Exkurs 08 - Der erste und der zweite Tod.




Die Lebenszeit des Menschen.

Die Gewalt über den Tod.

Der zweite Tod.


Die Lebenszeit des Menschen.

Im Allgemeinen gehen wir davon aus, dass der Tod des Menschen mit etwa 80 oder 90 Jahren – mit wenigen Ausnahmefällen, die etwas älter werden - die notwendige Konsequenz des Lebens ist. Sozusagen eine systemimmanente Zwangsläufigkeit. Ist das aber wirklich so?

Wenn wir zurückblicken, auf die Zeit vor der Sintflut, so erkennen wir, dass damals die Menschen wesentlich länger gelebt haben. Methusalem wurde 969 Jahre, sein Sohn Lamech 777. Nach der Flut ging das Alter der Menschen sukzessive zurück. Arpachschad, ein Sohn Sems, wurde nur mehr 434 Jahre alt, Abraham, dreihundert Jahre nach Arpachschad geboren, immerhin noch 175.

(Siehe auch die Tabelle 01: „Zeittafel von Adam bis Jakob”.)

Wenn wir nun den Werdegang des Menschen zurückverfolgen bis zu seiner Erschaffung, können wir erkennen, dass es der ursprüngliche Wille Gottes war, dem Menschen im Garten Eden eine unbeschränkte, ewige Lebensdauer einzuräumen. Das vermittelt uns auch 1Mo 3,22.

Dass er nicht breche von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich!

1Mo 3,22 Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Nun aber, dass er nur nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich! 1Mo 3,22;


Hier wird bestätigt, dass der Mensch, wenn er nur vom Baum des Lebens gegessen hätte, ewig gelebt hätte. Doch wie wir wissen, haben sich die ersten Menschen an das Gebot des Herrn, ihres Gottes, nicht gehalten. Sie haben verbotenerweise vom Baum der Erkenntnis gegessen. Und für diesen Fall hatte ihnen Gott prophezeit, dass sie sterben müssten.

An dem Tage, da du von dem Baum der Erkenntnis isst, musst du des Todes sterben.

1Mo 2,16 Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, 2,17 aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm issest, musst du des Todes sterben. 1Mo 2,16-17;


(Siehe auch Diskurs 96: „Warum glauben?”.)


Dies meinte natürlich nicht, dass sie gleich nach dem Sündenfall sterben müssten, sondern dass sie überhaupt sterben werden und eben nicht – wie vorgesehen - ewig leben dürften. Diese unterschiedliche Auslegungsmöglichkeit nutzte aber scheinbar Satan, als er die Eva verführte.

Ihr werdet keineswegs des Todes sterben.

1Mo 3,4 Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, 3,5 sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esset, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. 1Mo 3, 4- 5;


Wir sehen, dass schon das erste Wort, das Satan an den Menschen gerichtet hat, nicht die Wahrheit, aber auch keine eindeutige Lüge, sondern eine Halbwahrheit war. Wie sich nach der Vertreibung aus dem Paradies (richtiger: Garten Eden) herausgestellt hat, sind die beiden tatsächlich nicht (gleich) gestorben, sondern haben noch Hunderte Jahre weitergelebt. Adam ist 930 Jahre alt geworden und hat noch die Zeit des Lamech, des Vaters von Noah, miterlebt.

Methusalem, nach der Schrift der Mensch, der am längsten gelebt hat, wurde 969 Jahre alt. Man könnte sich also vorstellen, dass die Lebensdauer des Menschen, welche ihm Gott nach der Vertreibung aus dem Garten Eden zugedacht hatte, etwa tausend Jahre betragen hat.

Doch auch dieses Zugeständnisses haben sich die Menschen nicht als würdig erwiesen. Sie fielen in Massen von Gott ab und gingen ihre eigenen Wege. Dies führte dann zur Sintflut, in der die Gottlosen vernichtet und nur Noah mit seiner Familie gerettet wurden.

Die Generationen nach der Flut wurden dann nur mehr etwa halb so alt. Arpachschad, ein Sohn Sems, wurde 438, dessen Sohn Schelach 433 und der Sohn Schelachs, Eber 464 Jahre alt. In der Zeit dieses Eber versuchten die Menschen dann in Babel, der Stadt des Nimrod, einen Turm zu bauen, „dessen Spitze bis an den Himmel” reichen sollte.

Um diesem Hochmut der damaligen Menschen Einhalt zu gebieten, hat Gott die Sprache - welche bis dahin unter allen Menschen einheitlich war, sodass jeder von allen verstanden wurde - „verwirrt”. Dadurch wurden sie letztlich von ihrem Vorhaben des Turmbaues abgebracht, aber auch ihr Lebensalter verringerte sich ab diesem Zeitpunkt drastisch. Wurden die ersten Generationen nach der Sprachenverwirrung noch 230 bis 240 Jahre, war das Alter bei Jakob, dem Stammvater der Israeliten, bereits auf 147 Jahre gesunken.

Doch dieser sukzessiven Reduzierung des Lebensalters des Menschen, welche sich über viele Generationen und über fast viertausend Jahre hingezogen hatte, ist eine Entscheidung Gottes, schon vor der Sintflut vorangegangen. In 1. Mose 6,3 erfahren wir von dieser Entscheidung Gottes:

Ich will ihm als Lebenszeit geben hundertundzwanzig Jahre.

1Mo 6,3 Da sprach der HERR: Mein Geist soll nicht immerdar im Menschen walten, denn auch der Mensch ist Fleisch. Ich will ihm als Lebenszeit geben hundertundzwanzig Jahre. 1Mo 6, 3;


Obwohl also damals die Menschen noch annähernd tausend Jahre alt wurden, hatte Gott bereits beschlossen, sie - am Ende – nicht älter als 120 Jahre werden zu lassen.

Das in der Zukunft zu erwartende Friedensreich unseres Herrn Jesus Christus wird, wie wir den Aussagen vieler prophetischer Texte entnehmen können, nicht nur tausend Jahre währen, sondern auch das Volk Gottes in diesem Reich wird wieder das Alter der früheren Generationen – bis zu tausend Jahre – erreichen. Doch bis dahin sind diese 120 Jahre die Obergrenze dessen, was der Mensch an Lebenszeit zu erwarten hat.

Eine wissenschaftliche Bestätigung hat diese Aussage erst in unserer Zeit erfahren. Die Gerontologie (Altersforschung) hat nachgewiesen, dass die Telomere – das sind die Chromosomen-Enden der Zellen - , durch ihre Länge (die im Laufe der Zeit durch das Enzym der Telomerase sukzessive abgebaut wird) die oberste Grenze der biologischen Lebensdauer angeben. Beim Menschen ergibt sich dadurch eine maximal mögliche Lebenszeit von 120 Jahren. Diese Erkenntnis ist nach seinem Entdecker, dem Gerontologen Leonard Hayflick, als die „Hayflick-Grenze” bekannt.

(Siehe auch Kapitel 10: „Das Millennium”.)


Die Gewalt über den Tod.

Wir haben aber noch eine Aussage in der Schrift, welche die Gewalt Gottes über den Tod bestätigt. Als der Prophet Jesaja zu König Hiskia kommt, um ihn mit einem Wort des Herrn seinen baldigen Tod anzukündigen, betete Hiskia zu seinem Gott. Und Gott erhörte das Gebet des Königs und verlängerte sein Leben um fünfzehn Jahre.

Ich will fünfzehn Jahre zu deinem Leben hinzutun.

