Diskurs 84 - Pro Christ: Chance oder Risiko?




Pro Christ - wohin? / Buch Jens Grapow 00, 2006-03-03

Ein schockierendes "Bekenntnis" der Willow Creek Community Church. / Artikel Bob Burney, 2007-10-30


In der Woche vom 19. bis 26. März 2006 findet in München die ProChrist Veranstaltung mit dem Hauptredner, Pfr. Ulrich Parzany statt. Laut Angaben von ProChrist-Geschäftsführer Frieder Trommer haben sich bisher 800 Übertragungsorte im deutschsprachigen Raum zu ProChrist2006 angemeldet. Außerdem rechnet man mit 300 bis 400 Orten in 17 weiteren europäischen Ländern.

Der Landesbischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, Bischof Dr. Johannes Friedrich, wünscht sich, dass noch mehr Gemeinden aus der Landeskirche sich in die ProChrist-Bewegung einklinken. „Mission ist heute eine ganz wichtige Aufgabe”, sagt er in einem kurzen Statement. Der Vorsitzende der Vereinigung evangelischer Freikirchen (VEF), Siegfried Grossmann, ergänzt das um den Aspekt „ProChrist muss ProMensch sein. Die Veranstaltungen müssen einladend und offen für jeden sein.”

Trotz dieser positiven Stimmen, sind seit der letzten ProChrist Großveranstaltung, im Jahr 2003 in der Gruga-Halle in Essen, auch manche bedenkliche Stimmen, besonders aus dem Lager der Evangelikalen laut geworden.

Jens Grapow hat in seinem Buch: „Pro Christ - wohin” (erhältlich im Betanien-Verlag) diese Art der Massenevangelisation kritisch, aber nicht polemisch hinterfragt. Dazu schreibt Wilfried Plock, Vorsitzender der Konferenz für Gemeindegründung e.V. in seiner Rezension:
„Dieses Buch möchte zur kritischen Auseinandersetzung mit ProChrist herausfordern. Es möchte den Unentschlossenen Argumente an die Hand geben. Und es möchte zu einer ,Evangelisation ohne Kompromisse' ermutigen.”

Diese biblisch fundierte Darstellung von Jens Grapow können wir nun mit der freundlichen Genehmigung des Autors den interessierten Lesern von Immanuel.at präsentieren.

(Siehe auch Rudolf Eberthäuser: „ProChrist oder biblische Evangelisation” zu finden unter www.das-wort-der-wahrheit.de)




Pro Christ - wohin? / Buch Jens Grapow 00, 03-03-2006



Inhaltsverzeichnis

Vorwort des Verfassers Jens Grapow
Einleitung

  1. ProChrist – Die Veranstaltung
  2. Die große ökumenische Allianz
  3. Eine biblische Warnung
  4. Globale Überlegungen
  5. Inhaltliches: Evangelisation / Evangelium
    1. Die biblische Seite
    2. Die ProChrist-Seite (und Ulrich Parzany)
  6. Einige Hintergründe der Organisatoren
    1. Billy Graham
    2. Die evangelische Allianz als Motor der Ökumene
    3. Ulrich Parzany und der CVJM
  7. Verzahnung oder: Welches Rad treibt welches an?
  8. Fazit und Schluss
  9. Schlussendlich: Noch eine biblische Warnung
  10. Nachwort von W. Bühne:



  Vorwort des Verfassers Jens Grapow

Die hier vorliegenden Gedanken richten sich vor allem an Gemeindeleiter und diejenigen, denen das Wohl der Gemeinde Jesu am Herzen liegt. Wenn ich heute gefragt werden würde, warum ich diese Zeilen veröffentliche, könnte ich darauf nur eine Antwort geben:

Ich möchte zur Wachsamkeit aufrufen und auf eine offensichtlich weithin nicht gesehene Gefahr aufmerksam machen. Es obliegt den Gemeindeleitern und Hirten, ihre Gemeinden zu schützen vor den Gefahren der Endzeit, in der wir uns ganz offensichtlich befinden.

Ich erspare mir alle Zurückweisung von Angriffen gegen die folgenden Gedanken (die im Übrigen schon vor mir geäußert worden sind) und überlasse es dem Leser, sich seine eigene Meinung zu bilden. Diese Schrift richtet sich nicht gegen Geschwister oder Gemeinderichtungen, wohl aber gegen die unkritische Übernahme von populären Ansichten über Gemeindeleben und Evangelisation. Im Trend der Zeit zu liegen ist nicht in jedem Fall ein gutes biblisches Qualitätsurteil. Auch dann nicht, wenn die Verweigerung populistischer Ansichten aus biblischen Erwägungen heraus eine Gemeinde oder einzelne Christen in die Sekten-Ecke befördert.

Wenn Gottes Wort uns nicht vor den Gefahren in der Endzeit warnt, wenn es nicht zur Unterscheidung der Geister aufruft, wenn es die Hirten nicht auffordert, die Herde zu schützen, wenn es nicht dazu aufruft, keine gemeinsame Sache mit den Ungläubigen zu machen und mir das jemand anhand der Schrift nachweisen kann, werde ich verstummen und das Büchlein aus dem Verkehr ziehen. Ich werde dann auch bei den Lesern dieser Schrift wegen meiner Vermessenheit um Vergebung bitten. So lange man mich aber nicht anhand der Bibel widerlegen kann, werde ich nicht schweigen.

In der vorliegenden Studie geht es zwar um eine Veranstaltung, dennoch sind es ja Menschen, die als Initiatoren und Organisatoren die Veranstaltungen planen und durchführen. Diesen allen spreche ich weder ihren Glauben noch ihre persönliche Hingabe an den Herrn ab. Wenn ihre Arbeit aus guter Überzeugung und lauterem Herzen geschieht, werden sie diese Schrift auch nicht als Angriff auf ihre Person werten. Sie werden an der Bibel prüfen, was der Wahrheitsgehalt der Schrift ist und ggf. ihre Konsequenzen ziehen oder mich korrigieren.

Das ist meine Bitte und mein Gebet.

Und so befehle ich diese Zeilen dem Segen Gottes an, der alles in Seiner Hand hält und an dessen Erbarmen es liegt, dass wir noch nicht ganz am Ende sind. Möge die Schrift zu einem neuen Erschrecken über das Ausmaß der Verführung anregen, die in der Christenheit um sich greift.

Ich danke meinem lieben Freund Sven Siemering, der das Manuskript mehrfach durchgelesen und korrigiert hat und widme diese kleine Schrift allen Geschwistern, die sich ihrer Verantwortung vor dem lebendigen Gott bewusst sind; besonders aber meiner kleinen Heimatgemeinde in Worpswede mit dem Wunsch, dass sie dem Herrn treu bleibt.


  Einleitung

Jesus Christus als der Herr Seiner Gemeinde hat uns klar und deutlich selbst und durch Seine Apostel aufgefordert, der Welt das Evangelium zu predigen. Über die Jahrhunderte der Gemeindezeit ist dieser Auftrag immer, zwar mit unterschiedlicher Kraft, aber doch durchgehend, ernst genommen worden – für die Weitergabe des Evangeliums haben zu allen Zeiten Menschen Schmähungen, Verfolgung und sogar Tod in Kauf genommen. Das hat der Herr Jesus Christus der Gemeinde vorausgesagt („Der Knecht ist nicht größer als sein Herr – haben sie mich verfolgt, werden sie auch euch verfolgen”, Matthäus 10,22-25). Seit der Entstehung der Katholischen Kirche hat sich die wahre Gemeinde Jesu immer am Rande der Großkirchen befunden. Die größten Verfolgungen hat die kleine Herde, die am Wort Gottes festhielt und sich weigerte, hier Kompromisse einzugehen, durch die Großkirchen, und hier vor allem durch die römisch-katholische Kirche, erfahren (siehe „Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt” von E. H. Broadbent).

Trotz der Tatsache, dass Christen auch heute in vielen Ländern verfolgt werden, spielt sich in der westlichen Welt (West-Europa, USA, Kanada etc.) vor unseren Augen eine denkwürdige Entwicklung ab: Die einst verfolgte Gemeinde, und hier vor allem die evangelikalen Kreise, bekommen ungeheuren Aufwind und schaffen es, im Verbund mit gesellschaftlichen, künstlerischen und politischen Kräften, riesige Geldsummen und große Menschenmengen für die Evangelisierung Europas und Amerikas zu mobilisieren. Dies ist eine so schillernde Erscheinung, dass wir uns die Mühe machen sollten, einmal genau hinzuschauen, was hier eigentlich passiert. Gibt es eine Erweckung in unseren Landen? Können wir unserem Herrn Jesus Christus wirklich eine evangelisierte, christianisierte Welt präsentieren, wenn Er wiederkommt? ProChrist ist eine der Großveranstaltungen, die immer mehr in das Blickfeld von Evangelisations-Überlegungen gerät und die man als evangelistisch ausgerichtete Gemeinde nur schwer übersehen kann. Deshalb will diese kleine Schrift anhand der Veranstaltung ProChrist über die neue Entwicklung in der Gemeinde-Landschaft im Bezug auf Evangelisation informieren.


  1.  ProChrist – Die Veranstaltung

Die Großveranstaltung ProChrist findet im Jahr 2003 vom 16. – 23. März in der Gruga-Halle in Essen statt und wird wie in den Jahren zuvor per Satellit in viele deutsche und europäische Städte live übertragen. Seit Beginn 2002 werden Gemeindeseminare angeboten; hauptsächlich im April sowie August/September 2002 laufen die Schulungskurse für die Veranstaltung, die sich vor allem an Pfarrer, Pastoren, Prediger, Hauskreisleiter, Diakone und so genannte Multiplikatoren richten. Am 16. und 17. November 2002 wird der Kongress „ProChrist-Impulse” als Vorbereitungskongress in viele Gemeinden übertragen.

Wenn wir von „ProChrist” hören, denken wir im Normalfall an eine bunte, gut organisierte und biblisch fundierte Evangelisation mit einem begabten Prediger an der Spitze und einer großen Anzahl von Zuhörern und Zuschauern. Glaubensgemeinschaften finden sich friedlich zusammen, um gemeinsam das Evangelium den kirchenfremden Menschen in unserem Land und in Europa zu verkündigen.

Nachdem im Jahr 1993 durch Billy Graham die ProChrist-Bewegung in Deutschland Fuß gefasst hat, wird sie seitdem in der Hauptsache durch die Deutsche Evangelische Allianz (DEA), die Lausanner Bewegung Deutscher Zweig und den Hauptredner Ulrich Parzany, der in Deutschland dem Christlichen Verein junger Menschen (CVJM) vorsteht, vorangetrieben.

Beteiligt sind an der Vorbereitung und Durchführung der Großveranstaltung neben den eben genannten Organisationen und Personen beide in Deutschland vertretenen Volkskirchen (evangelische und katholische), der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden, der Bund Evangelischer Freier Gemeinden (BEFG), der Bund Freier Evangelischer Gemeinden (FEG) sowie alle mit diesen Organisationen verbundenen Teilkirchen und Gemeinden.

Die Veranstaltung ProChrist ist keine Einzelaktion; sie ist eingebettet in weitere Veranstaltungen:


Weitere Treffen und Veranstaltungen auf regionaler und örtlicher Ebene werden von ihren Betreibern ausdrücklich als eine Bewegung, nicht als einmalige Veranstaltung beschrieben und gesehen (Konzeptheft für „ProChrist 2000”).

Unter „Einbettung” verstehe ich hierbei nicht in jedem Fall ein gemeinsames Komitee oder im Einzelnen nachweislich aufeinander abgestimmte Pläne (bei vielen Veranstaltungen ist dies aber durchaus der Fall), sondern in der Hauptsache ein Zusammenlaufen mehrerer Strömungen (s. Kap. 7, „Verzahnung”). Es wird deutlich betont, dass die gemeinsam betriebene Arbeit auch nach den eigentlichen Veranstaltungen fortgeführt werden soll. Auf die Verzahnung der einzelnen Aktionen miteinander soll an späterer Stelle noch näher eingegangen werden.

Auffallend ist beim ersten Hinsehen, dass dem Konzept und der Durchführung kaum widersprochen wird. Wenn doch, so höchstens am Rande und dann auch nur sehr leise – im Gegensatz zum lautstarken Lob. An Lob für die Veranstaltung mangelt es nicht:

Christliche und politische Gruppen aller Couleur werden nicht müde, die Vorzüge von ProChrist für Gesellschaft und Kirche zu preisen und so für die Veranstaltung und eine rege Teilnahme daran zu werben. Aus diesem Grunde werde ich mich darauf beschränken, die schattigeren Seiten der Bewegung zu beleuchten und die Darstellung der positiven Seiten hier außer Acht zu lassen. Kritiker werden mir an dieser Stelle vielleicht Einseitigkeit und Desinteresse an der Sache Jesu vorwerfen; wer allerdings diese Schrift bis zum Ende durchliest, wird merken, dass dies ein zu schneller Schluss wäre.


  2.  Die große ökumenische Allianz

ProChrist wird in der Hauptsache von der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), der Lausanner Bewegung Zweig Weltmission, dem Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) und, allen übergeordnet, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) vorangetrieben. Hauptverantwortlich für die technische Meisterleistung ist der Evangeliumsrundfunk Wetzlar (ERF), welcher der DEA angegliedert ist. Als Einzelpersonen treten vor allem der amerikanische Evangelist Billy Graham, der Generalsekretär des CVJM, Ulrich Parzany, und der Leiter der DEA, Hartmut Steeb, in Erscheinung. Während sich bei der ersten ProChrist-Veranstaltung 1993 in Essen die Landeskirchen noch auffallend zurückhaltend äußerten, änderten sie zunehmend ihre Meinung und beteiligen sich nunmehr auf zahlreichen Ebenen bei der Vorbereitung und Durchführung der Treffen und nehmen auch die begleitenden Veranstaltungen (Christival, Spring 2000, AD 2000, Explo - Sonderveranstaltung bei der Expo 2000 sowie die Kirchentage) als willkommene Gelegenheiten wahr, den Rückgang der Besucherzahlen bei ihren Gottesdiensten sowie ihrer Mitgliederzahlen aufzuhalten und die parallel laufenden Ökumene-Bestrebungen zu beleben.

Bei all dem fällt auf, dass beide großen Kirchen offenbar wenig Probleme damit haben, diese Veranstaltungen zu unterstützen und sich mit deren Zielen und Aussagen zu identifizieren. Da sich sowohl die evangelische Kirche mit ihrer Tauf-Wiedergeburtslehre als auch die katholische Kirche mit ihrer Lehre von den 2 Sakramenten und der Notwendigkeit der Mitgliedschaft in ihrer Kirche von dem Heilsverständnis der evangelikalen Gemeinden unterscheiden müssten, dürfte eine derartige Allianz eigentlich nicht möglich sein – von beiden Seiten müsste hier ein Veto kommen. Tut es aber nicht. Und genau das sollte uns hellhörig machen. Haben die Kirchen ihr Verständnis von der Erlangung des Heils geändert oder ist das bei ProChrist verkündigte Evangelium so verwässert, dass es sogar von den Kirchen akzeptiert werden kann? Und wenn ja: wo und an welcher Stelle?

Es ist nicht gerade unwesentlich, dass Billy Graham vor der ersten ProChrist-Veranstaltung sich in Rom erst den Segen des Papstes holte. Auffällig sind auch die extrem starken Bemühungen sowohl von Billy Graham als auch von Ulrich Parzany, dem CVJM und der DEA unter der Schirmherrschaft der ACK um die Vereinigung „aller christlichen Kräfte” (Ökumene) zum Zwecke der Evangelisierung Europas und der Welt. Was sich auf der Lehrebene nicht zusammenführen lässt, muss eben mittels der gemeinsamen Verkündigung des Evangeliums zwangsweise zusammengebracht werden.

