Diskurs 95 - Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben!




Spricht die Schrift von einer Entrückung erst am Ende der Welt? / Replik Erika Tinhofer 00, 2008-07-19

Werden die Apostel in der Ersten Auferstehung lebendig?

Die Auserwählten.

Die unendliche Liebe Gottes.

Wird jeder auferweckt, der „zur Erkenntnis des Sohnes” kommt? / Giuseppe De Candia 00, 2010-01-27


(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Spricht die Schrift von einer Entrückung erst am Ende der Welt? / Replik Erika Tinhofer 00, 2008-07-19)

Sie schreiben von der Auferweckung und Entrückung der Gemeinde bei der Wiederkunft des Herrn vor dem Millennium. In Jh 6,40 habe ich aber jetzt gelesen, dass Christus sagt, er würde alle, die an ihn glauben, erst am letzten Tag auferwecken. Und wenn ich das richtig sehe, bezieht sich das auf das Ende der Welt, die Allgemeine Auferstehung und das Letzte Gericht. Müssen wir daher die Prophezeiung des Paulus in 1. Kor 15,51-53 und 1. The 4,15-17 auf das Kommen des Herrn zum Gericht am Ende der Welt (Mt 19,28) interpretieren?

E. Tinhofer, Wien



Frau Erika Tinhofer aus Wien ist eine langjährige Leserin bei Immanuel.at und ich bin gerade für diesen Hinweis sehr dankbar, weil er eventuell einen ganz neuen Aspekt dieses Themas aufzeigen könnte. Doch sehen wir uns zuerst einmal den zitierten Text aus Jh 6,37-43 an:

Jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.

Jh 6,37 Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen; 6,38 denn ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht daß ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. 6,39 Dies aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, daß ich von allem, was er mir gegeben hat, nichts verliere, sondern es auferwecke am letzten Tag. 6,40 Denn dies ist der Wille meines Vaters, daß jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. 6,41 Da murrten die Juden über ihn, weil er sagte: Ich bin das Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist; 6,42 und sie sprachen: Ist dieser nicht Jesus, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie sagt denn dieser: Ich bin aus dem Himmel herabgekommen? 6,43 Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Murrt nicht untereinander! Jh 6,37-43;


Der Herr prophezeit hier, dass er jeden, der an ihn glaubt, am letzten Tag - also am Ende der Welt - auferwecken wird (siehe auch Jh 6,44.54; 11,24; 12,48). Offensichtlich hat er das auch allen seinen Jüngern gelehrt, denn wenn wir uns die Aussage der Marta aus Bethanien ansehen, als sie mit dem Herrn über den Tod ihres Bruders sprach, erkennen wir die selbe Lehre:

Marta spricht zu ihm: Ich weiß, daß er auferstehen wird in der Auferstehung am letzten Tag.

Jh 11,20 Marta nun, als sie hörte, daß Jesus komme, ging ihm entgegen. Maria aber saß im Haus. 11,21 Da sprach Marta zu Jesus: Herr, wenn du hier gewesen wärest, so wäre mein Bruder nicht gestorben; 11,22 und jetzt weiß ich, daß, was du von Gott bitten magst, Gott dir geben wird. 11,23 Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. 11,24 Marta spricht zu ihm: Ich weiß, daß er auferstehen wird in der Auferstehung am letzten Tag. 11,25 Jesus sprach zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; 11,26 und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit. Glaubst du das? Jh 11,20-26;


Doch damit haben wir tatsächlich Aussagen des Herrn, welche der Entrückungslehre anscheinend widersprechen. Denn Paulus schreibt in seinem ersten Brief an die Thessalonischer:

Denn der Herr selbst wird herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen.

1The 4,15 Denn dies sagen wir euch in einem Wort des Herrn, daß wir, die Lebenden, die übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden. 4,16 Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; 4,17 danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein. 1The 4,15-17;


In den daran anschließenden Versen, in 1The 5,1-5, weist Paulus dann die Thessalonicher darauf hin, dass es nicht nötig sei, den Brüdern über Zeiten und Zeitpunkte zu schreiben, denn sie wissen, dass der Tag des Herrn - und damit die Entrückung - wie ein Dieb in der Nacht kommt. Und nach all dem, was wir aus der Schrift über diesen Tag des Herrn wissen, ist er ganz gewiss nicht am Ende der Welt anzusetzen, sondern ereignet sich noch vor dem Tausendjährigen Reich und damit mehr als tausend Jahre früher.

(Siehe auch Kapitel 05: „Der Tag des Herrn.”)


Wenn aber der Herr in Jh 6,40 sagt, dass alle, die an ihn glauben, am „letzten Tag” und damit ganz eindeutig am Ende der Welt auferweckt werden, kommt hier nur die Allgemeine Auferstehung in Frage und wir können daher zeitlich gesehen ausschließen, dass es sich dabei um die Entrückung handelt, welche Paulus in 1Kor 15,50-52; 1The 4,15-17 und der Herr in Mt 24,30-31 prophezeit. Wie aber der Text in Jh 6,40 auch sagt, ist hier von Gläubigen an Christus die Rede und diese müssten nun doch nach 1The 4,16 (die Toten in Christus) bei der Entrückung und nicht am letzten Tag bei der Allgemeinen Auferstehung auferweckt werden.

Wie das aber bekanntermaßen beim Schriftstudium öfter passiert, liest man einen Text viele Male und übersieht dabei doch immer wieder eine bestimmte Aussage oder Bedeutung. Hier in Jh 6,40 ist es das Wörtchen „sieht”, welches, wenn man es in seiner eigentlichen Bedeutung von „sehen” überliest und symbolisch - etwa als „erkennen” - interpretiert, zu derartigen Missverständnissen führen kann. Wir nehmen daher diese Aussage einmal ganz wörtlich und gehen davon aus, dass der Herr hier tatsächlich alle jene Menschen angesprochen hat, welche ihn physisch, mit ihren Augen, gesehen haben und gerade ihnen die Auferweckung am letzten Tag verheißen hat.

Man könnte nun einwenden, dass man auf diese Weise an einem einzigen kleinen Wort praktisch eine Teilung der Christen in zwei Gruppen vornimmt: einmal in jene Gläubigen, welche den Herrn persönlich zu Lebzeiten gesehen haben (bzw. jene die ihn auch später im Millennium wieder sehen werden) und die daher - wie der Herr sagt - erst am letzten Tag, bei der Allgemeinen Auferstehung, auferweckt werden. Und dann die zweite Gruppe, welche den Herrn nie gesehen und dennoch geglaubt haben und welche dann nach der paulinischen Lehre (1The 4,16), aber auch nach der Prophezeiung des Herrn in seiner Endzeitrede (Mt 24,31), bei der Wiederkunft des Herrn zur Entrückung auferweckt werden.

Allerdings weiß der Bibelkenner, dass es gerade derart kleine Worte sind, in welche der Herr die allergrößten Bedeutungen gelegt hat. Nehmen wir zwei Beispiele: In Jh 8,51-59 haben die Juden den Herrn beschuldigt, einen Dämon zu haben, weil er sagte „Wenn jemand mein Wort bewahren wird, so wird er den Tod nicht schmecken in Ewigkeit”. Und sie argumentierten: „Bist du etwa größer als unser Vater Abraham, der gestorben ist? Und die Propheten sind gestorben. Was machst du aus dir selbst?”. Als ihnen dann der Herr antwortete: „Abraham, euer Vater, jubelte, daß er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich”, lachten sie ihn aus und meinten: „Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen?” Und hier sagt ihnen der Herr die berühmten Worte: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich”. In diesem kleinen Wörtchen „bin” ist nun die ganze Christologie enthalten. Von der Göttlichkeit Jesu Christi über die Präexistenz des Sohnes beim Vater bis zu seiner Postexistenz zur Rechten Gottes.

