Diskurs 67 - Die allegorische Hermeneutik und die wörtliche Auslegung.




Die allegorische Hermeneutik und die wörtliche Auslegung. / Vortrag Jürgen Haizmann 00, 2003.

Die Autorität der wörtlichen Auslegung. / Vortrag Jürgen Haizmann 01, 2003.

Jona und der Fisch - eine Allegorie? / Artikel bei "Life is More"

Die wahre "Karwoche" - Tabellarische Übersicht über die Woche der Kreuzigung.

Tod und Auferstehung des Herrn nach drei Tagen - eine Metapher?

Sind die Schöpfungstage 24-Stunde-Tage? / Vortrag Jürgen Haizmann 02, 2003.


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Die allegorische Hermeneutik und die wörtliche Auslegung. / Vortrag JH 00, 2003*) )

Christus sagt: Ich bin die Tür. Das ist ein Bild. Christus will damit sagen: ich bin der Zugang zum Vater. Damit will er nicht sagen, dass er aus Holz ist und eine Türklinke hat, sondern er will damit sagen, dass er der Zugang ist. Wir verstehen also die Bilder, die die Schrift gebraucht und wir nehmen dieses Bild so wie es da steht, wortwörtlich. Das ist Allegorie, dass wir ein Bild als Bild erkennen, als Bild verstehen und die wörtliche Bedeutung dieses Bildes auch erfassen. Das ist die richtige Allegorie. Die falsche Allegorie, die allegorische Hermeneutik, ist etwas anderes. Und ich möchte noch einmal den Unterschied klar machen: In der falschen Allegorie wird nämlich Wortwörtliches bildhaft ausgelegt. Dort wo etwas wortwörtlich steht – und Gott schuf Himmel und Erde und es wird beschrieben, dass er es in sieben Tagen geschaffen hat, da heißt es dann, das darf man nicht wortwörtlich verstehen sagen viele, das ist bildhaft. Aber hier steht es wortwörtlich. Und die allegorische Hermeneutik sagt jetzt einfach, das ist nicht wortwörtlich zu verstehen, sondern man muss es bildlich verstehen. Diese sieben Tage sind sieben Zeitabschnitte von Jahrhunderttausenden oder von Jahrmillionen. Und so packen dann viele die Evolution rein oder geben Gott ein bisschen mehr Zeit, alles geschaffen zu haben. Wie auch immer. Es wird einfach geleugnet, dass das wortwörtlich ist. Das ist allegorische Hermeneutik – also völlig verkehrt. Wortwörtliches wird bildhaft umgedeutet.

*) Dieser Ausschnitt ist der Aufzeichnung eines Vortrags von Jürgen Haizmann, München, über "Eschatologie" entnommen.



Den obigen Aussagen von J. Haizmann über die wörtliche Auslegung, muss man natürlich voll und ganz zustimmen. Auch wenn der Herr in Jh 10,9 sagt: „Ich bin die Tür”, ist er natürlich nicht „aus Holz und hat eine Türklinke”.

Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, so wird er errettet werden.

Jh 10,7 Jesus sprach nun wieder zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür der Schafe. 10,8 Alle, die vor mir gekommen sind, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe hörten nicht auf sie. 10,9 Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, so wird er errettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden. 10,10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen und zu schlachten und zu verderben. Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Überfluß haben. Jh 10, 7-10;


Auch im anschließenden Text bei Johannes meint der Herr nicht er sei tatsächlich ein Schafhirte und wir die Schafe.

Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe.

Jh 10,11 Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe. 10,12 Wer Mietling und nicht Hirte ist, wer die Schafe nicht zu eigen hat, sieht den Wolf kommen und verläßt die Schafe und flieht - und der Wolf raubt und zerstreut sie - 10,13 weil er ein Mietling ist und sich um die Schafe nicht kümmert. 10,14 Ich bin der gute Hirte; und ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, 10,15 wie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne; und ich lasse mein Leben für die Schafe. Jh 10,11-15;


Dies alles ist eindeutig Allegorie und dies wird auch niemand ernsthaft bestreiten wollen. Nun ist allerdings in Off 7,4-8 von 144.000 Versiegelten aus jedem Stamm Israels die Rede, wobei jeder einzelne der zwölf Stämme namentlich angeführt wird:

Und ich hörte die Zahl der Versiegelten: 144000 Versiegelte, aus jedem Stamm der Söhne Israels.

