Exkurs 05 - Die "letzten Tage" bei Petrus.



Der Text.

Die Analyse.

Das Warten auf die Ankunft des Herrn.


Der Text.

Der Text in 2Ptr 3,1-18 ist eine der Schlüsselstellen im Zusammenhang mit der Auslegung der Endzeit. Trotzdem - oder gerade deswegen – ist er sehr schwierig einzuordnen.

Das Problem ergibt sich aus dem Umstand, dass einerseits auf die Wiederkunft des Herrn Bezug genommen wird, welche nach ziemlich einvernehmlicher Auffassung, vor dem Millennium, am Tag des Herrn stattfinden soll, und andererseits auf den Untergang des Himmels und der Erde hingewiesen wird, welcher eigentlich erst am Ende der Welt, nach dem Millennium und nach der Allgemeinen Auferstehung anzusetzen wäre.

Um daher den Textzusammenhang richtig zu verstehen, muss man diese Schriftstelle genau - Wort für Wort und Satz für Satz analysieren.

Doch zuvor sollten wir uns den gesamten Abschnitt ansehen.

Die Himmel werden vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen.

In den letzten Tagen werden Spötter kommen, die ihren Spott treiben.

2Ptr 3,1 Dies ist nun der zweite Brief, den ich euch schreibe, ihr Lieben, in welchem ich euren lauteren Sinn erwecke und euch erinnere, 3,2 dass ihr gedenkt an die Worte, die zuvor gesagt sind von den heiligen Propheten, und an das Gebot des Herrn und Heilands, das verkündet ist durch eure Apostel.

3,3 Ihr sollt vor allem wissen, dass in den letzten Tagen Spötter kommen werden, die ihren Spott treiben, ihren eigenen Begierden nachgehen 3,4 und sagen: Wo bleibt die Verheißung seines Kommens? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es von Anfang der Schöpfung gewesen ist. 2Ptr 3, 1- 4;

Himmel und Erde bewahrt für den Tag des Gerichts und Verdammnis der Gottlosen.

2Ptr 3,5 Denn sie wollen nichts davon wissen, dass der Himmel vorzeiten auch war, dazu die Erde, die aus Wasser und durch Wasser Bestand hatte durch Gottes Wort; 3,6 dennoch wurde damals die Welt dadurch in der Sintflut vernichtet.

3,7 So werden auch der Himmel, der jetzt ist, und die Erde durch dasselbe Wort aufgespart für das Feuer, bewahrt für den Tag des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen. 3,8 Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag. 2Ptr 3, 5- 8;

(Siehe auch Kapitel 11: „Das Ende der Welt - Der letzte Kampf.”)

Die Himmel werden vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze schmelzen.

2Ptr 3,9 Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde.

3,10 Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden. 3,11 Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen, 3,12 die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt, an dem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden. 2Ptr 3, 9-12;

Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung.

2Ptr 3,13 Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt. 3,14 Darum, meine Lieben, während ihr darauf wartet, seid bemüht, dass ihr vor ihm unbefleckt und untadelig im Frieden befunden werdet, 3,15 und die Geduld unseres Herrn erachtet für eure Rettung, wie auch unser lieber Bruder Paulus nach der Weisheit, die ihm gegeben ist, euch geschrieben hat. 3,16 Davon redet er in allen Briefen, in denen einige Dinge schwer zu verstehen sind, welche die Unwissenden und Leichtfertigen verdrehen, wie auch die andern Schriften, zu ihrer eigenen Verdammnis. 3,17 Ihr aber, meine Lieben, weil ihr das im voraus wisst, so hütet euch, dass ihr nicht durch den Irrtum dieser ruchlosen Leute samt ihnen verführt werdet und fallt aus eurem festen Stand.

3,18 Wachset aber in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilands Jesus Christus. Ihm sei Ehre jetzt und für ewige Zeiten! Amen. 2Ptr 3,13-18;

Die Analyse.

Die letzten Tage und das Kommen des Herrn.

