Diskurs 73 - Galt der Verkündigungsauftrag des Herrn in Mk 16 nur den 11 Aposteln?




Der Verkündigungsauftrag an die Apostel in Markus 16. / Buch Rudolf Ebertshäuser 00 Seite 191

Die „Zeichen des Apostels” als besondere göttliche Autorisierung. / Buch Rudolf Ebertshäuser 01 Seite 192

Tabelle: Die Beinamen der zwölf Apostel.


(Die schwarz eingerahmten Texte sind Zitate von Besuchern oder anderen Autoren!)

(Der Verkündigungsauftrag an die Apostel in Markus 16 / Buch RE 00 S 191+))

In Mk. 16,15-20 gibt der auferstandene Herr Seinen Aposteln den Auftrag, in die ganze Welt zu gehen und das Evangelium der ganzen Schöpfung zu predigen. Dieser Auftrag wird vielfach so verstanden, als gelte er der gesamten Gemeinde bis zur Entrückung. Eine genauere Betrachtung dieses Textes kann uns hier Klärung geben.

„(15) Und er sprach zu ihnen: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung. (16) Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird errettet werden; wer aber nicht gläubig geworden ist, wird verdammt werden. (17) Diese Zeichen aber werden die begleiten [od. denen folgen; parakoloutheoø], die glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; (18) werden Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden. (19) Der Herr wurde nun, nachdem er mit ihnen geredet hatte, in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. (20) Jene aber gingen aus und predigten überall, während der Herr mitwirkte und das Wort durch die begleitenden [od. mitfolgenden] Zeichen bestätigte.” (n. revElb)

In Mk. 16,15-20 spricht der Herr ausdrücklich nur mit Seinen Aposteln, den Elfen. Er gibt ihnen (und nicht etwa der ganzen Gemeinde) den Auftrag, in die ganze Welt (nicht mehr nur nach Israel) zu gehen und das Evangelium der Gnade aller Schöpfung zu verkündigen. Dieser Auftrag des Herrn an die Apostel gilt in dieser Form nur für die Apostel selbst; er wurde noch in der Apostelzeit erfüllt. Das geht aus einem genauen Studium der Stelle selbst hervor und wird durch andere Aussagen der Bibel bestätigt.

1. In V. 20 wird die Erfüllung der Verheißung allein auf die Apostel bezogen und als abgeschlossen bezeugt. Auch in Hebr. 2,4 ist die von Zeichen begleitete apostolische Verkündigung (die, die es gehört haben und bestätigten, waren die Apostel) als abgeschlossener Vorgang berichtet.

2. Im Kolosserbrief macht Paulus zwei Feststellungen, die die Erfüllung dieses Auftrages durch die ersten Apostel bestätigen. Er spricht vom Evangelium, „(...) das zu euch gekommen ist, wie es auch in der ganzen Welt [verbreitet] ist und Frucht bringt und wächst (...)” (Kol. 1,5f.), und er bezeugt, dass dieses Evangelium „in der ganzen Schöpfung unter dem Himmel gepredigt worden ist” (Kol. 1,23).

Das Wort Gottes greift hier die Worte des Herrn aus dem Apostelauftrag von Mk. 16,17 auf und bezeugt, dass der Auftrag zu Lebzeiten des Apostels Paulus erfüllt wurde: Das Evangelium wurde in der ganzen Welt verbreitet, und es wurde der ganzen Schöpfung gepredigt. Es ist offenkundig, dass beide Begriffe in einem allgemeinen Sinn verwendet werden; was der Herr damit genau gemeint hat, ist nicht völlig klar - aber Er sagt uns, dass die Apostel die Aufgabe in Seinem Sinn erfüllt haben.

+) Dieser Auszug ist dem Buch „Die Charismatische Bewegung im Lichte der Bibel” von Rudolf Ebertshäuser entnommen. Christliche Literatur-Verbreitung e. V. Bielefeld, ISBN 3-89397-333-8



Rudolf Ebertshäuer hat als ehemaliger Charismatiker sicherlich tiefe Einblicke in diese Glaubensrichtung und daher sind seine Berichte im obigen Buch sehr fundiert, informativ und überzeugend. Doch auch und insbesondere seine umfassenden Aussagen über die rechte biblische Lehre und ihre Konsequenzen in unserer heutigen Zeit, qualifizieren dieses Buch auch für Leser ohne spezielles Interesse für die Charismatische Bewegung.

In seinem aufrichtigen Bemühen, die Charismatische Bewegung in ihren unbiblischen Ansichten zu widerlegen, versucht er dann auch die Zeichen und Wunder, welche dort angeblich durch den Heiligen Geist gewirkt werden, als nicht schriftkonform darzustellen. Obwohl es nun hier gerade in den Auswirkungen dieser Manifestationen in der Charismatischen Bewegung eine breite Palette an Ansatzpunkten gäbe (Siehe auch: „Bericht über das charismatische Lager), versucht R. Ebertshäuser dem Übel auf den Grund zu gehen und eine Gegenargumentation anhand der Schrift zu führen. Dabei kommt er jedoch in die Gefahr, das Kind mit dem Bad auszugießen. Er bestreitet überhaupt und grundsätzlich die Möglichkeit, dass in unserer heutigen Zeit noch Zeichen und Wunder möglich wären und begründet das mit der Feststellung, dass die Verheißungen des Herrn in Mk 16 nur an die Apostel gerichtet waren und es seit dem Ende dieser Ära daher im wahren Christentum keine Wunder und Zeichen mehr geben kann. Hier einmal der diesbezügliche Schrifttext:

Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung!

Mk 16,15 Und er sprach zu ihnen: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! 16,16 Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird errettet werden; wer aber ungläubig ist, wird verdammt werden.