2Kg 20,1 Zu dieser Zeit wurde Hiskia todkrank. Und er Prophet Jesaja, der Sohn des Amoz, kam zu ihm und sprach zu ihm: So spricht der HERR: Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht am Leben bleiben. 20,2 Er aber wandte sein Antlitz zur Wand und betete zum HERRN und sprach: 20,3 Ach, HERR, gedenke doch, dass ich vor dir in Treue und mit rechtschaffenem Herzen gewandelt bin und getan habe, was dir wohlgefällt. Und Hiskia weinte sehr.

20,4 Als aber Jesaja noch nicht zum mittleren Hof hinausgegangen war, kam des HERRN Wort zu ihm: 20,5 Kehre um und sage Hiskia, dem Fürsten meines Volks: So spricht der HERR, der Gott deines Vaters David: Ich habe dein Gebet gehört und deine Tränen gesehen. Siehe, ich will dich gesund machen - am dritten Tage wirst du hinauf in das Haus des HERRN gehen -, 20,6 und ich will fünfzehn Jahre zu deinem Leben hinzutun und dich und diese Stadt erretten vor dem König von Assyrien und diese Stadt beschirmen um meinetwillen und um meines Knechtes David willen. 2Kg 20, 1- 6;


Die obigen Ausführungen lassen nun zweifellos den Schluß zu, dass der Todeszeitpunkt des Menschen, oder anders gesehen, die Dauer seines Lebens, von Gott beliebig verändert werden kann. Und damit steht auch fest, dass es Gott ist, der die Gewalt über den Tod hat.

Nun heißt es aber von Jesus Christus:

Er hat durch seinen Tod die Macht genommen dem, der Gewalt über den Tod hatte.

Hbr 2,14 Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hat auch er es (das Fleisch /Anm.) gleichermaßen angenommen, damit er durch seinen Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel, 2,15 und die erlöste, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte (Sklaven) sein mussten. Hbr 2,14-15;


Wer hat also nun Gewalt über den Tod? Gott oder der Teufel?

Die einen sagen Gott, und verweisen auf 1Mo 6,3 und das abnehmende Alter der Patriarchen in der Zeit vor und nach der Flut. Die anderen sagen der Teufel, und führen Hbr 2,14 als Beweis dafür an. Doch wie so oft in der Schrift, sind es nicht die Schrifttexte, die da etwa widersprüchlich oder gar falsch wären, sondern es sind die Ausleger, welche eben die eine oder die andere Aussage ungeprüft und ohne Analyse in den Raum stellen.

Tatsächlich ist es so, dass die beiden in Frage stehenden Schriftstellen, 1Mo 6,3 und Hbr 2,14-15, völlig unterschiedliche Themen behandeln. Wie die obige Argumentation zeigt, bezieht sich der erste Text auf die Lebenszeit des Menschen, welche selbstverständlich von Gott, als dem Schöpfer alles Lebens bestimmt werden kann. Der Tod ist hier nur insofern von Bedeutung, als er diese Lebenszeit beendet.

Die zweite Stelle hingegen, aus dem Hebräerbrief, bezieht sich auf einen völlig anderen Zusammenhang. Doch um die Aussagen besser zu verstehen, wollen wir eine kurze Textanalyse durchführen. Es heißt im Vers Hbr 2,14: „ …damit er (der Herr Jesus) durch seinen Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel und die erlöste, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte / Sklaven sein mussten.”

Hier stellen sich folgende Fragen:

-  Was ist das für eine „Macht”, welche der Herr durch seinen Tod dem Teufel genommen hat?

-  Wieso hatte der Teufel Gewalt über den Tod?

-  Wieso hatten jene, die durch Jesu Tod erlöst wurden Furcht vor dem Tod?

-  Wessen Knechte / Sklaven mussten sie deshalb im ganzen Leben sein?


Bevor wir uns nun an eine Interpretation heranwagen, wollen wir andere Ausleger zu Wort kommen lassen.

Luther kommentiert hier beispielsweise:

„ …Christus hat uns vom Teufel erlöst: nicht, dass er nicht mehr sei, sondern, dass er nicht gefürchtet werde; so auch vom Tode: nicht, dass der Tod nicht mehr sei, sondern, dass er nicht gefürchtet werde”.


Diese Erklärungen sind im wesentlichen die Aussagen des obigen Schrifttextes und beantworten keine der sich in diesem Zusammenhang stellenden Fragen.

Ein anderer Kommentar lautet:

„Dem Teufel kommt Gewalt über den Tod in dem Sinne zu, nicht dass er seiner Willkür anheim gegeben wäre, wann und wie er den Tod verhängen wolle, wohl aber so, dass er am Tode seinen Machtbereich hat. Weil er der Urheber des Todes ist, so unterstehen die Sterbenden und die Verstorbenen vermöge ihres Sterbens seiner Obmacht” (E. Riggenbach, zitiert bei F. Laubach, WStb, Der Brief an die Hebräer).


Auch hier beschreibt der Autor – mit etwas anderen Worten - eben das, was wir im Originaltext des Hebräerbriefes auch lesen können. Wir erfahren zwar, dass der Tod nicht der Willkür des Teufels anheim gegeben ist, eine Beantwortung unserer obigen Fragen suchen wir allerdings auch hier vergeblich.

Wenn wir nun versuchen, diesen Text anhand der Schrift auszulegen müssen wir beachten, dass der Hebräerbrief – wie der Name schon sagt – an die Hebräer, die Israeliten, also die Gemeinde in Israel gerichtet war. Im ersten Kapitel versucht der Schreiber die Gottessohnschaft Jesu anhand des AT nachzuweisen und gleichzeitig die – scheinbar unter den Empfängern verbreitete - Auffassung zu widerlegen, dass Jesus ein Engel war.

Im zweiten Kapitel wird die Menschwerdung Jesu und sein Stellvertretertod für die Sünden aller Menschen – der „Nachkommenschaft Abrahams” – und damit die „Rettung aus Gnade” erklärt.

Das verkündete Wort war fest und jede Übertretung empfing gerechte Vergeltung.

Hbr 2,1 Deswegen müssen wir um so mehr auf das achten, was wir gehört haben, damit wir nicht etwa am Ziel vorbeigleiten. 2,2 Denn wenn das durch Engel verkündete Wort fest war und jede Übertretung und jeder Ungehorsam gerechte Vergeltung empfing, 2,3 wie werden wir entfliehen, wenn wir eine so große Rettung missachten? Sie ist ja, nachdem sie ihren Anfang damit genommen hatte, dass sie durch den Herrn verkündet wurde, uns gegenüber von denen bestätigt worden, die es gehört haben, 2,4 wobei Gott zugleich Zeugnis gab durch Zeichen und Wunder und mancherlei Machttaten und Austeilungen des Heiligen Geistes nach seinem Willen. Hbr 2, 1- 4;


Im Zusammenhang mit der Erlösungstat Jesu kommt der Schreiber nun hier, in Hbr 2,2 auf das „Gesetz” – die Gebote, die Mose den Israeliten gebracht hatte - zu sprechen. Die Rettung im Alten Bund war nur durch die unbedingte Einhaltung dieser Gebote zu erreichen. Jeder Ungehorsam und jede Übertretung empfing die gerechte Vergeltung, wie wir auch in der Parallelstelle in Apg 7,52-53 lesen können.

Ihr habt das Gesetz durch Anordnung von Engeln empfangen und nicht befolgt.

Apg 7,52 Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben die getötet, welche die Ankunft des Gerechten vorher verkündigten, dessen Verräter und Mörder ihr jetzt geworden seid, 7,53 die ihr das Gesetz durch Anordnung von Engeln empfangen und nicht befolgt habt. Apg 7,52-53;


Wer nun diese Anordnungen des atl. Gesetzes nicht befolgte, der war des Todes schuldig und wurde zu Tode gesteinigt. Dies bestätigt auch der Hebräerbrief selbst.