Neben der Erwähnung, dass dies der zweite Brief des Apostels ist, ermahnt Petrus hier die Gläubigen in den Versen 1 und 2, sich der Worte der Propheten und des, durch die Apostel verkündeten Gebots des Herrn und Heilands, zu erinnern.

Gedenkt an die Worte, die zuvor gesagt sind von den heiligen Propheten.

2Ptr 3,1 Dies ist nun der zweite Brief, den ich euch schreibe, ihr Lieben, in welchem ich euren lauteren Sinn erwecke und euch erinnere, 3,2 dass ihr gedenkt an die Worte, die zuvor gesagt sind von den heiligen Propheten, und an das Gebot des Herrn und Heilands, das verkündet ist durch eure Apostel. 2Ptr 3, 1- 2;


Petrus spricht also hier von unserem Herrn Jesus Christus. Und er spricht zu den Christen.

In den letzten Tagen werden Spötter kommen und sagen: Wo bleibt der Herr?

2Ptr 3,3 Ihr sollt vor allem wissen, dass in den letzten Tagen Spötter kommen werden, die ihren Spott treiben, ihren eigenen Begierden nachgehen 3,4 und sagen: Wo bleibt die Verheißung seines Kommens? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es von Anfang der Schöpfung gewesen ist. 2Ptr 3, 3- 4;


Hier haben wir nun den ersten scheinbaren Widerspruch in diesem Text. Petrus spricht von „den letzten Tagen”. Man könnte also die Meinung vertreten, hier sei das Ende der Welt, nach dem Millennium gemeint.

Andererseits heißt es da, dass in dieser Zeit Spötter kommen werden, welche höhnen, dass das Kommen des Herrn ausgeblieben sei und alles so geblieben ist, wie es von Anfang an war. Damit wird eindeutig zum Ausdruck gebracht, dass die Wiederkunft des Herrn zu diesem Zeitpunkt noch nicht erfolgt sein kann. Und damit wären wir wieder vor dem Millennium und am Tag des Herrn.

Denn das Kommen des Herren ist nun ein Ereignis, welches wir gewiss nicht erst am Ende der Welt erwarten. Wir gehen ja davon aus, dass unser Herr Jesus Christus bei seiner Wiederkunft u. a. die Herrschaft in seinem Friedensreich antreten wird und auf dieser Welt noch tausend Jahre herrschen wird.

Wenn wir diesen Text also auf das Ende der Welt ansetzen wollten, müssten diesen Spötter sowohl der Tag des Herrn mit seiner Umgestaltung von Himmel und Erde, als auch das Millennium, entweder aus eigener Erfahrung oder aus überlieferten Berichten über diese einzigartigen Ereignisse, bekannt sein. Und dann könnten sie keinesfalls argumentieren, dass alles so geblieben ist, wie es von Anfang der Schöpfung gewesen ist. Im Millennium haben auch die Heiden erkennen müssen, dass es einen Gott gibt.

Der Tag des Herrn und das Ende der Welt.

Himmel und Erde werden bewahrt für den Tag des Gerichts und der Verdammnis.

2Ptr 3,5 Denn sie wollen nichts davon wissen, dass der Himmel vorzeiten auch war, dazu die Erde, die aus Wasser und durch Wasser Bestand hatte durch Gottes Wort; 3,6 dennoch wurde damals die Welt dadurch in der Sintflut vernichtet.

3,7 So werden auch der Himmel, der jetzt ist, und die Erde durch dasselbe Wort aufgespart für das Feuer, bewahrt für den Tag des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen. 2Ptr 3, 5- 7;


In den obigen Sätzen prophezeit der Apostel den Tag des Gerichts, für den der jetzige Himmel und die Erde aufgespart ist. Auch hier könnte man wieder vermuten, dass vom Ende der Welt die Rede ist. Zugleich aber vergleicht Petrus dieses Ereignis mit der Sintflut. Und wie wir wissen, ist damals zwar die Menschheit bis auf acht Personen ausgerottet worden, doch der Himmel und die Erde wurden keinesfalls „vernichtet”, wie es heißt.