16,17 Diese Zeichen aber werden denen folgen, die glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden, 16,18 werden Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden.

16,19 Der Herr wurde nun, nachdem er mit ihnen geredet hatte, in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. 16,20 Jene aber zogen aus und predigten überall, während der Herr mitwirkte und das Wort durch die darauf folgenden Zeichen bestätigte. Mk 16,15-20;


Diese Aussagen des Herrn aus Mk 16,15-20 interpretiert R. Ebertshäuser nun oben folgendermaßen:

„In Mk. 16,15-20 spricht der Herr ausdrücklich nur mit Seinen Aposteln, den Elfen. Er gibt ihnen (und nicht etwa der ganzen Gemeinde) den Auftrag, in die ganze Welt (nicht mehr nur nach Israel) zu gehen und das Evangelium der Gnade aller Schöpfung zu verkündigen. Dieser Auftrag des Herrn an die Apostel gilt in dieser Form nur für die Apostel selbst; er wurde noch in der Apostelzeit erfüllt. Das geht aus einem genauen Studium der Stelle selbst hervor und wird durch andere Aussagen der Bibel bestätigt.”


Und wenn man diesen Text aufmerksam liest, erkennt man, dass hier von „den Elfen” gesprochen wird. Das heißt, der Autor bezieht den Verkündigungsauftrag in Mk 16,15-20 nur und ausschließlich auf diese 11 allerersten Apostel und demnach würde also z. B. Matthias, der von den Elfen und vom Heiligen Geist anstatt des Verräters Judas Iskariot eingesetzt wurde, und auch Paulus nicht zu diesem Kreis zählen. Nun wissen wir aber - und der Autor gesteht dies auch in der Folge zu -, dass es gerade Paulus war, der mehr als Petrus und die anderen dieser Elf, das Evangelium in der Welt und unter den Heiden verbreitet hat. So war es auch Paulus, von dem der Herr den Hananias in Damaskus gesagt hat: „Denn dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, daß er meinen Namen trage vor Heiden und vor Könige und vor das Volk Israel” (Apg 9,15). Auch wurde die Autorität des Paulus' dadurch unter Beweis gestellt, dass auch ihm jene Zeichen gefolgt sind, welche der Herr verheißen hat: Er hatte Visionen, hat beträchtliche Wunder gewirkt und sogar einen Toten wieder zum Leben erweckt (Apg 20,9-12).

Damit können wir festhalten, dass in der Aussage von R. Ebertshäuser zumindest die Einengung des Verkündigungsauftrags auf die elf allerersten Apostel nicht schriftkonform ist. Dann wird vom Autor in Bezug auf Mk 16,20 festgestellt, dass hier „die Erfüllung der Verheißung allein auf die Apostel bezogen und als abgeschlossen bezeugt” wird. Wenn wir uns aber diesen Text ansehen, sieht das etwas anders aus:

Mk 16,20 Jene aber zogen aus und predigten überall, während der Herr mitwirkte und das Wort durch die darauf folgenden Zeichen bestätigte. Mk 16,20;


Es heißt hier wohl, dass die Apostel auszogen und überall unter der Mitwirkung des Herrn predigten, allerdings lässt dieser Text keinesfalls den Schluss zu, dass damit der Auftrag des Herrn als erfüllt und damit beendet zu gelten hätte. Weiter wird Hbr 2,4 hier unten als Beweis zitiert, dass „die von Zeichen begleitete apostolische Verkündigung (die, die es gehört haben und bestätigten, waren die Apostel) als abgeschlossener Vorgang” zu sehen sei.

Gott gab Zeugnis durch Zeichen und Wunder und mancherlei Machttaten und Austeilungen des Heiligen Geistes.

Hbr 2,2 Denn wenn das durch Engel verkündete Wort fest war und jede Übertretung und jeder Ungehorsam gerechte Vergeltung empfing, 2,3 wie werden wir entfliehen, wenn wir eine so große Rettung mißachten? Sie ist ja, nachdem sie ihren Anfang damit genommen hatte, daß sie durch den Herrn verkündet wurde, uns gegenüber von denen bestätigt worden, die es gehört haben, 2,4 wobei Gott zugleich Zeugnis gab durch Zeichen und Wunder und mancherlei Machttaten und Austeilungen des Heiligen Geistes nach seinem Willen. Hbr 2, 2- 4;


In den beiden ersten Kapiteln argumentiert der Hebräerbriefschreiber gegen die Auffassung, der Herr Jesus wäre ein Engel (eine Sicht welche auch heute noch bei den Siebenten Tags Adventisten vertreten wird, welche lehren, dass Jesus Christus mit dem Engelfürsten Michael identisch wäre). Und nachdem er in Kapitel 1 nachgewiesen hat, um wie viel höher Christus als die Engel ist, kommt er hier in Hbr 2,2-4, zur logischen Schlussfolgerung: wenn Ungehorsam gegen das Wort, welches die Engel im AT verkündigt haben, schon bestraft wurde, um wie viel mehr wird eine Missachtung der Gnade Gottes zur Rettung in seinem Sohn Jesus Christus ihre Vergeltung finden. Und als Zeugen für seine Aussage nennt er dann den Herrn Jesus, der dies selbst verkündigt hat und die Apostel, die es gehört haben. Und dann heißt es auch hier - ähnlich wie oben in Mk 16,20 - dass diese Verkündigung durch Zeichen und Wunder von Gott bestätigt wurde.

Und damit wird - ebenso wie bei Mk 16,15-20 - auch hier klar, dass die Bestätigung dieser Verkündigung durch Zeichen und Wunder keinesfalls als Abschluss irgendeines Vorgangs, sondern ganz im Gegenteil als Nachweis dafür anzusehen ist, dass die Verheißung des Herrn in Mk 16,15-17: „Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! (...) Zeichen aber werden denen folgen, die glauben” in Erfüllung gegangen und die weltweite Verkündigung ihren Anfang genommen hatte.

