Diskurs 71 - Ist das nächste größte Ereignis der Weltgeschichte für die Gläubigen die Entrückung?




Das nächste größte Ereignis der Weltgeschichte für die Gläubigen ist die Entrückung. / Vortrag Heinz Weber 00 1982-11-02

Kommt der Ausdruck „die Große Trübsal” nur im AT vor? / Vortrag Heinz Weber 01 1982-11-02

Spricht Matthäus 24 nicht von der Großen Trübsal? / Vortrag Heinz Weber 02 1982-11-02

Muss Mt 24 eine andere Bedeutung haben? / Vortrag Heinz Weber 03 1982-11-02

Haben die Gläubigen aus der Großen Trübsal nichts mit der Gemeinde zu tun? / Vortrag Heinz Weber 04 1982-11-02>

Sollte man nicht mit Bibelstellen argumentieren? / Vortrag Heinz Weber 05 1982-11-02

Wird die Gemeinde auf Erden regieren? / Vortrag Heinz Weber 06 1982-11-02

Kann der Herr heute, jetzt, morgen kommen? / Vortrag Heinz Weber 07 1982-11-02


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Das nächste größte Ereignis der Weltgeschichte für die Gläubigen ist die Entrückung. / Vortrag HW 1982-11-02*))

Das nächste größte Ereignis der Weltgeschichte für die Gläubigen ist die Entrückung. Es gibt nach der Bibel kein Ereignis das geschehen müsste, bevor die Entrückung stattfindet. Deshalb konnte Paulus schon zu seinen Lebzeiten erwarten – wenn z. B. die Gründung des Staates Israel eine Bedingung wäre für die Entrückung der Gemeinde, dann hätte Paulus nie schreiben können, dass er zu seinen Lebzeiten die Entrückung erwartet. Und ich könnte jetzt viele solche Beispiele anführen. Es gibt kein Ereignis nach der Bibel, das wir fordern müssen, dass es eintritt, bevor Jesus wiederkommen kann für seine Gemeinde. Es gibt viele Ereignisse, die müssen noch eintreten bevor Jesus wiederkommen kann, um seine Königsherrschaft auf Erden aufzurichten, bevor das Tausendjährige Reich anfängt. Aber das ist nicht Thema heute Abend.

*) Dieser Ausschnitt ist der Aufzeichnung eines Vortrags von Heinz Weber in der St. Matthäusgemeinde in Bremen, über „Die Wiederkunft des Herrn” entnommen.

Heinz Weber http://www.theo-notizen.de/theo/tn-home.htm



Dieser Diskurs befasst sich mit einem Vortrag von Heinz Weber in der St. Matthäusgemeinde in Bremen über die Wiederkunft des Herrn. Heinz Weber, ein gesegneter Prediger, dessen Vorträge auch ich in meinen jungen Jahren gerne und mit viel Gewinn gehört habe, nimmt hier zu verschiedenen Schriftaussagen Stellung und stellt seine Sichtweise einer prätribulationistischen Entrückung (Entrückung vor der Großen Trübsal) dar. Mein Kommentar hier sollte keinesfalls darüber hinwegtäuschen, dass ich in den allermeisten seiner Ansichten mit H. Weber übereinstimme. Es handelt sich hier nur um einige wenige – aber ungeachtet dessen für die Gemeinde ganz wichtige – Feststellungen von H. Weber, welche durch konkrete, hier angeführte und durch den Leser nachprüfbare Aussagen der Heiligen Schrift ein völlig anderes Bild erkennen lassen.

Insbesondere soll die Aussage von H. Weber hier oben:

„Es gibt keine Ereignis nach der Bibel, das wir fordern müssen, dass es eintritt, bevor Jesus wiederkommen kann für seine Gemeinde. - Es gibt viele Ereignisse, die müssen noch eintreten bevor Jesus wiederkommen kann, um seine Königsherrschaft auf Erden aufzurichten, bevor das Tausendjährige Reich anfängt”

anhand der Schrift auf ihre Stichhaltigkeit überprüft werden. Doch zuvor sei hier noch der bekannte Exeget Werne de Boor zitiert, der im Rahmen der Wuppertaler Studienbibel in seinem Buch „Die Briefe des Paulus an die Thessalonicher” zu diesem Thema folgende Aussage macht (S 131):

„Die oft gehörte Meinung, als geschehe die Parusie (Wiederkunft) vollständig unabhängig vom Kommen Jesu zur Machtergreifung in der Welt, sie könne also jeden Augenblick eintreten, auch wenn bis zum Offenbarwerden Jesu der Welt gegenüber erst noch viel geschehen müsse und vielleicht noch eine lange Zeit vergehe, diese Meinung wird durch die beiden Thessalonicherbriefe und besonders durch unseren jetzigen Abschnitt (2The 2,1-11) nicht gestützt.


Den Text aus 2The 2,1-11 werden wir weiter unten noch eingehend behandeln, wollen uns aber vorerst auf jene Schriftstellen konzentrieren, in welchen diese endzeitlichen Ereignisse am ausführlichsten beschrieben werden. Erwartungsgemäß stoßen wir hier auf das Kapitel 24 des Matthäusevangeliums und die Frage, ob der Herr hier, in seiner Endzeitrede an die Apostel, die Gläubigen des Christentums - also die Endzeitgemeinde - oder die mosaisch gläubigen Juden der Endzeit angesprochen hatte.

Zu diesem Text in Mt 24 haben wir auch im Lukasevangelium Parallelstellen, und daraus sei einmal eine erste Antwort auf die obige Behauptung von H. Weber „Es gibt nach der Bibel keine Ereignis das geschehen müsste, bevor die Entrückung stattfindet” zitiert:

Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin's, und die Zeit ist nahe gekommen! Geht ihnen nicht nach!

Lk 21,8 Er aber sprach: Seht zu, daß ihr nicht verführt werdet! Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin's, und die Zeit ist nahe gekommen! Geht ihnen nicht nach!

21,9 Wenn ihr aber von Kriegen und Empörungen hören werdet, so erschreckt nicht! Denn dies muß vorher geschehen, aber das Ende ist nicht sogleich da. 21,10 Dann sprach er zu ihnen: Es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich; 21,11 und es werden große Erdbeben sein und an verschiedenen Orten Hungersnöte und Seuchen; auch Schrecknisse und große Zeichen vom Himmel wird es geben.

21,12 Vor diesem allem aber werden sie ihre Hände an euch legen und euch verfolgen, indem sie euch an die Synagogen und Gefängnisse überliefern, um euch vor Könige und Statthalter zu führen um meines Namens willen. Lk 21, 8-12;


Völlig unabhängig davon, ob man jetzt die Wiederkunft des Herrn vor oder nach der Großen Trübsal sehen will, ist durch diese Aussagen des Herrn eines gewiss: Alle die im obigen Text prophezeiten Ereignisse werden geschehen, bevor der Herr wiederkommt. Insbesondere, dass falsche Christusse kommen und sagen werden: „Seht her, ich bin der wiedergekommene Christus!”. Denn wenn der Herr zu diesem Zeitpunkt bereits gekommen wäre, könnten sie nicht behaupten selbst dieser wiedergekommene Christus zu sein. Und gerade davor warnt uns ja der Herr, indem er uns einschärft: „Geht ihnen nicht nach!” Wer nun hier der Gemeinde predigt: „Es gibt nach der Bibel keine Ereignis das geschehen müsste, bevor die Entrückung stattfindet”, konterkariert genau diese Warnungen des Herrn, deren es - wie wir weiter unten sehen werden - noch viele mehr gibt, und bringt die Gemeinde in eine große Gefahr.

(Siehe auch den Diskurs 49: „Die Auserwählten in Mt 24,31: Christliche Endzeitgemeinde oder Israeliten?”)

Doch sehen wir uns die Aussagen von H. Weber im Detail an:


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Kommt der Ausdruck „die Große Trübsal” nur im AT vor. / Vortrag HW 1982-11-02*))

Und nebenbei: dieser Ausdruck ‘die große Trübsal’ kommt nur im AT vor, in Bezug auf die Prophetie des Volkes Israel. Mit anderen Worten, diese Zeit hier (Mt 24 - Endzeit / Anm. FH) hat mit der Gemeinde gar nichts zu tun. Wer im AT anfängt auszulegen, findet keine Gemeinde, er findet nur das Volk Israel. Und wer die Briefe des NT liest, findet nichts über die Große Trübsal, es sei denn die Einleitung zur Großen Trübsal.

*) Dieser Ausschnitt ist der Aufzeichnung eines Vortrags von Heinz Weber in der St. Matthäusgemeinde in Bremen, über „Die Wiederkunft des Herrn” entnommen.

Heinz Weber http://www.theo-notizen.de/theo/tn-home.htm



Diese Aussage ist schlicht und einfach falsch! Nicht nur, dass wir die „Große Trübsal” - wie anschließend nachgewiesen wird - im NT sehr wohl finden, sondern gerade auch aus den Briefen des NT lässt sich die ganze Theorie einer Entrückung der Gemeinde vor der Großen Trübsal ganz eindeutig widerlegen. Wir haben von Paulus, in seinem zweiten Brief an die Thessalonicher, eine ganz konkrete Aussage über die Große Trübsal (den Abfall) und damit auch über den Zeitpunkt der Wiederkunft des Herrn.

Unter den Thessalonichern gab es sichtlich einige falsche Lehrer, welche den Geschwistern - u.a. scheinbar auch durch gefälschte Paulusbriefe - weismachen wollten, dass der Tag der Wiederkunft des Herrn, von dem ihnen Paulus bereits in seinem ersten Brief in 1The 4,13-18 geschrieben hatte, bereits stattgefunden hätte. Man kann sich den Schrecken dieser Geschwister vorstellen, wenn sie meinten, die Entrückung wäre bereits erfolgt und sie waren nicht dabei gewesen. Aber auch wenn man den Text so interpretiert, dass dieser Tag kurz bevorstünde, lässt sich vorstellen, dass manche der Thessalonicher, in Erwartung der baldigen Entrückung, alle irdischen Bande gelöst und nur mehr auf den Herrn gewartet haben.

Und hier schreibt ihnen nun Paulus folgende tröstende und vor allem klarstellende Worte:

Dieser Tag kommt nicht, es sei denn, daß zuerst der Abfall gekommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit geoffenbart worden ist.

2The 2,1 Wir bitten euch aber, Brüder, wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm, 2,2 daß ihr euch nicht schnell in eurem Sinn erschüttern, auch nicht erschrecken laßt, weder durch Geist noch durch Wort, noch durch Brief, als seien sie von uns, als ob der Tag des Herrn da wäre. 2,3 Daß niemand euch auf irgendeine Weise verführe! Denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, daß zuerst der Abfall gekommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit geoffenbart worden ist, der Sohn des Verderbens; 2,4 der sich widersetzt und sich überhebt über alles, was Gott heißt oder Gegenstand der Verehrung ist, so daß er sich in den Tempel Gottes setzt und sich ausweist, daß er Gott sei. 2,5 Erinnert ihr euch nicht, daß ich dies zu euch sagte, als ich noch bei euch war? 2The 2, 1- 5;


Mit „Abfall” meint Paulus hier ganz eindeutig den Abfall von Gott durch den Antichristen in der Großen Trübsal, wie das auch der Schreiber des Hebräerbriefes in Hbr 3,12 bezeichnet.