Die Formulierung „...wurde damals die Welt ... vernichtet” bezieht sich daher nicht auf den Planeten oder gar auf die ganze Schöpfung, sondern nur auf die damals von Gott abgefallene Menschheit. Und wie wir aus der Schrift wissen, haben damals Himmel und Erde nur Veränderungen erfahren, und die übriggebliebenen Menschen haben in einer umgestalteten Umwelt einen neuen Anfang gefunden.

Und genauso ist auch die Aussage hier zu verstehen. Am Tag des Herrn werden Himmel und Erde durch eine ähnliche Katastrophe wie sie die Sintflut war, umgestaltet und erneuert. Nur dass es diesmal, gemäß der Verheißung des Herrn in 1Mo 9,11, nicht Wasser sondern Feuer und Erdbeben sein werden, welche die Oberfläche des Planeten verändern und den Überlebenden eine neue Basis für ihre Existenz im Millennium schaffen werden.

(Siehe auch Kapitel 08: „Die Umgestaltung von Himmel und Erde”.)

Ein Tag ist vor dem Herrn wie tausend Jahre.

2Ptr 3,8 Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag. 3,9 Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde. 2Ptr 3, 8- 9;

(Siehe auch Tabelle 20: „ Die Weltgeschichte: Eine Woche mit tausendjährigen Tagen.”)


Dieser Satz in 2Ptr 2,8 erklärt uns zwar, dass das Kommen des Herrn Tausende von Jahren dauern kann und daher weder zur Zeit der Verfassung dieses Briefes, noch in der heutigen Zeit unmittelbar erwartet werden sollte. Doch auch das hilft uns nicht bei unserem Problem der Unterscheidung, ob es sich hier um das Ende der Welt oder den Tag des Herrn handelt. Beide Ereignisse waren damals und sind möglicherweise auch heute noch Tausende von Jahren entfernt.

Allerdings drängt sich hier schon ein Gedanke ganz besonders auf. Wir wissen aus der Schrift, dass zwischen dem Tag des Herrn und dem Tag des Gerichts, also dem Ende der Welt, das Millennium, das tausendjährige Friedensreich des Herrn Jesus sein wird. Somit sind diese beiden Ereignisse tausend Jahre zeitlich voneinander entfernt.

Wir wissen ebenso, dass die zeitlichen und inhaltlichen Abläufe innerhalb dieser beiden Geschichtsperioden recht ähnlich sind.

Wir haben am Tag des Herrn die Schlacht von Harmagedon, die Auferweckung und Entrückung der Auserwählten, ein Gericht und die Erste Auferstehung, das „Lebendigwerden” der Seelen der Märtyrer. Schließlich die Vernichtung der Gottlosen am Tag des Zornes Gottes und die Umgestaltung des alten Himmels und der alten Erde zu einem erneuerten Himmel und einer erneuerten Erde.

(Siehe auch Kapitel 01: „Die siebzigste Jahrwoche”.)

Am Ende der Welt haben wir den letzten Kampf, mit denselben Kontrahenten wie bei der Schlacht von Harmagedon, nämlich Jesus Christus und Satan. Dieser Kampf wird ebenso wie die Schlacht am Tag des Herrn, mit einer Niederlage Satans enden.

Dann folgt die Allgemeine Auferstehung, das Weltgericht und der Eingang der Gerechten in das ewige Leben, der Verfluchten in das ewige Feuer. Und wir haben ganz am Ende der Weltgeschichte, das „Vergehen” von Himmel und Erde und die Erschaffung eines neuen Himmels und einer neuen Erde.

(Siehe auch Kapitel 11: „Das Ende der Welt”.)

Die Ähnlichkeiten sind so verblüffend, dass wir sie uns parallel betrachten wollen:


Der Tag des Herrn.

Die Schlacht von Harmagedon.

Christus und sein Heer besiegt Satan

(und Antichrist) und seine Heere.

Satan wird im Abgrund gebunden.

Die Erste Auferstehung.

Das Gericht der Ersten Auferstehung.

Der Tag des Zornes Gottes mit Erdbeben u. Feuer.

Die Umgestaltung von Himmel und Erde.

