderne Bibelkritik aufwirft, sei hier klargestellt, dass die Sichtweisen beider Seiten für den gläubigen Menschen ohne Relevanz sind. Wer tatsächlich an Gott glaubt, der glaubt auch an die Allmacht dieses Gottes. Was wäre das für ein Gott, der nicht in der Lage wäre, den Menschen seinen Willen - auf welche Art und Weise und mit wie vielen Autoren auch immer - kund zu tun? Was wäre das für ein Gott, der auf sprachliche Eigentümlichkeiten achten müsste und der Prophezeiungen nur einige Jahre und nicht Jahrhunderte und Jahrtausende in die Zukunft verkünden könnte?

Es gilt daher: von wie vielen Autoren die Bibel auch verfasst wurde, wie viele sprachliche Eigentümlichkeiten die moderne Bibelkritik auch noch entdecken möge und wie viele Prophezeiungen sie nicht akzeptieren will, weil sie zu weit in die Zukunft reichen - wozu der „Gott” dieser „Theologen” scheinbar nicht fähig ist: der Gott der Bibel bedarf absolut keiner theologischen Akzeptanz! Die Bibel wurde nicht für Theologen geschrieben, sondern für jene Menschen, welche an diesen Gott der Bibel glauben. Ohne wenn und aber. Und gerade diese Menschen haben ein weitaus besseres Instrumentarium, um die Glaubwürdigkeit der Schrift zu beurteilen. Es ist genau jener Heilige Geist, der auch die Autoren der Bibel geführt hat und der daher viel besser weiß als irgend ein Theologe, was er wem, wann, wie und wo eingegeben hat.

Kommen wir nun zu jenen Schriftstellen, welche sich konkret mit der Lästerung Gottes und damit auch des Geistes Gottes befassen.

Und sie taten nicht Buße von ihren Mordtaten, noch von ihren Zaubereien, noch von ihrer Unzucht.

Off 9,18 Von diesen drei Plagen wurde der dritte Teil der Menschen getötet, von dem Feuer und dem Rauch und dem Schwefel, die aus ihren Mäulern hervorkamen. 9,19 Denn die Macht der Rosse ist in ihrem Maul und in ihren Schwänzen; denn ihre Schwänze sind gleich Schlangen und haben Köpfe, und mit ihnen fügen sie Schaden zu.

9,20 Und die übrigen der Menschen die durch diese Plagen nicht getötet wurden, taten auch nicht Buße von den Werken ihrer Hände, nicht mehr anzubeten die Dämonen und die goldenen und die silbernen und die bronzenen und die steinernen und die hölzernen Götzenbilder, die weder sehen noch hören noch wandeln können. 9,21 Und sie taten nicht Buße von ihren Mordtaten, noch von ihren Zaubereien, noch von ihrer Unzucht, noch von ihren Diebstählen. Off 9,18-21;


Hier oben, in Off 9,18-21, befinden wir uns am Tag des Herrn, am Tag des Zornes Gottes. Es sind dies konkret die Plagen der 6. Posaune (2. Wehe). In diesem Text finden wir einige indirekte, etwas verborgene Aussagen. So lesen wir in Off 9,18, dass von diesen drei Plagen der 6. Posaune der dritte Teil der Menschen getötet wurde. Das heißt also, ein Drittel der Weltbevölkerung wurde durch diese Katastrophen ausgerottet. Und in Vers Off 9,20 haben wir dann die Aussage: „die übrigen der Menschen die durch diese Plagen nicht getötet wurden, taten auch nicht Buße von den Werken ihrer Hände”.

(Siehe auch Tabelle 14: „Die Offenbarung - nach Ereignissen gegliedert”.)

Demnach wurde ein Drittel der Menschheit getötet und unter dem Rest befindet sich kein einziger gläubiger Mensch mehr, denn der hätte ja Buße getan. Das zeigt uns einerseits, dass sich zu diesem Zeitpunkt keine gläubigen Christen auf Erden befinden können und bestätigt andererseits die Auffassung, dass die Entrückung bereits lange davor, beim 6. Siegel, nach der Großen Trübsal (4. Siegel) erfolgt ist und mit dem 7. Siegel der Tag des Herrn, der Tag des Zornes Gottes begonnen hat.

