Diskurs 89 - BENEDIKT XVI. - Die jüdische und die katholische Sicht des Jesus von Nazareth.




Das jüdische Schriftverständnis.

Sind die mündlichen Überlieferungen der Deuteschlüssel zur Heiligen Schrift? / Buch Papst Benedikt XVI. S. 137f

Die rabbinische Tradition.

Das Fiasko der jüdischen Theologie.

Die Interpretation der Schrift in der katholischen Kirche.

Die Auslegung der Gleichnisse.

Crimen sollicitationis / Ein geheimes Dokument der katholischen Kirche.

Die Heilung des Blindgeborenen, Johannesevangelium Kapitel 9: / Kommentar Alexandra Klein 00, 2012-08-21

Benedikt XVI. zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Die neue Erklärung der katholischen Glaubenskongregation über die christlichen Kirchen.



Das jüdische Schriftverständnis

In seinem kürzlich erschienenen Buch Jesus von Nazareth zitiert Papst Benedikt XVI. im 4. Kapitel mit dem Titel „Die Bergpredigt” u. a. einen jüdischen Schriftgelehrten unserer Zeit - Jacob Neusner - und weist auf die große Hilfe hin, welche ihm das Buch Neusners „Ein Rabbi spricht mit Jesus” bei der Suche nach Antworten zum Thema der Bergpredigt gewesen ist. Und nachdem sowohl Neusner als auch Ratzinger ihre Aussagen mit relativer Offenheit darlegen, kann man hier wertvolle Einblicke in die Hintergründe sowohl des jüdischen als auch des katholischen Schriftverständnisses gewinnen. Wie zum Beispiel in der folgenden Passage:


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Sind die mündlichen Überlieferungen der Deuteschlüssel zur Heiligen Schrift? / Buch Papst Benedikt XVI. S 134f)

Auf der Suche nach Antwort ist mir das schon erwähnte Buch des jüdischen Gelehrten Jacob Neusner zu einer großen Hilfe geworden. A Rabbi talks with Jesus (Verlag Doubleday, New York 1993; deutsch: Ein Rabbi spricht mit Jesus. Ein jüdisch-christlicher Dialog. Claudius Verlag, München 1997).

Neusner, gläubiger Jude und Rabbi, ist in Freundschaft mit katholischen und evangelischen Christen aufgewachsen, lehrt mit christlichen Theologen zusammen an der Universität und steht dem Glauben seiner christlichen Kollegen mit tiefem Respekt gegenüber, bleibt aber doch zutiefst von der Gültigkeit der jüdischen Auslegung der Heiligen Schriften überzeugt. Seine Ehrfurcht vor dem christlichen Glauben und seine Treue zum Judentum haben ihn veranlasst, das Gespräch mit Jesus zu suchen.

Er setzt sich in seinem Buch unter die Schar der Jünger auf dem „Berg” in Galiläa. Er hört Jesus zu, vergleicht seine Worte mit den Worten des Alten Testaments und mit den rabbinischen Überlieferungen, wie sie in Mischna und Talmud niedergelegt sind. Er sieht in diesen Werken mündliche Überlieferungen von den Anfängen her, die ihm den Deuteschlüssel zur Tora geben. Er hört zu, er vergleicht und er redet mit Jesus selbst. Er ist angerührt von der Größe und von der Reinheit des Gesagten und doch zugleich beunruhigt, über jene letzte Unvereinbarkeit, die er im Kern der Bergpredigt findet. Er wandert dann mit Jesus weiter auf dem Weg nach Jerusalem, hört, wie in den Worten Jesu dieselbe Thematik wiederkehrt und weiter entfaltet wird. Immerfort versucht er zu verstehen, immerfort bewegt ihn das Große, und wieder und wieder redet er mit Jesus. Aber am Ende entscheidet er sich, Jesus nicht zu folgen. Er bleibt - wie er sich ausdrückt - beim „ewigen Israel” (Neusner, A Rabbi, S. 362).

(Auszug aus dem Buch Jesus von Nazareth (S 134f) von Joseph Ratzinger - Papst Benedikt XVI. Herder Verlag)



Die rabbinische Tradition.

Neusner sieht also in Mischna und Talmud, den Werken mündlicher Überlieferungen der jüdischen Auslegung der Heiligen Schriften, den „Deuteschlüssel” zur Tora (Pentateuch, die 5 Bücher Moses). Der Talmud (Belehrung oder Studium), den es in einer babylonischen und in einer palästinensischen Fassung gibt, ist eines der zwei bedeutenden Schriftwerke des Judentums. Er ist sehr viel umfangreicher als die Bibel; vollständige Ausgaben kommen auf fast 10.000 Seiten in einem Dutzend Bänden. 

Die Mischna (Wiederholung oder Überlieferung, Lehre) bildet die Basis des Talmud und ist die wichtigste Sammlung religionsgesetzlicher Überlieferungen des rabbinischen Judentums. Es handelt sich hierbei um jenen Teil der Tora, den Gott nach jüdischer Tradition Moses am Berg Sinai mündlich (!) geoffenbart hat und der in der Folgezeit auch zunächst nur mündlich weitergegeben, in den beiden ersten Jahrhunderten u.Z. schließlich aber doch kodifiziert wurde. Ihre endgültige Form gefunden hat die in Hebräisch abgefasste Mischna im 2. Jahrhundert u.Z. unter redaktioneller Federführung von Jehuda ha Nasi. Sie ist im babylonischen und im palästinischen Talmud identisch.

Neben der Mischna beinhaltet der Talmud eine zweite Schicht, die Gemara (Lehre oder Wissenschaft, Vollendung), die aus Kommentaren und Analysen zur Mischna in aramäischer Sprache besteht. Sie sind die Frucht umfangreicher Diskussionen unter jüdischen Gelehrten insbesondere in den Hochschulen Palästinas und Babyloniens. Ausgehend von den meist rein juristischen Fragestellungen wurden Verbindungen zu anderen Gebieten wie Medizin, Naturwissenschaft, Geschichte oder Pädagogik hergestellt. Auch wurde der eher sachliche Stil der Mischna mit diversen Fabeln, Sagen, Gleichnissen, Rätseln etc. angereichert. Die Gemara war zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert u.Z. abgeschlossen. Anders als die einheitliche Mischna weicht die Fassung der Gemara in der babylonischen und der palästinischen Talmudausgabe voneinander ab.

Der Talmud besteht also aus Mischna und Gemara und ist von seiner Struktur her „dialogisch”. Während die Mischna eine Sammlung von Gebräuchen und Einrichtungen der mündlichen Überlieferung ist, diskutiert die Gemara darüber und bringt auch Gegenmeinungen vor, die gleichfalls wieder diskutiert werden. Im Talmud kommen daher viele verschiedene Sprecher zu Wort und nicht nur gelegentlich schweift die Diskussion ab in kleinere oder größere Diskurse über neue Stichwörter. So werden nicht nur religiöse Gesetze besprochen (Halachah), sondern auch Geschichten, Auslegungen, Sinnsprüche oder Gleichnisse erzählt (Aggadah).

Die ständige Fortentwicklung der Tradition durch Diskussionen, Kommentare und Analysen prägt den durchgängig dialektischen Stil des Talmud. Das bevorzugte Mittel der Darstellung ist der Dialog zwischen verschiedenen rabbinischen Lehrmeinungen, der am Ende zu einer Entscheidung führt und den maßgeblichen Stand der Tradition wiedergibt.

So weit ein kurzer Abriss über die von J. Ratzinger im obigen Buchauszug angesprochenen und von Jacob Neusner als Grundlage seiner Schriftinterpretation genannten Bücher der rabbinischen Tradition. In diesen kurzen Erklärungen ist auch für den Laien die ganze Problematik der jüdischen Schriftauslegung zu erkennen. Beginnend mit der eigenartigen rabbinischen Lehrmeinung, dass Gott dem Mose außer jenen Geboten, welche in der Tora (den 5 Büchern Moses) festgeschrieben stehen, auch noch mündliche Weisungen gegeben hätte, womit natürlich jedweder Hinzufügung Tür und Tor geöffnet ist, bis hin zur Anreicherung dieser rabbinischen Interpretationen mit Fabeln, Sagen, Gleichnissen und Rätseln, ergibt sich hier das Bild einer völlig verwaschenen und von Hunderten von teils widersprüchlichen Ansichten geprägten Schriftauslegung. 

Im Vordergrund steht nicht mehr die Heilige Schrift (Tora), sondern all die Kommentare und Meinungen, welche von unzähligen Rabbinen darüber verfasst und dann dem Talmud hinzugefügt wurden. Und wie Jacob Neusner oben bestätigt, gelten diese rabbinischen Überlieferungen den jüdischen Schriftgelehrten dann als „Deuteschlüssel” für die Tora, die ersten fünf Bücher der Heiligen Schrift. Es wird also zuerst Menschenwort befragt, um damit Gotteswort zu deuten, anstatt das Wort Gottes, die Bibel, mit der Hilfe des Heiligen Geistes zuerst zu studieren und danach - so erforderlich - verschiedene Auslegungen zu prüfen und zu vergleichen.


Das Fiasko der jüdischen Theologie.

Diese Vorgangsweise ist allerdings kein Phänomen der Jetztzeit, sondern war bereits vor zweitausend Jahren das Problem der damaligen Schriftgelehrten. Anders wäre es nicht zu erklären, dass sie die vielen Hinweise im Alten Testament auf ihren Messias, welche ihnen als Schriftkenner eigentlich geläufig sein mussten, nicht erkannten und den Sohn Gottes, als er zu ihnen kam, als Betrüger und Gotteslästerer zur Kreuzigung auslieferten. Und das, obwohl ihnen unser Herr Jesus Christus selbst immer wieder vor Augen geführt hat, dass er von Gott zu ihnen gesandt war und die diesbezüglichen alttestamentlichen Schriftstellen anführte. So hat der Herr im Heiligen Geist den Propheten Jesaja zitiert und ihnen erklärt, dass diese Prophezeiung vor ihren Ohren erfüllt worden ist:

Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat.

Lk 4,17 Und es wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht; und als er das Buch aufgerollt hatte, fand er die Stelle, wo geschrieben war: 4,18 «Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, Armen gute Botschaft zu verkündigen; er hat mich gesandt, Gefangenen Freiheit auszurufen und Blinden, daß sie wieder sehen,  Zerschlagene in Freiheit hinzusenden, 4,19 auszurufen ein angenehmes Jahr des Herrn
4,20 Und als er das Buch zugerollt hatte, gab er es dem Diener zurück und setzte sich; und aller Augen in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. 4,21 Er fing aber an, zu ihnen zu sagen: Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt. Lk 4,17-21;


Diese Passage aus dem Kapitel 61 des Buches des Propheten Jesaja ist in die Kapitel Jes 60-62 eingebettet, mitten in den Prophezeiungen auf das Reich Gottes auf Erden, auf das Tausendjährige Friedensreich des Messias. In diesen drei Kapiteln wird Israel die Sammlung durch seinen Gott und eine herrliche Zukunft unter der Führung des Sohnes Gottes verheißen. Und in Jes 61,1 ist es dieser Gesalbte Gottes, der Messias, welcher sich hier zu erkennen gibt.

Der Geist des Herrn, HERRN, ist auf mir; denn der HERR hat mich gesalbt. 

Jes 61,1 Der Geist des Herrn, HERRN, ist auf mir; denn der HERR hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den Elenden frohe Botschaft zu bringen, zu verbinden, die gebrochenen Herzens sind, Freilassung auszurufen den Gefangenen und Öffnung des Kerkers den Gebundenen, 61,2 auszurufen das Gnadenjahr des HERRN und den Tag der Rache für unsern Gott, zu trösten alle Trauernden, 61,3 den Trauernden Zions Frieden, ihnen Kopfschmuck statt Asche zu geben, Freudenöl statt Trauer ein Ruhmesgewand statt eines verzagten Geistes, damit sie Terebinthen der Gerechtigkeit genannt  werden, eine Pflanzung des HERRN, daß er sich durch sie verherrlicht. Jes 61, 1- 3;

(Siehe auch Kapitel 10: „Das Millennium.”)


Wenn Israel damals seinen Messias angenommen hätte, wären alle diese Segnungen und Prophezeiungen damals schon Realität geworden. Das Tausendjährige Friedensreich - das Reich Gottes auf Erden - hätte damals seinen Anfang genommen und Israel wäre „Haupt unter den Nationen” (Jer 31,7) geworden. Doch die Israeliten wollten ihn nicht erkennen und haben damit sich selbst und die ganze Welt in bisher fast 2000 Jahre Krieg, Hass, Neid und Gewalt geführt. Dennoch werden sich diese Prophezeiungen erfüllen, wenn der Messias, unser Herr Jesus Christus wiederkommt. Er wird die christlichen Gläubigen entrücken, Israel sammeln und die Herrschaft in der Welt antreten. 

Auch der Heilige Geist hat vorhergesehen, dass Israel seinen Messias ablehnen würde und hat das schon in den Psalmen prophezeit:

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

Ps 118,16 Die Rechte des HERRN ist erhoben, die Rechte des HERRN tut Gewaltiges. 118,17 Ich werde nicht sterben, sondern leben und die Taten Jahs erzählen. 118,18 Hart hat mich Jah gezüchtigt, aber dem Tod hat er mich nicht übergeben. 118,19 Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit! Ich will durch sie eingehen, Jah will ich preisen. 118,20 Dies ist das Tor des HERRN. Gerechte ziehen hier ein. 118,21 Ich will dich preisen, denn du hast mich erhört und bist mir zur Rettung geworden. 118,22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. 118,23 Vom HERRN ist dies geschehen, es ist ein Wunder vor unseren Augen. 118,24 Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat! Seien wir fröhlich und freuen wir uns in ihm! Ps 118,16-24;


Auf diese alttestamentliche Schriftstelle hat sich der Herr bezogen, als er die religiösen Führer Israels, die „Bauleute”, daran erinnerte, dass der Sohn Gottes in Menschengestalt, den sie verachtet und verworfen haben, nunmehr zum Fundament des Heilsgebäudes Gottes für alle Menschen aller Nationen werden sollte.

