Diskurs 69 - Die Prädestination und die Auserwählten.




Die Prädestination und die Auserwählten. / Kommentar Brunhilde Bollmeyer 00, 2004-07-13

Die Berufenen, Auserwählten und Treuen.

Die Prädestination und die Auserwählten. / Kommentar Brunhilde Bollmeyer 01, 2004-08-11

Können Gläubige ("Wiedergeborene") verloren gehen?

Erhört Gott unsre Gebete für die Bekehrung von Menschen? / Kommentar Bruno Hackbauer 00, 2005-02-09

Ist die Souveränität Gottes in Gefahr? / Buch James I. Packer 00, S 66ff

Gott will, dass alle Menschen errettet werden. / Kommentar Christian Bollmeyer 00, 2005-04-14

Gott entscheidet zuerst? / Predigt Wolfgang Nestvogel 00, CD : Predigten BEG Hannover, 2005-05-22


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Die Prädestination und die Auserwählten / Kommentar B. Bollmeyer 00, 2004-07-13)

In Offb. 17,14 wird das Lamm Krieg führen mit den Königen und diese überwinden. Das ist mir ja auch klar, aber mit dem Herrn sind Berufene, Auserwählte und Treue. Sind dies verschiedene Personengruppen oder sind es unterschiedliche Bezeichnungen für Gläubige? Die Frage nach der Prädestination (falls sie in diesem Zusammenhang auftaucht) ist mir ein Geheimnis. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir auch diese Frage noch einmal beantworten würden.

Brunhilde Bollmeyer brunhilde.bollmeyer@gmx.de



Mit dem Hinweis auf eine „Prädestination” (die göttliche Vorherbestimmung des Menschen zur Seligkeit oder Verdammnis) wird in christlichen Kreisen manchmal eine Argumentation begründet, aufgrund welcher dann manche Geschwister letztendlich meinen, dass es gar keiner ausdrücklichen Bekehrung bedarf, weil die „wahren” Gläubigen ohnehin auserwählt und seit Anbeginn der Welt in das Buch des Lebens/Lammes eingetragen sind und somit längst feststehen (Eph 1,4; Phil 4,3; Off 3,5; 13,8; 17,8; 20,12.15; 21,27).

Diese „Sicherheit”, welche hier den Geschwistern vorgegaukelt wird, ist in Wirklichkeit eine absolute Illusion. Einzig und allein die persönliche Bekehrung jedes einzelnen Menschen zu unserem Herrn Jesus Christus gibt uns die Sicherheit, dass wir letzten Endes gerettet sind. Der Grund für diese Fehlinterpretation ist m. E. eine völlig falsche Sicht dieser Zusammenhänge.

Eines der häufigsten Argumente, welches als Beweis für die Richtigkeit der Prädestinationslehre angeführt wird, sind die diesbezüglichen Aussagen des Paulus in seinem Brief an die Epheser:

Wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt.

Eph 1,3 Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus! Er hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt in Christus, 1,4 wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, daß wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe, 1,5 und uns vorherbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens, 1,6 zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade, mit der er uns begnadigt hat in dem Geliebten. Eph 1, 3- 6;


Diese Schriftaussagen - wie hier Eph 1,3-6 - sind nicht aus menschlich-irdischer Sicht zu sehen, sondern ausschließlich aus der ewigen Sicht des Allmächtigen. Gott, der aufgrund seiner Allwissenheit von jedem einzelnen Menschen der je gelebt hat und noch je leben wird, bereits von Grundlegung der Welt wusste, wie dieser sich in seinem Leben entscheiden wird - für oder gegen Gott - hat ihre Namen in das Buch des Lebens eingetragen.

Diesen Zusammenhang bestätigen uns auch Petrus in seinem ersten Brief und Paulus selbst in seinem Brief an die Römer:

Petrus, den Fremdlingen die auserwählt sind nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters.

1Ptr 1,1 Petrus, Apostel Jesu Christi, den Fremdlingen von der Zerstreuung von Pontus, Galatien, Kappadozien, Asien und Bithynien, die auserwählt sind 1,2 nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters, in der Heiligung des Geistes zum Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blut Jesu Christi: Gnade und Friede werde euch immer reichlicher zuteil! 1Ptr 1, 1- 2;

Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein.

Röm 8,28 Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind. 8,29 Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Röm 8,28-29;


Von den Vertretern einer Prädestinationslehre wird nun die Aussage des Paulus, oben in Eph 1,4-5, zwar völlig richtig zitiert, wie er sagt, dass uns der Vater „in Jesus Christus auserwählt hat vor Grundlegung der Welt (…) und uns vorherbestimmt zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst”. Aber man leitet dann davon ab, dass Gott bereits seit Ewigkeiten festgelegt hat, welche Menschen gerettet werden und welche nicht. Die logische Folge einer derartigen Sicht wäre eine Zweiteilung der Gesellschaft. Die Einen werden - zu Recht - darauf hinweisen, dass dies kein gerechter Gott sein kann, der dem Menschen keine Chance lässt diese Entscheidung selbst zu treffen. Die Anderen werden behaupten, dass sie ohnehin im Buch des Lebens stehen und es daher keinen Unterschied macht, ob sie nun ein gottgefälliges Leben führen oder nicht, sie hätten auf jeden Fall einen sicheren Platz in der Ewigkeit. Oder, wie Fritz Wolf es in seinem Beitrag im Diskurs 58 „Wie kannst Du wissen, ob Du errettet bist?” formuliert:

„Denn auf der einen Seite standen die, welche sich trotz Sehnsucht nach einem Gott wohlgefälligen Leben ihrer Errettung nie sicher waren und auf der anderen Seite jene, die ihre ‘Fahrkarte zum Himmel’ in der Tasche wähnten, aber sich um ein gottgefälliges Leben kaum Gedanken machten.”


(Siehe auch den Diskurs 58: „Wie kannst Du wissen, ob Du errettet bist?”)

Wie nun leicht zu erkennen ist, kann diese Sicht nicht richtig sein und wie wir in der Folge sehen werden, ist sie es auch tatsächlich nicht.

Beginnen wir mit den obigen Aussagen im Epheserbrief. Hier können wir zwei unterschiedliche Kriterien erkennen. Einmal sagt Paulus, dass Gott uns „in ihm” vor Grundlegung der Welt auserwählt hat. Das heißt, diese Auswahl ist nicht in einer willkürlichen Entscheidung, sondern in Jesus Christus erfolgt. Dieser Auswahl liegt daher ein Kriterium zugrunde: der Glaube an und die Zugehörigkeit zu unserem Herrn Jesus Christus. Diesen Glauben und diese Zugehörigkeit können wir aber wieder nur erlangen, wenn wir uns ganz persönlich zu Jesus Christus bekehren.

Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben.

Jh 3,36 Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm. Jh 3,36;


Und damit ist nun nicht eine Entscheidung Gottes, sondern unsere Entscheidung zur Nachfolge des Herrn die Basis dieser Auswahl. Diese, unsere Entscheidung kannte der allwissende Vater bereits vor Grundlegung der Welt und hat uns ausgewählt und in das Buch des Lebens eingetragen.

Zum anderen weist Paulus in Eph 1,5 darauf hin, dass Gott „uns vorherbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens”. Dies ist nun ganz gewiss und eindeutig eine Willensentscheidung des Vaters. Allerdings bezieht sich diese Entscheidung Gottes nicht auf die Auswahl, sondern darauf, dass er die - aufgrund ihrer Entscheidung für Jesus Christus - Auserwählten, in seiner Gnade zur Sohnschaft vorherbestimmt hat. Und Paulus bringt das dann auch in seinem Brief an die Römer, oben in Röm 8,29 zum Ausdruck, wenn er sagt: „Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes (in der Sohnschaft) gleichförmig zu sein”. Was daher in diesem Zusammenhang beachtet werden muss, ist der Umstand, dass Paulus hier bereits von den Auserwählten spricht. Jene Menschen, welche von Gott in seiner Allwissenheit erkannt wurden, weil sie sich in ihrem Leben für Jesus Christus entscheiden werden, sind also nach dem Willen des Vaters auch zur Sohnschaft/Kindschaft bestimmt.

Seht, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, daß wir Kinder Gottes heißen sollen!

1Jh 3,1 Seht, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, daß wir Kinder Gottes heißen sollen! Und wir sind es. Deswegen erkennt uns die Welt nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. 3,2 Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, daß wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. 1Jh 3, 1- 2;


Nun wird von den Vertretern einer Vorherbestimmung des Menschen durch Gott zum ewigen Leben oder zur ewigen Verdammnis auch manchmal argumentiert, dass der Mensch sich nicht frei entscheiden könne, weil er gar keinen freien Willen hat. J. Ph. Fijnvandraat formuliert das in seiner Darstellung „Können Gläubige ("Wiedergeborene") verloren gehen?” folgendermaßen:

(Anmerkung: die Bezeichnung „wiedergeboren” wird in den relevanten Stellen der Schrift mit „wiedergezeugt” übersetzt, weil eine Wiedergeburt nach Aussage des Herrn in Mt 19,28 erst bei der Auferstehung am Ende der Welt stattfindet. Mit diesem Hintergrund und um den üblichen Sprachgebraucht nicht zu stören wird der Terminus "wiedergeboren" jedoch hier beibehalten.)

(Siehe auch den Diskurs 85: „Die echte und die falsche Wiedergeburt.”)


„Ein Mensch wird eben nicht durch seinen vermeintlichen ‘freien’ Willen an den Platz der Errettung gebracht. Der Wille des Menschen ist so durch und durch sündig und böse, dass niemand errettet werden könnte, wenn Gott in seiner Gnade nicht Menschen vorherbestimmt, berufen und auserwählt hätte.”
(Entnommen der Website http://www.bibelkreis.ch/themen/glauverl.htm)


Dies heißt im Klartext, dass der Mensch angeblich keinen freien Willen hat und daher auch keine freie Entscheidung für oder gegen Gott treffen kann. Zur Überprüfung dieser Aussage müssen wir uns nur einige jener Schriftstellen ansehen, in welchen uns der Herr auffordert an ihn zu glauben:

Jh 3,36 Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm. Jh 3,36;

Jh 11,25 Jesus sprach zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; 11,26 und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit. Glaubst du das? Jh 11,25;

Jh 12,44 Jesus aber rief und sprach: Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat; Jh 12,44;

Jh 12,46 Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe; 12,47 und wenn jemand meine Worte hört und nicht befolgt, so richte ich ihn nicht, denn ich bin nicht gekommen, daß ich die Welt richte, sondern daß ich die Welt errette. Jh 12,46-47;


Nach der Auffassung von Ph. Fijnvandraat würde der Herr Jesus also hier Menschen ohne Willensfreiheit, ohne die Fähigkeit der eigenen, freien Entscheidung auffordern, an ihn zu glauben und ihnen obendrein androhen, dass der Zorn Gottes auf ihnen bleiben wird, wenn sie das nicht tun würden. Kann das sein? Sicherlich nicht, denn in ähnlicher Weise könnte man einen Blinden auffordern, nicht bei „Rot” über die Strasse zu gehen und ihm widrigenfalls eine Strafe androhen. Wie man sieht, ist die wie auch immer begründete Behauptung, der Mensch hätte keinen freien Willen, nur der Versuch, ihn als unzurechnungsfähiges Unschuldslamm darzustellen und die Verantwortung für sämtliche Fehlentscheidungen in seinem Leben Gott zuzuschieben.

Die Auffassung nun, dass Gott nach eigenem Willen Menschen zum ewigen Leben oder zur Verdammnis verordnet, widerspricht nicht nur der gesamten Bibel, sondern auch und insbesondere dem Wesen Gottes, wie es uns in der Schrift dargestellt wird. Ebenso wie unser Gott ein Gott der absoluten Liebe ist, ist er auch der Gott der absoluten Gerechtigkeit. Liebe und Gerechtigkeit sind wesensimmanent in Gott.

Denn der HERR, unser Gott, ist gerecht in allen seinen Taten, die er tut.

Dan 9,14 Und so war der HERR auf das Unglück bedacht und ließ es über uns kommen. Denn der HERR, unser Gott, ist gerecht in allen seinen Taten, die er tut. Aber wir haben nicht auf seine Stimme gehört. Dan 9,14;

Der HERR ist der Gott der Götter, der niemanden bevorzugt und kein Bestechungsgeschenk annimmt.

5Mo 10,17 Denn der HERR, euer Gott, er ist der Gott der Götter und der Herr der Herren, der große, mächtige und furchtbare Gott, der niemanden bevorzugt und kein Bestechungsgeschenk annimmt, 10,18 der Recht schafft der Waise und der Witwe und den Fremden liebt, so daß er ihm Brot und Kleidung gibt. 5Mo 10,17-18;

Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, o König der Nationen!

Off 15,3 Und sie singen das Lied Moses, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes und sagen: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, Gott, Allmächtiger! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, o König der Nationen! Off 15, 3;


Während die Liebe Gottes nur dann ihre vollkommene Erfüllung findet, wenn sie in Gegenliebe durch den Menschen angenommen wird, ist die Gerechtigkeit Gottes der Garant dafür, dass in der Schöpfung kein Wesen (nicht einmal der Satan!) a priori zu irgend etwas gezwungen wird. Sowohl Strafe als auch Belohnung erfolgen immer erst aufgrund der Willensentscheidungen, welche diese Geschöpfe im Laufe ihrer Existenz getroffen haben. So ist auch der Zorn Gottes, wie er uns an vielen Stellen sowohl des AT als auch des NT prophezeit wird, nicht ein Mangel an Liebe, sondern eine Folge der absoluten Gerechtigkeit Gottes, welche Ungerechtigkeit - in welcher Form und in welcher Ausprägung auch immer - per se nicht dulden kann. Und gerade die absolute Gerechtigkeit Gottes ist auch der Grund, warum Gott selbst die Menschen nicht richtet, sondern alles Gericht dem Sohn übergeben hat, der selbst auch Mensch gewesen und versucht worden ist wie wir, jedoch jeder Sünde widerstanden hat und daher in seiner Urteilsfähigkeit von keinem Menschen angezweifelt werden kann.

Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohn gegeben.

Jh 5,21 Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will. 5,22 Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohn gegeben, 5,23 damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. Jh 5,21-23;

Aber er machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist.

Phil 2,5 Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war, 2,6 der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein. 2,7 Aber er machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden, 2,8 erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz. Phil 2, 5- 8;

Denn worin er selbst gelitten hat, als er versucht worden ist, kann er denen helfen, die versucht werden.

Hbr 2,17 Daher mußte er in allem den Brüdern gleich werden, damit er barmherzig und ein treuer Hoherpriester vor Gott werde, um die Sünden des Volkes zu sühnen; 2,18 denn worin er selbst gelitten hat, als er versucht worden ist, kann er denen helfen, die versucht werden. Hbr 2,17-18;


Um nun zur Frage der Prädestination zurückzukommen, können wir aufgrund der Analyse weiter oben erkennen, dass Gott in seiner Allwissenheit am Beginn der Schöpfung alle jene Menschen erkannt und in das Buch des Lebens eingetragen hat, welche sich in ihrem Leben zum Glauben an den Vater und den Sohn bekennen werden.

Mit Klemens und meinen übrigen Mitarbeitern, deren Namen im Buch des Lebens sind.

Phil 4,3 Ja, ich bitte auch dich, mein rechter Gefährte, stehe ihnen bei, die in dem Evangelium zusammen mit mir gekämpft haben, auch mit Klemens und meinen übrigen Mitarbeitern, deren Namen im Buch des Lebens sind. Phil 4, 3;

Und ein anderes Buch wurde geöffnet, welches das des Lebens ist.

Off 20,12 Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Thron stehen, und Bücher wurden geöffnet; und ein anderes Buch wurde geöffnet, welches das des Lebens ist. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken. 20,13 Und das Meer gab die Toten, die in ihm waren, und der Tod und der Hades gaben die Toten, die in ihnen waren, und sie wurden gerichtet, ein jeder nach seinen Werken. 20,14 Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geworfen. Dies ist der zweite Tod, der Feuersee. 20,15 Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buch des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen. Off 20,12-15;


Hier oben, in Off 20,12-15, wird das Letzte Gericht beschrieben und wir erkennen in Off 20,12, dass es bei der Urteilsfindung mehrere „Bücher” gibt. Einmal die Werksbücher, in welchen die Werke und Taten stehen, welche die Menschen in ihrem Leben vollbracht haben und nach denen sie nun vorerst einmal beurteilt werden. Gerade auf diesem Schrifttext beruht auch die Ansicht mancher christlicher Kreise (z.B. der katholischen Kirche), dass der Mensch durch Werksgerechtigkeit gerettet werden könnte. Doch wie wir oben weiter lesen, sind die Werksbücher nur die erste Phase des Gerichts. Denn dann wird das Buch des Lebens geöffnet und wessen Name nun hier nicht eingetragen ist, der ist - unbeschadet seiner sonstigen Werke - auf ewig verloren. Die Grundlage für diese Eintragung ins Buch des Lebens erklärt uns Paulus in seinem Brief an die Korinther:

Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

1Kor 3,11 Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. 3,12 Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, 3,13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es klar machen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. 1Kor 3,11-13;

(Siehe auch Kapitel 13: „Das Weltgericht”)

Wohlgemerkt: es geht hier beim ersten Teil des Gerichts nicht um einzelne Werke. Es geht tatsächlich um das lebenslange Verhalten des Menschen. Was er gedacht, was er geglaubt, was er gewünscht, was er verurteilt, was er gehofft, was er gewollt, was er geliebt und was er verdammt hat. Alle diese immateriellen Geisteshaltungen werden mit den „materialisierten” - also in Taten verwandelten - Anteilen, beim Gericht geprüft.

