Diskurs 86 - Der erste und der zweite Antichrist.




Die Zahl 666: Ein Hinweis auf einen menschlichen und einen dämonischen Antichristen. / Kommentar B. Blankenship, 2005-09-12

Die zwei Antichristen bei Daniel.

Das Tier aus dem Meer.

Der Mensch der Gesetzlosigkeit.

Der Reiter auf dem weißen Pferd.

Der Reiter auf dem feuerroten Pferd.

Zusammenfassung.

Woher kommen die lebenden Gläubigen für die Entrückung? / Kommentar H. Dietewich 00, 2001-04-08

Gehören die Märtyrer nicht mehr zur Gemeinde? / Kommentar M. H. 00, 2004-11-17

18 Argumente für eine Entrückung vor der Großen Trübsal - und ihre Widerlegung   2. Teil, Diskurs 862



(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Die Zahl 666: Ein Hinweis auf einen menschlichen und einen dämonischen Antichristen. / Kommentar BBl00, 2005-09-12)

Nachdem ich mich weiterhin damit beschäftige, die Griechischen Schriften/Lexika analytisch durchzuarbeiten, habe ich etwas gefunden, das Sie möglicher Weise interessieren könnte. Damit möchte ich Ihre erprobte Bibelkenntnis und Ihre Aufmerksamkeit auf die folgende Frage lenken: Kann Offenbarung 13,18 wie folgt übersetzt werden?

Griechischer Text mit Strong-Nummern:
wde <5602> h <3588> sofia <4678> estin <2076> (5748). o <3588> ecwn <2192> (5723) ton <3588> noun <3563> yhfisatw <5585> (5657) ton <3588> ariqmon <706> tou <3588> qhriou <2342> ariqmoV <706> gar <1063> anqrwpou <444> estin <2076> (5748); kai <2532> o <3588> ariqmoV <706> autou <846> cxV <5516>.



Vorgeschlagene Übersetzung:
„Hier ist die Weisheit. Wer Verständnis hat, berechne die Zahl des Tieres! Denn (nämlich - weil) es ist (sie besteht aus) eines Menschen Zahl; und seine (des Tieres) Zahl ist 666.”

„Hier ist die Weisheit. Wer Verständnis hat, berechne die Zahl des Tieres! Weil sie besteht aus der Zahl eines Menschen; und seine (des Tieres) Zahl ist 666.” (...)


Außerdem verwendet Lk 12,15 das selbe Wort in seiner übertragenen Bedeutung ‘besteht’ für das griechische Wort und seine Zeitform - estin:

„Er sprach aber zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor aller Habsucht! Denn auch wenn jemand Überfluss hat, besteht sein Leben nicht aus seiner Habe.”

Deshalb ist es naheliegend, dass einer der Gründe für das Zählen (Berechnen) der Zahl des Tieres der Umstand ist, dass sie - als einen Bestandteil und in ihr eingegliedert - die Zahl eines Menschen beinhaltet. Daher schließt das ‘berechnete Gesamtergebnis der Zahl 666 ’ des Tieres sowohl die Zahl des Tieres, als auch die Zahl des menschlichen Antichrists mit ein - und die zwei werden eins.

Erwägen Sie das und lassen Sie mich wissen, was Sie davon halten.

Barney Blankenship word@shalach.org / www.shalach.org/


(Siehe auch Diskurs 48: „Eine alternative Sicht in der Abfolge der Endzeitereignisse.”)


Es hat in der Vergangenheit schon ungezählte Versuche gegeben, die Zahl „666” in der Offenbarung des Johannes zu deuten. Nachdem wir in Off 13,18 aufgefordert werden, diese Zahl als die Zahl des Namens des Tieres zu berechnen, ist klar, dass hier Gematrie gemeint ist. Gematrie beruht darauf, dass sowohl die klassische griechische Schrift als auch die hebräische keine speziellen Zahlzeichen hatten, sondern statt dessen die Buchstaben als solche verwendeten. Daher steht der erste Buchstabe des Alphabets auch für 1, der zweite für 2 usw. Daher kann jedes Wort in diesen Sprachen auch als eine Gruppe von Zahlzeichen gelesen werden. Wenn wir ihre Summe bilden, finden wir eine Zahl, die für das Wort steht.

Speziell in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten wurden die Namen der verschiedenen Cäsaren des Römischen Reiches (z.B. Nero, Domitian, Gaius etc.) mit teilweise abenteuerlichen Methoden derart angepasst, dass ihre Quersumme die Zahl 666 ergab. So ergibt der Titel „Neron Kaisar” im Hebräischen ebenso die Quersumme 666 wie die Worte aus Jos. 13,22 „Bileam, der Sohn Beor, der Zauberer” oder auch im Griechischen die Bezeichnung „Lateinos” (Lateiner/Römisches Reich?) usw. Auch in den letzten Jahrhunderten war es z.B. der Name Napoleons, welchen manche Bibelausleger mit mehr oder weniger realistischen Zusätzen zu dieser gematrischen Spielerei benutzten oder auch den (nicht belegten) Papsttitel „VICARIVS FILII DEI” (Stellvertreter des Sohnes Gottes) in römischen Ziffern.

Der Umstand, dass man bei diesen Versuchen immer „das Geheimnis des Namens” lösen wollte und daher zwangsläufig irgend einen Herrscher aus der Vergangenheit damit in Verbindung bringen musste, ist auch der Grund dafür, dass es offensichtlich bis heute keine Interpretation gab, welche „die Zahl seines Namens” auf einen Herrscher in der Zukunft projiziert hätte. Man ist also davon ausgegangen, dass das Tier in Off 13 ein auferstandener Gewaltherrscher der Vergangenheit ist - wie z.B. der „Nero redivivus” - und ist damit im Prinzip gar nicht so falsch gelegen, weil ja der Text in Off 13,18 geradezu darauf hinweist, dass der Name des Tieres bzw. dessen Zahl, die Zahl des Namens eines Menschen aus der Vergangenheit ist.

Nun gibt es unter den Auslegern weithin Einvernehmen, dass das Tier aus Off 13, von dem es heißt: „der Drache (Satan) gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Macht”, als der Antichrist zu deuten ist und daher auch alle Aussagen über dieses Tier in den nachfolgenden Kapiteln in der Johannesoffenbarung auf den Antichristen zu beziehen sind. Ebensolches Einvernehmen besteht aber auch in der Interpretation des Textes aus 2The 2,1-12, wo Paulus den Thessalonichern über den „Menschen der Gesetzlosigkeit” schreibt, „dessen Ankunft gemäß der Wirksamkeit des Satans erfolgt”. Wir haben also hier die - außerhalb der Evangelien - eher seltene Situation in der Schrift, dass zwei unabhängige Quellen auf dasselbe Ereignis bzw. dieselbe Person Bezug nehmen. Und um nun diese Gelegenheit zu nutzen, wollen wir diese Texte im Detail vergleichen und ihre Übereinstimmung prüfen.

Die Ankunft des Antichristen

Der Mensch der Gesetzlosigkeit und der Abfall kommen vor dem Tag der Wiederkunft des Herrn zur Entrückung.

2The 2,1 Wir bitten euch aber, Brüder, wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm, 2,2 daß ihr euch nicht schnell in eurem Sinn erschüttern, auch nicht erschrecken laßt, weder durch Geist noch durch Wort, noch durch Brief, als seien sie von uns, als ob der Tag des Herrn da wäre. 2,3 Daß niemand euch auf irgendeine Weise verführe! Denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, daß zuerst der Abfall gekommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit geoffenbart worden ist, der Sohn des Verderbens; 2,4 der sich widersetzt und sich überhebt über alles, was Gott heißt oder Gegenstand der Verehrung ist, so daß er sich in den Tempel Gottes setzt und sich ausweist, daß er Gott sei. 2The 2, 1- 4;

Das Tier mir den sieben Häuptern steigt aus dem Meer - unmittelbar vor den sieben Schalengerichten.

Off 13,1 Und ich sah aus dem Meer ein Tier aufsteigen, das zehn Hörner und sieben Köpfe hatte, und auf seinen Hörnern zehn Diademe und auf seinen Köpfen Namen der Lästerung. 13,2 Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Panther und seine Füße wie die eines Bären und sein Maul wie eines Löwen Maul. Und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Macht. 13,3 Und ich sah einen seiner Köpfe wie zum Tod geschlachtet. Und seine Todeswunde wurde geheilt, und die ganze Erde staunte hinter dem Tier her. 13,4 Und sie beteten den Drachen an, weil er dem Tier die Macht gab, und sie beteten das Tier an und sagten: Wer ist dem Tier gleich? Und wer kann mit ihm kämpfen? 13,5 Und es wurde ihm ein Mund gegeben, der große Dinge und Lästerungen redete; und es wurde ihm Macht gegeben, 42 Monate zu wirken. 13,6 Und es öffnete seinen Mund zu Lästerungen gegen Gott, um seinen Namen und sein Zelt und die, welche im Himmel wohnen, zu lästern. 13,7 Und es wurde ihm gegeben, mit den Heiligen Krieg zu führen und sie zu überwinden; und es wurde ihm Macht gegeben über jeden Stamm und jedes Volk und jede Sprache und jede Nation. 13,8 Und alle, die auf der Erde wohnen, werden ihn anbeten, jeder, dessen Name nicht geschrieben ist im Buch des Lebens des geschlachteten Lammes von Grundlegung der Welt an. 13,9 Wenn jemand ein Ohr hat, so höre er! 13,10 Wenn jemand in Gefangenschaft geht, so geht er in Gefangenschaft; wenn jemand mit dem Schwert getötet wird, so muß er mit dem Schwert getötet werden. Hier ist das Ausharren und der Glaube der Heiligen. 13,11 Und ich sah ein anderes Tier aus der Erde aufsteigen: und es hatte zwei Hörner gleich einem Lamm, und es redete wie ein Drache. Off 13, 1- 11;


Obwohl nun beide Textstellen dem Antichristen zugeordnet werden, erkennen wir schon beim Auftritt der beiden Gestalten wesentliche Unterschiede: Während der „Mensch der Gesetzlosigkeit” bei Paulus vor dem Tag der Wiederkunft des Herrn in Erscheinung treten wird, berichtet Johannes in der Offenbarung, dass er das „Tier aus dem Meer” steigen sah; und zwar zur Zeit nach den Siegel- und Posaunengerichten aber vor den Zornesschalen. Das ist - unabhängig davon, ob man nun die Entrückung vor oder nach der Großen Trübsal einordnen will - in jedem Fall erst nach der Wiederkunft des Herrn zur Entrückung. Sehen wir uns nun das Ende der beiden Gestalten in diesen Texten an:

Das Ende des Gesetzlosen.

Der Gesetzlose wird vernichtet durch den Herrn Jesus bei seiner Ankunft zur Entrückung der Seinen.

2The 2,7 Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur offenbart es sich nicht, bis der, welcher jetzt zurückhält, aus dem Weg ist; 2,8 und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft; 2,9 ihn, dessen Ankunft gemäß der Wirksamkeit des Satans erfolgt mit jeder Machttat und mit Zeichen und Wundern der Lüge 2,10 und mit jedem Betrug der Ungerechtigkeit für die, welche verloren gehen, dafür, daß sie die Liebe der Wahrheit zu ihrer Errettung nicht angenommen haben. 2,11 Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, daß sie der Lüge glauben, 2,12 damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit. 2The 2, 7-12;

Das Tier wird nach der Schlacht von Harmagedon lebendig in den Feuersee geworfen.

Off 19,20 Und es wurde ergriffen das Tier und der falsche Prophet - der mit ihm war und die Zeichen vor ihm tat, durch die er die verführte, die das Malzeichen des Tieres annahmen und sein Bild anbeteten - lebendig wurden die zwei in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt. Off 19,20;


Der Gesetzlose wird also nach den Aussagen des Paulus im zweiten Thessalonicherbrief, vom Herrn Jesus bei dessen Ankunft zur Entrückung durch den Hauch seines Mundes beseitigt und vernichtet werden. Ganz im Gegensatz dazu, wird das Tier im der Offenbarung nicht vernichtet, sondern nach der Schlacht von Harmagedon, gemeinsam mit dem falschen Propheten, lebendig in den Feuersee geworfen.