Habt ihr nie in den Schriften gelesen: «Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden»?

Mt 21,42 Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr nie in den Schriften gelesen: «Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden; von dem Herrn her ist er dies geworden, und er ist wunderbar in unseren Augen»? (Ps 118,22-23) 21,43 Deswegen sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, die seine Früchte bringen wird. 21,44 Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden; aber auf wen er fallen wird, den wird er zermalmen. 21,45 Und als die Hohenpriester und die Pharisäer seine Gleichnisse gehört hatten, erkannten sie, daß er von ihnen redete. 21,46 Und als sie ihn zu greifen suchten, fürchteten sie die Volksmengen, denn sie hielten ihn für einen Propheten. Mt 21,42-46;


Und in der Aussage hier oben, in Mt 21,43, kündigt der Herr auch diese Wende im Heilsplan Gottes an. Das Reich Gottes wird ab diesem Zeitpunkt von Israel weggenommen und jenen gegeben, welche seine Früchte bringen. Und wie uns Vers Mt 21,45 bestätigt, erkannten die Hohenpriester und Pharisäer, die seine Gleichnisse hörten, durchaus, dass er von ihnen sprach. Auch im Gleichnis von den Weingärtnern gab es keine Zweifel, welche Rolle die jüdische Theologie und die Schriftgelehrten Israels hier verkörperten.

Dies ist der Erbe; kommt, laßt uns ihn töten, und das Erbe wird unser sein.

Mk 12,1 Und er fing an, in Gleichnissen zu ihnen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und setzte einen Zaun darum und grub einen Keltertrog und baute einen Turm; und er verpachtete ihn an Weingärtner und reiste außer Landes. 12,2 Und er sandte zur bestimmten Zeit zu den Weingärtnern einen Knecht, um von den Weingärtnern etwas von den Früchten des Weinbergs zu empfangen. 12,3 Sie aber nahmen ihn, schlugen ihn und sandten ihn leer fort. 12,4 Und wieder sandte er einen anderen Knecht zu ihnen; und den verwundeten sie am Kopf und beschimpften ihn. 12,5 Und er sandte einen anderen, und den töteten sie; und viele andere; die einen schlugen sie, die anderen töteten sie.

12,6 Noch einen hatte er, einen geliebten Sohn, den sandte er als letzten zu ihnen, indem er sprach: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. 12,7 Jene Weingärtner aber sprachen zueinander: Dies ist der Erbe; kommt, laßt uns ihn töten, und das Erbe wird unser sein. 12,8 Und sie nahmen und töteten ihn und warfen ihn zum Weinberg hinaus.

12,9 Was wird der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben. Mk 12, 1- 9;


Der Besitzer des Weinberges in diesem Gleichnis ist natürlich Gott und der Weinberg ist das Volk Gottes aus Israel. Die Weingärtner, an welche der Weinberg verpachtet wurde, sind die Führer des Volkes Israel im Laufe seiner langen Geschichte. Die Knechte stellen die Knechte Gottes, die Propheten Israels dar, welche von Gott gesandt waren, den Führern die Umkehr zu ihrem Gott zu predigen und von den Herrschern Israels immer wieder verfolgt, vertrieben oder gar getötet wurden. Der geliebte Sohn schließlich, den der Besitzer des Weinbergs als Letzten zu ihnen sandte, ist der Sohn Gottes, unser Herr Jesus Christus. Und diese letzten Weingärtner, die den Sohn getötet haben, sind die Schriftgelehrten, die religiösen Führer des Volkes Israel zur Zeit Jesu, also die Mitglieder des Sanhedrin unter der Führung des Hohenpriesters Kaiphas.

Der letzte Vers in diesem Gleichnis: „Was wird der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben” führt uns dann zu dem Gleichnis vom König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.

Sagt den Gästen: Siehe, alles ist bereit; kommt zur Hochzeit!

Mt 22,1 Und Jesus fing an und redete abermals in Gleichnissen zu ihnen und sprach: 22,2 Das Himmelreich gleicht einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. 22,3 Und er sandte seine Knechte aus, die Gäste zur Hochzeit zu laden; doch sie wollten nicht kommen. 22,4 Abermals sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet, und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit!

22,5 Aber sie verachteten das und gingen weg, einer auf seinen Acker, der andere an sein Geschäft. 22,6 Einige aber ergriffen seine Knechte, verhöhnten und töteten sie. 22,7 Da wurde der König zornig und schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an. Mt 22, 1- 7;


In diesem Gleichnis ist Gott der König und mit diesen ersten Gästen, welche zur Hochzeit geladen waren und nicht kommen wollten, ist das Volk Israel gemeint. Sie waren „eingeladen” ihren Messias aufzunehmen und wollten es nicht. Die Knechte, welche die Einladung überbrachten, sind auch hier die Propheten des Alten Testaments, welche zahlreiche Prophezeiungen auf den Messias und Sohn Gottes dem Volk Israel hinterließen. Doch dessen Führer haben nicht auf sie gehört. Sie wollten nicht auf sie hören und verfolgten und töteten sie.

Die Heere, die der König ausschickte, um diese Mörder umzubringen und die Stadt anzuzünden, haben sich dann in den römischen Soldaten des Titus’ erfüllt, welche etwa 40 Jahre später, im Jahre 70, Jerusalem vollkommen zerstörten, den Tempel niederbrannten und die Israeliten aus ihrem Land vertrieben. Es ist eigentlich verwunderlich, dass die mosaisch gläubigen Juden in Israel (nicht die meisten orthodoxen Juden in der Diaspora!) bis heute nicht erkannt haben, dass diese, bereits fast zweitausend Jahre dauernde Zerstreuung in der Diaspora die Strafe ihres Gottes für die Verwerfung seines Sohnes und ihres Messias’ war.

Im obigen Gleichnis vom König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichten wollte, lädt nun der König - nach der Absage durch das Volk Israel - neue Gäste zur Hochzeit.

Darum geht hinaus auf die Straßen und ladet zur Hochzeit ein, wen ihr findet.

Mt 22,8 Dann sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Gäste waren es nicht wert. 22,9 Darum geht hinaus auf die Straßen und ladet zur Hochzeit ein, wen ihr findet. 22,10 Und die Knechte gingen auf die Straßen hinaus und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute; und die Tische wurden alle voll.

22,11 Da ging der König hinein, sich die Gäste anzusehen, und sah da einen Menschen, der hatte kein hochzeitliches Gewand an, 22,12 und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Gewand an? Er aber verstummte. 22,13 Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm die Hände und Füße und werft ihn in die Finsternis hinaus! Da wird Heulen und Zähneklappern sein. 22,14 Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt. Mt 22, 8-14;


Es findet dieses Mal keine Auswahl mehr statt. Wer auf der Straße ist wird eingeladen. Wer will, kann kommen. Und dies ist der Neue Bund. Alle Nationen der Welt waren ab nun eingeladen, das Angebot Gottes zum Glauben an seinen Sohn anzunehmen. Allerdings erkennen wir im letzten Vers dieses Gleichnisses, dass zwar alle eingeladen sind, aber nicht alle an der Hochzeit teilnehmen dürfen. Nur wer das Loskaufopfer des gekreuzigten Sohnes Gottes für unsere Sünden angenommen - wer also das „hochzeitliche Gewand” angezogen hat und von seinen Sünden befreit ist - darf bleiben. Die Anderen werden hinausgeworfen. So war es, so ist es und so wird es sein, bis zu jenem Tag an dem der Herr wiederkommt.

Das Reich Gottes wurde also von Israel weggenommen. Dies war die größte Katastrophe, die das Volk Israel bis zu diesem Zeitpunkt und in der weiteren Folge bis heute getroffen hat. Sie wurden auf der geistlichen Ebene von ihrem Gott und auf der irdischen Ebene von ihrem Land getrennt. Die Ursache für diese Katastrophe waren die Schriftgelehrten Israels und ihre Unfähigkeit, die Prophezeiungen der Tora auf den Messias richtig zu interpretieren. Zurückzuführen war dies auf die Art und Weise, wie sie die Heilige Schrift studiert, ausgelegt und gelehrt hatten - und es bis heute tun.

Hier hat die jüdische Theologie ihr absolutes Fiasko erlitten. Trotz jahrtausendelangem Schriftstudium und jede Menge von Analysen und Auslegungen - oder vielleicht gerade deswegen -, haben sie in dem Moment, wo sich der Erfolg ihrer Theologie zeigen sollte, kläglich versagt. Sie haben den echten Schlüssel der Erkenntnis, den Heiligen Geist in der Schrift, weggenommen und durch einen „Deuteschlüssel” aus menschlichen Ansichten und Meinungen im Talmud ersetzt. Damit haben aber die Schriftgelehrten Israels ihr ganzes Volk mit ins Verderben gerissen, wie ihnen der Herr in Lk 11,52 sagte.

Wehe euch Gesetzesgelehrten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen.

Lk 11,52 Wehe euch Gesetzesgelehrten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen; ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die hineingehen wollten, habt ihr gehindert. 11,53 Als er von dort hinausgegangen war, fingen die Schriftgelehrten und die Pharisäer an, hart auf ihn einzudringen und ihn über vieles auszufragen; 11,54 und sie lauerten auf ihn, etwas aus seinem Mund zu erjagen. Lk 11,52-54;


Wie man den Ausführungen von J. Ratzinger im obigen Buchauszug entnehmen kann, nennen auch die heutigen jüdischen Gesetzesgelehrten - wie Jacob Neusner - zuerst Mischna und Talmud, wenn sie um die Grundlage ihres Schriftverständnisses befragt werden. Es hat sich also seit der Zeit Jesu nichts geändert. Wie es den Anschein hat, ist das direkte Studium der Heiligen Schrift - ohne Mischna und Talmud - auch heutzutage eher eine Seltenheit in der rabbinischen Tradition. Und dies scheint auch der Grund zu sein, warum die jüdische Theologie bis heute den schriftgemäßen Sachverhalt des ersten Erscheinens ihres Messias' auf Erden und ihren damaligen großen Fehler nicht erkannt und verstanden haben.

Und daher erhebt sich hier auch die Frage, welcher Art von großer Hilfe Rabbi Neusner dem Papst sein konnte, wenn Neusner am Ende des „Gesprächs mit Jesus”, trotz heutigem Wissensstand, den Glauben an Jesus Christus dennoch abgelehnt und zurückgewiesen hat und damit den gleichen Fehler beging, wie seine Vorgänger vor 2000 Jahren. Das konnte wohl keine große Hilfe sein, es sei denn - im eher unwahrscheinlichen Fall -, dass der Papst daran denkt zum jüdischen Glauben zu konvertieren.

Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen

Mt 5,18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht. 5,19 Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich. 5,20 Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Mt 5,18-20;



Die Interpretation der Schrift in der katholischen Kirche.

Doch in Bezug auf das Schriftstudium - wie auch in manch anderem Punkt (man denke nur an die Liturgie) - hat die jüdische Theologie in der katholischen Kirche eine eifrige Nachahmerin gefunden. Auch dort wird die Bibel nur von den wenigsten Mitgliedern des Klerus’ studiert und auch dort ist die Heilige Schrift die zweite Wahl, wenn es um die grundlegenden Fragen des Glaubens geht. So wurde auf dem katholischen Konzil von Trient (1545-63) die Bibel als alleinige Quelle göttlicher Offenbarung verworfen und die katholische Tradition - d. i. die mündliche und schriftliche Weitergabe von katholischen, also menschlichen Lehrmitteilungen, u. a. auch die Dogmen - als Hauptquelle des Glaubens neben der Heiligen Schrift als gleichwertig und gleichberechtigt anerkannt. Und folgerichtig hat mir auch mein katholisch sehr informierter Diskussionspartner im Diskurs 78, Dr. John Waterfield, versichert, dass in der katholischen Kirche

„(...) die Überlegenheit der Tradition (das depositum fidei oder wie es Kardinal Newman nennt ‘die Ökonomie der Offenbarung’) gegenüber dem geschriebenen Wort der Bibel, wichtig und unerlässlich ist”.

(Siehe auch Diskurs 78: „Die katholische Kirche und die Bibel - eine Disputation.”)


Ähnlich wie in der jüdischen Theologie, werden auch hier in der katholischen „Tradition” (z.T. im Katechismus) sowohl schriftliche als auch mündliche Überlieferungen subsummiert. Wenn also in der katholischen Kirche diese Tradition, die außerkanonischen mündlichen und schriftlichen Überlieferungen, den Aussagen der Heiligen Schrift überlegen sind, hat sich die katholische Kirche des gleichen Vergehens schuldig gemacht, wie die jüdischen Schriftgelehrten: sie hat den Schlüssel zur Erkenntnis weggenommen und hat damit jenen, welche zum einzig wahren Glauben hineingehen wollten, den Weg versperrt. 

Und in Konsequenz erkennen wir daher in der katholischen Kirche das gleiche Unverständnis bei der Interpretation der Schrift, wie bei den jüdischen Schriftgelehrten von der Zeit Jesu bis zum heutigen Tage.



Die Auslegung der Gleichnisse.

(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Die Symbolik des Wassers im Johannesevangelium. / Buch „Jesus von Nazareth” / Papst Benedikt XVI. S 282f)

Aber kommen wir nun nach diesen allgemeinen Hinweisen auf die religionsgeschichtliche Symbolik des Wassers im Johannes-Evangelium. Die Symbolik des Wassers durchzieht das Evangelium vom Anfang bis zum Ende. Sie begegnet uns zuerst im Nikodemus-Gespräch des 3. Kapitels: Um ins Reich Gottes eingehen zu können, muss der Mensch neu, ein anderer werden - er muss wiedergeboren werden aus Wasser und Geist (3,5). Was bedeutet das?