Wesentliche Eckpunkte hierfür wurden durch eine Vereinbarung in den USA (Evangelicals and Catholics together) und dem deutschen Pendant (Gemeinsame Erklärung zu Rechtfertigungslehre), in der sich beide „Kirchen” dazu verpflichteten, einander keine Mitglieder abzuwerben, gesetzt. D. h. man erkennt sich gegenseitig als Christen an, die das gleiche Ziel verfolgen, nämlich die Evangelisierung der Welt. Auf der missionarischen Ebene hat es dabei die evangelische Kirche in Deutschland geschafft, über die ACK und die DEA die evangelikalen und vormals bibeltreuen Gemeinden mit ins Boot in Richtung Rom zu ziehen.

Wie geht es weiter? Es ist nicht zu erwarten, dass die einmal begonnene Entwicklung umkehrbar ist. Das ist auch offensichtlich von niemand gewollt. Der Ökumenische Kirchentag 2003, das Bibeljahr 2003 und ProChrist 2003 sind fest geplant. Es gibt bereits umfangreiches Vorbereitungsmaterial sowie Mitarbeiterschulungen. Aus den Prospekten und Konzeptheften zu den Veranstaltungen geht hervor, dass sich nahezu alle katholischen und evangelischen Kirchen sowie freikirchlichen Gruppierungen beteiligen werden (siehe hierzu beispielsweise das „Ideenheft” der Jahresgroßveranstaltung „2003 – Das Jahr der Bibel”). Für diejenigen, die sich an den Veranstaltungen nicht beteiligen oder sie gar kritisieren, wird es wohl bald schwer werden, dies zu begründen. Folgendes Zitat der ACK mag uns einen Vorgeschmack geben auf den zukünftigen Umgang mit „Querulanten”:

„Allerdings fällt es den freien Gemeinden und denjenigen Werken, die sich keinem Dachverband anschließen wollen, selbst als Aufgabe zu, durch eine angemessene Außendarstellung falsche Eindrücke zu vermeiden und unberechtigte ‘Sektenkritik’ abzuwehren. Diese Aufgabe wird immer dringlicher, da es gerade unter den vielen freien Werken und Gemeinden immer wieder auch Fehlentwicklungen gibt, die mit Recht als sektiererisch kritisiert werden.”

Was das im Klartext heißt, lesen wir unter anderem hier:

„Für die Gesellschaft stellt deshalb die Einbindung in ökumenische Verbände, Dachorganisationen und andere Zusammenschlüsse einen wichtigen praktischen Hinweis dar, dass man es mit einer partnerschaftlich eingestellten, seriösen Kirche oder Gemeinde zu tun hat”

Das heißt doch im Umkehrschluss, dass die Gemeinden, die keinem der ökumenischen Verbände angehören, nach dieser Definition keine „partnerschaftlich eingestellte, seriöse Kirche oder Gemeinde”, also Sekten im klassischen Sinne sind. Der Gemeinde des Verfassers liegt ein Fragebogen der EZW (Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen Berlin) vor. Erfragt werden neben detaillierten Auskünften über Einzelpersonen (Leitung) auch die Mitarbeit und Anbindung an die ACK, die DEA und bei den Ökumenischen Gruppen und Kirchen. Noch sind derartige Befragungen nicht zwingend zu beantworten. Was aber, wenn auch in Deutschland vereinzelte religiöse Gruppen „am Rad drehen” und aggressiv gegen eigene Anhänger oder ihre Umwelt vorgehen? Wird dann die Auskunft über Gemeindeinterna per Gesetz erzwungen?

Es könnte also eng werden für freie Gemeinden, die sich einer Einbindung in einen Dachverband verschließen oder die gar ökumenischen Großveranstaltungen ablehnend gegenüberstehen. Ich habe wenig Hoffnung, dass sich Gemeinden, die dem Bund der freien evangelischen Gemeinden (FEG) oder dem Bund evangelischer freikirchlicher Gemeinden (BEFG, Baptisten und „offene” Brüder) angeschlossen sind, noch wirklich warnen lassen. zu lange schon sind sie über die DEA und die ACK auf die ökumenische Linie eingeschworen worden. Ich habe den Eindruck, dass durch die von den Dachverbänden zugewiesenen Pastoren ohnehin die Eigenverantwortung der Einzelgemeinden stark reduziert wird und biblische Leitung durch Älteste sehr schwer sein dürfte. Mit einem wehen Herzen sehe ich aber die Entwicklung der ehemals „exklusiven” Brüder, die sich jetzt nach Beendigung ihres „Dornröschenschlafes” nach neuen Wegen und Gemeindestrukturen umsehen müssen. Dieses Unterfangen ist sicher kein leichtes. Mit alten Traditionen zu brechen und sich gleichzeitig um eine biblische Ausrichtung zu bemühen ist bestimmt ein kompliziertes und gefahrvolles Unternehmen. Leider ist aber teilweise schon jetzt eine Fehlentwicklung absehbar: die ziemlich unkritische Annährung an Gemeinden, die ProChrist maßgeblich vorantreiben. Gerade diesen Geschwistern, die auch einen Blick für Evangelisation hatten, sei deshalb diese Schrift ans Herz befohlen! Es gibt auch Evangelisation ohne ProChrist!

Die folgende Ausarbeitung gibt einige Einblicke in das Geschehen hinter den Kulissen. Die hier aufgeführten Argumente sollten nicht ohne wichtigen Grund ignoriert werden.


  3.  Eine biblische Warnung

Für einen geeigneten Einstieg in das Thema ProChrist zitiere ich aus dem Matthäusevangelium im 16. Kapitel in der Übersetzung nach Eugen Schlachter:

Und die Pharisäer und Sadduzäer traten herzu, versuchten ihn und baten, dass er ihnen ein Zeichen aus dem Himmel zeigen möchte. er aber antwortete und sprach zu ihnen: am Abend sagt ihr: es wird schön; denn der Himmel ist rot; und am morgen: heute kommt ein Ungewitter; denn der Himmel ist rot und trübe. ihr Heuchler, das aussehen des Himmels versteht ihr zu beurteilen, die Zeichen der Zeit aber nicht! das böse und ehebrecherische Geschlecht fordert ein Zeichen; aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden als nur das Zeichen des Propheten Jona. Und er verließ sie und ging davon (Mt. 16,1-4).


In der Beurteilung der Zeichen der Zeit hatten die Pharisäer und Sadduzäer kein intellektuelles Problem, sondern einen Herzensfehler: Sie wussten darum, dass zu ihrer Zeit der Messias kommen würde, wollten aber den, der dann kam, aufgrund ihrer Herzenshärtigkeit nicht annehmen. So verpassten sie die Chance ihres Lebens, Frieden für ihre Seelen zu finden und ihrem Heiland und Gott in der rechten Weise zu begegnen. Übertragen wir den Vorwurf Jesu auf die heutige Zeit, müssen auch wir uns fragen lassen, ob nicht in unserer Zeit ebenfalls Zeichen da sind, die uns sehr hellhörig machen müssen. Eines dieser Zeichen ist die zunehmende Globalisierung auf allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen. Zumindest dieser Umstand sollte uns zu Daniel und seinem vierten Tier bringen (Dan.7,7). Die meisten Ausleger sind sich darüber einig, dass es sich bei diesem letzten, endzeitlichen Tier um ein weltumspannendes Reich handeln würde. Und erst in den letzten 50 Jahren ist es aufgrund der technischen Errungenschaften wirklich möglich geworden, ein solches Reich aufzurichten.


  4.  Globale Überlegungen

Die Welt rückt zusammen – und das nicht erst seit gestern. Fernschreiber, Telegraphen, Stahlschiffe und Flugapparate machten es bereits Anfang des vergangenen Jahrhunderts möglich, Waren, Wissen und Militär in relativ kurzer Zeit an jeden beliebigen Ort der Erde zu transportieren. In vielen Zusammenhängen hören wir etwas vom „globalen Dorf”. Für Wirtschaft und Politik bedeutet das, dass strategische Entscheidungen immer im Zusammenhang mit den Rahmenbedingungen mindestens der Nachbarstaaten, häufig aber auch der gesamten Weltsituation geprüft und abgewogen werden müssen.

Hier aber zeigt sich – vielleicht auch wegen der gigantischen Ausmaße und der großen Vielschichtigkeit die Unfähigkeit des „normalen” Menschen, die Ereignisse und politischen Entscheidungen im eigenen Dorf, der Stadt oder dem eigenen Land – geschweige denn die Vorgänge in anderen Erdteilen – in diesem globaleren Zusammenhang zu erkennen und richtig einzuordnen. Politische Entscheidungen und gesellschaftliche Ereignisse werden – vor allem auch durch die Medien – meistens nur danach beurteilt, welche unmittelbaren Folgen sich daraus für uns als Einzelpersonen ergeben. Kann ich mir meinen zweiten Urlaub noch leisten? Bin ich von einer Lebensmittel-Verseuchung betroffen? …

Größere Zusammenhänge der Ursachen und der angestrebten Ziele werden kaum noch wahrgenommen, geschweige denn gründlich bedacht und diskutiert. Lokale Ereignisse sind aber häufig erst in diesem Globalisierungsgeschehen verstehbar und dürfen auch nicht aus diesem Zusammenhang herausgerissen werden, sollen sie noch einen Sinn ergeben. Es würde hier zu weit führen, die zum Teil tragischen politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Geschehnisse zu beleuchten. Dem politisch wachsamen Menschen werden jedoch seit Jahrzehnten Ungereimtheiten auffallen, die nur in einem größeren, weltumspannenden Zusammenhang einen Sinn ergeben. Und: es ist zu befürchten, dass Politiker aller Parteien, Wirtschaftsvorstände, Gewerkschaftsbosse und Religionsoberhäupter aus gutem Grund die wahren Ziele ihres Handelns verborgen halten.

In diesem Sinne muss auch eine Großveranstaltung wie ProChrist in ihrem globaleren Zusammenhang betrachtet werden. Wie bereits oben geschildert ist ProChrist als Prozess eingebettet in viele weitere Aktionen, die man in ihrer Gesamtheit getrost als Bewegung bezeichnen kann. Es scheint so, dass weltliche Vereinigungsbestrebungen parallel zu religiösen Einigungsbestrebungen laufen. Aber wohin? Wir wollen uns daher die Wurzeln der Veranstaltung, die Herkunft und Einbindung der verantwortlichen Personen und Organisationen sowie die Einbindung der Aktion in andere Veranstaltungen betrachten, um uns einen Sachstand zu erarbeiten, der uns zu einer fundierten Beurteilung von ProChrist und anderen Evangelisationsmaßnahmen verhelfen soll.


  5.  Inhaltliches: Evangelisation / Evangelium

Evangelisation ist in erster Linie die Verkündigung des Evangeliums. Gemeint ist die „Frohe Botschaft von der Versöhnung mit Gott durch Jesus Christus”. Wenn wir die Berechtigung einer Evangelisation überprüfen wollen, müssen wir zuerst die biblische Aussage über das Evangelium definieren, die Aussagen der Evangelisation ausarbeiten und beide Aussagen einander gegenüberstellen. Diesen Auftrag zur Prüfung finden wir unter anderem im 1. Thessalonicher 5,21, wo es heißt: „prüfet aber alles. Das Gute behaltet” Stimmen beide Aussagen überein, hat die Evangelisation prinzipiell ihre Berechtigung. Stimmen sie nicht überein, müssen wir am Wort Gottes prüfen, was es hierzu zu sagen hat.

Beginnen wir mit dem Letzteren. An dieser Stelle wird sich nämlich zeigen, ob eine solche Überprüfung überhaupt einen Sinn macht. Wenn es egal ist, wie das verkündete Evangelium beschaffen ist, brauchen wir ja den Aufwand nicht zu betreiben. Ist es dagegen nicht egal, haben wir die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen.

Mich wundert, dass ihr so schnell übergehet von dem, der euch durch Christi Gnade berufen hat, zu einem anderen Evangelium, so es doch kein anderes gibt; nur sind etliche da, die euch verwirren und das Evangelium Christi verdrehen wollen. Aber wenn auch wir oder ein Engel vom Himmel euch etwas anderes als Evangelium predigen würde außer dem, was wir euch verkündigt haben, der sei verflucht! Wie wir zuvor gesagt haben, so sage ich auch jetzt wiederum:

Wenn jemand euch etwas anderes als Evangelium predigt außer dem, das ihr empfangen habt, der sei verflucht! (Gal. 1,6-9)


Diese Worte sind recht klar und sagen erst einmal aus, dass es zu Zeiten der Urgemeinde bereits Menschen gegeben haben muss, die daran interessiert waren, die Kernaussagen der Bibel über die Errettung, also das Evangelium, in irgendeiner Weise zu verändern. Paulus ist in seiner Einschätzung deutlich: „Der sei verflucht!” Ganz offensichtlich hat Paulus ein ernsthaftes Problem mit der Verfälschung oder Verdrehung der biblischen Lehre von der Errettung durch Gott. Wie aber sieht es jetzt mit der „übrigen” Lehre aus? Sehen wir also noch ein bisschen weiter:

Wer darüber hinausgeht und nicht in der Lehre Christi bleibt, der hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt, der hat den Vater und den Sohn. wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, den nehmet nicht auf in euer Haus und grüßet ihn nicht! (2. Joh. 1,9-10)


Es scheint ganz offensichtlich ebenso wichtig zu sein, sich mit der richtigen Lehre auseinander zusetzen. Johannes ist dies so ernst, dass er den Christen sogar verbietet, Menschen mit einer anderen als der biblischen Lehre auch nur zu grüßen oder sie in ihr Haus aufzunehmen. Menschen, die sich zusammentun, um gemeinsam mit Menschen anderer christlicher Gruppen das Evangelium zu verkünden, müssen sich also gut darüber informieren, ob das, was sie da gemeinsam verkünden, auch dem biblischen Evangelium entspricht. Genauso wichtig aber scheint zu sein, dass der Partner auch außerhalb der Evangelisation biblische Lehre lehrt: „Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, den nehmt nicht auf in euer Haus und grüßt ihn nicht!” So ist es also wichtig, sich mit den Inhalten der Evangelisationsveranstaltung auseinander zusetzen. Ebenso muss man nach dem eben Gesehenen erkennen, dass die „übrigen” Lehrinhalte der beteiligten Gruppen nicht egal sein können und ebenfalls unter die Lupe genommen werden müssen. Es geht in dieser Untersuchung um die Evangelisationsveranstaltung „ProChrist”. Wir beginnen also damit, die Inhalte von ProChrist dem biblischen Evangelium gegenüber zu stellen.


  5.1  Die biblische Seite

Aus Ehrfurcht vor Gott und Seinem Wort wollen wir als Erstes sehen, was Gott uns durch die Apostel zum Thema Evangelisation zu sagen hat.

Unsere Situation:
Gibt es Menschen, die nicht von der Sünde betroffen sind und die für sich beanspruchen können, keine Vergebung ihrer Schuld vor Gott nötig zu haben?

Wie nun? Haben wir [d. h. die Juden gegenüber den Griechen bzw. Heiden] etwas voraus? Ganz und gar nichts! Denn wir haben ja vorhin sowohl Juden als Griechen beschuldigt, dass sie alle unter der Sünde sind. (Röm. 3,9)

Das ist unser Ausgangspunkt: Alle Menschen sind unter der Sünde und ermangeln der Herrlichkeit Gottes. Denn es ist kein Unterschied: Alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes (Röm. 3,23). Wenn alle Menschen gesündigt haben und der Herrlichkeit Gottes ermangeln, gibt es dann überhaupt jemanden, der nicht durch dieses Raster fällt? Was ist aber mit der Liebe, die Gott zu den Menschen hat? Liebt Gott die Menschen nicht mehr, weil sie in Sünde leben? Der Mensch ist doch nach Gottes Ebenbild geschaffen. Und deshalb muss Er die Menschen doch auch lieben – sie sind Sein Ebenbild!? Das jedenfalls ist eine weit verbreitete Ansicht vieler Christen.