Man könnte nun meinen, dass Paulus und Johannes in ihren Aussagen von zwei völlig unterschiedlichen Ereignissen und zwei völlig verschiedenen Personen sprechen, wenn man nicht aufgrund eben dieses Vergleichs der Textstellen auch folgende Gemeinsamkeiten feststellen könnte:

-  Beide kommen in der Wirksamkeit des Satans, der ihnen Kraft und Macht und dem Tier sogar seinen Thron gibt (2The 2,9; Off 13,2)

-  Sie überheben sich über alles, was Gott heißt und lästern Gott, seinen Namen und die, welche im Himmel wohnen (2The 2,4; Off 13,6)

-  Sie behaupten, selbst Gott zu sein und lassen sich von den Menschen anbeten (2The 2,4; Off 13,8)


Es gibt also eine Übereinstimmung bei ihrem „Auftraggeber”, dem Satan, und ihrem Auftrag, nämlich alles, was Gott heißt oder Gegenstand der Verehrung ist, vor den Menschen zu lästern und sich selbst als Gott auszugeben. Dazu hat sie der Drache mit Macht, Kraft und Wundern der Lüge ausgestattet. Bei näherer Betrachtung aller Zusammenhänge ist jedoch zu erkennen, dass das Tier aus dem Meer eine wesentlich umfangreichere Vollmacht erhalten hat: Nicht nur, dass es die Kraft und Macht des Satans erhält und diese explizit über „alle, die auf der Erde wohnen” (Off 13,8) ausübt, bekommt es auch noch einen Gehilfen: das Tier, welches Johannes aus der Erde aufsteigen sieht (Off 13,11) und welches in Off 19,20 und 20,10 als der „falsche Prophet” bezeichnet wird. Dieser falsche Prophet erhält die ganze Macht des ersten Tieres und übt sie vor ihm aus. Er veranlasst alle, die auf der Erde wohnen, dass sie das erste Tier anbeten (Off 13,12).

(Siehe auch die Tabelle 17: „Die Chronologie der endzeitlichen Ereignisse.


Die Auferstehung des Antichristen.

Und dann gibt es noch ein weiteres Zeichen, welches diese beiden Figuren einerseits grundlegend unterscheidet, andererseits aber der Ansatzpunkt für eine Art von Identität sein könnte. Schon bei seiner Einführung, in Off 13,3, heißt es von diesem Tier aus dem Meer:

Off 13,3 Und ich sah einen seiner Köpfe wie zum Tod geschlachtet. Und seine Todeswunde wurde geheilt, und die ganze Erde staunte hinter dem Tier her. Off 13,3;


Einer der sieben Köpfe des ersten Tieres war also wie zum Tode geschlachtet, doch diese Todeswunde wurde geheilt. Johannes führt diesen eigenartigen Sachverhalt dann einige Verse später weiter aus, wodurch wir zusätzliche Informationen gewinnen können:

Das Tier, das die Wunde des Schwertes hat und wieder lebendig geworden ist.

Off 13,12 Und die ganze Macht des ersten Tieres übt es vor ihm aus, und es veranlaßt die Erde und die auf ihr wohnen, daß sie das erste Tier anbeten, dessen Todeswunde geheilt wurde. 13,13 Und es tut große Zeichen, daß es selbst Feuer vom Himmel vor den Menschen auf die Erde herabkommen läßt; 13,14 und es verführt die, welche auf der Erde wohnen, wegen der Zeichen, die vor dem Tier zu tun ihm gegeben wurde, und es sagt denen, die auf der Erde wohnen, dem Tier, das die Wunde des Schwertes hat und wieder lebendig geworden ist, ein Bild zu machen. Off 13,12-14;


Aus diesen Aussagen können wir daher Folgendes erkennen:

-  Dieses erste Tier hatte eine Wunde „wie zum Tod geschlachtet” erhalten (Off 13,3).

-  Diese Wunde wurde ihm durch ein Schwert zugefügt (Off 13,14).

-  Dieser Schwerthieb hat in einem Kampf stattgefunden (Off 13,4).

-  Durch diese Todeswunde war offensichtlich das ganze Tier tot (Off 13,12.14).

-  Es wurde jedoch auf wundersame Weise geheilt und ist wieder lebendig geworden (Off 13,12.14).

-  Deshalb bewunderten es alle auf Erden und beteten das Tier und den Drachen an (Off 13,3-4)

-  Es ist also den Menschen in dieser Zeit bewusst, dass diese Wiederauferstehung des Tieres durch den Drachen bewirkt wurde, den sie deshalb anbeten (Off 13,3-4).


Speziell aus dem Umstand, dass das Tier wieder lebendig geworden ist, ergibt sich die Tatsache, dass es sich bei diesem Wesen nicht mehr um einen physischen Menschen handeln kann. Ebenso wie ein wiederauferstandener Mensch nicht mehr einen Körper aus Fleisch und Blut, sondern einen unsterblichen Geistkörper hat (siehe auch Off 20,4!), ist auch dieses Tier ein Geistwesen; und nachdem es nicht durch Gott, sondern durch Satan wieder auferweckt wurde, ist dieses Tier ein Dämon. Deshalb wird es von Johannes auch als „Tier” bezeichnet. Diese Annahme wird auch durch die Aussage in Off 19,20 bestätigt, wo das Tier nicht getötet, sondern lebendig in den Feuersee geworfen wird. Als Geistwesen und Dämon ist es den ersten, den physischen Tod als Mensch bereits gestorben. Es ist daher nun, nach seiner Auferstehung, unsterblich und kann nur mehr den zweiten „Tod”, also die ewige Verdammnis im Feuersee erleiden.

(Siehe auch den Exkurs 07: „Der Auferstehungsleib.”)


Aus diesen Folgerungen ist nun aber abzuleiten, dass dieses Tier, dieser Dämon, vor seiner Auferweckung durch Satan ein Mensch gewesen und gestorben sein muss. Und hier haben wir nun den Konnex zu den Aussagen in 2The 2,1-10. Dort spricht Paulus in 2The 2,3 vom „Mensch der Gesetzlosigkeit”. Dieser Gesetzlose ist also nach Paulus eindeutig ein Mensch. Und er wird auch folgerichtig durch den Herrn Jesus bei dessen Ankunft zur Entrückung getötet (vernichtet). Und zwar „durch den Hauch seines Mundes”. Wenn wir nun wieder einen Vergleich zur Offenbarung ziehen, wird am Ende der Schlacht von Harmagedon, in Off 19,20-21, das Tier und der falsche Prophet - beides Dämonen - lebendig in den Feuersee geworfen, während es von den an dieser Schlacht beteiligten normalen Menschen heißt:

 

Off 19,21 Und die übrigen wurden getötet mit dem Schwert, das aus dem Mund dessen hervorging, der auf dem Pferd saß; und alle Vögel wurden von ihrem Fleisch gesättigt. Off 19,21;


Der auf dem Pferd sitzt ist aber niemand anderer als unser Herr Jesus Christus, aus dessen Mund ein scharfes Schwert hervorgeht, mit dem er die Nationen schlägt und die Heere tötet.

Und aus seinem Mund geht ein scharfes Schwert hervor, damit er mit ihm die Nationen schlage

Off 19,11 Und ich sah den Himmel geöffnet, und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, heißt Treu und Wahrhaftig, und er richtet und führt Krieg in Gerechtigkeit. 19,12 Seine Augen aber sind eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt sind viele Diademe, und er trägt einen Namen geschrieben, den niemand kennt als nur er selbst; 19,13 und er ist bekleidet mit einem in Blut getauchten Gewand, und sein Name heißt: Das Wort Gottes. 19,14 Und die Kriegsheere, die im Himmel sind, folgten ihm auf weißen Pferden, bekleidet mit weißer, reiner Leinwand. 19,15 Und aus seinem Mund geht ein scharfes Schwert hervor, damit er mit ihm die Nationen schlage; und er wird sie hüten mit eisernem Stab, und er tritt die Kelter des Weines des Grimmes des Zornes Gottes, des Allmächtigen. 19,16 Und er trägt auf seinem Gewand und an seiner Hüfte einen Namen geschrieben: König der Könige und Herr der Herren. Off 19,11-16;


Und dieses scharfe Schwert aus dem Mund des Herrn Jesus hat auch Paulus möglicherweise gemeint, als er in 2The 2,8 schrieb, dass der Herr Jesus diesen Menschen der Gesetzlosigkeit „beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft”. Und dies wäre dann auch der Schwerthieb, von dem Johannes in Off 13,14 schreibt, dass das „Tier die Wunde des Schwertes hat und wieder lebendig geworden ist”.

Wir haben es also hier offensichtlich mit zwei Antichristen zu tun, welche aber dennoch identisch sind:

o  Einmal der Antichrist in Menschengestalt, der „Mensch der Gesetzlosigkeit”, wie ihn Paulus nennt. Er ist ein irdischer Gewaltherrscher in der Endzeit und erhält seine Macht durch den Satan. Er bewirkt Zeichen und Wunder der Lüge und macht Betrug und Ungerechtigkeit zur Grundlage seiner Herrschaft (2The 2,7-10). Ihn tötet der Herr bei seiner Wiederkunft zur Entrückung der Seinen mit dem Hauch seines Mundes, indem er ihm mit dem scharfen Schwert, das aus seinem Munde geht, einen tödlichen Schwerthieb zufügt.

o  Diesen getöteten Menschen lässt dann Satan in Off 13,1 von den Toten auferstehen und versieht ihn nunmehr mit all seiner eigenen Macht und Kraft, ja er gibt ihm sogar seinen Thron (Off 13,2). Dieser Dämon wird auf Erden eine absolute Herrschaft ausüben und lässt alle Menschen töten, welche ihn nicht anbeten (Off 13,15). Dies ist nun der zweite, der dämonische Antichrist, das Tier aus dem Meer, wie ihn Johannes in Off 13 beschreibt. Er und die Heere seiner verbündeten weltlichen Könige werden in der Schlacht von Harmagedon vom Sohn Gottes und seinem himmlischen Heer besiegt (Off 19). Während die Menschen, welche in dieser Schlacht für das Tier gekämpft haben, mit dem Schwert, das aus dem Munde des Sohnes Gottes hervorgeht, getötet werden, wird das Tier, der dämonische Antichrist, gemeinsam mit dem falschen Propheten, dem zweiten Tod preisgegeben und lebendig in den Feuersee geworfen.

(Siehe auch die Tabelle 14: „Die Offenbarung - nach Ereignissen gegliedert.”)


Wie wir dem Kontext dieser Bibelstellen weiter entnehmen können, versucht Satan hier den Tod und die Auferstehung Jesu nachzuäffen (Luther bezeichnete den Satan als "Affen Gottes") und der dämonische Antichrist wird zusammen mit seiner Zauberkraft und Wunderwirksamkeit versuchen, die Wundertaten des Herrn nachzuahmen. Es ist daher naheliegend, davon auszugehen, dass er sich als der „echte” Messias ausgeben und den wahren Sohn Gottes, unseren Herrn Jesus Christus -ähnlich wie die Juden seit zweitausend Jahren - als Betrüger und Scharlatan hinstellen wird.

Der leugnet, daß Jesus der Christus ist, das ist der Antichrist.

1Jh 2,22 Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, daß Jesus der Christus ist? Der ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet. 1Jh 2,22;


Die verschiedenen weiteren Aussagen dieses Textes in Off 13 lassen dann auch erkennen, dass er mit diesem Betrug weltweit Erfolg haben wird:

-  Die ganze Erde staunte hinter dem Tier her. (Off 13,3)

-  Und sie beteten den Drachen an, weil er dem Tier die Macht gab, und sie beteten das Tier an und sagten: Wer ist dem Tier gleich? Und wer kann mit ihm kämpfen? (Off 13,4)

-  Und alle, die auf der Erde wohnen, werden ihn anbeten, jeder, dessen Name nicht geschrieben ist im Buch des Lebens des geschlachteten Lammes von Grundlegung der Welt an. (Off 13,8)


Der allergrößte Teil der Menschen auf Erden wird ihm also glauben. Sie werden den Satan, den Antichristen und sein Bild anbeten und sich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens als Malzeichen an ihre rechte Hand oder ihre Stirn geben (Off 13,16-17).

(Siehe auch die Tabelle 06: „Der Antichrist: die ,Dame' im Schachspiel des Teufels.”)


Die Aussage in Off 13,18 schließlich: „Hier ist die Weisheit. Wer Verständnis hat, berechne die Zahl des Tieres! Denn es ist eines Menschen Zahl; und seine Zahl ist 666” wird mit Sicherheit den Gläubigen in der kommenden antichristlichen Herrschaft ein wichtiger Hinweis zur Identifikation des größten Betrügers aller Zeiten sein können. Doch wie schon Barney Blankenship in seinem obigen Kommentar feststellt:

„Daher schließt das ‘berechnete Gesamtergebnis der Zahl 666’ des Tieres sowohl die Zahl des Tieres, als auch die Zahl des menschlichen Antichrists mit ein - und die zwei werden eins.”


