Diskurs 68 - Haben Matthäus 24 und 25 keinen Bezug zu der Gemeinde?




Hat Matthäus 24 und 25 nichts mit der Gemeinde zu tun? / Vortrag Jürgen Haizmann 00 2003

Das Weltgericht über die auferstandenen Völker.

Die zehn Brautjungfrauen und die Braut.

Der treue und der böse Knecht.

Die Endzeitrede des Herrn.


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Hat Matthäus 24 und 25 nichts mit der Gemeinde zu tun? / Vortrag JH 00 2003)

Matthäus 24 und 25 hat nichts mit der Gemeinde zu tun. Wir haben große Reden: die Bergpredigt, dann Mt 24 und 25, das ist die Ölbergrede, dann die Rede im Obergemach, das ist an seine Jünger, das ist Jh 14, 15, 16, 17. Aber Mt 24 und 25 ist an das Volk Israel gerichtet und darf nicht auf Gemeinde bezogen und ausgelegt werden, wie es immer wieder manche versuchen und damit auch in Schwierigkeiten kommen. Da haben wir z. B. auch darin das Gleichnis von den Jungfrauen, von den zehn, fünf töricht, fünf klug. Und es heißt, dass der Bräutigam in einem anderen Land war und die zehn Jungfrauen haben auf ihn gewartet, bzw. die fünf klugen, die fünf törichten nicht. Und es wird immer wieder auf die Gemeinde und auf die Menschen heute ausgelegt. Stimmt überhaupt nicht. Der Bräutigam ist Christus und der Bräutigam ist mit der Braut weg. Es wartet ja auch nicht die Braut, sondern die Jungfrauen. Und das ist das Volk Israel. Ja, der Bräutigam kommt wieder mit der Braut und feiert die Hochzeit. Christus ist im Himmel dann mit der entrückten Braut und kommt dann sichtbar mit der Braut wieder auf diese Erde und dann findet das Hochzeitsmahl statt. Das ist dann die tausend Jahre messianische Herrschaft. Ja, und nur die Juden, die auf diesen Tag vorbereitet waren, sich bekehrt haben, sind dabei. Das kann man überhaupt nicht auf die Gemeinde auslegen und auf die Ungläubigen, die in der Gemeinde vielleicht grad da sind oder die man versucht zu evangelisieren. Und man versucht es mit diesem Text zu machen. Stimmt überhaupt nicht in diesem Zusammenhang.

*) Dieser Ausschnitt ist der Aufzeichnung eines Vortrags von Jürgen Haizmann, München, über „Eschatologie” entnommen.



J. Haizmann hat mit seiner Aussage, dass diese beiden Kapiteln des Matthäusevangeliums von manchen auf die Gemeinde gedeutet werden, durchaus Recht. Auch hier bei Immanuel.at ist dies der Fall. Allerdings ist es eine Sache, die Behauptung in den Raum zu stellen, Mt 24 und 25 seien an das Volk Israel gerichtet, und eine andere, ihre Stichhältigkeit anhand konkreter Schriftaussagen auch nachzuweisen. Da nun aber diese Frage doch von großer Wichtigkeit ist (Wiederkunft des Herrn und Entrückung!) soll hier die Gelegenheit genutzt werden, um diese Frage genauer zu untersuchen.

Das Weltgericht über die auferstandenen Völker.

Nachdem es absehbar ist, dass sich der Schwerpunkt der Analyse auf das Kapitel Mt 24 konzentrieren wird, J. Haizmann aber auch das Kapitel 25 mit einschließt, wollen wir hier mit dem Kapitel 25 beginnen und rückwärts schreitend versuchen jene Texte einzuordnen, welche aufgrund ihrer Aussagen tatsächlich mit dem Volk Israel zu tun haben. Der letzte Teil von Matthäus 25, nämlich Mt 25,31-46 umfasst das Gericht, in dem der Herr die Schafe von den Böcken scheidet.

Wenn der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit zum Gericht.

Mt 25,31 Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, 25,32 und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, 25,33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.

25,34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!

25,35 Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen. 25,36 Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr seid zu mir gekommen.

25,37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? 25,38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? oder nackt und haben dich gekleidet?

25,39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? 25,40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

25,41 Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! 25,42 Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. 25,43 Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen, und ihr habt mich nicht besucht.

25,44 Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? 25,45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. 25,46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben. Mt 25,31-46;


Aufgrund der Aussage oben, in Mt 25,32: „alle Völker werden vor ihm versammelt werden”, können wir schon einmal feststellen, dass dieser Text sich nicht an das Volk Israel, sondern an alle Völker der Welt richtet. Und hier wollen nun manche Ausleger ein „Gericht an lebenden Völkern ” bei der Wiederkunft des Herrn vor dem Millennium, sehen. Doch diese Ansicht kann anhand der Schrift relativ leicht widerlegt werden. Im letzten Vers Mt 25,46 heißt es: „Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben”. Während ein Eingang in das ewige Leben sowohl vor dem Millennium (die Entrückten!), als auch nach dem Millennium, beim Weltgericht möglich ist, ist jedoch eine Verurteilung der Ungerechten nach der Schrift nur am Ende der Welt, beim Letzten Gericht, nach der Allgemeinen Auferstehung möglich. Dies ergibt sich insbesondere auch aus dem Gleichnis des Herrn vom Unkraut des Ackers:

Nein, damit ihr nicht etwa beim Zusammenlesen des Unkrauts gleichzeitig mit ihm den Weizen ausreißt.

Mt 13,24 Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Mit dem Reich der Himmel ist es wie mit einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. 13,25 Während aber die Menschen schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging weg.

13,26 Als aber die Saat aufsproßte und Frucht brachte, da erschien auch das Unkraut. 13,27 Es kamen aber die Knechte des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn Unkraut?

13,28 Er aber sprach zu ihnen: Ein feindseliger Mensch hat dies getan. Die Knechte aber sagen zu ihm: Willst du denn, daß wir hingehen und es zusammenlesen? 13,29 Er aber spricht: Nein, damit ihr nicht etwa beim Zusammenlesen des Unkrauts gleichzeitig mit ihm den Weizen ausreißt.

13,30 Laßt beides zusammen wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Lest zuerst das Unkraut zusammen, und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber sammelt in meine Scheune! Mt 13,24-30;


Mit diesem Gleichnis hat der Herr aufgezeigt, dass das Gericht für die Ungerechten erst bei der Ernte, beim Letzten Gericht am Ende der Weltgeschichte erfolgen wird. Es gibt daher kein Gericht und keine Verurteilung der Ungerechten vor diesem Zeitpunkt, um nicht einen Ungerechten zu verurteilen, welcher möglicherweise noch zum Glauben kommen könnte. Das ist auch der Hintergrund dieses Gleichnisses.

Und auch, wenn wir die Aussage im Text weiter oben, in Mt 25,41, vom Gericht über die Schafe und Böcke ansehen:

Mt 25,41 Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!


dann erkennen wir an der Aussage „Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer”, dass es sich hier um keine Vorverurteilung irgendwann vor dem Millennium, sondern eben um das endgültige Urteil beim Letzten Gericht am Ende der Welt handelt, wonach die Ungerechten in das ewige Feuer geworfen werden. Und genau dies sagt uns auch de Herr in seinem Gleichnis vom Fischernetz:

So wird es auch am Ende der Welt gehen: die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden.

Mt 13,47 Wiederum gleicht das Himmelreich einem Netz, das ins Meer geworfen ist und Fische aller Art fängt. 13,48 Wenn es aber voll ist, ziehen sie es heraus an das Ufer, setzen sich und lesen die guten in Gefäße zusammen, aber die schlechten werfen sie weg. 13,49 So wird es auch am Ende der Welt gehen: die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden 13,50 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein. Mt 13,47-50;


Diese Stellen beweisen alle, dass es eine Verurteilung der Bösen und Ungerechten erst am Ende der Welt, beim Weltgericht gibt und nicht vorher. Das Argument schließlich, dass im Gerichtstext in Mt 25,32 davon die Rede ist, dass „alle Völker” vor dem Herrn versammelt werden und man demnach von lebenden Völkern ausgehen müsse, ist ein verkürzter Denkansatz. Die Bibel lehrt uns eine körperliche Auferstehung aller Menschen am Ende der Welt, zum Letzten Gericht. Nach dieser Auferstehung werden diese Menschen - wie zu ihren Lebzeiten - Völker aller Nationen sein. Ein auferstandener Deutscher wird ein Deutscher sein, ein auferstandener Amerikaner, ein Amerikaner, ein auferstandener Franzose, ein Franzose u.s.w. Daher werden in der Allgemeinen Auferstehung und beim Weltgericht tatsächlich alle - auferstandenen - Völker der Welt vor dem Herrn körperlich versammelt sein.

Und daher spricht auch der Herr im Gerichtstext in Mt 25,31-32 von „allen Völkern”, welche vor ihm versammelt sein werden:

Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden.

Mt 25,31 Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, 25,32 und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Mt 25,31-32;

Schicke deine scharfe Sichel und lies die Trauben des Weinstocks der Erde! Denn seine Beeren sind reif geworden.