Hat jemand das Gesetz Moses verworfen, stirbt er auf zwei oder drei Zeugen hin.

Hbr 10,26 Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig, 10,27 sondern ein furchtbares Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verzehren wird. 10,28 Hat jemand das Gesetz Moses verworfen, stirbt er ohne Barmherzigkeit auf zwei oder drei Zeugen hin. 10,29 Wie viel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat? Hbr 10,26-29;


In seiner weiteren Argumentation im zweiten Kapitel, stellt nun der Schreiber des Hebräerbriefes dieser Rettung bzw. Rechtfertigung nach dem mosaischen Gesetz, die Rettung aus Gnade durch den Opfertod des Herrn gegenüber.

Jesus, der durch Gottes Gnade für jeden den Tod schmeckte.

Hbr 2,9 Wir sehen aber Jesus, der ein wenig unter die Engel erniedrigt war, wegen des Todesleidens mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, damit er durch Gottes Gnade für jeden den Tod schmeckte. 2,10 Denn es geziemte ihm, um dessentwillen alle Dinge und durch den alle Dinge sind, indem er viele Söhne zur Herrlichkeit führte, den Urheber ihrer Rettung durch Leiden vollkommen zu machen. Hbr 2, 9-10;


Und dann kommen wir auch schon zu jenem Text, welchen wir hier analysieren wollen. Um den Anschluss an den obigen Kontext nicht zu verlieren, werden wir zuerst den zweiten Vers – Hbr 2,15 – betrachten.

Er erlöste die, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mussten.

Hbr 2,14 Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hat auch er es (das Fleisch /Anm.) gleichermaßen angenommen, damit er durch seinen Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel, 2,15 und die erlöste, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte (Sklaven) sein mussten. Hbr 2,14-15;


Es heißt hier, dass der Herr Jesus durch seinen Tod die erlöste, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mussten. Diese Todesfurcht wird meistens auf die Mitglieder der Gemeinde bezogen und speziell die nachfolgende Aussage: „… im ganzen Leben Knechte sein mussten”, wird auf die Knechtschaft gegenüber der Sünde gedeutet. Wenn wir uns aber den Text genau besehen, kann die Deutung auf die Gemeinde nicht stimmen. Denn dann müssten ja diese Geschwister aus Furcht vor dem Tode, ihr ganzes Leben lang Knechte der Sünde gewesen sein. Und das ist genau das Gegenteil der Aussagen des Evangeliums, das besagt, dass wir die Sünde fliehen sollen – auch um den Preis, dass wir den Tod erleiden müssen.

Unter Berücksichtigung des vorangegangenen Kontextes, in welchem wir festgestellt haben, dass hier den Israeliten die Rettung aus Gnade – im Gegensatz zu der von ihnen bisher gekannten Rettung aus der Einhaltung des Gesetzes – erklärt werden sollte, müssen wir den Text aus Vers Hbr 2,15 daher anders interpretieren.

Hier wird nicht die Gemeinde angesprochen, sondern die neubekehrten Israeliten. Und hier, in diesem Vers 15 (nicht 14!), ist nicht vom Evangelium die Rede, sondern vom Alten Bund. Es heißt ja „… und die erlöste, die (…) Sklaven sein mussten”. Es geht also um das Verhalten der neubekehrten jüdischen Geschwister in der Vergangenheit, unter dem Gesetz des Mose. Und nun lässt sich dieser Vers auch ohne Probleme auflösen. Jene Israeliten, welche zum Glauben an Jesus Christus gekommen sind, und welche der Herr hier erlöst hat, waren in ihrem früheren Leben Knechte / Sklaven des (mosaischen) Gesetzes. Und sie mussten dieses Gesetz, diese Gebote, auch sklavisch einhalten, denn – wie wir oben in Hbr 10,28 gelesen haben – „hat jemand das Gesetz Moses verworfen, stirbt er ohne Barmherzigkeit auf zwei oder drei Zeugen hin”. Und daher waren sie auch „durch Furcht vor dem Tod (durch Steinigung) im ganzen Leben Knechte (des Gesetzes)”.

Damit hätten wir den Sinn von Vers Hbr 2,15 erkannt und können nun versuchen, den ersten Teil dieses Satzes, im Vers Hbr 2,14, zu analysieren. Der für unser Vorhaben relevante Teil dieses Satzes lautet: „, damit er (Jesus) durch seinen Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel”. Wie wir weiter oben gesehen haben, wird auch dieser Text – seit Luther! – relativ diffus ausgelegt. Wenn hier steht, dass der Teufel „Gewalt über den Tod hatte” und wir dann in der Erklärung Riggenbachs im oben zitierten Buch von Laubach lesen: „Dem Teufel kommt Gewalt über den Tod in dem Sinne zu, nicht dass er seiner Willkür anheim gegeben wäre, wann und wie er den Tod verhängen wolle”, dann stellt sich die Frage, was denn „Gewalt” anderes bedeuten sollte als Willkür.

Allerdings ist dieser semantische Aspekt für unsere Betrachtung gar nicht so sehr von Interesse, als eher der Umstand, dass sich die meisten Erklärer hier in einem Punkt einig sind: Sie sehen in dem hier erwähnten „Tod”, über den der Teufel die Gewalt hat, den ganz natürlichen, biologischen Tod des Menschen.

Nun steht dieser Satzteil ja auch im Imperfekt, in der Vergangenheitsform, es heißt: „..der Gewalt über den Tod hatte..”. Wir können also davon ausgehen, dass der Teufel durch den Erlösungstod Jesu diese Gewalt über den Tod verloren hat. Und dies ist nun die Schwierigkeit für jene Interpreten, die hier den biologischen Tod sehen wollen. Wenn der Teufel durch den Opfertod des Herrn die Gewalt über diesen Tod verloren hatte, dann müsste sich ja an diesem Tod etwas geändert haben. Es müsste einen Unterschied geben, wenn der Teufel den Tod beherrscht oder wenn er es nicht tut. Doch es hat sich nichts geändert. Wir Menschen sterben diesen Tod heute genauso wie vor zweitausend oder vor fünftausend Jahren. Ob Gerechte oder Ungerechte – alle sterben seit jeher denselben Tod.

Und hier setzen manche an und meinen, dass seit dem Tod und der Auferstehung des Herrn, die Gläubigen nicht mehr ins Totenreich fahren, sondern direkt in den Himmel zum Herrn gelangen. Fritz Laubach hat in seiner Auslegung des Hebräerbriefes (oben zitiert) diesen Ansatz gewählt, wenn er schreibt (S 69):

„Sie (die Glieder der Gemeinde) können nun ohne Furcht dem Ende ihrer irdischen Lebenszeit entgegensehen, weil für sie der Tod der Durchgang zur ewigen Herrlichkeit Gottes wird”:


Das heißt, die Glieder der Gemeinde werden nach ihrem Tod nicht mehr in das Totenreich kommen und dort bis zur Auferweckung warten müssen, sondern gleich in den Himmel entrückt.

Diese Ansicht wäre für jeden Christen sehr beruhigend und könnte uns sicherlich allen gefallen, wäre da nicht ein gegenteiliger Schriftbeweis. In 1The 4,15-17 gibt Paulus an seine Gemeinde in Thessaloniki eine Offenbarung weiter, welche er vom Herrn erhalten hatte. Und hier prophezeit er ihnen – und damit auch uns – dass die Auferstehung der Toten in Christus erst bei der Wiederkunft des Herrn erfolgen wird. Die Toten in Christus werden zuerst aus dem Totenreich auferweckt, danach gemeinsam mit den Lebenden entrückt und erst dann werden sie allezeit beim Herrn sein.

Die Toten in Christus werden zuerst auferweckt.