Und dann zitiert der Autor den Kolosserbrief und meint, dass aufgrund der Aussagen in Kol 1,5f und 1,23 der Beweis erbracht wird, dass die Erfüllung des Verkündigungsauftrages durch die ersten Apostel beendet gewesen wäre. Sehen wir uns nun auch diese Texte mit ihrem Kontext näher an:

Das Evangelium, das zu euch gekommen ist, wie es auch in der ganzen Welt ist und Frucht bringt und wächst.

Kol 1,3 Wir danken Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, allezeit, wenn wir für euch beten, 1,4 da wir von eurem Glauben in Christus Jesus gehört haben und von der Liebe, die ihr zu allen Heiligen habt, 1,5 wegen der Hoffnung, die für euch in den Himmeln aufbewahrt ist. Von ihr habt ihr vorher schon gehört im Wort der Wahrheit des Evangeliums, 1,6 das zu euch gekommen ist, wie es auch in der ganzen Welt ist und Frucht bringt und wächst, wie auch unter euch von dem Tag an, da ihr es gehört und die Gnade Gottes in Wahrheit erkannt habt. Kol 1, 3- 6;

Das Evangelium das ihr gehört habt, das in der ganzen Schöpfung unter dem Himmel gepredigt worden ist

Kol 1,21 Und euch, die ihr einst entfremdet und Feinde wart nach der Gesinnung in den bösen Werken, 1,22 hat er aber nun versöhnt in dem Leib seines Fleisches durch den Tod, um euch heilig und tadellos und unsträflich vor sich hinzustellen, 1,23 sofern ihr im Glauben gegründet und fest bleibt und euch nicht abbringen laßt von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt, das in der ganzen Schöpfung unter dem Himmel gepredigt worden ist, dessen Diener ich, Paulus, geworden bin. Kol 1,21-23;


Wenn wir diese, von R. Ebertshäuser als Beweis für seine Ansicht zitierten Texte betrachten, erkennen wir in Kol 1,6 die Aussage:

-  (das Evangelium), „das zu euch gekommen ist, wie es auch in der ganzen Welt ist und Frucht bringt und wächst”

Und auch hier lässt einmal die Formulierung „... und wächst” keinesfalls den Schluss zu, dass es sich um einen bereits abgeschlossenen Vorgang handeln würde, sondern besagt im Gegenteil, dass das Evangelium weiterhin wächst. Bis heute. Worauf sich nun aber die angebliche Beweisführung bezieht, ist die Feststellung des Paulus: „... wie es (das Evangelium) auch in der ganzen Welt ist”.

Hier müssen wir berücksichtigen, dass Paulus die Verbreitung des Evangeliums nur in der ganzen damals bekannten Welt - und nicht einmal diese vollständig - angesprochen hat. Von Jerusalem wurde das Evangelium nach Judäa und Samaria gebracht, es kam nach Antiochien, mit Paulus nach Zypern und Galatien, nach Mazedonien, Korinth, Athen und Ephesus, es war aber ebenso dort, wo es Paulus selbst nicht hingetragen hatte: in Rom, wo Paulus im Gefängnis war, und in Kolossä.

Die zweite Stelle aus dem Kolosserbrief - Kol 1,23 - spricht aber nun die „ganze Schöpfung” an und könnte den Eindruck erwecken, Paulus würde hier tatsächlich seiner Überzeugung Ausdruck geben, dass das Evangelium bereits in der ganzen Welt verbreitet worden wäre.

-  (das Evangelium), das ihr gehört habt, das in der ganzen Schöpfung unter dem Himmel gepredigt worden ist.

Doch auch diese Aussage ist nicht geografisch, sondern aus dem damaligen geschichtlichen Umfeld zu verstehen. Zu dieser Zeit waren viele Länder - ja sogar ganze Kontinente - noch gar nicht entdeckt, geschweige denn evangelisiert. Weil jedoch in diesem Zusammenhang gerade hier, bei Immanuel.at, nicht der Eindruck erweckt werden soll, dass mit einer symbolischen Interpretation die eigentliche Aussage des Textes umgedeutet würde, seien hier jene Schriftstellen und biblischen Argumente angeführt, welche zwingend zu einer derartigen Schlussfolgerung führen.

Und hier haben wir einmal den Hinweis, welchen uns Paulus in Röm 15,23.28 gibt, dass er selbst sehr wohl wusste, dass zu seiner Zeit das Evangelium in Europa noch nicht überall verkündet worden ist. Er schreibt den Römern, dass er nach Spanien reisen möchte - offensichtlich um auch dort das Evangelium zu verkündigen - und bei dieser Gelegenheit gerne die Geschwister in Rom besuchen würde.

Wenn ich dies nun vollbracht und diese Frucht ihnen versiegelt habe, so will ich über euch nach Spanien reisen.