Off 7,4 Und ich hörte die Zahl der Versiegelten: 144000 Versiegelte, aus jedem Stamm der Söhne Israels. 7,5 Aus dem Stamm Juda 12000 Versiegelte, aus dem Stamm Ruben 12000, aus dem Stamm Gad 12000, 7,6 aus dem Stamm Asser 12000, aus dem Stamm Naftali 12000, aus dem Stamm Manasse 12000, 7,7 aus dem Stamm Simeon 12000, aus dem Stamm Levi 12000, aus dem Stamm Issaschar 12000, 7,8 aus dem Stamm Sebulon 12000, aus dem Stamm Josef 12000, aus dem Stamm Benjamin 12000 Versiegelte. Off 7, 4- 8;


Und hier scheuen nun manche Exegeten auch außerhalb der allegorischen Hermeneutik (nicht J. Haizmann soviel mir bekannt!) nicht zurück und deuten diese zwölf Stämme - Israel hin oder her - „allegorisch” auf die christliche Gemeinde aller Zeiten. Wer derart eindeutige Schriftaussagen aus eigenem Gutdünken uminterpretiert - aus welchen Gründen auch immer -, betreibt unter dem Vorwand der allegorischen Deutung schlicht und einfach Schriftfälschung.

(Siehe auch Diskurs 06: „Die 144.000 Versiegelten: Israeliten oder die Gemeinde der Endzeit?”)


Und J. Haizmann argumentiert dann auch an anderer Stelle sehr gut, warum nur die wörtliche Auslegung die Gewähr dafür bietet, dass die Schrift objektiv und für alle nachprüfbar interpretiert wird:



(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Die Autorität der wörtlichen Auslegung. / Vortrag JH 01, 2003*) )

Wenn wir die Bibel nicht wortwörtlich nehmen, dann können wir auslegen was wir wollen, es spielt keine Rolle (...). Wir haben keine Grundlage zu sagen, warum ausgerechnet meine Methode der Auslegung die richtige sein soll, wenn ich die Bibel nicht wortwörtlich nehme. Nehme ich die Bibel wortwörtlich, muss ich all das, was ich auslege, durch und durch begründen können mit der Schrift, ohne in Widersprüche zu geraten mit der Schrift. Ich hab das einzige System, das zuverlässig ist für die Auslegung, das ist die wörtliche Auslegung. Alle anderen Auslegungen haben keinerlei Autorität sich auf irgendein Prinzip berufen zu können, das es glaubhaft macht. Da steht die göttliche Autorität dahinter, das ist die Wahrheit, diese Auslegung ist allein die wahrhaftige und göttlich richtige. Zu diesem Schluss kann man nicht kommen, wenn man die Bibel nicht wörtlich auslegt.

*) Dieser Ausschnitt ist der Aufzeichnung eines Vortrags von Jürgen Haizmann, München, über „Eschatologie” entnommen.



Treffender kann man es fast nicht formulieren! Genau das ist die große Gefahr: wenn eindeutig verständliche Texte nicht wörtlich und konkret, sondern symbolisch und allegorisch ausgelegt werden, können alle möglichen - und unmöglichen! - Deutungen herauskommen. Bis dahin, dass die Aussagen des Textes ins Gegenteil verkehrt werden, ohne dass es jemand überprüfen könnte. Daher muss sich seriöse Bibelexegese an jenes Prinzip halten, welches schon unseren Vätern im Glauben als Grundlage gedient hat:

Mit Allegorien haben wir es in der Schrift immer dann zu tun, wenn die Aussagen und Darstellungen unseren Erfahrungen von den Realitäten dieser Welt widersprechen. Dazu gehört beispielsweise die Aussage des Herrn, dass er die Tür sei oder auch das Tier mit den sieben Häuptern und zehn Hörnern aus Off 13,1. Solche Tiere sind uns unbekannt und daher ist diese Aussage als Allegorie einzustufen. Jene Texte der Schrift, welche wir jedoch aufgrund unserer Kenntnis von der Schöpfung als realistisch einschätzen können, sind primär auch real - also wörtlich - zu interpretieren.

Dabei müssen wir allerdings berücksichtigen, dass unsere Kenntnisse über die Schöpfung ständig erweitert werden. Einmal durch ernstzunehmende Entdeckungen der Wissenschaft, viel mehr aber noch durch die Einblicke, welche uns die Schrift selbst in die Gegebenheiten und Zusammenhänge über diese sichtbare Welt hinaus gewährt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Aussage des Herrn in Mt 12,38-40:

Jona und der Fisch - eine Allegorie?

Wie Jona im Bauch des Fisches, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und Nächte im Herzen der Erde sein.

Mt 12,38 Dann antworteten ihm einige der Schriftgelehrten und Pharisäer und sprachen: Lehrer, wir möchten ein Zeichen von dir sehen! 12,39 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht begehrt ein Zeichen, und kein Zeichen wird ihm gegeben werden als nur das Zeichen Jonas, des Propheten.