1The 4,15 Denn dies sagen wir euch in einem Wort des Herrn, dass wir, die Lebenden, die übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden. 4,16 Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferweckt; 4,17 danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein. 1The 4,15-17;


(Siehe auch den Exkurs 09: „Das Paradies”.)

Daher können die gläubigen Toten aller Zeiten nicht beim Herrn im Himmel gewesen sein, sondern waren offensichtlich bis zu diesem letzten Moment der Wiederkunft des Herrn tot - also im Totenreich. Tod und Auferstehung Jesu haben also am physischen Tod des Menschen – bis zur Wiederkunft des Herrn - nichts geändert.

Könnte es nun sein, dass mit dieser „Gewalt über den Tod”, welche dem Teufel durch Golgatha genommen ist, die Auferstehung selbst gemeint ist? Auch dieser Ansatz ist nicht unlogisch. Dies würde allerdings bedeuten, dass die Auferstehung erst mit dem Kreuzestod des Herrn „schlagend” geworden wäre. Doch wir haben einerseits Auferstehungstexte im AT und auch der Umstand, dass der Herr darüber mit den Sadduzäern diskutierte (Mt 22,23-33) und schon zu seinen Lebzeiten die Auferstehung für gegeben erachtete bzw. mit einer Schriftstelle des AT nachgewiesen hat, zeigt uns, dass auch die Auferstehung von Anbeginn im Plan Gottes mit den Menschen vorgesehen war und nicht erst durch den Opfertod Jesu erkauft werden musste.

Es scheint nun, dass wir alle denkbaren Möglichkeiten für eine Deutung dieses Textes in Hbr 2,14 im Zusammenhang mit der Gewalt des Teufels über den Tod des Menschen geprüft haben, ohne zu einem befriedigenden Ergebnis gekommen zu sein. Doch wie wir gleich sehen werden, ist die Beantwortung dieser Frage deshalb so schwierig, weil offenbar die Fragestellung falsch ist. Die Frage sollte nicht lauten:

Welche Gewalt über den Tod wurde dem Teufel durch Golgatha genommen”, sondern:

„Die Gewalt über welchen Tod wurde dem Teufel durch Golgatha genommen”.


Wir haben nämlich in der Schrift, in der Offenbarung des Johannes, den Hinweis auf einen „zweiten Tod”.

Wer überwindet, wird keinen Schaden erleiden von dem zweiten Tod.

Off 2,11 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, wird keinen Schaden erleiden von dem zweiten Tod. Off 2,11;

Der zweite Tod.

Es gibt also nach der Schrift zwei „Tode”. Der erste Tod ist der biologische, physische Tod, wie wir ihn kennen. Und wie wir oben gesehen haben, ist dieser Tod die Folge der Erbsünde Adams. Doch es ist nicht nur diese eine Sünde, welche auf der ganzen Menschheit lastet. Es sind alle persönlichen Sünden jedes einzelnen Menschen, welche ihn schuldig machen und ebenso ihre Konsequenzen haben wie die Erbsünde. Sie führen zum Tod. Allerdings ist dieser Tod nicht mehr von dieser Welt. Wie wir aus Off 20,14 erfahren, ist der zweite Tod der Feuersee, der See, der mit Feuer und Schwefel brennt und in den alle Gottlosen und Unbußfertigen am Ende der Welt geworfen werden.

Dies ist der zweite Tod, der Feuersee.

Off 20,14 Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geworfen. Dies ist der zweite Tod, der Feuersee. Off 20,14;


Bei der Allgemeinen Auferstehung, der „Wiedergeburt”, wie sie der Herr nennt (Mt 19,28), werden alle Toten mit einem Auferstehungsleib auferstehen und im Weltgericht vor ihrem Richter stehen. Die Gerechten werden dann in das himmlische Jerusalem, die Neue Schöpfung Gottes in der Ewigkeit eingehen. Die Ungerechten jedoch werden mit ihrem wiedergeborenen Auferstehungsleib den „Wiedertod” erleiden und ein zweites Mal sterben.

(Siehe auch den Exkurs 07: „Der Auferstehungsleib”.)

Dieser zweite Tod ist aber nicht die Vernichtung und „rückstandslose” Auflösung des Menschen, wie manche meinen, sondern eine ewige, körperlose Existenz in Verdammnis, abseits von Gott und seiner Liebe. Das klingt noch einmal in der Offenbarung an:

Der Teil der Ungläubigen wird in dem feurigen Pfuhl sein; das ist der zweite Tod.

Off 21,8 Die Feigen aber und Ungläubigen und Frevler und Mörder und Unzüchtigen und Zauberer und Götzendiener und alle Lügner, deren Teil wird in dem Pfuhl sein, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod. Off 21, 8;

(Siehe auch Kapitel 12: „Die Auferstehung”.)

Der Sünde Sold ist der Tod.

Die Texte hier unten, aus Röm 6, handeln ebenfalls vom Tod. Und zwar vom Tod als dem Lohn der Sünde. Und auch hier wird klar, dass es sich dabei nicht um den ersten, den körperlichen Tod des Menschen handeln kann. Aufgrund unserer Erfahrung wissen wir, dass in dieser Welt Sünde und Ungerechtigkeit nicht mit dem Tod des Menschen, sondern in vielen Fällen mit Macht, Reichtum und langem Leben belohnt wird. Es gibt dafür sowohl in der Geschichte, als auch in unserer Zeit genügend Beispiele, dass etwa die brutalsten Diktatoren, welche für den Tod von Hunderttausenden von Menschen verantwortlich waren, ein außergewöhnlich hohes Alter erreicht haben (wie in unseren Tagen z. B. der chilenische Diktator Pinochet).

Der Lohn der Sünde ist daher nicht der physische Tod, sondern auch hier weist uns Paulus auf den zweiten Tod hin, welchen alle jene zu erwarten haben, deren Sünden nicht vergeben worden sind.

Ihr seid Knechte dessen, dem ihr gehorcht: Sklaven der Sünde zum Tod.

Röm 6,16 Wisst ihr nicht, dass, wem ihr euch zur Verfügung stellt als Knechte zum Gehorsam, ihr dessen Knechte / Sklaven seid, dem ihr gehorcht? Entweder Sklaven der Sünde zum Tod oder Knechte des Gehorsams zur Gerechtigkeit? Röm 6,16;

Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben.

Röm 6,20 Denn als ihr Sklaven der Sünde wart, da wart ihr frei von der Gerechtigkeit. 6,21 Was hattet ihr nun damals für Frucht? Solche, deren ihr euch jetzt schämt; denn das Ende derselben ist der Tod. 6,22 Nun aber, da ihr von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden seid, habt ihr darin eure Frucht, dass ihr heilig werdet; das Ende aber ist das ewige Leben. 6,23 Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn. Röm 6,20-23;


Auch die Gegenüberstellung dieses Todes - als dem Sold der Sünde - und der Gabe Gottes, dem ewigen Leben oben, im Vers Röm 6,23, zeigt, dass hier dieser zweite, letzte und endgültige Tod gemeint ist, im Gegensatz zum letztgültigen, ewigen Leben.

Aber wir haben auch an anderen Stellen im NT Hinweise auf diesen zweiten Tod. So sagt der Herr in Mt 8,21-22 zu einem Jünger, der noch eilig seinen Vater begraben wollte, bevor er Jesus nachfolgen konnte:

Folge du mir, und lass die Toten ihre Toten begraben!