Seid nicht im Abfall vom lebendigen Gott.

Hbr 3,12 Seht zu, Brüder, daß nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens sei im Abfall vom lebendigen Gott. Hbr 3,12;


Und vor der „Gesetzlosigkeit” warnt auch der Herr selbst in seiner Endzeitrede in Mt 24,13 und fügt hinzu, „wer aber ausharrt bis ans Ende” - wer also diese Zeit der Gesetzlosigkeit, diese Große Trübsal durchsteht, „der wird errettet werden” - der wird bei der Wiederkunft des Herrn entrückt werden.

Und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe der meisten erkalten.

Mt 24,9 Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen gehaßt werden um meines Namens willen. 24,10 Und dann werden viele verleitet werden und werden einander überliefern und einander hassen; 24,11 und viele falsche Propheten werden aufstehen und werden viele verführen; 24,12 und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe der meisten erkalten; 24,13 wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden. Mt 24, 9-13;


Wie also Paulus oben, in 2The 2,3, schreibt, kommt der Tag der Wiederkunft des Herrn und der Entrückung und Vereinigung der Seinen mit ihm nicht, bevor nicht der Mensch der Gesetzlosigkeit, also der Antichrist und mit ihm der Abfall in der Großen Trübsal gekommen ist. Und dies ist ein biblischer Nachweis dafür, dass zuerst der Antichrist und die Große Trübsal kommen und erst nach der Großen Trübsal die Wiederkunft des Herrn und die Entrückung erfolgen wird.

Doch dem nicht genug, fügt Paulus noch eine Aussage hinzu, welche nun alle Argumente bezüglich einer Entrückung vor der Großen Trübsal ad absurdum führt. Er sagt nämlich, dass der Herr Jesus bei seiner Wiederkunft zur Entrückung (unsere Vereinigung mit ihm) den Antichristen (den Gesetzlosen) vernichten wird. Wenn nun der Antichrist beim Kommen des Herrn Jesus zur Entrückung der Seinen von diesem vernichtet wird, muss dieser Antichrist ja zwangsweise davor existiert und zur selben Zeit wie diese Entrückten geherrscht haben. Und dies impliziert aber wieder eine Große Trübsal vor dieser Wiederkunft des Herrn und damit eine Entrückung nach der Großen Trübsal.

Dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus vernichten wird durch die Erscheinung seiner Ankunft.

2The 2,6 Und jetzt wißt ihr, was zurückhält, damit er zu seiner Zeit geoffenbart wird. 2,7 Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur offenbart es sich nicht, bis der, welcher jetzt zurückhält, aus dem Weg ist; 2,8 und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft; 2,9 ihn, dessen Ankunft gemäß der Wirksamkeit des Satans erfolgt mit jeder Machttat und mit Zeichen und Wundern der Lüge 2,10 und mit jedem Betrug der Ungerechtigkeit für die, welche verloren gehen, dafür, daß sie die Liebe der Wahrheit zu ihrer Errettung nicht angenommen haben. 2,11 Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, daß sie der Lüge glauben, 2,12 damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit. 2The 2, 6-12;


Paulus bestätigt uns hier den Ablauf der endzeitlichen Ereignisse in folgender Reihenfolge:

-  zuerst muss der Abfall (die Große Trübsal) kommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit (der Antichrist) offenbart werden (2The 2,3)

-  sodann erfolgt die Ankunft (die Wiederkunft) unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm (die Entrückung) (2The 2,1)

-  und bei eben dieser seiner Ankunft wird der Herr den Gesetzlosen (den Antichristen) durch den Hauch seines Mundes vernichten (2The 2,8).


Man kann es also wirklich schon nicht mehr präziser darstellen, als es Paulus hier getan hat, um den Geschwistern vor Augen zu führen, dass der Herr Jesus erst nach der Großen Trübsal und dem Auftreten des Antichrists zur Entrückung der Endzeitgemeinde kommen und bei dieser Gelegenheit den Antichristen vernichten wird. Und dies ist nun der ganz eindeutige und biblische Nachweis, dass die Wiederkunft des Herrn und die Entrückung nach der Großen Trübsal erfolgen werden.


Entgegen der Behauptung von H. Weber weiter oben: „dieser Ausdruck ‘die große Trübsal’ kommt nur im AT vor”, haben wir im NT aber noch zwei weitere ganz konkrete Aussagen über die Große Trübsal. Einmal die Aussage des Herrn in Mt 24,21, dass eine große Trübsal sein wird, wie sie noch nie war und auch nie sein wird:

Denn dann wird eine große Trübsal sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen.

Mt 24,21 Denn dann wird eine große Trübsal sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird. 24,22 Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden. Mt 24,21-22;


Und auch in Off 7,14 erklärt der Älteste dem Johannes, dass die unzählbare Schar in den weißen Kleidern, welche der Johannes gesehen hat, aus der Großen Trübsal kommt.

Diese sind's, die gekommen sind aus der großen Trübsal.

Off 7,13 Und einer der Ältesten fing an und sprach zu mir: Wer sind diese, die mit den weißen Kleidern angetan sind, und woher sind sie gekommen? 7,14 Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind's, die gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes. Off 7,13-14;


Diese große Volksmenge im Himmel, welche Johannes hier sieht, sind also ganz unzweifelhaft Menschen, welche in der Großen Trübsal umgekommen sind. Und wenn nun die Große Trübsal nur „in der Prophetie des Volkes Israel” vorkommen würde, sollte man meinen, dass es sich bei dieser Volksmenge nur um Juden handeln würde. Wie ja auch H. Weber oben feststellt:


„Da werden die Juden bei Millionen - da ist der zweite Weltkrieg noch verschwindend – bei Millionen hingemordet in dreieinhalb Jahren sagt die Schrift. Die Schrift spricht von zwei Drittel Juden. Wenn heute sechzehn Millionen leben, dann sind das über zehn Millionen.”


Wenn wir uns aber den Text unmittelbar davor, in Off 7,9 ansehen, wo Johannes diese Volksmenge zum ersten Mal erblickt, sagt uns die Bibel etwas ganz anderes:

Eine große Volksmenge, die niemand zählen konnte, aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen.

Off 7,9 Nach diesem sah ich: und siehe, eine große Volksmenge, die niemand zählen konnte, aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen, stand vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Gewändern und Palmen in ihren Händen. Off 7, 9;


Es sind also nicht Juden, sondern Menschen aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen, welche hier aus der Großen Trübsal gekommen sind und nun im Himmel vor dem Thron Gottes stehen. Und auch die weitere Aussage des Ältesten, weiter oben, in Off 7,14: sie haben

„ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes

lässt keinen Zweifel zu: das sind keine Juden! Es sind Christen aus allen Nationen, welche ihre Sünden durch das „Blut des Lammes” – das Loskaufopfer des Herrn Jesus am Kreuz – vergeben bekommen haben und nun hier vor dem Thron und vor dem Lamm stehen.

Wir haben hier also eine unzählbare Schar von Christen aus allen Nationen, welche nach der Entrückung hier im Himmel, vor dem Thron Gottes und vor dem Lamm, unserem Herrn Jesus Christus stehen. Und sie kommen nach Off 7,14 aus jener Großen Trübsal, welche vom Herrn in Mt 24,21 vorhergesagt wird. Es ist leicht erkenntlich, dass allein durch diese beiden Bibelstellen im NT sowohl die Ansicht einer Entrückung vor der Großen Trübsal als auch die Behauptung, dass die Große Trübsal „nur in der Prophetie des Volkes Israel” vorkommt und nur für die Juden Geltung haben würde, eindeutig zu widerlegen ist.

Wiewohl diese Große Trübsal auch und gerade eine Bedrängnis für die Gläubigen ist, kann sie sich jedoch nicht ausschließlich auf die Gläubigen beziehen. Wir haben in Dan 12,1-2 eine eindeutige Parallele zu Mt 24,21. In beiden Texten, sowohl im AT als auch im NT, wird diese große Trübsal als eine Zeit der Bedrängnis bezeichnet, wie sie seit Anfang der Welt nicht gewesen ist. Und nun mag man sich unter der Verfolgung der Gläubigen noch so grausige Horrorszenarien vorstellen, man wird keine Gräueltaten finden, welche nicht im Laufe der Geschichte durch Menschen an anderen Menschen bereits verübt worden wären.

Besonders das Volk Israel hat in seiner Vergangenheit bereits alle Leiden erlitten, welche Menschen sich untereinander zufügen können. Ob das nun die Folterungen der gläubigen Juden unter Antiochus Epiphanes waren, welche wir in den Makkabäerbriefen (z.B. 2Mak 7,1-42) nachlesen können, die Eroberung Jerusalems durch die Kreuzritter, die Pogrome gegen die Juden in ganz Europa oder das Verbrechen am jüdischen Volk in unserer Zeit, unter Hitler, um nur einige zu nennen.

Aber auch die Bedrängnis der Christen, beginnend mit den Christenverfolgungen im Römischen Reich, über die Inquisition der Römischen Kirche bis hin zur Gegenreformation, hat bereits alle Ausprägungen der Qual, wie Zerreißen durch wilde Tiere, Folterungen im „peinlichen Verhör” oder Verbrennen auf dem Scheiterhaufen beinhaltet.

Man kann einzelne Menschen und auch ein ganzes Volk „nur” bis zum Tod quälen. Und genau dies ist bereits allzu oft in der Weltgeschichte geschehen. Eine Steigerung „wie sie nicht gewesen ist von Anfang der Welt bis jetzt” ist daher unter dem Titel einer Verfolgung von Menschen allein nicht vorstellbar. Und daher muss diese Große Trübsal eine ganz andere Dimension haben, als sich das einige Ausleger so vorstellen.

Neben der Verfolgung der Christen ist daher die Große Trübsal nicht auf einzelne Volksgruppen beschränkt, sondern sie ist ein weltweites Ereignis. Und die Opfer gehen nicht, wie H. Weber oben vermutet, in die Millionen, sondern nach Off 6,7-8 in die Milliarden.

(Siehe auch Tabelle 14: „Die Offenbarung – nach Ereignissen gegliedert.”)

Aber sehen wir weiter, was H. Weber sagt:


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Spricht Matthäus 24 nicht von der Großen Trübsal? / Vortrag HW 1982-11-02*))

Wollen wir weitere Argumente hören für diejenigen, die die Bibel kennen: da wird argumentiert Matthäus 24 spricht doch von der Großen Trübsal und meint doch, dass wir als Gemeinde durch die Große Trübsal gehen müssen. Sie können Mt 24 sorgfältig studieren, sie werden Schwierigkeiten haben, an manchen Stellen die Gemeinde zu sehen.

Wenn dort steht, „wenn dann das anfängt zu geschehen, dann fliehet auf die Berge Judas” usw., dann hat das doch mit der Gemeinde nichts zu tun. Ich hab doch kein Ferienhaus auf den Bergen Judas gebaut, auf dass ich dann fliehe, wenn das anfängt zu geschehen. Wir müssen sehr vorsichtig sein, wenn wir das eine wörtlich nehmen, müssen wir das andere auch wörtlich nehmen.

