Diskurs 93 - Die antichristliche Herrschaft und die Liebe unter den Menschen.




Die ersten vier Weltreiche bei Daniel.

Das letzte weltliche Reich auf Erden.

Satan der Drache, die alte Schlange.

Das Dreizeitenschema.

Der erste Antichrist, der Sohn des Verderbens.

Die Liebe der meisten wird erkalten.

Die Quelle der Gesetzlosigkeit.

Gibt es nach der Schrift ein Verbot gemeinsam zu beten? / Replik Ingmar Bauer 00, 2008-02-25

Gebührt Lehrern und Predigern für die Mühe der Verkündigung kein Lohn? / Replik Ingmar Bauer 01, 2008-02-25



Die ersten vier Weltreiche bei Daniel.

König Nebukadnezar von Babel hatte einen Traum von einem glänzenden Standbild. Diesen Traum wollte der König von seinen Wahrsagepriestern, Beschwörern und Zeichendeutern erklärt haben. Als diese kamen, wollten sie zuerst vom König den Traum wissen, damit sie ihn deuten konnten. Doch der König vermutete, dass sie ihn betrügen wollten und verlangte von ihnen zum Beweis ihrer Fähigkeit, eine Deutung des Traums ohne dass sie den Inhalt vorher gehört hatten. Als diese nun erklärten, dass sie nicht in der Lage seien einen Traum zu deuten, dessen Inhalt ihnen nicht bekannt war, wurde der König zornig und befahl alle Weisen von Babel umzubringen.

Nachdem auch Daniel zu den Weisen in Babel gezählt wurde, sollte auch er getötet werden. Doch er erbat sich eine Frist um selbst dem König den Traum zu deuten. In der darauffolgenden Nacht betete er mit seinen Gefährten zu Gott um Hilfe in dieser Sache und bekam in einem Traum die Deutung des Geheimnisses dieses Standbildes geoffenbart, welche er am nächstem Tag dem König vortrug.

Nebukadnezars Traum vom Standbild.

Dan 2,31 Du, König, hattest einen Traum, und siehe, ein großes und hohes und hell glänzendes Bild stand vor dir, das war schrecklich anzusehen. 2,32 Das Haupt dieses Bildes war von feinem Gold, seine Brust und seine Arme waren von Silber, sein Bauch und seine Lenden waren von Kupfer, 2,33 seine Schenkel waren von Eisen, seine Füße waren teils von Eisen und teils von Ton. 2,34 Das sahst du, bis ein Stein herunterkam, ohne Zutun von Menschenhänden; der traf das Bild an seinen Füßen, die von Eisen und Ton waren, und zermalmte sie. 2,35 Da wurden miteinander zermalmt Eisen, Ton, Kupfer, Silber und Gold und wurden wie Spreu auf der Sommertenne, und der Wind verwehte sie, dass man sie nirgends mehr finden konnte. Der Stein aber, der das Bild zerschlug, wurde zu einem großen Berg, so dass er die ganze Welt füllte. Dan 2,31-35;

Die Deutung des Traums.

Dan 2,36 Das ist der Traum. Und seine Deutung wollen wir vor dem König ansagen: 2,37 Du, o König, du König der Könige, dem der Gott des Himmels die Königsherrschaft, die Macht und die Stärke und die Ehre gegeben hat 2,38 - und überall, wo Menschenkinder, Tiere des Feldes und Vögel des Himmels wohnen, hat er sie in deine Hand gegeben und dich zum Herrscher über sie alle gesetzt -, du bist das Haupt aus Gold. 2,39 Und nach dir wird ein anderes Königreich erstehen, geringer als du, und ein anderes, drittes Königreich, aus Bronze, das über die ganze Erde herrschen wird. 2,40 Und ein viertes Königreich wird stark sein wie Eisen, deshalb weil das Eisen alles zermalmt und zerschmettert; wie das Eisen, das alles zertrümmert, wird es all jene zermalmen und zertrümmern. Dan 2,36-40;


Wie nun der Deutung dieses Traumes hier oben zu entnehmen ist, erhielt Nebukadnezar in diesem Traum eine Prophezeiung auf die nach ihm kommenden Weltreiche. Er selbst, Nebukadnezar - und damit das ganze Babylonische Reich - ist also das goldene Haupt. Nach ihm wird ein anderes Reich aufkommen und es wird „geringer” sein als sein Reich. Aus der Geschichte wissen wir, dass auf die babylonische Herrschaft das Medo-Persische Reich folgte und durch die beiden Arme, welche zu diesem „silbernen” Reich gehören, die Herrschaftskoalition zwischen Medern und Persern angedeutet sein könnte.

Das dritte, „bronzene/kupferne” Reich wird ausdrücklich als Weltreich bezeichnet, es wird „über alle Länder herrschen”. Es war das griechische Reich unter Alexander dem Großen, welcher innerhalb kürzester Zeit fast die ganze damalige Völkerwelt erobert hat.

Das wesentliche Merkmal des abschließenden vierten Reiches aus „Eisen” wird seine Härte sein. Es wird wie Eisen alles zermalmen und zerschlagen. Nicht zuletzt diese „eiserne” Härte der geschichtlich auf das Alexanderreich folgenden Römer, sowohl in der Härte und Disziplin ihrer Heere bei der Eroberung ihrer Feinde, als auch in der Verwaltung ihrer Provinzen war es, welche den Menschen damals erstmals eine Sicherheit vor Dieben, Räubern, Mördern und Betrügern gab. Und es gab sogar Könige, die ihre Länder aus diesen Gründen freiwillig in das Römische Imperium eingliedern ließen.

Wenn wir nun diese Prophezeiungen genauer betrachten, erkennen wir, dass hier immer von Metall die Rede ist. Zuerst Edelmetalle, Gold und Silber, dann das Buntmetall Kupfer (eigentlich Bronze) und zum Schluss das Schwarzmetall Eisen. Dieser Umstand ist nun sicherlich kein Zufall, dennoch wird er in der Exegese meist vernachlässigt. Diese Metalle unterscheiden sich einerseits im Wert, andererseits aber auch in ihrer Härte. Das Gold ist das wertvollste, aber auch das am wenigsten harte Metall. Um es als Schmuckstück verarbeiten zu können, bedarf es einer Legierung mit einem anderen, härteren Metall. Andererseits ist Eisen das am wenigsten wertvolle, dafür aber das härteste Metall dieser Gruppe.

Dass dieser Umstand bei der Interpretation dieser Prophezeiung eine Bedeutung haben muss, bestätigt uns der Vers Dan 2,39. Dort heißt es: „Nach dir wird ein anderes Königreich aufkommen, geringer als deines”. Hier wird auf die Wertigkeit der Reiche Bezug genommen und ausdrücklich darauf hingewiesen, dass zumindest das Nachfolgereich des Nebukadnezar – aber offensichtlich auch alle Folgereiche (ebenso wie die Metalle) - „geringer” sein werden als die vorhergehenden.

Und hier stellt sich die Frage, worauf dieses „geringer” zu beziehen ist. Die naheliegende Annahme, dass diese Reiche nicht so groß oder so mächtig sein werden wie das Reich Nebukadnezars, ist offensichtlich falsch. Es hat nachher sowohl größere als auch mächtigere Reiche als das Babylonische Reich gegeben (Römer, Griechen). Wenn wir nun das andere Ende der Reihe betrachten, erfahren wir als weiteres Kennzeichen dieser Reiche ihre Härte. Vom vierten, dem Römischen Reich heißt es in Dan 2,40: „das vierte wird hart sein wie Eisen; denn wie Eisen alles zermalmt und zerschlägt, ja, wie Eisen alles zerbricht, so wird es auch alles zermalmen und zerbrechen”.

Wir können nun versuchen, folgenden Schluss zu ziehen: Die Reiche werden - wie die Metalle, die sie repräsentieren - im „Wert” immer geringer, in der „Härte” aber immer größer. Was heißt das aber? Hier dürfen wir wahrscheinlich nicht mehr in „Reichen” denken, sondern müssen uns auf die einzelnen Menschen konzentrieren, welche diese Reiche gelenkt und bevölkert haben. Es ist offenbar die „Mentalität” dieser Völker, welche hier angesprochen und vermittelt werden soll.

Das bestätigt uns auch die Aussage über das von Daniel weiter unten, in Dan 2,41-43 erwähnte  „Füßereich”. Dieses Reich wird als „teils aus Töpferton und teils aus Eisen” beschrieben, dessen Menschen sich wohl „durch Menschensamen mischen”, aber - wie Ton und Eisen - nicht aneinander haften bleiben. Sie pflanzen sich zwar untereinander fort, aber es wird keine persönliche Bindung mehr eingegangen, d.h. es fehlt ihnen offenbar die Fähigkeit zu gegenseitiger Zuneigung und Liebe.

Auch hier bezieht Daniel also die Beschaffenheit der Materialien Ton und Eisen auf die psychische Verfassung dieser Menschen. Es wäre daher naheliegend, den „Wert” und die „Härte” des Metalls mit der geistigen/psychischen Haltung der Menschen in diesen Reichen zu vergleichen. Damit würde die Güte des Metalls der Güte und Moral des menschlichen Herzens entsprechen, während seine Härte auch eine Herzenshärte dokumentieren könnte. 

Nun können wir aber in diesen vier Weltreichen, welche das Standbild in Nebukadnezars Traum repräsentiert, auch eine Parallelität zu Daniels eigenem Traum von den vier Tieren erkennen, welcher im siebenten Kapitel des Danielbuches beschrieben wird.

Und vier große Tiere stiegen aus dem Meer herauf, jedes verschieden vom anderen.

Dan 7,1 Im ersten Jahr Belsazars, des Königs von Babel, sah Daniel einen Traum und Gesichte seines Hauptes auf seinem Lager. Dann schrieb er den Traum auf, die Summe der Ereignisse berichtete er.  7,2 Daniel fing an und sprach: Ich schaute in meinem Gesicht in der Nacht, und siehe, die vier Winde des Himmels wühlten das große Meer auf.

7,3 Und vier große Tiere stiegen aus dem Meer herauf, jedes verschieden vom anderen. 7,4 Das erste war wie ein Löwe und hatte Adlerflügel; ich sah hin, bis seine Flügel ausgerissen wurden und es von der Erde aufgehoben und wie ein Mensch auf seine Füße gestellt und ihm das Herz eines  Menschen gegeben wurde. 7,5 Und siehe, ein anderes, ein zweites Tier, war einem Bären gleich. Und es war auf der einen Seite aufgerichtet und hatte in seinem Maul drei Rippen zwischen seinen Zähnen. Und man sprach zu ihm so: Steh auf, friß viel Fleisch! 7,6 Nach diesem schaute ich, und siehe, ein anderes, wie ein Leopard: das hatte vier Vogelflügel auf seinem Rücken. Und das Tier hatte vier Köpfe, und Herrschaft wurde ihm gegeben.

7,7 Nach diesem schaute ich in Gesichten der Nacht: und siehe, ein viertes Tier, furchtbar und schreckenerregend und außergewöhnlich stark, und es hatte große eiserne Zähne; es fraß und zermalmte, und den Rest zertrat es mit seinen Füßen. Und es war verschieden von allen Tieren, die vor ihm waren, und es hatte zehn Hörner. Dan 7, 1- 7;


Wir haben auch hier die selbe Reihenfolge der Weltreiche, wie sie Daniel im Traum des Nebukadnezar in Dan 2,36-40 aufzählt.

Das erste Tier steht auch hier für Babylonien. Einerseits wird hier der König von Babel - wie auch in Jer 50,43-44 - als Löwe bezeichnet, andererseits wird mit der Wegnahme der Adlerflügel hier der Umstand dokumentiert, dass Nebukadnezar als Strafe für seinen Größenwahn durch den Eingriff Gottes sieben Jahre lang der Verstand geraubt wurde. Sein Haar wurde wie Adlerfedern und seine Nägel wie Vogelkrallen und er musste unter den Tieren des Feldes leben (Dan 4,26-30). Als er dann nach sieben Jahren wieder bei Verstand war, musste er erkennen, dass nicht er, sondern Gott die Macht hatte. Er wurde also wieder „auf zwei Füße gestellt, wie ein Mensch”.

Das zweite Tier repräsentiert Medo-Persien (Jer 51,11). Der Bär, der auf der einen Seite aufgerichtet war, weist wohl auf den Umstand hin, dass die Perser in dieser Koalition die Stärkeren waren.

Das dritte Tier ist Griechenland und es wird als Panther (Leopard) mit vier Köpfen und vier Flügeln in Daniels Gesicht von den Weltreichen beschrieben. Der „Panther” und die vier Flügel sind ein Hinweis auf die Geschwindigkeit der Eroberungsfeldzüge unter Alexander dem Großen und die vier Köpfe eine Prophezeiung auf die Aufteilung des Reiches unter den Diadochenkönigen nach dem Tode Alexanders.

Das vierte Tier muss nun, auch aufgrund der geschichtlichen Überlieferung, das Römerreich sein.

Das vierte Tier wird die ganze Erde auffressen und sie zertreten und sie zermalmen.

Dan 7,19 Daraufhin wollte ich Genaueres wissen über das vierte Tier, das von allen anderen verschieden war, außergewöhnlich schreckenerregend, dessen Zähne aus Eisen und dessen Klauen aus Bronze waren, das fraß, zermalmte und den Rest mit seinen Füßen zertrat, 7,20 und über die zehn Hörner auf seinem Kopf und über das andere Horn, das emporstieg und vor dem drei andere Hörner ausfielen. Und das Horn hatte Augen und einen Mund, der große Worte redete, und sein Aussehen war größer als das seiner Gefährten. 7,21 Ich sah, wie dieses Horn gegen die Heiligen Krieg führte und sie besiegte, 7,22 bis der, der alt an Tagen war, kam und das Gericht den Heiligen des Höchsten gegeben wurde und die Zeit anbrach, daß die Heiligen das Königreich in Besitz nahmen. - 7,23 Er sprach so: Das vierte Tier bedeutet: ein viertes Königreich wird auf Erden sein, das von allen anderen Königreichen verschieden sein wird. Es wird die ganze Erde auffressen und sie zertreten und sie zermalmen. Dan 7,19-23;


Wie bereits weiter oben erwähnt, wird aber dann in Nebukadnezars Traum vom Standbild, in Dan 2,41-43, noch ein fünftes Reich erwähnt:


Das letzte weltliche Reich auf Erden.

Dieses fünfte Reich wird bei manchen Auslegern als solches gar nicht (an)erkannt. Sie sind vom vierten, dem Römischen Reich, so fasziniert, dass sie die Füße als eigenes Reich nicht sehen (wollen). Es gibt jedoch keinen Zweifel: Daniel spricht hier ausdrücklich davon: „dass du aber die Füße und Zehen teils von Ton und teils von Eisen gesehen hast, bedeutet: das wird ein geteiltes Königreich sein”. Es ist also ein eigenes Reich, und zwar ein „geteiltes” Königreich. Und diese Aussage kann sich nur auf die Füße beziehen, denn die Schenkel sind zur Gänze aus Eisen und daher auch nicht geteilt.

Die Zehen der Füße, teils aus Eisen und teils aus Ton: zum Teil wird das Königreich hart sein, und zum Teil wird es zerbrechlich sein.

Dan 2,41 Und daß du die Füße und die Zehen teils aus Töpferton und teils aus Eisen gesehen hast: das wird ein geteiltes Königreich sein; aber von der Festigkeit des Eisens wird etwas in ihm sein, weil du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast. 2,42 Und die Zehen der Füße, teils aus Eisen und teils aus Ton: von einem Ende aus wird das Königreich hart sein, und in einem Teil wird es zerbrechlich sein. 2,43 Daß du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast: sie werden sich durch Menschensamen mischen, aber sie werden nicht aneinander haften, so wie sich Eisen mit Ton nicht vermischt.

2,44 Und in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das ewig nicht zerstört werden wird. Und das Königreich wird keinem anderen Volk überlassen werden; es wird all jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber wird es ewig bestehen: 2,45 wie du gesehen hast, daß von dem Berg ein Stein losbrach, und zwar nicht durch Hände, und das Eisen, die Bronze, den Ton, das Silber und das Gold zermalmte. Ein großer Gott läßt den König wissen, was nach diesem geschehen wird; und der Traum ist zuverlässig und seine Deutung zutreffend.  Dan 2,41-45;


Parallel zu diesen Aussagen in Dan 2,41-45 über das fünfte Reich im Traum Nebukadnezars und die zehn Zehen, finden wir auch im Traum Daniels in Dan 7,7-8 den Hinweis auf die zehn Hörner/Könige des vierten Tieres und das kleine Horn, welches als Herrscher emporsteigt, größer wird als die anderen Hörner und drei von den zehn Königen erniedrigt:

Ein kleines Horn mit Augen wie Menschenaugen und ein Mund, der große Worte redete.

Dan 7,8 Während ich auf die Hörner achtete, siehe, da stieg ein anderes, kleines Horn zwischen ihnen empor, und drei von den ersten Hörnern wurden vor ihm ausgerissen; und siehe, an diesem Horn waren Augen wie Menschenaugen und ein Mund, der große Worte redete. Dan 7,8;


Im Gegensatz zum Traum von Nebukadnezar in Dan 2,41-43, wo die Mentalität der Menschen (Ton/Eisen) in diesem letzten Weltreich charakterisiert wird, wird uns hier in Daniels eigenem Traum, in Dan 7,8.20-21.24-25 etwas über den Herrscher in diesem letzten weltlichern Reich gesagt: er hat Augen wie Menschenaugen und einen Mund, der große Worte redet. Den Nachweis, dass es sich hier in beiden Fällen - Dan 2 und Dan 7 -tatsächlich um das selbe Reich handelt, finden wir einerseits weiter oben, in Dan 2,44-45, wo im Anschluss an dieses Füße-/Zehenreich „der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten wird, das ewig nicht zerstört werden wird”, womit das Ende der weltlichen Reiche und der Beginn des Tausendjährigen Reiches des Sohnes Gottes gemeint ist. Und andererseits hier unten, in Dan 7,9-14, wo am Ende der Herrschaft des kleinen Horns und nach dem Tod des vierten Tiers ebenfalls der Menschensohn mit den Wolken kommt, um im Tausendjähriges Reich mit den auferstandenen Märtyrern sein Königtum, das nicht zerstört wird, als ewige Herrschaft anzutreten, welche nach dem Ende dieser Welt, auf der neuen Erde, im himmlischen Jerusalem seine ewige Fortsetzung finden wird.

Mit den Wolken des Himmels kam der Sohn des Menschen und ihm wurde Herrschaft und Königtum gegeben.

