Kapitel 062 - Die Wiederkunft des Herrn – 2. Teil: Die Entrückung.




Die Entrückung: Die Auferweckung der Toten in Christus.

Die Sammlung der Auserwählten.

Erkennet die Zeichen der Zeit.

Das Gericht nach der Entrückung - das Lohngericht.

Die Abgrenzung zur allgemeinen Auferstehung.

Die Entrückung in tabellarischer Übersicht.

Tabelle: Abfolge und Dauer der Endzeitereignisse

Die Wiederkunft des Herrn und die Entrückung. /    1. Teil, Kapitel 06

Die Hochzeit des Lammes. /    3. Teil, Kapitel 063

Von Tag und Stunde weiß allein der Vater. /    4. Teil Kapitel 064



Nachträglicher Hinweis:

Diese alte Interpretation aus dem Jahre 1995 basiert noch auf der bis heute von fast allen Exegeten vertretenen konventionellen Auslegung, dass die siebzigste Jahrwoche ein zeitlich zusammenhängendes Ereignis ist und es nur einen einzigen Antichristen gibt. Diese Annahmen basieren im Grunde einerseits auf der Prophezeiung in Dan 9,27, wonach in der Hälfte der siebzigsten Jahrwoche der Verwüster kommt und andererseits auf der Aussage des Paulus in 1Kor 15,52, wonach die Wiederkunft des Herrn und die Entrückung bei der letzten Posaune erfolgen wird, was dann auf die letzte, die siebte Posaune der Posaunengerichte bezogen wird (Off 10,7).

Neuere Studien haben jedoch zur Erkenntnis geführt, dass es zwischen Mt 24 und Off 6 und 7 eine Parallelität der Ereignisse gibt, welche Wiederkunft und Entrückung zwangsläufig nach Off 6,12-17 (6. Siegel) verlagern  und daher die siebzigste Jahrwoche dort unterbrechen.

(Siehe auch Diskurs 05: „Die Parallelität der Ereignisse von Mt 24 und Off 6 und 7”)


In diesem Zusammenhang wurde u.a. auch aufgrund von 2The 2,1-4 und Off 13,1-11 erkannt, dass es nicht nur ein Antichrist sein kann, der die Endzeit beherrschen wird, sondern zwei Antichristen: ein menschlicher Gewaltherrscher (Reiter auf dem weißen Pferd, Off 6,1-2) in der Großen Trübsal (Off 6,1-8; Mt 24,1-25) und ein dämonisches Geistwesen (Tier aus dem Meer, Off 13) am Tag des Zornes Gottes.

(Siehe auch Diskurs 86: „Der erste und der zweite Antichrist”)


Nachdem sich durch diese geänderte Sichtweise jedoch im Prinzip nur Verschiebungen in der zeitlichen Abfolge der Ereignisse ergeben und die Inhalte bis auf wenige Ausnahmen im Wesentlichen gleich bleiben, haben die Dokumente der alten Interpretation - unter Berücksichtigung dieser Hinweise hier - durchaus ihre Berechtigung und werden so beibehalten. Eine Zusammenfassung der Änderungen findet sich im Diskurs 48.

(Siehe Diskurs 48: „Eine alternative Sicht im Ablauf der Endzeitereignisse”)



Die Entrückung.

Die Auferweckung der Toten in Christus.

Bei der Wiederkunft des Herrn werden die auferweckt, die Christus angehören.

1Kor 15,20 Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt, der Erstling der Entschlafenen; 15,21 denn da ja durch einen Menschen der Tod kam, so auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. 15,22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden. 15,23 Jeder aber in seiner eigenen Ordnung: der Erstling, Christus; sodann die, welche zu Christus gehören bei seiner Ankunft; 15,24 dann das Ende, wenn er das Reich dem Gott und Vater übergibt; wenn er alle Herrschaft und alle Gewalt und Macht weggetan hat. 1Kor 15,20-24;


Paulus zeigt uns hier oben, in 1Kor 15,20-24, die Reihenfolge der verschiedenen Auferweckungen. Als Erster wurde Christus auferweckt und ist zum Vater in den Himmel aufgefahren. Bei seiner anschließenden Auferstehung ist der Herr wieder (körperlich) lebendig geworden und den Jüngern auf Erden erschienen. Das ist bereits geschehen und wir haben in den Evangelien genügend glaubhafte Berichte darüber.

Die nächste Auferweckung ist die Auferweckung „aus” den Toten und wird bei der Wiederkunft des Herrn stattfinden. Bei seiner Ankunft werden die, welche Christus angehören, auferweckt.

Die Lebenden werden den Toten nicht zuvorkommen.

Paulus berichtet uns in zweien seiner Briefe von diesem Ereignis. Er hat diesbezüglich vom Herrn eine Offenbarung erhalten, ein „Wort des Herrn” wie er sagt. Und in dieser Offenbarung wurde ihm gesagt, dass jene, die leben und übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Toten in Christus nicht zuvorkommen werden.

Zuerst werden die Toten in Christus auferstehen und dann mit den Lebenden entrückt.

1The 4,15 Denn das sagen wir euch mit einem Wort des Herrn, dass wir, die wir leben und übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, denen nicht zuvorkommen werden, die entschlafen sind. 4,16 Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen. 4,17 Danach werden wir, die wir leben und übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit. 1The 4,15-17;


Und auch in seinem ersten Brief an die Korinther hat Paulus dieses Geheimnis den Geschwistern anvertraut. Er präzisiert hier, dass sich dies alles beim Schall der letzten Posaune (also der siebenten und letzten Posaune der Offenbarung des Johannes 11,15) ereignen wird. Dann wird der Herr herabkommen vom Himmel, und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferweckt. Danach werden die, welche noch leben und übriggeblieben sind, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen, welcher sichtlich in der Luft, auf einer Wolke wartet.

Anhand der Aussagen des Paulus, oben, in 1Kor 15,20-24 und 1The 4,15-17 sowie unten, in 1Kor 15,50-55 – welche erwiesenermaßen alle drei von demselben Ereignis sprechen – können wir nun einige Schlüsse über die Identität der Entrückten ziehen.

Nachdem Paulus die letzte Posaune als Zeichen für den Eintritt dieses Ereignisses nennt, können wir davon ausgehen, dass es sich hier um die Zeit der siebenten Posaune und damit die Zeit der antichristlichen Herrschaft handelt. Auch der Hinweis in 1The 4,17 „wir, die wir leben und übrigbleiben” verstärkt diesen Eindruck, dass es sich bei den Lebenden, welche hier entrückt werden, um die Überlebenden aus der Zeit der antichristlichen Verfolgungen handelt.

Von den Toten, die hier zuerst auferweckt und dann mit den Lebenden gemeinsam entrückt werden, heißt es oben, in 1Kor 15,23 und 1The 4,16, dass es die sind, „die zu Christus gehören” und „die in Christus gestorben sind”.

Die Toten werden auferweckt unverweslich, die Lebenden werden verwandelt.