Daher kann diese Bemerkung des Johannes in Off 13,18 auch für uns Heutige ein hilfreicher Anhaltspunkt sein, um die Doppelexistenz des Antichrists - zuerst Mensch, dann Dämon - zu erkennen und insbesondere die Nachahmung von Tod und Auferstehung des Sohnes Gottes, mit dem Ziel, sich selbst als der Messias auszugeben, als schändlichen Betrug zu entlarven.

Obwohl man sich nun weltweit und seit Jahrhunderten darüber einig war, dass sich beide Texte - 2The 2,1-12 und Off 13,1-14 - auf den Antichrist beziehen, hat man wohl die Übereinstimmungen, aber offenbar nie die Unterschiede in den beiden Aussagen wirklich ernst genommen. Die Folge war, dass die Ausleger immer wieder Schwierigkeiten hatten, diese unterschiedlichen Zusammenhänge auf ein und dieselbe Person zu deuten, weil es sich eben - wie die obige Analyse zeigt - tatsächlich nicht um eine, sondern um zwei Personen handelt.

Die zwei Antichristen bei Daniel

Wenn es uns nun also gelungen ist, in der obigen Analyse den Hintergrund dieser beiden Texte zu erkennen und zu erklären, kann uns diese Methode vielleicht auch behilflich sein, die Aussagen über den Antichristen im Alten Testament zu verstehen. Es geht hier um die Kapitel 2 sowie 7 bis 12 im Buch des Propheten Daniel. Einige dieser Prophezeiungen werden völlig zurecht, andere aber auch durch Unkenntnis der biblischen und historischen Zusammenhänge, auf den syrischen König und Unterdrücker Israels Antiochus IV. Epiphanes (215-163 v.Chr.) gedeutet. Um hier daher die Spreu vom Weizen zu trennen, wollen wir die Aussagen der einzelnen Abschnitte kurz betrachten.

Hier wäre zuerst einmal Dan 8,9-14

Und er nahm ihm das regelmäßige Opfer weg, und die Stätte seines Heiligtums wurde gestürzt.

Dan 8,9 Und aus dem einen von ihnen kam ein einzelnes Horn hervor, zunächst klein, aber es wurde übermäßig groß gegen Süden und gegen Osten und gegen die Zierde 8,10 Und es wuchs bis an das Heer des Himmels, und es warf einige von dem Heer und von den Sternen zur Erde herab und zertrat sie. 8,11 Selbst bis an den Obersten des Heeres wuchs er empor. Und er nahm ihm das regelmäßige Opfer weg, und die Stätte seines Heiligtums wurde gestürzt. 8,12 Und ein Opferdienst wurde verbrecherisch gegen das regelmäßige Opfer eingerichtet. Und das Horn warf die Wahrheit zu Boden, und hatte Erfolg. 8,13 Und ich hörte einen Heiligen reden. Und es sprach ein Heiliger zu jemandem - dem Redenden nämlich -: Bis wann gilt das Gesicht von dem regelmäßigen Opfer und von dem entsetzlichen Verbrechen daß sowohl das Heiligtum als auch der Opferdienst zur Zertretung preisgegeben sind? 8,14 Und er sagte zu mir: Bis zu 2300 Abenden und Morgen; dann wird das Heiligtum wieder gerechtfertigt. Dan 8, 9-14;


Der Grund, warum dieser Text von manchen Exegeten auf den Antichrist gedeutet wird, ist natürlich Dan 8,11-13. Die Ähnlichkeit dieser Aussagen mit jenen von Dan 7,25; 11,31 und 12,11 ist augenscheinlich, vor allem weil sich diese letzteren Prophezeiungen - wie wir weiter unten sehen werden - zum Unterschied von diesem Text in Dan 8, tatsächlich auf den Antichristen beziehen. Hier jedoch, in Dan 8,9-14, haben wir es ganz eindeutig mit dem syrischen König Antiochus IV. Epiphanes zu tun. Der Nachweis dafür ist die Erklärung, welche der Engel dem Daniel ab Vers Dan 8,20 gibt: Der Widder mit den zwei Hörnern sind die Könige von Medien und Persien. Der Ziegenbock ist der König von Griechenland und sein großes Horn ist Alexander der Große. Die vier darauffolgenden Hörner/Könige sind die Diadochenreiche und das einzelne Horn, das aus einem der Hörner (Seleukos) wuchs, ist eben Antiochus IV. Epiphanes, einer der Nachfolger von Seleukos. Nachdem wir bei Daniel weitere drei Kapitel mit Prophezeiungen auf den Antichristen haben, müssen wir hier nicht um jeden Preis diese Aussagen umdeuten. Noch dazu, wo die Erklärung des Engels die Identität von Antiochus klar erkennen lässt.

Bevor wir nun zu Dan 7 kommen und dem Traum Daniels von den vier großen Tieren, welche aus dem Meer stiegen, wollen wir uns kurz Dan 2 ansehen, wo Daniel durch Gottes Hilfe den Traum des Nebukadnezar so ausgezeichnet deuten konnte.

Und siehe, ein großes Bild! Dieses Bild war gewaltig und sein Glanz außergewöhnlich.

Dan 2,31 Du, o König, schautest: Und siehe, ein großes Bild! Dieses Bild war gewaltig und sein Glanz außergewöhnlich; es stand vor dir, und sein Aussehen war furchtbar. 2,32 Dieses Bild, sein Haupt war aus feinem Gold, seine Brust und seine Arme aus Silber, sein Bauch und seine Lenden aus Bronze, 2,33 seine Schenkel aus Eisen, seine Füße teils aus Eisen und teils aus Ton. 2,34 Du schautest, bis ein Stein losbrach, und zwar nicht durch Hände, und das Bild an seinen Füßen aus Eisen und Ton traf und sie zermalmte. 2,35 Da wurden zugleich das Eisen, der Ton, die Bronze, das Silber und das Gold zermalmt, und sie wurden wie Spreu aus den Sommertennen; und der Wind führte sie fort, und es war keinerlei Spur mehr von ihnen zu finden. Und der Stein, der das Bild zerschlagen hatte, wurde zu einem großen Berg und erfüllte die ganze Erde. Dan 2,31-35;


Wie dann auch der Deutung dieses Traumes durch Daniel in Dan 2,37-45 zu entnehmen ist, erhielt Nebukadnezar in diesem Traum eine Prophezeiung auf die nach ihm kommenden Weltreiche. Das Haupt aus Gold ist Nebukadnezars eigenes Reich, also Babylonien. Brust und Arme aus Silber stehen für das medo-persische Reich, welches Babylonien in seiner Macht abgelöst hat. Bauch und Lenden aus Bronze repräsentieren Griechenland, dessen Armeen unter Alexander dem Großen die Perser schlagen konnten, womit Griechenland zur Weltmacht wurde. Und schließlich die Schenkel aus Eisen stehen für das Römische Imperium, welches etwa 201 v.Chr. von den Griechen die damalige Weltherrschaft übernahm.

(Siehe auch Diskurs 98: „Das fünfte Königreich im Traum des Nebukadnezar: Amerika?”)


Die Füße und die Zehen teils aus Eisen und teils aus Ton sind nun ein geteiltes Königreich, nämlich das „Füßereich” und das „Zehenreich”.

Die Füße und die Zehen teils aus Töpferton und teils aus Eisen: das wird ein geteiltes Königreich sein.

Dan 2,37 Du, o König, du König der Könige, dem der Gott des Himmels die Königsherrschaft, die Macht und die Stärke und die Ehre gegeben hat 2,38 - und überall, wo Menschenkinder, Tiere des Feldes und Vögel des Himmels wohnen, hat er sie in deine Hand gegeben und dich zum Herrscher über sie alle gesetzt -, du bist das Haupt aus Gold. 2,39 Und nach dir wird ein anderes Königreich erstehen, geringer als du, und ein anderes, drittes Königreich, aus Bronze, das über die ganze Erde herrschen wird. 2,40 Und ein viertes Königreich wird stark sein wie Eisen, deshalb weil das Eisen alles zermalmt und zerschmettert; wie das Eisen, das alles zertrümmert, wird es all jene zermalmen und zertrümmern. 2,41 Und daß du die Füße und die Zehen teils aus Töpferton und teils aus Eisen gesehen hast: das wird ein geteiltes Königreich sein; aber von der Festigkeit des Eisens wird etwas in ihm sein, weil du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast. Dan 2,37-41;


Und das Zehenreich hat gegenüber dem Füßereich ein weiteres Spezifikum: sie werden sich durch Heiraten untereinander vermischen, aber sie werden nicht aneinander haften, so wie sich Eisen mit Ton nicht mischen läßt.

Die Zehen der Füße, teils aus Eisen und teils aus Ton: zum Teil wird das Königreich stark sein, und zum Teil wird es zerbrechlich sein.

Dan 2,42 Und die Zehen der Füße, teils aus Eisen und teils aus Ton: zum Teil wird das Königreich stark sein, und zum Teil wird es zerbrechlich sein. 2,43 Daß du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast: sie werden sich durch Heiraten untereinander vermischen, aber sie werden nicht aneinander haften, so wie sich Eisen mit Ton nicht mischen läßt. 2,44 Und in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das ewig nicht zerstört werden wird. Und das Königreich wird keinem anderen Volk überlassen werden; es wird all jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber wird es ewig bestehen: 2,45 wie du gesehen hast, daß von dem Berg ein Stein losbrach, und zwar nicht durch Hände, und das Eisen, die Bronze, den Ton, das Silber und das Gold zermalmte. Ein großer Gott läßt den König wissen, was nach diesem geschehen wird; und der Traum ist zuverlässig und seine Deutung zutreffend. Dan 2,42-45;


(Siehe auch die Tabelle 03: „Die historischen Weltreiche und ihre Auswirkungen auf Israel.”)


Zur besseren Übersicht sind diese historischen Ereignisse und ihre biblischen Entsprechungen in der Tabelle 02 gemeinsam mit anderen Prophezeiungen auf diese Weltmächte zusammengefasst.

(Siehe auch die Tabelle 02: „Die Weltreiche in der Bibel.”)


Wie der obigen Darstellung der Aussagen von Daniel 2 zu entnehmen ist, zeigt uns die Deutung von Nebukadnezars Traum nicht nur vier Weltmächte, wie manche vermuten, sondern insgesamt sechs. Die Schenkel aus Eisen werden zwar von Daniel explizit als „viertes Königreich” erwähnt, allerdings wird oft übersehen, dass er auch die Füße und Zehen als eigenes, fünftes Königreich - die antichristliche Weltmacht - interpretiert (Dan 2,41). Innerhalb dieses Füßereiches werden aber dann in Dan 2,42 auch die Zehen wieder als ein eigenes (das sechste) Königreich dargestellt, welches zum Teil stark sein wird, und zum Teil wird es zerbrechlich sein. Und auch der Stein, „der losbrach, aber nicht durch Hände”, wird in Dan 2,44 als Königreich bezeichnet - das Tausendjährige Friedensreich des Sohnes Gottes auf Erden - „das ewig nicht zerstört werden wird” (zur Deutung der verschiedenen Metalle siehe Diskurs 13).

(Siehe auch den Diskurs 13: „Welchen Weltreichen sind die 7(8) Häupter/Könige aus Off 17 zuzuordnen?”)

Das Tier aus dem Meer.

In der Tabelle 02 Die Weltreiche in der Bibel haben wir nun einen sehr guten Überblick über unser Thema und eine Grundlage zur Interpretation der anschließenden Danielstellen. Und hier kommen wir zuerst zu Dan 7 und dem Traum Daniels von den vier großen Tieren, welche aus dem Meer stiegen:

Und vier große Tiere stiegen aus dem Meer herauf, jedes verschieden vom anderen.