Der umgestaltete erneuerte Himmel

und die umgestaltete erneuerte Erde.

Das Millennium: Gott wohnt bei den Menschen.


Das Ende der Welt.

Der letzte Kampf.

Das himmlische Heer besiegt Satan

und seine Heere.

Satan wird in den Feuersee geworfen.

Die Allgemeine Auferstehung.

Das Weltgericht.

Der Tag des Gerichts offenbart sich mit Feuer.

Das Vergehen des Himmels und der Erde.

Der neu geschaffene Himmel

und die neu geschaffene Erde.

Die Ewigkeit: Die Menschen wohnen bei Gott.


(Siehe auch Kapitel 13: „Das Weltgericht”.)

(Siehe auch die Tabelle 09: „Der Heilsplan Gottes und seine Auswirkung”.)

Vor diesem Hintergrund könnte der Hinweis des Petrus in 2Ptr 3,8: „Ein Tag ist vor dem Herrn wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag” doch einiges an Aussagekraft gewinnen.

Man könnte dies nämlich ganz wörtlich nehmen und zur Auffassung gelangen, dass der Tag des Herrn und der Tag des Gerichts zwei Geschichtsereignisse sind, welche an sich zusammengehören, also „ein Tag” sind, aber durch den Willen und die Geduld Gottes, der „nicht will, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde” tausend Jahre voneinander getrennt wurden.

Diese Sicht der Dinge wäre auch deshalb so abwegig nicht, weil wir ja eine ähnliche Situation auch von den beiden Kommen des Herrn her kennen. Bei seinem ersten Erscheinen auf dieser Welt hat der Herr Jesus immer wieder angedeutet, dass es sozusagen nur der „erste Teil” sein würde.

Er ist sogar so weit gegangen, die Prophezeiungen aus dem AT, welche das Erscheinen des Propheten Elia vor der Ankunft des Messias voraussagten, auf seine Zeit zu beziehen, als er sagte:

Elia ist schon gekommen, aber sie haben ihn nicht erkannt.

Mt 17,10 Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse Elia kommen?

17,11 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Elia soll freilich kommen und alles zurechtbringen. 17,12 Doch ich sage euch: Elia ist schon gekommen, aber sie haben ihn nicht erkannt, sondern haben mit ihm getan, was sie wollten. So wird auch der Menschensohn durch sie leiden müssen. 17,13 Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer zu ihnen geredet hatte. Mt 17,10-13;


Es lässt sich auch hier erkennen, dass das erste und das zweite Kommen des Herrn, also sein Erscheinen auf dieser Welt vor mehr als zweitausend Jahren und seine Wiederkehr in der Zukunft, zusammengehören.

Ja mehr noch, man hat den Eindruck, als ob die jüdisch-orthodoxe Sicht dieser Prophezeiung - nämlich das Erscheinen des Messias’ als Retter und Erlöser Israels und Herrscher über die ganze Welt - ursprünglich eine durchaus richtige war. Erst durch die Abkehr des Volkes Israel von seinem Gott, wurde hier - auch wieder durch den Willen und die Gnade Gottes, welcher Israel nicht verloren gehen lassen wollte - eine „Auszeit” eingefügt, die mittlerweile schon über zweitausend Jahre dauert.

Bei seiner Wiederkunft wird der Herr genau jene Prophezeiungen erfüllen, welche damals durch die Schuld Israels unterbrochen wurden. Er wird die Zerstreuten sammeln und nach Israel zurückführen, wird selbst Herrscher über die ganze Welt sein und Israel zum Haupt unter den Völkern machen.

(Siehe auch Kapitel 10: „Das Millennium”.)

Wenn wir also einer derartigen Interpretation zustimmen können, ergeben sich daraus zwei wichtige Konsequenzen.

1. In Bezug auf das Handeln Gottes mit den Menschen:

Der Mensch ist frei in seinen Entscheidungen gegenüber Gott. Er ist sogar so frei, dass er den Heilsplan Gottes beeinflussen kann. Allerdings ist es die Gnade Gottes, welche dieses zulässt und es kann die Enderfüllung nicht verhindert, sondern nur - um der Umkehrwilligen zuliebe -, verzögert werden.