1Kor 15,50 Dies aber sage ich, Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können, auch die Vergänglichkeit nicht die Unvergänglichkeit erbt. 15,51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, 15,52 in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune; denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden, unvergänglich sein, und wir werden verwandelt werden. 15,53 Denn dieses Vergängliche muss Unvergänglichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen. 15,54 Wenn aber dieses Vergängliche Unvergänglichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: «Verschlungen ist der Tod in Sieg.» 15,55 «Wo ist, o Tod, dein Sieg? Wo ist, o Tod, dein Stachel?» 1Kor 15,50-55;


Hier, in 1Kor 15,50-55, macht uns Paulus klar, dass wir mit unserem fleischlichen, materiellen Körper nicht in das ewige Leben eingehen können. Das ist deshalb wichtig, weil - wie er prophezeit - bei der Wiederkunft des Herrn noch Gläubige am Leben sein werden, die nicht sterben werden, sondern entrückt werden sollen. Diese Lebenden werden jedoch bei der Entrückung den „Toten in Christus” nicht zuvorkommen. Zuerst werden diese Toten mit einem Geistleib auferweckt und „unvergänglich” (oder „unverweslich” wie Luther übersetzt) sein. Dann werden auch die Lebenden „überkleidet” werden und sie werden somit alle unsterblich sein. Ihre Körper werden somit dem des Herrn Jesus unmittelbar nach seiner Auferweckung gleich sein. Und sodann werden beide Gruppen gemeinsam entrückt, d. h. auf den Wolken dem Herrn Jesus in der Luft entgegenschweben und in den Himmel gelangen.

Auf die Unsterblichkeit der auferstandenen Toten weist auch schon der Herr in Lk 20,34-36 hin.

Die Auferstandenen werden den Engeln gleich sein und können hinfort nicht sterben.

Lk 20,34 Und Jesus sprach zu ihnen: Die Kinder dieser Welt heiraten und lassen sich heiraten; 20,35 welche aber gewürdigt werden, jene Welt zu erlangen und die Auferstehung von den Toten, die werden weder heiraten noch sich heiraten lassen. 20,36 Denn sie können hinfort auch nicht sterben; denn sie sind den Engeln gleich und Gottes Kinder, weil sie Kinder der Auferstehung sind. Lk 20,34-36;


Diese Auferweckten können also hinfort nicht mehr sterben, sie sind den Engeln gleich. Sie werden auch nicht heiraten und sich nicht heiraten lassen. Sie haben einen neuen Körper, einen unsterblichen Geistleib.

(Siehe auch den Exkurs 07: „Der Auferstehungsleib”.)

Die Toten welche die Stimme des Herrn hören werden, werden leben.

Jh 5,24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. 5,25 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie hören werden, die werden leben. 5,26 Denn wie der Vater das Leben hat in sich selber, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in sich selber; 5,27 und er hat ihm Vollmacht gegeben, das Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist. Jh 5,24-27;


Auch dieser obige Text aus dem Johannesevangelium behandelt in seinem ersten Teil die Auferweckung der Toten. Speziell im Vers Jh 5,25 ist zu beachten, dass hier nicht die Rede davon ist, dass alle Toten auferweckt werden. Auch wenn der erste Halbsatz lautet „dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes”, präzisiert der zweite Halbsatz „und die sie hören werden, werden leben”. Es werden also zu diesem Zeitpunkt, in dieser „Stunde” nur jene die Stimme des Herrn hören, die zu Christus gehören, die in Christus gestorben sind, wie uns Paulus in 1Kor 15,23 bzw. 1The 4,16 sagt. Alle anderen Toten - Gläubige wie Gottlose - werden diesen Ruf nicht vernehmen und auch nicht aus den Toten auferweckt werden. Erst bei der Allgemeinen Auferstehung am Ende der Welt, in der „zweiten” Stunde in Vers Jh 5,28, werden auch diese Menschen - eben „alle, die in den Gräbern sind” - die Stimme des Sohnes Gottes vernehmen und zum Leben oder zum Gericht auferstehen, wie uns einige Verse später in Jh 5,28-29 gesagt wird.

Alle, die in den Gräbern sind, werden die Stimme des Herrn hören.

Jh 5,28 Wundert euch darüber nicht. Denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden, 5,29 und werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichts. Jh 5,28-29;

(Siehe auch Kapitel 13: „Das Weltgericht”.)

Auch die Aussage in Vers Jh 5,25 „und ist schon jetzt” darf nicht unbeachtet bleiben. Für eine detaillierte Analyse siehe Kapitel 12: „Die Auferstehung”.

Die obigen Aussagen des Paulus in 1The 4,15-17 und 1Kor 15,50-55 über die Auferweckung der Toten in Christus und ihre Entrückung mit den noch Lebenden, Übriggebliebenen – von denen man ebenfalls annehmen kann, dass sie „in Christus” sind - , sind die Grundlage für die weitverbreitete Auffassung, dass dies nun die universale Gemeinde aller Zeiten sei, welche beim Kommen des Herrn auferweckt und entrückt wird.

Um diese Auffassung bestätigen zu können, müssten wir allerdings wissen, was mit dem Attribut „in Christus” genau gemeint ist. Die Vertreter der universalen Gemeindeentrückung gehen davon aus, dass damit alle gläubigen Christen gemeint seien. Aber kann das auch durch die Schrift bestätigt werden?

Wir sollten daher versuchen - wenn möglich bei Paulus selbst - einen weiteren Hinweis auf die Identität dieser Gläubigen zu finden. Und in seinen Brief an die Philipper finden wir einen solchen auch.

Christi Tod gleichgestaltet, damit ich gelange zur Ausauferstehung von den Toten.

Phil 3,7 Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. 3,8 Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwenglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne 3,9 und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. 3,10 Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden, 3,11 damit ich gelange zur Ausauferstehung von den Toten. Phil 3, 7-11;


Paulus sagt hier in Vers Phil 3,9, dass er „alles für Dreck erachte”, damit er „in ihm (Christus) gefunden werde”. Im nächsten Vers Phil 3,10 beschreibt er dann auch die Konsequenz dieses Seins „in Christus”: die Gemeinschaft seiner – Christi - Leiden und seines Todes. Und er sagt uns auch warum er dies alles durchmachen will: „damit ich gelange zur Ausauferstehung von den Toten”. Paulus spricht hier ausdrücklich von der „Aus” - Auferstehung (Exanastasis) und er verwendet einen gleichen Ausdruck in 1Kor 6,14-15:

Der Herr wird auch uns aus-auferwecken durch seine Kraft.

1Kor 6,14 Gott aber hat den Herrn auferweckt und wird auch uns aus-auferwecken durch seine Kraft. 6,15 Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? Sollte ich nun die Glieder Christi nehmen und Hurenglieder daraus machen? Das sei ferne! 1Kor 6,14-15;


Paulus meint damit also, dass hier ganz bestimmte Tote – nämlich die „in Christus” – aus der Gesamtheit der anderen Toten heraus auferweckt werden. Dies ist ein Hinweis dafür, dass dieses Geschehen hier und die in Off 20,4-6 geschilderte Erste Auferstehung den gleichen Hintergrund haben. Auch dort spricht Johannes davon, dass der eine Teil der Toten in der Ersten Auferstehung lebendig wird, während die übrigen Toten erst nach den tausend Jahren lebendig werden.

Beim Vergleich dieser beiden Texte erkennen wir auch gleich den Unterschied zwischen der „Auferweckung” und der „Auferstehung”. Während bei der Auferweckung die Toten aus dem Totenreich auferweckt und in den Himmel entrückt werden, wo sie – hier im Falle der Auferweckung aus den Toten – als Seelen vor dem Lohngericht stehen, findet die Erste Auferstehung nach diesem Gericht statt, wobei diese Seelen nun wieder lebendig werden und auf Erden leben können.

Die übrigen der Toten wurden nicht lebendig – dies ist die Erste Auferstehung.

Off 20,4 Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und das Gericht wurde ihnen übergeben; und ich sah die Seelen derer, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren, und die, welche das Tier und sein Bild nicht angebetet und das Malzeichen nicht an ihre Stirn und an ihre Hand angenommen hatten, und sie wurden lebendig und herrschten mit dem Christus tausend Jahre.

20,5 Die übrigen der Toten wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet waren. Dies ist die Erste Auferstehung.