12,40 Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte in dem Bauch des großen Fisches war, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein. Mt 12,38-40;


Wir wollen uns zuerst der hier naheliegenden Frage zuwenden, ob das Verschlucken eines Menschen durch einen großen Fisch realistischerweise möglich ist. Wir haben hier ja nicht nur den Bericht des Jona, in Jona 2,1-11, sondern auch die Bestätigung des Herrn in seiner Aussage oben, in der er die Begegnung Jonas mit dem Fisch als geschichtliche Tatsache angesehen hat. Dazu nun ein kurzer Auszug aus einer empfehlenswerten österreichischen Website:

(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Jona und der Fisch - eine Allegorie? / Artikel bei „Life is More”)

Eine Mannschaft war mit einem kleinen Boot von dem Mutterschiff hinausgefahren, um Wale zu harpunieren. Sie erspähten ein sehr großes Tier und harpunierten es erfolgreich. Das Tier wurde wütend, schoß auf das Boot zu und schlug um sich, wobei das Boot kenterte. Die ganze Mannschaft fiel ins Wasser und schwamm dem Mutterschiff zu, von wo aus man alles beobachtet hatte. Aber das wütende Tier griff erneut an, und ein Mann verschwand. Dieser Mann berichtete unter Eid, dass er auf einmal von einer mächtigen Welle ergriffen wurde, wonach es um ihn herum plötzlich stockfinster und entsetzlich warm wurde. Er merkte, wie er glatte, elastische Wände hinabglitt, und nach einigen Sekunden landete er in einem scharfen heißen Brei, welcher ihn sehr angriff. Er tastete um sich, um nach Halt zu suchen, wobei er allerlei halbfeste Gegenstände gewahrte, die oft auf seine Bewegungen reagierten. Er berichtete, dass der Gestank in dieser schwülen Luft unaushaltbar sei. Schrecken ergriff ihn, als er erkannte, wo er sich befand, nämlich im Bauch des harpunierten, wütenden Tieres.

Haben Sie jemals einen Hühnermagen geöffnet? Wissen Sie, wie es dort aussieht? Wissen Sie, wie es dort riecht? Möchten Sie sich darin befinden? Der Matrose befand sich in einer wahrhaftigen Totenhöhle, wo lauter halbtote, halbverdaute Gegenstände im Brei um ihn herum schwammen. Der Matrose lebte in einer echten Totenhöhle, in einer Totenhölle, im Schoß des Scheols, wie der Prophet Jona seine eigene Lage treffend beschrieb.

Der Matrose versuchte verzweifelt, die glatten Wände hinaufzuklettern, um herausgelangen zu können. Jedoch gelang es ihm nicht, er arbeitete sich ein wenig hoch und glitt dann jedesmal wieder zurück. Der scharfe Brei und die erstickende Luft griffen ihn derart an, dass er bald wahnsinnig und ohnmächtig wurde. Das Tier tauchte nach einiger Zeit wieder an die Oberfläche und wurde dort von dem wartenden Schiff getötet. Beim Aufschneiden fand man den vermißten Mann. Er lag bewußtlos da, lebte aber noch. Seine Haut war sehr gelb, seine Augen und Ohren stark angegriffen. Als er nach langer Zeit zu sich kam, war er wahnsinnig. Aber nach einigen Monaten genas er, und auf Wunsch anderer gab er eine eidesstattliche Erklärung über seine schrecklichen Erlebnisse ab. Diese eidesstattliche Erklärung kann man in dem Buch von Dr. Rimmer (Science, Religion and Reality) lesen.

Also die biblische Geschichte von Jona ist tatsächlich möglich, sie hat sich sogar mehrmals, wie Rimmer berichtet in letzter Zeit wiederholt.

(Dieser Auszug wurde der Website „Life is More” http://www.Life-is-More.at entnommen.)



Soweit zur Realität derartiger Vorfälle. Doch nun zu jenem Teil in der Aussage des Herrn, oben, in Mt 12,38-40, welche uns eine Einsicht in Realitäten vermittelt, welche über das sichtbare Spektrum unserer irdischen Dimension hinausgehen. In Mt 12,40 sagt der Herr:

„Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte in dem Bauch des großen Fisches war, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.”


Die wahre "Karwoche" - Tabellarische Übersicht über die Woche der Kreuzigung.

 Tag  Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag Montag
 Zeit       18  0618  0618  0618  0618  0618  0618
13. Nisan 14. Nisan 15. Nisan 16. Nisan 17. Nisan 18. Nisan 19. Nisan         
        Tag NachtTag   NachtTag   NachtTag   NachtTag   NachtTag   NachtTag           



















Rüsttag zu
Pessach


ab 18 Uhr
 Abendmahlfeier

Festnahme in
Gethsemane

Kreuzigung

15 Uhr
Tod am Kreuz

~18 Uhr
Grablegung


Beginn
Pessach

Großer
jährlicher
Sabbat













Rüsttag
Sabbat

Kauf des Öls
und der Salben














Wöchentlicher
Sabbat












~18 Uhr
Auferweckung


Erster
Wochentag

Frauen kommen
zur leeren Gruft
































(Bitte beachten: Nach der jüdischen Tageseinteilung beginnt der Tag um 18 Uhr und endet an unserem heutigen nächsten Tag um 18 Uhr.)