*) Dieser Ausschnitt ist der Aufzeichnung eines Vortrags von Heinz Weber in der St. Matthäusgemeinde in Bremen, über „Die Wiederkunft des Herrn” entnommen.

Heinz Weber http://www.theo-notizen.de/theo/tn-home.htm



Wie wir gerade oben gesehen haben, spricht nicht nur Mt 24 von der Großen Trübsal, sondern auch und insbesondere Off 7,14. Und beide Schriftstellen bestätigen, dass diese Gläubigen durch die Große Trübsal gegangen sind. Um nun die Frage zu beantworten, inwieweit die vom Herrn vorhergesagten Ereignisse in Mt 24 nun Juden oder Christen betreffen, sehen wir uns die einzelnen Texte an.

(Siehe auch den Diskurs 68: „Hat Mt 24 und 25 nichts mit der Gemeinde zu tun?”)

Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen deiner Ankunft?

Mt 24,3 Als er aber auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger für sich allein zu ihm und sprachen: Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters? Mt 24, 3;


Hier, am Anfang dieser Endzeitrede des Herrn, fragen die Jünger den Herrn, was das Zeichen seiner Ankunft/Wiederkunft sein wird. Dazu sagt H. Weber oben:

„Da müssen wir auseinanderhalten, ob wir das Kommen des Herrn Jesu für seine Gemeinde meinen, oder ob wir das Kommen des Herrn Jesu zur Aufrichtung des Tausendjährigen Reiches meinen.”


Und nachdem H. Weber Mt 24 den Juden zuordnet, meint er damit offensichtlich, dass mit der Frage nach dem Zeichen seiner Ankunft, oben in Mt 24,3, nicht die Wiederkunft des Herrn für die Gemeinde, sondern für die Juden, zur Aufrichtung des Tausendjährigen Reiches gemeint sei. Doch Paulus sieht das anders, wenn er den Thessalonichern schreibt, dass bei dieser Ankunft die Toten in Christus - und nicht die Juden - auferstehen werden und somit diese Ankunft ganz eindeutig die Wiederkunft des Herrn zur Entrückung der Seinen ist:

Denn der Herr selbst wird herabkommen vom Himmel und wir werden entrückt werden ihm entgegen.

1The 4,15 Denn dies sagen wir euch in einem Wort des Herrn, daß wir, die Lebenden, die übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden. 4,16 Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; 4,17 danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein. 1The 4,15-17;


Paulus sagt uns hier, dass bei der Ankunft/Wiederkunft des Herrn die Entrückung erfolgen wird. Nachdem es aber nach der Schrift - und auch der Logik - nur eine Wiederkunft des Herrn gibt, kann sich auch Mt 24 nur auf diese Wiederkunft des Herrn zur Entrückung der toten und der in der Endzeit noch lebenden Christen beziehen.

Aber auch andere Aussagen des Herrn in Mt 24 sprechen gegen die „Judentheorie”:

Ihr werdet von allen Nationen gehaßt werden um meines Namens willen.

Mt 24,9 Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten; und Ihr werdet von allen Nationen gehaßt werden um meines Namens willen. Mt 24, 9;


Die Aussage des ersten Halbsatzes: „dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern” könnte noch die Vermutung aufkommen lassen – da der Herr hier ja zu den Jüngern, also Juden spricht – dass es hier tatsächlich um das Schicksal Israels geht. Doch einerseits müsste man sich dann fragen, wieso der Herr hier, in den wichtigsten Prophezeiungen und Warnungen für die christlichen Gläubigen der Endzeit, ausschließlich die Juden im Auge haben sollte, welche ihn abgelehnt und verworfen haben. Andererseits bestätigt der zweite Halbsatz aber auch sofort das Gegenteil: „... ihr werdet von allen Nationen gehaßt werden um meines Namens willen”. Um des Namens des Herrn – also um Christi willen – können nun einmal nur Christen gehasst werden und nicht Juden, die diesen Christus ja gar nicht angenommen haben. Auch das bestätigt uns der Herr in Jh 15,18-23:

Aber dies alles werden sie euch tun um meines Namens willen, weil sie den nicht kennen, der mich gesandt hat.

Jh 15,18 Wenn die Welt euch haßt, so wißt, daß sie mich vor euch gehaßt hat. 15,19 Wenn ihr von der Welt wäret, würde die Welt das Ihre lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum haßt euch die Welt. 15,20 Gedenkt des Wortes, das ich euch gesagt habe: Ein Sklave ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie mein Wort gehalten haben, werden sie auch das eure halten. 15,21 Aber dies alles werden sie euch tun um meines Namens willen, weil sie den nicht kennen, der mich gesandt hat. 15,22 Wenn ich nicht gekommen wäre und zu ihnen geredet hätte, so hätten sie keine Sünde; jetzt aber haben sie keinen Vorwand für ihre Sünde. 15,23 Wer mich haßt, haßt auch meinen Vater. Jh 15,18-23;


Die Aussage im obigen letzten Vers, Jh 15,23, „Wer mich haßt, haßt auch meinen Vater”, bestätigt nun auch die Auffassung, dass gerade die Juden, welche Jesus Christus als Betrüger und Gotteslästerer gehasst haben und noch immer hassen, damit auch Gott hassen. Dies, und die dadurch bedingte Unmöglichkeit für die Juden, einen Kontakt zu ihrem und unserem Gott herzustellen, erwähnt der Herr an vielen Stellen.

Wer mich vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater.

Mt 10,32 Jeder nun, der sich vor den Menschen zu mir bekennen wird, zu dem werde auch ich mich bekennen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist. 10,33 Wer aber mich vor den Menschen verleugnen wird, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist. Mt 10,32-33;


Schon damals konnten die Juden nicht akzeptieren, dass Jesus Christus der Sohn Gottes und vom Vater gesandt war:

Da sprachen sie zu ihm: Wo ist dein Vater? Jesus antwortete: Ihr kennt weder mich noch meinen Vater;

Jh 8,19 Da sprachen sie zu ihm: Wo ist dein Vater? Jesus antwortete: Ihr kennt weder mich noch meinen Vater; wenn ihr mich gekannt hättet, so würdet ihr auch meinen Vater gekannt haben. 8,20 Diese Worte redete er in der Schatzkammer, als er im Tempel lehrte; und niemand legte Hand an ihn, denn seine Stunde war noch nicht gekommen. Jh 8,19-20;


Die Auseinandersetzung des Herrn mit den Juden und der Hintergrund ihrer Ablehnung wird uns dann auch im Johannesevangelium ganz deutlich vermittelt:

Ihr seid aus eurem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun.

Jh 8,37 Ich weiß, daß ihr Abrahams Nachkommen seid; aber ihr sucht mich zu töten, weil mein Wort nicht Raum in euch findet. 8,38 Ich rede, was ich bei dem Vater gesehen habe; auch ihr nun tut, was ihr von eurem Vater gehört habt. 8,39 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater. Jesus spricht zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wäret, so würdet ihr die Werke Abrahams tun; 8,40 jetzt aber sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe, die ich von Gott gehört habe; das hat Abraham nicht getan. 8,41 Ihr tut die Werke eures Vaters. Sie sprachen nun zu ihm: Wir sind nicht durch Hurerei geboren; wir haben einen Vater, Gott.

8,42 Jesus sprach zu ihnen: Wenn Gott euer Vater wäre, so würdet ihr mich lieben, denn ich bin von Gott ausgegangen und gekommen; denn ich bin auch nicht von mir selbst gekommen, sondern er hat mich gesandt. 8,43 Warum versteht ihr meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt. 8,44 Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Jener war ein Menschenmörder von Anfang an und stand nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben. Jh 8,37-44;


Es zeigt sich aber auch an vielen anderen Aussagen des Herrn, dass es die Christen - und nicht die Juden - sind, welche in der Nachfolge des Herrn stehen und bis zu seiner Wiederkunft mit der Verbreitung seines Wortes in der Welt beauftragt sind.

Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis.

Mt 24,14 Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen. 24,15 Wenn ihr nun den Greuel der Verwüstung, von dem durch Daniel, den Propheten, geredet ist, an heiliger Stätte stehen seht - wer es liest, der merke auf! -, 24,16 dann sollen die in Judäa auf die Berge fliehen; Mt 24,14-16;


Hier ist die Rede vom „Evangelium des Reiches”. Mit diesem „Reich” ist die Königsherrschaft Gottes in ihren drei Dimensionen gemeint. Einmal die geistige Dimension, die Herrschaft des Heiligen Geistes bis zur Wiederkunft des Herrn. Dann die materiell-irdische Dimension in der Herrschaft des Herrn Jesus in seinem tausendjährigen Friedensreich auf Erden. Und schließlich die himmlische Dimension, die Königsherrschaft des Vaters in der Ewigkeit, wenn der Sohn alle irdische Herrschaft, Macht und Gewalt weggetan und ihm das Reich übergeben hat.

(Siehe auch den Diskurs 66: „Die drei Dimensionen der Königsherrschaft Gottes.”)

Nun ist es durchaus richtig, dass jener Teil des „Evangelium des Reiches”, welcher sich auf die tausendjährige Weltherrschaft ihres Messias auf Erden bezieht, eine Verheißung speziell für die Israeliten ist. Nur muss uns bewusst sein, dass gerade das Volk Israel das Evangelium des Reiches Gottes bisher nicht angenommen hat. Auch erhebt sich die Frage, warum dieses Evangelium „allen Nationen” ein Zeugnis sein sollte, wenn es nur Israel betrifft. Und außerdem sind es ja eindeutig nicht die Juden, welche dieses Evangelium des Reiches seit fast zwei Jahrtausenden auf dem ganzen Erdkreis predigen, sondern die Christen. Und diese predigen in erster Linie die geistige Dimension, nämlich die geistige Umkehr des Menschen und seine Errettung in der Liebe Gottes, welche ausgegossen ist in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist (Röm 5,5).

Und schließlich erkennen wir in der Aussage des Herrn hier unten, in Mt 21,43, dass die Juden mit dem Reich Gottes gar nichts mehr zu tun haben, dass es von ihnen weggenommen worden ist.

Deswegen sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, die seine Früchte bringen wird.

Mt 21,43 Deswegen sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, die seine Früchte bringen wird. 21,44 Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden; aber auf wen er fallen wird, den wird er zermalmen.

21,45 Und als die Hohenpriester und die Pharisäer seine Gleichnisse gehört hatten, erkannten sie, daß er von ihnen redete. 21,46 Und als sie ihn zu greifen suchten, fürchteten sie die Volksmengen, denn sie hielten ihn für einen Propheten. Mt 21,43-46;


Seit ihrer Ablehnung des Messias und der darauffolgenden Bestrafung durch Gott in der Zerstörung des Tempels in Jerusalem durch Titus im Jahre 70 und ihrer weltweiten Zerstreuung, haben die Israeliten keine wie immer geartete Verbindung mehr zu ihrem Gott. Es sei denn, sie bekehren sich zu Jesus Christus - wodurch sie aber dann zu Christen werden - können Israeliten bis zur Wiederkunft des Herrn zum Antritt seiner Herrschaft im Tausendjährigen Friedensreich nicht damit rechnen, dass ein göttliches Wort an sie gerichtet wird. Und wie der Herr oben sagt, ist das Reich Gottes jenem Volk gegeben worden, das seine Früchte bringt und den Glauben an den Sohn Gottes angenommen hat und bewahrt, nämlich den Christen. Daher ist das „Evangelium des Reiches” ein Evangelium der Christen und diese sind es auch, welche dieses Evangelium „auf dem ganzen Erdkreis” predigen.