20,6 Glückselig und heilig, wer teilhat an der Ersten Auferstehung! Über diese hat der zweite Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm herrschen die tausend Jahre. Off 20, 4- 6;


Nun spricht Johannes, hier in Off 20,4 einerseits von den „Seelen derer, die enthauptet waren um des Zeugnisses von Jesus und um des Wortes Gottes willen” – also den Märtyrern – andererseits aber auch von jenen, „die nicht angebetet hatten das Tier und sein Bild und die sein Zeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und auf ihre Hand”. Dabei wird allerdings im letzteren Fall nicht explizit erwähnt, dass es sich auch hier um getötete Gläubige handelt. Dennoch wird beiden Gruppen verheißen, dass sie „lebendig wurden und regierten mit Christus tausend Jahre”.

Die Vermutung, dass es sich daher bei dieser zweiten Gruppe um die noch lebenden Auserwählten – auf die wir konkret weiter unten zu sprechen kommen - handelt, ist jedoch aus folgenden Gründen eher fragwürdig: Bei der Einsetzung dieses „Bildes”, welches sie anbeten sollten, durch den falschen Propheten in Off 13,15 heißt es:

Alle, die das Bild des Tieres nicht anbeteten, wurden getötet.

Off 13,15 Und es wurde ihm Macht gegeben, Geist zu verleihen dem Bild des Tieres, damit das Bild des Tieres reden und machen könne, dass alle, die das Bild des Tieres nicht anbeteten, getötet würden. 13,16 Und es macht, dass sie allesamt, die Kleinen und Großen, die Reichen und Armen, die Freien und Sklaven, sich ein Zeichen machen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn, 13,17 und dass niemand kaufen oder verkaufen kann, wenn er nicht das Zeichen hat, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens. Off 13,15-17;


Es wurden also alle getötet, die das Bild nicht anbeteten. Und zwar getötet von dem Bild selbst. Und die Formulierung „es machte”, dass alle getötet wurden, lässt hier auf einen „Automatismus” irgendeiner Art schließen, so dass hier niemand vergessen oder übersehen werden konnte. Dies bestätigt auch der nächste Vers Off 13,16, der besagt, dass „sie allesamt, die Kleinen und Großen, die Reichen und Armen, die Freien und Sklaven, sich ein Zeichen machen...”.

Geht man also von einer weltweiten Herrschaft des Antichristen aus, werden die Menschen in dieser Zeit nur diese beiden Alternativen haben, entweder sich ein „Zeichen” zu machen, oder getötet zu werden. Und nachdem es in Off 20,4 von dieser zweiten Gruppe heißt, dass sie das Zeichen nicht angenommen hatten, müssen sie – ebenso wie die andere Gruppe der Seelen - als Märtyrer getötet worden sein. Das heißt aber, dass gemäß Off 20,4-6 an der Ersten Auferstehung nur Märtyrer (also um ihres Glaubens willen Getötete) teilnehmen werden.

(Siehe auch Kapitel 12: „Die Auferstehung”.)

Können wir nun davon ausgehen, dass die von Paulus oben, in 1Kor 15,50-55 und 1The 4,15-17 erwähnten Gläubigen „in Christus”, die beim Kommen des Herrn auferweckt und entrückt werden, denselben Personenkreis betreffen und daher an dieser Auferweckung und Entrückung nicht die „universale Gemeinde”, sondern nur eben diese Märtyrer teilnehmen? Kritiker werden wahrscheinlich meinen, dass man hier doch schon einen deutlicheren Hinweis brauchen würde, um der Gemeinde als Ganzes diese Position strittig zu machen.

Und diesen deutlichen Hinweis gibt es auch. Ebenfalls bei Paulus, in 2Tim 2,10-12:

Wenn wir mitgestorben sind, werden wir auch mitleben.

2Tim 2,10 Deswegen erdulde ich alles um der Auserwählten willen, damit auch sie die Rettung, die in Christus Jesus ist, mit ewiger Herrlichkeit erlangen. 2,11 Das Wort ist gewiss. Denn wenn wir mitgestorben sind, werden wir auch mitleben; 2,12 wenn wir ausharren, werden wir auch mitherrschen; wenn wir verleugnen, wird auch er uns verleugnen. 2Tim 2,10-12;


Paulus bestätigt uns hier, dass die Hoffnung, an der Ersten Auferstehung teilhaben und damit im Millennium mitleben und mitherrschen zu können, nur möglich ist, wenn wir in Drangsal ausgeharrt, die Leiden Christi erkannt, seinem Tod gleichgestaltet und somit als Märtyrer getötet wurden. Für Paulus hat sich dieser leidvolle Weg dann auch erfüllt. Er wurde als Märtyrer in Rom hingerichtet

Die Möglichkeit, dass Paulus hier oben, in Phil 3,11 von einer anderen Auferstehung spricht, als in 1Kor 15,50-55 bzw. 1The 4,15-17 ist undenkbar. War doch damals die Lehre von der Auferstehung am Ende der Welt, am „Jüngsten/Letzten Tag” - wie sie auch die Marta nach dem Tod ihres Bruders Lazarus, dem Herrn in Jh 11,23-24 bekannte – allgemeines Gedankengut in der Gemeinde. Schon die Annahme einer zweiten, nämlich der „Ausauferstehung” (Exanastasis) bedurfte der Beweiskraft einer Offenbarung des Herrn. Durch eine weitere „außertourlichte” Auferstehung wäre wahrscheinlich die ganze Auferstehungslehre in Frage gestellt worden. Paulus spricht also in diesen Schriftstellen mit Sicherheit immer von derselben Auferstehung, nämlich von der Auferweckung „aus” den Toten, wie sie ihn der Herr geoffenbart hatte.

Es zeigt sich daher, dass wir einerseits trennen müssen zwischen Auferweckung und Auferstehung. Nicht alle, die aus den Toten auferweckt werden, müssen auch zwangsläufig in der Ersten Auferstehung auferstehen und damit lebendig werden und wieder auf Erden wandeln. Wie wir weiter unten sehen werden, gibt es Gruppen von Auferweckten, welche nicht wieder lebendig werden, sondern als Seelen im Himmel, bei Gott bleiben und ihm dienen. Andererseits erkennen wir bei dieser unteren Analyse von Gruppen im Himmel nur zwei Kriterien, welche ihre Auferweckung und Entrückung in den Himmel rechtfertigen: entweder sie sind Märtyrer – also wegen ihres Glaubens getötet worden - oder sie sind Gläubige aus der Endzeit.

Nachdem nun für die „Gemeinde aller Zeiten”, welche viele Ausleger hier unterbringen wollen, weder das eine noch das andere Kriterium zutrifft, scheint nur eine Alternative zu bleiben: Die „universale Gemeinde” wird erst bei der Allgemeinen Auferstehung lebendig werden – also wiedergeboren – und dann, nach dem Weltgericht, in das himmlische Jerusalem der neuen Schöpfung Gottes eingehen.

Und Gott wird bei ihnen wohnen, sie werden sein Volk sein, und er wird ihr Gott sein.

Off 21,1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 21,2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.

21,3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; 21,4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Off 21, 1- 4;


So gerne wir es natürlich alle sehen möchten, scheint die Teilnahme der Gemeinde aller Zeiten an der Auferweckung und Entrückung beim Kommen des Herrn keinesfalls eine eindeutige Schriftaussage zu sein. Sollten uns aber als Gemeinde diese Verheißungen oben in Off 21,1-4 zu gering sein, dass wir unbedingt an der Auferweckung aus den Toten teilnehmen und in der Ersten Auferstehung im Millennium auf Erden mit Christus herrschen wollen?