Wenn wir aber genau hinsehen, erkennen wir, dass dies nur für die ersten Menschen Adam und Eva galt. Nachdem nämlich die beiden auf Anraten der Schlange gegen Gott und sein Gebot rebellierten, verloren sie ihre Gottebenbildlichkeit. Die Menschen, die danach geboren wurden, wurden Adams Ebenbild gleich (1. Mose 5,1-3) – nicht Gottes Ebenbild! Und Adam war nicht mehr Gottes Ebenbild, weil er durch die Sünde entstellt war! Sicher sind noch Spuren der ursprünglichen Schöpfung zu entdecken (wie z. B. die Fähigkeit zu lieben, zu denken, zu planen etc.) – aber Ebenbildlichkeit Gottes konnten nur Adam und Eva vor dem Sündenfall vorweisen.

Somit ist die Liebe Gottes nicht so zu verstehen, als liebte Gott die Menschen pauschal einfach deshalb, weil sie vielleicht liebenswert wären oder wegen ihrer angeblichen Gottebenbildlichkeit, sondern Er liebt sie als nicht liebenswürdige, verlorene Menschen, indem Er den Zorn, der ihnen gilt, auf sich selbst lud. Diese Liebe gilt allerdings nur denen, die auf diese unverdiente Gnade eingehen (siehe unten). Wie könnte Gott sonst die angeblich geliebten Menschen, die „Ebenbilder Gottes”, später einmal richten (Röm. 3,5.6)?

Das ist für uns deshalb wichtig zu wissen und zu bedenken, weil an dieser Stelle die tatsächliche Verlorenheit und Verdorbenheit aller Menschen zum Ausdruck kommt: Da ist seit dem Sündenfall nichts Gutes – das wird sich ja nicht mit Gottebenbildlichkeit vereinbaren lassen. Es lohnt sich, in Bezug auf den Gedanken unserer „Gottebenbildlichkeit” mit aufrichtigem Herzen Römer 3,9 bis 3,20 zu lesen. Man wird schon sehr viel „Mut” aufbringen müssen, den Gedanken an unsere Gottebenbildlichkeit noch weiter aufrecht erhalten zu können.

Weiter lesen wir:

...Wer aber dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm (Joh. 3,36b).


Seit dem Sündenfall liegt der Zorn Gottes auf jedem Menschen – da ist nichts Gutes; nichts, was Gott liebenswert finden könnte. Der Mensch ist seit dem Sündenfall zum Feind Gottes geworden (Römer 5,10) Das Evangelium beinhaltet also zunächst einmal einzig und allein die Botschaft: Du Mensch bist unrettbar verloren, wenn Gott sich nicht völlig unverdientermaßen und unerklärlich über dich erbarmt. Deine Sünde macht dich unheilbar krank und du bist auf ewig von Gott getrennt. Die Bibel spricht hier sehr deutlich von einer Hölle, einem Ort voller Qual (Matthäus 5,29; Lukas 12,5; Lukas 16,28; Offenbarung 14,11) für diejenigen, die die ausgestreckte Hand der Gnade Gottes ausschlagen.

Die Unfähigkeit, dem Anspruch Gottes zu genügen, war übrigens der Anlass für Jesus, die Bergpredigt zu halten. Es lohnt sich, die gerechten Forderungen und Ansprüche Gottes aus der Bergpredigt mit den Aussagen in Galater 3,10 (Verflucht ist, wer nicht bleibt in allem, was das Gesetz vorschreibt) zu vergleichen. Praktisch heißt das, dass wir alle unter dem Fluch sind. Wenn wir ehrlich mit unserem Leben umgingen, könnte niemand behaupten, alles, was das Gesetz vorschreibt, zu halten. Die meisten wissen wahrscheinlich nicht einmal, was das Gesetz alles vorschreibt.

Es ist daher auch gewagt, die Bergpredigt als durch uns erfüllbar oder auch als gesellschaftliches Reformprogramm darzustellen. Weil das so ist, und niemand die gerechten Forderungen erfüllen kann, geht es im Evangelium auch nicht um „erfülltes Leben”, um Sinngebung für ein verkorkstes Leben, nicht um eine bessere Beziehung zu Gott oder um die Heilung von irgendwelchen körperlichen oder seelischen Schäden. Es geht um die nackte Existenz. Um ewiges Leben und ewigen Tod nach dem körperlichen Tode.

Der biblisch begründete Glaube setzt somit ein Wissen um meine absolute Verlorenheit aufgrund meiner von mir nicht bezahlbaren Schuld voraus.

Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes (Joh. 3,18).


Gottes Antwort

Aber Gott selbst fand einen Weg zu uns: Er kam in Jesus Christus auf diese Erde und bezahlte, was niemand von uns bezahlen kann – und zwar mit Seinem eigenen Leben; Seinem Blut.

...und fast alles wird nach dem Gesetz mit Blut gereinigt, und ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung. so ist es also notwendig, dass die Abbilder der im Himmel befindlichen Dinge durch solches gereinigt werden, die himmlischen Dinge selbst aber durch bessere Opfer als diese. (Hebr. 9,22-23)

...dieser aber hat sich, nachdem er ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht hat, für immer zur Rechten Gottes gesetzt, und wartet hinfort, bis alle seine Feinde als Schemel seiner Füße hingelegt werden; denn mit einem einzigen Opfer hat er die, welche geheiligt werden, für immer vollendet. (Hebr. 10,12-14)


Das hat Jesus Christus getan – und damit ist auch ein für allemal klargestellt, dass nicht wir zu Gott kommen, sondern dass erst einmal Er zu uns kam. Die Bibel drückt das in einem oft falsch verstandenen und dazu auch falsch übersetzten Vers im Johannesevangelium so aus:

„Denn so (auf diese und keine andere Weise) hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.” (Joh. 3,16) Leider wird dieser Vers in einigen Bibeln übersetzt mit: „So sehr hat Gott die Welt geliebt …”. Es geht aber, wie wir gut in dem vom gleichen Verfasser geschriebenen Brief lesen können, nicht um die Intensität der Liebe Gottes, sondern um die Art und Weise, wie Er Seine Liebe der Welt erzeigt hat und es noch heute tut:

Darin besteht die Liebe, nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Sühnopfer für unsere Sünden (1. Joh. 4,10).


Der erste Schritt schaut also wie folgt aus: Nicht wir kommen zu Gott, sondern Er kam zu uns. Jetzt ist Er hier, um den Menschen sagen zu lassen, dass sie verloren sind, dass sie tot in ihren Sünden sind, dass sie das erkennen müssen und im rettenden Glauben das annehmen müssen, was Gott ihnen anbietet: Vergebung durch das einmal geschehene Opfer Jesu am Kreuz auf Golgatha. Jede Verkündigung, die das verschweigt oder es verfälscht darstellt, ist nicht das Evangelium der Bibel, sondern verkürztes oder verwässertes Evangelium; eben ein anderes Evangelium. Und nicht wir können etwas tun, um Gott in rechter Weise zu begegnen, sondern Gott tat etwas: Er sandte Seinen Sohn. Warum sandte Er ihn? Wir denken oft, dass wir eigentlich einen Anspruch auf Gottes Gnade hätten, und dass Jesus Christus in erster Linie unseretwegen gekommen sei. Nun will ich nicht die Liebe Jesu zu den Menschen schmälern, aber wir sollten uns nicht zu viel einbilden. Denn: Wenn Gott vergibt, vergibt Er erst einmal um Seines Namens willen. Der ist nämlich durch das Verhalten Seiner Geschöpfe in Gefahr, besudelt zu werden. Das wussten auch schon die Menschen im alten Bund, die schrieben:

Um deines Namens willen, o Herr, vergib meine Schuld; denn sie ist groß! (Ps. 25,11)

Hilf uns, du Gott unsres Heils, um der Ehre deines Namens willen, und rette uns und vergib uns unsre Sünden um deines Namens willen! (Ps. 79,9)

Du aber, o Herr, mein Herr, handle mit mir um deines Namens willen; denn deine Gnade ist gut; darum errette mich! (Ps. 109,21)

Um deines Namens willen, Herr, erhalte mich am Leben; durch deine Gerechtigkeit führe meine Seele aus der Not! (Ps. 143,11)

Wenn unsere Missetaten wider uns zeugen, so handle du, o Herr, um deines Namens willen; denn unserer Abtrünnigkeiten sind viele, an dir haben wir gesündigt (Jer. 14,7).

Verwirf uns nicht um deines Namens willen; schände nicht den Thron deiner Herrlichkeit; gedenke des Bundes, den du mit uns gemacht hast, und brich ihn nicht! (Jer. 14,21).


Den Israeliten war sehr wohl bewusst, dass Gott, wenn Er seinen Bund mit Israel brechen würde, bei Seinen Feinden in Spott geraten würde. Da sich die Israeliten aber mit ihrem Leben an Gott gebunden wussten, waren sie in erster Linie um Seinen Namen besorgt, denn Er war ja der, an dem ihr Leben hing. Ist uns dieser Zusammenhang eigentlich noch bewusst? Hängen wir so sehr an Gott, sind wir von Ihm abhängig, dass uns auch um unseres Lebens willen alles an Gottes Ehre liegt?

Aber zurück zum Angebot Gottes bezüglich unseres Heils. Es ist nicht nur ein Angebot – es ist das einzige Angebot. „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich”, sagt Jesus Christus im Johannesevangelium (Joh. 14,6) zu dem zweifelnden Thomas. Und damit auch zu uns. Auch das gehört zur Verkündigung des Evangeliums: Dass es keinen anderen Weg gibt und dass damit alle anderen Wege in die Irre führen!

Und es ist in keinem Andern das Heil; denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in welchem wir sollen gerettet werden! (Apg. 4,12).


Somit ist der Weg in den Himmel offen, weil Gott ihn geöffnet hat. Seit dem Sterben Jesu am Kreuz auf Golgatha ist die Forderung Gottes nach der gerechten Strafe erfüllt. Seither kann theoretisch jeder Mensch in den Himmel – in die verlorene Gemeinschaft mit Gott, zurückkehren.

  Der Weg zum Heil

Nachdem wir uns jetzt in den ersten beiden Schritten unsere Situation vor Augen geführt und Gottes Antwort dazu betrachtet haben, kommen wir zum letzten Schritt: Was muss der Mensch tun, damit er einen gnädigen Gott bekommt. Oder, anders ausgedrückt: wie kommt ein Mensch in den Himmel?

Die Ansätze für die Beantwortung dieser Frage mögen verschieden sein. Ich plädiere für die Kurzform:

...in ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eurer Rettung gehört habt, in ihm seid auch ihr, als ihr glaubtet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geiste der Verheißung (Eph. 1,13).


Drei Schritte:

1. Das Wort der Wahrheit, das Evangelium unserer Rettung, hören

2. Glauben

3. Versiegelt werden mit dem Heiligen Geist.
Das „Wort der Wahrheit” haben wir bereits in Punkt 1 und 2 beleuchtet und ich glaube, dass es an dieser Stelle keine Probleme im Verständnis geben wird. Dieses Wort der Wahrheit muss aber auch gehört werden können. Dazu muss man es klar und deutlich sagen! Ich komme später noch auf die Notwendigkeit der Vollständigkeit des Evangeliums zu sprechen. Was aber heißt „Glauben” im biblischen Sinne? Wir nehmen einfach die biblische Erklärung zu Hilfe:

Es ist aber der Glaube ein beharren auf dem, was man hofft, eine Überzeugung von Tatsachen, die man nicht sieht (Hebr. 11,1).


Diese Aussage verbinden wir mit dem oben Gesagten:

Wenn das so ist, dass mich meine Sünde von Gott trennt und ich eigentlich unrettbar verloren bin, dann bin ich von dieser Tatsache überzeugt!

Wenn das so ist, dass Jesus Christus meine Schuld vollkommen bezahlt hat, dann bin ich von dieser Tatsache überzeugt!

Wenn das so ist, dass meine Errettung nun einzig und allein davon abhängt, dass ich von dieser Tatsache überzeugt bin und ich es als Geschenk annehme, dann halte ich das für wahr. Ich tue Buße (kehre um zu Gott) und glaube, dass Gott mir in Christus vergeben hat.

Das würde ich als den Glauben bezeichnen, der die Voraussetzung für den dritten Schritt ist, nämlich: Die Versiegelung mit dem Heiligen Geist. Und damit auch die Verleihung der Gotteskindschaft; und mit dieser die Teilhabe am Himmlischen Reich, an der Fülle in Christus, an der Gemeinschaft mit den anderen Kindern Gottes und all den anderen Verheißungen für diejenigen, die Gemeinschaft mit Gott haben. Es gibt nichts weiter: Kein Werk, keine noch so gute Tat, keine Zugehörigkeit zu einer Gruppe darf mehr hinzukommen. Das nämlich würde den Ruhm Jesu antasten, der gesagt hat: „Es ist vollbracht.” Was wurde denn vollbracht?

Jesus spricht zu ihnen: meine Speise ist die, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe (Joh. 4,34).

Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist (Joh. 19,30).

" ...welcher, da er die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens ist und alle Dinge trägt mit dem Wort seiner Kraft, und nachdem er die Reinigung unserer Sünden durch sich selbst vollbracht, sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt hat (Hebr. 1,3).


Vielleicht noch ein Hinweis: eine Bekehrung geschieht, wenn sich Gott über einen Menschen erbarmt und ihm die Augen über das Evangelium öffnet und ihn zum Glauben befähigt! Es ist Gottes – niemals eines Menschen Werk!

Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat (Joh. 6,29).


Dennoch hat Gott den Seinen den Auftrag gegeben, die Menschen aufzufordern, zu Ihm umzukehren (Buße zu tun) und sie einzuladen, das Geschenk der Vergebung ihrer Schuld anzunehmen. Soweit also die biblischen Aussagen über den Stand des Menschen vor Gott, Gottes Angebot an den Menschen und Seine Aufforderung, das Angebot Gottes anzunehmen. Das allerdings muss alle drei o.g. Schritte beinhalten.



5.2  Die ProChrist-Seite (und Ulrich Parzany)

Sehen wir uns jetzt den Inhalt der ProChrist-Evangelisation an und prüfen, ob er sich mit dem biblischen Evangelium deckt: ProChrist 2003 ist bei Erstellung dieses Artikels erst in der Vorbereitungsphase. Daher stehen bisher auch wenige inhaltliche Aussagen zur Verfügung. Über der ProChrist-Veranstaltung 2000 in Bremen stand das Motto „Gott ist da”. Dies war auf vielen Plakaten in der Stadt zu lesen und natürlich auch die Hauptaussage der Einladungszettel und Programmhefte.

Wer nun gedacht hat, es gäbe einen Prospekt mit inhaltlichen Aussagen über die Glaubensinhalte, den Weg zum Glauben oder die Weiterführung im Glauben durch bibeltreue Gemeinden, der sah sich getäuscht. Lediglich in den Schulungsunterlagen finden sich Hinweise auf den Kern der evangelistischen Aussage. dies scheint auch die Vorgehensweise bei ProChrist 2003 zu sein. Das neue Motto „jeder Mensch ist Gott wichtig” ist wohl so attraktiv wie das von ProChrist 2000 auch, kann aber nicht als „Evangelium” bezeichnet werden. Auch Aussagen wie: „Menschen mit dem Glauben an Gott / Jesus Christus bekannt machen” etc. reichen hier nicht aus. Man muss also schon entweder die Seminarunterlagen bestellen, an den Seminaren teilnehmen oder eben die Veranstaltung selbst besuchen, um herauszufinden, was ProChrist denn zur Errettung von Menschen empfiehlt. Ich nahm an einem Vorbereitungsseminar und an zwei ProChrist-Veranstaltungen teil. Das Seminar selbst war rein organisatorischer Art. Inhaltliches, wie z. B. biblische Ausrichtung, Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden etc., spielte bei diesem Treffen keine Rolle.

Die Veranstaltungen waren durch ihr perfektes Ambiente und die professionelle Ausführung äußerst beeindruckend. Es gab im Vorfeld ein buntes Programm, bestehend aus Interviews, Gesang, einem Zeugnis und einer Pantomimevorführung. Daran anschließend hielt Ulrich Parzany eine Predigt, die in einen Aufruf zur Bekehrung mündete.