Mt 8,21 Und ein anderer unter den Jüngern sprach zu ihm: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. 8,22 Aber Jesus spricht zu ihm: Folge du mir, und lass die Toten ihre Toten begraben! Mt 8,21-22;


Hier haben wir in einem einzigen, kurzen Satz sowohl den ersten, physischen Tod an unserem Lebensende, als auch den zweiten, geistlichen Tod, nach dem Weltgericht, am Ende der Welt, angesprochen. Für den Herrn sind jene, die hier ihre Toten begraben, auch schon Tote, nämlich Tote des zweiten Todes, weil sie sich nicht zu Gott bekehren wollen und weiterhin in ihren Sünden verharren.

(Siehe auch Kapitel 13: „Das Weltgericht”.)

Wie nun Paulus in Röm 6,16 sagt, sind wir Sklaven dessen, dem wir gehorchen. Entweder Sklaven der Sünde zum Tode oder Knechte des Gehorsams zur Gerechtigkeit.

Um diese Knechtschaft der Sünde richtig zu verstehen, müssen wir uns bewusst machen, was Sünde eigentlich ist: Sünde ist jedwedes Handeln gegen die Gebote Gottes. Und hier geht es in den meisten Fällen nicht um Mord, Raub und Totschlag, sondern um die Sünden des täglichen Lebens: Bosheit, Geiz, Habgier, Neid, Hass, Diebstahl, Lüge, falsches Zeugnis („Leute-Ausrichten”), Betrug, Ehebruch, Alkohol- oder Drogenabhängigkeit, usw.

Und hier zeigt sich bei vielen Menschen die Schwierigkeit, sich diese Sünden einzugestehen. Die Lüge wird als „kleine Notlüge” abgetan, das zuviel erhaltene Retourgeld wird eingesteckt und dies nicht als Betrug erkannt, weil man ja selbst nicht „schuld” ist, der kleine Seitensprung wird damit entschuldigt, dass der Partner ja wahrscheinlich auch nicht treu ist usw.

Doch auch wenn der Mensch sich dann dazu entschließt, die eine oder andere Sünde abzulegen, muss er erkennen, dass dies nicht so leicht möglich ist. Da gibt es dann den inneren Widerstand, der sich weigert, diese Gewohnheit aufzugeben. Der sogar meint ein „Recht” darauf zu haben, „denn schließlich und endlich… ” Diese Art der Argumentation dürfte wohl den meisten bekannt sein. Und das ist nun der Beweis dafür, dass wir an die Sünde verkauft sind. Wir sind Sklaven unserer Sünden.

Wie wir sehen, ist der unerlöste Mensch seinen Sünden ausgeliefert und kann sich nicht von ihnen befreien. Wenn es ihm dennoch bei einer gelingen sollte, fällt er wahrscheinlich sofort in eine andere Sünde, welche womöglich noch schwerer wiegt, als die erste. Dies ist die Knechtschaft der Sünde: wir sind Gefangene unserer Begierden und Sünden.

Die Begierde gebiert die Sünde, die Sünde, wenn sie vollendet ist, den Tod.

Jak 1,13 Niemand sage, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand. 1,14 Sondern ein jeder, der versucht wird, wird von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt. 1,15 Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod. Jak 1,13-15;


Anhand der obigen Aussage in Jak 1,13-15 können wir nun auch die eingangs gestellte Frage beantworten, wieso der Teufel Gewalt über den Tod hat. Seit Adam und Eva ist es der Satan, durch den Versuchungen in die Welt gelangen. Doch diese Versuchungen, wenn sie unbeachtet bleiben, können niemandem schaden – außer jenen Menschen, welche sich dafür hergeben, um andere zu versuchen, wie auch der Herr in Mt 18,6-7 sagt.

Es müssen ja Verführungen kommen; doch weh dem Menschen der zum Abfall verführt.

Mt 18,6 Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist. 18,7 Weh der Welt der Verführungen wegen! Es müssen ja Verführungen kommen; doch weh dem Menschen, der zum Abfall verführt! Mt 18, 6- 7;


Doch wenn unsere eigenen Begierden diese Versuchung aufgreifen und realisieren, wird dadurch die Sünde geboren. Die Sünde ihrerseits aber, wenn sie vollendet ist, führt zum (zweiten) Tod.

Wie wir sehen, ist die Gewalt des Teufels über den (zweiten) Tod nur eine indirekte. Er bringt die Versuchung – deren Annahme und Realisierung liegt im Verantwortungsbereich des Menschen. Dennoch ist diese Methode Satans – wie die Weltgeschichte beweist – eine äußerst erfolgreiche.

Das Opfer des Herrn Jesus für unsere Sünden.

Ist es nun aber nicht so, dass wir alle gesündigt haben? Dass wir alle schon den Versuchungen des Satans erlegen sind? Genau so ist es! Schon Paulus schreibt uns im Römerbrief: „ – wir haben soeben bewiesen, dass alle (…) unter der Sünde sind, wie geschrieben steht: ‘Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer’”. Und infolgedessen wären wir eigentlich alle verloren und zum zweiten Tod im Feuersee verurteilt. Die Sünden, die wir einmal begangen haben, können von uns nicht mehr ungeschehen gemacht werden.

Ein Sündopfer, wie es die Juden in der Gestalt eines Stiers oder eines Schafbockes geopfert haben, würde nicht reichen, um unser aller Sünden zu tilgen. Nicht einmal wenn man alle Rinder und Schafe der Welt schlachten würde.

Deshalb hat Gott ein Opfer ausersehen, welches tatsächlich imstande ist, die Schuld aller Menschen zu tilgen. Er hat seinen Sohn gesandt, der als Gott wohlgefälliges Opfer, für die Sünden der ganzen Welt den Opfertod gestorben ist. Und dieses Opfer hat die Macht der Sünde und damit die Macht des Teufels über den zweiten Tod gebrochen. Der Hintergrund dieses stellvertretenden Opfers wird in unserer Zeit viel zu wenig bewusst wahrgenommen und deshalb soll er hier etwas näher ausgeführt werden.

Da ist einmal der absolut gerechte Gott, der Ungerechtigkeit - und damit Sünde - nicht duldet. Es ist dies jener Gott, den die gläubigen Juden von Anfang an und bis heute anbeten und verehren. Und da ist der Mensch, dem es nicht und nicht gelingt, diese Forderung zu erfüllen. Nicht etwa, weil diese Forderung, dieses Gesetz, an sich unerfüllbar wäre. Nein, das Gesetz Gottes, seine Gebote, sind nur recht und billig, und wenn alle Menschen sie halten würden, wäre diese Welt friedvoll und gerecht.

Doch der Mensch meint in seinem Größenwahn, sich an diese Gebote nicht halten zu müssen. Ja er meint, in nicht mehr zu übertreffender Überheblichkeit, sich eigene Gebote machen zu können und diese Gebote Gottes – ja sogar diesen Gott – nicht mehr zu benötigen.

Auch hier erkennen wir wieder die Handschrift des „Lichtengels” Luzifer: hatte er den Menschen im Anbeginn eingeflüstert: „Ihr werdet nicht sterben”, so tönt es jetzt: „Ihr braucht keinen Gott”. Und wie schon unsere Stammeltern, geben auch wir diesen Einflüsterungen nur allzugern nach und spielen selbst „Gott”. Damit hat aber der Teufel zwei Fliegen mit einer Klappe getroffen. Er trennt uns von unserem Gott, sodass wir unfähig werden, diesen unseren Gott zu lieben, und er trennt gleichzeitig Gott von uns, weil wir uns damit auch der Liebe Gottes verschließen.

Damit verstoßen wir aber gegen das erste und wichtigste Gebot:

Der HERR ist unser Gott, der HERR allein.

Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele
und mit all deiner Kraft
. (5Mo 6,4-5)


Bis vor zweitausend Jahren war dieses Dilemma nur den gläubigen Juden gegenwärtig. Denn nur sie glaubten ja bis dahin an diesen einen und einzigen Gott. Und ihnen wurde gewährt, sich von ihrer Sünde durch Blut reinzuwaschen. Durch das Blut eines Opfertieres.

Doch dann hat Gott seinen eigenen Sohn gesandt, um dieses Schlachten zu beenden. Ähnlich wie wir es von Abraham mit seinem Sohn Isaak kennen, den Gott im letzten Moment zurückhielt, sodass Isaak am Leben bleiben konnte, hat nun Gott sich selbst, in der Person seines einzigen Sohnes geopfert. Und im Gegensatz zur Situation bei Abraham, war da niemand, der ihn hätte zurückhalten können.

Für diese Vorgangsweise Gottes gibt es wohl kein besseres Gleichnis, als die von dem Nationalökonomen Roscher berichtete Handlung des Awaren-Fürsten Schamyl, einem Stammesführer aus dem nördlichen Kaukasus des frühen 19. Jahrhunderts:

Um die Einheit und Zucht in seinem Stamm zu wahren, hatte der Fürst den strengen Befehl ausgegeben, dass niemand sich an der Beute vergreifen dürfe, die dem Stamm als ganzen gehöre. Wer diesen Befehl übertritt, wird mit 100 Knutenhieben bestraft.

Da geschah der erste Bruch dieses Befehls - durch die alte Mutter des Fürsten. Was soll nun werden? Wird die Strafe nicht vollstreckt, ist die Gerechtigkeit des Fürsten in Frage gestellt und der Ernst seiner Befehle für alle Zukunft untergraben.

Roscher berichtet, der Fürst habe sich einen Tag lang in seinem Zelt eingeschlossen. Dann sei er hervorgetreten mit der Weisung: die Strafe wird vollstreckt.

Als aber der erste Hieb auf den Rücken der Mutter herabgesaust sei, habe er sich den Mantel heruntergerissen, sich vor seine Mutter geworfen und den Soldaten zugerufen: Schlagt weiter und keinen Schlag zu wenig!

So hatte er die Lösung gefunden! Die Mutter war gerettet und zugleich zeigte der zerrissene, blutende Rücken des Fürsten, wie ernst es mit der Geltung seiner Befehle und dem Recht und der Gerechtigkeit im Stamm bestellt sei (nach Werner de Boor: Der Brief an die Römer, WStB, R. Brockhaus Verlag).


Und so zeigt auch das Blut und der Tod unseres Herrn Jesus Christus am Kreuz, wie unerbittlich Gott in seiner Gerechtigkeit gegen die Sünde, und wie groß gleichzeitig seine Liebe zu uns Menschen ist.

Die Juden haben diesen Hintergrund zur Zeit Jesu nicht erkannt und erkennen ihn leider bis heute nicht!

Gott gibt auch uns den Sieg durch unseren Herrn Jesus Christus.

Und nun sagt uns Paulus unten, in 1Kor 15,57,: „Gott aber sei Dank, der (nämlich Gott) uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus.” Und dieser Satz sagt uns nicht mehr und nicht weniger, als dass es an uns liegt, ob wir diesen Sieg über die Macht des Todes - und zwar des zweiten Todes - annehmen wollen.

Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!

1Kor 15,54 Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht (Jesaja 25,8; Hosea 13,14): »Der Tod ist verschlungen vom Sieg. 15,55 Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?« 15,56 Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz.

15,57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus! 15,58 Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn. 1Kor 15,54-58;


Hier haben wir als Glieder der Gemeinde eine große Verantwortung im Hinblick auf unser Verhalten in der Welt. Wenn wir einerseits der Aussage des Paulus, oben, in 1Kor 15,57, freudig zustimmen und auch verkünden, dass unser Heiland und Herr Jesus Christus, den Sieg über die Sünden durch sein Opfer am Kreuz für uns errungen hat, andererseits aber offenbar auch bekehrte Christen nichts und niemand daran hindert, diese Sünden weiter zu begehen, fragen sich manche zurecht, wo denn da die Erlösung stattgefunden haben soll.

Der erlöste Mensch ist nun nicht „unfähig” zur Sünde, wie manche meinen oder hoffen. Er ist völlig frei zu tun und zu lassen, was er will. Der Unterschied liegt darin, dass er – anders als der unerlöste Mensch - nicht mehr sündigen muss. Er ist nicht mehr Sklave seiner Sünden und kann sie lassen, ohne dass ihm irgendeine innere Stimme etwas dagegenhält. Er ist von den Ketten befreit, die ihn vorher an die Sünde gebunden und nicht losgelassen haben. Aber er ist selbst dafür verantwortlich, diese gelösten Ketten auch abzuwerfen.

Gott selbst hat sich herbeigelassen, uns in seinem Sohn die Rettung anzubieten. Der Opfertod des Herrn Jesus ist das Angebot unseres Gottes, uns zu helfen.

Nehmen wir dieses Angebot an und beanspruchen wir diesen Sieg auch für uns, dann sind wir gerettet.

Die Folgen der Sünde und die Errettung aus Gnade.

Sünde ist jedes Vergehen gegen die Gebote Gottes (Mt 20,3-7; 2Mo 5,21-48), Die Folge jedes einzelnen dieser Vergehen ist der Tod des Menschen. Und zwar nicht der erste, physische Tod, sondern der zweite Tod (Off 21,8), zu dem der sündige Mensch nach seiner Auferstehung aus den Toten mit seinem neuen, ewig existierenden Körper im Letzten Gericht verurteilt wird. Ebenso, wie der erste Tod nur eine Übergangsperiode bis zur Auferstehung ist, ist auch der zweite Tod keine Auslöschung des Menschen, sondern eine ewige Existenz, fern von Gott in der Finsternis der Verdammnis.

Um die gerechte Forderung Gottes nach Einhaltung seiner Gebote zu erfüllen und dennoch den Menschen, welche sich dagegen vergehen, eine Möglichkeit anzubieten, von dieser ewigen Verdammnis errettet zu werden, ist der Sohn Gottes stellvertretend für jeden einzelnen Menschen am Kreuz gestorben (1Kor 15,3-5). Damit können alle Menschen, welche dieses Loskaufopfer des Sohnes Gottes zur Tilgung ihrer eigenen Sünden im Glauben annehmen, gerettet werden und als aus Gnade gerechtfertigte Sünder in ihr ewiges Leben bei Gott eingehen (Röm 5,9-11).



Das „Kleingedruckte” im Angebot.

Nun ist der obige Satz zwar das Kernstück jeder Evangelisation, aber oft werden die Neubekehrten über die impliziten Konsequenzen dieser Aktion im Dunkeln gelassen. Und so hört man oft den berechtigten Zweifel: „Das kann doch nicht alles sein. Das wäre doch zu einfach.” Und dann bemüht man sich in manchen evangelikalen Kreisen, die Leute freudig aufzufordern: „Doch, so einfach ist das. Sag ‘ja’ zu Jesus, und du bist gerettet”. Man könnte fast meinen, diesen, sicherlich sehr engagierten evangelikalen Brüdern und Schwestern, sei der gesunde Hausverstand abhanden gekommen. Denn die neubekehrten Zweifler - wenn sie es ehrlich meinen - fühlen instinktiv, dass das nicht alles sein kann. Und sie sind natürlich völlig zu Recht skeptisch ob der euphorischen Beteuerungen ihrer neuen Geschwister.