Und nun wird es hier mit Gewissheit Menschen geben, welche Berge an Werken aufzuweisen haben. Sie waren zu Lebzeiten uneigennützig und haben mit ihrer ganzen Kraft anderen geholfen und sie unterstützt. Sie waren sozial eingestellt und haben sich als Wohltäter einen Namen gemacht. Ja sie haben möglicherweise ihr ganzes Vermögen geopfert und ihr ganzes Leben damit verbracht, Armen und Bedürftigen zu helfen, wie z. B. der „Urwalddoktor” Albert Schweitzer. Doch wie dieser in einem Interview einmal bekannte, konnte er Jesus Christus als Sohn Gottes nicht akzeptieren. Und damit hat ihm das Fundament, der „Grund”, von dem Paulus oben, in 1Kor 3,11 spricht, gefehlt und sofern er sich nicht noch vor seinem Tod bekehrt hat, werden alle seine Taten - so viele sie auch waren - verbrennen wie Stroh im Feuer.

Jene Menschen nun, welche die Liebe Gottes zurückweisen und in ihrem Leben nie eine Entscheidung für Gott und seinen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus getroffen haben, deren Namen sind von Grundlegung der Welt an nicht in diesem Buch des Lebens geschrieben:

Jeder, dessen Name nicht geschrieben ist im Buch des Lebens.

Off 13,8 Und alle, die auf der Erde wohnen, werden ihn anbeten, jeder, dessen Name nicht geschrieben ist im Buch des Lebens des geschlachteten Lammes von Grundlegung der Welt an. Off 13, 8;

Deren Namen nicht im Buch des Lebens geschrieben sind von Grundlegung der Welt an.

Off 17,8 Das Tier, das du gesehen hast, war und ist nicht und wird aus dem Abgrund heraufsteigen und geht ins Verderben; und die Bewohner der Erde, deren Namen nicht im Buch des Lebens geschrieben sind von Grundlegung der Welt an, werden sich wundern, wenn sie das Tier sehen, daß es war und nicht ist und da sein wird. Off 17, 8;

Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buch des Lebens.

Off 20,15 Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buch des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen. Off 20,15;


(Siehe auch den Diskurs 62: „Wann werden die Namen der Gerechten in das Buch des Lebens eingetragen?”)

Aber wie wir den weiteren Schriftstellen hier unten entnehmen können, gibt es auch Menschen, die zwar im Buch des Lebens stehen, sich also einmal für Gott entschieden haben, aber unter bestimmten Umständen auch wieder ausgelöscht werden können.

Sie sollen ausgelöscht werden aus dem Buch des Lebens.

Ps 69,29 Sie sollen ausgelöscht werden aus dem Buch des Lebens und nicht eingeschrieben werden mit den Gerechten! Ps 69,29;

Und ich werde seinen Namen aus dem Buch des Lebens nicht auslöschen.

Off 3,5 Wer überwindet, der wird so mit weißen Kleidern bekleidet werden, und ich werde seinen Namen aus dem Buch des Lebens nicht auslöschen und seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. Off 3, 5;

Wenn aber nicht, so lösche mich denn aus deinem Buch, das du geschrieben hast, aus.

2Mo 32,31 Darauf kehrte Mose zum HERRN zurück und sagte: Ach, dieses Volk hat eine große Sünde begangen: sie haben sich einen Gott aus Gold gemacht. 32,32 Und nun, wenn du doch ihre Sünde vergeben wolltest! Wenn aber nicht, so lösche mich denn aus deinem Buch, das du geschrieben hast, aus. 32,33 Der HERR aber sprach zu Mose: Wer gegen mich gesündigt hat, den lösche ich aus meinem Buch aus. 32,34 Und nun gehe hin, führe das Volk an den Ort, den ich dir genannt habe! Siehe, mein Engel wird vor dir hergehen. Am Tag meiner Heimsuchung, da werde ich ihre Sünde an ihnen heimsuchen. 32,35 Und der HERR schlug das Volk mit Unheil dafür, daß sie das Kalb gemacht hatten, das Aaron gemacht hatte. 2Mo 32,31-35;


Im Text hier oben, aus 2Mo 32,31-35, ist die Rede vom Volk Israel. Nachdem sie Gott aus Ägypten herausgeführt hatte und sie drei Monate durch die Wüste gewandert waren, wobei ihnen Gott Speise und Wasser gegeben und selbst als Rauchsäule bei Tage und als Feuersäule bei Nacht vorangegangen ist, kamen sie an den Berg Sinai und lagerten dort. Und der Herr hieß den Mose heraufsteigen, um seine Anordnungen für das Heiligtum und das Volk und die zwei Tafeln mit den 10 Gesetzen zu empfangen.

Mose war aber 40 Tage auf dem Sinai bei Gott. Und die Israeliten, welche unten lagerten meinten, Mose wäre etwas zugestoßen und er würde nicht mehr zurückkehren. Und sie bedrängten Aaron, der seinen Bruder Mose in dessen Abwesenheit als Führer des Volkes vertrat, dass sie sich einen anderen Gott machen sollten. Und sie schmolzen allen Goldschmuck den sie hatten und gossen sich ein Kalb aus Gold um welches sie dann tanzten und es anbeteten.

Diese Israeliten waren damals das einzige Volk, welches Gott als sein Volk auf Erden angenommen hatte (Amos 3,1-2). Er hatte sie aus Ägypten gerettet, sie versorgt und sie geführt. Und dennoch hatten sie nach nur 40 Tagen ihr Vertrauen auf diesen Gott verloren und sind vom Glauben abgefallen. Die Folge davon war, dass Gott Mose beauftragte, jene etwa dreitausend unmittelbar Beteiligten sofort zu töten und der Rest des Volkes Israel durfte dann, nachdem sie sich auch geweigert hatten in das gelobte Land einzuziehen, 40 Jahre lang - solange bis auch der Letzte dieser abgefallenen Generation gestorben war - nicht in das gelobte Land hinein, sondern musste in der Wüste weiterwandern. Sie sind demnach als Volk Gottes das atl. Urbild der ntl. christlichen Gemeinde und ihre Handlungsweise kann daher auch uns, als "wiedergeborene" Gläubige, eine Lehre sein. Und genau diesen Zusammenhang zeigt auch der Schreiber des Hebräerbriefes in Hbr 3,4-19 auf:

Seht zu, Brüder, daß nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens sei im Abfall vom lebendigen Gott.

Hbr 3,4 Denn jedes Haus wird von jemand erbaut; der aber alles erbaut hat, ist Gott. 3,5 Und Mose war zwar in seinem ganzen Hause als Diener treu - zum Zeugnis von dem, was verkündigt werden sollte - 3,6 Christus aber als Sohn über sein Haus. Sein Haus sind wir, wenn wir die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten. 3,7 Deshalb, wie der Heilige Geist spricht: «Heute, wenn ihr seine Stimme hört, 3,8 verhärtet eure Herzen nicht wie in der Erbitterung an dem Tage der Versuchung in der Wüste, 3,9 wo eure Väter mich versuchten, indem sie mich auf die Probe stellten, und sie sahen meine Werke vierzig Jahre. 3,10 Deshalb zürnte ich diesem Geschlecht und sprach: Allezeit gehen sie irre mit dem Herzen. Sie aber haben meine Wege nicht erkannt. 3,11 So schwor ich in meinem Zorn: Sie sollen nimmermehr in meine Ruhe eingehen!» (Ps 95,7-11)

3,12 Seht zu, Brüder, daß nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens sei im Abfall vom lebendigen Gott, 3,13 sondern ermuntert einander jeden Tag, solange es «heute» heißt, damit niemand von euch verhärtet werde durch Betrug der Sünde! 3,14 Denn wir sind Teilhaber des Christus geworden, wenn wir die anfängliche Zuversicht bis zum Ende standhaft festhalten. 3,15 Wenn gesagt wird: «Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht wie in der Erbitterung», 3,16 welche haben denn gehört und sich aufgelehnt? Waren es denn nicht alle, die durch Mose von Ägypten ausgezogen waren? 3,17 Welchen aber zürnte er vierzig Jahre? Nicht denen, welche gesündigt hatten, deren Leiber in der Wüste fielen? 3,18 Welchen aber schwor er, daß sie nicht in seine Ruhe eingehen sollten, wenn nicht denen, die ungehorsam gewesen waren? 3,19 Und wir sehen, daß sie wegen des Unglaubens nicht hineingehen konnten. Hbr 3, 4-19;


Indem Gott für sie gesorgt hatte und selbst auf ihrem Weg vor ihnen her gegangen ist, hat er diesen damaligen Israeliten eine Fürsorge und Gnade erwiesen, wie sie seither keinem anderen Volk zuteil geworden ist. Wenn es daher eine Prädestination bei Gott geben würde, dann hätte er mit absoluter Sicherheit gerade diese allerersten Israeliten dazu vorherbestimmt, im Glauben fest zu bleiben und dadurch errettet zu sein. Doch wie wir sehen, waren sie wohl im Buch des Lebens eingetragen - sie haben sich zu Gott bekannt und waren gläubig - aber sie sind durch eigene Schuld vom Glauben abgefallen und haben sich letztlich gegen Gott entschieden. Und wie uns der Schreiber des Hebräerbriefes in Analogie dazu nahe legt, sollten wir uns als Gemeinde davor warnen lassen.

Es gibt also keine wie immer geartete „Prädestination” im christlichen Glaubensleben. Im Gegenteil, wie aus den obigen Ausführungen zu erkennen ist, beeinflusst Gott keine der Entscheidungen des Menschen. Erst wenn diese realisiert worden sind, werden die Konsequenzen schlagend. Und so nimmt Gott auch keinen Einfluss auf die Glaubensentscheidung des Menschen. Sie muss freiwillig erfolgen, denn ein erzwungenes Glaubensbekenntnis würde der Ewigkeit nicht standhalten. Doch wie jeder vernünftige Mensch vor wichtigen Entscheidungen Information und Rat einholt, kann auch für diese Entscheidung Information in den Evangelien und Rat aus der Bibel gefunden werden.

Wie man an den eingangs erwähnten Auswüchsen im Kreise mancher Geschwister erkennen kann, wäre ja bei einer Prädestination die Bekehrung keine eigenständige und freie Entscheidung des Menschen. Die Christen würden zu „Marionetten” und dies wäre eine Beleidigung der Majestät Gottes. Auch Mission und Evangelisation würden sich erübrigen, da jene Menschen, welche von Gott vorherbestimmt sind ohnehin zum Glauben kommen würden und alle anderen nicht zu bekehren wären.

Abschließend zu diesem Thema sei daher mit aller Nachdrücklichkeit darauf hingewiesen, dass nach der Schrift jeder - absolut jeder - Mensch bis zur letzten Sekunde seines Lebens die Möglichkeit hat, sich in seinem Herzen ehrlich und aufrichtig zu Jesus Christus zu bekehren und - sofern er sich nicht der Sünde wider den Heiligen Geist schuldig gemacht hat - das Loskaufopfer des Herrn für unsere Sünden in Anspruch zu nehmen. Die Frage bzw. das Problem, welches sich hier stellt, ist nicht ob und bis wann sich ein Mensch zu Gott bekehren kann, sondern ob jemand, der offensichtlich sein ganzes Leben lang nichts von diesem Gott wissen wollte, dann, fünf Minuten vor seinem Tod in der Lage sein wird, diese Entscheidung bewusst und in aller Aufrichtigkeit seines Herzens zu treffen.

Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt.

1Jh 2,1 Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt; und wenn jemand sündigt - wir haben einen Beistand bei dem Vater: Jesus Christus, den Gerechten. 2,2 Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt. 1Jh 2, 1- 2;


Die Berufenen, Auserwählten und Treuen.

Nun aber zu der eigentlichen Frage inwieweit die „Berufenen, Auserwählten und Treuen” aus Off 17,14 verschiedene Personengruppen oder nur unterschiedliche Bezeichnungen für Gläubige sind.

Die Standardantwort vieler Ausleger auf diese Frage ist: „Es sind dies allgemein urchristliche Bezeichnungen für Christen”. Wobei in den meisten Fällen leider keine Beweisführung anhand der Schrift durchgeführt wird, so dass ein interessierter und kritischer Christ nachher wieder nicht weiß, was er davon zu halten hat. Es sollen daher anschließend alle drei Begriffe anhand der Schrift analysiert und ihre jeweilige Bedeutung dokumentiert werden, um dann die gegenständliche Frage biblisch fundiert beantworten zu können.

Zuerst einmal die im Kommentar zitierte Schriftaussage mit ihrem Kontext:

Das Lamm ist Herr der Herren und König der Könige, und die mit ihm sind, sind Berufene und Auserwählte und Treue.

Off 17,12 Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, sind zehn Könige, die noch kein Königreich empfangen haben, aber mit dem Tier eine Stunde Macht wie Könige empfangen. 17,13 Diese haben einen Sinn und geben ihre Kraft und Macht dem Tier. 17,14 Diese werden mit dem Lamm Krieg führen, und das Lamm wird sie überwinden; denn es ist Herr der Herren und König der Könige, und die mit ihm sind, sind Berufene und Auserwählte und Treue. Off 17,12-14;


Es handelt sich hier also um den Krieg - die Schlacht - zwischen dem Tier als Herrscher über die Heere der zehn Könige und dem Herrn Jesus und seinem himmlischen Heer. Wir haben hiezu eine Parallelstelle in Off 19,11-19:

Das Wort Gottes. Und die Kriegsheere, die im Himmel sind, folgten ihm auf weißen Pferden.

Off 19,11 Und ich sah den Himmel geöffnet, und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, heißt Treu und Wahrhaftig, und er richtet und führt Krieg in Gerechtigkeit. 19,12 Seine Augen aber sind eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt sind viele Diademe, und er trägt einen Namen geschrieben, den niemand kennt als nur er selbst; 19,13 und er ist bekleidet mit einem in Blut getauchten Gewand, und sein Name heißt: Das Wort Gottes.

19,14 Und die Kriegsheere, die im Himmel sind, folgten ihm auf weißen Pferden, bekleidet mit weißer, reiner Leinwand. 19,15 Und aus seinem Mund geht ein scharfes Schwert hervor, damit er mit ihm die Nationen schlage; und er wird sie hüten mit eisernem Stab, und er tritt die Kelter des Weines des Grimmes des Zornes Gottes, des Allmächtigen. 19,16 Und er trägt auf seinem Gewand und an seiner Hüfte einen Namen geschrieben: König der Könige und Herr der Herren.

19,17 Und ich sah einen Engel in der Sonne stehen, und er rief mit lauter Stimme und sprach zu allen Vögeln, die hoch oben am Himmel fliegen: Kommt her, versammelt euch zum großen Mahl Gottes, 19,18 damit ihr Fleisch von Königen freßt und Fleisch von Obersten und Fleisch von Mächtigen und Fleisch von Pferden und von denen, die darauf sitzen, und Fleisch von allen, sowohl von Freien als auch Sklaven, sowohl von Kleinen als auch Großen! 19,19 Und ich sah das Tier und die Könige der Erde und ihre Heere versammelt, um mit dem, der auf dem Pferd saß, und mit seinem Heer Krieg zu führen.

19,20 Und es wurde ergriffen das Tier und der falsche Prophet - der mit ihm war und die Zeichen vor ihm tat, durch die er die verführte, die das Malzeichen des Tieres annahmen und sein Bild anbeteten - lebendig wurden die zwei in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt. Off 19,11-20;


Es ist dies die Schlacht von Harmagedon, in welcher der Antichrist und seine Heere vom Herrn Jesus mit seinem himmlischen Heer vernichtet und der Antichrist und der falsche Prophet lebendig in den Feuersee geworfen werden. In Bezug auf unsere Frage können wir hier festhalten, dass demnach die Berufenen, Auserwählten und Treuen dem himmlischen Heer angehören und somit zu diesem Zeitpunkt bereits im Himmel zu lokalisieren sind. Doch nun zu den einzelnen Begriffen.

(Siehe auch Kapitel 07: „Die Schlacht von Harmagedon.”)

Die Berufenen

Wie der Name schon sagt, sind „Berufene” jene Menschen, die einem Ruf gefolgt sind. Dies sagt uns auch Paulus in 2Tim 1,9:

Der hat uns errettet und berufen mit heiligem Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz.

2Tim 1,8 So schäme dich nun nicht des Zeugnisses unseres Herrn noch meiner, seines Gefangenen, sondern leide mit für das Evangelium nach der Kraft Gottes! 1,9 Der hat uns errettet und berufen mit heiligem Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben. 2Tim 1, 8- 9;


Sehen wir uns nun aber an, was der Herr Jesus selbst, in seinem Gleichnis über die Arbeiter im Weinberg, über die Berufenen sagt:

So werden die Letzten Erste und die Ersten Letzte sein; denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte.

Mt 20,1 Denn mit dem Reich der Himmel ist es wie mit einem Hausherrn, der ganz frühmorgens hinausging, um Arbeiter in seinen Weinberg einzustellen. 20,2 Nachdem er aber mit den Arbeitern um einen Denar den Tag übereingekommen war, sandte er sie in seinen Weinberg.

20,3 Und als er um die dritte Stunde (9 Uhr vormittags/Anm.) ausging, sah er andere auf dem Markt müßig stehen; 20,4 und zu diesen sprach er: Geht auch ihr hin in den Weinberg! Und was recht ist, werde ich euch geben. 20,5 Sie aber gingen hin. Wieder aber ging er hinaus um die sechste und neunte Stunde und machte es ebenso.