Die Taufe als Eingang in die Christusgemeinschaft wird uns als Wiedergeburt interpretiert, zu der - in Analogie mit der natürlichen Geburt aus männlicher Zeugung und weiblicher Empfängnis - ein zweifaches Prinzip gehört: göttlicher Geist und „Wasser der ,Allmutter' natürlichen Lebens - im Sakrament durch Gnade erhöht zum Schwesterbild der jungfräulichen Theotokos” (Rech a.a.O. II S.303)


(Auszug aus dem Buch Jesus von Nazareth von Joseph Ratzinger - Papst Benedikt XVI. Herder Verlag)



Nachdem der Text der zitierten Referenzstelle aus dem Nikodemus-Gespräch von Ratzinger nicht angeboten wird, wollen wir sie mit ihrem Kontext hier näher betrachten, um die obige Interpretation zu überprüfen.

Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird

Jh 3,3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. 3,4 Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er etwa zum zweiten Mal in den Leib seiner Mutter hineingehen und geboren werden? 3,5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes hineingehen. 3,6 Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist. Jh 3, 3- 6;


Im Vers 3 sagt der Herr: „Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen” und daraus wird nun von J. Ratzinger gefolgert: „Die Taufe als Eingang in die Christusgemeinschaft wird uns als Wiedergeburt interpretiert”. Doch hier steht weder etwas von einer „Taufe”, noch von einem „Eingang in die Christusgemeinschaft”.

Nikodemus kannte nur die biologische, körperliche Geburt und fragte daher hier den Herrn, ob wir denn in den Schoß unserer Mutter zurück müssten, um von neuem geboren zu werden. Und der Herr erklärte ihm, dass wir sowohl unsere biologische Geburt aus dem Schoß unserer Mutter – die aus Wasser (Fruchtwasser!) – als auch unsere Wiedergeburt, nämlich die aus dem Geist bei der Auferstehung der Toten benötigen, um in das Reich Gottes zu gelangen (siehe auch Jh 16,21-23). Wer nicht biologisch - aus Wasser - geboren wurde, ist nicht am Leben und kann daher auch nicht bei der Auferstehung - aus dem Geist - wiedergeboren werden.

Die Antwort des Herrn war daher sowohl eine Antwort auf diese Frage des Schriftgelehrten, als auch die Wiederaufnahme des angeschnittenen Themas der Wiedergeburt. Er sagte: „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes hineingehen.” Das heißt, dass sowohl unsere biologische, fleischliche Geburt – die aus Wasser (Fruchtwasser) – als auch unsere Wiedergeburt, nämlich die aus dem Geist bei der Auferstehung von den Toten erforderlich ist, um in das Reich Gottes zu gelangen.

Und diese Wiedergeburt, von welcher der Herr hier spricht, ist daher auch nicht die oft fälschlich so genannte „Wiedergeburt” des Christen zu Lebzeiten. Dies ist nach der Schrift nicht die geistliche Wiedergeburt, sondern erst die geistliche Wiederzeugung.

(Siehe auch Diskurs 85: „Die echte und die falsche Wiedergeburt.”.)


Neben der Aussage oben, in Jh 3,5, wo der Herr davon spricht, dass wir aus Wasser und Geist geboren - also geboren und wiedergeboren -  werden müssen,  haben wir von ihm eine ganz konkrete Aussage über die Wiedergeburt.

Bei der Wiedergeburt sitzt der Menschensohn auf dem Thron seiner Herrlichkeit.

Mt 19,28 Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet bei der Wiedergeburt, wenn der Menschensohn sitzen wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels. Mt 19,28;


Hier ist im griechischen Text ganz ausdrücklich von „Wiedergeburt” (palingenesis) die Rede und nicht von „Wiederzeugung” (anagennesis), wie bei jenen Stellen, welche fälschlich für eine Wiedergeburt des Christen zu Lebzeiten (1Ptr 1,3; 1,23 etc.) oft so übersetzt werden.

Diese Wiedergeburt, von welcher der Herr oben, in Mt 19,28 spricht, ist nicht etwas, was der Mensch zu Lebzeiten erreichen könnte, sondern liegt aufgrund der Hinweise im Kontext offensichtlich noch in der Zukunft. Es ist dies jener Zeitpunkt, wo der Herr auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen und die Welt richten wird. Auch die Apostel werden dann auf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. Dies ist also die Zeit des Weltgerichts. Und das Ereignis, welches dem Weltgericht unmittelbar vorausgeht, ist die Allgemeine Auferstehung. Alle Menschen aller Völker werden von den Toten auferstehen, um vor das Gericht Gottes zu treten. Und diese Auferstehung, in der die Toten durch den Geist wieder lebendig gemacht und neu geboren werden, nennt nun der Herr die tatsächliche Wiedergeburt.

(Siehe auch Tabelle 13: „Das Gericht über die auferstandenen Völker”.)


Wir sehen also, dass man die Worte des Herrn von „Wasser und Geist” in Jh 3,5 nicht wie J. Ratzinger symbolisch als „Taufe” und „Eingang in die Christusgemeinschaft” interpretieren kann, sondern es ist die buchstäbliche Erklärung eines ganz realen Vorgangs: Niemand kann tatsächlich in die Ewigkeit eingehen, der nicht sowohl physisch - aus Wasser - geboren und dann auch geistlich - in der Auferstehung - wiedergeboren wurde.

Die weiteren Folgerungen des Papstes bzw. der von ihm zitierten Photina Rech, dass zur Wiedergeburt „göttlicher Geist und Wasser der ‘Allmutter’ natürlichen Lebens” gehören, sind daher - abgesehen von der ‘Allmutter’ - so falsch nicht. Allerdings stehen sie hier vor einem vollkommen anderen Hintergrund und - wie könnte es anders sein - in Anlehnung an das „Schwesterbild der jungfräulichen Theotokos” (Theotokos bedeutet Gottesgebärerin und ist ein Beiname der katholischen Maria in den orthodoxen Kirchen).

J. Ratzinger interpretiert daher das Wasser, von dem der Herr dem Nikodemus schlicht und einfach sagte, dass der Mensch daraus im Schoß seiner Mutter geboren wird, einmal als Symbol für die Taufe, dann als Symbol für die Wiedergeburt und schließlich als „Wasser der ,Allmutter' natürlichen Lebens„ und  „Schwesterbild” der katholischen Maria. Hier erkennt man recht genau, wie eine Exegese, welche sich nicht kontinuierlich an der Schrift prüfend orientiert, sondern der Phantasie und den dogmatisch geprägten Wunschvorstellungen freien Lauf lässt, nicht nur selbst immer tiefer in den Morast der selbstgebastelten Glaubenslehre versinkt, sondern dabei auch noch alle jene Menschen mitnimmt und verführt, die diese Meinungen und Behauptungen ungeprüft glauben und in ihrem Glaubensleben übernehmen.



(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Die Wiedergeburt. / Buch „Jesus von Nazareth” von Papst Benedikt XVI. S 282f)

Zur Wiedergeburt gehört - anders gesagt - die schöpferische Macht von Gottes Geist, aber es gehört auch mit dem Sakrament der Mutterschoß der aufnehmenden und annehmenden Kirche dazu. Photina Rech zitiert Tertullian: „Nie war Christus ohne Wasser” (De bapt IX 4) und legt dieses ein wenig rätselhafte Wort des Kirchenschriftstellers richtig aus: „Nie war und ist Christus ohne die Ekklesia ...” (ebd., S. 304). Geist und Wasser, Himmel und Erde, Christus und Kirche gehören zusammen. So geschieht „Wiedergeburt”. Das Wasser steht im Sakrament für die mütterliche Erde, für die heilige Kirche, die die Schöpfung in sich aufnimmt und sie vertritt.


(Auszug aus dem Buch Jesus von Nazareth von Joseph Ratzinger - Papst Benedikt XVI. Herder Verlag)



Auch diese Interpretation dokumentiert auf erschreckende Weise, auf welch absurde und völlig abwegige Ideen man kommt, wenn man nicht die Schrift, sondern menschliche Meinungen und Auslegungen (Rech, Tertullian) als Grundlage heranzieht. Während vorhin das Wasser noch als Taufe und Wiedergeburt gedeutet wurde, wird hier behauptet: „Das Wasser steht im Sakrament für die mütterliche Erde, für die heilige Kirche, die die Schöpfung in sich aufnimmt und sie vertritt”.

Um das Thema hier ein wenig aufzulockern, möchte ich an dieser Stelle ein Beispiel über die Effektivität einer derartig mehrschichtigen Kommunikation aus dem militärischen Umfeld einfügen, wie es oft auch in Managementseminaren als Dokumentation von Fallstudien aus der Arbeitswelt gezeigt wird.

Die Sonnenfinsternis. / Eine kommunikationstheoretische Studie

Kompaniekommandant zum Hauptmann:

0

Morgen um 9:00 Uhr findet eine Sonnenfinsternis statt. Also etwas, was man nicht alle Tage sehen kann. Lassen sie die Kompanie im Ausgehanzug antreten. Bei der Beobachtung dieses seltenen Ereignisses werde ich selbst die Erläuterung geben. Wenn es regnet, werden wir das nicht gut sehen können. Die Kompanie begibt sich dann in den Speiseraum.


Hauptmann zum Leutnant:

0

Auf Befehl des Kompaniekommandanten findet morgen um 9:00 Uhr eine Sonnenfinsternis statt. Wenn es regnet, werden wir das im Ausgehanzug am Kasernenhof nicht gut sehen können. In diesem Fall führen wir das Verschwinden der Sonne im Speiseraum durch. Also etwas, was man nicht alle Tage sehen kann.


Leutnant zum Unteroffizier:

0

Auf Befehl des Kompaniekommandanten wird morgen um 9:00 Uhr im Ausgehanzug das Verschwinden der Sonne im Speiseraum durchgeführt. Der Kompaniekommandant gibt Befehl wenn es regnen soll. Also etwas was man nicht alle Tage sehen kann.


Unteroffizier zum Gefreiten:

0

Wenn es morgen im Speiseraum regnet, also etwas, was man nicht alle Tage zu sehen bekommt, verschwindet um 9:00 Uhr unser Kompaniekommandant im Ausgehanzug.


Gefreiter zu den Soldaten:

0

Morgen um 9:00 Uhr soll unser Kompaniekommandant verschwinden. Schade, dass man das nicht alle Tage zu sehen bekommt.




Und recht ähnlich ist die obige Schriftauslegung des Papstes, wo aus der Geburt aus Wasser plötzlich die heilige katholische Kirche hervorkommt, die ihrerseits gleich wieder die ganze Schöpfung in sich aufnimmt. Wenngleich man auch über das Ergebnis derartiger „Studien” noch herzhaft lachen kann, die Auslegungen des Papstes und seine daraus gezogenen Schlussfolgerungen geben eher Anlass zu ernsthaften Befürchtungen, wie wir gleich sehen werden.

Allein zu seiner Aussage weiter oben: „Das Wasser steht im Sakrament für die mütterliche Erde (!), für die heilige Kirche (!), die die Schöpfung in sich aufnimmt (!) und sie vertritt” könnte man seitenweise Gegenargumente anführen. Doch es soll hier nur auf den offensichtlichen und ganz gefährlichen Hintergrund dieser Formulierung von J. Ratzinger hingewiesen werden. Auch aufgrund mancher anderer Aussagen des Vatikans geht es hier darum, die Religionen der ganzen Welt einzuladen, sich der „einen und einzigen römisch katholischen Kirche’ anzuschließen. Hier wird mit der „mütterlichen Erde” die, in vielen Naturvölkern angebetete „Mutter Erde” als die katholische Kirche insinuiert, welche „die Schöpfung in sich aufnimmt”, also alle Völker und Religionen in sich vereinigt.

Und diese Einladung ergeht einmal an die Naturreligionen jedweder Couleur. Dort wo die katholische Kirche bereits seit Jahrhunderten etabliert ist, wie z.B. in Brasilien, wo heute 93% der Bevölkerung katholisch ist, finden diese „Christen” – und ihre katholischen Priester - überhaupt nichts dabei, nach der Sonntagsmesse die Erd- und Waldgeister - die mittlerweile zu katholischen „Heiligen” avanciert sind - anzubeten und ihnen Opfer darzubringen. In Afrika gibt es ganz ähnliche Praktiken mit Schamanentum und Voodoo-Kulten. Das ist der real existierende Katholizismus in diesen Ländern.

Aber auch die Animisten, mit ihrem Totenkult, mit welchem die katholische Kirche durch ihre Heiligenanbetung ja bereits die Voraussetzung geschaffen hat, sind dort willkommen, weil sie die Mitgliederzahl mehren und damit die Macht der katholischen Kirche stärken. Und obwohl es nun in den großen Religionen, wie Buddhismus, Hinduismus und den beiden anderen monotheistischen Religionen Judentum und Islam viel schwieriger sein dürfte, ist man auch dort eifrig bemüht Anhänger zu finden und sie zu Katholiken (nicht zu Christen!) zu machen.

