Exkurs 11 - Der Thron Gottes.



Die Gestalt Gottes.

Die vier lebendigen Wesen.

Das Räderwerk.

Der Thron und die Herrlichkeit des Herrn.


Die Gestalt Gottes.

Johannes gibt uns in Off 4,2-8 eine Beschreibung dessen, was er sah, als er im Geist in den Himmel entrückt war. Er sah einen Thron und auf dem Thron saß einer.

Ein Thron stand im Himmel, und auf dem Thron saß einer.

Off 4,2 Sogleich war ich im Geist: und siehe, ein Thron stand im Himmel, und auf dem Thron saß einer. 4,3 Und der da saß, war von Ansehen gleich einem Jaspisstein und einem Sarder, und ein Regenbogen war rings um den Thron, von Ansehen gleich einem Smaragd. 4,4 Und rings um den Thron sah ich vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, bekleidet mit weißen Kleidern, und auf ihren Häuptern goldene Siegeskränze. 4,5 Und aus dem Thron gehen hervor Blitze und Stimmen und Donner; und sieben Feuerfackeln brennen vor dem Thron, welche die sieben Geister Gottes sind. Off 4, 2- 5;


Nachdem sich alle seriösen Ausleger darin einig sind, dass es sich bei dem der auf dem Thron saß um Gott den Allmächtigen handelt, können wir gleich weitergehen und uns mit dem Aussehen Gottes befassen. Und zwar nicht mit jenem Aussehen, welches Johannes im Vers Off 4,3 beschreibt, sondern mit der Gestalt Gottes, welche diesem Text nur indirekt zu entnehmen ist.

Der Umstand, dass hier von einem Thron die Rede ist und dass jemand darauf saß, impliziert, dass dieser Jemand eine menschenähnliche Gestalt hatte, sonst würde er nicht die körperlichen Voraussetzungen für das Sitzen erfüllen können und Johannes hätte ihn dann kaum als „sitzend” beschrieben.

Dieser Thron und die Gestalt, welche darauf zu sehen war, hat auch der Prophet Hesekiel beschrieben. Er hatte seine Vision am Fluss Kebar, im Lande der Chaldäer.

Auf dem Thron eine Gestalt, dem Aussehen eines Menschen gleich.

Hes 1,22 Und über den Häuptern des lebenden Wesens war etwas wie ein festes Gewölbe, wie der Anblick eines furchteinflößenden Kristalls, ausgebreitet oben über ihren Häuptern. 1,23 Und unter dem festen Gewölbe waren ihre Flügel gerade ausgebreitet, einer gegen den anderen; und jedes hatte zwei Flügel, die ihnen ihre Leiber bedeckten. 1,24 Und wenn sie gingen, hörte ich das Rauschen ihrer Flügel wie das Rauschen großer Wasser, wie die Stimme des Allmächtigen, das Rauschen einer Volksmenge, wie das Rauschen eines Heerlagers. Wenn sie still standen, ließen sie ihre Flügel sinken.

1,25 Und es kam eine Stimme von dem Raum oberhalb des festen Gewölbes, das über ihren Häuptern war. Wenn sie still standen, ließen sie ihre Flügel sinken.

1,26 Und oberhalb des festen Gewölbes, das über ihren Häuptern war, befand sich - wie das Aussehen eines Saphirsteines - etwas wie ein Thron und auf dem, was wie ein Thron aussah, oben auf ihm eine Gestalt, dem Aussehen eines Menschen gleich. Hes 1,22-26;


Und im Gegensatz zu Johannes, spricht es Hesekiel in Hes 1,26 ganz klar aus: der auf dem Thron hatte das Aussehen eines Menschen. Und er bestätigt auch gleich im Anschluss, in Hes 1,28, dass dies „die Herrlichkeit des Herrn” war.

Das war das Aussehen des Abbildes der Herrlichkeit des HERRN.

Hes 1,27 Und ich sah: Wie der Anblick von glänzendem Metall, wie das Aussehen von Feuer, das ringsum ein Gehäuse hat, war es von dem Aussehen seiner Hüften an aufwärts; und von dem Aussehen seiner Hüften an abwärts sah ich etwas wie das Aussehen von Feuer; und ein Glanz war rings um ihn. 1,28 Wie das Aussehen des Bogens, der am Regentag in der Wolke ist, so war das Aussehen des Glanzes ringsum. Das war das Aussehen des Abbildes der Herrlichkeit des HERRN. - Und als ich es sah, fiel ich auf mein Gesicht nieder; und ich hörte die Stimme eines Redenden. Hes 1,27-28;


Gott hat also das Aussehen eines Menschen. Ist dies verwunderlich? – Eigentlich nicht, denn in 1Mo 1,26-27 lesen wir ausdrücklich, dass Gott den Menschen nach seinem - Gottes - Bilde schuf.

Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, nach unserem Aussehen!

1Mo 1,26 Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, nach unserem Aussehen! Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle kriechenden Tiere, die auf der Erde kriechen! 1,27 Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. 1Mo 1,26-27;


Und wenn der Mensch nach dem „Bilde”, also nach der Gestalt Gottes geschaffen ist, dann muss im Umkehrschluss auch Gott eine menschenähnliche Gestalt haben. Auch wenn Gott nun in seiner Allmacht und Allwissenheit, d.h. in seinen geistigen Eigenschaften mit dem Menschen überhaupt nicht vergleichbar ist, so dürfen wir uns doch seine Gestalt ähnlich der unseren vorstellen.


Die vier lebendigen Wesen.

Johannes setzt dann in Off 4,6-8 die Beschreibung seiner Vision mit den „vier lebendigen Wesen” fort.

Rings um den Thron vier lebendige Wesen, voller Augen vorn und hinten.