Off 14,14 Und ich sah: und siehe, eine weiße Wolke, und auf der Wolke saß einer gleich einem Menschensohn, der auf seinem Haupt einen goldenen Siegeskranz und in seiner Hand eine scharfe Sichel hatte. 14,15 Und ein anderer Engel kam aus dem Tempel hervor und rief dem, der auf der Wolke saß, mit lauter Stimme zu: Schicke deine Sichel und ernte! Denn die Stunde des Erntens ist gekommen, denn die Ernte der Erde ist überreif geworden. 14,16 Und der auf der Wolke saß, warf seine Sichel auf die Erde, und die Erde wurde abgeerntet. 14,17 Und ein anderer Engel kam aus dem Tempel im Himmel hervor, und auch er hatte eine scharfe Sichel. 14,18 Und ein anderer Engel, der Macht über das Feuer hatte, kam aus dem Altar hervor, und er rief dem, der die scharfe Sichel hatte, mit lauter Stimme zu und sprach: Schicke deine scharfe Sichel und lies die Trauben des Weinstocks der Erde! Denn seine Beeren sind reif geworden. 14,19 Und der Engel warf seine Sichel auf die Erde und las den Weinstock der Erde ab und warf die Trauben in die große Kelter des Zornes Gottes. 14,20 Und die Kelter wurde außerhalb der Stadt getreten, und Blut ging aus der Kelter hervor bis an die Zügel der Pferde, 1600 Stadien weit. Off 14,14-20;


(Siehe auch die Tabelle 13: „Das Gericht über die auferstandenen Völker.”)


Darüber hinaus wäre es völlig unverständlich, wenn alle Völker, welche an einem bestimmten Tag vor dem Millennium auf Erden leben, gerichtet würden, während alle jene Menschen, welche noch bis zum Tag davor gestorben sind - sowohl Gläubige als auch Ungläubige -, erst beim Gericht am Ende der Welt ihr Urteil erhalten würden. Es ist also tatsächlich das Letzte Gericht, nach der Allgemeinen Auferstehung am Ende der Welt, von dem hier in Mt 25,31-46 gesprochen wird und nicht ein Völkergericht an lebenden Völkern, welches der Schrift vollkommen fremd ist. Das bestätigt uns übrigens auch der Hebräerbrief in doppelter Hinsicht:

Und wie es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht.

Hbr 9,27 Und wie es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht, 9,28 so wird auch der Christus, nachdem er einmal geopfert worden ist, um vieler Sünden zu tragen, zum zweiten Male ohne Beziehung zur Sünde denen zum Heil erscheinen, die ihn erwarten. Hbr 9,27-28;


Einmal heißt es in Hbr 9,27, dass es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben und danach das Gericht. Demzufolge kann es kein Gericht an lebenden Menschen geben. Nur auferstandene Tote können vor das Gericht Gottes kommen. Egal ob Gläubige oder Ungläubige! (Auch jene Gläubigen, welche bei der Entrückung noch leben, müssen bei ihrer Verwandlung/Überkleidung für einen Augenblick den Tod erleiden). Und dann steht hier auch ausdrücklich, der Herr wird „zum zweiten Male ohne Beziehung zur Sünde”, sondern „denen zum Heil erscheinen, die ihn erwarten”. Er wird also bei seiner Wiederkunft keine Ungläubigen richten, sondern zur Auferweckung und Entrückung derer in Christo kommen.

(Siehe auch Kapitel 062: „Die Wiederkunft des Herrn - 2. Teil: Die Entrückung.”)

(Siehe auch den Exkurs 04: „Gibt es ein Völkergericht an lebenden Nationen?”)

In der hier diskutierten Frage können wir daher festhalten, dass dieser Teil des Kapitels Matthäus 25 keinesfalls „an das Volk Israel gerichtet” ist, sondern alle Völker der Welt in der Allgemeinen Auferstehung zum Weltgericht betrifft.


Wenn wir nun im Kapitel Mt 25 weiter zurück gehen, haben wir in Mt 25,14-30 das Gleichnis des Herrn von den anvertrauten Talenten.

Und er gab einem jeden nach seinen eigenen Fähigkeiten.

Mt 25,14 Denn es ist wie bei einem Menschen, der außer Landes reiste, seine eigenen Knechte rief und ihnen seine Habe übergab: 25,15 und einem gab er fünf Talente, einem anderen zwei, einem anderen eins, einem jeden nach seiner eigenen Fähigkeit, und reiste außer Landes. Mt 25,14-15;


Mit dem „Menschen, der außer Landes reiste” ist natürlich Gott gemeint. Die Knechte, welchen er die Talente übergab, sind wir Menschen. Und nun heißt es, er gab „einem jeden nach seiner eigenen Fähigkeit”. Wir Menschen haben also von Gott, je nach unseren körperlichen und geistigen Fähigkeiten, gewisse Talente erhalten. Wobei das „Talent”, welches im Gleichnis ein damaliges Geldmaß darstellt (1 Talent waren 60 Minen oder 6000 Drachmen und entspricht heute etwa 24.000,-- Euro), in der Realität einer Begabung oder einer Fertigkeit entspricht. (Die Bezeichnung Talent im Deutschen für die Begabung eines Menschen ist übrigens genau von dieser Bibelstelle abgeleitet.)

Nach langer Zeit aber kommt der Herr jener Knechte und rechnet mit ihnen ab.

Mt 25,16 Sogleich aber ging der, welcher die fünf Talente empfangen hatte, hin und handelte mit ihnen und gewann andere fünf Talente. 25,17 So auch, der die zwei empfangen hatte, auch er gewann andere zwei. 25,18 Der aber das eine empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn.

25,19 Nach langer Zeit aber kommt der Herr jener Knechte und rechnet mit ihnen ab. 25,20 Und es trat herbei, der die fünf Talente empfangen hatte, und brachte andere fünf Talente und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir übergeben, siehe, andere fünf Talente habe ich dazugewonnen. 25,21 Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; geh hinein in die Freude deines Herrn. 25,22 Es trat aber auch herbei, der die zwei Talente empfangen hatte, und sprach: Herr, zwei Talente hast du mir übergeben; siehe, andere zwei Talente habe ich dazugewonnen. 25,23 Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; geh hinein in die Freude deines Herrn.

25,24 Es trat aber auch herbei, der das eine Talent empfangen hatte, und sprach: Herr, ich kannte dich, daß du ein harter Mann bist: du erntest, wo du nicht gesät, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; 25,25 und ich fürchtete mich und ging hin und verbarg dein Talent in der Erde; siehe, da hast du das Deine. 25,26 Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Böser und fauler Knecht! Du wußtest, daß ich ernte, wo ich nicht gesät, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe? 25,27 So solltest du nun mein Geld den Wechslern gegeben haben, und wenn ich kam, hätte ich das Meine mit Zinsen erhalten. 25,28 Nehmt ihm nun das Talent weg, und gebt es dem, der die zehn Talente hat! 25,29 Denn jedem, der hat, wird gegeben und überreichlich gewährt werden; von dem aber, der nicht hat, von dem wird selbst, was er hat, weggenommen werden. 25,30 Und den unnützen Knecht werft hinaus in die äußere Finsternis: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein. Mt 25,16-30;


Wie wir wissen, können Begabungen vielfältiger Natur sein: künstlerische Begabungen, handwerkliche Begabungen, geistige Begabungen usw. Und wenn wir jetzt das obige Gleichnis zu Ende denken, erkennen wir, dass es sich hierbei um die „Endabrechnung” Gottes mit uns Menschen handelt. Beim Letzten Gericht, am Ende der Welt, wird geprüft werden, ob wir diese, uns von Gott gegebenen Talente - was und wie stark oder schwach ausgeprägt sie auch immer sein mögen - auch für Gott eingesetzt und „Zinsen” gebracht haben. Wobei die einzigen „Zinsen”, welche wir Gott bringen können, jene Menschen sind, welche durch unseren Beitrag zum rechten Glauben an diesen Gott gekommen sind. Das ist das Einzige, was vor Gott zählt. Alles andere - ob nun jemand Nobelpreisträger, Staatsoberhaupt, Papst oder reichster Mann der Welt war - ist vor Gott null und nichtig. Und hier gilt die Regel, welche uns der Herr in Lk 12,48 sagt: Wem viel gegeben ist, von dem wird auch viel verlangt werden:

Jedem aber, dem viel gegeben ist - viel wird von ihm verlangt werden

LK 12,47 Jener Knecht aber, der den Willen seines Herrn wußte und sich nicht bereitet, noch nach seinem Willen getan hat, wird mit vielen Schlägen geschlagen werden; 12,48 wer ihn aber nicht wußte, aber getan hat, was der Schläge wert ist, wird mit wenigen geschlagen werden. Jedem aber, dem viel gegeben ist - viel wird von ihm verlangt werden; und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man desto mehr fordern. Lk 12,47-48;


Wenn wir nun aber unsere Begabungen nicht eingesetzt haben - oder, was noch schlimmer ist, sie nur dazu genutzt haben, um weltlichen Ruhm, Reichtum und Macht zu erlangen - werden wir im Gericht nicht bestehen, weil wir keine „Zinsen” vorzuweisen haben und deshalb in die ewige Verdammnis geworfen werden, wie der Herr zum Schluss dieses Gleichnisses sagt.

Wie also unschwer zu erkennen ist, gehört auch dieser Text zu der Beantwortung der Frage der Jünger nach dem Ende der Welt. Auch hier geht es um die Gerechten und beim unnützen Knecht um die Ungerechten und mit dem „Weinen und das Zähneknirschen” in der „äußersten Finsternis” ist ein eindeutiger Bezug auf das Letzte Gericht hergestellt. Auch dieser Teil in Mt 25 ist also nicht an das Volk Israel, sondern an alle Menschen - egal welcher Herkunft - gerichtet.

Die zehn Brautjungfrauen und die Braut.

Sodann kommen wir, am Beginn des Kapitels Matthäus 25, auf das Gleichnis von den zehn Jungfrauen. Nachdem dieser Text von J. Haizmann eingangs sehr ungenau bzw. überhaupt fehlerhaft zitiert wurde, wollen wir den Text im Detail durchsehen.