(Siehe auch Diskurs 61: „Ist die Große Trübsal identisch mit dem Tag des Herrn?”.)

Und auch bei den Schalengerichten finden wir den Hinweis darauf, dass die Menschen nicht Buße taten, es also unter der Weltbevölkerung keine gläubigen Menschen mehr gibt. Spätestens seit Off 16,1-2 (1. Zornesschale) wissen wir, dass zu dieser Zeit bereits der Antichrist, das Tier aus dem Meer, die Welt beherrscht.

Es entstand ein böses Geschwür an den Menschen, die das Malzeichen des Tieres hatten und sein Bild anbeteten.

Off 16,1 Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Tempel zu den sieben Engeln sagen: Geht hin und gießt die sieben Schalen des Zornes Gottes aus auf die Erde. 16,2 Und der erste ging hin und goß seine Schale aus auf die Erde; und es entstand ein böses und schlimmes Geschwür an den Menschen, die das Malzeichen des Tieres hatten und sein Bild anbeteten. Off 16, 1- 2;


Und hier unten, in Off 16,8-11, wird abermals erwähnt, dass die Menschen nicht Buße taten. Zusätzlich erkennen wir aber eine Steigerung in der Auflehnung gegen Gott: die Gotteslästerung. Die Menschen lästern den Namen Gottes (Off 16,9), ja sie lästern sogar Gott selbst (Off 16,11).

Sie lästerten den Gott wegen ihrer Schmerzen und wegen ihrer Geschwüre, und taten nicht Buße von ihren Werken.

Off 16,8 Und der vierte goß seine Schale aus auf die Sonne; und es wurde ihr gegeben, die Menschen mit Feuer zu versengen. 16,9 Und die Menschen wurden von großer Hitze versengt und lästerten den Namen Gottes, der über diese Plagen Macht hat, und sie taten nicht Buße, ihm Ehre zu geben.

16,10 Und der fünfte goß seine Schale aus auf den Thron des Tieres; und sein Reich wurde verfinstert; und sie zerbissen ihre Zungen vor Schmerz 16,11 und lästerten den Gott des Himmels wegen ihrer Schmerzen und wegen ihrer Geschwüre, und sie taten nicht Buße von ihren Werken. Off 16, 8-11;


Durch die Aussagen schließlich: „sie lästerten den Namen Gottes, der über diese Plagen Macht hat” und „sie lästerten den Gott des Himmels wegen ihrer Schmerzen und wegen ihrer Geschwüre”, ist klar erkennbar, dass die Menschen zu diesem Zeitpunkt sehr genau wissen, woher diese Plagen kommen: sie wissen, dass es der Gott des Himmels ist, der in seinem Zorn über diese unbußfertige und götzendienerische Menschheit seinen Grimm ausgießt.

Schon vor der ersten Zornesschale, in Off 15,1, haben wir die Ankündigung, dass diese sieben Schalen des Zornes Gottes die letzten Plagen sein werden, welche Gott über die Menschheit hereinbrechen lässt.

Sieben Engel, die sieben Plagen hatten, die letzten; denn in ihnen wurde der Grimm Gottes vollendet.

Off 15,1 Und ich sah ein anderes Zeichen im Himmel, groß und wunderbar: Sieben Engel, die sieben Plagen hatten, die letzten; denn in ihnen wurde der Grimm Gottes vollendet. Off 15, 1;


Mit den sieben Schalen des Zorns ist also der Grimm Gottes vollendet. Und wenn wir uns nun den Text der siebten und letzten Zornesschale ansehen, erkennen wir, dass die Menschen bis zum bitteren Ende an ihrer Ablehnung Gottes festhalten.

Die Menschen lästerten Gott wegen der Plage des Hagels, denn seine Plage ist sehr groß.