Dan 7,1 Im ersten Jahr Belsazars, des Königs von Babel, sah Daniel einen Traum und Gesichte seines Hauptes auf seinem Lager. Dann schrieb er den Traum auf, die Summe der Ereignisse berichtete er. 7,2 Daniel fing an und sprach: Ich schaute in meinem Gesicht in der Nacht, und siehe, die vier Winde des Himmels wühlten das große Meer auf. 7,3 Und vier große Tiere stiegen aus dem Meer herauf, jedes verschieden vom anderen. 7,4 Das erste war wie ein Löwe und hatte Adlerflügel; ich sah hin, bis seine Flügel ausgerissen wurden und es von der Erde aufgehoben und wie ein Mensch auf seine Füße gestellt und ihm das Herz eines Menschen gegeben wurde. 7,5 Und siehe, ein anderes, ein zweites Tier, war einem Bären gleich. Und es war auf der einen Seite aufgerichtet und hatte in seinem Maul drei Rippen zwischen seinen Zähnen. Und man sprach zu ihm so: Steh auf, friß viel Fleisch! 7,6 Nach diesem schaute ich, und siehe, ein anderes, wie ein Leopard: das hatte vier Vogelflügel auf seinem Rücken. Und das Tier hatte vier Köpfe, und Herrschaft wurde ihm gegeben. 7,7 Nach diesem schaute ich in Gesichten der Nacht: und siehe, ein viertes Tier, furchtbar und schreckenerregend und außergewöhnlich stark, und es hatte große eiserne Zähne; es fraß und zermalmte, und den Rest zertrat es mit seinen Füßen. Und es war verschieden von allen Tieren, die vor ihm waren, und es hatte zehn Hörner. Dan 7, 1- 7;


Wie in der Deutung dieses Traumes ab Dan 7,17 zu erkennen, sieht Daniel auch in dieser Vision die kommenden Weltreiche. Der Löwe ist Babylonien und Nebukadnezar, der wegen seines Hochmuts von Gott sieben Jahre lang von den Menschen ausgestoßen wurde und als Tier in der Wildnis leben musste. Doch dann wurde er von Gott wieder zurückgeholt und „auf seine Füße gestellt und ihm das Herz eines Menschen gegeben”. Der Bär stellt das historisch nachfolgende medo-persische Reich dar, während der schnelle Panther (Leopard) Griechenland und Alexander den Großen symbolisiert, der in kürzester Zeit die Länder seines Reichs erobert hatte. Und auch hier erkennen wir die vier Köpfe (Könige) der Diadochenreiche. Nachdem Griechenland in der Geschichte von den Römern abgelöst wurde, stellt sich das vierte Tier als das Römische Weltreich dar, welches seine Legionen mit Brustpanzern, Helmen und Schilden aus Bronze und Eisen ausrüstete und in den eroberten Ländern mit harter Hand herrschte.

Und dann kommt Daniel auch hier auf ein Nachfolgereich des Römischen Imperiums zu sprechen, wie es die Füße beim Standbild im Traum des Nebukadnezars waren. Es ist ein kleines Horn, welches als elftes Horn neben den zehn Hörnern des vierten Tieres aufkommt und drei von den andren Hörnern ausgerissen hat.

Während ich auf die Hörner achtete, siehe, da stieg ein anderes, kleines Horn zwischen ihnen empor.

Dan 7,8 Während ich auf die Hörner achtete, siehe, da stieg ein anderes, kleines Horn zwischen ihnen empor, und drei von den ersten Hörnern wurden vor ihm ausgerissen; und siehe, an diesem Horn waren Augen wie Menschenaugen und ein Mund, der große Worte redete. 7,9 Ich schaute, bis Throne aufgestellt wurden und einer, der alt war an Tagen, sich setzte. Sein Gewand war weiß wie Schnee und das Haar seines Hauptes wie reine Wolle, sein Thron Feuerflammen, dessen Räder ein loderndes Feuer. 7,10 Ein Feuerstrom floß und ging von ihm aus. Tausend mal Tausende dienten ihm, und zehntausend mal Zehntausende standen vor ihm. Das Gericht setzte sich, und Bücher wurden geöffnet. 7,11 Dann schaute ich wegen der Stimme der großen Worte, die das Horn redete: ich schaute, bis das Tier getötet und sein Leib zerstört und dem Brand des Feuers übergeben wurde. 7,12 Und den übrigen Tieren wurde ihre Herrschaft weggenommen, und Lebensdauer wurde ihnen gegeben bis auf Zeit und Stunde. 7,13 Ich schaute in Gesichten der Nacht: und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie der Sohn eines Menschen. Und er kam zu dem Alten an Tagen, und man brachte ihn vor ihn. 7,14 Und ihm wurde Herrschaft und Ehre und Königtum gegeben, und alle Völker, Nationen und Sprachen dienten ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht, und sein Königtum so, daß es nicht zerstört wird. Dan 7, 8-14;


Wir haben zu Beginn dieses Diskurses festgestellt, dass es nach der Schrift offenbar zwei Antichristen gibt: den „Mensch der Gesetzlosigkeit, den Paulus in 2The 2,1-11 prophezeit und „das Tier aus dem Meer”, welches Johannes in seiner Vision in Off 13,1-14 sieht. Bei unserem Versuch nun, auch die den Antichristen betreffenden Prophezeiungen des Daniel einer dieser beiden Schriftaussagen zuzuordnen, finden wir in der Chronologie des obigen Textes eine große Hilfe. Wie wir weiter oben gesehen haben, findet das Tier aus dem Meer in Off 13, nach den Aussagen von Off 19,20, unmittelbar vor dem Gericht im Himmel (Off 20,4) sein Ende und anschließend wird das Tausendjährige Friedensreich des Sohnes Gottes aufgerichtet, in dem die Märtyrer der Ersten Auferstehung Priester und Könige sein werden. Und gerade diese Reihenfolge finden wir auch hier im obigen Text von Dan 7,8-14 bzw. seiner Deutung in Dan 7,23-27.

Das Reich und die Herrschaft unter dem ganzen Himmel wird dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben werden.

Dan 7,23 Er sprach so: Das vierte Tier bedeutet: ein viertes Königreich wird auf Erden sein, das von allen anderen Königreichen verschieden sein wird. Es wird die ganze Erde auffressen und sie zertreten und sie zermalmen. 7,24 Und die zehn Hörner bedeuten: aus diesem Königreich werden sich zehn Könige erheben. Und ein anderer wird sich nach ihnen erheben, und dieser wird verschieden sein von den vorigen, und er wird drei Könige erniedrigen. 7,25 Und er wird Worte reden gegen den Höchsten und wird die Heiligen des Höchsten aufreiben; und er wird danach trachten, Festzeiten und Gesetz zu ändern, und sie werden in seine Hand gegeben werden für eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit. 7,26 Aber das Gericht wird sich setzen; und man wird seine Herrschaft wegnehmen, um sie zu vernichten und zu zerstören bis zum Ende. 7,27 Und das Reich und die Herrschaft und die Größe der Königreiche unter dem ganzen Himmel wird dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben werden. Sein Reich ist ein ewiges Reich, und alle Mächte werden ihm dienen und gehorchen. Dan 7,23-27;


Wir wollen diese und andere Parallelen zwischen Dan 7,20-27 und Off 13,1-7 bzw. 19,20 und 20,4 in der folgenden Tabelle gegenüberstellen:

Das Tier aus dem Meer
Daniel 7,20-27 Offenbarung 13,1-7; 19,20; 20,4
zehn Hörner Dan 7,20.24 zehn Hörner mit zehn Kronen Off 13,1
sein Mund redet große Worte Dan 7,20 sein Maul redet große Dinge Off 13,5
er redet Worte gegen den Höchsten Dan 7,25 er lästert Gott Off 13,6
er besiegt die Heiligen Dan 7,21.25 er überwindet die Heiligen Off 13,7
beherrscht Völker 3 1/2 Zeiten Dan 7,25 hat Macht 42 Monate zu wirken Off 13,5
das Gericht setzte sich Dan 7,10.26 das Gericht setzte sich Off 20,4
sein Leib wurde dem Feuer übergeben Dan 7,11.26 er wurde in den Feuersee geworfen Off 19,20
sie nehmen das Königreich in Besitz Dan 7,22.27 sie herrschen tausend Jahre Off 20,4

(Siehe auch die Tabelle 06: „Der Antichrist, die ,Dame' im Schachspiel des Teufels.”)


Aufgrund dieses Vergleiches können wir mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass der Text in Dan 7 jenem von Off 13 entspricht und das kleine Horn des vierten Tieres bei Daniel daher dem Tier aus dem Meer in der Offenbarung des Johannes, also dem dämonischen Antichrist, zuzuordnen ist.

Der Mensch der Gesetzlosigkeit.

Damit kommen wir zur zweiten Prophezeiung auf den Antichrist bei Daniel, in Dan 11 und 12. Es ist die bekannte „Offenbarung aus dem Buch der Wahrheit”, welche von vielen Theologen und Exegeten aufgrund der frappanten Übereinstimmung mit den historischen Ereignissen als vaticinia ex eventu, also als zeitgenössische Dokumentation dieser Ereignisse eingeschätzt wird, welche dann vordatiert wurde. Wie exakt diese Prophezeiungen eingetroffen sind, lässt sich in der ausführlichen Darstellung in Tabelle 04 (siehe Link hier unterhalb) erkennen. Deshalb sollen hier auch nur die allerwichtigsten Aussagen dieses Textes zitiert werden.

(Siehe auch die Tabelle 04: „Die Offenbarung aus dem Buch der Wahrheit.”)


Ebenso wie in den andern drei Texten bei Daniel, im Traum des Nebukadnezar in Dan 2, im Traum des Daniel in Dan 7 und in der Vision Daniels in Dan 8, haben wir auch in Dan 11 am Beginn Prophezeiungen auf Persien und Griechenland. Dann konzentriert sich allerdings das Geschehen auf den „König des Nordens” und den „König des Südens”. Wie wir der Tabelle 04 entnehmen können, sind damit jeweils sieben Herrscher angesprochen, deren erste sechs aus Griechenland (König des Nordens) und Ägypten (König des Südens) kommen. Obwohl der sechste König des Nordens aufgrund der historischen Fakten auf Antiochus IV. Epiphanes gedeutet wird, sehen manche Exegeten schon hier eine Vorschattung auf den Antichristen. Der siebente und letzte jeweilige König des Südens und des Nordens treten ab Dan 11,40 auf, und hier wird der siebente König des Nordens von den meisten Auslegern als der Antichrist interpretiert.

Doch es ist vorerst gar nicht dieser Text, welcher uns hier bei unserem Thema am meisten interessiert. Diese Offenbarung, welche Daniel vom Engel Gabriel erhielt, beginnt eigentlich schon im Kapitel 9. Dort heißt es, dass Daniel im Buch des Propheten Jeremia von den 70 Wochen gelesen hat, welche über sein Volk bestimmt sind (Jer 25) und richtete ein Bußgebet für sein Volk zum Herrn, seinen Gott und bat um Vergebung für Israel. Da erschien ihm der Engel Gabriel und erklärte ihm die siebzig Wochen. Abschließend spricht Daniel in Dan 9,26 von einem „kommenden Fürsten”, der Stadt und Heiligtum zerstören wird. Dieser Fürst wird von den meisten Auslegern auf Titus gedeutet, der im Jahre 70 mit seinen römischen Truppen Jerusalem überfallen hat, wobei - gegen den ausdrücklichen Befehl des Titus' - von den wütenden Soldaten auch der Tempel zerstört wurde.

Dann spricht aber Gabriel sichtlich von jemanden anderen, als er sagte:

Und zur Hälfte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen.

Dan 9,27 Und stark machen wird er einen Bund für die Vielen, eine Woche lang; und zur Hälfte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen. Und auf dem Flügel von Greueln kommt ein Verwüster, bis festbeschlossene Vernichtung über den Verwüster ausgegossen wird. Dan 9,27;


Hier ist die Bedeutung des Urtextes im zweiten Teil dieses Verses sehr schwierig zu interpretieren und so gibt es denn auch manch unterschiedliche Übersetzung. Insbesondere die Übersetzung Luthers mit „Und im Heiligtum wird stehen ein Gräuelbild, das Verwüstung anrichtet” ist wohl schon eher eine Auslegung von Off 13,14. Alle Parallelstellen sprechen nur von einem "verwüstenden Gräuel" (Dan 11,31; 12,11) oder "Gräuel der Verwüstung" (Mt 24,15; Mk 13,14) und keinesfalls von einem "Bild", welches sich Luther offenbar aus Off 13,14 "geliehen" hat. Doch was uns hier interessiert, ist der Zusammenhang dieses Textes mit der Aussage von Dan 12,11:

Und von der Zeit an, in der das regelmäßige Opfer abgeschafft wird, um den verwüstenden Greuel einzusetzen.

Dan 12,11 Und von der Zeit an, in der das regelmäßige Opfer abgeschafft wird, um den verwüstenden Greuel einzusetzen, sind es 1290 Tage. Dan 12,11;


Der Engel, der Daniel diese Offenbarung aus dem „Buch der Wahrheit” (Dan 10,21) in Dan 11 und 12 überbrachte, gab sich zwar nicht namentlich zu erkennen, der Schluss lieget jedoch nahe, dass es - ebenso wie in Dan 8,10 und 9,24 - auch hier Gabriel war, der von Gott mit der Aufgabe betraut wurde, Daniel hier Aufklärung zu geben. Und wenn wir uns nun die obigen beiden Texte ansehen, erkennen wir - trotz aller Übersetzungsprobleme - eine wesentliche Gemeinsamkeit. Nämlich den Hinweis, dass das, im mosaischen Glauben verpflichtend zweimal täglich auf dem Altar durchzuführende regelmäßige Opfer (2Mo 29,38) abgeschafft wird.