Als sie aber hingingen, zu kaufen, kam der Bräutigam, und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit.

Mt 25,1 Dann wird es mit dem Reich der Himmel sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und hinausgingen, dem Bräutigam entgegen.

25,2 Fünf aber von ihnen waren töricht und fünf klug. 25,3 Denn die Törichten nahmen ihre Lampen und nahmen kein Öl mit sich; 25,4 die Klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen samt ihren Lampen. 25,5 Als aber der Bräutigam auf sich warten ließ, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein.

25,6 Um Mitternacht aber entstand ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam! Geht hinaus, ihm entgegen! 25,7 Da standen alle jene Jungfrauen auf und schmückten ihre Lampen. 25,8 Die Törichten aber sprachen zu den Klugen: Gebt uns von eurem Öl! Denn unsere Lampen erlöschen. 25,9 Die Klugen aber antworteten und sagten: Nein, damit es nicht etwa für uns und euch nicht ausreiche! Geht lieber hin zu den Verkäufern und kauft für euch selbst! 25,10 Als sie aber hingingen, zu kaufen, kam der Bräutigam, und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit; und die Tür wurde verschlossen.

25,11 Später aber kommen auch die übrigen Jungfrauen und sagen: Herr, Herr, öffne uns! 25,12 Er aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht. 25,13 So wacht nun! Denn ihr wißt weder den Tag noch die Stunde. Mt 25, 1-13;


(Siehe auch Diskurs 66: „Das Reich der Himmel - Die zehn Brautjungfrauen.”)

Um vorerst die Aussagen von J. Haizmann richtig zu stellen: Wenn er eingangs meint:

„Und es heißt, dass der Bräutigam in einem anderen Land war und die zehn Jungfrauen haben auf ihn gewartet, bzw. die fünf klugen, die fünf törichten nicht.”


steht einmal nichts im Text von Mt 25,1-13 davon, dass der Bräutigam in einem anderen Land gewesen wäre. Dies verwechselt der Autor sichtlich mit dem weiter oben zitierten Gleichnis von den anvertrauten Talenten. Dort heißt es in Mt 25,14 „Denn es ist wie bei einem Menschen, der außer Landes reiste”. Doch dies ist eigentlich weniger relevant, als die Behauptung, dass die fünf törichten Jungfrauen nicht auf den Bräutigam gewartet hätten. Natürlich haben auch sie gewartet. Bis zu seiner Ankunft. Dann mussten sie allerdings feststellen, dass sie zu wenig Lampenöl hatten und nachdem die fünf Klugen ihnen nichts abgeben wollten, mussten sie Öl kaufen gehen, kamen dadurch zu spät und wurden nicht mehr zur Hochzeit eingelassen.

In der nächsten Aussage Haizmanns:

„Der Bräutigam ist Christus und der Bräutigam ist mit der Braut weg.”


ist die Assoziation des Bräutigams mit Christus durchaus richtig. Dass dieser jedoch „mit der Braut weg” ist, lässt sich aus dem Text beim besten Willen nicht herauslesen. Ganz im Gegenteil. In Mt 25,6 steht nicht: „Siehe, der Bräutigam mit der Braut!” sondern dort heißt es: „Siehe, der Bräutigam! Geht hinaus, ihm entgegen!”. Und wenn man die Gebräuche im Orient kennt, weiß man, dass Hochzeiten wegen der hohen Temperaturen nicht tagsüber, sondern am Abend stattfinden und dass dann der Bräutigam in das Haus der Brauteltern kommt, um mit der dort befindlichen Braut Hochzeit zu feiern und sie dann in sein eigenes Haus zu führen. Die Brautjungfrauen hatten die Aufgabe auf den Bräutigam zu warten, ihm bei seiner Ankunft entgegenzugehen und ihn ins Haus zur Braut zu geleiten. Es war also nicht „der Bräutigam mit der Braut weg”, sondern die Braut war im Haus ihrer Eltern und hat auf die Ankunft des Bräutigams gewartet.

Der Schriftbeweis hiefür ist der Umstand, dass die Braut in diesem Gleichnis überhaupt nicht erwähnt wird, der Bräutigam, der alleine gekommen ist aber dann in Mt 25,10 mit den fünf klugen Jungfrauen in das Haus hineingeht, um die Hochzeit zu feiern. Wenn die Braut nicht schon vorher im Haus gewesen wäre, hätte er dort wohl schwerlich die Hochzeit mit ihr feiern können. Wenn dieser Zusammenhang falsch interpretiert wird, kann das gesamte Gleichnis nicht verstanden werden.

Dann heißt es bei J. Haizmann weiter:

„Es wartet ja auch nicht die Braut, sondern die Jungfrauen. Und das ist das Volk Israel. Ja, der Bräutigam kommt wieder mit der Braut und feiert die Hochzeit. Christus ist im Himmel dann mit der entrückten Braut und kommt dann sichtbar mit der Braut wieder auf diese Erde und dann findet das Hochzeitsmahl statt. Das ist dann die tausend Jahre messianische Herrschaft.”


Schon der erste Satz dieser Aussage ist falsch. Natürlich wartet auch die Braut. Sie ist im Haus und wartet auf die Ankunft des Bräutigams ebenso wie die Jungfrauen vor dem Haus. Und hier nun die zehn Jungfrauen auf das Volk Israel zu deuten, ist eine völlige Missinterpretation des Sachverhalts. Dies ist sichtlich darauf zurückzuführen, dass man eine Entrückung vor der Großen Trübsal postuliert und nun hier, nach der Großen Trübsal, bei der Hochzeit des Lammes, keine Gemeinde mehr zur Verfügung hat und daher auf die Israeliten zurückgreifen muss. Und auch die Aussage, dass Christus mit der Braut sichtbar auf die Erde kommt und das Hochzeitsmahl sich auf das Tausendjährige Reich beziehen würde, wird diesem Text überhaupt nicht gerecht. Doch diese Sichtweise rührt wieder daher, weil man um jeden Preis die Gemeinde als die „Braut” sehen will. Und das, unbeschadet der Tatsache, dass Gott der Allmächtige in Hos 2,21 bestimmt, dass er sich mit Israel verloben will in Ewigkeit.

Und ich will dich mir verloben in Ewigkeit, und ich will dich mir verloben in Gerechtigkeit und in Recht und in Gnade und in Erbarmen.

Hos 2,17 Dann gebe ich ihr von dort aus ihre Weinberge und das Tal Achor als Tor der Hoffnung. Und dort wird sie willig sein wie in den Tagen ihrer Jugend und wie an dem Tag, als sie aus dem Land Ägypten heraufzog. 2,18 Und es wird geschehen an jenem Tag, spricht der HERR, da rufst du: Mein Mann! Und du rufst mich nicht mehr: Mein Baal! 2,19 Und ich entferne die Namen der Baalim aus ihrem Mund, und sie werden nicht mehr mit ihrem Namen erwähnt. 2,20 Und ich schließe für sie an jenem Tag einen Bund mit den Tieren des Feldes und mit den Vögeln des Himmels und mit den kriechenden Tieren des Erdbodens. Und Bogen und Schwert und Krieg zerbreche ich und entferne sie aus dem Land. Und ich lasse sie in Sicherheit wohnen.

2,21 Und ich will dich mir verloben in Ewigkeit, und ich will dich mir verloben in Gerechtigkeit und in Recht und in Gnade und in Erbarmen, 2,22 ja in Treue will ich dich mir verloben; und du wirst den HERRN erkennen. Hos 2,17-22


(Siehe auch den Diskurs 15: „Wer ist die 'Braut des Lammes'?”)

Und nachdem Gott kein Bigamist sein kann, gibt es eben nur diese eine Braut, nämlich aus dem Volk Israel. Daher ist im christlichen Gleichnis von den zehn Jungfrauen die Braut auch nicht erwähnt, denn sie kommt aus Israel. Es sind die 144.000 Versiegelten der Endzeit, 12.000 aus jedem der 12 Stämme Israels, die nach Off 14,4 „jungfräulich sind und dem Lamm folgen, wohin es auch geht”, sie sind „aus den Menschen als Erstlingsfrucht für Gott und das Lamm erkauft” worden. Diese Braut hat seit Alters her nie gewechselt. Die Hochzeitsgäste wurden wohl ausgetauscht - anstatt der Israeliten des Alten Bundes wurde die Gemeinde aus dem Neuen Bund als Hochzeitsgäste eingesetzt. Das zeigt auch der diesbezügliche Text in Mt 22,8-10:

Und der Hochzeitssaal wurde voll von Gästen.

Mt 22,8 Dann sagt er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Eingeladenen waren nicht würdig. 22,9 So geht nun hin auf die Kreuzwege der Landstraßen, und so viele immer ihr finden werdet, ladet zur Hochzeit ein. 22,10 Und jene Knechte gingen aus auf die Landstraßen und brachten alle zusammen, so viele sie fanden, Böse wie Gute. Und der Hochzeitssaal wurde voll von Gästen. 22,11 Als aber der König hereinkam, die Gäste zu besehen, sah er dort einen Menschen, der nicht mit einem Hochzeitskleid bekleidet war. 22,12 Und er spricht zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen, da du kein Hochzeitskleid hast? Er aber verstummte. 22,13 Da sprach der König zu den Dienern: Bindet ihm Füße und Hände, und werft ihn hinaus in die äußere Finsternis: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein. Mt 22, 8-13;


Und auch die Apostel - die Stammväter der Gemeinde - werden vom Herrn selbst als „Hochzeitsgäste”[1] bezeichnet.

Deine Jünger aber fasten nicht. - Können etwa die Hochzeitsgäste trauern?

