Exkurs 10 – Die Frau am Himmel.



Die konventionellen Auslegungsrichtungen.

Eine neue, unkonventionelle Interpretation.


Die konventionellen Auslegungsrichtungen.

Der Text.

Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau.

Off 12,1 Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen. 12,2 Und sie war schwanger und schrie in Kindsnöten und hatte große Qual bei der Geburt.

12,3 Und es erschien ein anderes Zeichen am Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen, 12,4 und sein Schwanz fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Und der Drache trat vor die Frau, die gebären sollte, damit er, wenn sie geboren hätte, ihr Kind fräße.

12,5 Und sie gebar einen Sohn, einen Knaben, der alle Völker weiden sollte mit eisernem Stabe. Und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und seinem Thron. 12,6 Und die Frau entfloh in die Wüste, wo sie einen Ort hatte, bereitet von Gott, dass sie dort ernährt werde tausendzweihundertundsechzig Tage. Off 12, 1- 6;


Die katholische bzw. katholisch-orthodoxe Sicht.

Die „Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen” wird in der römisch-katholischen Kirche und den christlich-orthodoxen Ostkirchen als Maria, die „Himmelskönigin”, „Gnadenmutter” und „Gottesgebärerin” gedeutet und muss speziell von den Katholiken aufgrund mehrerer diesbezüglicher Dogmen verehrt und als „Ersatzmittler” neben Christus angebetet werden.

Und hier muss eindeutig klargestellt werden, dass diese Götzengestalt mit der Mutter des Herrn nichts, aber auch rein gar nichts gemein hat.

Wir haben in der Schrift die Aussage des Herrn:

Niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Jh 14,6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. Jh 14, 6;


Wir wissen daher, dass es keinen anderen Weg zu Gott gibt, als über Jesus Christus und sein Opfer am Kreuz für unsere Sünden. Und der Herr sagt uns auch:

Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.

Mt 4,10 Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! denn es steht geschrieben (5. Mose 6,13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.« Mt 4,10;


In der katholischen Kirche hingegen wird seit dem Jahre 431 n. Chr. Maria als „Mutter Gottes” angebetet. Um die Unterschiede zwischen Jesus Christus und diesem katholischen Götzen für das Kirchenvolk sukzessive zu verschleiern, wird 1854 die, von der Erbsünde unbefleckte Empfängnis der Maria zum Dogma erhoben. Dies meint, dass Maria von ihrer Mutter, der Anna, ohne Erbsünde empfangen wurde und ist der Versuch einer Nachäffung der göttlichen Geburt Jesu Christi.

Diese Erfindung der katholischen Kirche hat in der gesamten Bibel keine Grundlage. Am wenigsten hat Maria, die Mutter des Herrn selbst diesen Anspruch erhoben. Sie sagt von sich selbst:

Mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.

Lk 1,46 Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, 1,47 und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes. 1,47 und mein Geist hat gejubelt über Gott, meinen Heiland. 1,48 Denn er hat hingeblickt auf die Niedrigkeit seiner Magd; denn siehe, von nun an werden mich glückselig preisen alle Geschlechter. 1,49 Denn Großes hat der Mächtige an mir getan, und heilig ist sein Name. 1,50 Und seine Barmherzigkeit ist von Geschlecht zu Geschlecht über die, welche ihn fürchten. Lk 1,46-50;


Damit bekannte sie, dass sie selbst einen Heiland und Retter, nämlich ihren Sohn, unseren Herrn benötigt und daher genauso in Sünde geboren war, wie wir anderen Menschen alle auch.

Und wenn die katholische Kirche als Beweis dafür, dass die Maria von ihrer Mutter, der Anna, unbefleckt und ohne Erbsünde empfangen wurde und in den Himmel aufgefahren ist, immer wieder Off 12,1-2 anführt und behauptet mit dieser „Frau” sei die Maria gemeint, muss man den anschließenden Vers auch lesen, wo es heißt: „Und sie war schwanger und schrie in Kindsnöten und hatte große Qual bei der Geburt”.

Wie uns jedoch 1Mo 3,16 sagt: „Zu der Frau sprach er: Ich werde sehr vermehren die Mühsal deiner Schwangerschaft, mit Schmerzen sollst du Kinder gebären!” sind die Schmerzen bei der Geburt eine Folge der Erbsünde. Wenn nun diese „Frau” in Off 12,1-2 die Maria sein sollte, dann kann sie in Konsequenz nicht ohne Erbsünde sein, denn sonst hätte sie ja keine Schmerzen bei der Geburt. Besteht man aber darauf, dass die Maria ohne Erbsünde geboren worden ist, dann kann andererseits die Frau aus Off 12,1-2 nicht die Maria sein.

(Siehe auch den Diskurs 52: „Kann das Wirken Marias die Prophezeiungen der Bibel auf die Endzeit abwenden?”.)


In der Theologie der neueren Zeit wird die „Frau” aus Off 12 auch gerne als „die Weisheit Gottes”, die „Sophia” (Sophia = grie.: Weisheit) interpretiert. Doch welchen Sinn würde es ergeben, wenn die Weisheit Gottes vom Satan verfolgt würde und sich vor dem Teufel in der Wüste verstecken müsste – um nur einige Konsequenzen dieser Ansicht aufzuzeigen. Ähnlich wie bei der Auslegung als „Muttergottes”, wird auch hier unzulässigerweise eine Teilaussage (sectio = lat.: Schnitt/Ausschnitt) dieses Textes isoliert vom Kontext gedeutet.

Die evangelische bzw. evangelikale Sicht.

In den evangelischen Kirchen und in den meisten freikirchlichen Denominationen sieht man im Text aus Off 12,1-2 die „Gemeinde Jesu Christi”, die „Gemeinde aller Zeiten” und die „weltweite christliche Gemeinde”. Als Begründung dafür wird immer wieder angeführt, dass es die Gemeinde war, die – im geistlichen Sinne - den „Knaben” (Off 12,5), also Jesus Christus geboren hat.

Es scheint allerdings, dass man hier die zeitliche Reihenfolge – ob geistlich oder nicht geistlich – schlicht und einfach verkehrt. Es war nicht die Gemeinde, die Jesus Christus geboren hat, sondern es war Jesus Christus, der durch die Apostel die Gemeinde in die Welt gesetzt hat.

Durch den voreiligen und falschen Bezug auf die „Frau” aus Off 12,1-2 als den Ursprung der Gemeinde, übersieht man offensichtlich, dass wir in der Schrift einen ganz konkreten Hinweis auf die Gemeinde Christi und ihre Symbole vorfinden.

In Off 1,12-13 sieht Johannes den Menschensohn, also Jesus Christus, inmitten von sieben goldenen Leuchtern stehen und in seiner rechten Hand sieben Sterne.

Die sieben goldenen Leuchter und die sieben Sterne.