In den verschiedenen Beiträgen vor der Predigt war noch keine Struktur erkennbar. Das lag wohl an der Vielfalt der Programmpunkte und der Gesamtlautstärke sowie an der Faszination, die von dem perfekten Arrangement und dem professionell wirkenden Chor ausging. Die Predigt mündete in einen Aufruf, Buße zu tun und dies öffentlich dadurch zu bekunden, dass man vor die Rednerbühne treten sollte. In der Zwischenzeit wurden die anwesenden Christen aufgefordert, in kleinen Grüppchen für diejenigen zu beten, die vor einer „Entscheidung für Jesus” stünden. Untermalt wurde dieses, mehrere Minuten lang andauernde Szenarium mit Musik und immer wiederkehrenden, fast beschwörenden Aufrufen zum „Nach-vorne-kommen ” von Ulrich Parzany. Das Ganze erweckte den Eindruck einer gezielten seelischen Aufheizung und Massenbeschwörung.

Dieser Eindruck wurde noch dadurch verstärkt, dass in den ersten ca. fünf Minuten niemand nach vorne kam und auch über lange Zeit danach nur wenige Menschen vor der Bühne erschienen. Am Ende standen mindestens genauso viele Ordner vor der Bühne wie „Bekehrungswillige”. Dieser Eindruck des Versuches einer „seelischen Nötigung”, gepaart mit der Peinlichkeit so weniger „Bekehrungen” ist mir später von verschiedenen Besuchern – vor allem von Ungläubigen – bestätigt worden. Mein Verständnis von dem, was dort insgesamt vorgebracht wurde und zu was dort aufgefordert wurde, ist in hohem Maße geprägt und abhängig von meinem biblischen Vorwissen und meiner christlichen Vorprägung.

Ein „Uneingeweihter” hätte eigentlich kaum erkennen können, was dort von ihm erwartet wurde oder zu was er sich denn nun durch das „Nach-vorne-gehen” „bekennen ” sollte. Eine Frau sagte mir auf meine Nachfrage, sie hätte den Aufruf so verstanden, sie solle sich „in diese Gemeinschaft eingliedern”. Eine Bekehrung zu Gott würde sie ohnehin nur in der Stille tun. Schon allein wegen der verwirrend bunten Vielfalt der Beiträge und der permanenten Untermalung durch Musik sowie der ständigen Bekehrungsaufrufe durch den Redner war nüchternes Nachdenken und Abwägen der Botschaft kaum möglich. Ich wage zu bezweifeln, dass die biblische Botschaft – wenn sie denn kurz aufflackerte – von den Zuhörern, die nicht mit der Materie vertraut waren, hätte aufgenommen, geschweige denn verarbeitet werden können. Vielmehr befürchte ich, dass die Botschaft in der Fülle an Informationen und Eindrücken unterging.

Zu den ProChrist-Predigten von Ulrich Parzany aus dem Jahr 2000, die mir schriftlich vorliegen, ist Folgendes anzumerken:

Der zentrale Ansatzpunkt dieser Predigten ist nicht die Verdorbenheit und Verlorenheit der Menschen sowie die gerechten Forderungen eines heiligen Gottes, sondern die Bedürfnisse der Menschen:



Hier wird nach meinem Erachten der Schwerpunkt der Heilsbotschaft weg von der sündigen, gegen Gott rebellierenden Seele hin zu einer „gequälten und getriebenen Seele” (Predigt vom 20.03./Seite 4) verlagert. Eine rebellierende Seele erwartet ein gerechtes Gericht und kann aus diesem Grunde begnadigt werden. Eine „gequälte und getriebene Seele” aber kann man nicht richten. Sie bedarf der Hilfe und des Trostes. Sie wartet daher nicht auf Begnadigung, sondern auf Hilfe. Die Bibel aber ist in ihrer Einschätzung jedes Menschen anderer Meinung als Parzany: Der Mensch ist ein Feind Gottes (siehe dazu meine obigen Ausführungen über die Situation des Menschen). Das Evangelium Parzanys ist bedürfnisorientiert und weicht damit vom biblischen Evangelium mit seiner Gottes-Orientierung ab.

Einzig in seiner Predigt am 22.03.00 verweist Parzany auf die Notwendigkeit der Vergebung in und durch Jesus Christus. Allerdings ist dies genau die Predigt, in der Parzany unwidersprochen an zwei Stellen sehr deutlich auf den Katholizismus hinweist:

„In der Katholischen Kirche bedeutet kommunizieren zur Kommunion gehen, d. h. am Mahl des Herrn im Gottesdienst teilnehmen und dadurch mit Gott Gemeinschaft haben. Jesus Christus teilt sich selber durch Brot und Wein uns mit.”

Es kommt hier kein Hinweis darauf, dass die Katholiken beim Zelebrieren der Messe eben keine Gemeinschaft mit Gott haben, sondern einen gotteslästerlichen und heidnischen Brauch pflegen. Sie opfern Jesus Christus bei jeder Messe neu und das im klaren Widerspruch zur Bibel, die in Hebräer 7,27; Hebräer 9,28; Hebräer 10,12 u.v.m. ausdrücklich auf das ein für alle Mal geschehene Opfer Jesu verweist.

„Sie sagen: ‘Das ist zuviel verlangt. Ich bin kein Martin Luther King und keine Mutter Teresa.’” Warum wird hier nun Mutter Teresa als „Glaubens- Heldin” angeführt? Sie war als treue Katholikin der Überzeugung, dass jede Religion ihre jeweiligen Gläubigen retten würde. Warum nicht Jesus? Warum nicht Paulus? Warum nicht Petrus? Wir wissen über den wahren Glauben von Mutter Teresa sicherlich viel weniger als über den Glauben des Apostels Paulus. Ich möchte diese beiden Hinweise Parzanys nicht überbewerten, frage mich jedoch, was sie sollen. Sollen sie darauf hinweisen, dass die Kommunion schon in Ordnung und eine biblische Angelegenheit sei, und dass der Glaube von Mutter Teresa nicht nur ein legitimer, sondern sogar ein besonders vorbildlicher war?

Auch in dieser eben erwähnten Predigt Parzanys wird nicht gesagt, dass der Mensch gegen Gott rebelliert und daher eigentlich keinen Anspruch auf Gemeinschaft mit Gott hat. Es wird nicht erklärt, wie Buße und Umkehr sowie ein anschließendes biblisches Leben aussehen muss. Um in meiner Einschätzung der zentralen Lehre von der Erlangung des Heils von Seiten der ProChrist-Betreiber möglichst umfassend informiert zu sein, habe ich in den Grundsatzpapieren der Deutschen Evangelischen Allianz und der Lausanner Bewegung sowie bei Christival 2002 recherchiert. Da diese Gruppen hauptsächlich für die Ausrichtung der Veranstaltung verantwortlich bzw. mit ihnen verknüpft sind, werde ich die dort zu findenden Aussagen auch für ProChrist verbindlich annehmen.

Die an jenen Stellen gemachten Aussagen enthalten z. T. gute Ausarbeitungen über Gott den Vater, über Jesus Christus und Sein Erlösungswerk und die Notwendigkeit Seines Sterbens (z. B. „Bekenntnis der DEA vom 6. 4. 72”, Berlin). Allerdings, und das ist auffällig, hören alle diese guten Ausarbeitungen da auf, wo dem Suchenden erklärt werden müsste, was von seiner Seite konkret getan werden muss, um gerettet zu werden. Es ist viel die Rede von Buße, Neubeginn, Umkehr, Begegnung mit dem Auferstandenen u.a. Was das alles aber konkret heißt, wird offen gelassen.

Was also soll bzw. muss der Mensch tun, um sicher sein zu können, dass ihm vergeben ist? Was bedeuten „Bekehrung”, „Lebensübergabe”, „Neuanfang mit Jesus” oder ähnliche theoretische Begriffe? Übergebe ich mein Leben Jesus, wenn ich der Evangelischen Kirche beitrete, mich bei den Baptisten taufen lasse, bei den Pfingstlern die „Taufe im Heiligen Geist” empfange, die Sakramente einhalte oder wenn ich ein Inhaltliches Heilungswunder an mir geschehen lasse? Diese Frage ist bemerkenswert offen geblieben und es scheint, dass dies mit Absicht geschieht.

Auf diese Weise kann ja vielleicht der Mensch, der bei ProChrist „nach vorn gegangen ist”, dann ohne Gewissensbisse in eine katholische Kirche, eine Pfingstgemeinde, den Marburger Kreis oder sonst irgendeine Kirche oder „christliche” Gruppierung vermittelt werden. Dort definiert dann jede Richtung selbst, was sie für heilsnotwendig hält. Die Redner bei ProChrist müssen keine schlaflosen Nächte haben, haben sie doch deutlich gesagt, dass es Heil nur in Christus gibt. Nur was das konkret bedeutet haben sie verschwiegen und damit die Suchenden evtl. in die Wüste geschickt.

Ich zitiere hier zur Veranschaulichung aus der Schrift „Jesus zuerst – Hören und Beten – Das Gebetskonzert zum Christival 2002”, einer Veranstaltung, die eng mit ProChrist verbunden ist:

„Gott kommt in Jesus zu uns.

Jesus ist der vollkommene Ausdruck dieser Bewegung Gottes. Er ist der Sohn Gottes, das heißt, er ist das vollkommene Bild des Vaters. Jesus ist der Repräsentant Gottes. Er stellt Gottes Wesen ohne Einschränkung dar. Wenn wir auf Jesus schauen, tun wir einen Blick in das Herz des Vaters.

Wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat. (Johannes 12,45)

Sein Kommen ist Ausdruck seiner Liebe:

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzi­gen Sohn sandte. (Johannes 3,16)

Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst. (2. Korinther 5,19)

Er hielt es nicht wie etwas Geraubtes fest, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde den Menschen gleich. (Philipper 2,6f)

Der Weg von Jesus führt bis hin zum Sterben am Kreuz. Hier findet die Bewegung Gottes ihren Zielpunkt. (Philipper 2,8)

Soweit ist Gott bereit, uns entgegen zu kommen. Jetzt lädt er uns ein, uns auf den Weg zu ihm zu begeben. Wer sich von Gottes Liebe anstecken lässt, kommt in Bewegung.

Er kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht auf; wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er die Vollmacht, Gottes Kinder zu sein. Das sind die, die an seinen Namen glauben. (Johannes 1,11-12)

Auf dem Weg mit Jesus – als seine Jünger.

Die Menschen, die sich von Jesus rufen ließen, wurden folgerichtig zu seinen Jüngern. Das griechische Wort für ‘Jünger’ hängt mit dem Wort für ‘lernen’ zusammen. Genau das macht einen Jünger aus: er ist einer, der von Jesus lernt, auf ihn hört und das Gehörte und gelernte in die Tat umsetzt. So gehört ‘hören’ unabdingbar zur Nachfolge von Jesus.

Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir! (Matthäus 11,29)

Wenn ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr in Wahrheit meine Jünger! (Johannes 8,31)

In der Christival-Gebetsbewegung wollen wir diesen wesentlichen Aspekt des Jüngerseins aufnehmen. Deshalb haben wir ein ‘Gebetskonzert’ unter diesem Motto entwickelt: Hören und Beten. Das ist der Sinn des Gebetskonzerts: Hier sollen Freiräume geschaffen werden, in denen wir als Einzelne und auch gemeinsam auf Jesus hören können.”


Es gibt einen erstaunlich schnellen Sprung von dem, was Gott uns anbietet hin zur Jüngerschaft. Hier wird offensichtlich jemand „Christ”, wenn er „sich von Gottes Liebe anstecken lässt”, „sich von Gott rufen lässt”. Unter diesem Aspekt ist eine interessante Frage die, wie denn die Bekehrungen nach ProChrist ausgesehen haben und was damit im Einzelnen gemeint war. Was heißt „sich von der Liebe Gottes anstecken lassen” in der Katholischen Kirche? Das gleiche wie bei den Baptisten oder bei den Pfingstlern?

Es scheint nach allem, was ich erfahren konnte, ein verkürztes Evangelium zu sein, das bei ProChrist (und allen anderen Veranstaltungen dieser Verbände und Kirchen) verkündigt wird. Auch wenn hier der evtl. Einwand erhoben wird, Parzany hätte deutlich das Evangelium gesagt und zur Umkehr aufgerufen, muss gesagt werden, dass dies in den Veranstaltungen von den übrigen Darbietungen vollkommen überlagert worden ist und bei Nichtgläubigen nur in Ausnahmefällen, wenn überhaupt, vernommen worden sein kann. Damit ist noch nichts darüber gesagt, dass sie es, wenn sie es denn hörten, in diesem Rahmen auch annehmen und darauf richtig reagieren konnten. So lag die eigentliche „Bekehrungsarbeit” bei den Ordnern und Seelsorgern, die, wie wir wissen, aus allen möglichen christlichen Hintergründen kamen.

Es eröffnet sich somit sowohl der Katholischen als auch der Evangelischen Kirche die Möglichkeit, sich an ProChrist zu beteiligen. Vor allem von der Katholischen Kirche (vielleicht nicht so sehr in Bremen, aber an vielen anderen Orten) wird diese Chance genutzt, Orientierung Suchende, geistlich Erweckte in ihre Kirche einzugliedern. Denn für die Katholische Kirche heißt Evangelisation immer „in die Kirche hinein zu evangelisieren”. Für die Katholische Kirche ist jemand, der sich nicht in die Katholische Kirche hineinbekehrt, nicht wirklich bekehrt (Florentiner Konzil, D1351; Vatikanum II, Rahner/Vorgrimmler S. 139). Das sollten Ulrich Parzany und seine Mitarbeiter eigentlich wissen. Haben sie nicht die Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils und die Enzykliken „Ut unum sint” und „Dominus Iesus” gelesen? Das wäre fatal. Es ist eben nicht so, wie in dem Heft „Was ist dran – auf was kommt’s an?” der DEA als Antwort auf die Kritik an ihrer Ökumenepolitik behauptet wird:

„Aber wir dürfen uns meines Erachtens nicht erfahrungsorientiert durch Altlasten hindern lassen, neue Gemeinsamkeiten zu entdecken und gemeinsame Wegstrecken zurückzulegen. Wer sich zu Jesus bekennt, gehört zu uns und wir zu ihm.”


Es geht in der Beurteilung, ob jemand Christ ist, nicht um ein „Bekenntnis zu Jesus”, sondern um eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus.

Dann geht es auch nicht um „Altlasten”! Die 135 Flüche von Trient (Artikel des Konzils zu Trient, in denen die Katholische Kirche diejenigen mit dem Bann belegt, die z. B. behaupten, der Glaube an Jesus Christus allein rechtfertige den Sünder vor Gott, Canones Inhaltliches: Evangelisation / Evangelium 11-20) sind nicht widerrufen! Und nach den aktuellsten Äußerungen des „Heiligen Stuhls” gibt es auch keine „neuen Gemeinsamkeiten” (siehe „Dominus Iesus ”). Alles ist – zumindest bei den Katholiken – beim Alten: Außerhalb der Katholischen Kirche gibt es kein Heil!

Abschließend zu diesem Thema hier noch ein Auszug aus einer Ansprache von Tom Forrest vor einer katholischen Zuhörerschaft bei einer Einheitskonferenz von katholischen und protestantischen Charismatikern (Quelle: „Die okkulte Invasion” von Dave Hunt, S.549, 550):

„Unsere Rolle bei der Evangelisation besteht nicht allein darin, Christen zu machen … (sondern) sie in die katholische Kirche zu bringen… Nun hört noch einmal die Worte [Papst] Pauls VI. … ‘Das Bekenntnis eines Neubekehrten … muss eine konkrete Form annehmen durch den Eintritt … in die Kirche, unserem sichtbaren Sakrament der Erlösung. Ich’ sage diese Worte so gern, … ‘Unser sichtbares Sakrament der Erlösung!’ … und wenn die Kirche das ist, müssen wir in die Kirche hinein evangelisieren! … Nein, ihr ladet die Menschen nicht nur dazu ein, Christen zu werden, ihr ladet sie ein, Katholiken zu werden … Warum ist das so wichtig? Erstens gibt es sieben Sakramente, und die Katholische Kirche hat alle sieben …”


Tom Forrest ist nicht irgendjemand, sondern der Vorsitzende der „Neu-Evangelisation” des Vatikan. Die Zielrichtung der Rede (katholische und protestantische Charismatiker) macht einmal mehr die Brückenfunktion der Pfingst- und Charismatischen Bewegung zwischen Katholiken und Protestanten deutlich. Ich werde an dieser Stelle nicht die Lehren der Katholischen Kirche beleuchten und verweise auf Autoren wie Dave Hunt, Wolfgang Bühne, Gregor Dalliard u.a., die sich sehr ausführlich mit dem Thema Katholizismus beschäftigt haben. Lesenswert sind hier auch die Originalschriften der Katholischen Kirche.