Und genau diese Aussage finden wir auch im Hauptteil dieser Offenbarung, in Dan 11,31:

Sie werden das regelmäßige Opfer abschaffen.

Dan 11,31 Und Streitkräfte von ihm werden dastehen; und sie werden das Heiligtum, die Bergfeste entweihen und werden das regelmäßige Opfer abschaffen und den verwüstenden Greuel aufstellen. Dan 11,31;


Daraus lässt sich nun Folgendes ableiten: betrachtet man die Kapitel 9 bis 12 im Buch Daniel, so ist zu erkennen, dass der Text weiter oben, in Dan 9,27, offensichtlich eine Vorankündigung zu der eigentlichen Offenbarung in Dan 11,31 ist, während der Engel in Dan 12,11 nachträglich dem Daniel eine Zeitangabe über die Dauer der endzeitlichen Trübsal macht. So ist Dan 9,27 sozusagen ein „Vorwort” und Dan 12,11 ein „Nachwort” zur dazwischen liegenden Hauptaussage in Dan 11,31. Und zwischen diesen letzteren beiden Versen gibt es noch eine weitere inhaltliche Parallele: gleichzeitig mit der Abschaffung des regelmäßigen Opfers wird auch der verwüstende Gräuel aufgestellt. Ja mehr noch, wie es in Dan 12,11 heißt, wird das regelmäßige Opfer gerade deshalb abgeschafft um den verwüstenden Gräuel einzusetzen.

Und als ob das nicht schon Parallelstellen genug wären, haben wir im Neuen Testament noch eine vierte, die für uns wahrscheinlich wichtigste Parallelstelle. In seiner Endzeitrede in Mt 24 erwähnt auch der Herr diesen Gräuel der Verwüstung.

Wenn ihr nun den Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte stehen seht.

Mt 24,15 Wenn ihr nun den Greuel der Verwüstung, von dem durch Daniel, den Propheten, geredet ist, an heiliger Stätte stehen seht - wer es liest, der merke auf! - Mt 24,15;


Und er verweist in diesem Zusammenhang sogar ganz explizit auf diese Aussagen im Buch Daniel und fordert die Leser dieser danielschen Offenbarung auf, beim Lesen aufzumerken. Durch diese neutestamentliche Aussage bekommen aber die obigen Danielstellen eine wesentlich konkretere Bedeutung. Einerseits ist damit für gläubige Christen das Argument einer vaticinia ex eventu endgültig vom Tisch. Der Herr wird nicht auf Aussagen verweisen, die in betrügerischer Absicht vordatiert wurden. Des weiteren ist dadurch auch die Auffassung eindeutig widerlegt, der Text von Dan 11,29-39, in welchem die Aussage oben, von Dan 11,31 eingebettet ist, wäre ausschließlich auf Antiochus IV. Epiphanes zu deuten. Antiochus lebte etwa 160 Jahre vor der Geburt des Herrn, also warum sollte der Herr die Jünger vor Ereignissen in der Zukunft warnen, welche bereits 160 Jahre davor geschehen sind? Und schließlich erfolgt der Hinweis auf Daniel nicht in irgendeinem Zusammenhang, sondern im Rahmen der Endzeitrede des Herrn. Und wie um die Wichtigkeit und Zusammengehörigkeit dieser Aussagen aus Altem und Neuem Testament zu bestätigen, haben wir in eben diesen beiden Texten - Daniel 12 und Matthäus 24 - noch weitere zwei fast identische Aussagen:

Und es wird eine Zeit der Bedrängnis sein, wie sie noch nie gewesen ist, seitdem irgendeine Nation entstand.

Dan 12,1 Und in jener Zeit wird Michael auftreten, der große Fürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt. Und es wird eine Zeit der Bedrängnis sein, wie sie noch nie gewesen ist, seitdem irgendeine Nation entstand bis zu jener Zeit. Dan 12,1;

Denn dann wird große Bedrängnis sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist.

Mt 24,21 Denn dann wird große Bedrängnis sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird. Mt 24,21;


Sowohl der Engel bei Daniel, als auch der Herr in seiner Endzeitrede sprechen von einer noch nie da gewesenen Bedrängnis, welche in dieser kommenden Zeit zu erwarten ist. Das ist die Große Trübsal, für welche wir nun auch im AT eine Prophezeiung erkennen.

Wenn wir nun zusammenfassen, haben wir in den Texten von Dan 11 und 12 einerseits und Matthäus Kapitel 24 andererseits folgende Gemeinsamkeiten:

In dieser Zeit (in der Hälfte der siebzigsten Jahrwoche) wird

 - das regelmäßige Opfer (Schlacht- und Speisopfer) abgeschafft (Dan 9,27; 11,31; 12,11)

 - der Gräuel der Verwüstung aufgestellt (Dan 9,27; 11,31; 12,11; Mt 24,15)

 - eine Bedrängnis sein, wie sie noch nie gewesen ist (Dan 12,1; Mt 24,21)


Damit ist der Bezug zur Endzeit auch für Dan 11 und 12 nachgewiesen und wir können daher auch den Text von Dan 11,40-45 als Prophezeiung auf den Antichrist - und zwar auf den „Mensch der Gesetzlosigkeit”, wie ihn Paulus nennt - einordnen.

Obwohl in der Analyse nicht einfach zu erkennen, sehen wir jetzt, im Nachhinein, die Zuordnung der Danielprophezeiungen auf die beiden verschiedenen Antichristen als logische Folge ihrer Charakterisierung durch die Schrift. Wie wir oben - und insbesondere in Tabelle 04 -  sehen, ist der erste Antichrist, der Mensch der Gesetzlosigkeit oder siebente König des Nordens in Dan 11,40, ein „König”. Also ein Staatmann, Politiker, Feldherr, wie immer man das dann auch bezeichnen mag. Er führt Krieg gegen alle Länder und wird „in die Länder eindringen und wird sie überschwemmen und überfluten” (Dan 11,40). Er wird ausziehen, um viele zu vernichten und sie werden ihm nicht entrinnen (Dan 11,44). Diese Beschreibung erinnert ein wenig an Alexander den Großen, der innerhalb von zwei Jahren die Ostküste des Mittelmeeres eroberte und die Perser in 3 Schlachten besiegte. Oder auch an Hitler, der in den ersten zwei Jahren des zweiten Weltkriegs die Länder Mitteleuropas überrannte und überrollte und ein Land nach dem anderen besetzte.

Aufgrund dieser großen Erfolge des ersten Antichristen, welche ihm durch die Unterstützung Satans gelingen werden, wird er sich in den Tempel Gottes setzten und als „Gott” ausgeben (2The 2,4) Aber schon seine Wunder sind „Wunder der Lüge”, wie Paulus schreibt (2The 2,9). Es sind also keine Wunder Gottes, wie sie der Herr zu Lebzeiten gewirkt hat, sondern bessere Taschenspielertricks. Eben Wunder der Lüge.

Beim zweiten Antichristen, dem Tier aus dem Meer, erkennen wir ganz andere Kategorien. Er wird durch Satan von den Toten (aus dem Meer) auferweckt und erhält die ganze Kraft und Macht, ja sogar den Thron des Satans (Off 13,2). Auch ihm „wurde Macht gegeben über jeden Stamm und jedes Volk und jede Sprache und jede Nation”, jedoch erkennt man am Kontext, dass dies keine Kriegsmacht ist. Er führt keine Heere und schlägt keine Schlachten. Ja sogar für die einzige Schlacht, die er führen muss, weil sie ihm von Gott aufgezwungen wird - die Schlacht von Harmagedon - muss er seine zehn verbündeten weltlichen Könige mit Geistern manipulieren, damit sie mit ihren Heeren für ihn kämpfen (Off 16,13-14). Seine Macht ist geistlicher Natur. Er beherrscht die Menschen und nicht die Nationen. Auch er gibt sich als „Gott” aus und wird damit absoluten Erfolg haben. „Alle, die auf der Erde wohnen, werden ihn anbeten” (Off 13,8).

Und seine Wunder sind zwar Wunder des Bösen, aber es sind tatsächlich geistliche, dämonische Kräfte, welche ihn dazu befähigen. Man erkennt die ganze furchtbare Dimension dieser überirdischen geistlichen Macht, wenn man sich die Konsequenzen der „Feindbekämpfung”, wie sie in Off 13,15 berichtet wird, vor Augen führt: „Und es wurde ihm gegeben, dem Bild des Tieres Odem zu geben, so daß das Bild des Tieres sogar redete und bewirkte, daß alle getötet wurden, die das Bild des Tieres nicht anbeteten”. Es bedarf also keiner Akten, Zeugen oder Beweise. Dieses „Bild des Tieres” kontrolliert offensichtlich den Geist jedes Menschen. Und jeder, der in seinem Geist das Tier ablehnt und nicht zur Anbetung bereit ist, wird automatisch - möglicherweise auch durch Geisteinwirkung - getötet. Eine Flucht ist hier ausgeschlossen. So ist auch die Aussage bei der Ersten Auferstehung, in Off 20,4 zu verstehen, wo alle, „welche das Tier und sein Bild nicht angebetet und das Malzeichen nicht an ihre Stirn und an ihre Hand angenommen hatten” als enthauptet bezeichnet werden. Sie wurden alle getötet und sind daher Märtyrer, wie ja überhaupt bei der Ersten Auferstehung nur Märtyrer lebendig werden.

Wie wir nun hier oben sehen, haben wir über den zweiten, den dämonischen Antichristen (Tier aus dem Meer) in der Offenbarung eine Fülle an Informationen. Nachdem uns gerade die Offenbarung einen relativ umfassenden Überblick über die gesamten endzeitlichen Ereignisse bietet, ist es doch recht verwunderlich, dass dort keine Aussagen über den ersten Antichristen, also den Mensch der Gesetzlosigkeit, oder nach Dan 11,40 den siebenten König, enthalten sein sollten. Wenn wir aber auf die Endzeitrede des Herrn zurückgreifen, welcher ja, wie oben dargestellt, auf dieses Thema mit seiner Aussage in Mt 24,15 und der Parallele in Dan 11,31 eingeht, können wir weitere Parallelen zwischen Mt 24 und Off 6 und 7 feststellen.

Wenn der Herr oben, in Mt 24,21 von der großen Bedrängnis/Trübsal spricht, so hat dies nicht nur bei Dan 12,1 eine Parallele, sondern wir finden auch in der Offenbarung, in Off 7,14 einen wichtigen Hinweis auf diese Große Trübsal:

Diese sind's, die gekommen sind aus der großen Trübsal.

Off 7,9 Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen, 7,10 und riefen mit großer Stimme: Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott, und dem Lamm! 7,11 Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und um die vier Gestalten und fielen nieder vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an 7,12 und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

7,13 Und einer der Ältesten fing an und sprach zu mir: Wer sind diese, die mit den weißen Kleidern angetan sind, und woher sind sie gekommen? 7,14 Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind's, die gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes. 7,15 Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen. 7,16 Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze; 7,17 denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen. Off 7, 9-17;


Nachdem diese große Schar aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen bereits vor dem Thron im Himmel steht, heißt das, dass zu diesem Zeitpunkt die Große Trübsal bereits beendet ist. Und das Ende der Großen Trübsal erwähnt auch der Herr in Mt 24,29:

Sogleich aber nach der Trübsal jener Zeit wird Sonne und Mond finster und die Sterne fallen.

Mt 24,29 Sogleich aber nach der Trübsal jener Zeit wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. 24,30 Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und dann werden wehklagen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. 24,31 Und er wird seine Engel senden mit hellen Posaunen, und sie werden seine Auserwählten sammeln von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern. Mt 24,29-31;


Diese Parallelität der Aussagen zwischen der Endzeitrede des Herrn in Mt 24 und Off 6 und 7 lässt sich dann auch zurückverfolgen bis zum Anfang der Wehen Mt 24,8 und dem Reiter auf dem weißen Pferd in Off 6,2 (siehe Diskurs 05).

(Siehe auch Diskurs 05: „Die Parallelität der Ereignisse von Mt 24 und Off 6 und 7..”)

Der Reiter auf dem weißen Pferd.

Ein weißes Pferd, und der darauf saß, ihm wurde ein Siegeskranz gegeben, er zog aus, siegend und um zu siegen.

Off 6,1 Und ich sah, als das Lamm eines von den sieben Siegeln öffnete, und hörte eines von den vier lebendigen Wesen wie mit einer Donnerstimme sagen: Komm! 6,2 Und ich sah: und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, hatte einen Bogen; und ihm wurde ein Siegeskranz gegeben, und er zog aus, siegend und um zu siegen. Off 6, 1- 2;


Und wie es aussieht, haben wir hier den gesuchten siebenten König aus Dan 11,40, der alle Schlachten gewinnt, der „in die Länder eindringen und sie überschwemmen und überfluten” wird. Es ist der Reiter auf dem weißen Pferd, der beim ersten Siegel auf die Menschheit losgelassen wird. Wie wir nun aus den nachfolgenden Ereignissen erkennen können, sind die Folgen verheerend:

Der Reiter auf dem feuerroten Pferd.