Dan 7,9 Ich schaute, bis Throne aufgestellt wurden und einer, der alt war an Tagen, sich setzte. Sein Gewand war weiß wie Schnee und das Haar seines Hauptes wie reine Wolle, sein Thron Feuerflammen, dessen Räder ein loderndes Feuer. 7,10 Ein Feuerstrom floß und ging von ihm aus. Tausend mal Tausende dienten ihm, und zehntausend mal Zehntausende standen vor ihm. Das Gericht setzte sich, und Bücher wurden geöffnet. 7,11 Dann schaute ich wegen der Stimme der großen Worte, die das Horn redete: ich schaute, bis das Tier getötet und sein Leib zerstört und dem Brand des Feuers übergeben wurde. 7,12 Und den übrigen Tieren wurde ihre Herrschaft weggenommen, und Lebensdauer wurde ihnen gegeben bis auf Zeit und Stunde. 7,13 Ich schaute in Gesichten der Nacht: und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie der Sohn eines Menschen. Und er kam zu dem Alten an Tagen, und man brachte ihn vor ihn. 7,14 Und ihm wurde Herrschaft und Ehre und Königtum gegeben, und alle Völker, Nationen und Sprachen dienten ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht, und sein Königtum so, daß es nicht zerstört wird. Dan 7, 9-14;


Gemeinsam mit dem Sohn des Menschen, also Jesus Christus, wird auch den Heiligen des Höchsten nach dem Lohngericht die Herrschaft übergeben werden.

Und die Herrschaft unter dem ganzen Himmel wird dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben werden.

Dan 7,26 Aber das Gericht wird sich setzen; und man wird seine Herrschaft wegnehmen, um sie zu vernichten und zu zerstören bis zum Ende. 7,27 Und das Reich und die Herrschaft und die Größe der Königreiche unter dem ganzen Himmel wird dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben werden. Sein Reich ist ein ewiges Reich, und alle Mächte werden ihm dienen und gehorchen. Dan 7,26-27;


Und genau von diesem Gericht und dem Volk der Heiligen des Höchsten, welche im Reich des Gottessohnes mitherrschen werden, spricht auch Johannes in der Offenbarung.

Die Märtyrer wurden lebendig und herrschten mit dem Christus tausend Jahre.

Off 20,4 Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und das Gericht wurde ihnen übergeben; und ich sah die Seelen derer, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren, und die, welche das Tier und sein Bild nicht angebetet und das Malzeichen nicht an ihre Stirn und an ihre Hand angenommen hatten, und sie wurden lebendig und herrschten mit dem Christus tausend Jahre. Off 20, 4;


Mit den Heiligen des Höchsten sind also alle jene Märtyrer aller Zeiten gemeint, die ihr Leben für ihren Glauben und ihren Gott geopfert haben. Auch jene Gläubigen, welche in der antichristlichen Herrschaft nicht das Zeichen an Stirn oder Hand angenommen haben und das Bild nicht angebetet haben, zählen hier dazu, da alle, die das Bild des Antichristen nicht anbeten, getötet werden (automatisch! Off 13,15). Und nun, in Off 20,4, nach der Schlacht von Harmagedon und unmittelbar vor dem Beginn des Tausendjährigen Reiches, werden diese Enthaupteten, die Märtyrer, in der Ersten Auferstehung lebendig, um mit Christus im Millennium als Priester und Könige zu herrschen.


Der Herrscher im letzten weltlichen Reich.

In den oberen Passagen aus dem Danielbuch und der Offenbarung erkennen wir eine der vielen Parallelitäten zwischen diesen beiden Schriftbüchern. Aber wir haben noch weitere Gemeinsamkeiten zu diesem Thema in diesen Bibelbüchern. Das „Füßereich” in Dan 2,41-43 hat zehn Zehen, welche offenbar zehn Könige repräsentieren, worauf sich dann Dan 2,44 bezieht, wenn es dort heißt: „Und in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten”. Auch die zehn Hörner des vierten Tieres in Dan 7,7 bedeuten zehn Könige, welche sich aus diesem Reich erheben werden, wie hier unten in Dan 7,24 erklärt wird.

Die zehn Hörner sind zehn Könige welche sich sich aus dem vierten Königreich erheben.

Dan 7,24 Und die zehn Hörner bedeuten: aus diesem Königreich werden sich zehn Könige erheben. Und ein anderer wird sich nach ihnen erheben,  und dieser wird verschieden sein von den vorigen, und er wird drei Könige erniedrigen. 7,25 Und er wird Worte reden gegen den Höchsten und wird die Heiligen des Höchsten aufreiben; und er wird danach trachten, Festzeiten und Gesetz zu ändern, und sie werden in seine Hand gegeben werden für eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit. Dan 7,24-25;


Und von diesem letzten weltlichen Reich vor dem Millennium und seinem Herrscher (Dan 7,8.24-25), spricht auch Johannes in der Offenbarung als von dem „Tier aus dem Meer”.

Das Tier steigt aus dem Meer und seine tödliche Wunde wurde heil.

Off 13,1 Und ich sah ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte zehn Hörner und sieben Häupter und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen Häuptern lästerliche Namen. 13,2 Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Panther und seine Füße wie Bärenfüße und sein Rachen wie ein Löwenrachen. Und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Macht. 13,3 Und ich sah eines seiner Häupter, als wäre es tödlich verwundet, und seine tödliche Wunde wurde heil. Und die ganze Erde wunderte sich über das Tier, 13,4 und sie beteten den Drachen an, weil er dem Tier die Macht gab, und beteten das Tier an und sprachen: Wer ist dem Tier gleich, und wer kann mit ihm kämpfen? Off 13, 1- 4;


Wir erkennen hier, dass dieses Tier aus dem Meer in Off 13 einige Gemeinsamkeiten mit den vier Tieren aus Dan 7 besitzt. Zuallererst heißt es von allen fünf Tieren, dass sie aus dem Meer kommen. Dann aber sehen wir auch Parallelen zwischen der Gestalt des Tieres in der Offenbarung und der Charakterisierung der ersten drei Tiere in Daniel 7. Wenn das erste Tier bei Daniel als Löwe dargestellt wird, beschreibt Johannes das Tier aus dem Meer mit einem Löwenrachen. Das zweite Tier bei Daniel ist einem Bären gleich, das Tier in der Offenbarung hat Bärenfüße. Das dritte danielsche Tier wird als Leopard (Panther) beschrieben und auch das Tier in der Offenbarung war „gleich einem Panther”. Und sowohl das vierte Tier bei Daniel als auch das Tier in Off 13 haben 10 Hörner.

(Siehe auch die Tabelle 02: „Die Weltreiche in der Bibel.”)


Und schließlich finden wir alle jene Attribute, welche bei Daniel dem kleinen Horn, das größer wurde als seine Gefährten, zugeschrieben werden auch beim Tier aus dem Meer in der Offenbarung:

o  Er lästert den Höchsten/Gott

o  Er vernichtet/überwindet die Heiligen

o  Sein Maul/Mund redet große Dinge

o  Er beherrscht die Völker 3 1/2 Zeiten bzw. 42 Monate


(Siehe auch die Tabelle 06: „Der Antichrist, die "Dame" im Schachspiel des Teufels.”)


Um nun auch hier den Nachweis zu führen, dass es sich in Off 13 tatsächlich auch um das letzte Reich vor dem Millennium handelt, wie in Dan 2,42 und 7,24-25, verfolgen wir kurz die Entwicklung dieses Reiches und seines Herrschers bis zu seinem Ende. Dieses Tier aus dem Meer (der dämonische Antichrist) wird auch in Off 16,13-14 erwähnt, wo es gemeinsam mit dem Drachen (Satan) und dem falschen Propheten drei unreine Geister zu den Königen der ganzen Welt aussendet. Wir können hier einmal für die spätere Analyse festhalten, dass auch der Satan mit im Bund ist. Dann aber ist der Hinweis wichtig, dass diese Könige und ihre Heere versammelt werden sollen zum Krieg des großen Tages Gottes in Harmagedon.

Und er versammelte sie an den Ort, der auf hebräisch Harmagedon heißt

Off 16,12 Und der sechste goß seine Schale aus auf den großen Strom Euphrat; und sein Wasser vertrocknete, damit der Weg der Könige von Sonnenaufgang her bereitet wurde. 16,13 Und ich sah aus dem Mund des Drachen und aus dem Mund des Tieres und aus dem Mund des falschen Propheten drei unreine Geister kommen, wie Frösche; 16,14 denn es sind Geister von Dämonen, die Zeichen tun, die ausziehen zu den Königen des ganzen Erdkreises, sie zu versammeln zu dem Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen. 16,15 - Siehe, ich komme wie ein Dieb. Glückselig, der wacht und seine Kleider bewahrt, damit er nicht nackt umhergehe und man nicht seine Schande sehe! - 16,16 Und er versammelte sie an den Ort, der auf hebräisch Harmagedon heißt. Off 16,12-16;


Der Gegner, gegen den diese weltlichen Heere kämpfen werden, wird uns in Off 19,11-18 genannt. Es ist der „Treu und Wahrhaftig”, das „Wort Gottes”, also unser Herr Jesus Christus, welcher mit seinen himmlischen Heeren zum Kampf gegen Satan, Antichrist, dem falschen Propheten und den Heeren ihrer weltlichen Könige antritt.

Er ist bekleidet mit einem in Blut getauchten Gewand, und sein Name heißt: Das Wort Gottes.

Off 19,11 Und ich sah den Himmel geöffnet, und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, heißt Treu und Wahrhaftig, und er richtet und führt Krieg in Gerechtigkeit. 19,12 Seine Augen aber sind eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt sind viele Diademe, und er trägt einen Namen geschrieben, den niemand kennt als nur er selbst; 19,13 und er ist bekleidet mit einem in Blut getauchten Gewand, und sein Name heißt: Das Wort Gottes. 19,14 Und die Kriegsheere, die im Himmel sind, folgten ihm auf weißen Pferden, bekleidet mit weißer, reiner Leinwand. 19,15 Und aus seinem Mund geht ein scharfes Schwert hervor, damit er mit ihm die Nationen schlage; und er wird sie hüten mit eisernem Stab, und er tritt die Kelter des Weines des Grimmes des Zornes Gottes, des Allmächtigen. 19,16 Und er trägt auf seinem Gewand und an seiner Hüfte einen Namen geschrieben: König der Könige und Herr der Herren. Off 19,11-16;


Der Ausgang dieser Schlacht wird dann in Off 19,19-21 berichtet. Die weltlichen Könige und ihre Heere wurden getötet mit dem Schwert, das aus dem Mund des Sohnes Gottes hervorging und das Tier - der dämonische Antichrist - und der falsche Prophet wurden lebendig in den Feuersee geworfen - das ist der zweite Tod.

Und ich sah das Tier und die Könige der Erde versammelt, um mit dem, der auf dem Pferd saß Krieg zu führen.

Off 19,19 Und ich sah das Tier und die Könige der Erde und ihre Heere versammelt, um mit dem, der auf dem Pferd saß, und mit seinem Heer Krieg zu führen. 19,20 Und es wurde ergriffen das Tier und der falsche Prophet - der mit ihm war und die Zeichen vor ihm tat, durch die er die verführte, die das Malzeichen des Tieres annahmen und sein Bild anbeteten - lebendig wurden die zwei in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt. 19,21 Und die übrigen wurden getötet mit dem Schwert, das aus dem Mund dessen hervorging, der auf dem Pferd saß; und alle Vögel wurden von ihrem Fleisch gesättigt. Off 19,19-21;


(Siehe auch den Exkurs 08: „Der erste und der zweite Tod.”)


Satan der Drache, die alte Schlange.

Doch bei dieser Abrechnung des Sohnes Gottes mit dieser teuflischen Dreiheit fehlt uns noch einer. Das Haupt, der Drache und die alte Schlange: der Satan. Seinen Verbleib finden wir gleich im Anschluss daran, in Off 20,1-3:

Und er griff den Drachen, die alte Schlange, die der Teufel und der Satan ist; und er band ihn tausend Jahre.

Off 20,1 Und ich sah einen Engel aus dem Himmel herabkommen, der den Schlüssel des Abgrundes und eine große Kette in seiner Hand hatte. 20,2 Und er griff den Drachen, die alte Schlange, die der Teufel und der Satan ist; und er band ihn tausend Jahre 20,3 und warf ihn in den Abgrund und schloß zu und versiegelte über ihm, damit er nicht mehr die Nationen verführe, bis die tausend Jahre vollendet sind. Nach diesem muß er für kurze Zeit losgelassen werden. Off 20, 1- 3;


Wie wir sehen, wird Satan nicht wie Antichrist und falscher Prophet sofort in den Feuersee geworfen, sondern gebunden und für die Dauer des Tausendjährigen Reiches im Abgrund gefangen gehalten. Wie wir in Off 20,7-10 erfahren, wird ihn Gott nach diesen tausend Jahren dann noch dazu gebrauchen, die Menschen nach dem Millennium mit Versuchungen zu prüfen, ob sie nun, nach dieser tausendjährigen Friedensherrschaft des Sohnes Gottes auf Erden, sich für Gott entscheiden oder für Satan.

Der Satan wird die Nationen verführen, um sie zum Krieg zu versammeln; deren Zahl ist wie der Sand des Meeres.

Off 20,7 Und wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis losgelassen werden 20,8 und wird hinausgehen, die Nationen zu verführen, die an den vier Ecken der Erde sind, den Gog und den Magog, um sie zum Krieg zu versammeln; deren Zahl ist wie der Sand des Meeres. 20,9 Und sie zogen herauf auf die Breite der Erde und umzingelten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt; und Feuer kam aus dem Himmel herab und verschlang sie. 20,10 Und der Teufel, der sie verführte, wurde in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo sowohl das Tier als auch der falsche Prophet sind; und sie werden Tag und Nacht gepeinigt werden von Ewigkeit zu Ewigkeit. Off 20, 7-10;


Leider müssen wir hier feststellen, dass auch tausend Jahre Friede und absolut gerechte Herrschaft auf Erden viele Menschen nicht dazu bringen können, Gott anzuhangen. Ja eher das Gegenteil ist der Fall: viele Menschen haben einen derart bösartigen Charakter, dass ihnen diese tausend Jahre (die Menschen werden in dieser Zeit sehr alt) sicherlich zur Qual geworden sind, weil sie keine Korrumpierungen, Betrügereien, Verbrechen usw. verüben konnten oder wenn doch, gerecht dafür bestraft wurden. Und so findet Satan nach dem Millennium Menschen „wie der Sand des Meeres”, welche mit ihm in den letzten Kampf gegen Gott nach Jerusalem ziehen.

Wie nicht anders zu erwarten, werden diese Menschenmassen unter der Führung Satans bei ihrem versuchten Angriff auf Jerusalem vernichtet, und der Teufel, der sie verführte, wird dann endgültig in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo sowohl das Tier als auch der falsche Prophet bereits sind.

(Siehe auch Kapitel 11: „Das Ende der Welt - Der letzte Kampf.”)


Die exegetisch wichtige Trennung zwischen Satan und dämonischem Antichristen.

Um nun noch einmal auf den dämonischen Antichrist, den Herrscher im letzten weltlichen Reich auf Erden zurückzukommen, muss man darauf hinweisen, dass seine Darstellung als „Tier aus dem Meer” in Off 13 immer wieder auch mit den Aussagen über das „Tier in der Wüste” in Off 17 leicht zu verwechseln ist. Obwohl die Verse Off 17,10-14 vom antichristlichen Reich sprechen, sind sie immer nur aus der Sicht Satans zu sehen und ist keinerlei direkter Bezug auf den Antichristen gegeben.

Allerdings haben wir in Off 17,11 eben den Hinweis, dass sich Satan sowohl als siebter „König” im dämonischen Antichristen, als auch als achter in seinem letzten Aufstand gegen Gott am Ende der Welt manifestieren wird. Und es ist nun genau diese gemeinsame temporäre Identität von Satan und dämonischem Antichristen, welche diese Texte so schwer verständlich macht. Dennoch lässt sich dieser Zusammenhang recht klar unterscheiden. Wie wir nachfolgend feststellen können, ist dieses Tier in der Wüste, auf welchem die Hure Babylon sitzt, anhand der Schrift eindeutig als der Satan selbst zu identifizieren. Zur konkreten Analyse müssen wir nur die unzweifelhafte Charakterisierung des Drachen - also des Satan - in Off 12,3-4 heranziehen.

Ein großer, roter Drache mit sieben Häuptern, zehn Hörnern und auf den Häuptern sieben Kronen.

Off 12,3 Und es erschien ein anderes Zeichen am Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen, 12,4 und sein Schwanz fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Und der Drache trat vor die Frau, die gebären sollte, damit er, wenn sie geboren hätte, ihr Kind fräße. Off 12, 3- 4;


Satan wird hier als roter Drache mit sieben Häuptern und zehn Hörnern und auf seinen Häuptern sieben Kronen dargestellt. Zu beachten ist auch, dass hier in Off 12,3 zuerst die sieben Häupter genannt werden, also alle sieben Weltreiche - im Gegensatz zu Daniel, wo nur die letzten vier erwähnt werden. Erst danach werden die zehn Hörner - die Koalition der weltlichen Könige mit dem dämonischen Antichristen - genannt. Im Vergleich dazu ist auch das Tier in der Wüste scharlachrot und auch dort werden zuerst die sieben Köpfe und dann erst die zehn Hörner genannt.

Das scharlachrote Tier voller Lästernamen und sieben Köpfen und zehn Hörnern.

Off 17,1 Und es kam einer von den sieben Engeln, welche die sieben Schalen hatten, und redete mit mir und sprach: Komm her! Ich will dir das Gericht über die große Hure zeigen, die an vielen Wassern sitzt, 17,2 mit der die Könige der Erde Unzucht getrieben haben; und die Bewohner der Erde sind trunken geworden von dem Wein ihrer Unzucht. 17,3 Und er führte mich im Geist hinweg in eine Wüste; und ich sah eine Frau auf einem scharlachroten Tier sitzen, das voller Lästernamen war und sieben Köpfe und zehn Hörner hatte. Off 17, 1- 3;


Wenn wir uns dann im Gegensatz dazu die Beschreibung des dämonischen Antichristen, des Tieres aus dem Meer in Off 13 ansehen, dann heißt es dort in Off 13,1 „Und ich sah ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte zehn Hörner und sieben Häupter und auf seinen Hörnern zehn Kronen”.  Wir haben hier also genau die umgekehrte Reihenfolge in der Aufzählung: zuerst die Hörner, dann die Häupter. Und obendrein haben hier nicht mehr die Häupter die Kronen (die Macht), sondern die Hörner.