(Siehe auch Diskurs 87: „Das Turiner Grabtuch - Das Zeichen des Jona”)


Tod und Auferstehung des Herrn nach drei Tagen - eine Metapher?

Die Aussage, dass der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein wird, deuten nun viele Ausleger - im Prinzip durchaus richtig - als einen Hinweis auf Tod und Auferstehung Jesu. Wenn man sich jedoch der Mühe eines eingehenden Schriftstudiums unterzieht, erkennt man, dass hier viel mehr geoffenbart wird und dass dies gerade einmal die Oberfläche des Gesamtzusammenhangs darstellt. Um diesen zu verstehen, wollen wir uns einige weitere Schriftstellen ansehen.

Er ist auch hinabgefahren in die Tiefen der Erde.

Eph 4,8 Darum heißt es (Psalm 68,19): »Er ist aufgefahren zur Höhe und hat Gefangene mit sich geführt und hat den Menschen Gaben gegeben.« 4,9 Dass er aber aufgefahren ist, was heißt das anderes, als dass er auch hinabgefahren ist in die Tiefen der Erde? 4,10 Der hinabgefahren ist, das ist derselbe, der aufgefahren ist über alle Himmel, damit er alles erfülle. Eph 4, 8-10;

(Siehe auch das Kapitel 12: „Die Auferstehung.”)

Sehen wir uns zuerst eine Schriftstelle an, welche uns diese Zusammenhänge näher erklären kann. Petrus spricht in 1Ptr 4,3-6 davon, dass das Evangelium den Toten verkündigt worden ist.

Denn dazu ist auch den Toten gute Botschaft verkündigt worden.

1Ptr 4,3 Denn die vergangene Zeit ist uns genug, den Willen der Nationen vollbracht zu haben, als ihr wandeltet in Ausschweifungen, Begierden, Trunkenheit, Festgelagen, Trinkgelagen und frevelhaften Götzendiensten. 4,4 Hierbei befremdet es sie, daß ihr nicht mehr mitlauft in demselben Strom der Heillosigkeit, und sie lästern, 4,5 die dem Rechenschaft geben werden, der bereit ist, Lebende und Tote zu richten. 4,6 Denn dazu ist auch den Toten gute Botschaft verkündigt worden, damit sie zwar den Menschen gemäß nach dem Fleisch gerichtet werden, aber Gott gemäß nach dem Geist leben möchten. 1Ptr 4, 3- 6;


Mit der guten Botschaft ist natürlich das Evangelium vom Loskaufopfer des Sohnes Gottes am Kreuz von Golgatha für die Sünden der Menschen gemeint. Und jetzt erkennen wir, warum sich der Herr drei Tage und drei Nächte im Totenreich aufgehalten hat. Er war es, der den Toten in dieser Zeit diese gute Botschaft verkündet hat. Alle Menschen, welche bis zu Jesu Tod gestorben sind, konnten dieses Angebot zur Rettung noch nicht für sich in Anspruch nehmen, weil zu ihren Lebzeiten dieses Opfer noch nicht erbracht worden war. Nunmehr, nach dem Opfertod des Sohnes Gottes am Kreuz, sollten nach der Gerechtigkeit Gottes nicht nur die Lebenden, sondern auch alle bis dahin verstorbenen Menschen die Möglichkeit erhalten, den stellvertretenden Tod des Herrn für ihre Sünden persönlich für sich in Anspruch zu nehmen.

Und dieses Angebot galt natürlich auch für alle Menschen, welche vor der Flut gelebt hatten und welche Gott wegen ihrer Gewalttat auf Erden durch die Flut vernichtete.

Und Gott sah die Erde, und siehe, sie war verdorben; denn alles Fleisch hatte seinen Weg verdorben auf Erden.

1Mo 6,10 Und Noah zeugte drei Söhne: Sem, Ham und Jafet. 6,11 Die Erde aber war verdorben vor Gott, und die Erde war erfüllt mit Gewalttat. 6,12 Und Gott sah die Erde, und siehe, sie war verdorben; denn alles Fleisch hatte seinen Weg verdorben auf Erden. 6,13 Da sprach Gott zu Noah: Das Ende alles Fleisches ist vor mich gekommen; denn die Erde ist durch sie erfüllt von Gewalttat; und siehe, ich will sie verderben mit der Erde. 1Mo 6,10-13;


Wie uns nun Petrus in seinem ersten Brief weiter sagt, hat der Herr in diesen drei Tagen im Totenreich die frohe Botschaft natürlich auch diesen Menschen gepredigt, die in der Flut umgekommenen sind, um ihnen die Erlösung von ihren Sünden anzubieten:

Der Herr hat auch jenen gepredigt, die einst durch die Flut umgekommen sind.