Mt 9,14 Dann kommen die Jünger des Johannes zu ihm und sagen: Warum fasten wir und die Pharisäer oft, deine Jünger aber fasten nicht? 9,15 Und Jesus sprach zu ihnen: Können etwa die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, und dann werden sie fasten. Mt 9,14-15;


Nur wir als Gemeinde meinen, dass uns Hochzeitsgast zu sein, viel zu gering ist. Wir müssen schon Braut sein. Oder die Frau am Himmel. Oder die 24 Ältesten. Oder die 144.000 Versiegelten - was eben deshalb besonders perfide ist, weil diese 12.000 aus jedem der 12 Stämme Israels tatsächlich die echte Braut darstellen. Oder der Leib Christi - was als einziges zutreffen würde.

(Siehe auch den Diskurs 49: „Die Auserwählten aus Mt 24,31: Christliche Endzeitgemeinde oder Israeliten?”)

Wenn wir nun das Gleichnis von den zehn Jungfrauen richtig deuten wollen, müssen wir wieder an den Anfang von Kapitel Mt 24 gehen und die drei Fragen der Jünger betrachten. Und hier können wir erkennen. dass die dritte, die letzte Frage: „was ist das Zeichen der Vollendung des Zeitalters” mit den Gleichnissen von den anvertrauten Zentnern und dem Weltgericht beantwortet wurde. Was daher nun in unserer rückwärts gerichteten Betrachtung folgen muss, ist die Antwort auf die zweite Frage: „was ist das Zeichen deiner Ankunft”.

Der Herr prophezeit also hier mit den zehn Brautjungfrauen die Situation, wie sie sich bei seiner Wiederkunft darstellen wird. Hinsichtlich der Frage, inwieweit diese zehn Brautjungfrauen nun Juden oder die christliche Gemeinde darstellen, gibt es einige sehr gute Erklärungen. Eine davon finden wir bei Fritz Rienecker in seiner „Erklärung zu Matthäus” (Wuppertaler Studienbibel, R. Brockhaus Verlag, Wuppertal):

„Zehn ist die Zahl der Vollständigkeit. Zehn Gebote hat das Gesetz. Zehn Finger haben wir an beiden Händen. Zehn Personen gehören mindestens zu einer Synagogenversammlung. Der Zehnte gehört Gott. Zehn Saiten hat das Harfenspiel. Zehn Beleidigungen erschöpfen die Geduld. Zehn Brote reichen aus für eine Reise. Somit meint Jesus hier die Gemeinde in ihrer Gesamtheit. Alle Gläubigen werden, wenn der Herr kommt, entweder zur Gruppe der törichten oder aber zur Gruppe der klugen Jungfrauen gehören. Wiederum das heilige Entweder-Oder der Schrift! Eine Mittelgruppe gibt es nicht.”


Es ist tatsächlich so, dass es sich bei allen Zehn um gläubige Menschen handelt! Heißt es doch am Beginn dieses Gleichnisses, in Mt 25,1: „Dann wird es mit dem Reich der Himmel sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und hinausgingen, dem Bräutigam entgegen”. Sie werden also alle Zehn mit dem Reich der Himmel verglichen. Alle Zehn waren Brautjungfrauen, sie hatten alle Zehn Lampen und sie gingen alle Zehn dem Bräutigam entgegen. Sie sind also alle Zehn Teil der Gemeinde! Doch wie oben in Mt 22,12, im Gleichnis vom Hochzeitsmahl, einer zwar eingeladen war, aber kein Hochzeitskleid trug und deshalb in die äußerste Finsternis hinausgeworfen wurde, waren auch die fünf törichten Brautjungfrauen eingeladen, hatten aber nicht ausreichend Öl und wurden deshalb nicht mehr eingelassen.

Auf den ersten Blick scheinen diese beiden Gleichnisse des Herrn etwas unverständlich, ja fast ungerecht zu sein. Doch wir müssen diese Aussagen genauer betrachten, dann erkennen wir ihren Sinn. Wie bei allen Gleichnissen des Herrn, haben wir auch bei diesen beiden Darstellungen zwei Ebenen: einmal den irdischen Bezug, welcher das Verhalten dieser Menschen in ihrem weltlichen Umfeld charakterisiert und dann die geistliche Dimension, welche die Beziehung zu Gott aufzeigt. Beim Gleichnis vom Hochzeitsmahl trägt ein Gast kein Hochzeitskleid und daran erkennen wir auf der weltlichen Ebene, dass dieser Mensch die Gastgeber - also den König und seinen Sohn - mit Absicht brüskiert. Es ist in etwa vergleichbar in unserer heutigen Zeit, wenn geladene Gäste in Bluejeans erscheinen. Sie zeigen damit ihre Wertschätzung für den Gastgeber und sein Haus. Und diese Wertschätzung ist vergleichbar mit einem auszumistenden Kuhstall, für welche Tätigkeit diese Arbeitshose ja ursprünglich gedient hatte.

Auf der geistlichen Ebene müssen wir jenem alten Prinzip folgen, welches besagt, dass die Schrift immer auch durch die Schrift auszulegen ist. Es geht hier um die Hochzeitsgäste und das Hochzeitkleid. Eine ähnliche Situation finden wir auch in der Offenbarung bei der unzählbaren Volksmenge vor dem Thron in weißen Kleidern.

Diese haben ihre Gewänder gewaschen und sie weiß gemacht im Blut des Lammes.

Off 7,9 Nach diesem sah ich: und siehe, eine große Volksmenge, die niemand zählen konnte, aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen, stand vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Gewändern und Palmen in ihren Händen. 7,10 Und sie rufen mit lauter Stimme und sagen: Das Heil unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm! 7,11 Und alle Engel standen rings um den Thron und die Ältesten und die vier lebendigen Wesen, und sie fielen vor dem Thron auf ihre Angesichter und beteten Gott an 7,12 und sagten: Amen! Den Lobpreis und die Herrlichkeit und die Weisheit und die Danksagung und die Ehre und die Macht und die Stärke unserem Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

7,13 Und einer von den Ältesten begann und sprach zu mir: Diese, die mit weißen Gewändern bekleidet sind - wer sind sie, und woher sind sie gekommen? 7,14 Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind es, die aus der großen Bedrängnis kommen, und sie haben ihre Gewänder gewaschen und sie weiß gemacht im Blut des Lammes. 7,15 Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen. Off 7, 9-15;


Wie der Älteste dem Johannes erklärt, stehen diese Gläubigen hier im Himmel vor dem Thron Gottes, denn sie haben „ihre Gewänder gewaschen und sie weiß gemacht im Blut des Lammes”. Das bedeutet, sie haben das Loskaufopfer unseres Herrn am Kreuz für ihre Sünden in Anspruch genommen. Dadurch sind sie nunmehr gereinigt und sündenfrei - ihre Gewänder sind weiß. Und so verhält es sich auch mit den Kleidern der Hochzeitsgäste in Mt 22,11-12: sie haben alle die Sündenvergabe aus Gnade. Nur einer war ein halsstarriger Sünder, der dieses Angebot ausgeschlagen hatte und dann aber dennoch bei der Hochzeit dabei sein wollte. Er wurde in die Finsternis hinausgeworfen.

Im Gleichnis von den zehn Brautjungfrauen können wir auf der weltlichen Deutungsebene erkennen, dass der eigentliche Grund für diese Katastrophe der fünf Törichten gar nicht erwähnt wird. Es ist ihr Verhalten lange vor dem Eklat. Bevor sie zu dieser Hochzeit gegangen sind, hätten sie sich vergewissern müssen, ob sie genug Öl in ihren Lampen hatten. Das haben sie aber verabsäumt. Oder doch gemerkt, sich aber gesagt „Ach was, es wird schon irgendwie gut gehen. Lampenöl kann doch nicht heilsentscheidend sein”. Es sind im täglichen Leben z. B. jene Geschwister, welche beteuern, dass sie sich ja mit dem Glauben und dem Wort Gottes mehr befassen würden, wenn sie mehr Zeit dazu hätten. Und in ihren Gedanken meinen sie, für ein intensives Bibelstudium später in ihrem Leben noch genügend Zeit zu haben. Und am nächsten Tag haben sie einen Autounfall und sind tot.

Wenn wir nun die geistliche Dimension dieses Gleichnisses ausloten wollen, müssen wir darauf achten, dass es sich hier darum handelt, dass diese Törichten zuwenig Öl für ihre Lampen hatten. Die Bedeutung dieses Zusammenhangs lässt sich ebenfalls aus einer Aussage in der Offenbarung, nämlich in Off 11,3-4, über die zwei Zeugen Gottes erkennen:

Die zwei Zeugen sind die zwei Ölbäume und die zwei Leuchter.

Off 11,3 Und ich werde meinen zwei Zeugen Vollmacht geben, und sie werden 1260 Tage weissagen, mit Sacktuch bekleidet. 11,4 Diese sind die zwei Ölbäume und die zwei Leuchter, die vor dem Herrn der Erde stehen. Off 11, 3- 4;


Wie ihr Name schon sagt, geben diese beiden Männer Zeugnis. Zeugnis von Gott und dem Lamm. Sie sind „die zwei Ölbäume und die zwei Leuchter”. Und damit erkennen wir nun auch die Bedeutung des Öls und der Lampen der Brautjungfrauen im Gleichnis. Es geht hier um unser Zeugnis in der Welt von Gott und unserem Herrn Jesus Christus. Die fünf Törichten waren wohl gläubig, haben dies aber mehr oder weniger für sich behalten und sich geschämt, es anderen Menschen gegenüber - gläubigen und insbesondere ungläubigen - zu bekennen. Doch wie uns der Herr sagt: wenn wir uns des Herrn schämen, dann wird auch er sich unser schämen, wenn er kommt.