Um diesen Abschnitt abzurunden weise ich darauf hin, wie viele Kirchen bereits in den ProChrist-Prozess eingebunden sind: neben der römisch-katholischen und der altkatholischen sowie der orthodoxen Kirche mit ihrer Sakramentenlehre und dem Anbeten der angeblichen Himmelskönigin Maria auch die Evangelische Kirche mit ihrer Tauf-Wiedergeburtslehre sowie die Pfingst- und Charismatische Bewegung mit ihrer Lehre von der „zweiten” Geistestaufe. Auch deren Lehren weisen gravierende Fragezeichen auf – und zwar handelt es sich nicht um Randfragen, sondern um die zentrale Frage nach der Erlangung des Heils. Das aber ist nicht zu vereinbaren mit der Forderung Gottes, „keine Gemeinschaft zu haben mit denjenigen, die eine andere Lehre haben”.

Wer darüber hinausgeht und nicht in der Lehre Christi bleibt, der hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt, der hat den Vater und den Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, den nehmet nicht auf in euer Haus und grüßet ihn nicht! (2. Joh. 1,9).


Es muss auch noch einmal deutlich darauf hingewiesen werden, dass es nicht nur um die Katholische Kirche geht, die kritisch zu beäugen ist. Auch die Evangelische Kirche ist weitgehend „Tote Kirche” und damit eigentlich kein Evangelisationspartner. Einige wenige regionale Ausnahmen heben nicht das Gesamtbild auf!

Wir haben den ersten Schritt getan und festgestellt, dass ProChrist gefährlich nahe an ein anderes Evangelium herankommt. Durch das Fehlen eines wichtigen Teiles des biblischen Evangeliums wird Irrlehrern die Möglichkeit gegeben, diesen fehlenden Teil mit ihrem falschen Evangelium zu füllen.

Dadurch kann es dann allerdings durch „Zusätze” zu einem „anderen Evangelium” werden! Selbst da, wo das biblische Evangelium gesagt wird, erscheint es wie nebensächlich. Es wird erdrückt und überlagert von dem „Hauptprogramm”, den Show-Einlagen u. Ä. und kommt daher nicht da an, wo es ankommen müsste: im Herzen der Ungläubigen.

Des Weiteren haben wichtige Teilnehmerkirchen und beteiligte Gemeindeverbände teilweise eine andere Lehre als die biblische. Allein aus diesen beiden Gründen muss von der Teilnahme an ProChrist dringend abgeraten werden. Die Bibel ist da deutlich: Nicht mit Ungläubigen, nicht mit einem falschen oder verkürzten Evangelium und nicht mit Menschen, die andere als die biblische Lehre bringen! Denkbar – wenn auch nicht ratsam – ist höchstens, einen suchenden Menschen mit dorthin zu nehmen und dann sicherzustellen, dass diesem danach der richtige Weg zum Heil gewiesen wird. Aber das ist zu unterscheiden von einer aktiven Teilnahme an ProChrist und vielleicht auch gar nicht nötig. Können wir die Menschen nicht mehr in einem „normalen” Rahmen mit dem Evangelium erreichen? Brauchen wir Star- Redner, Politiker, Pantomime und Fußball-Stars?


  6.  Einige Hintergründe der Organisatoren

Als Nächstes wollen wir uns über die Hintergründe von ProChrist Gedanken machen. ProChrist ist keine spontane Initiative gläubiger Christen, die ihrem evangelistischen Auftrag in effektiver Weise nachkommen wollen, sondern eingebettet in einem bereits seit Jahrzehnten laufenden Prozess. Als Hauptinitiatoren der Bewegung gelten der bekannte Evangelist Billy Graham, die Deutsche Evangelische Allianz (DEA), der momentane Hauptredner Ulrich Parzany und mit ihm der CVJM, dem Parzany in Deutschland vorsteht. Diese vier Personen bzw. Organisationen wollen wir nun näher betrachten. Eine Beachtung der Wurzeln und Hintergründe der treibenden Kräfte hinter den Veranstaltungen halte ich aus biblischen Erwägungen heraus für notwendig. Wir wissen, dass ein fauler Baum keine guten Früchte tragen kann:

Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. darum sollt ihr sie an ihren Früchten erkennen (Mt. 7,18-20).


    6.1  Eine Einschätzung des ersten Redners bei ProChrist: Billy Graham

Billy Graham hat mit seiner Liebe zu Jesus Christus und seiner packenden Art, das Evangelium zu verkünden, sicherlich Tausende Menschen erreicht. Viel ist über ihn geschrieben worden. Dabei ist er gerade in den letzten Jahren häufig angegriffen worden. Einer der Kritikpunkte betrifft sein Engagement für die Versöhnung mit den anderen Religionen. Es geht darum, dass Billy Graham einen Preis empfangen hat, der für Verdienste um die Aussöhnung der Religionen unter einander verliehen wird.

Als Empfänger des „Templeton Prizes for the Progress in Religion”, des mit 1,3 Mio. US-Dollar dotierten Preises für den Dialog der Religionen, wird sich Graham sicherlich den Zielen dieser Stiftung nicht verschlossen haben und wird dies vermutlich nach dieser Auszeichnung auch nicht tun. Hunt schreibt zu dem Stifter des Preises in seinem Buch „Die okkulte Invasion” (S. 103): „Templeton [der Stifter dieses Preises] ist Evolutionist, Pantheist, Universalist und Okkultist, der den Gott der Bibel und Christus als einzigen Erretter ablehnt …”. Welche Beweggründe werden wohl vorgelegen haben, ausgerechnet Billy Graham, dessen Evangelium heißen müsste: „Ich (Jesus Christus) bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich!” diesen Preis zu verleihen? Der Templeton-Preis wird ja gerade verliehen für die Verdienste um die Verständigung und Aussöhnung der Religionen, die alle den einen Weg über den Sohn zum Vater ablehnen und daher als antichristlich einzustufen sind.


    6.2  Die evangelische Allianz als Motor der Ökumene

Ein Zitat aus einer lesenswerten Schrift von Wolfgang Nestvogel macht das Problem der Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche deutlich. Die DEA fördert diese Zusammenarbeit und hält sie für gut und richtig. Gleiches gilt auch für Parzany, die Lausanner Bewegung und andere Bewegungen:

Dr. Nestvogel führt Folgendes an:

Wie können wir aber etwa mit römisch-katholischen Priestern gemeinsam evangelisieren, die durch ihre Priesterweihe auf die offiziellen Dokumente ihrer Kirche verpflichtet sind, in denen ein „anderes Evangelium” gelehrt wird? Wie können wir nach der Evangelisation Menschen in römischkatholische Gemeinden schicken, die einer unbiblischen Rechtfertigungslehre verpflichtet sind?

Wer dies aus pragmatischen Gründen für verantwortbar hält, macht gemeinsame Sache mit einer Institution, die in ihren Bekenntnissen gravierende Irrlehren vertritt. Er nimmt sehenden Auges in Kauf, wie „neugeborene Christen” einer falschen Ernährung ausgesetzt werden. In einem Plädoyer der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) für die „evangelistische Koalition” heißt es sogar, dass auch „ein Hauskreis katholischer Christen ein ausgezeichneter Raum für das geistliche Wachstum sein könne” (Evangelische Allianz intern, 2/1999, S. 10, zitiert aus: „ProChrist 2000 – Der Weg geht weiter”, Wolfgang Nestvogel – Internetpublikation unter http://www.bibelbund.christen.net/htm/ 2000-1-034.htm).


Die Deutsche Evangelische Allianz mit den fast 120 Werken, Verbänden und Einrichtungen, die ihr angeschlossen sind oder die mit ihr zusammenarbeiten (Evangelische Allianz online – „Wer zu uns gehört/Mit uns verbundene Werke”), bindet fast das gesamte evangelische/evangelikale Spektrum in Deutschland in ihre Ziele und Aktivitäten ein. Hierdurch bekommen die oben beschriebenen ökumenischen Bestrebungen der Allianz eine unglaubliche Dynamik. Und unter diesem Gesichtspunkt muss man sich fragen, ob ProChrist wirklich eine aus diesem Zusammenhang herauslösbare Einzelveranstaltung ist, an der man unkritisch teilnehmen kann.


  6.3  Ulrich Parzany und der CVJM

Ulrich Parzany hat ausdrücklich betont, er stehe „für die Arbeit nur zur Verfügung, wenn sich grundsätzlich Christen aller Konfessionen beteiligen können” (idea 138/97, Anhang A). Warum? Es ist eigentlich logisch: Wenn das Evangelium so weit gestutzt ist, dass alle nominellen Christen damit leben können, muss man sich auch gegenseitig als Christen anerkennen. Wir haben bereits gesehen, dass das von Parzany verkündete Evangelium ein „verkürztes Evangelium” ist. Und dann macht es auch Sinn, gemeinsam das zu verkündigen, worauf man sich gemeinsam geeinigt hat und was man für das Evangelium hält. Auf diese Weise ist eine Einheit erreichbar, die in einer lehrmäßigen Auseinandersetzung nicht denkbar und erreichbar wäre.

Diese Einheit aber ist gewollt, um eine europa- oder gar weltweite einheitliche christliche Ethik zu schaffen. Dies passt nahtlos in das biblische Bild einer weltweiten Einheitsreligion. In Offenbarung 17 und 18 wird dieses Gebilde die „Hure Babylon” genannt. Die religiöse Hure Babylon sitzt auf dem politischen Tier und lenkt es offenbar. Die babylonische Hure „Weltkirche” und das Tier „Weltstaat” sind im Entstehen, und an ihrer Schöpfung scheint Ulrich Parzany – vielleicht unbewusst – mitzuwirken. Feststellen lässt sich das vor allem an seinem unermüdlichen Werben für ökumenische Veranstaltungen wie „2003 – Jahr der Bibel”, „Christival 2002” u.a.m.

In diesen Großveranstaltungen sitzt Ulrich Parzany neben DEA Generalsekretär, Hartmut Steeb, dem Generalsekretär des Bibellesebundes, Reinhold Frey, dem Generalsekretär des Gnadauer Verbandes, Theo Schneider und anderen freikirchlichen Werks- oder Gemeindeoberhäuptern friedlich neben den Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz (Katholiken) und den Oberkirchenräten der evangelischen Kirche. Aber nicht zu einem Plauderstündchen, sondern als Mitglieder in den verschiedenen Vorständen der einzelnen ökumenischen Veranstaltungen.

Fazit:

Die Untersuchung der maßgeblichen Personen und Organisationen hat ergeben, dass diese offensichtlich nicht in der Lage sind, den rettenden Glauben von religiöser Frömmigkeit zu unterscheiden. Ansonsten könnten sie nicht auf die Idee kommen, Katholiken pauschal als Christen zu bezeichnen und mit ihnen gemeinsam Evangelisationsveranstaltungen zu betreiben.


  7.  Verzahnung oder: Welches Rad treibt welches an?

An verschiedenen Stellen habe ich bereits darauf hingewiesen, dass ProChrist eingebettet ist in einen Prozess, der, wie Thomas Jeising in seiner Schrift „Warum die Diskussion über ProChrist bisher nur an der Oberfläche kratzt” richtig bemerkt, nicht von ProChrist selbst initiiert worden ist. Wer aber hat ihn initiiert und wer ist mit welchem Einfluss an der Bewegung beteiligt einer Bewegung, die es zweifelsfrei gibt?

  Die Zielrichtung der Bewegung

Im folgenden Punkt möchte ich ein Problem beleuchten, das in seiner Tragweite noch viel schwerer wiegt als ein verwässertes oder verkürztes Evangelium, schwerer auch als die Wurzeln der Organisation oder die Herkunft der Organisatoren. Dies alles spielt mit in diesen Punkt hinein, wäre aber nicht so problematisch, wenn es sich um Einzelerscheinungen handeln würde. Es ist hier die Rede von Anspruch und Wirklichkeit und der unter dem Deckmantel „Evangelisation” verborgenen wirklichen Stoßrichtung: nämlich die Ökumene und die vorauslaufende Vernetzung verschiedener Veranstaltungen, Kongresse und Bewegungen.

Dies ist deshalb so schwer zu enttarnen, weil es schleichend geschieht. Während beispielsweise Ulrich Parzany bei ProChrist noch ein halbwegs biblisches Evangelium bringt und an einigen Stellen sogar davon spricht, die Taufe allein oder die Mitgliedschaft bei den Katholiken bringe nicht in den Himmel, bezeichnet er in anderen Veranstaltungen sowohl die Katholiken als auch die Protestanten pauschal als Christen, mit denen man sich zu Evangelisationszwecken zusammentun müsse. Weiß er nicht, was er tut oder tut er das mit Bedacht? Kann er beides gleichzeitig behaupten? Eines muss doch falsch sein! Will er mit ProChrist evangelisieren oder will er vielleicht etwas ganz anderes? Ein Christ, der bei ProChrist mitgewirkt hat, kann sich doch jetzt schlecht der Mitwirkung 2003 - Das Jahr der Bibel entziehen!? Ist das vielleicht der Grund?

ProChrist ist dem eigenen Anspruch nach eine Evangelisationsveranstaltung. Allerdings sind nur vier Prozent derjenigen, die „nach vorne gekommen sind”, in einer Gemeinde sesshaft geworden. Wie viele von ihnen sind in Kirchen und Gruppen vermittelt worden, in denen sie wahrscheinlich niemals mit dem rettenden Evangelium bekannt gemacht werden? Hier stellt sich doch die Frage, ob es sich bei ProChrist wirklich um eine Evangelisationsveranstaltung handelt. Wenn nicht, um was dann?

Wer ist also die wirkliche Zielgruppe und was soll erreicht werden? Wir müssen zur Beantwortung dieser Frage auch den größeren Rahmen beachten, in den ProChrist eingebunden ist. Im Normalfall benötigt ein Christ für sein geistliches Wachstum einen Raum, in dem er zur Ruhe kommen kann und in dem er in der Stille – gemeinsam mit Geschwistern seinen Gott anbeten und Ihm in Seinem Wort begegnen kann. Bisher haben die „Gottesdienste ” diesen „Raum” geboten. Hier wurde der Gläubige still und wurde durch ein geeignetes, ruhiges Rahmenprogramm innerlich zur Anbetung und zur Predigt hingeführt. Vergessen wir dabei bitte nicht, dass wir Gott nur in der inneren Stille hören können. Das Gleiche gilt auch für die biblische Unterweisung durch Gottes Wort – gewöhnlich in Bibelstunden und Hauskreisen – und gemeinsames Gebet in Gebetskreisen. Hierbei waren bisher die Betrachtung der Person Jesu und die Verwandlung in Sein Ebenbild, Danksagung, Lobpreis und Fürbitte die Beweggründe dieser Treffen.

Seitdem aber der Alpha-Kurs, das Willow-Creek-Konzept und die Veranstalter der Großevangelisationen den Gläubigen einreden, sie müssten ihre Gottesdienste für Ungläubige öffnen und so gestalten, dass diese sich in den Gemeindeveranstaltungen auch „wohl fühlen”, drängen neue Gottesdienst- und Hauskreis- / Bibelstundenmodelle die althergebrachten Vorstellungen von einem „Raum für die Gläubigen” mehr und mehr zurück. Die Gottesdienste werden zu Evangelisationsveranstaltungen umfunktioniert, und nun hat sich alles diesem einen Ziel, der Erreichung des „Unchurched Harry”, des „Kirchenfremden Menschen ”, zu unterwerfen. Es werden Modelle entworfen, wie der „Mann von der Straße” aussieht oder auszusehen hat und wie der Gottesdienst so passend wie möglich auf die Bedürfnisse und Erwartungen des so ermittelten Menschentyps gestaltet werden kann. Die Gemeindeveranstaltungen, ursprünglich gedacht zur Anbetung Gottes durch die Gläubigen und zur Unterweisung der Gläubigen durch Gott in der Stille, werden abgeschafft. Es entstehen „Event- und Happening-Gottesdienste”. Das aber hat weitreichende Folgen!