Off 4,6 Und vor dem Thron war es wie ein gläsernes Meer, gleich Kristall; und inmitten des Thrones und rings um den Thron vier lebendige Wesen, voller Augen vorn und hinten. 4,7 Und das erste lebendige Wesen war gleich einem Löwen und das zweite lebendige Wesen gleich einem jungen Stier, und das dritte lebendige Wesen hatte das Angesicht wie das eines Menschen, und das vierte lebendige Wesen war gleich einem fliegenden Adler.

4,8 Und die vier lebendigen Wesen hatten, eines wie das andere, je sechs Flügel und sind ringsum und inwendig voller Augen, und sie hören Tag und Nacht nicht auf zu sagen: Heilig, heilig, heilig, Herr, Gott, Allmächtiger, der war und der ist und der kommt! Off 4, 6- 8;


Die konventionelle Auslegung interpretiert diese vier lebendigen Wesen seit Irenäus (170 n. Chr.) als Symbole für die Evangelisten des NT, also Matthäus = Mensch, Markus = Adler, Lukas = Stier und Johannes = Löwe. Dabei kann allerdings die Reihenfolge der Zuordnung von Ausleger zu Ausleger verschieden sein. Andere Interpreten wieder sehen die vier Wesen als Symbole der Eigenschaften Gottes, wobei der Stier das „Opfer Gottes”, der Adler der „Überblick Gottes”, der Löwe die „Majestät Gottes” und der Mensch die „Niedrigkeit Gottes in seinem Sohn” darstellt. Jene Erklärer, welche in diesen Wesen die „gesamte beseelte Natur” sehen, deuten sie auf die „vier Klassen belebter Natur”: den Menschen, zahme Tiere (Stier), wilde Tiere (Löwe) und Vögel (Adler). Auch die völlige Abstraktion in die Symbolik fehlt bei der Auslegung dieses Textes nicht. So sehen manche das ganze Bild als Metapher für die seufzende Kreatur, die Flügel seien Ausdruck für das sehnsüchtige Streben der Gebundenen nach höherer Freiheit, das Rufen Tag und Nacht in Vers Off 4,8 sei gequälte Ruhelosigkeit. Aber es wird auch ernsthaft versucht, in diesem Bild Hinweise auf astrologische Tierkreiszeichen (Stier, Löwe…) zu sehen.

Man sieht also, es gibt mancherlei Versuche, diesen doch recht schwierigen Text zu erklären. Allerdings sollte gerade eine solch diffizile Schriftstelle nicht durch Eigeninterpretationen, sondern anhand von schriftgemäßen Argumenten und Analysen ausgelegt werden, da alle anderen Versuche zwangsläufig ins exegetische Nirwana führen würden.

Wenn wir nun einen Hinweis in der Schrift auf diese vier lebenden Wesen suchen, finden wir ihn in recht eindeutiger Weise wieder bei Hesekiel. Während allerdings Johannes oben nur die Angesichter dieser vier Wesen beschreibt, sagt uns Hesekiel auch hier etwas über ihre Gestalt: „die Gestalt eines Menschen hatten sie”. Also sowohl Gott (Hes 1,26), als auch die vier Wesen hatten menschliche Gestalt.

Die Gestalt von vier lebenden Wesen.

Hes 1,2 Am Fünften des Monats - das ist das fünfte Jahr nach der Wegführung des Königs Jojahin - 1,3 geschah das Wort des HERRN ausdrücklich zu Hesekiel, dem Sohn des Busi, dem Priester, im Land der Chaldäer am Fluss Kebar; dort kam die Hand des HERRN über ihn. 1,4 Und ich sah: Und siehe, ein Sturmwind kam von Norden her, eine große Wolke und ein Feuer, das hin- und herzuckte, und Glanz war rings um sie her. Und aus seiner Mitte, aus der Mitte des Feuers, strahlte es wie der Anblick von glänzendem Metall. 1,5 Und aus seiner Mitte hervor erschien die Gestalt von vier lebenden Wesen; und dies war ihr Aussehen: die Gestalt eines Menschen hatten sie. 1,6 Und vier Gesichter hatte jedes, und vier Flügel hatte jedes von ihnen. 1,7 Und ihre Beine waren gerade Beine und ihre Fußsohlen wie die Fußsohle eines Kalbes; und sie funkelten wie der Anblick von blanker Bronze. Hes 1, 2- 7;


Bei der Beschreibung der Gesichter dieser vier Wesen unterscheiden sich allerdings diese zwei Berichte. Während Johannes bei jedem der vier Wesen ein einziges und jeweils verschiedenes Gesicht erkennt, beobachtet Hesekiel die gleichen vier Angesichter an jeder einzelnen dieser vier Gestalten.

Die Gestalt ihrer Gesichter.

Hes 1,8 Und Menschenhände waren unter ihren Flügeln an ihren vier Seiten; und die vier hatten ihre Gesichter und ihre Flügel. 1,9 Ihre Flügel berührten sich, einer mit dem anderen; sie wandten sich nicht um, wenn sie gingen: sie gingen, ein jedes gerade vor sich hin. 1,10 Und das war die Gestalt ihrer Gesichter: Das Gesicht eines Menschen und das Gesicht eines Löwen hatten die vier rechts, und das Gesicht eines Stieres hatten die vier links, und das Gesicht eines Adlers hatten die vier. Das sind ihre Gesichter.

1,11 Ihre Flügel aber waren nach oben ausgespannt; jedes hatte zwei, die sich einer mit dem anderen berührten, und zwei, die ihre Leiber bedeckten. Hes 1, 8-11;


Dieser Beschreibung nach zu urteilen, sah Hesekiel diese vier Wesen in einer quadratischen Formation stehen, mit jeweils einer Gestalt an jeder Ecke des Quadrates. Jeder von ihnen hatte vier Flügel an ihren vier Körperseiten, wobei jeweils zwei der Flügel ausgestreckt waren und den Flügel der zwei benachbarten Wesen – hinten und seitwärts bzw. vorne und seitwärts - berührten und somit die Seiten des Quadrates bildeten. Die beiden anderen Flügel bedeckten die entsprechende Körperseite, wie auch in Hes 1,23 beschrieben.