Und dazu wird dann auch das falsch interpretierte Gleichnis vom barmherzigen Samariter missbraucht. Während dort der Herr Jesus dem Schriftgelehrten vor Augen führt, dass nicht der Hilfsbedürftige der „Nächste” des Samariters, sondern umgekehrt, der helfende Samariter der Nächste ist, der vom Hilfsbedürftigen ob der Hilfe, die er ihm gewährt hat, geliebt werden soll, dreht Ratzinger das Gleichnis in üblicher katholischer Weise um und erklärt:

„Nun kommt ein Samariter des Wegs - vermutlich ein Kaufmann, der diese Strecke öfter zu durchreisen hat und mit dem Wirt der nächsten Herberge offenbar bekannt ist; ein Samariter - jemand also, der nicht zur Solidargemeinschaft Israels gehört und in dem Überfallenen nicht seinen Nächsten zu erblicken braucht” (S 236)


In diesem Gleichnis des Herrn, in Lk 10,27-29, geht es in erster Linie um die Frage des Schriftgelehrten: Wer ist mein Nächster (den ich lieben muss wie mich selbst)? Und die Antwort darauf in Lk 10,36-37 lautet: Mein Nächster ist der, der Barmherzigkeit an mir übt. Also nicht der Überfallene ist der Nächste des Samariters, sondern umgekehrt, der Samariter ist wegen seiner Hilfe der Nächste des Überfallenen geworden und muss von diesem geliebt werden wie er sich selbst liebt. Daher gehen alle diese bekannten Spendenaufforderung für die Armen der ganzen Welt im Namen der Nächstenliebe völlig am Sinn dieses Gleichnisses vorbei, da ja hier mit Nächstenliebe die Liebe der Hilfsbedürftigen zu ihren Wohltätern gemeint ist und die Aufforderung zur Nächstenliebe daher an die Armen gerichtet werden müsste.

Auch die katholische Kirche fordert immer wieder dazu auf, für die Dritte Welt zu spenden. Aber offensichtlich ist der Vatikan selbst davon ausgenommen. Die katholische Kirche verteilt immer nur das Geld, welches ihre Mitglieder zu verschiedenen Anlässen von den Mitbürgern gesammelt haben. Ich habe noch nie gehört, dass der Papst selbst - also der Vatikan - dazu einen nennenswerten finanziellen Beitrag geleistet hätte. Die Zahlungen der katholischen Kirche sind nicht durch ihre Spenden an Arme, sondern durch die Strafsummen bekannt, welche diese Kirche für den sexuellen Missbrauch von Kindern durch ihren zölibatären Klerus bezahlen muss. In der letzten Zeit sind in den USA mehrere Prozesse zu Ende gegangen, wo die römisch katholische Kirche gerichtlich zu Strafzahlzungen verurteilt wurde.

o  In der kalifornischen Diözese Santa Rosa wurde die katholische Kirche zu einer Entschädigungszahlung von 3,3 Mio. Dollar (2,5 Mio. Euro) verurteilt, weil ein Priester ein 14-jähriges Mädchen sexuell missbraucht hatte.

o  In der Diözese Covington, im US-Bundesstaat Kentucky, hat das Gericht einer Sammelklage mehrerer hundert Opfer von sexuellem Missbrauch durch katholische Priester stattgegeben und die katholische Kirche zur Zahlung einer Entschädigungssumme von 120 Millionen Dollar (92 Millionen Euro) verurteilt.

o  Die römisch katholische Diözese von Boston musste 300 Opfern von sexuellem Missbrauch durch katholische Priester im vergangenen Jahr 85 Mio. Dollar (etwa 65 Mio. Euro) bezahlen.

o  Und ganz aktuell - Mitte Juli 2007 - hat sich in Los Angeles, in einer Sammelklage der Missbrauchsopfer, die Erzdiözese einen Tag vor Prozessbeginn zu einem außergerichtlichen Vergleich bereit erklärt, in dem sie insgesamt 500 Opfern von sexuellem Missbrauch durch katholische Priester eine Summe von 480 Millionen Dollar (ca. 370 Mio. Euro) zu zahlen bereit ist.

o  Weitere 150 Klagen sind derzeit in den nordkalifornischen Diözesen anhängig.


Bei den meisten dieser Verbrechen wurden aber die Kinderschänder von der katholischen Kirche nicht bestraft, sondern von ihren Vorgesetzten in den Diözesen einfach von einer Pfarre in eine andere versetzt und konnten dort weitere Kinder belästigen. Auch eine Auslieferung an die Behörden hat der Vatikan abgelehnt. Wenn ein internationaler Haftbefehl vorliegt, werden die betroffenen Priester in den Vatikan gebracht, der als exterritoriales Gebiet den Behörden keinen Zugriff gestattet.

Oder wißt ihr nicht, daß Knabenschänder das Reich Gottes nicht erben werden?

1Kor 6,9 Oder wißt ihr nicht, daß Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Lustknaben, noch Knabenschänder, 6,10 noch Diebe, noch Habsüchtige, noch Trunkenbolde, noch Lästerer, noch Räuber werden das Reich Gottes erben. 1Kor 6, 9-10;


Papst Benedikt XVI. hat noch als Präfekt der katholischen Glaubenskongregation, im Januar 2001 zu diesem Thema einen Brief an alle katholischen Bischöfe weltweit versandt, in welchem er Anordnungen gibt, wie in Fällen von sexuellem Missbrauch durch katholische Priester vorzugehen sei. Darin hat er auch auf das vom Heiligen Offizium  (nunmehr Glaubenskongregation) im Jahre 1962 herausgegebenen Geheimdokument in Latein „Crimen sollicitationis”) hingewiesen, dessen Bestimmungen in solchen Fällen anzuwenden sind. Dem Urteil der Gerichte auf Straf- und Entschädigungszahlungen kann sich die katholische Kirche jedoch nicht entziehen.


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Crimen sollicitationis / Ein geheimes Dokument der katholischen Kirche)

Crimen sollicitationis (latein: Das Verbrechen der Anstiftung) ist ein vatikanisches Geheimdokument der Sacra Congregatio Sancti Officii (Heilige Kongregation des Heiligen Offizium), heute die Congregatio pro doctrina fidei (Kongregation für die Glaubenslehre) aus dem Jahr 1962. Das Dokument wurde von Alfredo Kardinal Ottaviani verfasst und von Papst Johannes XXIII. bestätigt. Es enthält Anweisungen an die Bischöfe, wie sie mit Anschuldigungen gegen Priester wegen sexueller Übergriffe umzugehen hätten. Kirchenrechtler sind sich uneinig über das Ausmaß der Gültigkeit des Dokuments in der Gegenwart. Im Falle eines Crimen sollicitationis wird verlangt, dass Vorkommnisse dieser Natur geheim zu halten seien; diese Geheimhaltung wird auch auf das Dokument selber und die Opfer ausgedehnt. Strafen für einen Bruch der Geheimhaltung beinhalten die Exkommunikation.

Im Jahr 2001 wurde Crimen sollicitationis bekannt, weil ein Verweis darauf in einem vom damaligen Kardinal Ratzinger an die Bischöfe gerichteten Brief [1] enthalten war, in dem neue Maßnahmen zum Umgang mit derartigen Vorwürfen dargelegt wurden.

In Zivilprozessen wegen sexueller Übergriffe durch katholische Priester in den Vereinigten Staaten von Amerika wurde von Anwälten der Kläger argumentiert, dass Crimen sollicitationis ein Beweis für Justizbehinderung durch die katholische Kirche sei. Verteidiger der Kirchenlinie argumentieren dagegen, dass das Dokument es den Bischöfen nicht verboten habe, staatliche Behörden zu informieren, und die Geheimhaltung nur für den Prozess innerhalb der Kirche gelte.

Pater Tom Doyle, ein ehemaliger Kirchenrechtler, sagte in einem Interview mit der britischen BBC, das Dokument sei „an explicit written policy to cover up cases of child sexual abuse by the clergy, to punish those who would call attention to these crimes by the churchmen” (eine explizite schriftliche Richtlinie zur Vertuschung sexueller Übergriffe durch Priester, um diejenigen zu strafen, die Aufmerksamkeit auf diese Verbrechen der Kirchenmänner lenken wollten).

Volltext von Crimen sollicitationis auf Latein, 1.9 MB PDF 
Englische Übersetzung, 1.8 MB PDF

Auszug aus Wikipedia-Crimen sollicitationis




Es sieht also so aus, als ob die katholische Kirche die ganze Welt mit erhobenem Zeigefinger auffordert, für die Armen in der Dritten Welt zu spenden, damit sie sich die horrenden Strafzahlungen für die sexuellen Vergehen ihres Klerus' leisten kann. Gerade die Menschen der Dritten Welt sind ja die Adressaten des Papstes bei seiner obigen Einladung in „die heilige Kirche, die die Schöpfung in sich aufnimmt und sie vertritt” einzutreten. Man stellt sich das anscheinend so vor, dass die Bürger der entwickelten Länder die finanzielle Unterstützung für die Armen der Dritten Welt leisten und die Dankbarkeit dieser Menschen sich dann - wie in Brasilien - in Form eines Beitritts zur katholischen Kirche erweisen würde. Das erkennt man auch aus den folgenden Worten des Papstes:

„Die Aktualität des Gleichnisses (vom barmherzigen Samariter) liegt zutage. Wenn wir es in die Dimensionen der Weltgesellschaft übersetzen, sehen wir, wie die ausgeraubt und geplündert daliegenden Völker Afrikas uns angehen.” (S 238)


Der Papst bezieht sich hier in seinen Klagen zwar auf Afrika, doch wären in diesem Zusammenhang vor allem die Völker Lateinamerikas zu nennen, welche vor etwa 500 Jahren durch die katholischen Spanier (Konquistadoren) mit großer Brutalität niedergemetzelt wurden, um ihre Gold- und Silberschätze zu plündern. Die Konquistadoren zerstörten durch ihre Eroberungen die Großreiche der Inkas (Schlacht von Cajamarca), Mayas und Azteken. Man schätzt die Zahl der Indios, die zwischen 1500 und 1600 direkt oder indirekt durch die Konquistadoren ihr Leben verloren auf ca. 50 Millionen. Das alles mit Billigung des Papstes, der den spanischen König zu diesem Zweck als seinen Stellvertreter ernannt und die Katholisierung der Indios angeordnet hatte.

Aus dieser Zeit ist auch folgender Bericht über den Kaziken Hatuey, ein bis heute in Kuba gerühmter Indianerhäuptling und eine herausragende Figur des Widerstandes überliefert, der am Scheiterhaufen verbrannt wurde und davor vom Franziskanermönch der Konquistadoren zur Bekehrung aufgefordert wurde, damit er in das Himmelreich gelange.

„Der Kazike dachte hierüber ein wenig nach und fragte dann den Geistlichen, ob denn auch die spanischen Christen in den Himmel kämen. Allerdings, sagte der Geistliche, kommen alle guten Christen in den Himmel, auch die Spanier! Sogleich und ohne weiteres Bedenken erwiderte der Kazike, dort wolle er nicht hin, sondern lieber in die Hölle, damit er nur dermaßen grausame Menschen nicht mehr sähe”.


Umso erstaunlicher ist es, dass der Papst bei seinem kürzlichen Besuch in Brasilien die Meinung geäußert hat, die katholische Kirche habe sich den Eingeborenen in Lateinamerika nicht aufgezwungen. Vielmehr hätten die Stämme die Ankunft der Priester im Zuge der spanischen Eroberung still herbeigesehnt (sic!). Und weiter: „Die Verkündung des Evangeliums brachte in keinster Weise eine Entfremdung der vorkolumbianischen Kultur mit sich, auch nicht die Besetzung oder Auferlegung durch eine fremde Kultur”. Wer die Geschichte kennt, weiß es besser.

Nachdem die Menschen aber heute nicht mehr mit dem Verbrennen auf dem Scheiterhaufen erpresst werden können um sich zum katholischen Glauben zu bekehren, hat man die Taktik etwas abgeändert und verspricht ihnen, die Götzen und Geister ihrer eigenen Religionen in die katholische Religion aufzunehmen und zu integrieren. Und so kommt der Papst dann auch auf diese verdeckte Strategie der katholischen Kirche zu sprechen, wenn er schreibt:

„Anstatt ihnen Gott zu geben, den in Christus uns nahen Gott, und so alles Kostbare und Große aus ihren eigenen Überlieferungen aufzunehmen und zur Vollendung zu bringen, haben wir den Zynismus einer Welt ohne Gott zu ihnen getragen, in der es nur auf Macht und Profit ankommt (...).” (S 238)


Die katholische Kirche will also alles Kostbare und Große aus den Überlieferungen dieser Naturvölker - wie Götzentum, Ahnenkult, Geisteranbetung oder Voodooreligionen aufnehmen und zur Vollendung (!) bringen. Das oben zitierte Beispiel Brasiliens zeigt, wie erfolgreich diese Strategie bereits in der Vergangenheit war. Im Katholizismus leben diese alten Natur- und Geisterreligionen unter dem Namen der katholischen Kirche frisch und fröhlich weiter. Und so ist es auch zu erklären, dass im Katholizismus völlig unbiblische Gebräuche gepflogen werden, wie der Götzendienst (die Anbetung der katholischen „Maria” und anderer hölzerner und steinerner Figuren), der Totenkult (die Anbetung der verstorbenen „Heiligen”), die Taufe von unschuldigen Kindern, der Zauberkult, in dem bei der „Transsubstantiation” angeblich Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt werden u.a.m.

Ihre Götzen sind Silber und Gold, ein Werk von Menschenhänden.

Ps 115,3 Unser Gott ist in den Himmeln; alles, was ihm wohlgefällt, tut er. 115,4 Ihre Götzen sind Silber und Gold, ein Werk von Menschenhänden. 115,5 Einen Mund haben sie, reden aber nicht. Augen haben sie, sehen aber nicht. 115,6 Ohren haben sie, hören aber nicht. Eine Nase haben sie, riechen aber nicht. 115,7 Sie haben Hände, tasten aber nicht; Füße, gehen aber nicht. Keinen Laut geben sie mit ihrer Kehle. 115,8 Ihnen gleich sollen die werden, die sie machten, ein jeder, der auf sie vertraut. Ps 115, 3- 8;

Ihre Götzen sind wie Vogelscheuchen; sie reden nicht und müssen getragen werden, denn sie gehen nicht.