20,6 Als er aber um die elfte Stunde hinausging, fand er andere stehen und spricht zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag müßig? 20,7 Sie sagen zu ihm: Weil niemand uns eingestellt hat. Er spricht zu ihnen: Geht auch ihr hin in den Weinberg!

20,8 Als es aber Abend geworden war, spricht der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Rufe die Arbeiter und zahle ihnen den Lohn, angefangen von den letzten bis zu den ersten! 20,9 Und als die um die elfte Stunde Eingestellten kamen, empfingen sie je einen Denar. 20,10 Als aber die ersten kamen, meinten sie, daß sie mehr empfangen würden; und auch sie empfingen je einen Denar.

20,11 Als sie den aber empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn 20,12 und sprachen: Diese letzten haben eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir die Last des Tages und die Hitze getragen haben. 20,13 Er aber antwortete und sprach zu einem von ihnen: Freund, ich tue dir nicht unrecht. Bist du nicht um einen Denar mit mir übereingekommen? 20,14 Nimm das Deine und geh hin! Ich will aber diesem letzten geben wie auch dir. 20,15 Ist es mir nicht erlaubt, mit dem Meinen zu tun, was ich will? Oder blickt dein Auge böse, weil ich gütig bin?

20,16 So werden die Letzten Erste und die Ersten Letzte sein; denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte. Mt 20, 1-16;


Bevor wir auf den Vers Mt 20,16 zu sprechen kommen, hier noch eine kurze Erklärung des Gleichnisses für Leser, welche mit der Bibel nicht so vertraut sind: Der „Hausherr” ist Gott, der „Weinberg” die Welt. Die Arbeiter sind jene Menschen, welche dem Ruf des Hausherrn, in seinem Weinberg zu arbeiten, gefolgt sind. Es sind also „Berufene”.

Zum besseren Verständnis dieses Gleichnisses sehen wir uns nun auch den Kontext davor an. In Mt 19,16-22 hat der Herr den Jüngern das Gleichnis vom reichen Jüngling erzählt und anschließend klar gemacht, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt. Darauf gerieten die Jünger ganz außer sich und fragten den Herrn, wer denn dann überhaupt errettet werden könnte.

Und Petrus brachte dann ihre Sorge zum Ausdruck, indem er den Herrn fragte:

Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was wird uns nun werden?

Mt 19,27 Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was wird uns nun werden? Mt 19,27;


Wir erkennen daran, dass der Herr das dann nachfolgende obige Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg als Antwort auf die Frage der Jünger: Was wird aus uns werden?, die Petrus ausgesprochen hatte, erzählt hat. Die Apostel waren Juden und hatten ihren mosaischen Glauben verlassen, um dem Herrn nachzufolgen. Nun sagte der Herr aber, dass es so schwer sei, in das Himmelreich zu kommen. Dies weckte bei den Jüngern die Befürchtung, dass sie einerseits durch die Nachfolge nicht gerettet werden, andererseits aber auch nicht mehr zum mosaischen Glauben zurückkehren könnten.

Mit dem Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg weist der Herr einmal auf die mosaischen Juden des Alten Testaments hin. Sie sind jene Arbeiter, welche seit der „frühen Morgenstunde” im Weinberg gearbeitet hatten und die „die Last des Tages und die Hitze” ertragen mussten. Mit den Arbeitern, welche in der letzten Stunde vom Hausherrn in den Weinberg zur Arbeit gesandt wurden, sind die Apostel und im weiteren Sinn alle jene gemeint, welche bis heute und bis zum Ende das Evangelium in der Welt verbreiten. Und der Herr versichert, dass diese Knechte um nichts weniger belohnt werden als jene, die vor ihnen in Israel das Wort Gottes verbreitet hatten. Ja ganz im Gegenteil, wie es im Vers 20,16 heißt: „So werden die Letzten Erste und die Ersten Letzte sein”. Und dann kommt die Erklärung des Herrn: „Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte”.

Und eben diese Aussage des Herrn findet sich auch im Gleichnis vom Hochzeitmahl:

Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte

Mt 22,1 Und Jesus begann und redete wieder in Gleichnissen zu ihnen und sprach: 22,2 Mit dem Reich der Himmel ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit bereitete. 22,3 Und er sandte seine Knechte aus, um die Eingeladenen zur Hochzeit zu rufen; und sie wollten nicht kommen.

22,4 Wiederum sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!

22,5 Sie aber kümmerten sich nicht darum und gingen weg, der eine auf seinen Acker, der andere an seinen Handel. 22,6 Die übrigen aber ergriffen seine Knechte, mißhandelten und töteten sie. 22,7 Der König aber wurde zornig und sandte seine Truppen aus, brachte jene Mörder um und steckte ihre Stadt in Brand.

22,8 Dann sagt er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Eingeladenen waren nicht würdig. 22,9 So geht nun hin auf die Kreuzwege der Landstraßen, und so viele immer ihr finden werdet, ladet zur Hochzeit ein.

22,10 Und jene Knechte gingen aus auf die Landstraßen und brachten alle zusammen, so viele sie fanden, Böse wie Gute. Und der Hochzeitssaal wurde voll von Gästen. 22,11 Als aber der König hereinkam, die Gäste zu besehen, sah er dort einen Menschen, der nicht mit einem Hochzeitskleid bekleidet war. 22,12 Und er spricht zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen, da du kein Hochzeitskleid hast? Er aber verstummte. 22,13 Da sprach der König zu den Dienern: Bindet ihm Füße und Hände, und werft ihn hinaus in die äußere Finsternis: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein. 22,14 Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte. Mt 22, 1-14;


Auch hier geht es um das mosaische Judentum. Der König ist Gott, sein Sohn, dem er die Hochzeit bereitete, ist der Sohn Gottes, unser Herr Jesus Christus. Die Knechte, welche der König aussandte, um die ursprünglich eingeladenen Hochzeitsgäste zur Hochzeit zu rufen, sind die Propheten Israels des Alten Testaments. Sie hatten das israelische Volk immer wieder zu seinem Gott gerufen. Die geladenen Gäste sind das Volk Gottes aus Israel.

Doch diese Hochzeitsgäste hatten kein Interesse und machten weiter in ihrem verkehrten Sinn. Mehr noch: sie nahmen die Knechte und töteten sie, wie viele Propheten im Laufe der Jahrhunderte von den Königen und Machthabern Israels misshandelt und getötet wurden - wie auch Johannes der Täufer und der Herr Jesus selbst.

Als nun der König sah, dass die Eingeladenen nicht würdig waren, befahl er seinen Knechten hinauszugehen und alle einzuladen, welche sie finden konnten. Dies ist nun die Situation, nachdem der Herr von den Juden verworfen und von den Römern gekreuzigt worden war. Seit damals und bis zum Ende, sendet Gott seine - diesmal christlichen - Knechte aus, um alle Menschen - Böse wie Gute - einzuladen.

Und als nun der König die Hochzeitsgäste besah, sah er einen Menschen, der nicht mit einem Hochzeitskleid bekleidet war. Dieser wird dann von den Dienern in die äußerste Finsternis hinausgeworfen. Und abschließend heißt es auch hier: „Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte”. Wenn nun der Herr aus beiden obigen Gleichnissen am Ende die selbe Schlussfolgerung über die Berufenen und die Auserwählten zieht, müssen diese Gleichnisse jene Kriterien enthalten, welche uns eine Erklärung dieser Begriffe ermöglichen.

Wir haben in beiden Gleichnissen Menschen, die gerufen wurden. Einmal die Arbeiter zur Arbeit im Weinberg, zum andern die Hochzeitsgäste zur Hochzeit. Und es war beide Male Gott, der diese Menschen gerufen hat. Im ersten Gleichnis werden die Juden des Alten Testaments gemahnt, sich nicht besser als die Christen zu dünken. Es werden nämlich gerade diese Christen die Auserwählten sein, welche am Ende, durch Auferweckung und Entrückung bei der Wiederkunft des Herrn, die Ersten im Himmel sein werden, während die Juden noch im Tausendjährigen Reich auf Erden leben werden und erst nach der Allgemeinen Auferstehung und dem Letzten Gericht in den Himmel kommen.

(Siehe auch den Diskurs 38: „Was erwartet Christen und Juden bei der Wiederkunft des Herrn?”)

Im zweiten Gleichnis wurden ja sowohl Böse als auch Gute eingeladen und das bestätigt, dass Gott im Neuen Testament seinen Ruf an alle Menschen ohne Ausnahme ergehen lässt. Allerdings reagieren nicht alle Menschen auf diesen Ruf. Die Gottlosen und Götzenanbeter ignorieren diese Einladung Gottes. Aufgrund der obigen Analyse können wir aber davon ausgehen, dass alle Hochzeitgäste im Hochzeitssaal „Berufene” waren, die der Einladung gefolgt sind. Nun fand sich aber ein Gast ohne Hochzeitskleid und während alle anderen bleiben durften - also vom König auserwählt waren - wurde dieser hinausgeworfen. Daraus lässt sich nun folgern, dass die Ersteren Berufene und Auserwählte waren, während jener ohne Hochzeitkleid wohl Berufener - er ist dem Ruf Gottes gefolgt - aber durch eigenes Verschulden nicht Auserwählter war, er hatte kein Hochzeitskleid.

Die Auserwählten.

Der Unterschied zwischen Auserwählten und Nichtauserwählten ist also das Hochzeitskleid. Schon die wörtliche Deutung lässt hier einiges erkennen. Ein Hochzeitgast, der keinen Hochzeitsanzug trägt, beleidigt das Brautpaar. Er gibt damit zu verstehen, dass er die Brautleute und ihre Familie nicht schätzt, ja vielleicht sogar verachtet. Und er macht auch den Hochzeitsgästen deutlich, dass sie mit ihrer Entscheidung, Hochzeitskleider anzuziehen, dem König und seinem Sohn eine Ehre erweisen, welche seiner Meinung nach diesen nicht zusteht. Daraus kann man schon schließen, dass diese Nichtauserwählten Menschen sind, welche zwar dem Ruf - der Einladung - gefolgt und daher ebenfalls Berufene sind, jedoch in Wahrheit ganz andere Interessen haben.

Wenn wir nun von der wörtlichen zur symbolischen Interpretation zurückkehren, wo der König für Gott und der Sohn für Jesus Christus steht, repräsentieren diese neuen Hochzeitsgäste die Christenheit. Abgesehen davon, dass hier ein weiterer Beweis vorliegt, dass wir als Gemeinde nicht die Braut - sie wird in allen derartigen Gleichnissen der Herrn gar nicht erwähnt -, sondern die auserwählten Hochzeitsgäste sind, erkennen wir in den Nichtauserwählten jene Scheingläubigen, welche sowohl im Judentum (die Schriftgelehrten) als auch im Christentum (z. B. die katholische Kirche) nicht den Willen Gottes tun sondern Millionen von Menschen verführt haben und noch immer verführen.

(Siehe auch den Diskurs 15: „Wer ist die ‘Braut des Lammes’?”)

Die zum Schein lange Gebete halten! Diese werden ein schwereres Gericht empfangen.

Lk 20,46 Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die in langen Gewändern einhergehen wollen und die Begrüßungen auf den Märkten lieben und die ersten Sitze in den Synagogen und die ersten Plätze bei den Gastmählern; 20,47 die die Häuser der Witwen verschlingen und zum Schein lange Gebete halten! Diese werden ein schwereres Gericht empfangen. Lk 20,46-47;

Menschen, die einen Schein von Weisheit haben durch selbsterwählte Frömmigkeit und Demut.

Kol 2,20 Wenn ihr nun mit Christus den Mächten der Welt gestorben seid, was laßt ihr euch dann Satzungen auferlegen, als lebtet ihr noch in der Welt: 2,21 Du sollst das nicht anfassen, du sollst das nicht kosten, du sollst das nicht anrühren? 2,22 Das alles soll doch verbraucht und verzehrt werden. Es sind Gebote und Lehren von Menschen, 2,23 die zwar einen Schein von Weisheit haben durch selbsterwählte Frömmigkeit und Demut und dadurch, daß sie den Leib nicht schonen; sie sind aber nichts wert und befriedigen nur das Fleisch. Kol 2,20-23;


Der obigen Vers, Kol 2,21, findet übrigens auch heute noch seine Entsprechung in den Lehren der katholischen Kirche: „Du sollst das (Fleisch am Freitag) nicht anfassen, du sollst das (den Wein beim Abendmahl) nicht kosten, du sollst das (der Priester eine Frau) nicht anrühren.” Und auch die „Gebote und Lehren von Menschen”, welche in Vers Kol 2,22 verurteilt werden, finden wir heute im Talmud der Juden und im Katechismus der katholischen Kirche. Der Talmud ist die bedeutendste jüdische Sammlung von Interpretationen der Torah (5 Bücher Moses). Er ist eine Dokumentation der mündlichen Überlieferung (Tradition) der Juden und setzt sich aus den beiden Büchern „Gemara” und „Mishnah” zusammen. In der Gemara finden sich die zusätzlichen Kommentare zur Schrift. In ähnlicher Weise hat auch die katholische Kirche ihre „Tradition” und die zusätzlichen Kommentare zur Bibel im Katechismus festgeschrieben.

Die Treuen.

Diese Bezeichnung hat sowohl im wörtlichen als auch im symbolischen Sinn einen identischen semantischen Inhalt. Es sind jene Gläubigen, die an ihrer einmal getroffenen Entscheidung unter allen Umständen - und seien sie noch so widrig - festhalten.

Schlussfolgerung

Im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg geht es um Juden und Christen. Beide sind dem Ruf Gottes gefolgt, beide sind demnach Berufene. Während die Juden jedoch die Ersten waren, sind die Christen die Letzten die diesem Ruf gefolgt sind. Doch die Christen, welche Letzte waren, werden die Ersten sein, um den für beide gleichen Lohn, nämlich ewiges Leben zu empfangen und nach Auferweckung und Entrückung bei der Wiederkunft des Herrn als Erste bei Gott im Himmel zu sein. Die gläubigen Juden, als Erste von Gott berufen, werden erst nach dem Millennium, nach der Allgemeinen Auferstehung und dem Letzten Gericht, als Letzte in die Ewigkeit Gottes eingehen.

Im Gleichnis vom Hochzeitsmahl ist nach der Verwerfung der Einladung durch die Juden nur mehr von Christen die Rede. Auch sie sind alle berufen, allerdings nicht alle auserwählt. Wer kein Hochzeitskleid hat - also das Loskaufopfer des Herrn Jesus nicht für sich in Anspruch genommen hat -, wird vom König nicht ausgewählt und hinausgeworfen.

Um nun die eingangs von Frau Bollmeyer gestellte Frage über Off 17,14: „...mit dem Herrn sind Berufene, Auserwählte und Treue. Sind dies verschiedene Personengruppen oder sind es unterschiedliche Bezeichnungen für Gläubige?” zu beantworten, können wir anhand der obigen Analyse folgende Aussagen treffen:

-  Dieser Personenkreis befindet sich nach Off 17,13 und 19,14 beim Herrn im Himmel.

-  Wie uns der Herr in Mt 22,13-14 sagt, sind zwar alle Auserwählten auch Berufene, aber wie wir gesehen haben, gibt es auch Berufene die nicht auserwählt sind - die dem Willen Gottes nicht gehorcht haben.

-  Nachdem sich solche Nichtauserwählte nicht im Himmel befinden können, können die „Berufenen” keine eigene Personengruppe sein.

-  Wenn die „Treuen” eine eigene Personengruppe wären, würde das bedeuten, dass die anderen beiden Gruppen nicht treu wären.

-  Nun ist es zumindest bei den „Auserwählten” im Himmel nicht denkbar, dass sie nicht treu gewesen sein sollten.

-  Daher können auch die „Treuen” keine eigene Personengruppe sein.

-  Bleiben in Konsequenz nur die „Auserwählten” als reale Personengruppe, welche mit den zusätzlichen Attributen „Berufene” und „Treue” bezeichnet werden.


Daher sind also auf Erden alle Menschen „Berufene”, die bereit sind, dem Ruf Gottes an ihn zu glauben, Folge zu leisten.

Befleißigt euch um so mehr, eure Berufung und Erwählung fest zu machen!

2Ptr 1,10 Darum, Brüder, befleißigt euch um so mehr, eure Berufung und Erwählung fest zu machen! Denn wenn ihr diese Dinge tut, werdet ihr niemals straucheln. 2Ptr 1,10;


Die Auserwählten sind jene Berufenen, welche für ihre Sündenvergabe das Loskaufopfer seines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus - ohne welches es keine Rettung gibt - in Anspruch genommen haben.

Sie werden große Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen.

Mt 24,24 Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und werden große Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen. 24,25 Siehe, ich habe es euch vorhergesagt. Mt 24,24-25;


Die Treuen schließlich, sind jene unter den Auserwählten, welche den Verführungen und Versuchungen in dieser Welt widerstanden und an ihrem Glauben bis zum Ende standhaft festgehalten haben.

Wenn wir die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten.

Hbr 3,5 Und Mose war zwar in seinem ganzen Hause als Diener treu - zum Zeugnis von dem, was verkündigt werden sollte - 3,6 Christus aber als Sohn über sein Haus. Sein Haus sind wir, wenn wir die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten. Hbr 3, 5- 6;

Wir sind Teilhaber des Christus geworden, wenn wir die anfängliche Zuversicht bis zum Ende standhaft festhalten.