Auch das zweite Beispiel gründet sich auf das selbe Wort „bin”. In Mt 22,23-33 wollten die Sadduzäer, welche bestritten, dass es eine Auferstehung gibt, den Herrn eine Fangfrage stellen, um nachzuweisen, wenn es denn eine Auferstehung geben würde, es dort chaotisch zuginge, weil sich dann sieben Männer um eine Frau streiten würden. Der Herr hat ihnen jedoch gezeigt, dass sie im Irrtum waren und die Schrift nicht kannten, denn die auferstandenen Menschen werden nicht Mann und Frau, sondern ungeschlechtlich sein. Und um ihnen dann auch ihre eigentliche, nicht artikulierte Frage zu beantworten, nämlich ob es eine Auferstehung gibt, zitierte der Herr 2Mo 3,6, wo Gott zu Mose sagt:

Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.

Mt 22,31 Was aber die Auferstehung der Toten betrifft: Habt ihr nicht gelesen, was zu euch geredet ist von Gott, der da spricht: 22,32 «Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs»? Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden. 22,33 Und als die Volksmengen es hörten, erstaunten sie über seine Lehre. Mt 22,31-33;


Und auch hier beweist der Herr mit dem Wörtchen „bin”, dass es eine Auferstehung gibt und Abraham, Isaak und Jakob tatsächlich leben, denn sonst hätte Gott „Ich war…” sagen müssen. Wir müssen daher die Schrift immer sehr genau lesen und uns bemühen, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen oder etwa Symbolisierungen vorzunehmen, wo es nichts zu symbolisieren gibt.

Um nun aber der Frage nachzugehen, warum denn ausgerechnet jene Menschen, welche den Herrn leiblich gesehen und an ihn geglaubt haben, nicht bei der Entrückung, sondern erst am Ende der Welt auferweckt werden sollten, wollen wir noch eine weitere Schriftaussage prüfen. Es ist dies die bekannte Geschichte vom „ungläubigen Thomas” in Jh 20,19-29, wo der Herr nach seiner Auferweckung und Himmelfahrt, noch am Abend dieses Tages, nach seiner Auferstehung, zu den Jüngern herabkommt und bei verschlossenen Türen in dem Raum tritt. Nach anfänglicher Überraschung freuten sich die Jünger, als ihnen der Herr die Wundmale in seiner Seite und an seinen Handgelenken gezeigt hatte und sie ihn erkannt hatten.

Allerdings war bei diesem Ereignis einer der Jünger, Thomas, der auch Zwilling genannt wurde, nicht anwesend. Als ihm die anderen Jünger später davon erzählten, dass sie den Herrn gesehen hätten, war Thomas voller Zweifel und sagten ihnen: „Wenn ich nicht in seinen Händen das Mal der Nägel sehe und meine Finger in das Mal der Nägel lege und lege meine Hand in seine Seite, so werde ich nicht glauben.” - Nach acht Tagen kam aber der Herr dann noch einmal und diesmal war Thomas dabei.

Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt. Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben!

Jh 20,26 Und nach acht Tagen waren seine Jünger wieder drinnen und Thomas bei ihnen. Da kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und trat in die Mitte und sprach: Friede euch! 20,27 Dann spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! 20,28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! 20,29 Jesus spricht zu ihm: Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt. Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben! Jh 20,26-29;


Aus der Aussage des Herrn in Jh 20,29: „Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt. Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben!” lässt sich nun ableiten, dass jene Menschen, welche - ähnlich wie Thomas - gesehen und erst dann geglaubt haben, errettet sind. Alle jene jedoch, welche nicht gesehen und doch geglaubt haben, sind nicht nur errettet, sondern sie sind auch „glückselig”. Und damit haben wir praktisch zwei Gruppen von Gläubigen. Das bestätigen auch Petrus und Paulus. Der Eine, Petrus, der den Herrn gesehen und geglaubt hat und daher zur ersten Gruppe zu zählen ist, während der Andere, Paulus, den Herrn nicht gesehen und dennoch geglaubt hat.

Jesus Christus, den ihr liebt, obgleich ihr ihn nicht gesehen habt; an den ihr glaubt, obwohl ihr ihn jetzt nicht seht.

1Ptr 1,3 Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der nach seiner großen Barmherzigkeit uns wiedergezeugt hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten 1,4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbteil, das in den Himmeln aufbewahrt ist für euch, 1,5 die ihr in der Kraft Gottes durch Glauben bewahrt werdet zur Rettung, die bereit steht, in der letzten Zeit geoffenbart zu werden.

1,6 Darin jubelt ihr, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es nötig ist, in mancherlei Versuchungen betrübt worden seid, 1,7 damit die Bewährung eures Glauben viel kostbarer befunden wird als die des vergänglichen Goldes, das durch Feuer erprobt wird, zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi; 1,8 den ihr liebt, obgleich ihr ihn nicht gesehen habt; an den ihr glaubt, obwohl ihr ihn jetzt nicht seht, über den ihr mit unaussprechlicher und verherrlichter Freude jubelt; 1,9 und so erlangt ihr das Ziel eures Glaubens: die Rettung der Seelen. 1Ptr 1, 3- 9;


Hier schreibt Petrus den „Fremdlingen von der Zerstreuung”, welche im Gegensatz zu ihm den Herrn nie gesehen hatten, den sie aber dennoch liebten, obgleich sie ihn nicht gesehen hatten und an den sie glaubten, obwohl sie ihn nicht sahen. Und auch Paulus, der den Herrn gleichfalls nie gesehen sondern nur bei seiner Bekehrung auf der Straße nach Damaskus seine Stimme gehört hat, schreibt den Korinthern in seinem zweiten Brief:

Denn wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen.

2Kor 5,5 Der uns aber eben hierzu bereitet hat, ist Gott, der uns das Unterpfand des Geistes gegeben hat. 5,6 So sind wir nun allezeit guten Mutes und wissen, daß wir, während einheimisch im Leib, wir vom Herrn ausheimisch sind 5,7 - denn wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen. 2Kor 5, 5- 7;


Bis zum Tod des Herrn sind die Jünger durch Schauen gewandelt. Nach seinem Tod am Kreuz und bis heute wandeln wir durch Glauben und nicht durch Schauen. Dass dies ein wesentlicher Unterschied ist, belegen nicht nur die Schriftstellen hier oben und die explizite Verheißung des Herrn: „Glückselig, die nicht gesehen und doch geglaubt haben”, sondern auch das Glaubensleben jedes rechtgläubigen Christen: wir wünschten uns oft, dem Herrn von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen. Aber nachdem wir einen gerechten Gott haben, wird uns auch diese Erschwernis am Ende vergolten. Wir leben seit fast zweitausend Jahren in einer Zeit des Glaubens und gerade weil wir nicht schauen können, sind wir glückseliger und wird uns dieser Glaube von Gott höher angerechnet, als jenen damals das Schauen.

Aber diese Zeit des Glaubens geht natürlich dann zu Ende, wenn der Herr zur Entrückung wiederkommt und ihn  „jedes Auge sehen wird, auch die, welche ihn durchstochen haben, und wehklagen werden seinetwegen alle Stämme der Erde” (Off 1,7). Dann gibt es nichts mehr zu glauben, denn dann geht es wieder um das Schauen. Und auch jene Menschen, welche als Gerechte (es gibt ja dann keine „Gläubigen” mehr) ab diesem Zeitpunkt und während des ganzen Millenniums bis zum Ende der Welt sterben werden, werden natürlich auch erst bei der Allgemeinen Auferstehung auferweckt.