1Ptr 3,18 Denn auch Christus hat einmal für die Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott führte, und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist.

3,19 In ihm ist er auch hingegangen und hat gepredigt den Geistern im Gefängnis, 3,20 die einst ungehorsam waren, als Gott harrte und Geduld hatte zur Zeit Noahs, als man die Arche baute, in der wenige, nämlich acht Seelen, gerettet wurden durchs Wasser hindurch. 1Ptr 3,18-20;


Daraus ist nun zu erkennen, das die gute Botschaft der Erlösung aus Gnade, durch das Loskaufopfer des Sohnes Gottes, tatsächlich allen Menschen verkündigt wird. Allen Menschen, welche bis zum Tod des Herrn gestorben sind, im Totenreich, durch den Herrn selbst. Allen Menschen, welche seit diesem Zeitpunkt auf diese Welt gekommen sind, durch die Verkündigung der christlichen Nachfolge. Und noch ein Zweites können wir daraus erkennen: die absolute Gerechtigkeit Gottes. Es wird keiner vergessen. Niemand, kein einziger Mensch der je gelebt hat und noch je leben wird, kann einmal beim Gericht sagen, er sei ungerecht behandelt worden.

Das ist also der Hintergrund dieser Aussage des Herrn in Mt 12,38-40: „so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein”. Manche Ausleger ersparen sich nun aber eine derartige Analyse und allegorisieren diese Aussage indem sie behaupten, dies sei einfach symbolisch zu verstehen und eine Metapher für den Tod Jesu Christi und seine Auferstehung nach drei Tagen. Wie man sieht, wird mit dieser Methode die wahre Dimension dieses Textes vollkommen verfehlt.

Dann haben wir aber noch eine weitere interessante Aussage des Herrn, welche sich auf das Totenreich bezieht:

Die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören, und die sie gehört haben, werden leben.

Jh 5,25 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, daß die Stunde kommt und jetzt da ist, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben, werden leben. 5,26 Denn wie der Vater Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, Leben zu haben in sich selbst; 5,27 und er hat ihm Vollmacht gegeben, Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist. 5,28 Wundert euch darüber nicht, denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören 5,29 und hervorkommen werden: die das Gute getan haben zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben zur Auferstehung des Gerichts. Jh 5,25-29;

Und der Tod und das Totenreich gaben die Toten, die in ihnen waren.

Off 20,13 Und das Meer gab die Toten, die in ihm waren, und der Tod und das Totenreich gaben die Toten, die in ihnen waren, und sie wurden gerichtet, ein jeder nach seinen Werken. Off 20,13;


Hier, in Jh 5,25-29 sagt der Herr den Juden, dass die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden. Und er spricht hier von mehreren derartigen Ereignissen (Stunden). Einmal (Jh 5,28-29) wird der Herr am Ende der Welt in das Totenreich hineinrufen und alle zu diesem Zeitpunkt noch im Totenreich befindlichen Toten werden diesen Ruf hören und in der Allgemeinen Auferstehung körperlich wieder lebendig werden und zum Letzten Gericht auferstehen.

(Siehe auch den Diskurs 97: „Auferweckung und Auferstehung - die Realitäten einer anderen Dimension.”)


Die biblische Dreieinigkeit.

Es gibt nur den einen und einzigen Gott in seinen drei Instanzen: Gott Vater als gesetzgebende Instanz, vergleichbar mit der Legislative in der menschlichen Gesellschaft, der Geist Gottes als Vollzugsinstanz, ähnlich der Exekutive und der Sohn Gottes als richterliche Instanz, ähnlich der Justiz. Gott hat den Menschen das Gesetz (die Gebote) gegeben (2Mo 24,12), der Heilige Geist registriert deren Einhaltung durch die Menschen, schreitet aber nur ein, wenn menschliche Aktionen den Plan Gottes beeinträchtigen könnten (2The 2,7) und der Sohn Gottes wird im Letzten Gericht/Weltgericht jeden einzelnen Menschen richten (Jh 5,22).

Die eigenständige geistliche Persönlichkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist und deren gleichzeitige Präsenz (Jh 14,10-11) im Geist des einen Gottes (Jh 4,24), kann im Zeitalter der Quantenverschränkung - der "spukhaften Fernwirkung" wie das Einstein nannte - und der vielen Beispiele in der Bibel von Manifestationen im Geist von Menschen (Mk 1,23-25; 5,6-8; Lk 11,24; aber auch Jh 14,23; 17,26!), nur für völlig uninformierte Zeitgenossen eine Frage sein.

Die Methode, derartige Zusammenhänge mit den alten Weisheiten der Kirchenväter erklären zu wollen (Konzil von Nicäa etc.), war schon bei deren Behauptung, die Erde wäre der Mittelpunkt des Universums ein Fehler (Die Schöpfung) und käme heute dem Versuch gleich, die Quantenmechanik mit den Gesetzen der klassischen Physik zu erklären.