Hbr 3,12 Seht zu, Brüder, daß nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens sei im Abfall vom lebendigen Gott, 3,13 sondern ermuntert einander jeden Tag, solange es «heute» heißt, damit niemand von euch verhärtet werde durch Betrug der Sünde! 3,14 Denn wir sind Teilhaber des Christus geworden, wenn wir die anfängliche Zuversicht bis zum Ende standhaft festhalten. Hbr 3,12-14;


Wie man sieht, kann damit die gängige Interpretation, dass es sich hierbei um eine „allgemein urchristliche Bezeichnungen für Christen” handelt - diesmal allerdings biblisch nachvollziehbar - bestätigt werden.



(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Die Prädestination und die Auserwählten / Kommentar B. Bollmeyer 01, 2004-08-11)

Ihre Ausführungen sind wie immer sehr umfassend und biblisch fundiert. Trotzdem bleiben meiner Meinung nach einige Fragen offen oder neue Fragen entstehen. Darf ich Ihnen einfach ein paar Bibelstellen nennen, die ich immer noch nicht einordnen kann? In 2.Mose 33,19 sagt Gott: Ich werde gnädig sein, wem ich gnädig bin und mich erbarmen, über wen ich mich erbarme. Diese Aussage greift Paulus in Röm.9,15 auf. Auch Joh. 6,44.65; 15,16.19; 17,2.6.9.24; sprechen doch eher von einem Handeln Gottes oder übersehe ich da etwas? Ihre Hinweise auf die Möglichkeit des Auslöschens aus dem Buch des Lebens werfen bei mir Fragen nach der Heilssicherheit auf. Durch Ihre Ausführungen ist mir einmal mehr deutlich geworden, welch ein Vorrecht es ist, diesen großen Gott zu kennen und Ihn Vater nennen zu dürfen.

Brunhilde Bollmeyer brunhilde.bollmeyer@gmx.de



Wir können dieses Thema gerne auch anhand der von Ihnen genannten Bibelstellen analysieren. Nachdem Röm 9,15 und 2Mo 33,19 eine etwas umfangreichere Argumentation erforderlich machen, sollen hier einmal die genannten Stellen aus dem Johannesevangelium behandelt werden.

Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht.

Jh 6,44 Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. Jh 6,44;

Darum habe ich euch gesagt, daß niemand zu mir kommen kann, es sei ihm denn von dem Vater gegeben.

Jh 6,63 Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben; 6,64 aber es sind einige unter euch, die nicht glauben. Denn Jesus wußte von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer es war, der ihn überliefern würde. 6,65 Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt, daß niemand zu mir kommen kann, es sei ihm denn von dem Vater gegeben. Jh 6,63-65;

Ihr habt nicht mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt.

Jh 15,16 Ihr habt nicht mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, daß ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe, damit, was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, er euch gebe. Jh 15,16;

Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum haßt euch die Welt.

Jh 15,19 Wenn ihr von der Welt wäret, würde die Welt das Ihre lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum haßt euch die Welt. Jh 15,19;

Wie du ihm Vollmacht gegeben hast über alles Fleisch, daß er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben gebe.

Jh 17,1 Dies redete Jesus und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche, 17,2 wie du ihm Vollmacht gegeben hast über alles Fleisch, daß er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben gebe! 17,3 Dies aber ist das ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. Jh 17, 1- 3;

Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.

Jh 17,6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Dein waren sie, und mir hast du sie gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. 17,7 Jetzt haben sie erkannt, daß alles, was du mir gegeben hast, von dir ist; 17,8 denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, daß ich von dir ausgegangen bin, und haben geglaubt, daß du mich gesandt hast. 17,9 Ich bitte für sie; nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, welche du mir gegeben hast, denn sie sind dein. Jh 17, 6- 9;

Vater, ich will, daß die, welche du mir gegeben hast, auch bei mir seien.

Jh 17,24 Vater, ich will, daß die, welche du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, damit sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast, denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt. Jh 17,24;


In diesen Schriftstellen spricht der Herr zu und von den Jüngern. Wie wir jedoch aus vielen anderen Reden des Herrn wissen, haben diese Texte auch und insbesondere Geltung für alle nachfolgenden Gläubigen - also auch für uns Heutige. Und wir können nun folgende konkrete Zusammenhänge aus diesen Aussagen erkennen:

-  Nicht wir haben den Herrn Jesus erwählt, sondern der Herr Jesus hat uns erwählt (Jh 15,16.19).

-  Doch es kann niemand zum Herrn kommen, wenn nicht der Vater, der ihn gesandt hat, ihn zieht (Jh 6,44.65).

-  Es ist also der Vater, welcher diese Menschen, die sein sind, dem Sohn gegeben hat (Jh 17,2.6.9.24).

Damit ist einmal dokumentiert, dass zwar der Herr Jesus die Gläubigen erwählt hat, doch diese Auswahl erfolgte nicht aus seinem eigenen Ermessen, sondern diese Menschen wurden ihm vom Vater gegeben. Und nun haben wir oben, in Jh 6,64 eine Randbemerkung, welche gerade für dieses Thema sehr erhellend ist. Im Zusammenhang mit der Frage, wer unter den Nachfolgern des Herrn vom Vater „gezogen” war und wer nicht, gibt Johannes hier folgende Erklärung ab:

Denn Jesus wußte von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten”.


Der Herr hat also von Anfang an gewusst, wer zum Glauben kommen würde und wer nicht. Und dieses Wissen hatte er natürlich vom Vater. Der Vater hat ihm ja diese Menschen, welche zum Glauben kommen, gegeben und der Herr kennt sie alle. Wer also nicht darunter ist, der gehört nicht zu denen, die ihm der Vater gegeben hat. Sie sind nicht auserwählt. Damit sind wir aber wieder bei jener Frage, welche wir eingangs diskutiert haben: Die Gläubigen werden von Gott auserwählt. Erfolgt diese Auswahl willkürlich, wie es die nachfolgenden noch von Ihnen genannten zwei Schriftstellen erscheinen lassen oder erfolgt diese Entscheidung aufgrund bestimmter Voraussetzungen von Seiten der Menschen?

Ich werde gnädig sein, wem ich gnädig bin, und mich erbarmen, über wen ich mich erbarme.

2Mo 33,19 Er antwortete: Ich werde all meine Güte an deinem Angesicht vorübergehen lassen und den Namen Jahwe vor dir ausrufen: Ich werde gnädig sein, wem ich gnädig bin, und mich erbarmen, über wen ich mich erbarme. 2Mo 33,19;

Wen er will, dessen erbarmt er sich, und wen er will, verhärtet er.

Röm 9,10 Nicht allein aber bei ihr war es so, sondern auch bei Rebekka, als sie von einem, von unserem Vater Isaak, schwanger war. 9,11 Denn als die Kinder noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten - damit der nach freier Auswahl gefaßte Vorsatz Gottes bestehen bliebe, nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund des Berufenden - 9,12 wurde zu ihr gesagt: «Der Ältere wird dem Jüngeren dienen»; 9,13 wie geschrieben steht: «Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehaßt.» 9,14 Was sollen wir nun sagen? Ist etwa Ungerechtigkeit bei Gott? Das sei ferne! 9,15 Denn er sagt zu Mose: «Ich werde mich erbarmen, wessen ich mich erbarme, und werde Mitleid haben, mit wem ich Mitleid habe.» 9,16 So liegt es nun nicht an dem Wollenden, auch nicht an dem Laufenden, sondern an dem sich erbarmenden Gott. 9,17 Denn die Schrift sagt zum Pharao: «Eben hierzu habe ich dich erweckt, damit ich meine Macht an dir erzeige und damit mein Name verkündigt werde auf der ganzen Erde.» 9,18 Also nun: wen er will, dessen erbarmt er sich, und wen er will, verhärtet er. Röm 9,10-18;


Insbesondere der Hinweis des Paulus, oben in Röm 9,12-13, in Bezug auf Esau und Jakob, ist nun tatsächlich ein Argument, welches auf den ersten Blick die Willkür Gottes bei seinen Entscheidungen zu bestätigen scheint. Die beiden Kinder waren noch nicht einmal geboren, da hatte Gott schon seine Entscheidung getroffen: „Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst”. Man könnte hier sehr leicht den Eindruck gewinnen, Gott würde ungerecht handeln und das erkennt natürlich auch Paulus und stellt anschließend, in Röm 9,14, die eher rhetorische Frage: „Was sollen wir nun sagen? Ist etwa Ungerechtigkeit bei Gott?” Und er beantwortet sich diese Frage gleich selbst: „Das sei ferne!”

Und genau dieser Hinweis des Paulus' entspricht auch unzähligen Aussagen der Schrift: Gott ist gerecht. - Ja mehr noch: Er ist die absolute Gerechtigkeit und kann daher per se nicht ungerecht sein. Das sollen einige wenige Bibelstellen nachweisen:

Der HERR ist gerecht in ihrer (der Stadt) Mitte, er tut kein Unrecht.

Zeph 3,5 Der HERR ist gerecht in ihrer Mitte, er tut kein Unrecht; Morgen für Morgen stellt er sein Recht ans Licht, es bleibt nicht aus. Aber der Ungerechte kennt keine Scham. Zeph 3,5;

Denn der HERR, unser Gott, ist gerecht in allen seinen Taten, die er tut.

Dan 9,14 Und so war der HERR auf das Unglück bedacht und ließ es über uns kommen. Denn der HERR, unser Gott, ist gerecht in allen seinen Taten, die er tut. Aber wir haben nicht auf seine Stimme gehört. Dan 9,14;

Der HERR ist gerecht in allen seinen Wegen und treu in allen seinen Werken.

Ps 145,17 Der HERR ist gerecht in allen seinen Wegen und treu in allen seinen Werken. 145,18 Nahe ist der HERR allen, die ihn anrufen, allen, die ihn in Wahrheit anrufen. 145,19 Er erfüllt das Verlangen derer, die ihn fürchten. Ihr Schreien hört er, und er hilft ihnen. Ps 145,17-19;

Um zu verkünden, daß der HERR gerecht ist. Er ist mein Fels, und kein Unrecht ist an ihm.

Ps 92,14 Die gepflanzt sind im Haus des HERRN, werden grünen in den Vorhöfen unseres Gottes. 92,15 Noch im Greisenalter gedeihen sie, sind sie saftvoll und grün, 92,16 um zu verkünden, daß der HERR gerecht ist. Er ist mein Fels, und kein Unrecht ist an ihm. Ps 92,14-16;

HERR, Gott Israels, du bist gerecht!

Esra 9,15 HERR, Gott Israels, du bist gerecht! Denn wir sind als Gerettete übriggeblieben, wie es heute ist. Siehe, hier sind wir vor dir mit unserer Schuld. Denn bei einem solchen Verhalten ist es unmöglich, vor dir zu bestehen. Esra 9,15;


Und in der Feststellung in Röm 9,18, „Wen er will, dessen erbarmt er sich, und wen er will, verhärtet er” haben wir nun auch die Grundlage für das sinngemäße Verständnis der Aussage weiter oben, in 2Mo 33,19. In beiden Fällen ist es nicht eine autoritäre Willkür der nicht widersprochen werden darf, welche zum Ausdruck gebracht werden sollte, sondern der Hinweis darauf, dass die Entscheidungen Gottes von seiner absoluten Gerechtigkeit getragen sind und daher ein gerechtfertigter Einwand aus diesem Grund gar nicht möglich ist.

Daher ist nicht die „Unfassbarkeit des göttlichen Willens”, wie manche meinen, die Basis dieser Erkenntnis, sondern das Wissen und das uneingeschränkte Vertrauen darauf, dass der Wille Gottes keine Ungerechtigkeit kennt - kennen kann. Und wenn wir uns die Beispiele oben ansehen: War etwa der Pharao ein gottesfürchtiger Mann? Hatte vielleicht Esau einen gottgefälligen Charakter? Sie haben beide zu jenen Menschen gehört, welche sich gegen Gott gestellt haben. Oder ist es umgekehrt denkbar, dass sich Gott eines unbußfertigen Massenmörders wie Adolf Hitler ohne dessen Bekehrung (wie das ja die Prädestinationslehre insinuiert) erbarmt und jener Apostel, der den Herrn mehr als alle anderen Jünger geliebt hat - nämlich Johannes - verstoßen wird, nur weil Gott sagt: „Ich erbarme mich, wessen ich mich erbarmen will und verhärte, den ich verhärten will?” Wäre das vorstellbar? Könnte so ein absolut gerechter Gott handeln?

Nun kann man sagen: aber wenn ich Gott liebe und vertraue, dann vertraue ich auch ganz einfach darauf, dass seine Entscheidungen gerecht sind. - Ja, genau so ist es. - Doch die Gerechtigkeit Gottes kann kein Geheimnis sein, sonst würde sie ja nicht als solche erkannt werden. Daher beruht diese Gerechtigkeit immer und zwangsläufig auf zwei Kriterien: einerseits dem Verhalten des Menschen, welches zu beurteilen ist und andererseits Gott als Richter, der dieses Verhalten aufgrund seiner Gebote beurteilt. Und dieses Urteil muss dem Menschen bekannt und aus objektiver Sicht für ihn auch nachvollziehbar sein. Geheime oder unerklärbare Urteile wären eben gerade keine Gerechtigkeit, sondern Willkür. Es wäre jene Haltung, welche man unter korrupten oder auch despotischen Herrschern beobachten kann.

Wenn Gott so handeln würde, hätte er wohl kaum seinen einzigen Sohn am Kreuz sterben lassen. Er hätte eine andere „Lösung” gefunden. Doch dagegen stand die absolute Gerechtigkeit Gottes, die für die unzähligen Sünden aller Menschen ein entsprechendes Opfer - einen Ausgleich - verlangte. Auch wenn das bedingt hat, dass Gott in seiner Liebe dieses Opfer selbst erbringen musste. Und nur jene Menschen, welche dieses Loskaufopfer des Herrn Jesus für ihre Sünden ganz persönlich in Anspruch nehmen, können mit der Gnade Gottes rechnen.

Jetzt könnte man sagen: aber wir sind doch aus Gnade errettet und Gnade bedarf keiner eigenen Leistung. Das mag vordergründig richtig sein. Obwohl wir auch hier unterscheiden müssen zwischen „Leistung” vor der Gnade und dem Verhalten - was ja auch eine Leistung ist - danach, also der Umkehr. Doch was hier übersehen wird, ist der Umstand, dass wir nur deshalb keine Vorleistung erbringen müssen, weil sie eben schon erbracht worden ist. Unser Herr und Erlöser ist für uns und statt uns gestorben und hat damit den Grund und die Basis für diese Gnade Gottes gelegt. Alle Menschen, welche dieses Opfer für sich in Anspruch nehmen, können an der Gnade Gottes teilhaben. Alle anderen müssen entweder Gerechte - also selbst ohne Sünde - sein oder sie sind unweigerlich verloren.

Und nun könnte man auch noch das Volk Israel als Beweis anführen, dass Gott willkürlich und ohne Einfluss durch menschliches Verhalten handelt. Obwohl Israel das von Gott erwählte Volk ist, weiß jeder Bibelkenner, wie wenig dies die Israeliten in der Vergangenheit - bis in der Gegenwart! - zu schätzen wussten. Es ist unglaublich, wie tief dieses Volk manchmal in Sünde verstrickt war. Und dennoch wissen wir, dass am Ende Israel wieder das auserwählte Volk Gottes auf Erden sein wird das es einmal war. Ist das nicht der Beweis, dass es zur Auswahl keiner Leistung bedarf?

Auch hier wird in der Interpretation zu kurz gegriffen. Fragen wir uns einmal: Warum ist Israel auserwählt? Ist das nur so ein „Spleen” Gottes? Gibt es dafür keine rationale Erklärung? Ähnlich wie oben bei den Christen, wird auch hier bei den Juden übersehen, dass es auch für die Liebe Gottes zu Israel einen Grund gibt. Und dieser Grund ist der aller erste Mensch, dem sich unser Gott nach der großen Flut geoffenbart hat: Abraham. Er hat alle Götter seiner Väter verworfen, um nur diesem einen Gott, der zu ihm gesprochen hatte, zu dienen und treu zu sein. Das hat Gott veranlasst, mit ihm und durch ihn mit seinem Sohn Isaak, dem Stammvater der Juden - aber auch mit seinem ersten Sohn Ismael, dem Stammvater der Araber - einen Bund zu schließen. Wie wir sehen, ist auch die Liebe Gottes nicht bedingungslos. Eine bedingungslose Liebe stünde im Widerspruch zur Gerechtigkeit Gottes, da Gerechtigkeit Bedingungslosigkeit ausschließt.

An jenem Tag schloß der HERR einen Bund mit Abram und sprach: Deinen Nachkommen habe ich dieses Land gegeben.

1Mo 15,18 An jenem Tag schloß der HERR einen Bund mit Abram und sprach: Deinen Nachkommen habe ich dieses Land gegeben, vom Strom Ägyptens an bis zum großen Strom, dem Euphratstrom. 1Mo 15,18;


Um nun wieder auf das Beispiel des Paulus' in Röm 9,13 von Esau und Jakob zurückzukommen und dieses scheinbare Paradoxon aufzulösen, sei hier noch einmal auf die am Beginn dieses Diskurses zitierten Schriftstellen hingewiesen:

Petrus, den Fremdlingen die auserwählt sind nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters.