Off 16,17 Und der siebente Engel goß seine Schale aus in die Luft; und es kam eine laute Stimme aus dem Tempel vom Thron her, die sprach: Es ist geschehen. 16,18 Und es geschahen Blitze und Stimmen und Donner; und ein großes Erdbeben geschah, desgleichen nicht geschehen ist, seitdem ein Mensch auf der Erde war, ein so gewaltiges, so großes Erdbeben. 16,19 Und die große Stadt wurde in drei Teile gespalten, und die Städte der Nationen fielen, und der großen Stadt Babylon wurde vor Gott gedacht, ihr den Kelch des Weines des Grimmes seines Zornes zu geben. 16,20 Und jede Insel verschwand, und Berge wurden nicht gefunden. 16,21 Und ein großer Hagel, wie zentnerschwer, fällt aus dem Himmel auf die Menschen nieder; und die Menschen lästerten Gott wegen der Plage des Hagels, denn seine Plage ist sehr groß. Off 16,17-21;


Neben der wichtigen Erkenntnis, dass am Tag des Herrn und des Zornes Gottes keine gläubigen Christen mehr auf Erden sein werden und daher die Entrückung zwangsläufig davor (nach der Großen Trübsal!) erfolgt sein muss, lässt sich dieser Beweisführung anhand der Schrift entnehmen, dass es die Unbußfertigkeit ist, welche die Menschen zur Auflehnung gegen Gott und schließlich zur Lästerung Gottes und damit auch des Heiligen Geistes führt.

Der mehrmalige Hinweis „und sie taten nicht Buße” beinhaltet aber noch eine weitere Erkenntnis: Wie es scheint, hätte selbst auch dann noch die Möglichkeit bestanden, durch Umkehr und Buße gerettet zu werden. Gott wäre also bis zum Schluss bereit gewesen zu vergeben. Doch es fand sich kein einziger Mensch, der diese Möglichkeit in Anspruch nehmen wollte. Und das ist eben der Fluch des Abfalls und der Auflehnung gegen Gott: Es gibt kein zurück mehr.

Und diese Gefahr besteht nun ganz besonders für die hier apostrophierten liberalen (nicht biblisch gläubigen!) Theologen in der Bibelkritik. Während der normale ungläubige Mensch in seinem Leben kaum die Bibel liest und daher nur wenig Bezug zu Gott hat und diesbezüglich auch keine konkrete Meinung vertritt - weder dafür noch dagegen -, haben gerade diese Leute, welche sich mit der Bibel befassen, dadurch den unmittelbaren Kontakt zu Gott und zum Heiligen Geist. Wer nun hier den prophetischen Büchern, wie z. B. Jesaja oder Daniel, die Inspiration durch den Heiligen Geist abspricht, lässt damit erkennen, dass er selbst in seinem Leben den Heiligen Geist und damit auch Gott noch nie erfahren hat und disqualifiziert sich damit automatisch für eine Tätigkeit als Theologe (Theologie=Wissenschaft von Gott). Was aber viel schlimmer ist: er redet damit gegen den Heiligen Geist und hat daher jene Konsequenzen zu erwarten, die der Herr in Mt 12,32 ankündigt:

Wenn aber jemand gegen den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden.

Mt 12,32 Und wenn jemand ein Wort reden wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; wenn aber jemand gegen den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden, weder in diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen. Mt 12,32;


Wer hier nicht Buße tut und umkehrt, begibt sich auf jenen Weg, von dem es dann kein zurück mehr gibt und zieht alle die ihm folgen mit sich in den Abgrund.


Die biblische Dreieinigkeit.

Es gibt nur den einen und einzigen Gott in seinen drei Instanzen: Gott Vater als gesetzgebende Instanz, vergleichbar mit der Legislative in der menschlichen Gesellschaft, der Geist Gottes als Vollzugsinstanz, ähnlich der Exekutive und der Sohn Gottes als richterliche Instanz, ähnlich der Justiz. Gott hat den Menschen das Gesetz (die Gebote) gegeben (2Mo 24,12), der Heilige Geist registriert deren Einhaltung durch die Menschen, schreitet aber nur ein, wenn menschliche Aktionen den Plan Gottes beeinträchtigen könnten (2The 2,7) und der Sohn Gottes wird im Letzten Gericht/Weltgericht jeden einzelnen Menschen richten (Jh 5,22).

Die eigenständige geistliche Persönlichkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist und deren gleichzeitige Präsenz (Jh 14,10-11) im Geist des einen Gottes (Jh 4,24), kann im Zeitalter der Quantenverschränkung - der "spukhaften Fernwirkung" wie das Einstein nannte - und der vielen Beispiele in der Bibel von Manifestationen im Geist von Menschen (Mk 1,23-25; 5,6-8; Lk 11,24; aber auch Jh 14,23; 17,26!), nur für völlig uninformierte Zeitgenossen eine Frage sein.