Ein feuerrotes Pferd, und der darauf saß, ihm wurde gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen und die Menschen werden einander schlachten.

Off 6,3 Und als es das zweite Siegel öffnete, hörte ich das zweite lebendige Wesen sagen: Komm! 6,4 Und es zog aus ein anderes, ein feuerrotes Pferd und dem, der darauf saß, ihm wurde gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen und die Menschen dahin zu bringen, daß sie einander schlachteten; und ihm wurde ein großes Schwert gegeben. Off 6, 3- 4;


Und der Paralleltext dazu im Mt 24,6-7:

Nation erhebt sich gegen Nation und Königreich gegen Königreich.

Mt 24,6 Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da. 24,7 Denn es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort. Mt 24, 6- 7;


Wenn der Friede von der Erde genommen wird, ein Volk sich gegen das andere erheben wird und die Menschen einander schlachten, ist das ein Weltkrieg der besonderen Art. Es ist der Beginn der Großen Trübsal, welche sich durch von Menschen ausgelöstes Leid, mit Kriegen, Umweltkatastrophen und Hungersnöten auszeichnen wird.

Ein Maß Weizen für einen Denar und drei Maß Gerste für einen Denar! Und Öl und Wein füge keinen Schaden zu!

Off 6,5 Und als es das dritte Siegel öffnete, hörte ich das dritte lebendige Wesen sagen: Komm! Und ich sah: und siehe, ein schwarzes Pferd, und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. 6,6 Und ich hörte etwas wie eine Stimme inmitten der vier lebendigen Wesen, die sagte: Ein Maß Weizen für einen Denar und drei Maß Gerste für einen Denar! Und dem Öl und dem Wein füge keinen Schaden zu! Off 6, 5- 6;


Aufgrund der völlig überhöhten Preisangaben, hier oben in Off 6,6, ist anzunehmen, dass es eine unglaubliche Lebensmittelknappheit geben wird. Und durch die Aufforderung an den Engel, das Öl und den Wein nicht zu schaden, lässt sich schließen, dass es sich hier um eine Dürrekatastrophe handelt, bei der die tiefwurzelnden Ölbäume und Weinstöcke nicht so schnell zu Schaden kommen wie etwa Getreide oder Gemüse

Diese Hungersnot wird auch in Mt 24,7 angekündigt:

Es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort.

Mt 24,7 Denn es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort. Mt 24, 7;


Über das globale Ausmaß dieser Katastrophen erfahren wir dann in Off 6,7-8:

Und ihnen wurde Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit dem Schwert und mit Hunger.

Off 6,7 Und als es das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten lebendigen Wesens sagen: Komm! 6,8 Und ich sah: und siehe, ein fahles Pferd, und der darauf saß, dessen Name ist «Tod»; und der Hades folgte ihm. Und ihnen wurde Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit dem Schwert und mit Hunger und mit Tod und durch die wilden Tiere der Erde. Off 6, 7- 8;


Wenn sich der „vierte Teil der Erde” in Off 6,8 auf ein Viertel der Weltbevölkerung bezieht, so sind das nach dem heutigen Stand etwa  1.7  Milliarden Menschen, nach Schätzung der globalen Population für das Jahr 2025, etwa 2 Milliarden Menschen, welche hier in der Großen Trübsal ums Leben kommen werden. Wahrlich eine Katastrophe, welche die Welt noch nie gesehen hat. Ein Viertel der Menschen dieser Erde wird durch weltweite Kriege, bei welchen sie sich - Nation gegen Nation - gegenseitig abschlachten werden, und durch globale Dürrekatastrophen mit Wassermangel und Hungersnöten getötet werden. Unter den Opfern sind aber nicht nur die Gottlosen, sonder auch alle jene christlichen Gläubigen, welche hier unten, in Off 7,16, in weißen Kleidern vor dem Thron Gottes stehen und von denen der Älteste dem Johannes sagt, dass sie aus der Großen Trübsal gekommen sind und nunmehr nicht mehr hungern und dürsten werden und dass auch die Sonne nicht mehr auf sie brennen wird

Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze.

Off 7,13 Und einer der Ältesten fing an und sprach zu mir: Wer sind diese, die mit den weißen Kleidern angetan sind, und woher sind sie gekommen? 7,14 Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind's, die gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes. 7,15 Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen. 7,16 Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze; 7,17 denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen. Off 7, 13-17;


Wie es scheint, sind aber Kriege, Dürrekatastrophen und Hungersnöte erst das von uns Menschen selbst verursachte endzeitliche Katastrophenszenario. Wenn wir dann auch noch die Konsequenzen der Gerichte des Zornes Gottes berücksichtigen und speziell die Aussage über das sechste Posaunengericht in Off 9,15, wo der „dritte Teil der Menschen getötet” werden wird, haben wir eine Opferbilanz von etwa 4 Milliarden Menschen - mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung -  innerhalb weniger Jahre.

Hier hat unlängst der Zoologe an der Uni Wien und Leiter der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Grünau, Univ. Prof. Dr. Kurt Kotrschal, in einem Artikel gemeint: „Wohl zu Recht fürchten sich moderne Menschen am meisten vor sich selber, denn was wir heute zustande bringen, degradiert den biblischen Angstmacher Gotteszorn zum Papiertiger”. Wie wir oben gesehen haben, ist das Ausmaß des Vernichtungspotentials in beiden Fällen ziemlich gleich und von „Papiertiger” kann nur träumen, wer noch nie eine Bibel wirklich studiert hat. Und anders, als es der Zoologe und Evolutionist offensichtlich denkt, wird sich nicht nur die menschliche Macht- und Profitgier und der Raubbau an unserem Planeten am Ende rächen, sondern die Menschheit wird leider auch den berechtigten Zorn Gottes zu tragen haben, welcher „die verdirbt, welche die Erde verderben” (Off 11,18).

Wir erkennen nun aus dieser Analyse, dass die Große Trübsal einen völlig anderen Hintergrund hat, als dies bisher üblicherweise angenommen wurde. Die Ursache für diese Fehleinschätzung ist die fehlende Unterscheidung zwischen den beiden Antichristen und ihren jeweiligen Begleitumständen. Eine weitere Folge davon ist die Verwechslung der Großen Trübsal (erster Antichrist, weltweite Kriege, Klimakatastrophen und Hungersnöte) mit dem Tag des Herrn und des Zornes Gottes (zweiter Antichrist, Beherrschung der Welt durch dämonische Kräfte). Dieser Tag des Zornes Gottes hat seinen Höhepunkt in den Schalengerichten, welche über den zweiten, den dämonischen Antichristen und seine Anbeter ausgegossen werden und in der Schlacht von Harmagedon, wo dieser Dämon mit seinem falschen Propheten schließlich besiegt und in den Feuersee geworfen  wird.

(Siehe auch die Tabelle 14: „Die Offenbarung - nach Ereignissen gegliedert.”)


Und schließlich lässt sich nun noch ein weiteres Missverständnis aufklären. Im obigen Text aus Off 7,13-17 heißt es, dass die dort erwähnten Gläubigen aus der großen Trübsal kommen. Sie sind nach Off 7,9: „die große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen”. Sie kommen aus allen Völkern und Sprachen und daher können das nur die Gläubigen aus der Entrückung sein. Wenn sie also aus der Großen Trübsal kommen und nun jetzt im Himmel, vor dem Thron Gottes stehen, können sie nicht - wie das die Vorentrückungslehre (Prätribulationismus) lehrt - vor, sondern müssen zwangsläufig erst nach der Trübsal, bei der Wiederkunft des Herrn, entrückt worden sein. Das zeigt uns auch die folgende Parallelität zwischen Mt 24 und Off 6 und 7:

Gleich nach der Bedrängnis jener Tage wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen.

Mt 24,29 Aber gleich nach der Bedrängnis jener Tage wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. 24,30 Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. 24,31 Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende. Mt 24,29-31;


Gleich nach der Bedrängnis/Trübsal wird sich die Sonne verfinstern, der Mond wird seinen Schein nicht geben und die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Genau diese Reihenfolge finden wir auch in Off 6,12-14:

Die Sonne wurde schwarz wie ein härener Sack, und der ganze Mond wurde wie Blut, und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde.

Off 6,12 Und ich sah, als es das sechste Siegel öffnete: und es geschah ein großes Erdbeben; und die Sonne wurde schwarz wie ein härener Sack, und der ganze Mond wurde wie Blut, 6,13 und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum, geschüttelt von einem starken Wind, seine Feigen abwirft. 6,14 Und der Himmel schwand dahin wie ein Buch, das zusammengerollt wird, und jeder Berg und jede Insel wurden von ihren Stellen gerückt. Off 6,12-14;


Auch hier werden die Gestirne verfinstert, die Sterne fallen auf die Erde und der Himmel schwindet dahin. Wobei die Aussage des Herrn in Mt 24 hier weiter geht. Er sagt, dass bei diesem Ereignis das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen wird; und dann werden sie „den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit”. Und im nächsten Vers wird der Herr noch konkreter, wenn er sagt.

Mt 24,31 Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende. Mt 24,31;


Hier, nach der Großen Trübsal, ist also die Wiederkunft des Herrn und die Entrückung. Und genau so sieht es auch Paulus in seinem zweiten Brief an die Thessalonicher. Er schreibt ihnen in 2The 2,1, dass sie sich „wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm” nicht verunsichern lassen sollen.

Der Mensch der Gesetzlosigkeit und der Abfall kommen vor dem Tag der Wiederkunft des Herrn zur Entrückung.

2The 2,1 Wir bitten euch aber, Brüder, wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm, 2,2 daß ihr euch nicht schnell in eurem Sinn erschüttern, auch nicht erschrecken laßt, weder durch Geist noch durch Wort, noch durch Brief, als seien sie von uns, als ob der Tag des Herrn da wäre. 2,3 Daß niemand euch auf irgendeine Weise verführe! Denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, daß zuerst der Abfall gekommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit geoffenbart worden ist, der Sohn des Verderbens; 2,4 der sich widersetzt und sich überhebt über alles, was Gott heißt oder Gegenstand der Verehrung ist, so daß er sich in den Tempel Gottes setzt und sich ausweist, daß er Gott sei. 2The 2, 1- 4;


Der Tag der Ankunft des Herrn zur Vereinigung mit den Seinen kommt nicht, bevor nicht der Abfall - die Große Trübsal - gekommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit - der erste Antichrist - geoffenbart worden wäre. Wie wir sehen, gehen diese Aussagen des Paulus konform mit den Aussagen des Herrn in Mt 24,29: „gleich nach der Trübsal jener Tage” und der Vision des Johannes in Off 7,14: „Diese sind's, die gekommen sind aus der großen Trübsal”. Ebenso, wie hier der Älteste im Himmel dem Johannes nicht sagen könnte: „Diese sind's, die gekommen sind aus der großen Trübsal”, wenn diese bereits vor der Großen Trübsal entrückt worden wären, würde der Herr im Zusammenhang mit der Großen Trübsal in Mk13,19-20 nicht davon sprechen, dass diese furchtbare Zeit um der Auserwählten willen verkürzt werden wird, wenn diese Gläubigen die Trübsalszeit gar nicht erleben müssten.

Um der Auserwählten willen, die er auserwählt hat, hat er die Tage verkürzt.

Mk 13,19 Denn jene Tage werden eine Bedrängnis sein, wie sie von Anfang der Schöpfung, die Gott geschaffen hat, bis jetzt nicht gewesen ist und nicht sein wird. 13,20 Und wenn nicht der Herr die Tage verkürzt hätte, würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen, die er auserwählt hat, hat er die Tage verkürzt. 13,21 Und wenn dann jemand zu euch sagt: Siehe, hier ist der Christus! Siehe dort! so glaubt nicht! 13,22 Es werden aber falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und werden Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, die Auserwählten zu verführen. 13,23 Ihr aber, seht zu! Ich habe euch alles vorhergesagt. Mk 13,19-23;


Und damit kommen wir schließlich wieder zu jener Stelle, mit der wir am Beginn dieses Diskurses eingestiegen sind:

Der Gesetzlose wird vernichtet durch den Herrn Jesus bei seiner Ankunft zur Entrückung der Seinen.