1Ptr 1,1 Petrus, Apostel Jesu Christi, den Fremdlingen von der Zerstreuung von Pontus, Galatien, Kappadozien, Asien und Bithynien, die auserwählt sind 1,2 nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters, in der Heiligung des Geistes zum Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blut Jesu Christi: Gnade und Friede werde euch immer reichlicher zuteil! 1Ptr 1, 1- 2;

Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein.

Röm 8,28 Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind. 8,29 Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Röm 8,28-29;


Durch die Aussage des Johannes, weiter oben in Jh 6,64:

„Denn Jesus wußte von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer es war, der ihn überliefern würde.” .


und die Bestätigung durch den Herrn, dass es der Vater ist, der ihm dies alles gegeben hat, ist zu erkennen, dass es Gott ist, der aufgrund seiner Allwissenheit von jedem einzelnen Menschen der je gelebt hat und noch je leben wird, bereits von Grundlegung der Welt an wusste, wie dieser sich in seinem Leben entscheiden wird - für oder gegen Gott. Und das war so bei Pharao, bei Esau und Jakob, bei Judas Iskariot und ganz gewiss auch bei jedem einzelnen von uns.

Daher noch einmal: Es gibt keine Prädestination (die göttliche Vorherbestimmung des Menschen zur Seligkeit oder Verdammnis). Dies würde der absoluten Gerechtigkeit Gottes völlig widersprechen. Und wenn auch der Allmächtige in seiner Transzendenz für uns Menschen kaum erfassbar ist, in seiner Gerechtigkeit lässt uns Gott einen Zipfel seines Wesens erkennen.

Können Gläubige ("Wiedergeborene") verloren gehen?

Die abschließende Anmerkung in Ihrem Kommentar oben:

„Ihre Hinweise auf die Möglichkeit des Auslöschens aus dem Buch des Lebens werfen bei mir Fragen nach der Heilssicherheit auf”


ist jenes Problem, auf welches ich eingangs hingewiesen habe, als ich meinte, dass die Prädestinationslehre eine „Sicherheit” vorgaukelt, welche nicht gegeben scheint. Man geht ja in dieser Denkschule davon aus, dass die Menschen von Gott vorherbestimmt wurden: die Auserwählten zum ewigen Leben, die anderen zur ewigen Verdammnis. Unter der Prämisse der Unfehlbarkeit Gottes ist die Konsequenz dieser Auffassung, dass diese Vorherbestimmung von den Menschen in ihrem Leben nicht mehr verändert werden kann. Die zum ewigen Leben Vorbestimmten - die Auserwählten - werden Gerechte, die zur ewigen Verdammnis Vorbestimmten werden Gottlose. Und in der weiteren Folge ergibt sich natürlich der logische Schluss, dass die Auserwählten in ihrem Leben dann sozusagen „automatisch” zum Glauben kommen werden und ein Abfall für diesen Personenkreis dann nicht mehr möglich ist - sonst müsste ja die Unfehlbarkeit Gottes in Frage gestellt werden.

Es ist daher auch durchaus plausibel, dass eine Heilsgewissheit, welche sich auf den Umstand gründet, dass wir von Gott ohne unser Zutun, also ohne Entscheidungsmöglichkeit des einzelnen Menschen, auserwählt wurden, in einem gewissen elitären Denken davon ausgeht, dass ein Ausschluss aus der Auswahl, also ein Abfall vom Glauben, bei diesen Menschen nicht mehr möglich ist. Und umso verständlicher ist es nun, dass Bibelstellen, wie 2Mo 32,33 und Ps 69,29, wo Gott selbst davon spricht, dass das persönliche Verhalten des Gläubigen dazu führen kann, dass er aus dem Buch des Lebens auch wieder gelöscht wird und damit die Auswahl verloren geht, eine Unsicherheit bei diesen Geschwistern hervorruft, weil dies ja im absoluten Gegensatz zur Auffassung einer Prädestination, einer Vorherbestimmung durch Gott, steht.

Dass diese atl. Schriftstellen jedoch nicht nur für die damaligen Israeliten Geltung hatten, sondern auch für uns Christen Realität sind und auch "wiedergeborene" Christen vom Glauben abfallen können, bezeugen uns auch Texte aus dem NT wie z.B. Mt 10,22; 24,13; Hbr 2,1-4; 3,4-6; 4,2.11; Off 2,7.11.17.26. Ganz deutlich lesen wir das im ersten Korintherbrief:

Das Evangelium durch das ihr auch errettet werdet, wenn ihr festhaltet, es sei denn, daß ihr vergeblich zum Glauben gekommen seid.

1Kor 15,1 Ich tue euch aber, Brüder, das Evangelium kund, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch steht, 15,2 durch das ihr auch errettet werdet, wenn ihr festhaltet, mit welcher Rede ich es euch verkündigt habe, es sei denn, daß ihr vergeblich zum Glauben gekommen seid. 1Kor 15, 1- 2;


Paulus bekräftigt hier, dass wir durch das Evangelium errettet werden, wenn wir festhalten. Wenn nicht, wären wir vergeblich zum Glauben gekommen. Es sind also Geschwister, die zum Glauben gekommen, also "wiedergeboren" sind, welche Paulus hier auffordert, festzuhalten, andernfalls sie aus dem Glauben fallen werden. Und hier klärt sich nun auch das dritte Kriterium in der Aussage weiter oben, in Off 17,14:

und die mit ihm sind, sind Berufene und Auserwählte und Treue.

Es genügt also nicht, berufen und auserwählt - also "wiedergeboren" - zu sein. Wir müssen auch treu sein und an unserem Glauben ungeachtet aller widrigen Umstände festhalten. Wenn wir das nicht tun, fallen wir aus dem Glauben.

Die Treuen behütet der HERR.

Ps 31,24 Liebet den HERRN, alle seine Frommen! Die Treuen behütet der HERR, doch er vergilt reichlich dem, der anmaßend handelt. 31,25 Seid stark, und euer Herz fasse Mut, alle, die ihr auf den HERRN harrt! Ps 31,24-25;

Den Geist löscht nicht aus!

1The 5,18 Sagt in allem Dank! Denn dies ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch. 5,19 Den Geist löscht nicht aus! 5,20 Weissagungen verachtet nicht, 5,21 prüft aber alles, das Gute haltet fest! 1The 5,18-21;


Auch der Schreiber des Hebräerbriefes weist darauf hin, dass wir unsere anfängliche Zuversicht im Glauben bis zum Ende standhaft festhalten - also uns vor dem Betrug der Sünde hüten - müssen, um Teilhaber Christi zu bleiben.

Denn wir sind Teilhaber des Christus geworden, wenn wir die anfängliche Zuversicht bis zum Ende standhaft festhalten.

Hbr 3,4 Denn jedes Haus wird von jemand erbaut; der aber alles erbaut hat, ist Gott. 3,5 Und Mose war zwar in seinem ganzen Hause als Diener treu - zum Zeugnis von dem, was verkündigt werden sollte - 3,6 Christus aber als Sohn über sein Haus. Sein Haus sind wir, wenn wir die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten. 3,7 Deshalb, wie der Heilige Geist spricht: «Heute, wenn ihr seine Stimme hört, 3,8 verhärtet eure Herzen nicht wie in der Erbitterung an dem Tage der Versuchung in der Wüste, 3,9 wo eure Väter mich versuchten, indem sie mich auf die Probe stellten, und sie sahen meine Werke vierzig Jahre. 3,10 Deshalb zürnte ich diesem Geschlecht und sprach: Allezeit gehen sie irre mit dem Herzen. Sie aber haben meine Wege nicht erkannt. 3,11 So schwor ich in meinem Zorn: Sie sollen nimmermehr in meine Ruhe eingehen!» (Ps 95,7-11)

3,12 Seht zu, Brüder, daß nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens sei im Abfall vom lebendigen Gott, 3,13 sondern ermuntert einander jeden Tag, solange es «heute» heißt, damit niemand von euch verhärtet werde durch Betrug der Sünde! 3,14 Denn wir sind Teilhaber des Christus geworden, wenn wir die anfängliche Zuversicht bis zum Ende standhaft festhalten. Hbr 3, 4-14;

Denn wenn sie wieder überwältigt werden, so ist für sie das letzte schlimmer geworden als das erste.

2Ptr 2,20 Denn wenn sie den Befleckungen der Welt durch die Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus entflohen sind, aber wieder in diese verwickelt und überwältigt werden, so ist für sie das letzte schlimmer geworden als das erste. 2,21 Denn es wäre ihnen besser, den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt zu haben, als sich, nachdem sie ihn erkannt haben, wieder abzuwenden von dem ihnen überlieferten heiligen Gebot. 2Ptr 2,20-21;

Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind und doch abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern.

Hbr 6,4 Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind 6,5 und das gute Wort Gottes und die Kräfte des zukünftigen Zeitalters geschmeckt haben. 6,6 und doch abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern, da sie für sich den Sohn Gottes wieder kreuzigen und dem Spott aussetzen. Hbr 6, 4- 6;


Schließlich bestätigt diese Aussage hier oben, in Hbr 6,4: „die einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind” einmal für die seriöse Bibelexegese, dass es sich hier um Gläubige - und zwar ganz eindeutig um "wiedergeborene" Gläubige - handelt. Hier nützen keine noch so gefinkelten Argumentationsversuche. Wer die himmlische Gabe geschmeckt und den Heiligen Geist empfangen hat, kann weder ungläubig noch Namenschrist, sondern muss zweifelsfrei ein "wiedergeborener" Christ sein.

Und von diesem heißt es nun in Hbr 6,6, dass er vom Glauben abgefallen und verlorengegangen ist. Er ist also im Buch des Lebens gestanden und aus eigener Schuld dann wieder gelöscht worden. Alle diese obigen Schrifttexte warnen uns - als "wiedergeborene" Gläubige - vor leichtfertigem Verhalten und vor dem Betrug der Sünde und heißen uns im Glauben standhaft festzuhalten und nicht abzufallen. Daraus können wir nun dreierlei erkennen:

1. Die Behauptung, ein "Wiedergeborener" könne nicht mehr vom Glauben abfallen und verloren gehen ist nicht schriftkonform und daher falsch.

2. Wenn "wiedergeborene" Gläubige einmal vom Glauben abgefallen sind, können sie nicht mehr zur Buße und Umkehr bewegt werden. Sie sind auf immer verloren.

3. Das beweist aber auch, dass der Grund für diesen Abfall nicht irgendeine vergebbare Sünde sein kann, sondern dass hier entweder die Sünde wider den Heiligen Geist willentlich begangen wurde oder Reue und Buße von diesem Menschen überhaupt wieder zurückgewiesen wurden.


Die Lehre von der Prädestination, welche eine „Unumstößlichkeit der ewigen Errettung des "wiedergeborenen" Christen” behauptet, ist also mit den obigen Aussagen eindeutig widerlegt und daher vom biblischen Standpunkt her abzulehnen. Gott hat die Menschen nicht aus eigenem Willen vorhererettet oder vorherverdammt, sondern er hat sie vorhererkannt und aufgrund dessen vorherbestimmt.

Und das ist eben der andere Lösungsansatz für dieses Problem. Nämlich die Auffassung, dass Gott in seiner Allwissenheit von Grundlegung der Welt an bereits wusste, wie sich jeder Mensch in seinem Leben entscheiden wird: für oder gegen Gott. Und aufgrund dieser Entscheidung jedes einzelnen Menschen während seiner Lebenszeit, hat Gott jene Menschen, welche seinem Ruf folgen und sich für ihn entscheiden werden - die Berufenen - „vorher erkannt”, wie Paulus in Röm 8,29 schreibt - und in das Buch des Lebens eingetragen. Es ist also ein, von der Entscheidung jedes einzelnen Menschen in seinem Leben abhängiger Vorgang, welcher dann beim Letzten Gericht, seine Folgen zeitigt.

(Siehe auch den Diskurs 83: „Ist die Allwissenheit Gottes ein Widerspruch zum freien Willen des Menschen?”)


Dennoch sollten wir nicht übersehen, dass wir auch bei dieser Interpretation Schwierigkeiten mit den obigen beiden Schriftstellen haben. Denn wenn diese Eintragung durch die Allwissenheit Gottes erfolgt und dann Gläubige durch eigenes Verschulden aus dem Buch des Lebens gelöscht werden können, könnte man auch die Allwissenheit Gottes in Zweifel ziehen. Dem steht jedoch entgegen, dass ja bei diesen Menschen die Bedingung für die Eintragung ins Buch des Lebens erfüllt wurde: sie sind zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihrem Leben - wie die Israeliten zur Zeit des Mose - dem Ruf Gottes gefolgt und haben eine Entscheidung für Gott getroffen. Damit hatten sie vor der Gerechtigkeit Gottes ebenso einen Anspruch in das Buch des Lebens eingetragen zu werden, wie im Gleichnis vom Hochzeitsmahl der Gast ohne Hochzeitskleid durch die Annahme der Einladung einen Anspruch hatte unter den Hochzeitsgästen zu sein. Dass sie dann aber diese Entscheidung bewusst revidiert haben, indem sie gegen den Heiligen Geist gesündigt oder das Loskaufopfer des Herrn Jesus für ihre Sünden abgelehnt haben, hat gezeigt, dass sie wohl Berufene aber nicht Auserwählte waren und daher aus dem Buch des Lebens gelöscht werden mussten. Sie haben damit jene Freiheit und Verantwortung in Anspruch genommen, welche uns der Allmächtige schon seit Adam und Eva zugedacht hat, die auch die Entscheidungsfreiheit hatten, Gott oder dem Satan zu glauben.

(Siehe auch das Kapitel 12: „Die Auferstehung - Christus im Totenreich.”)




Zusammenfassung

Von den Vertretern einer Prädestination (= die göttliche Vorherbestimmung des Menschen zum ewigen Leben oder zur ewigen Verdammnis) werden zur Bestätigung der Ansicht, dass Gott bereits alle Menschen in „Gute” und „Böse” eingeteilt und der Mensch selbst daher keine Entscheidungsmöglichkeit mehr hat, auch immer wieder Aussagen des Paulus im Römerbrief zitiert. Zum Nachweis, dass gerade auch dieses Buch den Gläubigen vor Augen führt, dass niemand gerettet werden kann, der nicht selbstverantwortlich und aus eigenem Willen entscheidet, seien hier noch einige relevante Texte daraus zitiert:

Wenn du Jesus als Herrn bekennen und glauben wirst, daß Gott ihn auferweckt hat, wirst du errettet werden.

Röm 10,8 Sondern was sagt sie? «Das Wort ist dir nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen.» Das ist das Wort des Glaubens, das wir predigen, 10,9 daß, wenn du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennen und in deinem Herzen glauben wirst, daß Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, du errettet werden wirst. Röm 10, 8- 9;


Es heißt hier nicht: „Wenn Gott dich vorherbestimmt hat, wirst du errettet werden”! Es heißt: „Wenn du glauben und bekennen wirst, wirst du errettet werden”. Also nicht eine wie immer geartete „Vorherbestimmung” durch Gott führt den Menschen zur Rettung, sondern es ist erforderlich, dass der Mensch selbst etwas tut, um gerettet zu werden. Nämlich glauben und bekennen. Wer nicht glaubt und bekennt, wird auf ewig verloren gehen. Nicht weil ihn Gott dazu verurteilt hat. Sondern weil es sein eigener Wille, seine eigene Entscheidung war diese Gnade Gottes nicht anzunehmen.

Jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden.

Röm 10,11 Denn die Schrift sagt: «Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.» 10,12 Denn es ist kein Unterschied zwischen Jude und Grieche, denn er ist Herr über alle, und er ist reich für alle, die ihn anrufen; 10,13 «denn jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden.» Röm 10,11-13;


Auch hier sagt Paulus nicht: „Jeder der von Gott vorherbestimmt ist, wird errettet werden”, sondern er sagt: „Jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden”. Und mit diesem „Jeder” sind alle Menschen gemeint, die je gelebt haben und noch je leben werden. Sie können also nur dann gerettet werden, wenn sie selbst etwas tun, nämlich den Namen des Herrn anrufen. Doch genau hier muss man immer wieder auch darauf hinweisen, dass wir Menschen zwar selbst unseren Beitrag zu unserer Rettung leisten und uns entscheiden müssen, dies allerdings gar nicht könnten, wenn nicht Gott bereits den ersten Schritt getan hätte. Er hat seinen Sohn gesandt, damit dieser für unsere Sünden starb und uns durch dieses Loskaufopfer den Weg für unsere Errettung frei gemacht hat. An uns liegt es nun nur mehr, dieses Angebot Gottes anzunehmen. Aber das müssen wir tun, ansonsten können wir nicht gerettet werden.

In diesen Kapiteln 10 und 11 des Römerbriefes reagiert Paulus auf eine Information, welche ihm offensichtlich zugetragen worden ist. Nämlich, dass es in der christlichen Gemeinde in Rom Geschwister gab, welche die Meinung vertraten, die Israeliten (die „natürlichen Zweige”) hätten durch die Ablehnung und Kreuzigung des Sohnes Gottes ihren Platz im Heilsplan Gottes eingebüßt und nunmehr wäre die christliche Gemeinde das „neue Israel”. Sämtliche Verheißungen und Prophezeiungen, welche sich auf Israel bezogen, würden daher nunmehr ausschließlich für die Gemeinde Geltung haben.