Es handelt sich daher in Off 13 nicht um den Satan, der Macht hat über die sieben Weltreiche (Häupter), sondern um seine Marionette, den dämonischen Antichristen, welcher in der Endzeit mit den weltlichen Königen (Hörner) eine Koalition bildet. In diesem dämonische Antichristen manifestiert sich zwar der Satan, wie uns Off 13,4 sagt: „Und sie beteten den Drachen an, weil er dem Tier die Macht gab” - nämlich jene Macht, welche er auch den Herrschern in den vergangenen sechs Weltreichen gegeben hatte. Allerdings hier in komprimierter Form, denn es heißt in Off 13,2: „Und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Macht”.

Und diese Manifestation des Satan im dämonischen Antichristen ist auch der Grund, warum Off 17,11 davon spricht, dass der Drache auch ein siebenter König war. Dennoch haben beide Gestalten völlig unterschiedliche und nicht vergleichbare Aufgaben im Plan Gottes: Satan als Beherrscher der sieben Weltreiche in den vergangenen 3500 Jahren, der dämonische Antichrist als Beherrscher der Staatsoberhäupter in der Welt in den letzten Jahren der Endzeit. Das zeigen auch nicht zuletzt die verschiedenen Endphasen ihres Schicksals.

(Siehe auch die Tabelle 06: „Der Antichrist, die "Dame" im Schachspiel des Teufels.”)


Diese häufige Verwechslung hat im Prinzip ihren Hintergrund im Text von Off 17,12-14, wo es gerade von den zehn Königen heißt, dass sie noch kein Königreich haben, aber in der Endzeit mit dem Satan - dem Tier in der Wüste - Macht wie Könige empfangen werden. Zu dieser Zeit werden sie ihre Kraft und Macht dem Satan übergeben und mit dem Lamm - also dem Sohn Gottes - Krieg führen.

Diese zehn Könige und das Tier werden mit dem Lamm Krieg führen, und das Lamm wird sie überwinden.

Off 17,12 Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, sind zehn Könige, die noch kein Königreich empfangen haben, aber mit dem Tier eine Stunde Macht wie Könige empfangen. 17,13 Diese haben einen Sinn und geben ihre Kraft und Macht dem Tier. 17,14 Diese werden mit dem Lamm Krieg führen, und das Lamm wird sie überwinden; denn es ist Herr der Herren und König der Könige, und die mit ihm sind, sind Berufene und Auserwählte und Treue. Off 17,12-14;


Es besteht kein Zweifel, dass im obigen Text die Schlacht von Harmagedon gemeint ist, in der die Könige der Welt dem Satan, dem „Tier in der Wüste”, ihre Kraft und Macht geben, um gegen den Sohn Gottes mit seinen himmlischen Heeren zu kämpfen. Und genau diese Aussage finden wir auch in Off 19,19-21, diesmal aber von dem dämonischen Antichrist, dem „Tier aus dem Meer”:

Und ich sah das Tier und die Könige der Erde versammelt, um mit dem, der auf dem Pferd saß Krieg zu führen.

Off 19,19 Und ich sah das Tier und die Könige der Erde und ihre Heere versammelt, um mit dem, der auf dem Pferd saß, und mit seinem Heer Krieg zu führen. 19,20 Und es wurde ergriffen das Tier und der falsche Prophet - der mit ihm war und die Zeichen vor ihm tat, durch die er die verführte, die das Malzeichen des Tieres annahmen und sein Bild anbeteten - lebendig wurden die zwei in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt. 19,21 Und die übrigen wurden getötet mit dem Schwert, das aus dem Mund dessen hervorging, der auf dem Pferd saß; und alle Vögel wurden von ihrem Fleisch gesättigt. Off 19,19-21;


Auch vom dämonischen Antichristen wird hier prophezeit, dass er mit „dem, der auf dem Pferd saß”  - also mit dem Sohn Gottes, dem „Lamm” - Krieg führen wird. Und hier sehen wir nun, dass es tatsächlich einer besonders genauen Betrachtung und Analyse bedarf, um die Aussagen über diese beiden Tiere - dem Tier in der Wüste (Satan/Off 17) und dem Tier aus dem Meer (dämonischer Antichrist/Off 13) - richtig zu interpretieren. Wir müssen dazu auf den Text von Off 16,13-14 zurückgreifen.

Drei unreine Geister aus dem Mund des Drachen des Tieres und des falschen Propheten.

Off 16,13 Und ich sah aus dem Mund des Drachen und aus dem Mund des Tieres und aus dem Mund des falschen Propheten drei unreine Geister kommen, wie Frösche; 16,14 denn es sind Geister von Dämonen, die Zeichen tun, die ausziehen zu den Königen des ganzen Erdkreises, sie zu versammeln zu dem Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen. Off 16,13-14;


Wir haben hier jenes Ereignis, welches auch in Off 17,13 beschrieben wird, wo die Könige der Welt einen Sinn haben und dem Satan „ihre Kraft und Macht” geben. Wie man sehen kann, ist diese Einmütigkeit der weltlichen Könige nicht auf einen plötzlichen Sinneswandel, sondern schlicht und einfach auf jene Geister zurückzuführen, welche von der teuflischen Dreiheit hier ausgesandt werden. Diese Geister bemächtigen sich dieser Könige und lenken ihren Willen und ihr Handeln.

Damit haben wir aber die Bestätigung dafür, dass Satan hier von Anbeginn „mit von der Partie” ist. Er ist es, der im dämonischen Antichrist alle diese Ereignisse in der Endzeit steuert und leitet. In der Pervertierung der Aussage des Herrn in Jh 14,11: „Glaubt mir, daß ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist”, wird auch hier der Satan im Antichristen und der Antichrist im Satan sein. Und so gesehen hat es durchaus seine Richtigkeit, wenn einerseits in Off 17,14 vom Satan (Tier in der Wüste) und den Königen prophezeit wird:

Diese werden mit dem Lamm Krieg führen, und das Lamm wird sie überwinden.

Off 17,12 Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, sind zehn Könige, die noch kein Königreich empfangen haben, aber mit dem Tier (in der Wüste/Anm.) eine Stunde Macht wie Könige empfangen. 17,13 Diese haben einen Sinn und geben ihre Kraft und Macht dem Tier. 17,14 Diese werden mit dem Lamm Krieg führen, und das Lamm wird sie überwinden; Off 17;12-14;


und es andererseits aber auch vom dämonischen Antichristen in Off 19,19 heißt:

Und ich sah das Tier und die Könige der Erde versammelt, um mit dem, der auf dem Pferd saß Krieg zu führen.

Off 19,19 Und ich sah das Tier (aus dem Meer/Anm.) und die Könige der Erde und ihre Heere versammelt, um mit dem, der auf dem Pferd saß, und mit seinem Heer Krieg zu führen. 19,20 Und es wurde ergriffen das Tier und der falsche Prophet - der mit ihm war und die Zeichen vor ihm tat, durch die er die verführte, die das Malzeichen des Tieres annahmen und sein Bild anbeteten - lebendig wurden die zwei in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt. 19,21 Und die übrigen wurden getötet mit dem Schwert, das aus dem Mund dessen hervorging, der auf dem Pferd saß; und alle Vögel wurden von ihrem Fleisch gesättigt. Off 19,19-21;


Beide, sowohl der dämonische Antichrist, als auch der sich in ihm manifestierende Satan, kämpfen in dieser Schlacht mit den Königen der Erde gegen das Lamm und seine himmlischen Heere. Am Ende der Schlacht teilt sich nun das Schicksal dieser Dreiheit des Bösen: Der dämonische Antichrist und sein falscher Prophet werden in den Feuersee geworfen, Satan selbst jedoch wird vorerst nur gebunden und im Abgrund gefangen gehalten bis nach der Tausendjährigen Friedensherrschaft des Sohnes Gottes.


Das Dreizeitenschema

Ein zweites Problem, welches sich bei der Exegese mit diesen beiden Texten in Off 13 und Off 17 ergibt, ist das sogenannte „Dreizeitenschema” in Off 17,8-11:

Das Tier, das du gesehen hast, war und ist nicht und wird aus dem Abgrund heraufsteigen und geht ins Verderben.

Off 17,8 Das Tier (in der Wüste/Anm.), das du gesehen hast, war und ist nicht und wird aus dem Abgrund heraufsteigen und geht ins Verderben; und die Bewohner der Erde, deren Namen nicht im Buch des Lebens geschrieben sind von Grundlegung der Welt an, werden sich wundern, wenn sie das Tier sehen, daß es war und nicht ist und da sein wird. 17,9 Hier ist der Verstand nötig, der Weisheit hat: Die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf denen die Frau sitzt. Und es sind sieben Könige: 17,10 die fünf ersten sind gefallen, der eine ist, der andere ist noch nicht gekommen; und wenn er kommt, muß er eine kurze Zeit bleiben. 17,11 Und das Tier, das war und nicht ist, es ist selbst sowohl ein achter als auch von den sieben und geht ins Verderben. Off 17, 8-11;


(Siehe auch den Exkurs 03: „Das scharlachrote Tier.”)


Auch hier müssen wir streng trennen zwischen der Prophezeiung über das Tier (Satan) in Off 17,3.8.11 und der Prophezeiung über die Weltreiche in Off 17,9-11. Betrachten wir zuerst diese letztere Aussage, wo es heißt:  „Hier ist der Verstand nötig, der Weisheit hat: Die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf denen die Frau sitzt. Und es sind sieben Könige: die fünf ersten sind gefallen, der eine ist, der andere ist noch nicht gekommen; und wenn er kommt, muß er eine kurze Zeit bleiben. Und das Tier, das war und nicht ist, es ist selbst sowohl ein achter als auch von den sieben und geht ins Verderben”.

Wie der Tabelle 02 zu entnehmen ist, beziehen sich die ersten 5 Häupter/Könige (sie sind gefallen) auf die Weltreiche vor der Zeit dieser Prophezeiung (etwa 80-90 n.Chr.) und das 6. Haupt/König (der eine ist) stellt das damals an der Macht befindliche Römische Reich dar. „Der andere” - also der siebte König - „ist noch nicht gekommen; und wenn er kommt, muß er eine kurze Zeit bleiben”. Dies ist die Prophezeiung auf das letzte weltliche Reich auf Erden, das antichristliche Reich vor dem Millennium.

(Siehe auch die Tabelle 02: „Die Weltreiche in der Bibel.”)


Wenn wir uns dann die Aussage oben, in Off 17,8 ansehen: „Das Tier war (Vergangenheit) ist nicht (Gegenwart) und wird aus dem Abgrund heraufsteigen (Zukunft) und geht ins Verderben; und die Bewohner der Erde, deren Namen nicht im Buch des Lebens geschrieben sind von Grundlegung der Welt an, werden sich wundern, wenn sie das Tier sehen, daß es war und nicht ist und da sein wird”, so erkennen wir einerseits dieses Dreizeitenschema und andererseits den Umstand, dass diese Aussagen ausschließlich auf das Tier (Satan) bezogen sind und mit den Häuptern/Königen (Weltreichen) nichts zu tun haben.

Dieser Hinweis ist deshalb wichtig, da speziell die Erwähnung der „Bewohner der Erde” welche „sich wundern werden, dass das Tier war und nicht ist und da sein wird”, sehr an die Aussagen über die Wiedererweckung des dämonischen Antichristen in Off 13,3 erinnert, wo es ähnlich heißt: „Und seine Todeswunde wurde geheilt, und die ganze Erde staunte hinter dem Tier her”. Bei einer fehlenden Unterscheidung zwischen dem Tier aus dem Meer und dem Tier in der Wüste, ist es diese Ähnlichkeit in den Texten, welche zu einem weiteren Missverständnis bei der Auslegung führen kann.

Wenn wir nun also davon ausgehen können, dass sich der Text von Off 17,8 ausschließlich auf den Satan bezieht und mit dem Antichristen nichts zu tun hat, fällt eine Interpretation schon wesentlich leichter. Ähnlich wie bei der Auslegung der Weltreiche in Off 17,9-11, wo sich in der Prophezeiung: „die fünf ersten sind gefallen, der eine ist, der andere ist noch nicht gekommen” der Schlüssel zur Lösung in der Aussage „der eine ist” und ihre Identifizierung mit dem damals herrschenden Römischen Imperium finden ließ, müssen wir auch hier versuchen, dem Dreizeitenschema: „Das Tier war (Vergangenheit) ist nicht (Gegenwart) und wird aus dem Abgrund heraufsteigen (Zukunft) und geht ins Verderben” entsprechende Ereignisse die uns die Schrift nennt und an welchen der Satan beteiligt ist, zuzuordnen. 

Und auch hier ist es natürlich erforderlich, eine zeitliche Orientierung im Text zu lokalisieren. Es ist die Feststellung: „das Tier ... ist nicht”, welche den Schluss zulässt, dass Satan im Jahr 80-90 n.Chr., dem Zeitpunkt an dem diese Prophezeiung ausgesprochen wurde, „nicht ist”. Nun wäre es wohl sehr naheliegend, wenn diese Aussage zur Zeit des Millenniums getätigt worden wäre, wo Satan im Abgrund gefangen liegt und daher auf der Erde „nicht ist”. Doch zur Zeit des Römischen Reiches scheint eine Deutung recht schwierig.

Wenn da nicht ein Ereignis wäre, welches zwar auch verschlüsselt, aber doch im Zusammenhang erkennbar in der Schrift dokumentiert ist. Wie jeder Bibelkenner weiß, war Satan im Anfang einer der wichtigen Engel Gottes im Himmel. Doch dann lassen uns einige Bibelstellen erkennen, dass er sich mit seiner Anhängerschaft unter den Engeln gegen Gott aufgelehnt hat, mit dem Erzengel Michael und dessen Engeln im Himmel Krieg geführt hat und unterlegen war.

Der Kampf im Himmel.

Off 12,7 Und es entstand ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel; 12,8 und sie bekamen nicht die Übermacht, und ihre Stätte wurde nicht mehr im Himmel gefunden. 12,9 Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, der Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm geworfen. Off 12, 7- 9;

Der Verkläger unserer Brüder ist verworfen der sie verklagte vor unserm Gott

Off 12,10 Und ich hörte eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes geworden und die Macht seines Christus; denn der Verkläger unserer Brüder ist verworfen, der sie verklagte Tag und Nacht vor unserm Gott. Off 12,10;


Der Satan wurde also mit seinen Engeln besiegt und auf die Erde geworfen. Wenn ein Engel aus dem Himmel auf die Erde geworfen wird, ist er kein Engel mehr, sondern ein Dämon. Satan, der einstige Engel ist nicht mehr. Er ist nun der Oberste der Dämonen auf Erden, der Fürst der Macht in der Luft, wie ihn Paulus in Eph 2,2 nennt. Doch noch haben wir keinen Anhaltspunkt, wann dieser Kampf im Himmel stattgefunden hat und wann der Einfluss Satans als Engel im Himmel geendet und seine Herrschaft als Oberster der Dämonen auf Erden begonnen hat. Es ist der Sohn Gottes, welcher uns durch mehrere Hinweise hier Klarheit gibt. In Jh 12,31 sagt uns der Herr:

Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden.

Jh 12,28 Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn verherrlicht und will ihn abermals verherrlichen. 12,29 Da sprach das Volk, das dabeistand und zuhörte: Es hat gedonnert. Die andern sprachen: Ein Engel hat mit ihm geredet. 12,30 Jesus antwortete und sprach: Diese Stimme ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um euretwillen. 12,31 Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden. Jh 12,28-31;


Hier bezieht sich der Herr offensichtlich auf jenes Geschehen - den Kampf im Himmel -, welches weiter oben, in Off 12,7-10 von Johannes geschildert wird. Auch hier ist dieses „jetzt” natürlich auf jene Zeit zu beziehen, in der es ausgesprochen wurde. Es ist also zum Abschluss der öffentlichen Wirksamkeit Jesu, als der Kampf im Himmel stattfand und der Satan ausgestoßen wurde. Doch wir haben noch weitere Hinweise vom Herrn auf dieses Ereignis:

Ich werde nicht mehr viel mit euch reden, denn es kommt der Fürst dieser Welt.

Jh 14,28 Ihr habt gehört, dass ich euch gesagt habe: Ich gehe hin und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. 14,29 Und jetzt habe ich es euch gesagt, ehe es geschieht, damit ihr glaubt, wenn es nun geschehen wird. 14,30 Ich werde nicht mehr viel mit euch reden, denn es kommt der Fürst dieser Welt. Er hat keine Macht über mich; 14,31 aber die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe und tue, wie mir der Vater geboten hat. Steht auf und lasst uns von hier weggehen. Jh 14,28-31;

Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz.

Lk 10,17 Die Zweiundsiebzig aber kamen zurück voll Freude und sprachen: Herr, auch die bösen Geister sind uns untertan in deinem Namen. 10,18 Er sprach aber zu ihnen: Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz. Lk 10,17-18;


Der Herr hat also selbst noch zu seinen Lebzeiten den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen gesehen. Es gibt daher keinen Zweifel: Satan wurde um die Zeit 29-33 n. Chr. mit den ihm anhangenden Engeln aus dem Himmel ausgestoßen. Und damit ist das Leben Satans als Engel im Himmel beendet - er ist nicht (mehr). Doch da die Engel eine ewige Existenz haben, werden sie nach der Beendigung ihres Daseins im Himmel (nach ihrem himmlischen „Tod”) auf die Erde geworfen, wo sie als körperlose Geister (Dämonen) weiterexistieren, sofern sie nicht von Gott oder Gottes Sohn in den Abgrund verbannt werden (2Ptr 2,4; Off 20,4). Am Ende der Welt werden sie dann im Letzten Gericht verurteilt und zu ihrer endgültigen Verdammnis in den Feuersee geworfen.

Und sie baten ihn, daß er ihnen nicht gebieten möchte, in den Abgrund zu fahren.

Lk 8,30 Jesus fragte ihn aber und sprach: Was ist dein Name? Er aber sprach: Legion. Denn viele Dämonen waren in ihn gefahren 8,31 Und sie baten ihn, daß er ihnen nicht gebieten möchte, in den Abgrund zu fahren. 8,32 Es war aber dort eine Herde von vielen Schweinen, die an dem Berg weideten. Und sie baten ihn, daß er ihnen erlauben möchte, in jene zu fahren. Und er erlaubte es ihnen. Lk 8,30-32;


Hier haben wir übrigens auch eine Parallele zur menschlichen Entwicklung. Auch der Mensch wurde von Gott für eine ewige Existenz geschaffen. Wenn der Mensch stirbt, ist das die Beendigung seiner irdischen, körperlichen Existenz - er ist nicht mehr - und er erhält einen körperlosen Geist, mit welchem er im Totenreich auf die Auferweckung/Auferstehung wartet. Im Unterschied zu den Engeln scheint es aber, dass die Menschen dieses Stadium ihrer Existenz nicht bewusst wahrnehmen können. Und auch die Menschen kommen vor ein Gericht - manche am Ende der Welt, manche früher -, wo sie beurteilt werden und je nach ihrem Verhalten bei Lebzeiten entweder ins ewige Leben eingehen oder wie die Dämonen in die ewige Verdammnis in den Feuersee (zweiter Tod) geworfen werden.