Die Aussage in Mt 24,14: „Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen” ist nun die Antwort des Herrn auf die Frage der Jünger nach den Zeichen seiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters. Bis zu diesem Zeitpunkt werden die Christen das Evangelium den Nationen predigen und dann wird das Ende aller menschlichen Herrschaft kommen und der Sohn Gottes wird seine Weltherrschaft im Tausendjährigen Friedensreich antreten.

Und dann spricht der Herr im Mt 24,30-31 von seiner Wiederkunft und der Sammlung der Auserwählten:

Die Engel werden seine Auserwählten sammeln von allen vier Himmelsrichtungen.

Mt 24,30 Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und dann werden wehklagen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. 24,31 Und er wird seine Engel senden mit hellen Posaunen, und sie werden seine Auserwählten sammeln von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern. Mt 24,30-31;


Einmal sagt der Herr hier, dass ihn bei seiner Wiederkunft alle Menschen (Geschlechter) auf Erden sehen werden. Wie es auch unmittelbar davor, in Mt 24,26-27 heißt:

Denn wie der Blitz ausfährt von Osten und bis nach Westen leuchtet, so wird die Ankunft des Sohnes des Menschen sein.

Mt 24,26 Wenn sie nun zu euch sagen: Siehe, er ist in der Wüste! so geht nicht hinaus! Siehe, in den Kammern! so glaubt es nicht! 24,27 Denn wie der Blitz ausfährt von Osten und bis nach Westen leuchtet, so wird die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. Mt 24,26-27;


Er wird also am Himmel erscheinen, sichtbar für alle Menschen dieser Welt. Und seine Engel werden seine Auserwählen sammeln von den vier Winden (Himmelsrichtungen).

Die Ansicht nun, auch mit den Auserwählten in Mt 24,31 würden die Juden gemeint sein, wirft - neben all den oben erwähnten Widersprüchlichkeiten - auch die Frage auf, wodurch diese Israeliten „auserwählt” sein sollten. Sie haben den Messias, als er zu ihnen kam, abgelehnt und ans Kreuz geliefert. Sie haben auch bisher fast zweitausend Jahre lang diese Unrechtstat nicht eingesehen – geschweige denn bereut - und lehnen das Christentum bis heute strikte ab. Das Evangelium des Reiches ist ihnen weggenommen und den Christen gegeben worden, welche den Glauben an den Sohn Gottes angenommen haben.

Und genau dies ist auch der Grund, warum es sich bei diesen Auserwählten keinesfalls um Israeliten handeln kann. Denn wenn wir hier an jene Israeliten denken, welche sich zum Glauben an den Herrn Jesus bekehrt haben, dann gehören sie zwar der Geburt nach zum Volk Israel, sind aber gemäß ihres Glaubens als Christen und damit als Teil der Gemeinde zu sehen. Für sie gilt alles das im gleichen Maße, wie es für alle Geschwister in der Gemeinde - egal welcher Nationalität - gilt. Sehen wir diese Israeliten jedoch als mosaisch gläubige Juden, dann müssen wir sie aufgrund der Aussage des Herrn hier unten, in Jh 14,6-7, aus dem endzeitlichen Geschehen zwischen Gott und den Menschen bis zu ihrer Umkehr im Millennium ausschließen:

Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.

Jh 14,6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich. 14,7 Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen; und von jetzt an erkennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Jh 14, 6- 7;


Nachdem alle mosaisch gläubigen Juden bis heute Jesus Christus als einen Betrüger und Gotteslästerer bezeichnen und ihn als ihren Herrn und Gott - ja auch nur als ihren Messias - ablehnen, haben sie nach den Aussagen des Herrn oben, in Jh 14,6, in der Zeit zwischen Tod bzw. Auferstehung des Herrn und seiner Wiederkunft, keine Möglichkeit zu Gott zu kommen. Erst beim zweiten Kommen des Herrn, wenn sie auf ihn blicken und bitter über den wehklagen werden, den sie durchbohrt haben, wird das Volk Israel umkehren und wieder mit seinem Gott versöhnt sein. Dann wird das Schicksal Israels gewendet, sie werden durch ihren Messias gesammelt und im Millennium zur Weltmacht, dem Haupt unter den Völkern werden (Jer 31,6-7).

Sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen, wie man über den einzigen Sohn wehklagt.

Sach 12,10 Aber über das Haus David und über die Bewohnerschaft von Jerusalem gieße ich den Geist der Gnade und des Flehens aus, und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen, wie man über den einzigen Sohn wehklagt, und werden bitter über ihn weinen, wie man bitter über den Erstgeborenen weint. Sach 12,10;


Und daher können auch die Hinweise auf die „Auserwählten” in Mt 24,22 und Mt 24,31, keinesfalls auf das Volk Israel, sondern müssen auf die Endzeitgemeinde bezogen werden.

Zum Anderen ist es ja auch Paulus, der die Christen als „Auserwählte” bezeichnet:

Röm 8,33 Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, der rechtfertigt. Röm 8,33;

Kol 3,12 Zieht nun an als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut! Kol 3,12;

2Tim 2,10 Deswegen erdulde ich alles um der Auserwählten willen, damit auch sie die Rettung, die in Christus Jesus ist, mit ewiger Herrlichkeit erlangen. 2Tim 2,10;

Tit 1,1 Paulus, Knecht Gottes, aber Apostel Jesu Christi nach dem Glauben der Auserwählten Gottes und nach der Erkenntnis der Wahrheit, die der Gottseligkeit gemäß ist. Tit 1, 1;


Auch haben wir im Kontext von Mt 24,21, vor der Sammlung dieser hier in Frage stehenden Auserwählten in Mt 24,31, das Versprechen des Herrn:

Die Große Trübsal wird um der Auserwählten willen verkürzt werden.

Mt 24,21 Denn dann wird große Trübsal sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird. 24,22 Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden. Mt 24,21-22;


Das heißt aber, dass es eben auch und gerade diese christlichen Auserwählten sind, welche durch die Große Trübsal gehen müssen und dann durch die Verkürzung jener Tage bis zur Wiederkunft des Herrn und ihrer Entrückung, erlöst werden.

Die Parallelstelle bei Lukas weist ebenfalls darauf hin, dass die Erlösung der christlichen Gläubigen der Endzeit aus Trübsal und Verfolgung nahe ist, „wenn diese Dinge anfangen zu geschehen”.

Wenn diese Dinge anfangen zu geschehen, blickt auf und hebt eure Häupter, weil eure Erlösung naht.

Lk 21,25 Und es werden Zeichen sein an Sonne und Mond und Sternen und auf der Erde Angst der Nationen in Ratlosigkeit bei brausendem und wogendem Meer, 21,26 während die Menschen verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen, denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. 21,27 Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in einer Wolke mit Macht und großer Herrlichkeit. 21,28 Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht. Lk 21,25-28;


Unmittelbar vor diesem Text bei Lukas haben wir dann auch noch eine Erklärung für die in Mt 24,16 nicht so detailliert wiedergegebene Aufforderung des Herrn an die in Judäa ins Gebirge zu fliehen:

Das Volk wird weggeführt und Jerusalem zertreten werden von den Heiden.

Lk 21,20 Wenn ihr aber sehen werdet, dass Jerusalem von einem Heer belagert wird, dann erkennt, dass seine Verwüstung nahe herbeigekommen ist. 21,21 Alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe ins Gebirge, und wer in der Stadt ist, gehe hinaus, und wer auf dem Lande ist, komme nicht herein. 21,22 Denn das sind die Tage der Vergeltung, dass erfüllt werde alles, was geschrieben ist. 21,23 Weh aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! Denn es wird große Not auf Erden sein und Zorn über dies Volk kommen, 21,24 und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt unter alle Völker, und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind. Lk 21,20-24;


Und hier wird nun schnell klar, dass es nicht die Juden sind, die hier durch Flucht in die Berge gerettet werden sollen. Denn ganz abgesehen davon, dass ohnehin kein einziger mosaisch gläubiger Jude diesem Rat Folge leisten würde, da das NT und besonders die Aussagen des Herrn gerade für die Juden völlig inakzeptabel sind, erklärt die Aussage des Herrn in Lk 21,22, dass dies „die Tage der Vergeltung” sind, „dass erfüllt werde alles, was geschrieben ist” und „Zorn über dieses Volk kommen” wird. Es sind daher im Gegenteil gerade die Juden, welche hier von Gott gestraft und von ihren Feinden gefangen weggeführt werden unter alle Völker und Jerusalem wird zertreten werden. Und vor dieser Vergeltung an den Juden sollen die wenigen gläubigen Christen, welche sich zu der Zeit in Judäa befinden, gerettet werden, um dann, bei der Ankunft des Herrn, mit der ganzen Gemeinde entrückt zu werden.

(Siehe auch die Tabelle 05: „Synopse der Endzeitreden des Herrn.”)

Eine dieser Prophezeiungen, welche der Herr oben in Lk 21,22 mit seinem Hinweis: „dass erfüllt werde alles, was geschrieben ist” meint, finden wir im AT in Sach 4,1-2 (siehe auch Jes 5,25-30; Jer 4, 5-22; etc.):

Denn ich werde alle Heiden sammeln zum Kampf gegen Jerusalem.

Sach 14,1 Siehe, es kommt für den HERRN die Zeit, dass man in deiner Mitte unter sich verteilen wird, was man dir geraubt hat. 14,2 Denn ich werde alle Heiden sammeln zum Kampf gegen Jerusalem. Und die Stadt wird erobert, die Häuser werden geplündert und die Frauen geschändet werden. Und die Hälfte der Stadt wird gefangen weggeführt werden, aber das übrige Volk wird nicht aus der Stadt ausgerottet werden. Sach 14, 1- 2;


Wie man sieht, ist es also keineswegs ein Hinweis für jene, welche ein „Ferienhaus auf den Bergen Judas gebaut” haben, wie H. Weber oben meint, sondern es ist die christliche Endzeitgemeinde in Judäa gemeint, welche vor dem endzeitlichen Strafgericht Gottes über Israel, mit der Einnahme Jerusalems durch die Heiden und der neuerlichen Zerstreuung der Einwohner, in die Berge fliehen soll.

(Siehe auch Kapitel 02: „Die Eroberung und Zerstreuung Jerusalems.”)

Und wenn uns H. Weber in diesem Zusammenhang warnt: „Wir müssen sehr vorsichtig sein, wenn wir das eine wörtlich nehmen, müssen wir das andere auch wörtlich nehmen” so ist ihm voll zuzustimmen. Wie man sieht, muss man sich nur einige Parallelstellen ansehen und diese dann eben auch wörtlich nehmen, um diesen Text korrekt erklären zu können.