Off 1,12 Und ich wandte mich um, die Stimme zu sehen, die mit mir redete, und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter, 1,13 und inmitten der Leuchter einen gleich einem Menschensohn, bekleidet mit einem bis zu den Füßen reichenden Gewand und an der Brust umgürtet mit einem goldenen Gürtel. 1,14 Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme 1,15 und seine Füße wie Golderz, das im Ofen glüht, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen; 1,16 und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht. Off 1,12-16;


Diese Symbolik der sieben goldenen Leuchter und der sieben Sterne in der Hand des Menschensohns wird dann in Off 1,20 erklärt:

Die sieben Sterne sind Engel der sieben Gemeinden, die sieben Leuchter sind sieben Gemeinden.

Off 1,20 Das Geheimnis der sieben Sterne, die du gesehen hast in meiner rechten Hand, und der sieben goldenen Leuchter ist dies: Die sieben Sterne sind Engel der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter sind sieben Gemeinden. Off 1,20;


Es sind also die sieben Sterne in der Rechten des Herrn und die sieben goldenen Leuchter, welche die Gemeinde Jesu Christi und damit die gesamte Christenheit repräsentieren und nicht die „Krone von zwölf Sternen” auf dem Haupt der „Frau” aus Off 12,1-2.

(Siehe auch den Diskurs 15: „Wer ist die Braut des Lammes?”.)

Eine neue, unkonventionelle Interpretation.

Die Frau, mit der Sonne bekleidet und der Mond unter ihren Füßen.

Wer ist aber nun eigentlich diese „Frau” aus Off 12,1-2? Wenn wir nach der altbewährten Methode der seriösem Exegese davon ausgehen, dass Schrift nur wieder durch Schrift ausgelegt werden darf, müssen wir bei jenen Aussagen ansetzen, welche die Schrift eindeutig bestätigt. Dies ist in unserem Fall der von der Frau geboren Sohn in Off 12,5.

Und sie gebar einen Sohn, der alle Nationen hüten soll mit eisernem Stab.

Off 12,5 Und sie gebar einen Sohn, ein männliches Kind, der alle Nationen hüten soll mit eisernem Stab; und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und zu seinem Thron. Off 12, 5;


Der Sohn, der „alle Nationen hüten soll mit eisernem Stab” ist ein Rückbezug auf Ps 2,6-9:

Du sollst sie mit eisernem Zepter zerschlagen und wie Töpfe sie zerschmeißen.

Ps 2,6 »Ich aber habe meinen König eingesetzt auf meinem heiligen Berg Zion.« 2,7 Kundtun will ich den Ratschluss des HERRN. Er hat zu mir gesagt: »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt. 2,8 Bitte mich, so will ich dir Völker zum Erbe geben und der Welt Enden zum Eigentum. 2,9 Du sollst sie mit einem eisernen Zepter zerschlagen, wie Töpfe sollst du sie zerschmeißen.« Ps 2, 6- 9;


Dass nun diese Verheißung in den Psalmen auf den Herrn Jesus zu beziehen ist, wird denn doch niemand bezweifeln wollen und so können wir aufgrund der gleichartigen Textaussage, das männliche Kind aus Off 12,5 als Jesus Christus, den Sohn Gottes interpretieren. Wie bereits weiter oben erwähnt, kann daher die Frau, die ihn geboren hat, nicht die Gemeinde sein, denn wir sind ja als Gemeinde Nachfolger und geistliche Nachkommen des Herrn und nicht seine Vorgänger.

Wenn wir aber das erste Kapitel bei Matthäus lesen, ist die Abkunft des Herrn nicht schwer zu erkennen. Es ist natürlich das Volk Israel, und damit ist auch die Frau am Himmel als das Volk Israel zu identifizieren. Eine weitere Bestätigung dieser Ansicht ist der Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.

Eine Frau, auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen.

Off 12,1 Und ein großes Zeichen erschien im Himmel: Eine Frau, bekleidet mit der Sonne, und der Mond war unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen. 12,2 Und sie ist schwanger und schreit in Geburtswehen und in Schmerzen und soll gebären. Off 12, 1- 2;


Diese zwölf Sterne stehen hier für die zwölf Stämme Israels. Diese Frau „ist schwanger und schreit in Geburtswehen und in Schmerzen und soll gebären”. Auch hier kann es sich demnach nur um die (geistliche) Geburt des Gottessohnes handeln.

Die „Geburtswehen” der Frau, also des Volkes Israel, werden dann verständlich, wenn man sich anhand der Evangelien vor Augen führt, wie unwillkommen dieser Jesus aus Nazareth sowohl bei den religiösen als auch bei den politischen Führern im damaligen Israel war.

Bei den nächsten beiden Versen interessieren uns im Zusammenhang mit der Frau vor allem die Aussagen im zweiten Teil von Vers 4:

Und der Drache stand vor der Frau, die im Begriff war, zu gebären, um ihr Kind zu verschlingen.

Off 12,3 Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel: und siehe, ein großer, feuerroter Drache, der sieben Köpfe und zehn Hörner und auf seinen Köpfen sieben Diademe hatte; 12,4 und sein Schwanz zieht den dritten Teil der Sterne des Himmels fort; und er warf sie auf die Erde. Und der Drache stand vor der Frau, die im Begriff war, zu gebären, um, wenn sie geboren hätte, ihr Kind zu verschlingen. Off 12, 3- 4;


Der Drache steht hier vor der Frau, um ihr Kind, wenn es geboren wird, zu verschlingen. Auch dies ist wieder ein Hinweis auf die Geburt des Herrn und den Kindermord des Herodes in Bethlehem (Mt 2,13-18). Die Schlange hat gleich vom Anbeginn versucht den auszuschalten, der ihr einmal den Kopf zertreten wird.

Er wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen.

1Mo 3,15 Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen. 1Mo 3,15;


Den nächsten Vers, Off 12,5, haben wir bereits weiter oben wegen seiner Aussage über das Kind, „das alle Nationen weiden soll mit eisernem Stabe” betrachtet und als einen Hinweis auf den Herrn gedeutet. Aber auch der zweite Teil dieses Verses bezieht sich auf den, nach seinem Tod wieder auferstandenen Herrn, der zum Vater in den Himmel entrückt wurde.

Und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und zu seinem Thron.

Off 12,5 Und sie gebar einen Sohn, ein männliches Kind, der alle Nationen hüten soll mit eisernem Stab; und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und zu seinem Thron. Off 12, 5;


Und in Vers Off 12,6 heißt es nun von der Frau, dass sie in die Wüste geflohen ist.

Und die Frau floh in die Wüste.

Off 12,6 Und die Frau floh in die Wüste, wo sie eine von Gott bereitete Stätte hat, damit man sie dort ernähre 1260 Tage. Off 12, 6;


Wir haben nun oben die Frau als das Volk Israel und den Sohn als unseren Herrn Jesus Christus identifiziert und müssen uns daher nun hier konsequenterweise fragen, was nach der Entrückung des Sohnes mit der Frau, also mit dem Volk Israel geschehen ist, um eine Erklärung für das Symbol der „Wüste” zu finden.