(Siehe auch den Exkurs 08: „Der erste und der zweite Tod.”)


Nachdem Satan aus dem Himmel ausgestoßen wurde, fristet er seine Existenz auf Erden als Oberster der Dämonen in der Luft und wie bereits weiter oben dargelegt, wird er nach der Schlacht von Harmagedon gebunden und in den Abgrund geworfen, wo er die tausend Jahre des Millenniums als Gefangener verbringen muss. Nach den tausend Jahren wird er wieder heraufsteigen aus dem Abgrund und wird ein letztes Mal die Menschen verführen und jene die sich zu ihm bekennen für den Kampf gegen Gott sammeln. In diesem letzten Kampf auf Erden werden die weltlichen Heere vernichtet und der Satan in den Feuersee geworfen, wo schon der Antichrist und der falsche Prophet sind.

Wir haben nun  hier das Schicksal des Satan analysiert und eine große Übereinstimmung mit dem Dreizeitenschema gefunden: „Das Tier (Satan) war” ein Engel im Himmel. Er hat sich mit seinen Engeln gegen Gott aufgelehnt und wurde aus dem Himmel ausgestoßen und „ist nicht”, weil er nun nur mehr ein Dämon, ein unreiner Geist ohne Körper ist. Nach der Schlacht von Harmagedon wird er im Abgrund gebunden für tausend Jahre. Nach diesen tausend Jahren wird er „aus dem Abgrund heraufsteigen” und hier werden sich alle Feinde Gottes auf Erden wundern und freuen, wenn sie sehen, dass er wieder da ist. Bei seinem letzten Kampf gegen Gott wird er vernichtet „und geht ins Verderben” d.h. er wird in die ewige Verdammnis, in den Feuersee geworfen.

Das Tier, das du gesehen hast, war und ist nicht und wird aus dem Abgrund heraufsteigen und geht ins Verderben.

Off 17,8 Das Tier (in der Wüste/Anm.), das du gesehen hast, war und ist nicht und wird aus dem Abgrund heraufsteigen und geht ins Verderben; und die Bewohner der Erde, deren Namen nicht im Buch des Lebens geschrieben sind von Grundlegung der Welt an, werden sich wundern, wenn sie das Tier sehen, daß es war und nicht ist und da sein wird. 17,9 Hier ist der Verstand nötig, der Weisheit hat: Die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf denen die Frau sitzt. Und es sind sieben Könige: 17,10 die fünf ersten sind gefallen, der eine ist, der andere ist noch nicht gekommen; und wenn er kommt, muß er eine kurze Zeit bleiben. 17,11 Und das Tier, das war und nicht ist, es ist selbst sowohl ein achter als auch von den sieben und geht ins Verderben. Off 17, 8-11;


(Siehe auch den Exkurs 06: „Vom Angesicht Gottes in den Feuersee - die vier Stationen Satans.”)


Allerdings stellt sich uns hier wieder das Problem, dass wir auch vom dämonischen Antichristen einen ähnlichen Werdegang in der Schrift dokumentiert haben: „Er war” - als erster Antichrist - ein Mensch (der Gesetzlose, 2The 2,3-8). Bei der Wiederkunft des Herrn zur Entrückung wird er durch das Schwert, das aus dem Mund des Sohnes Gottes hervorgeht (Jes 11,4; Off 13,14; 19,21) getötet (2The 2,8) - „er ist nicht”. Sodann wird er von Satan als zweiter, dämonischer Antichrist wieder auferweckt (Off 13,1.4) und mit aller satanischen Kraft und Macht ausgestattet (Off 13,2) - „er wird aus dem Abgrund heraufsteigen”. Auch hier heißt es, dass sich die Menschen darüber wundern werde - „die ganze Erde staunte hinter dem Tier her” (Off 13,3). Schließlich wird aber auch der dämonische Antichrist nach der Schlacht von Harmagedon lebendig in der Feuersee geworfen.

Wenn wir das Dreizeitenschema korrekt interpretieren wollen, müssen wir also zuerst diese beiden Prophezeiungen analysieren und entscheiden, auf welche der beiden Gestalten - Satan oder dämonischer Antichrist - darin Bezug genommen wird. Dazu rufen wir uns den Text aus Off 17,8 noch einmal in Erinnerung:

„Das Tier war (Vergangenheit) ist nicht (Gegenwart) und wird aus dem Abgrund heraufsteigen (Zukunft) und geht ins Verderben”


Dass sich die Menschen auf Erden nach den Aussagen beider Prophezeiungen verwundern werden ist nicht weiter erstaunlich und daher für eine Entschlüsselung des Textes kaum dienlich. Auch dass das Tier ins Verderben geht, trifft auf beide Tiere zu: das Tier aus dem Meer, der dämonische Antichrist, sofort nach der Schlacht von Harmagedon, das Tier in der Wüste, der Satan, nach seinem letzten Kampf, am Ende der Welt.

Erfolgversprechender ist daher die Erwähnung des Abgrundes und dass das Tier daraus heraufsteigt (auf die Erde). Wie wir weiter oben festgestellt haben, ist der Abgrund ein Aufenthaltsort von Dämonen, welche von der Erde verbannt worden sind (2Ptr 2,4; Off 20,4). Dies bestätigen uns auch die Aussagen der Schrift über die Dämonenaustreibungen des Herrn zu seinen Lebzeiten (Lk 8,30-32). Es kann sich daher bei diesem Dreizeitenschema weder um einen himmlischen Engel noch um einen Menschen handeln, sondern es muss sich um einen Dämon handeln.

Schon hier wird erkennbar, dass ja der zweite Antichrist nicht aus dem Abgrund, sondern aus dem Meer hervorgegangen ist. Auch war er zu diesem Zeitpunkt offensichtlich noch kein Dämon, sondern ein verstorbener Mensch (der erste, der menschliche Antichrist) und konnte daher nicht im Abgrund sein, sondern war im Totenreich („Meer”, Off 20,13; 21,1). Und unter der Voraussetzung, dass die zeitlichen Angaben im Dreizeitenschema auf der Realität basieren, dass also Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit den realen Zeitvorstellungen entsprechen, wäre die Klassifizierung: das Tier „ist nicht” nur dann zu rechtfertigen, wenn dieses Tier zur Zeit dieser Prophezeiung - also in der Zeit um 80-90 n. Chr. - nicht gewesen sein würde. Doch gerade das ist nun beim Tier aus dem Meer, dem dämonischen Antichristen überhaupt nicht der Fall, da er ja erst in der Endzeit sowohl als Mensch als auch als wiedererweckter Antichrist leben wird.

Eine Interpretation des Dreizeitenschemas auf den dämonischen Antichristen ist daher - trotz verblüffender Ähnlichkeiten der Begleitumstände - einwandfrei auszuschließen. Es kann sich also bei dieser Prophezeiung - auch aufgrund dieser schriftgebundenen Analyse in diesem Diskurs - nur um den Satan selbst handeln.


Der erste Antichrist, der Sohn des Verderbens.

Wir haben bisher den Herrscher des letzten weltlichen Reiches auf Erden - den dämonischen Antichrist - und seinen teuflischen Vater, den Drachen und Satan betrachtet. Doch wie schon erwähnt, hat dieses Wesen offensichtlich seinen Ursprung in einem Menschen, der vor ihm geherrscht hat: der erste, menschliche Antichrist, „der Gesetzlose”, wie ihn Paulus in 2The 2,3 auch nennt. Paulus spricht dort von der Wiederkunft des Herrn und unserer Vereinigung mit ihm - also der Entrückung. Und er versichert den Thessalonichern, dass dieser Tag nicht zu erwarten ist, wenn nicht vorher der Abfall und der Mensch der Gesetzlosigkeit gekommen ist.

Denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, daß zuerst der Abfall gekommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit geoffenbart worden ist.

2The 2,1 Wir bitten euch aber, Brüder, wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm, 2,2 daß ihr euch nicht schnell in eurem Sinn erschüttern, auch nicht erschrecken laßt, weder durch Geist noch durch Wort, noch durch Brief, als seien sie von uns, als ob der Tag des Herrn da wäre. 2,3 Daß niemand euch auf irgendeine Weise verführe! Denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, daß zuerst der Abfall gekommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit geoffenbart worden ist, der Sohn des Verderbens; 2,4 der sich widersetzt und sich überhebt über alles, was Gott heißt oder Gegenstand der Verehrung ist, so daß er sich in den Tempel Gottes setzt und sich ausweist, daß er Gott sei. 2,5 Erinnert ihr euch nicht, daß ich dies zu euch sagte, als ich noch bei euch war? 2,6 Und jetzt wißt ihr, was zurückhält, damit er zu seiner Zeit geoffenbart wird. 2,7 Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur offenbart es sich nicht, bis der, welcher jetzt zurückhält, aus dem Weg ist; 2The 2, 1- 7;

Der Gesetzlose, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft.

2The 2,8 Und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft; 2,9 ihn, dessen Ankunft gemäß der Wirksamkeit des Satans erfolgt mit jeder Machttat und mit Zeichen und Wundern der Lüge 2,10 und mit jedem Betrug der Ungerechtigkeit für die, welche verloren gehen, dafür, daß sie die Liebe der Wahrheit zu ihrer Errettung nicht angenommen haben. 2,11 Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, daß sie der Lüge glauben, 2,12 damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit. 2The 2, 8-12;


Paulus spricht hier vom Abfall und vom Mensch der Gesetzlosigkeit, dem Sohn des Verderbens, der kommen muss, bevor wir mit der Wiederkunft des Herrn und der Entrückung rechnen können. Diese Aussage straft einmal alle jene Prediger Lügen, welche die Geschwister in den Gemeinden unverantwortlicherweise lehren, die Entrückung würde vor der Großen Trübsal erfolgen und sie hätten vor der Wiederkunft des Herrn keine großen weltlichen Ereignisse mehr zu erwarten, weil der Herr kann „heute, jetzt, morgen kommen”. Nach der Charakterisierung des Herrschers dieses vorletzten Reiches auf Erden, des Gesetzlosen und Sohnes des Verderbens, ist er ein menschlicher Gewaltherrscher und als erster Antichrist zu erkennen. Und dieser „Abfall” von dem Paulus hier spricht, ist die Große Trübsal und ist identisch mit den weltweiten Katastrophen und fast zwei Milliarden Toten in der Zeit der ersten 4 Siegel der Offenbarung (Off 6,1-8).

(Siehe auch den Diskurs 71: „Ist das nächste größte Ereignis der Weltgeschichte für die Gemeinde die Entrückung?”)

Auch der Hinweis, dass der Herr Jesus diesen Gesetzlosen „beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft (zur unserer Vereinigung mit ihm)” bestätigt ein weiteres Mal eine Entrückung nach dieser Großen Trübsal. Denn wenn der Herr bei seiner Ankunft zur Entrückung den gesetzlosen Antichristen vernichtet, muss dieser ja vorher in der Großen Trübsal auf Erden geherrscht haben. Auch die Unterscheidung zum nachfolgenden zweiten, dämonischen Antichristen liegt ganz eindeutig auf der Hand. Während es vom Gesetzlosen hier heißt, dass er vom Herrn Jesus durch den Hauch seine Mundes bei seiner Ankunft zur Entrückung vernichtet wird, wird der dämonische Antichrist nach der Schlacht von Harmagedon mit seinem falschen Propheten lebendig in den Feuersee geworfen. Eine detailliertere Beweisführung ist im Diskurs 86 zu finden.

(Siehe auch den Diskurs 86: „Der erste und der zweite Antichrist.”)

Für unsere Betrachtung hier ist es aber wichtig, dass wir damit jenes Geschehen in der Schrift lokalisiert haben, welches am Beginn der Endzeit anzusetzen ist und damit für uns tatsächlich das größte weltliche Ereignis ist, welches wir vor der Wiederkunft des Herrn zu erwarten haben - nämlich die Große Trübsal. Wie uns Paulus oben, in 2The 2,9 verrät, ist der Herrscher in diesem vorletzten weltlichen Reich auf Erden ebenso eine Marionette des Satans, wie uns das Johannes vom zweiten, dämonische Antichristen in Off 13 schildert. Auch die Ankunft dieses ersten Antichristen erfolgt „gemäß der Wirksamkeit des Satans” und „mit jeder Machttat und mit Zeichen und Wundern der Lüge”. Der Unterschied zum nachfolgenden dämonischen Antichristen ist in der Qualität der Macht zu erkennen. Während der Gesetzlose nur Zeichen und Wunder der Lüge wirken kann, erhält der dämonische Antichrist vom Satan dessen eigene Kraft und große Macht und sogar seinen Thron (Off 13,2).


Die Liebe der meisten wird erkalten.

Obwohl wir nun hier nicht auf die einzelnen Ereignisse in der Zeit der Herrschaft dieses ersten Antichristen, des Gesetzlosen, eingehen wollen, weil dies im Detail im Diskurs 05 dargelegt wird, wollen wir verschiedene Phänomene unserer gegenwärtigen Zeit anhand der Schrift prüfen, inwieweit sie sich mit den diesbezüglichen Prophezeiungen der Bibel vergleichen lassen und damit ein Zeichen für einen Beginn dieser Endzeit sein könnten.

(Siehe auch den Diskurs 05: „Die Parallelität der Ereignisse von Mt 24 und Off 6 und 7.”)


Wenn wir konsequenterweise bei den gegenständlichen Aussagen des Paulus in 2The 2 bleiben, finden wir dort den Hinweis auf ein Geschehen, welches vor dem Offenbarwerden dieses Gesetzlosen zu erwarten ist:

Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam.

2The 2,7 Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur offenbart es sich nicht, bis der, welcher jetzt zurückhält, aus dem Weg ist; 2,8 und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft; 2The 2, 7- 8;


Mit dieser Gesetzlosigkeit, welche bereits zu Paulus' Zeiten wirksam war, ist nun nicht nur in erster Linie die religiöse Gesetzlosigkeit, also der Abfall von Gott und die Gottlosigkeit gemeint. Wenn wir die Schrift prüfen, erkennen wir, dass es neben der Gottlosigkeit auch die weltliche Gesetzlosigkeit, also die bewusst praktizierte Ungerechtigkeit der weltlichen Justiz ist, welche hier gemeint ist. So sprach der Herr zu den Pharisäern von ihrer religiösen Gesetzlosigkeit:

Außen scheint ihr gerecht vor den Menschen, von innen aber seid ihr voller Heuchelei und Gesetzlosigkeit.

Mt 23,27 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr gleicht übertünchten Gräbern, die von außen zwar schön scheinen, inwendig aber voll von Totengebeinen und aller Unreinigkeit sind. 23,28 So scheint auch ihr von außen zwar gerecht vor den Menschen, von innen aber seid ihr voller Heuchelei und Gesetzlosigkeit. Mt 23,27-28;


Paulus hingegen spricht in seinem zweiten Brief an die Korinther von der Gesetzlosigkeit im Gegensatz zur Gerechtigkeit - und dies weist eindeutig auf die weltliche Justiz hin.

Denn welche Verbindung haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit?

2Kor 6,14 Geht nicht unter fremdartigem Joch mit Ungläubigen! Denn welche Verbindung haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? 2Kor 6,14;


Auch in der Endzeitrede des Herrn finden wir einen wichtigen Hinweis auf diese Gesetzlosigkeit:

Und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe der meisten erkalten.

Mt 24,7 Denn es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es werden Hungersnöte und Erdbeben da und dort sein. 24,8 Alles dies aber ist der Anfang der Wehen. 24,9 Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen gehaßt werden um meines Namens willen. 24,10 Und dann werden viele verleitet werden und werden einander überliefern und einander hassen; 24,11 und viele falsche Propheten werden aufstehen und werden viele verführen; 24,12 und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe der meisten erkalten; 24,13 wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden. Mt 24, 7-13;


Der Herr spricht hier vom „Anfang der Wehen”, also vom Beginn der Großen Trübsal. Und für diese Zeit prophezeit er weltweite Kriege, Hungersnöte und Erdbeben. Auch die Gläubigen müssen in dieser Zeit mit Bedrängnis, ja sogar mit dem Tod rechnen. Und dann weist er darauf hin, dass die Gesetzlosigkeit überhand nehmen wird. Auch hier ist nicht mehr allein die religiöse Gesetzlosigkeit, die Gottlosigkeit, sondern der Umgang mit Gerechtigkeit in dieser Welt gemeint. Es wird Korruption, Betrug und Unterdrückung herrschen und sogar die Gerichte und Richter werden gegen Bestechung ganz offen falsche Urteile fällen. Und wie der Herr sagt, ist dies dann auch der Grund, warum die Liebe in den meisten erkalten wird. Es wird also eine Gesellschaft ohne Gerechtigkeit, ohne Liebe und ohne Aufrichtigkeit sein. Und dies ist ein erstes Kennzeichen der beginnenden Endzeit.

Nun werden in unserer heutigen Zeit in den Gerichten der meisten Länder noch gerechte Urteile gesprochen, die Aufrichtigkeit ist in den relevanten Aspekten gegeben und von fehlender Liebe kann man grundsätzlich - außer in Einzelfällen - auch nicht sprechen. Dennoch stellt sich die Frage, ob wir bei dieser Beurteilung den richtigen Maßstab anwenden. Richter können nur dann gerechte Urteilen fällen, wenn die Gesetze, welche sie beachten müssen, auch gerecht sind. Diese Gesetze werden aber von Politikern gemacht. Und ob das nun in Europa, Asien, Afrika oder in Amerika ist, korrupte Politiker sind keine Seltenheit. Auch mit der Aufrichtigkeit gibt es immer wieder Probleme. Und dies durchaus auch bei uns im Westen. Die meisten Leute reden sich dann gerne auf Notlügen aus, wobei das in den meisten Fällen nur beweist, dass sie um eines persönlichen Vorteils willen anderen die Unwahrheit gesagt haben. Und schließlich die Liebe: sie wird heute weitgehend als Sex interpretiert. Eine Liebe, welche auf seelischer Zuneigung und Herzenswärme basiert, setzt voraus, dass es Menschen gibt, die auf dieser Ebene ansprechbar und liebenswert sind. Und diese werden immer weniger.