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(Muss Mt 24 eine andere Bedeutung haben? / Vortrag HW 1982-11-02*))

Sie haben diese Zahlen auch gelesen, im NT sind Sie diesen Zahlen oft begegnet: 3 ½ Jahre, 42 Monate, 1260 Tage – es ist immer die gleiche Zeitspanne. Wie kann ein Gott, der gesagt hat: „ihr wisst weder Zeit noch Stunde”, plötzlich so genaue Angaben machen? Da müssen wir auseinanderhalten, ob wir das Kommen des Herrn Jesu für seine Gemeinde meinen, oder ob wir das Kommen des Herr Jesu zur Aufrichtung des Tausendjährigen Reiches meinen. (...)

Also muss Mt 24 eine andere Bedeutung haben. Und diese Leute wissen natürlich auch, was ich Ihnen jetzt sage, dann kann ich ja ausrechnen, wann der Herr wiederkommt. Dann sagen sie: aber da steht, um der Auserwählten wird die Zeit verkürzt, damit ich es eben nicht ausrechnen kann. Das spielt ja keine Rolle mehr, 3 1/2 Jahre Zeitspanne genügen mir schon, um auszurechnen, wann der Herr wiederkommt.

*) Dieser Ausschnitt ist der Aufzeichnung eines Vortrags von Heinz Weber in der St. Matthäusgemeinde in Bremen, über „Die Wiederkunft des Herrn” entnommen.

Heinz Weber http://www.theo-notizen.de/theo/tn-home.htm



Obwohl H. Weber weiter unten feststellt: „Ich will nicht mit Bibelstellen argumentieren”, zitiert er hier ausnahmsweise doch die Schrift. Ja er zitiert sogar „Gott, der gesagt hat: ,ihr wisst weder Zeit noch Stunde'”. Und wenn dies tatsächlich eine „Aussage Gottes” - wie es H. Weber bezeichnet - wäre, würde das nun tatsächlich bedeuten, dass wir über die Wiederkunft des Herrn und die Entrückung überhaupt keine zeitlichen Angaben machen können. Weder Jahr noch Monat und schon gar nicht Tag und Stunde.

Doch wenn wir das anhand der Schrift überprüfen, müssen wir feststellen, dass diese Aussage falsch ist. Nicht die Aussage Gottes selbstverständlich, sondern jene von Bruder Weber. Einmal finden wir sein Schriftzitat „ihr wisst weder Zeit noch Stunde” weder in irgendeiner Übersetzung noch im griechischen Urtext. In allen diesbezüglichen Schriftstellen heißt es nicht „Zeit” (griechisch: „chronos/kairos”) sondern „Tag” (griechisch: „hemera”).

Mt 24,36 Von jenem Tag aber und jener Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel in den Himmeln, auch nicht der Sohn, sondern der Vater allein. Mt 24,36;

Mt 24,50 so wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiß. Mt 24,50;

Mt 25,13 So wacht nun! Denn ihr wißt weder den Tag noch die Stunde. Mt 25,13;

Mk 13,32 Von jenem Tag aber oder der Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern nur der Vater. Mk 13,32;


Der Unterschied zwischen diesen beiden Bezeichnungen ist aber nun ein ganz wesentlicher: während die Aussage „ihr wisst weder Zeit” jedwede zeitliche Angabe, seien es Jahre oder Monate, kategorisch ausschließt, ist die Unmöglichkeit einer zeitlichen Zuordnung bei der Angabe „ihr wisst weder den Tag” auf einen einzigen Tag beschränkt. Daher sind die wiederholten Aussagen des Herrn: „Ihr wisst weder Tag noch Stunde” auch genau so wörtlich zu verstehen, wie sie gesagt wurden: Wir wissen weder den Tag noch die Stunde. Und das bedeutet nun aber, dass uns nach der Schrift zwar nicht die Kenntnis von Tag und Stunde, wohl aber von Jahr und Monat durchaus möglich ist. Auch hier gilt der weise Rat von H. Weber: „wenn wir das eine (die Stunde) wörtlich nehmen, müssen wir das andere (den Tag) auch wörtlich nehmen” und nicht als „Zeit” uminterpretieren.

Und für jene Geschwister, welche in dieser Zeit der Bedrängnis leben werden, hat der Herr daher auch ganz besonders darauf hingewiesen, dass sie – zwar nicht auf Tag und Stunde – aber doch im Zeitrahmen von einigen Monaten erkennen können werden, wann der Herr kommt. Und er hat sogar in Mt 24,32-34 geraten, genau diese Überlegungen anzustellen:

So sollt auch ihr, wenn ihr dies alles seht, erkennen, daß es nahe an der Tür ist.

Mt 24,32 Von dem Feigenbaum aber lernt das Gleichnis: Wenn sein Zweig schon weich geworden ist und die Blätter hervortreibt, so erkennt ihr, daß der Sommer nahe ist. 24,33 So sollt auch ihr, wenn ihr dies alles seht, erkennen, daß es nahe an der Tür ist. 24,34 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschehen ist. Mt 24,32-34;


Hier muss erklärend darauf hingewiesen werden, dass das von manchen gebrachte Argument, mit diesem Feigenbaum oben, in Mt 24,32, wäre Israel und die Staatengründung im Jahre 1948 gemeint, der Versuch ist, diese, aufgrund des gesamten Kontextes zweifelsfrei wörtlich zu verstehende Aussage, zu „judaisieren”, was sich jedoch anhand der Parallelstelle bei Lukas eindeutig widerlegen lässt:

Und er sprach ein Gleichnis zu ihnen: Seht den Feigenbaum und alle Bäume!

Lk 21,29 Und er sprach ein Gleichnis zu ihnen: Seht den Feigenbaum und alle Bäume! 21,30 Wenn sie schon ausschlagen, so erkennt ihr von selbst, da ihr es seht, daß der Sommer schon nahe ist. 21,31 So erkennt auch ihr, wenn ihr dies geschehen seht, daß das Reich Gottes nahe ist. 21,32 Wahrlich, ich sage euch, daß dieses Geschlecht nicht vergehen wird, bis alles geschehen ist. 21,33 Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen. Lk 21,29-33;


Die Aussage in Lk 21,29: „Seht den Feigenbaum und alle Bäume!” ist der Beweis dafür, dass es sich hier nicht um eine Prophezeiung auf Israel (wer wären denn dann die anderen „Bäume”?), sondern schlicht und einfach um einen Vergleich handelt, welchen der Herr uns rät anzustellen: Ebenso, wie wir am Ausschlagen der Bäume im Frühling erkennen können, dass der Sommer nahe ist (also in 2-3 Monaten) können wir auch - wenn wir das weltliche Geschehen in der Endzeit beobachten - am Eintritt der prophezeiten Ereignisse erkennen, dass die Wiederkunft des Herrn und unsere Errettung in der Entrückung nahe ist.


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(Haben die Gläubigen aus der Großen Trübsal nichts mit der Gemeinde zu tun? / Vortrag HW 1982-11-02*))

Nein. In der Großen Trübsal, sagt uns Off 13, werden die gläubig Gewordenen getötet, sie sind nicht lebensfähig. Der Antichrist bringt sie alle um. Es ist eine furchtbare Christenverfolgung nach Off 13. Wer das Tier nicht anbetet, wird umgebracht. Es gibt Gläubige in der Zeit, es gibt viele die zum Glauben kommen in der Zeit, aber die haben mit der Gemeinde nichts zu tun. Das Studium führt jetzt zu weit, das können wir in der Offenbarung nachlesen, diese Gruppen werden sogar dort getrennt aufgeführt: die Gemeinde und die Trübsalsmärtyrer.

*) Dieser Ausschnitt ist der Aufzeichnung eines Vortrags von Heinz Weber in der St. Matthäusgemeinde in Bremen, über „Die Wiederkunft des Herrn” entnommen.

Heinz Weber http://www.theo-notizen.de/theo/tn-home.htm



Das Argument, dass es sich bei den Menschen die in der Großen Trübsal leben und sterben um Gläubige handelt, welche erst in dieser Großen Trübsal - nach der vermeintlichen Entrückung der Gemeinde vor der Großen Trübsal - zum Glauben gekommen sind, entbehrt jedweder Logik. Denn wenn diese Periode tatsächlich gerade für christliche Gläubige die größte Trübsal aller Zeiten darstellt, in welcher sie von allen Menschen gehasst, verfolgt und getötet werden, hat die Aussage, dass sich Menschen unter diesen Umständen zum christlichen Glauben bekehren sollten, ungefähr den gleichen Realitätsbezug, wie die Behauptung, unter der Naziherrschaft hätten Millionen von Deutschen zum jüdischen Glauben konvertiert.

Und wenn H. Weber über die Zeit der Trübsal meint „Es gibt Gläubige in der Zeit, es gibt viele die zum Glauben kommen in der Zeit, aber die haben mit der Gemeinde nichts zu tun”, dann muss man fragen, zu welchem „Glauben” diese Menschen gekommen sein sollten? Sind sie zum Glauben an Jesus Christus gekommen, dann muss man die Behauptung, dass sie „mit der Gemeinde nichts zu tun” haben strikte zurückweisen. Jeder Mensch, der - wann immer zu seinen Lebzeiten - zum Glauben an den Sohn Gottes kommt, ist gerettet und damit Teil der Gemeinde aller Zeiten. Jene, die nicht an den Sohn glauben, haben zwar tatsächlich nichts mit der Gemeinde zu tun, sind aber auch keine christlichen Gläubigen.

Wenn wir uns diesen Text aus Off 7,13-14 über die unzählbare Schar aus der großen Trübsal noch einmal ansehen, erkennen wir jedoch einen ganz anderen Zusammenhang:

Diese sind's, die gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes.

Off 7,13 Und einer der Ältesten fing an und sprach zu mir: Wer sind diese, die mit den weißen Kleidern angetan sind, und woher sind sie gekommen? 7,14 Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind's, die gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes. Off 7,13-14;


Wie der Älteste dem Johannes erklärt, stehen diese Gläubigen aus der Großen Trübsal hier im Himmel vor dem Thron Gottes, denn sie haben „ihre Gewänder gewaschen und sie weiß gemacht im Blut des Lammes”. Das bedeutet, sie haben das Loskaufopfer unseres Herrn am Kreuz für ihre Sünden in Anspruch genommen. Dadurch sind sie nunmehr gereinigt und sündenfrei - ihre Gewänder sind weiß.

In Konsequenz der obigen Argumentation muss es sich bei diesen Gläubigen aus der Großen Trübsal - auch und gerade, wenn sie in dieser Zeit alle getötet worden sein sollten - um Menschen handeln, welche bereits vor der Großen Trübsal gelebt haben. Und dann stellt sich natürlich die Frage, wenn es eine Entrückung vor der Großen Trübsal geben würde, wieso denn diese Gläubigen nicht schon bei dieser Gelegenheit entrückt worden sind. Behauptet man jedoch, dass diese Gläubigen in der Großen Trübsal zum Glauben gekommen und daher nicht vorher entrückt worden wären und stimmt man – wie oben H. Weber – der Schriftaussage in der Offenbarung zu, dass sie dann im Himmel anzutreffen sind, muss man die Frage beantworten, wann und wie denn diese getöteten Christen aus der Großen Trübsal in den Himmel gekommen sind. Sie müssen ja auch von den Toten auferweckt und in den Himmel entrückt worden sein. Doch die Schrift kennt keine zweite Entrückung.