Jer 10,2 So spricht der HERR: Gewöhnt euch nicht an den Weg der Nationen und erschreckt nicht vor den Zeichen des Himmels, auch wenn die Nationen vor ihnen erschrecken! 10,3 Denn die Ordnungen der Völker - ein Götze ist es, der sie gab. Ja, ihre Götzen sind Holz, das einer aus dem Wald geschlagen hat, ein Werk von Künstlerhänden, mit dem Schnitzmesser hergestellt. 10,4 Man schmückt es mit Silber und mit Gold. Mit Nägeln und mit Hämmern befestigen sie es, daß es nicht wackelt. 10,5 Sie sind wie eine Vogelscheuche im Gurkenfeld und reden nicht; sie müssen getragen werden, denn sie gehen nicht. Fürchtet euch nicht vor ihnen! Denn sie tun nichts Böses, und Gutes tun können sie auch nicht. Jer 10, 2- 5;


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Pilger begrüßen die Muttergottes-Statue                   In Portugal wird die Muttergottes von der
am 13. Mai 2007 in Fatima                                                Armee getragen     
http://www.heiliggeist-seminar.de/90%20Jahre%20Fatima.htm


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(Die Taufe. / Buch „Jesus von Nazareth” von Papst Benedikt XVI. S 284f)

Dann begegnet uns die Symbolik des Wassers erneut im 9. Kapitel: Jesus heilt einen Blindgeborenen. Zum Vorgang der Heilung gehört es, dass der Leidende sich dem Auftrag Jesu gemäß im Teich Schiloach waschen muss. So erlangt er sein Augenlicht. „Schiloach heißt übersetzt: der Gesandte”, kommentiert der Evangelist dazu für seine des Hebräischen nicht kundigen Leser (Joh 9,7). Aber dies ist mehr als eine philologische Anmerkung. Es wird uns der eigentliche Grund des Wunders genannt. Denn „der Gesandte” ist Jesus. Letzten Endes ist es Jesus, durch den und in dem er sich reinigen lässt, um sehend zu werden. Das ganze Kapitel erweist sich als Auslegung der Taufe, die uns sehend macht. Christus ist der Spender des Lichts, der uns durch die Vermittlung des Sakraments die Augen auftut.


(Auszug aus dem Buch Jesus von Nazareth von Joseph Ratzinger - Papst Benedikt XVI. Herder Verlag)



Hier nimmt der Papst sichtlich keine Unterstützung von anderen Auslegern in Anspruch, sondern deutet den Text selbst. Wobei man der Interpretation von Christus als Spender des Lichts absolut und der Heilung des Blindgeborenen als Symbol für die Taufe mit Vorbehalt zustimmen kann. Die Taufe macht uns nicht „sehend” - also gläubig -, denn sie ist nach der Schrift die Folge und nicht die Voraussetzung einer Bekehrung.

Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi

Apg 2,38 Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden! Und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Apg 2,38;


Wenn es jedoch tatsächlich so wäre, wie der Papst meint, dass den Menschen „durch die Vermittlung des Sakraments (der Taufe) die Augen” aufgetan würden und somit die Taufe der Akt der Bekehrung wäre, wäre es gerade die katholische Kirche, welche diesen Akt der Erkenntnis verhindern würde. Dort wird  ja nicht eine Erwachsenentaufe durchgeführt, sondern es werden Kleinkinder ziemlich bald nach der Geburt und noch ohne irgendein Schuldbewusstsein getauft und daher könnten sie bei der katholischen Taufe auch nicht „sehend” werden, wie dies J. Ratzinger oben erklärt.

Der nach katholischer Lehre unfehlbare Papst irrt hier also zweifach: einerseits, weil er meint, dass die Taufe der Akt der Bekehrung wäre - was nach der Schrift eindeutig falsch ist - und andererseits, weil die katholische Kirche eine unbiblische Kindertaufe praktiziert und dabei eine derartige intellektuelle Leistung eines Kleinkindes ganz ausgeschlossen ist. Dieser doppelte Irrtum des Papstes könnte aber auch ein Hinweis darauf sein, dass er hier tatsächlich ex cathedra, also im Heiligen Geist gesprochen hat, der ihn darauf hinweisen wollte, dass seine eigene Interpretation in Bezug auf die (Erwachsenen-) Taufe der diesbezüglichen Lehre der katholischen Kirche mit ihrer Kindertaufe eindeutig widerspricht.



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(Die Heilung des Blindgeborenen, Johannesevangelium Kapitel 9: / Kommentar Alexandra Klein 00, 2012-08-21)

Die Heilung des Blindgeborenen als Symbol für die Taufe ist ganz einfach deswegen hinfällig/unmöglich, weil Jesus im Johannesevangelium nicht selbst getauft hat: Joh 4,1-3: Jesus erfuhr, dass die Pharisäer gehört hatten, er gewinne und taufe mehr Jünger als Johannes – allerdings taufte nicht Jesus selbst, sondern seine Jünger – verließ er Judäa und ging wieder nach Galiläa.
Der Blindgeborene kann sich also nicht – und das tat er auch nicht – aus einer Tauf-Absicht heraus zu Jesus als den Gesandten hin-bewegt haben.
Vom Zeitpunkt an, als Jesus den Blindgeborenen unterwegs traf, bis zu dem Zeitpunkt, als der Blindgeborene sehen konnte, - Joh 9,1-7 - äußert der Blindgeborene keinerlei Wünsche oder Absichten. Bis Vers 7 wusste er doch gar nicht, was überhaupt passiert! Und das Wichtige: er wurde auch nicht belehrt. 
In Vers 4 heißt es: WIR müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.
WIR – heißt also: die Jünger UND Jesus.
Dies ist lediglich die bekannte Auslegung des Sendungsauftrages. Von Taufe ist hier nichts erwähnt, weder von Jesus, den Jüngern, noch von dem Blindgeborenen selbst. Es ist auch nirgends davon die Rede, dass der Blindgeborene etwas TUN MUSSTE, was Papst Benedikt XVI. ja äußert.
In der lat.-griech.-deutsche Übersetzung von Mt 28,19 heißt es korrekt anders wie in der Einheitsübersetzung:

  28:19 poreuqenteV oun maqhteusate panta ta eqnh
   baptizonteV autouV
   eiV to onoma tou PatroV kai tou Uiou kai tou Agiou PneumatoV

 euntes ergo docete omnes gentes 
 baptizantes eos
 in nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti

DARUMB GEHET HIN / VND LERET ALLE VÖLCKER /
VND TEUFFET SIE /
IM NAMEN DES VATERS / VND DES SONS / VND DES HEILIGEN GEISTS /



Alexandra Klein, blinde katholische Organistin, von 1991-1994 Schülerin der Bayerischen Landesschule für Blinde, München, wo in der Kapelle ein riesiges Bild von der Heilung des Blindgeborenen hing, in Bedeutung des Sendungsauftrages (der Schule).





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(Die Ströme lebendigen Wassers. / Buch „Jesus von Nazareth” von Papst Benedikt XVI. S 286ff)

Wenden wir uns nun den Offenbarungsworten Jesu im Zusammenhang mit dem Laubhüttenfest zu, die uns Johannes in 7,37ff mitteilt. „Am letzten Tag des Festes, dem großen Tag, stellte Jesus sich hin und rief: Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Innern werden Ströme von lebendigem Wasser fließen ...” (...)

Aber nun müssen wir dem Text noch genauer zuhören. Er fährt fort: „Wie die Schrift sagt, aus dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen” (7,38). Aus wessen Leib? Auf diese Frage gibt es seit frühesten Zeiten zwei verschiedene Antworten.  Die alexandrinische, von Origenes (+ ca. 254) begründete Tradition, der sich aber auch die großen lateinischen Väter Hieronymus und Augustinus anschließen, liest: „Wer glaubt ... aus dessen Leib werden ...” Der Mensch, der glaubt, wird selbst zu einer Quelle, zu einer Oase, aus der frisches, unvergiftetes Wasser, die Leben spendende Kraft des Schöpfergeistes sprudelt.

Daneben aber steht - mit freilich weit geringerer Streuung - die kleinasiatische Tradition, die vom Ursprung her Johannes nähersteht, bezeugt durch Justin (+ 165), Irenäus Hippolyt, Cyprian, Ephraim. Sie setzt die Interpunktion anders: „Wie die Schrift sagt: aus seinem Leib werden Ströme herausfließen.” „Sein Leib” wird nun auf Christus bezogen; er ist der Quell, der lebendige Fels, von dem das neue Wasser kommt.


(Auszug aus dem Buch Jesus von Nazareth von Joseph Ratzinger - Papst Benedikt XVI. Herder Verlag)



Sehen wir uns nun diesen Vers, der von den Vätern der katholischen Kirche so unterschiedlich interpretiert wird, in der Übersetzung der Elbefelder Bibel selbst an.

Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen.

Jh 7,37 An dem letzten, dem großen Tag des Festes aber stand Jesus und rief und sprach: Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke! 7,38 Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Jh 7,37-38;


Und um eventuelle Unsicherheiten im Hinblick auf die richtige Übersetzung gleich zu Beginn auszuräumen, hier der griechische Text von Nestle-Aland in der Interlinearübersetzung:

Jh 7,37 Aber an dem letzten Tag, dem großen des Festes, stand Jesus und rief, sagend: Wenn jemand dürstet, komme er zu mir und trinke! 7,38 Der Glaubende an mich, wie gesagt hat die Schrift, Ströme aus seinem Leib werden fließen lebendigen Wassers. Jh 7,37-38


Wenn man diesen Text unvoreingenommen und ohne dogmatische Brille liest, kann man der von J. Ratzinger oben zitierten Version der  „alexandrinischen Tradition” ohne Probleme zustimmen:

„Der Mensch, der glaubt, wird selbst zu einer Quelle, zu einer Oase, aus der frisches, unvergiftetes Wasser, die Leben spendende Kraft des Schöpfergeistes sprudelt.”


Dennoch bevorzugt der Papst in seinen weiteren Ausführungen die andere, „kleinasiatische Tradition”, die den Leib auf Christus bezieht und somit den zum Glauben Gekommenen die Gabe des Heiligen Geistes abspricht.

Man erkennt hier sehr deutlich zwei Dinge: Zum Einen, dass es sich bei der Interpretation dieses Textes nicht um eine Frage der Interpunktion handelt, wie Benedikt meint, sondern dass es in dieser „kleinasiatischen Tradition” schlicht und einfach darum geht, die Verheißung des Herrn, dass die Gläubigen das „lebendige Wasser” des Geistes Gottes in sich haben werden, zu vertuschen. Und zweitens sind gerade diese Aussagen des Papstes das beste Beispiel für den völlig falschen Weg der katholischen Theologie in der Schriftauslegung, ähnlich wie wir es eingangs im Judentum feststellen konnten. Auch hier wird primär die Tradition befragt und hin und her geraten, wer da wohl Recht haben könnte, anstatt dass man die Schrift selbst befragt

Genau das wollen wir aber jetzt tun und versuchen, diese Streitfrage der katholischen Tradition auf einfache - bibelkonforme - Art und Weise zu lösen. Zuerst erkennen wir gleich im nächsten Vers des von Papst oben zitierten Johannestextes die erste Aufklärung:

Dies aber sagte er von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten.

Jh 7,39 Dies aber sagte er von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn noch war der Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war. Jh 7,39;


Mit der Aussage des Herrn im Vers davor: „Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen” ist also nach der Erklärung des Evangelisten Johannes auf jene bezogen, welche zum Glauben an Jesus Christus gekommen sind. Und damit wird nun genau jene Frage beantwortet, welche von der katholischen Tradition - zumindest der kleinasiatischen mit Justin, Irenäus Hippolyt, Cyprian, Ephraim - als Problem dargestellt wird. Ein Problem, welches dann durch ihre eigene Interpretation, nämlich dass der Herr hier nicht die Gläubigen meinte, sondern von sich selbst gesprochen hat, korrigiert werden musste. 

Nachdem diesen Kirchenschriftstellern der Evangelist Johannes offensichtlich nicht vertrauenswürdig genug gewesen ist, um seinen Worten Glauben zu schenken, versuchen wir daher zu diesem Thema eine direkte Aussage des Herrn selbst zu finden. Und da haben wir in seinem Gespräch mit der Samariterin, in Jh 4,14, eine fast identische Wortwahl.

Das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt.

Jh 4,10 Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du die Gabe Gottes kenntest und wüßtest, wer es ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken! so hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. 4,11 Die Frau spricht zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief. Woher hast du denn das lebendige Wasser? 4,12 Du bist doch nicht größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gab, und er selbst trank daraus und seine Söhne und sein Vieh?

4,13 Jesus antwortete und sprach zu ihr: Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten; 4,14 wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt. Jh 4,10-14;


Es kann also nicht besser dokumentiert werden, dass der Herr Jesus in seiner Aussagen von Jh 7,38 „Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen”, den Heiligen Geist gemeint hat, den die empfangen sollen, die an ihn glauben und welcher sie in das ewige Leben führen wird. Dass nun der Papst hier die falsche Interpretation bevorzugt, ist nicht weiter verwunderlich. Hat er sich doch auf „salziges Land” begeben und den Vätern der katholischen Tradition vertraut.

Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht.

Jer 17,5 So spricht der HERR: Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht und dessen Herz vom HERRN weicht! 17,6 Er wird sein wie ein kahler Strauch in der Steppe und nicht sehen, daß Gutes kommt. Und an dürren Stätten in der Wüste wird er wohnen, in einem salzigen Land, wo sonst niemand wohnt.


17,7 Gesegnet ist der Mann, der auf den HERRN vertraut und dessen Vertrauen der HERR ist! 17,8 Er wird sein wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt und sich nicht fürchtet, wenn die Hitze kommt. Sein Laub ist grün, im Jahr der Dürre ist er unbekümmert, und er hört nicht auf, Frucht zu tragen. Jer 17, 5- 8;



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(Das Abendmahl: Durchgang durch das Kreuz?. / Buch "Jesus von Nazareth" von Papst Benedikt XVI. S 314f)

In der Brot-Rede Jesu wird einerseits die große Bewegung der Menschwerdung und des österlichen Weges auf das Sakrament hingeordnet, in dem immerfort Ostern und Menschwerdung zugleich ist; aber umgekehrt wird auch das Sakrament, die heilige Eucharistie, so eingeordnet in den großen Zusammenhang von Gottes Abstieg zu uns und für uns.