Wenn also der Herr in Jh 6,40 sagt:

„Denn dies ist der Wille meines Vaters, daß jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.”


so bezieht sich das sowohl auf alle, welche ihn in seinem irdischen Leben gesehen haben und nachgefolgt sind, als auch auf jene Gerechten, welche ihn zukünftig in den tausend Jahren seiner Herrschaft auf Erden sehen und anhangen werden.

(Siehe auch Kapitel 10: „Das Millennium.”)


Und hier sind wir nun bei einer diffizilen Problemstellung: Diese obige Prämisse schließt ja zwangsläufig nicht nur den Apostel Thomas, sondern auch die anderen Apostel des Herrn ein. Auch sie haben ja den Herrn gesehen und geglaubt. Das würde aber in Konsequenz bedeuten, dass gerade auch die zwölf Apostel erst am letzten Tag, bei der Allgemeinen Auferstehung, lebendig werden. Nun haben wir zwar einen Hinweis in der Schrift, wo der Herr den Aposteln verheißt, dass sie bei der Wiedergeburt, also bei der Allgemeinen Auferstehung am Ende der Welt, wenn der Herr im Letzten Gericht die Welt richten wird, auch auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten werden.

Ihr werdet in der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen wird, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten.

Mt 19,27 Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was wird uns nun werden? 19,28 Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, auch ihr werdet in der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen wird, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. Mt 19,27-28;


Aus dieser Aussage könnte man nun schließen, dass die Apostel erst wieder bei der Wiedergeburt in der Allgemeinen Auferstehung - also am letzten Tag - in Erscheinung treten werden und daher eine frühere Auferstehung nicht erforderlich wäre. Doch dies wird durch eine Parallelstelle eindeutig widerlegt - bezeichnenderweise wieder einmal bei Lukas, der in solchen Beschreibungen meist viel genauer ist als die anderen Synoptiker.

Daß ihr eßt und trinkt an meinem Tisch in meinem Reich und auf Thronen sitzt, die zwölf Stämme Israels zu richten.

Lk 22,28 Ihr aber seid es, die mit mir ausgeharrt haben in meinen Versuchungen; 22,29 und ich verordne euch, wie mein Vater mir verordnet hat, ein Reich, 22,30 daß ihr eßt und trinkt an meinem Tisch in meinem Reich und auf Thronen sitzt, die zwölf Stämme Israels zu richten. Lk 22,28-30;


Hier verheißt der Herr den zwölf Aposteln einmal, dass er ihnen ein Reich verordnet, wie auch sein Vater es ihn verordnet hat. Hierbei kann es sich nur um das Tausendjährige Friedensreich des Sohnes Gottes auf Erden handeln. Und wenn der Herr sagt, er verordnet es seinen Aposteln, dann heißt das, dass sie mit ihm herrschen werden die tausend Jahre (Off 20,6). Das bedingt aber, dass die Zwölf zu Beginn des Tausendjährigen Reiche auferstehen und lebendig werden.

Dann sagt aber der Herr auch noch, dass sie in seinem Reich (das bestätigt die obige Annahme, dass es sich um das Millennium handelt), an seinem Tisch essen und trinken werden und auf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten werden. Während das Richten - wie bereits oben erwähnt - vom Letzten Gericht am Ende der Welt handelt, muss man das Essen und Trinken im Reich des Herrn ganz eindeutig auch auf die Zeit des Millenniums beziehen, wo dann allerdings eine Auferstehung am Ende der Welt natürlich viel zu spät wäre.


Werden die Apostel in der Ersten Auferstehung lebendig?

Doch die Verheißung, dass die Zwölf im Millennium mitregieren werden, lässt eine andere Alternative erkennen. In Off 20,4 berichtet Johannes von der Ersten Auferstehung und präzisiert, dass alle, die daran teilnehmen dürfen, Märtyrer sind. Einmal alle Jene, welche um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen enthauptet (wörtl.: mit dem Beil getötet) worden waren, und dann auch „die, welche das Tier und sein Bild nicht angebetet und das Malzeichen nicht an ihre Stirn und an ihre Hand angenommen hatten”. Diese Letzteren werden ja nach Off 13,15 „automatisch” vom Bild des Tieres getötet. Es sind also alles Märtyrer, welche hier auferstehen und mit dem Herrn die tausend Jahre herrschen werden.

Und sie wurden lebendig und herrschten mit dem Christus tausend Jahre.

Off 20,4 Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und das Gericht wurde ihnen übergeben; und ich sah die Seelen derer, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet (mit dem Beil getötet) worden waren, und die, welche das Tier und sein Bild nicht angebetet und das Malzeichen nicht an ihre Stirn und an ihre Hand angenommen hatten, und sie wurden lebendig und herrschten mit dem Christus tausend Jahre. 20,5 Die übrigen der Toten wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet waren. Dies ist die erste Auferstehung. Off 20, 4- 5;


(Siehe auch Diskurs 07: „Entrückung und Erste Auferstehung: ein einziges Ereignis?”)


Und wenn wir nun von der Annahme ausgehen, dass auch die zwölf Apostel bei dieser Gelegenheit auferstehen werden, um nach der Verheißung des Herrn mit den anderen Märtyrern und mit Christus zu herrschen, dann müssen wir nach Off 20,4 in Konsequenz davon ausgehen, dass auch alle Apostel Märtyrer waren und für ihren Glauben eines gewaltsamen Todes gestorben sind.

Nach der Schrift wissen wir allerdings nur vom Apostel Jakobus, dem Bruder des Johannes, welche beide Söhne des Zebedäus waren, dass er von Herodes mit dem Schwert getötet wurde (Apg 12,1-2). Von Paulus wissen wir, dass er in Rom gefangen war (Apg 28,17-31) und nach außerbiblischen Überlieferungen dort wahrscheinlich im Jahre 64 den Tod fand. Von Petrus haben wir keine Überlieferungen. Dass er in Rom gewesen, dort gekreuzigt worden sei und mit dem Kopf nach unten am Kreuz hängen wollte, ist eine Legende der katholischen Kirche. Im Gegensatz zu Paulus, wissen wir von Petrus nicht einmal, ob er überhaupt in Rom war.

Wie wir aber in Jh 21,18-19 lesen, hat der Herr dem Petrus damals schon prophezeit, dass er, wenn er alt geworden ist, den Märtyrertod sterben wird. Auch den beiden Zebedäiden (Johannes und Jakobus) hat der Herr derartiges vorhergesagt: In Mk 10,37-39 wollten die beiden Brüder vom Herrn die Zusicherung, dass sie in seiner Herrlichkeit zu seiner Rechten und zu seiner Linken sitzen werden. Als sie der Herr dann fragte, ob sie den Kelch trinken könnten, den er trinken wird, haben sie versichert, dass sie das könnten. 

Den Kelch, den ich trinke, werdet ihr trinken, und mit der Taufe, mit der ich getauft werde, werdet ihr getauft werden.