Ein ganz signifikantes Zeichen für diesen großen Mangel an echter Liebe in unserer Zeit lässt sich z.B. an den Scheidungsraten bei uns in Europa erkennen, wo fast dei Hälfte aller geschlossenen Ehen wieder geschieden werden:

Ehescheidungen: In Europa wird (2005) alle 30 Sekunden eine Ehe geschieden.

In 25 Jahren (1980-2005) ist die Zahl der jährlichen Trennungen in der EU um 369.975 gestiegen (von 672.917 im Jahr 1980 auf 1.042.892 im Jahr 2005). Dies entspricht einem Zuwachs von 55%. Dabei ist Spanien mit einer Zunahme von 183% dasjenige Land der Europäischen Union, in dem die Zahl der Scheidungen in den letzten 10 Jahren (1995-2005) am stärksten gestiegen ist, gefolgt von Portugal (89%) und Italien 62%. In nur 15 Jahren (1990-2005) wurden in Europa (EU27) über 13,7 Millionen Ehen geschieden.

1980 betrug die Differenz zwischen geschlossenen Ehen und Trennungen 2.421.716 (auf 4,6 Eheschließungen entfiel eine Trennung). Im Jahr 2005 beläuft sich diese Differenz auf lediglich 1.359.000 Das Verhältnis von fast 5:1 im Jahr 1980 sank auf ein Verhältnis von 2:1 im Jahr 2005 (auf 2,3 Eheschließungen entfällt eine Trennung). In Europa (EU27) werden fast die Hälfte aller geschlossenen Ehen wieder geschieden.


Scheidungsrate in der EU 2004

 
Land Eheschließungen Ehescheidungen In Prozent
Belgien 43.000 31.000 72%
Estland 6.000 4.000 67%
Tschechische Republik 51.000 33.000 65%
Litauen 19.000 11.000 58%
Ungarn 44.000 25.000 57%
Vereinigtes Königreich 306.000 167.000 55%
Deutschland 396.000 214.000 54%
Lettland 10,000 5.000 50%
Luxemburg 2.000 1.000 50%
Österreich 39.000 19.000 49%
Frankreich 259.000 125.000 48%
Portugal 49.000 23.000 47%
Schweden 43.000 20.000 47%
Finnland 29.000 13.000 45%
Niederlande 76.000 32.000 42%
Dänemark 38.000 16.000 42%
Zypern 5.000 2.000 40%
Spanien 215.000 86.000 40%
Slowakei 28.000 11.000 39%
Polen 192.000 56.000 29%
Slowenien 7.000 2.000 29%
Griechenland 47.000 13.000 28%
Italien 251.000 44.000 18%
Irland 20.000 3.000 15%
Malta 2.000 (*)
Gesamt 2.177.000 956.000 44%
(*) In Malta ist die Ehescheidung nicht möglich

Quelle: Eurostat-Pressestelle Tim Allen L-2920 Luxemburg



Wir haben am Beginn dieses Diskurses den Text von Dan 2 (Nebukadnezars Traum vom Standbild) analysiert. Dabei hat sich der Schluss ergeben, dass das „Füßereich” (Dan 2,41) ein separates, fünftes Reich ist und dass auch das Zehenreich zwar mit dem Füßereich gemeinsam gesehen, aber dennoch nach Dan 2,42 auch als eigenes Königreich (zehn Zehen - zehn Könige) betrachtet wird. Nachdem es nun in Dan 2,44 heißt, dass in den Tagen dieser Könige das Tausendjährige Reich aufgerichtet wird, muss das Füße- und mit ihm das Zehenreich das hier von uns betrachtete letzte weltliche Reich auf Erden und damit die antichristliche Herrschaft repräsentieren.

Und nun wird in Dan 2,41-43 dieses Reich als „teils aus Töpferton und teils aus Eisen” beschrieben, dessen Menschen sich wohl „durch Menschensamen mischen”, aber - wie Ton und Eisen - nicht aneinander haften bleiben. Sie pflanzen sich zwar untereinander fort, aber es wird keine persönliche Bindung mehr eingegangen, d.h. es fehlt ihnen offenbar die Fähigkeit zu gegenseitiger Zuneigung und Liebe.

Das bestätigt nun aber genau jene Charakterisierung der Menschen unserer Zeit, welche in den Statistiken hier oben zu Tage tritt: Die Sexualität ist an die Stelle der Liebe getreten. Die Menschen heiraten, weil sie miteinander schlafen und nicht, weil sie sich lieben. Diese Erkenntnis stellt sich dann nach der Hochzeit früher oder später auch ein und dann trennt man sich eben wieder. - Um vielleicht gleich darauf wieder eine neue Ehe einzugehen.

Sie werden sich durch Menschensamen mischen, aber sie werden nicht aneinander haften, so wie sich Eisen mit Ton nicht vermischt.

Dan 2,41 Und daß du die Füße und die Zehen teils aus Töpferton und teils aus Eisen gesehen hast: das wird ein geteiltes Königreich sein; aber von der Festigkeit des Eisens wird etwas in ihm sein, weil du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast. 2,42 Und die Zehen der Füße, teils aus Eisen und teils aus Ton: von einem Ende aus wird das Königreich hart sein, und in einem Teil wird es zerbrechlich sein. 2,43 Daß du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast: sie werden sich durch Menschensamen mischen, aber sie werden nicht aneinander haften, so wie sich Eisen mit Ton nicht vermischt.

2,44 Und in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das ewig nicht zerstört werden wird. Und das Königreich wird keinem anderen Volk überlassen werden; es wird all jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber wird es ewig bestehen: 2,45 wie du gesehen hast, daß von dem Berg ein Stein losbrach, und zwar nicht durch Hände, und das Eisen, die Bronze, den Ton, das Silber und das Gold zermalmte. Ein großer Gott läßt den König wissen, was nach diesem geschehen wird; und der Traum ist zuverlässig und seine Deutung zutreffend.  Dan 2,41-45;


Obwohl es also heutzutage keine Schwierigkeit ist, eine unliebsame Ehe zu scheiden und damit wieder die vielgelobte Freiheit zu erlangen, ist es nicht ganz so einfach, die in dieser Ehe - und natürlich auch in jeder nicht ehelichen Beziehung - entstandenen „Früchte”, also die ungeborenen und die geborenen Kinder, wieder „loszuwerden”. Dabei gibt es nun gerade in unserer heutigen Zeit genügend Möglichkeiten, um hier vorbeugend zu agieren. Doch offensichtlich verleitet die einfache Möglichkeit, das „Ding” nachher ambulant in einigen Minuten  „wegzutun”, die Menschen dazu, ihre Vorsicht nicht walten und ihrem Egoismus freien Lauf zu lassen.

Bei den bereits geborenen Kindern ist das aber nach wie vor sehr schwierig. Doch manche behelfen sich dann damit, dass sie die Frischgeborenen ersticken und in der Kühltruhe, im Blumentopf, in einem Koffer am Dachboden oder im Maurerkübel einbetoniert „endlagern”. Auch das wenige Monate alte nervende Baby wird zu Tode geschüttelt, an die Wand geschleudert oder überhaupt gleich aus dem Fenster im vierten Stock auf die Straße geworfen. - Wer die Nachrichten verfolgt, weiß, dass über alle diese Fälle in den letzten Wochen und Monaten in Deutschland und Österreich leider tatsächlich berichtet wurde.

Es ist also offensichtlich auch die Liebe zu den eigenen Kindern in vielen Fällen abhanden gekommen. In Europa wird alle 25 Sekunden ein Schwangerschaftsabbruch vorgenommen:

Schwangerschaftsabbrüche: Auf der ganzen Welt wird jede Sekunde ein Kind im Mutterleib getötet

Nach den Daten, die Gilda Sedgh vom Guttmacher Institut, einer privaten Stiftung, die sich für die „sexuelle und reproduktive Gesundheit weltweit” einsetzt, in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) recherchiert hat, wurden im Jahr 2003 weltweit rund 42 Millionen Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen. Damit wird auf der ganzen Welt jede Sekunde ein Kind im Mutterbauch getötet.

In Europa (EU27) wird alle 25 Sekunden ein Schwangerschaftsabbruch vorgenommen. Das sind 144 ermordete Kinder pro Stunde und damit ist Abtreibung die häufigste Todesursache in Europa.


Die übliche Beschwichtigungsfloskel, dass es so etwas immer schon gegeben hätte und es nur an der Globalisierung liegt, dass diese Informationen so schnell Verbreitung finden, ist untauglich. Vor hundert Jahren hat es diese „kundenfreundlichen” Prozeduren noch nicht gegeben - weder für die Ehescheidung noch für den Schwangerschaftsabbruch. Auch anhand von Statistiken lässt sich dieser Trend maximal 50-60 Jahre zurückverfolgen, wobei der Umfang jährlich im Wachsen begriffen ist. Diese Einstellung der Menschen ist also ein Produkt unserer heutigen Zeit und ein Kennzeichen für den Charakterzustand vieler Menschen in der Bevölkerung. Und hier kommt einem doch auch die Prophezeiung des Herrn in Mt 24,12 in den Sinn:

„die Liebe der meisten wird erkalten”



Die Quelle der Gesetzlosigkeit.

Wenn wir den Text von Mt 24,12 jedoch genau lesen, sagt der Herr dort: „und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe der meisten erkalten”. Nun haben wir in unserer Zeit schon einige Probleme mit Korruption und Verbrechen, aber man kann wahrscheinlich nicht sagen, dass diese Erscheinungen überhand genommen hätten. Da wäre schon eher denkbar, dass der Herr hier die andere, die religiöse Gesetzlosigkeit - also die Gottlosigkeit der Menschen meinte. Aber auch hier muss man relativieren: es gibt weltweit sicherlich noch jede Menge rechtgläubiger Christen.

Darüber hinaus werden sich die Älteren unter uns noch an den Anfang der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts erinnern, wo die Nationalsozialisten im Zenith ihrer Macht standen. Damals wurden tatsächlich unschuldige Menschen von Neidern angezeigt und von „reichstreuen” – spricht korrupten - Richtern und Gerichten ihres Besitzes enteignet, in Gefängnisse gesteckt und wenn sie Juden waren, zu Millionen in Konzentrationslagern umgebracht. Und dass die christlichen Kirchen nach dem Endsieg der Nazis ausgeschaltet werden sollten, war auch damals schon ausgemachte Sache. Es hat also zu jener Zeit eine ähnliche Situation geherrscht, wie wir sie aufgrund der Aussagen der Schrift in der Endzeit unter der antichristlichen Herrschaft erwarten und es hat auch damals viele gegeben, die meinten, dass die Endzeit angebrochen sei.

Dem Herrn - und den Alliierten - sei Dank, dass dieser Spuk nach sieben Jahren ein Ende genommen hat, Europa wieder zu friedvolleren Zeiten zurückkehren und die Solidarität und Liebe der Menschen zueinander wieder Fuß fassen konnte. Und dies zeigt uns, dass unsere heutigen Verhältnisse zwar bedenklich sind, aber weder mit der Herrschaft des Hitler-Regimes und schon gar nicht mit jener des kommenden Antichristen verglichen werden können. - Wenn es daher nicht die Gesetzlosigkeit - weder die religiöse Gesetzlosigkeit, in Form von Gottlosigkeit, noch die weltliche Gesetzlosigkeit in der Justiz, mit Korruption und Betrug - ist, welche diesen Verlust an Liebe unter den Menschen unserer Zeit hervorruft, was könnte es dann sein?

Bei genauerer Betrachtung der beiden obigen Ausprägungen von Gesetzlosigkeit ist zu erkennen, dass sich beide Haltungen gegen gesellschaftliche Ordnungen richten, welche dem Einzelnen von Außen auferlegt werden. Bei der religiösen Gesetzlosigkeit sind es im Endeffekt die göttlichen Gebote, welche diese Menschen ablehnen und bei der weltlichen Gesetzlosigkeit eben die Gesetze der irdischen Gerechtigkeit, der Justiz, welche sie durch Betrug, Korruption etc. zu umgehen versuchen.

Nun gibt es aber noch eine dritte Form von gesellschaftlich relevanten Grundsätzen, welche nicht auf äußere Gebote und Gesetze, sondern auf die innere Haltung des Menschen, seinen Charakter, seine Ethik und seine Moral gegründet sind. Und wenn auch das Ausmaß von Gesetzlosigkeit in Form von Gottlosigkeit und Verbrechen in unserer Zeit noch nicht überhandgenommen hat, diese Art der Gesetzlosigkeit gegen das eigene Gewissen war bereits zu Paulus' Zeiten wirksam (2The 2,7), hat in der „Aufklärung” ihren bisherigen Höhepunkt und in der „68er Generation” ihre letzte Ausbreitung gefunden.

Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam.

2The 2,6 Und jetzt wißt ihr, was zurückhält, damit er zu seiner Zeit geoffenbart wird. 2,7 Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur offenbart es sich nicht, bis der, welcher jetzt zurückhält, aus dem Weg ist; 2The 2,6- 7;


Während man in der Aufklärung die Religion der katholischen Kirche als Legitimation unterdrückerischer Gesellschaftsordnungen bekämpft hat, ist man bei den 68ern noch ein Stück weiter gegangen und hat gleich alle Gesellschaftsordnungen als unterdrückerisch bezeichnet. Dabei hat man aber da wie dort das Kind mit dem Bade ausgegossen und die gute und in der Gesellschaft unbedingt erforderliche Ordnung ebenso verdammt, wie einerseits in der Aufklärung die Auswüchse des Klerus (Priesterbetrugstheorie) und den Absolutheitsanspruch des Adels (französische Revolution) und andererseits bei den 68ern Demokratie und Gesetz. Und wie es scheint, leben wir seit dem in einer Zeit des sukzessiven charakterlichen Verfalls der Menschen, der Ausweitung des Egoismus' des Einzelnen, des Niedergangs aller Hemmschwellen und der Liberalisierung auf allen Ebenen. Damit lassen sich nun aber auch die entsprechenden Erscheinungen unserer Zeit sehr gut erklären.

Genau betrachtet, haben wir aber damit nicht nur eine weitere Art von Gesetzlosigkeit, sondern überhaupt die Quelle aller Gesetzlosigkeit gefunden: diese Abtötung des eigenen Gewissens ist der Ausgangspunkt für die Entwicklung all dieser negativen Charaktereigenschaften wie Unglaube, Egoismus, Reduktion der Hemmschwellen, Liberalisierung der ethischen und moralischen Grundsätze, Gier, Korruption, Betrug und Verbrechen. Es besteht daher eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich all jene Bibelstellen, die von Gesetzlosigkeit sprechen, direkt oder indirekt auf diese Selbstbeschädigung des Menschen durch die Verdrängung seiner inneren Stimme bis zu ihrer völligen Verstummung beziehen.

Das Ergebnis dieser charakterlichen Verkümmerung finden wir bereits in unseren Schulen: Gewalt gegen Schwächere, Erpressung und Raub - vom Jausenbrot übers Taschengeld bis zum Handy - und in Extremfällen mit Amokläufen von jugendlichen Schülern gegen Lehrer und Mitschüler. Diese Tendenz, immer nur Schwächere anzugreifen, setzt sich dann auch nach der Schule fort, indem alte Menschen überfallen, halbtot geschlagen und ausgeraubt, Frauen vergewaltigt und Kinder sexuell missbraucht werden.

Aber auch unter den Erwachsenen lässt sich der Mangel an moralischen Werten erkennen. Die Aktionäre vieler Unternehmen in der Weltwirtschaft interessiert nicht, ob diese Unternehmen ihren Profit durch Kinderarbeit oder Ausbeutung von unterprivilegierten Schichten machen. Es ist ihnen auch egal, ob die hergestellten Produkte aus Profitgier von minderwertiger Qualität oder gar für den Endverbraucher gesundheitsgefährdend sind. Das einzige, wofür sich diese Leute interessieren, ist die Dividende, welche sie am Ende des Geschäftsjahres für ihre Aktien erhalten. Und auch jene Leute, welche in Banken und Wirtschaftsunternehmen Spitzenpositionen einnehmen, scheuen nicht davor zurück, durch unverschämte Gehaltsbezüge oder überhaupt durch Betrug, riesige Vermögen anzuhäufen und geben so jenen Angestellten ein schlechtes Beispiel, welche in Schlüsselpositionen gelangen und dort trachten auf illegale Weise schnell zu Geld zu gelangen.


Die Liebe in den christlichen Gemeinden.

Und nun wäre es hier für einen gläubigen Christen sehr schön, wenn man für dieses Verhalten der Weltmenschen die fortschreitende Gottlosigkeit in weiten Teilen der Menschheit verantwortlich machen und dem das Verhalten der Kinder Gottes in den christlichen Gemeinden gegenüberstellen könnte. Das würde dann den Geboten unseres Herrn entsprechen, der uns zur Liebe untereinander auffordert.

Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.

Jh 13,34 Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. 13,35 Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. Jh 13,34-35;

Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben.

Jh 15,9 Wie der Vater mich geliebt hat, habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! 15,10 Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. 15,11 Dies habe ich zu euch geredet, damit meine Freude in euch sei und eure Freude völlig werde. Jh 15, 9-11;


Doch wenn wir ehrlich sind, gibt es in unseren Gemeinden - egal welcher Denomination - eine derartige Liebe unter den Geschwistern im Herrn nur ganz selten. Die Frömmigkeit ist oft aufgesetzt und der Liebe fehlt jene Herzlichkeit und Aufrichtigkeit, welche sie als christlich-geschwisterliche Liebe haben sollte. Die Versammlungen werden mehr und mehr nach wirtschaftlichen und managementmäßigen Gesichtspunkten geführt, und weniger mit Liebe und Verantwortung für den rechten Glauben der Geschwister im Herrn. Es wird ein Evangelium des Mengenwachstums anstatt des Wachstums im Geist verkündet. Wenn man dies dann nach Jahren - wie im Bekenntnis von Bill Hybels von Willow Creek - erkennt, sind bereits Tausende von gutgläubigen Menschen diesen falschen Weg gegangen.

(Siehe auch den Bericht: „Ein schockierendes ‘Bekenntnis’ der Willow Creek Community Church.”)


Und wer bei uns hier in Europa in seiner Gemeinde auf diesen Mangel an Heiligem Geist hinweist, wird oft als Traditionalist und Querulant hingestellt und ausgegrenzt. Daher haben auch schon so manche rechtgläubige Geschwister im Herrn in ihrer geistlichen Not diese Gemeinden in aller Stille verlassen.