Schließlich ist die Aussage, es gäbe nach der für alle Menschen sichtbaren Wiederkunft des Herrn noch „viele die zum Glauben kommen”, ein Widerspruch in sich. Nach der Wiederkunft des Herrn ist die Zeit des „Glaubens” an den Sohn Gottes beendet und es beginnt die Zeit des Sehens und des Zornes Gottes.



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(Sollte man nicht mit Bibelstellen argumentieren? / Vortrag HW 1982-11-02*))

Ich will nicht mit Bibelstellen argumentieren, weil ich genau weiß, man kann jede Bibelstelle manipulieren. Ich will Ihnen nur eine Frage zum Nachdenken mitgeben und die genügt vollständig, um die Frage des Zeitpunktes der Entrückung zu beantworten.

Sie brauchen sich nur am Tempelbau zu orientieren: nie könnte Paulus, nie könnte Jakobus, nie könnte Johannes sagen, Kinder es ist die letzte Stunde usw., wohl wissend, dass ja im Tempel sich der Antichrist als Gott anbeten lässt, um die große Trübsalszeit auf den Höhepunkt zu treiben. Mit anderen Worten, eine Auslegung „nachher entrückt” (nach der Großen Trübsal / Anm. FH) könnte heute nicht geschehen. Und das ist eine unbiblische Auslegung.

Wer sagt, der Herr kann heute noch nicht wiederkommen, stellt sich außerhalb der biblischen Verkündigung. Denn die biblische Verkündigung ist: heute kann der Herr wiederkommen. Da muss nichts zuerst geschehen. Und genauso ist es mit denen – es sind nur wenige – die da lehren, dass die Entrückung in der Mitte der Großen Trübsal ist. Auch hier weiß ich wann der Herr wiederkommt, weil mindestens der Tempel gebaut werden muss, auch wenn er noch nicht in Funktion ist. Mit anderen Worten, aufgrund der Schrift kommen wir zu der Überzeugung, die Entrückung findet vor der Großen Trübsal statt.

*) Dieser Ausschnitt ist der Aufzeichnung eines Vortrags von Heinz Weber in der St. Matthäusgemeinde in Bremen, über „Die Wiederkunft des Herrn” entnommen.

Heinz Weber http://www.theo-notizen.de/theo/tn-home.htm



Es ist doch sehr erstaunlich, dass H. Weber hier zu seiner Auffassung „aufgrund der Schrift” kommen will, obwohl er gerade vorher gesagt hat:

„Ich will nicht mit Bibelstellen argumentieren, weil ich genau weiß, man kann jede Bibelstelle manipulieren.”


Wer „nicht mit Bibelstellen argumentieren” will, verliert die Basis jedweder biblischen Autorität und stellt damit automatisch seine eigene Auslegung über die Selbstauslegung der Schrift. Wer oder was gibt denn die Gewähr dafür, dass nicht gerade durch das Weglassen von Bibelstellen die Schrift manipuliert wird, um z. B. die eigene Lieblingsvariante von der Entrückung zu begründen? Und ist vielleicht nicht gerade das der Grund, dass keine Bibelstellen zitiert werden, weil man dann anhand der Schrift zugestehen müsste, dass man diese Dinge falsch sieht? Ebenso wenig, wie man beim Autokauf einem Verkäufer Geld geben wird, der sich weigert, die Papiere für das Auto auszuhändigen, kann man bei der Schriftauslegung auch nicht einem Exegeten Glauben schenken, der sich weigert, die Bibelstellen zu nennen auf welche sich seine Interpretation stützt. Wenn man seine Theologie nicht mit wirklicher Überprüfung an der Schrift verteidigen kann, dann muss man auf eine andere Methode ausweichen, wie etwa persönliche Einflussnahme. Wenn man sich nicht mit einer offenen Bibel hinsetzen und mit Ernsthaftigkeit lehren wie auch lernen kann, dann kann man nur noch zu ärgerlichem Beleidigen Zuflucht nehmen.

Und wenn daher H. Weber oben meint, dass alle jene, welche seine Ansicht über den Zeitpunkt der Wiederkunft nicht teilen, „außerhalb der biblischen Verkündigung” stehen, dann muss man ihn darauf hinweisen, dass gerade das keine biblische Verkündigung ist, welche – aus welchen Gründen auch immer - keine Bibelstellen nennen will! Nach dem alten Prinzip der seriösen Bibelexegese, dass Schrift immer durch Schrift ausgelegt werden muss und sich daher die Schrift selbst auslegt, sind die Bibelstellen einmal der Nachweis dafür, wie ich als Ausleger zu meinen Schlüssen gekommen bin und dass ich hier keine Privatmeinungen habe einfließen lassen. Dann aber auch die Möglichkeit für die Hörer bzw. Leser, meine Schlussfolgerungen nachzuvollziehen und sich selbst ein Bild davon zu machen, ob meine Aussagen mit der Schrift übereinstimmen und ob hier manipuliert wurde oder nicht. Jeder, der das verweigert, muss sich selbst der Unseriosität und des Verdachts der Manipulation zeihen lassen.

Wenn nun H. Weber bei seiner Argumentation über den Zeitpunkt der Wiederkunft des Herrn die Schrift zitieren würde, müsste er u.a. auch die Aussage des Paulus im zweiten Brief an die Thessalonicher anführen, wo dieser - wie bereits weiter oben dargelegt - über die Wiederkunft des Herrn und darüber spricht, was zuvor noch geschehen muss.

Vor der Wiederkunft des Herrn zur Entrückung muss die Große Trübsal und der Antichrist kommen.

2The 2,1 Wir bitten euch aber, Brüder, wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm, 2,2 daß ihr euch nicht schnell in eurem Sinn erschüttern, auch nicht erschrecken laßt, weder durch Geist noch durch Wort, noch durch Brief, als seien sie von uns, als ob der Tag des Herrn da wäre. 2,3 Daß niemand euch auf irgendeine Weise verführe! Denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, dass zuerst der Abfall gekommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit geoffenbart worden ist, der Sohn des Verderbens; 2,4 der sich widersetzt und sich überhebt über alles, was Gott heißt oder Gegenstand der Verehrung ist, so daß er sich in den Tempel Gottes setzt und sich ausweist, daß er Gott sei. 2The 2, 1- 4;

Diesen Menschen der Gesetzlosigkeit wird der Herr vernichten bei seiner Ankunft.

2The 2,5 Erinnert ihr euch nicht, daß ich dies zu euch sagte, als ich noch bei euch war? 2,6 Und jetzt wißt ihr, was zurückhält, damit er zu seiner Zeit geoffenbart wird. 2,7 Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur offenbart es sich nicht, bis der, welcher jetzt zurückhält, aus dem Weg ist; 2,8 und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft; 2,9 ihn, dessen Ankunft gemäß der Wirksamkeit des Satans erfolgt mit jeder Machttat und mit Zeichen und Wundern der Lüge 2,10 und mit jedem Betrug der Ungerechtigkeit für die, welche verloren gehen, dafür, daß sie die Liebe der Wahrheit zu ihrer Errettung nicht angenommen haben. 2,11 Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, daß sie der Lüge glauben. 2The 2, 5-11;


Es muss also zuerst der Abfall (sieh auch Hbr 3,12) – die Große Trübsal - kommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit – der Antichrist - geoffenbart werden. Erst dann wird der Tag der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus kommen, wo der Herr diesen Gesetzlosen/Antichristen mit dem Hauch seines Mundes vernichten wird. Und wenn der Herr den Antichrist bei seiner Wiederkunft zur Entrückung der Seinen vernichten wird, müssen sowohl Antichrist als auch die Seinen, also die christliche Endzeitgemeinde, zwangsläufig vorher, also vor Wiederkunft und Entrückung geherrscht bzw. gelebt haben. Und damit ist die Wiederkunft des Herrn und die Entrückung nach der Großen Trübsal und nach der Herrschaft des Antichrist anhand der Schrift eindeutig nachzuweisen.



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(Wird die Gemeinde auf Erden regieren? / Vortrag HW 1982-11-02*))

Die Gemeindezeit wird abgeschlossen durch die Entrückung. Auf Erden findet die Große Trübsal statt und der Herr ist mit den Seinen zum Preisgericht und zur Hochzeit das Lammes im Himmel, um dann mit ihnen wiederzukommen zum Tausendjährigen Reich, denn wir werden ja als seine Gemeinde auf Erden regieren – mitregieren, tausend Jahre mit ihm.

*) Dieser Ausschnitt ist der Aufzeichnung eines Vortrags von Heinz Weber in der St. Matthäusgemeinde in Bremen, über „Die Wiederkunft des Herrn” entnommen.

Heinz Weber http://www.theo-notizen.de/theo/tn-home.htm



Die Ansicht, dass die Gemeinde im Tausendjährigen Reich mit dem Herrn regieren würde, resultiert aus einer falschen Interpretation von Off 5,9-10 und 20,4-6.

Du hast sie zu einem Königtum und zu Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen.

Off 5,9 Und sie singen ein neues Lied und sagen: Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast durch dein Blut für Gott erkauft aus jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk und jeder Nation 5,10 und hast sie unserem Gott zu einem Königtum und zu Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen! Off 5,9-10;

Sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre.

Off 20,4 Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und ihnen wurde das Gericht übergeben. Und ich sah die Seelen derer, die enthauptet waren um des Zeugnisses von Jesus und um des Wortes Gottes willen, und die nicht angebetet hatten das Tier und sein Bild und die sein Zeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und auf ihre Hand; diese wurden lebendig und regierten mit Christus tausend Jahre. 20,5 Die andern Toten aber wurden nicht wieder lebendig, bis die tausend Jahre vollendet wurden. Dies ist die erste Auferstehung. 20,6 Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung. Über diese hat der zweite Tod keine Macht; sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre. Off 20, 4- 6;


(Siehe auch Kapitel 12: „Die Auferstehung” / Auferweckung und Auferstehung, Die Erste Auferstehung.)

Man verkündet hier, dass die ganze Gemeinde nach ihrer Entrückung mit Christus auf Erden als Könige und Priester regieren würde. Nun beziehen sich die Aussagen von Off 5,9-10 offensichtlich auf den selben Personenkreis, wie Off 20,4. Und diese Bibelstelle - wenn man sie anführt! - lässt etwas ganz anderes erkennen: Nämlich, dass es nicht die Gemeinde aller Zeiten ist, welche hier zum Regieren mit Christus lebendig wird, sondern nur die Enthaupteten – also die Märtyrer „aus jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk und jeder Nation”, sowohl aus alttestamentlicher als auch aus neutestamentlicher Zeit, die wegen ihres Glaubens verfolgt und getötet worden sind.

Warum nun gerade die Märtyrer aus allen Nationen und Zeiten ausersehen sind, um im Tausendjährigen Reich mit dem Herrn Jesus mitzuherrschen, wird augenscheinlich, wenn wir zur Klärung dieser Frage auch die betreffenden Texte des AT betrachten. So haben wir in 2Mo 19,4-6 und Jes 61,5-6 fast identische Aussagen.

Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein.

2Mo 19,4 Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan und wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und euch zu mir gebracht habe. 19,5 Und nun, wenn ihr willig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet, dann sollt ihr aus allen Völkern mein Eigentum sein; denn mir gehört die ganze Erde. 19,6 Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein. Das sind die Worte, die du zu den Söhnen Israel reden sollst. 2Mo 19, 4- 6;

Ihr aber, ihr werdet Priester des HERRN genannt werden; Diener unseres Gottes wird man zu euch sagen.