Die Aussage von Hes 1,22: „Und über den Häuptern der lebenden Wesen war etwas wie ein festes Gewölbe, wie der Anblick eines furchteinflößenden Kristalls, ausgebreitet oben über ihren Häuptern”, bringen manche Interpreten in Zusammenhang mit dem „Himmelgewölbe” und sehen in den vier lebendigen Wesen dann jene Kräfte, welche an den vier Enden der Erde dieses Himmelsgewölbe stützen. Bei genauerer Betrachtung ist jedoch leicht zu erkennen, dass dieses „Gewölbe” nur eine Nachbildung des Himmelsgewölbes ist (so auch der Text wörtlich) und die Maße des, von den vier Wesen und ihren ausgebreiteten Flügeln gebildeten Quadrates betragen etwa 5 mal 5 Meter (1Kg 6,24-25).

Wie nun Hesekiel die Gesichter an den vier Kopfseiten jedes dieser Wesen beschreibt, muss er eine Position links vor dieser Formation eingenommen haben. Dann können wir davon ausgehen, dass das menschliche Antlitz aus seiner Sicht zwar rechts, aber von den vier Wesen gesehen nach vorne ausgerichtet war. Hesekiel sah daher von seinem Standort aus den Löwenkopf rechts davon, den Stierkopf diesem gegenüber, auf der linken Seite und den Adler auf der Rückseite.

Während nun bei Hesekiel jedes dieser vier Wesen diese vier Angesichter hatte, sieht Johannes zwar auch diese vier Wesen, allerdings hat jedes nur eines dieser Angesichter. Auch finden wir bei Johannes keinen Hinweis auf die Positionen der vier Wesen. Es ist aber wahrscheinlich nicht falsch auch hier davon auszugehen, dass – ähnlich wie bei Hesekiel - aus der Sicht des Betrachters vor dem Thron, das menschliche Antlitz vor dem Thron zu sehen war, während der Adlerkopf auf der Rückseite, der Stierkopf an der linken und der Löwenkopf an der rechten Seite des Thrones standen. Die Rekonstruktion der Positionierung dieser vier Wesen bei Johannes mag auf den ersten Blick relativ unwichtig erscheinen, wie wir aber gleich sehen werden, kann sie uns bei der Interpretation helfen.

Obwohl die Angesichter der vier Wesen – abgesehen von der Viergesichtigkeit bei Hesekiel – bei beiden Propheten gleichartig beschrieben wird, ergibt sich bei der weiteren Analyse doch noch ein wesentlicher Unterschied.

Hesekiel hatte ja zwei derartige Visionen von diesen vier lebenden Wesen. Eine am Fluss Kebar, oben aus Hes 1,1-28 zitiert, und die andere in Jerusalem, welche in Hes 10,1-22 berichtet ist. Und auch in dieser Vision beschreibt er die vier Wesen und ihre Gesichter.

Das Gesicht des ersten war das Gesicht eines Cherubs.

Hes 10,14 Vier Gesichter hatte jedes. Das Gesicht des ersten war das Gesicht eines Cherubs, und das Gesicht des zweiten war das Gesicht eines Menschen und des dritten das Gesicht eines Löwen und des vierten das Gesicht eines Adlers. 10,15 Und die Cherubim hoben sich empor. Das war das lebende Wesen, das ich am Fluss Kebar gesehen hatte. Hes 10,14-15;


Und hier fällt auf, dass die Beschreibung mit Hes 1,10 identisch ist, bis auf das Stierangesicht. Obwohl Hesekiel bestätigt, dass dies dasselbe Gefährt war – er nennt es das „lebende Wesen” –, welches er auch am Fluss Kebar gesehen hatte, ist hier das Stierangesicht durch das „Gesicht eines Cherubs” ersetzt. Nachdem wir bei dieser Stelle Übertragungs- oder Übersetzungsfehler ausschließen können, scheint es so, dass sich Hesekiel einmal geirrt hat. Es wäre auch nicht verwunderlich, bei soviel unglaublichem Geschehen, kann es schon sein, dass er auf manche Einzelheiten nicht geachtet hat. Es fragt sich jetzt nur, welcher dieser beiden Berichte stimmt. Und hier kann uns eine weitere Aussage aus der Vision in Jerusalem helfen.

Und ich erkannte, dass es Cherubim waren.

Hes 10,20 Das war das lebende Wesen, das ich unter dem Gott Israels am Fluss Kebar gesehen hatte; und ich erkannte, dass es Cherubim waren. 10,21 Jeder hatte vier Gesichter, und jeder hatte vier Flügel, und etwas wie Menschenhände war unter ihren Flügeln. 10,22 Und die Gestalt ihrer Gesichter war die jener Gesichter, die ich am Fluss Kebar gesehen hatte, ihr Aussehen und sie selbst. Sie gingen ein jeder gerade vor sich hin. Hes 10,20-22;


Auch hier bekräftigt Hesekiel, dass es sich um die gleiche Erscheinung handelte, wie er sie am Fluss Kebar hatte. Er bestätigt insbesondere, dass die „Gestalt ihrer Gesichter” identisch ist mit jenen der damaligen Vision. Das heißt, dass die Gesichter selbst nicht verändert waren, sondern der Prophet eben erkannt hat, dass er bei seiner Beschreibung der ersten Vision fälschlicherweise ein Stierangesicht, anstatt das eine Cherubs gesehen hatte und daher die Beschreibung aus der zweiten, der Vision in Jerusalem, die richtige ist.