So wird einerseits nachdrücklich die Eucharistie in die Mitte der christlichen Existenz gerückt: Hier schenkt uns Gott tatsächlich das Manna, auf das die Menschheit wartet, das „Brot des Himmels”  - das, wovon wir im Tiefsten als Menschen leben können. Aber zugleich wird Eucharistie als die immerwährende große Gottbegegnung des Menschen sichtbar, in der der Herr sich als „Fleisch” gibt, damit wir - mit ihm und in der Teilhabe an seinem Weg - „Geist” werden können: Wie er durch das Kreuz hindurch verwandelt wurde in eine neue Weise von Leiblichkeit und von Menschsein hinein, das sich mit Gottes Sein durchdringt, so muss auch für uns dieses Essen Öffnung der Existenz, Durchgang durch das Kreuz und Vorgriff auf die neue Existenz des Lebens in Gott und mit Gott sein.


(Auszug aus dem Buch Jesus von Nazareth von Joseph Ratzinger - Papst Benedikt XVI. Herder Verlag)



Der Papst bezeichnet hier oben die katholische Eucharistie als

o  Manna, auf das die Menschheit wartet, als

o  „Brot des Himmels” und

o  das, wovon wir im Tiefsten als Menschen leben können.


Man erkennt, dass hier die „Speisung” im Vordergrund steht. Der Schwerpunkt liegt beim  „Essen”. Vom Wein ist keine Rede, weil die katholische Kirche dem Kirchenvolk den Wein beim Abendmahl verbietet. Die katholische Eucharistie wird als „Gottbegegnung des Menschen” beschrieben, in der sich Jesus Christus „als Fleisch gibt”, damit die Katholiken durch das Essen dieses Fleisches mit ihm an seinem Leidensweg teilhaben und „Geist” werden können damit das auf diese Weise auch für sie der „Durchgang durch das Kreuz” wird.

Nach dieser Lehre ist Christus nicht für die Sünden der Welt ans Kreuz gegangen, sondern um es den Katholiken zu ermöglichen, durch die wöchentliche Verspeisung seines Fleisches ebenfalls „durch” das Kreuz zu gehen und sich somit als „Vorgriff auf die neue Existenz des Lebens in Gott und mit Gott” selbst zu erretten.

Doch ist das wirklich der Hintergrund der Worte des Herrn? Die Schrift sagt uns da etwas ganz anderes:

Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Dies tut zu meinem Gedächtnis!

Lk 22,14 Und als die Stunde gekommen war, legte er sich zu Tisch und die Apostel mit ihm. 22,15 Und er sprach zu ihnen: Mit Sehnsucht habe ich mich gesehnt, dieses Passahmahl mit euch zu essen, ehe ich leide. 22,16 Denn ich sage euch, daß ich es gewiß nicht mehr essen werde, bis es erfüllt sein wird im Reich Gottes. 22,17 Und er nahm einen Kelch, dankte und sprach: Nehmt diesen und teilt ihn unter euch! 22,18 Denn ich sage euch, daß ich von nun an nicht von dem Gewächs des Weinstocks trinken werde, bis das Reich Gottes kommt.

22,19 Und er nahm Brot, dankte, brach und gab es ihnen und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Dies tut zu meinem Gedächtnis! 22,20 Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl und sagte: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. Lk 22,14-20;


Wie wir sehen, steht hier nicht die Speisung der Jünger im Vordergrund, denn Brot und Wein dienen nur als Träger der Erinnerung für dieses vom Herrn befohlene Gedächtnismahl. Der Herr hat hier auch nicht geboten „Dies tut damit ihr an meinem Leiden teilhaben könnt”, sondern „Dies tut zu meinem Gedächtnis (Angedenken)”. Der tatsächliche Mittelpunkt dieses Geschehens sind also nicht Brot und Wein, sondern ist das Loskaufopfer des Herrn am Kreuz für die Sünden der Welt. Sein Leib und sein Blut wurden als Gott wohlgefälliges Opfer am Kreuz dargebracht, um jeden, der daran glaubt, von seinen Sünden zu erlösen. Es ist also der Kreuzestod des Herrn, der uns von unseren Sünden errettet und uns mit Gott versöhnt, an welchen wir uns bei diesem Abendmahl nach dem Gebot des Herrn erinnern sollen.

Ich tue euch, Brüder, das Evangelium kund, dass Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften.

1Kor 15,1 Ich tue euch aber, Brüder, das Evangelium kund, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch steht, 15,2 durch das ihr auch errettet werdet, wenn ihr festhaltet, mit welcher Rede ich es euch verkündigt habe, es sei denn, dass ihr vergeblich zum Glauben gekommen seid. 15,3 Denn ich habe euch vor allem überliefert, was ich auch empfangen habe: dass Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften; 15,4 und dass er begraben wurde und dass er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften; 15,5 und dass er Kephas erschienen ist, dann den Zwölfen. 1Kor 15, 1- 5;

Jesus Christus, der sich selbst für unsere Sünden hingegeben hat.

Gal 1,1 Paulus, Apostel, nicht von Menschen her, auch nicht durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater, der ihn aus den Toten auferweckt hat, 1,2 und alle Brüder, die bei mir sind, den Gemeinden von Galatien: 1,3 Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus, 1,4 der sich selbst für unsere Sünden hingegeben hat, damit er uns herausreiße aus der gegenwärtigen bösen Welt nach dem Willen unseres Gottes und Vaters, 1,5 dem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Gal 1, 1- 5;


Das ist nun das wahre Evangelium, das ist die Frohe Botschaft. Doch in den Ausführungen von J. Ratzinger wird gerade auf diesen Zusammenhang überhaupt nicht eingegangen. Und dies liegt natürlich an dem völlig falschen Verständnis dieser Schriftstelle. Wie wir in dem Buchauszug oben lesen können, sieht die katholische Lehre die „Eucharistie als die immerwährende große Gottbegegnung des Menschen (…), in der der Herr sich als ‘Fleisch’ gibt, damit wir - mit ihm und in der Teilhabe an seinem Weg -  ‘Geist’ werden können”.

In der katholischen Interpretation des Abendmahls gibt sich also der Herr hier als „Fleisch”, damit wir durch dessen „Verspeisung” an seinem Weg teilhaben können. Und um hier keinen Irrtum, aufkommen zu lassen: Ratzinger meint dies tatsächlich so, wie er es schreibt! In seinem Buch Einführung in das Christentum (Kösel-Verlag, München) zitiert Ratzinger in diesem Zusammenhang Platon und schreibt, dass

„die Gerechtigkeit eines Menschen erst dann vollkommen und bewährt sei, wenn er den Schein der Ungerechtigkeit auf sich nehme. (…) Sie werden denn sagen, dass der Gerechte unter diesen Umständen gegeißelt, gefoltert, gebunden werden wird, dass ihm die Augen ausgebrannt werden und dass er zuletzt nach allen Misshandlungen gekreuzigt werden wird…”.


Und hier erkennen wir nun die katholische Sicht vom Kreuzestod des Herrn: Es sind nicht unsere Sünden, für die der Herr ans Kreuz gegangen ist, sondern der Mensch selbst muss Leid ertragen, um vor Gott gerecht zu sein. Nach katholischer Lehre hat Jesus Christus uns dies vorgezeigt und wir müssen ihm auf diesem Weg des Leides nachfolgen, um gerettet zu sein. Und folgerichtig meint der Papst auch in dem hier kommentierten Buch Jesus von Nazareth:

„Die Leiden Ijobs dienen der Rechtfertigung des Menschen. Er stellt durch seinen im Leiden bewährten Glauben die Ehre des Menschen wieder her. So sind die Leiden Ijobs im Voraus Leiden in der Gemeinschaft mit Christus, der unser aller Ehre vor Gott wieder herstellt und uns den Weg zeigt, auch im tiefsten Dunkel den Glauben an Gott nicht zu verlieren.” (S 197)


Wenn wir daher die beiden obigen Aussagen von J. Ratzinger zusammenfassen ergibt sich folgendes Bild:

o  Aus der Sicht des Papstes war Jesus Christus ein Ehrenretter und Wegweiser. Einer, der unser aller Ehre vor Gott durch sein Leiden am Kreuz wieder hergestellt und uns den Weg gezeigt hat, den auch wir in seiner Gemeinschaft gehen müssen: In der Eucharistie, in der der Herr sich als „Fleisch” gibt, können wir an seinem Leidensweg teilhaben. Wie er durch das Kreuz hindurch verwandelt wurde, muss auch für uns das Essen des Leibes Christi Durchgang durch das Kreuz sein, um uns als „Vorgriff auf die neue Existenz des Lebens in Gott und mit Gott” selbst zu erretten.


Im Gegensatz zu dieser katholischen Interpretation der Selbsterrettung durch Leiden, sagt uns die biblische Lehre, dass es dem Menschen gar nicht möglich ist, sich selbst zu erretten. Der Sünde Sold ist der Tod. Und zwar jeder Sünde, ob groß oder klein. Und da nach der Schrift alle Menschen Sünder sind, müssten sie alle sterben um gerettet zu werden. Doch gerade deswegen hat Gott seinen Sohn gesandt, der für die Sünden aller Menschen am Kreuz das Loskaufopfer erbracht hat. Wir müssen also nicht mehr sterben und auch nicht am Kreuz leiden, um gerettet zu werden. Wir müssen nur dieses Angebot Gottes annehmen und an unsere Rettung durch das Kreuzesopfer des Herrn glauben.

Weiter oben haben wir die Argumentation des Papstes über Jh 7,37-38 behandelt, wo er schreibt:

„Wenden wir uns nun den Offenbarungsworten Jesu im Zusammenhang mit dem Laubhüttenfest zu, die uns Johannes in 7,37ff mitteilt. ‘Am letzten Tag des Festes, dem großen Tag, stellte Jesus sich hin und rief: Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Innern werden Ströme von lebendigem Wasser fließen ...’ (...)
Aber nun müssen wir dem Text noch genauer zuhören. Er fährt fort: ‘Wie die Schrift sagt, aus dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen’ (7,38). Aus wessen Leib? Auf diese Frage gibt es seit frühesten Zeiten zwei verschiedene Antworten.”


Abgesehen davon, dass es - wie bereits oben erwähnt - von Vorteil gewesen wäre, wenn der Papst auch den nächsten Vers Jh 7,39 gelesen hätte, welcher ihm sofort die richtige Antwort auf seine obige Frage gegeben hätte, gibt es in diesem Text eine weitaus wichtigere und substantiellere Frage zu beantworten. Was meint der Herr, wenn er sagt: „wer an mich glaubt”? Ist es der Glaube daran, dass er existiert hat und Mensch war? Dass er Wunder gewirkt hat? Dass er ein Religionsgründer war? Dass er Sohn Gottes war? Dass er selbst Gott war? - Das ist wohl alles darin enthalten, aber ist es das Wesentliche?

Nein, das Wesentliche am Glauben an Jesus Christus ist das Kreuz! Wenn der Sohn Gottes auf Erden gekommen wäre und hätte alles dies getan und das Kreuz vermieden, dann wären vielleicht die Juden zufrieden gewesen, weil sie sich so ihren Messias vorgestellt haben, aber der Rest der Menschheit wäre verloren gegangen. Daher ist „glauben an Jesus Christus” die Überzeugung, dass der Mensch zwar aufgrund seines eigenen Verhaltens zu Lebzeiten vor Gott ein des Todes würdiger Sünder ist, aufgrund des Loskaufopfers seines Erlösers am Kreuz aber seine Sünden vergeben wurden und er gerettet ist.

Und hier wäre sowohl Joseph Ratzinger, als auch dem von ihm so wohlwollend zitierten Rabbi Jacob Neusner die Lektüre des Alten Testaments zu empfehlen. Im Kapitel 53 des Buches des Propheten Jesaja wird genau dieses Thema - der Knecht Gottes - abgehandelt. Übrigens auch ein Text, welchen die Schriftgelehrten zur Zeit Jesu offenbar nicht gekannt hatten?

Unsere Leiden - er hat sie getragen, und unsere Schmerzen - er hat sie auf sich geladen.

Jes 53,1 Wer hat unserer Verkündigung geglaubt? An wem ist der Arm des HERRN offenbar geworden? - 53,2 Er ist wie ein Trieb vor ihm aufgeschossen und wie ein Wurzelsproß aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und keine Pracht. Und als wir ihn sahen, da hatte er kein Aussehen, daß wir Gefallen an ihm gefunden hätten. 53,3 Er war verachtet und von den Menschen verlassen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, wie einer, vor dem man das Gesicht verbirgt. Er war verachtet, und wir haben ihn nicht geachtet. 53,4 Jedoch unsere Leiden - er hat sie getragen, und unsere Schmerzen - er hat sie auf sich geladen. Wir aber, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. Jes 53, 1- 4;

Doch er war durchbohrt um unserer Vergehen willen, zerschlagen um unserer Sünden willen

Jes 53,5 Doch er war durchbohrt um unserer Vergehen willen, zerschlagen um unserer Sünden willen. Die Strafe lag auf ihm zu unserm Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. 53,6 Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen eigenen Weg; aber der HERR ließ ihn treffen unser aller Schuld. - 53,7 Er wurde mißhandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf wie das Lamm, das zur Schlachtung geführt wird und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern; und er tat seinen Mund nicht auf. - 53,8 Aus Drangsal und Gericht wurde er hinweggenommen. Und wer wird über sein Geschlecht nachsinnen? Denn er wurde abgeschnitten vom Lande der Lebendigen. Wegen des Vergehens seines Volkes hat ihn Strafe getroffen. Jes 53, 5- 8;

Er aber hat die Sünde vieler getragen und für die Verbrecher Fürbitte getan.