Röm 15,23 Nun aber, da ich in diesen Gegenden keinen Raum mehr habe und seit vielen Jahren ein großes Verlangen, zu euch zu kommen, 15,24 falls ich nach Spanien reise - denn ich hoffe, auf der Durchreise euch zu sehen und von euch dorthin geleitet zu werden, wenn ich euch vorher etwas genossen habe - 15,25 nun aber reise ich nach Jerusalem im Dienst für die Heiligen. 15,26 Denn es hat Mazedonien und Achaja wohlgefallen, eine Beisteuer zu leisten für die Bedürftigen unter den Heiligen, die in Jerusalem sind. 15,27 Es hat ihnen nämlich wohlgefallen, auch sind sie ihre Schuldner. Denn wenn die Nationen ihrer geistlichen Güter teilhaftig geworden sind, so sind sie verpflichtet, ihnen auch in den leiblichen zu dienen. 15,28 Wenn ich dies nun vollbracht und diese Frucht ihnen versiegelt habe, so will ich über euch nach Spanien reisen. Röm 15,23-28;


Leider ist es zu diesem Besuch in Rom dann in ganz anderer Weise gekommen, als es Paulus erhofft hatte. Er wurde in Jerusalem etwa 58 n.Chr. verhaftet und weil er sich als römischer Bürger auf den Kaiser und das römische Recht berief, gefangen nach Rom geführt. Die Geschwister in Rom haben ihn im Gefängnis besucht, aber Paulus ist nicht mehr frei gekommen und hat etwa 62 n.Chr. in Rom den Tod gefunden. Daher ist es damals auch nicht zu der von Paulus beabsichtigten Evangelisierung in Spanien gekommen. Dies wurde erst später durch andere Prediger des Wortes Gottes nachgeholt.

Eine weitere Schriftaussage, welche sowohl von ihrer Autorität - sie ist vom Herrn selbst - als auch von ihrem Inhalt her die Auffassung von R. Ebertshäuser, dass die Verkündigung des Evangeliums mit der Zeit der Apostel ihren Abschluss gefunden hätte, widerlegt, finden wir in Mt 24,14:

Das Evangelium wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis und dann wird das Ende kommen.

Mt 24,14 Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen. Mt 24,14;


Es ist dies die Endzeitrede des Herrn an die Apostel. Und der Herr verheißt hier, dass das Evangelium in der ganzen Welt, allen Nationen zu einem Zeugnis, gepredigt werden wird und dann wird das Ende kommen, also das Ende aller weltlichen Herrschaft bei der Wiederkunft der Herrn. Wenn aber nun die Behauptung von R. Ebertshäuser zutreffen würde, dass der Verkündigungsauftrag nur für die Zeit der Apostel gegolten hätte, hätte unmittelbar darauf - also etwa am Ende des 1. Jhdts. - dieses vom Herrn verheißene Ende eintreten und der Herr bereits vor 1900 Jahren die Herrschaft in dieser Welt antreten müssen.

Dass dies nun nicht den heutigen Realitäten entspricht, wird wohl sogar R. Ebertshäuser nicht leugnen wollen. Wenn daher aber das Evangelium gemäß der Verheißung des Herrn bis zu seiner Wiederkunft auf der ganzen Welt gepredigt werden soll und auch tatsächlich gepredigt wird, kann dieser Verkündigungsauftrag nicht nur auf die Jünger und nicht auf das 1. Jhdt. n.Chr. beschränkt gewesen sein. Wir würden ja sonst seit fast zweitausend Jahren entgegen der Schrift Evangelisation und Mission betreiben.

Aber man kann auch nicht behaupten wollen, dass das Evangelium Jesu Christi bereits zur Zeit der Apostel in der ganzen Welt verbreitet und dieser Auftrag des Herrn „noch in der Apostelzeit erfüllt” worden wäre, wenn Paulus, der am weitesten Gereiste unter ihnen, damals gerade einmal von Jerusalem bis nach Rom gekommen ist und der ganze amerikanische Kontinent überhaupt erst rd. 1500 Jahre später entdeckt wurde.



(Die schwarz eingerahmten Texte sind Zitate von Besuchern oder anderen Autoren!)

(Die „Zeichen des Apostels” als besondere göttliche Autorisierung. / Buch RE 00 S 192+))

Es gibt also nach der Schrift nicht nur Zeichen des Messias, sondern auch „Zeichen des Apostels” (2. Kor. 12,12). Sie bestätigen die göttliche Berufung und Autorität der Apostel Jesu Christi, die die Botschaft des Evangeliums, das Geheimnis Jesu Christi offenbarten und verkündigten. Diese Zeichen müssen notwendigerweise auf die Apostel selbst und ihre engsten Mitarbeiter im Dienst der Evangeliumsverkündigung beschränkt gewesen sein, sonst wären sie keine göttliche Bestätigung der apostolischen Berufung. So heißt es in der Apostelgeschichte nirgends, dass alle Gläubigen Zeichen und Wunder getan hätten, sondern wir lesen: „(...) es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel” (Apg. 2,43; vgl. Apg. 5,12). Paulus bezeugt von sich, dass er das Evangelium „in der Kraft der Zeichen und Wunder” verkündigt hat (Rö. 15,19), und er schreibt den Korinthern: „Die Zeichen des Apostels sind ja unter euch vollbracht worden in allem Ausharren, in Zeichen und Wundern und Machttaten” (2. Kor. 12,12). In der apostolischen Zeit, als die Offenbarung des Wortes Gottes noch nicht abgeschlossen war, gab Gott über den Kreis der Apostel hinaus Zeichen- und Wundergaben in Seiner Gemeinde. So lesen wir, dass Stephanus und Philippus große Zeichen und Wunder taten - das war allerdings in den ersten Anfängen der Gemeinde und nicht unter Heiden, sondern unter Juden und Samaritern. Aber auch in örtlichen Gemeinden wie Korinth gab es Gnadengaben zu Heilungen, Machttaten, wunderwirkenden Glauben und Sprachenreden (1. Korinther 12).

