Diskurs 752 - Müssen Christen ihre Feinde lieben? - Teil 2: Die katholische Sicht des Themas.




Die Gebete in den Amtskirchen. / Replik Dr. John Waterfield 00, 2006-01-28

Katholische Kirche zahlt an Opfer sexuellen Missbrauchs Rekordsumme aus. /  „Die Presse”  00, 02-02-2006

Müssen Christen ihre Feinde lieben?         1. Teil, Diskurs 75

Müssen Christen ihre Feinde lieben?         3. Teil, Diskurs 753 - Die christliche Auslandsmission.




Dr. John Waterfield aus Hereford, GB, den Lesern von Immanuel.at durch seine interessanten Beiträge im Diskurs 78 bekannt und nach eigener Definition „ein leidenschaftlicher Katholik”, hat auch zu den Aussagen im Diskurs 75 Stellung genommen. Die Diskussion erfolgte per E-mail und nachdem der Umfang der Kommentare für eine Veröffentlichung im Originaldiskurs zu groß ist, musste hier ein zweiter Teil des Dokumentes eingeschoben werden.

(Siehe auch den Diskurs 78: „Die katholische Lehre und die Bibel - eine Disputation.”)



(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Die Gebete in den Amtskirchen. / Replik John Waterfield 00, 2006-01-28)

Sie schreiben am Beginn des Diskurses 75:

„Hier möchte ich noch einmal auf die Gebetsinhalte zu sprechen kommen. Es wird in den Amtskirchen viel für ‘die’ Dritte Welt, für ‘die’ Armen, für ‘die’ Flutopfer usw. gebetet. Nach meiner Erkenntnis ist es anmaßend und eine absolute Selbstüberschätzung, wenn wir denken, wir könnten ganze Länder, Kontinente, ja die ganze Menschheit mittels eines Gebetes in irgend einer Form zurechtbringen.”

Nicht uns steht es zu die Auswahl zu treffen. Wir müssen nur bitten. Daher ist daran nichts Anmaßendes oder eine Selbstüberschätzung.

Dr John Waterfield jwtranslations@onetel.net.uk / http://web.onetel.net.uk/~johnwaterfield/index.htm



Ich weiß, das ist das Prinzip in den Amtskirchen: man betet im Gießkannenprinzip und lässt Gott „aussuchen”. Das ist ungefähr so, wie manche Eltern ihren Kindern mehr Taschengeld geben, um sich nicht mit ihnen beschäftigen zu müssen. Das hat natürlich da wie dort den Vorteil, dass man sich selbst erst gar nicht bemühen und engagieren muss. Und um das nicht allzu deutlich werden zu lassen, behauptet man verschämt, dass es uns nicht „zusteht” über die Bedürfnisse jener Menschen, denen wir durch unsere Gebete Hilfe bringen wollen, nachzudenken und sie dann vor Gott zu bringen, sodass Gott erkennen kann, dass wir uns ganz persönlich um diese Menschen sorgen und ihn dabei um seine Hilfe bitten. Man macht ein „all inclusive” Gebet ohne auch nur einen Finger zu rühren und lehnt sich dann zufrieden in seiner Kirchenbank zurück.



John Waterfield: Der Heilige Johannes vom Kreuz sagte: ,ein aufrichtig gefühltes Gebet bewirkt mehr Gutes in der Welt als jede Menge karitativer Tätigkeit.’



Diese Aussage Ihres „Heiligen” ist wieder so ein Spruch, der alles und nichts bedeuten kann. Was meint hier „aufrichtig gefühlt”? In der Diskussion mit mir, im Diskurs 78, haben Sie behauptet, dass auch andere Glaubensrichtungen, wie Hinduismus, Buddhismus, Schamanentum, etc., im Stande sind zur Errettung zu führen,

„... wenn sie in einem Geist der Selbstlosigkeit und Aufrichtigkeit betrieben werden”.

So sehr nun Selbstlosigkeit und Aufrichtigkeit bei den Menschen zu begrüßen sind, kann aus biblisch-christlicher Sicht nur der Glaube an unseren Herrn Jesus Christus - und sein Loskaufopfer am Kreuz zur Vergebung unserer Sünden - in das ewige Leben und zur Errettung von der Verdammnis führen.

Dann spricht dieser Heilige von „Gebet”. Auch die Hindus, Moslems und Dämonenanbeter beten zu ihren Göttern, doch das sind aus christlicher Sicht die falschen Adressaten. Allerdings habe ich da meine Zweifel, ob Sie mir hier zustimmen können, nachdem Sie mir im Diskurs 78 schrieben:

„... ich kenne eine ganze Menge Buddhisten - und ich finde ihre spirituellen Praktiken sehr wertvoll. Ich bin sicher, dass Jesus das im künftigen Leben als in seinem Namen getan annehmen wird, auch wenn sie nicht wussten dass sie es in seinem Namen taten.”

Und dieser Ansicht kann nun ich als Christ beim besten Willen nicht zustimmen. Diese fernöstlichen Religionen glauben nicht an den Gott der Christen, sie glauben nicht an den Sohn dieses Gottes, unseren Herrn Jesus Christus und sein Loskaufopfer für unsere Sünden. Sie haben daher auch keine persönliche Entscheidung getroffen, um diese Gnade Gottes anzunehmen.

Gerade bei Ihren oben erwähnten buddhistischen Bekannten muss man sich fragen, wenn sie wirklich „unbewusst” im Namen Jesu handeln, warum haben sie sich dann nicht auch bewusst zum Sohn des einen und einzigen Gottes bekehrt? Nachdem Sie mit ihnen bekannt sind und Sie sich als Christ bezeichnen, kann diesen Leuten ja das Christentum nicht fremd sein. Warum haben sie sich also bisher nicht bekehrt? Liegt es vielleicht daran, dass Sie ihnen vermitteln, dass gar keine Notwendigkeit besteht, sich zu bekehren und dass sie auch so „unbewusst” an Jesus Christus glauben können, ohne dass sie das nach außen hin bekennen müssen?

Jeder der sich vor den Menschen zu mir bekennen wird, zu dem werde auch ich mich bekennen vor meinem Vater.

Mt 10,32 Jeder nun, der sich vor den Menschen zu mir bekennen wird, zu dem werde auch ich mich bekennen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist. 10,33 Wer aber mich vor den Menschen verleugnen wird, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist. Mt 10,32-33;



John Waterfield: Ich würde auch Ihrer Ansicht keinesfalls zustimmen, das wir nur für Personen beten sollten, mit welchen wir in persönlicher Verbindung stehen. Wenn wir auf unseren Fernsehbildschirmen Opfer des Tsunami oder von Flutkatastrophen oder was auch immer sehen – wie könnten wir nicht mitfühlen? Wie kann dieses Mitleid nicht zu einem Gebet an Gott, unserem gemeinsamen Vater führen?



Um gleich mit Ihrer letzten Aussage zu beginnen: Sie unterliegen einem gefährlichen Irrtum, wenn Sie offensichtlich meinen, Gott sei der „gemeinsame Vater” aller Menschen. Gott ist der Schöpfer der Welt, aber Vater ist er nur denen, die sich als seine Kinder bekennen. Und wie leicht nachvollziehbar, können hier alle Ungläubigen dieser Welt - also alle Nichtchristen - nicht dazu gezählt werden. Diese Art der Argumentation führt dazu, dass einerseits die Ungläubigen meinen, mit ihrem gottlosen Leben unverändert fortfahren zu können und dennoch den Gott der Christen als Vater zu haben und errettet zu sein. Bei manchen ungefestigten Geschwistern jedoch könnte es dazu führen, dass diese Hinweise sie verleiten, sich der Mystik und fernöstlichen Religionen zu öffnen und damit vom wahren christlichen Glauben abzufallen.

Zu Ihrer Bemerkung über Fernsehen und Gebet: Wofür wollen Sie da beten? Diese Berichte sind meist Tage wenn nicht Wochen alt. Die Menschen bereits gestorben, wenn Sie sie sehen. Das wäre ungefähr so, wie wenn Sie im Fernsehen einen Spielfilm sehen, in dem ein Mord begangen wird und Sie laufen zum Telefon, um die Mordkommission zu alarmieren.

Beim Tsunami im Indischen Ozean sind etwa 230.000 Menschen ums Leben gekommen, darüber wurde sehr ausführlich berichtet.

In Darfur, im Sudan, sind in den letzten Jahrzehnten 3,5 Millionen Menschen durch die eigene Regierung ermordet worden. Massenexekutionen, Massenvergewaltigungen und Vertreibung sind an der Tagesordnung. Heute noch werden Monat für Monat 10.000 Menschen umgebracht oder sterben an Hunger. Doch von dort berichtet das Fernsehen nichts, weil es nicht so attraktiv ist. Also sehen wir nichts und beten wir nicht.

Denken Sie an die Opfer von Terrorattentaten im Irak und in Israel. Denken Sie an die Zugsunglücke, Flugzeugunglücke, Grubenunglücke, Lawinenunglücke, Erdbeben, Erdrutsche, Taifunkatastrophen, Hungersnöte, usw. usf. Haben Sie da nicht auch Mitleid? Aber Mitleid alleine ist heuchlerisch und heißt sich drücken vor der Hilfe und eigenen Anstrengungen. Also müssen wir helfen. Am besten hinfahren und anpacken? Wer kann das, wer macht das – und dann überall in der Welt? Das geht nicht, also spenden wir. Doch auch die Spenden reichen nicht für all diese Probleme. Und dann plötzlich fragt man sich, wieso die dortigen Regierungen eigentlich nicht helfen. Doch die benötigen entweder ihr Geld für Atombomben und Satelliten, wie Indien und Pakistan, oder dort sitzen korrupte Politiker, die die Spendengelder - kaum eingetroffen – auch schon wieder auf ihre Schweizer Konten umleiten. Die Bedürftigen bekommen kaum etwas davon.

Was wollen Sie also beten? Sie kennen die Situation nur aus Fernsehberichten. Auch die Mentalität der Menschen ist Ihnen unbekannt. Den Fischern von Phuket, die im Tsunami ihre kleinen Fischerboote verloren haben, hat man eine Menge ausgedienter Kunststoffboote aus Europa geschenkt. Das hätte man besser nicht tun sollen. Denn wer dort vor dem Tsunami ein Boot hatte, war der „Chef”, der nichts arbeitete, sondern die anderen, die kein Boot hatten, bei sich arbeiten ließ. Als sie nun alle ein Boot hatten, wollte niemand mehr arbeiten, weil sie ja nun alle „Chefs” waren.

Was sollten wir nun beten? „Herr, hilf den Opfern von Katastrophen”? Das wäre wohl die katholische Version. Aber wäre das gerecht? Wäre das angemessen? Dort verhungern und sterben Tausende Menschen und wir sitzen daheim vor dem Fernseher und haben „Mitleid”? Das ist wohl ein bisschen einfach und wenig. Zudem sind die meisten Opfer schon tot und benötigen keine Hilfe mehr. Nicht die Toten, sondern die Lebenden benötigen unsere Hilfe. Finanzielle Hilfe, aber auch und insbesondere Hilfe geistlicher Natur, indem wir ihnen im Auftrag des Herrn das Evangelium predigen und für sie beten. Das kann sowohl in der Mission in den Ländern der Dritten Welt, in der Evangelisation in unseren Städten, aber auch ganz persönlich bei den Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung sein.