Es bedarf allerdings keiner tiefschürfenden Erläuterungen, um zu erkennen, dass hier mit der Flucht in die „Wüste” mit hoher Wahrscheinlichkeit die Zerstreuung des Volkes Israel ab dem Jahre 70 n. Chr., nach der Zerstörung des Tempels durch Titus, gemeint ist.

Für alle Israeliten – und nicht nur für sie – ist mit der „Wüste” ja ein ganz bestimmtes Ereignis verbunden. Nämlich ihre vierzigjährige Wanderung durch die Wüste wegen der Verstocktheit des Volkes (4Mo 14,33). Sie mussten damals so lange in der Wüste bleiben, bis auch der Letzte dieser verstockten Generation gestorben war. Erst dann hat ihnen ihr Gott erlaubt in das verheißene Land einzuziehen. Darauf weist auch der Schreiber des Hebräerbriefes in seiner Argumentation hin.

Gott war zornig vierzig Jahre lang über die, deren Leiber in der Wüste zerfielen.

Hbr 3,7 Darum, wie der heilige Geist spricht (Psalm 95,7-11): »Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, 3,8 so verstockt eure Herzen nicht, wie es geschah bei der Verbitterung am Tage der Versuchung in der Wüste, 3,9 wo mich eure Väter versuchten und prüften und hatten doch meine Werke gesehen vierzig Jahre lang. 3,10 Darum wurde ich zornig über dieses Geschlecht und sprach: Immer irren sie im Herzen! Aber sie verstanden meine Wege nicht, 3,11 so dass ich schwor in meinem Zorn: Sie sollen nicht zu meiner Ruhe kommen.«. Hbr 3, 7-11;


Es war also damals eine Strafmaßnahme und wie es scheint, war auch die Zerstreuung in der „Wüste” der Diaspora, nach dem Tod des Herrn, eine Strafe für das Volk Israel, weil es seinen Messias und damit seinen Gott verworfen hatte.

Wobei hier der Ausdruck „Diaspora” eigentlich nicht ganz zutreffend ist, denn dies bezeichnet für die Juden nur die Wanderbewegungen im Laufe der Jahrhunderte. Was aber hier gemeint ist, ist das „Galut”, also die gewaltsame Vertreibung der Juden aus ihrer Heimat. Und hier kennt die israelitische Geschichte insgesamt fünf: das babylonische, das medo-persische, das griechische und das römische Galut. Dieses letzte römische Galut hat seinen Anfang mit der Zerstörung des zweiten Tempels durch Titus im Jahr 70 genommen und dauerte bis 1948, wo die Israeliten wieder in ihr Land zurückkehren konnten.

Wie es nun aber in Off 12,6 heißt, sollte Israel an seinem Ort in der Wüste der Diaspora „ernährt”, also in seiner Existenz bewahrt werden. Und tatsächlich hat Israel über fast zwei Jahrtausende in der Zerstreuung – im Gegensatz zu manchen anderen Völkern der damaligen Zeit - nicht aufgehört als Geschlecht zu existieren. Auch der Herr Jesus hat dies schon den Jüngern prophezeit:

Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschehen ist.

Mt 24,34 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschehen ist. Mt 24,34;


Mit der Flucht der Frau in die „Wüste”, also der Zerstreuung Israels in alle Welt, wären wir nun im Rahmen dieser Teilvision der Offenbarung in der Zeit der Diaspora.

Der Kampf im Himmel.

Mit Off 12,7 beginnt jedoch ein neuer Abschnitt und es stellt sich daher hier erstmals die Frage, ob wir es in Off 12,7-9 mit einem Parallelismus zu tun haben, der in der hebräischen Dichtung allgemein und auch in der Bibel (Psalmen) sehr oft vorkommt und demnach der folgende Text nur eine Wiederholung des vorangegangenen Textes aus Off 12,4a mit anderen Worten (synonymer Parallelismus) ist oder ob es sich dabei um ein neues, eigenständiges Ereignis handelt (siehe auch untenstehende Tabelle).

Der Kampf im Himmel.

Off 12,7 Und es entstand ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel; 12,8 und sie bekamen nicht die Übermacht, und ihre Stätte wurde nicht mehr im Himmel gefunden. 12,9 Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, der Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm geworfen. Off 12, 7- 9;


Der Verdacht, dass hier ein Parallelismus vorliegen könnte, gründet sich auf zwei Ereignisse: den Fall der Sterne/Engel auf die Erde in Off 12,4a und 12,7-9 und die Flucht der Frau in die Wüste in Off 12,6 bzw. 12,14-16.

Beim „Fall der Sterne” könnte man argumentieren, dass der Drache als der Verursacher des Kampfes im Himmel in Off 12,7-9 zu sehen ist und er daher hier in Off 12,4a als jener antizipiert wird, welcher den dritten Teil der „Sterne des Himmels” – also nach Off 12,7-9 jener Engel, welche mit ihm gegen Michael und dessen Engel kämpfen – mit seinem Schwanz hinwegfegte und auf die Erde warf, was Letzteres die Niederlage bei diesem Kampf symbolisieren soll.

Bei der Flucht der Frau ist es ja so, dass sie in beiden Fällen – Off 12,6 und Off 12,14-16 – in die Wüste geht. Dass sie das eine Mal „flieht” und das andere Mal „fliegt”, könnte als verschiedenartige Bezeichnung desselben Vorgangs betrachtet werden. Auch die unterschiedliche Zeitangabe – 1260 Tage und dreieinhalb Zeiten – könnte man aufgrund des Umstandes, dass es letzten Endes in beiden Fällen dreieinhalb Jahre sind, als unwesentlich einstufen.

Um hier auch einen besseren optischen Überblick zu erlangen ist anschließend das Kapitel Off 12 in der entsprechenden Zuordnung dargestellt:

Die Frau, das männliche Kind und der Drache.


Off 12,1 Und ein großes Zeichen erschien im Himmel: Eine Frau, bekleidet mit der Sonne, und der Mond war unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen.
12,2 Und sie ist schwanger und schreit in Geburtswehen und in Schmerzen und soll gebären.
12,3 Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel: und siehe, ein großer, feuerroter Drache, der sieben Köpfe und zehn Hörner und auf seinen Köpfen sieben Diademe hatte;


















12,4a und sein Schwanz zieht den dritten Teil der Sterne des Himmels fort; und er warf sie auf die Erde.


12,7 Und es entstand ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel;
12,8 und sie bekamen nicht die Übermacht, und ihre Stätte wurde nicht mehr im Himmel gefunden.
12,9 Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, der Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm geworfen.







12,4b Und der Drache stand vor der Frau, die im Begriff war, zu gebären, um, wenn sie geboren hätte, ihr Kind zu verschlingen.
12,5 Und sie gebar einen Sohn, ein männliches Kind, der alle Nationen hüten soll mit eisernem Stab; und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und zu seinem Thron.