Es wird jedoch nirgends in der Bibel gesagt, dass diese Gaben breit für die Evangelisation oder „Gemeindewachstum” eingesetzt worden wären. Wenn Zeichen und Wunder Gottes Strategie für Evangelisation wären, so hätten sie in den apostolischen Belehrungen und Anweisungen an die Gemeinden ganz sicher einigen Raum eingenommen. Wenn der Apostel Paulus die Zeichen und Wunder bei seiner Evangeliumsverkündigung erwähnt, dann dienen sie dazu, die Göttlichkeit des von ihm verkündeten Wortes zu bestätigen und ihn selbst als Botschafter Gottes auszuweisen; nirgends ermutigt er die Gemeinden, auf dieselbe Weise das Evangelium zu verkünden. In seinen Anweisungen an den Evangelisten Timotheus, der doch angehalten wird „Predige das Wort ...” (2. Tim. 4,2) und „tue das Werk eines Evangelisten” (2. Tim. 4,5), ist nirgends von Zeichen und Wundern die Rede. Sie sollten die Neueinführung der Botschaft des Evangeliums autorisieren, nicht aber jede nachfolgende Verkündigung dieses Evangeliums an die Nationen.

So waren die übernatürlichen Zeichengaben in den Gemeinden auch nur in der Zeit der Apostel wirksam und hörten danach auf. Das lag nicht am Versagen der Gemeinde der nachapostolischen Zeit (obwohl sie tatsächlich versagt hat), sondern war in Gottes weisem Ratschluss begründet: Die Nationen sollten durch das Wort, durch das Wort vom Kreuz, durch die Verkündigung Jesu Christi als des gekreuzigten und auferstandenen Herrn überführt und zum Glaubensgehorsam gebracht werden - nicht durch beständig wiederholte Zeichen und Schauwunder.

+) Dieser Auszug ist dem Buch „Die Charismatische Bewegung im Lichte der Bibel” von Rudolf Ebertshäuser entnommen. Christliche Literatur-Verbreitung e. V. Bielefeld, ISBN 3-89397-333-8



Wenn wir uns nun den Text aus Mk 16,15-16 noch einmal ansehen, haben wir einmal in Mk 16,15 den Verkündigungsauftrag des Herrn, welcher sich, wie oben nachgewiesen, sowohl von der Schrift her, als auch aus einfachen logischen Überlegungen - Amerika war noch gar nicht entdeckt - , nicht ausschließlich auf die Apostel und die Zeit der Apostel beziehen kann. Wenn aber nun die Verkündigung des Evangeliums über die Apostelzeit hinaus Gültigkeit hat, muss das zwangsläufige auch für die Zeichen gelten, welche nach Mk 16,17-18 denen folgen, die zum Glauben gekommen sind.

Die Zeichen aber werden denen folgen, die glauben.

Mk 16,15 Und er sprach zu ihnen: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! 16,16 Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird errettet werden; wer aber ungläubig ist, wird verdammt werden.

16,17 Diese Zeichen aber werden denen folgen, die glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden, 16,18 werden Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden. Mk 16,15-18;


Und wenn wir diesen Text genau lesen, erkennen wir, dass hier ein anderer Personenkreis angesprochen wird. Es sind nicht mehr die Apostel, zu denen der Herr im vorhergehenden Vers gesagt hat: „Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung!”, sondern es heißt: „Diese Zeichen aber werden denen folgen, die glauben”. Das ist nun ein etwas anderes Kriterium. Es schließt natürlich auch die Apostel mit ein, da sie es ja waren, die als Erste geglaubt hatten. Aber es gilt weit darüber hinaus allen jenen, die durch die Predigt des Evangeliums in der ganzen Welt zum Glauben gekommen sind.

(Siehe auch den Diskurs 44: „Kann der Glaube Berge versetzen?”)

Das heißt aber für unsere Analyse, dass diese Zeichenverheißung des Herrn nicht auf die Zeit der Apostel und schon gar nicht auf die Apostel selbst beschränkt gewesen ist, sondern immer dann und so lange Geltung hat, als Menschen zum lebendigen Glauben an den Herrn Jesus Christus kommen. Und eben diese Darstellung erhalten wir auch im ersten Brief des Paulus an die Korinther:

Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes zum Nutzen gegeben.

1Kor 12,1 Was aber die geistlichen Gaben betrifft, Brüder, so will ich nicht, daß ihr ohne Kenntnis seid. 12,2 Ihr wißt, daß ihr, als ihr zu den Heiden gehörtet, zu den stummen Götzenbildern hingezogen, ja, fortgerissen wurdet. 12,3 Deshalb tue ich euch kund, daß niemand, der im Geist Gottes redet, sagt: Fluch über Jesus! und niemand sagen kann: Herr Jesus! außer im Heiligen Geist. 12,4 Es gibt aber Verschiedenheiten von Gnadengaben, aber es ist derselbe Geist; 12,5 und es gibt Verschiedenheiten von Diensten, und es ist derselbe Herr; 12,6 und es gibt Verschiedenheiten von Wirkungen, aber es ist derselbe Gott, der alles in allen wirkt.

12,7 Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes zum Nutzen gegeben. 12,8 Denn dem einen wird durch den Geist das Wort der Weisheit gegeben, einem anderen aber das Wort der Erkenntnis nach demselben Geist; 12,9 einem anderen aber Glauben in demselben Geist, einem anderen aber Gnadengaben der Heilungen in dem einen Geist, 12,10 einem anderen aber Wunderwirkungen, einem anderen aber Weissagung, einem anderen aber Unterscheidungen der Geister; einem anderen verschiedene Arten von Sprachen, einem anderen aber Auslegung der Sprachen. 12,11 Dies alles aber wirkt ein und derselbe Geist und teilt jedem besonders aus, wie er will. 1Kor 12, 1-11;


Paulus klärt hier die Korinther über die geistlichen Gnadengaben auf und weist in 1Kor 12,4 darauf hin: „Es gibt aber Verschiedenheiten von Gnadengaben, aber es ist derselbe Geist”. In der Folge spricht er von jenen Geschwistern, die den Geist Gottes haben und erklärt oben, in 1Kor 12,7-11, die verschiedenen Gaben des Geistes. Dabei weist er ausdrücklich darauf hin, dass es nicht nur die Apostel sind, welchen der Heilige Geist diese Gnadengaben zuweist, sondern auch und gerade die Geschwister in der Gemeinde von Korinth. In 1Kor 12,9-10 erwähnt er auch die Gabe der Wunderwirkungen und die Gnadengaben der Heilungen. Am Ende dieses Kapitels kommt Paulus sogar noch einmal darauf zu sprechen und bestätigt, dass Gott in der Gemeinde verschiedene Gnadengaben und u.a. auch Wunderkräfte und Gnadengaben der Heilungen eingesetzt hat.