Wir erkennen hier bei den damaligen römischen Christen eine ähnlich elitäre Geisteshaltung, wie man sie bei den Vertretern einer Prädestination heute noch feststellen kann. Da wie dort maßen sich Menschen an, Gottes Gerechtigkeit so zu interpretieren, dass die Gnade und Güte Gottes nur ihnen zuteil würde, während der andere Teil der Menschen - damals die Juden, heute alle Nicht-„Vorherbestimmten” - unwiderruflich verloren gehen. Doch was Paulus den Römern darauf geantwortet hat, muss man auch heute den Vertretern einer Prädestination ans Herz legen:

Wenn du nicht an der Güte Gottes bleibst, wirst auch du herausgeschnitten werden.

Röm 11,19 Du wirst nun sagen: Die natürlichen Zweige sind herausgebrochen worden, damit ich eingepfropft würde. 11,20 Richtig; sie sind herausgebrochen worden durch den Unglauben; du aber stehst durch den Glauben. Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich! 11,21 Denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht geschont hat, wird er auch dich nicht schonen. 11,22 Sieh nun die Güte und die Strenge Gottes: gegen die, welche gefallen sind Strenge; gegen dich aber Güte Gottes, wenn du an der Güte bleibst; sonst wirst auch du herausgeschnitten werden. Röm 11,19-22;


Mit der Mahnung an die christlichen Gläubigen in Rom: „sonst wirst auch du herausgeschnitten werden” bestätigt uns Paulus hier, dass es weder eine Prädestination gibt - also eine unwiderrufliche Vorherbestimmung durch Gott -, noch die in diesem Zusammenhang immer wieder behauptete „Unumstößlichkeit der ewigen Errettung der Auserwählten”. Derlei „Absicherungen” kennt der schriftgemäße christliche Glaube nicht. Und wenn Paulus in Röm 8,35-39 schreibt „Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist”, so zeigt das exakt die Situation auf: Nichts und niemand kann uns von Christus und der Liebe Gottes scheiden, nur wir selbst sind in der Lage, die Hand Gottes loszulassen, dem Betrug der Sünde nachzugeben und vom Glauben abzufallen. Und davor warnt Paulus oben.

Die absolute Gerechtigkeit Gottes ist der Garant dafür, dass jedem Menschen seine volle Entscheidungsfreiheit gewährt wird. Ob er nun Gott annimmt oder ablehnt, ob er nach seiner Bekehrung die Güte Gottes missachtet und wieder zum Unglauben zurückkehrt oder ob er nach anfänglicher Ablehnung dann doch noch zum Glauben an diesen Gott kommt. Bei Gott gibt es weder eine Vorhererrettung noch eine Vorherverdammung der Menschen. Sie werden ausnahmslos alle gemäß ihren eigenen Taten und Entscheidungen gerichtet.

Denn es ist kein Ansehen der Person bei Gott.

Röm 2,9 Bedrängnis und Angst über die Seele jedes Menschen, der das Böse vollbringt, sowohl des Juden zuerst als auch des Griechen; 2,10 Herrlichkeit aber und Ehre und Frieden jedem, der das Gute wirkt, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen. 2,11 Denn es ist kein Ansehen der Person bei Gott. Röm 2, 9-11;




(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Erhört Gott unsere Gebete für die Bekehrung von Menschen? / Kommentar B. Hackbauer 00, 2005-02-09)

Ich bin regelmäßiger Besucher Ihrer Seite und gratuliere Ihnen zu der Logik und Schriftnähe Ihrer Ausführungen. (…) Im Diskurs 69 über die Prädestination habe ich nun folgende Aussage von Ihnen gefunden:

„Und so nimmt Gott auch keinen Einfluss auf die Glaubensentscheidung des Menschen. Sie muss freiwillig erfolgen, denn ein erzwungenes Glaubensbekenntnis würde der Ewigkeit nicht standhalten.”

(…) Ich verstehe durchaus Ihre Argumentation, sehe allerdings in der Realität des christlichen Lebens Probleme damit. Sie haben an anderen Stellen darauf hingewiesen, dass wir auch für die Bekehrung unserer Mitmenschen beten müssen. Wenn wir nun einerseits Gott bitten, dass er unsere Nächsten zum Glauben führt, Sie aber meinen, dass Gott „keinen Einfluss auf die Glaubensentscheidung des Menschen” nimmt, wie sollten hier unsere Gebete je erhört werden? (…)

Bruno Hackbauer b.hackbauer@bluewin.ch



Zuerst einmal bedanke ich mich für die freundlichen Worte und freue mich, wenn die Logik und Schriftnähe meiner Arbeiten Ihnen ein besseres Verständnis der Schrift ermöglicht haben.

Zur Beantwortung Ihrer Frage muss ich noch einmal auf den Kern der Aussagen vom Diskurs 69 eingehen. Die Tatsache, dass wir unsere Glaubensentscheidung ganz persönlich treffen müssen, bestätigen u.a. die vielen Aufforderungen des Herrn an uns, zu glauben. Hier nur ein Beispiel aus dem Johannesevangelium, wo der Herr gleich drei Mal in Folge diese Notwendigkeit ausspricht:

Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat.

Jh 3,14 Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muß der Sohn des Menschen erhöht werden, 3,15 damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe.

3,16 Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.

3,17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn errettet werde. 3,18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Jh 3,14-18;


Wenn nun durch Gott jeder Mensch aufgefordert wird, sich zu bekehren, ist es evident, dass dies niemand anderer für ihn tun kann. Gleichzeitig ergibt sich daraus die Konsequenz, dass natürlich auch Gott uns hier nicht die Verantwortung abnimmt. Uns ist die gesamte Schöpfung - vom Universum bis hin zum kleinsten Mikroorganismus - gegeben, um darin das Wirken Gottes erkennen und uns für ihn entscheiden zu können. Doch wir müssen in diesem Zusammenhang auch die Gerechtigkeit Gottes berücksichtigen. Die Entscheidungen Gottes beruhen auf seiner absoluten Gerechtigkeit. Und hier können daher auch nicht die „Verdienste” irgendwelcher Anverwandter aufgerechnet werden, um Bruder, Schwester, Vater oder Mutter zum Glauben „kommen zu lassen”. Jeder Mensch steht beim Gericht für sich ganz alleine vor Gott und muss selbst für die Entscheidungen in seinem Leben Rechenschaft abgeben.

Die durchaus berechtigte Folgerung in Ihrem Kommentar, wenn „ … Gott ‘keinen Einfluss auf die Glaubensentscheidung des Menschen nimmt’, wie sollten hier unsere Gebete je erhört werden?” ist allerdings nicht so hoffnungslos, wie sie zu sein scheint. Wenn wir tatsächlich an der Bekehrung bestimmter Menschen interessiert sind, sollten wir nicht in die „Gießkannenmethode” der Amtskirchen verfallen, welche in den Messen fünf Minuten für „die” dritte Welt, für „die” Armen usw. beten und dann meinen, sie hätten Ihren Anteil beigetragen, jetzt wäre Gott am Ball und sie könnten das Problem vergessen.

Wir müssen für jene Menschen, welche wir an den Glauben heranführen wollen, Aktivitäten setzen. Hier, auf unserer menschlichen Ebene, haben wir alle Möglichkeiten der Evangelisation, der Mission, um unsere Mitmenschen zu bekehren und sie zum Glauben an den Herrn Jesus Christus zu führen. Dass diese Bekehrung aber letzten Endes freiwillig und nach eigener Entscheidung erfolgen muss, ist jedoch auch hier eine unabdingbare Voraussetzung. Und hier erkennen wir auch einen Ansatzpunkt für unsere Gebete. Wir können Gott zwar nicht um die Bekehrung der Menschen bitten, aber wir können den Herrn bitten, uns und anderen Kraft und Ausdauer zu schenken, und unseren Worten und Werken seinen Geist hinzuzufügen, damit alle, die glauben wollen auch zum Glauben kommen.



(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Ist die Souveränität Gottes in Gefahr? / Buch James I. Packer 00, S 66ff*))

(…) alles geschieht tatsächlich unter der direkten Herrschaft Gottes, Gott hat die Zukunft durch seinen Beschluß bereits festgelegt und entschieden, wen er erretten wird und wen nicht: welche Auswirkungen hat das auf unsere Pflicht zu evangelisieren?

Diese Frage bewegt heute viele gläubige Christen. Einige glauben an die Souveränität Gottes, in der uneingeschränkten und kompromisslosen Art, wie sie - nach unserem Dafürhalten - in der Bibel gebracht wird. Sie fragen sich nun, ob es nicht einen Weg gibt, auf den sie diesen Glauben bezeugen können und sollten, indem sie die Verkündigungsmethoden ändern, die sie von einer Generation mit anderen Glaubensüberzeugungen übernommen haben. Diese Methoden, sagen sie, sind von Menschen erdacht worden, die nicht wie wir an die absolute Souveränität Gottes in der Errettung glauben; sollte man sie nicht schon allein deswegen nicht mehr anwenden?

*) Dieser Auszug wurde dem Buch von James I. Packer: „Prädestination und Verantwortung” [Evangelism and the Sovereignty of God], erschienen bei TVG - Theologische Verlagsgemeinschaft R. Brockhaus, Brunnen, entnommen.

James I. Packer / http://www.regent-college.edu/academics/anglicanstudies/professors.html



Reverend Dr. James I. Packer ist Theologieprofessor (Board of Governors’ Professor of Theology) am Regent College in Vancouver, Kanada, Leiter des „Regent College's Anglican Studies Program” und Mitherausgeber der Zeitschrift „Christianity Today”.

Nachdem wir hier einen Autor haben, welcher in der Anglikanischen Kirche nicht nur Geistlicher, sondern auch Theologieprofessor und Leiter des Anglikanischen Studienprogramms am Regent College in Vancouver ist, sollen zur besseren Einschätzungen seiner Aussagen jene Bereiche kurz beleuchtet werden, in welchen er in leitender Position tätig ist und daher auch die Prinzipien des Handelns und des Denkens beeinflusst oder gar vorgibt.

Die Anglikanische Kirche hat gerade in unseren Tagen weltweit Aufmerksamkeit erregt, weil sowohl die Anglikanischen Bischöfe der USA als auch der westkanadischen Diözese New Westminster, eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare erlaubt hat. In einer kürzlich aus diesem Anlass stattgefundenen Konferenz von 300 Anglikanischen Bischöfen aus Afrika, in Lagos, wird diese Entscheidung ihrer amerikanischen und kanadischen Bischofskollegen in der Abschlusserklärung scharf kritisiert:

„(…) dass eine kleine, wirtschaftlich privilegierte Gruppe von Menschen den christlichen Glauben zu untergraben versucht hat. Zudem sucht die Gruppe ihre neue und falsche Lehre der weiteren Gemeinschaft der Gläubigen aufzudrängen.”


Und es ist dann auch nicht weiter verwunderlich, wenn erst kürzlich ein bekennender Homosexueller in den USA zum Bischof geweiht wurde. In der Anglikanischen Kirche wurde der 56-jährige Gene Robinson im US-Bundesstaat New Hampshire von der Episkopal-Kirche in Amt und Würden erhoben. Dieser Mann war mehr als zehn Jahre mit einer Frau verheiratet, von der er sich vor einigen Jahren getrennt hat und hat eine erwachsene Tochter. Solche Männer, welche den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen haben und in ihrer Wollust zueinander entbrannt sind, indem sie Männer mit Männern Schande getrieben haben, beschreibt auch Paulus im Römerbrief:

Sie sind in ihrer Wollust zueinander entbrannt, indem sie Männer mit Männern Schande trieben.

Röm 1,22 Indem sie sich für Weise ausgaben, sind sie zu Narren geworden 1,23 und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes verwandelt in das Gleichnis eines Bildes vom vergänglichen Menschen und von Vögeln und von vierfüßigen und kriechenden Tieren. 1,24 Darum hat Gott sie dahingegeben in den Begierden ihrer Herzen in die Unreinheit, ihre Leiber untereinander zu schänden, 1,25 sie, welche die Wahrheit Gottes in die Lüge verwandelt und dem Geschöpf Verehrung und Dienst dargebracht haben statt dem Schöpfer, der gepriesen ist in Ewigkeit. Amen. 1,26 Deswegen hat Gott sie dahingegeben in schändliche Leidenschaften. Denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr in den unnatürlichen verwandelt, 1,27 und ebenso haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen, sind in ihrer Wollust zueinander entbrannt, indem sie Männer mit Männern Schande trieben, und empfingen den gebührenden Lohn ihrer Verirrung an sich selbst. Röm 1,22-27;


Bezeichnenderweise schreibt Paulus oben von diesen Leuten auch

Indem sie sich für Weise ausgaben, sind sie zu Narren geworden (…) sie, welche die Wahrheit Gottes in die Lüge verwandelt haben.


(Siehe auch den Diskurs 59: „Was sagt die Bibel wirklich über die Stellung der Frau in der Kirche?”)

Ob das nun jene Glaubensprinzipien sind, welche James Parker im Regent College den angehenden Anglikanischen Theologen und Priestern vermittelt? Auf jeden Fall verleiht er in dem Buchauszug weiter oben seiner Meinung Ausdruck, dass die überkommenen Glaubensüberzeugungen einer anderen Generation nicht mehr angewendet und deren Verkündigungsmethoden geändert werden sollten.

Als Mitherausgeber der Zeitschrift „Christianity Today”, hat er aber auch dort Macht und Einfluss und kann daher die Leitlinien dieses Mediums in seinem Sinn gestalten und vorgeben. Und hier ist es nun unglaublich erhellend, wenn in einem Artikel dieser Zeitschrift die Auffassung vertreten wird, dass die Bibel ein Märchenbuch und die Offenbarungen darin eine „trip to heaven-Literatur” sind (J. Nelson Kraybill, president of Associated Mennonite Biblical Seminary, Elkhart, Indiana, in „Apocalypse Now” / Christianity Today).

(Siehe auch den Diskurs 23: „Kommentar zum Handbuch für Hermeneutik.”)

Soweit einmal zum Umfeld von James Packer und jenen Institutionen, in welchen er leadership reklamiert. Doch gehen wir nun zum eingangs zitierten Auszug aus seinem Buch. Auch wenn man viele der Aussagen darin kritisieren kann und muss, eines muss man ihm in aller Regel zugute halten: Mit seiner Definition:

Gott hat die Zukunft durch seinen Beschluß bereits festgelegt und entschieden, wen er erretten wird und wen nicht


dokumentiert er klar und unmissverständlich die Sicht dieser Anglikanischen Schule, dass es keinesfalls dem Menschen obliegt, sich in seinem Leben für oder gegen Gott zu entscheiden, sondern dass hier Gott in seiner Souveränität schon alles „geregelt” und entschieden hat, welcher Mensch nun gerettet und welcher verdammt wird.

Nachdem ja in diesem Diskurs bisher alle jene Aussagen der Schrift zitiert und erklärt wurden, welche gerade dieser Anschauung entgegenstehen und eben das Gegenteil beweisen, soll hier noch kurz darauf eingegangen werden, warum eigentlich Menschen überhaupt auf diese Idee eines solcherart agierenden Gottes kommen können.

Im Buch von James Packer wird immer wieder auf die Souveränität Gottes hingewiesen und so getan, als ob alle, welche nicht seine Sichtweise vertreten, die Souveränität Gottes leugnen würden. Dies ist natürlich genauso falsch wie die von ihm vertretene Auffassung einer Vorausbestimmung der Menschen zum ewigen Leben oder zur ewigen Verdammnis. Der Grund, wieso es überhaupt zu derartigen Fehleinschätzungen kommen kann, liegt in einem grundsätzlichen Denkfehler im Hinblick auf die Souveränität Gottes:

Niemand kann die absolute Herrschaft Gottes in diesem Universum - in welchem Zusammenhang auch immer - in Frage stellen. Nachdem alle Haare auf dem Haupt eines jeden von uns von Gott gezählt sind, untersteht auch unser gesamtes Handeln und Wollen diesem einen allmächtigen Gott.

So hätte dieser Gott schon zu Noahs Zeiten die gesamte gottlose Menschheit mit einem Schlage vernichten können. Hat er das? Nein, er hat 8 Menschen - Noah mit seinen drei Söhnen und ihren Frauen - durch die Flut gerettet und so durch seine Gnade der Menschheit einen Neuanfang gewährt.

Der Allmächtige hätte das Volk Israel nach ihrem Abfall und der Anbetung des goldenen Kalbes am Berg Sinai, verlassen können. Hat er das? Nein, er hat zwar diese sündhafte Generation in der Wüste sterben lassen, aber nach 40 Jahren durften dann ihre Nachkommen durch die Gnade Gottes ins verheißene Land einziehen.
 
Und schließlich hätte Gott in seiner Souveränität und absoluten Gerechtigkeit die Menschheit in ihrer eigenen Sünde zugrunde gehen lassen können. Hat er das? Nein, er hat in seiner Liebe und Gnade seinen eigenen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus gesandt, damit er für die Menschheit ein Loskaufopfer erbringt, welches unsere Sünden zudeckt und uns vor dem Zorn Gottes errettet.

Eben diese Zusammenhänge dürfte nun Dr. Packer übersehen haben, wenn er sich in seinen obigen Aussagen auf eine „Souveränität Gottes, in der uneingeschränkten und kompromisslosen Art, wie sie ... in der Bibel gebracht wird.” bezieht. Und hier erkennt man auch den eigentlichen Hintergrund derartiger Geisteshaltungen: es wird die Souveränität Gottes mit jener irdischer Machthaber verglichen und verwechselt. Man kann sich offensichtlich keinen Souverän vorstellen, der seine Macht nicht uneingeschränkt und kompromisslos einsetzen würde. Wenn das nun auch bei der überwiegenden Zahl der irdischen Herrscher durchaus zutreffen dürfte, beim allmächtigen himmlischen Herrscher, bei unserem Vater im Himmel, ist dies mit Sicherheit - und auch nach eindeutigen Aussagen der Schrift - nicht der Fall.

Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohn gegeben.

Jh 5,21 Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will. 5,22 Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohn gegeben, 5,23 damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. Jh 5,21-23;


Ebenso wie Gott in seiner Souveränität selbst nicht richtet, sondern das ganze Gericht dem Sohn übergeben hat, hat es Gott - auch und gerade deswegen - jedem Menschen frei gestellt, sich zu seinem Sohn und dessen Loskaufopfer zu bekennen oder es abzulehnen. Wie in diesem Diskurs bereits zur Genüge dargelegt und anhand der Schrift dokumentiert, ist genau dies die Kernaussage des Neuen Testaments:

Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung!

Mk 16,15 Und er sprach zu ihnen: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! 16,16 Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird errettet werden; wer aber ungläubig ist, wird verdammt werden. Mt 16,15-16;


Gott hat in seiner Souveränität, Liebe und Gnade bestimmt, dass jeder Mensch, der sich zu seinem Sohn bekennt, gerettet ist.


Wer dieses Angebot der Liebe und Gnade Gottes ablehnt oder meint, er müsste hier keine Entscheidung mehr treffen, da „Gott durch seinen Beschluss bereits festgelegt und entschieden hat, wen er erretten wird und wen nicht”, der fällt dann tatsächlich der Souveränität Gottes, in ihrer uneingeschränkten und kompromisslosen Art anheim und wird verdammt werden.


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Gott will, dass alle Menschen errettet werden. / Kommentar ChB 00 2005-04-14)

Es gibt viele Versuche, die Souveränität Gottes zu betonen und in der Folge Theorien zu verschiedenen 'Rufen', 'allgemeinen' wie 'unwiderstehlichen', aufzustellen. Zu alldem finde ich in der Bibel nichts außer der Ermahnung, unsere Herzen nicht zu verhärten, wenn wir die Stimme Gottes hören. Ich finde manche Stellen, in denen Gott die Herzen verhärtet (Röm 9,18) oder gar eine wirksame Kraft des Irrwahns (2The 2,11) sendet, damit die Menschen (aber was sind das eigentlich für Menschen? „weil sie die Liebe zur Wahrheit zu ihrer Errettung nicht angenommen haben” 2The. 2,10) und der Lüge glauben, jedoch ungleich mehr Stellen, in denen gesagt wird, dass die Menschen (selbst) ihr Herz bzw. ihren Nacken verhärtet haben. Mir scheint es eher so zu sein, dass Gott diejenigen, die sich nachhaltig von ihm abwenden, dann irgendwann auch in Ruhe (im Sinne des dann selbstgewählten Gerichts als Folge ihrer Abkehr) lässt bzw. Sein Ruf irgendwann dann auch an ihren Herzen abprallt. Ohne an der Souveränität Gottes zweifeln zu wollen, scheint mir jedenfalls keineswegs festgestellt, dass der Mensch etwa keinen eigenen Willen habe und im Sinne einer Marionette zu betrachten sei, wie es etwa der Calvinismus tut.

Dazu ist viel gesagt worden, auf das ich nicht im Detail eingehen will. Wer diese Dinge anders sieht, muss aber u.a. auch folgende beiden Stellen wegerklären:

„Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt
(Mt 23,37; Lk 13,34)

Jesus weint also in Lk 19,41-42 über Jerusalem, weil sie Gott nicht haben gehorchen wollen. Weint Jesus hier etwa nur Krokodilstränen, weil Er und damit auch der Vater es ohnehin von Anfang an anders bestimmt haben? Ich glaube das nicht.

„welcher will, daß alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen” (1Tim. 2,4)

So steht es da. Was nun? Will man behaupten, dass bei Gott Wollen und Vollbringen auseinanderfallen? Insofern begeben sich diejenigen Exegeten, die an dieser Stelle diffizil zwischen „wünschendem Willen” (hinsichtlich der Errettung) und Vorsatz im Sinne ewigen Ratschlusses (dass nur manche Auserwählten errettet werden) zu unterscheiden suchen (so u.a. die MacArthur-Studienbibel) auf ein Glatteis, das mir gefährlich scheint. Aus juristischer Sicht subsumiere zumindest ich jede Art 'wünschenden Willens' nicht unter „billigendes Inkaufnehmen” oder „sicheres Folgewissen”, sondern ohne weiteres und unmittelbar unter 'dolus directus' (Absicht), mithin der stärksten Vorsatzform, die das deutsche Recht kennt. Ich halte demgegenüber dafür, dass es nicht Gott zuzurechnen ist, wenn die Menschen sich auf eigene Gefahr gegen Ihn entscheiden, aber mit dieser Fähigkeit hat er uns eben auch ausgestattet. Die Bibel gibt beredt Zeugnis von solchen Beispielen.

Christian Bollmeyer, Hamburg / bollmeyer@debitel.net



Für diesen Hinweis von Christian Bollmeyer bin ich sehr dankbar, weil er auch zwei Schriftstellen aufzeigt, welche gleichfalls nachweisen, dass der Glaube kein Minderheitenprogramm, sondern ein Angebot Gottes an alle Menschen ist, zur Erkenntnis der Wahrheit und zum ewigen Leben zu kommen.

Gott will, daß alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

1Tim 2,3 Dies ist gut und angenehm vor unserem Heiland-Gott, 2,4 welcher will, daß alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. 2,5 Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, 2,6 der sich selbst als Lösegeld für alle gab, als das Zeugnis zur rechten Zeit. 1Tim 2, 3- 6;




(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Gott entscheidet zuerst? / Predigt Wolfgang Nestvogel 00, CD : Predigten BEG Hannover, 2005-05-22)

Das ist der erste Segen, den Paulus hier (Eph 1,4) vor uns auspackt. Er sagt: Gott hat euch erwählt. Gott hat euch vorherbestimmt vor Grundlegung der Welt. Auf die Frage also: Warum gehören wir zu Gott? (…) Wodurch ist Gottes Segen in unser Leben gekommen? (…)  Warum dürfen wir seine Kinder sein? (…) beginnt Paulus mit Gottes souveräner Entscheidung. Er sagt: Gott hat euch erwählt und er sagt: Gott hat euch vorherbestimmt.

Wenn Sie eine Überschrift über Ihre Mitschrift schreiben wollen, können Sie schreiben: Gott entscheidet zuerst. (…) Gott entscheidet vor meiner Entscheidung. (…) Gott hat in souveräner Freiheit einzelne Leute dazu auserwählt, dass sie zu ihm gehören sollen. (…) Gott erwählte ganz bestimmte Menschen als seine Kinder und das heißt, er erwählte sie dazu, gerettet zu werden und auf ewig in den Himmel zu kommen. (…) Paulus sagt in Eph 1,4 Gott hat euch auserwählt und in Vers 5 bekräftigt Paulus dieselbe Tatsache nochmals mit einem anderen Ausdruck. Er sagt: Gott hat - so steht's hier - uns vorherbestimmt. Also damit ist wirklich jeder Zweifel eines Missverständnisses, jede Möglichkeit ausgeschlossen. Paulus sagt nicht Gott hat es vorher gewusst, sondern er sagt Gott hat es vorherbestimmt.

Und da schießt uns natürlich gleich die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes in den Kopf. Ist das denn gerecht? Natürlich steht dann in Vers 6 noch: Er hat uns begnadet durch Christus - also in dem Geliebten. Aber wir fragen ja, warum ausgerechnet uns? Warum hat er nicht alle begnadet? Wie kommt Paulus nur dazu, so etwas zu behaupten? Und liebe Gemeinde, das behauptet Paulus nicht nur hier, das ist nicht mal gewissermaßen ein Ausrutscher, sondern das schreibt er an ganz vielen Stellen. Zum Beispiel im Römerbrief, Kapitel 8. Da sagt Paulus: Diejenigen, die Gott zuvor ausersehen hat - also herausgewählt hat -, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes. Und dann sagt er weiter in Röm 8 Vers 30: Die Gott vorherbestimmt hat, die har er auch berufen.


(Dieser Auszug wurde einer Predigt von Wolfgang Nestvogel vom 22. 5. 2005 über Eph 1,1-6 auf der CD „Predigten BEG-Hannover” entnommen.)



Hier einmal dieser Text aus dem Epheserbrief in der Lutherübersetzung, wie er in der obigen Predigt verwendet wird:

Wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt.

Eph 1,3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus. 1,4 Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, daß wir, heilig und untadelig vor ihm sein sollten; in seiner Liebe 1,5 hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, 1,6 zum Lob seiner herrlichen Gnade, mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten. Eph 1, 3- 6;


Es gäbe nicht so viele Missverständnisse bei der Auslegung der Schrift, wenn die Exegeten den Text komplett lesen und bedenken würden und nicht einzelne Verse oder gar - wie es hier geschieht - einzelne Wörter herausnehmen und darauf dann ihre Predigt aufbauen würden. So reduziert Wolfgang Nestvogel hier die Aussage des Paulus in Eph 1,4-5 auf die Worte „erwählt” und „vorherbestimmt”. Es interessiert ihn offenbar gar nicht wieso und warum uns Gott auserwählt hat. Aber das ist ja auch durchaus verständlich, vertritt er doch die Auffassung, dass Gott die Menschen willkürlich und grundlos auserwählt hat. Die einen zum ewigen Leben und die anderen zur ewigen Verdammnis. Und W. Nestvogel selbst - und auch seine jeweiligen Zuhörer - gehören natürlich zu den Ersteren

Also sehen wir uns einmal den Kontext dieser beiden Worte an. In Eph 1,4 heißt es: „wie er (Gott) uns in ihm (Christus) erwählt hat vor Grundlegung der Welt” und in Eph 1,5 setzt Paulus fort: „und uns vorherbestimmt hat zur Sohnschaft (seine Kinder zu sein) durch Jesus Christus”. Und nun erkennen wir, dass in beiden Sätzen eine Bedingung für diese Auswahl bzw. Vorherbestimmung Gottes aufscheint:

 - wir sind in Christus auserwählt und

 - wir sind durch Christus vorherbestimmt.

Diese conditio sine qua non wird nun von den Vertretern einer Prädestination - also einer Vorauswahl durch Gott ohne Zutun des Menschen - immer gern ausgeklammert. Um in Christus auserwählt und durch Christus vorherbestimmt zu werden, müssen wir an Christus glauben. Und das können wir nicht, es sei denn wir entscheiden uns in unserem Leben für Christus.

Wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.

Jh 11,23 Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. 11,24 Marta spricht zu ihm: Ich weiß wohl, dass er auferstehen wird - bei der Auferstehung am Jüngsten Tage. 11,25 Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; 11,26 und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das? Jh 11,23-26;


Im Gegensatz zu W. Nestvogel, der in seiner Predigt meint:„Gott erwählte ganz bestimmte Menschen (…) dazu, gerettet zu werden und auf ewig in den Himmel zu kommen”, sagt uns der Herr hier oben, in Jh 11,26: „wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben”. Das gilt also für alle Menschen, die da leben und sich für den Glauben an Jesus Christus entscheiden und nicht nur für ganz bestimmte „Auserwählte”. Wir sind also nicht zum Glauben gekommen, weil uns Gott auserwählt hat, sondern umgekehrt hat uns Gott auserwählt, weil wir uns für den Glauben an seinen Sohn entschieden haben. - Soweit zu Eph 1,3-6. Dann bezieht sich aber W. Nestvogel auch auf den Römerbrief, Kapitel 8 und meint:

„Da sagt Paulus: Diejenigen, die Gott zuvor ausersehen hat - also herausgewählt hat -, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes. Und dann sagt er weiter in Röm 8 Vers 29: Die Gott vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen.”


Hier wird die Übersetzung der Lutherbibel zitiert, welche im Volltext wie folgt lautet:

Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt.

Röm 8,28 Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluß berufen sind. 8,29 Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, daß sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Röm 8,28-29;


Beim Vergleich mit dem griechischen Text (siehe Nestle-Aland) und allen anderen internationalen Übersetzungen kann man sehr leicht nachweisen, dass die Übersetzung von Römer Kapitel 8, Vers 29 in der Lutherbibel eindeutig falsch ist. Das griechische Verb, welches dort für „ausersehen” steht ist „proegno”. „Pro” ist eine Vorsilbe und heißt „vor”. Die Silbe „gno” kommt u.a. in folgenden Wörtern vor: gnomo=Kenner, gnoriso=erkennen. gnoripso=erkennbar, gnosis=Erkenntnis. Die richtige Übersetzung dieser Stelle muss daher lauten: „die er vorher erkannt hat” und nicht „die er ausersehen” hat.

Diese korrekte Übersetzung finden wir dann auch in allen anderen deutschen Bibeln (Herder, Elberfelder, rev. Elberfelder, Konkordante Wiedergabe, Jüdisches Neues Testament) und ebenso in den amerikanischen Übersetzungen:

Elberfelder:

Röm 8,29 Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.

DBY - 1889 Darby Translation:

Rom 8,29 Because whom he has foreknown, he has also predestinated to be conformed to the image of his Son, so that he should be the firstborn among many brethren.

KJ21 - 21st Century King James Version:

Rom 8,29 For whom He foreknew, He also predestined to be conformed to the image of His Son, that He might be the firstborn among many brethren.

NAS - 1977 New American Standard Version:

Rom 8,29 For whom He foreknew, He also predestined to become conformed to the image of His Son, that He might be the first-born among many brethren.

NAS95 - 1995 New American Standard Version:

Rom 8,29 For those whom He foreknew, He also predestined to become conformed to the image of His Son, so that He would be the firstborn among many brethren;

RSV - 1947 Revised Standard Version:

Rom 8,29 For those whom he foreknew he also predestined to be conformed to the image of his Son, in order that he might be the first-born among many brethren.


Ähnlich ist es mit 1Ptr 1,2, wo Luther ebenfalls fälschlich mit „ausersehen” übersetzt, während die Elberfelder richtigerweise „nach Vorkenntnis Gottes” und die amerikanischen Übersetzungen „according to the forehnowledge of God” übersetzen.

Und mit dieser Richtigstellung ergibt sich nun auch eine ganz andere Bedeutung dieser Aussage des Paulus: Gott hat nicht die vorherbestimmt, die er „ausersehen” hat, sondern er hat in seiner Allwissenheit jene Menschen vorher erkannt, welche sich in ihrem Leben zu ihm bekennen werden. Denn wenn Gott die Gläubigen vor Grundlegung der Welt in seiner Allwissenheit erkannt hat, so muss diesem „Erkennen” ja zwangsläufig ein Suchvorgang vorangegangen sein. Und für einen Suchvorgang bedarf es eines Suchkriteriums. Und genau dieses Suchkriterium Gottes war die Glaubensentscheidung eines jeden einzelnen Menschen in dessen Leben. Gott hat vor Anbeginn der Welt in seiner Allwissenheit alle jene Menschen gesucht, erkannt und auserwählt, welche in ihrem Leben eine Entscheidung für ihn treffen werden und hat ihre Namen in das Buch des Lebens eingeschrieben. Diese Menschen sind Eigentum Gottes und sie sind es auch, welche der Vater dem Sohn gegeben hat.

Wie du ihm Vollmacht gegeben hast über alles Fleisch, daß er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben gebe.

Jh 17,1 Dies redete Jesus und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche, 17,2 wie du ihm Vollmacht gegeben hast über alles Fleisch, daß er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben gebe! 17,3 Dies aber ist das ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. Jh 17, 1- 3;

Vater, ich will, daß die, welche du mir gegeben hast, auch bei mir seien.

Jh 17,24 Vater, ich will, daß die, welche du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, damit sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast, denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt. Jh 17,24;


Nun ist aber das eigentliche Problem in dieser Lehre einer Prädestination: diese Leute erkennen zwar, dass Gott in seiner Allwissenheit bereits vor Grundlegung der Welt alle Menschen gesehen und eine Auswahl getroffen hat, doch der einfache Schluss, dass Gott dann natürlich auch erkannt hat, welcher Mensch eine Entscheidung für Christus treffen wird und welcher nicht, und daher die Auswahl darauf begründet hat, das realisiert man nicht oder will es ganz einfach nicht wahrhaben.

Doch das ist ja nun ein gewaltiger Unterschied: Von einer willkürlichen, ungerechten (und daher auch undenkbaren) Auswahl Gottes, ohne jegliches Zutun des Menschen, hin zur Verantwortung und einer freien Entscheidung des Menschen in seinem Leben für oder gegen Christus. Gott hat also nicht in einem Akt der Willkür irgendwelche x-beliebige Menschen für das ewige Leben und den Rest der Menschheit - und der Christenheit (sic!) -  für die ewige Verdammnis vorherbestimmt, sondern gezielt jene Menschen auserwählt, welche sich zu ihm bekennen werden. Das ist also die richtige Abfolge, wie sie uns Paulus in Röm 8,29 lehrt: Gott hat uns im Voraus erkannt, weil wir uns für ihn entschieden und seinen Sohn Jesus Christus aufgenommen haben und somit Kinder Gottes geworden sind.

So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden.

Jh 1,11 Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an; 1,12 so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; Jh 1,11-12;


Nun sagt aber W. Nestvogel oben, in seiner Predigt:

„Gott erwählte ganz bestimmte Menschen als seine Kinder. (…) Gott hat in souveräner Freiheit einzelne Leute dazu auserwählt, dass sie zu ihm gehören sollen. (…) Gott hat euch vorherbestimmt vor Grundlegung der Welt.”