Nachträglicher Hinweis:

Der obige Hinweis, dass die Teilnahme der Gemeinde aller Zeiten an der Auferweckung und Entrückung beim Kommen des Herrn keinesfalls eine eindeutige Schriftaussage zu sein scheint, ist nun - nach 15 Jahren - durch neuere Erkenntnisse offensichtlich widerlegt. Es gibt die Aussage des Herrn in  Jh 6,40:

Jh 6,40 Denn dies ist der Wille meines Vaters, daß jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. Jh 6,40;


Obwohl auf den ersten Blick eher verwirrend, weil ja damit die Entrückung scheinbar negiert wird, birgt dieser Text bei näherer Betrachtung gerade im Zusammenhang mit der Entrückung der Gemeinde doch einige Überraschungen. Nähere Erläuterungen finden sich im Diskurs 95.


(Siehe auch Diskurs 95: „Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben!”)




Die Sammlung der Auserwählten.

Wir haben also festgestellt, dass die Toten der Auferweckung aus den Toten und der Ersten Auferstehung alle Märtyrer sind. Wer sind aber nun die „Auserwählten”, welche beim Kommen des Herrn noch am Leben sind, und wie Paulus in 1The 4,17 sagt „leben und übrigbleiben”? Wenn im antichristlichen Herrschaftsbereich tatsächlich alle Menschen ohne dem Zeichen getötet wurden (Off 13,15-16), würden ja keine Gläubigen mehr übrig bleiben.

Hier taucht nun eine Vermutung auf, welche auch an anderen Stellen der Schrift anklingt. Auch wenn dem Antichrist Macht gegeben war über „alle Stämme und Völker und Sprachen und Nationen”, zeigt doch beispielsweise der Umstand, dass in Off 16,13 Drache, Antichrist und falscher Prophet mit drei unreinen Geistern zu den Königen der ganzen Welt ausgehen müssen, um sie zur Schlacht von Harmagedon zu versammeln, dass es außerhalb des Einflussbereiches des Antichrists noch andere Herrscher, nämlich die „Könige der ganzen Welt” geben wird, welche ihm zwar hörig sind, aber sichtlich erst „eingeladen” werden müssen, um gemeinsam mit ihm gegen das Lamm zu kämpfen. Daraus lässt sich schließen, dass diese Könige und die Gebiete, die sie verwalten, nicht dem direkten Machtbereich des Antichrists unterstehen.

Auch der Umstand, dass die Aktivitäten von Antichrist und falschem Propheten sichtlich auf Jerusalem beschränkt sind

-  der Antichrist besiegt die beiden Zeugen in Jerusalem

-  er setzt sich in den Tempel und gibt vor„Gott” zu sein

-  er ändert Festzeiten und Opfergesetze der Juden

-  der falsche Prophet stellt das Bild im Tempel in Jerusalem auf


nährt den Verdacht, dass sich die eigentliche antichristliche Herrschaft auf Jerusalem und Israel beschränkt und daher in anderen Ländern der Welt für gläubige Christen zumindest ein Überleben noch möglich sein könnte.

Wie auch immer - die Tatsache, dass es diese ausgewählten Überlebenden dann auch wirklich geben wird, zeigen die folgenden Schriftstellen.

Wenn dies anfängt zu geschehen, erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Lk 21,25 Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, 21,26 und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.

21,27 Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. 21,28 Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Lk 21,25-28;


Hier, in Lk 21,28, verheißt der Herr diesen Auserwählten: „wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht”. Mit diesen Geschehnissen ist sicherlich einmal die Verfinsterung der Gestirne, speziell aber das sichtbare Kommen des Herrn in den Wolken gemeint.

Alsdann wird der Herr seine Engel senden und sie werden seine Auserwählten weltweit einsammeln.

Er wird seine Engel senden, und sie werden seine Auserwählten sammeln.

Mt 24,29 Sogleich aber nach der Trübsal jener Zeit wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. 24,30 Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und dann werden wehklagen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. 24,31 Und er wird seine Engel senden mit hellen Posaunen, und sie werden seine Auserwählten sammeln von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern. Mt 24,29-31;

Um der Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt.

Mt 24,21 Denn es wird dann eine große Bedrängnis sein, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird. 24,22 Und wenn diese Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch selig werden; aber um der Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt. 24,23 Wenn dann jemand zu euch sagen wird: Siehe, hier ist der Christus! oder da!, so sollt ihr es nicht glauben. Mt 24,21-23;


Und der Herr schenkt ihnen noch einen weiteren Trost für diese Zeit der Bedrängnis, in der sie sein werden. Um dieser Auserwählten willen wird der Herr die Zeit der Trübsal verkürzen. Und zwar mit dem Hinweis: „sonst würde kein Mensch selig werden”.

So dass sie, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführten.

Mt 24,24 Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, so dass sie, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführten. 24,25 Siehe, ich habe es euch vorausgesagt. Mt 24,24-25;


Obwohl natürlich das ganze Ausmaß dieser Bedrängnis für uns Heutige kaum nachzuvollziehen ist, lässt sich doch an dem Umstand, dass sogar diese, von Gott Auserwählten in Gefahr stehen werden verführt zu werden, erkennen, dass es fast übermenschlicher Glaubenskraft bedarf, um dann zu widerstehen.

Doch der Herr hat noch weitere Informationen für diese Gläubigen der Endzeit. Das Kommen des Herrn – und damit die Sammlung dieser Auserwählten bzw. ihre Entrückung – wird so plötzlich erfolgen, wie das Hereinbrechen der Sintflut in den Tagen Noahs.

Wie es in den Tagen Noahs war, so wird auch sein das Kommen des Menschensohns.

Mt 24,37 Denn wie es in den Tagen Noahs war, so wird auch sein das Kommen des Menschensohns. 24,38 Denn wie sie waren in den Tagen vor der Sintflut - sie aßen, sie tranken, sie heirateten und ließen sich heiraten bis an den Tag, an dem Noah in die Arche hineinging; 24,39 und sie beachteten es nicht, bis die Sintflut kam und raffte sie alle dahin -, so wird es auch sein beim Kommen des Menschensohns. Mt 24,37-39;


Auch der Vergleich mit der Situation beim Untergang von Sodom und Gomorra zeigt uns, dass wir uns nicht an den Weltmenschen orientieren dürfen. Sie werden nicht merken, dass sie in Gefahr sind, bis es zu spät ist.

Wie zu den Zeiten Lots so wird es auch geschehen in den Tagen des Menschensohns.

Lk 17,28 Ebenso, wie es geschah zu den Zeiten Lots: Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; 17,29 an dem Tage aber, als Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um.

17,30 Auf diese Weise wird es auch gehen an dem Tage, wenn der Menschensohn wird offenbar werden. Lk 17,28-30;


Wie wir allerdings gleich sehen werden, hat die Aufforderung an Lot und seine Familie, die Stadt zu verlassen, hier, bei der Sammlung und Entrückung der Auserwählten, keine Gültigkeit.

Ein jeder bleibe, wo er gerade ist, auf dem Dach oder auf dem Feld.

Lk 17,31 Wer an jenem Tage auf dem Dach ist und seine Sachen im Haus hat, der steige nicht hinunter, um sie zu holen. Und ebenso, wer auf dem Feld ist, der wende sich nicht um nach dem, was hinter ihm ist.