Dass es sich so verhält, bestätigen auch noch andere Details der Jerusalem-Vision. Wie es oben, in Hes 10,20 heißt, hat Hesekiel auch erst dieses zweite Mal erkannt, dass es sich bei den vier lebenden Wesen selbst um Cherubim handelt. Und wie es scheint, basierte diese Erkenntnis nicht auf irgendwelchen äußeren Erkennungszeichen, sondern auf den einfachen Umstand, dass der Herr ihn in Hes 10,2 und 10,6 auffordert zu „der Stelle unterhalb des Cherubs” bzw. „der Stelle zwischen den Cherubim” zu gehen und damit diese Wesen als Cherubim identifiziert hat. Ab diesem Zeitpunkt wusste Hesekiel, dass es sich hier um Cherubim handelte.

Geh hinein zu der Stelle zwischen dem Räderwerk, unterhalb des Cherubs.

Hes 10,1 Und ich sah: Und siehe, auf dem festen Gewölbe, das über dem Haupt der Cherubim war, befand sich einem Saphirstein gleich etwas, das aussah wie ein Thron, der über ihnen sichtbar wurde. 10,2 Und er sprach zu dem mit Leinen bekleideten Mann, und er sagte: Geh hinein zu der Stelle zwischen dem Räderwerk, zu der Stelle unterhalb des Cherubs, und fülle deine Hände mit Feuerkohlen von der Stelle zwischen den Cherubim, und streue sie über die Stadt hin! Da ging er vor meinen Augen hinein.

10,3 Die Cherubim aber standen zur rechten Seite des Hauses, als der Mann hineinging; und die Wolke erfüllte den inneren Vorhof. 10,4 Da erhob sich die Herrlichkeit des HERRN von dem Cherub weg auf die Schwelle des Hauses; und das Haus wurde von der Wolke erfüllt, und der Vorhof war voll von dem Glanz der Herrlichkeit des HERRN. 10,6 Und es geschah, als er dem mit Leinen bekleideten Mann befahl: Nimm Feuer von der Stelle zwischen dem Räderwerk, von der Stelle zwischen den Cherubim weg!, da ging er hinein und trat neben das Rad. 10,7 Und der Cherub streckte seine Hand aus zwischen den Cherubim hervor nach dem Feuer, das zwischen den Cherubim war, und hob es auf und gab es in die Hände dessen, der mit Leinen bekleidet war; der nahm es und ging hinaus. 10,8 Und es erschien an den Cherubim unter ihren Flügeln etwas wie eine Menschenhand. Hes 10, 1- 8;


Und während er in Hes 1,18 von den Rädern berichtet, dass sie „voller Augen waren rings herum”, erweitert er diese Beschreibung in Hes 10,12 auch auf die vier Cherubim, von denen er schreibt, dass „ihr ganzer Leib und ihr Rücken und ihre Hände und ihre Flügel und die Räder waren voller Augen ringsum”. Dies ist somit – nach den beiden Richtigstellungen „Wesen – Cherubim” und „Stierangesicht – Cherubangesicht” – die dritte Korrektur, welche Hesekiel aufgrund der zweiten Vision durchführt.

(Siehe auch die Tabelle 15: „Der Thron Gottes und seine Umgebung”.)

In der für uns relevanten Frage können wir also davon ausgehen, dass der vierte Cherub kein Stierangesicht, sondern eben das Angesicht eines Cherubs hatte. Mit dieser Erkenntnis kehren wir nun zurück zur Offenbarung und versuchen anhand der diesbezüglichen Texte einen Überblick davon zu bekommen, welche Stellung bzw. welche Aufgabe diesen vier Wesen im Rahmen dieser Vision zukam.

Das Lamm und die vier lebendigen Wesen.

Off 6,1 Und ich sah, als das Lamm eines von den sieben Siegeln öffnete, und hörte eines von den vier lebendigen Wesen wie mit einer Donnerstimme sagen: Komm! 6,2 Und ich sah: und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, hatte einen Bogen; und ihm wurde ein Siegeskranz gegeben, und er zog aus, siegend und um zu siegen.

6,3 Und als es das zweite Siegel öffnete, hörte ich das zweite lebendige Wesen sagen: Komm! 6,4 Und es zog aus ein anderes, ein feuerrotes Pferd; und dem, der darauf saß, ihm wurde gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen und die Menschen dahin zu bringen, dass sie einander schlachteten; und ihm wurde ein großes Schwert gegeben.

6,5 Und als es das dritte Siegel öffnete, hörte ich das dritte lebendige Wesen sagen: Komm! Und ich sah: und siehe, ein schwarzes Pferd, und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. 6,6 Und ich hörte etwas wie eine Stimme inmitten der vier lebendigen Wesen, die sagte: Ein Maß Weizen für einen Denar und drei Maß Gerste für einen Denar! Und dem Öl und dem Wein füge keinen Schaden zu!

6,7 Und als es das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten lebendigen Wesens sagen: Komm! Off 6, 1- 7;

Die lebenden Wesen geben Ehre und Danksagung dem, der auf dem Thron sitzt.

Off 4,9 Und wenn die lebendigen Wesen Herrlichkeit und Ehre und Danksagung geben werden dem, der auf dem Thron sitzt, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, 4,10 so werden die vierundzwanzig Ältesten niederfallen vor dem, der auf dem Thron sitzt, und den anbeten, der von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt, und werden ihre Siegeskränze niederwerfen vor dem Thron und sagen: 4,11 Du bist würdig, unser Herr und Gott, die Herrlichkeit und die Ehre und die Macht zu nehmen, denn du hast alle Dinge erschaffen, und deines Willens wegen waren sie und sind sie erschaffen worden. Off 4, 9-11;

Sie fielen vor dem Thron auf ihre Angesichter und beteten Gott an.

Off 7,11 Und alle Engel standen rings um den Thron und die Ältesten und die vier lebendigen Wesen, und sie fielen vor dem Thron auf ihre Angesichter und beteten Gott an. Off 7,11;

Sie singen ein Lied vor dem Thron, den vier lebendigen Wesen und den Ältesten.