Jes 53,9 Und man gab ihm bei Gottlosen sein Grab, aber bei einem Reichen ist er gewesen in seinem Tod, weil er kein Unrecht begangen hat und kein Trug in seinem Mund gewesen ist. 53,10 Doch dem HERRN gefiel es, ihn zu zerschlagen. Er hat ihn leiden lassen. Wenn er sein Leben als Schuldopfer eingesetzt hat, wird er Nachkommen sehen, er wird seine Tage verlängern. Und was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen. 53,11 Um der Mühsal seiner Seele willen wird er Frucht sehen, er wird sich sättigen. Durch seine Erkenntnis wird der Gerechte, mein Knecht, den Vielen zur Gerechtigkeit verhelfen, und ihre Sünden wird er sich selbst aufladen. 53,12 Darum werde ich ihm Anteil geben unter den Großen, und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen: dafür, daß er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und sich zu den Verbrechern zählen ließ. Er aber hat die Sünde vieler getragen und für die Verbrecher Fürbitte getan. Jes 53, 9-12;


Wenn man nun die katholische Lehre der Transsubstantiation (Wandlung) ernst nehmen würde und sich vorstellt, dass dabei der tatsächliche Leib unseres Herrn von jedem katholischen Priester nach Belieben aus einem Stück Brot in Fleisch herbeigewandelt werden kann und somit der Sohn Gottes der Verfügungsgewalt des katholischen Klerus' untersteht, hat man den Eindruck, dass die katholische Kirche hier die Grenze zwischen Gott und Mensch eindeutig überschreitet und versucht „Gott” zu spielen. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass dieselben Hände, welche dann den Leib Christi umfassen und an das Kirchenvolk verteilen, vielleicht wenige Stunden zuvor - wie in den USA (siehe oben) - noch Kinder sexuell missbraucht und vergewaltigt haben, erkennt man das ganze bedrückende Ausmaß dieser falschen Lehre.

Doch dem Herrn sei Dank, dass dies nur einer der Auswüchse der katholischen Kirche ist. Neben der lehrmäßigen Ablehnung der unbiblischen Transsubstantiation durch die christlichen Kirchen gibt es auch einen biblisch fundierten logischen Grund, welcher uns zeigt, dass eine derartige Inkarnation gar nicht realistisch ist. Beim Passahmahl mit den Aposteln war es der Herr selbst, der dieses Brot gebrochen und verteilt hatte und dabei den Aposteln geboten hatte, dies auch weiterhin zu seinem Gedächtnis zu tun. Wenn dies damals eine „Wandlung” nach katholischer Auffassung gewesen wäre, hätte der Herr hier das Brot in seinen eigenen Leib verwandelt und hätte daher doppelt existiert. Daraus ist zu erkennen, dass der Herr dieses Sakrament eben nicht als Wandlung, sondern als Gedächtnismahl eingesetzt hat, in dem wir seinen Tod zu unserer Rettung verkündigen.

Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Dies tut zu meinem Gedächtnis! .

Lk 22,14 Und als die Stunde gekommen war, legte er sich zu Tisch und die Apostel mit ihm. 22,15 Und er sprach zu ihnen: Mit Sehnsucht habe ich mich gesehnt, dieses Passahmahl mit euch zu essen, ehe ich leide. 22,16 Denn ich sage euch, daß ich es gewiß nicht mehr essen werde, bis es erfüllt sein wird im Reich Gottes. 22,17 Und er nahm einen Kelch, dankte und sprach: Nehmt diesen und teilt ihn unter euch! 22,18 Denn ich sage euch, daß ich von nun an nicht von dem Gewächs des Weinstocks trinken werde, bis das Reich Gottes kommt.
22,19 Und er nahm Brot, dankte, brach und gab es ihnen und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Dies tut zu meinem Gedächtnis! 22,20 Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl und sagte: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. Lk 22,14-20;

Dies ist mein Leib, der für euch ist; dies tut zu meinem Gedächtnis!

1Kor 11,23 Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich auch euch überliefert habe, daß der Herr Jesus in der Nacht, in der er überliefert wurde, Brot nahm 11,24 und, als er gedankt hatte, es brach und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch ist; dies tut zu meinem Gedächtnis! 11,25 Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, dies tut, sooft ihr trinkt, zu meinem Gedächtnis! 11,26 Denn sooft ihr dieses Brot eßt und den Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. 1Kor 11,23-26;


(Siehe auch Diskurs 92: „Das Herrenmahl: Gedenkfeier oder Wandlung?”)


Benedikt XVI. zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

 

In dem abschließenden Statement in seinem Buch schreibt der Papst:

„Gewiss brauche ich nicht eigens zu sagen, dass dieses Buch in keiner Weise ein lehramtlicher Akt ist, sondern einzig Ausdruck meines persönlichen Suchens >nach dem Angesicht des Herrn< (vgl. Psalm 27,8). Es steht daher jedermann frei, mir zu widersprechen. Ich bitte die Leserinnen und Leser nur um jenen Vorschuss an Sympathie, ohne den es kein Verstehen gibt."    Joseph Ratzinger - Papst Benedikt XVI.”


Nicht zuletzt aufgrund dieses Bekenntnisses seiner persönlichen Suche „nach dem Angesicht des Herrn" werden sicherlich viele Leserinnen und Leser der Bitte des Papstes nach einem Vorschuss an Sympathie entsprechen. Und auch ich muss gestehen, dass mir Joseph Ratzinger als Mensch, in der Art und Weise wie er sich gibt und wie er spricht, ganz im Gegensatz zu seinem Vorgänger recht sympathisch ist. Allerdings muss man darauf hinweisen, dass es gerade bei christlich-theologischen Diskussionen und in Glaubensfragen nicht die Sympathie sein kann, welche das Verstehen der gegenseitigen Positionen ermöglicht. Dies ermöglicht - nach meiner festen Überzeugung - nur eine fundierte Argumentation, die nachweisen kann, dass die jeweilige Lehrmeinung auf den Aussagen der Bibel beruht. Wer den christlichen Glauben auf anderen als den biblischen Grundsätzen gründet, begibt sich außerhalb der biblischen Lehre und damit außerhalb des Christentums.

Dies gibt uns auch der Herr in dem vom Papst zitierten Johannesevangelium zu verstehen:

Wer nicht durch die Tür in den Hof der Schafe hineingeht, der ist ein Dieb und ein Räuber

Jh 10,1 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht durch die Tür in den Hof der Schafe hineingeht, sondern anderswo hinübersteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. 10,2 Wer aber durch die Tür hineingeht, ist Hirte der Schafe. 10,3 Diesem öffnet der Türhüter, und die Schafe hören seine Stimme, und er ruft die eigenen Schafe mit Namen und führt sie heraus. 10,4 Wenn er die eigenen Schafe alle herausgebracht hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen. 10,5 Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen. 10,6 Diese Bildrede sprach Jesus zu ihnen; sie aber verstanden nicht, was es war, das er zu ihnen redete. 10,7 Jesus sprach nun wieder zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür der Schafe. Jh 10, 1- 7;


Wer also den Menschen nicht Jesus Christus als die „Tür”, als den einzigen Weg und Mittler zu Gott weist, ist ein Dieb und ein Räuber.

In der katholischen Kirche wurde bereits im Konzil von Ephesus (431) die Anbetung der katholischen Maria als „Mittlerin”, und der Gebrauch des Ausdruckes „Mutter Gottes”, der auf sie angewandt wird, beschlossen. Diese Lehre wurde von Papst Pius XI. noch 1500 Jahre später, nämlich 1931, bestätigt! Das völlig unbiblische Dogma von der unbefleckten Empfängnis der Maria - das meint, dass Maria von ihrer Mutter (!!), der Anna, ohne Erbsünde empfangen wurde - wurde von Papst Pius IX. im Jahre 1854 zum Dogma erhoben. Diese herbeigeführte Ähnlichkeit mit der Geburt des Herrn Jesus wurde dann noch vervollständigt, als Papst Pius XII. im Jahre 1950 erklärte, dass auch Maria in den Himmel aufgefahren sei und diese Ansicht - sichtlich aufgrund seiner erfundenen „Unfehlbarkeit” - zum Dogma erhob.

Ähnlich wie die Heilige Schrift ihres alleinigen Anspruchs als göttliche Offenbarung durch die menschliche Tradition der katholischen Kirche beraubt wurde, wurde auch hier der Anspruch des Sohnes Gottes als alleiniger Mittler zwischen Gott und den Menschen durch eine „Mittlerin” ersetzt. Und so werden auch die Katholiken von den diversen Marienerscheinungen in der katholischen Kirche (z. B. 1977 in Rom) aufgefordert:

„Ihr müsst mich als heiliges und einziges Mittel benützen, um zu Gott zu gelangen und mir Seelen zuzuführen.” [2]


Wo diese Seelen schließlich landen werden ist offenkundig.

Auch die Marienerscheinungen in Medjugorje verkünden in einer Serie von öffentlichen Botschaften von 1981 bis in die 1990er Jahre die bekannte Botschaft:

Ich bin die Mittlerin zwischen euch und Gott” [3]


(Siehe auch Diskurs 52: „Kann das Wirken Marias die Prophezeiungen der Bibel auf die Endzeit abwenden?”.)


Die Bibel aber lehrt uns, dass es zwischen Mensch und Gott nur einen einzigen Mittler gibt, den Sohn Gottes, unseren Herrn Jesus Christus. Als bekannte Aussagen seien hier 1The 2,5 und Jh 14,6 angeführt:

Einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus.

1Tim 2,5 Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus. 1Tim 2,5;

Ich bin der Weg - niemand kommt zum Vater als nur durch mich.

Jh 14,6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich. Jh 14, 6;


Und hier kann man nun - bei aller Sympathie - den Menschen Joseph Ratzinger nicht von seinem Amt als Papst und Verantwortlichen der größten Kirche der Welt (über 1 Milliarde Mitglieder) trennen. Wer das Angesicht Gottes sucht, darf dabei nicht seinen Sohn aus den Augen verlieren. Das war bereits einmal - vor fast 2000 Jahren - ein fataler Fehler.


Die neue Erklärung der katholischen Glaubenskongregation über die christlichen Kirchen.

Aus Aktualitätsgründen sei hier abschließend auch noch erwähnt, dass die katholische Glaubenskongregation in ihrer neuesten, vom Papst bestätigten Erklärung, den Protestanten wie auch anderen christlichen Glaubensgemeinschaften das Recht abspricht, sich als Kirche zu bezeichnen. Bereits im Jahr 2001, wird die von J. Ratzinger verfasste Erklärung der katholischen Glaubenskongregation Dominus Jesus - damals war Ratzinger noch Kardinal und Präfekt dieser Glaubenskongregation - mit die Behauptung zitiert:

„Die katholische Kirche ist die einzige allein das Heil vermittelnde Kirche Christi” und

„Die katholische Kirche, deren Gründung durch Christus auf den hl. Petrus und dessen rechtmäßigen Nachfolger zurück geht, ist von größter Bedeutung für die Wahrheit, weil sie göttlichen Ursprungs ist.” [4]

(Siehe auch Diskurs 32: „Kommentar zur Erklärung ‘Dominus Jesus’ der katholischen Glaubenskongregation.”.)


In dem neuen Dokument wird nun diese arrogante und biblisch völlig irrige Priorisierung der katholischen Kirche gegenüber den christlichen Kirchen - „Gemeinschaften”, wie sie der Papst bezeichnet - folgendermaßen begründet:

„Weil diese Gemeinschaften nach katholischer Lehre die apostolische Sukzession im Weihesakrament nicht besitzen und ihnen deshalb ein wesentliches konstitutives Element des Kircheseins fehlt. Die genannten kirchlichen Gemeinschaften, die vor allem wegen des Fehlens des sakramentalen Priestertums die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben, können nach katholischer Lehre nicht ‘Kirchen’ im eigentlichen Sinn genannt werden.”


Tatsächlich ist es jedoch umgekehrt: die katholische Kirche besitzt keine derartige Sukzession, gerade weil sie sich auf Petrus beruft. Es ist Paulus, der nach der Schrift vom Heiligen Geist gemeinsam mit Barnabas auserwählt wurde, der nichtjüdischen Welt das Evangelium zu bringen.

Sprach der Heilige Geist: Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe!

Apg 13,1 Es waren aber in Antiochia, in der dortigen Gemeinde, Propheten und Lehrer: Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Luzius von Kyrene und Manaën, der mit Herodes, dem Vierfürsten, auferzogen worden war, und Saulus. 13,2 Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe! 13,3 Da fasteten und beteten sie; und als sie ihnen die Hände aufgelegt hatten, entließen sie sie. Apg 13, 1- 3;


Und daher hat auch Petrus die ihm vom Herrn in Mt 16,18-19 übertragene Verantwortung zur Evangelisation der Nationen (Nichtjuden), auf welche sich die katholische Kirche als „apostolische Sukzession” beruft, nach Gal 2,9 an den Apostel Paulus per Handschlag übertragen.

Damit wir unter die Nationen gingen, sie aber unter die Beschnittenen.