Verzahnung oder: Welches Rad treibt welches an? Eine wesentliche Folge ist die Verkümmerung des echten, tiefen Glaubenslebens der Gläubigen. Sie bekommen keine ausreichende Nahrung mehr und werden „abgespeist” mit „Milchbrei”. Denn etwas anderes kann man den Ungläubigen ja nicht bieten, will man sie nicht verschrecken. Eine weitere, nicht unwichtige Folge ist das Fehlen echter Anbetung. Eine halbe Stunde „Halleluja-Singen ” kann ja schlecht als wirkliche Anbetung und Fürbitte bezeichnet werden. Auch die so genannten Gebetsgruppen inmitten einer großen Menge mit wildfremden Menschen, unterlegt mit sanfter Musik, erzeugen in vielen Fällen weniger aufrichtige Gebete als vielmehr den Drang, „jetzt das Richtige zu sagen, um nicht dumm dazustehen”.

Weiter kann in fast allen Gemeinden ein Einbruch in die Liederwelt beobachtet werden. Nicht nur dass jetzt Schlagzeug und E-Gitarre notwendig geworden sind. Auch die Texte zeugen nicht unbedingt von geistlichem Tiefgang und sind zum Teil in erschreckendem Maße von charismatischem Gedankengut durchsetzt. Allen Gemeindeleitern, Ältesten und sonstigen Verantwortlichen sei eine kritische Überprüfung ihres Liedgutes dringend anbefohlen! Über diese Lieder kommt das Gedankengut dann als Quasi-Lehre in die Gemeinden.

Über Lied-Texte sind nicht nur die Hippies in den Sechzigern und Siebzigern „verdorben” worden; die immer wieder gesungenen Irrlehren in den Lied-Texten bringen auch in den Gemeinden eine größere Wirkung auf das Denken der Menschen hervor als jede Predigt.

Und dann mögen wir ja alle so gerne feiern. Die „Spaßgesellschaft” hat auch die Gemeinden erreicht. Glaubensleben muss jetzt Happiness und händeklatschen, vielleicht sogar tanzen und schunkeln sein. Vor allem unsere Jugend „fährt voll darauf ab”. Aber Glaubensleben ist etwas völlig anderes! Glaubensleben ist Sterben! Sterben des alten Menschen mit seinem Bedürfnis nach Wohl-Fühlen, nach Tand und Flitter, eben nach dem so genannten „Glück dieser Welt”! Wie soll das in den jetzt entstehenden Gottesdiensten denn noch vermittelt werden? Ein „zerbrochenes Herz, das Gott nicht verachten wird”, entsteht nicht durch seelisches Aufheizen bei rhythmischem Halleluja-Gesang! Es entsteht in der Stille, wenn Gott zu mir reden kann und ich mich im Spiegel Gottes und Seines Wortes als erlösungsbedürftig erkennen kann.

Dies alles wird – ich unterstelle einmal guten Willen – nicht das Ziel der Willow-Creek-Bewegung oder von ProChrist etc. sein. Es ist aber leider eine Folge.

Eine weitere Folge ist das kontinuierliche Zusammenwachsen von Gläubigen mit Ungläubigen. Wie oben beschrieben, ist dies aber auch das erklärte Ziel der Veranstalter. Nicht dass sie das so ausdrücken würden aber die Tatsache, dass der überwiegende Teil beider Landeskirchen aus Ungläubigen besteht, lässt sich nun einmal nicht leugnen. Und, was viel schwerer wiegt: Die offizielle Lehrmeinung beider Großkirchen zur Frage der Errettung ist nur dazu geeignet, Menschen in ihrem Unglauben verharren zu lassen. Da evangelikale Christen eine Gemeinsamkeit der beiden Glaubensauffassungen auf der Lehrebene niemals bejahen würden, müssen eben andere Wege gefunden werden, um eine Einheit zu erreichen. Die Wege sind:

Verzahnung oder: Welches Rad treibt welches an? Umfunktionierung der Gottesdienste und Bibelstunden. Damit wird den Gläubigen das Wasser der gesunden Lehre abgegraben. Sie werden in ihrem Glaubensleben und ihrer Widerstandskraft gegenüber Irrlehren erheblich geschwächt. Statt biblischer Kost gibt es Zuckerwasser und Papp-Brötchen, verpackt in schicke bunte Feierstündchen mit Händeklatschen und tollen Rednern. So werden sie umgarnt mit dem an sich doch biblischen Gebot der Evangelisierung der Menschen und merken nicht, dass sie längst mit den „Ungläubigen an einem Joch ziehen” (2. Korinther 6,14) und dabei nicht wirklich evangelisieren.

  Die Sache mit den Transmissionsriemen

Vielleicht ist dem einen oder anderen noch das alte Prinzip der Übertragung von Energie durch Transmissionsriemen bekannt. Der Vater eines Schulfreundes von mir hatte eine Tischlerei, in der es nur einen Motor, aber viele verschiedene Maschinen gab. Der Motor trieb eine Welle an. Auf dieser Welle befanden sich mehrere breite Lederriemen, die mit den Maschinen verbunden waren. Durch Straffen oder Lösen der Riemen konnte man nun je nach Bedarf eine Maschine an der Energie teilhaben lassen, die der Motor spendete. Die Maschine konnte so ihr Werk verrichten. Niemand wäre aber auf die Idee gekommen, die Maschine würde aus eigenem Antrieb zu laufen beginnen.

Ähnliches gibt es prinzipiell überall – so z. B. auch beim Sozialamt: Das Geld, das der Sachbearbeiter dort für (hoffentlich in den meisten Fällen) gute Zwecke ausgibt, wird vom Staat an vielen verschiedenen Stellen durch Steuern und Abgaben „eingesammelt”. Die Gesetze, die er anwendet, sind auf höchster Ebene irgendwo in Bonn oder Berlin beschlossen worden. Dort hat die Idee vielleicht jemand eingebracht, der sich in seiner Funktion als Vorstands-Chef eines humanitären Vereins Sorgen um die Not leidenden Menschen macht. Und der hat dort mit anderen diese Idee von einer Sozialhilfe entwickelt und sie dann im Parlament als Gesetzesvorschlag eingebracht. Niemand könnte die tatsächlichen Wege nachvollziehen, die zu Gesetzesentwürfen führten. Die Gesetze sind später durch Länderparlamente modifiziert worden und durch Verwaltungsspitzen mit Verordnungen und Dienstanweisungen bereichert worden. Dennoch ist es am Ende der Kette der Sachbearbeiter, der das schöne Amt des „Wohltäters”, des Geldgebers für viele bedürftige Menschen, tut.

Dieses Prinzip gilt im Grundsatz auch für alle großen Veranstaltungen auf religiösem Gebiet. Der Papst kündigt interreligiöse Treffen an, vielleicht nachdem er sich mit seinen Mannen in der Kurie besprochen hat. Vielleicht aber auch, nachdem er sich mit Menschen in anderen Kreisen abgestimmt hat. Denn auch der Papst ist nicht nur Papst sondern „nebenbei” noch Mitglied in allen möglichen Vereinigungen und damit eingebunden in vielfältigste Interessenvertretungen. Ist das bei ProChrist anders? Das, was heute Tausende Christen umsetzen, ist der Ausfluss von Entscheidungen, die lange vor ProChrist getroffen wurden. Keine der beteiligten Gemeinden hatte von selbst die Idee, eine Veranstaltung wie ProChrist „aus dem Boden zu stampfen”. Es ist ja eher so: Die einzelnen Gemeinden bemerken bei sich einen Mangel, wenn es um Evangelisation geht. Ob der Mangel tatsächlich besteht, sei einmal dahingestellt. Da den Gemeinden aber der Mut oder die Kraft und die Möglichkeiten für Evangelisation fehlt, springen sie auf einen bereits fahrenden Zug auf. In dem o.g. Bild gesprochen: Sie spannen den Transmissionsriemen fest.

Ein „Transmissionsriemen” soll hier vorgestellt werden - ich zitiere aus der Willow-Creek-Publikation: „Mehr als nur ein Strohfeuer?” Willow Creek hat zu einer Vernetzung der Evangelisation beigetragen. Durch die Zusammenarbeit von ProChrist und Willow Creek bei Schulung und Umsetzung werden Zeichen gesetzt.

Willow Creek arbeitet für die Form ,dauerhaft evangelistische Gemeinde', auf die punktuell wirksame Großevangelisationen angewiesen sind. Sehen wir hier die Verknüpfung zweier wesentlicher Elemente: Großevangelisation mit der dadurch notwendigen Neuordnung der Gemeindestrukturen!? Wir erinnern uns: ProChrist ist eine Evangelisationsveranstaltung! Willow Creek aber ist eine Gemeinde-Erneuerungs- und -Wachstums-Bewegung. Sie konditioniert Gemeinden um, in der Art, dass eine untrennbare Beziehung zwischen Gemeinden und Großevangelisationen sowie der Vor- und Nacharbeit entsteht. Dies soll denominations- und konfessionsübergreifend geschehen, wie aus allen weiteren Publikationen von ProChrist und Willow Creek hervorgeht.

(Siehe auch „Ein schockierendes "Bekenntnis" der Willow Creek Community Church.”)


Die „Gründungsväter” von ProChrist (wir besprachen es schon weiter oben) sind in der Hauptsache die Lausanner Bewegung und Billy Graham. Die heutigen Betreiber sind Parzany, die DEA und (übergeordnet) die ACK. An deren „Transmissionsriemen” hängt aber nicht nur ProChrist, sondern hängen auch viele andere Großveranstaltungen, die von christlicher Seite organisiert werden. Sind die einzelnen Veranstaltungen nun Einzelveranstaltungen oder geht es hier um eine konzertierte Aktion? Ist der Motor wirklich die ACK, die DEA, Graham oder Parzany oder sind diese über ihre Einbindung in katholische oder gar andere Interessen auch nur „Transmittoren”? Das sind Fragen, deren Beantwortung ungeheuer wichtig ist, wenn wir wissen wollen, wohin der Zug fährt, auf den so viele Gemeinden aufgestiegen sind.

Ich sagte bereits, dass die eigentliche Stoßrichtung von ProChrist die Gemeinden sind, wobei ich natürlich nicht abstreiten will, dass es auch echte Bekehrungen gegeben hat. Das Ziel aber ist Ökumene und weiter eine Welt-Einheitsreligion. Das können wir getrost der Bibel entnehmen, wenn wir sie denn erst nehmen. Die einzelnen Gemeinden und Gläubigen aber glauben, es gehe um Evangelisation, weil die „Transmissionsriemen ” verdeckt und damit nicht sichtbar sind. Aber sie sind da und können auch entdeckt werden, wenn wir uns nur aufrichtig darum bemühen. Dieses Mühen bleibt keiner Gemeinde, keinem Gläubigen erspart. Vor allem die Hirten der Gemeinden sind dazu aber verpflichtet, weil gerade sie eine große Verantwortung vor Gott für „ihre” Gemeinde haben. Gebe Gott, dass sie diesen Dienst auf sich nehmen.

Wenn wir uns die Mühe machen, die in den letzten paar Jahrzehnten angestoßenen Bewegungen und Veranstaltungen daraufhin zu untersuchen, was sie in den Gemeinden tatsächlich bewirken, können wir folgendes Schema entdecken: Es gibt Großveranstaltungen, die wie Initialzünder Bewegungen anstoßen, Erklärungen, Verlautbarungen und gemeinsame Aktionen der großen Kirchen und Verbände, die demonstrieren sollen: Wir sind (in Christus) eins und schlussendlich Kurse und Kongresse verschiedener Bewegungen, die auf lokaler Ebene die große Bewegung vorbereiten und steuern. Hier wird es Überschneidungen geben – aber es scheint jede der unten aufgeführten Aktionen grundsätzlich seine spezielle Aufgabe in dem großen Konzert der Ökumene zu haben:

Initialzünder:

Demonstratoren (wir sind eins):

Vorbereitende Veranstaltungen:


Großveranstaltungen wie ProChrist können kaum noch übersehen oder gar ignoriert werden. Es mutet schon beinahe ketzerisch an, eine Möglichkeit wie diese auszuschlagen oder gar Bedenken anzumelden. Durch die Vorbereitungskurse, die dann in der eigentlichen Durchführung der Veranstaltung ihren Höhepunkt finden, wird in den einzelnen Gemeinden etwas in Gang gebracht, was auch lange nach der eigentlichen Veranstaltung noch Wirkung zeigt. Die Nachbereitungskurse sowie Folgeveranstaltungen sind ja sozusagen fast Pflichtprogramm für alle die, die bei ProChrist aktiv mitgearbeitet haben. Insofern sind diese Großveranstaltungen tatsächlich so etwas wie Initialzünder, die immer neue Stufen auf dem Weg zur endgültigen Vereinigung der Kirchen „zünden”.

Derartige gemeinsame Aktionen würden aber kaum möglich sein, wären da nicht die auf höchster kirchlicher Ebene getroffenen Vereinbarungen, die sozusagen den Rahmen für derartige Zusammenschlüsse bieten. Noch vor nicht allzu langer Zeit wäre kaum eine evangelikale Gemeinde oder Organisation auf den Gedanken gekommen, die Katholische Kirche als Evangelisationspartner zu betrachten – im Gegenteil: sie wurde als Evangelisationsfeld betrachtet. Nun aber – nach Planung des ersten Ökumenischen Kirchentages – ist dies möglich und von oberster Ebene her abgesegnet. Es ist jetzt sozusagen amtlich, dass die Glaubensgrundlage in der Frage der Erlangung des Heils der Katholischen Kirche gleich jener der Evangelischen Kirche ist. Während die Kirchenoberhäupter sich in einem langen Prozess auf einen Konsens zu bewegten, wurde parallel dazu auf der Gemeindeebene schon seit längerem das „Kirchenvolk” auf eine solche Möglichkeit vorprogrammiert. Das „Zauberwörter” hierfür heißen „Willow Creek und Alpha-Kurs”. Zur Frage der konfessionsübergreifenden Funktion des Alpha-Kurses schreibt Steffen Denker in seiner Internetpublikation „Der Alpha-Kurs”:

Schließlich nennt Peter Aschoff in seinem Vorwort zur deutschen Ausgabe des Leitfadens zwei „Nebenwirkungen”. Zum einen werden die Mitarbeiter der Gemeinde trainiert. Zum anderen „trägt Alpha in seiner universalen Weite noch dazu bei, die Barrieren zwischen Gemeinden und Konfessionen abzubauen. Plötzlich ziehen Christen verschiedener Bekenntnisse an einem Strick. Alpha bleibt Alpha, ob es nun von Katholiken, Baptisten oder dem CVJM angeboten wird. Damit entsteht eine missionarische Koalition …” Wir haben gesehen, dass der Alpha-Kurs aus Prinzip kirchenübergreifend gestaltet ist. Jede Auseinandersetzung mit falscher Lehre wird vermieden.

Entsprechend wird Alpha von Vertretern vieler Konfessionen empfohlen. Nicky Gumbel strebt ausdrücklich nach Einheit innerhalb der Konfessionen und „zwischen den Konfessionen.” „Meistens weit effektiver” noch als der Dialog zwischen den Kirchenführern ist es, „wenn ‘normale’ Christen zusammenkommen, um Gott anzubeten und zusammen zu arbeiten” (Gumbel: „Fragen an das Leben”, S. 230). Im Kontext der Alpha-Theologie heißt dies eindeutig, dass Gumbel sich wünscht, dass sich evangelische, evangelikale, pfingstliche, charismatische und katholische Personen – von den orthodoxen Kirchen scheint bislang nicht die Rede zu sein – unter der charismatisch verstandenen Art der Anbetung zusammenfinden. Die Deutsche Evangelische Allianz ist längst auf diesen Kurs eingestiegen. Erst kürzlich plädierte ihr Vorsitzender und Präses des Bundes FEG in einem Interview mit der pfingstkirchlichen Zeitschrift „Wort und Geist” dafür, dass sich die beiden Strömungen künftig stärker ergänzen werden und man voneinander lernen könne (idea Spektrum v. 19. 5. 2000, S. 15). Längst ist der Wille zur Zusammenarbeit auch in der „Kasseler Erklärung” von 1996 dokumentiert.