Eifert aber um die größeren Gnadengaben!

1Kor 12,27 Ihr aber seid Christi Leib und, einzeln genommen, Glieder. 12,28 Und die einen hat Gott in der Gemeinde eingesetzt erstens als Apostel, zweitens andere als Propheten, drittens als Lehrer, sodann Wunderkräfte, sodann Gnadengaben der Heilungen, Hilfeleistungen, Leitungen, Arten von Sprachen. 12,29 Sind etwa alle Apostel? Alle Propheten? Alle Lehrer? Haben alle Wunderkräfte? 12,30 Haben alle Gnadengaben der Heilungen? Reden alle in Sprachen? Legen alle aus? 12,31 Eifert aber um die größeren Gnadengaben! Und einen Weg noch weit darüber hinaus zeige ich euch: 1Kor 12,27-31;


Wenn also der Herr oben in Mk 16,17 sagt: „Diese Zeichen aber werden denen folgen, die glauben” und Paulus bestätigt in 1Kor 12,28, dass Gott verschiedene Gnadengaben in der Gemeinde eingesetzt hat, dann können diese Verheißungen keiner zeitlichen Beschränkung unterliegen. Denn Glaube und Gemeinde wird es geben, bis der Herr Jesus zur Entrückung der Seinen wiederkehrt. Damit ist nun aber auch die obige Behauptung von R. Ebertshäuser: „So waren die übernatürlichen Zeichengaben in den Gemeinden auch nur in der Zeit der Apostel wirksam und hörten danach auf” als nicht schriftkonform einzustufen.

Schließlich schreibt R. Ebertshäuser

„Es wird jedoch nirgends in der Bibel gesagt, dass diese Gaben (Wunder und Sprachenreden / Anm.) breit für die Evangelisation oder Gemeindewachstum eingesetzt worden wären. Wenn Zeichen und Wunder Gottes Strategie für Evangelisation wären, so hätten sie in den apostolischen Belehrungen und Anweisungen an die Gemeinden ganz sicher einigen Raum eingenommen.”


Doch auch hier scheint uns die Schrift auf den ersten Blick etwas anderes zu sagen. Paulus schreibt den Korinthern in seinem ersten Brief, in 1Kor 14,22, dass gerade die Zungenrede als ein Zeichen für die Ungläubigen und nicht für die Gläubigen zu sehen ist.

Darum ist die Zungenrede ein Zeichen nicht für die Gläubigen, sondern für die Ungläubigen.

1Kor 14,22 Darum ist die Zungenrede ein Zeichen nicht für die Gläubigen, sondern für die Ungläubigen; die prophetische Rede aber ein Zeichen nicht für die Ungläubigen, sondern für die Gläubigen. 14,23 Wenn nun die ganze Gemeinde an einem Ort zusammenkäme und alle redeten in Zungen, es kämen aber Unkundige oder Ungläubige hinein, würden sie nicht sagen, ihr seid von Sinnen? 14,24 Wenn sie aber alle prophetisch redeten und es käme ein Ungläubiger oder Unkundiger hinein, der würde von allen geprüft und von allen überführt; 14,25 was in seinem Herzen verborgen ist, würde offenbar, und so würde er niederfallen auf sein Angesicht, Gott anbeten und bekennen, daß Gott wahrhaftig unter euch ist. 1Kor 14,22-25;


Und darin könnte man nun - im Gegensatz zu der obigen Aussage von R. Ebertshäuser - den Nachweis sehen, dass gerade das Zungenreden eine Gnadengabe, ein Mittel zur Evangelisation der Ungläubigen sei. Wenn man jedoch den Kontext danach, in Vers 23-25 betrachtet, so erkennt man, dass gerade das Gegenteil zutrifft: Wenn das Zungenreden von den Ungläubigen nicht verstanden wird, wieso sollte es dann ein Zeichen für sie sein? Es wäre daher eher ein Zeichen für die Gläubigen untereinander oder für jeden Gläubigen selbst, wie Paulus in Vers 28 sagt: „Ist aber kein Ausleger da, so schweige der Zungenredner in der Gemeinde und rede für sich selber und für Gott”.

Berücksichtigt man nun aber auch noch den Kontext davor, ist der tatsächliche Hintergrund dieser Aussage des Paulus zu erkennen:

Ich will in andern Zungen und mit andern Lippen reden zu diesem Volk, und sie werden mich auch so nicht hören.

1Kor 14,20 Liebe Brüder, seid nicht Kinder, wenn es ums Verstehen geht; sondern seid Kinder, wenn es um Böses geht; im Verstehen aber seid vollkommen. 14,21 Im Gesetz steht geschrieben (Jesaja 28,11. 12): »Ich will in andern Zungen und mit andern Lippen reden zu diesem Volk, und sie werden mich auch so nicht hören, spricht der Herr.« 1Kor 14,20-21;


Hier zitiert Paulus den Propheten Jesaja, und diesem wurde diese Prophezeiung natürlich im Hinblick auf das Volk Israel gegeben. Zu ihnen, welche auf die Propheten Gottes, die sie in ihrer eigenen Sprache zur Umkehr zu ihrem Gott aufriefen, nicht hören wollten, wird in einer fremden Sprache gesprochen (die Rettung verkündet) werden, was sie aber dann nicht mehr verstehen werden können.