12,10 Und ich hörte eine laute Stimme im Himmel sagen: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes und die Macht seines Christus gekommen; denn hinabgeworfen ist der Verkläger unserer Brüder, der sie Tag und Nacht vor unserem Gott verklagte
12,11 Und sie haben ihn überwunden wegen des Blutes des Lammes und wegen des Wortes ihres Zeugnisses, und sie haben ihr Leben nicht geliebt bis zum Tod!
12,12 Darum seid fröhlich, ihr Himmel, und die ihr in ihnen wohnt! Wehe der Erde und dem Meer! Denn der Teufel ist zu euch hinabgekommen und hat große Wut, da er weiß, dass er nur kurze Zeit hat.
12,13 Und als der Drache sah, dass er auf die Erde geworfen war, verfolgte er die Frau, die das männliche Kind geboren hatte




12,6 Und die Frau floh in die Wüste, wo sie eine von Gott bereitete Stätte hat, damit man sie dort ernähre 1260 Tage.







12,14 Und es wurden der Frau die zwei Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste fliege, an ihre Stätte, wo sie ernährt wird eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit, fern vom Angesicht der Schlange.
12,15 Und die Schlange warf aus ihrem Mund Wasser wie einen Strom hinter der Frau her, um sie mit dem Strom fortzureißen.
12,16 Und die Erde half der Frau, und die Erde öffnete ihren Mund und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Mund warf.







12,17 Und der Drache wurde zornig über die Frau und ging hin, Krieg zu führen mit den übrigen ihrer Nachkommenschaft, welche die Gebote Gottes halten und das Zeugnis Jesu haben. Off 12, 1-17;



In der obigen Tabelle sind jene Texte, welche sich als Parallelismus erweisen könnten gegenübergestellt und doppelt eingerahmt. Danach wären die Inhalte von Off 12,4a und Off 12,7-9 als unterschiedliche Darstellungen ein und desselben Ereignisses zu sehen. Ebenso verhielte es sich mit den Aussagen von Off 12,6 und Off 12,14-16.

Wenn wir nun aber die Texte oben und unten in dieser Tabelle im Sinne eines Parallelismus zu jeweils einem einzigen zeitlich und inhaltlich identem Ereignis zusammenfassen, ergibt sich daraus zwangsläufig, dass auch die beiden mittleren Texte, also Off 12,4b-5 und Off 12,10-13 einen solchen zeitlichen und inhaltlichen Zusammenhang aufweisen müssen.

Und hier beginnen nun die Schwierigkeiten. Der eine Text (Off 12,4b) spricht davon, dass der Drache nach dem Kampf im Himmel (Off 12,4a) vor der Frau steht, die noch vor der Geburt war. Der andere Text besagt, dass der Drache nach diesem Kampf im Himmel (diesmal Off 12,7-9), die Frau verfolgt, die das Kind aber hier schon geboren hatte.

Dabei entsteht überhaupt der Eindruck, dass Off 12,10-13 weder zeitlich noch inhaltlich mit Off 12,4b-5 zusammenpasst. Wenn wir diesen ersten Teil von Off 12, aufgrund der Aussagen über die Geburt des Sohnes und seiner Entrückung zu Gott, eindeutig der Zeit Jesu zuordnen müssen, scheint sich der zweite Teil (Off 12,7-17) eher in der Endzeit zu ereignen.

So schließt sich die Aussage der großen Stimme von Off 12,10: „Nun ist ... das Reich unseres Gottes und die Macht seines Christus gekommen ...” inhaltlich voll an den 14 Verse vorher – in Off 11,15 stehenden Ausspruch der dortigen großen Stimmen an: „Es sind die Reiche der Welt unseres Herrn und seines Christus geworden”. Und hier sind wir aber zeitlich schon bei der siebenten und letzten Posaune – also Mitten in der Endzeit.

Auf die „Brüder”, welche in Vers 10 erwähnt werden, wird auch in Vers 11 Bezug genommen. Und auch hier bekommt man aufgrund der Hinweise auf das Blut des Lammes, auf das Wort ihres Zeugnisses und den Umstand, dass sie ihr Leben nicht geliebt haben bis zum Tod, den Eindruck, dass es sich hier um die endzeitlichen Märtyrer handelt.

Der einzige Vers, welcher die beiden Teile dieser Prophezeiung – Off 12,1-6 einerseits und Off 12,7-17 andererseits – zeitlich zu verbinden scheint, ist der Vers 13, wo noch einmal auf die Frau Bezug genommen wird, die das Kind geboren hatte. Doch auch diese Benennung der Frau in diesem Vers als jene „die das männliche Kind geboren hatte”, scheint doch eher eine rein identifizierende Bezeichnung („jene Frau, die damals das Kind geboren hatte”) zu sein, als dass damit ein unmittelbar vorangegangenes Ereignis der Geburt gemeint wäre.

Schließlich wird auch die Konsequenz, dass bei einer Interpretation als Parallelismus der Kampf im Himmel vor der Geburt des Herrn (Off 12,4-5) stattgefunden haben müsste, durch die Schrift nicht bestätigt (siehe weiter unten).

Aufgrund dieser Analyse lässt sich nun mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen, dass die Ereignisse aus Off 12,4a – das Werfen auf die Erde eines Drittels der Sterne durch den Drachen – und Off 12,7-9 – das Werfen auf die Erde des Drachen und seiner Engel durch Michael und seine Engel – zeitlich und inhaltlich identische Ereignisse sind.

Damit ist aber auch die These vom Parallelismus nicht mehr aufrecht zu erhalten und in der Folge sind auch die zwei „Auslagerungen” der Frau in die Wüste in Off 12,6 und Off 12,14-16 als zwei getrennte Ereignisse zu betrachten.

Unter diesem neuen Gesichtspunkt seien hier noch einmal die schon oben erwähnten Unterschiede im Text angeführt:

Der Drache:

-  In Off 12,4 ist es der Drache, der mit seinem Schwanz die Sterne des Himmels auf die Erde wirft.

-  In Off 12,9 sind es Michael und seine Engel, die den Drachen und seine Engel auf die Erde werfen.

Die Frau:

-  In Off 12,6 heißt es von der Frau, sie floh in die Wüste, wo sie eine von Gott bereitete Stätte hat. Dort wird sie ernährt 1260 Tage.

-  In Off 12,14 wurden ihr die zwei Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie fliege an ihre Stätte, wo sie ernährt wird eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit, fern vom Angesicht der Schlange.


Diese Abweichungen im Text wollen wir uns nun genauer ansehen, um weitere Hinweise auf die Unterschiedlichkeit dieser Ereignisse zu finden.

Obwohl der Ausdruck „Sterne des Himmels” in der Schrift entweder für die tatsächlichen Sterne (Sonne, Mond und Sterne des Himmels) oder aber als Ausdruck einer unzählbaren Menge gebraucht wird („Israel wird gemehrt wie die Sterne des Himmels”), dürfte es sich hier doch um ein Synonym für die Engel handeln. Wir haben hierzu auch eine Parallelstelle aus Dan 8:

Es warf einige von dem Heer und von den Sternen zur Erde herab und zertrat sie.