Wer sich meiner schämt, dessen wird der Sohn des Menschen sich schämen wenn er kommen wird.

Lk 9,26 Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird der Sohn des Menschen sich schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel. Lk 9,26;


Es nützt nichts, wenn wir - wie die fünf Törichten - den Herrn beim „Aufwachen”, also bei unserer Auferstehung, schnell bekennen wollen. Da ist es dann zu spät. Wie in allen anderen Belangen des menschlichen Lebens, müssen wir auch zu dieser Frage zu unseren Lebzeiten Stellung nehmen. Und in diesem Zusammenhang ist es nun immer wieder interessant festzustellen, dass der Mensch gern von dem und über das spricht, was er liebt. Wer gute Speisen liebt, spricht gern übers Essen, wer Tiere, Blumen oder Autos liebt, spricht gern davon und wer sich der Politik, Wissenschaft oder Kunst verschrieben hat, kann nicht genug darüber reden. Wieso nur glauben manche Geschwister, dass sie Gott lieben, ohne auch nur ein einziges Wort am Tag über ihn zu verlieren?

Doch hier sind auch viele Geschwister im Herrn angesprochen, welche meinen, weil ihr Mann, ihre Frau, ihr Sohn, ihre Tochter oder sonst ein nahestehender Mensch stark im Glauben und für den Herrn tätig ist, dass sie dadurch automatisch irgendwie „mitgerettet” wären und sich eine eigene Anstrengung ersparen könnten. Welch fataler Irrtum! Sie rechnen damit, dass ihnen bei der Wiederkunft des Herrn ihre Verwandten oder Bekannten ein wenig von deren „Öl” abgeben werden. Doch so wird es nicht sein. Wenn diese das tun würden, würde keiner von beiden gerettet werden können. Wie das auch die fünf klugen Jungfrauen den fünf törichten im Gleichnis sagen.

Wir sehen: sowohl im Gleichnis, als auch im täglichen Leben ist es die Oberflächlichkeit und Unzuverlässigkeit, welche diese Menschen daran gehindert hat, einen tieferen Glauben und eine echte Zugehörigkeit zum Herrn zu entwickeln. Wir müssen daher auch in der Gemeinde immer mit Menschen rechnen, auf die man nicht zählen kann. Und daher sagt ihnen der Herr auch im entscheidenden Moment: „Ich kenne euch nicht!”.

Im Zusammenhang mit der hier diskutierten Frage können wir daher feststellen, dass sich auch dieses Gleichnis definitiv nicht an das Volk Israel sondern ausschließlich an die Gemeinde richtet. Und bei der eingangs zitierten Deutung von J. Haizmann in Bezug auf die 5 klugen Brautjungfrauen:

„und nur die Juden, die auf diesen Tag vorbereitet waren, sich bekehrt haben, sind dabei. Das kann man überhaupt nicht auf die Gemeinde auslegen”

wurde offensichtlich nicht erkannt, dass jeder Mensch - egal welcher Nationalität, „ob Jude oder Grieche” (Gal 3,28) -, der sich zu Jesus Christus als seinen Herrn und Retter bekehrt, ein Christ ist. Und somit müssten nach J. Haizmann dann auch die 5 Klugen - als bekehrte Juden - Christen und Teil der Gemeinde sein und damit gibt es in diesem Gleichnis frisch wieder keine Juden. Das zeigt ganz klar, wer nun hier tatsächlich „in Schwierigkeiten” gerät.

Wenn wir nun dieses Gleichnis von den 10 Brautjungfrauen den Aussagen des Herrn über den Tag des Menschensohnes in Lk 17,30-37 gegenüberstellen, erkennen wir, das beide Schrifttexte identische Inhalte haben:

In jener Nacht werden zwei auf einem Bett sein; einer wird genommen und der andere gelassen werden.

Lk 17,30 Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Menschen geoffenbart wird. 17,31 An jenem Tag - wer auf dem Dach sein wird und sein Gerät im Haus hat, der steige nicht hinab, um es zu holen; und wer auf dem Feld ist, wende sich ebensowenig zurück. 17,32 Gedenkt an Lots Frau! 17,33 Wer sein Leben zu retten sucht, wird es verlieren; und wer es verliert, wird es erhalten.

17,34 Ich sage euch: In jener Nacht werden zwei auf einem Bett sein; einer wird genommen und der andere gelassen werden. 17,35 Zwei werden zusammen mahlen, die eine wird genommen, die andere gelassen werden. (17,36 Zwei werden auf dem Feld sein, einer wird genommen und einer gelassen werden.) 17,37 Und sie antworten und sagen zu ihm: Wo, Herr? Er aber sprach zu ihnen: Wo der Leichnam ist, da sammeln sich auch die Adler. Lk 17,30-37;


Ebenso, wie alle 10 Brautjungfrauen Teil der Gemeinde sind, aber letztlich nur 5 zur Hochzeit eingehen konnten, liegen auch hier zwei auf einem Bett. Es handelt sich daher nicht um Gläubige und Ungläubige, sondern es sind beides gläubige Menschen der endzeitlichen Gemeinde. Und auch hier wird es einen Teil geben, welche den Herrn bekannt und in der Welt für ihn Zeugnis gegeben haben und einen anderen Teil, welche das Bekenntnis gescheut und sich für ein Zeugnis geschämt haben. Daher sagt auch ihnen der Herr: „einer wird genommen und der andere gelassen werden”.

(Siehe auch den Diskurs 12: „Muss die Endzeitgemeinde zur Entrückung einen Bergungsort aufsuchen?”)


Der treue und der böse Knecht.

Damit kommen wir zum nächsten, davor liegenden Gleichnis, am Ende des Kapitels Matthäus 24.

Der treue und kluge Knecht, den sein Herr über sein Gesinde gesetzt hat, um ihnen die Speise zu geben zur rechten Zeit.

Mt 24,45 Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den sein Herr über sein Gesinde gesetzt hat, um ihnen die Speise zu geben zur rechten Zeit? 24,46 Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun finden wird! 24,47 Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über seine ganze Habe setzen. 24,48 Wenn aber jener als böser Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr läßt auf sich warten, 24,49 und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, und ißt und trinkt mit den Betrunkenen, 24,50 so wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiß, 24,51 und wird ihn entzweischneiden und ihm sein Teil festsetzen bei den Heuchlern: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein. Mt 24,45-51;


Auch dieses Gleichnis lässt sich eindeutig auf die Wiederkunft des Herrn beziehen. In Mt 24,46 heißt es ausdrücklich: „Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun finden wird!”. Und damit kann nur das nächste, das zweite Kommen des Herrn gemeint sein. Dem bösen Knecht wird beim Kommen des Herrn sein Teil bei den Heuchlern festgesetzt. Und diese werden dann beim Letzten Gericht am Ende der Welt ebenfalls in die Verdammnis fahren.

Auch dieses Gleichnis lässt sich nicht auf die Juden deuten, da - wie weiter unten ausgeführt wird - gerade die Juden seit ihrer Ablehnung des Sohnes Gottes keinen wie immer gearteten göttlichen Auftrag mehr haben. Ja mehr noch, sie haben bis zur Wiederkunft des Herrn, ihres Messias, zum Antritt seiner Herrschaft im Tausendjährigen Friedensreich, gar keinen Kontakt mehr zu ihrem Gott. Es geht daher in diesem Gleichnis um jene christlichen Knechte Gottes (Älteste/Prediger/Pastoren) welche dem „Gesinde” (der Gemeinde) die „Speise” (das Wort Gottes) zur rechten Zeit (vor dem Kommen des Herrn) geben. Und es geht um jene anderen Knechte, welche die Abwesenheit des Herrn dazu benutzen, ihre eigenen Machtgelüste in der Gemeinde auszuleben.

(Siehe auch den Diskurs 60: „Wann sollte ein Christ eine Gemeinde verlassen?”)

Die Endzeitrede des Herrn.

Nachdem auch dieses Gleichnis offensichtlich nicht an das Volk Israel gerichtet war, kommen wir zum restlichen Teil von Mt 24 und diesmal vom Beginn weg. Der erste Abschnitt, der „Anfang der Wehen” in Mt 24,4-14, sagt uns in Vers Mt 24,9 auch gleich von wem dieser Text handelt. Dort heißt es:

Ihr werdet von allen Nationen gehaßt werden um meines Namens willen.

Mt 24,9 Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen gehaßt werden um meines Namens willen. 24,10 Und dann werden viele verleitet werden und werden einander überliefern und einander hassen; Mt 24, 9-10;


Hier spricht der Herr zu den Jüngern und daher muss man natürlich berücksichtigen, dass die Apostel wohl von Geburt Juden, vom Glauben her jedoch die ersten Christen waren. Die Frage, ob Christus sie hier als Juden oder als Christen angesprochen hat, lässt sich aber relativ leicht beantworten. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass mit dem Hinweis des Herrn: „ihr werdet von allen Nationen gehasst werden um meines Namens willen”, der Name „Jesus” gemeint gewesen sein könnte. Daher kann es sich hier nur um den Namen „Christus” und damit nur um die Christen handeln. Wenn man allerdings weiß, dass das griechische „Christos” dem hebräischen „Messias” entspricht, könnte man auch dies auf Juden deuten. Doch es würde keinen Sinn ergeben, anzunehmen, dass die Juden wegen des Messias Jesus, den die Juden ja obendrein verworfen und ausgeliefert haben, von allen Nationen gehasst werden sollten. Das wäre nur dann denkbar, wenn plötzlich die ganze Welt aus "wiedergeborenen" Christen bestehen würde, was nicht nur aus biblischer Sicht völlig illusorisch ist.