Der eigentliche Grund, warum die Unitarier die Dreieinigkeit ablehnen (Es gibt keine Errettung außerhalb der Dreieinigkeit / CH. Spurgeon), ist einerseits der Umstand, dass man sich weigert, die Göttlichkeit des Sohnes Gottes, unseres Herrn Jesus Christus zu akzeptieren. Jesus Christus als Gott (Ps 45,7-8; Jh 20,28; Phil 2,5-8; 2Ptr 1,1; 1Jh 5,20) und sowohl seine Präexistenz (1Mo 1,26; 11,7) als auch seine Postexistenz bei Gott (Jh 14,23; 17,26!), würde ihr ganzes falsches Glaubensgebäude vom "Menschen Jesus" als "Glaubenskämpfer", "Kumpel" oder "Leidensvorbild" in Frage stellen und ad absurdum führen.

Andererseits aber, wurde die Dreieinigkeit - die "Trinität" - von der katholischen Kirche seit Jahrhunderten nach dem Gutdünken und dem "Gefühl" der alten Kirchenväter (Konzil von Nicäa etc.) und nicht nach den Aussagen der Bibel interpretiert. Dadurch war es den Vertretern des "Eingottglaubens" - den Unitariern - leicht möglich, diese Interpretation anhand der Bibel in Frage zu stellen.

Leider hat man aber dabei nicht die Gelegenheit genutzt, um die Bibel eingehend zu studieren und die tatsächlichen Aussagen über die Wesenheit Gottes, seines Sohnes und des Heiligen Geistes festzustellen, sondern hat die oberflächlichen Argumente nur benutzt, um dieses - ebenfalls falsche - Trinitätsdogma der katholischen Kirche anzugreifen.



Dann spricht der Herr aber davor, in Jh 5,25, von einer anderen „Stunde”, die kommt und in welcher er auch in das Totenreich hineinrufen wird. Allerdings wird dieser Ruf nicht von allen Toten gehört werden können. Jene Toten aber, die ihn hören, werden ebenfalls leben. Dies ist der Zeitpunkt der Auferweckung der Toten in Christo für die Entrückung bei der Wiederkunft des Herrn. Der Herr wird ins Totenreich hineinrufen und jene unter den Toten, welche ihn hören werden - nämlich die verstorbenen Gläubigen in Christus (und nur diese!) - werden auferstehen, mit einem Geistleib überkleidet werden und mit den dann noch lebenden verwandelten Gläubigen gemeinsam zum Herrn in die Luft entrückt werden (1The 4,15-17).

Doch gleichzeitig sagt der Herr hier auch, dass diese „Stunde” schon jetzt da ist, und er muss sich daher mit diesem Hinweis auch auf die unmittelbare Zukunft jener Zeit beziehen, in welcher er diese Aussage getätigt hat. Wenn diese Interpretation hier richtig ist, müsste daher die Aussage des Herrn, dass diese Stunde auch schon „jetzt” da ist, besagen, dass es auch damals schon eine Auferstehung von Gläubigen gegeben haben müsste. Und tatsächlich finden in Mt 27,50-53 ein solches Ereignis:

Die Gräber taten sich auf, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf.

Mt 27,50 Aber Jesus schrie abermals laut und verschied. 27,51 Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus. 27,52 Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, und die Gräber taten sich auf, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf 27,53 und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen. Mt 27,50-53;


Es war unmittelbar nach dem Tod des Herrn, als die aller erste Auferstehung überhaupt stattgefunden hat. Die Gräber taten sich auf und viele der verstorbenen Heiligen standen auf. Dies meinte der Herr, als er sagte, dass „die Stunde kommt und jetzt da ist”.

Doch kommen wir nun zum zweiten Teil der eingangs zitierten Aussage von J. Haizmann. Er sagt dort:


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Sind die Schöpfungstage 24-Stunden-Tage? / Vortrag JH 02, 2003*) )

Und ich möchte noch einmal den Unterschied klar machen: In der falschen Allegorie wird nämlich wortwörtliches bildhaft ausgelegt. Dort, wo etwas wortwörtlich steht – und Gott schuf Himmel und Erde -, und es wird beschrieben, dass er es in sieben Tagen geschaffen hat, da heißt es dann, das darf man nicht wortwörtlich verstehen sagen viele, das ist bildhaft. Aber hier steht es wortwörtlich. Und die allegorische Hermeneutik sagt jetzt einfach, das ist nicht wortwörtlich zu verstehen, sondern man muss es bildlich verstehen. Diese sieben Tage seien sieben Zeitabschnitte von Jahrhunderttausenden oder von Jahrmillionen. Und so packen dann viele die Evolution rein oder geben Gott ein bisschen mehr Zeit, alles geschaffen zu haben. Wie auch immer. Es wird einfach geleugnet, dass das wortwörtlich ist. Das ist allegorische Hermeneutik – also völlig verkehrt. Wortwörtliches wird bildhaft umgedeutet.