Ja, durch stammelnde Lippen und durch eine fremde Sprache wird er zu diesem Volk reden.

Jes 28,9 Wen will er Erkenntnis lehren und wem die Botschaft verständlich machen? Kindern, die von der Milch entwöhnt, die von den Brüsten abgesetzt sind? 28,10 Denn er sagt: Zaw la zaw, zaw la zaw, kaw la kaw, kaw la kaw, hier ein wenig, da ein wenig! - 28,11 Ja, durch stammelnde Lippen und durch eine fremde Sprache wird er zu diesem Volk reden, 28,12 er, der zu ihnen sprach: Das ist die Ruhe! Schafft Ruhe dem Erschöpften! Und das ist die Erquickung! Aber sie wollten nicht hören. 28,13 Und das Wort des HERRN für sie wird sein: zaw la zaw, zaw la zaw, kaw la kaw, kaw la kaw, hier ein wenig, da ein wenig; damit sie hingehen und rückwärts stürzen und zerschmettert werden, sich verstricken lassen und gefangen werden. Jes 28, 9-13;


Wenn daher Paulus diese Worte oben, in 1Kor 14,21 zitiert, bezieht er sich offensichtlich auf die ungläubigen Juden in der Gemeinde und weissagt ihnen, dass diese Prophezeiung Jesajas nun auf sie zugetroffen ist. Weil sie ihrem Gott und seinen Propheten Jahrhunderte lang widerstanden haben, können sie nun die Botschaft von der Errettung durch Gnade nicht mehr verstehen. Damit und mit den Aussagen von 1Kor 14,23, ist die Zungenrede nach der Schrift tatsächlich kein Instrument für die Evangelisation unter den Nationen.

Ganz anders bei der anschließend von Paulus erwähnten Gnadengabe der Weissagung. Durch die prophetische Rede, wie sie Paulus auch nennt, werden nicht die Gläubigen, sondern die Gottlosen ihres Unglaubens überführt und erhalten damit ein Zeichen zur Umkehr und für ihre Bekehrung. In 1Kor 14,24-25 bestätigt Paulus die prophetische Gabe geradezu als Mittel zur Evangelisation und der Bekehrung der Ungläubigen, wenn er sagt:

Wenn sie aber alle prophetisch redeten und es käme ein Ungläubiger hinein, der würde von allen überführt.

1Kor 14,24 Wenn sie aber alle prophetisch redeten und es käme ein Ungläubiger oder Unkundiger hinein, der würde von allen geprüft und von allen überführt; 14,25 was in seinem Herzen verborgen ist, würde offenbar, und so würde er niederfallen auf sein Angesicht, Gott anbeten und bekennen, daß Gott wahrhaftig unter euch ist. 1Kor 14,24-25;


Und dass diese Gnadengabe bis in unsere Tage wirksam ist, beweisen viele Geschwister, die in ihrem Zeugnis bekennen, dass sie durch eine Predigt oder eine Aussage eines gläubigen Menschen - in Wort oder Schrift - meistens ohne besondere Absicht oder direktes Wissen und Wollen, in ihrem Innersten getroffen wurden. Und zwar deshalb, weil sie erkannten, dass diese Worte so augenscheinlich auf ihre persönliche Lage gepasst haben, dass es nur Gott sein konnte, der hier zu ihnen gesprochen hat. Wenn man daher die Wirksamkeit dieser Gaben bestreitet, würden davon nicht nur die charismatischen, sondern natürlich auch alle nichtcharismatischen Gemeinden betroffen sein und somit dieser besondere Aspekt jeder Predigt geleugnet werden.

Aus der in der Einleitung zitierten Argumentation von R. Ebertshäuser, dass der Verkündigungsauftrag nur für die Apostel und damit nur im 1. Jhdt. gegolten hätte, müssten wir daher den völlig unglaubwürdigen Schluss ziehen, dass die Christenheit seit fast 2000 Jahren gegen den Willen Gottes weltweit das Evangelium verkündigt. Beim zweiten Argument, der Behauptung, dass auch die Gnadengaben des Geistes in den Gemeinden nur in der Zeit der Apostel wirksam waren und danach aufhörten, müssten wir aber dann von der - vom Autor im Prinzip beabsichtigten - Auffassung ausgehen, dass jener Geist, welcher nach der Zeit der Apostel und bis heute in den Gemeinden wirkt, ein falscher Geist wäre.

Und hier kommen wir nun in eine biblisch sehr fragwürdige Situation. Nachdem R. Ebertshäuser diese Gnadengaben ebenso wie den Verkündigungsauftrag nur den 11 Aposteln zuschreiben will, hätte zuerst einmal Paulus, der ja nicht zu den Elfen gehörte, einen falschen Geist verkündigt. Damit scheint zwar die Unhaltbarkeit dieser Behauptungen offenkundig zu sein, doch birgt eine derartige Argumentation einen weiteren, wesentlich problematischeren Hintergrund.

Obwohl es uns nach der Schrift unbenommen ist, alle Menschen - und damit auch Paulus - der falschen Aussage zu bezichtigen, gibt es eine absolute Grenze, welche der Mensch aus biblischer Sicht nicht ohne gravierende Folgen überschreiten kann. Der Herr selbst sagt uns in Mt 12,31-32, dass jede Sünde und Lästerung - und sei es auch ein böses Wort gegen den Sohn Gottes selbst - vergeben werden kann, wenn aber jemand gegen den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden.

Wenn aber jemand gegen den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden.