Die Methode, derartige Zusammenhänge mit den alten Weisheiten der Kirchenväter erklären zu wollen (Konzil von Nicäa etc.), war schon bei deren Behauptung, die Erde wäre der Mittelpunkt des Universums ein Fehler (Die Schöpfung) und käme heute dem Versuch gleich, die Quantenmechanik mit den Gesetzen der klassischen Physik zu erklären.

Der eigentliche Grund, warum die Unitarier die Dreieinigkeit ablehnen (Es gibt keine Errettung außerhalb der Dreieinigkeit / CH. Spurgeon), ist einerseits der Umstand, dass man sich weigert, die Göttlichkeit des Sohnes Gottes, unseres Herrn Jesus Christus zu akzeptieren. Jesus Christus als Gott (Ps 45,7-8; Jh 20,28; Phil 2,5-8; 2Ptr 1,1; 1Jh 5,20) und sowohl seine Präexistenz (1Mo 1,26; 11,7) als auch seine Postexistenz bei Gott (Jh 14,23; 17,26!), würde ihr ganzes falsches Glaubensgebäude vom "Menschen Jesus" als "Glaubenskämpfer", "Kumpel" oder "Leidensvorbild" in Frage stellen und ad absurdum führen.

Andererseits aber, wurde die Dreieinigkeit - die "Trinität" - von der katholischen Kirche seit Jahrhunderten nach dem Gutdünken und dem "Gefühl" der alten Kirchenväter (Konzil von Nicäa etc.) und nicht nach den Aussagen der Bibel interpretiert. Dadurch war es den Vertretern des "Eingottglaubens" - den Unitariern - leicht möglich, diese Interpretation anhand der Bibel in Frage zu stellen.

Leider hat man aber dabei nicht die Gelegenheit genutzt, um die Bibel eingehend zu studieren und die tatsächlichen Aussagen über die Wesenheit Gottes, seines Sohnes und des Heiligen Geistes festzustellen, sondern hat die oberflächlichen Argumente nur benutzt, um dieses - ebenfalls falsche - Trinitätsdogma der katholischen Kirche anzugreifen.



(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Kann der Heilige Geist durch Scherze geleugnet werden? / Replik ChB 01, 2004-02-14)

Den Diskurs 64 habe ich zwischenzeitlich auch durchgesehen und freue mich über einen neuen interessanten und erhellenden Beitrag. Als Anregung allenfalls: das Wort 'Lästerung' ist im heutigen Sprachgebrauch nicht üblich und versteht sich für den Rezipienten deshalb nicht von selbst. 'Lästerung' muss dabei mehr sein als eine bloße Nennung des Begriffs 'Heiliger Geist' in einem scherzhaften, auch spöttischen Kontext. Bei den deutschen Juristen beispielsweise gibt es im Zusammenhang mit der Rückgabe der Verlobungsgeschenke gem. § 1300 BGB einen Reimvers, der in den Vorlesungen zitiert wird und den ich an dieser Stelle nicht wiedergeben möchte. Ich halte solches zwar für Sünde wider den heiligen Geist, aber trotz allem noch nicht für eine Verwirklichung der 'Todsünde' gem. Mt. 12,31f. Entsprechendes dürfte auch für sonstige Scherze gelten, in denen der Heilige Geist genannt wird. Insofern, denke ich, könnte eine klare Präzisierung in dieser Hinsicht für viele von Nutzen sein. Was mich betrifft, so habe ich den Heiligen Geist im Laufe meines Lebens sicherlich verschiedentlich betrübt und auch manche Sünde auf mich geladen, aber trotz allem ist er immer noch da, sonst würde ich dies auch kaum schreiben. Insofern glaube ich: bevor Gott jemand wirklich endgültig verwirft, muss etwas Ungeheuerliches passieren, das keine Gnade mehr rechtfertigt. Insofern muss mit 'Lästerung' im Sinne von Mt. 31,12f. mehr gemeint sein als ein unbedachtes Wort, in dem zufällig der Heilige Geist vorkommt. Sollte das zutreffend sein, würde eine Klarstellung gerade die wirklich Gläubigen von vielen unnötigen Gewissensbissen entlasten.