Mk 10,37 Sie aber sprachen zu ihm: Gib uns, daß wir einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen in deiner Herrlichkeit! 10,38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wißt nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder mit der Taufe getauft werden, mit der ich getauft werde? 10,39 Sie aber sprachen zu ihm: Wir können es. Jesus aber sprach zu ihnen: Den Kelch, den ich trinke, werdet ihr trinken, und mit der Taufe, mit der ich getauft werde, werdet ihr getauft werden. Mk 10,37-39;


Und der Herr hat sie dann auch beim Wort genommen und ihnen prophezeit, dass sie den Kelch, den er trinkt, auch trinken und mit der Taufe, mit der er getauft wird, auch getauft werden und somit als Märtyrer sterben werden. Wobei sich das bei Jakobus (s.o.) dann sehr schnell erfüllt hat. Aufgrund dieser Beispiele, doch vor allem aufgrund der Verheißung des Herrn an die Apostel in Lk 22,29: „ich verordne euch, wie mein Vater mir verordnet hat, ein Reich” und im Zusammenhang mit Off 20,4, scheint doch die Annahme gerechtfertigt, dass alle Aposteln eines Märtyrertodes gestorben sind und daher mit allen anderen Märtyrern bei der Ersten Auferstehung zum Herrschen mit Christus in seinem Reich lebendig werden.

Nun ist es schon richtig, dass diese ganzen Zusammenhänge für uns Heutige eher weniger Relevanz haben. Wenn wir jedoch jene Auslegungen betrachten, welche behaupten, dass in dieser Ersten Auferstehung in Off 20,4-5 nicht die Märtyrer, sondern „die Gläubigen aller Zeiten” (René Pache: Le retour du Jésu-Christ / Die Rückkehr Jesu Christi) auferstehen werden - ob nun Märtyrer oder nicht - und dass dies in vielen Gemeinden weltweit seit Jahrzehnten so gelehrt und geglaubt wird, so erkennen wir die große Gefahr, welche von derart oberflächlichen Interpretationen für die Christusgläubigen ausgehen, wenn wir die Texte nicht genau analysieren.

Wenn hier zwecks „Hebung der Quoten” Nichtenthauptete zu Enthaupteten erklärt werden, ist es nicht verwunderlich, dass man z.B. auch die 144.000 Versiegelten in Off 7,3-8 als „die glaubende Gemeinde aus allen Zeiten” (Karl Hartenstein: Der wiederkommende Herr) verkündet, obwohl dort explizit alle 12 Stämme Israels namentlich angeführt werden und daher kein Zweifel daran bestehen kann, dass damit Israeliten - und zwar ausschließlich Israeliten! - gemeint sind. Wie man sieht, werden auf diese Weise biblische Verheißungen für bestimmte Menschengruppen (Märtyrer, Israeliten) ganz einfach ihrer gruppenspezifischen Merkmale beraubt und dann wird behauptet, dies sei eine Prophezeiung für die Gemeinde.

(Siehe auch Diskurs 862: „18 Argumente für eine Entrückung vor der Großen Trübsal - und ihre Widerlegung.”)


Nun wissen bibelkundige Leser, dass gerade das Buch der Offenbarung, aus welchem diese beiden obigen Verheißungen zitiert werden, in seinem ersten Vers einen wichtigen und interessanten Hinweis enthält:

Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab … und indem er sie durch seinen Engel sandte, hat er sie seinem Knecht Johannes kundgetan.

Off 1,1 Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab, um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muß; und indem er sie durch seinen Engel sandte, hat er sie seinem Knecht Johannes kundgetan. Off 1, 1;


Als einziges Buch der Bibel handelt es sich hier also insgesamt um eine Offenbarung, welche Gott seinem Sohn gegeben hat. Und diese Offenbarung hat nun der Herr durch seinen Engel dem Johannes kundgetan. Wenn sich daher manche Exegeten darin ergehen, dass hier „Johannes die alttestamentlichen Propheten im Gedächtnis hatte” oder die Texte der Offenbarung von der „messianischen Erwartung des Judentums” geprägt wären, muss man sich tatsächlich fragen, ob diese Leute diesen ersten Vers je gelesen haben und ob sie wissen wovon sie sprechen. Diese Texte entstammen in ihrer Gesamtheit dem Gedächtnis Gottes und Johannes hat nur das, was er in seinen Visionen gesehen hat, zu Papier gebracht.

Aber weit mehr noch erstaunt in diesem Zusammenhang die völlige Missachtung der abschließenden Verse dieses Buches durch die Ausleger. Hier bezeugt der Herr, dass alle, welche zu diesen Zeilen etwas hinzufügen oder wegnehmen, ihre Strafe erhalten werden.

Wenn jemand zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen hinzufügen, die in diesem Buch geschrieben sind;

Off 22,16 Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, euch diese Dinge für die Gemeinden zu bezeugen. Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der glänzende Morgenstern. 22,17 Und der Geist und die Braut sagen: Komm! Und wer es hört, spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme! Wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst! 22,18 Ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen hinzufügen, die in diesem Buch geschrieben sind; 22,19 und wenn jemand von den Worten des Buches dieser Weissagung wegnimmt, so wird Gott seinen Teil wegnehmen von dem Baum des Lebens und aus der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben ist. 22,20 Der diese Dinge bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. Amen, komm, Herr Jesus! 22,21 Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen. Off 22,16-21;


Wenn daher jemand zu den Märtyrern in Off 20,4-5 „die Gläubigen aller Zeiten” oder zu den 144.000 versiegelten Israeliten in Off 7,3-8 „die glaubende Gemeinde aus allen Zeiten” hinzufügt und man im gesamten Kontext beim besten Willen keinen derartigen Zusammenhang erkennen kann, stellt sich auch hier die Frage, inwieweit die letzten Verse dieses Buches von diesen Exegeten überhaupt zur Kenntnis genommen wurden.


Die Auserwählten.

Dass die christliche Gemeinde keinesfalls mit den 144.000 Versiegelten aus Israel vermengt werden darf, zeigt auch die folgende Überlegung: Aufgrund der eingangs dargelegten Interpretation und den Aussagen des Herrn u.a. in Jh 6,40:

„Denn dies ist der Wille meines Vaters, daß jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag”

sowie in Jh 20,29:

„Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt. Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben!”


können wir davon ausgehen, dass es vor der Gerechtigkeit Gottes einen qualitativen Unterschied gibt zwischen den Gläubigen, welche den Herrn zu seinen Lebzeiten gesehen haben bzw. im Millennium noch sehen werden und jenen Menschen, welche ihn in den bisher fast zweitausend Jahren nicht gesehen und doch geglaubt haben. Und damit ergibt sich auch eine logische Begründung für die von Paulus in 1Kor 15,50-52; 1The 4,15-17 und vom Herrn in Mt 24,29-31 prophezeite Wiederkunft des Herrn und die Entrückung der „Auserwählten”.

Die Engel werden seine Auserwählten versammeln von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende.

Mt 24,29 Aber gleich nach der Bedrängnis jener Tage wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. 24,30 Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. 24,31 Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende. Mt 24,29-31;


Auch wenn man unter diesen Entrückten alle Christusgläubigen sieht, welche durch ihren Glauben unter den gottlosen Weltmenschen auserwählt sind, ist es doch nicht ganz verständlich, wieso jene Gläubigen, welche dann im Millennium auch zum Glauben an den Sohn Gottes kommen, nicht auch schon im Millennium vorzeitig entrückt werden, sondern bis zur Allgemeinen Auferstehung warten müssen. Es muss hier also ein Unterscheidungskriterium geben. Auch die Bezeichnung „Auserwählte”, welche der Herr hier in Mt 24,31 gebraucht, scheint etwas mehr Spezifisches zu bedeuten und wird daher auch von manchen Exegeten, wie z.B. der Religionswissenschaftlerin Ruth Lapide, auf die 144.000 Versiegelten aus Israel bezogen, welche dann der wiederkommende Messias nach Mt 24,30-31 sammeln würde.