*) Dieser Ausschnitt ist der Aufzeichnung eines Vortrags von Jürgen Haizmann, München, über „Eschatologie” entnommen.



(Die Grundlage für das Verständnis der folgenden Interpretation bildet der Exkurs 12: „Die Schöpfung”.)

J. Haizmann wehrt sich also zu Recht gegen die Vertreter der allegorischen Hermeneutik, welche meinen, dass alle sieben Tage im Schöpfungsbericht bildhaft zu verstehen seien. Und er meint, dass damit geleugnet wird, dass es sich hier um ganz normale 24-Stunden-Tage handelt. Obwohl hier natürlich nicht der falschen Allegorie das Wort geredet werden soll, wollen wir uns doch ansehen, was diesbezüglich tatsächlich wortwörtlich in der Bibel steht und was sich daraus für Konsequenzen ergeben. Beginnen wir einmal mit den ersten drei Schöpfungstagen:

Der erste Tag.

1Mo 1,1 Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. 1,2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. 1,3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht. 1,4 Und Gott sah das Licht, daß es gut war; und Gott schied das Licht von der Finsternis. 1,5 Und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein Tag. 1Mo 1, 1- 5;

Der zweite Tag.

1Mo 1,6 Und Gott sprach: Es werde eine Ausdehnung mitten in den Wassern, und es sei eine Scheidung zwischen den Wassern und den Wassern! 1,7 Und Gott machte die Ausdehnung und schied die Wasser, die unterhalb der Ausdehnung von den Wassern, die oberhalb der Ausdehnung waren. Und es geschah so. 1,8 Und Gott nannte die Ausdehnung Himmel. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein zweiter Tag. 1Mo 1, 6- 8;

Der dritte Tag.

1Mo 1,9 Und Gott sprach: Es sollen sich die Wasser unterhalb des Himmels an einen Ort sammeln, und es werde das Trockene sichtbar! Und es geschah so. 1,10 Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Ansammlung der Wasser nannte er Meere. Und Gott sah, daß es gut war. 1,11 Und Gott sprach: Die Erde lasse Gras hervorsprossen, Kraut, das Samen hervorbringt, Fruchtbäume, die auf der Erde Früchte tragen nach ihrer Art, in denen ihr Same ist! Und es geschah so. 1,12 Und die Erde brachte Gras hervor, Kraut, das Samen hervorbringt nach seiner Art, und Bäume, die Früchte tragen, in denen ihr Same ist nach ihrer Art. Und Gott sah, daß es gut war. 1,13 Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein dritter Tag. 1Mo 1, 9-13;


Fassen wir also die ersten drei Schöpfungstage zusammen: am ersten Tag wurden die Himmel (Plural) und die Erde geschaffen. Am zweiten Tag schuf Gott eine „Ausdehnung”, (das hebräische Wort „rakia”. welches hier für „Ausdehnung” steht, bezeichnet den Luftraum oder die Atmosphäre), also den irdischen Himmel rund um die Erde. Und am dritten Tag schließlich entstanden die Meere, das trockene Land kam zum Vorschein und das Pflanzenwachstum nahm seinen Anfang.

Sehen wir uns nun den vierten Tag an:

Der vierte Tag.

1Mo 1,14 Und Gott sprach: Es sollen Lichter an der Wölbung des Himmels werden, um zu scheiden zwischen Tag und Nacht, und sie sollen dienen als Zeichen und

zur Bestimmung von Zeiten und Tagen und Jahren;

1,15 und sie sollen als Lichter an der Wölbung des Himmels dienen, um auf die Erde zu leuchten! Und es geschah so. 1,16 Und Gott machte die beiden großen Lichter: das größere Licht zur Beherrschung des Tages und das kleinere Licht zur Beherrschung der Nacht, und die Sterne. 1,17 Und Gott setzte sie an die Wölbung des Himmels, über die Erde zu leuchten 1,18 und zu herrschen über den Tag und über die Nacht und zwischen dem Licht und der Finsternis zu scheiden. Und Gott sah, daß es gut war. 1,19 Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein vierter Tag. 1Mo 1,14-19;


Und hier erleben wir nun eine doppelte Überraschung. Einerseits erkennen wir, dass die Sonne - die Voraussetzung für einen 24-Stunden-Tag auf der Erde - erst am vierten Schöpfungstag erschaffen wurde. In Konsequenz können daher die „Tage” davor nach der Schrift gar keine Tage à 24 Stunden gewesen sein. Und das wird andererseits auch noch durch die Aussage in 1Mo 1,14 bestätigt, wo es heißt, dass die Sonne dienen sollte „zur Bestimmung von Zeiten und Tagen”. Das heißt also, dass jene Tage, welche nach dem Willen Gottes dem Menschen zur Bestimmung von Zeiten und Jahren gegeben worden sind - also die irdischen Tage - erst mit der Erschaffung der Sonne am 4. Schöpfungstag ihren Beginn nahmen. Man kann daher korrekterweise erst ab dem 5. Schöpfungstag - mit der Erschaffung der ersten Tiere, der Fische und der Vögel -, von der Realität eines 24-Stunden-Tages auf Erden, mit Tag- und Nachtwechsel, ausgehen.