Nun haben Sie mir im Diskurs 78 geschrieben:

„Ich bin mir sicher es ist Ihnen bewusst, dass der katholische Standpunkt davon ausgeht, dass die Kirche den Vorrang vor der Bibel hat und das größere Ganze ist, in welchem die Schrift enthalten ist. (...) Gleichwohl hat die Kirche bereits existiert, bevor die Bücher des NT geschrieben wurden und es war die Kirche, welche festgelegt hat, welche Bücher Teil des Kanons wurden.”

Die Bibel ist also für die katholische Kirche - und wie Sie bekräftigen, auch für Sie - nicht die erste maßgebliche Autorität, sondern dies ist die katholische Kirche selbst mit ihrer „Tradition”, also ihren mündlichen und schriftlichen Überlieferungen. Doch ich denke, dass sich auch in den katholischen Überlieferungen – ähnlich wie im Neuen Testament - feststellen lässt, dass in den ersten Gemeinden immer zuerst das Evangelium verkündet und dann für diese neuen Geschwister in den Gemeinden gebetet wurde. Man hat für jene Menschen gebetet, die man kannte und nicht für die ganze Welt. Haben wir also heute mit all den ungläubigen Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung weniger Mitleid, obwohl sie auf dem Weg ins ewige Verderben sind, wenn ihnen nicht das Evangelium verkündigt wird und sie nicht das Loskaufopfer unseres Herrn annehmen?

Wenn ich mich recht entsinne, haben Sie mir einmal geschrieben, dass Ihre Frau und Ihre Kinder nicht gläubig wären und Sie das bedauern würden. Was halten Sie davon, wenn Sie anstatt für Gotteslästerer zu beten, einmal Ihrer Familie vor Augen führen, dass sie in der Ewigkeit verloren sein werden, wenn sie nicht den Glauben an Jesus Christus annehmen?



John Waterfield: Sie schreiben weiter über das Beten in den Amtskirchen:

„Es scheint mir, als ob hier ein gewisses Optimierungsstreben Platz greifen würde, wo mit dem geringsten Einsatz der größte Erfolg erzielt werden sollte. Und so schön klingen tut das auch, wenn man für ‘die ganze Welt’ betet. Dabei wissen wir gar nicht, für wie viele Gottesleugner, Gotteslästerer und Götzendiener wir hier den Segen Gottes herabflehen. Der Umstand, dass diese ‘Gebete’ in den vergangenen Jahrhunderten und bis heute noch nie irgendeine Wirkung gezeigt haben, hat sich scheinbar noch nicht zu den kirchlichen Verantwortlichen und deren Gläubigen durchgesprochen.”

Haben Gotteslästerer etc. WENIGER Gebete nötig als die Frommen? Das genaue Gegenteil ist natürlich wahr, wie Jesus selbst sehr klar machte. Oder schlagen Sie vor, dass solche Leute unsere Gebete nicht verdienen? Ich sehe es als meine tägliche Aufgabe, für die ungläubige Welt zu beten. Es sieht so aus, als sähen Sie es als ihre tägliche Aufgabe an, sie zu verurteilen.



Was uns der Herr selbst sehr klar machte, war nicht für Gotteslästerer und die ungläubige Welt zu beten, sondern - so wie er es uns vorgezeigt hat - Sünder zur Buße zu rufen!

Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße.

Lk 5,31 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken; 5,32 ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße. Lk 5,31-32;

Denn ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.

Mt 9,12 Als aber er es hörte, sprach er: Nicht die Starken brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. 9,13 Geht aber hin und lernt, was das ist: «Ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer. »Denn ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder. Mt 9,12-13;

Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.

Mk 2,17 Und Jesus hörte es und spricht zu ihnen: Nicht die Starken brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder. Mk 2,17;


Das heißt aber, wir können hier nicht die Verantwortung mit einem „Gebet für die ungläubige Welt” auf Gott abschieben, sondern wir müssen selbst - wie unser Herr -  die Sünder zu Buße und Umkehr rufen. Und dieser Ruf kann nun nichts anderes sein, als der Verkündigungsauftrag des Herrn in Mk 16,15: „Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung!” Es ist also die Frohe Botschaft vom Loskaufopfer des Herrn für die Sünden der ganzen Welt, welche wir den Sündern und Ungläubigen predigen müssen. Wenn dieser Ruf angenommen wird, dann werden sie umkehren und gerettet und gesegnet sein. Wenn sie aber diesen Ruf nicht annehmen, dann sollten wir, nach den Worten des Herrn, nichts mehr mit ihnen zu tun haben und sogar den Staub ihrer Straßen gegen sie abschütteln.

In welche Stadt ihr aber kommt, und sie nehmen euch nicht auf, da geht hinaus und schüttelt den Staub ihrer Straßen gegen sie ab.

Lk 10,8 Und in welche Stadt ihr kommt, und sie nehmen euch auf, da eßt, was euch vorgesetzt wird, 10,9 und heilt die Kranken darin und sprecht zu ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen 10,10 In welche Stadt ihr aber gekommen seid, und sie nehmen euch nicht auf, da geht hinaus auf ihre Straßen und sprecht: 10,11 Auch den Staub, der uns aus eurer Stadt an den Füßen hängt, schütteln wir gegen euch ab; doch dies wißt, daß das Reich Gottes nahe gekommen ist. 10,12 Ich sage euch, daß es Sodom an jenem Tag erträglicher ergehen wird als jener Stadt. Lk 10, 8-12;

Wer euch hört, hört mich; und wer euch verwirft, verwirft mich; wer aber mich verwirft, verwirft den, der mich gesandt hat.

Lk 10,16 Wer euch hört, hört mich; und wer euch verwirft, verwirft mich; wer aber mich verwirft, verwirft den, der mich gesandt hat. Lk 10,16;


Sie können daher mit Ihren Gebeten wohl Gottes Hilfe für einzelne Menschen erbitten, aber weder Gotteslästerer noch die Sünder der ganzen Welt von der Verdammnis erretten, wie sich das auch die von Ihnen weiter unten zitierte katholische „Heilige” Therese von Lisieux so vorgestellt hat. Die ungläubige Welt ist nämlich schon längst errettet und freigekauft durch unseren Herrn Jesus Christus. Er hat ein für allemal durch sein Loskaufopfer am Kreuz die Voraussetzung dafür geschaffen, dass alle Menschen errettet werden können. Doch zuvor muss den Menschen diese Frohe Botschaft - das Evangelium der Liebe und Gnade Gottes in seinem Sohn - verkündet werden. Und wenn sie diese Botschaft gehört haben, müssen sie sich entscheiden, ob sie dieses Angebot Gottes annehmen oder ablehnen wollen. Diese Entscheidung muss jeder Mensch ganz persönlich, freiwillig und ohne jeden Druck von Außen treffen. Und daher nimmt auch Gott auf diese Entscheidung des Menschen keinen Einfluss und jedes Gebet in diese Richtung ist vergebliche Liebesmüh. Erst wenn der Mensch sich entschieden hat, von seiner Gottlosigkeit oder seinem Götzendienst umzukehren und das Angebot unseres Herrn Jesus Christus auch für die Vergebung seiner Sünden anzunehmen, ist er vor der ewigen Verdammnis errettet. Dann - und erst dann - können Sie auch für ihn beten, dass er standhaft im rechten Glauben bleibt.

(Siehe auch den Diskurs 83: „Ist die Allwissenheit Gottes ein Widerspruch zum freien Willen des Menschen?”)


Doch in der Diskussion hier geht es einerseits um das Gebet für die ganze Welt, also für Menschen die wir nie gesehen haben und daher auch nicht kennen, und andererseits um das Gebet für jene Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung, deren materielle und geistliche Bedürfnisse uns bekannt sind und die wir daher auch in unsrem Gebet zu Gott berücksichtigen können. Aber wir können diesen Menschen nicht nur mit unserem Gebet helfen, sondern sie auch materiell unterstützen, sie motivieren, beraten und ihnen Wegweisung geben. Wenn man das nun zugunsten eines Gebetes für „die Welt” ablehnt, liegt doch der Verdacht sehr nahe, dass es sich dabei nicht um eine besondere Sorge für Gotteslästerer, sondern eher um die Hintanhaltung dieser eher aufwendigen sozialen und seelsorgerlichen Tätigkeiten und ihre bequeme Auslagerung in ein Gebet für die „ungläubige Welt” handelt.



John Waterfield: In Ihrer Antwort an Hrn. Gasser drücken Sie sich folgendermaßen aus:

„Du schreibst in einem Deiner Mails, dass Du bereits seit 35 Jahren Gott suchst. Nachdem Du die Landeskirche so gut kennst, gehe ich davon aus, dass Du in der Vergangenheit auch dort gesucht hast. Wieso hast Du Gott dort in diesen 35 Jahren noch immer nicht gefunden? Sagt das etwas über diese Kirche aus? Deine weiteren Ausführungen darüber, was Gott macht und was er nicht macht, verblüffen mich etwas, wenn ich bedenke, dass Du selbst behauptet hast, dass Du Gott erst kennen lernen willst - also noch nicht kennst.”

Kann irgendjemand von sich behaupten Gott zu kennen? Können Sie jemanden dafür tadeln, weil er die Demut hat zu bekennen, dass er das nicht tut. Würden Sie soweit gehen, behaupten zu wollen, dass Ihre Kenntnis Gottes höher ist?!



Es ist die Aussage meines Diskussionspartners, der schrieb, dass er Gott kennen lernen möchte und ich finde das nicht so abwegig wie Sie. Wer in seiner Kammer und im Geist täglich zu Gott betet und mit ihm spricht und wer die Bibel regelmäßig studiert, erlangt im Laufe der Zeit eine gewisse Kenntnis über Gott und das Handeln Gottes mit den Menschen. Aus Ihrer verwunderten Frage schließe ich allerdings, dass Sie eine derartige Erfahrung - aus welchem Grunde auch immer - noch nicht machen durften.

Aber hier geht es ja um die Frage, dass  Hanspeter Gasser Gott 35 Jahre gesucht und offensichtlich nicht gefunden hat. Es geht also darum Gott zu finden. Und Gott finden lässt sich nur in der Bibel und nicht im Katechismus oder irgendwelchen Überlieferungen. Wer Gott 35 Jahre sucht und noch immer nicht gefunden hat, der hat mit Garantie am falschen Ort gesucht. Und weil Sie mich auch hier wieder persönlich ansprechen: Ja, ich bekenne froh und dankbar, dass ich meinen Gott und Erlöser bereits vor mehr als 30 Jahren gefunden habe. Ich muss nicht mehr suchen, sondern darf ein segen- und gebetserfülltes Leben mit Gott und unserem Herrn Jesus Christus führen.



John Waterfield: In Ihrer Antwort an Hrn. Gasser fahren Sie fort:

„Und dann muss hier noch ein scheinbares Missverständnis in der obigen Auffassung von Hanspeter Gasser geklärt werden. Wenn er in seiner Replik schreibt:

,Ich unterliege offensichtlich einem komplett falschen Glaubensverständnis, wenn ich meine, dass es unser Auftrag sei, auch für Gotteslästerer um die Erlösung durch Jesus Christus zu beten.’

muss man ihm durchaus Recht geben.”