Und wenn wir uns nun den Paralleltext bei Lukas ansehen, erkennen wir den tatsächlichen Hintergrund dieser Prophezeiung des Herrn:

Ihr werdet von allen gehaßt werden um meines Namens willen.

Lk 21,12 Vor diesem allem aber werden sie ihre Hände an euch legen und euch verfolgen, indem sie euch an die Synagogen und Gefängnisse überliefern, um euch vor Könige und Statthalter zu führen um meines Namens willen. 21,13 Es wird euch aber zu einem Zeugnis ausschlagen. 21,14 Setzt es nun fest in euren Herzen, nicht vorher darauf zu sinnen, wie ihr euch verantworten sollt! 21,15 Denn ich werde euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Widersacher nicht werden widerstehen oder widersprechen können. 21,16 Ihr werdet aber sogar von Eltern und Brüdern und Verwandten und Freunden überliefert werden, und sie werden einige von euch töten; 21,17 und ihr werdet von allen gehaßt werden um meines Namens willen. Lk 21,12-17;


In Lk 21,12 heißt es: „Sie werden euch verfolgen, indem sie euch an die Synagogen und Gefängnisse überliefern”. Hier erkennen wir, dass es sich hier um die Christen handelt, die wegen ihres Christseins in der Endzeit von allen Nationen gehasst werden und an die Juden in ihre Synagogen überliefert werden. Offensichtlich haben die Juden in diesem ersten Teil der Endzeit so etwas wie eine religiöse Oberhoheit, welche die christlichen Gläubigen verfolgen, inhaftieren und teilweise sogar töten lässt. Noch dazu, wo wir in Mt 24,12-13 eine Bestätigung dafür bekommen, dass diese Prophezeiungen zeitlich tatsächlich der Endzeit zuzuordnen sind. Dort sagt der Herr:

Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden.

Mt 24,12 und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe der meisten erkalten; 24,13 wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden. Mt 24,12-13;


Wenn der, der bis ans Ende ausharrt, errettet werden wird, können sich die in diesem Abschnitt der Endzeitrede des Herrn geschilderten Ereignisse nicht über Jahrhunderte erstrecken, sondern müssen sich in einem überschaubaren Zeitraum vor diesem Ende ereignen. Damit haben wir aber den Nachweis, dass es sich bei diesem Text um Prophezeiungen auf die Zeit kurz vor der Wiederkunft des Herrn, auf die Endzeit handelt. Und wenn Endzeitprophezeiungen, dann betrifft das die christliche Endzeitgemeinde und nicht das Volk Israel. Das Schicksal Israels wird erst am Ende der Endzeit, vor dem Millennium gewendet, wenn ihr Gott sie aus aller Welt sammeln wird und sie ihn mit Weinen und Wehklagen suchen werden. Dafür gibt es einen weiteren eindeutigen Schriftbeweis. Wir haben ebenfalls bei Matthäus, zwei Kapitel vorher, das Gleichnis des Herrn von Hochzeitsmahl. Dort geht es darum, dass ein König seinem Sohn die Hochzeit bereiten wollte und Gäste eingeladen hatte:

Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl habe ich bereitet. Kommt zur Hochzeit!

Mt 22,1 Und Jesus begann und redete wieder in Gleichnissen zu ihnen und sprach: 22,2 Mit dem Reich der Himmel ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit bereitete. 22,3 Und er sandte seine Knechte aus, um die Eingeladenen zur Hochzeit zu rufen; und sie wollten nicht kommen. 22,4 Wiederum sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! 22,5 Sie aber kümmerten sich nicht darum und gingen weg, der eine auf seinen Acker, der andere an seinen Handel. 22,6 Die übrigen aber ergriffen seine Knechte, mißhandelten und töteten sie. 22,7 Der König aber wurde zornig und sandte seine Truppen aus, brachte jene Mörder um und steckte ihre Stadt in Brand. Mt 22, 1- 7;


In diesem Gleichnis steht der König für Gott den Vater und der Sohn ist unser Herr Jesus Christus. Die zur Hochzeit Eingeladenen sind das Volk Israel und die Knechte sind die Propheten Gottes - der letzte von ihnen Johannes der Täufer. Sie hatten das Kommen des Messias' schon immer prophezeit und viele von ihnen wurden von den Königen Israels aus politischen Gründen - wie eben auch der Täufer - getötet. Doch wie im Gleichnis, war es dann auch in der Realität: die Israeliten „kümmerten sich nicht darum und gingen weg”. Als er gekommen war, haben sie ihren Messias zurückgestoßen und wollten nichts mit ihm zu tun haben. Die Reaktion des Königs war nun nur allzu verständlich: er ließ die Mörder seiner Knechte umbringen und ihre Stadt in Brand stecken. Eine Prophezeiung, welche sich dann im Jahre 70, bei der Eroberung Jerusalems durch Titus erfüllen sollte.

Und dann haben wir in diesem Gleichnis jene göttliche Entscheidung, welche die gesamte Weltgeschichte veränderte.

So geht nun hin, und so viele immer ihr finden werdet, ladet zur Hochzeit ein.

Mt 22,8 Dann sagt er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Eingeladenen waren nicht würdig. 22,9 So geht nun hin auf die Kreuzwege der Landstraßen, und so viele immer ihr finden werdet, ladet zur Hochzeit ein. 22,10 Und jene Knechte gingen aus auf die Landstraßen und brachten alle zusammen, so viele sie fanden, Böse wie Gute. Und der Hochzeitssaal wurde voll von Gästen. 22,11 Als aber der König hereinkam, die Gäste zu besehen, sah er dort einen Menschen, der nicht mit einem Hochzeitskleid bekleidet war. 22,12 Und er spricht zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen, da du kein Hochzeitskleid hast? Er aber verstummte. 22,13 Da sprach der König zu den Dienern: Bindet ihm Füße und Hände, und werft ihn hinaus in die äußere Finsternis: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein. 22,14 Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte. Mt 22, 8-14;


Nachdem also die eingeladenen Israeliten nicht würdig waren, hat Gott sie verworfen und seine - nunmehr christlichen - Knechte neuerlich ausgesandt, um alle einzuladen, welche immer sie finden konnten. Ähnlich wie bei Esau und Jakob, hatte also das Volk Israel hier sein Erstgeburtsrecht verraten und freiwillig darauf verzichtet. Damit war der Weg frei für die Heiden um zum Glauben zu kommen. Und nun erkennen wir, dass hier nicht nur die Hochzeitsgäste ausgetauscht wurden, sondern dass auch der „Hochzeitstermin” verschoben wurde. Nun sind die Knechte auch nicht mehr die Propheten, sondern die Aposteln und die Lehrer der christlichen Gemeinde bis in unsere Tage und darüber hinaus bis zur Wiederkunft des Herrn. Und wie beim ersten Mal, wird auch diesmal die Hochzeit beim Kommen des Sohnes - diesmal allerdings seinem zweiten Kommen - gefeiert werden.

In Bezug auf unser Thema können wir daher feststellen, dass Israel an diesem zweiten Heilsplan Gottes keinen Anteil mehr hat. Das Schicksal Israels wird wieder gewendet, wenn es durch seinen Messias gesammelt wird und im Millennium Haupt unter den Völkern werden wird (Jer 31,6-7). Bis zu diesem Zeitpunkt handelt jedoch weder die Heilsgeschichte und daher auch nicht Mt 24,31 vom Volk Israel, sondern einzig und allein von der christlichen Gemeinde. Dies lässt sich auch sehr gut am letzten Satz des obigen Gleichnisses erkennen. Dort heißt es:

Mt 22,14 Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte.


Wie der obigen Analyse zu entnehmen ist, sind diese Auserwählten ganz eindeutig als die neuen „Hochzeitsgäste”, also die Glieder der christlichen Gemeinde zu sehen und nicht als Israeliten. Und in dem Satz, welcher hier vom eingangs zitierten Autor dem Volk Israel zugesprochen wird, nämlich Mt 24,31:

Mt 24,31 Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende.


haben wir mit den „Auserwählten” genau denselben grie. Verb: „eklektos” (=auswählen) stehen, wie ihn der Herr auch in der Aussage oben in Mt 22,14 verwendet. Damit dürfte erwiesen sein, dass es sich auch bei den „Auserwählten” von Mt 24,31 um die christliche Endzeitgemeinde bei der Entrückung handelt und nicht um eine vorzeitige Sammlung von Israeliten.

Diese Fehlinterpretation ist sichtlich darauf zurückzuführen, dass die Entrückung bei den Prätribulationisten vor der Großen Trübsal angesetzt wird und nach dieser Sicht hier, beim zweiten Kommen des Herrn, welches ganz eindeutig und unmissverständlich - sowohl in Mt 24,29ff als auch in Off 6 und 7 - nach der Großen Trübsal erfolgt, die christliche Gemeinde auf Erden abhanden gekommen ist, weil man sie bereits hat „auferstehen lassen”. Daher muss man aus dieser Sicht dann auch diese Stellen gezwungner Maßen auf Israel auslegen.

Und damit kommen wir schließlich zu jenen Aussagen in Mt 24, welche realistischer Weise überhaupt erst die Vermutung aufkommen lassen könnten, dass die in diesem Kapitel angesprochenen Menschen Juden sein könnten. In Mt 24,15 werden „die in Judäa” aufgefordert in die Berge zu fliehen, wenn sie den Gräuel der Verwüstung an heiliger Stätte stehen sehen.

Wenn ihr nun den Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte stehen seht, dann sollen die in Judäa auf die Berge fliehen.