Christian Bollmeyer, Hamburg / bollmeyer@debitel.net



Sie haben völlig Recht, gerade dieser wichtige Aspekt wird in meiner Argumentation weiter oben viel zu wenig beleuchtet. Bei der Lästerung des Heiligen Geistes geht es ja m.E. nicht um irgendeine Sünde gemeinhin. Es ist, wie ich denke, keine Handlung, keine Ungeheuerlichkeit eines Menschen - in welcher Form auch immer - welche eine Gnade nicht mehr rechtfertigen würde. Es geht hier um viel mehr und um viel Grundlegenderes. Ich möchte mir hier Ihren juristischen Hintergrund zu Nutze machen, um diesen Zusammenhang etwas detaillierter darzustellen. Wenn ein Verteidiger seinen Mandanten vor Gericht vertritt, wird er versuchen, für diesen das geringst mögliche Strafausmaß zu erreichen. Selbst wenn es sich dabei um einen Massenmörder handelt, wird er versuchen, anhand der gesetzlichen Möglichkeiten mildernde Umstände geltend zu machen. Der Staatsanwalt sieht die Gesetzeslage hier in den meisten Fällen anders und die Aufgabe des Richters ist es dann, das Gesetz so zu interpretieren, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird. Das ist der Normalfall: Das Gesetz ist die Grundlage der Rechtssprechung und wird von allen Seiten anerkannt.

Wenn nun aber der Verteidiger sich über das Gesetz stellt und darauf besteht, dass diese gesellschaftlich allgemein anerkannte Grundlage für ihn und seinen Mandanten nicht gilt und dann selbst eigene Gesetze vorlegt, welche ganz andere Bestimmungen davon enthalten, was erlaubt und was verboten ist, ist eine gemeinsame Basis nicht mehr gegeben und weder der Staatsanwalt noch der Richter werden das akzeptieren. Und darauf kommt es nun an: nicht auf das Ausmaß irgendeiner Schuld, sondern auf die Tatsache, dass mit der Leugnung des Heiligen Geistes jener Basis der Boden entzogen wurde, welche eine Kommunikation mit Gott überhaupt erst ermöglicht.

Ähnlich wie nun so mancher Angeklagte ein Gesetz für ungerecht empfinden und den Richter für unfähig erklären mag, kann auch der ungläubige Durchschnittsmensch ähnliche Äußerungen über die Gebote und Gott bzw. den Heiligen Geist machen. Das bringt ihn noch nicht in die Verdammnis. Anders sieht es schon aus, wenn der Jurist (Theologe) sich derartiges erlaubt. Wer jedoch die Meinung vertritt, dass die geltenden Gesetze von Verbrechern erlassen wurden, der Richter ein Mafioso ist und er weder die einen noch den anderen anerkennt, der hat in dieser Gesellschaft den Kontakt und die Basis verloren.

Und so haben auch jene, die gegen den Heiligen Geist reden, indem sie behaupten dieser sei nicht der Geist Gottes, sondern der Geist des Bösen und Gott sei nichts Gutes, sondern das Böse in Person, wie uns das die Offenbarung bei den verschiedenen Plagen schildert:

Off 16,10 Und der fünfte goß seine Schale aus auf den Thron des Tieres; und sein Reich wurde verfinstert; und sie zerbissen ihre Zungen vor Schmerz 16,11 und lästerten den Gott des Himmels wegen ihrer Schmerzen und wegen ihrer Geschwüre, und sie taten nicht Buße von ihren Werken. Off 16,10-11;


und wollen nicht erkennen, dass sie selbst Schuld daran tragen und Busse tun müssten, so haben sie die Grundlage aufgegeben, auf welcher Gnade, Barmherzigkeit und Vergebung erfolgen könnten.

Sie sehen, es geht nicht darum, dass Gott nicht vergeben will. Er kann gar nicht mehr vergeben. Das System ist zusammengebrochen. Diese Menschen stellen sich selbst außerhalb der Reichweite von Gottes Vergebung. Es ist - ähnlich wie im Höhlengleichnis des Plato - wie wenn ich mich darüber beklagen würde, dass ich keine Sonne zu Gesicht bekomme, jedoch den ganzen Tag freiwillig im finsteren Keller zubringen würde.