2. In Bezug auf die Offenbarungen Gottes an die Propheten.

Die Propheten können wohl die, ihnen vom Heiligen Geist offenbarten Visionen wiedergeben und berichten, sie haben aber nicht immer das volle Verständnis für die Bedeutung des von ihnen Geschauten. Und so sind es die nachfolgenden Generationen, welchen die verantwortungsvolle Aufgabe zukommt, durch gewissenhaftes Studium der Schrift, die Zusammenhänge immer mehr und immer richtiger zu erkennen und weiterzugeben.


Dieses Letztere bestätigt uns auch Petrus selbst, in seinem ersten Brief.

Ihnen ist offenbart worden, dass sie nicht sich selbst, sondern euch dienen sollten.

1Ptr 1,10 Nach dieser Seligkeit haben gesucht und geforscht die Propheten, die von der Gnade geweissagt haben, die für euch bestimmt ist, 1,11 und haben geforscht, auf welche und was für eine Zeit der Geist Christi deutete, der in ihnen war und zuvor bezeugt hat die Leiden, die über Christus kommen sollten, und die Herrlichkeit danach. 1,12 Ihnen ist offenbart worden, dass sie nicht sich selbst, sondern euch dienen sollten mit dem, was euch nun verkündigt ist durch die, die euch das Evangelium verkündigt haben durch den heiligen Geist, der vom Himmel gesandt ist, - was auch die Engel begehren zu schauen. 1Ptr 1,10-12;


Wir müssen uns daher fragen, inwieweit in diesem Kapitel des zweiten Petrusbriefes nicht alle beiden Ereignisse, sowohl der Tag des Zornes Gottes vor dem Millennium, als auch der Tag des Gerichts am Ende der Welt, angesprochen werden.

Himmel und Erde zergehen.

Die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente schmelzen vor Hitze.

2Ptr 3,10 Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden. 3,11 Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen, 3,12 die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt, an dem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden. 2Ptr 3,10-12;


Oberflächlich betrachtet scheinen die obigen drei Sätze nun wieder eindeutig dem Ende der Welt, dem Untergang von Himmel und Erde zuzuordnen zu sein. Die Himmel werden vom Feuer zergehen, die Elemente werden vor Hitze zerschmelzen und die Erde und die Werke darauf werden ihr Urteil finden.

Doch Petrus sagt hier, dass es der „Tag des Herrn” sein wird, an dem dies alles geschieht. Und der Tag des Herrn ist im AT eindeutig das Strafgericht über die Gottlosen und die Umgestaltung von Himmel und Erde, vor dem Millennium. Auch den Hinweis, dass dieser Tag kommen wird „wie ein Dieb” finden wir in manchen anderen Prophezeiungen auf diesen Abschnitt der Endzeit (1The 5,1-4; Off 3,3; 16,15; und in den Evangelien).)

(Siehe auch Kapitel 05: „Der Tag des Herrn”.)

Auch geht die Aussage, dass „die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden” durchaus konform mit den Umständen bei der Verwandlung von Himmel und Erde am Tag des Herrn.

Ein neuer Himmel und eine neue Erde.

Wir haben derartige Aussagen auch im AT, speziell bei Jesaja. Dort finden wir in Jes 13,13 sogar die Prophezeiung, dass die Erde „von ihrer Stätte weichen wird”.

Die Erde soll beben und von ihrer Stätte weichen.

Jes 13,13 Darum will ich den Himmel bewegen, und die Erde soll beben und von ihrer Stätte weichen durch den Grimm des HERRN Zebaoth, am Tage seines Zorns. Jes 13,13;


Ebenso wie bei den Petrusstellen, wäre es auch hier falsch, diese Prophezeiung auf das Ende der Welt zu beziehen. Dort, am Weltende, werden Himmel und Erde „fliehen”, also gemeinsam mit der ganzen ersten Schöpfung „vergehen”. Es wird dort gemäß Off 20,11 und 21,1 „keine Stätte mehr für sie gefunden”.