17,32 Denkt an Lots Frau! 17,33 Wer sein Leben zu erhalten sucht, der wird es verlieren; und wer es verlieren wird, der wird es gewinnen. Lk 17,31-33;


Wir erkennen hier, in Lk 17,31-32 die eigentliche Bedeutung dieser besonderen Warnung des Herrn: „Wer auf dem Dach ist, der steige nicht herab und wer auf dem Feld ist, der wende sich nicht um”. Wir haben in Mt 24,17-18 und Mk 13,15-16 eine fast wortidentische Aussage, welche sich aber offensichtlich auf eine ganz andere Situation bezieht. Während dieser Text bei Matthäus und Markus im Zusammenhang mit dem Gräuel der Verwüstung und der Flucht auf die Berge aufscheint, finden wir ihn bei Lukas beim Kommen des Herrn und bei der Sammlung der Auserwählten.

Und hier ist nicht die Rede von Flucht, sondern ganz im Gegenteil: die Gläubigen werden aufgefordert genau an jenem Ort zu verharren, wo sie sich gerade befinden. Wer auf dem Dach ist, der bleibe auf dem Dach und wer auf dem Feld ist, der bleibe auch dort. Und wer sein Leben zu erhalten sucht und flieht, der wird es verlieren, wer aber voll Vertrauen auf die Prophezeiung des Herrn stehen bleibt wo er ist, der wird es gewinnen. Er wird verwandelt und überkleidet, wie es auch Paulus in 1Kor 15,52 schreibt, und gemeinsam mit den aus den Toten auferweckten Märtyrern entrückt werden.

(Siehe auch die Tabelle 05: „Synopse der Endzeitreden des Herrn”.)

Denn die Engel des Herrn werden ausgehen und diese Auserwählten auf der ganzen Welt einsammeln. Da werden dann zwei in einem Bett liegen oder miteinander arbeiten, und der eine wird angenommen, der andere aber preisgegeben werden. Auch die Warnung in Lk 17,32: „Denkt an Lots Frau!” mahnt die Gläubigen jener Zeit, in diesem letzten Moment alle irdische Hoffnung fahren zu lassen und allein auf den Herrn und seine Worte zu vertrauen. Und ebenso wie die Geier keine Mühe haben, das Aas instinktiv zu finden, werden die Engel keine Mühe haben, die Auserwählten aus Millionen von Menschen zu erkennen und mitzunehmen.

Zwei Frauen werden Korn mahlen; eine wird angenommen, die andere preisgegeben.

Lk 17,34 Ich sage euch: In jener Nacht werden zwei auf einem Bett liegen; der eine wird angenommen, der andere wird preisgegeben werden. 17,35 Zwei Frauen werden miteinander Korn mahlen; die eine wird angenommen, die andere wird preisgegeben werden. 17,37 Und sie fingen an und fragten ihn: Herr, wo? Er aber sprach zu ihnen: Wo das Aas ist, da sammeln sich auch die Geier. Lk 17,34-37;


Wiewohl hier oben, in Lk 17,34, von „jener Nacht” gesprochen wird, kann man daraus keineswegs schließen, dass der Herr in der Nacht kommt. Nachdem sich die Wiederkunft und die Sammlung der Auserwählten weltweit ereignen werden, wird es daher auf einer Hälfte der Erde Nacht und auf der anderen Tag sein. Im übrigen ist nicht eindeutig zu klären, ob die Verfinsterung der Gestirne sich noch über die Zeit der Posaunengericht erstreckt oder nicht. Wenn dem so ist, würde die ganze Erde Finsternis bedecken und somit überall „Nacht” sein.

Zwei werden auf dem Feld sein, einer wird angenommen, der andere preisgegeben.

Mt 24,40 Dann werden zwei auf dem Felde sein; der eine wird angenommen, der andere wird preisgegeben. 24,41 Zwei Frauen werden mahlen mit der Mühle; die eine wird angenommen, die andere wird preisgegeben. Mt 24,40-41;

(Siehe auch den Diskurs 65: „Die zwei auf dem Feld in Mt 24,40: wer wird genommen, wer gelassen?”)


Abschließend können wir zur Ausauferweckung aus den Toten und zur Entrückung - und damit auch zur Ersten Auferstehung - festhalten, dass bei diesem Ereignis nur jene Gläubigen auferweckt werden, welche für ihren Glauben getötet worden sind. Die dann noch lebenden Gläubigen, welche mit ihnen gemeinsam entrückt werden, sind die Auserwählten, welche die Engel des Herrn einsammeln. Alle diese werden nach Off 20,4-6 wieder lebendig und im Millennium als Priester und Könige mit dem Herrn regieren. Der Rest der Gemeinde wird bei der Allgemeinen Auferstehung, am Ende der Welt – am „Jüngsten/Letzten Tag” – nachfolgen und gemeinsam mit ihnen in das Reich des Vaters in der Neuen Schöpfung zum ewigen Leben eingehen.

Erkennet die Zeichen der Zeit.

Wenn wir auch nicht den genauen Zeitpunkt wissen, wann der Herr kommt, so gibt uns der Herr doch einige Anhaltspunkte, wann mit seinem Erscheinen zu rechnen sein wird. Wir haben einmal den eingangs erwähnten Hinweis in 2The 2,3, dass zuerst der Abfall, der Sohn des Verderbens und die Große Trübsal kommen muss. In den nachfolgenden Texten, besonders in Lk 21,29-33, zeigt uns der Herr nun anhand des Gleichnisses vom Feigenbaum, dass die Auserwählten, welche die „Bäume ausschlagen” sehen, also spätestens bei der Verfinsterung der Gestirne, damit rechnen können, dass das Kommen des Herrn zur Sammlung schon nahe ist.

Wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist.

Lk 21,29 Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle Bäume an: 21,30 wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass jetzt der Sommer nahe ist. 21,31 So auch ihr: wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist.

21,32 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles geschieht. 21,33 Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht. Lk 21,29-33;

Wenn ihr das alles seht, so wisst, dass es nahe vor der Tür ist.

Mt 24,32 An dem Feigenbaum lernt ein Gleichnis: wenn seine Zweige jetzt saftig werden und Blätter treiben, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. 24,33 Ebenso auch: wenn ihr das alles seht, so wisst, dass es nahe vor der Tür ist.

24,34 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht. 24,35 Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen. 24,36 Von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater. Mt 24,32-36;

Wenn ihr seht, dass dies geschieht, so wisst, dass es nahe vor der Tür ist.

Mk 13,28 An dem Feigenbaum aber lernt ein Gleichnis: Wenn jetzt seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. 13,29 Ebenso auch: wenn ihr seht, dass dies geschieht, so wisst, dass es nahe vor der Tür ist.

13,30 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht. 13,31 Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen. 13,32 Von dem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater. Mk 13,28-32;


Wie wir aus diesen Texten entnehmen können, spricht der Herr hier zwar zu den Jüngern, doch die Aussagen und Hinweise sind keinesfalls für die Apostel, sondern für die Auserwählten der Endzeit bestimmt. Die missverständliche Deutung dieses Zusammenhangs führt speziell bei den Aussagen hier oben, in Mt 24,34 und Mk 13,30: „Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis das alles geschieht” immer wieder zu Fehlinterpretationen.

Zum korrekten Verständnis dieses Textes müssen wir die Verse Mt 24,33 und 34 bzw. Mk 13,29 und 30 voneinander trennen. Bei den Ersteren nimmt der Herr Bezug auf das vorangegangene Gleichnis vom Feigenbaum und deutet es im Hinblick auf die Geschehnisse der Endzeit, wie es in Lk 21,31 dann ganz konkret ausgesprochen wird. Und hier erkennen wir sehr deutlich, dass sich dieser Hinweis nicht an die Apostel richtet, sondern an die Gläubigen der Endzeit. Ihnen wird gesagt, wenn sie die ersten Anzeichen der vorangegangenen Prophezeiungen für die Endzeit erkennen, dann können sie davon ausgehen, dass der Herr bald kommt.