(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Was ist eigentlich mit „reden wider den Heiligen Geist” gemeint? / Replik ChB 01, 2004-03-02)

Das Beispiel mit dem Gericht ist wunderbar gelungen und dürfte vielen, die sich irgendwann mit ähnlichen Fragen geplagt haben, sehr weiterhelfen. Ich selbst kann dabei für mich eigentlich ausschließen, dass ich den Heiligen Geist bewusst in schimpflichem Zusammenhang genannt habe, zumindest hat mich dieser unglück- selige Reim schon damals empört. Aber für mein ganzes Leben ausschließen kann ich es andererseits auch nicht, weil mich diesbezüglich teilweise schlicht die genaue Erinnerung verlässt. Und dann bleibt das durchaus quälende „Und was wäre, wenn doch?”  übrig. Dies hat mich manchmal durchaus beschäftigt. Nun, ich habe schon vor längerer Zeit die Überzeugung gewonnen, das zur Verwirklichung dieser Sünde das Wort allein nicht ausreichen kann und freue mich, dass Sie das ebenso sehen. Alles andere widerspräche auch meiner eigenen Erfahrung. Aber warum eigentlich nicht? Denn: in Mt. 12, 32 heißt es immerhin (Luther 1984):

Mt 12,32 Und wer etwas redet gegen den Menschensohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet gegen den Heiligen Geist, dem wird’s nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt. (Mt. 12, 32)


In der rev. Elberfelder lautet die Stelle so:

Mt 12,32 Und wenn jemand ein Wort reden wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird es vergeben werden, wenn aber jemand gegen den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden, weder in diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen. (Mt. 12, 32)


Dabei war ich davon ausgegangen, dass „ein Wort” nicht im Singular zu verstehen ist, sondern eine Rede bedeutet, und zwar eine solche gegen den Heiligen Geist (im Gegensatz zu ‘über’). Wendet man nun (juristische) Interpretationstechniken an, so lässt sich aus dem „gegen” (in älteren Übersetzungen heißt es teilweise „wider”) folgern, dass in dieser Rede eine (vorsätzlich) ablehnende - im Strafrecht würden wir sagen: feindliche - Willensrichtung zutage treten muss.

Nun beginnt diese Stelle jedoch jeweils mit einem „Und”. Dabei heißt es im Vers zuvor (Luther 84):

Mt 12,31 Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben.

12,32 Und wenn jemand ein Wort reden wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird es vergeben werden, wenn aber jemand gegen den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden, weder in diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen. (Mt 12,31-32)


Aus der Verwendung des Worts „und” folgert ein Jurist normalerweise, dass hier zwei verschiedene Tatbestände vorliegen, die jeweils mit dem Tode bedroht sind, nämlich die Lästerung einerseits und die „Rede wider” andererseits. Dann aber müsste „Lästerung” einen anderen Begriffsinhalt haben als „reden wider den Heiligen Geist”. Dem ist indessen nach der Semantik des Wortes „Lästerung”, die Sie richtig erwähnen, nicht so, so dass es sich lediglich um eine Wiederholung desselben Tatbestandes handelt. Dies möglicherweise auch deshalb, weil andernfalls das Ergebnis allein vom Begriff „Lästerung” abhinge, und dieser Begriff ist insofern unscharf, als er heute - soweit er im Alltagsdeutsch noch Verwendung findet - eben im Sinne einer abfälligen Rede „über” jemanden interpretierbar ist.

Nun werden Sie zu Recht einwenden, dass die Bibel nicht ausgerechnet an juristischen Maßstäben, wie sie für menschliche Gesetze gemacht sind, zu messen ist und mir hinsichtlich der Auseinandersetzung mit dem Wortlaut deutscher Übersetzungen (ich kann leider kein Griechisch) Spitzfindigkeit vorwerfen, aber immerhin habe ich über diese Dinge intensiv nachgesonnen und mir manche Frage gestellt. Nun, indessen habe ich nach einiger Zeit erkannt, dass sich der Bedeutungsinhalt dieser Verse nicht nur aus ihnen allein erschließt, sondern man vielmehr auch den Gesamtkontext, in dem diese Stellen stehen, betrachten muss. Jesus hat diese Worte nicht „aus der Luft gegriffen”, sondern vielmehr, nachdem die Pharisäer (Mt. 12, 24ff.) ihn beschuldigt hatten, er treibe die bösen Geister mit Hilfe Beelzebubs aus, mithin den Heiligen Geist (durch den später auch die Apostel Dämonen austrieben, u.a. Apg. 16,16) wider bessere Erkenntnis verleugnet und seine Werke dem Satan zugeschrieben hatten. In Mk. 3,30 (Elberfelder) heißt es dementsprechend mit erfreulicher Klarheit:

Mk 3,30 - weil sie sagten: Er hat einen unreinen Geist (Mk 3,30)


Und das haben Sie mit dem Beispiel von dem Gericht wunderbar und für jeden sofort verständlich veranschaulicht.

Christian Bollmeyer, Hamburg / bollmeyer@debitel.net



Lassen Sie mich Ihnen zuallererst meine Anerkennung zu Ihrer wirklich engagierten Analyse dieses Themas aussprechen. Ein derartig methodisches Herangehen an den Text hat heutzutage leider Seltenheitswert, obwohl man erfahrungsgemäß - und wie Ihr Beispiel auch zeigt - damit den Sinngehalt der biblischen Aussagen oft wesentlich besser erkennen und nachweisen kann. Und auch Ihre gefundene Schlussfolgerung, dass man sich in erster Linie mit dem Kontext auseinandersetzen muss, um die Bedeutung einer Schriftstelle zu verstehen, ist ein Faktum, auf welches auch ich immer wieder hinweise. Ich werde Sie daher mitnichten der Spitzfindigkeit zeihen, sondern bin Ihnen im Gegenteil dankbar, dass Sie auf diesen Mangel in meiner Argumentation hinweisen und mir durch Ihren Kommentar die Gelegenheit geben, diese Fehler zu korrigieren.

Wie schon bei Ihrer vorigen Replik, muss ich Ihnen auch hier vollinhaltlich zustimmen. Meine Argumentation basiert natürlich auf den Kontext in Mt 12,24-28 bzw. Mk 3,30, sonst würde ich mir meiner Sache nicht so sicher sein. Hier diese, auch von Ihnen zitierten Texte einmal in vollem Umfang nachgereicht:

Dieser treibt die Dämonen nicht anders aus als durch den Beelzebul, den Obersten der Dämonen.

Mt 12,22 Dann wurde ein Besessener zu ihm gebracht, blind und stumm; und er heilte ihn, so daß der Stumme redete und sah. 12,23 Und es erstaunten die ganzen Volksmengen und sagten: Dieser ist doch nicht etwa der Sohn Davids? 12,24 Die Pharisäer aber sagten, als sie es hörten: Dieser treibt die Dämonen nicht anders aus als durch den Beelzebul, den Obersten der Dämonen.

12,25 Da er aber ihre Gedanken wußte, sprach er zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst entzweit ist, wird verwüstet; und jede Stadt oder jedes Haus, die mit sich selbst entzweit sind, werden nicht bestehen. 12,26 Und wenn der Satan den Satan austreibt, so ist er mit sich selbst entzweit. Wie wird denn sein Reich bestehen? 12,27 Und wenn ich durch Beelzebul die Dämonen austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein. 12,28 Wenn ich aber durch den Geist Gottes die Dämonen austreibe, so ist also das Reich Gottes zu euch gekommen. Mt 12,22-28;

Weil sie sagten: Er hat einen unreinen Geist.

Mk 3,28 Wahrlich, ich sage euch: Alle Sünden werden den Söhnen der Menschen vergeben werden und die Lästerungen, mit denen sie auch lästern mögen; 3,29 wer aber gegen den Heiligen Geist lästern wird, hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig; - 3,30 weil sie sagten: Er hat einen unreinen Geist. Mk 3,28-30;


Bei meiner obigen Darstellung bin ich dann leider argumentativ in der Offenbarung „hängengeblieben” und habe es verabsäumt, auf diese Texte am Ende explizit hinzuweisen. Und dies ist deshalb problematisch, weil die Aussagen dieser Bibelstellen ja die Grundlage für meine abschließende Interpretation sind. Dankenswerter Weise haben Sie nun nicht nur auf diesen Umstand hingewiesen, sondern auch gleich die richtigen Zusammenhänge aufgezeigt, sodass - wie ich meine - keine weiteren Erklärungen mehr erforderlich sind.