Mt 12,31 Deshalb sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden; aber die Lästerung des Geistes wird nicht vergeben werden. 12,32 Und wenn jemand ein Wort reden wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; wenn aber jemand gegen den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden, weder in diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen. Mt 12,31-32;


Diese Sünde wider den Heiligen Geist beschäftigt zu Recht viele Geschwister und wird oft sehr widersprüchlich erklärt. Die authentische Erklärung finden wir jedoch nur wenige Verse vor dem obigen Schrifttext. Die Warnung des Herrn vor der Lästerung des Geistes in Mt 12,31 ist nur eine Folge des Gesprächs, welches er unmittelbar davor, in Mt 12,22-24, mit den Pharisäern geführt hatte. Er hatte gerade einen Besessenen geheilt und das Volk war drauf und dran, ihn als den Messias, den Sohn Davids, zu erkennen und anzunehmen. Als dies die Pharisäer merkten, versuchten sie ihn bei den Leuten schlecht zu machen und behaupteten, dass er die Dämonen durch den Beelzebul - also den Teufel - austreibt.

Dieser treibt die Dämonen nicht anders aus als durch den Beelzebul, den Obersten der Dämonen.

Mt 12,22 Dann wurde ein Besessener zu ihm gebracht, blind und stumm; und er heilte ihn, so daß der Stumme redete und sah. 12,23 Und es erstaunten die ganzen Volksmengen und sagten: Dieser ist doch nicht etwa der Sohn Davids? 12,24 Die Pharisäer aber sagten, als sie es hörten: Dieser treibt die Dämonen nicht anders aus als durch den Beelzebul, den Obersten der Dämonen. Mt 12,22-24;


Als Reaktion auf diese Verleumdung - nicht nur des Sohnes Gottes, sondern auch und insbesondere des Heiligen Geistes - sagte ihnen der Herr nun, dass die Lästerung des Geistes nicht vergeben werden wird. Und damit haben wir die Antwort auf die Frage, was die Sünde wider den Heiligen Geist tatsächlich ist: Wer das Wirken des Heiligen Geistes als Manifestation eines falschen Geistes oder umgekehrt, das Auftreten eines falschen Geistes als den Geist Gottes ausgibt, der macht sich dieser Lästerung des Heiligen Geistes schuldig.

(Siehe auch den Diskurs 64: „Was ist die Sünde wider den Heiligen Geist?”)

Daher muss man hier nun alle jene charismatischen Denominationen warnen, welche geistliche Manifestationen in ihren Reihen taxfrei als das Wirken des Heiligen Geistes akzeptieren, ohne sie anhand der Schrift nachweislich geprüft zu haben. Keine Sünde und keine Lästerung ist so groß, dass sie nicht vergeben werden könnte. Doch jede Gemeinde, welche einem falschen Geist Raum gibt, führt die Geschwister in die ewige Verdammnis. Dieser Gefahr sollten sich alle Geschwister in diesen Gemeinden bewusst sein und alle Mitglieder der Gemeindeleitungen sollten erkennen, dass sie für diese unglaublich ernste und unübertragbare Verantwortung, welche sie gegenüber Gott und allen Geschwistern haben, einmal beim Gericht werden Rechenschaft ablegen müssen.

Nur allzu oft wird heute beim Gemeindewachstum Quantität mit Qualität verwechselt. Hier werden amerikanische Gemeinden als Vorbild genannt, welche bei jedem Gottesdienst Tausende von Besuchern haben. Dazu hat einmal der bekannte Theologe und Nobelpreisträger, der „Urwalddoktor” Albert Schweitzer gesagt:

„Nicht jeder, der in die Kirche geht, ist ein Christ. Man ist ja auch nicht deshalb, weil man sich in eine Garage stellt, gleich ein Auto.”

Dieses, von manchen Gemeindeleitungen propagierte „Mengenwachstum” in den Gemeinden, bewirkt aber eine Vermischung der echten Gläubigen mit Pseudochristen, welche den christlichen Glauben als neuen Trendhit und die charismatischen Gottesdienste als Esoterik-Events betrachten. Die Folge davon ist zwar eine quantitative Vergrößerung, doch die ursprünglichen, rechtgläubigen Gemeindemitglieder, welche oft bis zum Schluss versucht haben, diese Fehlentwicklung aufzuzeigen aber von der Gemeindeleitung als Querulanten abgekanzelt wurden, werden immer mehr in die Minderheit gedrängt und verlassen schließlich tief gekränkt diese Gemeinde.

Konsequenter Weise dürfen wir nun aber auch den anderen Aspekt dieser Problematik nicht übersehen. Ebenso wie die Präsentation eines falschen Geistes als Geist Gottes zur ewigen Verdammnis führt, ist auch im umgekehrten Fall die Verleumdung des Heiligen Geistes als falschen Geist eine Lästerung, welche nicht vergeben werden kann. Und dieser Gefahr setzen wir uns aus, wenn wir behaupten, dass es heute überhaupt keine Gnadengaben mehr gibt und alle Wirkungen des Geistes Gottes in Gemeinden und bei Gläubigen pauschal als Manifestationen des Teufels verurteilen.

Abschließend möchte ich noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass das Bemühen von R. Ebertshäuser, die falschen Lehren der Pfingst- und Charismatischen Bewegung aufzuzeigen, auch mir ein großes Anliegen ist. Wenn wir jedoch diese Leute zurecht ermahnen, sich an das Wort Gottes zu halten und nicht darüber hinaus zu gehen, haben wir selbst die noch viel größere Pflicht, die Aussagen der Schrift an die erste Stelle und unsere persönliche Einschätzung hintenan zu stellen. Es könnte sonst auch bei den vielen rechtgläubigen Geschwistern, welche diese Auseinandersetzungen verfolgen, ein Vertrauensverlust und damit eine Orientierungslosigkeit eintreten, deren wir heute in den Gemeinden schon mehr als genug haben dürften.

(Siehe auch den Diskurs 70: „Die Ausbreitung des Pfingstgeistes.”)