Dan 8,9 Und aus dem einen von ihnen kam ein einzelnes Horn hervor, zunächst klein, aber es wurde übermäßig groß gegen Süden und gegen Osten und gegen die Zierde. 8,10 Und es wuchs bis an das Heer des Himmels, und es warf einige von dem Heer und von den Sternen zur Erde herab und zertrat sie. 8,11 Selbst bis an den Obersten des Heeres wuchs er empor. Und er nahm ihm das regelmäßige Opfer weg, und die Stätte seines Heiligtums wurde gestürzt. Dan 8, 9-11;


Es ist hier von dem „kleinen Horn” die Rede, welches aus einem der vier Hörner (Seleukos) der griechischen Diadochenreiche emporkam, also von Antiochus IV. Epiphanes, der als Vorläufer des Antichrists betrachtet werden kann und ähnlich wie der Antichrist vom Satan seine Kraft erhielt.

Und auch Antiochus hatte sichtlich die Macht, einige von den Sternen des Himmels auf die Erde zu werfen und sie auch noch zu zertreten. Wie dem Kontext zu entnehmen ist, waren diese Himmelsbewohner aber gewiss keine Anhänger Satans, sondern im Gegenteil seine Gegner.

Und dies wirft nun wieder ein neues Licht auf den Text aus Off 12,4a: „sein Schwanz fegte den dritten Teil der Sterne des Himmel fort; und er warf sie auf die Erde”. Mit dem Blick auf Dan 8,10 würde das bedeuten, dass der Drache hier Sterne – also Engel – des Michael aus dem Himmel auf die Erde geworfen hat. Damit ist aber hier genau das Gegenteil von dem geschehen, was beim Kampf im Himmel, in Off 12,7-9 passiert, wo ja der Drache selbst und seine Engel besiegt und aus dem Himmel auf die Erde geworfen werden.

Dieses Ereignis in Off 12,4a scheint also nicht nur nicht identisch mit Off 12,7-9, sondern es dürfte im Gegenteil sogar einer der Anlässe für den abschließenden Kampf im Himmel sein. Zuvor hat Satan den dritten Teil der Engel aus dem Himmel auf die Erde geworfen und erst in der Folge haben Michael und die restlichen Engel den Kampf eröffnet und das Strafgericht vollzogen.

Und damit löst sich auch das Problem der Abfolge von Off 12,4-9:

-  Zuerst wirft der Drache (in einem Kampf?) ein Drittel der Engel aus dem Himmel auf die Erde

-  Dann stellt er sich vor die Frau, um ihr Kind zu verschlingen, was ihm jedoch nicht gelingt

-  Die Frau gebiert das männliche Kind, dieses wird zu Gott und seinem Thron entrückt

-  Die Frau flieht für 1260 Tage in die Wüste an eine von Gott bereitete Stätte

-  Michael und seine Engel kämpfen im Himmel gegen den Drachen und seine Engel

-  Der Drache verliert den Kampf im Himmel und wird mit seinen Engeln auf die Erde geworfen


Das wäre also eine plausible Argumentation, woraus geschlossen werden kann, dass Off 12,4a und 12,7-9 zwei völlig voneinander getrennte Ereignisse sind. Nachdem wir aber nun der These des Parallelismus’ eine Absage erteilt haben, müssen wir auch zwangsläufig eine Erklärung für eine Unterschiedlichkeit von Off 12,6 und 12,14-16 finden.

Bei genauerer Betrachtung von Off 12,13-17 ist es tatsächlich eigenartig, dass hier auf einmal wieder von der Frau die Rede ist.

Und als der Drache sah, dass er auf die Erde geworfen war, verfolgte er die Frau.

Off 12,13 Und als der Drache sah, dass er auf die Erde geworfen war, verfolgte er die Frau, die das männliche Kind geboren hatte. 12,14 Und es wurden der Frau die zwei Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste fliege, an ihre Stätte, wo sie ernährt wird eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit, fern vom Angesicht der Schlange. Off 12,13-14;


Wir haben ja oben, in Off 12,6 festgestellt, dass die Frau in die Wüste entflohen ist und für den Drachen unerreichbar war. Wenn wir nun Formulierung und Inhalt der beiden Texte vergleichen, scheint es jedoch, dass es sich auch hier um zwei verschiedene Ereignisse handelt. Während es in Off 12,6 einfach heißt „die Frau floh in die Wüste”, formuliert Off 12,14: „Und es wurden der Frau die zwei Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste fliege, an ihre Stätte”. Nicht nur, dass dies zwei unterschiedliche Formulierungen sind, die Aussage aus Off 12,14 dass die Frau „an ihre Stätte” in der Wüste geflogen ist, insinuiert ja gerade, dass diese „Stätte” bereits vorhanden und ihr auch bekannt ist – nämlich aus Off 12,6, und dass die Frau nunmehr, nachdem sie der Drache wieder verfolgt, wieder dorthin in die Wüste zurückkehrt.

Und schließlich die Zeitangaben für die Ernährung der Frau in der Wüste. In Off 12,6 sind es „zwölfhundertsechzig Tage”, in Off 12,14 „eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit”. Auch wenn dies im Endeffekt die Periode von dreieinhalb Jahren ist, ist aus den Parallelstellen in der Offenbarung zu erkennen, dass mit diesen unterschiedlichen Bezeichnungen auch unterschiedliche Zeitperioden gemeint sind: so sind die 1260 Tage dort z. B. die Zeit der zwei Zeugen, die dreieinhalb Zeiten aber jene des Antichrists.

(Siehe auch die Tabelle 16: „Die Jahrwoche”.)

Der Umstand, dass die dreieinhalb Zeiten der Frau in der Wüste mit der Zeit der antichristlichen Herrschaft (Dan 7,25; 12,7) übereinstimmt, wird übrigens auch von manchen Vertretern jener Auffassung, dass diese Frau die Gemeinde repräsentiert, als Bestätigung dafür angeführt, dass die Gemeinde in dieser Zeit an einem „Bergungsort” gebracht und von den Verfolgungen bewahrt werden wird. Doch diese Interpretation hält einer genaueren Prüfung nicht Stand. Wie wir aus den Endzeitreden des Herrn in Lk 21,34-36 und Mt 24,24-25; 40-41 erkennen, werden sogar am Ende dieser Drangsalszeit noch „Auserwählte” mitten unter den Weltmenschen – und nicht isoliert an einem „Bergungsort” – sein.

(Siehe auch die Tabelle 05: „Synopse der Endzeitreden des Herrn”.)

Es lässt sich daher aus heutiger Sicht - zumindest für die 1260 Tage - keine absolute Zuordnung dieser Zeitangaben bei der Frau am Himmel (Off 12,6 und 14) zu den gleichlautenden Aussagen in der Offenbarung und bei Daniel treffen. Was aber wohl davon abgeleitet werden kann, ist die Feststellung, dass Off 12,6 und 14 zwei zeitlich voneinander getrennte Ereignisse mit einem ähnlichen aber keinesfalls identischem Handlungsablauf sind.