Dies alles ergibt sich nun aus der wortwörtlichen - und keinesfalls bildhaften! - Interpretation dessen, was hier in der Schrift geschrieben steht. Und wenn J. Haizmann in seiner eingangs zitierten Aussage die falsche Allegorie völlig zu Recht verurteilt und sich dagegen zur Wehr setzt, dann muss man ihm hier entgegenhalten, dass er mit der Behauptung, alle Schöpfungstage seien 24-Stunden-Tage gewesen, die wortwörtliche Bedeutung dieses Textes uminterpretiert und sich damit gerade selbst dieser falschen Allegorie schuldig macht. Und wenn er meint: „Und so packen dann viele die Evolution rein oder geben Gott ein bisschen mehr Zeit, alles geschaffen zu haben”, so hat er entweder diese Texte in der Schrift nicht richtig gelesen oder er leugnet, was hier wortwörtlich steht. Nämlich, dass die Sonne erst am vierten Schöpfungstag erschaffen wurde. Alle „Tage” welche davor waren, können daher keinen irdischen 24-Stunden-Tage gewesen sein.

Es geht hier nicht darum, „Gott ein bisschen mehr Zeit” zu geben. Gott hätte die gesamte Schöpfung mit Sicherheit auch in 5 Minuten erschaffen können. Doch wer die Schrift kennt, weiß, dass Gott in seiner Schöpfung auch immer mit seiner Schöpfung handelt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Speisung der 5000: Es waren 5000 Leute und sie hatten alle Hunger. Nun wäre es für den Herrn sicherlich ein Leichtes gewesen, durch den Heiligen Geist zu verfügen, dass sie alle sogleich satt sein sollten. Doch er nahm die vorhandenen kärglichen fünf Brote und zwei Fische, dankte dem Vater und dann teilten er und die Jünger beides so lange, bis auch der Allerletzte satt war und am Ende noch zwölf Körbe Fische übrig waren.

Und so hat Gott auch in der Schöpfung nach seinem Plan eines nach dem anderen erschaffen. Zuerst das Universum mit Raum, Materie, Licht und Finsternis (1Mo 1,1-5). Dann, zum vorbestimmten Zeitpunkt, die Erde mit ihren Gestirnen und allem pflanzlichen, tierischen und menschlichen Leben (1Mo 1,6-31). Und wer den Schöpfungsbericht genau liest, erkennt, dass die ersten drei Schöpfungstage und jene Tage, welche Gott in 1Mo 1,14 als irdische Tage zur Bestimmung von Zeiten und Jahren dem Menschen gegeben hat, zwei völlig unterschiedliche Kategorien sind. Das eine ist Gottesmaß, das andere Menschenmaß.

Eine Gegenüberstellung des ersten Schöpfungstages mit dem zweiten bis vierten Schöpfungstag, in der Tabelle am Ende vom Exkurs 12, zeigt, dass die mehrfachen Erwähnungen von „Himmel”, „Erde”, „Wasser”, „Tag”, „Nacht”, „Licht” und „Finsternis” keinesfalls Wiederholungen ein und desselben Vorgangs sind, sondern zu zwei ganz verschiedenen Schöpfungsakten gehören: Am ersten Tag die Erschaffung des Universums durch den Urknall und vom zweiten bis vierten Tag die Erschaffung der Erde mit ihren Gestirnen.

(Siehe auch den Exkurs 12: „Die Schöpfung.”)

Während man nun den weiter oben in diesem Diskurs erwähnten Auslegern, welche die 144.000 Versiegelten aus den 12 Stämmen Israels taxfrei als die christliche Gemeinde aller Zeiten uminterpretieren, gewiss nicht mangelnden Intellekt nachsagen kann, da es sich dabei offensichtlich um bewusste Umdeutung von Schriftstellen zur Bestätigung einer vorgefassten Meinung handelt, lässt die Interpretation aller Schöpfungstage als 24-Stunden-Tage doch eher auf eine gewisse Oberflächlichkeit schließen, wodurch das Gelesene in seiner ganzen Bedeutung nicht verstanden und die Zusammenhänge nicht erfasst werden können.

(Siehe auch den Diskurs 50: „Der Schöpfungsbericht in der Bibel.”)