Der englische Theologe David Pawson schrieb bereits im Jahr 1988 über die „vierte Welle” („Fourth Wave”, Hodder & Stoughton 1988). Er sprach sich darin für eine volle Integration der Charismatiker und der Evangelikalen aus. Und der damalige Generalsekretär der Evangelischen Allianz von Großbritannien, Clive Calver, gibt in seinem Vorwort seine Empfehlung – wie auch heute zum Alpha-Kurs als eine „Gelegenheit” für „Gemeinden aller Denominationen” (Gumbel: „Alpha-Leitfaden”, S. 204-205).

Im Anschluss an die von der Zeichen- und Wunderbewegung selbst benutzte Bezeichnung von der „dritten Welle des Heiligen Geistes” legt Pawson deutlich die Absicht der „vierten Welle” nieder. Wir hören nichts davon, aber die Sache passiert längst. Die Christen, die nicht bereit sind, charismatische Sonderlehren lediglich als „unterschiedlichen Frömmigkeitsstil” zu werten und in gemeinsame Anbetung einzuwilligen, werden immer weiter ins Abseits gedrängt. Sie stören die angestrebte Einheit.

Der Alpha-Kurs, müssen wir zusammenfassend feststellen, liegt mit seinen Besonderheiten genau in der Stoßrichtung der vierten Welle (Quelle: www.bibelbund.christen.net/htm/2000-3-185.htm).


Zu den weiteren Schwierigkeiten mit dem Alpha-Kurs verweise ich auf den gesamten Artikel von Steffen Denker.

Das Londoner Christliche Forschungszentrum schätzt, dass ca. 3,8 Millionen Menschen weltweit an einem Alpha-Glaubensgrundkurs teilgenommen haben. In Deutschland sollen in 2002 etwa 519 Gemeinden als Veranstalter der Kurse registriert gewesen sein. Da die Tendenz steigend ist, ist damit zu rechnen, dass sich auch auf der unteren Gemeindeebene der Gedanke an eine weitere Ausbaumöglichkeit ökumenischer Aktionen festsetzt.

Im Folgenden zitiere ich noch einmal die ACK aus ihrer Schrift zu den Veranstaltungen für das kommende Jahr, um so deutlicher zu machen, dass der Motor nicht nur eine, sondern mehrere Maschinen antreibt, die ausdrücklich ein Gesamtwerk, nämlich die Ökumenisierung der Kirchen zum Ziel hat. Anhand dieser Schrift lässt sich sehr gut die Vorgehensweise der ACK demonstrieren: die Überschrift spricht von „Mission und Evangelisation”, im Text findet sich dann aber der wahre Zweck: Ökumene! Es lohnt sich, den gesamten Text zu lesen. Er ist zu finden bei den „Downloads” auf der offiziellen Internetseite von ProChrist. Hervorhebungen wurden vom Autor vorgenommen:

„Unser gemeinsamer Auftrag: Mission und Evangelisation in Deutschland” – Ein Wort der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland mit Anregungen für die Ökumene vor Ort auf dem Weg zum Jahr 2003.

Das Jahr 2003 – ein Jahr mit ökumenischen Akzenten Das Jahr 2003 ist von besonderen ökumenischen Projekten und Ereignissen bestimmt. Vom 28. Mai bis zum 1. Juni 2003 wird in Berlin der erste Ökumenische Kirchentag stattfinden. Er steht unter dem Motto „Ihr sollt ein Segen sein”. Christinnen und Christen aus allen Kirchen werden zusammenkommen, um ein Fest der Begegnung zu feiern und gemeinsam nach dem Zeugnis und den Herausforderungen ihres Glaubens heute zu fragen.

Im Jahr 2003 wird zugleich „Das Jahr der Bibel” durchgeführt werden. Unter dem Motto „Suchen und Finden” wollen die Kirchen in Deutschland die Bibel mit ihrer lebensorientierenden Kraft neu ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Daneben gibt es weitere regionale und bundesweite Planungen für das Jahr 2003. Eine herausragende Bedeutung wird der nächsten Aktion von „ProChrist” vom 16.-23. März 2003 in Essen zukommen. Mit dem hier vorgelegten Wort „Unser gemeinsamer Auftrag: Mission und Evangelisation in Deutschland ”, in dem eine vorläufige Zwischenbilanz in einem andauernden ökumenischen Beratungs- und Verständigungsprozess gezogen wird, ruft die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen dazu auf, die verschiedenen Ereignisse des Jahres 2003 als wichtige Stationen auf einem gemeinsamen Lernweg zu verstehen und als „Aufbruch zu einer missionarischen Ökumene” zu nutzen. Dafür ist es wichtig, den Weg ins Jahr 2003 auf der Ebene der Gemeinden bewusst vorzubereiten und ihn möglichst gemeinsam als Chance für die Ökumene vor Ort zu gestalten. Dieses Heft enthält ergänzend zu dem gemeinsamen Wort der ACK einige konkrete Vorschläge und Anregungen dazu.

Frankfurt am Main, im März 2002

Ökumenische Zentrale



  8.  Fazit und Schluss

Die Fragen um eine Beteiligung an ProChrist müssen sich meines Erachtens auf folgende vier Punkte konzentrieren:

1. Sind wir willens, mit Menschen gemeinsame Sache bei einer Evangelisation zu machen, die sehr deutlich in zentralen Fragen des Heils und der Gemeindelehre von der biblischen Lehre abweichen?

2. Sind wir bereit, mit Gemeinden oder Organisationen zusammenzuarbeiten, die massiv auf eine Vereinigung aller Kirchen hinarbeiten?

3. Dürfen wir durch unsere Zusammenarbeit mit Menschen, die nach unserem Befund keine Christen im biblischen Sinne sind, den Eindruck erwecken und fördern, dass die Unterschiede nur marginal und damit unwesentlich sind?

4. Dürfen oder wollen wir zulassen, dass Menschen mit einem verkürzten Evangelium konfrontiert werden, das sie eventuell später für das wahre Evangelium immunisiert?


Auf den Einwand, Paulus habe gesagt, dass es nicht entscheidend sei, aus welchen Motiven heraus das Evangelium gepredigt werde – Hauptsache es werde gepredigt (Philipper 1,15-18), muss ich Folgendes erwidern: erstens sagt Paulus nicht, wir könnten auch ein halbes oder dreiviertel Evangelium verkündigen und zweitens meinte Paulus nicht, dass alle in die Verkündigung einbezogen werden können, sondern dass die Motivation allein nicht ausschlaggebend ist! Wir finden im Neuen Testament eine interessante Geschichte über eine Frau, die Paulus beim Verkündigen des Evangeliums behilflich sein wollte. Sie sagte richtige Dinge – biblisch fundierte Wahrheit:

Es begab sich aber, als wir zur Gebetsstätte gingen, dass uns eine Magd begegnete, die einen Wahrsagergeist hatte und ihren Herren durch ihr Wahrsagen großen Gewinn verschaffte. Diese folgte Paulus und uns nach, schrie und sprach: diese Männer sind Diener des höchsten Gottes, die euch den Weg des Heils verkündigen!
Und Solches tat sie viele Tage. Paulus aber, den das bemühte, wandte sich um und sprach zu dem Geist: ich gebiete dir im Namen Jesu Christi, von ihr auszufahren! Und er fuhr aus zur selben Stunde (Apg. 16,16-18).


Wir dürfen und müssen uns hier die Frage stellen, warum Paulus diese Frau nicht einfach in sein Missionsteam eingebunden hat! Hatte er denn gar keinen Blick für die Notwendigkeit von Ökumene? Er hätte doch gut Unterstützung gebrauchen können, denke ich. Da konnte er die Frau mit dem Wahrsagegeist doch nicht so verschrecken. Was hätte Paulus wohl getan mit den heutigen Ablasspredigern, Wunderheilern, Marienanbetern, „Zungenrednern”, eucharistischen Götzendienern und Verehrern eines Mannes, der sich „Seine Heiligkeit”, „Heiliger Vater” etc. nennen lässt? Wenn wir sicher sind, dass Paulus nichts gegen solche Leute gehabt hätte und mit ihnen in die Mission gezogen wäre, dann lasst uns zu ProChrist gehen. Wenn nicht, lasst uns auf der Hut sein und in der Evangelisation eigene Wege gehen.

ProChrist ist keine Einzelveranstaltung. Sie ist Teil einer groß angelegten Gesamtbewegung. Die einzelnen Facetten dieser Gesamtbewegung sind in vielen guten Schriften und Büchern bereits seit langer Zeit dokumentiert worden. Neben der IABC (Internationale Arbeitsgemeinschaft bekennender Christen, Wuppertal), die sich sozusagen tagesaktuell mit den in die Gesamtbewegung einfließenden Strömungen auseinandersetzt, ist in vielen guten Büchern auf die Gefahr hingewiesen worden. Dass sich die evangelikalen Christen dennoch so schnell und flächendeckend von den Betreibern der Ökumene „einkassieren” und für ihre Ziele missbrauchen lassen, ist nur beim ersten Hinblicken verwunderlich. So etwa wie die Verwunderung von Johannes, als er auf der Verbannungsinsel Patmos das erste Mal sah, wie die Gemeinde Jesu am Ende der Zeiten aussehen würde:

Und ich sah das Weib trunken vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu; und ich verwunderte mich gar sehr, als ich sie sah (Offb. 17,6).


Wir müssen uns gar nicht wundern; wir wissen, dass am Ende der Zeiten die Bosheit ausreifen muss und dass vor dem Wiederkommen Jesu keine Erweckung, sondern ein großer, unheimlicher und weltweiter Abfall kommen wird:

Denn das Geheimnis der Gesetzlosigkeit ist schon an der Arbeit, nur muss der, welcher jetzt aufhält, erst aus dem Wege geschafft werden; und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, welchen der Herr Jesus durch den Geist seines Mundes aufreiben, und den er durch die Erscheinung seiner Wiederkunft vernichten wird, ihn, dessen Auftreten nach der Wirkung des Satans erfolgt, unter Entfaltung aller betrügerischen Kräfte, Zeichen und Wunder und aller Verführung der Ungerechtigkeit unter denen, die verloren gehen, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, durch die sie hätten gerettet werden können. Darum sendet ihnen Gott kräftigen Irrtum, dass sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen an der Ungerechtigkeit gehabt haben (2. Thess. 2,7-12).


Dieses Wissen sollte unser weiteres Handeln und unser Gebet bestimmen und prägen. Wir halten weder ProChrist noch sonst irgendeine dieser Mega-Ökumene-Veranstaltungen auf. Der Rahmen unseres Handelns wird enger werden und wir dürfen nicht damit rechnen, noch einmal große Chancen zu einer Erneuerung oder Erweckung zu bekommen.

Wir können aber etwas ganz Anderes tun:

Wir müssen selbst in unserem Lebenswandel und in unserem geistlichen und gemeindlichen Leben klar und eindeutig sein. Dazu gehört unter anderem, dass wir:

-  nicht um irgendwelcher Vergünstigungen willen in einer der großen Kirchen oder Vereinigungen, die ja alle auf dem Weg nach Rom sind, verharren können („Gehet aus aus ihr hinaus …”, Offb. 18,4)

-  selbst zum einen um Klarheit in der Lehre ringen müssen; zum anderen das biblisch Erkannte auch in die Tat umsetzen. Hier ist Treue gegenüber Gott und Seinem Wort gefragt. Bach drückt dies in einer seiner Kantaten so aus: „Herz und Mund und Tat und Leben soll von Christo Zeugnis geben!”

Wir müssen an den Stellen aufklären und warnen, wo wir wirklich die Möglichkeit haben. Dies wird sich vielleicht mehr und mehr auf Einzelgespräche und kleinere Gruppen beschränken.
Wir müssen füreinander beten. Zum einen für uns selbst, dass wir nicht auch in die Fallstricke des Teufels geraten; zum anderen für diejenigen, die wir mit unseren Appellen erreichen wollen. Letzten Endes ist es immer Gott, der uns bewahren und sowohl uns als auch den anderen Geschwistern die Augen und Herzen öffnen kann. Wir dürfen „nur” Überbringer der biblischen Botschaft sein.

Wir haben auch – und das möchte ich ausdrücklich betonen – die Pflicht, den anderen höher zu achten als uns selbst. Das endgültige Urteil über unser Verhalten und das der Geschwister kommt nicht uns zu! Es wird Gott sein, der es fällen wird. So lange wollen wir zwar klar an unserer biblischen Auffassung festhalten, anders denkende Geschwister aber um ihrer anderen Auffassung willen nicht gering achten.

Wir sollen und müssen unserem evangelistischen Auftrag auch ohne die ökumenischen Einflüsse nachkommen. Auch wenn das Gesamtkonzept von ProChrist für uns nicht akzeptabel ist, gehen Menschen verloren, wenn wir ihnen nicht die Frohe Botschaft von der Vergebung durch Jesus Christus bringen.

Nur so können wir ruhigen Gewissens sagen, dass wir alles Menschenmögliche getan haben. Wir sind also letzten Endes nicht nur gegen etwas, sondern in erster Linie für etwas: Für ein Leben aus der Gnade und in der Verantwortung vor Gott und den uns anvertrauten Menschen. Der folgende Aufruf von Steffen Denker aus der zuvor zitierten Schrift über den „Alpha-Kurs” sollte auch uns zu denken geben:

Seit Jahren schon bewegen sich die nach unserem Verständnis bibel- und bekenntnistreuen nichtcharismatischen „Evangelikalen”(?) in Verteidigungs- und Rückzugsgefechten. Die „vierte Welle” wird in vielen Gemeinden stillschweigend akzeptiert. Sobald das evangelikale Vokabular eine Publikation oder Predigt ziert, sind die meisten Christen zufrieden und hinterfragen die theologische Konzeption nicht weiter. Der Alpha-Kurs und seine geistigen Verwandten sind omnipräsent. Aber was ist mit den Produktionen aus „unserer Schule”? Ich kann mich an andere Zeiten erinnern. Heute muss ich mich oft dafür „entschuldigen”, der charismatischen- und der neoevangelikalen Einheits-Bewegung kritisch gegenüberzustehen. Was ist aus uns geworden? Ich rufe alle Christen, die sich meiner Beurteilung anschließen können, zur Umkehr auf. Wir haben das Erntefeld anderen überlassen. Wir reagieren mehr als dass wir agieren. Wo sind die fähigen Männer Gottes, die die Gemeinde Jesu überzeugend aus der Orientierungslosigkeit führen, urteilsfähig machen und sie zur Bibel, zum echten Evangelium und zum neutestamentlichen Gemeindeleben bringen? Ich bete, dass Gott seiner Gemeinde gnädig ist, eine Veränderung zum Guten schenkt und einen neuen Aufbruch. Beten Sie mit (Quelle: Bibelbund)


Ich möchte an dieser Stelle den Kreis schließen und diejenigen ansprechen, denen als Gemeindeleiter oder als Älteste eine Gemeinde anvertraut ist. Die Führung einer Gemeinde ist noch nie den „großen Schafen”, also den großen Kirchen oder Verbänden, anvertraut gewesen, sondern den Hirten und Ältesten innerhalb einer Gemeinde.

Von Milet aber schickte er (Paulus) gen Ephesus und ließ die Ältesten der Gemeinde herüber rufen (…) So habt nun Acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der heilige Geist euch zu Aufsehern gesetzt hat, die Gemeinde Gottes zu weiden, welche er durch das Blut seines eigenen Sohnes erworben hat! Denn das weiß ich, dass nach meinem Abschied räuberische Wölfe zu euch kommen werden, die der Herde nicht schonen; auch aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger auf ihre Seite zu ziehen. Darum wachet und denket daran, dass ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht abgelassen habe, jeden Einzelnen unter Tränen zu ermahnen (Apg. 20,17.28-31).