(Siehe auch den Diskurs 42: „Der stille Rückzug der Christen aus Kirchen und Gemeinden.”)


Die Leiter dieser Gemeinden - in den USA und auch in Europa - sind meist vollamtlich in dieser Position tätig und werden von den Gemeindemitgliedern bezahlt. Aber auch Bibellehrer und Prediger sind heute großteils hauptberuflich in dieser Tätigkeit und legen daher oft - wegen des Honorars - bei ihrem Referat den Schwerpunkt mehr darauf, wie es ankommt, als worauf es ankommt. Doch davor hat schon Paulus die Thessalonicher gewarnt:

Wir ermahnen euch, still zu sein und eure eigenen Geschäfte zu tun und mit euren Händen zu arbeiten.

1The 4,9 Was aber die Bruderliebe betrifft, so habt ihr nicht nötig, daß man euch schreibt, denn ihr seid selbst von Gott gelehrt, einander zu lieben; 4,10 das tut ihr ja auch gegen alle Brüder in ganz Mazedonien. Wir ermahnen euch aber, Brüder, reichlicher zuzunehmen 4,11 und eure Ehre darein zu setzen, still zu sein und eure eigenen Geschäfte zu tun und mit euren Händen zu arbeiten, so wie wir euch geboten haben, 4,12 damit ihr anständig wandelt gegen die draußen und niemanden nötig habt. 1The 4, 9-12;

Wir haben mit Mühe und Beschwerde Nacht und Tag gearbeitet, um keinem von euch beschwerlich zu fallen.

2The 3,7 Denn ihr selbst wißt, wie man uns nachahmen soll; denn wir haben unter euch nicht unordentlich gelebt, 3,8 noch haben wir von jemand Brot umsonst gegessen, sondern wir haben mit Mühe und Beschwerde Nacht und Tag gearbeitet, um keinem von euch beschwerlich zu fallen. 2The 3, 7- 8;


Paulus - er war Zeltmacher von Beruf - besteht also darauf, dass solche Leute nach seinem Vorbild ihrem eigenen, weltlichen Beruf nachgehen um ihren Lebensunterhalt zu verdienen und nicht den Geschwistern in den Gemeinden beschwerlich fallen sollen. Wenn sie leitende Funktionen oder Lehre und Predigt in der Gemeinde ausüben, dann sollte das kostenlos geschehen. Der Satz „Was nichts kostet ist nichts wert” ist rein weltlicher Provenienz und dokumentiert die Dummheit und die Unfähigkeit der Weltmenschen, die Dinge zu beurteilen und die wahren Werte zu erkennen. Unter Christen jedoch gilt für Leiter, Lehrer und Prediger der einfache Satz: Wenn sie ihre Erkenntnis vom Heiligen Geist haben, dann haben sie es kostenlos erhalten und sollten es auch kostenlos weitergeben; wenn ihre Erkenntnis jedoch nicht vom Heiligen Geist ist, dann sollten sie es für sich behalten und nicht auch noch andere Geschwister damit belästigen.

Aufgrund der obigen Analyse können wir daher abschließend zu diesem Thema festhalten, dass die Gesetzlosigkeit, deren Überhandnehmen aufgrund der Aussage des Herrn in Mt 24.12 in der Endzeit die Liebe der meisten erkalten lassen wird, nicht in erster Linie mit Gottlosigkeit und Verbrechen zu identifizieren ist. Diese beiden Letzteren sind nur eine Folge jener anderen Gesetzlosigkeit, welche sich aus der sukzessiven Abtötung des menschlichen Gewissens ergibt. Man will „frei” sein und sich „selbst verwirklichen” und bemerkt nicht, dass man ohne diese innere Ordnung immer tiefer in den Morast von Sucht, Perversion, Betrug und Verbrechen gerät.

Und dies ist nun leider nicht nur ein Problem der Weltmenschen, sondern betrifft auch uns gläubige Geschwister im Herrn. Wenn man auch davon ausgehen kann, dass Gottlosigkeit und Verbrechen unter Christen auszuschließen sind, die Quelle aller Gesetzlosigkeit, nämlich die Manipulation des Gewissens - des eigenen und das der anderen - ist auch bei uns eine große Gefahr. Indem Gott eine „unendliche” - und damit eine blinde - Liebe angedichtet wird, wird die Sünde verniedlicht und die Notwendigkeit von Reue und Sündenvergebung nicht genug hervorgehoben. Speziell bei den Jugendlichen entsteht so das Bild eines Gottes, der ohnehin niemandem etwas abschlagen kann und dem man daher gar keine Rechenschaft ablegen muss. Es entsteht der Eindruck: Wer glaubt, dem sind immer und automatisch alle seine Sünden vergeben.

Doch das ist nicht biblische Lehre!  Nach der Schrift erhält der Mensch eine derart pauschale Sündenvergabe nur bei seiner Bekehrung. Und zwar für alle seine Sünden in der Vergangenheit. Doch da wir leider auch nachher noch sündigen, müssen wir diese Sünden regelmäßig bekennen und Gott um Vergebung bitten. Und zwar für alle unsere Sünden: in Gedanken, Worten und Taten (bewusst und unbewusst) und die Unterlassungssünden. Dabei geht es nicht darum, dass Gott unsere Sünden nicht kennen würde. Er kennt sie alle. Es geht dabei um uns selbst, damit wir uns im Gebet all dessen erinnern, worin wir gegen Gottes Gebote verstoßen haben, um uns unserer Schwächen und der Notwendigkeit unserer Errettung immer aufs Neue bewusst zu werden. Wer sich in seinem täglichen Gebet dieser Gewissenserforschung nicht stellt, bekommt ein völlig falsches Selbstbildnis und wird als Leiter, Lehrer oder Prediger auch die Geschwister im Herrn auf einen falschen Weg führen.

Mit der Bitte um Vergebung ist es wie mit jeder anderen Bitte auch, die wir an Gott richten. Viele Geschwister wundern sich, warum ihre Bitten nicht erhört werden. Tatsächlich haben sie in ihren Gebeten diese Bitten noch gar nicht ausgesprochen. Sie denken, Gott müsste das doch wissen. - Selbstverständlich weiß er es. Doch wir würden nicht wissen, dass Gott unsere Bitte erhört hat, wenn wir ihn nicht ausdrücklich darum gebeten hätten.

Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet; ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.

Jak 4,1 Woher kommen Kriege und woher Streitigkeiten unter euch? Nicht daher: Aus euren Lüsten, die in euren Gliedern streiten? 4,2 Ihr begehrt und habt nichts; ihr tötet und neidet und könnt nichts erlangen; ihr streitet und führt Krieg. Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet; 4,3 ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden. 4,4 Ihr Ehebrecherinnen, wißt ihr nicht, daß die Freundschaft der Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer nun ein Freund der Welt sein will, erweist sich als Feind Gottes. Jak 4, 1- 4;


Dabei haben wir in der Schrift alle nur denkbaren Verheißungen, dass Gott unsere Bitten erhören wird - wenn wir sie im Gebet glaubend aussprechen und nicht übel und für unsre Lüste, sondern nach dem Willen Gottes bitten.

Wieviel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten!

Mt 7,7 Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch geöffnet werden! 7,8 Denn jeder Bittende empfängt, und der Suchende findet, und dem Anklopfenden wird aufgetan werden. 7,9 Oder welcher Mensch ist unter euch, der, wenn sein Sohn ihn um ein Brot bittet, ihm einen Stein geben wird? 7,10 Und wenn er um einen Fisch bittet, wird er ihm eine Schlange geben? 7,11 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wißt, wieviel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten! Mt 7, 7-11;

Und alles, was immer ihr im Gebet glaubend begehrt, werdet ihr empfangen.

Mt 21,22 Und alles, was immer ihr im Gebet glaubend begehrt, werdet ihr empfangen. Mt 21,22;

Wenn ihr mich etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun.

Jh 14,13 Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn. 14,14 Wenn ihr mich etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun. Jh 14,13-14;

Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen.

Jh 15,6 Wenn jemand nicht in mir bleibt, so wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. 15,7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen. 15,8 Hierin wird mein Vater verherrlicht, daß ihr viel Frucht bringt und meine Jünger werdet. Jh 15, 6- 8;

Alles, um was ihr auch betet und bittet, glaubt, daß ihr es empfangen habt, und es wird euch werden.

Mk 11,24 Darum sage ich euch: Alles, um was ihr auch betet und bittet, glaubt, daß ihr es empfangen habt, und es wird euch werden. 11,25 Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen vergebe. Mk 11,24-25;

Und dies ist die Zuversicht, die wir zu ihm haben, daß er uns hört, wenn wir etwas nach seinem Willen bitten.

1Jh 5,14 Und dies ist die Zuversicht, die wir zu ihm haben, daß er uns hört, wenn wir etwas nach seinem Willen bitten. 5,15 Und wenn wir wissen, daß er uns hört, was wir auch bitten, so wissen wir, daß wir das Erbetene haben, das wir von ihm erbeten haben. 1Jh 5,14-15;


Dass die Vergebung der bewussten Sünden - sowohl durch Gott als auch unter den Menschen - nicht pauschal und automatisch erfolgen kann, zeigt uns die Aussage des Herrn hier unten, in Lk 17,4:

Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigt und siebenmal zu dir umkehrt und spricht: Ich bereue es, so sollst du ihm vergeben.

Lk 17,3 Habt acht auf euch selbst: Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht, und wenn er es bereut, so vergib ihm! 17,4 Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigt und siebenmal zu dir umkehrt und spricht: Ich bereue es, so sollst du ihm vergeben. Lk 17, 3- 4;


Wir sind als Christen verpflichtet, allen Geschwistern im Herrn, die an uns gesündigt haben, zu vergeben. Und zwar so oft sie auch an uns sündigen mögen - „siebenmal” ist hier symbolisch für „immer wieder” zu verstehen (Mt 18,21-22). Wie aber der Herr hier sagt, müssen diese Geschwister, so oft sie auch an uns gesündigt haben, jedes Mal zu uns kommen, es bereuen und uns um Vergebung bitten. Und so ist es auch mit der Vergebung der Sünden durch Gott: Willst du Vergebung erlangen, musst du Vergebung verlangen. Ohne Reue und Bitte um Vergebung gibt es keine Vergebung. Nicht bei Gott und nicht bei den Menschen.

Und wenn wir hier vom Bitten sprechen, darf natürlich auch das Danken nicht vergessen werden. Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37) sagt uns der Herr über die Nächstenliebe (5Mo 6,5; 3Mo 19,18), dass jeder, dem geholfen wurde, seinen Wohltäter lieben sollte wie sich selbst. Übrigens eine Aussage, die heute weltweit ins Gegenteil verkehrt wird, indem diese Liebe nicht von jenen verlangt wird, welchen geholfen wurde - wie das der Herr im Gleichnis gebietet -, sondern ausschließlich den Wohltätern auferlegt wird. Daher sind jene Menschen, welche heutzutage großteils durch Hilfsorganisationen diese Hilfe erhalten, auch nicht dankbar. Nicht den Spendern - diese kennen sie ja gar nicht - und auch nicht wirklich den Hilfsorganisationen, deren Vertreter - meist auch auf Kosten der Spendengelder - in der Welt herumfahren um dann dort den verbleibenden Rest dieser finanziellen Mittel großzügig zu verteilen.

Im Verhältnis zwischen Gott und den Christen ist es aber nicht so. Sie wissen, wem sie um Hilfe gebeten haben und wer ihnen geholfen hat. Wie kommt es nur, dass dennoch auch da so wenig konkret gedankt wird? Es ist ein psychologisches Phänomen, dass Dinge, die gut laufen im Leben, als selbstverständlich abgehakt und ganz schnell vergessen werden und nur wenn es Probleme über Probleme gibt, die Menschen das in Erinnerung behalten. Auch in diesem Punkt sollten wir uns von den Weltmenschen unterscheiden. Oft danken wir deshalb nicht, weil wir gar nicht erkennen, dass eine unserer Bitten erhört wurde, weil wir oberflächlich gebetet haben oder weil unser Bitten in einer Allerweltsfloskel heruntergeleiert und gleich darauf wieder vergessen wurde.

Um daher das Handeln Gottes auf unsere Bitten zu verfolgen, müssen wir die Entwicklung des Ziels unserer Bitte im Auge behalten. Waren es Menschen, für die wir gebetet haben, müssen wir sie regelmäßig kontaktieren und uns über ihr Befinden erkundigen. Auch müssen wir bei einer Veränderung der Gegebenheiten eventuell unsere Gebete ändern oder anpassen. Das alles ist aber dann nicht möglich, wenn wir z.B. für Menschen in der Dritten Welt beten wollen, weil wir sie weder persönlich kennen noch über ihre Verhältnisse informiert sind.

Waren es bestimmte Umstände, wie Krankheit, Arbeitslosigkeit oder eine finanzielle Notlage für die wir Gott um Hilfe gebeten haben, dann müssen wir konsequent die täglichen Ereignisse beobachten und beurteilen, ob es sich bei dem einen oder anderen etwa um eine Lösungsmöglichkeit handelt, welche uns Gott hier anbietet. Wer sich nur zurücklehnt und meint, Gott würde ihn aus allen Schwierigkeiten herausführen, der irrt gewaltig. Es wird ihm nicht nur nicht geholfen werden, sondern er wird immer tiefer in Probleme kommen.

Und wenn wir dann erkennen, dass Hilfe gewährt wurde - ob nun bei uns selbst oder bei anderen, für die wir gebetet haben - dann sollten wir mit dem Danken nicht lange warten. Das ist der beste Beweis für unsere Gotteskindschaft, wenn wir unserem Vater im Himmel für seine Gnade danken und ihm die Ehre geben. Davon spricht auch eine Begebenheit in Lk 17,12-19 - übrigens auch von einem Samariter:

Einer aber von ihnen kehrte zurück, als er sah, daß er geheilt war, und verherrlichte Gott mit lauter Stimme.

Lk 17,12 Und als er in ein Dorf einzog, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die von fern standen. 17,13 Und sie erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, Meister, erbarme dich unser! 17,14 Und als er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, während sie hingingen, wurden sie gereinigt. 17,15 Einer aber von ihnen kehrte zurück, als er sah, daß er geheilt war, und verherrlichte Gott mit lauter Stimme; 17,16 und er fiel aufs Angesicht zu seinen Füßen und dankte ihm; und das war ein Samariter. 17,17 Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die Zehn gereinigt worden? Wo sind die Neun? 17,18 Haben sich sonst keine gefunden, die zurückkehrten, um Gott Ehre zu geben, außer diesem Fremdling? 17,19 Und er sprach zu ihm: Steh auf und geh hin! Dein Glaube hat dich gerettet. Lk 17,12-19;


Der Umstand, dass im vorher erwähnten Gleichnis vom barmherzigen Samariter gerade das Verhalten des Samaritaners so hervorgehoben wird, rührt daher, dass zwischen Juden und Samaritanern seit dem syrisch-ephraimitischen Krieg (ca. 733 v.Chr.) eine jahrhundertelange unversöhnliche Feindschaft bestand (Jh 4,9). Die Samaritaner galten für die Juden als Ketzer und Heiden. Und dennoch erfährt das Opfer in diesem Gleichnis vom barmherzigen Samariter nicht von denen Hilfe, die religiös und ethnisch eigentlich seine „Nächsten” sind - also den Juden - , sondern überraschenderweise ausgerechnet von dem, dessen achtloses Vorübergehen viel eher zu erwarten gewesen wäre. Und auch hier oben, in Lk 17,16, ist es der vom Aussatz geheilte Samaritaner, welcher als einziger von den zehn Geheilten umgekehrt ist, um Gott die Ehre zu geben.

Wie es scheint, waren die anderen neun Geheilten keine Samaritaner sondern Juden, die zu den Priestern in den Tempel gegangen sind, um dort Gott zu danken. Ähnlich wie der Samaritaner, gehen aber auch wir Christen nicht in den „Tempel”, um mit unserem Gott zu sprechen, sondern wie es uns der Herr gelehrt hat, in unsere Kammer, wo wir Gott in Geist und Wahrheit anbeten.

Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist!

Mt 6,5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler; denn sie lieben es, in den Synagogen und an den Ecken der Straßen stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. 6,6 Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten. 6,7 Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern wie die von den Nationen; denn sie meinen, daß sie um ihres vielen Redens willen erhört werden. 6,8 Seid ihnen nun nicht gleich! Denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet. Mt 6, 5- 8;

Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten.

Jh 4,23 Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. 4,24 Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten. Jh 4,23-24;


Wir sollten daher bei unsrem Gespräch mit dem Herrn in unserer Kammer einmal die Vergangenheit unseres Lebens überdenken und überlegen, in wie vielen Situationen und problematischen Lebenslagen uns der Herr schon geholfen hat - teilweise sogar schon vor unserer Bekehrung und ohne dass wir ihn darum gebeten haben. Und da werden wir erkennen, dass wir das in vielen Fällen gar nicht richtig wahrgenommen haben. Wir meinten eben  „Glück” gehabt zu haben und noch einmal davongekommen zu sein.

Aber auch nach unserer Bekehrung gibt es wahrscheinlich Ereignisse, welche wir erst im Rückblick als große Gefahr erkennen, vor der uns der Herr bewahrt hat. Haben wir für all dass schon gedankt? Erfahrungsgemäß müsste es bei einem Lebensalter von etwa 50 Jahren gut und gern 5 Stunden dauern, um all diesen schuldigen Dank für jede Hilfe nachzuholen. Und auch hier sollten wir beim Danken „nicht plappern wie die von den Nationen” sondern uns jedes Ereignis, welches uns einfällt, bewusst in Erinnerung rufen, damit uns die Gnade und Barmherzigkeit unseres Gottes in ihrem vollem Ausmaß ins Bewusstsein kommt.

Wenn wir das tun, wird es gerade für jene Geschwister unter uns, welche oft fragen, warum ihnen Gott nicht hilft, eine wahre Offenbarung sein und sie werden erkennen, dass ihnen ihr Gott fast ununterbrochen hilft, sie es aber bisher nicht erkannt haben. Und damit werden sie auch wieder mehr Vertrauen und Glauben haben, was ihnen wieder helfen wird, zu bitten und zu empfangen.

Alles, um was ihr auch betet und bittet, glaubt, daß ihr es empfangen habt, und es wird euch werden.