Wenn ich das richtig lese, meint Hr. Gasser das hier ironisch. Das heißt, ich denke nicht, dass er in irgend einer Weise mehr Einwände gegen das Beten für Gottleslästerer haben könnte als ich.



Er hat in seiner Ironie die Wahrheit gesagt. Der wahre Auftrag des Christen ist nicht für Gotteslästerer zu beten, sondern ihnen zuerst einmal das Evangelium zu verkünden, wie das in meiner daran anschließenden Aussage im Diskurs 75 aufgezeigt wird. Und wenn man selbst keine Möglichkeit oder Befähigung zur Verkündigung hat, kann man die Verkündigung in Mission und Evangelisation durch finanzielle oder andere Hilfe unterstützen. Wobei hier m. E. die katholischen Missionen nicht zu empfehlen sind, da sie das Thema „Rettung durch Jesus Christus” meistens aussparen. (Siehe: Das Evangelium der Maria. Die weibliche Stimme des Urchristentums. Errettung durch Gott bringt uns das Evangelium der Maria - die wahrhaftig frohe Botschaft! von Jean-Yves Leloup)



John Waterfield: Dann schreiben Sie:

„Der tatsächliche Auftrag des gläubigen Christen ist nicht für Gotteslästerer zu beten, sondern den hat der Herr in Mk 16,15-16 folgendermaßen konkretisiert:

Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium!

Mk 16,15 Und er sprach zu ihnen: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! 16,16 Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird errettet werden; wer aber ungläubig ist, wird verdammt werden. Mk 16,15-16;”


Es tut mir Leid, aber das muss ich völlig ablehnen. Ich würde eher für Sünder beten, als mit ihrer Verurteilung gerecht befunden zu werden – sogar (wenn es dazu kommt) wenn Gott sie verurteilt. Ich denke nicht, dass Gott auch nur eine einzige Seele verurteilen will. Wenn Seelen verurteilt werden, kann das nur aufgrund ihrer eigenen Wahl sein. Daher muss die Aufgabe des christlichen Gläubigen gewiss sein, „nicht den Tod des Sünders zu wünschen, sondern dass er umkehrt von seiner Gottlosigkeit und lebt”.



Im gelebten Glauben geht es weniger darum, etwas zu „wünschen”, als etwas zu tun. Der Auftrag unseres Herrn Jesus Christus an alle wahren Christen in der ganzen Welt ist, die frohe Botschaft von der Errettung aus Gnade durch sein Loskaufopfer zu predigen. Das wird von der gesamten Christenheit so gesehen. Wenn Sie nun meinen: „das muss ich völlig ablehnen” kann ich das nur auf Ihre Sicht zurückführen, dass für Sie die Bibel nicht maßgeblich ist und überdies alle anderen Religionen auch zur Errettung führen.

Ihre Begründung, dass Sie die Aussage des Herrn: „wer aber ungläubig ist, wird verdammt werden” deshalb völlig ablehnen, weil Gott „keine einzige Seele verurteilen will”, lässt nun erkennen, dass Ihnen die conditio sine qua non dieser Willensäußerung Gottes, welche sich in allen 27 Büchern des neuen Testaments findet, entgangen ist. Es ist nicht der von Ihnen immer wieder allen Ungläubigen angedichtete „Herzenswunsch nach Gott”, sondern der Glaube an Jesus Christus, welcher nach dem Willen Gottes die unbedingte Voraussetzung dafür ist, dass der Mensch in das ewige Leben eingehen kann.

Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist.

Jh 11,25 Jesus sprach zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; 11,26 und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit. Glaubst du das? Jh 11,25-26;

Wenn ihr nicht glauben werdet, daß ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben.

Jh 8,24 Daher sagte ich euch, daß ihr in euren Sünden sterben werdet; denn wenn ihr nicht glauben werdet, daß ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben. Jh 8,24;


Nun stimme ich Ihnen schon zu, wenn Sie meinen, dass die Menschen aufgrund ihrer eigenen Wahl verurteilt werden. Aber haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, was diese Menschen wählen sollten? Es ist das Evangelium von Jesus Christus, mit dem Sie gerade vorher „nicht einverstanden” waren, welches die einzig richtige Antwort darauf gibt. Wenn die Menschen vom Loskaufopfer des Herrn und der Errettung aus Gnade nichts wissen, können sie auch nicht wählen. Wenn Sie also wünschen, dass die Sünder umkehren und Buße tun und errettet werden, müssen Sie schon auch Ihren Beitrag dazu leisten und ihnen diesen einzigen Weg der Rettung verkünden – z. B. auf Ihrer Website, wo Sie ja die ganze Welt erreichen könnten.

Wenn Sie einem Ungläubigen das Evangelium verkündet haben, dann können Sie für ihn beten, dass er es auch annimmt und gerettet wird. Ein Bekehrungsgebet ohne vorherige Verkündigung des Evangeliums ist wie das Starten eines Autos mit leerem Kraftstofftank. Da können Sie starten, so lange Sie wollen, das Auto wird sich nicht von der Stelle rühren. Und auch für einen Menschen, der vorher nicht das Evangelium gehört hat, können Sie beten so viel Sie wollen, Sie werden damit nichts bewirken. Weil er eben gar nicht weiß, was er wählen soll.



John Waterfield: Und dann schreiben Sie in Ihrer Erklärung des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter:

„Und genau hier setzt nun der Herr an und gibt mit diesem Gleichnis zu verstehen, dass wir nicht lange überlegen und suchen müssen, wer denn unser Nächster sei, den wir lieben sollten wie uns selbst, denn dieser gibt sich durch seine Barmherzigkeit und Hilfsbereitschaft uns gegenüber von selbst zu erkennen. Der Herr hat damit diese Frage nicht nur für die Schriftgelehrten des damaligen Israel beantwortet, sondern die Antwort ist auch für uns Heutige gültig. Wenn wir unsere Nächsten erkennen wollen, müssen wir unter jenen Leuten suchen, welche uns Barmherzigkeit und Liebe erwiesen haben. Diese sollten wir dann im Gegenzug auch lieben. Und zwar wie uns selbst. So sagt es der Herr und das ist nun auch das Selbstverständlichste der Welt und wird von allen vernünftigen Menschen so gehandhabt. Wieso meinen da manche Leute, dass dies falsch wäre?”

Darf ich hier Matthäus 5, 43-48 zitieren:

Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist! Denn er läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? Und wenn ihr allein eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe? Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.

Ich denke das widerspricht vollkommen Ihrer Interpretation der Geschichte vom barmherzigen Samariter. Mir wurde gesagt, dass Margaret Thatcher Ihre Meinung teilt – aber würden Sie in einer derartigen Gesellschaft sein wollen?!



Lassen Sie mich zuerst für alle Leser, welche den ersten Teil dieses Diskurses noch nicht gelesen haben, dieses Gleichnis vom barmherzigen Samariter noch einmal zitieren, um den Hintergrund meiner Aussagen bewusst zu machen:

Der Schriftgelehrte wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster?

Lk 10,25 Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? 10,26 Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? 10,27 Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst« 10,28 Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben. 10,29 Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster? 10,30 Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halbtot liegen. 10,31 Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. 10,32 Desgleichen auch ein Levit: als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber. 10,33 Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; 10,34 und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. 10,35 Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. 10,36 Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war? 10,37 Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen! Lk 10,25-37;


Dieses ganze Gleichnis dient dem Herrn einzig und alleine dazu, die von den jüdischen Schriftgelehrten und Rabbinen bis heute diskutierte Frage: „Wer ist denn der ,Nächste' im ersten Gebot des Allmächtigen, den wir lieben sollen wie uns selbst?” zu beantworten. Man meint ja im Judentum auch heute noch, dass man Nächster nur durch Geburt sein kann; also als Bruder oder Schwester oder überhaupt durch Rassenzugehörigkeit, also als Israelit den Israeliten, bestenfalls aber gerade noch durch Sympathie, also als Freund, dieses Kriterium erfüllen kann und man daher auch nur diese Leute zu lieben hätte.

Doch durch dieses Gleichnis macht ihnen der Herr klar, dass nicht unsere leiblichen Geschwister oder unsere Freunde durch ihre Verbindung zu uns automatisch unsere Nächsten sind, sonder jene Menschen, welche uns in der Not beigestanden sind, durch diese ihre Hilfe zu unseren Nächsten geworden sind. Und gemäß diesem Gebot müssen wir also diese Menschen für ihre Hilfe, durch welche sie zu unseren Nächsten geworden sind, lieben wie uns selbst. Das ist die exakte Aussage dieses Gleichnisses. Das ist die Nächstenliebe wie sie der Herr hier meint.

Die Nächstenliebe

Eine der größten Betrügereien dieser Welt ist die völlige Sinnumkehr der biblischen "Nächstenliebe" durch Kirchen, Prediger und Hilfsorganisationen, um bei leichtgläubigen Menschen Mitleid zu erregen und ohne viel Aufwand Geld zu scheffeln.

Das Gebot der Nächstenliebe ist nach den Worten des Herrn im Gleichnis vom barmherzigen Samariter, in Lk 10,36-37: Liebe jene Menschen, welche dir geholfen haben und zeige ihnen ebenso deine Liebe wie sie dir ihre Liebe gezeigt haben, indem sie dir behilflich waren. Nächstenliebe ist also daher keine Kategorie des Mitleids sondern eine solche der Dankbarkeit.

Und mit dieser biblisch korrekten Sicht des zweiten Gebotes, der Nächstenliebe in Mt 22,37-39, erklärt sich auch das von Herrn dort genannte erste Gebot, die Gottesliebe. Wir sollen Gott nicht deshalb lieben, weil er etwa bedürftig wäre oder unsere Hilfe in irgendeiner Weise nötig hätte, sondern weil er uns unser Leben und alles was wir dazu benötigen geschenkt hat. Er hat alles erschaffen - das Universum und unseren Planeten und alles was darauf ist und darauf lebt. Und er hat es uns geschenkt.

Und deshalb sollen wir Gott von ganzem Herzen lieben, weil er so für uns gesorgt hat. Und so sollen wir auch unseren Nächsten lieben, der uns in unsrem Leben geholfen und sich um uns gesorgt hat. 



Die falsche Auslegung, welche durch Unverständnis oder oberflächliches Lesen dieses Gleichnisses in den Umlauf gekommen ist, ist die Ansicht, dass alle Armen dieser Welt allein dadurch, dass sie arm sind, automatisch unsere „Nächsten” wären. Die Unterstützung der Hilfsbedürftigen wird ja in diesem Gleichnis nicht geschmälert. Wenn jemand der Nächste eines anderen werden will, muss er ihm helfen. So sagt es ja auch der Herr am Ende des Gleichnisses. Aber es ist dann nach dem Gebot Gottes die Pflicht dieses Menschen, dem geholfen worden ist, dass er den Helfer für diese seine Hilfe liebt. Nächstenliebe, wie sie der Herr hier fordert, ist also keine Kategorie des Mitleids, sondern eine solche der Dankbarkeit.