Off 14,3 Und sie singen ein neues Lied vor dem Thron und vor den vier lebendigen Wesen und den Ältesten; und niemand konnte das Lied lernen als nur die 144000, die von der Erde erkauft waren. Off 14, 3;

Eines der vier lebendigen Wesen gab den sieben Engeln sieben goldene Schalen.

Off 15,6 Und die sieben Engel, welche die sieben Plagen hatten, kamen aus dem Tempel hervor, bekleidet mit reinem, glänzendem Leinen und um die Brust gegürtet mit goldenen Gürteln. 15,7 Und eines der vier lebendigen Wesen gab den sieben Engeln sieben goldene Schalen, voll des Grimmes Gottes, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Off 15, 6- 7;

Und die vier lebendigen Wesen fielen nieder und beteten Gott an.

Off 19,4 Und die vierundzwanzig Ältesten und die vier lebendigen Wesen fielen nieder und beteten Gott an, der auf dem Thron sitzt, und sagten: Amen, Halleluja! Off 19, 4;


Dieser Blick zurück in die Offenbarung zeigt uns einmal, dass auch Johannes sichtlich die gleichen Erkennungsprobleme hatte wie Hesekiel: Er konnte die vier Gestalten nicht als Cherubim identifizieren und nennt sie daher „lebendige Wesen”, und er sieht beim vierten ein Stierangesicht. Nachdem also auch Johannes hier ein Stierangesicht sieht, erhebt sich natürlich die Frage, inwieweit das Angesicht eines Cherubs eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Stierangesicht hat, noch dazu mit dem eine jungen Stiers, wie Johannes in Off 4,7 spezifiziert – also ohne Hörner und mit noch wenig ausgeprägtem Gesichtsunterteil. Andererseits ist jedoch auch hier diese Verwechslung nicht verwunderlich, sieht doch auch er dieses Bild zum ersten Mal. Im übrigen kommt der Stamm des Wortes „Cherub” aus dem Assyrischen und hat die Bedeutung „geflügelter Stier”. Wir können daher – analog zu Hesekiel – auch hier die Beschreibung ergänzen, indem wir diese vier Wesen als Cherubim und das Angesicht des vierten Cherubs als Cherubangesicht interpretieren.

Die obigen Texte, speziell Off 19,4, zeigen uns aber auch, dass es sich bei den vier Wesen eindeutig um Diener Gottes handelt. Sie sind zwar – nach dem Lamm und noch vor den vierundzwanzig Ältesten und den Engeln - die nächsten am Thron, aber sie haben zweifelsfrei dienende Funktion. Und hier bietet sich nun unter der neuen Erkenntnis, dass die vierte Gestalt kein Stierangesicht sondern ein Cherubangesicht hatte, eine neue Deutung an.

Wir haben es bei den vier Wesen mit vier Cherubim zu tun, welche vier unterschiedliche Angesichter haben: ein Cherub, ein Mensch, ein Löwe und ein Adler. Bei näherer Betrachtung lässt sich daraus schließen, dass es sich hier tatsächlich um symbolische „Vertreter” aller Geschöpfe Gottes handeln könnte. Die Kriterien für die Auswahl gerade dieser vier Angesichter lassen sich in etwa folgendermaßen begründen:

Cherubim: sind die Repräsentanten der Engelwelt und somit Wesen der himmlischen Dimension. Sie sind unsterblich und bedürfen daher keiner Fortpflanzung (Lk 20,34-36;).

Mensch: er gehört zu den biologisches Lebewesen dieser Erde. Mit den Engeln verbindet ihn die Fähigkeit Vernunft zu entwickeln. Mit den anderen irdischen Geschöpfen teilt er deren Sterblichkeit und die Notwendigkeit, sich zur Erhaltung seiner Art fortpflanzen zu müssen.

Löwe: die Säugetiere sind zwar nicht vernunftbegabt, nehmen aber dennoch unter den biologischen Geschöpfen deshalb eine bevorzugte Stellung ein, weil sie – gleich dem Menschen – ihre Nachzucht im allerersten Lebensabschnitt durch körpereigene Milchproduktion ernähren, also säugen können. Neben den Landsäugern zählen dazu u. a. auch Wale und Delphine.

Adler: zur großen Gruppe der eierablegenden Tiere zählen neben allen Vogelarten z. B. auch Reptilien, Fische, Insekten und Würmer.


In dieser, an den Kriterien der Geisteskapazität und der Arterhaltung orientierten Interpretation, würde also der Cherub die Engelwelt, der Mensch die Menschheit, der Löwe die Säugetiere und der Adler alle jene Tiere repräsentieren, welche ihre Fortpflanzung durch Eiablage bewerkstelligen und somit würde die ganze belebte Schöpfung in diesen vier Cherubim als allernächste Diener des Schöpfers vertreten sein.

Wenn diese Deutung korrekt ist, finden wir hier ein System der Lebewesen, wie es der Mensch erst Jahrtausende später (seit Hesekiel!) in seinem „Natürlichen System der Tiere” - und da auch nur unvollständig (nur für die irdischen Lebewesen) – erkannt hat. Die diesbezüglichen neuzeitlichen Gliederungsversuche gehen auf Carl von Linné (1707-1778, Systema Naturae) zurück und unterscheiden sechs Tierklassen: Säugetiere, Vögel, Amphibien (inkl. Reptilien), Fische, Insekten und Würmer. Es sind dies dieselben Kategorien, welche auch oben aufscheinen, wobei dort die Unterscheidungskriterien viel eindeutiger und daher auch umfassender zu sein scheinen.

Was nun die vielen Augen auf den Cherubim und den Rädern „ringsum” betrifft (Hes 1,18; 10,12; Off 4,6-8), muss man der Auffassung mancher Ausleger widersprechen, mit der Formulierung in Vers Off 4,8: „Und die vier lebendigen Wesen (…) sind ringsum und inwendig voller Augen…” sei die Außen- und Innenseite (unter der Haut) der Körper dieser vier Wesen gemeint. Das „ringsum” ist von Vers Off 4,6 abgeleitet, wo „rings um den Thron” gemeint ist und damit die von außerhalb des Thrones sichtbare Seite dieser Körper bezeichnet wird, wogegen sich das „inwendig” auf die dem Thron und Gott zugewandte Seite der vier Wesen bezieht.