Manche unternehmen den Versuch, die Verse Mt 24,34, Mk 13,30 und Lk 21,32 in die gleiche Richtung zu interpretieren und, indem man das griechische „genea” mit „Generation” anstatt Geschlecht, Volk übersetzt, diese Aussage auf die Generation von Menschen in der Endzeit zu beziehen, welche „nicht vergehen (also nicht sterben) wird, bis das alles geschieht”.

Dagegen spricht aber einerseits die Tatsache, dass gerade in dieser Zeit Millionen von Menschen aufgrund der verschiedenen Plagen sterben werden. Gottlose ebenso wie Gläubige. Außerdem bezieht sich der Herr immer dann, wenn er in den Evangelien von „Geschlecht” spricht, auf ein ganz bestimmtes Geschlecht oder Volk, nämlich auf das Volk Israel. Ein Musterbeispiel dafür ist wohl Lk 11,49-50:

Lk 11,49 Darum spricht die Weisheit Gottes: Ich will Propheten und Apostel zu ihnen senden, und einige von ihnen werden sie töten und verfolgen, 11,50 damit gefordert werde von diesem Geschlecht das Blut aller Propheten, das vergossen ist seit Erschaffung der Welt. Lk 11,49-50;


Diese beiden Verse gehören zu den Weherufen des Herrn über das Volk Israel und man sieht, dass hier nicht eine bestimmte Generation – wie etwa jene zu Lebzeiten Jesu – gemeint ist, sondern das gesamte Volk Israel. Und so soll auch oben, in Mt 24,34 u. par., mit der Aussage: „Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht” zum Ausdruck gebracht werden, dass dieses Volk Israel – trotz seiner Zerstreuung in alle Welt über Jahrhunderte - nicht vergehen wird, bis alle diese Prophezeiungen eingetroffen sind.

Der nachfolgende Aufruf zum Wachen ist nun jedoch wieder an uns alle gerichtet.

Seid wachsam und betet, dass ihr stark werdet diesem allen zu widerstehen.

Darum wachet; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.

Mt 24,42 Darum wachet; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. 24,43 Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausvater wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, so würde er ja wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen. 24,44 Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr`s nicht meint. Mt 24,42-44;

Seht euch vor, wachet! denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.

Mk 13,33 Seht euch vor, wachet! denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist. 13,34 Wie bei einem Menschen, der über Land zog und verließ sein Haus und gab seinen Knechten Vollmacht, einem jeden seine Arbeit, und gebot dem Türhüter, er solle wachen: 13,35 so wacht nun; denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob am Abend oder zu Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder am Morgen, 13,36 damit er euch nicht schlafend finde, wenn er plötzlich kommt. 13,37 Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wachet! Mk 13,33-37;

Dieser Tag wird über alle kommen, die auf der ganzen Erde wohnen.

Lk 21,34 Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit täglichen Sorgen und dieser Tag nicht plötzlich über euch komme wie ein Fallstrick; 21,35 denn er wird über alle kommen, die auf der ganzen Erde wohnen. 21,36 So seid allezeit wach und betet, dass ihr stark werdet, zu entfliehen diesem allen, was geschehen soll, und zu stehen vor dem Menschensohn. Lk 21,34-36;

Das Gericht nach der Entrückung - das Lohngericht.

Ebenso wie nach der zweiten, der Allgemeinen Auferstehung am Ende der Welt das Weltgericht stattfindet, werden auch hier, nach der Entrückung, die auferweckten Toten und – anzunehmender Weise - auch die lebend Entrückten gerichtet.

Die Bestätigung für diese Ansicht erhalten wir unten, in Hbr 9,27 und 2Tim 4,1. Während uns der erste Text auf die Zwangsläufigkeit dieser Abfolge von Tod – Auferweckung – Gericht hinweist und damit den Schluss impliziert: wo eine Auferweckung – da ein Gericht, bestätigt die zweite Schriftstelle, dass Jesus Christus nicht nur Tote, sondern auch Lebende – wie eben hier die lebend Entrückten – richten wird.

Den Menschen ist bestimmt einmal zu sterben, danach aber das Gericht.

Hbr 9,27 Und wie den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht: 9,28 so ist auch Christus einmal geopfert worden, die Sünden vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal wird er nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil. Hbr 9,27-28;

Christus Jesus, der da kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten.

2Tim 4,1 So ermahne ich dich inständig vor Gott und Christus Jesus, der da kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich: 4,2 Predige das Wort, steh dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre. 2Tim 4, 1- 2;

Die Abgrenzung zur Allgemeinen Auferstehung.

Wesentlich ist jedoch, dass bei der zweiten, der Allgemeinen Auferstehung, alle je verstorbenen Menschen auferweckt werden und daher im anschließenden Weltgericht Lohn und Strafe ausgeteilt werden, während hier, bei der Ersten Auferstehung, beim zweiten Kommen des Herrn, ausschließlich die wegen ihres Glaubens Getöteten, also die Märtyrer vor ihren Richtern stehen, um im „Lohngericht” ihren Lohn zu erhalten. Auch dies wird im obigen Text, in Hbr 9,28 angedeutet, wo es ausdrücklich heißt: „zum zweiten Mal wird er (Christus) nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil”.

Und auch 1Ptr 1,7 ermutigt uns, unseren Glauben läutern zu lassen durch mancherlei Anfechtungen, damit wir erlangen „Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus”:

Wenn offenbart wird Jesus Christus, werdet ihr euch freuen in Lob, Preis und Ehre.

1Ptr 1,6 Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, 1,7 damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. 1Ptr 1, 6- 7;


Und dieses „offenbar” werden Jesu Christi ist zweifellos seine Wiederkunft, das zweite Kommen des Herrn zur Auferweckung der Toten in Christus und ihrer Entrückung mit den lebenden Gläubigen vor dem Millennium.

Die Offenbarung schließlich, spricht in Off 11,18 schon ganz konkret davon, dass die Zeit für das Gericht gekommen ist, um den Knechten Gottes ihren Lohn zu geben.

Es ist gekommen die Zeit, die Toten zu richten und den Heiligen den Lohn zu geben.

Off 11,18 Und die Völker sind zornig geworden; und es ist gekommen dein Zorn und die Zeit, die Toten zu richten und den Lohn zu geben deinen Knechten, den Propheten und den Heiligen und denen, die deinen Namen fürchten, den Kleinen und den Großen, und zu vernichten, welche die Erde vernichten. Off 11,18;


Der Schlüsselvers für dieses Gerichtsereignis ist aber – wie für die Erste Auferstehung überhaupt – der Text aus Off 20,4-6:

Und sie setzten sich auf Throne und ihnen wurde das Gericht übergeben.

Off 20,4 Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und das Gericht wurde ihnen übergeben; und ich sah die Seelen derer, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren, und die, welche das Tier und sein Bild nicht angebetet und das Malzeichen nicht an ihre Stirn und an ihre Hand angenommen hatten, und sie wurden lebendig und herrschten mit dem Christus tausend Jahre.

20,5 Die übrigen der Toten wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet waren. Dies ist die Erste Auferstehung. 20,6 Glückselig und heilig, wer teilhat an der Ersten Auferstehung! Über diese hat der zweite Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm herrschen die tausend Jahre. Off 20, 4- 6;

Wer sitzt auf den Thronen?

Wir haben hier in Off 20,4 die Aussage „Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und das Gericht wurde ihnen übergeben”. Der anschließende Text „und ich sah die Seelen derer, die (...) enthauptet worden waren (...) und sie wurden lebendig” verleitet manche Ausleger dazu, diese „Seelen” selbst als jene zu sehen, welche sich auf die Throne setzten und Gericht halten.