Nachdem es sich also bei dieser authentischen Nächstenliebe um eine besondere, umfassendere Liebe handelt, vergleichbar mit der Selbstliebe jedes Einzelnen, und nicht um die normale Liebe zu den Menschen, ist daher Ihr Zitat der Bergpredigt in diesem Zusammenhang einigermaßen deplaziert. Abgesehen davon, dürften Sie meine Interpretation dieses Textes im 1. Teil dieses Diskurses gar nicht gelesen haben. Sonst wüssten Sie, dass ich genau diese Aussagen der Bergpredigt dort bestätige. Während jedoch für Sie Ihre Feinde irgendwelche Menschen irgendwo in der Welt sind, welche Sie nie gesehen haben und welchen Sie großzügig im Gebet unbekannter Weise und „en gros” vergeben wollen, sind das für mich unsere tatsächlichen Feinde, die uns persönlich bekannt sind, mit denen wir täglich Kontakt haben und von welchen wir wissen, dass sie uns feindlich gesinnt sind.

Der Text im letzten von Ihnen oben zitierten Vers Mt 5,48: „Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist" darf daher auch nicht oberflächlich gedeutet werden. Der zweimalige Gebrauch des Terminus’ „vollkommen” ist hier in seiner Semantik keinesfalls identisch zu interpretieren. Der Mensch kann nie vollkommen sein wie Gott. Das wäre menschenunmöglich und der Herr würde von uns mit Sicherheit nichts Menschenunmögliches verlangen. Auch würde das ja bedeuten, dass wir ebenso vollkommen sein sollten wie der Vater, mit der Konsequenz, dass wir dann selbst Götter wären. Das wäre eine Gotteslästerung und auch das kann der Herr nicht meinen.

Daher muss dieser Begriff in seiner Bedeutung relativiert werden: Gott ist in seiner Allmacht vollkommen im Himmel. Und wir sollen in unseren beschränkten Fähigkeiten in menschlicher Weise „vollkommen” sein. Wenn der Vater die Sonne über seine Freunde und Feinde aufgehen lässt, so sollen wir unsere Liebe auch unseren Freunden und Feinden zuteil werden lassen.

Nun ist es aber offensichtlich, dass diese Verpflichtung zur Vergebung und zur Liebe unserer Feinde jene Menschen ausschließt, die sich gegen Gott stellen. Sonst würden wir ja unsere menschlichen Grenzen überschreiten und Gott „spielen”. Nur Gott kann seinen Feinden vergeben, nicht wir. Daraus folgt, dass wir alle unsere persönlichen Feinde, die wir kennen und von denen wir wissen, dass sie uns ganz persönlich (nicht Gott!) Feind sind, lieben sollten. Aber keinesfalls irgendwelche fiktiven Feinde irgendwo auf der Welt. Und schon gar nicht die Feinde Gottes. Ich sehe daher auch keinen Gegensatz zwischen meinem Kommentar und dieser Stelle der Bergpredigt.

Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter geht es um die Liebe des Nächsten – also jenes Menschen, der uns geholfen hat - und unsere Verpflichtung ihn zu lieben wie uns selbst. Und wie ich gerade im vorherigen Punkt beschrieben habe, ist diese Art von Liebe nicht die allgemeine Liebe zu unseren Brüdern und Feinden, sondern eine ganz besondere, umfassendere Liebe, die von uns alles das fordert, was wir bereit sind uns selbst zuzugestehen. Es wäre somit ganz unmöglich, diese Art von Liebe auf alle unsere Feinde, ja nicht einmal auf alle unsere Brüder anzuwenden.

Meine Erklärung zum Gleichnis vom barmherzigen Samariters bezieht sich daher nur auf eine einzige Aussage des Herrn:

Lk 10,36 Was meinst du, wer von diesen dreien der Nächste dessen gewesen ist, der unter die Räuber gefallen war?

Und die Antwort des Schriftgelehrten:

Der die Barmherzigkeit an ihm übte.”


Daraus folgert, dass nicht der Überfallene, also der Hilfsbedürftige, Arme, der „Nächste” des Samariters gewesen ist, sondern der Samariter der Nächste des Opfers war und von diesem Überfallenen – nach dem Gebot Gottes – geliebt werden sollte, wie er sich selbst liebt.

Daher widerspricht meine Interpretation keinesfalls diesem Text aus Mt 5,43-48. Denn genau das habe ich ja bestätigt, als ich schrieb:

„Die Frage im Titel dieses Diskurses: ‘Müssen Christen ihre Feinde lieben?’ ist daher ganz eindeutig mit ‘Ja’ zu beantworten. Allerdings mit der ausdrücklichen Betonung auf ‘ihre’ Feinde. Wir lesen nirgendwo in der Bibel, dass wir die Feinde anderer Leute, geschweige denn die Menschen der ganzen Welt lieben sollten. Und selbst bei manchen unserer eigenen Feinde wird uns von der Schrift geboten, uns von ihnen fern zu halten und uns von ihren Tätigkeiten zu distanzieren (1Kor 5,9-13; 6,9-10; 2Kor 6,14-15 etc.).”


Im Übrigen habe ich im ersten Teil dieses Diskurses die Aussagen der Bergpredigt einzeln angeführt und nachgewiesen, dass der Herr hier nur von jenen Menschen spricht, welche uns persönlich bekannt und womöglich körperlich nahe sind. Und wenn Sie die Bergpredigt ganz lesen, können Sie erkennen, dass der Herr hier unsere Feinde auf materieller Ebene angesprochen hat. Mit den Feinden auf geistlicher Ebene – also Gotteslästerern und Gottesleugnern, wie es zur Zeit des Herrn die Führer der Juden im Sanhedrin waren - hatte auch der Herr kein Erbarmen, als er ihnen sagte:

Mt 3,7 Otternbrut! Wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen?

Mt 12,24 Otternbrut! Wie könnt ihr Gutes reden, da ihr böse seid?

Mt 23,32 Schlangen! Otternbrut! Wie solltet ihr dem Gericht der Hölle entfliehen?

Jh 8,44 Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun.

Ihr macht einen Proselyten und macht ihn zu einem Sohn der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr.

Mt 23,15 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr durchzieht das Meer und das trockene Land, um einen Proselyten zu machen; und wenn er es geworden ist, so macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr. Mt 23,15;


Diese notwendige Unterscheidung zwischen unseren Feinden wird auch durch eine weitere Schriftstelle bestätigt. Im ersten der sieben Sendschreiben der Offenbarung, an die Gemeinde von Ephesus, wird unter anderen Vorzügen dieser Gemeinde auch ihr Verhalten gegenüber den Nikolaiten gelobt:

Aber dies hast du, daß du die Werke der Nikolaiten haßt, die auch ich hasse.

Off 2,6 Aber dies hast du, daß du die Werke der Nikolaiten haßt, die auch ich hasse. Off 2,6;


Ebenso wie die Aufforderung in der oben von Ihnen zitierten Bergpredigt: „Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde” (Mt 5,43-44), kommt auch diese Aussage in der Offenbarung aus dem Munde des Herrn persönlich (Off 1,1). Und man kann daher nicht davon ausgehen, dass uns der Herr das eine Mal heißt, unsere Feinde nicht zu hassen, sondern zu lieben und das andere Mal die Gläubigen in der Gemeinde dafür lobt, weil sie ihre Feinde bzw. deren Werke hassen. Und wenn wir uns die Ergänzung seiner Aussage  ansehen: „die auch ich hasse” erkennen wir, dass es sich hier eben nicht nur um Feinde der Gemeinde, sondern auch um Feinde Gottes und unseres Herrn Jesus Christus handelt, sonst würde er bestimmt nicht sagen, dass er deren Werke hasst.

Und wenn wir nun der Frage nachgehen, wer denn diese Nikolaiten sind, erfahren wir im dritten Sendschreiben, jenem an die Gemeinde von Pergamon, etwas mehr. Auch in dieser Gemeinde hat es sichtlich solche „Nikolaiten” gegeben, aber zum Unterschied von Ephesus wurden sie in Pergamon in der Gemeinde geduldet. Und genau das verurteilt nun der Herr und tadelt diese Gemeinde dafür.

So hast auch du solche, die in gleicher Weise die Lehre der Nikolaiten festhalten.

Off 2,14 Aber ich habe ein weniges gegen dich, daß du solche dort hast, welche die Lehre Bileams festhalten, der den Balak lehrte, eine Falle vor die Söhne Israels hinzustellen, so daß sie Götzenopfer aßen und Unzucht trieben. 2,15 So hast auch du solche, die in gleicher Weise die Lehre der Nikolaiten festhalten. Off 2,14-15;


In diesem Text erkennen wir einmal den Grund, warum diese Leute vom Herrn gehasst werden: sie verbreiten eine falsche Lehre. Doch auch über den Inhalt dieser falschen Lehre können wir bei genauerer Betrachtung einiges erfahren. Es heißt hier in Off 2,15, dass diese Nikolaiten „in gleicher Weise” an ihrer falschen Lehre festhalten. Das kann sich nun nur um einen Bezug zur Aussage im vorherigen Vers, Off 2,14, über die falsche Lehre Bileams beziehen, welche ebenfalls in Pergamon geduldet wurde und welche darauf abzielte, „eine Falle vor die Söhne Israels hinzustellen, so daß sie Götzenopfer aßen und Unzucht trieben”.

Es sind also beides - Bileamiter und Nikolaiten - Götzenanbeter, die dem Volk eine Falle stellen, ihnen Lügen auftischen und so das Volk Gottes vom rechten Weg abbringen und in eine falsche Lehre locken. Das besagen auch schon die beiden Namen: der atst Name „Bileam” bedeutet „Volksverwüster”, während seine griechische Entsprechung „Nikólaos” aus nikáo „siegen” und laós „Volk” entstanden ist und mit „Volksbesieger” übersetzt werden kann. Die Nikolaiten sind also falsche Lehrer, die sich in der Gemeinde eingeschlichen haben und dort die Gläubigen verführen. Obendrein sind sie noch Götzenanbeter und betreiben Unzucht.

Die Werke dieser Menschen, die der Herr hasst und welche daher auch wir nicht lieben sollten, werden von der Schrift folgendermaßen dargestellt:

 - Sie haben gehört, dass nur der Glaube an Jesus Christus vor der ewigen Verdammnis erretten kann.

 - Sie leugnen diesen einzig möglichen Weg und behaupten, dass es auch andere Wege gibt.

 - Anstelle des Schöpfers verehren sie die Schöpfung und opfern Götzen: Sonne, Mond, Sterne, Berge, Bäume, Tiere. Sie machen sich Figuren aus Holz, Stein oder Metall und beten sie an. Sie beschwören Geister, tote Menschen, Engel und Dämonen und flehen zu selbst erfundenen „Rettern”, „Mittlern” oder „Göttern”.


Wenn nun solche Menschen versuchen, ihren falschen Glauben in der Gemeinde oder an einzelne Gläubige weiterzugeben, dann sind das nicht mehr nur Feinde des Menschen, sondern es sind Feinde Gottes, die sein Volk dazu verführen Götzen anzubeten. Sie sind ebenso aus ihrem Vater, dem Teufel, wie auch die jüdischen Schriftgelehrten, welche die Gottessohnschaft des Herrn leugneten und die dieser oben, in Jh 8,44, so bezeichnete. Und wer nun auf die Idee kommt, dass uns das Gebot des Herrn in Mt 5,43 „Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde” dazu verpflichten würde, diese Söhne des Teufels zu lieben, hat diesen biblischen Hintergrund nicht verstanden und sollte daher umgehend eine Standortbestimmung seines Glaubens vornehmen.