Vor seinem Angesicht flohen die Erde und der Himmel.

Off 20,11 Und ich sah einen großen, weißen Thron und den, der darauf saß; vor seinem Angesicht flohen die Erde und der Himmel, und es wurde keine Stätte für sie gefunden. Off 20,11;

Denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen.

Off 21,1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Off 21, 1;


Es besteht also keinerlei Anlass, dort darauf hinzuweisen, dass „die Erde von ihrer Stätte weicht”. Die Erde ist vergangen, sie ist nicht mehr existent, ob mit oder ohne von ihrer Stätte zu weichen ist nicht mehr relevant.

Nur hier, am Tag des Herrn, bei der Umgestaltung und Erneuerung von Himmel und Erde, ergibt diese Aussage einen Sinn. Ebenso wie den Himmel, wird es auch die Erde weiterhin geben, aber in umgestalteter Form. Und zu dieser Umgestaltung trägt auch das „Weichen” von ihrer Stätte bei. Die Erde wird möglicherweise ihre Ekliptik, ihre Umlaufbahn um die Sonne, verändern. Und damit könnten vollkommen veränderte klimatische Verhältnisse auf dem Planeten eintreten.

Die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente schmelzen vor Hitze.

2Ptr 3,10 Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden. 2Ptr 3,10;

Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde.

2Ptr 3,13 Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt. 2Ptr 3,13;


Wenn wir uns nun die Texte oben, in 2Ptr 3,10 und 13 ansehen, erkennen wir, dass Petrus von einem „Zergehen” und „Schmelzen” der Himmel und der Erde einerseits und von unserem Warten auf die Verheißung eines „neuen Himmels und einer neuen Erde” andererseits spricht.

Und ebenso, wie mit der Erwähnung des Tag des Herrn im oberen Text (2Ptr 3,10), ein Bezug zum Weltende ausgeschlossen werden konnte, kann auch hier ausgeschlossen werden, dass der „neue Himmel und die neue Erde” einen Bezug zur Neuen Schöpfung nach dem Ende der Welt darstellt.

Es ist der Beisatz „in denen Gerechtigkeit wohnt”, welcher sich eindeutig auf das Millennium bezieht. Dort wird der Herr Jesus, der gerechte Richter, sein Reich der Gerechtigkeit aufrichten und - wie wir in unzähligen Schriftstellen lesen können (Jer 23,5; 33,15; Jes 11,4; 32,1; 33,5; 53,11; etc.) - gerecht richten.

Es ist die von Gott verheißene Ablösung der ungerechten, korrupten und skrupellosen Herrschaft des Menschen durch dieses Reich der Gerechtigkeit und des Friedens, welche diesen Umstand so besonders erwähnenswert macht.

Der Übergang vom Millennium hingegen in die zweite, die Neue Schöpfung, also in die Ewigkeit, wird keine Veränderungen in Bezug auf die Gerechtigkeit bringen, die erwähnenswert wäre. Die Gerechtigkeit wurde im Millennium bereits erfüllt. Hier, in der Neuen Schöpfung, gibt es andere Zielsetzungen, wie ewiges Leben, die Herrlichkeit Gottes, das himmlische Jerusalem etc., doch die Gerechtigkeit wird dieselbe sein.

(Siehe auch Kapitel 14: „Die Neue Schöpfung”.)

Schließlich können wir einen derartigen prophetischen Konnex auch bei Jesaja feststellen. In Jes 51,6 ist die Rede davon, dass „der Himmel wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen” wird, während gegen Ende dieses Abschnitts, in Jes 51,16 der Herr sagt: „...auf dass ich den Himmel von neuem ausbreite und die Erde gründe...”.

Der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen.

Jes 51,6 Hebt eure Augen auf gen Himmel und schaut unten auf die Erde! Denn der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen, und die darauf wohnen, werden wie Mücken dahinsterben. Aber mein Heil bleibt ewiglich, und meine Gerechtigkeit wird nicht zerbrechen. Jes 51, 6;

Auf dass ich den Himmel von neuem ausbreite und die Erde gründe.