Mt 24,14 Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen. 24,15 Wenn ihr nun den Greuel der Verwüstung, von dem durch Daniel, den Propheten, geredet ist, an heiliger Stätte stehen seht - wer es liest, der merke auf! -, 24,16 dann sollen die in Judäa auf die Berge fliehen; 24,17 wer auf dem Dach ist, soll nicht hinabsteigen, um die Sachen aus seinem Haus zu holen; 24,18 und wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu holen. 24,19 Wehe aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! 24,20 Betet aber, daß eure Flucht nicht im Winter geschehe noch am Sabbat!

24,21 Denn dann wird große Bedrängnis sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird. 24,22 Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden. 24,23 Wenn dann jemand zu euch sagt: Siehe, hier ist der Christus, oder dort! so glaubt es nicht! 24,24 Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und werden große Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen. 24,25 Siehe, ich habe es euch vorhergesagt. 24,26 Wenn sie nun zu euch sagen: Siehe, er ist in der Wüste! so geht nicht hinaus! Siehe, in den Kammern! so glaubt es nicht! 24,27 Denn wie der Blitz ausfährt von Osten und bis nach Westen leuchtet, so wird die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. 24,28 Wo das Aas ist, da werden sich die Adler versammeln. Mt 24,14-28;


Als Erstes wollen wir diesen Satz im Vers Mt 24,15 „Wenn ihr nun den Greuel der Verwüstung, (…), an heiliger Stätte stehen seht” etwas genauer betrachten. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass mit der „heiligen Stätte” der Tempel in Jerusalem gemeint ist. Nachdem im Jahre 70 der 2. Tempel (erbaut durch Herodes, nach dem 1. Tempel von Salomo) durch die Römer zerstört und bisher nicht mehr aufgebaut wurde, bedeutet dies, dass zur Erfüllung dieser Prophezeiung bis dahin ein neuer, ein dritter Tempel errichtet werden wird.

Des weiteren ist der Aussage in Mt 24,16: „... sollen die in Judäa auf die Berge fliehen” zu entnehmen, dass es sich hier nicht nur um einige wenige Personen handeln kann. Judäa umfasste damals ein Gebiet von etwa 80 mal 80 Kilometer, also ca. 6400 km2, mit der großen Stadt Jerusalem in fast zentraler Lage. Es muss sich daher um eine relativ große (Volks-) Gruppe handeln, die im ganzen Land Judäa verstreut wohnt, welche zur Flucht aufgefordert wird, wenn sie diesen Gräuel der Verwüstung im Tempel stehen sehen. Nachdem nun auch aus dem Text in Mt 24,17-20 zu erkennen ist, dass diese Flucht unter äußerster Zeitnot erfolgen wird, ist es daher nicht denkbar, dass alle diese Menschen selbst im Tempel in Jerusalem gewesen sein werden, um den Gräuel der Verwüstung zu sehen. Es ist auch höchst unwahrscheinlich, dass diese Information durch mündliche Weitergabe über 6000 Quadratkilometer verbreitet werden würde, denn auch dazu könnte dann ja die Zeit nicht ausreichen. Wenn also alle in Judäa dieses Ereignis zeitgleich sehen - was dieser Text ja insinuiert - bleibt als einzige Möglichkeit, dass die Aufstellung dieses Gräuels im Fernsehen oder sonstigen visuellen Medien übertragen wird.

Damit erkennen wir einerseits, dass hier bereits vor zweitausend Jahren die Übertragungsmedien der Zukunft vorhergesehen wurden. Aber auch - und das ist für die weitere Erklärung hier sehr wichtig -, dass es nicht ausschließlich Juden sein werden, welche diesen Gräuel der Verwüstung im Tempel sehen werden (Nichtjuden dürfen ja nicht in den Tempel). Man kann daher davon ausgehen, dass die Aufstellung dieses Gräuels im Tempel zu Jerusalem ein Ereignis sein wird, welches live übertragen wird und daher weltweit empfangen und gesehen werden kann.

Wie man sieht, lässt sich an dem Umstand, dass in Mt 24,16 „Judäa” erwähnt wird, keinesfalls eine Bestätigung dafür herauslesen, dass hier nur Juden angesprochen sind. Wenn der Herr Jesus - was weiter unten anhand der Schrift nachgewiesen wird - überhaupt keinen Grund hatte, mit diesen Aussagen ausgerechnet die Juden zu warnen, dann kann mit „die in Judäa” nur die Gruppe der Christen in Judäa, also ein Teil der Endzeitgemeinde gemeint sein, welchen hier die schnelle Flucht in die Berge des Landes geraten wird.

In der Parallelstelle zu diesem Matthäustext bei Lukas, in Lk 21,20-24 erfahren wir dann auch den Grund für diese Flucht:

Alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe ins Gebirge.

Lk 21,20 Wenn ihr aber sehen werdet, dass Jerusalem von einem Heer belagert wird, dann erkennt, dass seine Verwüstung nahe herbeigekommen ist. 21,21 Alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe ins Gebirge, und wer in der Stadt ist, gehe hinaus, und wer auf dem Lande ist, komme nicht herein. 21,22 Denn das sind die Tage der Vergeltung, dass erfüllt werde alles, was geschrieben ist. 21,23 Weh aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! Denn es wird große Not auf Erden sein und Zorn über dies Volk kommen, 21,24 und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt unter alle Völker, und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind. Lk 21,20-24;


Und hier wird nun schnell klar, dass es nicht die Juden sind, die durch Flucht ins Gebirge hier gerettet werden sollen. Denn ganz abgesehen davon, dass ohnehin kein einziger mosaisch gläubiger Jude diesem Rat des Herrn Folge leisten würde, da Jesus Christus für die Juden ein Betrüger und Gotteslästerer ist, erklärt seine Aussage in Lk 21,22-24, dass dies „die Tage der Vergeltung” sind, „dass erfüllt werde alles, was geschrieben ist” und „Zorn über dieses Volk kommen” wird und „sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes”. Es sind daher im Gegenteil gerade die Juden, welche hier von Gott gestraft und von ihren Feinden gefangen weggeführt werden unter alle Völker und Jerusalem wird zertreten werden.

(Siehe auch die Tabelle 05: „Synopse der Endzeitreden des Herrn.”)


Eine dieser Prophezeiungen, welche der Herr oben in Lk 21,22 mit seinem Hinweis: „dass erfüllt werde alles, was geschrieben ist” meint, finden wir im AT in Sach 14,1-2 (siehe auch Jes 5,25-30; Jer 4, 5-22; etc.):

Denn ich werde alle Heiden sammeln zum Kampf gegen Jerusalem.

Sach 14,1 Siehe, es kommt für den HERRN die Zeit, dass man in deiner Mitte unter sich verteilen wird, was man dir geraubt hat. 14,2 Denn ich werde alle Heiden sammeln zum Kampf gegen Jerusalem. Und die Stadt wird erobert, die Häuser werden geplündert und die Frauen geschändet werden. Und die Hälfte der Stadt wird gefangen weggeführt werden, aber das übrige Volk wird nicht aus der Stadt ausgerottet werden. Sach 14, 1- 2;

Wenn wir nun die bisherige Analyse betrachten, erkennen wir folgenden Zusammenhang: In jenem Abschnitt der Endzeit, welcher an den „Anfang der Wehen” anschließt, wird es eine weltweite Christenverfolgung geben. Alle Menschen - selbst die nächsten Verwandten - werden die Christen hassen, sie verfolgen und sie an die Juden als religiöse Oberinstanz, welche mit der herrschenden weltlichen Macht kooperieren wird, ausliefern. Später in der Endzeit jedoch, wird Gott diesen Frevel der Juden bestrafen und an Israel Rache nehmen. Dann wird der Zorn der Welt wieder über dieses Volk kommen, das Land wird von den Heiden erobert und die Bevölkerung gefangen weggeführt unter alle Nationen.

(Siehe auch Diskurs 08: „Muss das heutige Israel wieder in die Diaspora?”)


Den abschließende Beweis nun, dass Mt 24 und 25 tatsächlich einen schwerpunktmäßigen Bezug zur Gemeinde haben und die Juden durch die Erwähnung von Jerusalem, dem Tempel, Judäa etc. nicht Hauptadressaten dieses Textes, sondern schlicht und einfach Bestandteil und Betroffene des Geschehens sind, finden wir auch bei Matthäus, im Gleichnis des Herrn von den Weingärtnern:

Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, die seine Früchte bringen wird.

Mt 21,33 Hört ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausherr, der einen Weinberg pflanzte und einen Zaun darum setzte und eine Kelter darin grub und einen Turm baute; und er verpachtete ihn an Weingärtner und reiste außer Landes. 21,34 Als aber die Zeit der Früchte nahte, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, um seine Früchte zu empfangen. 21,35 Und die Weingärtner nahmen seine Knechte, einen schlugen sie, einen anderen töteten sie, einen anderen steinigten sie. 21,36 Wiederum sandte er andere Knechte, mehr als die ersten; und sie taten ihnen ebenso.

21,37 Zuletzt aber sandte er seinen Sohn zu ihnen, indem er sagte: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen! 21,38 Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Dieser ist der Erbe. Kommt, laßt uns ihn töten und sein Erbe in Besitz nehmen! 21,39 Und sie nahmen ihn, warfen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn. 21,40 Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er jenen Weingärtnern tun? 21,41 Sie sagen zu ihm: Er wird jene Übeltäter übel umbringen, und den Weinberg wird er an andere Weingärtner verpachten, die ihm die Früchte abgeben werden zu ihrer Zeit.

21,42 Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr nie in den Schriften gelesen: «Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden; von dem Herrn her ist er dies geworden, und er ist wunderbar in unseren Augen»? 21,43 Deswegen sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das seine Früchte bringen wird. 21,44 Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden; aber auf wen er fallen wird, den wird er zermalmen.