Wie sagt schon Charles H. Spurgeon im Buch „Mit Wind und mit Feuer” (S 117) [What the Holy Spirit does in a believer's life]:

„Wir leben zwar in der Welt, doch brauchen wir nicht mit dem Teufel und seinen Kindern Umgang haben. Unser Herr sieht es gar nicht gern, wenn seine Kinder die Erben des Zorns zu ihren Gefährten machen. Solch böse Gesellschaft wird euch früher oder später Leid bereiten. Ihr könnt nicht erwarten, dass der Heilige Geist bei euch bleibt, wenn ihr mit den Gegnern des Herrn verbündet seid.”


Wenn Sie nun weiter unten die Gottlosen und Götzendiener als „meine ungläubigen oder nichtchristlichen Brüder und Schwestern” bezeichnen, müssen Sie sich fragen lassen, ob Sie in den obigen Charakterisierungen nicht eine gewisse Ähnlichkeit mit jener Gesellschaft erkennen können, in der Sie verkehren und ob Sie sich daher - aus christlicher Sicht - nicht mit den falschen Leuten fraternisieren?

Was nun andererseits Ihre Frage betrifft, ob ich in einer Gesellschaft mit Margaret Thatcher sein möchte: Wie Sie sich leicht vorstellen können, ist mir diese ehemalige britische Politikerin nicht persönlich bekannt und daher kann ich auch nicht beurteilen, in welchem gesellschaftlichen Umfeld sie verkehrt. Wenn Sie aber unbedingt wissen möchten, welchen Umgang ich persönlich bevorzuge, kann ich Ihnen sagen, dass ich nach Möglichkeit die Gesellschaft jener Leute meide, welche sich sowohl im weltlichen als auch im religiösen Bereich aufgrund von Hörensagen ihre Urteile bilden, ohne den Dingen auf den Grund zu gehen und dadurch sowohl hier wie dort Gerüchte in die Welt setzen.



John Waterfield: Sie schreiben weiter:

„Schließlich könnte sich bei unserem Thema der Nächstenliebe noch die Frage stellen, was denn das eigentlich meinen sollte: ‘lieben (...) wie dich selbst’. Doch die Antwort darauf dürfte nicht wirklich schwer sein: alles, was ich mir zugestehe - von den materiellen Dingen, welche ich mir leiste, bis hin zu meinen Fehlern, die ich toleriere - das alles sollte ich auch diesen meinem Nächsten - materiell oder ideell - zugestehen. Und damit beantwortet sich gleichzeitig auch die Frage nach der Verhältnismäßigkeit: Was ich mir selbst nicht leisten kann oder will, das muss ich - nach dieser Definition - auch bei meinem Nächsten nicht akzeptieren.”

Ich finde die letzte Aussage ganz außergewöhnlich. Heißt das, dass ich - wenn ich Abstinenzler bin - das Recht habe, Alkoholiker zu verurteilen? Kann ich meine eigene Tugend als Maßstab für die Laster anderer Leute nehmen? Das ist völlig pharisäisch und im Widerspruch zu allem, was uns unser Herr gelehrt hat. Das erinnert doch sehr an den Pharisäer und den Zöllner im Tempel.



Wie manch andere wichtige Schriftstelle, wird auch dieses Gebot Gottes: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst” oft oberflächlich betrachtet und die tatsächliche Bedeutung dieser Aussage nicht analysiert. Die Erklärungen mancher Interpreten erwecken den Eindruck, dass hier nur einfach „Liebe deinen Nächsten” stehen würde. Doch so ist es ja nicht. Warum sagt denn der Herr hier „wie dich selbst”? Weil es eben nicht die normale Liebe zu den Menschen ist, sondern eine ganz besondere, umfassendere Liebe. Wenn wir nach den Worten des Herrn in der Bergpredigt Freund und Feind lieben sollen, unsere Nächsten sollen wir lieben wie uns selbst.

Nun ist es eine Tatsache, dass die Selbstliebe des Menschen in den allermeisten Fällen größer ist, als jene Liebe, welche er seinen Mitmenschen gegenüber zeigt. Und genau diese Selbstliebe sollen wir nun gemäß diesem Gebot auch unserem Nächsten - also unserem Helfer - dann erweisen, wenn es von ihm erbeten wird. Doch ebenso wie die Liebe Gottes nicht blind ist, sondern durch seine Gerechtigkeit geleitet wird, weist auch dieses Gebot seine Grenzen auf. Diese Liebe zum Nächsten ist selbstregulierend. Sie orientiert sich an der Eigenliebe des Menschen. Wer ein Prasser ist und sich alles leistet, was möglich ist, muss dies auch seinem Nächsten auf Verlangen zugestehen. Wer hingegen eher ein Asket und sparsam ist, kann dies auch bei seinem Nächsten voraussetzen. Das ist die schriftgemäße Nächstenliebe. Doch wie es scheint, dürfte Ihnen die tiefere Bedeutung dieses Textes nicht geläufig sein.

Aber auch abseits von der Nächstenliebe haben wir nach biblischer Lehre bei einem Alkoholiker - sofern es sich um einen Bruder in Christus handelt - nicht nur das Recht, sondern sogar die Verpflichtung ihn davor zu warnen, wie es auch Paulus hier unten schreibt:

Wißt ihr nicht, daß Trunkenbolde das Reich Gottes nicht erben werden?

1Kor 6,9 Oder wißt ihr nicht, daß Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Lustknaben, noch Knabenschänder, 6,10 noch Diebe, noch Habsüchtige, noch Trunkenbolde, noch Lästerer, noch Räuber werden das Reich Gottes erben. 1Kor 6, 9-10;


Es geht also nicht darum - wie im Gleichnis vom Pharisäer und dem Zöllner im Tempel - sich in selbstgerechter Weise über den Bruder zu stellen, sondern um die Zurechtweisung von wiedergeborenen Geschwistern, welche durch Versuchung einem Laster verfallen sind. Und wenn Sie mich hier beschuldigen: „Das ist völlig pharisäisch und im Widerspruch zu allem, was uns unser Herr gelehrt hat”, möchte ich Sie darauf hinweisen, was uns der Herr wirklich in diesem Zusammenhang gesagt hat:

Wenn dein Bruder aber auch auf die Gemeinde nicht hören wird, so sei er dir wie der Heide und der Zöllner.

Mt 18,15 Wenn aber dein Bruder sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein! Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen. 18,16 Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit aus zweier oder dreier Zeugen Mund jede Sache bestätigt werde! 18,17 Wenn er aber nicht auf sie hören wird, so sage es der Gemeinde; wenn er aber auch auf die Gemeinde nicht hören wird, so sei er dir wie der Heide und der Zöllner! Mt 18,15-17;


Aber auch die Apostel haben in ihren Briefen den Geschwistern sehr konkrete Verhaltensmaßnahmen geschrieben, in welchen die ganze Gemeinde davor gewarnt wird, mit Geschwistern Umgang zu haben, welche derartigen Lastern verfallen sind und sich durch Ermahnung und Zuspruch nicht davon abbringen lassen:

Habt nicht Umgang mit Brüdern, die Unzüchtige, Habsüchtige, Götzendiener, Lästerer oder Trunkenbolde sind.

1Kor 5,9 Ich habe euch in dem Brief geschrieben, nicht mit Unzüchtigen Umgang zu haben; 5,10 nicht überhaupt mit den Unzüchtigen dieser Welt oder den Habsüchtigen und Räubern oder Götzendienern, sonst müßtet ihr ja aus der Welt hinausgehen. 5,11 Nun aber habe ich euch geschrieben, keinen Umgang zu haben, wenn jemand, der Bruder genannt wird, ein Unzüchtiger ist oder ein Habsüchtiger oder ein Götzendiener oder ein Lästerer oder ein Trunkenbold oder ein Räuber, mit einem solchen nicht einmal zu essen. 1Kor 5, 9-11;

Gewisse Menschen, welche den alleinigen Gebieter und unseren Herrn Jesus Christus verleugnen.

Jud 1,3 Geliebte, da ich allen Fleiß anwandte, euch über unser gemeinsames Heil zu schreiben, war ich genötigt, euch zu schreiben und zu ermahnen, für den ein für allemal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen. 1,4 Denn gewisse Menschen haben sich heimlich eingeschlichen, die längst zu diesem Gericht vorher aufgezeichnet sind, Gottlose, welche die Gnade unseres Gottes in Ausschweifung verkehren und den alleinigen Gebieter und unseren Herrn Jesus Christus verleugnen. Jud 1, 3- 4;

Denn der Lohn (je)der Sünde ist der Tod.

Röm 6,23 Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn. Röm 6,23;


Im Übrigen bringen Sie hier in Ihrem Kommentar die Texte etwas durcheinander, weil Sie die Grundlage dieser Aussagen – das Gleichnis vom barmherzigen Samariter – nicht genau gelesen haben. Und so entstehen eben viele Missverständnisse:

-  Erstens sprechen wir hier vom Gleichnis vom barmherzigen Samariter und nicht von einem Alkoholiker

-  Zweitens geht es um die Frage des Schriftgelehrten, wer denn sein Nächster sei, den er lieben muss wie sich selbst

-  Drittens um die Person dieses Nächsten in diesem Gleichnis

-  Viertens um die Beweisführung des Herrn, dass der Helfer dieser Nächste ist

-  Und letztlich der Rückschluss an den Beginn, dass wir also unsere Helfer lieben sollten wie uns selbst.


Wenn wir also unsere Helfer lieben sollen wie uns selbst, müssen wir ihnen alles das zugestehen, was wir auch uns selbst zugestehen. Wenn wir also selbst Alkoholiker wären, müssten wir das auch bei unseren Nächsten dulden. Wenn wir aber keine Alkoholiker sind, sind wir auch in unserer Verantwortung dieser schriftkonformen Sicht der Nächstenliebe nicht gezwungen, dies bei unserem Nächsten zu dulden. D.h. wir werden ihm helfen, sich aus dieser Sucht zu befreien. Die Aussage des Gebotes „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst” ist schlicht und einfach, dass wir diesem Nächsten – der uns geholfen hat - all das Gute angedeihen lassen, das wir uns selbst auch zubilligen und ihn nicht verurteilen können für Handlungen, die wir selbst auch tun.

Nachdem Ihre Erinnerung am Ende des Gleichnisses scheinbar nicht bis zum Anfang zurückreichte, haben Sie den Bezug zum Nächsten – also dem Helfer – nicht realisiert. Und hier bestätigt dann auch Ihre Aussage: „die Verurteilung der Laster anderer Leute ist total pharisäisch”, dass Sie somit Laster, wie Alkoholmissbrauch, Drogenmissbrauch, Kindesmissbrauch und Vergewaltigung als nicht „verurteilungswürdig” befinden. - Nur für den Fall, dass Sie auch hier den Zusammenhang nicht begreifen: In allen diesen vier Fällen wird die eigene Lust befriedigt. Dass bei Alkoholismus und Drogensucht der eigene Körper, bei Kinderschändung und Vergewaltigung der Körper eines anderen Menschen missbraucht wird, ändert nichts an der Tatsache, dass die Ursache dafür der gleiche fehlende Respekt vor dem menschlichen Körper als Gottes Schöpfung ist. Und daher sollten Sie einmal Ihre ethischen und moralischen Grundsätze einer ernsthaften Prüfung unterziehen.