Es gibt jedoch ziemlich eindeutige Hinweise, dass diese Anschauung nicht zutrifft.

Wenn wir den Text in Off 20,4 genau betrachten, erkennen wir einmal die zeitliche Aufeinanderfolge der Ereignisse. Zuerst sieht Johannes die Throne und jene, die sich darauf setzten und denen das Gericht übergeben wurde. Und erst dann, danach, sieht er die Seelen der Enthaupteten.

Aber auch bei der logischen Analyse muss man erkennen, dass diese „Seelen” ja in der Folge lebendig wurden. Dieses „lebendig werden” aber ist zweifellos ein Ergebnis des vorangegangenen Gerichts. Hier nun davon auszugehen, dass es die Seelen der Enthaupteten selbst sind, welche sich auf Throne setzen und über sich selbst Gericht halten, ist wenig einleuchtend. Ganz abgesehen von dem eigenartigen Umstand, dass es dann dort im Himmel Millionen von Throne geben müsste.

Wenn wir nun wissen, dass es die Seelen der Enthaupteten nicht sind, welche richten, sollten wir uns weiter fragen, wer denn nun diese Richter auf den Thronen tatsächlich sind. Dazu müssen wir versuchen zu klären, wer mit dem „sie” in Off 20,4 gemeint sein kann. Wie es scheint, geht Johannes hier davon aus, dass der Leser diesen Personenkreis bereits kennt und daher eine nähere Beschreibung nicht mehr erforderlich ist.

Und tatsächlich gibt es in der Offenbarung außer Gott und dem Lamm noch eine weitere Personengruppe, welche neben, oder richtiger um den Thron Gottes, auf ihren Thronen sitzt.

Vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste.

Off 4,4 Und um den Thron waren vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, mit weißen Kleidern angetan, und hatten auf ihren Häuptern goldene Kronen. Off 4, 4;

Off 11,16 Und die vierundzwanzig Ältesten, die vor Gott auf ihren Thronen saßen, fielen nieder auf ihr Angesicht und beteten Gott an. Off 11,16;


Es sind also die vierundzwanzig Ältesten, von welchen es auch unten, in Off 19,4 heißt: „sie fielen nieder und beteten Gott an” und auf welche Johannes dann kurz darauf, im nächsten Kapitel, in Off 20,4, eben wieder zurückkommt und beschreibt, dass sie sich auf ihre Throne setzen und das Gericht über die enthaupteten Seelen halten. Das Pronomen „sie” in Off 20,4 ist somit ein Rückbezug auf die vierundzwanzig Ältesten im vorangegangenen Kapitel Off 19,4.

Off 19,4 Und die vierundzwanzig Ältesten und die vier Gestalten fielen nieder und beteten Gott an, der auf dem Thron saß, und sprachen: Amen, Halleluja! Off 19, 4;


Diese Auffassung wird auch von Dan 7,22 unterstützt:

Das Gericht wurde den Heiligen des Höchsten gegeben.

Dan 7,21 Und ich sah das Horn kämpfen gegen die Heiligen, und es behielt den Sieg über sie, 7,22 bis der kam, der uralt war, und das Gericht den Heiligen des Höchsten gegeben wurde und bis die Zeit kam, dass die Heiligen das Reich empfingen. Dan 7,21-22;


Hier, in Dan 7,22, wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es die „Heiligen des Höchsten” sind, welchen das Gericht gegeben wurde. Und der Schluss, dass es sich bei diesen Heiligen des Höchsten um die 24 Ältesten handelt, welche vor Gott im Himmel ihren Dienst versehen, ist nahezu zwingend, da die Seelen der Enthaupteten gar nicht richten könnten, bevor sie nicht selbst gerichtet wurden.

Die Auffassung, dass es die „Seelen derer, die enthauptet waren” sind, welche auf den Thronen sitzen und richten, kommt möglicherweise dadurch zustande, dass die Verheißung für die Heiligen, mitrichten zu dürfen (1Kor 6,2; Jud 1,14-15), fälschlicherweise schon hier eingebracht wird. Diese Verheißung bezieht sich aber nicht auf dieses Gericht nach der Entrückung, sondern - wie speziell 1Kor 6,2 besagt: „Wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden?” - auf das Weltgericht am Ende der Tage.

Dort kommt Gott mit seinen Heiligen, um „Gericht zu halten über alle und zu strafen alle Menschen für alle Werke ihres gottlosen Wandels, mit denen sie gottlos gewesen sind, und für all das Freche, das die gottlosen Sünder gegen ihn geredet haben” (Jud 1,15). Und dort werden diese vielen Heiligen nicht auf vielen Thronen sitzen, sondern gemeinsam (im Geist) mit dem Herrn auf seinem Thron, wie schon Off 3,21 sagt:

Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen.

Off 3,20 Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir. 3,21 Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron. Off 3,20-22;


Aber hier, beim Lohngericht nach der Entrückung, geht es nur um einen Teil der Menschen die gerichtet oder besser, beurteilt werden sollen, nämlich um die Märtyrer und die Auserwählten. Und diese haben wohl keinen gottlosen Wandel aufzuweisen, doch um der Gerechtigkeit Gottes zu genügen, aber auch um ihren Lohn zu empfangen, müssen sie dennoch vor ein Gericht.

Schließlich finden wir auch hier unten, in Dan 7,10, eine sinnidentische Aussage zum Text von Off 20,4. Heißt es dort bei Johannes: „Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und das Gericht wurde ihnen übergeben”, berichtet Daniel hier:

Ich sah, wie Throne aufgestellt wurden, und das Gericht setzt sich.

Dan 7,9 Ich sah, wie Throne aufgestellt wurden, und einer, der uralt war, setzte sich. Sein Kleid war weiß wie Schnee und das Haar auf seinem Haupt rein wie Wolle; Feuerflammen waren sein Thron und dessen Räder loderndes Feuer. 7,10 Und von ihm ging aus ein langer feuriger Strahl. Tausendmal Tausende dienten ihm, und zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm. Das Gericht setzte sich und Bücher wurden aufgetan. Dan 7, 9-10;


In beiden Berichten werden also Throne gesehen und das Gericht setzte sich. Die Bücher schließlich, die sowohl in Dan 7,10 als auch unten, in Dan 12,1 aufgetan werden, sind dieselben wie nach der Allgemeinen Auferstehung beim Weltgericht in Off 20,12 und 20,15. Damit ist eindeutig dokumentiert, dass im Gericht alle Menschen gleich sind. Sowohl bei der Ersten Auferstehung als auch bei der zweiten, der Allgemeinen Auferstehung, werden alle nach derselben Gerichtsordnung beurteilt.

Alle aus dem Volk Israel, die im Buch geschrieben stehen, werden errettet werden.

Dan 12,1 Zu jener Zeit wird Michael, der große Engelfürst, der für dein Volk eintritt, sich aufmachen. Denn es wird eine Zeit so großer Bedrängnis sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen. Dan 12, 1;

Wer nicht geschrieben steht in dem Buch, der wird in den feurigen Pfuhl geworfen.

Off 20,12 Und ich sah die Toten, groß und klein, stehen vor dem Thron, und Bücher wurden aufgetan. Und ein andres Buch wurde aufgetan, welches ist das Buch des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben steht, nach ihren Werken. 20,13 Und das Meer gab die Toten heraus, die darin waren, und der Tod und sein Reich gaben die Toten heraus, die darin waren; und sie wurden gerichtet, ein jeder nach seinen Werken. 20,14 Und der Tod und sein Reich wurden geworfen in den feurigen Pfuhl. Das ist der zweite Tod: der feurige Pfuhl. 20,15 Und wenn jemand nicht gefunden wurde geschrieben in dem Buch des Lebens, der wurde geworfen in den feurigen Pfuhl. Off 20,12-15;


Diese „Bücher” sind einerseits die Werksbücher, wo die auferweckten Seelen danach beurteilt werden, was sie bei Lebzeiten getan haben, und ist andererseits das Buch des Lebens, in welchem die Erlösten eingetragen sind.