2The 2,7 Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur offenbart es sich nicht, bis der, welcher jetzt zurückhält, aus dem Weg ist; 2,8 und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft; 2,9 ihn, dessen Ankunft gemäß der Wirksamkeit des Satans erfolgt mit jeder Machttat und mit Zeichen und Wundern der Lüge 2,10 und mit jedem Betrug der Ungerechtigkeit für die, welche verloren gehen, dafür, daß sie die Liebe der Wahrheit zu ihrer Errettung nicht angenommen haben. 2,11 Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, daß sie der Lüge glauben, 2,12 damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit. 2The 2, 7-12;


Wenn also der Herr Jesus bei seiner Wiederkunft den ersten Antichristen, den Menschen der Gesetzlosigkeit, mit dem Hauch seines Mundes töten wird, so muss dieser Gesetzlose vorher auf Erden geherrscht haben. Und nachdem Paulus in 2The 2,3 schreibt, dass beide, sowohl der Abfall - die Große Trübsal - als auch der Gesetzlose gemeinsam kommen werden, bestätigt dies ebenfalls die Aussagen von Mt 24,29 und Off 7,14, dass die Entrückung - und damit die Wiederkunft des Herrn - erst nach der Großen Trübsal und dem Auftreten des ersten Antichristen erfolgen wird.

Abschließend sollen nun hier die für diese Interpretation relevanten Bibelstellen angeführt werden:

Zusammenfassung

Der erste, menschliche Antichrist (der Mensch der Gesetzlosigkeit, der Reiter auf dem weißen Pferd)

o  Zuerst muss der Abfall kommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit, der Sohn des Verderbens geoffenbart werden; (2The 2,1-4) 

o  Ein weißes Pferd, und der darauf saß, hatte einen Bogen; und ihm wurde ein Siegeskranz gegeben, und er zog aus, siegend und um zu siegen. (Off 6,2)

o  Und stark machen wird er einen Bund für die Vielen, eine Woche lang; und zur Hälfte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen. Und auf dem Flügel von Greueln kommt ein Verwüster, bis festbeschlossene Vernichtung über den Verwüster ausgegossen wird. (Dan 9,27)


Die Große Trübsal (Drangsal, Bedrängnis)

o  Denn dann wird große Bedrängnis sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird. (Dan 12,1; Mt 24,21)

o  Diese sind's, die gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes. (Off 7,14)

o  Sogleich aber nach der Trübsal jener Zeit wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. (Mt 24,29)

o  Und ich sah, als es das sechste Siegel öffnete: und es geschah ein großes Erdbeben; und die Sonne wurde schwarz wie ein härener Sack, und der ganze Mond wurde wie Blut, und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum, geschüttelt von einem starken Wind, seine Feigen abwirft. (Off 6,12-13)

o  Wenn ihr nun den Greuel der Verwüstung, von dem durch Daniel, den Propheten, geredet ist, an heiliger Stätte stehen seht - wer es liest, der merke auf! (Mt 24,15)

o  Und von der Zeit an, in der das regelmäßige Opfer abgeschafft wird, um den verwüstenden Greuel einzusetzen, sind es 1290 Tage. (Dan 12,11)


Die Wiederkunft des Herrn (der Tag der Offenbarung des Herrn, die Ankunft des Herrn)

o  Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. (Mt 24,30)

o  Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel. (1The 4,16)

o  Und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft; (2The 2,8)


Die Entrückung (Vereinigung mit dem Herrn)

o  Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende. (Mt 24,31)

o  Und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein. (1The 4,16-17)

o  Wir bitten euch aber, Brüder, wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm. (2The 2,1)


Der zweite, dämonische Antichrist (das Tier aus dem Meer, das kleine Horn)

o  Und ich sah aus dem Meer ein Tier aufsteigen, das zehn Hörner und sieben Köpfe hatte, und auf seinen Hörnern zehn Diademe und auf seinen Köpfen Namen der Lästerung. (Off 13,1)

o  Während ich auf die Hörner achtete, siehe, da stieg ein anderes, kleines Horn zwischen ihnen empor, und drei von den ersten Hörnern wurden vor ihm ausgerissen; und siehe, an diesem Horn waren Augen wie Menschenaugen und ein Mund, der große Worte redete. (Dan 7,8)



Diese geänderte Betrachtungsweise bietet nun auch die Möglichkeit andere Fragen der biblischen Exegese, welche bisher noch nicht oder nur unzureichend beantwortet werden konnten - wie z. B. die folgenden zwei Beiträge -, einer neuerlichen Prüfung zu unterziehen und aufgrund der veränderten Sicht neue Antworten zu finden.



(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Woher kommen die lebenden Gläubigen für die Entrückung? / Kommentar HD, 2001-04-08)

In Ihrem Kapitel 06 (062: Die Entrückung) beschreiben Sie am Ende die Zeit der Regierung des Antichristen und daß keiner, der sich dessen Anbetung entzieht, überleben kann. Da stellt sich nun natürlich die Frage, wo denn die Gläubigen herkommen sollen, die bis zum Wiederkommen Jesu noch am Leben sein werden und somit die Entrückung erleben werden. Das kann ja dann nur so interpretiert werden, daß es einen weiteren Herrschaftsbereich geben muß, in dem der Antichrist nicht die uneingeschränkte Herrschaft hat. Wie sehen Sie das?

(Harald Dietewich Harald@Dietewich.de / www.Dietewich.de


(Siehe auch Diskurs 28: „Woher kommen die lebenden Gläubigen für die Entrückung?”)


Bei dieser Frage von Harald Dietewich aus dem Jahre 2001, welche damals bei Immanuel.at aufgrund der noch fehlenden Erkenntnis nur unbefriedigend beantwortet werden konnte, erkennen wir wieder die alte Lehrmeinung, dass Große Trübsal und Tag des Herrn ein und dasselbe Ereignis seien. Man bringt die Herrschaft des zweiten, des dämonischen Antichrists (Tier aus dem Meer) mit der Großen Trübsal und dem ersten Antichrist (Mensch der Gesetzlosigkeit) in Zusammenhang. Anhand der obigen Analyse lässt sich jedoch diese Frage etwas entwirren.

Wie wir gesehen haben, erfolgt die Wiederkunft des Herrn und die Entrückung nach der Großen Trübsal, die vom ersten Antichristen, vom Mensch der Gesetzlosigkeit (Reiter auf dem weißen Pferd, Off 6,1-2) initiiert wird.

2The 2,3 Daß niemand euch auf irgendeine Weise verführe! Denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, daß zuerst der Abfall gekommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit geoffenbart worden ist, der Sohn des Verderbens; 2The 2,3


Jene Gläubigen, die während dieser Zeit der weltweiten Kriege, Dürrekatastrophen und Hungersnöte (Mt 24,7; Off 6,3-8) verstorben sind, werden mit den anderen Toten in Christo bei der Wiederkunft des Herrn, gleich nach dieser Zeit der Bedrängnis, auferweckt und gemeinsam mit den dann noch lebenden Geschwistern entrückt werden (1The 4,16; Mt 24,29-31). Wir finden sie dann in Off 7,13-17 bereits im Himmel, vor dem Thron.

Die Herrschaft des zweiten, des dämonischen Antichrists (Tier aus dem Meer, Off 13), beginnt aber erst später, nach der siebenten Posaune. In dieser Zeit wird das Bild des Tieres alle Menschen töten (Off 13,15), welche nicht bereit sind das Tier, den zweiten Antichristen, anzubeten. Und hier wird es dann tatsächlich keine überlebenden Gläubigen mehr geben. Das Bild des Tieres wird sie alle ausnahmslos töten.

Die Fragestellung von H. Dietewich:

„In Ihrem Kapitel 06 (062: Die Entrückung) beschreiben Sie am Ende die Zeit der Regierung des Antichristen und daß keiner, der sich dessen Anbetung entzieht, überleben kann. Da stellt sich nun natürlich die Frage, wo denn die Gläubigen herkommen sollen, die bis zum Wiederkommen Jesu noch am Leben sein werden und somit die Entrückung erleben werden?”

zeigt nun genau das Dilemma der bisherigen Exegese. Dadurch, dass die Große Trübsal (erster Antichrist) - nach deren Ende die Wiederkunft des Herrn und die Entrückung erfolgt - mit dem erst danach stattfindenden Tag des Herrn (zweiter Antichrist) zusammengesehen wird, werden die Inhalte dieser beiden Ereignisse vermengt. Man weiß also, dass in der Herrschaft des Tieres - in der vermeintlichen Großen Trübsal - alle Gläubigen getötet werden und fragt sich, wenn die Entrückung nach der Großen Trübsal erfolgen soll, woher denn dann die lebenden Gläubigen für die Entrückung kommen sollen. Wenn man nun aber die Trennung aufgrund der neuesten Erkenntnis vornimmt, löst sich dieses Problem von selbst.

o  Bei der Entrückung werden alle toten Gläubigen in Christus aller Zeiten - also auch die in der Großen Trübsal an Hunger, Durst oder in Kriegen Verstorbenen - welche nicht wegen ihres Glaubens getötet wurden, gemeinsam mit den aus diesen Katastrophen der Großen Trübsal übriggebliebenen lebenden Gläubigen der Endzeitgemeinde zum Herrn entrückt. Sie haben damit ihr Heilsziel erreicht und werden allezeit beim Herrn im Himmel sein, wie Paulus in 1The 4,17 schreibt.

Und so werden wir allezeit beim Herrn sein.

1The 4,16 Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; 4,17 danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein. 1The 4,16-17:



o  Jene Märtyrer, welche dann später in der Herrschaft des dämonischen Antichrists (Tag des Herrn) getötet werden, weil sie sich weigern dieses Tier anzubeten, werden gemeinsam mit allen Märtyrern aller Zeiten, die wegen ihres Glaubens getötet wurden (um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen), in der Ersten Auferstehung in Off 20,4 (nicht Auferweckung von den Toten!) vom Himmel herab lebendig werden und mit dem Herrn im Millennium herrschen. Sie haben daher eine andere Aufgabe als die Gemeinde.

Die das Tier und sein Bild nicht angebetet und das Malzeichen nicht angenommen hatten, wurden lebendig.

Off 20,4 Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und das Gericht wurde ihnen übergeben; und ich sah die Seelen derer, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren, und die, welche das Tier und sein Bild nicht angebetet und das Malzeichen nicht an ihre Stirn und an ihre Hand angenommen hatten, und sie wurden lebendig und herrschten mit dem Christus tausend Jahre. 20,5 Die übrigen der Toten wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet waren. Dies ist die erste Auferstehung. Off 20, 4- 5;


Wie wir sehen, sind das zwei völlig getrennte Ereignisse und die lebenden Gläubigen aus der Großen Trübsal, die mit den auferweckten Toten in Christus entrückt werden, sind schon lange im Himmel beim Herrn, wenn in der Herrschaft des Tieres die Märtyrer wegen ihrer Weigerung das Tier anzubeten, getötet werden.

Um hier jedoch einer anderen, häufig praktizierten Verquickung von Ereignissen vorzubeugen, muss man ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Erste Auferstehung wieder nichts mit der Auferweckung der Toten in Christus und der Entrückung zu tun hat. Auch das sind zwei völlig verschiedene Ereignisse. Bei der Auferweckung und Entrückung werden alle jene verstorbenen Gläubigen in Christus entrückt, die nicht eines Märtyrertodes gestorben sind. Bei der Ersten Auferstehung jedoch, werden nur die Märtyrer im Himmel, nach dem Lohngericht wieder lebendig (erhalten einen physischen Körper) und werden mit dem Herrn im Millennium herrschen. Dies bezieht sich aber ausschließlich auf die „Enthaupteten”, also wegen ihres Glaubens getöteten Gläubigen.

Und hier setzt nun eine andere Frage eines Besuchers von Immanuel.at aus dem Jahre 2004 an:


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Gehören die Märtyrer nicht mehr zur Gemeinde? / Kommentar MH00 2004-11-17)

Nun treten aber in Off. 20,4 jene auf, die ihrem Herrn trotz der Verfolgung die Treue hielten. Sie mussten sogar dem Tier und seinem Malzeichen widerstehen. Demnach sind diese in der 2. Hälfte der Trübsal umgekommen, also nach der von Ihnen angesetzten Entrückung. Wer aber nicht bei der Entrückung dabei ist, gehört nicht mehr zur Gemeinde, da diese bereits abgeschlossen ist und Hochzeit feiert (nach üblicher Lehre). Man kann nun 2 Gruppen von Märtyrern bilden, doch halte ich dies nicht für eine gute Lösung. Ohne solch einen Ansatz bindet dies das 5. Siegel in die große Trübsal mit Antichrist und Malzeichen ein.

(M. H.  www.bibel-info.net)


(Siehe auch Diskurs 07: „Entrückung und Erste Auferstehung: ein einziges Ereignis?”)