John Waterfield: In Ihrer weiteren Argumentation zur Feindesliebe schreiben Sie:

„Wenn wir nun versuchen, den richtigen Hintergrund dieser Aussage des Herrn zu erkennen, stoßen wir auf eine weitere Parallele zur Nächstenliebe: ebenso, wie sich diese nicht auf die Armen der ganzen Welt, sondern nur auf jene Menschen bezieht, welche persönlich zu uns gestanden sind und uns in unserem Leben geholfen haben, bezieht sich die Feindesliebe nicht auf die Verbrecher der ganzen Welt, sondern nur auf jene Menschen, welche uns in unserem persönlichen Umfeld feindlich gesinnt sind. Und ebenso wie bei der Nächstenliebe, müssen wir auch bei der Feindesliebe die betroffenen Menschen zwangsläufig auch persönlich kennen.”

Ich möchte hier die Liebe der Therese von Lisieux zu einem verurteilten Mörder erwähnen. Sie kannte ihn nicht persönlich und sie kann nur sehr wenig Vorstellung über seine persönlichen Umstände gehabt haben. Sie liebte ihn und betete inbrünstig für ihn und er hatte sich bekehrt bevor er hingerichtet wurde (siehe die Details in: Histoire d’une Ame [Geschichte einer Seele]).



(Siehe auch: „Die Geschichte meiner Seele.” [L’histoire de mon âme] von Marie-Françoise-Thérèse Martin [Therese von Lisieux].)

Ja, das war eine außergewöhnliche Frau und bewundernswert. Sie war es auch, die kurz vor ihrem Tod sagte: „Ich sterbe nicht, ich trete in das Leben ein”. Das können die Wenigsten sagen. Auf alle Menschen, welche nicht den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus und sein Loskaufopfer angenommen haben, wartet nach ihrem ersten Tod und der Auferstehung gleich wieder der zweite Tod und die ewige Verdammnis.

(Siehe auch den Exkurs 08: „Der erste und der zweite Tod.”)


Ohne nun die mir nicht weiter bekannten Verdienste dieser katholischen Heiligen schmälern zu wollen, steht in diesen Geschichten nichts davon, dass dieser Mörder das stellvertretende Opfer unseres Herrn für seine Sünden angenommen hätte. Er hat unmittelbar vor seiner Hinrichtung das Kruzifix geküsst. Doch das ist noch lange kein Beweis dafür, dass er gerettet gewesen wäre. Auch die Moslems küssen den Koran und meinen dadurch ins Paradies zu kommen.

Liebe und Gebet sind wichtige Kriterien für das Wachstum im Christenleben. Ausschlaggebend ist jedoch, ob der Mensch an Jesus Christus glaubt und sein Kreuzesopfer für unsere Sünden auch für seine Sünden persönlich angenommen hat. Dann ist er gewisslich errettet. Sonst nicht.



John Waterfield: Sie schreiben weiter:

„Auch der jüdischen Geistlichkeit zur Zeit Jesu hat der Herr ihre Scheinheiligkeit und Verlogenheit vor Augen geführt und sie als Abkommen des Teufels bezeichnet. Und nun sind gerade eben in den USA zwei Prozesse zu Ende gegangen, wo die römisch katholische Kirche einerseits in der kalifornischen Diözese Santa Rosa zu einer Entschädigungszahlung von 3,3 Mio. Dollar (2,05 Mio. Euro) verurteilt worden ist, weil ein Priester ein 14-jähriges Mädchen sexuell missbraucht hatte, andererseits in der Diözese Covington, im US-Bundesstaat Kentucky, das Gericht einer Sammelklage mehrerer hundert Opfer von sexuellem Missbrauchs durch katholische Priester stattgegeben und die katholische Kirche zur Zahlung der bisher größten Entschädigungssumme von 120 Millionen Dollar (82 Millionen Euro) verurteilt hat. Wenn man nun bedenkt, dass auch in den nordkalifornischen Diözesen derzeit weitere 150 Klagen anhängig sind und die römisch katholische Diözese von Boston an 300 Opfern von sexuellem Missbrauch durch Priester, im vergangenen Jahr 85 Mio. Dollar (etwa 66 Mio. Euro) bezahlen musste, gibt es hier durchaus auch eine Vergleichbarkeit mit unserer heutigen Zeit.”

Diese Berichte stimmen mich natürlich sehr traurig. Ich kann nur sagen, dass bei all den katholischen Priestern, welche ich persönlich kenne, jede Form des sexuellen Missbrauchs völlig undenkbare wäre.



Es geht hier natürlich nicht um die Ihnen bekannten katholischen Priester. Es geht um die Scheinheiligkeit der katholischen Kirche und eines Teils ihres Klerus’. Denn wie Sie leicht erkennen können, sind diese Priester Leute, welche durch ihre Brüder im Bischofsamt hätten zurechtgewiesen werden müssen. Und wenn sie wieder rückfällig geworden sind, hätten sie aus der Kirche ausgeschlossen werden müssen. Jedoch im Namen einer falsch verstandenen Toleranz, welche man schon als Verantwortungslosigkeit bezeichnen muss, und dem damit verbundenen Vertuschen und Verdecken ist das nicht geschehen und das sind dann die Folgen.

Nun schreiben aber Sie, in Ihrem Kommentar in Bezug auf meine Aussage was wir bei unserem Nächsten akzeptieren müssen und was nicht:

„Ich finde die letzte Aussage ganz außergewöhnlich. Heißt das, dass ich - wenn ich Abstinenzler bin - das Recht habe, Alkoholiker zu verurteilen? Kann ich meine eigene Tugend als Maßstab für die Laster anderer Leute nehmen? Das ist völlig pharisäisch und im Widerspruch zu allem, was uns unser Herr gelehrt hat. Das erinnert doch sehr an den Pharisäer und den Zöllner im Tempel.”


Wenn wir nun hier anstatt des Alkoholmissbrauchs den Kindesmissbrauch der katholischen Priester einsetzen, hätten Sie persönlich also diese Sexualverbrechen Ihrer Brüder wohl auch gebilligt? Denn eine Zurechtweisung - geschweige denn eine Strafe -  wäre ja nach Ihrem eigenen Urteil für Sie „völlig pharisäisch und im Widerspruch zu allem was uns der Herr gelehrt hat”. Im Zusammenhang mit Ihrer Beteuerung: „Diese Berichte stimmen mich natürlich sehr traurig” ist das nun völlig heuchlerisch und zeigt die Doppelbödigkeit der Argumentation.

Zu Ihrer Information hier der aktuellste Bericht zu diesem Thema:

(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Katholische Kirche zahlt an Opfer sexuellen Missbrauchs Rekordsumme aus. / Die Presse 00, 02-02-2006)

Louisville (ag). 361 Kläger und Entschädigungszahlungen in der Höhe von 70,1 Millionen Euro: Einer der teuersten Missbrauchs-Prozesse gegen die römisch-katholische Kirche in den USA ist zu Ende. 361 Personen beschuldigten in einer Sammelklage Geistliche aus der Diözese Covington im US-Bundesstaat Kentucky, sich an ihnen sexuell vergangen zu haben. Manche Fälle liegen mehr als 50 Jahre zurück.

Die Opfer erhalten nun je nach Ausmaß des Missbrauchs zwischen 5000 und 450.000 US-Dollar Entschädigung.

Die bisher höchsten Entschädigungen zahlte aber die Diözese Orange in Kalifornien: 90 Opfer erhielten 2004 insgesamt 100 Millionen US-Dollar.

Laut einer internen Kirchen-Untersuchung wurden in den letzten 50 Jahren 4000 römisch-katholische Geistliche in den USA wegen sexueller Belästigung von insgesamt 10.000 Kindern, hauptsächlich Buben, für schuldig befunden.


http://www.diepresse.com/)



Wißt ihr nicht, daß Knabenschänder das Reich Gottes nicht erben werden?

1Kor 6,9 Oder wißt ihr nicht, daß Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Lustknaben, noch Knabenschänder, 6,10 noch Diebe, noch Habsüchtige, noch Trunkenbolde, noch Lästerer, noch Räuber werden das Reich Gottes erben. 1Kor 6, 9-10;


Es wäre der katholischen Kirche gut angestanden, wenn sie diese fast 200 Millionen US-Dollar, zur deren Zahlung sie hier gesetzlich verurteilt wurde, z. B. den Opfern der Tsunami-Katastrophe gespendet hätte. Doch wenn es ums Spenden geht, hört man vom Vatikan nur die Mahnungen an die Welt, die Hilfsbedürftigen finanziell zu unterstützen. Ich persönlich habe noch nie gehört, dass der Vatikan selbst auch etwas gespendet hätte.



John Waterfield: In Bezug auf den Katholizismus in der Dritten Welt schreiben Sie wie folgt:

„Bei genauerer Analyse der Zusammenhänge gibt es jedoch noch einen weiteren Profiteur dieser Uminterpretation. Seit Jahrhunderten missioniert die römisch katholische Kirche viele dieser Völker und es ist ihr bei einigen von ihnen gelungen die überwiegende Anzahl der Bevölkerung zum katholischen Glauben zu bringen. Auch wenn dabei in Süd- und Mittelamerika die katholischen Spanier und Portugiesen im 16. Jhdt. 500.000 Indios im Namen der katholischen Kirche fast ausgerottet hatten. Dennoch ist z. B. Brasilien heute zu 93% katholisch, obwohl diese ‘Christen’ überhaupt nichts dabei finden, nach der Sonntagsmesse am Nachmittag die Erd- und Waldgeister, die mittlerweile zu katholischen Heiligen avanciert sind, anzubeten und ihnen für eine gute Ernte zu opfern. In Afrika gibt es ganz ähnliche Praktiken mit Schamanentum und Woodoo-Kulten. Das ist der real existierende Katholizismus”

Ich muss zugeben, dass ich hier keine Informationen aus erster Hand habe – aber sind Sie da besser informiert? Und wollen Sie den Glauben so vieler herunterspielen, welche sich Christen nennen, weil Sie es als unrein betrachten – weil es nicht Ihren Standards der Reinheit entspricht? Existierten in den ersten Jahrhunderten des Christentums nicht noch eine Menge von heidnischen Bräuchen parallel zur christlichen Lehre? Denken Sie nicht, dass Paulus das mit toleranten Augen gesehen hätte – vor allem, weil er den Herzenswunsch nach Gott gesehen hat, hat er das suchende Herz geschätzt anstatt es zu verurteilen.



Ich habe meine Informationen aus der internationalen Presse und den Berichten von Hilfsorganisationen u.a. in Südamerika. Und es geht hier auch nicht um die Frage der „Reinheit” oder „Unreinheit” des Glaubens dieser Leute. Und schon gar nicht um meine persönliche Beurteilung dieses Zustands bei diesen Menschen. Es geht um den einzig richtigen biblisch-christlichen Glauben, wie ihn uns der Herr und die Apostel verkündet haben und darum, dass diese Katholiken mit der Anbetung ihrer Geister, Dämonen und Götzen vielleicht einen katholischen, aber gewiss nicht einen biblisch-christlichen Glauben aufzuweisen haben.