Jes 61,5 Dann werden Fremde dastehen und eure Schafherden weiden, und Ausländer werden eure Bauern und eure Weingärtner sein. 61,6 Ihr aber, ihr werdet Priester des HERRN genannt werden; Diener unseres Gottes wird man zu euch sagen. Ihr werdet den Reichtum der Nationen genießen und mit ihrer Herrlichkeit euch brüsten. Jes 61, 5- 6;


Dem Kontext dieser beiden atl. Stellen können wir nun entnehmen, dass diese Prophezeiungen natürlich nicht der christlichen Gemeinde gelten, sondern diese Verheißungen der priesterlichen Herrschaft an das Volk Israel gerichtet sind. Wenn man daher die Prophezeiungen in der Offenbarung ausschließlich auf die Gemeinde beziehen will, müssten diese Texte hier im AT demnach falsch sein. Nachdem unser Herr jedoch in Mt 5,17 sagt: „Meint nicht, daß ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen” und im „Gesetz” - also der Tora, den 5 Büchern Moses - auch genau jene obige Verheißung aus 2Mo 19,6 enthalten ist, können diese Texte nicht falsch sein.

Die Lösung dieses Widerspruchs ergibt sich - wie so oft in der Schrift - aus dem Kontext. Die Verheißung an das Volk Israel in 2Mo 19,6: „Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein” steht unter der Bedingung des vorangegangenen Verses: „wenn ihr willig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet”. Diese Voraussetzung ist nun vom Volk Israel insgesamt ebenso wenig erfüllt worden, wie von der ganzen christlichen Gemeinde aller Zeiten. Jeder allerdings, der diese Bedingung erfüllt hat, kann diese Verheißung Gottes im Anspruch nehmen. Und zwar sowohl aus dem Volk Israel, als auch aus der Gemeinde aller Zeiten.

Und diese Berechtigung trifft nun - unabhängig aller Nationalitätszugehörigkeit - nur auf eine Gruppe von Menschen zu: Jene Gläubigen aus der atl. und ntl. Zeit, welche wegen ihres Glaubens an diesen einen und einzigen Gott und seinen Sohn Jesus Christus verfolgt und getötet worden sind. Es sind also die Märtyrer aus allen Zeiten und allen Nationen - ob nun aus Israel oder der Gemeinde - welchen hier von Gott das Vorrecht verheißen wird, im Millennium über die Erde zu herrschen. Sie sind im Eigentum des Herrn, sie sind diese heilige Nation, sie sind dieses Königtum von Priestern, welche in der Ersten Auferstehung lebendig werden und mit Christus in dessen tausendjährigem Friedensreich mitherrschen werden.

Die obige Auffassung, dass in Off 20,6 die ganze Gemeinde gemeint sei – also auch alle eines natürlichen Todes und ohne Verfolgung wegen ihres Glaubens gestorbenen Geschwister -, welche als Könige und Priester mit dem Herrn herrschen werden, hat hier noch das zusätzliche Problem, dass es dann wohl Hunderte Millionen von Priestern und Königen auf Erden geben würde, welche herrschen wollen. Wenn man sich nun auch eine derartige Menge an Priestern noch vorstellen könnte, würden Hunderte Millionen Könige für diese Welt doch etwas zuviel sein. Es wird auch im Millennium kaum so viele Länder geben, in welchen sie als Könige regieren könnten.

Diese durchaus weit verbreitete falsche Sicht der Dinge ist aber nun eine Folge von falschen Einstellungen, welche in manchen Gemeinden vermittelt werden:

o  Es genügt uns nicht, „nur” gerettet zu sein. Wir wollen herrschen und Macht haben.

o  Jene Schriftaussagen in Off 13, welche von den Getöteten in der antichristlichen Herrschaft sprechen, werden durchaus ernst genommen und bestätigt: „sie sind nicht lebensfähig. Der Antichrist bringt sie alle um”.

o  Wenn aber Off 20,4 von den Enthaupteten gesprochen wird, dann beziehen wir das großzügigst auf uns selbst und reihen uns taxfrei in die Reihe derer ein, welche wegen ihres Glaubens leiden und sterben mussten.

o  Dass wir selbst keinesfalls in Not leben und schon gar nicht wegen unseres Glaubens das Leben lassen müssen, liegt dann scheinbar im „breiten Spektrum der symbolischen Ungenauigkeiten”.


Doch betrachten wir die Sache einmal von einer anderen Seite. Der letzte Satz in der obigen Argumentation von H. Weber lässt hier einen Verdacht aufkommen. Es heißt dort:

„denn wir werden ja als seine Gemeinde auf Erden regieren – mitregieren, tausend Jahre mit ihm.”


Hier klingt irgendwie die Vorstellung durch, dass das Regieren im Tausendjährigen Reich das Ziel aller Wünsche der Gläubigen sein müsste. Ist das wirklich so? Wenn wir das glauben, dann haben wir uns noch zuwenig Gedanken über das Leben im Himmel gemacht. Schon Paulus sagt in seinem Brief an die Philipper, dass unser Bürgerrecht – unsere Heimat, wie H. Weber auch oben sagt - in den Himmeln und nicht auf Erden ist:

Denn unser Bürgerrecht ist in den Himmeln.

Phil 3,20 Denn unser Bürgerrecht ist in den Himmeln, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus als Retter erwarten, 3,21 der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichgestalt mit seinem Leib der Herrlichkeit, nach der wirksamen Kraft, mit der er vermag, auch alle Dinge sich zu unterwerfen. Phil 3,20-21;


Und spricht nicht auch der Herr Jesus von den Wohnungen in seines Vaters Haus?

In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen - ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten.

Jh 14,1 Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! 14,2 In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? 14,3 Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wieder kommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin. 14,4 Und wo ich hingehe, den Weg wisst ihr. Jh 14, 1- 4;


Dieses Haus des Vaters ist nun sicherlich nicht das Tausendjährige Reich! Es ist der Himmel, der Thronsaal Gottes. Und die Freude und Wonne der Gläubigen im Himmel, wenn sie Gott loben und preisen dürfen, wird alle nur denkbaren Glücksgefühle übertreffen, welche die Menschen im Millennium auf Erden haben könnten. Obwohl natürlich auch dort durch die Herrschaft des Herrn Jesus Gerechtigkeit und Friede sein wird. Und es ist auch keine Frage, wer dem Herrn - der ja sowohl im Himmel beim Vater, als auch auf Erden sein wird - näher sein könnte: die Menschen auf der Erde im Millennium oder die Heiligen im Himmel.

Also, wer hier Angst hat zu kurz zu kommen, der täuscht sich gewaltig. Die wahre Existenz des gläubigen Christenmenschen ist bei Gott dem Vater und dem Sohn im Himmel und sonst nirgendwo. Jene Märtyrer, die hier scheinbar so beneidet werden, weil sie an der Ersten Auferstehung teilhaben und im Millennium herrschen dürfen, werden natürlich mit ihrem Auferstehungsleib ebenfalls sowohl im Himmel als auch auf Erden leben. Aber ihre Zeit im Himmel wird beschränkt sein, weil sie auf der Erde Verpflichtungen haben, die sie wahrnehmen müssen. Für Menschen, deren höchstes vorstellbares Glück es sein wird in der Nähe des Vaters zu sein, wird dies ein Opfer sein.

(Siehe auch den Diskurs 07: „Entrückung und Erste Auferstehung: ein einziges Ereignis?”)



(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Kann der Herr heute, jetzt, morgen kommen? / Vortrag HW 1982-11-02*))

Sobald wir diese Zeichnung bejahen können, finden wir eine ganze Menge Stellen, die sich auf einfache Weise lösen, die vorher Kopfzerbrechen verursacht haben. Jetzt ist es tatsächlich so, jetzt kann niemand die Zeit berechnen, jetzt kann der Herr Jesus heute Abend wiederkommen und da bleibt noch genug Zeit, um den Tempel zu bauen. Wenn die Bremer Gemeinde in einem Jahr ihren Schulbau hoch bringen kann, dann werden die Juden ihren Tempel in dreieinhalb Jahren aufrichten können, das können wir den Juden zutrauen. Mit anderen Worten, niemand kann jetzt sagen, wann der Herr wiederkommt. Jetzt stimmen alle diese Verse, die davon sprechen: die Zeit ist nahe, wachet, ihr wisst nicht wann der Herr wiederkommt. Er kann heute kommen, er kann jetzt kommen, er kann morgen kommen. Jetzt sind wir diesem unmittelbaren, ständigen Erwarten der Wiederkunft des Herrn ausgesetzt und das will ja die biblische Verkündigung.

*) Dieser Ausschnitt ist der Aufzeichnung eines Vortrags von Heinz Weber in der St. Matthäusgemeinde in Bremen, über „Die Wiederkunft des Herrn” entnommen.

Heinz Weber http://www.theo-notizen.de/theo/tn-home.htm



Hier erkennen wir nun den zentralen Beweggrund in der Verkündigung von H. Weber: Die Gemeinde sollte jeden Tag die Wiederkunft des Herrn erwarten. Wie sehr diese Einstellung auch pädagogisch verständlich und sehr klug sein mag, so ist sie doch nicht biblisch. Und das Bemühen, dieses Prinzip um jeden Preis aufrecht zu erhalten, beeinflusst die gesamte biblische Auslegung dieser Predigt. Sie wird zum Dogma, welchem alles andere unterzuordnen ist – auch wenn die Schrift Gegenteiliges lehrt.

So hat die Große Trübsal nichts mit der Gemeinde zu tun und wird zur „Prophetie für Israel”, weil sie ansonsten diesem Dogma im Wege stehen würde. Die Wiederkunft des Herrn, welche nach Paulus in 2The 2,1-9 nach der Großen Trübsal und dem Offenbarwerden des Antichristen erfolgen wird, muss sich ebenso wie Entrückung vor diesen Ereignissen zutragen, sonst könnte man sich irgendetwas „ausrechnen” und damit wäre dieses Dogma nicht mehr aufrecht zu erhalten.

Die Folge davon ist jedoch, dass sich die Geschwister darauf einstellen, die Entrückung würde quasi vor der Tür stehen und sie hätten davor weder Trübsal noch Anfechtungen zu erwarten. Und ähnlich wie bei den Thessalonichern zur Zeit des Paulus, besteht auch hier die Gefahr, dass manche Geschwister, in Erwartung der baldigen Entrückung, alle irdischen Bande lösen und nur mehr auf den Herrn warten würden. Aber auch alleine die falsche Meinung, sie wären vor Trübsal und Anfechtungen sicher, bringt diese Geschwister in eine immense Gefahr. Man muss ihnen daher mit Paulus sagen:

„Daß niemand euch auf irgendeine Weise verführe! Denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, daß zuerst der Abfall gekommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit geoffenbart worden ist, der Sohn des Verderbens.”