Der Drache verfolgt also wieder die Frau. Und nachdem nach Off 12,6 die Frau bereits in die Wüste geflohen war, stellt sich daher hier die Frage, wann die Frau wieder zurückgekehrt ist. Wenn nun die hier vorliegende Interpretation der Frau als das Volk Israel richtig ist, müsste dies dann geschehen, wenn Israel wieder aus der „Wüste” der Diaspora in sein Land zurückkehrt. Damit wären wir aber beim Jahr 1948 und der Staatengründung in Israel.

Um der neuerlichen Verfolgung durch den Drachen zu entgehen, wird nun die Frau noch einmal in die „Wüste an ihre Stätte” zurückgeschickt. Die Prämisse, dass sich das Schriftwort (in unzähligen Texten) erfüllen muss, welches von der Sammlung der Israeliten „von den vier Enden der Erde” (Jes 11,12) in der Endzeit spricht, impliziert ja gerade, dass das heutige, in sein Land zurückgekehrte Volk Israel, in der Endzeit eine weitere – die letzte – Zerstreuung durchmachen muss, um dann wieder – diesmal von Gott – eingesammelt werden zu können.

Diese Sicht der Dinge geht übrigens auch konform mit jener Betrachtungsweise, welche die Rückführung Israels seit dem Jahre 1948 als eine von Menschen – nämlich Theodor Herzl und seinen Zionisten – veranlasste und betriebene Aktion und nicht die von Gott verheißene Sammlung seines Volkes in der Endzeit sieht. Es ist seit 1948 bis heute keine einzige der damit im Zusammenhang prophezeiten Vorbedingungen, wie die Umkehr Israels zu seinem Gott, die Ausgießung des Heiligen Geistes über das Volk Israel, der Hinweis, dass bei diesem Ereignis die Israeliten weinend ihren Gott suchen werden, das Ende der Kriege u.v.a. m., erfüllt worden. Dies alles wird erst in der Endzeit, am Beginn des Tausendjährigen Reiches der Fall sein.

Unter vielen anderen Stellen finden wir diesen speziellen Zusammenhang, dass nämlich Israel in der „Wüste” sein wird (und nicht schon in seinem Land), wenn ihm Gott seine „Weinberge” wieder gibt, auch beim Propheten Hosea detailliert dokumentiert.

Siehe, ich werde sie locken und sie in die Wüste führen und ihr zu Herzen reden.

Hos 2,16 Darum: Siehe, ich werde sie locken und sie in die Wüste führen und ihr zu Herzen reden. 2,17 Dann gebe ich ihr von dort aus ihre Weinberge und das Tal Achor als Tor der Hoffnung. Und dort wird sie willig sein wie in den Tagen ihrer Jugend und wie an dem Tag, als sie aus dem Land Ägypten heraufzog. 2,18 Und es wird geschehen an jenem Tag, spricht der HERR, da rufst du: Mein Mann! Und du rufst mich nicht mehr: Mein Baal! 2,19 Und ich entferne die Namen der Baalim aus ihrem Mund, und sie werden nicht mehr mit ihrem Namen erwähnt. 2,20 Und ich schließe für sie an jenem Tag einen Bund mit den Tieren des Feldes und mit den Vögeln des Himmels und mit den kriechenden Tieren des Erdbodens. Und Bogen und Schwert und Krieg zerbreche ich und entferne sie aus dem Land. Und ich lasse sie in Sicherheit wohnen. 2,21 Und ich will dich mir verloben in Ewigkeit, und ich will dich mir verloben in Gerechtigkeit und in Recht und in Gnade und in Erbarmen, 2,22 ja in Treue will ich dich mir verloben; und du wirst den HERRN erkennen. 2,23 Und es wird geschehen an jenem Tag, da werde ich erhören, spricht der HERR. Ich erhöre den Himmel, und der erhört die Erde; 2,24 und die Erde erhört das Korn und den Most und das Öl, und diese erhören Jesreel. 2,25 Und ich will sie mir säen im Land und will mich über die Lo-Ruhama erbarmen. Und ich will zu Lo-Ammi sagen: Du bist mein Volk! Und er wird sagen: Mein Gott! Hos 2,16-25;


Auch hier ist von einer „Frau” die Rede, auch sie wird durch Gott in die Wüste geführt und auch hier handelt es sich um das Volk Gottes aus Israel, welches seinen Gott „Mein Mann” nennen wird und mit welchem sich der Herr für alle Ewigkeit verloben will (Hos 2,16.18.21). Und im Kontext erkennen wir, dass hier dieser „Frau”, also dem Volk Gottes aus Israel, nicht nur die Verlobung mit seinem Gott, sondern das Friedensreich seines Messias’ mit all den bekannten Segnungen, wie Vergebung der Sünde, Ausgießung des Heiligen Geistes, Fruchtbarkeit, Friede und ein Leben in der Gegenwart Gottes auf Erden verheißen wird.

(Siehe auch Kapitel 10: „Das Millennium”.)

Ein weiteres Argument, welches für die These der neuerlichen Zerstreuung spricht, ist die Erwähnung der „zwei Flügel des großen Adlers” in Off 12,14. Dies weist darauf hin, dass Israel bei dieser letzten Zerstreuung von Gott geführt wird.

Und es wurden der Frau die zwei Flügel des großen Adlers gegeben.

Off 12,14 Und es wurden der Frau die zwei Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste fliege, an ihre Stätte, wo sie ernährt wird eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit, fern vom Angesicht der Schlange. Off 12,14;


Dieser Text bezieht sich offenbar auf 2Mo 19,3-4.23,20, wo der Herr die behütete Flucht Israels aus Ägypten so bezeichnet.

Wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und euch zu mir gebracht habe.

2Mo 19,3 Mose aber stieg hinauf zu Gott. Und der HERR rief ihm vom Berg aus zu: So sollst du zum Haus Jakob sagen und den Söhnen Israel mitteilen: 19,4 Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan und wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und euch zu mir gebracht habe. 2Mo 19, 3- 4;

Siehe, ich sende einen Engel vor dir der dich an den Ort bringt, den ich für dich bereitet habe.

2Mo 23,20 Siehe, ich sende einen Engel vor dir her damit er dich auf dem Weg bewahrt und dich an den Ort bringt, den ich für dich bereitet habe. 2Mo 23,20M.


Auch damals wurde Israel von Gott „auf Adlerflügeln” in die Wüste geführt und man kann daraus wohl schließen, dass Israel auch dieses letzte Mal noch fliehen wird müssen, jedoch – ähnlich wie damals in Ägypten – unter dem Schutz seines Gottes. Diese Auffassung unterstützen auch die nächsten beide Verse Off 12,15-16.

Und die Schlange warf aus ihrem Mund Wasser wie einen Strom hinter der Frau her.