Was man ihnen nämlich oft nicht sagt, ist sozusagen das „Kleingedruckte” dieser Entscheidung:

Wenn ich dieses Opfer des Herrn für meine Sünden und zu meiner Rettung annehme, bekenne ich mich gleichzeitig und „automatisch” zu folgenden Fakten:

1. Ich bin ein Sünder und unwürdig, den Namen Gottes auch nur auszusprechen.

2. Ich bin selbst nicht imstande, Gott für meine Sünden eine entsprechende Sühne anzubieten.

3. Ich lebe daher bis heute getrennt von Gott, ich bin also gottlos und ein Heide. (Dies trifft besonders jene Leute sehr hart, welche seit frühester Jugend gute Werke getan haben, oder als Namenschristen in irgendeiner Religionsgemeinschaft seit Jahren tätig sind.)

4. Ich bestätige mit dieser, meiner Entscheidung, dass ich verloren bin und gerettet werden muss.

5. Ich anerkenne, dass es für mich nur eine Rettung gibt, und die heißt Jesus Christus.

6. Ich weiß, dass dieses Opfer, dieser Sieg meines nunmehrigen Herrn Jesus Christus, für alle meine Sünden gilt, und mir das ewige Leben am Tage meiner körperlichen Auferstehung gibt.

7. Ich erkläre hiermit, dass ich bereit und willens bin, diese Rettung anzunehmen und sie in Zukunft als Teil meines Lebens bei allen Entscheidungen zu berücksichtigen.


Die ewige Existenz jedes Menschen.

Jeder einzelne Mensch, der bei seiner körperlichen Geburt die Fruchtblase seiner Mutter lebend verlässt - der also "aus Wasser (Fruchtwasser, amniotische Flüssigkeit) geboren" ist (Jh 3,5) - erhält von Gott (Jh 4,24) einen menschlichen Geist (1Kor 2,11) mit ewiger Existenz (Mt 25,46). Im ersten, zeitlich-irdischen Teil seiner Existenz - in seinem Leben, hat der Mensch die Möglichkeit, sich völlig frei und ohne Zwang mit dem ihm von Gott gegebenen Geist zu entscheiden, ob er diesem Gott, dem Schöpfer allen Lebens, sein ganzes Vertrauen und seine ganze Liebe schenken will.

Nach dem Tod des Menschen wird sein Körper wieder zu Staub, aus dem er geschaffen wurde (1Mo 2,7), sein Geist jedoch fährt ins Totenreich (1Mo 2,7), sein Geist jedoch fährt ins Totenreich (Dan 12,2; 1Ptr 3,18-19; 1Kor 15,23-24), wo er die Zeit bis zu seiner Auferstehung in einem schlafähnlichen Zustand verbringt (1The 4,15-16).

Bei der Auferstehung (Röm 6,4-5), der "Wiedergeburt aus dem Geist" (1Ptr 3,18; Mt 19,28; Jh 3,7), erhält der Mensch wieder einen Körper (1Kor 15,43-44; Mt 22,30; Jh 3,8; Röm 8,10-11), ähnlich wie jener des Sohnes Gottes nach dessen Auferstehung (Jh 20,26-27).

Gibt es einen natürlichen Leib, so gibt es auch einen geistlichen Leib.

1Kor 15,42 So auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. 15,43 Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft. 15,44 Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Gibt es einen natürlichen Leib, so gibt es auch einen geistlichen Leib. 15,45 Wie geschrieben steht: Der erste Mensch, Adam, »wurde zu einer lebendigen Seele« (1. Mose 2,7), und der letzte Adam zum Geist, der lebendig macht. 1Kor 15,42-45;

Mit diesem Körper steht der Mensch dann beim Weltgericht vor dem Sohn Gottes, der im Auftrag Gottes (Jh 5,22.26-27) jeden Menschen nach dessen irdischen Taten und nach seiner Entscheidung in seinem Leben für oder gegen Gott, richten wird (Röm 2,16).

Jeder, der sich in seinem Leben für Gott und zum Glauben an seinen Sohn Jesus Christus entschieden hat (Jh 17,3), hat die Möglichkeit, vor diesem Gericht den sühnenden Tod des Sohnes Gottes stellvertretend für die Sünden aller Menschen auch für die Tilgung seiner eigenen Sünden - die Vergehen gegen die Gebote Gottes - in Anspruch zu nehmen (Jh 3,16) und wird daher begnadigt (Jh 5,24). Jenen Menschen, die diesen Glauben nicht angenommen haben, können ihre Sünden nicht vergeben werden und sie werden daher verurteilt (Jh 3,36).

Nach dem Weltgericht werden diese verurteilten Menschen ihre ewige Existenz in der Finsternis (Mt 22,13) der Verdammnis des ewigen Feuers (Mt 18,8) verbringen, mit Heulen und Zähneknirschen (Mt 13,49-50) darüber, weil sie es zu Lebzeiten abgelehnt haben zum Glauben zu kommen und der nunmehrigen Erkenntnis, dass sie dies nun nie mehr nachholen können und ihr Zustand nie mehr geändert werden kann.

Die Begnadigten hingegen werden ihr ewiges Leben (Mt 25,46) im Licht Gottes auf einer neue Erde (Off 20,11) und unter einem neuen Himmel, die Gott geschaffen hat (Off 21,1-3.5), verbringen.

Unter diesem Aspekt hat schon der bekannte Evangelist und Prediger Wilhelm Busch seinen Zuhörern gesagt: „Sie brauchen die Botschaft, die ich Ihnen sage, nicht anzunehmen. Sie können’s lassen, sich zu Jesus zu bekehren. Aber machen Sie sich klar, dass Sie damit die Hölle wählen! Sie haben die völlige Freiheit!” (Diskurs 55)

(Siehe auch Diskurs 22; „Gibt es die Unsterblichkeit der Seele?”)



Die Konsequenzen einer Bekehrung.

Und da sieht dann die ganze Sache schon etwas realistischer aus.

Man erkennt: das ist nicht „so einfach”. Das sind Konsequenzen, welche sich im Leben eines jeden Menschen auswirken. Im Selbstwertgefühl, im Stolz, in der Schuld, im Herzen, in der Seele, im Hirn und im Denken, im Umgang mit anderen Menschen, alte Freunde, neue Freunde, eigene Einstellungen zu Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Lüge, Betrug.

Aber auch mein Verhalten Gott gegenüber: vor ihm kann ich nichts verbergen. Er weiß, wie viele Haare jeder von uns auf seinem Kopf hat (Mt 10,30). Und das zu jeder Sekunde unseres Lebens. Wie sollte ich etwas vor ihm verbergen können? Er kennt alle meine Gedanken. Sogar jene, die ich noch nicht gedacht habe, aber denken werde.

Mit so einem Gott kann ich mich auf keine Diskussion einlassen. Ich kann nicht argumentieren. Er kennt mich besser, als ich mich selbst kenne. Auf jedes meiner Argumente hat er zehn andere, denen ich nicht widersprechen kann, weil sie absolut wahr und richtig sind.

Schließlich muss ich zugeben, dass ich am Ende bin. Ich sehe ein, es gibt keine Möglichkeit, mich zu rechtfertigen. Ich habe alles versucht, alles hat sich als nichtig erwiesen.

Und dann erkenne ich: das alles brauche ich ja gar nicht. Ich kann mich nicht rechtfertigen - aber ich muss es auch nicht. Gott will von mir keine Rechtfertigung, sondern dass ich meine Schuld bekenne und seine Vergebung annehme. Und damit ist meine Schuld getilgt und Gott gedenkt ihrer nicht mehr.

Und damit ist erst einmal ein Anfang getan. Ein Anfang eines neuen, bekehrten Lebens mit Gott. Und dieses Leben unterscheidet sich grundlegend von jenem der Namenschristen. Unlängst hatte ich mit so einem „Christen” ein Gespräch. Er erzählte mir, dass er zwar nicht an Gott glaubt, aber dennoch jeden Sonntag zur Kirche geht, weil er gerne singt. Meinen Vorschlag, er soll doch besser in einen Gesangsverein eintreten, hat er nicht ernstlich geprüft.