Wenn man jedoch von einer Parallelität der Ereignisse von Mt 24 und Off 6 und 7 ausgehen kann, finden wir die Wiederkunft des Herrn mit der Entrückung der christlichen Gläubigen aus Mt 24,29-31 beim sechsten Siegel in Off 6,12-14. Sollten nun aber nach Ruth Lapide bei diesem Ereignis nicht die Christen, sondern die 144.000 versiegelten Israeliten mit dem Herrn in den Himmel entrückt werden, wäre es unverständlich, dass dieselben 144.000 Versiegelten einige Zeit später (Monate, Jahre?  Off 9,12!), gemäß Off 9,4 explizit von den Plagen der fünften Posaune ausgenommen werden und sich daher zu diesem Zeitpunkt noch auf Erden befinden müssen. Nachdem sie also nicht gleichzeitig im Himmel und auf Erden sein können, ist hier eine Interpretation auf die 144.000 Versiegelten aus Israel auszuschließen.

(Siehe auch Diskurs 05: „Die Parallelität der Ereignisse von Mt 24 und Off 6 und  7.”)


Mit der hier gewonnenen Erkenntnis, dass jene Christusgläubigen, welche nicht gesehen und doch geglaubt haben, unter der Bezeichnung „Auserwählte” zu verstehen sind, ergibt sich aber nun sowohl eine verständliche Erklärung für diesen spezifischen Hintergrund: sie sind auserwählt unter den christlichen Gläubigen. Aber auch die Frage, warum es überhaupt eine spezielle Entrückung gibt und nicht alle Gläubigen erst am letzten Tag auferweckt werden, findet ihre Antwort: es ist der Lohn für die „Glückseligen”, welche nicht gesehen und doch geglaubt haben.

So werden die Letzten Erste und die Ersten Letzte sein.

Mt 20,1 Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. 20,2 Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. 20,3 Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere müßig auf dem Markt stehen 20,4 und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist.

20,5 Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe. 20,6 Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da? 20,7 Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand eingestellt. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg.

20,8 Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten. 20,9 Da kamen, die um die elfte Stunde eingestellt waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen. 20,10 Als aber die ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und auch sie empfingen ein jeder seinen Silbergroschen.

20,11 Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn 20,12 und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben. 20,13 Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? 20,14 Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem letzten dasselbe geben wie dir. 20,15 Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du scheel drein, weil ich so gütig bin? 20,16 So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.* Mt 20, 1-16


Wie man sieht, bewirken jene Auslegungen, welche meinen, dem Christentum einen Dienst zu erweisen, indem sie „die glaubende Gemeinde aus allen Zeiten” zu den 144.000 Versiegelten aus Israel hinzufügen, genau das Gegenteil: Gerade die Gemeinde, welche nicht gesehen und doch geglaubt hat, würde dadurch ihres größten Lohnes, nämlich der Entrückung bei der Wiederkunft des Herrn, beraubt.


Die unendliche Liebe Gottes.

Doch neben der falschen Auslegung erleben wir in unserer heutigen Zeit auch in der falschen Verkündigung eine der größten Gefahren für die Gemeinde. Da erzählen uns manche Prediger von der „unendlichen” Liebe Gottes zu allen Menschen. Dieser Versuch eine „automatische” Vergebung aller Sünden, ohne Bekehrung und Bekenntnis zu insinuieren, hält aber einer eingehenden Prüfung durch die Schrift nicht stand. 

Die unendliche und bedingungslose Liebe Gottes.

Wenn die Liebe Gottes unendlich und bedingungslos wäre, müsste dieser Gott allen Menschen aller Zeiten (unendlich!!) alle ihre Sünden ohne Reue und Umkehr (bedingungslos!!) vergeben. Es wäre dann kein Sühnopfer mehr erforderlich - und Jesus Christus hätte nicht am Kreuz sterben müssen.

Es würden dann alle Verbrecher, Massenmörder, Gottesleugner, Tyrannen und was es sonst noch an üblem Gesindel gibt, vom Anbeginn der Welt bis zu ihrem Ende (unendlich!!) ohne Reue und Bekehrung (bedingungslos!!) gemeinsam mit allen rechtgläubigen Christen in das ewige Leben eingehen.

Wer daher von einer "unendlichen" und "bedingungslosen" Liebe Gottes spricht, dokumentiert damit, dass er keine Ahnung hat, warum Gott seinen Sohn am Kreuz sterben ließ. Solche Leute haben das Fundament des christlichen Glaubens noch gar nicht begriffen und sind somit völlig ungeeignet, Aussagen über irgendwelche Eigenschaften Gottes zu machen.

(Siehe auch den Diskurs 30: „Warum musste Jesus am Kreuz sterben?”)


Die Bibel sagt uns zwar, dass Gott will, dass alle Menschen errettet werden (1Tim 2,3-4), doch nicht aufgrund einer unendlichen und damit völlig blinden Liebe Gottes, sondern durch unsere Entscheidung für Christus und unseren Glauben an sein Loskaufopfer für unsere Sünden.

(Siehe auch Diskurs 84: „Pro Christ: Chance oder Risiko?”)


Wir müssen also unsere Liebe zu Gott beweisen. Gott hat bereits seine Liebe zu uns Menschen unter Beweis gestellt, als er seinen einzigen Sohn für die Sünden aller Menschen ans Kreuz gehen ließ. Und das ist gleichzeitig auch der eindeutige Beweis dafür, dass Gott unsere Sünden eben nicht in einer „unendlicher” Liebe vergibt, sondern dass vor Gottes Gerechtigkeit für diese unsere Sünden sogar das Opfer und der Tod seines Sohnes an unserer statt erforderlich war.

Denn Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt, daß die Welt durch ihn errettet werde.

Jh 3,16 Denn so hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. 3,17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn errettet werde. 3,18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Jh 3,16-18;

Dies ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.

Mt 26,26 Während sie aber aßen, nahm Jesus Brot und segnete, brach und gab es den Jüngern und sprach: Nehmt, eßt, dies ist mein Leib! 26,27 Und er nahm einen Kelch und dankte und gab ihnen den und sprach: Trinkt alle daraus! 26,28 Denn dies ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Mt 26,26-28;

Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.

Jh 6,51 Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist; wenn jemand von diesem Brot ißt, wird er leben in Ewigkeit. Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt. Jh 6,51;


Wie uns der Herr oben, in Jh 3,16 sagt, sind also nur jene Menschen errettet, welche daran glauben und bekennen, dass Jesus Christus am Kreuz auch für ihre Sünden gestorben ist. Und dass sie dadurch - und nur dadurch - vor Gott frei von Sünde sind. Sie gehen ein ins ewige Leben und es sind nur wenige, die durch diese enge Pforte eingehen werden. Der Weg, der ins Verderben führt, ist hingegen breit und viele werden auf ihm hineingehen (Mt 7,13). Das lehrt uns auch unsere Lebenserfahrung, dass der überwiegende Teil unserer Mitmenschen entweder überhaupt gottlos ist oder falschen Göttern, also Götzen dient.

Bei einer unendlichen Liebe Gottes, welche ja zwangsläufig auch bedingungslos sein müsste, würden alle diese Menschen - einschließlich aller Massenmörder, Gewaltverbrecher und Gottesleugner - ohne Reue und Umkehr in das ewige Leben eingehen können und damit würde der Opfertod des Herrn ad absurdum geführt. Allein die Tatsache, dass dann das Letzte Gericht, von welchem die Bibel immer wieder spricht, völlig überflüssig wäre, weil es ja aufgrund der „unendlichen” Liebe Gottes niemand mehr geben würde, der verurteilt werden müsste, zeigt, dass diese falsche Lehre von der Schrift nicht bestätigt wird und daher völlig abwegig ist.