Diese Leute haben daher keinen „unreinen” Glauben, wie Sie meinen, sondern sie sind schlicht und einfach unbekehrt – wohl Katholiken aber keine Christen! Doch dieser Hintergrund wurde diesen Leuten von den katholischen Missionaren wohlweislich nie erklärt. Man wollte Mitglieder gewinnen, keine christlichen Gläubigen. So kann sich heute die katholische Kirche rühmen, weltweit über eine Milliarde Mitglieder zu haben.

Und Ihre etwas erstaunliche Ansicht, Paulus hätte hier in den ersten Gemeinden ein Auge zugedrückt, weil er den „Herzenswunsch nach Gott” (eine Ihrer Lieblingsphrasen!) dieser Menschen höher bewertete als sie zu verurteilen, kann auch anhand der Schrift durch die eigene Aussage des Paulus widerlegt werden.

Wir verkündigen euch, daß ihr euch von diesen nichtigen Götzen bekehren sollt zu dem lebendigen Gott.

Apg 14,14 Als aber die Apostel Barnabas und Paulus es hörten, zerrissen sie ihre Kleider, sprangen hinaus unter die Volksmenge und riefen 14,15 und sprachen: Männer, warum tut ihr dies? Auch wir sind Menschen von gleichen Empfindungen wie ihr und verkündigen euch, daß ihr euch von diesen nichtigen Götzen bekehren sollt zu dem lebendigen Gott, der den Himmel und die Erde und das Meer gemacht hat und alles, was in ihnen ist. Apg 14,14-15;


Mit dem wiederholten Hinweis auf den „Herzenswunsch nach Gott” wird offensichtlich der Umstand verschleiert, dass diese Leute möglicherweise auf der Suche nach einem Gott sind, aber sich nie für den Gott des Christentums entschieden haben. Sie haben sich für Geister, Dämonen und Götzen entschieden, welche sie anbeten und ihnen Opfer darbringen. Und das wird dann als ihr „Herzenswunsch nach Gott” interpretiert und diese Leute taxfrei für gläubige und errettete (sic) Christen erklärt.



John Waterfield: Der Bibelübersetzter, welchen Sie zitieren argumentiert (aus meiner Sicht durchaus richtig), dass Nachbarschaft ein reziproker Begriff ist. So sagt uns Jesus in der Geschichte vom barmherzigen Samariter, dass wir denen ein Nächster sein sollen, welche unter weniger glücklichen Umständen leben als wir – und nicht wie Sie vermuten, dass wir jene lieben sollten, welche sich uns gegenüber als Nächste erwiesen haben, also unseren Helfern Dankbarkeit zeigen sollten.



Wie ich sehe, haben Sie diesen Text noch immer nicht richtig verstanden. Sie widersprechen sich nämlich hier oben selbst innerhalb eines einzigen Satzes. Sie schreiben einerseits, dass uns der Herr sagt, dass wir den Armen ein Nächster sein sollen – was völlig richtig ist. Das ist ja genau jene Sicht, die ich hervorheben will. Wir – die Helfer - sollen den Armen ein Nächster sein und ihnen helfen. Damit interpretieren Sie diesen Text genauso wie ich schriftkonform – aber genau im Gegensatz zur landläufigen Meinung und zur Meinung des Bibelübersetzers im ersten Teil dieses Diskurses, nämlich, dass die Armen unsere Nächsten seien. Ich hoffe, dass das nach der x-ten Erklärung dieses Zusammenhangs endlich klar ist (vielleicht schlagen Sie in der englischen Bibel nach).

Und wenn also nach der Erklärung des Herrn die Helfer die Nächsten sind, dann müssen diese Armen nach dem Gebot Gottes „liebe deinen Nächsten wie dich selbst” eben die Helfer für ihre Hilfe so lieben wie sich selbst. Und nicht umgekehrt. Auch wenn Ihnen das in der Deutschen Sprache nicht verständlich sein sollte, Sie können es in der englischen Bibel nachprüfen (auch in der griechischen), dort ist das genau so nachvollziehbar.

Sie schreiben also einerseits, dass uns der Herr sagt, dass wir den Armen ein Nächster sein und ihnen helfen sollen (wofür sie uns lieben sollten wie sich selbst) und dann kritisieren Sie mich, weil ich sage, dass wir, wenn wir arm und hilfsbedürftig sind und uns geholfen wurde, natürlich auch unsere Helfer lieben sollten wie uns selbst. Es ist exakt die gleiche Situation, nur sind wir einmal die Helfer und das andere Mal die Hilfsbedürftigen.

Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass manche Leute die Bedeutung dieser Aussagen nicht auf Anhieb verstehen. Daraus lässt sich allerdings erkennen, dass sie dieses Gleichnis des Herrn noch nie bewusst gelesen – oder schlicht und einfach nicht verstanden – haben. Und in so einer Situation sollte man sich lieber hinsetzen und diesen Text in der Bibel genauer nachlesen.



John Waterfield: In Ihrer Antwort darauf schreiben Sie:

„In seiner abschließenden Aussage meint dann dieser Übersetzer, dass der Überfallene in diesem Gleichnis dem Priester und dem Leviten, welche an ihm teilnahmslos vorbeigegangen sind, als er hilflos auf der Strasse lag, danken und ihnen seine Liebe zeigen soll. Hier ist nun das ganze biblische Erkenntnisdefizit aber auch die ganze Realitätsferne derartiger Auffassungen zu erkennen. Wer dies als ‘neutestamentliche Ethik’ bezeichnet, dem fehlt sowohl neutestamentliches als auch ethisches Grundverständnis.”

Hier wird einiges verdreht, da der Bibelübersetzer nicht tatsächlich in so vielen Worten sagt, dass das Opfer für diese Leute, welche ihm nicht geholfen haben, beten und sie lieben sollte. Er stellt allerdings – ganz richtig – fest, dass Jesus sagte, es wäre nichts Besonderes, wenn wir jene lieben, welche uns lieben (,Tun nicht auch die Zöllner dasselbe?’). Also ja, ich denke die christliche Position ist, dass das Opfer verpflichtet ist, den Priester und den Leviten als menschliche Wesen anzuerkennen und sie daher seiner Gebete würdig sind. Ist das unrealistisch? Natürlich. Das Christentum ist völlig unrealistisch. Deshalb auch Tertullian’s Kommentar: ,credo guia absurdum est’, und Gandhis Antwort, als er gefragt wurde, was er vom Christentum denkt: „Es würde eine gute Idee sein”.



Ja, hier liegt wirklich eine Wortverdrehung vor. Aus meiner einfachen Aussage „Erzeige dem deine Liebe, der dir geholfen hat” folgert dieser Übersetzer: „tu dem Samaritaner Gutes, aber nicht dem Priester und nicht dem Leviten”. Hier geht es nicht um „tun”! Hier geht es um Liebe. Und auch nicht um die gewöhnliche, alltägliche Menschenliebe, sondern gemäß dem Gebot Gottes um jene Liebe, mit der wir uns selbst lieben. Diese Betonung wird vollkommen verwaschen und verwässert. Alles was ich mir selbst zu geben bereit bin, muss ich auch bereit sein diesem Nächsten, der mir geholfen hat, zu geben. Können Sie sich vorstellen, was das bedeutet? Das heißt z. B. dass ich – nach diesem Gebot - mein gesamtes Vermögen diesem Menschen bei Bedarf zur Verfügung stellen muss. Würde die gängige Auffassung stimmen, wie es manche sehen wollen und müssten wir die Armen der ganzen Welt so lieben, würden wir im Westen schon längst selbst alle hilfsbedürftig sein.

Und dann meinen Sie „der christliche Standpunkt ist, dass der Überfallene verpflichtet ist, den Priester und den Leviten als Mitmenschen anzuerkennen und sie daher seine Gebete verdienen”. Was der Überfallene macht oder nicht macht steht sowohl im Gleichnis als auch hier überhaupt nicht zur Debatte. Es geht einzig allein um die Frage, wer der Nächste des Überfallenen ist. Und dass sowohl der Priester als auch der Levit ein „Mitmensch” ist – ja wieso nicht? Das ist nur eine Floskel dieses Bibelübersetzers, welche dazu dient zu kaschieren, dass Priester und Levit eben keine „Nächsten” im Sinne dieses Gleichnisses sind, weil dann möglicherweise seine Fehlinterpretation zu Tage getreten wäre.



John Waterfield: Des Weiteren schreiben Sie:

„Wer jedoch die biblischen Hintergründe kennt, weiß, dass die Römer nicht die eigentlichen Feinde des Herrn waren. Es waren die jüdischen Schriftgelehrten, welche ihn den Römern übergeben und ans Kreuz geliefert haben. Und diesen, seinen eigentlichen Feinden, denen er verkündet und mit Wundertaten bewiesen hatte, dass er der Sohn Gottes ist und die ihn trotzdem - oder gerade deswegen - verfolgt und gefangengenommen und verurteilt haben, die also durchaus wussten, was sie tun, diesen gegenüber äußerte sich der Herr weit weniger gnädig, wie wir den folgenden Schriftstellen entnehmen können.

Mt 3,7 Otternbrut! Wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen?

Mt 12,24 Otternbrut! Wie könnt ihr Gutes reden, da ihr böse seid?

Mt 23,32 Schlangen! Otternbrut! Wie solltet ihr dem Gericht der Hölle entfliehen?

Jh 8,44 Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun.”


Und auch hier denke ich leider, dass Ihre Beschwörung des alttestamentlichen Gottes des Zorns in den Passagen, welche Sie zitieren, insgesamt unchristlich ist. Gott ,wünscht nicht den Tod des Sünders, sondern dass er von seiner Gottlosigkeit umkehrt und lebt’. Sie werden sicherlich nicht weniger barmherzig sein wollen? Ich kann keine Quelle der Befriedigung in der Verurteilung meiner ungläubigen oder nichtchristlichen Brüder und Schwestern finden – es ist ein Umstand, welcher mir großen Schmerz bereitet, wenn man das menschliche Potential für das Gute bedenkt, welches in ihrem Leben zu finden ist. Aber es scheint, dass Sie die Dinge unterschiedlich sehen.



Nun, wenn Sie meinen: ,Ihre Beschwörung des alttestamentlichen Gottes des Zorns in den Passagen, welche Sie zitieren, ist insgesamt unchristlich’, dann müsste das ganze Neue Testament „unchristlich” sein, weil Sie dort genau jene Hinweise finden, welche belegen, dass Gottes Liebe nicht blind ist, wie Sie sich das so vorstellen.

Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen.

Röm 1,18 Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten, 1,19 weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen offenbart. 1,20 Denn sein unsichtbares Wesen, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit Erschaffung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut, damit sie ohne Entschuldigung seien; 1,21 weil sie Gott kannten, ihn aber weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Überlegungen in Torheit verfielen und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde. Röm 1,18-21;

Die, welche die Wahrheit Gottes in die Lüge verwandelt und dem Geschöpf Verehrung und Dienst dargebracht haben statt dem Schöpfer.