Mk 11,24 Darum sage ich euch: Alles, um was ihr auch betet und bittet, glaubt, daß ihr es empfangen habt, und es wird euch werden. 11,25 Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen vergebe. Mk 11,24-25;




(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Gibt es nach der Schrift ein Verbot gemeinsam zu beten? / Replik IB00, 2008-02-25)

Sie betonen einige Male gemäß den Aussagen des Herrn, dass man zum Beten "in seine Kammer gehen soll", was ganz unzweifelhaft richtig ist. Leider vermitteln Ihre Ausführungen hierzu – ich bin mir aber sicher, dass das unbeabsichtigt ist – bei mir den Eindruck, man solle nicht auch gemeinsam beten. Das meint Jesus Christus ja sicherlich nicht, sondern er stellt, wie Sie das auch beschreiben, den Unterschied heraus zwischen dem prahlerischen Gebet, um Menschen zu gefallen, und dem demütigen und andächtigen Gebet, um Gott zu gefallen. Bei Ihnen hört sich das aber ein bisschen wie ein Verbot an, in eine Kirche zu gehen oder auch nur gemeinsam zu beten.

(Ingmar Bauer, ingmarbauer@yahoo.de)

 



Vielen Dank für diesen durchaus berechtigten Hinweis. Es ist dies sicherlich eine Frage, welche auch so manchen anderen Leser beschäftigen wird und daher scheint es sinnvoll, sie gleich öffentlich zu erörtern. Sehen wir uns diesen Text einmal genauer an:

Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist!

Mt 6,5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler; denn sie lieben es, in den Synagogen und an den Ecken der Straßen stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. 6,6 Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten. 6,7 Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern wie die von den Nationen; denn sie meinen, daß sie um ihres vielen Redens willen erhört werden. 6,8 Seid ihnen nun nicht gleich! Denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet. Mt 6, 5- 8;


Wie Sie in Ihrem obigen Kommentar völlig richtig erwähnen, stellt der Herr hier

„den Unterschied heraus zwischen dem prahlerischen Gebet, um Menschen zu gefallen, und dem demütigen und andächtigen Gebet, um Gott zu gefallen”.

Und genau diese Ihre Formulierung beinhaltet auch schon die Antwort auf Ihre Frage: dieses demütige und andächtige Gebet, um Gott zu gefallen, sollten wir alleine und in unserer Kammer verrichten. So bleibt es also jedem selbst überlassen, ob er ein demütiges und andächtiges Gebet an Gott richten oder ein anders Gebet sprechen will. Allerdings erhebt sich dann natürlich eine ganz andere Frage: Was sollte denn das für ein „anderes” Gebet sein? Sollten unsere Gebete zu Gott nicht immer demütig und andächtig sein?  Ist ein Gebet, welches nicht demütig und andächtig ist überhaupt ein gottgefälliges Gebet und hat es die Kraft in sich, vom Vater gehört bzw. erhört zu werden?

Hinsichtlich der Verrichtung dieses Gebets alleine in der Kammer, muss man feststellen, dass in unserer heutigen Zeit insbesondere in weltlichen Kreisen - aber nicht nur dort - ein gewisses Unbehagen bei den Menschen zu erkennen ist, mit sich selbst allein zu sein. So hat mir vor einiger Zeit eine liebe ältere Dame gesagt, sie könnte nicht in so einer einsamen und ruhigen Lage leben, wo überhaupt kein Verkehr vorbeiführt und keine Menschen auf der Straße sind, weil sie da sogar ihr Blut in den Adern fließen hört. Aber auch bei jüngeren Zeitgenossen ist immer wieder zu bemerken, dass sie sofort Radio, Fernsehen oder CD-Player anstellen, wenn sie alleine im Raum sind. Es ist dies offensichtlich die Unfähigkeit oder Unwilligkeit mit seinen eigenen Gedanken allein zu sein. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass diese Menschen immer wieder die Gesellschaft anderer suchen. Je mehr, desto lieber. Dabei geht es tatsächlich nur um Quantität, um das eigene Gewissen zu übertönen. Nach Qualität, also was diese Menschen glauben, denken, sagen, wird dabei gar nicht erst gefragt.

Es gibt natürlich kein Verbot in der Schrift, in die Kirche zu gehen oder gemeinsam mit anderen Geschwistern zu beten. In machen Situationen ist ein gemeinsames Gebet sogar ausgesprochen hilfreich. Doch ebenso gibt es - außer eben dieser Aussage des Herrn oben, in Mt 6,6 - kein Schriftgebot, zum Beten an einen bestimmten Ort zu gehen oder nur mit einem bestimmten Personenkreis zu beten. Wir sollten uns daher fragen, warum uns der Herr hier auffordert allein in unserer Kammer zu beten. Und hier kann uns - wie so oft in der Schrift - der Kontext eine Hilfe sein. In den Versen davor spricht der Herr vom Almosengeben und weist auf einen ganz ähnlichen Zusammenhang wie beim Beten hin:

Wenn du aber Almosen gibst, soll es im Verborgenen sein, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.

Mt 6,1 Habt acht auf eure Gerechtigkeit, daß ihr sie nicht vor den Menschen übt, um von ihnen gesehen zu werden! Sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist. 6,2 Wenn du nun Almosen gibst, sollst du nicht vor dir her posaunen lassen, wie die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Menschen geehrt werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. 6,3 Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut; 6,4 damit dein Almosen im Verborgenen sei, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten. Mt 6, 1- 4;


Neben der Aussage, dass wir unsere Spenden - ebenso wie unsere Gebete (Mt 6,5) - nicht öffentlich kundtun, sondern im Verborgenen verrichten sollten, sagt uns der Herr auch hier, dass unser Vater im Verborgenen sieht. Es ist also das Almosengeben ebenso wie das Gebet etwas, das nur zwischen Gott und dem Gläubigen kommuniziert werden sollte. Und dies hat der Herr nicht nur uns geboten, sondern wie den nachfolgenden Schriftstellen zu entnehmen ist, hat er es auch selbst so gehandhabt.

Und als er die Volksmengen entlassen hatte, stieg er für sich allein auf den Berg, um zu beten.

Mt 14,23 Und als er die Volksmengen entlassen hatte, stieg er für sich allein auf den Berg, um zu beten. Als es aber Abend geworden, war er dort allein. Mt 14,23;

Und es geschah in diesen Tagen, daß er auf den Berg hinausging, um zu beten.

Lk 6,12 Und es geschah in diesen Tagen, daß er auf den Berg hinausging, um zu beten; und er verbrachte die Nacht im Gebet zu Gott. Lk 6,12;

Es geschah aber etwa acht Tage nach diesen Worten, daß er auf den Berg stieg, um zu beten.

Lk 9,28 Es geschah aber etwa acht Tage nach diesen Worten, daß er Petrus und Johannes und Jakobus mitnahm und auf den Berg stieg, um zu beten. Lk 9,28;

Und es geschah, als er an einem Ort war und betete.

Lk 11,1 Und es geschah, als er an einem Ort war und betete, da sprach, als er aufhörte, einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte! Lk 11, 1;


Jeder Gläubige mit jahrelanger Gebetserfahrung weiß auch, warum sich der Herr zum Beten abgesondert hat und warum er auch uns solches gebietet. Für ein Kind Gottes ist das Gebet kein Herunterratschen von „Ave Marias”, wie es z.B. die Katholiken zu tun pflegen, sondern es ist ein Gespräch mit Gott. Und zwar ein sehr vertrauliches Gespräch. Dabei geht es um ganz persönliche Dinge, aber auch um Familienangehörige, Geschwister im Herrn und auch immer wieder um Menschen, welche dem Glauben noch fern stehen. Dieses tägliche Gespräch mit Gott ist auch nicht zeitlich begrenzt. Es richtet sich - wie jedes andere Gespräch auch - neben den grundsätzlichen Bestandteilen, nach den jeweiligen Anliegen mit Bitten und Danken, wird aber i.d.R. nicht kürzer als eine halbe Stunde sein.

Jeder, der nun meint, er könnte so ein Gespräch in aller Öffentlichkeit führen, ist entweder zu Gott oder zu sich selbst nicht ehrlich. Wenn er das Gebot des Herrn ernst nimmt, dass wir den Vater in Geist und Wahrheit anbeten sollen, dann weiß er, dass dafür die Öffentlichkeit nicht der richtige Ort ist.

Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten.

Jh 4,23 Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. 4,24 Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten. Jh 4,23-24;


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Gebührt Lehrern und Predigern für die Mühe der Verkündigung kein Lohn? / Replik IB01, 2008-02-25)

Im Diskurs 93 schreiben Sie: "Unter Christen jedoch gilt für Leiter, Lehrer und Prediger der einfache Satz: Wenn sie ihre Erkenntnis vom Heiligen Geist haben, dann haben sie es kostenlos erhalten und sollten es auch kostenlos weitergeben;"

Da stimme ich Ihnen zu. Es wäre Unrecht, hierfür Lohn zu verlangen, denn es heißt:

Mt 10,8: Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.

Doch Jesus sprach zu seinen Jüngern, als er sie aussandte, das Evangelium zu verkündigen, ebenso:

Mt 10,10: Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Unterhalt.

Paulus bestätigt dies, wenn er schreibt:

1 Kor 9,14: So hat auch der Herr denen, die das Evangelium verkündigen, geboten, vom Evangelium zu leben.

Und:

Gal 6,6: Wer im Evangelium unterrichtet wird, lasse seinen Lehrer an allem teilhaben, was er besitzt. Und: 2 Thess 3,9: Nicht als hätten wir keinen Anspruch auf Unterhalt; wir wollten euch aber ein Beispiel geben, damit ihr uns nachahmen könnt.

So wie ich es verstehe, heißt das: Für das Evangelium selbst gebührt einem kein Lohn, denn es ist ein Geschenk Gottes; für die Mühe der Verkündigung aber schon. Aus bestimmten Gründen haben Paulus und andere aber auf ihren Lohn verzichtet. Ich denke, wenn jemand auf seinen Lohn verzichten kann, ist es gut, das auch zu tun; der Herr wird ihn ohnehin überreichlich belohnen. Aber für jemanden, der das nicht will oder nicht kann, ist es auch in Ordnung, etwas für seinen Dienst anzunehmen. Doch auch für den erarbeiteten Lohn sollte man Gott danken; denn die Kraft zu der Arbeit stammt ja auch von Gott, so wie David betet:

1 Chr 29,14: Doch wer bin ich und was ist mein Volk, dass wir die Kraft besaßen, diese Gaben zu spenden? Von dir kommt ja alles; und was wir dir gegeben haben, stammt aus deiner Hand.

(Ingmar Bauer, ingmarbauer@yahoo.de)

 


 

Sie haben oben Mt 10,8 und 10,10 zitiert, aber leider den in diesem Zusammenhang sehr wichtigen Vers 9 dazwischen ausgelassen. Sehen wir uns nun den gesamten Absatz an:

Verschafft euch nicht Gold noch Silber noch Kupfer in eure Gürtel.

Mt 10,8 Heilt Kranke, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebt! 10,9 Verschafft euch nicht Gold noch Silber noch Kupfer in eure Gürtel, 10,10 keine Tasche auf den Weg, noch zwei Unterkleider, noch Sandalen, noch einen Stab! Denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert. Mt 10, 8-10;


Wenn wir diese drei Verse lesen, stoßen wir auf einen scheinbaren Widerspruch: der Herr sendet diese Jünger aus um Kranke zu heilen, Tote aufzuerwecken, Aussätzige zu reinigen und Dämonen auszutreiben, doch sie sollen für ihre Tätigkeit nichts verlangen sondern umsonst geben. Sie dürfen sich aber auch kein Gold und Silber - also Geld - verschaffen. Obendrein sollen sie auch nicht vorsorgen und weder eine Tasche, noch zwei Unterkleider, noch Sandalen mitnehmen. Und dann sagt der Herr: „Denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert”. Nachdem es daher unmöglich scheint, dass diese Leute ohne jede Unterstützung existieren können, schließt man nun vielerorts, dass der Herr hier meint, dass jene Leute, bei welchen sie Kranke heilen, Aussätzige reinigen, Dämonen austreiben und sicherlich auch das Evangelium verkündigen, sich um sie kümmern und sie finanziell unterstützen müssten. Aber ist das wirklich so?

Beginnen wir einmal am Ende dieser drei Verse. Da sagt der Herr: „Denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert”. Das bestätigt die Auffassung, dass diesen Leuten ihre Arbeit vergolten werden soll. Die naheliegende Frage ist natürlich, wer diese Abgeltung vornehmen soll. Die konventionelle Antwort darauf ist: jene, denen von ihnen geholfen wurde. Das würde also die Jünger zu den Arbeitern dieser Kranken, Aussätzigen und Besessenen machen, weil sie von diesen Leuten ihren Lohn erhalten. Dies ist jedenfalls jene Sicht, welche dieses Paradoxon als weltliches Problem sieht und mit weltlichen Mitteln lösen will.

Doch wir dürfen nicht vergessen, dass es der Herr Jesus, der Sohn Gottes ist, der diesen Jüngern den Auftrag gegeben und sie in die Welt gesandt hat. Und damit ändert sich das Bild völlig. Sie sind nicht mehr die Arbeiter irgendwelcher Menschen, sondern Arbeiter Gottes. Sie müssen sich nicht Gold und Silber verschaffen, das macht Gott für sie. Sie benötigen auch nicht zwei Unterkleider, noch Sandalen, denn Gott weiß wessen sie bedürfen und wird für sie sorgen.

So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen?

Mt 6,31 So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen? Oder: Was sollen wir trinken? Oder: Was sollen wir anziehen? 6,32 Denn nach diesem allen trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr dies alles benötigt. 6,33 Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden. Mt 6,31-33;


Und das ist nun ein komplett anderes Verständnis des Textes weiter oben, in Mt 10,8-10. Um diese Leute muss sich niemand sorgen. Sie sind Arbeiter und Knechte Gottes und seine Hand ist auf ihnen und es wird ihnen zum Lebensunterhalt nichts fehlen. Gott sorgt dafür, dass sie dort, wo sie gerade sind, das bekommen, was sie gerade benötigen. Das war damals so und nachdem Gott der Gleiche ist, gestern, heute und morgen, ist das auch heute noch so.

Leider wird der Aufforderung des Herrn in Mt 10,8 „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebt” bei manchen Predigern und Lehrern zu wenig Beachtung geschenkt. Sie leiden unter dem „Gehasi-Syndrom”. In 2Kö 5,1-27 reist Naaman, der Feldherr und Kriegsheld des Königs von Aram, zum Propheten Elisa in Israel, damit dieser ihn von seinem Aussatz heilen sollte. Das geschah dann letztlich auch und Naaman wollte Elisa dafür reichlich belohnen. Doch Elisa lehnte ab. Als aber Naaman weggegangen war, lief ihm Gehasi, der Diener Elisas nach und log ihm vor, dass plötzlich Gäste zu Elisa gekommen wären und er nun doch das Geschenk benötigte. Als Gehasi dann diesen unverdienten und erschwindelten Lohn im Haus versteckt hatte, bemerkte er, dass der Aussatz, von dem der aramäische Feldherr von Elisa geheilt wurde, sich jetzt an seinem eigenen Körper ausbreitete.

Und hier erkennen wir die Parallele zu unserer heutigen Situation in der Verkündigung: wer vorgibt, seine Erkenntnis vom Heiligen Geist umsonst bekommen zu haben, dafür aber dennoch Lohn verlangt, handelt wie Gehasi. Auch dieser hätte schließlich behaupten können, dass dies der „Lohn für seine Mühen” wäre, weil er Naaman nachlaufen und den Schatz nach Hause tragen musste. Und ähnlich wie sich bei Gehasi der Aussatz auf der gesunden, reinen Haut immer mehr ausbreitete, bis schließlich der ganze Körper bedeckt war, stehen auch diese Verkünder in der großen Gefahr, dass sich der geistliche Aussatz in ihrem Geist ausbreitet und den Heiligen Geist in ihnen abdeckt. Die Folge davon ist, dass sie ohne den Heiligen Geist verkündigen. Sie können dann zwar für ihre Mühe Geld verlangen, aber es ist nicht mehr der Mühe Wert, sich mit ihren Ansichten auseinander zusetzen.

Um aber hier nicht der rein theoretischen Argumentation geziehen zu werden, möchte ich anhand von drei weit verbreiteten Beispielen aus der Verkündigungspraxis aufzeigen, wie gefährlich oft derartige „Alleingänge” sein können und wie dadurch völlig klare Aussagen der Schrift in einer Art und Weise uminterpretiert werden, welche einem daran zweifeln lassen, ob diese Leute die selbe Bibel gelesen haben.

Die Entrückung.

Sogleich aber nach der Trübsal jener Zeit wird Sonne und Mond finster und die Sterne fallen.

Mt 24,29 Sogleich aber nach der Trübsal jener Zeit wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. 24,30 Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und dann werden wehklagen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. 24,31 Und er wird seine Engel senden mit hellen Posaunen, und sie werden seine Auserwählten sammeln von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern. Mt 24,29-31;


Eine der hartnäckigsten Fehlinterpretationen, welche sich seit weit mehr als 100 Jahren weltweit hält, ist die Auffassung einer Vorentrückung (Prätribulation), also der Wiederkunft des Herrn zur Entrückung der Endzeitgemeinde vor der Großen Trübsal. Und auch wenn der Herr selbst in seiner Endzeitrede, hier oben in Mt 24,29 sagt:

„Sogleich aber nach der Trübsal jener Zeit (...) werden sie sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels (..) und seine Engel werden seine Auserwählten versammeln


und damit ganz eindeutig darauf hinweist, dass diese Gläubigen die Große Trübsal durchleben müssen bevor der Herr zu ihrer Erlösung kommt, ist die Versuchung für viele Ausleger offenbar zu groß, hier die Gemeinde bereits jetzt auf dem Papier zu „bewahren”, wie das z.B. Heinz Weber und René Pache versuchen:

o  „Das nächste größte Ereignis der Weltgeschichte für die Gläubigen ist die Entrückung (vor der Großen Trübsal / Anm. FH). Es gibt nach der Bibel kein Ereignis das geschehen müsste, bevor die Entrückung stattfindet. (...) Es gibt kein Ereignis nach der Bibel, das wir fordern müssen, dass es eintritt, bevor Jesus wiederkommen kann für seine Gemeinde.”
Heinz Weber (Vortrag in der St. Matthäusgemeinde in Bremen, über „Die Wiederkunft des Herrn”)

o  „‘Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf und erhebt eure Häupter, darum, daß sich eure Erlösung naht.’ Luk. 21,28. Wie könnten wir in Erwartung der Trübsal anfangen, aufzuschauen und uns zu freuen? Gerade vor ihr sollen wir bewahrt werden.”
René Pache („Die Wiederkunft Christi - Le retour du Jésu-Christ”, S 93).