Wir haben in der gesamten Heiligen Schrift das Zeugnis von der ewigen Gerechtigkeit Gottes, wie z.B. auch in den zwei Schriftstellen hier unten:

Deine Gerechtigkeit ist eine ewige Gerechtigkeit.

Ps 119,142 Deine Gerechtigkeit ist eine ewige Gerechtigkeit, und dein Gesetz ist Wahrheit. 119,143 Angst und Bedrängnis haben mich erreicht. Deine Gebote sind meine Lust. 119,144 Gerechtigkeit sind deine Zeugnisse für ewig. Gib mir Einsicht, damit ich lebe! Ps 119,142-144;

Um den Sünden ein Ende zu machen und die Schuld zu sühnen und eine ewige Gerechtigkeit einzuführen.

Dan 9,24 Siebzig Wochen sind über dein Volk und über deine heilige Stadt bestimmt, um das Verbrechen zum Abschluß zu bringen und den Sünden ein Ende zu machen und die Schuld zu sühnen und eine ewige Gerechtigkeit einzuführen und Gesicht und Propheten zu versiegeln, und ein Allerheiligstes zu salben. Dan 9,24;


Wie will dieser Gott einer Prädestination am Ende der Zeiten eine ewige Gerechtigkeit einführen - wie es oben bei Daniel heißt - wenn er bereits vor Grundlegung der Welt „ganz bestimmte Menschen” völlig willkürlich und ungerecht und ohne ihr Zutun „ausersehen” hat, die einen zum ewigen Leben und die anderen zur ewigen Verdammnis? Auch und gerade wenn Nestvogel das auf die Allmacht Gottes zurückführt und mit der „souveränen Freiheit Gottes”  begründen will, wäre das eine Allmacht ohne Gerechtigkeit und ein solcher „Gott” könnte wohl nur von Unten kommen.

Die Prädestination ist daher eine falsche Heilslehre, mit welcher die Geschwister in den Gemeinden auf den falschen Weg geführt werden. Denn wie Johannes weiter oben sagt: „So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden.” Sie wurden also nicht Kinder Gottes, weil sie Gott ausersehen hat, sondern umgekehrt, Gott hat ihnen das Recht gegeben, seine Kinder zu werden, weil sie seinen Sohn aufgenommen haben. Die Grundlage für die echte Auswahl durch Gott ist daher die Entscheidung für seinen Sohn Jesus Christus. Das ist die biblische Heilslehre. Wer diese Entscheidung in seinem Leben trifft und bis zum Ende an ihr festhält, ist gerettet und hat ewiges Leben. Wer das nicht macht, auf den bleibt der Zorn Gottes. Und wenn nun die Vertreter der Prädestinationslehre meinen, sie müssten keine derartige Entscheidung für Christus treffen, weil sie von Gott ohne ihr Zutun bereits vorauserwählt wären, dann befinden sie sich genau in jener Situation und der Zorn Gottes bleibt auf ihnen.

Wer nicht an den Sohn glaubt, auf dem bleibt der Zorn Gottes.

Jh 3,36 Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm. Jh 3,36;

Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden.

Mt 10,22 Und ihr werdet von allen gehaßt werden um meines Namens willen. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden. Mt 10,22;


Alle weiteren Aussagen der Schrift über Auswahl und Auserwählte sind unter diesen Kriterien zu sehen: Gott hat vor Grundlegung der Welt in seiner Allwissenheit gesucht, erkannt und auserwählt. Dadurch, dass die Vertreter einer Prädestination sich nur auf den letzten Punkt, die Auswahl, konzentrieren, entgeht ihnen der erste Teil dieser Aussage des Paulus und sie kommen zu einer falschen Lehre. Es ist dann auch nicht weiter verwunderlich, dass es hier teilweise Lehrmeinungen gibt, die den Verheißungen der Bibel völlig entgegenstehen. So sagt W. Nestvogel in seiner Predigt:

„Gott hat in souveräner Freiheit einzelne Leute dazu auserwählt, dass sie zu ihm gehören sollen. (…) Gott erwählte ganz bestimmte Menschen als seine Kinder, und das heißt, er erwählte sie dazu, gerettet zu werden und auf ewig in den Himmel zu kommen.”


Diese Einschränkung der Möglichkeit zur Errettung auf einzelne Leute und ganz bestimmte Menschen ist ganz eindeutig eine Irrlehre und steht offensichtlich im Widerspruch zu den Aussagen der Schrift, wie z.B.:

Gott will, daß alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

1Tim 2,3 Dies ist gut und angenehm vor unserem Heiland-Gott, 2,4 welcher will, daß alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. 2,5 Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, 2,6 der sich selbst als Lösegeld für alle gab, als das Zeugnis zur rechten Zeit. 1Tim 2, 3- 6;

So kommt es auch durch eine Gerechtigkeit für alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens.

Röm 5,18 Wie es nun durch eine Übertretung für alle Menschen zur Verdammnis kam, so auch durch eine Gerechtigkeit für alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens. Röm 5,18;


Es gibt nach der Schrift also keine Begrenzung der Heilszusage an „einzelne Leute” oder „ganz bestimmte Menschen”. Deshalb ist dann auch die folgende Aussage des Vortragenden:

„Und derselbe Gott, der die Errettung für seine Erwählten verordnet hat, hat genauso verordnet, dass die Predigt des Wortes das Mittel ist, durch das er sie zur Errettung bringen wird. ”


eine Predigt, welche keinen einzigen Menschen erretten kann. Durch die Predigt kann der Weg gewiesen werden, doch das Mittel der Errettung ist und bleibt der Glaube des Menschen an Jesus Christus. Daher hat Gott auch nicht die Errettung einzelner Erwählter verordnet, sondern er hat seinen Sohn gesandt, damit dieser durch seinen Tod am Kreuz für die Sünden der Welt, die Errettung aller Menschen ermöglichen sollte. Der Glaube daran und die Annahme dieses Loskaufopfers für unsere eigenen Sünden ist in Wahrheit das einzige Mittel zur Errettung.

Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen.

Jh 7,37 An dem letzten, dem großen Tag des Festes aber stand Jesus und rief und sprach: Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke! 7,38 Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen.
7,39 Dies aber sagte er von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn noch war der Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war. Jh 7,37-39;

Und wen dürstet, der komme! Wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst!

Off 22,17 Und der Geist und die Braut sagen: Komm! Und wer es hört, spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme! Wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst! Off 22,17;


Die nächste Aussage des Vortragenden ist nun ganz nahe an der Wahrheit:

„Wenn ein Mensch zum Glauben kommt, dann kann er wissen: Gott hat mich erwählt. Noch bevor ich überhaupt etwas von ihm ahnte oder etwas von ihm kannte. Noch bevor die Welt erschaffen wurde, bevor Gott die Welt erschuf, hat er mich gesehen.”


Ja, natürlich. Genau so ist es. Nur der letzte Satz muss ergänzt werden: „... hat er mich gesehen und erkannt, dass ich mich in meinem Leben für seinen Sohn entscheiden werde und mich deshalb ausgewählt.”

Oder eine andere Aussage:

„Und aus den Milliarden und Abermilliarden Menschen wählte Gott die Menschen aus, die an seinen Sohn Jesus Christus glauben und errettet würden.”


Das ist nun genau die Bestätigung der hier vertretenen Ansicht und steht im Widerspruch zu den eigenen Aussagen von W. Nestvogel weiter oben. Denn wenn Gott die Menschen auswählte, die an seinen Sohn Jesus Christus glauben und errettet werden, dann heißt das ja, dass diese Auswahl nicht willkürlich und ohne Zutun des Menschen erfolgte, sondern dass diese Menschen eben deshalb erwählt wurden, weil sie sich für Christus entschieden haben und Gott in seiner Allwissenheit ihre Entscheidung vorauserkannte und sie infolgedessen vorauserwählte. Und daher kann sich diese Auswahl auch nicht auf „einzelne Leute” und „ganz bestimmte Menschen” beziehen, sondern muss für alle Menschen Gültigkeit besitzen, welche den Glauben an den Sohn Gottes annehmen wollen.

Und nun wird von den Vertretern einer Prädestination auch versucht, diese „Entscheidung für Christus” als einen Akt der Werksgerechtigkeit hinzustellen und aus diesem Grunde zu verurteilen. Die Schriftstelle, welche in diesem Zusammenhang als Beleg genannt wird ist Eph 2,8-9:

Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben.

Eph 2,8 Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; 2,9 nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Eph 2, 8- 9;


Wie ich mich immer wieder bemühe darauf hinzuweisen, muss man den Text einer Schriftstelle komplett lesen und analysieren (bedenken). Mit den Worten: „Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben” stellt Paulus die Gnade Gottes für uns Menschen durch das Loskaufopfer seines Sohnes Jesus Christus zur Vergebung unserer Sünden in den Vordergrund. Mit „Glaube” meint dann Paulus die von Gott gegebene Möglichkeit für den Sünder, diese Gnade und eben dieses Erlösungswerk des Sohnes Gottes persönlich anzunehmen und dadurch vor Gott gerechtfertigt zu werden. Das impliziert jedoch ganz eindeutig, dass dieser Glaube nicht automatisch dem Menschen innewohnt, sondern der Mensch diesen Glauben erst explizit und persönlich annehmen muss, wie z.B. ein Bettler eine Gabe annimmt, damit sie in seinen Besitz gelangt.

Ihn hat Gott hingestellt als einen Sühneort durch den Glauben an sein Blut zur Vergebung der Sünden.

Röm 3,22 Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus für alle, die glauben. Denn es ist kein Unterschied, 3,23 denn alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes 3,24 und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist. 3,25 Ihn hat Gott hingestellt als einen Sühneort durch den Glauben an sein Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit wegen des Hingehenlassens der vorher geschehenen Sünden 3,26 unter der Nachsicht Gottes; zum Erweis seiner Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit, daß er gerecht sei und den rechtfertige, der des Glaubens an Jesus ist. Röm 3,22-26;


Doch ebenso, wie sich ein Bettler nicht rühmen kann, durch dieses „Annehmen” eine Leistung erbracht zu haben, weil er schließlich zugegriffen hat, kann sich der Sünder, welcher den Glauben annimmt und eine Entscheidung für Jesus Christus trifft, daraus kein Verdienst zurechnen. Es ist wie bei der Hochzeit, wenn die Braut dem Bräutigam ihr Jawort gibt. Dieses „Ja” der Braut ist keine Leistung, mit der der Bräutigam erkauft werden könnte oder sich die Braut die Liebe des Bräutigams erst verdient hätte. Aber eines ist ganz gewiss: ebenso wie der Bettler, der die Gabe nicht annimmt, nicht in deren Besitz kommt, kann die Hochzeit nicht vollzogen werden, wenn die Braut nicht ihr „Ja” dazu gibt.

Jetzt gibt es natürlich auch Kulturen, in welchen Braut und Bräutigam bereits im Kindesalter „auserwählt” und schon im Kindesalter verheiratet werden. In diesen Kulturkreisen würde man es als unverständlich erachten, wollte jemand danach fragen, ob sich Braut und Bräutigam selbst füreinander entschieden hätten. Dort wird eine derartige Entscheidung strikte abgelehnt und alles von der Hand der Eltern bestimmt und erwartet. Und das gleicht nun aufs Haar dem Verständnis der Vertreter einer Prädestination von der Art, wie sie zum Glauben kommen. Sie lehnen jedweden Gedanken an eine Entscheidung des Menschen zum Glauben an Jesus Christus ab und behaupten, Gott hätte nur ganz bestimmte Leute - nämlich sie - auserwählt, um zum Glauben zu kommen

Die Konsequenz dieser Ansicht ist damit auch sehr klar zu erkennen: Ebenso wenig, wie der Bettler in den Besitz der Gabe kommt, wenn er sie nicht annimmt und die Braut nicht mit den Bräutigam verheiratet ist, wenn sie nicht ihr Jawort gibt, haben auch alle Menschen, die meinen, sie wären bereits von Gott auserwählt und müssten deshalb keine eigene Entscheidung für Christus treffen, dieses Angebot Gottes zur Sündenvergabe und Errettung nicht angenommen. Sie sind vergleichbar einer Braut, die sich geweigert hat, bei der Hochzeit ihr Jawort zu geben, aber dann im Glauben lebt, sie wäre dennoch mit dem Bräutigam verheiratet. - Ein trügerischer Glaube!

Schließlich lässt sich an der folgenden Interpretation von Röm 8,29 recht genau der Unterschied der Prädestinationslehre zur biblischen Lehre feststellen. W. Nestvogel sagt:

„Und Paulus sagt (…): Du gehörst deshalb zu Jesus Christus, du hast dich deshalb bekehrt, du bist deshalb umgekehrt von deinem alten Leben, weil der allmächtige Gott dich souverän dazu auserwählt und vorherbestimmt hat.”


Doch wenn wir uns ansehen, was Paulus tatsächlich sagt, lesen wir da etwas ganz anderes:

Röm 8,29 Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.


Hier sagt Paulus in Wahrheit: Der allmächtige Gott hat dich vorher erkannt und auserwählt, weil du dich für Jesus Christus entschieden und dich bekehrt hast und mit seiner Hilfe von deinem alten Leben umgekehrt bist.

(Siehe auch den Diskurs 100: „Johannes Calvin: Die echte und die falsche Prädestination.”)


Wie man sieht, verkehrt die Prädestinationslehre Ursache und Wirkung und scheut sich nicht, dem absolut gerechten Gott unter dem Deckmantel einer „Souveränität”, Willkür und Ungerechtigkeit anzudichten. Es ist daher auch nicht weiter verwunderlich, dass diese falsche Lehre in der Praxis unglaubliche Blüten treibt. So hat mir unlängst ein Vertreter dieser Ansicht geschrieben, dass es eben Menschen gibt, welche die Auserwählten sind und die anderen sind das „Unkraut”. Und weder die einen, noch die anderen können an ihrem Schicksal etwas ändern. „Weizen bleibt Weizen und Unkraut bleibt Unkraut”, wie er schrieb.

Eine derartige Lehre ist eine schlimme Verführung für die Gemeinde, weil sie die Geschwister in Sicherheit wiegt, im Glauben, sie hätten einen Freifahrschein für die Ewigkeit. Was noch schlimmer ist, sie sehen alle andern Menschen als „Unkraut” und daher sprechen sie sich auch gegen jede Art der Evangelisation aus. Ja mehr noch: wie mir der eben zitierte Bruder schrieb, denken er und seine Gesinnungsgenossen, dass sie das Herrengebet, das „Vater Unser”, nicht mehr zu beten bräuchten. Offensichtlich, weil dort von Schuldvergebung und Bewahrung vor dem Bösen die Rede ist, welches sie - als „Auserwählte” - ja nicht mehr nötig haben. Sie meinen, dass sie von Gott auserwählt wurden und damit ein für allemal gerettet sind und das ewige Leben haben.

Und da fragt man sich als bibelgläubiger Christ, wozu dann der Sohn Gottes, unser Herr Jesus Christus, ans Kreuz gehen und ein Loskaufopfer erbringen musste? Er musste das natürlich für unsere Sünden tun, um beim Vater für uns Vergebung zu erlangen. Und daher müssen wir uns in unserem Leben entscheiden, dieses Loskaufopfer auch explizit und ganz persönlich anzunehmen, um gerettet zu werden und das ewige Leben zu haben. - Nicht so die Geschwister aus der Prädestination! Diese haben offenbar eine Sonderabmachung mit Gott. Sie meinen, dass sie auserwählt wären und überhaupt nichts mehr entscheiden und annehmen müssten. Gott hätte schon alles für sie geregelt.

Gott hat einen Tag festgelegt, an dem er den Erdkreis richten will durch seinen Sohn.

Apg 17,30 Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber, gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. 17,31 Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten will mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat. Apg 17,30-31;


Wir leben in einer Zeit, in welcher die bibeltreue Lehre immer wieder durch andere, modernere Lehren in Frage gestellt wird. Daher sollten wir bei der Beurteilung der verschiedenen Lehren das Wort des Paulus in seinem zweiten Brief an den Timotheus berücksichtigen:

Sie werden sich nach ihren eigenen Begierden Lehrer aufhäufen, weil es ihnen in den Ohren kitzelt.

2Tim 4,3 Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt; 4,4 und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren und sich zu den Fabeln hinwenden. 2Tim 4, 3- 4;


Wir haben auf der einen Seite eine Lehre, welche den Geschwistern das ewige Leben ohne eigene Entscheidung und Gewissenskampf, sofortiges und immerwährendes Heil und die Unumstößlichkeit ihrer ewigen Errettung verspricht, weil der allmächtige Gott sie angeblich in einer „souveränen Entscheidung ausersehen” hat. Dem gegenüber steht die andere Lehre, welche die Verantwortung und die freie Willensentscheidung bei der Bekehrung dem Menschen selbst auferlegt, welche das ewige Leben davon abhängig macht, ob der Mensch das Loskaufopfer des Sohnes Gottes annimmt und die auch keine Unumstößlichkeit der ewigen Errettung des Menschen kennt, wenn dieser nicht bis zu seinem Tod standhaft am Glauben festhält.

Wenn wir uns nun im Sinne der obigen paulinischen Aussagen fragen, welches wohl jene gesunde Lehre sein könnte, welche manche Menschen nicht ertragen wollen, und andererseits die Auffassungen jener Irrlehrer sind, welche sich die Menschen nach ihren eigenen Begierden selbst aufhäufen, weil es ihnen in den Ohren kitzelt, dann können wir sehr schnell die falsche von der richtigen, biblischen Lehre unterscheiden.