Obendrein nehmen diese Prediger und Lehrer in Kauf, dass diese, von ihnen mit der „unendlichen Liebe Gottes” geköderten Menschen meinen errettet zu sein, obwohl sie tatsächlich - weil ohne Sündenerkenntnis, -bekenntnis und -vergebung - überhaupt nicht errettet sind. Und schließlich das Wichtigste: Durch diese Anbiederung an einen Zeitgeist, der das beste Angebot zu den geringsten Kosten und damit eine „Bekehrung” ohne großen eigenen Aufwand erwartet, wird die eigentliche Liebe Gottes im Loskaufopfer seines Sohnes völlig in den Hintergrund gerückt und der Glaube daran zur vernachlässigbaren Größe.

Derart unbiblische Lehren könnten aber gar nicht erst Fuß fassen, wenn wir in der Schrift jene Eigenschaft Gottes studieren, welche tatsächlich unendlich, weil absolut ist, nämlich Gottes Gerechtigkeit. Es ist diese Gerechtigkeit, welche alle anderen Eigenschaften Gottes leitet und damit sein Handeln bestimmt. Die Allmacht Gottes wäre ohne seine absolute Gerechtigkeit die blanke Willkür. Die Liebe Gottes, gepaart mit seiner Allmacht, hätten ohne eine absolute Gerechtigkeit diese Menschheit - bis auf einige „Liebkinder” - schon längst ausgerottet.

Aber so ist es eben nicht! Gott lässt jedem Menschen seinen freien Willen. Jeder Mensch hat die Freiheit, diesen Gott anzunehmen oder ihn abzulehnen. Und er kann sich anhand der Bibel orientieren, welches Schicksal ihm in dem einen oder in dem anderen Fall erwartet. Der mit einer unsterblichen Existenz erschaffene Mensch hat die Wahl zwischen ewigem Leben bei Gott oder ewiger Verdammnis fern von Gott. Und dieses Wissen darum, dass es die freie und gewollte Entscheidung jedes einzelnen Menschen war, wird dieses „Heulen und Zähneknirschen” der Gottlosen in der ewigen und damit nie endenden Verdammnis bewirken.

Also sagen wir den Menschen doch die Wahrheit:

-  Dass sie vor Gott - ebenso wie alle anderen Menschen - Sünder sind.

-  Dass Sünde jedes - auch das kleinste - Vergehen gegen die Gebote Gottes ist.

-  Dass die Gerechtigkeit Gottes diese Sünden verurteilt und mit dem zweiten Tod bestraft. (1Mo 2,17; Röm 5,12; 6,23)

-  Dass es absolut keine Möglichkeit gibt, dass diese Strafe durch eine angeblich „unendliche” Liebe Gottes oder durch irgendwelche eigene Leistungen wie Bußgebete (Ave Maria), Wallfahrten, soziales Engagement, Askese, Unterstützung von Hilfsorganisationen, große Geldspenden, etc. etc. erlassen werden könnte.

-  Dass aber die Liebe Gottes im Loskaufopfer seines Sohnes am Kreuz den Menschen die einzig gültige und mögliche Genugtuung seiner Gerechtigkeit anbietet: die Annahme des Sterbens Jesu an unserer statt für unsere Sünden.


Wer also erkennt, dass er ein Sünder ist, seine Sünden vor Gott bekennt und im Namen dieses Loskaufopfers Jesu Christi um ihre Vergebung bittet, hat den ersten und entscheidenden Schritt in seinem Glaubensleben getan. Er hat die Trennwand zwischen Gott und ihm niedergerissen und die Verbindung zu Gott hergestellt.

Allerdings muss man hier auch davor warnen, wenn viele Menschen nun irgendein besonderes Ereignis, ein „spirituelles” Gefühl oder sonst eine Demonstration des Geistes Gottes erwarten, wie es leider auch manche Prediger - besonders in charismatischen Kreisen - ankündigen. Das Einzige, womit der neubekehrte Christ wirklich rechnen kann, ist eine gewisse Freude, Ruhe und Ordnung, die ab nun sukzessive in seinen Geist und in sein Leben einkehren wird.

Wo nun aber diese Ruhe und Ordnung nicht ist, wo in Massenveranstaltungen die Sänger auf der Bühne wie tollwütig hin und her rennen, wo die Zuschauer wie Rindviecher tätowiert sind und Ringe in Nasen und Ohren tragen, wo sie mit hochgestreckten, zuckenden Händen ekstatisch herumhüpfen und wo dröhnende Lautsprecher fast das Trommelfell zerreißen, sollten sich auch neubekehrte Christen - und nicht nur diese - die Frage stellen, ob sie dort am richtigen Platz sind. - Auch wenn es nicht Rock- und Popkonzerte, sondern vereinzelt durchaus auch christliche Veranstaltungen mit „Lobpreis und Anbetung” sind, wo eine derartige Präsentation vorherrschend ist.

Wie man sieht, lassen schon diese wenigen Hinweise erkennen, dass es nicht genügt, nur „Ja zu Jesus” zu sagen. Das darauf folgende Glaubensleben - wenn es echt ist - birgt jede Menge Herausforderungen: das Ablegen alter Gewohnheiten, die Trennung von Freunden, dafür neue Freunde, neue An- und Einsichten, neue Schwerpunkte im Leben und vor allem eine neue Realität: Wir leben ewig! Gott hat die Menschen - Gute wie Böse - für eine ewige Existenz erschaffen. Mit unserem physischen Tod legen wir nur den fleischlichen Körper ab, aber unser Geist wird bei der Wiedergeburt in der Auferstehung mit einem neuen Leib überkleidet und mit unserer ganzen Persönlichkeit ewig weiterexistieren.

(Siehe auch Kapitel 12: „Die Auferstehung.”)


Unser irdisches Leben ist daher enorm wichtig. Entscheiden wir doch in dieser Zeit darüber, ob wir in der Unendlichkeit bei Gott im Licht und in der Liebe leben oder fern von Gott, in der äußersten Finsternis, ewig gequält werden (Off 14,10-11). Unser Geist wird zu unseren Lebzeiten geformt und vorbereitet wie das ungeborene Kind im Bauch seiner Mutter. Es liegt ganz allein in unserer Hand, ob wir bei der Wiedergeburt als Kind Gottes zur neuen Welt in der zweiten Schöpfung Gottes kommen werden oder im sogenannten „zweiten Tod” als Kind der Verdammnis in Ewigkeit nie mehr ändern können, was wir zu Lebzeiten versäumt haben.

(Siehe auch Exkurs 08: „Der erste und der zweite Tod.”)


Diese Website ist bekannt für ihre realitätsbezogene und bibeltreue Schriftauslegung. Sehen Sie daher die obigen Aussagen bitte nicht als den üblichen Sermon von irgendwelchen professionellen Schönfärbern, die meist von der Materie selbst keine Ahnung haben. Nach mehr als 30 Jahren akribischem Bibelstudium und umfassender Analyse ist mir die Realität dieser biblischen Zusammenhänge zur absoluten Gewissheit geworden.