Röm 1,22 Indem sie sich für Weise ausgaben, sind sie zu Narren geworden 1,23 und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes verwandelt in das Gleichnis eines Bildes vom vergänglichen Menschen und von Vögeln und von vierfüßigen und kriechenden Tieren. 1,24 Darum hat Gott sie dahingegeben in den Begierden ihrer Herzen in die Unreinheit, ihre Leiber untereinander zu schänden, 1,25 sie, welche die Wahrheit Gottes in die Lüge verwandelt und dem Geschöpf Verehrung und Dienst dargebracht haben statt dem Schöpfer, der gepriesen ist in Ewigkeit. Amen. Röm 1,22-25;

Der Herr ist gekommen Gericht auszuüben und die Gottlosen zu überführen.

Jud 1,14 Es hat aber auch Henoch, der siebente von Adam an, von ihnen geweissagt und gesagt: «Siehe, der Herr ist gekommen mit seinen heiligen Myriaden, 1,15 Gericht auszuüben gegen alle und alle Gottlosen zu überführen von allen ihren Werken der Gottlosigkeit, die sie gottlos verübt haben, und von all den harten Worten, die gottlose Sünder gegen ihn geredet haben.» 1,16 Diese sind Murrende, die mit dem Schicksal hadern und nach ihren Begierden wandeln; und ihr Mund redet stolze Worte, und sie bewundern Personen um des Vorteils willen. 1,17 Ihr aber, Geliebte, gedenkt der von den Aposteln unseres Herrn Jesus Christus vorausgesagten Worte! Jud 1,14-17;


Es ist ja nicht so, wie wenn das Alte Testament plötzlich seine Gültigkeit verloren hätte. Gerade in dem von Ihnen oben zitierten Text aus der Bergpredigt sagt der Herr auch diese Worte:

Meint nicht, daß ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen.

Mt 5,17 Meint nicht, daß ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. 5,18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. Mt 5,17-18;


Wie wir an diesen Schriftstellen erkennen können, ist es nicht blinde Liebe, sondern die absolute Gerechtigkeit Gottes, welche alle seine Handlungen bestimmt. So geht die Liebe des Allmächtigen nur soweit, als sie auch mit seinen Geboten und seiner Gerechtigkeit vereinbar ist, sonst wären die vielen Strafgerichte Gottes an seinem geliebten Volk Israel nicht zu verstehen. Auch die Strafgerichte an den Menschen der Endzeit, wie wir sie in der Offenbarung lesen, wären bei einer blinden Liebe ohne die Grenzen der Gerechtigkeit nicht denkbar. Doch das wird heute gerne vertuscht und abfällig als „Gott des Zorns aus dem Alten Testament” hingestellt und Gottes Gerechtigkeit als überkommene fundamentalistische Vorstellung verurteilt, die die Liebe Gottes völlig außer Acht lässt.

Jedoch die Gerechtigkeit Gottes hat sich nie verändert. Gott beurteilt jeden Menschen nach dessen Werken. So war es im Alten Testament und so ist es auch im Neuen Testament. Was sich verändert hat, ist die Gerechtigkeit des Menschen. Während in der vorchristlichen Zeit der Mensch aufgrund der Gerechtigkeit seiner Handlungen von Gott beurteilt wurde und entweder für seine Sünden Opfer bringen, oder sich selbst dafür beim Letzten Gericht zu verantworten hatte, wird er nach dem stellvertretenden Tod unseres Herrn Jesus Christus für unsere Sünden danach beurteilt, ob er den Glauben an Jesus Christus hat und dieses Loskaufopfer des Sohnes Gottes für seine Sünden angenommen hat oder nicht.

Ab diesem Zeitpunkt der Weltgeschichte wird die Annahme des Glaubens an Jesus Christus von Gott als das höchstmögliche Werk der Gerechtigkeit beurteilt. Durch diesen Akt der Glaubensentscheidung in unserem Leben, haben wir jene Gerechtigkeit, welche Juden und Katholiken heute noch vergeblich zu „erwerben” versuchen. Die einen durch gerechtes Verhalten (eine Illusion), die anderen durch selbstauferlegtes Leid und selbst zugefügten Schmerz (eine Perversion). Sie haben nicht begriffen, dass der Preis dafür für sie unerschwinglich ist und Gott ihnen daher mit dem Opfertod seines Sohnes aus Gnade ein Geschenk machen will.

Die in einem seiner Bücher geäußerte Ansicht Kardinal Joseph Ratzingers, des jetzigen Papst Benedikt XVI., dass Jesus Christus nicht zur Vergebung unserer Sünden ans Kreuz gegangen ist, sondern uns damit ein Vorbild als vollkommen Gerechter im unverschuldeten Erleiden von Schmerz geben wollte, welchem wir nachfolgen sollten, erklärt ein katholischer Pfarrer und Theologe im Diskurs 30:

(Siehe auch den Diskurs 30: „Warum musste Jesus am Kreuz sterben?”)


Und genau das ist also die Liebe Gottes zu den Menschen, dass er in seiner Barmherzigkeit seinen eingeborenen Sohn am Kreuz als Opfer für die Sünden aller Menschen sterben ließ.

Hierin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, daß Gott seinen Sohn gesandt hat, damit wir durch ihn leben

1Jh 4,9 Hierin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, daß Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten. 1Jh 4, 9;

Erhaltet euch in der Liebe Gottes, indem ihr die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus erwartet zum ewigen Leben.

Jud 1,20 Ihr aber, Geliebte, erbaut euch auf eurem heiligsten Glauben, betet im Heiligen Geist, 1,21 erhaltet euch in der Liebe Gottes, indem ihr die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus erwartet zum ewigen Leben. Jud 1,20-21;

Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen, denn Christus ist zur bestimmten Zeit für Gottlose gestorben.

Röm 5,5 die Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist. 5,6 Denn Christus ist, als wir noch kraftlos waren, zur bestimmten Zeit für Gottlose gestorben. Röm 5, 5- 6;

Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist.

Jh 11,25 Jesus sprach zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; 11,26 und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit. Glaubst du das? Jh 11,25-26;


In der obigen Aussage des Herrn „Wer an mich glaubt” erkennen wir aber auch schon die Grenzen dieser Liebe Gottes: es ist keine bedingungslose und grenzenlose Liebe, sondern es gibt klare Voraussetzungen und beinharte Konsequenzen: wer glaubt wird leben, wer nicht glauben will, wird in seinen Sünden sterben und in die ewige Verdammnis eingehen. Das kommt auch hier unten, in Jh 8,24 zum Ausdruck:

Wenn ihr nicht glauben werdet, daß ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben.

Jh 8,24 Daher sagte ich euch, daß ihr in euren Sünden sterben werdet; denn wenn ihr nicht glauben werdet, daß ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben. Jh 8,24;

Wer mich verwirft, hat den, der ihn richtet: das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tag.

Jh 12,44 Jesus aber rief und sprach: Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat; 12,45 und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat. 12,46 Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe; 12,47 und wenn jemand meine Worte hört und nicht befolgt, so richte ich ihn nicht, denn ich bin nicht gekommen, daß ich die Welt richte, sondern daß ich die Welt errette. 12,48 Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, hat den, der ihn richtet: das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tag. Jh 12,44-48;


Sie schreiben nun in Ihrem obigen Kommentar:

„Ich kann keine Quelle der Befriedigung in der Verurteilung meiner ungläubigen oder nichtchristlichen Brüder und Schwestern finden – es ist ein Umstand, welcher mir großen Schmerz bereitet, wenn man das menschliche Potential für das Gute bedenkt, welches in ihrem Leben zu finden ist. Aber es scheint, dass Sie die Dinge unterschiedlich sehen.”

Wenn Sie sich nun hier um Ihre ungläubigen und nichtchristlichen Geschwister sorgen, aber weiter oben den Auftrag des Herrn, eben diesen Ungläubigen und Nichtchristen die frohe Botschaft von der Errettung aus Gnade zu verkündigen, mit dem Hinweis: „Es tut mir Leid, aber das muss ich völlig ablehnen” zurückgewiesen haben, dann sind ja gerade Sie es, der diese Leute verurteilt. Durch Ihre Verweigerung ihnen das Evangelium als die einzige Rettung von ihrer Gottlosigkeit zu verkündigen, verhindern ja gerade Sie, dass diese Menschen gerettet werden und verurteilen sie so zur ewigen Verdammnis.

Sie sagen einerseits, die von mir oben aus Mt 3,7; 12,24; 23,32 und Jh 8,44 zitierten Bibelstellen, wo der Herr die Pharisäer verurteilt, seien „unchristlich” – es sind immerhin wörtliche Aussagen des Herrn! – und behaupten andererseits, dass auch fernöstliche Religionen zur Errettung des Menschen führen können. Ich frage Sie: Was ist da mehr unchristlich? Natürlich will Gott nicht den Tod der Sünder, sondern dass sie von ihrer Gottlosigkeit umkehren und zum ewigen Leben kommen. Doch damit sie umkehren können, muss ihnen zuvor das Evangelium des Sohnes Gottes verkündet werden. Und dass er selbst dieser Sohn Gottes ist hat der Herr eben auch den religiösen Führern im Israel seiner Zeit kundgetan. Als diese aber die Botschaft nicht annehmen wollten und ihn als Gotteslästerer und Lügner beschimpften, hat er sie als Söhne des Teufels bezeichnet und damit ihre wahre Identität aufgezeigt.

Und so ist es mit allen, welche das Evangelium gehört, aber die Botschaft nicht angenommen haben: sie werden dem kommenden Zorn nicht entfliehen. Und wenn Sie solche Leute zu gläubigen Christen deklarieren wollen, weil sie angeblich einen „Herzenswunsch nach Gott” haben, dann ist das nicht nur unchristlich, sondern schlicht und einfach die Verbreitung einer falschen Lehre.

Schließlich möchte ich auch noch auf Ihre eher rhetorische Frage eingehen, ob das Christentum unrealistisch sei. Sie geben sich gleich selbst die Antwort darauf und meinen:

„Natürlich. Das Christentum ist völlig unrealistisch. Deshalb auch Tertullian’s Kommentar: ,credo guia absurdum est’, und Gandhis Antwort, als er gefragt wurde, was er vom Christentum denkt: ,Es würde eine gute Idee sein'.”.


Ja, das ist nun das nicht überraschende Ergebnis, wenn man sich von einem alten römischen Kirchenschriftsteller, welcher noch nicht einmal das Neue Testament zur Verfügung hatte, und einem Inder das Evangelium erklären lässt.


Wenn Sie sich nun weiter oben auf mich beziehen und meinen: „Aber es scheint, dass Sie die Dinge unterschiedlich sehen”, so haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Dennoch - oder gerade deswegen - bedanke ich mich, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, den 1.Teil dieses Diskurses durchzulesen und mit Ihren Kommentaren zu versehen. Derartige Beiträge geben mir immer wieder die Gelegenheit, sie den Aussagen der Schrift gegenüberzustellen und so jenen Lesern, welche mit der Materie nicht so vertraut sind, die Möglichkeit zur Beurteilung zu bieten. Auch wenn das im Grunde immer wieder dasselbe Thema - Jesus Christus - ist. Aber Sie, als literarisch gebildeter Mensch, kennen sicher den Ausspruch Goethes:

Man muss das Wahre immer wiederholen,
weil auch der Irrtum um uns herum immer wieder gepredigt wird.






Müssen Christen ihre Feinde lieben?         1. Teil, Diskurs 75

Müssen Christen ihre Feinde lieben?         3. Teil, Diskurs 753 - Die christliche Auslandsmission.