Für die Bedeutung dieser Augen gibt es ausreichend Schriftbeweise, so dass es hier keiner Interpretation bedarf. In der Einleitung der Offenbarung, in Off 1,4, grüßt Johannes die sieben Gemeinden mit: „Gnade euch und Friede von dem, der ist und der war und der kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind”. Der Umstand, dass diese „sieben Geister” in einem Zusammenhang mit Gott dem Herrn genannt werden und dass Gnade und Friede auch von ihnen erbeten wird, macht deutlich, dass es sich hier bei diesen sieben Geistern nur um den Geist Gottes, den Heiligen Geist handeln kann.

Gnade euch und Friede von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind.

Off 1,4 Johannes den sieben Gemeinden, die in Asien sind: Gnade euch und Friede von dem, der ist und der war und der kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind, 1,5 und von Jesus Christus, der der treue Zeuge ist, der Erstgeborene der Toten und der Fürst der Könige der Erde! Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden erlöst hat durch sein Blut 1,6 und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Off 1, 4- 6;


Während diese sieben Geister oben, in Off 1,4 nur erwähnt wurden, werden sie hier unten, in Off 4,5 auch körperlich vorgestellt. Es sind die sieben Feuerfackeln, welche vor dem Thron Gottes brennen.

Sieben Feuerfackeln brennen vor dem Thron, welche die sieben Geister Gottes sind.

Off 4,5 Und aus dem Thron gehen hervor Blitze und Stimmen und Donner; und sieben Feuerfackeln brennen vor dem Thron, welche die sieben Geister Gottes sind. Off 4, 5;


Vor dem Thron Gottes hat der Heilige Geist also die Gestalt von sieben brennenden Feuerfackeln. Der Prophet Sacharja berichtet in Sach 3,9 von einem Stein, in welchem der Herr sieben Augen eingraviert hatte als Zeichen dafür, dass er die Schuld Israels an einem Tag entfernen wird (Ausgießung des Heiligen Geistes über Israel).

(Siehe auch Kapitel 10: „Das Millennium”.)

Auf einem Stein sieben Augen, ich will sie eingravieren, spricht der HERR.

Sach 3,9 Denn siehe, der Stein, den ich vor Joschua gelegt habe - auf einem Stein sieben Augen -, siehe, ich will seine Gravur eingravieren, spricht der HERR der Heerscharen, und will die Schuld dieses Landes entfernen an einem Tag. 3,10 An jenem Tag, spricht der HERR der Heerscharen, werdet ihr einer den anderen einladen unter den Weinstock und unter den Feigenbaum. Sach 3, 9-10;

Diese sieben Augen des HERRN schweifen auf der ganzen Erde umher.

Sach 4,10 Denn wer hat den Tag kleiner Dinge verachtet? Und sie werden sich freuen und den Stein des Senkbleis in der Hand Serubbabels sehen. Diese sieben sind die Augen des HERRN, sie schweifen auf der ganzen Erde umher. Sach 4,10;


Diese sieben sind die Augen des Herrn, die auf der ganzen Erde umherschweifen und damit ebenfalls eine Darstellung des Heiligen Geistes. Und so sieht auch Johannes, als er in Off 5,6 sah „das Lamm stehen wie geschlachtet”, dieses Lamm, den Herrn Jesus Christus, mit sieben Hörnern und sieben Augen.

Die sieben Augen sind die sieben Geister Gottes, ausgesandt über die ganze Erde.

Off 5,6 Und ich sah inmitten des Thrones und der vier lebendigen Wesen und inmitten der Ältesten ein Lamm stehen wie geschlachtet, das sieben Hörner und sieben Augen hatte; die sind die sieben Geister Gottes, ausgesandt über die ganze Erde. Off 5, 6;


Auch hier werden diese sieben Augen als „die sieben Geister Gottes, ausgesandt über die ganze Erde” bezeichnet und sind damit zweifelsfrei als die Präsenz des Heiligen Geistes Gottes im Sohn zu verstehen. Aus all diesen Hinweisen lässt sich schließlich ableiten, dass die in Hes 1,18; 10,12 und Off 4,6-8 erwähnten Augen an den vier Cherubim ebenfalls als Manifestation des Heiligen Geistes anzusehen sind. Die Frage schließlich, wieso diese vier Wesen bei Johannes nur jeweils ein Antlitz aufweisen, während sie bei Hesekiel deren vier haben, könnte mit ihrer jeweiligen Aufgabe zu tun haben. Bei Hesekiel ist ihre Aufgabe – als „Transportmittel” des Allmächtigen - eher dynamischer Natur und erfordert ein gemeinsames Vorgehen aller vier. Was wäre da hilfreicher, als den Geist und das Wahrnehmungsvermögen jedes Einzelnen zu teilen und allen Vieren in gleichem Maße zuzuordnen. Damit wäre eine Koordination in nicht zu übertreffender Weise gegeben. Bei Johannes hingegen besteht ihr Dienst scheinbar in der Bewachung des Thrones und im Lobpreis Gottes. Für diese eher statische Aufgabe ist ein derartiger Aufwand womöglich nicht erforderlich.


Das Räderwerk.

Die Art der Fortbewegung der vier lebenden Wesen ist bereits in Vers Hes 1,9 angeklungen. Dort hieß es: „…sie wandten sich nicht um, wenn sie gingen: sie gingen, ein jedes gerade vor sich hin”. Bei diesem Text wird von so manchem Erklärer – in Ermangelung eines besseren Verständnisses – in die Symbolik ausgewichen und diese Beschreibung als Hinweis darauf gedeutet, dass es „keine fremde Macht gibt, die sie zurücktreiben könnte”.