Aber auch ernsthafteren Namenschristen ist nicht bewusst, dass ihr Verhältnis zu Gott eigentlich keines ist. Ihr Gebet ist ungefähr so inhaltsreich und persönlich, wie ein Hinweisschild auf der Autobahn. Es ist ein Nach- und Herunterplappern und verdient eigentlich gar nicht die Bezeichnung „Gebet”.

Und darüber müsste man eigentlich froh sein. Denn wenn man davon ausgeht, dass „Beten” ein Sprechen mit Gott ist, wäre dieses Geleier, das manche Leute vollbringen, dieses Herunterratschen von auswendig gelernten Texten, bei dem die Gedanken schon beim Mittagessen und die Blicke auf dem neuen Mantel der Nachbarin sind, wäre also diese Art des „Sprechens” mit Gott an sich schon eine ununterbrochene Sünde.

Das „neugeborene” Kind spricht mit dem Vater.

Als bekehrte Menschen sind wir Kinder Gottes. Und genau so wie auch Kinder mit ihrem Vater sprechen, so sollten wir mit unserem Gott sprechen. Keine Gedichte aufsagen. Keine rhetorischen Krampfübungen. Dies wäre für Gott eine Beleidigung und für uns völlig ohne Nutzen. Und wir sollten für dieses Gespräch auch nicht die Öffentlichkeit suchen. Die in der Öffentlichkeit beten, verfolgen damit oft einen ganz anderen Zweck. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten. Gehen wir daher zum Beten „in unser Kämmerlein” und schließen wir die Tür. Dort hört uns Gott viel besser, als in einer noch so schönen Kirche.

Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten.

Jh 4,23 Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. 4,24 Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten. Jh 4,23-24;

Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist!

Mt 6,5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler; denn sie lieben es, in den Synagogen und an den Ecken der Straßen stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin.
6,6 Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten. 6,7 Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern wie die von den Nationen; denn sie meinen, daß sie um ihres vielen Redens willen erhört werden. 6,8 Seid ihnen nun nicht gleich! Denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet. Mt 6, 5- 8;


So hat das auch Gottfried Daniel Pomacher, ein Erweckungsprediger aus dem Wuppertal gesehen, als er sagte:

„Das Christentum besteht nicht in Worten sondern in der Kraft des Heiligen Geistes in den Gläubigen. Nicht jene sind die Säulen des Tempels, die sich öffentlich in Gebeten mit „Herr, Herr” die Bewunderung ihrer Zuhörer verschaffen, sondern jene, welche zuhause, in ihrem stillen Kämmerlein und ohne einen einzigen Zuhörer, ihre Gebete an den Herrn richten, sind die wahren Träger der Gemeinde.”


Dazu kommt: derartige öffentliche „Gebetsvorträge” sind oft nicht ehrlich. Es wird mehr auf die Form geachtet, als auf den Inhalt. Was nun wieder nicht heißt, dass wir beim Sprechen mit Gott nicht auf die Form achten sollten. Aber es genügt jene Form, welche wir ohne Künstelei auch im Gespräch mit unseren Lieben verwenden.

Viel wichtiger ist jedoch der Inhalt unserer Gebete. Wir sollten jeden Tag ein Gespräch mit unserem himmlischen Vater haben. Dabei sollten wir unsere Bitten, aber auch unseren Dank durch unseren Herrn Jesus Christus zum Ausdruck bringen. Ebenso, wie es in unserem Leben einerseits grundlegende Notwendigkeiten für uns und unsere Lieben gibt, und andererseits täglich wechselnde Anforderungen auftreten, wird auch unser Gebet ein Spiegelbild dieser Bedürfnisse aber auch der Dankbarkeit über erreichte Erfolge sein.

Neben diesem täglichen „Grundsatzgespräch” mit Gott, sollten wir uns nicht scheuen, unseren Herrn vor oder bei wichtigen Tätigkeiten, Ereignissen oder Entscheidungen in Liebe anzusprechen, wie wir es auch mit unserem irdischen Vater tun würden, wenn wir seine Hilfe benötigten.

Es geht also bei unseren Gebeten nicht um literarische und rhetorische Spitzenleistungen, sondern um den Ausdruck der Sorgen und Nöte, aber auch der Freuden unseres Herzens, sei es nun gesprochen, gedacht, geweint, gejubelt oder gelobt. Und wenn wir in bestimmten Situationen auch nur mehr ein Stammeln hervorbringen, so verspricht uns der Herr, dass uns der Heilige Geist helfen wird, und unsere Gedanken für uns vor Gott bringen wird.

Schließlich sollten wir nicht vergessen:

Der kürzeste Abstand zwischen einem Problem und seiner Lösung ist der Abstand zwischen unseren Knien und dem Boden. Wer vor dem Herrn kniet, kann sich jeder Herausforderung stellen.


Golgatha – das zentrale Ereignis der ersten Schöpfung.


Beginn der ersten Schöpfung
Der Mensch hat ewiges Leben und ist in der Gegenwart Gottes (Im Garten Eden)
Durch den Glauben an den Gottessohn Satan hat der Mensch das ewiges Leben verloren (Sündenfall)
Durch den Ungehorsam des Gottessohnes Satan wird der Mensch von Gott ausgestoßen (Vertreibung aus Eden)
Das Leben des Menschen währt nur mehr etwa tausend Jahre (Zeit zwischen Vertreibung und Flut)
Im Strafgericht Gottes werden die Gerechten gerettet, die Gottlosen vernichtet (Sintflut)
Satan verführt die Hochmütigen: sie wollen Gott gleich sein (Turmbau zu Babel)
Der Herr verwirrt aller Länder Sprache und zerstreut sie (Sprachverwirrung)
Die Menschen fallen vom Glauben ab - wer abfällt ist verloren

Der Gottessohn Satan wird vom Sohn Gottes Jesus besiegt

Die Menschen kommen zum Glauben – wer glaubt ist gerettet
Durch den Heiligen Geist wird die Sprache der Heiligen wieder für alle verständlich (Pfingstwunder)
Satan verführt die Hochmütigen: sie wollen Gott gleich sein (Babylon die Große)
Im Strafgericht Gottes werden die Gerechten gerettet, die Gottlosen vernichtet (Tag des Herrn)
Das Leben des Menschen währt wieder etwa tausend Jahre (Millennium)
Durch den Glauben an den Sohn Gottes Jesus hat der Mensch das ewiges Leben gewonnen (Wiedergeburt)
Durch den Gehorsam des Sohnes Gottes Jesus wird der Mensch von Gott angenommen (Letztes Gericht)
Der Mensch hat wieder ewiges Leben und ist in der Gegenwart Gottes (Himmlisches Jerusalem)
Ende der ersten Schöpfung – Beginn der zweiten Schöpfung



Wie die obige Aufstellung zeigt, hat die geschichtliche Entwicklung unserer Welt, vom Anbeginn ihrer Erschaffung bis zur Menschwerdung des Sohnes Gottes, ihre umgekehrtproportionale Parallelität von eben diesem Ereignis bis zum Ende dieser ersten Schöpfung.

Allerdings ist diese Vergleichbarkeit keinesfalls erstaunlich, sondern eher eine logische Folge des Ablaufs. Ähnlich, wie man beim Abstieg von einem Berg wieder an denselben Punkten vorbeikommt, welche man auch beim Aufstieg schon passiert hat, verläuft der Weg der Menschheit zu ihrem Gott in umgekehrter Richtung zu jenem, auf welchem sie sich von diesem Gott entfernt hat.