Gal 2,6 Von denen aber, die in Ansehen standen - was immer sie auch waren, das macht keinen Unterschied für mich, Gott sieht keines Menschen Person an - die Angesehenen haben mir nämlich nichts zusätzlich auferlegt, 2,7 sondern im Gegenteil, als sie sahen, dass mir das Evangelium für die Unbeschnittenen anvertraut war ebenso wie Petrus das für die Beschnittenen 2,8 - denn der, der in Petrus zum Apostelamt für die Beschnittenen wirksam war, war auch in mir für die Nationen wirksam - 2,9 und als sie die Gnade erkannten, die mir gegeben worden ist, gaben Jakobus und Kephas und Johannes, die als Säulen angesehen werden, mir und Barnabas den Handschlag der Gemeinschaft, damit wir unter die Nationen gingen, sie aber unter die Beschnittenen. Gal 2, 6- 9;


Seit diesem Zeitpunkt war es nach biblischer Lehre die Aufgabe des Petrus (Kephas) die Juden (Beschnittenen) zu missionieren und Paulus hat das Evangelium den Nationen (Nichtjuden) gebracht. Und Gott hat diese Entscheidung auch dadurch bekräftigt, dass er den Paulus zum Gründer und Segen der Gemeinden unter den Nationen gemacht hat. Seine Gemeindegründungen können im Neuen Testament nachverfolgt werden, von dessen insgesamt 21 Lehrbriefen alleine 17 von Paulus geschrieben wurden. Das sind mit 101 Seiten mehr als 70% des Textes aller Briefe (von Petrus gibt es 2 Briefe mit insgesamt 5 Seiten!). Damit war es eindeutig Paulus, welcher die christliche Lehre in den Urgemeinden der Nationen verbreitet und behütet hat.

Doch dies kann der Papst offensichtlich nicht akzeptieren und so kommentiert er den obigen Vers in Gal 2,9 in seinem Buch Jesus von Nazareth mit den folgenden Worten, welche dem Inhalt dieses Verses völlig zuwiderlaufen

„(Gal 2,9) So erscheinen zunächst Petrus und später dann die drei Säulen als die Garanten der Communio, als deren unerlässliche Bezugspunkte, die für die Rechtheit und Einheit des Evangeliums und damit der werdenden Kirche bürgen. (…)
Gerade in der leidenschaftlichen Apologie des Galater-Briefes setzt er den besonderen Auftrag des Petrus ganz klar voraus; dieser Primat ist wirklich durch die ganze Breite der Überlieferung in allen unterschiedlichen Überlieferungssträngen belegt.” (S 343f)


Die Aussagen des Paulus in Gal 2.9 lauten jedoch:

Gal 2,9 und als sie die Gnade erkannten, die mir gegeben worden ist, gaben Jakobus und Kephas und Johannes, die als Säulen angesehen werden, mir und Barnabas den Handschlag der Gemeinschaft, damit wir unter die Nationen gingen, sie aber unter die Beschnittenen. Gal 2, 9;


Wie wir sehen können, ist es Jakobus (der Bruder des Herrn und Leiter der Gemeinde in Jerusalem), der zuerst genannt wird. Petrus wird als eine der drei Säulen (Jakobus, Kephas, Johannes) dieser Gemeinde in Jerusalem bezeichnet. Mit der Berzeichnung Communio versucht Ratzinger offenbar durch einen katholischen Begriff die Tatsache zu verschleiern, dass diese drei den Auftrag des Paulus zur Evangelisierung der Nationen bestätigten, weil sie die Gnade erkannten, die ihm vom Herrn gegeben worden ist.

Gal 2,7 sondern im Gegenteil, als sie sahen, dass mir das Evangelium für die Unbeschnittenen anvertraut war ebenso wie Petrus das für die Beschnittenen 2,8 - denn der, der in Petrus zum Apostelamt für die Beschnittenen wirksam war, war auch in mir für die Nationen wirksam. Gal 2, 7- 8;


Mit den von Benedikt erwähnten „unerlässlichen Bezugspunkten, die für die Rechtheit und Einheit des Evangeliums und damit der werdenden Kirche bürgen” soll offensichtlich gerettet werden, was nicht mehr zu retten ist: Es soll einerseits der Anschein erweckt werden dass Jakobus, Kephas und Johannes in Jerusalem weiterhin „für die Rechtheit und Einheit des Evangeliums” verantwortlich und Paulus ihnen in irgendeiner Weise untergeordnet gewesen wäre. Und andererseits wird mit dem Hinweis, dass diese drei „damit der werdenden Kirche bürgen” würden, die katholische Kirche mit ihrer „apostolischen Sukzession” ins Spiel gebracht.

Der von Ratzinger schließlich postulierte „Primat” des Petrus und die davon abgeleitete Vorrangstellung der katholischen Kirche ist gerade im Galaterbrief, der grundlegend für die Reformation war, nicht zu finden. Im Gegenteil berichtet Paulus, dass er Petrus in Antiochia ins Angesicht widerstanden hat, weil dieser „durch sein Verhalten verurteilt war”.

Als aber Kephas nach Antiochia kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, weil er durch sein Verhalten verurteilt war.

Gal 2,11 Als aber Kephas nach Antiochia kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, weil er durch sein Verhalten verurteilt war. 2,12 Denn bevor einige von Jakobus kamen, hatte er mit denen aus den Nationen gegessen; als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, da er sich vor denen aus der Beschneidung fürchtete.

2,13 Und mit ihm heuchelten auch die übrigen Juden, so daß selbst Barnabas durch ihre Heuchelei mit fortgerissen wurde. 2,14 Als ich aber sah, daß sie nicht den geraden Weg nach der Wahrheit des Evangeliums wandelten, sprach ich zu Kephas vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist, wie die Nationen lebst und nicht wie die Juden, wie zwingst du denn die Nationen, jüdisch zu leben? Gal 2,11-14;


Dies ist dann offensichtlich auch der Grund, warum für diesen erfundenen Primat die „Überlieferung in allen unterschiedlichen Überlieferungssträngen” als Beweis herangezogen werden muss.

Tatsächlich hat Paulus völlig unabhängig von Petrus und der Gemeinde in Jerusalem das Evangelium unter den Nationen gepredigt, während Petrus unter den Juden evangelisierte (siehe Apostelgeschichte, Kapitel 10, insbesondere Apg 10,28). Wenn sich daher die katholische Kirche auf Petrus beruft, ist ihr schriftgemäßer Missionsauftrag und die von ihr reklamierte „apostolische Sukzession” auf die Juden beschränkt. Die Nationen in der Welt werden jedoch aufgrund der paulinischen Sukzession von der bibeltreuen christlichen Kirche (ekklesia) missioniert.

Auch das vom Vatikan immer wieder ins Treffen geführte „sakramentale Priestertum” entbehrt jedweder biblischen Grundlage. Zum Einen hat der Herr Jesus nur zwei Sakramente eingesetzt: die Taufe und das Abendmahl. Die katholische Kirche hat nicht nur fünf zusätzliche Sakramente erfunden (1439), sie hat auch die zwei echten Sakramente völlig verfälscht:

o  Anstatt der Taufe von Erwachsenen, welche diese Entscheidung bewusst und im Wissen um die Konsequenzen für sich selbst getroffen haben, werden in der katholischen Kirche kleine Kinder wenige Tage nach ihrer Geburt von Eltern zur Taufe gebracht, welche selbst oft noch nie eine Bibel in der Hand gehalten haben.

o  Beim Abendmahl hat der Herr geboten, dass wir zum Angedenken (Gedächtnismahl, Lk 22,19) an seinen Opfertod das Brot brechen und den Kelch trinken. Die katholische Kirche verbietet ihren Gläubigen seit 1414 den Abendmahlskelch zu trinken. Zudem wird vorgegeben, dass der Priester durch geflüsterte Formeln das Brot in den tatsächlichen (!) Körper Christi verwandeln kann (Transsubstantiation: 1215). Ein Vorgang, welcher von den Katholiken selbst nicht ernst genommen wird, sonst müssten sie ja davon ausgehen, dass sie bei der Kommunion den tatsächlichen Leib Christi verspeisen und dürften somit am (fleischlosen) Freitag nicht zur Kommunion gehen. Diese „Wandlung”, welche der Herr nie geboten hat, ist daher auch eher dem Bereich des Okkulten zuzuordnen.


Und bezüglich der Spendung dieser beiden Sakramente bedarf es keines katholischen Priesters. Das deutsche Wort Priester stammt vom griechischen πρεσβύτερος, presbyteros - „Ältester”. Und ein Ältester hat nach der Schrift Eigenschaften und Qualifikationen, welche ein katholischer Priester aufgrund der Lehre seiner Kirche gar nicht haben kann.

Die Qualifikationsmerkmale eines Priesters.

Tit 1,6 Wenn jemand untadelig ist, Mann einer Frau, gläubige Kinder hat, die nicht eines ausschweifenden Lebens beschuldigt oder aufsässig sind. 1,7 Denn der Aufseher muß untadelig sein als Gottes Verwalter, nicht eigenmächtig, nicht jähzornig, nicht dem Wein ergeben, nicht ein Schläger, nicht schändlichem Gewinn nachgehend, 1,8 sondern gastfrei, das Gute liebend, besonnen, gerecht, heilig, enthaltsam, 1,9 der an dem der Lehre gemäßen zuverlässigen Wort festhält, damit er fähig sei, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen. Tit 1, 6- 9;


So kann ein katholischer Priester durch das Zölibatsgebot seiner Kirche weder eine Frau noch Kinder haben. Dass es dennoch weltweit viele katholische Priester gibt, welche offen oder im Geheimen beides haben, trägt wesentlich zur Reduktion der Kinderschändungen in der katholischen Kirche bei und ist ein Beweis dafür, dass die katholische Kirche hier wieder Erfindungen eingeführt und dogmatisiert hat, welche weder der Schrift noch der Realität des menschlichen Lebens entsprechen. Auch wird es keinen katholischen Priester geben, der „an dem der Lehre gemäßen zuverlässigen Wort festhält”, weil in der katholischen Kirche das zuverlässige Wort - die Bibel - einen geringeren Stellenwert besitzt als die überlieferte Tradition. Und jeder Priester, der sich an die Bibel halten würde, würde sofort in Konflikt mit der katholischen Lehre kommen und wahrscheinlich exkommuniziert werden.

Doch gerade das zeichnet in den christlichen Kirchen - neben den anderen genannten Qualifikationen - den presbyteros, den Ältesten aus: das Festhalten am zuverlässigen Wort der Schrift und die Fähigkeit sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen. Und solche Älteste sind es auch, welche die beiden Sakramente der Taufe und des Abendmahls in rechter Weise durchführen können.


Die Apostolische Sukzession der katholischen Kirche?

Katholische Priester, welche in tausenden Fällen weltweit in der "Wandlung" die Eucharistie mit ihren Händen in den Messen gespendet haben, haben danach mit genau diesen ihren Händen Kinder misshandelt und vergewaltigt (1Kor 6,9). Katholische Bischöfe, die vorher ihre "Schafe" gesegnet haben, wurden danach wegen Korruption (Vatikanbank, Der Spiegel 28.6.2013) verhaftet.

Bischofssegen

Es ist schon richtig, dass es überall schwarze Schafe gibt. Doch ob eine Organisation durch und durch gewissenlos, verdorben und korrupt ist, erkennt man daran, dass sie die "hochwürdigen" Vergewaltiger in ihren Reihen Jahrzehnte lang deckt und versteckt und auch die korrupten bischöflichen "Hirten" erst von der Polizei aufgedeckt werden müssen (Mt 7,16-20).

Dies dann auch noch "Apostolische Nachfolge" zu nennen, ist eine Beleidigung sondergleichen der Apostel unseres Herrn Jesus Christus.



Die katholische Kirche kann nicht als „christliche” Kirche bezeichnet werden.

Die katholische Kirche hat die 10 Gebote Gottes verfälscht, indem sie - wegen der vielen Götzenbilder und -figuren in ihren Kirchen - das zweite Gebot unterschlagen und das zehnte Gebot in zwei Gebote aufgeteilt hat, damit es wieder 10 sind (siehe Tabelle: Die 10 Gebote). Sie hat statt dem Abendmahl, welches wir nach dem Gebot des Herrn als Gedächtnismahl feiern sollen, eine okkulte Zauberwandlung eingeführt, bei der die Gläubigen angeblich den Leib Christi verzehren. Und sie hat mit der Anbetung der katholischen Maria (Rosenkranz) und der verstorbenen Heiligen den Götzendienst und den Totenkult in ihrer Lehre eingeführt.

Mit diesen und anderen schweren Verfehlungen gegen die biblische Lehre hat die katholische Kirche den Weg des Abfalls vom rechten Glauben und von der Lehre des Christus beschritten. Unter diesen Voraussetzungen muss dieser Kirche die Vollmacht und die Fähigkeit zu schriftkonformer Evangelisierung und Lehre abgesprochen werden und sie kann daher auch nicht als „christliche” Kirche bezeichnet werden.

Es ist beschämend, dass die Verantwortlichen in den christlichen Kirchen bis heute nicht den Mut gefunden haben, sich von dieser katholischen Kirche zu distanzieren, sondern ganz im Gegenteil, die ihnen von Gott anvertrauten Geschwister in einer völlig unbiblischen „Ökumene” in die Gemeinschaft von unchristlichen Religionen und Glaubensinhalten führen.


Jeder, der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht.

2Jh 1,9 Jeder, der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt, der hat sowohl den Vater als auch den Sohn. 1,10 Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn nicht ins Haus auf und grüßt ihn nicht! 1,11 Denn wer ihn grüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken. 2Jh 1,9-11;










[1] Englische Übersetzung des Briefes von 2001 siehe http://www.bishop-accountability.org/resources/resource-files/churchdocs/EpistulaEnglish.htm

[2] Erscheinungen und Botschaften der Gottesmutter Maria - Vollständige Dokumentation durch zwei Jahrtausende von G. Hierzenberger und O. Nedomansky. Aschaffenburg: Pattloch/1993, Seite 469

[3]ebd Seite 484

[4] Dominus Jesus zitiert vom General Kommissär des Heiligen Landes, Dik. St. Bertagnolli OFM, A-1010 Wien, Franziskanerplatz 4, in der katholischen Schrift: „Im Land des Herrn”, Zeitschrift über das Heilige Land, Heft 1/2001