Vielleicht sollten wir jedoch noch auf eine Frage eingehen, welche Sie oben wiederholt anklingen ließen und welche aus meiner Erfahrung auch vielen Geschwistern im Herrn immer wieder in den Sinn kommt: „Habe ich diese Sünde wider den Heiligen Geist begangen?”

Für jene Menschen, welche diese Frage aus gläubigem Herzen und nicht in einem bösen Geist stellen, welcher dann ergänzt: „Wenn nicht, dann muss ich das schleunigst nachholen” - auch solche Menschen gibt es (z. B. Satanisten) -, gibt es hier eine Antwort, welche m. E. ebenso einfach wie richtig ist:

Wer sich als gläubiger Christ die Frage stellt: „Habe ich die Sünde wider den Heiligen Geist begangen?” - egal zu welchem Zeitpunkt in seinem Leben -, kann davon ausgehen, dass die Antwort „Nein” ist. (Sonst wäre er mit Sicherheit kein gläubiger Christ mehr!)


Und dies deckt sich nun ziemlich genau mit der von Ihnen in Ihrer ersten Replik intuitiv geäußerten Meinung:

„Was mich betrifft, so habe ich den Heiligen Geist im Laufe meines Lebens sicherlich verschiedentlich betrübt und auch manche Sünde auf mich geladen, aber trotz allem ist er immer noch da, sonst würde ich dies auch kaum schreiben.”





[1] Die Tübinger Offensive Stadtmission eV (TOS) entstand 1986 zunächst als überkonfessioneller Gebetskreis von Christen aus unterschiedlichen Gemeinden. Erst 1990 wurde die TOS als neue Gemeinde gegründet, nachdem die Gruppe ein kräftiges Wachstum (besonders aus der Esoterik-Szene Tübingens) erlebt hatte. Die TOS ist ein Teil der „Charismatisch-pfingstlichen Bewegung”.

Als der Leiter der TOS Jobst Bittner darauf angesprochen wurde, dass er für seine Tätigkeit Geld von den Anhängern verlangen und erhalten würde, sagte er: „Das Wort Gottes spricht eindeutig von diesem Prinzip von Saat und Ernte. Und da wo ich säe, ernte ich. Das macht jeder Bauer. Und wir machen in der Tat phänomenale Erfahrungen auch damit.”

(Aus: „Hallelujah oder Amen” - Österreichischer Rundfunk Fernsehen (ORF), Hörbilder 13. 12. 2003)


Diese „phänomenalen Erfahrungen” dürften sich dann auch auf das Abkassieren hoher Geldsummen beschränken. Denn die Erfahrungen des Geistes Gottes dürften hier eher zu wünschen übrig lassen. Das zeigt auch und insbesondere die völlig falsche Auslegung des zitierten Bibeltextes.

Mit „Saat und Ernte” ist in der Bibel natürlich nicht das Verbreiten von charismatischem Gedankengut und im Gegenzug ein Abkassieren der Leichtgläubigen gemeint. Dieser Schrifttext ist nicht materiell sondern rein spirituell zu verstehen. Wenn wir das Wort Gottes der Bibel den Menschen wahrhaftig und aufrichtig weitergeben - die Saat - so wird der Herr dies in den Herzen dieser Menschen wachsen und zur Reife kommen lassen - die Ernte. Und das, ohne dass sie einem Menschen untertan sein oder verehren müssten, ohne dass sie irgendeinem Verein beitreten müssten und ohne dass sie viel Geld verpflichtend an diese „Brüder” abführen müssten.

Allerdings möchte die TOS noch mehr Geld kassieren. Auf ihrer Website hat sie den völlig undifferenzierten Aufruf an alle, die gerade hereinschauen:

„Wir suchen 1.000 Personen, die uns mit 5,- ₢ monatlich unterstützen und damit helfen, unsere Projekte zu einem erheblichen Teil finanziell abzudecken.”

Dass diese „Projekte” auch die erheblichen Gehälter für die „leitenden Mitarbeiter” von TOS beinhalten, zu denen auch Bittner und seine Frau gehören, ist nicht schwer zu erraten, da sich die TOS nach eigenen Angaben zu 100% aus Spendengeldern finanziert.