Und hier erkennen wir auch zwei Merkmale der Entrückung, welche sie eindeutig von der Allgemeinen Auferstehung am Ende der Welt unterscheidet. Während hier, beim Gericht nach der Entrückung, den Heiligen des Höchsten auf ihren Thronen (Plural) das Gericht übergeben wird, und somit sie die Richter sind, ist beim Weltgericht, nach de Allgemeinen Auferstehung, in Off 20,12 die Rede von nur einem Thron: „Und ich sah die Toten (...) stehen vor dem Thron ...”. Und auf diesem einen Thron sitzt – wie wir oben in Off 3,21 gelesen haben - der Herr Jesus mit allen seinen Heiligen gemeinsam.

Des weiteren werden bei dieser Ersten Auferstehung nur die „Getöteten”, also die Märtyrer auferstehen, welche natürlich „im Buch geschrieben stehen” und es ist daher auch nirgends die Rede vom „feurigen Pfuhl”. Beim Weltgericht werden jedoch alle je verstorbenen Menschen – also auch und insbesondere die Gottlosen – auferstehen und gerichtet, und deshalb auch dort die umgekehrte Formulierung zu Dan 12,1: „Wenn jemand nicht gefunden wurde im Buch (...) der wurde geworfen in den feurigen Pfuhl”.

Letztlich soll hier auch noch kurz auf jene Argumentation eingegangen werden, welche auch in den 24 Ältesten wieder die „ganze Gemeinde” sieht und in dem Umstand, dass diese 24 Ältesten in Off 4,4 – also vor allen Gerichtsvisionen - erstmals erwähnt werden, den Beweis sieht, dass die Gemeinde vor der Großen Trübsal entrückt wird.

Auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, mit weißen Kleidern angetan.

Off 4,2 Alsbald wurde ich vom Geist ergriffen. Und siehe, ein Thron stand im Himmel, und auf dem Thron saß einer. 4,3 Und der da saß, war anzusehen wie der Stein Jaspis und Sarder; und ein Regenbogen war um den Thron, anzusehen wie ein Smaragd. 4,4 Und um den Thron waren vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, mit weißen Kleidern angetan, und hatten auf ihren Häuptern goldene Kronen. Off 4, 2- 4;


Man folgert dann daraus, dass die 24 Ältesten natürlich auch die Braut des Lammes sein müssen und zitiert Off 19,7-9 (siehe weiter unten), wo die Hochzeit des Lammes angekündigt wird. Was man allerdings nicht erwähnt, ist der Text unmittelbar vor dieser Schriftstelle. In Off 19,4-6 ist nämlich ebenfalls die Rede von den 24 Ältesten und dort heißt es:

Die vierundzwanzig Ältesten und die vier Gestalten fielen nieder und beteten Gott an.

Apoc 19,4 Allora i ventiquattro anziani e i quattro esseri viventi si prostrarono ed adorarono Dio che sedeva sul trono dicendo: «Amen, Alleluia!». 19,5 E dal trono venne una voce che diceva: «Lodate il nostro Dio, voi tutti suoi servi e voi che lo temete, piccoli e grandi». 19,6 Poi udii come la voce di una grande moltitudine, simile al fragore di molte acque e come il rumore di forti tuoni, che diceva: «Alleluia, perché il Signore nostro Dio, l'Onnipotente, ha iniziato a regnare. 19,7 Rallegriamoci, giubiliamo e diamo a lui la gloria, perché sono giunte le nozze dell'Agnello e la sua sposa si è preparata. 19,8 E le è stato dato di essere vestita di lino finissimo, puro e risplendente, poiché il lino finissimo sono le opere giuste dei santi». 19,9 Quindi mi disse: «Scrivi: Beati coloro che sono invitati alla cena delle nozze dell'Agnello». Mi disse ancora: «Queste sono le veraci parole di Dio». Apoc 19, 4- 9;


Hier treten die 24 Ältesten auf und beten Gott an. Gleichzeitig wird davon gesprochen, dass sich nun „die Braut bereitet hat”. Es wird also eindeutig zwischen den 24 Ältesten und der Braut unterschieden. Hier nun davon auszugehen, dass diese beiden Personengruppen identisch sind, scheint daher nicht sehr schlüssig zu sein. Noch dazu, wo der Braut gegeben ward „sich anzutun mit schönem reinem Leinen”, von den 24 Ältesten aber bereits 15 Kapitel vorher, bei ihrem ersten Auftreten in dieser Vision des Johannes, weiter oben in Off 4,4, gesagt wird: „auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, mit weißen Kleidern angetan”. Wenn diese 24 Ältesten daher auch die Braut wären, würden sie zweimal weiße Kleider erhalten, also zweimal vor Gericht stehen und das ist undenkbar.

Abschließend hier noch einmal die wichtigsten Schriftstellen zur Entrückung in einer Tabelle zusammengefasst:



Die Entrückung in tabellarischer Übersicht.


Mt 24,29 Gleich nach der Bedrängnis jener Tage


wird die Sonne verfinstert werden

und der Mond seinen Schein nicht geben

und die Sterne werden vom Himmel fallen


und die Kräfte der Himmel werden erschüttert
werden
.



Off 6,12 Und ich sah, als es das sechste Siegel öffnete: und es geschah ein großes Erdbeben;

die Sonne wurde schwarz wie ein härener Sack,

und der ganze Mond wurde wie Blut,

6,13 und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum, geschüttelt von einem starken Wind, seine Feigen abwirft.

6,14 Und der Himmel schwand dahin wie ein Buch, das zusammengerollt wird, und jeder Berg und jede Insel wurden von ihren Stellen gerückt.

24,30 Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Geschlechter auf Erden, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit 24,31 Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende.


1The 4,15 Denn dies sagen wir euch in einem Wort des Herrn, daß wir, die Lebenden, die übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden. 4,16a Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel,













Off 10,5 Und der Engel, den ich auf dem Meer und auf der Erde stehen sah, erhob seine rechte Hand zum Himmel 10,6 und schwor bei dem, der von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt, der den Himmel erschuf und das, was in ihm ist, und die Erde und das, was auf ihr ist, und das Meer und das, was in ihm ist: Es wird keine Frist mehr sein,

Off 11,15 Und der siebente Engel posaunte: und es geschahen laute Stimmen im Himmel, die sprachen: Das Reich der Welt ist unseres Herrn und seines Christus geworden, und er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit.

10,7 sondern in den Tagen der Stimme des siebenten Engels, wenn er posaunen wird, wird auch das Geheimnis Gottes vollendet sein, wie er es seinen eigenen Knechten, den Propheten, als gute Botschaft verkündigt hat.


1Kor 15,51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, 15,52a in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune; denn posaunen wird es,





15,52b und die Toten werden auferweckt werden, unvergänglich sein, und wir werden verwandelt. 15,53 Denn dieses Vergängliche muß Unvergänglichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen.



1The 4,16b und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; 4,17 danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim
Herrn sein.




Tabelle: Abfolge und Dauer der Endzeitereignisse

Die Wiederkunft des Herrn und die Entrückung. /    1. Teil, Kapitel 06

Die Hochzeit des Lammes. /    3. Teil, Kapitel 063

Von Tag und Stunde weiß allein der Vater. /    4. Teil Kapitel 064