Während nun H. Dietewich in seinem Kommentar weiter oben anscheinend alle Gerichte der Offenbarung als die Große Trübsal interpretiert, trennt hier M. Hufnagel schon in eine 1. und eine 2. Hälfte, wobei er die 2. Hälfte der Herrschaft des Tieres zuordnet. Diese Argumentation ist völlig richtig, nur dass es sich eben hier nicht um 2 Hälften, sondern um zwei verschiedene Ereignisse handelt. Einzig die Hochzeit des Lammes (Off 19,6-10), bei der die entrückten Gläubigen nicht die Braut, sondern die Hochzeitsgäste sind, wird in der Offenbarung nicht gleich nach der Entrückung - wie das hier angedeutet wird - sondern erst unmittelbar vor der Schlacht von Harmagedon (Off 19,11-21) zeitlich positioniert.

(Siehe auch Diskurs 15: „Wer ist die ‘Braut des Lammes’?”)


Die eigentliche Frage nun, ob denn die Märtyrer aus der Herrschaft des Tieres nicht zur Gemeinde gehören, wurde ja auch schon weiter oben beantwortet: Die Märtyrer, welche wegen ihres Glaubens getötet wurden, haben offensichtlich eine andere Ausgangsbasis und auch ein anderes Ziel als die anderen Gläubigen. Während bei der Auferweckung und Entrückung alle jene verstorbenen Gläubigen in Christus entrückt werden, die nicht eines Märtyrertodes gestorben sind, haben die Märtyrer ihr Leben für ihren Glauben hingegeben und werden dann, nach dem Lohngericht im Himmel, wieder lebendig (physisch/körperlich) werden und mit Christus diese tausend Jahre als Priester und Könige herrschen. Sie gehören somit einer anderen Kategorie von Gläubigen an. Obwohl nun damit diese Frage beantwortet wäre, lässt sich bei genauerer Betrachtung dahinter - unausgesprochen - ein weiteres, bis heute noch immer ungeklärtes Problem erkennen:

Wenn die Märtyrer aus der Herrschaft des Tieres (zweiter Antichrist) nicht an der Entrückung teilgenommen haben, aber in Off 20,4 dennoch im Himmel vor dem Lohngericht stehen, müssen sie ja irgendwie auch entrückt worden sein. Diese Frage, ob und wann dies in der Chronologie der Offenbarung geschieht, hat die Ausleger immer wieder beschäftigt, doch es konnte bis jetzt - auch bei Immanuel.at - keine plausible Antwort darauf gefunden werden. Wenn wir nun nach möglichen Aussagen in der Offenbarung suchen, welche darauf einen Hinweis geben könnten, finden wir zunächst den Text in Off 15,2-4:

Die Überwinder über das Tier und über sein Bild und über die Zahl seines Namens an dem gläsernen Meer.

Off 15,2 Und ich sah etwas wie ein gläsernes Meer, mit Feuer gemischt, und sah die Überwinder über das Tier und über sein Bild und über die Zahl seines Namens an dem gläsernen Meer stehen, und sie hatten Harfen Gottes. 15,3 Und sie singen das Lied Moses, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes und sagen: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, Gott, Allmächtiger! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, o König der Nationen! 15,4 Wer sollte nicht fürchten, Herr, und verherrlichen deinen Namen? Denn du allein bist heilig; denn alle Nationen werden kommen und vor dir anbeten, weil deine gerechten Taten offenbar geworden sind. Off 15, 2- 4;


Dies ist zeitlich - sowohl von der Positionierung in der Offenbarung, als auch von der Logik der Handlung - nach der Herrschaft des Tieres aus dem Meer (zweiter Antichrist, Off 13) und vor dem Lohngericht im Himmel (Erste Auferstehung der Märtyrer, Off 20,4). Hier sieht also Johannes die Märtyrer aus der Herrschaft des Tieres an dem gläsernen Meer, welches ja nach Off 4,6 vor dem Thron Gottes im Himmel ist, wie sie dort das Lied des Mose singen und Gott loben. Die Frage ist also, wie und wann sie hier in den Himmel gekommen sind. Nachdem unmittelbar danach, ab Off 15,6, die sieben Schalengerichte mit dem Zorn Gottes auf die Menschen ausgegossen werden - ab welchem Zeitpunkt tatsächlich keine Gläubigen mehr auf Erden sind („die Menschen taten nicht Buße” Off 16,9.11) - muss die Entrückung dieser Märtyrer zu einem Zeitpunkt vor diesem Ereignis erfolgt sein.

Wenn wir andererseits auch den Zeitpunkt des Beginns der Verfolgung dieser Märtyrer in der Herrschaft des Tieres suchen, finden wir in Off 14,13 einen Hinweis:

Glückselig die Toten, die von jetzt an im Herrn sterben!

Off 14,13 Und ich hörte eine Stimme aus dem Himmel sagen: Schreibe: Glückselig die Toten, die von jetzt an im Herrn sterben! Ja, spricht der Geist, damit sie ruhen von ihren Mühen, denn ihre Werke folgen ihnen nach. Off 14,13;


Auch dieser Text in Off 14,13 scheint chronologisch korrekt positioniert - nach dem Aufsteigen des Tieres aus dem Meer (Off 13) und vor dem Erscheinen dieser Märtyrer im Himmel (Off 15,2-4). Auch die Aussage: „die Toten, die von jetzt an im Herrn sterben” lässt auf den Beginn der Verfolgung und Tötung der Märtyrer schließen. Abgesehen davon, dass sowohl dieser Text, als auch die Aussagen in Off 13,10.15 der Beweis dafür sind, dass es nach der Entrückung noch Gläubige auf Erden gibt, können wir hier in einem Nebensatz noch eine weitere Information lokalisieren. Es heißt am Ende dieses Verses: „damit sie ruhen von ihren Mühen, denn ihre Werke folgen ihnen nach”. Das ist ein Hinweis auf das, was diese Märtyrer nach ihrem Tod zu erwarten haben und könnte damit ein Ansatz für die Erklärung einer separaten Entrückung sein.

Doch wir haben dann im Zusammenhang mit den Märtyrern noch einen interessanten Hinweis in Off 6,9-11:

Sie sollten noch eine kurze Zeit abwarten, bis auch ihre Mitknechte und ihre Brüder getötet worden sind wie sie.

Off 6,9 Und als es das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar die Seelen derer, die geschlachtet worden waren um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses willen, das sie hatten. 6,10 Und sie riefen mit lauter Stimme und sprachen: Bis wann, heiliger und wahrhaftiger Herrscher, richtest und rächst du nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen? 6,11 Und es wurde ihnen einem jeden ein weißes Gewand gegeben; und es wurde ihnen gesagt, daß sie noch eine kurze Zeit abwarten sollten, bis auch ihre Mitknechte und ihre Brüder vollendet seien, die ebenso wie sie getötet werden sollten. Off 6, 9-11;


Auch hier geht es eindeutig um Märtyrer, die wegen ihres Glaubens  „geschlachtet worden waren”. Vom Zeitablauf her befinden wir uns hier, beim 5. Siegel, jedoch noch vor der Wiederkunft des Herrn und der Entrückung, welche beim 6. Siegel stattfindet. Dennoch sagt Johannes hier, dass er sie „unter dem Altar” (unterhalb/zu unterst des Altars) sah. Und dabei kann es sich nur um den Altar im Himmel handeln, der auch in Off 8,3; 14,18 und 16,7 erwähnt wird. Auch der Hinweis, dass ihnen ein weißes Gewand gegeben wurde, lässt den Schluss zu, dass sich diese Märtyrer hier bereits im Himmel befinden (siehe Off 3,4-5; 7,9; 19,14). Und schließlich die Aufforderung, dass sie noch eine kurze Zeit abwarten sollten, bis auch ihre Brüder getötet worden sind, zielt offensichtlich auf eben jene Märtyrer aus der Herrschaft des Tieres, deren Entrückung wir hier suchen.

Diese Märtyrer sind also schon vor der Entrückung der Toten in Christus und der Überlebenden aus der Großen Trübsal im Himmel und rufen mit lauter Stimme zu Gott, damit er ihr Blut an den Menschen auf Erden rächen möge. Und auch hier stellt sich die Frage, wie diese Märtyrer in den Himmel gekommen sind und wann ihre Auferweckung und Entrückung erfolgt ist. Nachdem wir aufgrund der obigen Beweisführung mit großer Wahrscheinlichkeit ausschließen können, dass sie an der kollektiven Auferweckung und Entrückung der toten und lebenden Gläubigen teilgenommen haben, muss es eine weitere Entrückung ausschließlich für die Märtyrer geben.

Aus dem Umstand jedoch, dass es sich um mindestens zwei Gruppen von Märtyrern handelt, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten getötet und in den Himmel aufgenommen werden (Off 6,9-11 und  15,2-4), ergibt sich die Konsequenz von Mehrfachentrückungen. Und wenn man berücksichtigt, dass zumindest die Märtyrer aus dem Alten Testament (der letzte von ihnen Johannes der Täufer) und dem Neuen Testament (der erste von ihnen Stephanus) auch in teilweise sehr großen Zeitabständen getötet wurden und dann aber in Off 6,9 gemeinsam im Himmel sind, erhebt sich überhaupt die Frage, ob wir es hier nicht mit individuellen Auferweckungen und Entrückungen zu tun haben (siehe auch Mt 27,52-53). Das würde bedeuten, dass diese besondere Kategorie von Gläubigen, die Märtyrer aller Zeiten, jeder für sich nach seinem Tod von Gott auferweckt und in den Himmel entrückt wurde.

Wir haben auch dafür ein sehr guten Beispiel in der Offenbarung. Die zwei Zeugen Gottes, denen von Gott Vollmacht gegeben wurde, 1260 Tage zu weissagen und während dieser Zeit den Himmel zu verschließen und die Erde mit jeder Plage zu schlagen sooft sie nur wollten, werden am Ende ihrer Zeit vom Tier aus dem Meer getötet werden. Und ihre Leichname werden auf den Straßen Jerusalems liegen und die Menschen werden sich freuen, dass sie endlich diese Propheten die sie quälten losgeworden sind und werden feiern und verhindern, dass die Leichname begraben werden. Doch nach dreieinhalb Tagen geschieht Folgendes:

Und nach den drei Tagen und einem halben kam der Geist des Lebens aus Gott in sie.

Off 11,11 Und nach den drei Tagen und einem halben kam der Geist des Lebens aus Gott in sie, und sie stellten sich auf ihre Füße; und große Furcht befiel die, welche sie schauten. 11,12 Und sie hörten eine laute Stimme aus dem Himmel zu ihnen sagen: Steigt hier herauf! Und sie stiegen in den Himmel hinauf in der Wolke, und es schauten sie ihre Feinde. Off 11,11-12;


Diese zwei Zeugen Gottes wurden also von den Toten auferweckt und in den Himmel entrückt. Das ist nun genau jener Vorgang, welchen wir auch für die obigen zwei Gruppen von Märtyrern gesucht haben. Zudem waren ja diese zwei Zeugen auch Märtyrer, die vom zweiten Antichristen wegen des Wortes Gottes, dass sie in Jerusalem prophezeit haben, getötet wurden. Und es zeigt sich, dass auch der Herr Jesus, der nach drei Tagen auferweckt und in den Wolken entrückt wurde, als Sohn Gottes wohl der größte Märtyrer auf Erden war.

Und so wäre es durchaus denkbar, dass zum Unterschied von den Gläubigen in Christus, die eines normalen Todes verstorben sind und mit einer kollektiven Auferweckung und Entrückung bei der Wiederkunft des Herrn nach der Großen Trübsal in den Himmel kommen, alle Märtyrer sogleich (3 1/2 Tage?) nach ihrem Tod in einer individuellen Auferweckung und Entrückung in den Himmel aufgenommen werden.




Die hier dargestellte neue Sicht der Zusammenhänge der endzeitlichen Ereignisse, wie Antichrist(en), Große Trübsal, Wiederkunft des Herrn, Entrückung, Erste Auferstehung usw. kann jedoch nur dann ihre Plausibilität unter Beweis stellen, wenn es gelingt, mit dieser Erkenntnisbasis die Widersprüche in den bisherigen Interpretationen aufzuzeigen und zu lösen. Im zweiten Teil dieses Diskurses soll daher der Versuch unternommen werden, die diesbezüglichen Auslegungen von René Pache, einem der profiliertesten Vertreter des Prätribulationismus' (Vorentrückungslehre), in seinem Buch „Die Wiederkunft Jesu Christi” (Le retour de Jésu-Christ) zu analysieren und diesen neuen Erkenntnissen gegenüber zu stellen.

18 Argumente für eine Entrückung vor der Großen Trübsal - und ihre Widerlegung   2. Teil, Diskurs 862