(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)

(Wird jeder auferweckt, der „zur Erkenntnis des Sohnes” kommt? / Giuseppe De Candia 00, 2010-01-27)

Bei der Übersetzung von Kapitel 13: „Das Weltgericht” ins Italienische ist mir aufgefallen, dass die deutsche Übersetzung von Johannes 6,40 „der den Sohn sieht und glaubt an ihn” von den Übersetzungen in einigen italienischen Bibeln abweicht. Dort heißt es "che chiunque viene alla conoscenza del Figlio" - also „wer zur Erkenntnis des Sohnes kommt”. Sollte man jetzt den deutschen Text an den italienischen oder die italienische Übersetzung and die deutsche anpassen?

Giuseppe De Candia



Eines der großen Probleme bei der Bibelexegese sind jene Bibelübersetzungen, bei welchen sich die Übersetzer nicht an den Originaltext halten. Es wird meist damit begründet, dass in den Sprachen des biblischen Urtextes - Hebräisch und Aramäisch im Alten Testament, Altgriechisch im Neuen Testament - viele Wörter mehrere unterschiedliche Bedeutungen haben können und es daher dem Übersetzer, seinem Sprachgefühl aber auch und insbesondere seiner Kenntnis des biblischen Zusammenhangs überlassen bleibt, welche Bedeutung er nun verwendet.

Und wie hier schon zu erkennen ist, hat daher auch die Bibelübersetzung eine ganze Menge mit Bibelauslegung zu tun. So ist z.B. die Übersetzung Luthers von Röm 8,29:

Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt.

Röm 8,29 Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, daß sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. 8,30 Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht. Röm 8,29-30;


später für Johannes Calvin zur Grundlage seiner Prädestinationslehre geworden und wird heute noch von den Vertretern diese Lehre als Beweis zitiert. Man weist darauf hin, dass nach der Bibel Gott in seiner Souveränität die Menschen vor Anbeginn der Schöpfung ausersehen hat und sie völlig ohne ihr Zutun die Einen zum ewigen Leben und die Anderen zur ewigen Verdammnis vorherbestimmt hat.

Jeder der nun die Aussagen der Bibel über Gott und sein Tun kennt, weiß, dass Gott die Gerechtigkeit in Person ist und daher eine derartige, völlig willkürliche Vorgangsweise nie und nimmer ein Handeln Gottes mit den Menschen sein kann. Überprüft man dann den griechischen Originaltext, erkennt man, dass dort etwas anderes steht, als Luther übersetzt hat:

Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt

Röm 8,29 Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. 8,30 Die er aber vorherbestimmt hat, diese hat er auch berufen; und die er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt; die er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht. Röm 8,29-30;


Es wurden also nicht jene Menschen vorherbestimmt, welche Gott in einem Willkürakt sondergleichen „ausersehen” hat, sondern Gott hat in seiner Allwissenheit vor Anbeginn der Schöpfung jene Menschen gesehen und erkannt, welche sich in ihrem Leben für ihn und seinen Sohn Jesus Christus entscheiden werden. Und diese Menschen hat er vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig und seine Brüder zu sein.

(Siehe auch Diskurs 100: „Johannes Calvin: Die echte und die falsche Prädestination.”)


Die nun im obigen Kommentar zitierte italienische Übersetzung des Textes von Jh 6,40 hat einen ähnlichen Hintergrund. Bruder De Candia, der sich freundlicherweise und völlig unentgeltlich für die Übersetzung dieser Website ins Italienische zur Verfügung gestellt hat, hat im Zuge seiner Arbeit festgestellt, dass dieser Vers in einigen italienischen Übersetzungen falsch übersetzt wird.

Während der griechische Originaltext (Nestle-Aland/wörtlich) die Aussage macht:

Jh 6,40 Denn dies ist der Wille meines Vaters, dass jeder Sehende den Sohn und Glaubende an ihn hat ewiges Leben, und auferstehen lassen werde ihn ich am letzten Tag. Jh 6,40;


welches die deutschen Übersetzungen - hier die Elberfelder - richtigerweise so übersetzen:

Jh 6,40 Denn dies ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe; und ich werde ihn auferstehen lassen am letzten Tag. Jh 6,40;


finden wir bei einigen italienischen Bibelübersetzungen gleichartige Formulierungen (C.E.I./Gerusalemme, Diodati), bei anderen aber abweichende Interpretationen. So schreibt z.B. die Nuova Diodati an dieser Stelle:

Jh 6,40 Dies ist eben der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass jeder, der zur Erkenntnis des Sohnes kommt und an ihn glaubt das ewige Leben hat und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. Jh 6,40;

[Giov 6,40 Questa infatti è la volontà di colui che mi ha mandato: che chiunque viene alla conoscenza del Figlio e crede in lui, abbia vita eterna, e io lo risusciterò nell'ultimo giorno». Giov 6,40]


Wieso nun die Übersetzer dieser neueren italienischen Ausgabe im ersten Teil des Verses nicht mit dem eindeutigen griechischen Text „der Wille meines Vaters” (Patros), sondern mit „der Wille dessen, der mich gesandt hat” übersetzt haben, bleibt ein Rätsel. Und auch im zweiten Teil des Satzes, wo der wörtliche griechischen Text lautet, „jeder Sehende den Sohn” - also „jeder, der den Sohn sieht” - wird dieser abgeändert und mit „jeder, der zur Erkenntnis des Sohnes kommt” übersetzt.

Doch diese letztere Textänderung könnte durchaus eine plausible Erklärung haben. Wir haben ja gerade in diesem Diskurs hier weiter oben, aufgrund einer Anfrage von Frau E. Tinhofer aus Wien, die Frage untersucht, ob diese - richtig übersetzte - Aussage von Jh 6,40 „(…) jeder, der den Sohn sieht (…) das ewige Leben hat und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag” zur Konsequenz hat, dass es demnach keine Entrückung gibt, sondern alle Gläubigen erst am Ende der Welt (am letzten Tag), bei der Allgemeinen Auferstehung auferweckt werden.

Bei genauerer Betrachtung des Textes hat sich dann aber die logische Erklärung ergeben, dass diese Worte des Herrn offensichtlich an seine gläubigen Zeitgenossen gerichtet waren. Denn „den Sohn sehen” konnten ja nur jene Menschen, welche zur Zeit Jesu gelebt haben. Alle Menschen, welche nach der Himmelfahrt des Herrn (40 Tage nach Auferweckung und Auferstehung) zum Glauben gekommen sind, haben ihn nicht gesehen.

Und diese Erkenntnis lässt nun das Wort des Herrn an den Apostel Thomas unter einem anderen Licht erscheinen, welcher nicht glauben konnte, dass Jesus auferstanden war und den anderen Jüngern, die ihm davon berichteten in Jh 20,24-25 entgegenhielt: „Wenn ich nicht in seinen Händen das Mal der Nägel sehe und meine Finger in das Mal der Nägel lege und lege meine Hand in seine Seite, so werde ich nicht glauben.” Als dann der Herr nach acht Tagen den Jüngern wieder erschien, war Thomas dabei.

Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt. Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben!

Jh 20,26 Und nach acht Tagen waren seine Jünger wieder drinnen und Thomas bei ihnen. Da kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und trat in die Mitte und sprach: Friede euch! 20,27 Dann spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! 20,28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! 20,29 Jesus spricht zu ihm: Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt. Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben! Jh 20,26-29;


Und diese Verheißung des Herrn nun, in Jh 20,29: „Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben!”, muss eine besondere Bedeutung haben, sonst würde der Herr diese Menschen nicht „glückselig” nennen (Siehe die Seligpreisungen in Mt 5,1-12!!). Und genau aus diesem Grunde bekommt die Aussage in Jh 6,40 eine ganz neue Bedeutung. Jenen Menschen, die den Herrn und die Wunder die er gewirkt hat, noch zu Lebzeiten sehen konnten, ist der Glaube an ihn um Vieles leichter gefallen (siehe Thomas), als allen Menschen danach, welche nicht gesehen haben und doch zum Glauben gekommen sind.