Ähnlich wie die Lehre von der absoluten Heilssicherheit - also dass ein Gläubiger nie mehr verloren gehen kann - bewirkt daher auch diese These von der jederzeitigen Wiederkunft des Herrn gerade das Gegenteil von dem, was damit eigentlich bewirkt werden sollte. Es wird nicht die Treue und Standhaftigkeit des Christenmenschen gestärkt, sondern die Überzeugung einer Art „Immunität” geweckt, in welcher die Wachsamkeit der Gläubigen eingelullt und das Gebet vernachlässigt wird, so dass sie Anfechtungen und Versuchungen völlig unkritisch gegenüberstehen und allen zeitgeistlichen Strömungen ahnungslos ausgeliefert sind. In beiden Fällen wird daher den Geschwistern eine Sicherheit vorgegaukelt, welche es nach der Schrift in der Realität nicht gibt, nicht geben kann.

(Siehe auch den Diskurs 69: „Die Prädestination und die Auserwählten.”)

Der Rat von H. Weber, dass wir das Weltgeschehen nicht weiter zu beobachten hätten, da es für den Gläubigen bis zur Wiederkunft des Herrn kein relevantes Ereignis mehr geben kann, lässt völlig außer Acht, dass uns der Herr hier gerade das Gegenteil lehrt! In Mt 24,32 – egal ob man nun der Ansicht ist, dass Mt 24 nur für die Juden oder für die Christen Geltung hat – sagt uns der Herr, wir sollen das Geschehen in der Welt beobachten und mit jenen Ereignissen vergleichen, welche er uns als den „Anfang der Wehen” prophezeit hat.

Alles dies aber ist der Anfang der Wehen.

Mt 24,4 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch niemand verführe! 24,5 Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus! Und sie werden viele verführen.

24,6 Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören. Seht zu, erschreckt nicht! Denn es muss geschehen, aber es ist noch nicht das Ende. 24,7 Denn es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es werden Hungersnöte und Erdbeben da und dort sein.

24,8 Alles dies aber ist der Anfang der Wehen. Mt 24, 4- 8;


Folgende weltweiten Ereignisse sind also die Kennzeichen für den Beginn dieser letzten Zeit vor der Wiederkunft des Herrn:

-  Es werden viele Verführer im Namen Christi kommen (Mt 24,5).

-  Man wird von Kriegen und Kriegsberichten hören (Mt 24,6).

-  Nation wird sich gegen Nation und Staat gegen Staat erheben (Mt 24,7).

-  Es werden Hungersnöte und Erdbeben da und dort sein (Mt 24,7).


Dies alles ist aber noch nicht das Ende, sondern es ist erst der Anfang der Wehen, wie der Herr in Mt 24,8 sagt. Nach diesen Ereignissen prophezeit der Herr eine schwere Zeit für die Gläubigen. Wobei festzuhalten ist, dass der Herr hier zu den Aposteln spricht, welche ihn am Beginn dieses Kapitels gefragt haben, was die Zeichen seiner Ankunft sein werden. Und dann sagt ihnen der Herr hier unten, in Mt 24,9: „Dann werden sie euch in Bedrängnis/Trübsal überliefern”. Nachdem die Apostel die ersten Christen waren und somit die Stammväter des Christentums sind, muss man davon ausgehen, dass mit diesem „euch” die Christen gemeint sind – und nicht die Juden, wie H. Weber meint. Noch dazu, wo es im selben Vers heißt: „ihr werdet von allen Nationen gehasst werden um meines Namens willen”. Um des Namens Christi Willen können nun einmal nur Christen gehasst und getötet werden und keinesfalls Juden!

Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten.

Mt 24,9 Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen gehasst werden um meines Namens willen. 24,10 Und dann werden viele verleitet werden und werden einander überliefern und einander hassen; 24,11 und viele falsche Propheten werden aufstehen und werden viele verführen; 24,12 und weil die Gesetzlosigkeit überhand nimmt, wird die Liebe der meisten erkalten; 24,13 wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden. 24,14 Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen. Mt 24, 9-14;


Nach dem Anfang der Wehen müssen dann, nach den Aussagen des Herrn, noch folgende Ereignisse u.a. stattfinden bevor der Herr Jesus kommt:

-  Sie werden als Christen von aller Welt gehasst, ausgeliefert und getötet werden. (Mt 24,9).

-  Es wird viele Kollaborateure geben, die sie verraten werden. (Mt 24,10).

-  Es werden viele falsche Propheten kommen und die Menschen verführen. (Mt 24,11).

-  Weil die Gesetzlosigkeit zur Norm wird, wird die Liebe erkalten. (Mt 24,12).

-  Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden. (Mt 24,13).

-  Dennoch wird bis zum Ende das Evangelium gepredigt werden. (Mt 24,14).


Und dann sagt ihnen der Herr, dass sie dies alles beobachten sollen und wenn sie es geschehen sehen, daran erkennen werden, dass seine Ankunft nahe ist.

So erkennt auch ihr, wenn ihr dies geschehen seht, daß das Reich Gottes nahe ist.

Lk 21,29 Und er sprach ein Gleichnis zu ihnen: Seht den Feigenbaum und alle Bäume! 21,30 Wenn sie schon ausschlagen, so erkennt ihr von selbst, da ihr es seht, daß der Sommer schon nahe ist. 21,31 So erkennt auch ihr, wenn ihr dies geschehen seht, daß das Reich Gottes nahe ist. 21,32 Wahrlich, ich sage euch, daß dieses Geschlecht nicht vergehen wird, bis alles geschehen ist. 21,33 Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen. Lk 21,29-33;


Hier führt der Herr jene Ereignisse an, welche vor seiner Wiederkunft geschehen müssen und heißt uns sie zu beobachten. Und ebenso, wie wir am Ausschlagen der Bäume im Frühling erkennen können, dass der Sommer nahe ist, werden wir auch am Geschehen dieser Ereignisse in der Welt erkennen, dass das Reich Gottes und damit die Wiederkunft des Herrn und die Entrückung nahe ist. Und wenn H. Weber meint: „Jetzt sind wir diesem unmittelbaren, ständigen Erwarten der Wiederkunft des Herrn ausgesetzt und das will ja die biblische Verkündigung”, so erkennen wir hier oben, in den Anweisungen des Herrn für die Christen der Endzeit, eine ganz andere biblische Verkündigung. Wie auch Paulus, weiter oben in 2The 2,1-3, sagt uns auch der Herr hier, dass für die Gläubigen noch gewaltige Ereignisse bevorstehen, bevor das Ende und die Wiederkunft des Herrn erfolgt. Und der Herr fordert uns hier ausdrücklich auf, das Weltgeschehen zu beobachten, um dann anhand der von ihm genannten Ereignisse zu erkennen, dass seine Ankunft nahe ist. Wer den Geschwistern verkündet, dass sie dies alles nicht beachten müssen, schickt die Gemeinde sehenden Auges in die Katastrophe.

Die von H. Weber postulierte Haltung des „unmittelbaren, ständigen Erwarten der Wiederkunft des Herrn” ist daher nicht biblische Verkündigung, sondern führt die Gemeinde in eine falsche Sicherheit. Viele Geschwister gründen auf diese These ihre Überzeugung, dass - was immer auch kommen mag - sie in dieser Welt keine geistliche Versuchung mehr zu befürchten hätten. Und beim Anhören seiner zweifelsohne sehr klaren und bewegenden Bekehrungspredigten erkennt man bei H. Weber auch den Grund für eine derartige Verkündigung: Er nutzt diese Sicht, dass der Herr in den nächsten fünf Minuten kommen könnte, immer wieder für die Aufforderung an seine Zuhörer sich noch gleich jetzt zu bekehren.

Wie man sieht, ist das zwar für Neubekehrungen gut gemeint, aber dadurch, dass es nicht den Schriftaussagen entspricht, ergibt sich hier eine große Gefahr und ein erhebliches Risiko in der Verkündigung. Wir haben einmal das Problem, dass sich diese Menschen aufgrund einer falschen biblischen Sicht bekehrt haben. Es ist ungefähr so, wie mit der „Event-Evangelisation” in manchen Gemeinden: wer nur mit derartigen Veranstaltungen in die Gemeinde gelockt werden kann, wird dann, wenn es ernst wird, nicht bleiben wollen. Und ebenso wird ein Mensch, der sich unter der Voraussetzung bekehrt hat, dass er - im Falle des Falles - nicht in der Großen Trübsal zu leiden hätte, auch nicht durchhalten - ob nun mit oder ohne Trübsal. Unser Herr will und braucht keine Lock- und Druckmittel. Eine Bekehrung muss freiwillig geschehen, sonst ist es keine wahre Bekehrung und wird nicht lange anhalten.

Und dann wird nach den Worten des Paulus in 2The 2,1-9 die Große Trübsal (der Abfall) und der Antichrist (der Mensch der Gesetzlosigkeit) vor der Ankunft des Herrn offenbar werden. Dieser Antichrist (grie: antichristos=Gegenchristus) - dessen Name auch als „Anstattchristus” zu übersetzen ist - wird sich in den Tempel in Jerusalem setzen und sich als „Christus” (Messias) und Gott(es Sohn) ausgeben - was er übrigens gar nicht könnte, wenn der wahre Christus schon vor ihm - also vor der Großen Trübsal - sichtbar für alle Welt gekommen wäre, wie das H. Weber postuliert. Und er wird sich und den Satan anbeten lassen, wie uns Off 13,4 auch sagt:

Off 13,4 Und sie beteten den Drachen an, weil er dem Tier die Macht gab, und sie beteten das Tier an und sagten: Wer ist dem Tier gleich? Und wer kann mit ihm kämpfen? Off 13, 4;


Dies hat auch schon der Herr zu seinen Lebzeiten den Schriftgelehrten in Israel prophezeit, dass sie ihn, der als Messias im Namen seines Vaters gekommen war, zurückgestoßen haben, wenn aber ein anderer in seinem eigenen Namen kommen wird, nämlich der Antichrist, den werden sie mit offenen Armen und Hallelujah-Rufen empfangen.

Wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr aufnehmen.

Jh 5,39 Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen; 5,40 und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben habt. 5,41 Ich nehme nicht Ehre von Menschen; 5,42 sondern ich kenne euch, daß ihr die Liebe Gottes nicht in euch habt. 5,43 Ich bin in dem Namen meines Vaters gekommen, und ihr nehmt mich nicht auf; wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr aufnehmen. Jh 5,39-43;


Und wenn nun Morgen tatsächlich einer kommt und sagt, er sei der wiedergekommene Christus und der Messias der Juden, und stellt dies scheinbar unter Beweis („Wer ist dem Tier gleich?” Off 13,4), indem er unglaubliche und bisher noch nie dagewesene Zeichen und Wunder wirkt und die Herrschaft über die Welt antritt, dann werden die Geschwister in der St. Matthäus Gemeinde in Bremen sich erinnern, dass ihnen Bruder Weber gesagt hat:

„Es gibt kein Ereignis nach der Bibel, das wir fordern müssen, dass es eintritt, bevor Jesus wiederkommen kann für seine Gemeinde”


und sie werden freudig meinen, dass nun endlich die biblischen Prophezeiungen erfüllt sind und Jesus Christus als Weltherrscher wiedergekommen ist.

Welch fataler Irrtum! Nicht umsonst sagt uns der Herr oben, am Ende seiner Warnungen in Mt 24,25:

„Siehe, ich habe es euch vorhergesagt”.