21,45 Und als die Hohenpriester und die Pharisäer seine Gleichnisse gehört hatten, erkannten sie, daß er von ihnen redete. 21,46 Und als sie ihn zu greifen suchten, fürchteten sie die Volksmengen, denn diese hielten ihn für einen Propheten. Mt 21,33-46;


Auch in diesem Gleichnis steht der Hausherr für Gott den Allmächtigen. Der Weinberg ist Israel, die Knechte sind die Propheten und die Weingärtner die religiösen Führer Israels. Wir erkennen hier, dass Gott immer wieder durch seine Propheten Israel gemahnt hat, sich von seinen bösen Wegen abzuwenden und zu seinem Gott umzukehren. Doch Israel hat auf die Propheten nicht gehört und sie gefangen genommen oder gar getötet, wie auch den letzten von ihnen, Johannes den Täufer.

Zum Schluss hat Gott nun seinen Sohn Jesus Christus gesandt. Doch die Schriftgelehrten zur Zeit Jesu und der Hohepriester Kaiphas mit dem Sanhedrin hatten schnell erkannt, dass dies der Erbe - also der Messias - war. Und sie hatten auch erkannt, dass sie ihre Macht und ihren Einfluss verlieren würden, wenn sie ihn als Messias und Sohn Gottes anerkennen würden. Und so hat man ihn durch falsche Zeugen als Betrüger und Gotteslästerer beschuldigt, verurteilt und an die Römer zur Kreuzigung ausgeliefert.

Was brauchen wir noch Zeugen? Siehe, jetzt habt ihr die Lästerung gehört.

Mt 26,57 Die aber Jesus gegriffen hatten, führten ihn weg zu Kaiphas, dem Hohenpriester, wo die Schriftgelehrten und die Ältesten versammelt waren. 26,58 Petrus aber folgte ihm von weitem bis zu dem Hof des Hohenpriesters und ging hinein und setzte sich zu den Dienern, um den Ausgang zu sehen. 26,59 Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten falsches Zeugnis gegen Jesus, um ihn zu Tode zu bringen; 26,60 und sie fanden keins, obwohl viele falsche Zeugen herzutraten. Zuletzt aber traten zwei falsche Zeugen herbei 26,61 und sprachen: Dieser sagte: Ich kann den Tempel Gottes abbrechen und in drei Tagen ihn wieder aufbauen. 26,62 Und der Hohepriester stand auf und sprach zu ihm: Antwortest du nichts? Was zeugen diese gegen dich? 26,63 Jesus aber schwieg. Und der Hohepriester sagte zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes! 26,64 Jesus spricht zu ihm: Du hast es gesagt. Doch ich sage euch: Von nun an werdet ihr den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den Wolken des Himmels. 26,65 Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat gelästert. Was brauchen wir noch Zeugen? Siehe, jetzt habt ihr die Lästerung gehört. 26,66 Was meint ihr? Sie aber antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig. 26,67 Dann spien sie ihm ins Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten; einige aber schlugen ihn ins Gesicht 26,68 und sprachen: Weissage uns, Christus, wer ist es, der dich schlug? Mt 25,57-68;


Und dann zitiert der Herr im Gleichnis weiter oben, in Mt 21,42, den Psalm 118,22-23:

Ps 118,22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. 118,23 Vom HERRN ist dies geschehen, es ist ein Wunder vor unseren Augen. Ps 118,22-23;


Der Eckstein ist Jesus Christus, die Bauleute sind die religiösen Führer Israels, die ihn verworfen haben, und dass er zum Eckstein wurde bedeutet, dass er gerade durch den Tod, zu welchen ihn die Israeliten verurteilt haben, zum Retter eines anderen Volkes - nämlich der zum Glauben an ihn kommenden Christen werden wird. Und dann finden wir im anschließenden Vers Mt 21,43 den bedeutungsvollen Satz:

Deswegen sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das seine Früchte bringen wird.”


Auch aufgrund dieser Aussage des Herrn ist es nicht denkbar, dass Mt 24 und 25 an das Volk Israel gerichtet wäre. Israel ist im gegenwärtigen Heilsplan Gottes mit den Nationen nur mehr Statist und nicht Hauptdarsteller. Das Reich (die Königsherrschaft) Gottes, welches hier den Juden genommen und jenem Volk gegeben wurde, das seine Früchte bringt und den Glauben an den Sohn Gottes bewahrt, nämlich den Christen, hat nach der Schrift drei Dimensionen:

DAS REICH / DIE KÖNIGSHERRSCHAFT GOTTES

1. Die Gnadenzeit (die geistige Dimension):
Gott herrscht mit seinem Geist im Geist der Gläubigen (bis zur Wiederkunft des Herrn).

2. Die Friedenszeit (die irdische Dimension):
Gottes Sohn herrscht im Friedensreich tausend Jahre auf Erden (im Millennium).

3. Die Ewigkeit (die himmlische Dimension):
Gott herrscht in alle Ewigkeit im Himmel (Gott ist alles in allem).


(Siehe hiezu auch die Tabelle im Diskurs 66: „Die drei Dimensionen der Königsherrschaft Gottes.”)


Der restliche Teil von Matthäus Kapitel 24, Mt 24,29-56, behandelt die Wiederkunft des Herrn und die Sammlung der Auserwählten. Eine Analyse dieser Aussagen auf ihren Bezug zu Juden und Christen findet sich im Diskurs 38.

(Siehe auch den Diskurs 38: „Was erwartet Juden und Christen bei der Wiederkunft des Herrn?”)





Zusammenfassung

Außer den Prophezeiungen auf Jerusalem, die Zerstörung des Tempels durch die römischen Soldaten des Titus, im Jahre 70 n.Chr. und auf die weltweite Zerstreuung des Volkes Israel durch seinen Gott in Mt 24,2, sowie die Prophezeiungen auf die Tage der Vergeltung, die Eroberung und neuerliche Zerstreuung Israels in der Endzeit, betreffen die Aussagen der Kapitel Matthäus 24 und 25, wie hier nachgewiesen werden konnte, entweder alle Menschen oder sind an die Christen gerichtet.

Die eingangs zitierte Behauptung von J. Haizmann:

„Matthäus 24 und 25 hat nichts mit der Gemeinde zu tun (…) Mt 24 und 25 ist an das Volk Israel gerichtet und darf nicht auf Gemeinde bezogen und ausgelegt werden”,

unterzieht sich nicht der Mühe einer detaillierten Analyse und lässt obendrein völlig den Umstand außer Acht, dass das Volk Israel seit seiner Ablehnung des Messias und in der Folge der Zerstörung des Tempels und damit des Opferaltars in Jerusalem, keine wie immer geartete Verbindung mehr zu seinem Gott hat. Es sei denn, sie bekehren sich zu Jesus Christus - wodurch sie aber dann zu Christen werden - können Israeliten bis zur Wiederkunft des Herrn zum Antritt seiner Herrschaft im Tausendjährigen Friedensreich, nicht damit rechnen, dass ein göttliches Wort an sie gerichtet wird. Nachdem der Sohn Gottes von sich sagt:

Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.

Jh 14,6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich. Jh 14, 6;

Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht.

1Jh 2,23 Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater. 1Jh 2,23;


und alle mosaisch gläubigen Israeliten Jesus Christus als den Sohn Gottes und ihren Herrn - ja sogar als ihren Messias - absolut ablehnen, haben sie in der Zeit zwischen Tod bzw. Auferstehung des Herrn und seiner Wiederkunft keine Möglichkeit in eine Interaktion - sei es jetzt im Gebet oder mit Opfergaben - mit ihrem Gott zu treten. In Konsequenz der obigen Aussagen des Herrn sind sie daher auch seit fast zweitausend Jahren ein Gott-loses Volk und haben keine Sündenvergabe. Erst beim Kommen des Herrn zum Antritt seiner Herrschaft im Millennium, wenn er Israel aus aller Welt sammeln wird und sie auf ihn blicken und bitter über den weinen werden, den sie durchbohrt haben (Mt 24,30; Sach 12,10), wird Israel wieder mit seinem Gott versöhnt und Haupt unter den Nationen - also eine Weltnacht - auf Erden werden (5Mo 28,1; Jer 31,6-7). Das gilt auch und insbesondere für die fälschlich oft so gedeutete „Sammlung Israels durch seinen Gott” im Zuge der Staatengründung im Jahre 1948. Diese „Sammlung” ist nicht durch ihren Gott erfolgt, sondern war das Werk von Theodor Herzl und seinen Zionisten, welche - wie so oft in der Geschichte Israels - den Zeitpunkt Gottes wieder einmal nicht abwarten wollten und sich selbst wieder ein „goldenes Kalb” - den Staat Israel - gemacht haben.

(Siehe auch den Diskurs: 08 „Die Sammlung Israels: Bereits seit 1948 oder erst in der Endzeit?”)






[1] Hochzeitsgäste, Wörtlich: „Söhne des Brautgemachs”. Das sind die zur Hochzeit geladenen Freunde des Bräutigams, in unseren Breiten am ehesten mit „Trauzeugen” zu übersetzen. Sie waren während der Hochzeit Diener und Helfer des Bräutigams und ihre Hauptaufgabe bestand darin, dass sie zur Hochzeitsfeier beitrugen, was nur immer in ihren Kräften stand. - Die Hochzeitsfeier dauerte bei einer jungfräulichen Braut sieben Tage, bei einer Witwe drei Tage. Täglich erschienen neue Hochzeitsgäste. Nur die „Söhne des Brautgemachs”, die Freunde des Bräutigams, mussten die volle Woche bei dem Brautpaar ausharren.