Dies lässt daher den Schluss zu, dass jene, welche nicht gesehen und doch geglaubt haben, als Lohn für ihr Vertrauen, bereits bei der Wiederkunft des Herrn auferweckt und entrückt werden, während jene, die den Herrn gesehen und deshalb geglaubt haben, erst tausend Jahre später, nach dem Millennium bei der Allgemeinen Auferstehung am Ende der Welt auferweckt werden.

Die Übersetzer der oben zitierten italienischen Bibelübersetzung haben sich nun aber an der Konsequenz der Aussage von Jh 6,40 „jeder, der den Sohn sieht”, gestoßen. Sie dachten möglicherweise - durchaus richtig - Gesehen haben ihn ja nur seine Zeitgenossen. Aber nachdem weite Teile der Schrift verheißen, dass jeder, der zum wahren Glauben kommt, errettet ist, haben sie diese Aussage einfach „korrigiert” und haben den Originaltext: „Jeder, der den Sohn sieht” mit „jeder, der zur Erkenntnis des Sohnes kommt” übersetzt. Das ist zeitlos und hätte für alle Menschen aller Zeiten Gültigkeit.

Dass es jedoch im zweiten Teil des Satzes ohnehin eine mögliche Lösung dieses Problems gibt, gerade wenn man den Text so stehen lässt, wie er von Johannes geschrieben wurde, ist ihnen leider verborgen geblieben. Nämlich, dass nur jene, die den Herrn gesehen haben, erst am Ende der Welt, bei der Allgemeinen Auferstehung auferweckt und in die Ewigkeit eingehen werden, während jene Gläubigen, welche ihn nicht gesehen und dennoch geglaubt haben, die Glückseligen sind, welchen es beschieden ist, als die Auserwählten, welche der Herr bei seine Wiederkunft auferwecken und einsammeln lassen wird (Mt 24,31), bereits bei der Wiederkunft des Herrn in den Himmel zu Gott entrückt zu werden.

Und wenn wir uns nun mit dieser Erkenntnis den Text aus der oben zitierten italienischen Bibelübersetzung ansehen:

Jh 6,40 Dies ist der wahre Wille dessen, der mich gesandt hat, dass jeder, der zur Erkenntnis des Sohnes kommt und an ihn glaubt das ewige Leben hat und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. Jh 6,40;


erkennen wir, dass mit dieser falschen „Korrektur” tatsächlich die Bedeutung der Aussagen ins Gegenteil verkehrt wurde. Der Herr sagt hier im Urtext, dass „jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt” - also jeder Mensch, der zu Lebzeiten des Herrn zum Glauben gekommen ist - „am letzten Tag auferweckt wird”. Daher werden in Konsequenz alle anderen Gläubigen seit zweitausend Jahren und bis heute, welche ihn nicht gesehen und doch geglaubt haben, bereits bei der Wiederkunft des Herrn auferweckt und in den Himmel entrückt. Dies ist der bisher einzige biblische Nachweis, dass die Gemeinde aller Zeiten - ausgenommen der Zeit des Wirkens des Herrn auf Erden - tatsächlich an der Entrückung teilnimmt.

(Siehe auch Kapitel 062: „Die Wiederkunft des Herrn – 2. Teil: Die Entrückung.”)

Doch wie wir oben sehen, besagt der von den Bibelübersetzern eingefügte Text genau das Gegenteil, nämlich, „wer zur Erkenntnis des Sohnes kommt” - also alle Menschen, welche je zum Glauben gekommen sind - „werden am letzen Tag auferweckt”. Und nachdem es in dieser Interpretation für die Gläubigen keine Auferstehung vor dem Ende der Welt gibt, werden sämtliche Prophezeiungen auf die Entrückung bei der Wiederkunft des Herrn, sowohl bei Paulus (1Kor 15,51-53; 1The 4,14-17), aber auch in den Aussagen des Herrn selbst, in Mt 24,30-31, komplett ignoriert und damit den Lesern dieser Bibelübersetzung vorenthalten.

Wenn dann in der Einleitung zu dieser Bibelübersetzung auch noch behauptet wird, dass darin die „höchst mögliche Texttreue gegenüber dem griechischen Originaltext” angeboten wird, erkennt man neben dem Defizit an biblischer Erkenntnis auch noch den fehlenden Bezug zur Realität. - Wie man sieht, besteht bei der Bibelübersetzung, wenn sie nicht von Gläubigen mit dem erforderlichen biblischen Hintergrundwissen durchgeführt wird, die große Gefahr, dass vermeintliche Fehler im Text uminterpretiert werden und damit der Sinninhalt der Aussagen verfälscht oder gar ins Gegenteil verkehrt wird.

Ein weiterer biblischer Hintergrund, der in weiten Bereichen der Exegese kaum bekannt ist, ist der Unterschied zwischen Auferweckung und Auferstehung. Wir finden diese zwei verschiedenen Vorgänge recht deutlich bei der Auferweckung des Herrn in Jh 20,17-18 und nach seiner Auferstehung ab Jh 20,19. In der Apostelgeschichte sind diese beiden Vorgänge sehr schön gemeinsam erwähnt:

Diesen hat Gott am dritten Tag auferweckt

Apg 10,40 Diesen hat Gott am dritten Tag auferweckt und ihn sichtbar werden lassen, (der Maria Magdalena/Anm.) 10,41 nicht dem ganzen Volk, sondern den von Gott zuvor erwählten Zeugen, uns, die wir (die Aposteln/Anm.) mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er aus den Toten auferstanden war. 10,42 Und er hat uns befohlen, dem Volk zu predigen und eindringlich zu bezeugen, daß er der von Gott verordnete Richter der Lebenden und der Toten ist. Apg 10,40-42;


Bruder De Candia klagt nun, dass diese Unterscheidung im Italienischen umso schwerer ist, als es in dieser Sprache für Auferweckung gar keinen eigenen Begriff gibt. Dass auch in den deutschen Bibelübersetzungen - ausgenommen die Elberfelder Bibelübersetzung - zwischen Auferweckung (Mt 27,52 griechischer Text oder Elberfelder) und Auferstehung (Off 20,5) kaum unterschieden wird, ist darauf zurückzuführen, dass man die diesbezüglichen Texte nie richtig analysiert und getrennt hat. Wenn man jedoch bedenkt, dass jene Phasen, welche der Herr als Erstling bei seiner Auferweckung und Auferstehung durchlaufen hat, nach 1Kor 15,20-24 auch wir durchlaufen werden, wird mit der Vernachlässigung dieser zwei getrennten Vorgänge auch ein wichtiger biblischer Zusammenhang verdeckt, der uns wieder helfen kann, andere Bibelstellen besser zu verstehen.

Jeder aber in seiner eigenen Ordnung: der Erstling, Christus; sodann die, welche Christus gehören bei seiner Ankunft;

1Kor 15,20 Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt als Erstling unter denen, die entschlafen sind. 15,21 Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. 15,22 Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden. 15,23 Ein jeder aber in seiner Ordnung: als Erstling Christus; danach, wenn er kommen wird, die, die Christus angehören; 15,24 danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat. 1Kor 15,20-24;


(Siehe auch Diskurs 97: „Auferweckung und Auferstehung - die Realitäten einer anderen Dimension.”)