Off 12,15 Und die Schlange warf aus ihrem Mund Wasser wie einen Strom hinter der Frau her, um sie mit dem Strom fortzureißen. 12,16 Und die Erde half der Frau, und die Erde öffnete ihren Mund und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Mund warf. Off 12,15-16;


Hier ist es die Schlange, welche versucht die Frau, das Volk Israel, mit einem Strom Wasser fortzureißen. Damals, bei der Flucht aus Ägypten, war es das Meer, das sich den Israeliten in den Weg stellte und ihre Flucht behinderte. Doch Gott ließ das Meer sich teilen und bereitete eine Straße für sein Volk, sodass sie trockenen Fußes hindurchgehen konnten. Und auch in Off 12,16 erkennen wir den Schutz des Herrn über sein Volk Israel, wenn es dort heißt: „Und die Erde half der Frau, und die Erde öffnete ihren Mund und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Mund warf”.

Der Sturz Satans – ein Ereignis zur Zeit Jesu?

Aufgrund der obigen Analyse ließe sich nun der Text aus Off 12,7-17 zeitlich und inhaltlich problemlos der Endzeit zuordnen, wenn wir da nicht ziemlich eindeutige Aussagen des Herrn hätten, dass zumindest der Kampf im Himmel, also Off 12,7-9, noch zu seinen Lebzeiten stattgefunden haben muss.

Bei diesem Kampf wird ja Satan aus dem Himmel auf die Erde geworfen und wir haben in den Evangelien mehrere Hinweise des Herrn über diesen Sturz Satans aus dem Himmel. In Jh 12,31 sagt der Herr: „Jetzt (...) wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden”.

Jetzt ergeht das Gericht; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden.

Jh 12,28 Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn verherrlicht und will ihn abermals verherrlichen. 12,29 Da sprach das Volk, das dabeistand und zuhörte: Es hat gedonnert. Die andern sprachen: Ein Engel hat mit ihm geredet. 12,30 Jesus antwortete und sprach: Diese Stimme ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um euretwillen. 12,31 Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden. Jh 12,28-31;


Das bedeutet, dass dieser Kampf im Himmel zwischen Michael und seinen Engeln und Satan und seinen Engeln zu jener Zeit stattfand, als der Herr Jesus auf Erden war. Dies bestätigt auch die Aussage des Herrn „nun kommt der Fürst dieser Welt” in Jh 14,30:

Ich werde nicht mehr viel mit euch reden, denn es kommt der Fürst dieser Welt.

Jh 14,28 Ihr habt gehört, dass ich euch gesagt habe: Ich gehe hin und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. 14,29 Und jetzt habe ich es euch gesagt, ehe es geschieht, damit ihr glaubt, wenn es nun geschehen wird. 14,30 Ich werde nicht mehr viel mit euch reden, denn es kommt der Fürst dieser Welt. Er hat keine Macht über mich; 14,31 aber die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe und tue, wie mir der Vater geboten hat. Steht auf und lasst uns von hier weggehen. Jh 14,28-31;


Eine weitere Bestätigung erhalten wir dann in Jh 16,11 und Lk 10,18, wo der Herr von diesem Ereignis bereits in der Vergangenheitsform spricht: Der Fürst dieser Welt ist gerichtet!

Er wird euch die Augen auftun über das Gericht: der Fürst der Welt ist gerichtet.

Jh 16,7 Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden. 16,8 Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; 16,9 über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben; 16,10 über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; 16,11 über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Jh 16, 7-11;

Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz.

Lk 10,17 Die Zweiundsiebzig aber kamen zurück voll Freude und sprachen: Herr, auch die bösen Geister sind uns untertan in deinem Namen. 10,18 Er sprach aber zu ihnen: Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz. Lk 10,17-18;


Der Text in Off 12,10-11 beinhaltet nun zwei wichtige Hinweise: Zum einen erkennen wir in der Aussage: „Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes geworden und die Macht seines Christus”, dass erst jetzt, nach diesem Kampf im Himmel, das Reich Gottes im Himmel (aber noch nicht auf Erden!) in seinem vollen Umfang verwirklicht werden konnte. Satan und seine Engel haben bis zu diesem Zeitpunkt sichtlich immer verhindert, dass der Wille Gottes im Himmel uneingeschränkt geschehen wäre. Den Schriftbeweis dafür, dass der Himmel ab diesem Zeitpunkt frei von satanischen Kräften ist, die dem Willen Gottes entgegenstehen könnten, erkennen wir auch in jenem Gebet, das der Herr uns zu beten gelehrt hat.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auch auf Erden

Mt 6,9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 6,10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden. Mt 6, 9-10;


Dieses „wie im Himmel” setzt ja voraus, dass dort der Wille Gottes bereits uneingeschränkt geschieht und die Bitte „so auch auf Erden” bezeugt, dass dies hier auf Erden noch nicht der Fall ist.

Alle diese Schriftstellen beweisen nun ziemlich eindeutig, dass der Sturz Satans und damit der Kampf im Himmel ein Ereignis zur Zeit Jesu waren. Damit haben wir aber bei der Auslegung von Off 12,7-17 insofern ein Problem, als wir dann dort einen ziemlich abrupten Zeitsprung von der Zeit Jesu in die Endzeit haben.

Doch auch wenn – oder gerade weil - der Rest des Textes aus Off 12,7-17 mit hoher Wahrscheinlichkeit der Endzeit zuzuordnen ist, darf man keine der beiden Möglichkeiten ausschließen, sondern muss sie nebeneinander stehen lassen, bis sich möglicherweise doch einmal eine Erklärung findet.

Die übrigen von ihrem Samen.

Während wir bei der weiteren Analyse die „Wasser”, welche der Drache hinter der Frau her ausstieß, noch als heidnische Menschenmassen und Verfolger der „Frau” interpretieren können, findet das Symbol der „Erde”, welches in der Schrift oft für die religiös – nicht unbedingt christlich! – motivierte Menschheit steht (siehe auch Off 13: das erste Tier aus dem Meer und das zweite Tier aus der Erde), in diesem Zusammenhang derzeit noch keine wirklich befriedigende Erklärung.

Und der Drache ging hin, zu kämpfen gegen die übrigen von ihrem Samen.

Off 12,15 Und die Schlange stieß aus ihrem Rachen Wasser aus wie einen Strom hinter der Frau her, um sie zu ersäufen. 12,16 Aber die Erde half der Frau und tat ihren Mund auf und verschlang den Strom, den der Drache ausstieß aus seinem Rachen. 12,17 Und der Drache wurde zornig über die Frau und ging hin, zu kämpfen gegen die übrigen von ihrem Samen, die Gottes Gebote halten und haben das Zeugnis Jesu. 12,18 Und er trat an den Strand des Meeres. Off 12,15-18;


Im Vers Off 12,17 erfahren wir jedoch noch, dass sich diese Verfolgungen nunmehr, nach der Flucht der „Frau”, auf „die übrigen von ihrem Samen” verlagern. Diese „übrigen” müssen also mit dieser „Frau” etwas gemein haben. Einmal gehören sie dem selben Samen an und müssen daher die gleiche Abkunft haben wie sie. Dann heißt es aber auch, dass sie Gottes Gebote halten und das Zeugnis Jesu haben. Und obwohl es hier nicht in dieser Eindeutigkeit zum Ausdruck kommt, kann man wohl davon ausgehen, dass diese Attribute auch auf die „Frau” – die ja vom selben Samen ist – zutreffen. Daher muss auch die „Frau” das gleiche Verhalten wie diese „übrigen” an den Tag gelegt haben, sie muss Gottes Gebote gehalten und das Zeugnis Jesu gehabt haben. Und die Metapher „Zeugnis Jesu” finden wir dann auch etwas später, in Off 19,10 erklärt:

Das Zeugnis Jesu aber ist der Geist der Weissagung.