Jes 51,16 ich habe mein Wort in deinen Mund gelegt und habe dich unter dem Schatten meiner Hände geborgen, auf dass ich den Himmel von neuem ausbreite und die Erde gründe und zu Zion spreche: Du bist mein Volk. Jes 51,16;


Und auch hier erkennen wir an einem Beisatz, dass damit nicht das Weltende, sondern die Umgestaltung am Tag des Herrn, vor dem Millennium gemeint ist. Anschließend an die eben zitierte Aussage heißt es „dass ich...zu Zion spreche: Du bist mein Volk”. Da Israel bereits im Millennium von seinen Sünden befreit und mit dem Geist Gottes gesegnet sein wird, und dann auch Gott bei ihnen in Zion, im Tempel, wohnt, und er ihr Gott ist und sie sein Volk sind (Hes 37,27), kann dies keine Prophezeiung auf die Neue Schöpfung sein. Israel ist dann bereits seit tausend Jahren Volk Gottes. Und jene, die in der Neuen Schöpfung, in der Ewigkeit „Volk Gottes” sein werden, kommen nicht nur aus Zion, sondern sind alle Gläubigen aller Zeiten.

Sehr wohl ist dies aber eine Prophezeiung auf die Zeit vor dem Millennium, also auf den Tag des Herrn. Hier werden die Geretteten von ihrem Gott gesammelt und nach Zion heimgeführt. Und am Beginn des Millenniums wird der Geist Gottes auf sie ausgegossen und sie werden sein Volk und er, Gott, wird ihr Gott sein.

Der Herr wird unter ihnen wohnen und wird ihr Gott sein und sie sollen sein Volk sein.

Hes 37,26 Und ich will mit ihnen einen Bund des Friedens schließen, der soll ein ewiger Bund (Buber: Weltzeitbund /Anm.) mit ihnen sein. Und ich will sie erhalten und mehren, und mein Heiligtum soll unter ihnen sein für immer (Buber: auf Weltzeit /Anm.) . 37,27 Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein, 37,28 damit auch die Heiden erfahren, dass ich der HERR bin, der Israel heilig macht, wenn mein Heiligtum für immer (Buber: auf Weltzeit /Anm.) unter ihnen sein wird. Hes 37,26-28;


Und dass sich dieser Text wieder nicht auf das Weltende bezieht, erkennen wir aus dem Hinweis „...damit auch die Heiden erfahren...”. In der Neuen Schöpfung gibt es keine Heiden mehr. Auch wird dort kein Heiligtum mehr unter ihnen sein. Im himmlischen Jerusalem wird es keinen Tempel mehr geben, wie es Johannes in der Offenbarung sieht.

Und ich sah keinen Tempel darin; denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel.

Off 21,22 Und ich sah keinen Tempel darin; denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel, er und das Lamm. Off 21,22;


Es zeigt sich also immer wieder, dass man für eine gewissenhafte Auslegung immer den gesamten Kontext und da aber auch jeden einzelnen Nebensatz genau analysieren und mit Parallelstellen vergleichen muss, um eine logisch korrekte Basis für die Interpretation zu bekommen.

Ein letztes derartiges Beispiel sei hier an einer weitere Jesajastelle demonstriert. Wir haben da eine ganz ähnliche Situation wie oben, im 2. Petrusbrief. Hier heißt es in Jes 65,17:

Ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen.

Jes 65,17 Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Jes 65,17;


Folgt man hier dem ersten Eindruck und bezieht man diese Aussagen auf das Weltende und die Neue Schöpfung, kommt man spätestens 3 Verse später in Argumentationsnotstand, wo es heißt:

Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben.

Jes 65,20 Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht. Jes 65,20;


Gibt es doch in der Neuen Schöpfung nach Off 21,4 keinen Tod mehr. Daher kann auch niemand mit hundert Jahren sterben. Und schon gar nicht wird es dort Verfluchte geben. Es sind also beides Prophezeiungen auf die Zeit des Millenniums.

Das Warten auf die Ankunft des Herrn.