Auf diese nun sollen die Geschwister hören und ihnen folgen. Aber diese sind es auch, die einmal vor Gott Rechenschaft ablegen sollen über den Verbleib ihrer Gemeinde und der einzelnen Geschwister.

Gehorchet euren Führern und folget ihnen; denn sie wachen über eure Seelen als solche, die Rechenschaft ablegen sollen, damit sie das mit Freuden tun mögen und nicht mit Seufzen; denn das wäre euch zum Schaden! (Hebr. 13,17).


Es ist erstaunlich, in wie vielen Gemeinden psychologisch und technisch versierte Männer und Frauen zu finden sind, die in ganz hervorragender Weise Konzepte zu entwerfen vermögen, wie die Gemeinden gestylt und attraktiv zu gestalten sind. Das alles hat aber nichts mit dem Dienst eines Hirten zu tun und ist im Grunde nichts anderes als das, was wir auch in modernen Management-Büchern finden: gezielte Menschenführung und zum Teil -verführung. Es dient bestenfalls der Vereinnahmung und Manipulierung großer Menschenmengen – nicht aber einer Begegnung mit dem heiligen Gott.

Aus diesem Grunde plädiere ich an dieser Stelle für eine Rückkehr zum biblischen Ältestendienst. Nur so können von Gott begabte Männer ihre Gemeinden weiden, ohne in den Sog irgendwelcher Strömungen zu geraten und für Ideen vereinnahmt zu werden, die ganz eindeutig der endzeitlichen Verführung zuzurechnen sind. Für die Evangelisation dürfen wir getrost erst einmal unser persönliches Umfeld (Verwandte, Nachbarn, Kollegen, Freunde) ins Auge fassen und ansonsten unsere Mitmenschen mit der biblischen Wahrheit konfrontieren, dass sie als Sünder verloren sind, aber dass auch für sie Hoffnung besteht.

Für unser Gemeindeleben sollten wir bedenken, dass gemeindliche Veranstaltungen wie Gottesdienste, Bibelstunden und Gebetskreise kein Evangelisationsfeld sind. Sie sind ein Ort der Zurüstung und Auferbauung für die Gläubigen, eine Möglichkeit der Begegnung mit Gott und den Geschwistern.


  9.  Schlussendlich: Noch eine biblische Warnung

Ziehet nicht am gleichen Joch mit Ungläubigen! Denn was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander zu schaffen? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial überein? Oder was hat der Gläubige gemeinsam mit dem Ungläubigen? Wie reimt sich der Tempel Gottes mit Götzenbildern zusammen? Ihr aber seid ein Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott spricht: Ich will in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. Darum gehet aus von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr, und rühret kein Unreines an, so will ich euch aufnehmen, und ich will euer Vater sein, und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein, spricht der allmächtige Herr. Weil wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so wollen wir uns reinigen von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes, zur Vollendung der Heiligung in Gottesfurcht (2. Kor. 6,14+7,1).

Nach allem, was wir herausgearbeitet haben, können wir als Gemeinde nicht an Veranstaltungen wie ProChrist mitarbeiten. Wir sehen die Not um uns herum und schätzen biblische Evangelisationsarbeit – aber nicht um jeden Preis. Der Ausgangspunkt unserer Evangelisationsbemühungen muss der sein: „Lasst euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht!” (Apostelgeschichte 2,40). Das bedeutet: Die Menschen, zu denen wir reden, sind Bestandteil des „verkehrten Geschlechts ” und sollen sich da herausretten lassen.

An Stelle von Großevangelisationen im Sinne von ProChrist plädiere ich für:

Persönliche Evangelisation

Unter „persönlicher Evangelisation” verstehe ich einen evangelistischen Lebensstil aller Gläubigen in den Gemeinden. Das Neue Testament spricht von einer „heiligen Priesterschaft” aller Gläubigen, deren Aufgabe es ist, „die Tugenden dessen zu verkündigen, der uns aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat”.

Ihr aber seid ein Auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündiget, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat (1. Petr. 2,9).


Wo wäre dafür eine bessere Gelegenheit als im Kreis derer, die wir tagtäglich sehen? Hier dürfen wir zeigen, dass wir nicht mehr uns selbst gehören, sondern dass wir einen Herrn haben, der uns angenommen hat und der unser Leben verändert. Das wirkt einladend und schafft eine gute Grundlage für evangelistische Gespräche.

Gemeinde-Evangelisation

Gemeinde ist neben ihrer Funktion als Ort der Anbetung und der Begegnung mit dem Herrn in Seinem Wort (Tempel Gottes) eben auch eine Art „Brückenkopf” in die verlorene Welt und hat von daher als „Leib Jesu vor Ort” die Aufgabe, Licht zu sein an diesem Ort. Das sollte sie auch tun.

Evangelisation gemeinsam mit mehreren Gemeinden

Wenn es mehrere Gemeinden vor Ort gibt, die sowohl in Evangelisationsfragen als auch in den sonstigen Lehrfragen übereinstimmen, kann es keinen Grund geben, nicht auch gemeindeübergreifend zusammenzuarbeiten. So kann man Erfahrungen austauschen, gemeinsam für die Menschen beten und sich gegenseitig ermutigen sowie gemeinsame Aktionen planen und durchführen. Vielleicht hat die eine Gemeinde „personell” oder auch materiell ein größeres „Polster” und kann so einer „ärmeren” Gemeinde das Nötige zur Verfügung stellen. Wir müssen zum Thema Evangelisation nicht „das Rad neu erfinden”. Es ist ausgesprochen aufschlussreich, wie die biblischen Gemeinden evangelisiert haben, und das sollte unser Vorbild sein.


  10.  Nachwort von W. Bühne:

Wie sollen missionarisch engagierte Christen mit Pro­Christ umgehen?

Wir hoffen, dass deutlich geworden ist, dass es bei der Kritik an ProChrist nicht um Vorwürfe gegen Personen geht. Wir schätzen die Verantwortlichen von ProChrist als hingegebene und begabte Brüder, die ein Anliegen haben, bisher unerreichte Menschen mit dem Evangelium in Berührung zu bringen. Wir hoffen und beten auch, dass durch diese Großevangelisation Menschen zum lebendigen Glauben an unseren Herrn Jesus kommen und freuen uns über jeden, der den Weg in eine lebendige, bibelorientierte Gemeinde findet. Unsere Sorge gilt den „Risiken und Nebenwirkungen”, die u. a. mit dem von ProChrist ausgelösten Prozess als Wegbereiter einer neo-evangelikalen Ökumene oder Einigungsbewegung verbunden sind.

Diese Sorge ist in den vergangenen Jahren bereits von verschiedenen Seiten geäußert worden und es haben inzwischen auch Gespräche mit Vertretern der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) stattgefunden, wo in einer brüderlichen Atmosphäre diese Kritikpunkte offen angesprochen wurden. In diesen Gesprächen wurde deutlich, dass neben vielen Gemeinsamkeiten in einigen wichtigen grundlegenden Fragen völlig gegensätzliche Überzeugungen bestehen. Das betrifft besonders die Fragen von „Zusammenarbeit” und „Einheit”, die in Bezug auf Großveranstaltungen wie z. B. ProChrist, Jesus-Tag und Projekte wie Alpha-Kurse, Willow-Creek-Netzwerk usw. zu völlig verschiedenen Positionen führen.

  „Wer Einheit nicht will, ist ungehorsam …”

Seit Jahren wird nicht nur in der Politik und Wirtschaft, sondern auch in evangelikalen Kreisen von Globalisierung und Vernetzung gesprochen. Der Slogan der Charismatischen Bewegung: „Dogmen trennen – Liebe eint!” scheint inzwischen auch viele Evangelikale überzeugt zu haben. Sätze wie: „Uns verbindet mehr, als uns trennt!” und „Einheit in der Vielfalt” machen die Runde. Man versucht Gemeinsamkeiten zu betonen und Schulterschlüsse zu vollziehen, um das leider weithin zersplitterte evangelikale Lager zu einen.

Bezeichnend für diesen Trend ist die Bemerkung eines Inspektors des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes, der auf dem „Aufatmen-Forum” in Bad Blankenburg im Frühjahr 2002 äußerte: „Wir brauchen mehr Grillfeten als Grundsatz-Diskussionen.” Zu diesem Forum hatte die Zeitschrift „Aufatmen” (Bundes-Verlag) etwa 100 Leiter pietistischer, charismatisch-pfingstlicher und katholischer Werke eingeladen, um die Zusammenarbeit zu vertiefen. Auf dieser Veranstaltung äußerte auch der frühere Vorsitzende der DEA, Jürgen Stabe: „Wer die Einheit nicht will, ist ungehorsam gegen Gottes Wort” („idea” 11/ 2002).

Bereits drei Jahre vorher hatte Hartmut Steeb – der Generalsekretär der DEA – in „idea” zum Ausdruck gebracht: ”Einheit ist … Pflichtprogramm in der Gemeinde des Jesus Christus, nicht nur Kür. Nach den Worten von Jesus ist das entscheidende Kriterium für Einheit, dass jemand Gottes Willen tut (Matth. 12,49.50) und sich zu Jesus Christus als Herrn bekennt (1. Kor. 12,3). Sonst haben Christus und seine Apostel keine Grenzen gezogen. Mit dem also, der diese Bedingungen erfüllt, ist Einheit bzw. Zusammenarbeit möglich.” Er schließt seinen Artikel mit den bemerkenswerten Worten: „Wer spaltet, fördert den Unglauben!”(„idea” 9/99)

Solche Aussagen klingen auf den ersten Blick biblisch und überzeugend. Dabei übersieht man aber, das wir Christen keine Einheit schaffen können und müssen, weil Gott selbst sie längst geschaffen hat und wir sie nur verwirklichen müssen. Eine vom Heiligen Geist gewirkte Einheit wird sich niemals im Widerspruch zu der in der Bibel geoffenbarten Wahrheit befinden. Die von H. Steeb genannten Bedingungen für Einheit schaffen natürlich Platz für Mitarbeiter aus den Reihen der Katholischen Kirche, den Pfingst- und Charismatischen Gemeinden, den Orthodoxen Kirchen, Adventisten usw.

Auf dieser Grundlage kann man mit solchen zusammenarbeiten, die „Geistliche Kampfführung” praktizieren, das „Wohlstandsevangelium” predigen, den „geistlichen Tod Christi im Totenreich” lehren, an die „Allversöhnung” oder an die „Seelenvernichtung” glauben, die „Transsubstantiationslehre” für biblisch halten, den Papst zum „Stellvertreter Christi auf Erden” erklären, zu Maria als „Mutter Gottes” beten und sich über die „Heiligsprechung” des „Opus-Dei”- Gründers Josemaria Escriva freuen können – um nur einige der zahlreichen Irrtümer zu nennen, die man doch wohl kaum als zweitrangige und nebensächliche Lehren bezeichnen kann. Vertreter dieser falschen Lehren werden mit größter Wahrscheinlichkeit alle Christus als Herrn bekennen und den Wunsch haben, Gottes Willen zu tun. Eine solche Einheit auf Kosten der Wahrheit kann nicht durch den Heiligen Geist gewirkt sein, denn sie widerspricht den eindeutigen Lehren der Bibel.

  „Alle Wege führen nach Rom …”

Wir freuen uns, dass in den letzten Jahren zahlreiche Katholiken zum lebendigen Glauben an Jesus Christus gekommen sind und dass in manchen katholische Kreisen eine Bibelbewegung zu erkennen ist. Diese erfreuliche Tatsache kann aber nur bedeuten, dass wir solchen Christen zu einem gesunden geistlichen Wachstum verhelfen, was dazu führen wird, dass sie die grundlegenden Irrtümer der Katholischen Dogmatik erkennen, die Katholische Kirche verlassen und sich einer bibeltreuen Gemeinde anschließen. Und sie kann nur bedeuten, dass Katholiken eben nicht pauschal Christen im biblischen Sinne sind, sondern sich dem wahren Evangelium gemäß bekehren müssen. Daher ist es für uns unverantwortlich, wenn nicht nur katholische „Laien” sondern auch katholische Kleriker bei ProChrist mitarbeiten.

Wenn Kardinal Karl Lehmann in einem Grußwort zu ProChrist 2000 schreibt: „Die Veranstaltung nimmt im Sinne der Ökumene deutliche Formen an, in denen auch katholische Christen sich engagieren”, dann verstehe ich das nicht als Kompliment für ProChrist, sondern als warnendes Zeichen dafür, dass in der Verkündigung bei ProChrist bestimmte Inhalte ausgeklammert werden, um sie für Katholiken kompatibel zu machen. Wenn – wie im Jahr 2000 geschehen – der inzwischen verstorbene Erzbischof Johannes Dyba an einem Pro­Christ- Abend „über seine persönliche Entscheidung für den Glauben und seine Laufbahn als Geistlicher” („idea” 13/2000) berichtet, wird sich jeder anwesende Katholik bestätigt fühlen, der allein selig machenden katholischen Kirche anzugehören. Bei aller Wertschätzung der Standhaftigkeit Dybas in ethischen Fragen halte ich eine solche Zusammenarbeit für unverantwortlich.

Erstaunlich und unverständlich ist auch, dass Christoph Morgner, der Präses des Gnadauer Gemeinschaftswerkes, im Oktober 2002 als Vorstandsmitglied von ProChrist in einem Artikel unter der Überschrift „Müssen wir mehr zusammenarbeiten?” äußerte:

„Denen, die sich gegen ProChrist aussprechen, weil sich dabei auch katholische Gemeinden beteiligen, sage ich schlicht und deutlich: Es ist besser, katholisch zu glauben und in dieser Kirche beheimatet zu sein, als überhaupt kein Verhältnis zu Jesus Christus zu haben” („idea” 40/2002).

Auch dieser Satz klingt zunächst sehr überzeugend, macht aber deutlich, dass Präses Morgner den katholischen Glauben mit dem biblischen Glauben gleichsetzt. Christen, die sich in den letzten Jahren nach schweren inneren Kämpfen und äußeren Anfeindungen von den Fesseln der katholischen Kirche befreit haben, werden nur mit großem Unverständnis und tiefer Traurigkeit solche Sätze von einem führenden Evangelikalen lesen. Würde bei ProChrist – wie Morgner einige Zeilen vorher schreibt – tatsächlich eine „saubere biblisch-reformatorische Verkündigung” zu hören sein, würde jeder Katholik von seinem Priester bei seinem Seelenheil gewarnt werden, ProChrist zu besuchen!

Oder sind wir Evangelikalen inzwischen so naiv zu glauben, dass Martin Luthers Predigten oder seine nach eigener Aussage wichtigste Schrift „Vom verknechteten Willen” in katholischen Kirchen akzeptiert würde? Nicht einmal in den meisten evangelikalen Kirchen würde man heute eine „biblisch-reformatorische” Predigt ertragen! Jemand, der heute sagt: „Es ist besser Katholik zu sein, als kein Verhältnis zu Christus zu haben”, wird möglicherweise morgen sagen: „Es ist besser an Allah zu glauben, als keinen Glauben zu haben, denn schließlich glauben Christen und Moslems an denselben Gott!”

Bei der Kritik an ProChrist geht es nicht um Stilfragen einer Großevangelisation, über die man geteilter Meinung sein kann, sondern es geht um eine Weichenstellung der Evangelikalen, die weitreichende Folgen haben wird. Die vorliegende Arbeit möchte auf die Gefahr aufmerksam machen und ein deutliches Signal setzen, auch wenn es kaum Hoffnung gibt, den Zug aufhalten zu können.

Wir bitten dringend, die Bedenken ernst zu nehmen, die genannten Fakten zu überprüfen und mit den neutestamentlichen Vorgaben und Berichten über Inhalt und Form der Evangelisation, Einheit und Zusammenarbeit, Liebe und Wahrheit zu vergleichen.