Die hier von Pache referierte Stelle in Lk 21,28 ist die Parallelstelle zu unserem Text oben, in Mt 24,29-31. Hier der gesamte Kontext:

Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in einer Wolke mit Macht und großer Herrlichkeit.

Lk 21,25 Und es werden Zeichen sein an Sonne und Mond und Sternen und auf der Erde Angst der Nationen in Ratlosigkeit bei brausendem und wogendem Meer, 21,26 während die Menschen verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen, denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. 21,27 Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in einer Wolke mit Macht und großer Herrlichkeit. 21,28 Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht. Lk 21,25-28;


Es ist also genau die selbe Situation: Nach der Großen Trübsal wird der Herr auf den Wolken zur Entrückung der Seinen kommen, welche ihn in Drangsal sehnsüchtig erwarten. Und diese Endzeitgemeinde soll ihre Häupter empor heben, weil ihre Erlösung naht.

Die Große Bedrängnis wird um der Auserwählten willen verkürzt werden.

Mt 24,21 Denn dann wird große Bedrängnis sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird. 24,22 Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden. Mt 24,21-22;


Bei Pache wird jedoch nicht nur der Text aus dem Zusammenhang gerissen, sondern auch entgegen jeder Vernunft gedeutet. Wenn es heißt, dass sie „aufsehen und die Häupter erheben sollen, weil ihre Erlösung naht”, so heißt das doch, dass sie vorher vor Angst niedergedrückt waren, ihre Häupter gesenkt hielten und das Ende ihrer Bedrängnis herbeiflehten. Wie kann hier jemand meinen, dass diese ermutigenden Worte des Herrn nicht zur Gemeinde in der Trübsal, sondern zu einer Gemeinde gesprochen werden, die vor der Trübsal in Wohlstand und Sicherheit lebt, keiner Drangsal ausgesetzt ist und als Draufgabe jetzt nur noch freudig auf ihre Entrückung vor dieser Großen Trübsal warten würde?

Noch dazu, wo wir eine große Anzahl von Bibelstellen haben, welche uns die Entrückung nach der Trübsal ebenfalls bestätigen:

Diese sind's, die gekommen sind aus der großen Trübsal.

Off 7,9 Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen, 7,10 und riefen mit großer Stimme: Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott, und dem Lamm! 7,11 Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und um die vier Gestalten und fielen nieder vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an 7,12 und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

7,13 Und einer der Ältesten fing an und sprach zu mir: Wer sind diese, die mit den weißen Kleidern angetan sind, und woher sind sie gekommen? 7,14 Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind's, die gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes. 7,15 Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen. 7,16 Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze; 7,17 denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen. Off 7, 9-17;


Diese große Schar ist nun zweifelsfrei die Gemeinde Christi aus allen Nationen. Wenn sie in weißen Kleidern vor dem Thron stehen, sind sie im Himmel. Und von ihnen sagt der Älteste: „Diese sind's, die gekommen sind aus der großen Trübsal”. Sie müssen also in der Großen Trübsal gewesen sein und dort entweder gestorben sein oder überlebt haben und nach der Trübsal vom Herrn entrückt worden sein.

Und dann gibt uns auch noch Paulus den unwiderlegbaren Beweis, dass der Tag der Wiederkunft (Ankunft) des Herrn zur Entrückung (Zusammenführung) der Seinen, erst nach der Großen Trübsal mit dem Antichrist (Abfall, Mensch der Gesetzlosigkeit) kommen wird.

Die Entrückung kommt nicht, es sei denn, daß zuerst der Abfall und der Mensch der Gesetzlosigkeit gekommen ist.

2The 2,1 Wir bitten euch aber, Brüder, wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Zusammenführung mit ihm, 2,2 daß ihr euch nicht schnell in eurem Sinn erschüttern, auch nicht erschrecken laßt, weder durch Geist noch durch Wort, noch durch Brief, als seien sie von uns, als ob der Tag des Herrn da wäre. 2,3 Daß niemand euch auf irgendeine Weise verführe! Denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, daß zuerst der Abfall gekommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit geoffenbart worden ist, der Sohn des Verderbens; 2The 2, 1- 3;


Wenn aber Heinz Weber seinen Zuhörern über die Entrückung predigt: „Es gibt nach der Bibel kein Ereignis das geschehen müsste, bevor die Entrückung stattfindet” und René Pache die Geschwister in Bezug auf die Große Trübsal lehrt: „Gerade vor ihr sollen wir bewahrt werden”, ist die Folge davon, dass sich die Geschwister darauf einstellen, die Entrückung würde quasi vor der Tür stehen und sie hätten davor weder Trübsal noch Anfechtungen zu erwarten.

Und ähnlich wie oben bei den Thessalonichern zur Zeit des Paulus, besteht auch hier die Gefahr, dass manche Geschwister, in Erwartung der baldigen Entrückung, alle irdischen Bande lösen und nur mehr auf den Herrn warten würden. Aber auch alleine die falsche Meinung, sie wären vor Trübsal und Anfechtungen sicher, bringt diese Geschwister in die immense Gefahr beim Auftreten des Antichristen, welcher sich als der „wahre” Christus ausgeben und unseren Herrn Jesus Christus als Betrüger hinstellen wird, diesen als den wiedergekommenen Herrn zu bejubeln.

(Siehe auch den Diskurs 65: „Weshalb die Entrückung nach der Großen Trübsal anzusetzen ist.”)



Die Erste Auferstehung.

Diese Seelen der Märtyrer wurden lebendig. Dies ist die Erste Auferstehung.

Off 20,4 Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und ihnen wurde das Gericht übergeben. Und ich sah die Seelen derer, die enthauptet waren um des Zeugnisses von Jesus und um des Wortes Gottes willen, und die nicht angebetet hatten das Tier und sein Bild und die sein Zeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und auf ihre Hand; diese wurden lebendig und regierten mit Christus tausend Jahre. 20,5 Die andern Toten aber wurden nicht wieder lebendig, bis die tausend Jahre vollendet wurden. Dies ist die erste Auferstehung. 20,6 Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung. Über diese hat der zweite Tod keine Macht; sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre. Off 20, 4- 6;


Obwohl es sich mittlerweile in Kreisen der Bibelexegese herumgesprochen hat, dass diese „Erste Auferstehung” nichts mit der Auferweckung der Toten in Christus und der Entrückung (1The 4,13-18) zu tun hat, gibt es immer noch Vortragende und Buchautoren, welche diese alte, falsche - aber wie man hier unten sieht, für die Geschwister doch sehr verlockende - Sicht dieses Textes in den Gemeinden weiter verbreiten (und dort leider auch unwidersprochen bleiben).

o  „Wenn man Offenbarung 20,4-6 für bare Münze nimmt, dann hat es den Anschein, als ob die Auferstehung der Gerechten bei der Wiederkunft des Herrn stattfinden werde und diese wiederum tausend Jahre vor der allgemeinen Auferstehung und dem letzten Gericht. (...) Wo passt nun Matthäus 25 hinein? Vor oder nach diesen ‘tausend Jahren’, denn diese Passage beschreibt ja ganz klar das letzte Gericht, findet jedoch zu dem Zeitpunkt statt, ‘… wenn der Sohn des Menschen kommen wird’? Die ‘Schafe’ gehören zur ‘ersten’ Auferstehung und die ‘Böcke’ zur ‘zweiten’ und doch empfangen hier beide gemeinsam ihr Urteil.”
David Pawson (Buch „Der Weg zur Hölle”, S 149)

o  „Wir sehen, daß zu Beginn des Tausendjährigen Reiches nur die Märtyrer auferweckt werden, die sich in der großen Trübsal geweigert haben, den Antichrist anzubeten. Offb. 20,4-6. Und doch haben die Gläubigen aller Zeiten Teil an der ersten Auferstehung, zum Leben und Herrschen mit Christus. Joh. 5,28-29. Wann sind diese Gläubigen auferstanden, wenn nicht bei der Entrückung der Gemeinde vor der großen Trübsal?”
René Pache (Buch: „Die Wiederkunft Christi - Le retour du Jésu-Christ”, S 94).

o  „Die Gemeindezeit wird abgeschlossen durch die Entrückung. Auf Erden findet die Große Trübsal statt und der Herr ist mit den Seinen zum Preisgericht und zur Hochzeit das Lammes im Himmel, um dann mit ihnen wiederzukommen zum Tausendjährigen Reich, denn wir werden ja als seine Gemeinde auf Erden regieren – mitregieren, tausend Jahre mit ihm.”
Heinz Weber (Vortrag in der St. Matthäusgemeinde in Bremen, über „Die Wiederkunft des Herrn”)


David Pawson muss man Recht geben, wenn er sagt, dass „die Auferstehung (eigentlich Auferweckung Anm./FH) der Gerechten bei der Wiederkunft des Herrn stattfindet” und zwar „tausend Jahre vor der allgemeinen Auferstehung und dem letzten Gericht”. Wenn er jedoch meint, die Erste Auferstehung in Off 20,4-6 sei diese Auferstehung der Gerechten (der Gemeinde Anm./FH), so ignoriert er - ebenso wie die Ausleger in den anschließenden zwei Zitaten -, dass in Off 20,4 von „Enthaupteten”, also um ihres Glaubens Willen Getöteten und damit ausschließlich von Märtyrern die Rede ist. Dadurch ergibt sich dann auch sein Problem mit der Einordnung der „Schafe” und „Böcke” aus Mt 25,32. Nachdem er die Auferstehung aller Gerechten („Schafe”) bereits vor den tausend Jahren postuliert, bleiben ihm für das Endgericht keine Gerechten mehr. Dass aber im Millennium dann auch noch Gerechte („Schafe”) sterben werden, welche dann eben gemeinsam mit den „Böcken” beim letzten Gericht ihr Urteil erhalten, hat er offensichtlich nicht bedacht.

(Siehe auch den Diskurs 88: „David Pawson und die Interpretation der endzeitlichen Abläufe.”)

Die Behauptung dann von René Pache, es würden bei diesem Ereignis „nur die Märtyrer auferweckt werden, die sich (...) geweigert haben, den Antichrist anzubeten” ist eindeutig falsch, weil im Text ausdrücklich auch von jenen gesprochen wird, „die enthauptet waren um des Zeugnisses von Jesus und um des Wortes Gottes willen”. Doch diese Verkürzung um die große Schar von Märtyrern aus dem Alten und dem Neuen Testament ersetzt René Pache taxfrei durch „die Gläubigen aller Zeiten”, also auch alle jene, welche nicht enthauptet wurden. Dass dann auch die Referenz von Jh 5,28-29 nicht die Erste, sondern die Allgemeine Auferstehung am Ende der Welt betrifft, wo nicht die Märtyrer, sondern alle Menschen zum Gericht auferstehen werden, wundert dann eigentlich gar nicht mehr.

(Siehe auch den Diskurs 862: „18 Argumente für eine Entrückung vor der Großen Trübsal - und ihre Widerlegung.”)

Und dabei befindet sich René Pache hier in guter Gesellschaft von Heinz Weber im dritten Zitat, welcher auch die Erste Auferstehung mit der Wiederkunft des Herrn und der Entrückung verwechselt und den Zuhörern seines Vortrages freudig verheißt: „denn wir werden ja als seine Gemeinde auf Erden regieren – mitregieren, tausend Jahre mit ihm”. Dass wir alle – dem Herrn sei Dank – nicht wegen unseres Glaubens enthauptet sind und deshalb dem Kriterium dieser Ersten Auferstehung nicht entsprechen können, ist ja in diesem Zusammenhang anscheinend nicht so wichtig.

(Siehe auch den Diskurs 71: „Ist das nächste größte Ereignis der Weltgeschichte für die Gläubigen die Entrückung?

(Siehe auch den Diskurs 07: „Entrückung und Erste Auferstehung: ein einziges Ereignis?”)



Die 144.000 Versiegelten.

144.000 aus allen Stämmen Israels versiegelt mit dem Siegel des lebendigen Gottes.

Off 7,4 Und ich hörte die Zahl derer, die versiegelt wurden: hundertvierundvierzigtausend, die versiegelt waren aus allen Stämmen Israels:

7,5 aus dem Stamm Juda zwölftausend versiegelt, aus dem Stamm Ruben zwölftausend, aus dem Stamm Gad zwölftausend, 7,6 aus dem Stamm Asser zwölftausend, aus dem Stamm Naftali zwölftausend, aus dem Stamm Manasse zwölftausend, 7,7 aus dem Stamm Simeon zwölftausend, aus dem Stamm Levi zwölftausend, aus dem Stamm Issachar zwölftausend, 7,8 aus dem Stamm Sebulon zwölftausend, aus dem Stamm Josef zwölftausend, aus dem Stamm Benjamin zwölftausend versiegelt. Off 7, 4- 8;


Ungeachtet der Tatsache, dass Johannes hier ganz ausdrücklich und in allen Einzelheiten von Israel und seinen 12 Stämmen - und nur von diesen - spricht, lassen sich manche Ausleger dieses umsatzfördernde „Zuckerl” für ihre Zuhörer und Leser nicht entgehen und deuten diese Aussagen auf die christliche Gemeinde. Dass dabei oft Israel überhaupt jedwede Heilserwartung abgesprochen wird, ist nur ein Nebeneffekt, wie man der nachfolgenden kleinen Auswahl von Deutungen dieses Bibeltextes von bekannten Exegeten entnehmen kann:

o  „Die ganze Gemeinde, soweit sie nur wirklich Gemeinde ist, wird versiegelt.”
Adolf Pohl (Buch: „Die Offenbarung des Johannes 1. Teil”, S 217)

o  „Zu den Grundvorstellungen des Neuen Testaments gehört der Gedanke, dass die Gemeinde das wahre Israel ist und das Volk Israel als Nation alle seine Vorrechte an die Gemeinde verloren hat.”
William Barclay (Buch: „Offenbarung des Johannes 2”, S 32)

o  „So sind die hundertvierundvierzigtausend die Schar derer, die von Jesus aus Israel und allen Nationen erkauft wurden.”
Fritz Grünzweig (Buch: „Bibelkommentar Band 24 - Johannes-Offenbarung 1. Teil”, S 207)

o  „Es geht hier um die Auserwählten der Endzeit, und ihre Zahl ist symbolisch zu verstehen. Gott hat sie festgelegt. Seiner Gnade allein ist die Berufung zu verdanken; nicht die blutmäßige Angehörigkeit zu einem der Stämme Israels gibt den Ausschlag.”
Peter Ketter (Buch: „Die Heilige Schrift für das Leben erklärt - Die Apokalypse”, S 118)


Neben dieser Umdichtung der 144.000 auf die christliche Gemeinde haben diese Ausleger gemeinsam, dass sie Vorträge halten und Bücher schreiben und diese natürlich auch verkauft werden müssen. Und dass es sich dabei durchaus um ein Thema handelt, welches den Leuten „in den Ohren kitzelt” (2Tim 4,3) und weitergetragen wird, merkt man dann in den Diskussionen. So hat mir unlängst ein lieber Bruder im Herrn zu dieser Frage geschrieben:

„Warum soll es unmöglich sein, dass die (christlichen/Anm. FH) Gläubigen, die ja nach Eph 4,30 auf den Tag der Erlösung versiegelt sind, für die unsichtbare Welt dieses Siegel auf der Stirn haben? Es ist auch möglich, das die Stirn ein Synonym für unseren Denksinn ist, und dort sollten wir, wenn wir dem Herrn Jesus gehören, dem Heiligen Geist die Führung überlassen, mit dem wir ja nach Eph 1,13 versiegelt worden sind.” 

Die Antwort ist ganz einfach, weil hier ausdrücklich von Israel und namentlich seinen 12 Stämmen die Rede ist und nicht von der Gemeinde. Nach dieser Methode des Bruders könnte ja dieses Siegel auch das Zeichen des Tieres sein, welches die Menschen nach Off 13,16 an ihren Stirnen tragen, die Zahl 144.000 steht dann für die Gesamtheit aller Tieranbeter und ihr Gott ist nach 2The 2,4 der Satan, der sich in den Tempel setzt und vorgibt Gott zu sein. - Wie man sieht, könnte man mit derartigen falschen Symbolisierungen Gott als den Teufel und den Teufel als Gott darstellen und sich dabei auch noch auf die Bibel berufen

(Siehe auch den Diskurs 06: „Die 144.000 Versiegelten: Israeliten oder die Gemeinde der Endzeit?”)


Soweit diese drei Beispiele aus der Praxis.


Ihren weiteren Bibelzitaten kann ich nun durchaus zustimmen:

1Kor 9,14: So hat auch der Herr denen, die das Evangelium verkündigen, geboten, vom Evangelium zu leben. 1Kor 9,14;

Völlig richtig! Doch wie der Herr oben in Mt 10,9 und 6,32 sagt, nicht indem sie sich selbst Gold und Silber (also Geld) in ihre Geldgürtel verschaffen, denn nach diesem allen trachten die Nationen. Sondern indem sie auf ihren himmlischen Vater vertrauen, der weiß, dass sie dies alles benötigen.

Gal 6,6: Wer im Evangelium unterrichtet wird, lasse seinen Lehrer an allem teilhaben, was er besitzt. Gal 6, 6;

Hier spricht Paulus zu den Empfängern und nicht zu den Verkündigern des Evangeliums! Wer tatsächlich Besitz hat und sich von Gott ermuntert weiß, sollte das gewisslich tun. Nur bei Kursen und Seminaren fragen die Verkündiger nicht danach, sondern verkaufen ihre Eintrittskarten, Skripts und Bücher um teures Geld.

Und schließlich in Ihrem letzten Zitat zu diesem Thema, wo Paulus darauf hinweist, dass er den Thessalonischern ein Beispiel geben wollte, damit sie ihn nachahmen könnten:

2The 3,9: Nicht als hätten wir keinen Anspruch auf Unterhalt; wir wollten euch aber ein Beispiel geben, damit ihr uns nachahmen könnt. 2The 3, 9;


In diesem Vers geht es ja genau um diese Frage, wie er in den beiden Versen davor unmissverständlich feststellt:

2The 3,7 Denn ihr selbst wißt, wie man uns nachahmen soll; denn wir haben unter euch nicht unordentlich gelebt, 3,8 noch haben wir von jemand Brot umsonst gegessen, sondern wir haben mit Mühe und Beschwerde Nacht und Tag gearbeitet, um keinem von euch beschwerlich zu fallen. 2The 3, 7- 8;


Gerade hier weist uns ja Paulus an, ihn nachzuahmen und für unsere Verkündigung von niemandem Geld zu nehmen, sondern wie er (er war Zeltmacher, Apg 18,3), mit Mühe und Beschwerde Tag und Nacht in unserem weltlichen Beruf  zu arbeiten, um niemandem zur Last zu fallen.