Der letzte Abschnitt dieses Briefes nun mahnt uns, die Geduld des Herrn als unsere Rettung zu erachten, unbefleckt und untadelig zu bleiben, und warnt vor den Leichtfertigen, welche die Briefe des Paulus und andere Schriften verdrehen, zu ihrer eigenen Verdammnis.

Während ihr darauf wartet, seid bemüht, dass ihr vor ihm unbefleckt befunden werdet.

2Ptr 3,14 Darum, meine Lieben, während ihr darauf wartet, seid bemüht, dass ihr vor ihm unbefleckt und untadelig im Frieden befunden werdet, 3,15 und die Geduld unseres Herrn erachtet für eure Rettung, wie auch unser lieber Bruder Paulus nach der Weisheit, die ihm gegeben ist, euch geschrieben hat. 3,16 Davon redet er in allen Briefen, in denen einige Dinge schwer zu verstehen sind, welche die Unwissenden und Leichtfertigen verdrehen, wie auch die andern Schriften, zu ihrer eigenen Verdammnis. 3,17 Ihr aber, meine Lieben, weil ihr das im voraus wisst, so hütet euch, dass ihr nicht durch den Irrtum dieser ruchlosen Leute samt ihnen verführt werdet und fallt aus eurem festen Stand.

3,18 Wachset aber in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilands Jesus Christus. Ihm sei Ehre jetzt und für ewige Zeiten! Amen. 2Ptr 3,14-18;


Wir erkennen hier nochmals, dass Petrus zu den Gläubigen spricht. Er nennt sie „meine Lieben”. Und er legt ihnen ans Herz, unbefleckt und untadelig zu bleiben, während sie auf die Ankunft des Herrn warten, so dass sie von ihm im Frieden befunden werden. Aus heutiger Sicht kann man sagen, dass Petrus hier die Ankunft des Herrn zur Auferweckung und Entrückung gemeint hat. Damit wäre dieser Text wieder vor dem Millennium einzuordnen.

(Siehe auch Kapitel 06: „Die Wiederkunft des Herrn”.)

Abschließend kann man feststellen, dass dieses Kapitel aus dem zweiten Petrusbrief wohl einige Schwierigkeiten in der Einordnung bereitet, jedoch mit einer gezielten Analyse und den entsprechenden Parallelstellen, einer logisch begründbaren Auslegung durchaus zugänglich ist.

Man muss aber auch anerkennen, dass wir, die Nachkommenden, für welche diese Prophezeiungen festgehalten wurden, es heute viel leichter haben. Wenn es auch heute keine Propheten mehr gibt, haben wir doch die Schrift und kennen alle Aussagen der Bibel und speziell auch die Aussagen des Herrn in den Evangelien und in der Offenbarung bezüglich der Endzeit.

So können wir uns - wenn auch kein vollkommenes, so doch ein immer besseres Bild von den kommenden Dingen machen.

Und aus dieser heutigen Sicht lässt sich sagen, dass der Text in 2Ptr 3,1-18 mit großer Wahrscheinlichkeit Prophezeiungen auf beide Ereignisse - sowohl auf den Tag des Herrn vor dem Millennium, als auch auf den Tag des Gerichts am Ende der Welt - beinhaltet.

Es wird hier eine besondere Eigenart mancher prophetischer Aussagen deutlich. Es gibt eine oder mehrere „Vorerfüllungen” und eine Enderfüllung. Hier einige Beispiele:

Das Babel der Vorzeit - das Babel der Endzeit.

Antiochus Epiphanes - Antichrist.

Erstauferstehung - Allgemeine Auferstehung.

Das Jerusalem im Millennium - Das himmlische Jerusalem in der Neuen Schöpfung usw.


(Siehe auch die Tabelle 12: „Das irdische und das himmlische Jerusalem”.)

In Bezug auf die Endzeit ist der Tag des Herrn mit der Umgestaltung von Himmel und Erde und dem anschließenden Millennium die Vorerfüllung. Der Tag des Gerichts mit der anschließenden Neuen Schöpfung ist dann die Enderfüllung.

Und wie es scheint, sieht hier Petrus beides gemeinsamen in einer Vision.