Off 19,10 Und ich fiel nieder zu seinen Füßen, ihn anzubeten. Und er sprach zu mir: Tu es nicht! Ich bin dein und deiner Brüder Mitknecht, die das Zeugnis Jesu haben. Bete Gott an! Das Zeugnis Jesu aber ist der Geist der Weissagung. Off 19,10;


Die das „Zeugnis Jesu” haben, haben also den Geist der Weissagung, sie sind demnach Propheten. Daher sind diese „übrigen von ihrem Samen” und auch die „Frau” selbst als Propheten anzusehen. Nachdem wir hier die Frau als das Volk Israel interpretiert haben und die Israeliten in ihrer Gesamtheit sicherlich nicht als Propheten zu sehen sind, bietet sich eigentlich nur eine Interpretation an: Es ist der Geist der Propheten – auch und speziell des Alten Bundes – welcher im Volk Israel weiterlebt, jedoch durch die Verstocktheit der Israeliten nicht in Erscheinung treten kann.

Auch diese „übrigen von ihrem Samen” in Off 12,17 sind daher als Propheten zu deuten und deshalb ist es auch interessant, dass das griechische Wort loipon, welches hier für „übrige” steht, auch und insbesondere „Rest”, „Überrest”, aber auch „Zukunft” bedeutet. Und damit hat die Aussage „die übrigen von ihrem Samen”, welche, so wie sie dasteht, eher „alle anderen” meinen könnte, einen etwas anderen Hintergrund. Es sind nicht „alle anderen”, sondern einige wenige, nämlich der (in der Zukunft) verbleibende Rest, gegen welchen der Drache hier kämpfen wird.

Und auch hier gibt uns der Kontext aus dem vorangehenden 11. und dem nachfolgenden 13. Kapitel eine Erklärung. In Off 11,3 heißt es von den zwei Zeugen Gottes:

Die zwei Zeugen werden weissagen 1260 Tage.

Off 11,3 Und ich werde meinen zwei Zeugen Vollmacht geben, und sie werden 1260 Tage weissagen, mit Sacktuch bekleidet. Off 11, 3;


Sie werden also weissagen und sind daher Propheten. Dies wird übrigens auch in Off 11,10 bestätigt:

Diese zwei Propheten quälten die auf der Erde Wohnenden.

Off 11,10 Und die auf der Erde wohnen, freuen sich über sie und frohlocken und werden einander Geschenke senden, denn diese zwei Propheten quälten die auf der Erde Wohnenden. Off 11,10;


Als Propheten sind sie ja nun auch „Same” der Frau. Vers Off 11,7 sagt uns dann auch, dass das Tier aus dem Abgrund mit ihnen kämpfen und sie überwinden und töten wird:

Das Tier, das aus dem Abgrund heraufsteigt, wird sie überwinden und sie töten.

Off 11,7 Und wenn sie ihr Zeugnis vollendet haben werden, wird das Tier, das aus dem Abgrund heraufsteigt, Krieg mit ihnen führen und wird sie überwinden und sie töten. Off 11, 7;


In Off 13,1 finden wir dann dieses Tier, wie es der Drache aus dem Abgrund des Meeres aufsteigen lässt.

Und ich sah aus dem Meer ein Tier aufsteigen.

Off 13,1 Und ich sah aus dem Meer ein Tier aufsteigen, das zehn Hörner und sieben Köpfe hatte, und auf seinen Hörnern zehn Diademe und auf seinen Köpfen Namen der Lästerung. Off 13, 1;


Und dieses Tier, welches alle Macht und Kraft, ja sogar seinen Thron vom Satan erhält und damit den Drachen selbst verkörpert, ist es dann auch, welches mit den zwei Zeugen, den Propheten und Heiligen Gottes, kämpfen und sie überwinden und töten wird.

Und es wurde ihm gegeben, mit den Heiligen Krieg zu führen und sie zu überwinden.

Off 13,7 Und es wurde ihm gegeben, mit den Heiligen Krieg zu führen und sie zu überwinden; und es wurde ihm Macht gegeben über jeden Stamm und jedes Volk und jede Sprache und jede Nation. Off 13, 7;


Mit dem Tod dieser zwei Propheten ist nun auch der letzte Rest des Samens der Frau eliminiert und das Tier, der Antichrist, kann seine Herrschaft ungehindert auf- und ausbauen.

Doch wie wir aus der Schrift wissen, wird diese seine Herrschaft nur von kurzer Dauer sein. Nach etwa dreieinhalb Jahren wird die Wiederkunft des Herrn diesem Treiben ein Ende bereiten. In einem neuerlichen Kampf – diesmal auf der Erde, in Israel – wird der Antichrist und mit ihm auch der Drache und Satan geschlagen. Während der Antichrist mit seinem falschen Propheten sogleich in den Feuersee geworfen wird, wird der Satan vorerst für tausend Jahre im Abgrund gefangen gesetzt.

(Siehe auch Kapitel 07: „Die Schlacht von Harmagedon”).

Die Frau aber wird dann wieder nach Israel zurückkehren. Von allen Enden der Erde wird Gott sein Volk sammeln und sie werden weinend in ihr Land kommen und der Heilige Geist wird über sie ausgegossen werden. Und dann wird auch dieser Geist der Propheten wieder in ihnen erwachen und an jenem Tag werden sich alle jene Prophezeiungen erfüllen, welche sich 1948 nicht erfüllen konnten, weil die Zeit dafür noch nicht gekommen war.

Diese „Sammlung 1948” ist ohne den Willen Gottes erfolgt und ist vergleichbar mit jener Situation des Volkes Israel damals in der Wüste, als sie nicht auf die Rückkehr des Mose vom Berg Sinai (2Mo 32,1-9) warten wollten und sich selbst ein goldenes Kalb machten und dieses als ihren Gott anbeteten. Auch damals hatten sie das so nahe bevorstehende Ziel des Einzugs in das verheißene Land durch eigene Schuld um vierzig Jahre hinausgezögert. Und auch damals war es so, wie der Schreiber des Briefes an die Israeliten (Hebräer) – den diese leider bis heute nicht gelesen haben - aus den Psalmen zitiert: Sie sollten – noch – nicht zur Ruhe ihres Gottes kommen.

Immer irren sie im Herzen! Aber sie verstanden meine Wege nicht.

Hbr 3,10 Darum wurde ich zornig über dieses Geschlecht und sprach: Immer irren sie im Herzen! Aber sie verstanden meine Wege nicht, 3,11 so dass ich schwor in meinem Zorn: Sie sollen nicht zu meiner Ruhe kommen.«. Hbr 3,10-11;