Sie gingen nach ihren vier Seiten hin; sie wandten sich nicht um.

Hes 1,12 Und sie gingen ein jeder gerade vor sich hin; wohin der Geist gehen wollte, dahin gingen sie; sie wandten sich nicht um, wenn sie gingen. 1,13 Und mitten zwischen den lebenden Wesen war ein Schein wie von brennenden Feuerkohlen; wie ein Schein von Fackeln war das, was zwischen den lebenden Wesen hin und herfuhr; und das Feuer hatte einen Glanz, und aus dem Feuer fuhren Blitze hervor. 1,14 Und die lebenden Wesen liefen und kehrten zurück, wie das Aussehen des Blitzes.

1,15 Und als ich die lebenden Wesen sah, siehe, da war ein Rad auf der Erde neben den lebenden Wesen, bei ihren vier Vorderseiten. 1,16 Das Aussehen der Räder und ihre Verarbeitung war wie der Anblick von Türkis, und die vier hatten ein und dieselbe Gestalt; und ihr Aussehen und ihre Verarbeitung war, wie wenn ein Rad mitten im anderen Rad wäre. 1,17 Wenn sie gingen, dann gingen sie nach ihren vier Seiten hin; sie wandten sich nicht um, wenn sie gingen. 1,18 Und ihre Felgen, sie waren hoch, und als ich sie anblickte, sah ich, dass ihre Felgen voller Augen waren rings herum bei den vieren. 1,19 Und wenn die lebenden Wesen gingen, gingen auch die Räder neben ihnen her; und wenn die lebenden Wesen sich von der Erde erhoben, erhoben sich auch die Räder. 1,20 Wohin der Geist gehen wollte, gingen sie, dahin, wohin der Geist gehen wollte. Und die Räder erhoben sich gleichzeitig mit ihnen, denn der Geist des lebenden Wesens war in den Rädern. 1,21 Wenn jene gingen, gingen auch diese, und wenn jene stehen blieben, dann blieben auch diese stehen; und wenn sich jene von der Erde erhoben, dann erhoben sich die Räder gleichzeitig mit ihnen. Denn der Geist des lebenden Wesens war in den Rädern. Hes 1,12-21;


Wenn wir diese Aussage jedoch im Kontext betrachten, erkennen wir, dass sie nun in Hes 1,12 wiederholt und in Hes 1,17 präzisiert wird: „Wenn sie gingen, dann gingen sie nach ihren vier Seiten hin; sie wandten sich nicht um, wenn sie gingen”. Das heißt also, dass sich diese vier Wesen nur im rechten Winkel fortbewegten. Entweder geradeaus vorwärts, rückwärts oder geradeaus nach den Seiten. Sie kennen weder diagonale Strecken noch Kurven. Auf ihrem Weg zu einem bestimmten Ziel bewegen sie sich also im Zickzackkurs voran – einmal gerade nach vorne, dann wieder gerade zur Seite – bis sie das angestrebte Ziel erreicht haben. Diese ungewöhnliche Art der Fortbewegung hängt möglicherweise auch mit der eigenartigen Konstruktion der Räder zusammen. Ihr Aussehen wird in Hes 1,16 beschrieben: „Das Aussehen der Räder (…) ihr Aussehen und ihre Verarbeitung war, wie wenn ein Rad mitten im anderen Rad wäre”. Damit ist nicht gemeint, dass ein kleineres Rad parallel in einem größeren Rad eingefügt gewesen wäre, da ja im Vers Hes 1,18 von „hohen Felgen” die Rede ist, welche dieses zweite Rad überdecken und unkenntlich machen müssten. Die Beschreibung „ein Rad mitten im anderen Rad” meint ein „Kreuzrad”. Das sind zwei annähernd gleich große Räder oder Reifen, welche im rechten Winkel ineinandergefügt sind und so den Umfang einer Kugel beschreiben. Mit diesen Rädern kann man sich immer nur in der verlängerten Richtung des jeweiligen Radreifens – entweder geradeaus oder seitwärts - bewegen und daher auch keine Kurven beschreiben. Und so ist dann auch die Beschreibung dieser Fortbewegung in Hes 1,14 zu verstehen: „Und die Gestalten liefen und kehrten zurück, wie das Aussehen des Blitzes”. Dies meint nicht, dass sie „bei jeder Bewegung aufleuchten wie der Blitz”, sondern die Spur ihrer Fortbewegung war vergleichbar mit jener eines Blitzes am Himmel – also ein Zickzackkurs.

Eine Besonderheit im Zusammenwirken dieser vier Cherube bei ihrer Aufgabe den Thron Gottes zu transportieren erkennen wir noch in Hes 10,11:

Wohin das Vorderste ging, folgten sie; sie wandten sich nicht um beim Gehen.

Hes 10,9 Und ich sah: Und siehe, vier Räder waren neben den Cherubim, je ein Rad neben je einem Cherub. Und das Aussehen der Räder war wie der Anblick eines Türkis-Steines; 10,10 und ihr Aussehen: Die vier hatten ein und dieselbe Gestalt, wie wenn ein Rad mitten im anderen Rad wäre. 10,11 Wenn sie gingen, dann gingen sie nach ihren vier Seiten hin: sie wandten sich nicht um, wenn sie gingen; denn an den Ort, wohin das Vorderste sich wandte, folgten sie ihm; sie wandten sich nicht um, wenn sie gingen. 10,12 Und ihr ganzer Leib und ihr Rücken und ihre Hände und ihre Flügel und die Räder waren voller Augen ringsum bei allen vieren, nämlich ihren Rädern. 10,13 Die Räder, sie wurden vor meinen Ohren «Wirbel» genannt. Hes 10, 9-13;


Die Aussage, dass sie immer dem Vordersten folgten lässt darauf schließen, dass diese vier Cherubim sich nicht paarweise in eine Richtung bewegten, sondern dass jeweils nur ein Cherub karoförmig die Spitze dieses Vierecks in eine Richtung bildete. So war jeder Cherub für eine der vier Bewegungsrichtungen „zuständig” und wenn er vom Geist Gottes beauftragt wurde in diese „seine” Richtung zu gehen, folgten ihm die anderen willig nach.

(Siehe auch den Diskurs 72: „Wer sind die 24 Ältesten? - Der Thron Gottes.”)


Der Thron und die Herrlichkeit des Herrn.

In der Offenbarung des Johannes sind diese vier Cherubim als eine Art Wächter rund um dem Thron postiert. Bei der Beschreibung in Off 4,6 meinen manche Interpreten hier einen „Stufenthron” und die Cherubin auf halber Höhe der Treppe sehen zu müssen, um eine Erklärung für die Formulierung „in der Mitte” geben zu können.

Und inmitten des Thrones und rings um den Thron vier lebendige Wesen.

Off 4,6 Und vor dem Thron war es wie ein gläsernes Meer, gleich Kristall; und inmitten des Thrones und rings um den Thron vier lebendige Wesen, voller Augen vorn und hinten. Off 4, 6;


Doch die Beschreibung meint ganz einfach, dass die Cherubim in der Mitte auf jeder Seite des Thrones standen, also „… in der Mitte (mitten in Front) des Thrones und (solcherart an jeder der vier Seiten) rings um den Thron …”. Sie sind also die äußere Begrenzung des Thrones. Ebenfalls „rings um den Thron” sehen sowohl Hesekiel, als auch Johannes etwas ähnliches wie einen „Regenbogen”.

Ein Regenbogen war rings um den Thron, von Ansehen gleich einem Smaragd.

Off 4,2 Sogleich war ich im Geist: und siehe, ein Thron stand im Himmel, und auf dem Thron saß einer. 4,3 Und der da saß, war von Ansehen gleich einem Jaspisstein und einem Sarder, und ein Regenbogen war rings um den Thron, von Ansehen gleich einem Smaragd. Off 4, 2- 3;

Wie das Aussehen des Regenbogens, so war das Aussehen des Glanzes ringsum.

Hes 1,27 Und ich sah: Wie der Anblick von glänzendem Metall, wie das Aussehen von Feuer, das ringsum ein Gehäuse hat, war es von dem Aussehen seiner Hüften an aufwärts; und von dem Aussehen seiner Hüften an abwärts sah ich etwas wie das Aussehen von Feuer; und ein Glanz war rings um ihn. 1,28 Wie das Aussehen des Bogens, der am Regentag in der Wolke ist, so war das Aussehen des Glanzes ringsum. Das war das Aussehen des Abbildes der Herrlichkeit des HERRN. - Und als ich es sah, fiel ich auf mein Gesicht nieder; und ich hörte die Stimme eines Redenden. Hes 1,27-28;


Nachdem Hesekiel diesen „Glanz”, diesen regenbogenartigen Schirm, rings um den sah, der auf dem Thron saß, können wir davon ausgehen, dass zwar der Thron innerhalb, die vier Cherubim aber in beiden Fällen außerhalb dieses Schirms anzusiedeln sind und dass dieser Strahlenkranz einen Bestandteil der Herrlichkeit des Herrn bildet.

Das eigentliche Aussehen des Herrn in seiner Vision am Fluss Kebar beschreibt Hesekiel jedoch unmittelbar davor, in Hes 1,27. Demnach war die Erscheinung des Herrn von den Hüften an aufwärts „wie der Anblick von glänzendem Metall” und von seinen Hüften an abwärts erschien es wie Feuer. Und auch in seiner zweiten Vision, in Jerusalem, verwendet Hesekiel die gleichen Bezeichnungen.

Von den Hüften abwärts Feuer, aufwärts wie der Anblick von glänzendem Metall.

Hes 8,2 Und ich sah: und siehe, eine Gestalt mit dem Aussehen eines Mannes: von seinen Hüften an abwärts Feuer; und von seinen Hüften an aufwärts wie das Aussehen eines Glanzes, wie der Anblick von glänzendem Metall. Hes 8, 2;


Anders als Hesekiel vergleicht Johannes in der Offenbarung die Erscheinung des Herrn mit Edelsteinen. Er schreibt in Off 4,3: „Und der da saß, war von Ansehen gleich einem Jaspisstein und einem Sarder”. Jedoch wählt er auch danach für die Beschreibung des regenbogenartigen Glanzes rund um den Thron, welchen Hesekiel nur als „Glanz” beschreibt, einen Edelstein – den Smaragd – als Vergleich, sodass wir annehmen können, dass auch Johannes dieselbe Erscheinung des Herrn hatte und sie nur mit anderen Worten beschrieben hat.

Die Visionen des Hesekiel und die Offenbarung des Johannes trennt ein Zeitraum von nahezu siebenhundert Jahren. Der Umstand, dass beide Propheten in der Beschreibung des Thrones Gottes und der vier „lebenden Wesen” so viele Gemeinsamkeiten aufweisen, ist nicht zuletzt auch ein Beweis dafür, dass wir es hier mit der Realität der Dimension Gottes zu tun haben, in welche diesen beiden Gottesmännern unabhängig voneinander ein Einblick gewährt wurde.

Wenn nun manche Interpreten glauben, darauf hinweisen zu müssen, dass Johannes vieles von den Aussagen Hesekiels „in Erinnerung” hatte und damit im Klartext sagen wollen, Johannes hätte von Hesekiel „abgeschrieben”, disqualifizieren sie sich damit letztlich selbst. Wer nicht an die Echtheit der Prophezeiungen der Schrift glauben kann, kann auch nicht an den Gott dieser Schrift glauben und somit sind nicht – wie diese Leute meinen - die Prophezeiungen der Bibel, sondern eher ihre eigenen fragwürdigen Erklärungsversuche als „Dichtung” und „Legenden” zu bewerten.